Matthias Fritz José Schulze's research while affiliated with InnoVision Deutschland and other places

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Der Begriff born free ist eine in Namibia und Südafrika gebräuchliche Bezeichnung für Kinder und junge Erwachsene, die nach der Apartheid geboren wurden. Sie impliziert das Aufwachsen in einer von Fremdherrschaft befreiten, postrassistischen und demokratischen Gesellschaft, in der jedem potentiell alle Lebenswege offenstehen. Es handelt sich dabei...
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Die Ergebnisse, die in dieser Arbeit besprochen, analysiert und theoretisiert werden sollen, fußen auf drei miteinander verbundenen Feldforschungen, die ich zwischen Oktober 2013 und April 2018 durchgeführt habe. Innerhalb dieses Zeitraums verbrachte ich insgesamt 24 Monate im Südlichen Afrika und erhob qualitative Daten, die sich an den klassische...
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In der Auseinandersetzung mit Namibias staatlicher Erinnerungskultur und ihren Herausforderern blieb eine wichtige Frage bisher unbeantwortet: Wo war die jüngere Generation? Wie und wo positionierte sie sich in den Debatten zur Umsetzung des Reiterdenkmals oder zu den Reparationsforderungen der Nama und Herero? Teilweise erschienen sie in den Sozia...
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Der g e n e r a t i o n a l e Erfahrungszusammenhang ist die Grundlage für die Ausformung zukünftiger Erinnerungsmilieus, die die scheidenden Milieus der Ältesten sukzessive ersetzen. Genau an dieser Stelle zeigt sich die analytische Stärke, kulturelles Erbe und Erinnerung, als kontextuell und strukturell wandelbare foating signifer zu begreifen. D...
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Was charakterisiert die erinnerungskulturelle Gegenwart einer 30 Jahre jungen Demokratie, wer gestaltet sie, und welche Krisen musste sie bereits überwinden? Um diese Fragen beantworten zu können, möchte ich im Folgenden den Versuch unternehmen, den vorangegangenen Prolog über die historischen Grundlagen namibischer Erinnerungskulturen als Gegenwar...
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Die Entwicklungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs markieren für Namibia und Südafrika eine politische Zeitenwende als direkte Folge einer zehrenden und bis zuletzt kontroversen Teilnahme Südafrikas am Zweiten Weltkrieg. Unter dem Einfluss von Entbehrungen und Zukunftsängsten gelang es der Herenigde Nasionalen Party (HNP, Vereinigte Nationale P...
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Erinnerung, die Aufarbeitung von Vergangenheit, ihre Vermittlung als schützenswert betrachtetes materielles oder immaterielles Kulturgut stehen seit mehr als 30 Jahren im Brennpunkt wissenschaftlicher Forschung. In dem 2011 erschienen Sammelband „Heritage, Memory and Identity“ von Helmut Anheier und Yudhishthir Raj Isar argumentieren die Herausgebe...
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Im letzten Kapitel dieses Teils möchte ich am Beispiel eines deutschen Kolonialdenkmals zeigen, wie die erinnerungskulturelle Neubestimmung um einen problematisch gewordenen Ausschnitt der nationalen Vergangenheit kreist und diesen zu bewältigen sucht. Obwohl mehr als eine Teilnehmergruppe an dieser Auseinandersetzung beteiligt war, standen zwei Ak...
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Als Südafrika 1994 zum ersten Mal in seiner Geschichte demokratische Wahlen erfolgreich durchführte, war Namibia bereits zum „testing ground for a multi-racial democracy“ im Südlichen Afrika geworden. Die Wahlen von 1989 verliefen fair und friedlich. Während Mosambik und Angola ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht mit Waffengewalt erreichten,...
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Im Unterschied zu Südafrika, das bereits in der frühen Neuzeit mit den Entdeckungsfahrten und Expansionsplänen europäischer Mächte konfrontiert wurde, erlebte Namibia eine späte und weitestgehend übereilte, ja unsystematische Kolonisierung durch das Deutsche Kaiserreich im ausgehenden 19. Jahrhundert – mehr als 200 Jahre, nachdem die Niederländer a...
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Das folgende Kapitel konzentriert sich ausschnitthaft auf die wichtigsten geschichtlichen Entwicklungen Südafrikas und Namibias als Protagonisten eines Sonderwegs von verspäteter Unabhängigkeit und weißem Siedlerkolonialismus auf dem Kontinent. Es handelt sich also um eine historisch gewichtete Darstellung, die im Querschnittbereich von Politik- un...
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In der intensiven und doch lückenhaft bleibenden Darstellung der beiden zentralen Forschungsbereiche – des Sozialen Gedächtnisses und des Kulturelles Erbes – wurden an verschiedenen Stellen die konzeptuelle Verwandtschaft und die inhaltlichen Überschneidungen zwischen den beiden Theoriekomplexen herausgearbeitet. Für den weiteren Verlauf meiner The...
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Im Generationenkonfikt zwischen der alten Garde der SWAPO und den politisch mündig gewordenen born frees lassen sich zwei bemerkenswerte Dynamiken beobachten: Zum einen wird der kulturelle Wert der Seniorität in die Sphäre des Politischen getragen und dort eingesetzt, um die Autorität der alternden Elite zu legitimieren. Zugespitzt könnte man das C...
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Im dritten Kapitel dieses Teils möchte ich auf die dritte und vierte Personengruppe der Privilegierten-Teilnehmer-Theorie eingehen: die konkurrierenden Protagonisten und die marginalisierten Tritagonisten. Am Beispiel der Nama und Ovaherero soll zunächst gezeigt werden, wie beide Gruppen eine strategische Allianz eingegangen sind, um ihre erinnerun...
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Im zweiten Abschnitt dieses Teils möchte ich auf zwei der eben eingeführten Strategien eingehen, die ich unter der Funktion ‚Kulturelles Erbe als privilegierte Repräsentation‘ zusammengefasst habe: Symbolische Dekolonisierung und Heritage-Genese. Beide sind eng miteinander verflochten. Während die Symbolische Dekolonisierung übriggebliebene Narrati...