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Review: Giampietro Gobo (2008). Doing Ethnography

Authors:
  • University of Applied Science, Potsdam

Abstract

Doing Ethnography, by Giampietro GOBO, provides an introduction into ethnography from a practice perspective. The author discusses central topics, definitions, procedures, and reflections on the research process. The book thereby offers a thorough overview of the academic discourse on ethnographic research methods, along with a general outlook on recent developments at the cutting edge of methodological trends. Ethnography is elaborated through the integration of method into a constructivist research perspective. URN: urn:nbn:de:0114-fqs1002234
Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social
Research, Vol 11, No 2 (2010)
Volume 11, No. 2, Art. 23 – Mai 2010
Rezension:
Stefan Thomas
Giampietro Gobo (2008). Doing Ethnography. London: Sage; 355 Seiten; ISBN 978-1-
4129-1920-3; 32,- Euro
Zusammenfassung: Das Buch "Doing Ethnography" von Giampietro GOBO bietet eine Einführung in die Ethnografie
vonseiten der Praxis her. In systematischer Weise behandelt er zentrale Themen wie Definition, Umsetzung und Reflexion
ethnografischen Forschens. Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die ethnografische Methodendebatte, was
immer auch einen Blick auf zukunftsweisende Entwicklungen einschließt. Dabei erfährt der Methodendiskurs eine
Einordnung in eine konstruktivistische Forschungsperspektive.
Keywords: Ethnografie; Forschungsdesign; teilnehmende Beobachtung; ethnografisches Interview; ethnografisches
Schreiben
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt
2.1 "Methodology"
2.2 "Collecting materials"
2.3 "Analyzing materials"
2.4 "Audiences"
3. Fazit
Literatur
Zum Autor
Zitation
1. Einleitung
Als Lesende des Buches "Doing Ethnography" möchte GOBO sowohl Studierende
ansprechen, die eine erste Einführung in die Ethnografie suchen, als auch
Wissenschaftler/innen, die sich ein Textbuch als Grundlage für ihre Methodenseminare
wünschen. Den Anfänger/innen wird versprochen, ein brauchbares Rezeptbuch in der Hand
zu halten: "This is a book of recipes. It teaches you how to cook ... an ethnography" (GOBO,
S.i). Methodologie und Verfahrensweisen werden ausgiebig anhand von Studien illustriert,
um das tacid knowledge erfahrener Ethnograf/innen zu explizieren. Der Praxisbezug soll
gleichfalls den Kolleg/innen eine Hilfe und Erleichterung bei der Vorbereitung für
anschauliche Lehre sein. Im Folgenden wird das Buch an seinen eigenen Maßstäben
gemessen, indem diese Besprechung eine Antwort auf die Frage sucht, inwieweit es
gelungen ist, Theorie und Praxis gegenseitig zu erhellen, sodass am Ende zu verstehen ist,
was Ethnografie ist. [1]
Das Buch verfolgt zudem noch ein zweites Ziel. GOBO startet in der Einleitung mit dem
offensichtlichen Widerspruch, dass Ethnografie einerseits eine marginal method ist, deren
Objektivität und Wissenschaftlichkeit nicht selten infrage gestellt wird. Andererseits haben
die Ergebnisse aus der Feldforschung wegen ihrer Anschaulichkeit oftmals eine sehr
verführerische Wirkung. Angesichts des ungeklärten methodologischen Status soll das
Textbuch daher auch einen Beitrag zur Systematisierung und Verwissenschaftlichung der
ethnografischen Methode leisten, um Anwendungshemmnisse in den normal social science
abzubauen. [2]
Zur Abhandlung zentraler Gesichtspunkte ist das Buch in vier Teile gegliedert: Methodologie,
Datenerhebung, Datenanalyse, und Präsentation. [3]
2. Inhalt
2.1 "Methodology"
Im 1. Kapitel "What is ethnography" beginnt GOBO mit einem Definitionsversuch. Dabei fasst
er den Begriff Ethnografie zunächst methodisch. Die Anwendung (teilnehmender)
Beobachtung ist das entscheidende Kennzeichen, durch das sich Ethnografie von anderen
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sozialwissenschaftlichen Verfahren abhebt. Die Lebendigkeit und Detailliertheit
ethnografischer Beschreibungen setzt die "unabhängige" Beobachtung durch die
Forschenden voraus. Mehr noch weist GOBO darauf hin, dass Menschen einerseits nur sehr
schwer in der Lage sind, ihr eigenes Leben zu objektivieren, weil persönliche
Selbstauskünfte immer subjektive Wahrnehmungen, Interpretationen und Darstellungen des
eigenen Denkens, Fühlens und Tuns sind. Andererseits sind, wie GOBO deutlich macht,
auch die Forschenden mit einem gravierenden Problem konfrontiert. Ansprüche an
Wissenschaftlichkeit und Objektivität seien nur vermittels des schwierigen,
widersprüchlichen, letztlich paradoxen Verhältnisses von involvement und detachment zu
realisieren. Die Perspektiven engagierter Teilnahme und distanzierter Beobachtung
schließen sich in gewisser Hinsicht gegenseitig aus. Und dennoch wertet GOBO dieses
Problem nicht als prinzipiellen Einwand gegen Ethnografie, sondern verweist eher
pragmatisch darauf, dass schon Alltagsmenschen beim Erkennen ihrer Lebenswelt im
Widerspruch von empathischer Identifikation und reflexiver Distanz stünden, sodass sich
auch die Forschenden hieraus nicht befreien könnten. [4]
Im 2. Kapitel "Method or methodology" wird die definitorische Diskussion zum Zweck
größerer Trennschärfe und Erklärungskraft intensiviert, indem GOBO die konstruktivistische
Wissenschaftsperspektive, die generell dem Buch zugrunde liegt, entfaltet. Mit einer
stärkeren begrifflichen Schärfe will er einem inflationären Gebrauch vorbeugen, der
allerorten zu beobachten ist, sodass Ethnografie mittlerweile als abused buzz-word zum
Synonym qualitativer Methodik überhaupt avanciert ist. GOBO entwickelt dazu eine
Klassifikation zur Bestimmung von Leit-Methodologien entlang der Unterscheidung kognitiver
Modi. Ethnografie lässt sich demgemäß als Leit-Methodologie dem kognitiven Modus
Beobachten zuordnen. Weitere Methodologien, die als Platzhalter für zentrale Modi
menschlicher Welterkenntnis stehen, seien das "diskursive bzw. Tiefen-Interview" (Zuhören),
die Fragebogenerhebung (Fragen), die "dokumentarische Methodologie" (Lesen),
"transformative Methodologien" wie das Experiment (Operation) und die "spekulative
Methodologie" (Introspektion). [5]
Ein historisches Panorama an Theorien, Ansätzen und Personen bis hin zur Gegenwart wird
im 3. und 4. Kapitel entworfen. In der Sammlung sozialwissenschaftlicher
Forschungsparadigmen steht für die Pionierzeit ethnografischen Forschens selbstredend die
Chicago School. Das Aufgreifen anthropologischer Methoden war vom erwachenden
Interesse an Kulturen der Großstadt getragen, was die first-hand observation von
Stadtvierteln, Gettos und Sozialmilieus erforderte. In den 1960er und 1970er Jahren –
vielfach als "Goldene Ära" der Feldforschung bezeichnet (DENZIN & LINCOLN 2005a) –
gewannen in den Theorietraditionen des symbolischen Interaktionismus und der Grounded-
Theory-Methodologie mikrosoziologische Bedeutungs- und Handlungsanalysen an
Bedeutung. Studien, in denen mehr der soziale Kontext im Vordergrund steht, wie bei
William F. WHYTE und Erwing GOFFMAN, werden von GOBO als structuralistic
ethnography bezeichnet. Während realist ethnography ergonomische und menschliche
Verhaltensformen in natürlichen Settings untersuche, ziele Ethnomethodologie auf die
Aufdeckung sozialer Regeln des Alltagshandelns. Als neuere Formen werden von ihm unter
dem Forschungsprogramm der cultural studies die kultur- und medienwissenschaftliche
reception ethnography herausgehoben, die feminist ethnography mit dem Fokus auf Themen
sozialer Ungleichheit unter Geschlechtern sowie die postmodern ethnography als
fundamental selbstreflexive Kritik am vorherrschenden Repräsentationsmodell der
Sozialwissenschaften. In eine mögliche Zukunft würden Methodenkonzepte wie gobal,
institutional und performance ethnography weisen. [6]
Im 5. Kapitel "Designing research" gelangt GOBO schließlich zur Einführung in die konkrete
Forschungspraxis. Am Anfang einer jeden, damit auch ethnografischen Studie stehen
Bestimmung und Explikation von Forschungsgegenstand und Fragestellung. Ausgangspunkt
ist gemäß der GOBOschen konstruktivistischen Wissenschaftsperspektive die Prämisse,
dass die Sozialwelt immer schon im Alltag anhand von mentalen Schemata und praktischen
Interessen vorinterpretiert ist. Mehr noch wird entlang der Auswahl von empirischen
Indikatoren, operationalisierten Definitionen und Analyseeinheiten der
Forschungsgegenstand im Sinne von "constructing the research topic" erst geschaffen
(GOBO, S.73). Die Fragestellung solle demnach nicht zu breit sein, um sowohl
Oberflächlichkeit als auch Vorurteile zu vermeiden, und um im Sinne von sensitizing
concepts gegenüber neuen Einsichten offen zu sein. Vor allem Komplexität und
Vielschichtigkeit des Feldes sind GOBO zufolge entlang der Formulierung zentraler
Untersuchungskonzepte und -dimensionen zu reduzieren. Die Konkretisierung der
Fragestellung werde erleichtert – und hier versucht GOBO unorthodox die quantitative
Methodik für die Ethnografie fruchtbar zu machen – durch die Definition von skalierbaren
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Variablen, durch die Formulierung von Hypothesen und durch das Zurückgreifen auf
theoretische Modelle. [7]
Unter dem Titel "Project management" wird, den Methodologie-Teil mit dem 6. Kapitel
abschließend, die Planung der Durchführung einer ethnografischen Studie besprochen. Als
besondere Herausforderung einer Ethnografie stellt GOBO die knappen Ressourcen
(speziell die limitierte Zeit), die den Forschenden zur Verfügung stehen, heraus. Wichtig sei
eine gezielte und begründete Auswahl der Stichprobe aus der Grundgesamtheit aller
relevanten Settings, Personen und Ereignisse. Ebenso ist für ihn die Balancierung der
eigenen Teilnahme an dem sozialen Leben des Forschungsfeldes notwendig, was einerseits
Identifikation, Empathie und Engagement, andererseits Distanzierung, Dezentrierung und
Reflexion erfordere. Gerade angesichts der komplexen Planungsleistung, die für eine
ethnografische Studie notwendig ist, werden abschließend Methoden des Zeitmanagements
vorgestellt. [8]
2.2 "Collecting materials"
Im zweiten Teil des Buches, der sich mit Datenerhebung beschäftigt, werden im 7. Kapitel
unter dem Aspekt des "Entering the field" zunächst Strategien diskutiert, die die
Forschenden bei der Aushandlung des Feldzugangs unterstützen. Hier kommt es GOBO
zufolge auf einen geschickten und flexiblen Umgang mit der eigenen Rolle an, um
vertrauensvolle Beziehungen zu den Feldteilnehmenden zu etablieren, die mehr Türen zum
Feld eröffnen als verschließen. Dabei sei es wichtig, die "richtigen" Informant/innen
auszuwählen, die das ganze Spektrum an sozialen Positionen innerhalb des
Forschungsfeldes abdecken, die für die Untersuchung relevant sind. Die Forschenden
sollten gemäß GOBOs Empfehlung eher zurückhaltend, nicht wertend agieren und möglichst
wenig im Feld intervenieren. Die Eröffnung des Feldzugangs schließe dann auch ein, Zugriff
auf weitere Informations- und Bedeutungsträger – wie etwa öffentliche und persönliche
Schriftdokumente – zu gewährleisten. [9]
Im 8. Kapitel werden "Ethical dilemmas", ein in der Ethnografie oftmals vernachlässigtes
Thema, behandelt. Zu den ethischen Grundprinzipien, an denen sich qualitative Forschung
messen lassen muss, gehört sicherlich, dass Informant/innen nicht getäuscht werden dürfen,
die Forschenden ihnen gegenüber aufrichtig auftreten müssen und in der Sozialwelt keinen
Schaden anrichten dürfen; auch ist den Forschungspartner/innen die Möglichkeit zum
informed consent einzuräumen. GOBO macht aber deutlich, dass die Einhaltung dieser
"Anstandsregeln" nicht verhindern kann, immer wieder in moralische Dilemmata zu geraten,
die nicht für alle Beteiligten aufzulösen sind. [10]
Mit Blick auf die erste Zentralfrage der Datenerhebung "How to observe?" warnt GOBO
gleich zu Beginn des 9. Kapitels davor, dass die Methode nur wenige Hinweise darauf geben
könne, was und wie zu beobachten sei (S.148). Diese Frage sei primär aus den zu
entdeckenden Relevanzstrukturen des Gegenstandes selbst zu beantworten. Zumindest
könne ein klar formuliertes Forschungsdesign helfen, sich angesichts der Komplexität des
Feldes nicht orientierungslos darin zu verlieren. Besondere Bedeutung, um die sozial
geteilten Selbstverständlichkeiten einer Kultur aufzudecken, erlangen für ihn
Gedankenexperimente und Befremdungsstrategien – zum Beispiel durch
Perspektivenübernahme der Position von Außenseiter/innen, Fremden und Noviz/innen,
Einzelgänger/innen, "Problemfällen" etc. Ebenso sollten GOBO folgend die Forschenden im
Feld praktisch tätig werden, um die Basisregeln, die eingeübten Kulturpraktiken, den
unhinterfragten Sprach- und Reflexionshorizont aus der Handlungsperspektive
kennenzulernen. [11]
Im Hinblick auf die zweite Zentralfrage "What to observe?" hebt GOBO vier Aspekte heraus,
worauf Forschende fokussieren sollten: soziale Strukturen, Common-Sense-Interpretationen,
Handlungskontext und Artefakte. Mit Blick auf soziale Strukturen schränkt GOBO sogleich
ein, dass diese keiner unmittelbaren Beobachtung zugänglich seien (S.163). Er empfiehlt
stattdessen, auf die sozialen Praktiken, das beobachtbare Verhalten, besonders auf die
Zeremonien und Rituale zu schauen, die Ausdruck des großen Regelwerks sozialer
Strukturen seien. Jedoch wird hier m.E. nicht deutlich genug, dass Strukturen eher das
Resultat einer rekonstruktiven Interpretation sozialen Handelns durch Elaboration der
zugrunde liegenden Handlungssituation sind. [12]
Als zweiter wichtiger Beobachtungsgegenstand wird von ihm das verbale Verhalten
hervorgehoben, durch welches sich die Bedeutungsimplikationen von Handlungsweisen,
Situationen und Artefakten mit dem Ziel einer "dichten Beschreibung" sozialen Lebens
aufdecken lassen. Drittens ist ihm der Kontext wichtig, weil jede Handlung oder jeder
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Sprechakt in einer sozialen Situation platziert ist. Und dennoch verbleibt die folgende
Aufgabenstellung für die Beobachtung zu eng: "context, therefore, means above all
observing the physical space or setting" (S.173), weil auch diesbezüglich der
Bedeutungsaspekt entscheidender ist als das physikalische Arrangement von Räumen und
Gegenständen. Viertens rücken GOBO zufolge Artefakte in den Interessenfokus der
Beobachtenden, die als technologische, kognitive oder organisatorische Instrumente die
Durchführung von Handlungen ermöglichen und unterstützen. [13]
Den Gegenpart zur Beobachtung sieht GOBO in der Befragung. "Ethnographic interviewing"
ermöglicht durch das Gespräch mit Akteur/innen eine extensive Exploration von subjektiven
Sinnzuschreibungen und unklar gebliebenen Sachverhalten. Dabei bleibe das Interview in
die teilnehmende Beobachtung eingebettet, weil sich die Gespräche häufig aus Ad-hoc-
Situationen mit zuvor bekannten Personen ergeben. Hier bestehe im Gegensatz zum
Intensiv-Interview keine Notwendigkeit, sogleich alle wichtigen Fragen zu behandeln, weil in
der Regel das Interview zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt werden könne. Im
Vergleich zur teilnehmenden Beobachtung hebt GOBO jedoch gravierende Nachteile und
Mängel des Interviews hervor. Insbesondere können Forschende auf diesem Wege nicht den
tatsächlichen Ablauf eines Ereignisses rekonstruieren, sondern müssen sich mit subjektiven
Repräsentationen von Sachverhalten begnügen. [14]
Abschließend werden im 12. Kapitel unter dem Titel "Crafting ethnographic records" Formen
der Aufzeichnung ethnografischer Daten diskutiert. GOBO legt dar, dass ethnografische
Beobachtungsdaten in erster Linie als Feldnotizen festgehalten werden, die mehr
(persönlichen) Erfahrungsberichten gleichen, als dass es sich um (objektive)
Beschreibungen der Sozialwelt handele. Interpretation beginnt für GOBO (der sich hier auch
auf CLIFFORD 1990 bezieht) demgemäß nicht erst bei der Datenauswertung, sondern
schon die Feldbeschreibungen müssen als Interpretation der Beobachtenden – als textuelle
Inskriptionen – behandelt werden. Dennoch sei es wichtig, zwischen Deskription und
Interpretation zu trennen. Daher plädiert GOBO dafür, sich auf eine wörtliche Wiedergabe
des Gesagten in einer konkreten, anschaulichen Sprache zu konzentrieren. Gerade zu
Beginn, beim Feldeintritt, empfiehlt er, der Protokollierung viel Zeit zu widmen, weil die
Offenheit für das Neue und Unvertraute rasch verblasse. Weiterhin erachtet er eine
Trennung von Beobachtungsnotizen, theoretischen Notizen, methodologischen Notizen und
persönlichen Notizen für sehr hilfreich. Als Leitlinie für eine Zeitbudgettierung hält GOBO für
sinnvoll: "25% of your time allocated to observation; 25% to writing up fieldnotes; 20% to
analysis of the empirical documentation; and 30% for writing the research report" (S.213).
[15]
Neben den Beobachtungsnotizen sieht er aber auch Dokumente, Texte unterschiedlichster
Gattungen, Fotos und Filme sowie kulturelle Artefakte als interessante Datenquellen an. Die
Erhebung von statistischem Material ist für ihn dort sinnvoll, wo Ereignisse und Phänomene
gemessen oder gezählt werden. Neben dem Schreiben von "old-style pen-and-paper
fieldnotes" (S.217) hat sich für GOBO zur Datengewinnung die Verwendung von
Audiorekordern, Fotoapparaten und Filmkameras bewährt. Besonders Hypermedia (=
Multimedia + Hypertext) hält er für ein geeignetes Verfahren, um über die Kombination von
Texten, Bildern und Videos sowie die Verlinkung von Daten und Interpretationen die
Webstruktur von Bedeutungswelten in ihrer Komplexität, Vieldeutigkeit und
Verweisungsbezügen lebendig zu machen (vgl. hierzu COFFEY, RENOLD, DICKS,
SOYINKA & MASON 2006). [16]
2.3 "Analyzing materials"
Im dritten Teil des Buches wird, beginnend mit dem 13. Kapitel "Coding and analyzing
ethnographic records", ein weiteres Thema behandelt, das in der ethnografischen Debatte
eher zu kurz kommt. Die Auswertung konzeptualisiert GOBO dabei nach STRAUSS und
CORBIN (1990) anhand des open coding (deconstruction), axial coding (construction) und
selective coding (confirmation) – wobei der Grund für die Restriktion allein auf Grounded-
Theory-Methodologie offenbleibt. Für GOBO lassen sich die Aufgaben in diesem
analytischen Dreischritt folgendermaßen zusammenfassen:
"[I]n deconstruction the Ethnographer seeks to uncover the conventions regulating the interactions
observed; in construction he or she devises a story (theory) about the phenomenon observed; in the
confirmation the information collected is used to document precisely and systematically the
hypotheses contained in the story (theory)" (GOBO, S.227). [17]
Insbesondere durch Dekonstruktion und Denaturalisierung des lebensweltlichen
Bedeutungsgehalts geht es GOBO darum, den Daten eine neue, d.h. analytisch-theoretische
Lesart zu geben. Ebenso wird festgestellt, dass es einer Theorie keineswegs schade, wenn
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sie auch praktische Implikation für das untersuchte Forschungsfeld aufweise. Schließlich gibt
GOBO einen kurzen Überblick über das Leistungsvermögen von CAQDAS (Computer-
Assisted Qualitative Data Analysis Software). [18]
Ebenso wichtig wie die Frage nach ethnografischen Auswertungsmethoden ist die
Diskussion methodenbezogener Gütekriterien. Unter der Überschrift "Politics of
accountability" behandelt GOBO die Frage nach der Gültigkeit, Legitimierung und
Anerkennung von Auswertungsergebnissen innerhalb der scientific community, wobei
sowohl klassische als auch qualitative Gütekriterien kritisch beleuchtet werden. Aus der
konstruktivistischen Perspektive wendet er sich aber insbesondere gegen den Realismus,
der ethnografischer Forschung vielfach inhärent sei. Gütekriterien lassen sich für ihn
demnach nicht einfach über eine einfache Korrespondenzbeziehung zwischen Begriff und
Wirklichkeit bestimmen. Vielmehr soll es sich um praktische Konventionen handeln, die sich
aus der reflexiven Betrachtung konkreter Forschungspraxis entwickeln (S.278f.). [19]
2.4 "Audiences"
Zu Beginn des vierten Teils schildert GOBO unter der Überschrift "Communicating findings,
writing ethnographies" eine nicht von der Hand zu weisende Beobachtung des
akademischen Forschungsbetriebs: Während solide Daten oftmals nicht zur Kenntnis
genommen werden, weil sie in einem schlecht geschriebenen Report dargestellt seien,
vermutet er, dass überzeugende Ergebnisdarstellungen, die auf großes Interesse stoßen,
nicht selten auf schlechten Daten beruhen würden (S.287). Virulent werde die Frage nach
der Form der Forschungspräsentation gerade im Fall der Ethnografie allerdings noch aus
einem weiteren Grund: Das Publikum zerfalle zumeist in zwei Gruppen, das "gelehrte
Fachpublikum" auf der einen, die Angehörigen der untersuchten Lebenspraxis auf der
anderen Seite. Unter dem Aspekt des ethnografischen Schreibens tritt GOBO ferner dem
verbreiteten Missverständnis entgegen, dass Schreiben ein bloßes Festhalten der
beobachteten Ergebnisse und Gedanken sei. Vielmehr erfordere Schreiben einen
kontinuierlichen Prozess von Beginn an, in dem "thinking", "communication" and "continuing
to analyze the data" miteinander verbunden seien (S.288f.). Das Resultat des
Schreibprozesses gewinnt für ihn zudem eine eigene Gegenständlichkeit: "For the reader,
the book is not one representation among the many possible of a culture; it becomes the
culture" (S.290). Aus diesem Grund sei eine kritische Reflexion der akademischen
Konstruktionspraxen notwendig. GOBO differenziert zwischen drei Präsentationsformen, die
für Ethnografien typisch seien: realist narrative, processual narrative und reflexive narrative.
Während die Realismus-Erzählung für GOBO über die Gegründetheit des ethnografischen
Forschungsberichts in den persönlichen Erfahrungen der Forschenden systematisch
hinwegtäuscht, kritisiert er an dem prozessualen Modell, dass die Beschreibung der sozialen
Wirklichkeit hinter dem persönlichen Erfahrungsbericht der Forschenden zurücktrete. Er
spricht sich daher für die reflexive Erzählweise aus, in der die Beschreibung der sozialen
Wirklichkeit vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrung eingeordnet, reflektiert und
korrigiert werde (S.298). [20]
Im 16. Kapitel "Leaving the field" geht es schließlich um die Frage nach dem optimalen
Zeitpunkt zur Beendigung des Feldaufenthalts. Indikatoren seien die taken-for-grantedness
der untersuchten Sozialwelt seitens der nunmehr im Forschungsfeld sozialisierten
Wissenschaftler/innen und die theoretical saturation sensu GLASER und STRAUSS (1967).
Zum Ende könne die Forschung gelangen, wenn "... no new data is shedding any further
light on the features of the categories" (GOBO, S.308). Neben methodologischen
Gesichtspunkten müssten die Forschenden bei der Beendigung des Feldaufenthalts ebenso
die sich aufseiten der Akteure entwickelnden Verpflichtungen, Erwartungen und Gefühle
berücksichtigen. Dies schließe ein, dass sie den Menschen im Feld eine Antwort auf die
Frage schuldig seien, ob und in welcher Weise der Kontakt auch nach der Forschung
aufrechterhalten werden solle. [21]
Zum Ende des Buches wird über die reine Methodendiskussion hinausgreifend die Relevanz
und der Stellenwert von Beobachtungsverfahren in der Gegenwartsgesellschaft unter dem
Stichwort der "Observation society" bestimmt. Dabei könnten Beobachtungsverfahren, die
sich außerhalb von Wissenschaft entwickelt haben – Big-Brother-Show; shadowing
technique, wo eine Person in ihrem Alltag gleich einem Schatten begleitet wird; flanking, wo
Noviz/innen etwa beim Jobtraining Expert/innen zur Seite gestellt werden; focused
ethnography als abgespeckte Kurzzeitform der teilnehmenden Beobachtung –, sehr wohl
auch Anregungspotenzial für die Ethnografie bieten. [22]
3. Fazit
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Bei "Doing Ethnography" handelt sich um ein Einführungsbuch in die Ethnografie, das nicht
mit Überraschungen aufwartet, das aber solide gearbeitet ist und systematisch in den
Diskussionsstand einweist. Die Einführung halte ich für gelungen, weil anschaulich in der
direkten Auseinandersetzung mit einer Vielzahl an Beispielen das praktische Vorgehen in
der Ethnografie erhellt wird. Durch den Reichtum an Veranschaulichungsmaterial wird die
theoretische Auseinandersetzung immer wieder auf die methodische Praxis zurückgeführt.
Mehr noch finden sich auf der Companion-Webseite des Sage-Verlags längere Passagen
von Originalstudien, sodass sich hier die nicht vorbelasteten Lesenden mit wegweisenden
Ethnografien vertraut machen können. Dennoch hätte das Buch gerade unter dem Aspekt,
eine Einführung zu bieten, an vielen Stellen kürzer gefasst sein können. Für verzichtbar halte
ich ebenso, was für ein englischsprachiges textbook aber wohl unvermeidlich ist, das
Glossar zentraler Begriffe und die den Lernfortschritt abprüfenden Wissensfragen, mit denen
jedes Kapitel abschließt. Diese Parzellierung eines Diskussionsstandes, der sich aus der
reflexiven Aneignung angewandter Methodik entwickelt hat, in abprüfbares Wissen steht
meines Erachtens einem Begreifen in Zusammenhängen eher im Wege. [23]
Das Bedürfnis nach einer aktuellen Einführung in die Ethnografie scheint groß zu sein, was
sich anhand einer zunehmenden Anzahl einleitender Werke (etwa auch in Form von
überarbeiteten Neuauflagen) und themenbezogener Handbücher beobachten lässt. Wie lässt
sich mit Blick auf die Literaturlage unter Heranziehung der vielleicht wichtigsten Bücher
GOBOs "Doing Ethnography" verorten? [24]
Besonders SPRADLEY "Participant Observation" (1980) kann als Klassiker gelten, wo der
Diskussionstand bis in die 1980er Jahre zusammengefasst wird. Ethnografie wird durchweg
als Synonym für teilnehmende Beobachtung verwandt. Die Stärke des Buches besteht darin,
dass ausgehend von eigener Feldforschungserfahrung eine konzeptuelle Begrifflichkeit
entwickelt wird, in der die zentralen Gesichtspunkte der Methode pointiert gefasst werden.
Eine Einführung entlang der einzelnen Stationen im Forschungsprozess gibt unter gleichem
Titel das übersichtliche Buch von JORGENSON (1989). [25]
Bei zwei weiteren Standardwerken älteren Publikationsdatums wurden unter weitgehender
Beibehaltung des Textkorpus moderate Aktualisierungen bezüglich neuerer Entwicklungen
vorgenommen. Der methodologische Standort, von dem die Darstellung erfolgt, muss aber in
beiden Fällen in den 1980er Jahren verortet werden. FETTERMANs "Ethnography. Step by
Step" (2010 [1989]) ist ein Buch, das die einzelnen Untersuchungsschritte immer entlang von
einschlägigen Bespielen aus den praktischen Notwendigkeiten des Forschungsprozesses
begründet. HAMMERSLEY und ATKINSON (2007 [1983]) entwickeln in "Ethnography.
Principles in Practice" die Methode aus einer vorzüglichen Kenntnis des Literaturstandes der
1980er Jahre entlang einer Vielzahl an Zitaten über methodische Vorgehensweisen und
Reflexionen aus ethnografischen Studien. [26]
ANGROSINO (2007), ein Buch aus dem "Qualitative Research Kit", herausgegeben von
FLICK (2007), bietet eine knappe, auf das Wesentliche kondensierte Einführung, die einen
ersten Einstieg als orientierenden Überblick bietet. Schließlich stellt MURCHISON
"Ethnography Essentials" (2010) die aktuellste Einführung dar, die insbesondere von der US-
amerikanischen Debatte über qualitative Forschungsmethoden aus argumentiert. [27]
GOBOs Werk zeichnet sich im Vergleich dadurch aus, dass es das konzeptuelle Niveau in
Richtung einer fortgeschrittenen Formalisierung und Methodisierung noch weiter anhebt. Das
Buch begründet sich weniger aus der Praxis heraus und gewinnt seine Authentizität nicht
aus der Eigenerfahrung oder den Fremdberichten erfahrener Ethnograf/innen. Die
Darstellung der Forschungspraxis erhält eher den Charakter von Beispielen, anhand deren
die methodische Darstellung veranschaulicht wird. Es erscheint insbesondere als
Basislektüre für die Methodenausbildung geeignet. [28]
Zudem finden sich zum Thema "Ethnografie" mehrere Handbücher, wobei insbesondere das
"Handbook of Ethnography", herausgegeben von ATKINSON, COFFEY, DELAMONT,
LOFLAND und LOFLAND (2001), mit einer breiten Sammlung von Autor/innen aufwartet, die
sich mit neueren methodischen Entwicklungen aus einer Vielzahl an Facetten beschäftigen.
Dem steht das "Ethnographer's Toolkit" von SCHENSUL und LECOMPTE (1999)
gegenüber, das mit sieben Bänden und über 1.600 Seiten sicherlich umfangreichste
Handbuch zur Ethnografie. Zudem gibt es mit aktuellerem Erscheinungsdatum noch das
Handbuch von ROBBEN und SLUKA (2007), das sich mit Ethnografie aus der Sicht der
Sozialanthropologie beschäftigt. EMERSON (2001) bietet eine Sammlung zumeist
klassischer Texte, die von ihm kenntnisreich eingeführt werden. Und nicht zuletzt müssen
auch DENZIN und LINCOLN (2005b) hier Erwähnung finden, weil sie ihr qualitatives
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Verständnis eng entlang des Begriffs Ethnografie führen und Raum für experimentelle und
emanzipatorische Ansätze in der Sozialforschung bieten. [29]
Im Vergleich zu den Handbüchern – mit Ausnahme von SCHENSUL und LECOMPTE – liegt
der Vorteil einer Monografie sicherlich darin, dass diese aus einem Guss ist, die Thematik
von einem genuin methodologischen Standpunkt ausarbeitet und eine geschlossene
Darstellung des Gesamt des Feldes im Auge hat. Handbuchartikel dagegen sind im besten
Falle Expertisen aus unterschiedlichen methodologischen Orientierungen – obwohl aufgrund
besonderer Offenheit und Unwägbarkeit des Forschungsprozesses in der Ethnografie wohl
auch dies gerade einen besonderen Charme entfaltet. [30]
Über die Bewertung des Buches als thematische Einleitung hinaus habe ich zwei prinzipielle
Einwände gegen die methodologische Rahmung ethnografischer Forschung. Beide
Kritikpunkte beziehen sich auf den konstruktivistischen Relativismus, auf dem bei GOBO die
konzeptuelle Grundlegung von Ethnografie beruht. Erstens mag es vielleicht aus einer
konstruktivistischen Perspektive nahe liegen, Ethnografie anhand einer operationalen
Definition durch die vorherrschende Forschungspraxis zu bestimmen. GOBO stellt sehr klar
heraus, dass sich Ethnografie als teilnehmende Beobachtung versteht. Was hierbei aber aus
dem Blick fallen muss, ist, dass qualitative Forschung den Anspruch erhebt, sich nicht zuerst
ausgehend von der Methode, sondern vom Gegenstand zu bestimmen. Besonders deutlich
treten die Schwierigkeiten der definitorischen Reduktion von Ethnografie auf Beobachtung
anhand der methodologischen Taxonomie hervor, die GOBO im 2. Kapitel entwickelt. Hier
unterscheidet er kognitive Modi, aus denen er Grundmethodologien empirischer
Sozialforschung ableitet. Ethnografie, eine dieser Grundmethodologien, ist aber nicht auf den
kognitiven Modus "Beobachtung" zu reduzieren. Wenn Ethnografie die Kartografierung
kultureller Welten zur Explikation der Bedeutungs- und Handlungsstruktur ist, dann wird
deutlich, dass dies den Rückgriff auf das ganze Spektrum kognitiver Modi wie Zuhören,
Fragen, Lesen, das aktive Intervenieren im Feld und die reflexive Introspektion notwendig
macht. Bei der Gewinnung von First-hand-Einsichten in die untersuchte Lebenswelt ist daher
auch der Einbezug des ganzen Werkzeugkoffers quantitativer und qualitativer Methoden
mehr als sinnvoll (THOMAS 2010). [31]
Letztlich, und dies ist der zweite Kritikpunkt, kommt die eigentliche Stärke ethnografischen
Forschens, die Situierung des Forschungsprozesses in der Lebenswelt, in der
konstruktivistischen Eingemeindung sensu GOBO nicht mehr zur Geltung. Sicherlich handelt
es sich bei Sozialforschung stets um eine konstruktive Praxis. Doch ist mehr darüber zu
sagen, als dass Alltagsmenschen wie Wissenschaftler/innen (nur) mit ihren mentalen
Konzepten und Konstruktionen operieren. Interpretationen sind nämlich nicht rein
mentalistische Konstrukte, sondern diese sollten im besten Falle auf den gesellschaftlichen
Wissens- und Reflexionshorizont bezogen sein, wie dieser sich in der Sprache auslegt, um in
intersubjektiver Weise die soziale Wirklichkeit theoretisch zu erfassen und praktisch zu
bewältigen. Die Aufgabe von Sozialwissenschaft besteht nach meinem Verständnis gerade
darin, die "common-sense-Akte im Alltagsleben" (CICOUREL 1974, S.315), auf die auch die
Forschenden in ihrem Denken über die soziale Welt notwendigerweise zurückgreifen zu
explizieren. Die Sozialwissenschaften erfordern es angesichts der sozialen
Vorstrukturiertheit ihres Gegenstandes, von den sprachlichen Verständigungs- und
Reflexionsformen auszugehen, wie diese in der Lebenswelt vorgefunden werden, um diese
in Form von wissenschaftlichen Modellen und Theorien zu systematisieren. Speziell für diese
anspruchsvolle Aufgabe sozialwissenschaftlicher Forschung scheint mir Ethnografie die
Methode der Wahl zu sein. [32]
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Zum Autor
Dr. Stefan THOMAS forscht an der Freien Universität Berlin zu sozialpsychologischen und soziologischen Aspekten der
Integration des Individuums in der Gegenwartsgesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richtet er auf Armuts- und
Exklusionsprozesse. Als Dozent lehrt er an der Freien Universität Berlin und der Alice-Salomon-Hochschule Berlin.
Forschungsschwerpunkte: Sozialpsychologie; Armut, Exklusion und Integration; Identität und Motivation;
Wissenschaftstheorie und Forschungsmethoden.
Kontakt:
Dr. Stefan Thomas
Alice-Salomon-Hochschule
Alice-Salomon Platz 5
D-10627 Berlin
Tel.: +49 (0)30/99245-0
E-Mail: thomas@ash-berlin.eu
URL: http://www.ash-berlin.eu/index.php?dozid=474&id=807
Zitation
Thomas, Stefan (2010). Rezension: Giampietro Gobo (2008). Doing Ethnography [32 Absätze]. Forum Qualitative
Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 11(2), Art. 23, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1002234.
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Article
Full-text available
This paper considers some of the methodological implications of undertaking and representing multimedia and digital, ethnographic work. It explores some of the challenges and opportunities of working with and across a range of media, and explores some of the consequences of bringing hypermedia applications to ethnographic work. The paper draws on a project that sought to explore the learning opportunities and experiences of an interactive science discovery centre, and that utilised a multimedia, ethnographic approach. The paper locates this methodological approach alongside recent and ongoing developments within qualitative research, and aims to situate educational research within the context of these developments. The paper particularly addresses issues of integrating different forms of qualitative data, ethnographic ‘design’, the ethics of research practice, communication and capacity building.
Book
A comprehensive and practical guide to ethnographic research, this book guides you through the process, starting with the fundamentals of choosing and proposing a topic and selecting a research design. It describes methods of data collection (taking notes, participant observation, interviewing, identifying themes and issues, creating ethnographic maps and tables and charts, and referring to secondary sources) and analyzing and writing ethnography (sorting and coding data, answering questions, choosing a presentation style, and assembling the ethnography). Although content is focused on producing written ethnography, many of the principles and methods discussed here also apply to other forms of ethnographic presentation, including ethnographic film. Designed to give basic hands-on experience in the overall ethnography research process, Ethnography Essentials covers a wealth of topics, enabling anyone new to ethnography research to successfully explore the excitement and challenges of field research.