ArticlePDF Available

Radegundis Stolze: Hermeneutisches Übersetzen. Linguistische Kategorien des Verstehens und Formulierens beim Übersetzen (= Tübinger Beiträge zur Linguistik, 368). Tübingen: Gunter Narr Verlag, 1992

Authors:

Abstract

Die Arbeit von Radegundis Stolze besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im theoretischen Teil (13-88) stellt sie ihre Theorie zum Ubersetzen als humanbestimmte Aktivitat, die durch Hermeneutik am besten beschrieben werden kann, dar. Sie stellt dabei funf translatorische Kategorien auf. Diese Kategorien sind Teilgebiete der Sprachwissenschaft (THEMATIK, SEMANTIK, LEXIK, PRAGMATIK und STILISTIK). Die Anwendung der Kategorien bei der Beschreibung des Ubersetzungsprozesses und bei der Ubersetzungskritik wird im praktischen Teil dargestellt (89-276). Der Anhang (277-388) enthalt 18 authentische Texte und Ubersetzungsvorschlage zu diesen Texten, die als Beispielmaterial fur den praktischen Teil dienen, sowie eine ausfuhrliche Bibliographie. Radegundis Stolze sieht die Ubersetzungswissenschaft als eine Kommunikationswissenschaft auserhalb der Linguistik an. Das Ubersetzen kann auf drei Ebenen beschrieben werden. Situationell hat der Ubersetzer die Rolle eines Sprachmittlers, der die Verstandigung zwischen Kommunikationspartnern aus verschiedenen Kulturen ermoglichen soll. Handlungspraktisch ist das Ubersetzen das Ubertragen einer Mitteilung in eine andere Sprache, und sprachwissenschaftlich ist es das Verstehen und Neuformulieren eines sprachlich gestalteten Textes. Ubersetzen ist somit nicht das Ubertragen von ausgangssprachlichen in zielsprachliche Textstrukturen nach festlegbaren Regeln, sondern verstehender und neuformulierender Umgang mit Texten. Nach Stolze ist die Sprachwissenschaft eine Hilfsdisziplin der Ubersetzungswissenschaft. Nach unserer Auffassung ist eine solche Unterscheidung etwas zu streng. Genau wie die Text-linguistik ist die Ubersetzungswissenschaft eine Disziplin, die mehrere Zweige der Linguistik integrieren mus, um ihren Gegenstand adaquat beschreiben zu konnen. Dadurch plaziert sie sich aber nicht auserhalb der Sprachwissenschaft, denn alle drei Beschreibungsebenen,
Jan Engberg
Radegundis Stolze: Hermeneutisches Übersetzen. Lin-
guistische Kategorien des Verstehens und Formulierens
beim Übersetzen (= Tübinger Beiträge zur Linguistik,
368). Tübingen: Gunter Narr Verlag, 1992.
Die Arbeit von Radegundis Stolze besteht aus einem theoretischen und
einem praktischen Teil. Im theoretischen Teil (13-88) stellt sie ihre Theo-
rie zum Übersetzen als humanbestimmte Aktivität, die durch Hermeneu-
tik am besten beschrieben werden kann, dar. Sie stellt dabei fünf transla-
torische Kategorien auf. Diese Kategorien sind Teilgebiete der Sprach-
wissenschaft (THEMATIK, SEMANTIK, LEXIK, PRAGMATIK und
STILISTIK). Die Anwendung der Kategorien bei der Beschreibung des
Übersetzungsprozesses und bei der Übersetzungskritik wird im prak-
tischen Teil dargestellt (89-276). Der Anhang (277-388) enthält 18
authentische Texte und Übersetzungsvorschläge zu diesen Texten, die als
Beispielmaterial für den praktischen Teil dienen, sowie eine ausführliche
Bibliographie.
Radegundis Stolze sieht die Übersetzungswissenschaft als eine Kom-
munikationswissenschaft außerhalb der Linguistik an. Das Übersetzen
kann auf drei Ebenen beschrieben werden. Situationell hat der Übersetzer
die Rolle eines Sprachmittlers, der die Verständigung zwischen Kommu-
nikationspartnern aus verschiedenen Kulturen ermöglichen soll. Hand-
lungspraktisch ist das Übersetzen das Übertragen einer Mitteilung in eine
andere Sprache, und sprachwissenschaftlich ist es das Verstehen und
Neuformulieren eines sprachlich gestalteten Textes. Übersetzen ist somit
nicht das Übertragen von ausgangssprachlichen in zielsprachliche
Textstrukturen nach festlegbaren Regeln, sondern verstehender und neu-
formulierender Umgang mit Texten. Nach Stolze ist die Sprachwis-
senschaft eine Hilfsdisziplin der Übersetzungswissenschaft. Nach unser-
er Auffassung ist eine solche Unterscheidung etwas zu streng. Genau wie
die Text-linguistik ist die Übersetzungswissenschaft eine Disziplin, die
mehrere Zweige der Linguistik integrieren muß, um ihren Gegenstand
adäquat beschreiben zu können. Dadurch plaziert sie sich aber nicht
außerhalb der Sprachwissenschaft, denn alle drei Beschreibungsebenen,
109
Hermes, Journal of Linguistics no. 10 – 1993
die Stolze angibt, gehören in unserer Sicht zum Gegenstand dieser Wis-
senschaft.
Da also nach Stolze als Ausgangspunkt nicht die ausgangstextlichen
Strukturen als solche, sondern nur der ganzheitliche Sinn der Textvorlage
(Ausgangstext) der Übersetzung (Zieltext) Bindungen auferlegt, hat der
Übersetzer bei der Formulierung der Übersetzung eine weitgedehnte
Freiheit. Es gibt aber Beschränkungen dieser Freiheit. Primär bestehen
sie darin, daß die Übersetzung die Mitteilung (den Sinn) der Vorlage loy-
al, möglichst detailliert und intentionsadäquat wiedergeben soll. Unter
Sinn wird das im Text Gemeinte verstanden, wie es aus dem Gesagten
und den Äußerungsbedingungen erschließbar ist. Dabei können Normen
und Konventionen der zielsprachlichen Textsorte oder kulturgebundene
Formulierungsweisen eine Rolle spielen. Der Übersetzer muß also bei
der Neuformulierung Auswahlentscheidungen treffen. Es ist Aufgabe der
Übersetzungswissenschaft, die für solche Entscheidungen notwendige
Fähigkeit (Übersetzungskompetenz) zu beschreiben.
In der Theorie von Stolze spielen die Begriffe Intuition und Stim-
migkeit eine große Rolle. Intuition wird als wesentlicher Teil des
menschlichen Verstehens und somit als notwendiger Teil des Über-set-
zungsprozesses gesehen. Anhand des intuitiven Verständnisses der
Textvorlage, das auf sein sprachliches und sonstiges Vorwissen baut, fer-
tigt der Übersetzer einen Übersetzungsvorschlag an, der dann durch ra-
tionale Überlegungen nachgeprüft und gegebenenfalls geändert wird. Die
rationalen Überlegungen können durch die obengenannten translato-
rischen Kategorien gesteuert werden. Intuition und damit verbunden
auch Kreativität gehören also zu den bei jeder Übersetzung einzusetzen-
den Denkmethoden. Mit der Einschränkung, daß in vielen Fällen der
nicht-literarischen Übersetzung Textsortenkonventionen und andere Fak-
toren die Kreativität begrenzen, halten wir diese Auffassung der Rolle
der Intui-tion im Übersetzungsprozeß für möglich. Ob sie richtig ist, kön-
nen nur kognitionspsychologische Studien zeigen.
Als Maßstab dafür, wann eine Übersetzung mit einer Textvorlage
übereinstimmt, entwirft Stolze in Anlehnung an den Symmetrie-Begriff
der naturwissenschaftlichen Evolutionsforschung einen graduellen
Begriff der Stimmigkeit, der den Begriff der Äquivalenz ersetzen soll.
Den äquivalenz-Begriff lehnt sie ab, weil er zu stark ergebnis- und zu
wenig prozeßorientiert ist. Sie faßt den Begriff der Äquivalenz als ein
Instrument der Übersetzungskritik an fertigen Übersetzungen auf, woge-
gen die Stimmigkeit ein Parameter bei der Bearbeitung eines Überset-
110
zungsvorschlages ist. Mit dem höchsten Grad der Stimmigkeit ist die
Sinneinheit von Textvorlage und Übersetzung gemeint. Die Stimmigkeit
ist erreicht, wenn das Gemeinte mühelos beim Leser ankommt (72).
Die Begriffe Intuition und Stimmigkeit sind in der Theorie verbunden.
Der auf der Basis der Intuition angefertigte Übersetzungsvorschlag wird
solange überarbeitet, bis der gewollte oder in der gegebenen Situation
mögliche Stimmigkeitsgrad erreicht ist.
Unseres Erachtens ist der Begriff der Stimmigkeit ein mögliches Mit-
tel zur Beschreibung des Übersetzungsprozesses. Er zeichnet sich gegen-
über dem ähnlichen, von Reiß/Vermeer (1984) vertretenen Begriff der
Adäquatheit dadurch aus, daß er die Übereinstimmung zwischen Text-
vorlage und Übersetzung bezüglich des Sinns der Texte betont. Jedoch
kommt die Einbeziehung der Funktion der Übersetzung bei der Entschei-
dung der Stimmigkeit theoretisch gesehen zu kurz. Zwar wird angeführt,
daß bei unterschiedlicher Gewichtung von Übersetzerentscheidungen
[...] auch verschiedene Übersetzungen desselben Textes jeweils eine opti-
male Stimmigkeit zur Textvorlage erzielen [können] (72). Es wird aber
nicht weiter ausgeführt, wodurch die unterschiedliche Gewichtung verur-
sacht wird. In einem anderen Zusammenhang sagt Stolze, daß die Stim-
migkeit darin besteht, daß beide Texte miteinander das Ganze haben
(82). Und in Verbindung mit einer späteren Analyse sagt sie, daß die
Relation der Stimmigkeit impliziert, daß möglichst viele ihrer Qual-
itäten (d.h. der Textvorlage, Anm. d. Verf.) in der Zielsprache wieder-
kehren (258).
Eine Auswahl von Stimmigkeitsgebieten je nach Funktion der Über-
setzung scheint sie in den letztgenannten Beispielen somit nicht akzep-
tieren zu wollen, obwohl sie am Anfang des Kapitels bezüglich der
Übereinstimmung von Textvorlage und Übersetzung folgendes Gebot für
Übersetzer formuliert hat: Der Übersetzer soll die verstandene Mit-
teilung so neu zur Sprache bringen, daß eine optimale Sinnübereinstim-
mung zwischen Text und Übersetzung entsteht, welche zugleich ihren
Zweck er- füllt (61). Um wirklich anwendbar zu werden, muß der
Begriff der Stimmigkeit die Funktionsadäquatheit der Übersetzung und
auch die Möglichkeit der Übertragung von Teilsinn stärker berücksichti-
gen, um die Multiperspektivität von Texten adäquat beschreiben zu kön-
111
1Gutt (1991) stellt ein Konzept dar, das einer Erklärung von Stimmigkeit näher kommt.
Mit dem Begriff der Communicative Clues beschreibt er die Relation zwischen dem
Sinn eines Textes und seinen Strukturelementen. Je nach Übersetzungstyp können Teile
des Sinns und dadurch auch Teile der Struktur der Textvorlage berücksichtigt und über-
nommen werden. Für eine nähere Diskussion des Ansatzes siehe Engberg (1992).
nen1.
Im praktischen Teil der Arbeit hat Radegundis Stolze die lobenswerte
Anstrengung auf sich genommen und gewagt, ihre Theorie ausführlich
an Übersetzungsbeispielen vorzuführen. Es werden die fünf transla-
torischen Kategorien THEMATIK, SEMANTIK, LEXIK, PRAGMATIK
und STILISTIK vorgestellt und ihre Beschreibungseffizienz an Beispie-
len getestet. Stolze postuliert, daß die ersten drei Kategorien primär zur
Rezeptions-, die letzten beiden Kategorien primär zur Produktionsphase
des Übersetzungsprozesses gehören. Die angeführten Beispiele zeigen
aber unseres Erachtens mit aller Deutlichkeit, daß eine solche Einteilung
jedenfalls generell nicht haltbar ist. Die Kategorien sind interdependent,
und die dazugehörigen Untersuchungsmethoden müssen folglich sowohl
bei der Rezeption als auch bei der Produktion eingesetzt werden. So wer-
den bei der Kategorie THEMATIK solche Punkte wie die Ermittlung der
Entstehungssituation (darunter, ob ein Text ein Fachtext ist) und die Ein-
beziehung von Kulturspezifika erwähnt, die später bei der Präsentation
der Kategorie PRAGMATIK wiederkehren. Auch bei der Kategorie
SEMANTIK wird PRAGMATIK und STILISTIK notwendigerweise
miteinbezogen. Dadurch soll aber den Kategorien ihre Relevanz für die
Übersetzungspraxis nicht abgestritten werden. Nur der Zuschreibung von
einzelnen Kategorien zu einzelnen Phasen gegenüber sind wir skeptisch.
Die Kategorie THEMATIK umfaßt als textexterne Komponenten die
Situation, die Textfunktion und die Unterscheidung in fachsprachliche
und nicht-fachsprachliche Texte. Zusammen mit den Wort- und Satzbe-
deutungen im Text macht diese Komponente den übersummativen Text-
sinn aus. Die Kategorie erscheint uns inhomogen und z.T. überflüssig.
Wenn die Unterscheidung zwischen Rezeptions- und Produktionskate-
gorien aufgehoben werden würde, könnten unter der Kategorie PRAG-
MATIK große Teile der hier behandelten Faktoren untersucht werden.
Homogener ist die Kategorie SEMANTIK, die primär mit dem Instru-
mentarium der strukturellen Semantik (Seme, Isotopieketten, Wortfelder)
den Text untersucht. Hierhin gehören auch Konnotationen und Assozia-
tionen, die mit den Wörtern verbunden sind. Die Kategorie LEXIK
beschäftigt sich mit fachsprachlicher Lexik, Terminologie und Phraseolo-
gie (und ist damit stark mit der Kategorie THEMATIK und auch der Kat-
egorie PRAGMATIK verbunden).
In der Kategorie PRAGMATIK werden in Abhängigkeit von der
Sender-Empfänger-Relation Übersetzungszweck, kulturelle und sozi-
112
olektale Unterschiede behandelt, und schließlich werden unter STILIS-
TIK text-sorten- und funktionsbedingte Formulierungsbeschränkungen
und die Möglichkeit, von der Sprachnorm abzuweichen, behandelt.
Ein Hauptproblem der Arbeit von stolze ist wie schon angedeutet die
Beurteilung des Stellenwertes, die der Übersetzungszweck für die Über-
setzung hat. Der Ansatz ist ein lobenswerter Versuch, eine Rahmentheo-
rie für die Übersetzung aller multiperspektivischen Texte zu schaffen
(272). Bei einem solchen Unterfangen müssen unseres Erachtens die bei-
den Aspekte berücksichtigt werden, die Stolze mit Treue zur Vorlage
und Intentionsadäquatheit umschreibt. Stolze nennt auch bei generellen
Aussagen oft beide Aspekte, aber es ist unser Eindruck, daß die Inten-
tionsadäquatheit sowohl bei den praktischen Analysen als auch bei Teilen
der Theorie zu kurz kommt. Ein Beispiel haben wir schon bei der
Behandlung des Begriffs der Stimmigkeit erwähnt. Weiter wird am
Anfang des Kapitels über die Kategorie PRAGMATIK zuerst gesagt, daß
der Übersetzungszweck nur eine Rahmenbedingung ist, die anderen Kat-
egorien aber nicht außer Kraft setzt. In der Fortsetzung wird dann als
Beispiel ein Werbetext behandelt, bei dem der Übersetzungszweck (Er-
zielen einer ähnlichen Wirkung in der fremden Kultur) tatsächlich die
anderen Kategorien teilweise außer Kraft setzt, indem die Stimmigkeit
dann nicht die semantischen oder lexikalischen, ja z.T. nicht einmal die
thematischen Sinnkomponenten betreffen muß. Unseres Erachtens
braucht die Theorie in diesem Punkt eine gewisse Klärung.
Dasselbe gilt für die theoretische Ablehnung von Übersetzungsstrate-
gien, die an Strukturen der Textvorlage gebunden sind. Stolze sagt an
mehreren Stellen, daß solche Strategien nur zu schlechten Ergebnissen
führen könnten (z.B. 73: Wer so mechanisch übersetzt, produziert die
notorischen Sekundärtexte, denen man das Übersetztsein schon von weit-
em ansieht.). Bei gewissen Textsorten und bestimmten Überset-
zungsaufgaben räumt sie aber der Quasi-Selbststeuerung des Überset-
zungsprozesses (Wills, zitiert S. 73) eine Berechtigung ein. In einem
Kapitel über das Übersetzen juristischer Texte (176-190) hält sie bei der
Überset-zung von Urteilen die Übernahme der zielsprachlichen Konven-
tionen bei ausgangssprachlichen Gliederungssignalen zu Recht für uner-
läßlich. Dies liegt im Übersetzungsauftrag begründet (eine soweit
möglich auch formal entsprechende Übersetzung des Urteils zu for-
mulieren). Aber auch bei bestimmten Wortbildungstypen stellt sie die
Möglichkeit einer fast automatischen Übersetzung dar (153). Unseres
Erachtens würde die Theorie dadurch gewinnen, daß die Möglichkeit der
113
Nutzung von text-sortenspezifischen Relationen zwischen sprachlichen
Strukturen (die im praktischen Teil der Arbeit weitgehend akzeptiert
wird) stärker auch in der Theorie berücksichtigt würde2.
Unsere generelle Einschätzung von dieser Arbeit Radegundis Stolzes
ist, daß sie sich hier die Sisyphos-Arbeit eines Zusammendenkens von
Theorie und Praxis vorgenommen hat, und daß es mit den oben
angegebenen Einschränkungen gelungen ist. Die theoretischen Teile sind
zu-kunftsweisend (wenn wir auch nicht all ihre Ansichten teilen), aber
wünschenswert wäre ein Aufweichen der Haltung gegenüber den nicht-
hermeneutischen Übersetzungstheorien sowie eine analytische Unter-
suchung davon, was unter Textsinn zu verstehen ist.
Literatur
Engberg, Jan (1992): Signalfunktion und Kodierungsgrad von sprachlichen Merkmalen in
Gerichtsurteilen. In: Hermes 9, 65-82.
Gutt, Ernst-August (1991): Translation and Relevance. Oxford/Cambridge: MA: Basil
Blackwell..
Reiß, Katharina / Hans J. Vermeer (1984): Grundlegung einer allgemeinen Translations-
theorie. Tübingen: Niemeyer.
Wills, Wolfram (1992): Übersetzungsfertigkeit. Annäherung an einen komplexen über-
setzungspraktischen Begriff. Tübingen: Gunter Narr.
114
2Dabei scheint der von Wills neulich bearbeitete Begriff der Übersetzungsfertigkeit
einen möglichen Weg anzuzeigen. Über Fertigkeit sagt er: Wer über eine Fertigkeit ver-
fügt, hat einen mehr oder minder langwierigen und komplizierten Lernprozeß durch-
laufen [...] und sein Verhalten so organisiert, daß es den Charakter eines Routineprozesses
annimmt. (Wills 1992, 2).
Thesis
In this study I argue that the phenomenon commonly referred to as "translation" can be accounted for naturally within the relevance theory of communication developed by Sperber and Wilson: there is no need for a distinct general theory of translation. Most kinds of translation can be analysed as varieties of Interpretive use. I distinguish direct from indirect translation, where direct translation corresponds to the idea that translation should convey the same meaning as the original, including stylistic effects, and indirect translation involves looser degrees of faithfulness. I show that direct translation is merely a special case of interpretive use, whereas indirect translation is the general case. More generally, the different kinds of translation, with the various principles and guidelines that have been proposed to account for them, can be explained in terms of the interaction between the principle of relevance and contextual factors, without recourse to typological frameworks. I end by arguing that the communicative success of a translation is not determined by conformity to any stipulations of translation theory, but by the causal interaction between stimulus, context and interpretation rooted in the relevance-orientation of human cognition.
Signalfunktion und Kodierungsgrad von sprachlichen Merkmalen in Gerichtsurteilen
Literatur Engberg, Jan (1992): Signalfunktion und Kodierungsgrad von sprachlichen Merkmalen in Gerichtsurteilen. In: Hermes 9, 65-82.