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Autoren
Frank Philipp Arne Korthals Dr. Oliver Krone
Januar 2023
Raum- und Habitatnutzung des Nandus (Rhea americana)
in der Kulturlandschaft Nordwestmecklenburgs
Projektbericht
1
Diese Studie wurde privat durch die AG Nandumonitoring in Zusammenarbeit mit dem IZW-Berlin
initiiert und durchgeführt. Finanzielle Unterstützung erhielten wir durch die DO-G
Forschungsförderung.
Wir danken dem LUNG-MV sowie dem Biosphärenreservat Schaalsee/Elbe r die Bereitstellung von
Daten.
Dank gilt auch allen Beteiligten und Unterstützern der Feldarbeiten insbesondere Marc Gölkel, Nico
Jokisch, Julia Battermann und Constanze Grützmacher.
2
Inhalt
Zusammenfassung 6
Einleitung 8
Methodik 9
Besenderung 9
Auswertung der Positionsdaten 11
Ergebnisse 13
Habitateigenschaften und Flächenangebot im Untersuchungsgebiet 15
Aktionsräume 17
Gesamtaktionsraum 17
Täglicher/Nächtlicher Aktionsraum 18
Biotopnutzung 22
Beschreibung der Aktionsräume und Biotopnutzung der einzelnen Tiere 24
B1 24
GR1 27
R1 31
G11 36
Diskussion 39
Aktionsräume 39
Gesamtaktionsraum 39
Täglicher Aktionsraum 40
Aktivitätszeiten 40
Biotopnutzung 40
Vergleich mit südamerikanischen Populationen 43
Fehlerdiskussion 45
Ungenauigkeiten der Sender 45
Fazit 46
Literaturverzeichnis 47
Anhang 49
Anhang 01: Übersicht der Trackingintervalle 49
Anhang 02: Übersichtskarten Aktionsräume 52
Gesamtaktionsräume ( MCP100) der vier Tiere in 2016/2017 53
Aktionsräume B1 54
3
Aktionsräume GR1 55
Aktionsräume R1 56
Aktionsräume G11 2017 57
Aktionsräume G11 2018 58
Aktionsräume G1 2008-2012 59
Anhang 03: Vergleichende Übersichten der Biotopnutzung 60
Tags 61
Nachts 62
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Halsbandsender (Prototyp) mit GPS/GSM-Modulen und Stromversorgung (links),
Sendehalsband GR1 (rechts) 10
Abbildung 2: Aufgrund der geringen Scheu einiger Tiere gelang die Immobilisation mittels Blasrohr 10
Abbildung 3: Anbringen des Rucksacksenders G11 (links), Fixierung des betäubten Tieres B1 und
Probennahme (rechts) 10
Abbildung 4: a) Weiblicher Nandu (B1 blau) mit Halsbandsender sichernd b) Männlicher Nandu (R1
rot) mit Halsbandsänder, deutlich ist hier das tiefere schwarz am Hals zu erkennen c) beide Hennen
(B1 blau sowie G11 gelb) in Gemeinschaft fressend (J. Battermann 2017) d) Männchen (GR1 grün) im
Winter mit deutlich schwarzer Zeichnung im Halsbereich 14
Abbildung 5: Flächenanteile der Biotop- und Nutzungstypen in dem Gesamtaktionsraum (nach
MCP100) der vier Tiere (exemplarische Darstellung für Mai 2017) 15
Abbildung 6: Ausschnitt des Projektgebietes westlich und nördlich der Ortslage Rieps (rechts im Bild)
im Mai 2017 sehr deutlich lassen sich die unterschiedlichen Feldkulturen unterscheiden 16
Abbildung 7: Kerngebiet um die Feuchtwiesen des NSG Kammerbruch und angrenzende Feldfluren
(unterer Bildbereich) nördlich der Ortslage Utecht im Mai 2017 16
Abbildung 8: Aktionsräume nach MCP100 17
Abbildung 9: Häufigkeitsverteilung der Homeranges (links) sowie der zurückgelegten Wegstrecken
(rechts) während des Tages mit Ausnahme der brütenden Hähne 18
Abbildung 10: links: Häufigkeitsverteilung der Homeranges (links) sowie der zurückgelegten
Wegstrecken (rehcts) während der Nacht mit Ausnahme der brütenden Hähne 19
Abbildung 11: Größen der täglichen Aktionsräume der vier Tiere im Trackingzeitraum (Rot = R1, Grün
= GR1, Blau = B1, Gelb = G11) 20
Abbildung 12: Zurückgelegte Strecken während des Tages (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1, Gelb =
G11) 20
Abbildung 13:Größen der nächtlichen Aktionsräume der vier Tiere im Trackingzeitraum (Rot = R1,
Grün = GR1, Blau = B1, Gelb = G11) 21
Abbildung 14: Zurückgelegte Strecken während der Nacht (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1, Gelb =
G11) 21
Abbildung 15: Biotopnutzung der Henne B1 während des Tages 24
Abbildung 16: Nächtliche Biotopnutzung der Henne B1 25
Abbildung 17: Anteile der Biotopnutzung des Hahnes GR1 während des Tages 28
Abbildung 18: Positionen des Hahnes GR1 während der Erstbrut vom 22.05. bis 26.05.2017 (n = 107
Positionen) - Luftbild aus 2015. (Quelle: ESRI, Digital Globe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community) 29
5
Abbildung 19: Positionen des Hahnes GR1 während der Zweitbrut vom 31.05. bis 14.07.2017 (n =
1.039 Positionen) - Luftbild aus 2015. (Quelle: ESRI, Digital Globe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community) 29
Abbildung 20: Kerbtäler bei Utecht im Mai 2017 Der Grünlandstreifen um die Gehölze diente als
Nahrungshabitat des Hahns GR1 während der Kükenobhut. 30
Abbildung 21: Nächtliche Biotopnutzung des Hahnes GR1 31
Abbildung 22: Anteile der Biotopnutzung des Hahnes R1 während des Tages 32
Abbildung 23: Positionen des Hahnes R1 während der Brut vom 16.06.bis 06.08.2017 (n = 949
Positionen) 33
Abbildung 24: Nächtliche Biotopnutzung des Hahnes R1 34
Abbildung 25: Anteile der Biotopnutzung der Henne G11 während des Tages 36
Abbildung 26: Nächtliche Biotopnutzung der Henne G11 37
Abbildung 27: Typische Fraßspuren an Rapspflanzen und Trittsiegel eines Nandus 41
Abbildung 28: links - R1 am 31.01.2017 mit weiteren 12 Nandus auf einer Rapskultur südlich von
Schattin rechts - GR1 - Schlafplatz in windgeschütztem Ruderalstreifen am 09.03.2017, ein weiteres
Tier ruht etwas entfernt am rechten Bildrand in ähnlicher Lage 43
Abbildung 30: Links Nandus im El Palenque Pampas Gebiet Argentinien
(http://worldbirder.blogspot.com/2013/12/three-days-around-buenos-aires.html) rechts R1 im
"NSG Kammerbruch" im Projektgebiet (N. Jokisch) 45
Abbildung 31: Übersicht Trackingintervalle des Hahnes R1 (die untere schwarze Linie markiert den
Sonnenaufgang, die obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h =
Sommerzeit)) 49
Abbildung 32: Übersicht Trackingintervalle des Hahnes GR1 (die untere schwarze Linie markiert den
Sonnenaufgang, die obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h =
Sommerzeit)) 49
Abbildung 33: Übersicht Trackingintervalle der Henne B1 (die untere schwarze Linie markiert den
Sonnenaufgang, die obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h =
Sommerzeit)) 50
Abbildung 34: Übersicht Trackingintervalle der Henne G11 in 2017 (die untere schwarze Linie
markiert den Sonnenaufgang, die obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h =
Sommerzeit)) 50
Abbildung 35: Übersicht Trackingintervalle der Henne G11 in 2018 (die untere schwarze Linie
markiert den Sonnenaufgang, die obere den Sonnenuntergang) Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2 h
= Sommerzeit)) 51
6
Zusammenfassung
In dieser Studie wurden Raumnutzungsmuster von Nandus (Rhea americana) in der Landschaft
Nordwestmecklenburgs untersucht. Die seit dem Jahr 2000 im Landkreis Nordwestmecklenburg
lebenden Tiere stammen aus einer Haltung im schleswig-holsteinischen Groß Grönau. Der Nandu
stammt ursprünglich aus Südamerika und gehört in Deutschland zu den Neozoen. Bis zum Beginn der
Studie im März 2016 hatte die Population bereits eine Größe von 266 Tieren. Ziel dieser Studie ist es
eine Datenbasis für eine Invasivitätsbewertung zu schaffen. Die Ergebnisse können ggf. übertragbare,
wichtige Erkenntnisse für autochtone Vorkommen in Südamerika liefern. Fragestellungen zu täglichen
und jährlichen Aktionsräumen sowie zur Biotopnutzung und Nutzungsfrequenz landwirtschaftlicher
Kulturen sind die wesentlichen Inhalte. Hierzu wurden bei drei Tieren von November 2016 bis Oktober
2017, sowie bei ein Tier von März 2017 bis Oktober 2018 regelmäßig Positionsdaten mittels GPS/GSM-
Sendehalsband sowie einem Senderrucksack erhoben.
Die vier Tiere zeigten zum Teil sehr unterschiedliche Aktionsräume während des Erfassungszeitraumes.
Hierbei wurden Gesamtaktionsräume von 8,9 km² bis 35 km² ermittelt.
Die überwiegenden Raumbewegungen fanden tagsüber in relativ kleinen Arealen statt. Rund 70 % der
ermittelten Aktionsräume am Tag sind kleiner als 0,5 km², 46 % davon kleiner als 0,25 km².
Lediglich 5 % der täglich genutzten Räume waren größer als 1,5 km² und maximal 6,39 km². Die dabei
zurückgelegten Wegstrecken zwischen den einzelnen Ortungen zeigten, dass die Tiere während des
Tages Distanzen bis 3.500 m (70 %) zurücklegten. Lediglich 5 % der ermittelten Strecken waren über
6.000 m. Die weiteste dokumentierte Distanz betrug 9.766 m. Nur viermal (0,5 %) wurden weniger als
500 m und 50-mal (6 %) weniger als 1.000 m am Tag zurückgelegt. Die brütenden Hähne sind hierbei
nicht berücksichtigt.
Nachts ruhten die Tiere und liefen in der Regel (75 %) bis 250 m umher und lediglich sechsmal weiter
als 900 m. Dabei nutzten die Tiere zu 47,5 % einen Aktionsraum unter 500 m² und zu 13,2 % zwischen
500 und 1.000 m². Ein Drittel der Aktionsräume war größer als 1.000 m². In nur 8,4 % der Nächte
nutzten die Tiere Homeranges über einem Hektar (10.000 m²).
Es zeigt sich jedoch, dass die Tiere im Jahresverlauf während der Brutzeit ein ausgeprägtes territoriales
Verhalten zeigen, da sie durch Haremsbindung, Nest und die Eiablage an zentrale Orte gebunden sind.
Außerhalb dieses Zeitraumes wurden zum Teil größere Raumnutzungen und weitere Wanderungen
festgestellt. Gründe für diese weiteren Wege sind sozialer Art, wie das Anwerben von Hennen. Gezielte
Raumwechsel aufgrund Nahrungsverfügbarkeit sind ebenso denkbar, konnten jedoch nur auf relativ
kurzen Distanzen bis 1,2 km dokumentiert werden.
In der Nutzung von Biotopen zeigte sich besonders von November bis April eine Präferenz für
Rapskulturen, welche 23 % bis 75 % der Habitatnutzung während des Tages ausmachten. Neben
Rapskulturen wurden auch häufiger mit Leguminosen (Luzerne/Kleegras) bestellte Flächen genutzt.
Rübenbrachen, Getreideansaat und brachen, Grünländer sowie Ruderalfluren stellten weitere
Aufenthaltsorte der Tiere während des Tagesaktivitätszeitraumes dar. Zum Teil bewegten sich die
Tiere tagsüber nur innerhalb einzelner Schläge.
Während des Sommers zeigten die vier Tiere unterschiedliche Präferenzen in ihrer Habitatwahl. So
nutzten die Hennen B1 und G11 im Juni/Juli 2017 vornehmlich Luzerne- und Kleegrasflächen sowie
7
eine Rübenkultur und angrenzende Getreideflächen. Der Hahn GR1 hielt sich ab Mai überwiegend auf
Getreideflächen, Ruderalfluren und vereinzelt Grünland auf. Nach der Brut in einem Getreidefeld
nutzte dieser Waldrandbereiche an Grünland sowie abgeerntete Getreidefelder. Der Hahn R1
präferierte Grünlandstrukturen sowie Luzerne/Kleegrasflächen im Sommer, brütete in einem
Grünland nahe eines Grabens und wurde danach bis in den Herbst häufig auf einer Rübenkultur sowie
Ackerbrachen geortet.
Zum besseren Verständnis der Raumnutzungsmuster können die Positionsdaten der Tiere als
Zeitrafferfilm betrachtet werden. Die Positionen der vier Tiere von November 2016 bis November 2017
können unter www.nandu.info/Nandu_Film1.mp4 betrachtet werden. Die Positionen von G11 aus
dem Jahr 2018 können unter www.nandu.info/Nandu_Film2.mp4 gesichtet werden. Ein Tag wird dort
in einer Sekunde dargestellt.
8
Einleitung
Nandus (Rhea americana) sind als große Laufvogelart der offenen bis halboffenen Landschaften
Südamerikas bekannt. Der natürliche Lebensraum umfasst dabei Grassteppen mit Hoch- und Kurzgras
(Pampa), Savannenvegetation (Campo), die tropischen Savannen Brasiliens (Cerrado) sowie offene,
regengrüne Trockenwälder (Chaco). Daneben werden auch landwirtschaftliche Anbauflächen und
Viehweiden von den Vögeln genutzt, da die natürlichen Lebensräume häufig in kultivierte Flächen
umgewandelt wurden (del HOYO et al. 1992; SCHROEDER 1998). Als pflegeleichte Art fand der Nandu ab
1860 Einzug in europäische Zoohaltungen (KRUMBIEGEL 1966) sowie in den letzten Jahrzehnten auch in
private Haltungen. Dass die anpassungsfähigen Tiere auch mit den landschaftlichen und klimatischen
Bedingungen in Norddeutschland gut zurechtkommen zeigt eine für Mitteleuropa einmalige
Population von Nandus im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern.
Aus einer nicht genehmigten und schlecht gesicherten Gehegehaltung im Schleswig-Holsteinischen
Groß Grönau sind Ende der 1990er Jahre mehrere Nandus über einen angrenzenden Fluss entkommen
und haben sich im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt. Offizielle Erstmeldungen aus
dem Jahr 2000 belaufen sich auf sieben Tiere, wobei bis zur Auflösung des Geheges im Jahr 2009
weitere Fluchttiere möglich gewesen sind. Trotz vereinzelten Einfangens von geflüchteten Tieren
durch Ortsansässige und Jäger gelang es den Nandus sich in der Landschaft zu reproduzieren und
dauerhaft zu etablieren. Seit dem Beginn der systematischen Erfassungen der Nandupopulation im
Jahr 2008 konnte ein konstanter bis rasch wachsender Bestand festgestellt werden, der im Jahr 2016
ca. 266 Tiere umfasste (PHILIPP & KORTHALS 2016, unveröffentlichter Bericht).
In Mitteleuropa ist das der erste bekannte Fall einer wildlebenden Population des Nandus. Als
südamerikanische Vogelart gehört der Nandu in Deutschland zu den Neozoen. Die
Invasivitätsbewertung vom 24.09.2010 (BfN 2010), die durch das BfN (2015) am 30.04.2015 aktualisiert
wurde, stuft die Art in die Listenkategorie der Grauen Liste (Beobachtungsliste) ein. Hieraus ergibt sich
die Empfehlung eines Monitorings sowie weiterer Forschungen, um die für die Bewertung nötigen
naturschutzfachlichen Grundlagen zu gewinnen. Die gesetzlichen Regelungen des
Bundesnaturschutzgesetzes (§ 40 BNatSchG) sehen in diesem Bezug eine Beobachtung der Art vor.
Zur Bewertung der Auswirkungen dieser neozoischen Population auf die Umwelt in
Nordwestmecklenburg sind Informationen über deren Habitatnutzung essenziell. Deshalb sollen in
einem ersten Schritt die Raumbewegungen und die Habitatnutzung exemplarisch untersucht werden.
Folgende Fragestellungen wurden dabei verfolgt:
Wie stellen sich tägliche Aktionsradien der Tiere dar?
Wann sind die Tiere aktiv?
Wie groß sind die jährlichen Aktionsräume?
Welche Biotope werden von den Tieren genutzt?
Gibt es dabei präferierte Biotoptypen?
9
Methodik
Das Untersuchungsgebiet befindet sich im westlichen Teil des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern
und wird im Westen vom Ratzeburger See und im Norden von der Autobahn A20 begrenzt. Im Süden
liegen Teile des Gebietes im Bundesland Schleswig-Holstein. Die Grenzen des Untersuchungsgebietes
werden durch die genutzten Areale (ermittelt durch Minimum Convex Polygon - MCP100) der
besenderten Tiere bestimmt.
Das Projektgebiet befindet sich zum überwiegenden Teil im Biosphärenreservat Schaalsee/Elbe, im
Vogelschutzgebiet Schaalseelandschaft und umfasst mehrere FFH-Gebiete sowie Naturschutzgebiete.
Besenderung
Zur Besenderung wurden Gruppen von Nandus im Gelände gesucht und geeignete Individuen
identifiziert. Um die Sender an den Tieren möglichst stressfrei anzubringen, wurden diese zuvor
immobilisiert. Die Immobilisierung erfolgte durch einen Betäubungspfeil, welcher mit einem Blasrohr
abgeschossen wurde (Abbildung 2). Als Betäubungsmittel diente eine Kombination aus Ketamin,
Medetomidine und Midazolam, die wir in einen 3 ml großen Betäubungspfeil gegeben haben. Zur
weiteren Beruhigung wurde den Tieren ein dunkler Stoffschlauch über den Kopf gezogen.
Insgesamt wurden vier Tiere, zwei Hennen und zwei Hähne zwischen November 2016 und April 2017
besendert. Zur Identifikation erhielten die Individuen Kürzel basierend auf der Halsbandfarbe und
Nummer.
R1 - rot
männlich
GR1 - grün
männlich
B1 - blau
weiblich
G11 - gelb
weiblich
Es wurden GPS/GSM-Module von International Wildlife Services - Leeuwarden (NL) genutzt, welche in
eigens gefertigten Boxen an den Multi-Loc Plastic“ Halsbändern der Firma National Band & Tag
Company (USA) befestigt wurden.
Da die Halsbandsender durch das Gewicht von 150 g beim Fressen der Tiere teilweise rutschten, wurde
bei dem zuletzt besenderten Tier (G11) ein Rucksacksender mit Teflonbändern befestigt und zusätzlich
ein Farbhalsband angebracht.
Eine gut sichtbare Markierung mittels farbiger Halsringe sollte weitere Sichtbeobachtungen
ermöglichen, um so weitere Aussagen zum Sozialverhalten erlangen zu können. Beobachtungen der
Tiere konnten auf dem Beobachtungsportal der AG Nandumonitoring - www.nandu.info, dem Amt für
das Biosphärenreservat Schaalsee/Elbe sowie auf den Portalen des DDA (ornitho.de) sowie
Naturgucker.de gemeldet werden.
10
Abbildung 1: Halsbandsender (Prototyp) mit GPS/GSM-Modulen und Stromversorgung (links), Sendehalsband GR1 (rechts)
Abbildung 2: Aufgrund der geringen Scheu einiger Tiere gelang die Immobilisation mittels Blasrohr
Abbildung 3: Anbringen des Rucksacksenders G11 (links), Fixierung des betäubten Tieres B1 und Probennahme (rechts)
11
Auswertung der Positionsdaten
Die Sender wurden so programmiert, dass während des Tages stündlich und nachts zunächst alle drei
Stunden, später stündlich die Positionen bestimmt und mittels GSM-Verbindung auf einen Server von
International Wildlife Services (http://vell.azurewebsites.net) übermittelt wurden. Dort konnten diese
eingesehen und heruntergeladen werden. Die Trackingintervalle sind in der Anlage 1 dargestellt.
Den Positionsdaten wurden in ArcGIS die zum jeweiligen Zeitpunkt und Standort genutzten
Biotoptypen bzw. Kulturfrüchte zugewiesen. Die Kulturen und Biotoptypen wurden mithilfe von Daten
des InVeKoS (2017/2018), Sentinel Satellitenbildern (https://apps.sentinel-hub.com/sentinel-
playground), Luftbildern einer eigenen Befliegung des Projektgebietes vom 27.05.2017 (vgl. Abbildung
6 bis Abbildung 20) sowie eigenen Begehungen des Gebietes ermittelt. Die Abgrenzung der Biotope
und Nutzungskulturen erfolgte am Luftbild in ArcGIS.
Unterschiede in der Anzahl auswertbarer Datensätze ergeben sich durch die verschiedenen Tages- und
Nachtlängen im Jahresverlauf. Hinzukommen auch einzelne Ausfälle der Sender (über Stunden aber
auch tlw. tageweise). Zunächst wurden nachts lediglich alle drei Stunden Positionen erhoben, um
Batteriekapazitäten zu schonen. Später wurden diese stündlich erfasst.
Die Berechnung der Aktionsräume während der Nacht sowie während des Tages erfolgte auf Basis der
Minimum Convex Polygon (MCP100). Diese wurden mittels der Hawths-Analysis-Tools-Erweiterung in
ArcGIS 9.3 erstellt. Hiermit wurden auch die Wegstrecken zwischen den einzelnen Ortungen gebildet
und analysiert. Es wurden Nächte mit mindestens 3 und maximal 8 Positionen gewählt. Die Daten einer
Nacht erstrecken sich dabei jeweils vom offiziellen Sonnenuntergang bis zum offiziellen
Sonnenaufgang des Folgetages. Während des Tages verwendeten wir Tage mit 7 bis 17 Positionsdaten,
beginnend mit dem offiziellen Sonnenaufgang und endend mit dem offiziellen Sonnenuntergang. Die
Übersichten der Trackingintervalle im Anhang 1 verdeutlichen dies (Anhang S. 49). Um Probleme der
Umstellung auf die Sommerzeit zu vermeiden sind die Zeitangaben der UTC-Weltzeit entsprechend.
Für die Winterzeit ist somit eine Stunde und für die Sommerzeit sind zwei Stunden zu addieren, um die
lokale Zeit zu ermitteln.
Der jährliche Aktionsraum wurde ebenfalls mittels Minimum Convex Polygon (MCP100) ermittelt. Zur
Darstellung intensiv genutzter Kernbereiche innerhalb des Gesamtaktionsraumes eines einzelnen
Tieres wurde eine „Kernel Density Schätzung auf dem gesamten Datensatz eines Tieres erstellt.
Hierbei dienen die 60 %-Kernel als Bereich, in dem sich 60 % aller Ortungen des Tieres befinden, also
die Mehrheit der Ortungen. Für diese Auswertung fand auch die Hawths-Analysis-Tools-Erweiterung
in ArcGIS 9.3 Verwendung.
Die Unterschiede in den Raumnutzungen der Tiere wurden mittels Kreuztabellen sowie einem Chi-
Quadrat-Test für die Biotop- und Nutzungstypen geprüft.
Da Fraßschäden an landwirtschaftlichen Kulturen besonders während der Vegetationsruhe im Herbst
und Winter festzustellen sind, wird die Nutzungshäufigkeit winterlicher Kulturen (Raps, Getreide und
Luzerne/Kleegras) in diesem Zeitraum näher betrachtet. Ausgangspunkt der Betrachtung ist dabei die
Annahme, dass alle Biotop- und Nutzungstypen ihren Anteilen im individuellen Aktionsraum der
Nandus entsprechend häufig genutzt werden. Von einer Präferenz wird im Folgenden gesprochen,
wenn der prozentuale Anteil der Ortungen den prozentualen Flächenanteil im individuellen
Aktionsraum (Anteil Ortungen/Flächenanteil im Aktionsraum > 1) übersteigt.
12
Ergänzende Kenntnisse zum Raumverhalten lieferte das Männchen G1, welcher am 27.02.2008 mit
einem gelben Halsband sowie einem Funkhalsband besendert wurde (PHILIPP 2009). Dieser konnte bis
ins Jahr 2010 mittels eines VHF-Empfängers direkt nachverfolgt und aufgesucht werden. Für 2011 und
2012 liegen zudem einzelne Sichtbeobachtungen des markierten Tieres vor. Diese Daten werden hier
ergänzend mit dargestellt und fließen in die Diskussion ein.
13
Ergebnisse
Es wurden vier Tiere auf Grünländern oder Feldfluren zwischen den Ortslagen Utecht und Schattin im
westlichen Teil des Projektgebietes immobilisiert und besendert. Dieser Raum zählt seit 2000 zu den
Kernzonen der Verbreitung. Während der Wintermonate sammeln sich hier Nandus in großen und
losen Gruppenverbänden. Hierbei wurden zwei männliche und zwei weibliche Tiere besendert. Von
diesen Tieren erhielten wir zwischen 1.230 und 5.917 Positionsdaten (Vgl. Tabelle 1). Für den
jeweiligen Trackingzeitraum des Tieres konnten somit für 27,5 % bis 85,5 % aller möglichen Stunden
Positionen ermittelt werden, welche im Erfassungsgrad bestimmt sind. Ausschließlich Daten mit einem
Erfassungsgrad von über 60 % gingen in die Auswertungen ein.
Tabelle 1: Übersicht der besenderten Nandus und des jeweiligen Trackingzeitraums
Bezeichnung
Farbe Halsband
Geschlecht
Bemerkung
Anzahl ermittelter
Positionen
Beginn
Ende
Erfassungsgrad %
R1
rot
männlich/
Hahn
03.11.2016
26.10.2017
Einzelne Ausfälle von
Juli-Okt. 2017
5.917
69%
GR1
grün
männlich /
Hahn
04.11.2016
09.08.2017
5.163
77,4 %
B1
blau
weiblich/
Henne
11.11.2016
24.07.2017
Ausfall zw. 07.03.-
19.06.2017
2.496
69 %
G11
gelb
weiblich/
Henne
12.03.2017
26.11.2017
Ausfall ab
27.11.2017
5.315
85,5 %
26.04.2018
29.10.2018
ab 26.04.2018
stündlich
ab 20.05.2018 alle
3h
1.230
27,3 %
Gesamt
20.121
14
Abbildung 4: a) Weiblicher Nandu (B1 blau) mit Halsbandsender sichernd b) Männlicher Nandu (R1 rot) mit Halsbandsänder,
deutlich ist hier das tiefere schwarz am Hals zu erkennen c) beide Hennen (B1 blau sowie G11 gelb) in Gemeinschaft fressend
(J. Battermann 2017) d) Männchen (GR1 grün) im Winter mit deutlich schwarzer Zeichnung im Halsbereich
15
Habitateigenschaften und Flächenangebot im Untersuchungsgebiet
Die vier Tiere nutzten in dem Erfassungszeitraum 2016 sowie 2017 einen Gesamtaktionsraum von
48,8 km².
Dieser Aktionsraum wird durch den zum Teil großflächigen Anbau von Getreide (41 %) und Raps (14
%) bestimmt. Mais, Rüben und Zwischenfrüchte, wie Ackerbohnen und Erbsen sowie Ackerbrachen
machten im Frühjahr 2017 einen Anteil von zusammen 9 % aus. Grünländer von intensiver bis
extensiver Nutzung und trockener bis feuchter Ausprägung sind mit einem Anteil von
10 % vertreten. Größere extensive Grünlandareale sind die Naturschutzgebiete (NSG) Kammerbruch
und „Wakenitz“ im Nordwesten des Untersuchungsraumes und das NSG „Kiekbuschwiesen“ im
südlichen Teil. Die Waldbereiche „Im Braken“, des „Mechower Holzes“ und „Im Söhren“ sowie
Gehölzstrukturen wie Baumreihen, Hecken und Feldgehölze machen zusammen einen Anteil von 18 %
der Gebietsfläche aus. Dauerbrachen und Sukzessionsflächen bildeten einen Anteil von 3 %. Im
Weiteren sind ländliche Ortslagen, Verkehrswege, Gewässer, kleinere Moore, Obstbauflächen sowie
eine Anbaufläche von Spargel unter Sonstige (5 %) zusammengefasst. (InVeKoS 2017/2018)
Abbildung 5: Flächenanteile der Biotop- und Nutzungstypen in dem Gesamtaktionsraum (nach MCP100) der vier Tiere
(exemplarische Darstellung für Mai 2017)
16
Abbildung 6: Ausschnitt des Projektgebietes westlich und nördlich der Ortslage Rieps (rechts im Bild) im Mai 2017 sehr
deutlich lassen sich die unterschiedlichen Feldkulturen unterscheiden
Abbildung 7: Kerngebiet um die Feuchtwiesen des NSG Kammerbruch und angrenzende Feldfluren (unterer Bildbereich)
nördlich der Ortslage Utecht im Mai 2017
17
Aktionsräume
Gesamtaktionsraum
Die vier Tiere nutzten während des Untersuchungszeitraumes jeweils Aktionsräume zwischen 8,9 km²
bis 35 km² (MCP 100).
Der Hahn R1 hielt sich ein Jahr lang auf einer Fläche von 9,2 km² auf. B1 nutzte während der sechs
Monate aktiven Trackings eine Fläche von 8,9 km². Bei diesem Tier ergeben sich jedoch Unsicherheiten,
aufgrund eines Ausfalls des Senders vom 07.03. bis 19.06.2017. GR1 nutzte während des
zehnmonatigen Trackings einen Raum von 24,7 km². Den größten Aktionsraum weist die Henne G11
auf. In 2017 belief sich dieser in neun Monaten auf ca. 35 km² und im darauffolgenden Jahr auf 32,9
km² innerhalb von sieben Monaten (Abbildung 8).
Abbildung 8: Aktionsräume nach MCP100
Ergänzende Kenntnisse zum Raumverhalten liefern Daten des Hahnes G1 aus den Jahren 2008-2012
(siehe Anhang 02). Anhand von Ortungen sind für diesen Hahn zwischen 2008 und 2010 vier Brutplätze
im Nordosten des Verbreitungsgebietes um Boitin-Resdorf, Bechelsdorf und Niendorf bekannt. Auch
2011 und 2012 wurde das Tier während der Brutzeit, bzw. mit Küken in diesem Areal beobachtet.
Außerhalb der Brutzeit im Herbst und Winter wurde G1 auch an anderen Bereichen des
Verbreitungsgebietes festgestellt. Zum Beispiel wanderte der Hahn nach einem Brutabbruch im
Bereich von Niendorf im Frühjahr 2009 zehn Kilometer bis nach Utecht, um dort erneut Hennen
anzuwerben. Kurz darauf begann G1 westlich von Boitin-Resdorf, sechs Kilometer von Utecht entfernt,
eine zweite Brut.
Die jährlichen Aktionsräume belaufen sich auf 11,8 km², 21,31 km² sowie 22,67 km². Während der über
fünf Jahre gehenden Beobachtungen wurde der Hahn G1 innerhalb einer Fläche von 41,44 km²
nachgewiesen.
18
Täglicher/Nächtlicher Aktionsraum
Die Häufigkeitsverteilung der täglichen Aktionsraumgrößen aller vier Tiere zeigt, d zeigt, dass 46 % der
Aktionsräume kleiner als 0,25 km² waren, rund 70 % kleiner als 0,5 km² und lediglich 5 % waren größer
als 1,5 km² (Abbildung 9).
Abbildung 9: Häufigkeitsverteilung der Homeranges (links) sowie der zurückgelegten Wegstrecken (rechts) während des
Tages mit Ausnahme der brütenden Hähne
Der überwiegende Teil (70 %) der an einem Tag zurückgelegten Wegstrecken zwischen den Ortungen
lag unter 3.500 m. Lediglich 5 % der Strecken betrugen mehr als 6.000 m. Nur viermal (0,5 %) wurden
weniger als 500 m und 50mal (6 %) weniger als 1.000 m am Tag zurückgelegt (Abbildung 9). Die
brütenden Männchen wurden in beiden Betrachtungen nicht berücksichtigt.
Nachts nutzen die Tiere im Verhältnis kleinere Aktionsräume. In 47,5 % der Fälle betrug der genutzte
Raum bis 500 m² und in 13,2 % der Fälle zwischen 500 m² und 1.000 m². Ein Drittel der Aktionsräume
war größer als 1.000 m². In nur 8,4 % der Nächte nutzten die Tiere Aktionsräume von mehr als einem
Hektar (10.000 m²). Die Tiere liefen nachts zu 75 % bis zu einer Distanz von 250 m umher und lediglich
sechsmal weiter als 900 m (Vgl. Abbildung 10)
1
.
1
Ergänzend siehe hierzu Fehlerdiskussion Ungenauigkeiten der Sender auf Seite 41
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
0 - 0,25
0,26 - 0,50
0,51 - 0,75
0,76 - 1,00
1,01 - 1,25
1,26 - 1,50
1,51 - 1,75
1,76 - 2,0
2,01 - 2,25
2,26 - 2,50
2,51 - 2,75
2,75 - 3,00
und größer
Anzahl der Tage
tägliches Homerange MCP100 in km²
0
20
40
60
80
100
120
140
0 - 500
1.001 - 1.500
2.001 - 2.500
3.001 - 3.500
4.001 - 4.500
5.001 - 5.500
6.001 - 6.500
7.001 - 7.500
8.001 - 8.500
9.001 - 9.500
und größer
Anzahl der Tage
tägliche Wegstrecke in m
19
Abbildung 10: links: Häufigkeitsverteilung der Homeranges (links) sowie der zurückgelegten Wegstrecken (rechts) während
der Nacht mit Ausnahme der brütenden Hähne
Die täglichen Aktionsräume und Wegstrecken der vier Tiere weisen saisonale Unterschiede besonders
zur Balzzeit auf (Abbildung 11 bis Abbildung 14). GR1 nutzte im Winter und Frühjahr größere
Aktionsräume als die anderen untersuchten Tiere und legte auch weitere Wege von bis zu 9.800 m
während des Tages zurück. Die größten Aktionsräume und täglichen Wegstrecken konnten für drei
Nandus (Gr1, R1 und B1) in den Frühjahrsmonaten März bis Mai beobachtet werden. Ab Mai glichen
sich die Aktionsraumgrößen der Tiere wieder an und blieben in der Regel unter einem
Quadratkilometer. Während der Brutzeit nutzen die Männchen nur den unmittelbaren Nahbereich des
Nestes und haben somit die kleinsten Aktionsräume, während die weiblichen Tiere auch die Umgebung
des Nestes nutzten, dies jedoch recht kleinräumig. Nachts nutzten die Tiere einen im Verhältnis sehr
kleinen Aktionsraum und liefen in der Regel nur wenige Meter, nur selten mehr als 600 m, umher.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
0 - 500
1.001 - 1.500
2.001- 2.500
3.001 - 3.500
4.001 - 4.500
5.001 - 5.500
6.001 - 6.500
7.001 - 7.500
8.001 - 8.500
9.001 - 9.500
und größer
Anzahl der Nächte
nächtliches Homerange MCP100 in m²
0
50
100
150
200
250
0 - 50
101 - 150
201 - 250
301 - 350
401 - 450
501 - 550
601 - 650
701 - 750
801 - 850
und größer
Anzahl der Nächte
nächtliche Wegstrecke in m
20
Abbildung 11: Größen der täglichen Aktionsräume der vier Tiere im Trackingzeitraum (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1, Gelb
= G11)
Abbildung 12: Zurückgelegte Strecken während des Tages (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1, Gelb = G11)
21
Abbildung 13:Größen der nächtlichen Aktionsräume der vier Tiere im Trackingzeitraum (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1,
Gelb = G11)
Abbildung 14: Zurückgelegte Strecken während der Nacht (Rot = R1, Grün = GR1, Blau = B1, Gelb = G11)
22
Biotopnutzung
Bei Betrachtung der Habitatnutzung im Jahresverlauf zeigte sich, dass die Tiere sich signifikant in der
Nutzungshäufigkeit bestimmter Biotoptypen bzw. angebauter Kulturen unterscheiden. Ebenso sind
signifikante Unterschiede in den Nutzungshäufigkeiten zwischen Tag und Nacht erkennbar. Die
vergleichende Übersicht genutzter Biotope im Anhang 3 verdeutlicht die jeweiligen Unterschiede.
Für alle drei betrachteten Tiere war Raps der am häufigsten aufgesuchte Biotoptyp im Spätherbst und
Winterzeitraum (Anhang 3). Zum Teil bewegten sich die Tiere während dieses Zeitraumes nur
innerhalb einzelner Schläge und verbrachten den Tag fressend bzw. ruhend auf den Flächen. Im
Verhältnis zum Anteil am individuellen Aktionsraum wurden Rapskulturen bevorzugt aufgesucht.
Neben diesen wurden auch mit Leguminosen (Luzerne/Kleegras) bestellte Flächen von den Tieren
genutzt. Diese machten jedoch nur einen Anteil von 0,2 % bis 0,7 % am individuellen Aktionsraume
aus. Dennoch ist auch bei diesem Nutzungstyp eine ähnliche Präferenz wie bei Rapskulturen zu
erkennen. Das Tier GR1 zeigte dabei eine im Verhältnis zum Vorkommen häufigere Nutzung als die
anderen Tiere. Äcker mit Getreidekulturen (Herbstansaat oder Erntebrachen) machten den größten
Anteil an Nutzungstypen von 34,8 % bis 39,4 % am individuellen Aktionsraum aus. Diese wurden jedoch
im Verhältnis ihres Flächenanteils in geringerem Maße (< 1) aufgesucht als die beiden anderen
Kulturen (Tabelle 2).
Tabelle 2: Nutzungshäufigkeiten sowie Flächenanteile von Feldkulturen im Zeitraum Oktober 2016 bis Februar 2017.
Tier
Raps
Getreide
Luzerne, Kleegras
A
B
C
A
B
C
A
B
C
B1
54,0
4,9
11,0
7,8
37,3
0,2
9,0
0,7
12,9
GR1
32,0
12,2
2,6
16,0
39,4
0,4
12,0
0,2
60,0
R1
46,0
3,4
13,3
3,4
34,8
0,1
7,0
0,5
14,0
A Anteil der Ortungen im Nutzungstyp in %
B - Flächenanteil des Nutzungstyps im individuellen Aktionsraum in % -
C - Verhältnis Nutzungshäufigkeit/Flächenanteil
Im Juni und Juli nutzten die Weibchen B1 und G11 vornehmlich Luzerne- und Kleegrasflächen sowie
eine Rübenkultur und angrenzende Getreideflächen. Das Männchen GR1 hielt sich ab Mai
überwiegend auf Getreideflächen, Ruderalfluren und vereinzelt Grünland auf. Nach der Brut in einem
Getreidefeld nutzte dieses Waldrandbereiche an Grünland sowie abgeerntete Getreidefelder. Das
Männchen R1 bevorzugte Grünlandstrukturen sowie Luzerne/Kleegrasflächen im Sommer. Im Herbst
wurde R1 auch häufig auf einer Rübenkultur sowie Ackerbrachen geortet. Nachts suchten die Tiere
bevorzugt Grünländer sowie Luzerne/Kleegrasflächen und im Falle von GR1 auch vermehrt
Gehölzstrukturen auf (Anhang 3).
23
24
Beschreibung der Aktionsräume und Biotopnutzung der einzelnen Tiere
B1
Das Weibchen B1 wurde am 03.11.2016 besendert. Ab dem 11.11.2016 wurden regelmäßig Daten
gesendet. (Vgl. Abbildung 32)
Während der Wintermonate hielt sich das Tier vorrangig auf Feldern und Grünlandflächen zwischen
den Ortslagen Schattin und Utecht auf. Hier bewegte sich das Tier häufig in losen Gruppen (max. 54
Individuen) häufig zusammen mit dem Hahn R1 (Vgl. Tabelle 3). Die Kernelanalyse weist als
Kernbereiche zwei Rapsschläge und angrenzende Luzerne/Kleegrasflächen auf. Nachts wurden zudem
auch die Grünlandbereiche des NSG Kammerbruch aufgesucht. Während der Wintermonate
November bis Januar legte das Tier tagsüber Wegstrecken zwischen 0,3 und 4,4 Kilometern zurück (0-
100 %-Quantil) im Mittel 1,75 km. Die Aktionsräume (MCP100) belaufen sich dabei auf 0,003 km² bis
1,55 km² (im ungewichteten Mittel 0,2 km²).
Abbildung 15: Biotopnutzung der Henne B1 während des Tages
Ab Februar stiegen die täglichen Aktionsräume etwas an (0,026 km² bis 1,2 km² (Durchschnitt 0,53
km²). Die zurückgelegten Wegstrecken erhöhten sich auf bis zu 5,6 km im Februar sowie 6,9 km im
März (im Mittel 3,1 km [Feb.] und 4,5 km [März]). Ab März wurde das Tier auch häufig in kleinerer
Gruppe zusammen mit der Henne G11 beobachtet, welche am 10.03.2017 besendert wurde. Die
kleineren Gruppen sind typische Haremsverbände, die sich im Frühjahr und mit Beginn der Balzzeit aus
den losen und großen Winterverbänden ausbilden. Diese werden von einem dominanten Männchen
25
und mehreren Weibchen gebildet. Rangniedere Hähne (Beihähne) werden in der Gruppe bedingt
geduldet.
Raumnutzungsmuster konnten aufgrund des Ausfalls des Senders bis 19.06.2017 nicht gemacht
werden. Während des Junis und Julis 2017 hielt sich B1 zusammen mit der Henne G11 weiterhin auf
Luzerne-/Kleegrasflächen sowie einem mit Rüben bestelltem Schlag zwischen Utecht und Schattin auf.
Beide Hennen konnten auch im Umfeld des brütenden Hahnes R1 im NSG Kammerbruch geortet
werden. Es ist anzunehmen, dass diese auch Eier in dessen Nest legten. Die zurückgelegten
Wegstrecken variierten von 0,8 km bis 5,5 km (Durchschnitt 3,2 km) tagsüber. Der genutzte
Tagesaktionsraum betrug dabei 0,013 km² bis 1,3 km² (im Mittel 0,37 km²).
Nachts verhielt sich das Tier relativ standorttreu. Die überwiegende nächtliche Raumnutzung ist bis
340 m (75 %-Quantil, n = 106) dokumentiert worden. Der Mittelwert liegt bei 244 m. Einzelne wenige
Strecken (n = 35) betrugen bis 1.090 m sowie einmalig bis 1.560 m. Hierbei hielt sich das Tier nachts
überwiegend auf Grünlandstandorten (NSG Kammerbruch sowie Intensivgrünland östlich davon) und
Luzerne/Kleegrasflächen auf. Nur sehr selten wurde das Tier in Gehölzstrukturen geortet.
Abbildung 16: Nächtliche Biotopnutzung der Henne B1
Letztmalig wurde B1 am 03.11.2017 in einem großen Winterverband von 48 Nandus auf Agrarflächen
nördlich von Utecht und im NSG Kammerbruch beobachtet. Es ist anzunehmen, dass das Tier danach
den Halsbandsender abwerfen konnte. Da die Batteriekapazität erschöpft war, konnte dieser keine
Positionen mehr senden und nicht geborgen werden.
26
Der ermittelte Aktionsraum von B1 während der Erfassungsmonate betrug 8,9 km². Aufgrund von
Datenlücken ist dies jedoch als Minimalraum zu werten.
27
Tabelle 3: Übersicht Beobachtungen B1
Datum Beobachtung
In Gruppe zusammen mit
Datum
besendertem Tier
und weiteren Nandus
04.11.2016
-
16
12.11.2016
-
4
27.11.2016
R1
-
10.12.2016
-
15
26.12.2016
R1
46
15.01.2017
R1
32
17.01.2017
R1
54
31.01.2017
R1
11
11.02.2017
R1
22
10.03.2017
-
7
11.03.2017
-
7
25.03.2017
G11
5
14.04.2017
G11
5
11.06.2017
-
1
17.06.2017
G11
8
03.11.2017
-
48
03.11.2017
-
5
GR1
Das Männchen GR1 wurde am 03.11.2016 nördlich der Ortslage Utecht gefangen. Dieser wechselte
darauf auf Feldfluren zwischen den Ortslagen Campow und Thandorf ca. 2 km südlich. Hier hielt sich
das Tier außerhalb großer Winterverbände zusammen mit einem einzelnen oder bis zu 5 andern
Nandus auf. Während der Wintermonate nutzte GR1 dieses Areal und unternahm drei kurze (max. 1
Tag) Exkursionen nördlich zum NSG Kammerbruch und umgebende Feldfluren, wo er auch auf die Tiere
B1 und R1 traf. Südlich davon fanden Exkursionen in den Schleswig-Holsteinischen Teil um das
Mechower Holz statt. Kernbereiche der Aktivität waren hierbei Rapsschläge, Grünländer und mit
Getreide bestandenen Flächen zwischen Utecht und Thandorf sowie Gehölzstrukturen in Form von
Hecken und Waldbereichen.
Während der Monate November bis einschließlich Januar lief GR1 zwischen 0,5 km und 5 km
(Mittelwert 2,5 km) während des Tages. Die täglichen Aktionsräume schwankten dabei zwischen 0,007
und 3 km², lagen jedoch im Mittel bei 0,51 km². Die Hälfte der Tagesortungen in diesem Zeitraum
wurde auf Agrarflächen gemacht. Hierbei dominieren Raps- und Getreideflächen.
Luzerne/Kleegrasflächen sowie Erntebrachen Mais wurden ebenso genutzt.
28
Abbildung 17: Anteile der Biotopnutzung des Hahnes GR1 während des Tages
Von Februar bis April nahmen die Wegstrecken von GR1 deutlich zu. Während des Aprils legte das Tier
tagsüber Strecken von 2,1 km bis 9,8 km, im Mittel 5,6 km zurück. Eine weitere kurze Exkursion führte
GR1 bis zur Ortslage Schattin. Diese Wanderungen dienen vermutlich dem Anwerben von Hennen aus
anderen Verbänden. Zunächst als Einzeltier, später mit einer Henne führte der Hahn GR1 einen kleinen
Haremsverband mit drei Hennen und zwei Beihähnen. Die täglichen Aktionsräume bewegten sich
Größtenteils von 0,1 bis 6,4 km² (Mittelwert 1,65 km²). Auch diese höhere Aktivität ist vermutlich dem
Anwerbeverhalten während der Balzzeit zuzurechnen.
Die Raumnutzung (0,012 km² bis 2,0 km², im Mittel 0,37 km²) sowie zurückgelegten Wegstrecken (1,2
km bis 6,2 km, im Mittel 2,8 km) während des Tages verringerten sich im Mai wieder auf das Niveau
des Winters. Im April und Juni hatten Agrarfluren den überwiegenden Anteil an der Biotopnutzung.
Auch hier wurden Rapsflächen vor Getreideflächen genutzt. Daneben wurden häufiger ruderale
Brachen aufgesucht und weniger Wald- und Gehölzstrukturen als während der Wintermonate.
Grünländer spielten eher eine untergeordnete Rolle.
Eine erste Brut in einem Getreidefeld vom 22.05.2017 wurde durch die Entnahme von Eiern durch
Unbekannte gestört, sodass dieses Gelege am 26.05.2017 verließ und fünf Tage später ein neues ca.
1,2 km nordöstlich davon anlegte und dies vom 31.05. bis 14.07.2017 (45 Tage) bebrütete. Während
der Erstbrut wurde GR1 viermal bis zu 750 m vom Nest geortet. Die maximale Entfernung vom Nest
betrug bei der Zweitbrut hingegen nur maximal 130 m. Um zusätzliche Störungen zu vermeiden wurde
auf Nestkontrollen bei der Zweitbrut verzichtet.
29
Abbildung 18: Positionen des Hahnes GR1 während der Erstbrut vom 22.05. bis 26.05.2017 (n = 107 Positionen) - Luftbild aus
2015. (Quelle: ESRI, Digital Globe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS
User Community)
Abbildung 19: Positionen des Hahnes GR1 während der Zweitbrut vom 31.05. bis 14.07.2017 (n = 1.039 Positionen) - Luftbild
aus 2015. (Quelle: ESRI, Digital Globe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the
GIS User Community)
30
Der Hahn GR1 führte anschließend die geschlüpften Küken entlang eines ruderalen Grünlandsaumes
um ein Getreidefeld im Bereich der Kerbtäler östlich von Utecht und nördlich des Brutplatzes. Hierbei
wurden auch häufiger Bereiche im Wald aufgesucht. Aufgrund der hohen Vegetation im Saum sowie
der großen Fluchtdistanz des Hahnes konnte die Anzahl der Küken nicht sicher festgestellt werden. Die
Aktionsräume während des Tages betrugen dabei 0,014 km² bis 1 km² im Mittel 0,26 km². Die dabei
zurückgelegten Tagesstrecken bewegten sich zwischen 0,7 km und 4,4 km im Mittel 2,4 km. GR1 verlor
zwischen dem 10.08. und 27.08.2017 das Halsband im Bereich der Kerbtäler westlich von Utecht.
Dieses wurde wenige Tage später gefunden. Innerhalb des Trackingzeitraumes nutzte der Hahn einen
Gesamtaktionsraum von 24,7 km².
Abbildung 20: Kerbtäler bei Utecht im Mai 2017 Der Grünlandstreifen um die Gehölze diente als Nahrungshabitat des
Hahns GR1 während der Kükenobhut.
Nachts legte GR1 nur geringe Strecken von maximal 400 m zurück (Mittelwert 151 m). In 75 % der
Nächten (n = 208) betrug die zurückgelegte Distanz weniger als 185 m. Seltener (n = 62) lief der Hahn
weiter, jedoch nur bis zu einer maximalen Distanz von 1.315 m. Häufiger als die anderen Tiere im
Versuch nutzte der Hahn Gehölzstrukturen als Schlafplatz. Insbesondere im Januar bis März sowie
zusammen mit den Küken im Juli und August wurden zwischen 40 90 % der nächtlichen Ortungen in
Waldrandbereichen und an Gehölzstrukturen erfasst. Darüber hinaus hielt sich der Hahn nachts auch
auf Ackerkulturen (Raps/Getreide/Mais), Brachflächen und Grünländern auf.
31
Abbildung 21: Nächtliche Biotopnutzung des Hahnes GR1
Tabelle 4: Übersicht Beobachtungen GR1
Datum Beobachtung
In Gruppe zusammen mit
Datum
besendertem Tier
und weiteren Nandus
04.11.2016
-
-
12.11.2016
-
2
06.01.2017
-
1
31.01.2017
-
2
01.02.2017
-
5
09.03.2017
-
1
10.03.2017
-
1
03.06.2017
-
-
R1
Das Männchen R1 wurde am 02.11.2016 auf einer Agrarflur nördlich von Utecht besendert. Zunächst
wurde R1 als Einzelhahn beobachtet, welcher sich jedoch im Laufe des Winters den losen
Winterverbänden im Areal zwischen Utecht und Schattin anschloss. Oft wurde R1 zusammen mit der
Henne B1 in losen Gruppen mit bis zu 54 Tieren auf den Feldfluren beobachtet. Mit einem Anteil von
40 - 60 % der Tagesortungen spielten Rapskulturen eine wesentliche Rolle in der Biotopnutzung des
Tieres im Verlauf der Wintermonate. Eine Fläche wurde dabei sehr häufig auch mit anderen Nandus
frequentiert. Diese wurde aufgrund des hohen Nutzungsdruckes im März neu mit Erbsen bestellt (Vgl.
32
Karte R1 Kernhabitate Winter). Eine zweite Rapskultur im Aktionsraum wurde im späteren Winter
mit Elektrozaun eingezäunt und konnte somit nicht mehr genutzt werden. Nachts suchte der Hahn R1
überwiegend die Grünländer des NSG Kammerbruch sowie ein angrenzendes Intensivgrünland auf.
Die Aktionsräume während des Tages beschränkten sich dabei im Wesentlichen auf kleinere Areale
von 0,005 km² bis einzeln 1,5 km² (im Mittel 0,3 km³). Dabei wurden Wegstrecken von 0,4 km bis
maximal 6,3 km zurückgelegt. Im Mittel lagen diese bei ca. 2.2 km.
Abbildung 22: Anteile der Biotopnutzung des Hahnes R1 während des Tages
Ab dem März hielt sich R1 vermehrt auch tagsüber auf den Grünländern des Kammerbruchs auf.
Beobachtungen zeigten, dass dieser zunächst als weniger dominanter Beihahn in Haremsverbänden
geduldet wurde, später aber selbst brütete. Die während des Tages genutzten Aktionsräume stiegen
während der Balzzeit im Vergleich zum Winter etwas an, auch die damit verbundenen Wegstrecken
erhöhten sich. Der Mittelwert im März betrug 3,45 km. Auch hier scheint das Sozialverhalten Einfluss
auf die Wegstrecken und Aktionsraumgrößen zu haben.
Ab dem 07.06.2017 hielt sich R1 weiterhin auf den Grünländern des NSG Kammerbruch zusammen
neun Hennen (darunter G11) zwei Beihähnen einem Jungtier sowie einem leuzistischen Tier in einem
größeren Haremsverband auf. Die täglichen Aktionsradien und Wegstrecken verringerten sich im
Vergleich zum Zeitraum März Mai. Der Hahn R1 brütete vom 16.06. 06.08.2017 im Feuchtgrünland
des NSG Kammerbruchs. Während der Brut entfernte sich R1 nur bis zu 175 m vom Nest. Distanzen bis
100 m pro Tag ergeben sich aufgrund von Ungenauigkeiten des GPS Signals. Die Biotopnutzung
beschränkte sich auf das Grünland des direkten Nestbereichs. R1 brütete in unmittelbarer Nähe (3 m)
33
zu einem Wassergraben, sodass aufgrund der GPS-basierten Ungenauigkeit Lokalisationen ebenfalls in
diesem Biotoptyp erfolgten. Die Henne G11 hielt sich vor dem Brutbeginn noch in der Nähe von R1
und des Nestes auf. Die Henne B1 sendete bis 19.06.2017 keine Daten, konnte aber ab dem 20.06.2017
dreimal in Nestnähe dokumentiert werden, während G11 während der Brut von R1 nur einmal am Nest
dokumentiert wurde. Es ist anzunehmen, dass beide Hennen auch Eier in das Nest ablegten. Während
der Hahn R1 brütete, hielten sich die beiden Hennen B1 und G11 vorrangig auf einem Rübenacker und
Intensivgrünland ca. 800 m östlich des Nestes auf. Mit 52 Tagen dauerte die Brut von R1
außergewöhnlich lange und war letztendlich nicht erfolgreich. Im Rahmen von Brutzeitkontrollen ließ
sich der Hahn nicht vom Nest vertreiben, sodass die Ursache des Ausfalls sowie die Anzahl der Eier
nicht bekannt sind.
Abbildung 23: Positionen des Hahnes R1 während der Brut vom 16.06.bis 06.08.2017 (n = 949 Positionen)
Im Laufe des Herbstes hielt sich der Hahn R1 noch auf einer Luzerne/Kleegrasfläche und angrenzendem
Rübenfeld sowie im Bereich des Kammerbruchs auf. Die Nutzungshäufigkeit der Rübenkultur nahm
zum Oktober zu. Am 03.11.2017 verunglückte das Tier bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw auf
der Ortsverbindungsstraße zwischen Schattin und Utecht tödlich. Das Sendehalsband wurde geborgen.
Während der Nacht zeigte R1 nur geringe Aktionsräume im Mittel 0,26 ha auf. In 75 % der Nächte lief
R1 lediglich bis zu 215 m zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang umher. In nur wenigen
Nächten betrug die zurückgelegte Distanz über 500 m bis maximal 856 m. Nachts nutzte R1
überwiegend Grünlandstandorten im NSG Kammerbruch sowie umgebende Intensivgrünländer und
Luzerne/Kleegrasflächen. Gehölzstrukturen und Wälder nutzte der Hahn R1 nur sehr selten vom
Februar bis Juni.
34
Abbildung 24: Nächtliche Biotopnutzung des Hahnes R1
Während der fast einjährigen Erfassung hielt sich der Hahn R1 in einen Gesamtaktionsraum von 9,2
km² auf.
Tabelle 5: Übersicht Beobachtungen R1
Datum Beobachtung
In Gruppe zusammen mit
Datum
besendertem Tier
und weiteren Nandus
04.11.2016
-
-
12.11.2016
-
6
15.11.2016
-
-
27.11.2016
B1
-
26.12.2016
B1
46
15.01.2017
B1
32
17.01.2017
B1
54
31.01.2017
B1
11
11.02.2017
B1
22
02.03.2017
-
21
10.03.2017
-
4
10.03.2017
-
7
10.03.2017
-
-
12.03.2017
-
-
25.03.2017
-
1
35
07.04.2017
-
10
13.04.2017
-
11
15.04.2017
-
1
18.04.2017
-
-
28.04.2017
-
1
04.06.2017
-
9
11.06.2017
G11
12
12.06.2017
-
6
03.09.2017
-
39
03.11.2017 (Todfund)
-
-
36
G11
Das weibchen G11 wurde am 10.03.2017 auf den Grünlandbereichen südlich von Schattin besendert,
wo sich das Tier auch bis auf einzelne kurze Exkursionen auf die umliegenden Feldfluren vorrangig bis
in den Juni hinein aufhielt. Aus dem Grünlandareal sind vier Neststandorte von Hähnen bis zum Juni
2017 bekannt (Vgl. PHILIPP & KORTHALS 2017). Die Aktionsräume während des Tages liegen zwischen
0,007 km² bis 3,12 km² (Mittelwert 0,33 km²). Dabei legte G11 zwischen 0,4 km bis 8,7 km, im Mittel
2,8 km zurück. Ab dem 08.06.2017 war die Henne G11 Teil des Haremsverbandes von R1 im
Kammerbruch. Während dieser brütete nutzte G11 einen östlich gelegenen Rübenacker und
Intensivgrünland und unternahm einzelne Exkursionen um das angrenzende Waldgebiet Braken bis
auf die Feldfluren nördlich von Schlagsülsdorf. Im Juni und Juli nutzte das Tier einen Aktionsraum von
0,024 km² bis 4,5 km² (Mittelwert 0,5 km²) während des Tages und legte dabei Strecken von 1,3 km bis
9,2 km im Mittel 3,4 km zurück. Ab August verlies die Henne G11 bereits für mehrere Tage das Areal
zwischen Schattin und Utecht und hielt sich auf den Erntebrachen zwischen Thandorf, Rieps und
Schlagsülsdorf auf, kehrte für ca. eine Woche zurück in den Bereich des Kammerbruchs und
umgebende Feldfluren, um dann im September und Oktober erneut die Äcker zwischen Thandorf,
Rieps und Schlagsülsdorf zu nutzen. Einzelne teilweise mehrtägige Exkursionen führten G11 dabei auch
in östliche Teilbereiche zwischen Raddingsdorf und Stove sowie um das Waldgebiet Im Sören.
Während im September Ansaatflächen und Erntebrachen von Getreide und Raps am häufigsten
genutzt wurden, zeigte G11 ab Oktober eine Präferenz für die jungen Rapskulturen sowie mit Rüben
bestandenen Flächen.
Abbildung 25: Anteile der Biotopnutzung der Henne G11 während des Tages
37
Im August und September nutzte G11 einen Aktionsraum von 0,055 km² bis 2,8 km² (Mittelwert 0,6
km²) während des Tages und legte dabei Strecken von 1,1 km bis 6,9 km im Mittel 3,1 km zurück.
In den Herbstmonaten Oktober und November zeigten sich Aktionsräume von 0,021 km² bis 3,4 km²
(Mittelwert 0,42 km²) sowie Strecken von 0,6 km bis 7,4 km im Mittel 2,3 km. Ab dem 10.11.2017
nutzte G11 wieder die Wintereinstandsgebiete auf den Feldfluren zwischen Schattin und Utecht.
Technisch bedingt setzte der Sender ab dem 27.11.2017 bis zum 25.04.2018 aus, sodass für den
folgenden Winter keine Daten vorliegen.
Nachts nutzte die Henne G11 während der Frühjahrs- und Sommermonate überwiegend Grünländer
und Luzerne/Kleegrasflächen als Ruheplatz. Ab August wurden auch zunehmend Erntebrachen von
Getreide sowie Ansaatflächen von Raps und Ackerbrachen genutzt. Ab Oktober ruhte G11
überwiegend auf den jungen Rapskulturen, Ackerbrachen sowie Luzerne-/Kleegrasflächen und
Grünland. Wälder und Gehölzstrukturen wurden nur während des Frühjahrs in geringer Häufigkeit
genutzt. In 75 % der Nächte wurden Distanzen bis 257 m zurückgelegt. Im Mittel betrug die nächtliche
Raumbewegung 190 m. Nur in wenigen Nächten erfolgten Raumbewegungen bis maximal 1.011 m.
Während der Erfassung 2017 nutzte G11 einen Gesamtaktionsraum von 35,0 km².
Abbildung 26: Nächtliche Biotopnutzung der Henne G11
In 2018 sendete der Rucksacksender vom 26.04.2018 bis 29.10.2018 Positionsdaten Zunächst
stündlich, ab dem 20.05.2018 wurden nur noch alle drei Stunden Positionen erfasst. (Vgl. Abbildung
34 im Anhang)
38
Ab dem 26.04.2018 nutzte G11 wie im Jahr zuvor erneut die Grünlandbereiche des Kammerbruchs
sowie der angrenzenden Feldfluren zwischen Utecht und Schattin.
Ab dem 19.06.2018 wechselte G11 auf die Feldfluren südlich von Utecht, um ab dem 22.07.2018
erneut die Feldfluren nördlich von Schlagsülsdorf und ab dem 10.08.2018 zwischen Thandorf und Rieps
zu nutzen. Ab dem 26.09.2018 hielt sich G11 dann wieder vermehrt auf den Feldern zwischen Schattin
und Utecht auf.
In 2018 nutzte G11 einen Gesamtaktionsraum von 32,9 km².
Die letzte Ortung erfolgte am 29.10.2018 im Bereich der Kerbtäler bei nördlich Utecht. Danach verlor
sich die Spur des Tieres.
Tabelle 6: Übersicht Beobachtungen G11
Datum Beobachtung
In Gruppe zusammen mit
Datum
besendertem Tier
und weiteren Nandus
25.03.2017
B1
5
14.04.2017
B1
5
04.06.2017
-
5
11.06.2017
R1
12
17.06.2017
B1
8
09.07.2017
-
2
25.03.2018
-
9
02.04.2018
-
3
07.04.2018
-
1
12.04.2018
-
15
16.05.2018
-
19
17.05.2018
-
11
22.05.2018
-
23
15.09.2018
-
5
27.09.2018
-
18
28.09.2018
-
26
39
Diskussion
Aktionsräume
Gesamtaktionsraum
Die Ergebnisse der besenderten Tiere zeigen eine breite individuelle und jahreszeitliche Varianz der
Aktionsraumgrößen auf, welche saisonal durch soziale Aspekte, aber auch Nahrungsverfügbarkeit
bestimmt sein kann. In der Regel sind jedoch Flächen mit bevorzugten Nahrungspflanzen meist nur
wenige Kilometer voneinander entfernt und die Tiere halten sich dann bevorzugt auf diesen Flächen
auf.
Die Werbung von Hennen spielt während der Balzzeit eine zentrale Rolle bei den Hähnen, was an den
zwei besenderten nnlichen Tieren und den Beobachtungen von G1 (2008 bis 2012) deutlich wird.
Dieses Verhalten kann auch mit größeren Raumbewegungen verbunden sein.
Der Hahn GR1 (24,7 km²) nutzte im Vergleich zum Hahn R1 (9,2 km²) einen deutlich größeren
Aktionsraum. Besonders während der Balzzeit im Frühjahr konnten einzelne Exkursionen bis Schattin,
ca. 4 km außerhalb seines Kernaufenthaltsgebietes, beobachtet werden. Dies wird durch Hennen zu
erklären sein, welche auch außerhalb der sonst täglich genutzten Räume angeworben wurden. Da die
hne bei solchen Wanderungen zum Teil Hennen mit sich führen nnen, könnte dieser Effekt auch
bei Hennen auftreten. Dahingegend hielt sich der Hahn R1 bereits in einem Areal mit relativ hoher
Dichte an Artgenossen auf, sodass größere Raumwechsel hier nicht nötig waren, um ausreichend
Hennen zu finden. Bei dem Hahn G1 (2008 bis 2012) stellte der jährliche Wechsel in das Brutareal bei
Boitin-Resdorf und Niendorf einen merklichen Raumwechsel dar. Dieses Areal wurde jährlich von 2008
bis 2012 zur Brutzeit aufgesucht. Selbst nach einer abgebrochenen Brut in 2009 (nördl. Niendorf) warb
der Hahn G1 kurz darauf in ca. zehn Kilometer Entfernung bei Utecht Hennen an, um dann später
erneut im Brutareal zwischen Boitin-Resdorf und Niendorf zu brüten. Außerhalb der Brutzeit wurde
der Hahn G1 auch in anderen Teilen des Verbreitungsgebietes beobachtet.
Auch bei Hennen kann die auf die Balz- und Brutzeit beschränkte Haremsbindung zu saisonal kleineren
Aktionsräumen führen. Vom Frühjahr bis in den Sommer hinein stellen das Nest des jeweiligen Hahnes
und die regelmäßige Eiablage zentrale Punkte in den Aktionsräumen der Hennen dar. Diese halten sich
dann in geringen Entfernungen im Umfeld des Nestes auf. Die Haremsbindung endet meist während
der Brutzeit des Hahnes. Meist übernehmen die Beihähne oder andere Hähne den Harem und
beginnen zeitlich verzögert mit dem eigenen Nestbau (serielle Polyandrie), wodurch die
Haremsbindung von Frühjahr bis zum Sommer über mehrere Wochen andauern kann. Nach der
Haremsbindung im Sommer bilden sich zum Teil größere lose Verbände, mit unterschiedlicher Alters-
und Geschlechterzusammensetzungen. Da die Hennen nun nicht mehr an die Nester und Hähne
gebunden sind, können diese auch weitere Areale zur Nahrungssuche aufsuchen.
So zeigte die Henne G11 zum Ende der Haremsbindung im Juli/August bis in den Oktober/November
größere Raumbewegungen aus ihrem Kernhabitat zwischen Utecht-Schattin. Die Henne hielt sich
dabei bis zu 7 km östlich davon auf. Solche mehrwöchigen Raumwechsel konnten bei G11 innerhalb
zwei aufeinanderfolgenden Jahren beobachtet werden.
40
Saisonale Raumwechsel aufgrund der sich plötzlich ändernden Nahrungsverfügbarkeit konnten nur in
kürzeren Distanzen bis 1,2 km festgestellt werden. Zum Schutz von Fraßschäden wurde Ende Februar
2017 eine mit Raps bestellte Fläche südlich von Schattin mittels Elektrozaun eingezäunt. Merklich
wurde diese Fläche nicht mehr von zwei besenderten Tieren genutzt. R1 nutzte daraufhin eine 1 km
südlich gelegenen Rapskultur. B1 wechselte auf eine 1,2 km nordöstlich gelegene Fläche, welche
ebenso mit Raps bestellt war. Solche Vergrämungsmaßnahmen wirken somit nur auf der jeweiligen
Fläche, verlagern das Problem erhöhter Nutzungen im lokalen Raum.
Täglicher Aktionsraum
Die jährlichen Raumnutzungen und Wechsel innerhalb der Räume lassen sich in der Analyse der
täglichen Aktionsräume konkretisieren.
Vergleicht man die täglichen Aktionsraumgrößen, so sind saisonale Unterschiede in den genutzten
Räumen und Wegstrecken erkennbar. Während der Wintermonate wurden bei R1 und B1 relativ kleine
Aktionsräume bis 0,7 km² beobachtet. Dies bedingt durch die gute Nahrungsverfügbarkeit auf
Rapsschlägen mit angrenzenden Luzerne-Kleegrasflächen, die während dieser Zeit überwiegend
genutzt wurden. Geschlechterunabhängig steigen die Aktionsräume im Laufe des Frühjahrs etwas an.
Während der Balzzeit sind Hähne vermehrt auf der Suche nach Hennen und legen daher meist größere
Strecken zurück, um diese anzuwerben. Hierbei ziehen die Hennen eines Haremsverbandes mit.
Deutlich ist dieser Effekt bei Hahn GR1 ab Februar zu beobachten. Auch die anderen Tiere zeigten
einen Anstieg der täglichen Raumnutzung im Frühjahr.
Während der Brutzeit bleiben die Hähne stark an das Nest sowie das direkte Umfeld gebunden (Vgl.
Abbildung 19 & Abbildung 23). Auch während der anschließenden Kükenobhut von GR1 sind im Juli
kleinere Aktionsräume beobachtet worden, als bei den beiden Hennen G11 und B1. Dies kann durch
die geringere Mobilität der jungen Küken erklärt werden. Die Brut des Hahnes R1 blieb erfolglos. Auch
dieser nutzte anschließend kleinere Aktionsräume, als die untersuchten Hennen.
Aktivitätszeiten
Anhand der Aktionsräume und zurückgelegten Distanzen während des Tages bzw. der Nacht (Vgl.
Abbildung 11 bis Abbildung 14) lässt sich die überwiegende Tagaktivität der vier Tiere erkennen.
Nächtliche Bewegungen sind eher lokaler Art bis wenige Meter im Umkreis um den Schlafplatz.
Beobachtungen zeigen, dass sich die Tiere bereits vor Eintritt der Dunkelheit an ihren Schlafplätzen
versammeln und in individueller Distanz zueinander die Nacht verbringen. Gelegentlich wechseln sie
auch die Ruheplätze, wobei dies meist im Nahbereich bis wenige hundert Meter stattfindet.
Biotopnutzung
Am Beispiel der vier Tiere können Varianzen in der Häufigkeit genutzter Biotop- und Nutzungstypen
aufgezeigt werden. Dabei bestimmen die Verfügbarkeit von nahrhaften Blattstauden (Luzerne,
Kleegras, Zuckerrüben sowie Kräuter und Gräser in Grünländern) die Habitatwahl maßgeblich. Die
Blätter der Rapspflanzen weisen einen Eiweißanteil von ca. 3,8 % auf. Luzerne und Klee sind darüber
hinaus mit bis zu 6,9 % Proteinanteil an der Blattmasse ebenso eiweißreich (TERNES et al. 2005). Diese
Pflanzenarten sind im Vergleich zu Gräsern und natürlichen Kräutern, leichter verdaulich, fett- und
41
proteinreicher und werden daher von den Tieren besonders während der Wintermonate bevorzugt
gefressen (eigene Beobachtungen). Während der Wintermonate der Jahre 2008 bis 2011 wurden 50
% bis 60 % der Sichtbeobachtungen von Nandus auf Rapskulturen gemacht (PHILIPP & KORTHALS 2012).
Hinzu kommt die leichte Verfüg‐ und Erreichbarkeit der großflächig angebauten Nahrung. Dies zeigt
sich auch in den hohen Anteilen von Rapskulturen sowie Luzerne/Kleegrasflächen an den ermittelten
Biotopnutzungen welche besonders in den Wintermonaten zu beobachten sind. Im Laufe der Monate
April und Mai wurden die Rapskulturen so dicht, dass eine Durchquerung dieser nicht mehr möglich
war. Aufgrund dessen nimmt in diesem Zeitraum auch die Nutzung dieser Kulturart ab und reduziert
sich auf die Randbereiche der Schläge.
Abbildung 27: Typische Fraßspuren an Rapspflanzen und Trittsiegel eines Nandus
Landwirtschaftliche Schäden traten während der Studie besonders auf zwei von den Tieren intensiv
genutzten Rapskulturen im Untersuchungsgebiet auf. Diese Kulturen sind nach Tab. 2 präferierte
Nahrungshabitate. Die dabei entstandenen Schadbilder und deren Auswirkung auf die Pflanze wurden
vertieft von GRÜTZMACHER (2017) untersucht. Eine Fläche musste dabei im Frühjahr neu eingesät
werden, eine andere wurde mittels Elektrozaun geschützt. Sofern sich wenige Tiere auf den Flächen
aufhalten sind die Schadbilder nach GRÜTZMACHER (2017) durch das sehr ausgeprägte
Regenerationsvermögen der Rapspflanzen vertretbar, bzw. führen in der Regel nicht zu messbaren
Ernteverlusten. Da sich jedoch die Tiere besonders während der Wintermonate in losen Gruppen von
bis zu 70 Tieren (eigene Beobachtungen sowie BRUNING 1974) auf einzelnen Schlägen versammeln,
kann es aufgrund des hohen Fraßdrucks in Schwerpunktbereichen des Vorkommens zu Ernteausfällen
auf Rapskulturen kommen. Vergrämungsmaßnahmen zeigten bis dato keinen Erfolg und das Einzäunen
ist nur für kleinere Schläge praktikabel und verlagert den Nutzungsdruck auf andere Flächen.
Als Nahrungsgeneralisten wurden Nandus zudem auch auf abgeernteten Rübenfeldern sowie an
Rübenmieten fressend beobachtet. Rübenkulturen sind weniger von Fraßschäden betroffen, da zur
42
Anbauzeit ein größeres Angebot an weiteren Blattstauden vorherrscht. Schäden an geernteten
Früchten können durch Abdecken der Mieten sowie zeitiges Verladen vermieden werden.
Im Verhältnis zum Flächenanteil von 41 % im Untersuchungsgebiet wurden mit Getreide bestandene
Flächen nur in geringem Maße genutzt. Eine Ausnahme stellt das brütende Männchen GR1 dar, dessen
beide Bruten jeweils in Getreidefeldern stattfanden. Raumwechsel erfolgen häufig über diese
Kulturen, da diese ganzjährig zugängig sind und durch die Vegetationsstruktur ausreichend Deckung
bieten. Getreidesamen werden zwar gefressen, jedoch in der Regel wieder unverdaut ausgeschieden
(PHILIPP & KORTHALS 2012). Im Winter wurden Getreidekulturen im Verhältnis ihres Anteils nicht
präferiert.
Inwiefern Nandus Einflüsse auf andere Tierarten haben kann allein durch die
Beobachtungshäufigkeiten in dem jeweiligen Biotoptyp nicht geklärt werden. LENZEN & MILDE (2018)
untersuchten im Anschluss an den Projektzeitraum die Beziehungen zwischen Bodenbrütern und
Nandus, darunter auch im Grünlandareal des Kammerbruchs, einem Kernhabitat von drei Tieren aus
dieser Studie. Sie konnten keine negativen Einflüsse der Nandus auf die Abundanz von Bodenbrütern
feststellen. Laufende Studien zur Nahrungsökologie ausgewachsener sowie juveniler Nandus können
hier einen Beitrag zum besseren Verständnis der Einflüsse leisten. Für Küken führende Männchen im
Projekt nur GR1 kann auch die Verfügbarkeit von Insekten für die Kükenaufzucht eine gewisse Rolle
spielen. Dieser Vogel nutzte nach der Brutzeit sehr häufig Waldsaumbereiche und Grünlandstreifen
entlang eines abgeernteten Rapsfeldes.
Während die Habitatwahl am Tag überwiegend von der Verfügbarkeit pflanzlicher Nahrung bestimmt
wird, unterscheidet sich diese von der nächtlichen Habitatnutzung. Hier zeigten sich bei den Tieren B1,
G11 sowie R1 eine häufigere Nutzung von Grünland, Luzernen-/Kleegrasflächen und in geringen
Anteilen auch Feldfluren mit Raps und Getreide. GR1 hingegen nutzte Getreide und Rapskulturen
ebenso wie Grünländer, zeigte jedoch eine höhere Nutzung von Gehölzstrukturen und Waldbereichen
als die anderen Nandus. Die visuelle Erkennung von Feinden ist in der Dunkelheit eingeschränkt, sodass
hier zu vermuten ist, dass ähnlich wie bei der Wahl des Brutplatzes (JOKISCH et al 2011) die Deckung in
bestehender Vegetation sowie der Schutz vor Witterungseinflüssen eine wesentliche Rolle für die
Wahl der nächtlichen Aufenthaltsorte spielen.
43
Abbildung 28: links - R1 am 31.01.2017 mit weiteren 12 Nandus auf einer Rapskultur südlich von Schattin
rechts - GR1 - Schlafplatz in windgeschütztem Ruderalstreifen am 09.03.2017, ein weiteres Tier ruht etwas entfernt am rechten
Bildrand in ähnlicher Lage
Vergleich mit südamerikanischen Populationen
In einer landwirtschaftlichen Region Zentralargentiniens wurden von BELLIS et al. (2004a,b) für zehn
radio-telemetrierte Tiere Aktionsräume von 0,9 bis 4,5 km², im Mittel 2,5 km² sowie Median 2,3 km²
(MCP95), ermittelt. Das Untersuchungsgebiet bot ein Mosaik aus den Habitattypen Grasland (45 % an
der Gesamtfläche), Viehweide (36 %) und Feldfruchtanbau (Sonnenblumen, Mais, Weizen,
Sojabohnen; 19 %). Die Nahrungsverfügbarkeit auf den unterschiedlichen Flächen hatte dabei den
größten Einfluss auf die Größe der Aktionsräume. Außerdem ist eine gute Überschaubarkeit der
Flächen für die Tiere wichtig, um frühzeitig Prädatoren erkennen zu können. Die Nandus hielten sich
vorrangig auf den mit Luzerne bestellten Weideflächen auf. Grasflächen wurden weniger genutzt. Eine
Nutzung der landwirtschaftlichen Anbauflächen wurde in dieser Studie nicht beobachtet. Als Gründe
werden die fehlende Überschaubarkeit der Umgebung sowie die Unverdaubarkeit der angebauten
Pflanzen vermutet. Mit der Luzerne stand den Tieren jedoch auch eine ganzjährig vorhandene
proteinreiche Nahrungsquelle zur Verfügung, sodass eine Nutzung anderer landwirtschaftlicher
Kulturen unterblieb.
Die geringen Aktionsraumgrößen sind auf die stete Nahrungsverfügbarkeit auf den Weideflächen
zurückzuführen. In natürlichen Grasländern werden von BELLIS ET AL. (2004b) z. B. für die kleinere
Nanduart, dem Darwinnandu (Rhea pennata), Aktionsräume (MCP95) von 5,6 bis 49,9 km², im Mittel
von 23,9 km² sowie Median 11,7 km², angegeben, da dort ein geringeres Nahrungsangebot vorhanden
ist und die Tiere somit ein größeres Areal benötigen, um ausreichend Nahrung zu finden.
44
Ähnlichkeiten in der Nutzung von Luzerne-Kleegrasflächen sind festzustellen, wobei in
Nordwestmecklenburg zudem auch Rapskulturen von den Tieren präferiert werden. Auch die Nandus
in unserer Studie nutzten während der Wintermonate kleinere Aktionsräume und hielten sich
manchmal nur in einem Schlag auf. Raps steht jedoch nicht ganzjährig zur Verfügung, daher können
während der Sommerzeit Habitatwechsel hin zu Grünland festgestellt werden. Sozial bedingte
Wanderungen zwischen verschiedenen Aktionsräumen wurden von BELLIS ET AL. (2004a,b) nicht
beobachtet. Auf soziale Aspekte wie Balz‐ und Brutverhalten einzelner Tiere gingen diese Studien nicht
ein.
HERRERA et al. (2004) und PEDRANa et al. (2015) beschreiben in ihren Studien über die Habitatwahl bei
Nandus in der Provinz Buenos Aires eine Präferenz von Flächen nahe von Flüssen, Seen, Marschland
und Überschwemmungsbereichen. Hierbei wurden anhand der Häufigkeit von Kotfunden oder
Sichtbeobachtungen Rückschlüsse auf vorrangig genutzte Habitatbereiche getroffen. Die Tiere
bevorzugen diese Bereiche aufgrund der Verfügbarkeit von Wasser sowie besseren Futters in Form
von Stauden. Flächen mit hoher Vegetation wurden von den Nandus jedoch gemieden. Die
Kernhabitate der Tiere B1, R1 und G11 lagen zum Teil im Niederungsgebiet des Kammerbruchs mit
zahlreichen Gräben und Stillgewässern. Jedoch ist ein direkter Zusammenhang zur Verfügbarkeit von
Wasser nicht vertieft untersucht wurden.
GIORDANO et al. (2008) untersuchten die Siedlungsdichte von Nandus auf natürlichen Grasländern
sowie in landwirtschaftlich genutzten Gebieten in Argentinien mittels Befliegungen und Sichtung in
den jeweiligen Untersuchungsräumen. Die Dichte an Tieren war innerhalb des Projektgebietes mit
Grasland signifikant höher als in dem landwirtschaftlich genutzten Projektgebiet, welches von Mais
und Getreideanbau sowie Rinderweiden geprägt war. Die Nandus nutzten dabei 51 % der
Graslandschaften als Lebensraum, aber weniger als 5 % des Projektgebietes mit landwirtschaftlichen
Kulturen.
GARCÍA & GÓMEZ (2016) nutzten die Methodik von Präsenz-Absenz Nachweisen mittels Sichtungen von
Tieren, Spuren und Kotfunden zur Analyse häufig genutzter Habitate im El Palmar National Park in
Argentinien. Ein Projektgebiet war von Überschwemmungsbereichen mit Grasvegetation, Galerie- und
Trockenwäldern, lockeren bis dichten Palmenwäldern sowie Buschland geprägt. Ein angrenzendes
Agrarökosystem mit überwiegend Soja- und Hirseanbau, Weideflächen und Eukalyptusforsten bis fünf
Metern Höhe stellte ein zweites Projektgebiet dieser Studie dar. Innerhalb des Nationalparks wurden
Nandus überwiegend in offenem Grünland ohne Gehölze und während der Brutzeit häufiger in
dichtem Grasland nachgewiesen. Eine Präferenz zu Gewässerstrukturen wurde anhand von
Kotnachweisen gezeigt. Größere Trupps wurden an Brandschneisen, sowie in Bereichen mit weniger
dichtem Grasland nachgewiesen. In dem Agrarökosystem wurde der überwiegende Teil der Tiere in
Sojafeldern (41 %), jungen Eukalyptusforsten < 1,5 m (37 %), älteren Eukalyptusforsten mit
Brandschneisen von 3 bis fünf Metern Breite (12 %) sowie 9 % auf Weideland nachgewiesen. Innerhalb
von Hirsefeldern konnten keine Nandus beobachtet werden. Diese Studie basierte auf direkten
Beobachtungen bzw. Kotspuren von Nandus und ist nicht direkt mit den Ergebnissen unserer Studie zu
vergleichen. Es zeigt sich jedoch auch hier eine relativ breite Vielfalt genutzter Habitate. Auch lichte
Waldstrukturen und Forste wurden von den Tieren genutzt, was auch bei GR1 besonders beobachtet
werden konnte.
45
Abbildung 29: Links Nandus im El Palenque Pampas Gebiet Argentinien (http://worldbirder.blogspot.com/2013/12/three-
days-around-buenos-aires.html) rechts R1 im "NSG Kammerbruch" im Projektgebiet (N. Jokisch)
Die Studien aus autochthonen Herkunftsgebieten zeigen, dass Nandus in Agrarlandschaften häufiger
auf Flächen mit eiweißreichen Pflanzen beobachtet werden. Felder mit Luzerne oder Sojabohnen
werden häufiger genutzt als Grasflächen. Hier zeigen sich Ähnlichkeiten zu den Tieren der
Untersuchung in Mecklenburg-Vorpommern, wobei hier im Unterschied Rapskulturen eine
wesentlichere Rolle bei der Habitatwahl spielen. Raps wurde in den südamerikanischen
Projektgebieten nicht angebaut. Feuchte Grünflächen mit Gräben und Stillgewässern stellten
Kernhabitate einiger Nandus in Nordwestmecklenburg während der Sommermonate dar;
Habitatpräferenzen für feuchtere Bereiche wie in südamerikanischen Studien beschrieben können
nicht ausgeschlossen werden, wurden jedoch nicht näher untersucht. Innerhalb natürlicher Gras- und
Buschflächen werden je nach Jahreszeit unterschiedliche Strukturen genutzt, wobei innerhalb der
Brutzeit r die Männchen eine dichte Grasvegetation als Deckung bedeutend ist. Diese Deckung
wurde auch von JOKISCH ET AL. (2011) als maßgeblich für die Wahl des Brutplatzes beschrieben. Auch
die Männchen R1 und GR1 nutzten höhere Gras- oder Getreidepflanzen als Deckung während der Brut.
Fehlerdiskussion
Ungenauigkeiten der Sender
Technisch bedingt haben GPS-Signale eine Abweichung von wenigen Metern. Hierbei spielen der Grad
der Bewölkung bzw. die Vegetationsbedeckung (geschlossener Wald/Offenland) sowie die Lage des
Senders (bodennah beim Ruhen, ca. 1 m hoch beim Fressen) eine wesentliche Rolle für die Genauigkeit
der Positionsbestimmung. Dies zeigt sich insbesondere bei den brütenden Tieren, welche sich zum
Großteil der Brutzeit auf dem Nest, quasi innerhalb eines Quadratmeters befanden. In Abbildung 19
sowie Abbildung 23 sind diese Abweichungen um den Neststandort zu erkennen. Grund hierfür ist die
bodennahe Lage des Senders beim Brüten. Die deutliche Mehrheit der Ortungen liegt jedoch unterhalb
von 10 m zum Neststandort. Angrenzende Biotoptypen können somit überlagert werden. Am Beispiel
des Hahnes R1 zeigt sich dies in der häufigen Nutzung von Gewässern, da dieser in unmittelbarer Nähe
an einem Graben brütete. Aus diesen regelmäßigen geringfügigen Abweichungen können sich in
Summe jedoch Wegstrecken ergeben, welche tatsächlich aber nicht zurückgelegt wurden. Die
Wegstrecken während der Nacht sowie während der Brutzeit sind in Abbildung 12 sowie Abbildung 14
dargestellt. Distanzen in den Wegstrecken bis zu 100 m können somit auch auf diese Ungenauigkeiten
zurückzuführen sein.
46
Fazit
Die Studie zeigt, dass die Tiere im Versuch eine Vielzahl von Biotoptypen des Offenlandes als
Lebensraum nutzen. Sie zeigen gerade in der kultivierten Landschaft eine große Anpassungsfähigkeit.
Felder mit Raps- und Luzerne bieten leicht verfügbare energiereiche Nahrung und werden daher auch
bevorzugt aufgesucht. Somit fördert der Anbau dieser Kulturen das Überleben der Tiere.
Getreidefelder bieten weiteren Lebensraum im Offenland und bieten neben Nahrung auch
ausreichend Deckung während des Brutgeschehens. Häufiger als erwartet nutzen Nandus auch
Waldstrukturen als Lebensraum, wobei es hier aber auch individuelle Präferenzen in der Häufigkeit zu
geben scheint. Die Tiere nutzen die einzelnen Biotope und Nutzungstypen effizient und ihren
Bedürfnissen entsprechend. Wesentlich sind jedoch extensiv genutzte Rückzugsräume für eine
erfolgreiche Brut- und Kükenaufzucht. Diese bestanden im Projektgebiet aus Grünländern
unterschiedlicher Ausprägung.
Die Bewegungsmuster der besenderten Tiere zeigten einerseits sehr lokale Raumnutzungen, die
vorrangig durch die Verfügbarkeit von Nahrung und anderen Nandus bestimmt waren. Größere
Raumwechsel einzelner Tiere können auf soziale Aspekte zurückgeführt werden. Das
Verbreitungsgebiet der Population ist im Westen sowie im Norden wesentlich begrenzt. Daher konnte
im Rahmen des bisherigen Monitorings lediglich nach Osten und Süden eine Ausbreitung dokumentiert
werden (KORTHALS & PHILIPP 2020). Diese fand in Anbetracht der Mobilität dieser Laufvögel eher
langsam und parallel zum Wachsen der Population statt. G11 sowie ein besendertes Männchen in
PHILIPP (2009) zeigen, wie weit sich einzelne Tiere von den eigentlichen Kernhabitaten entfernen
können. Daher ist ein Abwandern einzelner Tiere der Population in östlich oder südlich gelegene
Gebiete weiterhin anzunehmen.
Durch eine stetige Intensivierung der Landwirtschaft und größere Monokulturen sind Nandus in
Südamerika, die Jagd sowie den Verlust und Fragmentierung des Lebensraums in ihrem Bestand
bedroht (GIORDANO et al. 2008; IUCN 2022). Das Beispiel der Population in Nordwestmecklenburg zeigt,
dass sich Landwirtschaft und stabile Populationen von Nandus nicht zwangsläufig ausschließen.
Besonders der in der Rinderhaltung häufige Anbau von Luzerne bietet geeignete Nahrungshabitate für
die Tiere in Südamerika. Zudem können extensiv genutzte und störungsarme Rückzugsräume, wie
größere Grasflächen, lichte Trockenwälder, Säume um Gewässerränder wichtige Habitatbereiche für
die Brut- und die Ruhezeiten darstellen. Maßgeblich ist jedoch die Duldung der Tiere auf
landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ein Verzicht auf Jagd der Tiere sowie die Sensibilisierung der
Landnutzer in den autochthonen Verbreitungsregionen kann einen Beitrag zur Stabilisierung der
dortigen Populationen leisten.
Das Beispiel der Nandupopulation in Nordwestmecklenburg zeigt dass sich Landwirtschaft und stabile
Populationen von Nandus nicht ausschließen, sofern die Nutzung von landwirtschaftlich genutzten
Flächen geduldet wird. Grenzen stellen hierbei Übernutzungen einzelner Flächen während der
Wintermonate dar, was jedoch durch Anbaumanagement bzw. populationsverträglicher Entnahme in
akzeptablen Grenzen gehalten werden kann.
47
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49
Anhang
Anhang 01: Übersicht der Trackingintervalle
Abbildung 30: Übersicht Trackingintervalle des Hahnes R1 (die untere schwarze Linie markiert den Sonnenaufgang, die obere
den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h = Sommerzeit))
Abbildung 31: Übersicht Trackingintervalle des Hahnes GR1 (die untere schwarze Linie markiert den Sonnenaufgang, die
obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h = Sommerzeit))
50
Abbildung 32: Übersicht Trackingintervalle der Henne B1 (die untere schwarze Linie markiert den Sonnenaufgang, die obere
den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h = Sommerzeit))
Abbildung 33: Übersicht Trackingintervalle der Henne G11 in 2017 (die untere schwarze Linie markiert den Sonnenaufgang,
die obere den Sonnenuntergang. Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2h = Sommerzeit))
51
Abbildung 34: Übersicht Trackingintervalle der Henne G11 in 2018 (die untere schwarze Linie markiert den Sonnenaufgang,
die obere den Sonnenuntergang) Zeiten in UTC (+1h = lokale Zeit, +2 h = Sommerzeit))
52
Anhang 02: Übersichtskarten Aktionsräume
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User C ommunity
0 1 2 3 4 5 60,5
Km $
Quellen:
InVeKoS 2017: Daten der Zentralen InVeKoS-Datei des Jahres 2017 Zur Verfügung gestellt durch das LUNG M-V.
Source Basemap World Imagery of 2015: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNED/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User community
World Topo Map: Esri, HERE, Garmin, Intermap, increment P Corp., GEBCO, USGS, FAO, PS, NRCAN, GeoBase, IGN, Kadaster NL,
Ordnance Survey, Esri Japan, METI, Esri China (Hong Kong), swisstopo, © OpenStreetMap contributors, and the GIS User Community
Utecht
Schattin
Rieps
BAB 20
Ratzeburger See
Bäk / Mechow
Thandorf
Boitin-Resdorf
"Im Braken"
"Mechower Holz"
"Im
Söhren"
NSG
"Kieckbuschwiesen"
NSG
"Kammerbruch"
NSG
"Wakenitz"
Cronskamp
National Geographic, Esri,
Garmin, HERE, UNEP-
WCMC, USGS, NASA, ESA,
METI, NRCAN, GEBCO,
Bohnen/Erbsen
Grünland
Ackerbrache
Gehölzstrukturen im Offenland
Wald
Getreide
Gewässer
Kleegras / Luzerne
Mais
Moor, Sumpf
Obstbau, Streuobstfläche
Ruderalflur, Brache, Sukkzession
Siedlungsbereich
Spargel
Verkehrsweg befestigt/unbefestigt
Winterraps
Rüben
Biotop- und Nutzungstyp
Sonstige
R1
Aktionsraum
nach MCP100
GR11
B1
G11
Fang am
03.11.2016
letzte Position
am 24.07.2017
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS , USDA, USGS , AeroGRID, IGN,
and the GIS User C ommunity
B1
Übersicht Aktionsraum vom 11.11.2016 - 01.05.2017
und vom 19.06.2017 - 24.07.2017
Positionen (n= 2.502)
Sommer (Juni - Juli)
Kernhabitate (Kernel 60%)
MCP 100 - (8,89 km²)
Gesamtaktionsraum
Winter (Nov.- April)
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
Schattin
NSG "Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Im Braken"
NSG "Wakenitz"
0 1 20,5
Km
Brutplatz - 1. Brut vom
22.05.2017.- 26.05.2017
Fang am
04.11.2016
Verlust Sendehalsband
vom 10.08. bis 27.08.2017
Brutplatz - 2. Brut vom
31.05.2017.- 14.07.2017
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User C ommunity
GR1
Übersicht Aktionsraum vom 04.11.2016 - 26.10.2017
Positionen (n= 5.174)
Sommer (April - Aug.)
Kernhabitate (Kernel 60%)
MCP 100 - (24,69 km²)
Gesamtaktionsraum
Winter (Nov.- April)
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
Schattin
NSG "Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Mechower Holz"
NSG "Wakenitz"
0 1 2 30,5
Km
Thandorf
Campow
NSG "Steinerne Rinne
und Mechower Holz"
Brutplatz - Brut vom
16.06.2017.-06.08.2017
Fang am
02.11.2016
verunglückt am 03.11.2017
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS , USDA, USGS , AeroGRID, IGN,
and the GIS User C ommunity
R1
Übersicht Aktionsraum vom 03.11.2016 - 26.10.2017
Positionen (n= 5.909)
Sommer (April - Nov.)
Kernhabitate (Kernel 60%)
MCP 100 - (9,25 km²)
Gesamtaktionsraum
Winter (Nov.- April)
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
Schattin
NSG "Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Im Braken"
NSG "Wakenitz"
0 1 20,5
Km
Fang am
03.11.2016
letzte Position
26.11.2017
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community
G11
Übersicht Aktionsraum vom 12.03.2017 - 26.11.2017
Positionen (n= 5.327)
Sommer (April - Okt.)
Kernhabitate (Kernel 60%)
MCP 100 - (34,97 km²)
Gesamtaktionsraum
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
Schattin
NSG
"Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Im Söhren"
NSG
"Wakenitz"
0 1 2 3 4 5 60,5
Km
Thandorf
Rieps
Schlagsülsdorf
Wendorf
Cronskamp
Raddingsdorf
Groß Neuleben
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community
G11
Übersicht Aktionsraum vom 23.04.2018 - 29.10.2018
Positionen (n= 1.230)
Sommer (April - Okt.)
Kernhabitate (Kernel 60%)
MCP 100 - (32,91 km²)
Gesamtaktionsraum
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
Schattin
NSG
"Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Im Söhren"
NSG
"Wakenitz"
0 1 2 3 4 5 6 70,5
Km
Thandorf
Rieps
Schlagsülsdorf
Wendorf
Groß Neuleben
NSG
"Steinerne Rinne und Mechower Holz"
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Fang am
27.02.2008
letzte Beobachtung
am 02.11.2012
Source: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics, CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN, and the GIS User Community
G1
Übersicht Sichtungen und Aktionsräme
2008 bis 2012
Beobachtungen (n=22)
2008
Aktionsraum MCP 100 - (11,8 km²)
Kartenbasis: Esri, DigitalGlobe, GeoEye, Earthstar Geographics,
CNES/Airbus DS, USDA, USGS, AeroGRID, IGN,
and the GIS User Community
02.07.2015
!
(
Schattin
NSG
"Kammerbruch"
Waldgebiet
"Im Braken"
Kerbtäler bei Utecht
Utecht
Waldgebiet
"Im Söhren"
NSG
"Wakenitz"
0 1 2 3 4 5 6 70,5
Km
Thandorf
Rieps
Schlagsülsdorf
Wendorf
Cronskamp
Raddingsdorf
Groß Neuleben
Boitin-Resdorf
Niendorf
2009 Brut 1
abgebrochen
2009 Brut 2
erfolgreich
2008 Brut
erfolgreich
2010 Brut
nicht erfolgreich
Brutplatz
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Beobachtungen (n=17)
2009
Aktionsraum MCP 100 - (22,67 km²)
!
(
Brutplatz
"/
Beobachtungen (n=25)
2010
Aktionsraum MCP 100 - (21,31 km²)
!
(
Brutplatz
"/
Beobachtungen (n=5)
2011
!
(
Beobachtungen (n=3)
2012
!
(
Aktionsraum MCP 100 - (41,44 km²)
2008-2012
60
Anhang 03: Vergleichende Übersichten der Biotopnutzung
Biotopnutzung Tag
Legende
168 218 248 268 365 419 408 809 273 128
n =
240 395 488 504 517 430 371 281 128n =
149 223 248 275 71 194 291
n =
220 223 248 275 366 422 493 253 658 234 149 142n =
B1 - weiblich
G11 - weiblich
GR1 - männlich
R1 - männlich
Brut 1 vom 22.05.2017 26.05.2017
Brut 2 vom 31.05.2017 14.07.2017
im Getreide südöstlich Utecht
anschließend Kükenobhut im
Waldrandbereich auf Erntebrachen
Brut vom 16.06.2017 06.08.2017
im Grünland NSG Kammerbruch
G11 - weiblich
n = 154 n = 274 n = 248 n = 175 n = 178 n = 148 n = 164 n = 337 n = 130 n = 62
Biotopnutzung Nacht
B1 - weiblich
Brut 1 vom 22.05.2017 26.05.2017
Brut 2 vom 31.05.2017 14.07.2017
im Getreide südöstlich Utecht
anschließend Kükenobhut im
Waldrandbereich auf Erntebrachen
115 273 248 173 33 65 132
n =
125 140 197 210 237 266 309 303 186n =
154 274 248 175 178 148 164 337 130n =62
GR1 - männlich
167 272 248 173 178 146 197 105 292 140 120 188
n =
R1 - männlich
Brut vom 16.06.2017 06.08.2017
im Grünland NSG Kammerbruch
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Thesis
Full-text available
In dieser Arbeit wurden Fraßschäden an Winterrapskulturen im Verbreitungsgebiet des Großen Nandus am Ratzeburger See in Mecklenburg-Vorpommern untersucht, um Einblicke in das Ausmaß der von Nandus verursachten Schäden zu erhalten. Hierfür wurden an zwei Terminen im März und April Kartierungen von Fraßschäden auf Flächen vorgenommen, die vom Nandu genutzt werden und mit dem Schadniveau von Referenzflächen verglichen, die außerhalb des Verbreitungsgebietes des Nandus liegen. Anhand der Daten erfolgten eine Berechnung der prozentualen Verteilung der unterschiedlichen Schädigungsgrade und eine statistische Analyse signifikanter Unterschiede zwischen Flächen mit und ohne Einfluss des Nandus. Die Ergebnisse zeigen, dass ein hoch signifikanter Unterschied zwischen dem Schädigungsgrad der Referenzflächen und dem der Schadflächen besteht. Bei der ersten Kartierung konnte ein starker Blattschaden auf den Schadflächen dokumentiert werden. Dieser verursachte auf einer der Flächen einen Totalschaden, sodass das Feld umgebrochen werden musste. Zwischen den beiden Kartierungen konnten Differenzierungen in der Nahrungspräferenz des Nandus festgestellt werden. So stieg bei der zweiten Kartierung der Verbiss von Knospen, während die Schädigungen von Blättern deutlich zurückging. Auch konnte gezeigt werden, dass Raps über ein sehr ausgeprägtes Regenerationsvermögen verfügt. Bei der zweiten Kartierung, die nach Einsetzen des Längenwachstums erfolgte, waren die Blattschäden der ersten Kartierung nicht mehr sichtbar, sondern nur Schädigungen jüngeren Datums. Dies war sowohl auf den Referenz- als auch auf den Schadflächen der Fall, wobei die Schadflächen immer noch deutlich mehr Blatt- und Knospenschäden aufwiesen. Der Verbiss von Knospen führte zu einer vermehrten Ausbildung von Seitenknospen, welche Ertragsverluste potentiell und in unbekanntem Umfang ausgleichen könnten. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass die Nandus in einem begrenzen Bereich signifikante Schäden verursachen. Um die ökonomischen Auswirkungen dieser Schäden beurteilen zu können, besteht daher noch weiterer Forschungsbedarf.
Technical Report
Full-text available
The new instruction manual for the monitoring of the Greater Rhea (Rhea americana) in Germany contains standards for the survey of individuals, nests and carcass findings. It also contains many photographic pictures for the identification of the species, sex, different ages, footprints and faeces. It is written in german language. Die Kartieranleitung für das Monitoring des Großen Nandus (Rhea americana) in Deutschland enthält Standarts für die Erfassung von Individuen, Nestern und Totfunden. Zur sicheren Identifikation der Art, Altersklasse und Geschlecht , sowie Trittsiegeln und Kot befinden sich zahlreiche Fotos in der Anleitung.
Thesis
Full-text available
This thesis is about the general habits and the land use of a small population of Greater Rhea (Rhea americana ssp.) in the district of North-West Mecklenburg, which have been living in the wild since the year 2000. Since then, these birds, that had escaped an owner in Groß Grönau in Schleswig-Holstein, have occupied a local area of 45 km² approximately 10 kilometres south of the City Lübeck. The aim of this study is a comprehensive description of the species behaviour in the local habitat and the intensity of the use of different biotopes. Data about the breeding behaviour, the food and the land use were collected during the vegetation period from February until October 2008. During intensive field observations a number of different behavioural patterns could be described. Further studies on these animals were used for a more detailed description and comparison with the own studies. Three Rheas were individually marked with coloured neckbands and two of them also with radio transmitters for identification and localisation. The records of Greater Rhea sightings were digitised in a Microsoft Access database. The location data were joined with an ESRI ArcGIS 9.2 map document. The actual state of dispersal, foraging routes, home ranges and the use of habitat was inferred from this data. Analysis of faeces and observation while feeding showed the main items of ingested food. Controlling three successfully bred nests and observing the males and the chicks during summer and autumn allowed for conclusions with respect to breeding success as well as hatching rates and survival rates of chicks. A current determination of the population size was defined by means of two simultaneous counts: On 08/04/11, 31 Rheas could be registered in the study area and in extended areas. These were approved during the second counting on 08/10/08, when 32 adult and 33 juvenile Greater Rheas could be registered. A record of further sightings of Greater Rheas in a more remote distance of 10 to 25 kilometres from the area of research showed that sporadically, five to six animals stayed there. A connection between those and the main population is not proved. In fact, a release or escape of these animals from different enclosures is assumed. Food availability was shown to be important for habitat choice. An evaluation of the field observations showed an intense use of agricultural cultivated areas in the autumn and spring months for foraging and feeding. However, Greater Rheas were seen on grassland during the summer more frequently. Rape (Brassica napus) is the most important food item from autumn to spring. An ingestion of seeds of maize (Zea mays) and wheat (Triticum spec.) could also be observed and was analysed in faeces. Rheas were observed feeding on young plants as well as ripe crop seed on cropland but the seeds were also ingested in decoy spots for hunting. The repeated change of home range of an individually marked male could be verified, which was repeatedly provoked by different social behavioural interactions. The observed home range of the marked male while breeding and during parental care measured 1,2 km². Dispersal could be proven for the other marked male. In four months, it was located in different habitats in the investigation area. A longer stay in the same local home range was not observed for this male. This shows that - contrary to the prior assumption - Rheas do not only use small parts of the investigation area, but can also be found in the whole area of dispersion. Social behaviour within the North German population is comparable to that of South American Greater Rheas. Differences were noticed in the timidity of the animals. A different behaviour towards the approach of human beings was also observed. Some animals fled in panic others moved slowly away from the approaching person. Only few animals approached the observer. Interspecific mixing and socialisation with other animals, as seen in wild living Rheas in South America, and disturbances by other wild living animals was not observed. For the time being, no predators of the adult birds are known. In this study, wild boars (Sus scrofa) are proven to be predators of the eggs. The Redfox (Vulpes vulpes), the Sea eagle (Haliaeetus albicilla), the hawk (Accipiter gentilis) and the raven (Corvus corax) are possible predators of the chicks. The adoption of chicks was observed and described. This example shows that few days old chicks without the care of the male are also able to survive in this landscape. A calculation of the hatching rate of the known successful nests showed that 67,1 % of all eggs hatched. The high mortality rate (79,6 %) of the chicks in their first two months presumably was a consequence of the death of a male and the disappearance of a second one together with its chicks. No proofs for a strong influence on the ecosystem or damages caused by the animals have been found yet.
Article
Full-text available
In Argentina the original landscape structure of the pampas grasslands has changed rapidly due to intensified and specialized agricultural practices. The conversion of grasslands into croplands has been suggested as a threat to Greater Rhea Rhea americana populations. The main goals of this study were to estimate the abundance of Greater Rheas and to analyse the species' spatial distribution at two sites of the pampas region with different land use: agro-ecosystem and grassland. The former was mainly devoted to crop production whereas the latter was mostly used for livestock grazing. Data were collected through 14 aerial surveys from 1998 to 2001, and in 2004. Each survey consisted of six strip-transects per site, spaced at regular intervals. The total area surveyed represented 4% of each study site (113 km ² in the grassland and 95 km ² in the agro-ecosystem). Greater Rhea density (±SE) was significantly higher in the grassland (from 0.22 ±0.11 to 0.86 ± 0.24 ind. km ⁻² ) than in the agro-ecosystem (from 0.05 ± 0.05 to 0.12 ± 0.08 ind. km ⁻² ). Greater Rheas occupied 51% of the study area in the grassland but less than 5% in the agro-ecosystem. They showed a wide and uniform spatial distribution in the former area, whereas in the latter individuals occurred in small and isolated clusters. These results raise concern about the future of the species because, over recent years, land has been increasingly used for crop production. Hence, if the current rate of change in land use continues, the conservation status of this species will be seriously affected. Resumen En Argentina, la estructura original de los pastizales pampeanos ha sufrido profundos cambios debido a la intensificación y especialización de las prácticas agrícolas. El reemplazo de pastizales por cultivos ha sido sugerido como una amenaza para las poblaciones silvestres de ãandú común Rhea americana . Los objetivos principales de este estudio fueron estimar la abundancia del ãandú común y analizar la distribución espacial de la especie en dos sitios de la región pampeana con diferente uso de la tierra: un agroecosistema y un pastizal. El primer sitio se caracteriza principalmente por la producción de cultivos mientras que la actividad predominante del segundo es la cría de ganado. Los datos fueron recolectados mediante 14 recuentos aéreos entre 1998 y 2001, y en 2004. Cada muestreo consistió en seis transectas de faja por sitio, colocadas a espacios regulares. El área muestreada representó el 4% del área total en cada sitio de estudio (113 km ² en el pastizal y 95 km ² en el agroecosistema). La densidad de los ãandúes (±ES) fue significativamente mayor en el pastizal (entre 0.22 ± 0.11 y 0.86 ± 0.24 ind. km ⁻² ) que en el agroecosistema (entre 0.05 ± 0.05 y 0.12 ± 0.08 ind. km ⁻² ). Los ãandúes ocuparon el 51% del área de estudio en el pastizal aunque menos del 5% en el agroecosistema. Los individuos presentaron una distribución espacial amplia y uniforme en el pastizal mientras que en el agroecosistema los ãandúes se encontraron en grupos pequeãos y aislados entre sí. Estos resultados resultan preocupantes para el fururo de la especie porque durante los últimos aãos, la tierra ha sido utilizada de manera creciente para la producción de cultivos. En consecuencia, si la tasa actual de cambio en el uso de la tierra continúa, el estado de conservación de esta ratite se verá seriamente afectado.
Article
Full-text available
In this work we report results of radiotracking studies on the movements and home range sizes of two near-threatened species, the greater rhea (Rhea americana) and the lesser rhea (Pterocnemia pennata pennata) in relation to different land use regimes. We radiomonitored greater and lesser rheas for 3 years in their respective habitats: the Pampas and the Patagonia regions. We chose two study areas in each habitat with similar agricultural activities and different hunting control. We did not find significant differences in movements and home range size between study areas of each species. This suggests that disturbance caused by human presence in the areas did not affect rhea spacing behaviors. Moreover, lesser rheas showed larger home range and movements than greater rheas, showing that the home range size is not an immutable property of body mass, and that abundance and distribution of food appears to be the main factor that influences the movements and home range size of these birds.
Article
The maintenance of wild populations of Greater Rhea (Rhea americana) through effective management requires an understanding of their habitat requirements in terms of vegetation composition and field configuration. We studied the relative influence of some anthropogenic variables (presence of route, house and fences) and resource variables (presence of water source, composition and coverage of plant species, vegetation height and bare soil), on the habitat use by a population of rheas in a cattle ranch of Buenos Aires Province, Argentina. Habitat use was determined indirectly by documenting the number of faeces in summer, autumn–winter and spring 1999. The presence or absence of faeces was related to the measured variables through discriminant analysis that allowed the elaboration of predictive models of habitat use by this species. Contrary to what was expected, those variables related to human activity showed a low predictive value on the habitat use by rheas when compared with resource variables. Rheas preferentially selected the stream area in all seasons and sites with great percent cover of Bupleurum sp., Phyla canescens, Sida leprosa, Plantago lanceolata, Trifolium repens, Lolium multiflorum, Stipa spp., and Stenotaphrum secundatum. Low vegetation height was another important component of rhea's habitat in summer and autumn–winter. The high accuracy level obtained by validation tests of this model supports its utility for the management of rhea populations in other cattle ranches of the region, and to analyze the suitability of other ranches for reintroduction programs.
  • Bruning D
BRUNING D (1974): Social structure and reproductive behavior in the Greater Rhea. The Living Bird 13: 251-294.
Anonymisierte Daten der Zentralen InVeKoS-Datei der Jahre
INVEKOS (2018): Anonymisierte Daten der Zentralen InVeKoS-Datei der Jahre 2016, 2017 und 2018