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Die Existenz extraterrestrischer Zivilisationen und ihre Implikationen für die politische Philosophie

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Abstract

Arbeit zu der Plausibilität und Wahrscheinlichkeit der Existenz extraterrestrischer Zivilisationen sowie ein Überblick über mögliche Implikationen und Forschungsgebiete für die politische Philosophie wie Grabby Aliens bzw Grabby Civilizations und Dark Forest Theorien. Des Weiteren zu der Relevanz von Außerirdischen Lebensformen für die Ethik z.B. im Rahmen von Astroethik.
Die Existenz extraterrestrischer Zivilisationen
und ihre Implikationenr die politische Philosophie
von
Nikodem Jan Skrobisz
Hausarbeit zum Seminar:
Mathematische Philosophie in der politischen Theorie und Ökonomie
Dozent:
Dr. Thomas Meier
Sommersemester 2022
Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
Inhalt
1. Einleitung ....................................................................................................................................1
2. Warum wir nicht allein sind .........................................................................................................2
2.1 Zahllose Welten ........................................................................................................................2
2.2 Die Unwahrscheinlichkeit menschlicher Einzigartigkeit ..............................................................2
2.2.1 Die Drake-Gleichung ...........................................................................................................2
2.2.2 Die A-Form der Drake-Gleichung ........................................................................................3
3. Wo die anderen Zivilisationen sind ..............................................................................................4
3.1 Das Fermi-Paradoxon ................................................................................................................4
3.2 Great Filter ................................................................................................................................5
3.2.1 Warum wir hoffen sollten, dass es andere Zivilisationen gibt ..............................................5
3.3 Hard Steps.................................................................................................................................6
3.3.1 Die Habitabilität von Planeten ............................................................................................6
3.3.2 Das Hard Steps Modell........................................................................................................6
3.4 Das Auftreten fortgeschrittenen Lebens ....................................................................................7
3.5 Menschliche Frühzeitigkeit und Grabby Aliens ...........................................................................8
3.6 Das Grabby Civilizations Modell .................................................................................................8
3.7 Eine Anmerkung zu UFOs ..........................................................................................................9
4. Was wir sonst noch über die anderen annehmen können ......................................................... 10
4.1 Universelle Merkmale biologischer Intelligenz ......................................................................... 10
4.2 Extraterrestrische Zivilisationen sind intern heterogen ............................................................ 10
4.3 Extraterrestrische Sprachen sind vermutlich nicht übersetzbar................................................ 11
4.4 Hobbesscher Naturzustand im Universum ............................................................................... 12
5. Sollten wir die Große Stille brechen? ............................................................................................. 13
6. Sollten wir uns verstecken? ........................................................................................................... 14
7. Sollten wir uns für einen Erstkontakt vorbereiten? ........................................................................ 15
8. Wie sollen wir mit existenziellen Risiken umgehen? ...................................................................... 16
9. Wie sollten wir versuchen zu expandieren? ................................................................................... 17
10. Was ist der Wert von Leben? ...................................................................................................... 18
11. Haben wir eine überproportional große Verantwortung? ............................................................ 19
12. Schlussbemerkung ...................................................................................................................... 20
13. Quellen ....................................................................................................................................... 21
1
1. Einleitung
"Indessen sind doch die meisten unter den Planeten gewiss bewohnt, und die es nicht sind, werden es
dereinst werden", schreibt Immanuel Kant 1755 in Von den Bewohnern der Gestirne. (vgl. Kant 1755)
Heute wissen wir, dass Kant was das 'meiste' und paar weitere Annahmen angeht, irrte. Doch die
Grundposition Kants und vieler Philosophen seit der Antike (vgl. Brinkhof 2022), dass große Ignoranz
notwendig ist, um zu glauben, die Menschheit wäre die einzige Zivilisation in unserem Universum, ist
aktueller denn je. Und doch, die philosophischen Konsequenzen unseres Nicht-Alleinseins bleiben in
der philosophischen Fachliteratur erstaunlich untererforscht. Während in den vergangenen
Jahrzehnten, insbesondere im Rahmen von SETI, Physiker, Astrophysiker, Astrobiologen und sogar
Ökonomen zahlreiche Beiträge zu unserem Verständnis von der Möglichkeit anderer Zivilisationen und
der Bedeutung unserer eigenen im kosmischen Kontext lieferten, ignoriert die akademische
Philosophie dieses eng mit existenziellen und normativen Fragen verbundene Thema heute
weitestgehend. (vgl. Mulgan 2017) Dies schlägt sich unter anderem darin nieder, dass nicht einmal die
Stanford Encyclopedia of Philosophy Stand August 2022 einen Eintrag zu dem Themenfeld verzeichnet.
Philosophen denken viel über unsere Welt und die richtigen Normen und Politiken in ihr nach. Aber es
scheint, dass sie heute selten über den Horizont unseres Planeten, geschweige denn unserer Spezies
hinauszublicken wagen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern in der Antike und während der Aufklärung,
beschränken sich heute die Konzeptionen von der Welt implizit vor allem auf die Erde. (vgl. Mulgan
2017) Einen winzigen Planeten, einen verschwinden kleinen Ausschnitt der ganzen Welt, des Kosmos,
der circa 1025 weitere Planeten beheimatet, die wie unserer einen Stern umkreisen. (vgl. Siegel 2022)
Genauso wie unser Denken meist auf unseren Planeten geheftet bleibt, bleibt es auch meist nur auf
die Menschheit und menschliche Akteure beschränkt. Unser Platz im Universum spielt im
philosophischen und politischen Denken kaum eine Rolle. Wenn, dann dreht es sich vor allem um
zwischenmenschliche Interessenkonflikte wie die Nutzung erdnaher Ressourcen, während die Wände
der Gefängniszelle, die unser Planet ist, unter dem Druck des neuen, kommerziellen Weltlaufs ins All
zu bröckeln beginnen (vgl. Weinzierl und Sarang 2021) und die Menschheit immer mehr potentiell
bewohnbare Welten innerhalb und jenseits unseres Sonnensystems entdeckt. (vgl. Dick 2018)
Mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind wir in den Weiten des Kosmos nicht die einzigen
Akteure, nicht die einzige Zivilisation oder werden zumindest nicht lange die einzige bleiben. Die
komplette Ausklammerung von extraterrestrischen Akteuren in unseren aktuellen normativen und
politischen Überlegungen ist bequem, schließlich hatten wir noch keinen Kontakt zu ihnen, sodass sie
in unserer bewussten Wahrnehmung weder existieren noch sonst unser Leben zu tangieren scheinen
aber sie ist ein Fehler.
Das Ziel dieser explorativen Arbeit ist es, auf dieses Defizit in der philosophischen und politischen
Theoriebildung hinzuweisen und mögliche Forschungsthemen aufzuzeigen. Zuerst soll sie daher in
Abschnitt 2 aufzeigen, warum wir annehmen müssen, dass die Menschheit nicht die einzige Zivilisation
in unserem Universum ist. In Abschnitt 3 wird der aktuelle Stand der Forschung aufgearbeitet dazu,
was wir darüber annehmen dürfen, wo die anderen Zivilisationen zurzeit sind und warum wir bisher
noch keinen Kontakt zu ihnen hatten. In Abschnitt 4 sollen die Eigenschaften diskutiert werden, von
denen wir annehmen können, dass sie für extraterrestrische Zivilisationen universell oder zumindest
überproportional häufig sind. Aufbauend auf den in den Abschnitten 2, 3 und 4 präsentierten
Prämissen zu extraterrestrischen Zivilisationen, sollen in den folgenden Abschnitten 5 bis 11 mögliche
philosophische und politische Fragestellungen aufgezeigt werden.
2
2. Warum wir nicht allein sind
2.1 Zahllose Welten
1584 stellte der Philosoph und Astronom Giordano Bruno in seiner Schrift De l'infinito universo et
mondi (dt. Über das Unendliche, das Universum und die Welten) die Theorie auf, dass die meisten
Fixsterne an unserem Himmel Sonnen sind, die wie unsere von Planeten umkreist werden und von
denen man annehmen kann, dass nicht wenige wie die Erde bewohnt sind. Für diese Thesen der vielen
Welten folterte die katholische Inquisition ihn sieben Jahre lang, bevor ihn schließlich die Behörden
1600 in Rom räderten und als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannten. (vgl. Martínez 2018)
Heute wissen wir, dass Bruno, zumindest was die Existenz ferner Welten angeht, recht hatte. Über
5.000 solcher Exoplaneten sind heute bestätigt und wir haben Hinweise auf fast neuntausend weitere.
(vgl. Exoplanets NASA 2022) Aktuelle Schätzungen gehen von insgesamt bis zu rund 1025 Sonnen
umkreisenden Planeten in unserem Universum aus. (vgl. Siegel 2022) Von den Exoplaneten, deren
Existenz bereits als bestätigt gilt, sind 188 erdähnlich, dh. sie sind ungefähr so groß wie die Erde, haben
eine harten Eisenkern und befinden sich in der habitablen Zone, liegen also im richtigen Abstand zu
ihrem jeweiligen Stern, um flüssiges Wasser und damit theoretisch Leben zu ermöglichen. (vgl.
Exoplanets NASA 2022) Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass es allein in unserer Milchstraße
die eine von rund zwei Billionen Galaxien in unserem Universum ist rund 300 Millionen solcher
erdähnlichen und damit potentiell bewohnbaren Exoplaneten geben könnte. (vgl. SETI Institute 2020)
2.2 Die Unwahrscheinlichkeit menschlicher Einzigartigkeit
Selbst wenn man davon ausgeht, dass intelligentes Leben etwas extrem Seltenes ist, erscheint es
angesichts dieser großen Zahl erdähnlicher Planeten plausibel, dass unser Planet nicht der einzige sein
kann, der von einer intelligenten und Zivilisationen bildenden Spezies wie der Menschheit bewohnt
wird. Doch wie plausibel? Wie unwahrscheinlich müsste die Entstehung einer Zivilisation wie der
unseren sein, damit wir die einzige im Universum wären?
2.2.1 Die Drake-Gleichung
1961 stellte der Astronom Frank Drake die berühmte Drake-Gleichung vor, die eine grobe Schätzung
ermöglichen soll wie viele Zivilisationen es aktuell in unserer Milchstraße gibt, die wie wir Technologien
wie Radiokommunikation entwickelt haben, deren elektromagnetischen Emissionen wir in der Lage
wären aufzuspüren. (vgl. Veisdal 2019):
Wobei:
Zahl der Zivilisationen in unserer Milchstraße mit denen wir kommunizieren könnten
mittlere Sternentstehungsrate pro Jahr in unserer Galaxie
Anteil an Sternen mit Planeten
durchschnittliche Anzahl der Planeten (pro Stern) innerhalb der habitablen Zone
Anteil an Planeten mit Leben
Davon Anteil mit intelligentem Leben
Davon Anteil mit elektromagnetischen Emissionen / Kommunikationswillen
Durchschnittliche Lebensdauer solch einer technischen Zivilisation in Jahren
3
Das Problem mit der Drake-Gleichung ist jedoch, dass während wir mittlerweile sehr gute empirische
Daten haben, um die Variablen zu bestimmen, wir für die Variablen  nur spekulative
Schätzungen formulieren können, da wir aktuell nur eine einzige Zivilisation in unserem Universum
kennen: uns selbst, und damit nur einen einzigen Datenpunkt haben. Solange wir nicht tatsächlich
Kontakt zu anderen Zivilisationen hatten und mehr empirische Daten erhoben haben, lässt sie sich im
besten Fall mit grober Stochastik, aber vor allem Fantasie und Spekulation füllen womit sie relativ
nutzlos ist, außer um eben zur Suche nach anderen zu inspirieren.
2.2.2 Die A-Form der Drake-Gleichung
Die Drake-Gleichung bietet jedoch einen Ansatz, der uns ermöglicht zu errechnen wie
Unwahrscheinlich das Entstehen einer Zivilisation wie der unseren sein müsste, damit wir die einzige
wären, die bisher jemals im beobachtbaren Universum entstanden ist. Diese Umformung der Drake-
Gleichung in diese A-Form wurde 2016 von den Astronomen Frank Adams und Woodruff T. Sullivan
vorgeschlagen. Diese A-Form eliminiert den Aspekt der aktuellen Existenz und damit die Lebensdauer
von Zivilisationen L von der Drake-Gleichung, um die cosmic archaeological question How often in
the history of the Universe has evolution ever led to a technological species, whether short- or long-
lived? (Adams, Sullivan 2016, S.2) zu formalisieren. Des Weiteren wird dafür durch , die Anzahl
der Planeten ersetzt.
󰇟󰇠󰇟󰇠 
Wobei:
Archaelogy. Wenn A = 1 dann ist die Menschheit die einzige Zivilisation, die jemals im beobachtbaren
Universum entstanden ist
 Die Anzahl der habitablen Planeten im beobachtbaren Universum
 Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung einer Zivilisation wie der unseren auf solch einem Planeten
Wenn wir nun die A-Form der Drake-Gleichung nach auflösen mit A=0.01, um mit einem hohen
Konfidenzintervall auszuschließen, dass jemals eine andere Zivilisation außer uns entstanden ist, und
für  aus aktuellen empirischen Daten  einsetzen (vgl. Adams, Sullivan 2016, S.4):

 
  
Dann ergibt sich laut Adams und Sullivan für das beobachtbare Universum, dass wir nur mit hoher
Sicherheit davon ausgehen können, die einzige jemals entstandene Zivilisation zu sein, wenn die
Wahrscheinlichkeit, dass eine Zivilisation auf einem habitablen Planeten entsteht, bei weniger als 
 liegt. Nur auf unsere eigene Galaxie, die Milchstraße gerechnet ist 
. D.h. wir
könnten nur die einzige jemals entstandene Zivilisation in unserer Galaxie sein, wenn die
Wahrscheinlichkeit für das Entstehen einer solchen Zivilisation auf einem habitablen Planeten wie der
Erde bei weniger als ungefähr eins zu 60 Milliarden liegt. (vgl. Adams, Sullivan 2016, S.4)
Wenn die Menschheit tatsächlich die einzige Zivilisation sein sollte, die jemals in unserem mittlerweile
13.787 Milliarden Jahre alten Universum (vgl. ESA 2018) entstanden ist, dann wäre unsere einzigartige
Existenz solch eine unwahrscheinliche Anomalie, dass sie ohne eine sehr gute alternative Erklärung
eine Form übernatürlicher, göttlicher Intervention als Erklärung für ihr Auftreten suggerieren würde.
Die durch Ockhams Rasiermesser naheliegendere Lösung ist, dass wir nicht die einzigen sind.
4
3. Wo die anderen Zivilisationen sind
3.1 Das Fermi-Paradoxon
Wo sind sie? Wo sind all die außerirdischen Zivilisationen, deren Existenz angesichts der Weite des
Universums so plausibel erscheint? Trotz der eigentlich scheinbar hohen Wahrscheinlichkeit, dass wir
nicht allein sind, sehen wir in unserem Lichtkegel keine Hinweise auf extraterrestrische Zivilisationen.
Weder empfangen wir elektromagnetische Emissionen in Form von zum Beispiel Radiowellen, wie wir
sie selbst mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten emittieren, noch hatten wir Kontakt zu Von-
Neumann-Sonden oder sehen wir am Nachthimmel Veränderungen durch mehrere AU große und
damit beobachtbare Megastrukturen wie zum Beispiel Dyson-Spheres, die theoretisch einer
Zivilisation, die höher entwickelt ist als wir selbst, möglich wären. (vgl. Kardashev 1985, S.498)
Diese Abwesenheit wird in ihrer Sonderbarkeit durch die Tatsache verschärft, dass alles uns bekannte
Leben durch den evolutionären Selektionsdruck die Eigenschaft entwickelt hat in jede mögliche
ökologische Nische zu expandieren. So wie die Menschheit quasi die gesamte Erde kolonialisiert hat,
ist es nur folgerichtig anzunehmen, dass eine technologisch noch fortschrittlichere Zivilisation
versuchen würde über Sonnensysteme hinweg zu expandieren. Selbst eine Zivilisation, die aus Virtual-
Reality-Junkies besteht, würde durch einen steigenden Bedarf an Energie und Rechenleistung zur
Expansion getrieben wenn nicht schon davor einzelne Individuuen auf eigene Faust zu neuen Welten
aufbrächen, um den Wettbewerbsvorteil zu haben als Erste in noch unbesiedeltem Territorium zu sein.
(vgl. Hanson 1998) Sobald eine Zivilisation also die technologischen Möglichkeiten hat, über das eigene
System hinaus zu expandieren, sollte sie eher früher als später sich explosiv über ihre Galaxie
ausbreiten und diese innerhalb von einer kosmisch betrachtet relativ kurzen Spannen von wenigen
Millionen Jahren komplett kolonialisieren - die dafür notwendigen Technologien wie Raumschiffe mit
Solarsegeln oder Fusions- oder Antimaterieantriebe scheinen aus heutiger Sicht theoretisch möglich,
auch wenn der Menschheit selbst noch die Ressourcen und konkreten Ingenieurwissenschaftlichen
Fortschritte fehlen, um sie selbst praktisch umzusetzen. (vgl. Hanson 1998, vgl. Kaku 2018, S. 137)
Angesichts des Alters des Universums, scheint es sonderbar, dass keine Zivilisation vor uns existieren
haben soll, die das bereits getan hat. Und doch, von Außerirdischen und ihren Raumschiffen in unserer
Nähe keine Spur. Nur wüste Leere.
Dieser scheinbare Wiederspruch zwischen der Plausibilität der Existenz extraterrestrischer
Zivilisationen und ihrer vollständigen Abwesenheit, der Großen Stille, um uns herum, wird als das
Fermi- bzw. Fermi-Hart-Paradoxon bezeichnet. Es geht auf den Kernphysiker Enrico Fermi zurück, der
1950 bei einem Mittagessen mit befreundeten Kernphysikern dieses Paradoxon erstmalig formulierte,
sowie auf den Astrophysiker Michael Hart, der die ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung
mit dem Paradoxon in den 1970ern anstieß. (vgl. Wesson 1990, S.1)
Mittlerweile wurden dutzende von möglichen Erklärungsversuchen für das Fermi-Paradoxon
vorgeschlagen. Es gibt ganze Bücher, die sich ausschließlich ihrer Auflistung widmen. Die meisten von
ihnen sind jedoch nicht sehr überzeugend, weil sie entweder die Existenz außerirdischer Zivilisationen
einfach kategorisch ausschließen (z.B. Rare-Earth-Hypothese), oder ein konsistentes Verhalten bei
allen Individuuen aller außerirdischen Zivilisationen postulieren (z.B. Cosmic-Zoo-Hypothese, SETI-
Paradox, Selbstisolations-Hypothese). (vgl. Bostrom 2008, Mulgan 2017) Die überzeugendsten
beschreiben Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Zivilisationen so weit
runterdrücken, dass die Menschheit sowohl eine der ersten Zivilisationen im Universum ist, als auch
die anderen Zivilisationen aktuell noch zu weit weg und technologisch nicht weit genug entwickelt sind,
um von uns detektiert zu werden. Diese Faktoren werden als Große Filter bezeichnet, nach dem 1998
erschienen Aufsatz The Great Filter - Are We Almost Past It? des Ökonomen Robin Hanson.
5
3.2 Great Filter
Die Tatsache, dass um uns herum das Universum tot und still ist, impliziert, dass der Pfad von toter
Materie hin zu langanhaltenden, über Sonnensysteme hinweg expandierendem Leben in Form von
Zivilisationen sehr unwahrscheinlich ist. Es muss einen Großen Filter oder eine Reihe von Filtern
irgendwo auf diesem Pfad geben, die diese Entwicklung in den meisten Fällen verhindern. Die Frage
ist: wo? (vgl. Hanson 1998)
Es könnte sein, dass dieser Filter irgendwo in der Vergangenheit für uns Menschen liegt. Vielleicht ist
die Entstehung von Leben selbst extrem unwahrscheinlich allerdings haben wir fossile Hinweise
darauf, dass das Leben auf der Erde bereits 200 bis 800 Millionen Jahre nach dem Beginn ihrer
Habitabilität entstand, was eine sehr kurze Zeit ist, wenn man bedenkt, dass erdähnliche Planeten
recht zahlreich und in der Regel mehrere Milliarden Jahre lang habitabel sind. (vgl. Williams 2018)
Es könnte sein, dass der Sprung von einzelligen zu mehrzelligen Leben extrem unwahrscheinlich ist
die Spanne zwischen dem ersten Einzeller und der ersten mehrzelligen Lebensform betrug auf der Erde
rund 2.9 Milliarden Jahre (vgl. Choi 2017). Andere Kandidaten für extrem unwahrscheinliche Faktoren
sind Entstehung von Intelligenz und Sprache oder das Vorhandensein von fossilen Brennstoffen, die es
ermöglichen intelligenten Lebensformen industrialisierte Zivilisationen zu bilden, bevor sie von einem
Gammablitz oder Katastrophen wie Pandemien ausgelöscht werden.
Der Grund, warum unser Nachthimmel leer ist, könnte aber auch noch vor uns liegen. Es könnte sein,
dass es irgendetwas gibt, das eine industrialisierte Zivilisation wie die unsere in der Regel auslöscht
bevor sie die Technologien entwickelt, um sich auf mehrere Planeten auszubreiten. Es könnten
Klimakrisen sein als Konsequenz von Industrialisierungsprozessen, wie die mit der die Menschheit sich
gerade konfrontiert sieht. Es könnten aber auch Kriege mit Massenvernichtungswaffen, Kontrollverlust
über KI-Systeme, Pandemien oder etwas sein, wovon ihr bisher noch gar keine Ahnung haben. Das ist
eine der ersten politischen Konsequenzen, die wir aus Überlegungen über extraterrestrische
Zivilisationen ziehen können: Wir sollen extrem wachsam sein und nach existenziellen Risiken für unser
kollektives Überleben Ausschau halten, denn es gibt offensichtlich eine Hürde, die in unserem
beobachtbaren Universum das langfristige Überleben von Zivilisationen wie der unseren bisher
verhindert hat und wir wissen zum aktuellen Zeitpunkt nicht, ob sie schon hinter uns liegt. „if we can't
find the Great Filter in our past, we'll have to fear it in our future.“ (vgl. Hanson 1998)
3.2.1 Warum wir hoffen sollten, dass es andere Zivilisationen gibt
Sollte die Menschheit Hinweise für Leben oder gar komplexere, intelligente Lebensformen und
primitive Zivilisationen außerhalb der Erde finden, aber keine technologisierten, raumfahrenden
Zivilisationen, wäre das eine sehr schlechte Nachricht für unser langfristiges Überleben. Genauso wie
wenn wir Fossilien oder Leben auf den Mars finden sollten, der selbst eine Milliarde Jahre lang ein
habitabler Planet war (vgl. Steigerwald 2022), wäre das eine sehr schlechte Nachricht fürs uns - sofern
es nicht eine so ähnliche Struktur zu terrestrischen Leben aufweist, dass wir davon ausgehen können,
dass es terrestrischen Ursprungs ist und dorthin durch eine Form von Lithopanspermie gelangte. (vgl.
Hall 2013, Spall 2021) Dies wäre nämlich ein Hinweis darauf, dass die Entstehung von Leben an sich
etwas sehr Häufiges im Universum ist - und damit der Große Filter, der Zivilisationen wie die unsere
davon abhält zu expandieren und zu überleben, mit höherer Wahrscheinlichkeit erst vor uns liegt. Je
komplexer das nicht-raumfahrende Leben, welches wir jenseits der Erde finden, desto schlechter
unsere Karten, dass wir langfristig überleben. Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass wir
irgendwie besonders wären und einen Großen Filter, welcher alle anderen komplexeren Lebensformen
auslöscht, bevor sie ihr langfristiges Überleben durch interstellare Expansion sichern können, sicher
überwinden können. (vgl. Bostrom 2008, S. 7)
6
3.3 Hard Steps
3.3.1 Die Habitabilität von Planeten
Der Große Filter ist vermutlich kein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel mehrere Faktoren
sowie zeitlicher Limitation. Der Prozess bei dem tote Materie sich zu raumfahrenden Zivilisationen
entwickelt, muss nämlich mehrere Filter nacheinander passieren beziehungsweise „Hard Steps“
machen und das innerhalb des Zeitraums, in welchem der Ausgangsplanet habitabel ist. Die
Habitabilität eines Planeten ist zeitlich limitiert und ihr Ende stellt eine Deadline dar, vor der Leben
entweder interstellar expandiert oder komplett ausstirbt. Der Mars war z.B. rund eine Milliarden Jahre
lang habitabel. (vgl. Steigerwald 2022) Die Erde wird selbst nur insgesamt für nur rund 6.29 bis 7.79
Milliarden Jahre habitabel sein. Diese Zeitspann ist allerdings bereits zu circa 70% vorbei und in circa
1.75 bis 3.25 Milliarden Jahren wird auf der Erde kein Leben mehr existieren, da die Sonne zu heiß
wird. (vgl. Rushby et al. 2013, S.13) Komplexe Lebensformen wie Menschen werden jedoch bereits in
spätestens circa 1.1 Milliarden Jahren auf der Erde unmöglich. (vgl. Ozaki und Reinhard 2021, S.2) Dies
ist das maximale Limit, das die Menschheit hoffen kann zu überleben, sofern sie nicht selbst zu einer
raumfahrenden, interstellaren Spezies wird.
Bei den uns bekannten Exoplaneten beträgt die Spanne, in der sie theoretisch habitabel sein könnten
in der Regel 0.43 bis 18.8 Milliarden Jahre, wobei auch einige Exoplaneten bekannt sind, die bis zu
54.72 Milliarden Jahre lang habitabel sein könnten also noch viel länger habitabel sein werden, als
unser Universum bereits existiert (vgl. Rushby et al. 2013, S.1) Mathematisch lassen sich der Prozess
von dem Zeitpunkt bei dem ein Planet habitabel wird bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem er eine über
ihn hinaus expandierende Zivilisation hervorbringt, mit seinen verschiedenen Schritten von einfachen
zu komplexen bis zum zivilisationenbildenden Leben etc. mit Hard Steps modellieren, einem
statistischen Modell, welches erstmals in seinen Grundzügen 1983 von Brandon Carter vorgeschlagen
wurde und seitdem von verschiedenen Forschern u.a. Robin Hanson weiterentwickelt wurde. (vgl.
Hanson 2021, S.3) Es ermöglicht eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, dass dieser Prozess
erfolgreich endet und auch auf Basis unserer Daten eine Einschätzung zur Zahl der Filter.
3.3.2 Das Hard Steps Modell
Angenommen der Prozess von toter Materie bis hin zu einer raumfahrenden Zivilisation muss
innerhalb des Zeitraums in dem der Planet habitabel ist, laut Hanson, eine Sequenz von „Hard Steps“
durchlaufen. Jeder Schritt hat dann ein Erfüllungsrate von 
pro Zeiteinheit, vorausgesetzt der
vorangegangene Schritt war erfolgreich. Angenommen der Prozess startet bereits bei , wenn der
Planet das erste Mal habitabel wird, und wir interessieren uns für die Wahrscheinlichkeit, dass dieser
Prozess mit allen seinen Schritten bzw. Sequenzen abgeschlossen ist, bevor wenn der Planet
nicht mehr habitabel ist, also das Szenario  während . Zusätzlich nehmen wir an,
dass es leichtere Schritte und schwerere Schritte gibt. Unter der Voraussetzung, dass
der gesamte Prozess innerhalb des Zeitraums abgeschlossen wird, benötigt jeder leichte Schritt im
Durschnitt noch immer nur zur Komplettierung, aber jeder harte Schritt (und auch die Zeit
die am Ende übrig bleibt) benötigt im Durchschnitt 󰇛󰇜 󰇛 󰇜
, unabhängig von seiner
Schwierigkeit . Die Chance, dass der gesamte unwahrscheinliche Prozess abgeschlossen wird, ist
damit proportional zu , wobei die Zahl der harten Schritte ist. (vgl. Hanson 2021, S.3) Das gleiche
Modell wird tatsächlich seit 1953 benutzt, um das Auftreten von Krebs bei Zellen zu modellieren, da
auch diese nur eine begrenzte Lebensdauer haben, und um zu Krebszellen zu werden, innerhalb dieser
begrenzten Lebensdauer eine gewisse unwahrscheinliche Sequenz von Hard Steps in Form von
Mutationen durchlaufen müssen. (vgl. Hanson 2021, S.4)
Ausgehend von unserer einzigen Stichprobe der Erde können wir laut Hanson nun die Zahl und
durchschnittliche Komplettierungsdauer gleichschwerer Hard Steps abschätzen. Als zwei Schätzwerte
7
für die können wir dabei das Erscheinen des Lebens auf der Erde annehmen, welches circa 0.4
Milliarden Jahre auftrat, nachdem die Erde das erste Mal habitabel wurde, sowie die verbleibende
Habitabilität der Erde für komplexes Leben von circa 1.1 Milliarden Jahren. (vgl. Henson 2021, S.4, vgl.
vgl. Ozaki und Reinhard 2021, S.2) Angenommen, dass (ohne Verzögerungen oder einfache Schritte)
eine Zahl von Hard Steps auf der Erde bisher abgeschlossen wurde, so ist der erwartete Wert für
diese  󰇛
󰇜. Die Auflösung nach ergibt dann laut Hanson plausible Werte
zwischen 3.9 bis 12.4, was einen Mittelwert von mindestens 6 ergibt. (vgl. ebd.)
3.4 Das Auftreten fortgeschrittenen Lebens
Diese Schätzung der Zahl der Hard Steps ermöglicht uns laut Hanson ein realistischeres Model davon
anzufertigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir erwarten können, dass fortgeschrittenes Leben wie
die Menschheit in einem bestimmten Raumvolumen wie z.B. unserem Universum zu einem
bestimmten Zeitpunkt auftaucht. In diesem Model entstehen Sterne zu unterschiedlichen
Zeitpunkten, die Lebensdauer von Planeten hängt von der ihrer Sterne ab und nur Planeten mit einer
Lebensdauer von
sind geeignet, um fortgeschrittenes Leben hervorzubringen. Dieses Modell
formalisiert er als die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion 󰇛󰇜 für das Auftreten fortgeschrittenen
Lebens zum Zeitpunkt (vgl. Hanson 2021, S.4):
󰇛󰇜 󰇛 󰇜󰇛󰇜󰇟󰇛
󰇜󰇛󰇜󰇠
󰇛
󰇜
Wobei:
die geschätzte Zahl der notwendigen Hard Steps
das Geburtsdatum eines jeden Sterns
󰇛󰇜 ist die Sternentstehungsrate für Sterne mit habitablen Zonen 
󰇛󰇜 ist eine kumulative Verteilungsfunktion über die Lebensdauer der Planeten
ist eine Normierungskonstante, damit󰇛󰇜
Für 󰇛󰇜 nimmt Hanson basierend auf aktuellen Schätzungen aus empirischen Daten eine konservative
Annahme von einem Verfall und einen Höhepunkt n an. (vgl. Hanson
2021, S.6) Wenn wir nun schätzen wollen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Zivilisation wie die
Menschheit zum aktuellen Zeitpunkt existiert bzw. zu welchem Perzentil aller jemals im Universum
entstehenden Zivilisationen sie gehört, setzen wir für das aktuelle Alter unseres Universums ein. Nun
bleiben zwei Variablen übrig: , die Zahl der geschätzten Hard Steps, und die maximale Lebenszeit
habitabler Planeten
. Je größer diese beiden Variablen jeweils, desto unwahrscheinlicher wird es, dass
eine Zivilisation bereits jetzt existiert bzw. desto früher ist sie erschienen. (vgl. Hanson 2021, S.6)
Wenn wir nun für unseren geschätzten Mittelwert von 6 nehmen und einen eher niedrig angesetzten
Wert von 10 Milliarden Jahren für
, der ungefähr der Lebensdauer unserer Sonne entspricht, dann
ergibt das Modell, dass die Menschheit zu den ersten 10.6% aller Zivilisationen gehört, die jemals in
unserem Universum entstehen werden. Es ist jedoch plausibel anzunehmen, dass
deutlich höher ist,
da viele Sterne um ein tausendfaches länger existieren und damit habitable Planeten beherbergen
können. Die zurzeit angenommene maximale Lebensdauer von Sternen liegt bei Milliarden
Jahren, also ein zweitausendfaches der Lebensdauer unserer Sonne. Bereits kleine Erhöhungen von
oder führen zu extrem niedrigen Perzentilen. So ergibt  
 bereits, dass die
Menschheit vermutlich zu den ersten 1% aller jemals entstehenden Zivilisationen gehört. Auch das
modifizieren des Modells innerhalb plausibler Werte für 󰇛󰇜 und 󰇛󰇜, führt zu dem Ergebnis, dass
die Menschheit zu den ersten Perzentilen an Zivilisationen gehört, die jemals in unserem Universum
8
entstehen werden. Der Großteil aller jemals entstehenden Zivilisationen werden in diesem Model im
Laufe der kommenden mehreren Billionen Jahre vor allem auf Planeten entstehen, die um länger
lebende Sterne kreisen, damit eine deutliche längere Zeit habitabel sein können und daher auch mehr
Zeit haben, um alle
erfolgreich abzuschließen. (vgl. Hanson 2021, S.6)
3.5 Menschliche Frühzeitigkeit und Grabby Aliens
Auch wenn die Menschheit relativ spät im Vergleich zum Höhepunkt der Sternbildung erschienen ist,
scheinen wir unverhältnismäßig früh im Vergleich zum Höhepunkt der Zahl und Lebensdauer von
habitablen Welten in unserem Universum zu sein. (vgl. Hanson 2021, S.5)
Wenn wir die Menschheit als eine zufällige Stichprobe aus allen jemals entstehenden Zivilisationen
betrachten, dann erscheint es erklärungsbedürftig oder zumindest sonderbar, warum wir solch eine
frühe bzw. unwahrscheinliche Zivilisation „gezogen“ haben.
Robin Hansons Erklärung für unser scheinbare Frühzeitigkeit sind Grabby Civilizations. Demnach gibt
es zwei Formen von fortgeschrittenen Zivilisationen in unserem Universum: Leise Non-Grabby
Civiliziations wie die Menschheit es gerade ist, und Grabby Civilizations, die über ihre eigenen
Sternsysteme schnell expandieren, lange leben und sichtbare Veränderungen in den von ihnen
kontrollierten Volumen des Universums verursachen also die Art von interstellarer Zivilisation, zu der
die Menschheit langfristig theoretisch werden kann und die sie innerhalb der kommenden 1.1
Milliarden Jahren werden muss, wenn sie nicht garantiert aussterben will. (vgl. Hanson 2021, S.3)
Solche über Sonnensysteme hinweg expandierende Grabby Civilizations werden langfristig alle
habitablen Planeten im Universum kolonialisieren und setzen damit eine Deadline für das Entstehen
jeglicher anderer Zivilisationen. Unter Annahme dieser Deadline ist die Menschheit nicht mehr
sonderbar früh im Universum, sondern eine typische Non-Grabby Civilization, da andere Zivilisationen
wie die unsere in der Zukunft durch die Dominanz von GCs nicht mehr werden entstehen können, und
daher alle Zivilisationen wie die unsere nur so früh erscheinen können. (vgl. Hanson 2021, S.6)
Dass solche Grabby Civilizations möglich sind, erscheint aus mehreren Gründen plausibel. Zum einem
weil alle uns bekannten Lebensformen und auch Organisationen wie Institutionen grabby sind, in dem
Sinne, dass sie dazu neigen nach Möglichkeit zu expandieren. Dies hat primär evolutionäre Gründe, da
Expansion einen Selektionsvorteil bietet. Zum anderen scheint die Menschheit selbst eine non-triviale
Chance zu haben in der nahen Zukunft jenseits der Erde zu expandieren. Die dafür notwendigen
Technologien sind theoretisch machbar und teilweise bereits verfügbar. (vgl. Hanson 2021, S.6)
3.6 Das Grabby Civilizations Modell
Hanson schlägt ein Modell vor, mit welchem sich das Erscheinen und Ausbreiten von Grabby
Civilizations simulieren lässt. Dafür sind lediglich drei Parameter notwendig, die wir alle aus
empirischen Daten ableiten können, wenn wir davon ausgehen, dass die Menschheit innerhalb der
kommenden  eine GC wird und eine zufällige Stichprobe aus allen GCs ist
(vgl. Hanson 2022), für eine Visualisierung der Simulation siehe https://youtu.be/oLvzFJLLfCY:
das durchschnittliche Erscheinungsdatum von GCs ergo 
die Zahl der notwendigen Hard Steps bis ein habitabler Planet eine GC hervorbringt ergo
die Expansionsgeschwindigkeit von GCs, welche wir aus der Tatsache ableiten können, dass wir keine
anderen Zivilisationen in unserem Lichtkegel registrieren können. Wenn die Menschheit eine
durchschnittliche GC ist, dann ist anzunehmen, dass bereits jetzt
des Universums von GCs
kontrolliert werden. Weil wir keine sehen können ist  
(vgl. Hanson 2022) Eine weiteres
Ergebnis des GC-Modells ist, dass wenn die Menschheit eine hohe Chance hat eine GC zu werden, auch
die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir aktuell allein in unserer Galaxie sind. (vgl. Hanson 2021, S.14)
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3.7 Eine Anmerkung zu UFOs
Im April 2020 sorgte das amerikanische Verteidigungsministerium für breite mediale Diskussionen
über die Existenz außerirdische Zivilisationen, als es offiziell Videoaufzeichnungen der US Navy von
Unidentifizierbaren Flugobjekten (UFOs) freigab. (vgl. Yuhas 2020; vgl. Department of Defence 2020)
Auch wenn die Aufnahmen dieser Videos Objekte zeigen, deren Existenz bisher von niemanden
überzeugend erklärt wurde, sollte man nicht daraus schließen, dass sie extraterrestrischen Ursprungs
wären. Eine Zivilisation, die die technologischen Mittel verfügt, um Raumschiffe zur Erde zu senden,
würde in unserem Lichtkegel signifikante Spuren hinterlassen z.B. elektromagnetische Emissionen
erzeugen und das Lichtspektrum kolonialisierter Sonnen verzerren.
Die Tatsache, dass wir solche Artefakte an unserem Nachthimmel nicht messen können, legt nahe,
dass solch eine Zivilisation nicht in unserer Nähe existiert. Raumschiffe oder Sonden
extraterrestrischen Ursprungs könnten nur unbemerkt zu uns gelangen, wenn sie in der Lage wären
viel schneller als Licht zu reisen, etwas was zumindest zum aktuellen Stand der Wissenschaft nicht
möglich ist oder nur mit solch einem unglaublich hohen Energieaufwand (vgl. Kaku S. 159), dass eine
Zivilisation, die über solche FTL-Technologien verfügt, schon in ihrer Vergangenheit sichtbare
Veränderungen erzeugt hätte, die wir in unserem Lichtkegel zwischenzeitlich bemerkt hätten.
Sollten wir in irgendeiner Form bisher Kontakt zu extraterrestrischen Zivilisationen gehabt haben ohne
es zu bemerken, dann vermutlich in Form von Sonden, die eine vor vielen Millionen oder Milliarden
Jahren bereits ausgestorbene Zivilisation, die ungefähr auf oder etwas über unserem technologischen
Level war, einst in den Weltall entsandte. Solche Pendants zu unseren eigenen Voyager-Sonden
könnten relativ unbemerkt unser Sonnensystem passieren und da ihre Erschaffer ausgestorben sind,
würden wir von denen keine Artefakte mehr in unserem Lichtkegel beobachten können. Es gibt
Spekulationen, die von dem Astronomen Avi Loeb angestoßen wurden, dass das interstellare Objekt
1I/2017 U1, ʻOumuamua, welches September 2017 unser Sonnensystem durchquerte und dabei eine
anomale Geschwindigkeit und Form aufwies, solch eine extraterrestrische Sonde oder konkreter das
Sonnensegel solch einer gewesen sein könnte. (vgl. Loeb und Bialy 2018, S.4)
Angesichts aber all unserer anderen empirischen Daten oder konkret ihren Mangeln bleiben
Theorien darüber, dass extraterrestrische Zivilisationen in irgendeiner Form bereits in unserem
Sonnensystem waren oder gar sind, eher wilde Spekulationen, die wenig glaubwürdig erscheinen.
Insbesondere, da die Simulationen des Grabby Civilizations Modell nahelegen, dass wir in so einem Fall
erstens nicht existieren würden und zweitens der erste Kontakt mit einer anderen GC wahrscheinlich
erst in einigen hundert Millionen Jahren stattfinden wird. (vgl. Hanson 2021, S.14)
Wenn wir irgendwann erste Anzeichen von intelligenten Lebensformen oder Zivilisationen entdecken
sollten, dann höchstwahrscheinlich in Form von Bio- oder Technosignaturen auf einem fernen
Exoplaneten, die wir indirekt durch Veränderungen im Lichtspektrum des Sternes messen können.
Wenn wir zum Beispiel bei einem Exoplaneten feststellen sollten, dass seine Atmosphäre sowohl hohe
Mengen an Methan als auch Sauerstoff enthält etwas, was nur möglich ist, wenn Lebewesen das
Methan stetig erneuern, da es sonst mit dem Sauerstoff reagiert und schnell verschwindet - dann
könnte wir daraus schließen, dass dort Leben existiert. Die Präsenz von Fluorchlorwasserstoffen z.B.
wäre ein Hinweis auf eine industrialisierte Zivilisation. Alternativ sollten wir von einer höher
entwickelten Zivilisation strukturierte Radiosignal empfangen können oder schnelle Veränderungen
in der Helligkeit eines Sternes durch die Konstruktion von komplexen Megastrukturen wie Dyson-
Spheres. (vgl. Powell 2021) Alles in allem sollten wir damit rechnen, dass der erste Kontakt mit einer
extraterrestrischen Zivilisation sich eher in einem an sich unspektakulären Flackern oder Rauschen in
einem Messgerät äußert, und nicht wie in Hollywood mit einem Himmel voller fliegender Untertassen.
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4. Was wir sonst noch über die anderen annehmen können
4.1 Universelle Merkmale biologischer Intelligenz
Allgemein kann man annehmen, dass außerirdisches Leben und damit auch außerirdische
Zivilisationen extrem stark von dem abweichen könnten, was wir von unserer Erde gewohnt sind.
Gänzlich von der Erde abweichende Klimabedingungen, planetare Rotationszyklen,
Gravitationsstärken, Ressourcen und Monde könnten die Evolution über Pfade jenseits unserer
Vorstellung führen. Sie könnten sogar ein komplett anderes genetisches System verfügen, welches
nicht wie unsere DNA/RNA chemisch, sondern magnetisch funktioniert. (vgl. Schulze-Makuch 2021)
Doch es gibt einige universelle Merkmale, von denen wir plausibel ausgehen können, dass sie auf die
meisten wenn nicht sogar alle biologischen Zivilisationen im Universum zutreffen. Sofern wir es
nämlich nicht mit einer Zivilisation zu tun haben, die sich selbst extrem stark durch Gentechnik
modifiziert oder durch synthetische Maschinen selbst ersetzt hat etwas was für fortgeschrittenere
Zivilisationen gar nicht so unwahrscheinlich ist, da solche technologischen Adaptionen interstellare
Expansion signifikant erleichtern dann können wir annehmen, dass sie das Ergebnis eines
evolutionären Prozesses sind, der gewissen universellen Mustern folgt.
Eins dieser Muster, das bereits mehrmals in dieser Arbeit ausgeführt wurde, ist die Neigung zur
Expansion, die Leben allgemein charakterisiert. (vgl. Hanson 1998)
Ein weiteres Muster ist der Zusammenhang zwischen Intelligenz, Aggressivität und Kooperation. So
können wir annehmen, dass eine intelligente, Zivilisationen bildende Spezies sich evolutionär aus
sozialen Raubtieren entwickelt. Pflanzenfresser bzw. Beutetiere haben von einer hohen Intelligenz
keinen großen Selektionsvorteil ein grasendes Reh benötigt keine hohe Intelligenz, um zu grasen, es
reichen scharfe Sinne und eine schnelle Reaktionszeit, um wegzulaufen, sobald ein Raubtier in der
Nähe auftaucht. Ein solitäres Raubtier wie ein Bär hat hingegen einen Selektionsvorteil durch
Intelligenz und Aggressivität, denn sie ermöglicht es ihm die richtigen Ziele zu wählen und das
Verhalten der Beute wie zum Beispiel die Fluchtrichtung zu antizipieren. Soziale Raubtiere wie
Delphine, Wölfe oder Primaten haben einen noch stärkeren Selektionsvorteil durch Intelligenz, denn
sie ermöglicht es ihnen gemeinsame Strategien zu entwickeln um eine Flucht der Beute zu unterbinden
und innerhalb des Rudels die Jagd zu koordinieren. Langfristig muss solch eine soziale Raubtierspezies
jedoch stärkere soziale Kooperation entwickeln, um nachhaltiger zu jagen, die Nahrungsquellen durch
zum Beispiel Landwirtschaft zu diversifizieren und durch Arbeitsteilung die Grundlagen für eine
Zivilisation zu legen was mit einem Selektionsvorteil sowohl für Intelligenz als auch kooperatives
Verhalten einhergeht. Eine Spezies, die daher die Intelligenz entwickelt hat, um komplexe soziale
Strukturen in Form einer Zivilisation zu bilden, wird höchstwahrscheinlich wie die Menschheit eine
Neigung zu Aggressivität und Gewalt verfügen, als auch Mechanismen, um diese zugunsten von
Kooperation zu regulieren. (vgl. Schulze-Makuch 2021)
Dies hat Implikationen für unseren Umgang mit einem potentiellen Erstkontakt mit extraterrestrischen
Zivilisationen. Man gelangt nicht friedlich an die Spitze der Nahrungspyramide seines eigenen
Planeten, und wir sollten daher extraterrestrischen Zivilisationen mit Vorsicht begegnen.
4.2 Extraterrestrische Zivilisationen sind intern heterogen
In Science-Fiction Romanen und Filmen sind extraterrestrische Zivilisationen oft vereinigte Imperien
und auch die interstellare Zukunft der Menschheit wird oft als eine vereinigte Zivilisation in Form einer
Galaktischen Republik o.ä. imaginiert. In der Realität ist es jedoch deutlich wahrscheinlicher, dass
zumindest alle Grabby Civilizations intern heterogen sind.
Diese Annahme basiert auf drei Prämissen:
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1) Wettbewerb erhöht den Druck zur Expansion. Wie wir selbst während der Kolonialzeit aber auch
während des ersten und des aktuellen zweiten Wettlaufs zum All beobachten können, ist Wettbewerb
zwischen Gruppen eine treibende Kraft für Expansion und Kolonialisierung. Ein intern heterogene und
in friedlich konkurrierende Gruppen gespaltene Zivilisation hat eine deutlich höhere
Wahrscheinlichkeit, technologische Innovationen hervorzubringen und in den Weltraum auf der Suche
nach neuen Ressourcen und Wettbewerbsvorteilen aufzubrechen. (vgl. Fridman und Hanson 2022)
2) Monopolisierte Macht unterbindet Expansion. Institutionen neigen dazu ihre Macht zu erhalten. Es
ist jedoch schwierig bis unmöglich Macht über etwas zu erhalten, womit man selbst mit
Lichtgeschwindigkeit nur durch die Verzögerung von mehreren Jahren kommunizieren kann. Eine
zentralisierte Weltregierung, die eine Zivilisation eint, würde daher die Kolonialisierung mehrere
Lichtjahre entfernter Welten tendenziell eher zu unterbinden versuchen, da sie sonst durch sie
substanziell an Macht über ihre jeweilige Zivilisation verlieren würde. (vgl. Fridman und Hanson 2022)
3) Anpassung an interstellare Expansion und Evolution. Die Kolonialisierung vieler verschiedener
Planeten mit unterschiedlichen Atmosphären und Gravitationsstärken, erfordert eine Anpassung.
Diese kann entweder Innerhalb kurzer Zeit durch Gentechnik oder durch andere Technologien
erfolgen, oder sie erfolgt evolutionär über längere Zeiträume durch Selektionsdruck und die relativ
starke Isolierung verschiedener Planeten, die die großen Distanzen des Universums verursachen. So
oder so, wäre das Ergebnis, dass innerhalb einer interstellaren Zivilisation sich aus der ursprünglichen
Ursprungsspezies zahlreiche unterschiedliche Unterarten entwickeln würden mit jeweils
unterschiedlichen physiologischen und kulturellen Eigenschaften. Selbst auf unserem Planeten gibt es
heute eine Vielzahl von Kulturen, Ethnien und Regierungen, und es erscheint unmöglich eine
kohärente Kultur und politische Ordnung über tausende von Planeten und Lichtjahre hinweg
aufrechtzuerhalten. (vgl. Kaku 2018, S.262)
4.3 Extraterrestrische Sprachen sind vermutlich nicht übersetzbar
Sollten wir jemals einer extraterrestrischen Zivilisation begegnen, dann können wir davon ausgehen,
dass es fast unmöglich sein wird mit ihnen zu kommunizieren, weil wir zumindest heute keine Ahnung
haben wie wir eine extraterrestrische Sprache übersetzen könnten. Dies liegt daran, dass die
Übersetzung ihrer Sprache mehrere harten Hürden unterliegen würde:
1) Mehrere Sprachen auf einmal. Werden wir vermutlich nicht mit einer Sprache konfrontiert sein,
sondern mit mehreren, die wir nicht werden auseinanderhalten können. Um das zu veranschaulichen,
kann man sich vor Augen halten, was eine extraterrestrische Zivilisation wahrscheinlich von uns zuerst
empfangen würde: Es wären Radiowellen aus den 1930er Jahren, höchstwahrscheinlich als erstes
Übertragungen von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. (vgl. Rawden 2013) Sie würden also
höchstwahrscheinlich zuerst eine deutsche Ansprache von Adolf Hitler hören, gefolgt von einem
Konvolut an verschiedenen Sprachen, englische Reden von Roosevelt, französische, russische und
japanische Radiosendungen etc.. Wie im vorherigen Abschnitt gezeigt, könnten wir nicht ausschließen,
es mit einer heterogenen Zivilisation mit zahlreichen Kulturen und damit auch Sprachen zu tun zu
haben.
2) Fremde Medien. Menschen kommunizieren miteinander in Tonfrequenzen von 85-255Hz und im
Lichtspektrum von 430-770 THz, etwas, was wahrscheinlich auf die meisten Außerirdischen nicht
zutrifft. (vgl. Carney 2021) Je nach den Ursprungsplanet könnten die Sinne von Außerirdischen und
damit ihre Kommunikationsmedien komplett unterschiedlich sein sie könnten Pheromone oder
Ultraschall zur Kommunikation verwenden, oder sichtbares Licht könnte für sie in einem gänzlich
anderen Spektrum liegen.
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3) Inkommensurable Grammatik. Menschliche Sprachen folgen alle einer Universalgrammatik ergo sie
folgen alle gemeinsamen grammatischen Prinzipien, die von angeborenen Strukturen im menschlichen
Gehirn determiniert werden. (vgl. Kara 2018) Das macht es uns Menschen möglich uns fremde
menschliche Sprachen zu lernen. Es ist jedoch stark zu bezweifeln, dass die Gehirne (oder das
Äquivalent dazu) von Lebewesen, die auf ganz anderen Planeten entstanden sind, die gleichen
Strukturen aufweisen und damit mit der gleichen Universalgrammatik operieren wie die von uns
Menschen. Oder in den Worten des Linguisten Noam Chomsky: „The same structures that make it
possible to learn a human language make it impossible for us to learn a language that violates the
principles of universal grammar. If a Martian landed from outer space and spoke a language that
violated universal grammar, we simply would not be able to learn that language the way that we learn
a human language like English or Swahili.“ (vgl. Chomsky 1983; vgl. Carney 2021)
4) Inkommensurable Referenzrahmen. Die Wahrnehmung der Welt von Außerirdischen würde
vermutlich deutlich anders strukturiert sein, als die unsere und daher andere Referenzrahmen
benutzen. Die meisten Gegenstände und Konzepte, die wir benutzen wären ihnen fremd genauso wie
uns ihre. Zusätzlich könnten wir nicht erkennen, worauf empfangene Nachrichten referieren oder ob
sie überhaupt an uns gerichtet sind. (vgl. Carney 2021)
4.4 Hobbesscher Naturzustand im Universum
Im Universum gibt es kein Gewaltmonopol. Zivilisationen liegen unzählige Lichtjahre auseinander und
können kaum oder gar nicht miteinander zuverlässig kommunizieren, sodass die Bildung von Vertrauen
zwischen Zivilisationen nur extrem schwierig bis unmöglich ist. Beim Entdecken einer anderen
Zivilisation, kann nie ausgeschlossen werden, dass diese ein potentielles existenzielles Risiko darstellt
oder durch technologische Entwicklungen und Konkurrenz um begrenzte Ressourcen wie habitable
Planeten in der Zukunft zu einer werden kann. Die gleichen Technologien, die es ermöglichen
interstellaren Raum effizient zu durchqueren, ermöglichen auch Massenvernichtungswaffen wie
Relativistic Kill Vehicel, die die Zerstörungskraft von Nuklearwaffen um ein Vielfaches übersteigen (vgl.
De Aquino 2013, S.2) ganz abgesehen davon, dass selbst simple Mikroorganismen von einem
fremden Planeten tödliche Biowaffen darstellen können, da Immunsysteme indigener Populationen
aufgrund der divergierenden Evolution keine effektiven Verteidigungsmechanismen gegen sie
verfügen sollten. Aus diesen Annahmen schlussfolgern einige Theoretiker, dass im Universum eine Art
Hobbesscher Naturzustand herrscht -mit der Modifizierung, dass während bei Hobbes alle Menschen
mehr oder weniger in ihrem Gewaltpotential gleich sind, dies bei interstellaren Zivilisationen nicht der
Fall ist, da die Wahrscheinlichkeit eine Zivilisation mit einem deutlich höheren oder deutlich
niedrigeren technologischen Niveau als dem eigenen zu begegnen deutlich höher ist als jemand mit
ähnlichen Fähigkeiten zu treffen. Diese Diskrepanz von technologischen Niveaus und die Unfähigkeit
zur Kommunikation machen so Gesellschaftsverträge zwischen interstellaren Zivilisationen
unmöglich(vgl. Yu 2014 S.2) Die bekannteste Ausführung dieser Theorie ist die sogenannte Dunkler-
Wald-Hypothese, die das Fermi-Paradoxon damit versucht zu erklären, dass angesichts dieses
hobbesschen Naturzustands die spieltheoretisch besten Züge für eine Zivilisation daraus bestehen, sich
selbst zu verstecken und andere Zivilisationen mit Präventivschlägen bereits in der Entstehungsphase
auszulöschen. (vgl. Yu 2014, S.4) Die Hypothese kann das Fermi-Paradoxon nicht gänzlich plausibel
erklären, da zum einem eine expandierende GC Zivilisation im Universum sich kaum verstecken könnte
und zum anderen, die einzige uns bekannte Zivilisation, die Menschheit, es zwar theoretisch könnte,
es aber nicht tut. (vgl. Hendricks 2018; vgl. Kipping und Teachey 2016, S.7) Dennoch bieten die
Konzeptionen des Universums als einen Hobbesschen Naturzustand und die spieltheoretischen
Analysen von Erstkontakten als Gefangendilemma zwischen Kooperation oder Vernichtung erste
Ansätze, um eine politische Philosophie interstellarer Beziehungen zu entwickeln.
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5. Sollten wir die Große Stille brechen?
Seit mehreren Jahrzehnten betreiben mittlerweile Astronomen SETI (Search for Extraterrestrial
Intelligence) erfolgslos. Wir konnten bisher keine überzeugenden Spuren einer anderen Zivilisation
in unserem Lichtkegel beobachten. Das hat einige Wissenschaftler dazu gebracht anzunehmen, dass
wir uns eventuell mit anderen Zivilisationen in eine Art Gefangenendilemma befinden dem
sogenannten SETI-Paradox - bei dem alle Zivilisationen einfach nur horchen, aber keine Zivilisation
explizit versucht auf sich aufmerksam zu machen oder mit anderen eine Konversation zu initiieren.
(vgl. Kerins 2020, S.2) Deswegen drängen einige Wissenschaftler und Privatpersonen darauf, dass die
Menschheit gezielt in den Weltraum verstärkte Radiosignale aussenden sollte, um eine Antwort von
anderen Zivilisationen zu provozieren und damit Kommunikation als Kooperation anzustoßen. Diese
gezielten Kontaktversuche werden als METI (Messaging Extraterrestrial Intelligence) bezeichnet und
ihre Notwendigkeit damit begründet, dass wir keine empirischen Gründe haben, anzunehmen, dass
andere Zivilisationen für uns eine Bedrohung darstellen und wir von einem Kontakt nur profitieren
könnten. (vgl. Zaitsev 2011, S.3) Mittlerweile gab es mehrere METI-Versuche und NGOs wie METI
International organisieren private METI-Initiativen. (vgl. Pappas 2022)
Tatsächlich aber ist es äußerst fraglich, ob andere Zivilisation nicht ein existenzielles Risiko für uns
darstellen. Wir wissen schlicht nix über sie, bis wir einen Kontakt hatten - und davor haben wir gute
Gründe anzunehmen, dass zumindest eine nicht-triviale Chance besteht, dass solch eine fremde
Zivilisation auf unsere Kontaktversuche mit Gewalt antwortet. Zum einem deuten unsere
evolutionären Theorien darauf hin, dass intelligente Spezies sich in der Regel aus sozialen Raubtieren
entwickeln und daher über eine Kapazität für Aggression und Gewalt verfügen sollten. (vgl. Schulze-
Makuch 2021) Zu anderen, reicht der Blick auf unsere eigene Geschichte über Erstkontakte zwischen
Zivilisationen - wie z.B. den zwischen den Europäern und den indigenen Völkern Amerikas - um zu
sehen, dass solche Erstkontakte nicht unbedingt positiv verlaufen müssen. (vgl. Boyle 2017) Ein nicht
unmögliches Szenario ist es, dass die Antwort auf gezielte Kontaktversuche ein Schwarm Relativistic
Kill Vehicles oder eine andere Form von Auslöschungsversuchen wäre wie die Dunkler Wald Hypothese
nahelegt. (vgl. Yu 2014, S.4) Das Problem ist, dass wir die Dunkler Wald Hypothese nicht testen können
ohne das Risiko einzugehen, dass sie sich bewahrheitet und wir dann nicht mehr existieren. Das Risiko
mag möglicherweise gering sein es ist aktuell nicht quantifizierbar aber die Frage die sich aufzwingt
ist, ob es ethisch zulässig ist, dass eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern oder anderen Privatleuten
dieses Risiko für die gesamte Menschheit eingeht oder ob die Regierungen der Menschheit sich auf
politische Maßnahmen einigen sollten, die gezieltes METI regulieren oder gar ganz verbieten.
An die Debatte, ob die Menschheit METI betreiben sollte oder ob einzelnen Gruppen erlaubt sein
sollte, METI zu betreiben, schließen sich mehrere ethische Debatten rund um Konsens, Risiko und
Verantwortung im SETI Kontext an, die bisher zwar stark unter Astronomen, Physikern und
Astrobiologen diskutiert, aber innerhalb der Philosophie und Politik allgemein vernachlässigt werden,
sodass es noch an rigorosen ethischen Analysen ganz zu schweigen von einem Konsens oder
politischen Leitlinien - fehlt. Was angesichts des potentiellen existenziellen Risikos, welches mit METI
miteinhergeht ein nicht akzeptables Defizit ist, wie die Philosophin Chelsea Haramia und die
Astrobiologin Julia DeMarines 2019 in ihrem Paper The Imperative to Develop an Ethically-Informed
METI Analysis herausarbeiten. (vgl. Haramia und Demarines 2019, S.10)
14
6. Sollten wir uns verstecken?
Selbst wenn niemand zielgerichtetes METI betreibt und laut in den Kosmos unsere Anwesenheit
herausschreit, ist die Menschheit für andere Zivilisation bereits theoretisch detektierbar. (vgl. Greshko
2018) Unsere Zivilisation emittiert elektromagnetische Emissionen wie Radiowellen und die
Zusammensetzung unserer Atmosphäre deutet eindeutig auf die Präsenz von Leben hin etwas, was
ein Weltraumteleskop noch in vielen Lichtjahren Entfernung messen könnte anhand der Art und
Weise, wie Sonnenlicht leicht in seinem Spektrum verändert wird, wann immer es unsere Atmosphäre
passiert. Mit der gleichen spektroskopischen Methode erforschen wir selbst bereits die
atmosphärische Zusammensetzung weit entfernter Exoplaneten. (vgl. NASA Video 2020)
Die Astronomen Kipping und Teachey schlagen in einem 2016 veröffentlichten Paper ein Cloaking
Device vor, welches es einer Zivilisation wie der Menschheit ermöglichen würde die Bewohnbarkeit
der Erde und die eigene Anwesenheit darauf vor solchen spektroskopischen Analysen
extraterrestrischer Zivilisationen zu verstecken. Dafür würde es reichen von der Nachtseite in den
Weltraum Laserstrahlen auszusenden, die die Veränderung des Sonnenlichts durch unseren Transit
wieder ausgleichen. Die Biosignaturen, also die Anwesenheit von Leben auf unserer Erde, könnten wir
dabei mit einem relativ geringen Energieaufwand von bereits rund 160 kW verschleiern, die Existenz
unseres Planeten mit bereits 30 Megawatt gegenüber Teleskopen wie denen, die dem menschlichen
Kepler-Teleskop entsprechen. (vgl. Kipping und Teachey 2016, S.7) was ungefähr dem Output von 2
bis 3 Offshore Windrädern entspricht. (vgl. Allnoch 2021) Für eine komplette Breitbandlaseranlage, die
unsere Existenz auch vor deutlich fortgeschritteneren Teleskopen verstecken würde, wären bis zu 250
Megawatt notwendig (vgl. Kipping und Teachey 2016, S.1) oder das Äquivalent von noch immer relativ
wenigen 17 bis 25 Offshore Windrädern.
Wenn wir wollten, könnte sich die Menschheit in unserem Universum für ferne Beobachter quasi
unsichtbar machen. Neben solchen Laseranlagen, wäre dafür allerdings auch ein starker Eingriff in die
von uns verwendeten Telekommunikationstechnologien notwendig d.h. wir müssten auf
Langstrecken-Radiowellen verzichten und für Funkstille sorgen, indem wir uns stattdessen auf
kurzwelligere Wellen, Laser und Glasfaserkabel beschränken.
Der erste Kontakt zu einer extraterrestrischen Zivilisation ist ähnlich wie Asteroideneinschlag oder eine
Pandemie ein Ereignis, das niemand vorhersagen kann aber es birgt ein potentielles existenzielles
Risiko, weshalb die Menschheit vielleicht die Option haben sollte, zuerst die andere Zivilisation
gründlich zu beobachten, bevor wir selbst entscheiden ob wir von der anderen gesehen werden
wollen. Da Licht und Radiowellen über viele Tausende und Millionen von Jahren sich im Universum
ausbreiten, hängt von der Entscheidung ob wir uns heute für ein aktives oder passives METI oder für
ein Verstecken entscheiden, nicht nur unsere akute Sichtbarkeit ab, sondern auch die Sichtbarkeit von
zukünftigen Generationen. Wenn wir wollen, dass unsere Nachkommen bei einem Erstkontakt den
strategischen Vorteil der Unsichtbarkeit haben, dann sollten wir schon heute, während die Begegnung
mit extraterrestrischen Zivilisationen noch fern und unwahrscheinlich wirkt, uns in Stille hüllen. So
ähnlich wie es sinnvoll sein kann, schon lange vor einer Pandemie Schutzausrüstung oder vor dem
Auftauchen eines gefährlichen Asteroiden Abfangraketen zu bunkern, sollte solch ein Verhüllen der
Menschheit als eine Präventivmaßnahme zumindest diskutiert werden.
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7. Sollten wir uns für einen Erstkontakt vorbereiten?
Quasi alle Regierungen der Menschheit handeln zumindest offiziell - so, als würden extraterrestrische
Zivilisationen nicht existieren. Entsprechend gibt es kein ratifiziertes internationales Protokoll, keine
gesetzliche Regulierung, was im Falle eines Erstkontakts mit einer außerirdischen Zivilisation die
Reaktionen darauf regeln würde. Sollten wir morgen Signale von einer extraterrestrischen Zivilisation
empfangen, wäre nicht klar, was von wem getan werden sollte und dürfte und auch nicht, wie dies der
Menschheit kommuniziert wird. Abgesehen von einigen informellen und damit nicht-bindenden
Protokollen innerhalb von Weltraumbehörden wie der NASA und ESA die sich darauf beschränken,
dass ein Erstkontakt mit dem Rest der Menschheit kommuniziert werden sollte und sonst keine
weiteren Schritte vorsehen -, ist nicht klar, wie unsere Institutionen auf solch ein Ereignis reagieren
würden. (vgl. Neal 2014, S.13)
Man kann argumentieren, dass der beste Umgang mit potentiellen existenziellen Risiken wie der
Begegnung mit extraterrestrischen Zivilisationen, eine Art moderne Pascalsche Wette ist: Es ist besser
davon auszugehen, dass sie stattfinden werden und sich auf sie vorzubereiten, selbst wenn sie nie
eintreten als nichts tun und dann unvorbereitet zu sein, wenn sie doch eintreten. Kritiker führen
dagegen an, dass soetwas schnell ad absurdum geführt werden kann, da die Zahl an potentiellen
existenziellen Risiken mit verschwindend geringen oder unquantifizierbaren Wahrscheinlichkeiten
schier endlos ist. (vgl. Kovic 2020, S.6)
Der Erstkontakt mit einer extraterrestrischen Zivilisation ist jedoch ein Szenario, welches angesichts
der Erkenntnisse aus der Astronomie und Astrobiologie der vergangenen Jahrzehnte, immer
wahrscheinlicher erscheint. (vgl. Neal 2014, S.16) Manche Theorien wie zum Beispiel das Grabby
Civiliziation Modell postulieren, dass es langfristig unvermeidbar ist. (vgl. Hanson 2021, S.14) Es
erscheint daher nicht akzeptabel, dass die die Regierungen der Menschheit und internationalen
Organisationen wie die UNO sich bisher nicht einmal auf ein Protokoll geeinigt haben, wie auf
verschiedene Erst-Kontakt-Szenarien zu reagieren wäre. (vgl. Neal 2014, S.16)
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8. Wie sollen wir mit existenziellen Risiken umgehen?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit extraterrestrischen Zivilisationen ist die,
dass Zivilisationen wie die unsere extrem selten sind und noch weiter entwickelte Zivilisationen als die
unsere noch viel, viel seltener, da sonst unser Himmel schon längst voll mit ihnen wäre. Dies impliziert
einen Großen Filter und damit das Vorhandensein von existenziellen Risiken, die es für die Menschheit
wahrscheinlicher machen auszusterben, als langfristig zu überleben. (vgl. Hanson 1998)
In der politischen Philosophie spielt die Analyse von existenziellen Risiken, im Sinne der Möglichkeit
der Auslöschung der gesamten Menschheit, traditionell eine eher marginalisierte Rolle und begann
erst im Zuge der Aufklärung langsam Beachtung zu finden. (vgl. Moynihan 2020, S.1) In der Regel
beginnen normative Überlegungen und Debatten zur Gestaltung von politischen Systemen mit der
Grundlegung in moralischen Werten wie Fairness, Gerechtigkeit und Freiheit und danach mit
Überlegungen, wie sich diese Werte durch Institutionen am besten realisieren lassen. Die von der
Großen Filter Theorie nahegelegte Existenz von substanziellen existenziellen Risiken legt jedoch nahe,
dass es ein besserer Ansatz wäre, statt bei den Werturteilen anzufangen, sich zuerst zu überlegen, was
getan werden müsste, damit solche Werturteile überhaupt von Menschen gefällt werden können
ergo, die Sicherstellung des Überlebens der Menschheit sollte am Anfang stehen.
Der Philosoph Toby Ord schlägt daher vor, dass dem Konzept der Existential Security die oberste
Priorität in der Politik und Moralphilosophie eingeräumt werden sollte. Unsere philosophischen
Überlegungen und politischen Anstrengungen sollten sich darauf konzentrieren durch globale und
intergenerationelle Kooperation insbesondere aktuell sehr hohe existenzielle Risiken auf ein möglichst
niedriges, nachhaltiges Niveau zu reduzieren. (vgl. Ord 2021, S.6) Dabei sollte unser Fokus vor allem
auf der Reduktion anthropogener Risiken liegen, da die Wahrscheinlicht, dass die Menschheit durch
anthropogene Katastrophen wie Nuklearkriege, Biowaffen, Umweltzerstörung etc.. sich selbst
auslöscht innerhalb der kommenden hundert Jahre laut Ord auf
zu schätzen ist, während
natürliche Katastrophen wie Supervulkane, Sternexplosionen oder Asteroideneinschläge ein
existenzielles Risiko von  darstellen. Das Risiko durch extraterrestrische Zivilisationen ist
aktuell unquantifizierbar. (vgl. Ord 2021, S.167) Ein essenzieller, wenn auch nicht ausreichender
Schritt, um einen Zustand von Existential Security zu erreichen, bei dem das Risiko des kompletten
Aussterbens auf ein nachhaltiges Niveau gesichert wurde da mehrere unabhängige, von Menschen
bewohnbare Planeten nicht so einfach von der gleichen existenziellen Katastrophe heimgesucht
werden können. (vgl. Ord 2021, S.193) Sobald die Menschheit es schafft diesen Status von
existenzieller Sicherheit zu erreichen, wird sie laut Ord endlich die Zeit haben für eine Long Reflection,
eine Epoche, in der wir ausdiskutieren können, wie die Menschheit ihr langfristiges Potential positiv
nutzen sollte. (vgl. Ord 2021, S.191)
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9. Wie sollten wir versuchen zu expandieren?
„‘The dinosaurs became extinct because they didn't have a space program. And if we become extinct
because we don't have a space program, it'll serve us right. - Larry Niven(vgl. Kaku 2018, S.7) Die
Tatsache, dass die Menschheit langfristig garantiert aussterben wird, wenn sie nicht jenseits der Erde
expandiert, macht Expansion zu einem moralischen Imperativ (vgl. Reuter 2022) schließlich hängen
die meisten moralischen Theorien wie der Utilitarismus oder Verantwortungsethiken zumindest
implizit von der kontinuierlichen Existenz von Menschen ab. Heißt das, wir sollten nun so viele
Ressourcen und intellektuelle Kapazitäten wie möglich darin investieren, möglichst schnell eine
interstellare Spezies zu werden? Vermutlich nicht.
Die politischen und normativen Fragen sollten sich nicht darum drehen, ob wir expandieren sollten,
aber es braucht Debatten darum wie schnell und auf welche Art und Weise. Was die Geschwindigkeit
angeht, so argumentiert der Philosoph Nick Bostrom, dass diese aus utilitaristischer Perspektive vor
allem von der Möglichkeit zur Reduzierung existenzieller Risiken abhängt. Angesichts all der
potentiellen menschlichen Leben die durch die Kolonialisierung mehrere Planeten existieren könnten,
entspricht z.B. jede Sekunde, die wir später unser lokales Supercluster kolonialisieren,
Opportunitätskosten von rund 1013 Menschenleben. (vgl. Bostrom 2003, S.3) Allerdings wäre bereits
eine Reduktion von existenziellen Risiken um 1% laut Brostrom eine Verzögerung dieser
Kolonialisierung um 10 Millionen Jahr wert. (vgl. Bostrom 2003, S.5) Ergo wenn es z.B. darum geht,
heute Ressourcen in Forschung und Entwicklung zu allokieren, sollte die Reduktion existenzieller
Risiken wie z.B. der Klimakrise unter Umständen stärker priorisiert werden, als eine Beschleunigung
interstellarer Expansion. Des Weiteren könnte eine Beschleunigung unserer technologischen
Entwicklung, die wir für eine schneller Expansion anregen, zu einer Steigerung von existenziellen
Risiken durch technische und soziale Disruption führen. (vgl. Kovic 2020, S.10) Anderseits impliziert das
GC Modell von Hanson, dass wenn wir uns zu viel Zeit mit der Expansion lassen, wir eventuell gar nicht
mehr dazu kommen, weil andere Zivilisationen den Raum um uns kolonialisieren. (vgl. Hanson 2022)
Bei der Art und Weise, wie die Kolonialisierung des Weltraums deren Anfänge wir aktuell im Zuge
des zweiten Wettlaufs zum All erleben (vgl. Weinzierl und Sarang 2021) ablaufen sollte, gibt es viel
ethische, juristische und politische Unklarheiten. Abgesehen von dem Outer Space Treaty von 1966
(vgl. UNOOSA 2015) gibt es keine allgemeinen internationalen Abkommen, die die Nutzung
extraterrestrischen Raumes und seiner Ressourcen umfassend regeln. Des Weiteren gibt es wenig
philosophische Arbeiten dazu, wie die Menschheit damit ethisch umgehen sollte. Auch wenn aus den
meisten anthropozentrischen und auch ananthropozentrischen Ethiken theoretisch keine Einwände
gegen die Nutzung extraterrestrischer Ressourcen gibt, sind viele ethische Fragen gänzlich ungeklärt
insbesondere aus dem Ökologismus kommt die Kritik, die Menschheit sollte gar nicht in den Weltraum
expandieren, sondern sich in erste Linie auf die Lösung von Umweltproblemen auf unserem
Heimatplaneten beschränken. (vgl. Schwartz 2013, S.3) Von Vertretern der Dunkler-Wald-Hypothese
wird des Weiteren manchmal die Position vertreten, dass gerade solch ein Expansion jenseits unseres
Planeten uns zur Zielscheibe von Angriffen durch extraterrestrische Zivilisationen machen könnte. (vgl.
Kovic 2020, S.21)
Des Weiteren würde eine Expansion zu neuen Welten mit einer grundlegenden Transformation
unserer eigenen Zivilisation einhergehen die Menschheit würde vermutlich durch eine interstellare
Diaspora eine trans- bis posthumanistische Verschmelzung mit Technologien eingehen und langfristig
in mehrere Arten fragmentieren unsere interstellar reisenden Nachfahren wären möglicherweise für
uns gar nicht mehr als Menschen wiederzuerkennen. (vgl. Kaku 2018, S.262) Diese radikale
Transformation und ihre möglichen Konsequenzen stellen einen selten diskutierten Preis für die
Expansion dar.
18
10. Was ist der Wert von Leben?
Was ist der moralische Status von extraterrestrischen Leben? Unterscheidet er sich von dem des
terrestrischen Lebens? Was ist der Wert und Zweck der Menschheit, wenn sie nur eine Zivilisation
unter vielen ist? Gibt es universelle ethische Werte, die von allen Zivilisationen akzeptiert werden
könnten? Haben Außerirdische Menschenrechte? Oder können und sollten wir sie mit einem guten
Gewissen auslöschen, wie es einige Vertreter der Dunklen-Wald-Hypothese vorschlagen? Und wenn
Rechte für extraterrestrisches Leben gelten, dann für welches? Für jedes Kleinstlebewesen oder nur
für jene, die wir als ebenbürtig betrachten? Die Beschäftigung mit dem extraterrestrischen Raum und
seinen potentiellen Bewohnern, erweitert unseren ethischen Horizont um die Astroethik und regt zu
einem Paradigmenwechsel bei moralphilosophischen Überlegungen an, weg von einem
anthropozentrischen und hin zu einem kosmozentrischen Denken. (vgl. Dick 2018)
Wenn die Menschheit beginnt andere Himmelskörper selbst innerhalb unseres Sonnensystems zum
Beispiel Mars und Europa zu erforschen oder gar terraformen und zu kolonialisieren, dann können
wir zum einen nie gänzlich ausschließen, dass wir damit Leben auslöschen, welches wir schlicht nicht
als solches erkennen, oder die zukünftige Entstehung von Leben durch das Einbringen terrestrischen
Lebens verhindern. Unsere Kolonialisierung könnte die Entstehung von ganzen Zivilisationen und
Kulturen verhindern. Auf der anderen Seite könnten wir auch zahlreichen bisher unbewohnten
Planeten Leben einhauchen und so die Zahl der lebenden Wesen in unserem Universum steigern.
Unsere etwaigen moralische Pflichten gegenüber realen und potentiellen extraterrestrischen
Ökosystemen sind heute alles andere als klar. (vgl. Kaçar 2020)
Die Astrobiologin Betül Kaçar schlägt zum Beispiel vor, dass Protospermie als ein möglicherweise für
die Menschheit ethisch gebotenes Unterfangen diskutiert werden sollte. Protospermie ist in dem
Kontext das Entsenden von anorganischen Materialien aus denen sich Leben entwickeln kann zu bisher
vermutlich unbelebten Exoplaneten, um die dortige Entstehung von Leben zu beschleunigen. Im
Gegensatz zu einer gezielten Panspermie oder Kolonialisierung, bei der terrestrisches Leben ein neues
Ökosystem erschließt, würden so die Entstehung neuer, eigener evolutionärer Pfade angeregt.
Debatten hierzu könnten der Menschheit zu einem besseren Verständnis davon verhelfen, was der
Wert von Leben ist. (vgl. Kaçar 2020)
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11. Haben wir eine überproportional große Verantwortung?
Die Tatsache, dass im nahen Universum außer uns keine anderen Zivilisationen zu sehen sind und wir
vermutlich eine der ersten Zivilisationen sind, die jemals in Universum entstehen wird, deutet darauf
hin, dass die Handlungen von uns Menschen überproportional starke Konsequenzen auf die Zukunft
eines großen Teils des Universums haben könnten. Wenn wir uns heute entscheiden mehr Ressourcen
in die Entwicklung der Raumfahrt zu stecken, um überhaupt oder schneller zu einer interstellaren
Spezies zu werden, kann das über lange Zeit den Unterschied machen, ob Billiarden von intelligenten
Wesen, ganze Zivilisationen und evolutionäre Stammbäume überhaupt existieren werden oder nicht.
Unsere Frühzeitigkeit impliziert großes Potential und eine große Verantwortung, mit der wir sorgfältig
umgehen sollten. Wie wir mit dieser Verantwortung richtig umgehen, ist die Frage noch zu führender
ethischer und politischer Debatten.
20
12. Schlussbemerkung
Die Beschäftigung mit extraterrestrischen Zivilisationen bleibt heute ein weitestgehend
marginalisiertes und kaum bearbeitetes Thema in der Philosophie, Politik und Gesellschaft. Außerhalb
von Fachgebieten wie der Astronomie oder Astrobiologie oder dem jungen Gebiet der Astroethik, gilt
das Thema entweder als irrelevant oder etwas für Fanatiker. Während früher Philosophen wie
Aristoteles, Huygens oder Kant das Thema äußerst ernst nahmen (vgl. Neal 2014, S. 1), wird heute in
geistwissenschaftlichen Fächern wie der Philosophie sich mehr mit Außerirdischen in Form von
medialen Konstrukten oder verschwörungstheoretischen Archetypen beschäftigt, als realistisch mit
den Implikationen die eine tatsächliche Existenz hat eine Existenz, deren Wahrscheinlichkeit
angesichts der Erkenntnisse der Astronomie in den vergangenen Jahrzehnten mittlerweile an
Gewissheit grenzt. (vgl. Neal 2014, S. 4)
Ich hoffe, dass diese Arbeit überzeugend aufzeigen konnte, warum diese Marginalisierung falsch ist
und sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik lohnt. Zum einem, weil wir sehr viel
daraus über uns selbst, unsere mögliche Zukunft und unseren Platz im Universum lernen können. Zum
anderen, weil es besser ist auch bei unwahrscheinlich scheinenden Ereignissen wie der ersten
Begegnung mit extraterrestrischen Zivilisationen, schon einen Plan und paar Theorien in der Schublade
zu haben, bevor sie eintreten. Während die Menschheit beginnt die Weiten des Universums um
unseren kleinen Planeten herum immer besser zu verstehen und zu erschließen, und ihr interstellares
Potential zu entfalten, werden Themen der Astroethik wie der moralische Status von
extraterrestrischen Ressourcen, Lebensformen und Zivilisationen für das politische Denken immer
drängender.
Der sich vor der Menschheit auftuende Weg zu den Sternen und der ersten Begegnung mit anderen
intelligenten Wesen ist gepflastert mit zahlreichen politischen und ethischen Problemen, die es noch
zu identifizieren und zu lösen gilt.
21
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Article
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As our ability to undertake searches for extraterrestrial intelligence (SETI) grows, so does interest in the controversial endeavor of messaging extraterrestrial intelligence (METI). METI proponents point to the SETI Paradox—if all civilizations refrain from METI then SETI is futile. I introduce mutual detectability as a game-theoretic strategy to increase the success potential of targeted SETI. Mutual detectability comprises four laws that establish how SETI participants can engage each other based on mutual evidence of mutual existence. I argue that the party whom both SETI participants can judge to have better quality evidence, or common denominator information (CDI), has an onus to transmit to avoid the SETI Paradox. Transiting exoplanets within the Earth Transit Zone form a target subset that satisfies mutual detectability requirements. I identify the intrinsic time-integrated transit signal strength, which for Earth is 10 ³ L ⊙ ppm hours yr ⁻¹ , as suitable CDI. Civilizations on habitable-zone planets of radius have superior CDI on us, and so under the mutual detectability framework have game-theory incentive (onus) to transmit. While the onus to transmit falls on us for habitable planets around L * > L ⊙ stars, considerations of relative stellar frequency, main-sequence lifetime and planet occurrence rates mean that such systems are likely to be in a small minority. Surveys of the Earth Transit Zone for Earth-analog transiting planets around subsolar luminosity hosts would facilitate targeted SETI programs for civilizations who have game-theory incentive to transmit signals to us. A choice to remain silent, by not engaging in METI toward such systems, does not in this case fuel concerns of a SETI Paradox.
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The "dark forest rule" proposed by Cixin Liu, a Chinese science fiction writer, offers a new explanation for the Fermi paradox and is proximate to the "state of nature" detailed by Hobbes. In this paper, the "dark forest rule" is introduced based on the "state of nature". Furthermore, the significance of scientific and technological levels in interstellar communication is discussed. Finally, a revised dark forest rule is put forward: the use of concealment to avoid unknown risks.
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This article introduces the issue of extraterrestrial life to the study of disasters, their prevention and their management. Up until now, major journals in the field of risk and disaster research have ignored the potential threats posed by the existence of extraterrestrial life. With increasing scientific support for the existence of planets able to support life, and the rapid development of scientific disciplines such as astrobiology, the article argues that limiting the scope of disaster research to terrestrial matters is increasingly intellectually untenable. In order to rectify this situation, and begin a debate within the field, the article develops five theoretical scenarios concerning the likelihood of, and the threats posed by, extraterrestrial life forms. Doing so highlights possible new themes in disaster and risk management research. It is thus hoped that subsequent researchers may close the gap between scholarly discourse about risk management, and the scientific findings of disciplines such as astrobiology.
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The search for extra-terrestrial intelligence (SETI) has been performed principally as a one-way survey, listening of radio frequencies across the Milky Way and other galaxies. However, scientists have engaged in an active messaging only rarely. This suggests the simple rationale that if other civilizations exist and take a similar approach to ours, namely listening but not broadcasting, the result is a silent universe. A simple game theoretical model, the prisoner's dilemma, explains this situation: each player (civilization) can passively search (defect), or actively search and broadcast (cooperate). In order to maximize the payoff (or, equivalently, minimize the risks) the best strategy is not to broadcast. In fact, the active search has been opposed on the basis that it might be dangerous to expose ourselves. However, most of these ideas have not been based on objective arguments, and ignore accounting of the possible gains and losses. Thus, the question stands: should we perform an active search? I develop a game-theoretical framework where civilizations can be of different types, and explicitly apply it to a situation where societies are either interested in establishing a two-way communication or belligerent and in urge to exploit ours. The framework gives a quantitative solution (a mixed-strategy), which is how frequent we should perform the active SETI. This frequency is roughly proportional to the inverse of the risk, and can be extremely small. However, given the immense amount of stars being scanned, it supports active SETI. The model is compared with simulations, and the possible actions are evaluated through the San Marino scale, measuring the risks of messaging.
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Space colonization is humankind's best bet for long-term survival. This makes the expected moral value of space colonization immense. However, colonizing space also creates risks — risks whose potential harm could easily overshadow all the benefits of humankind's long-term future. In this article, I present a preliminary overview of some major risks of space colonization: Prioritization risks, aberration risks, and conflict risks. Each of these risk types contains risks that can create enormous disvalue; in some cases orders of magnitude more disvalue than all the potential positive value humankind could have. From a (weakly) negative, suffering-focused utilitarian view, we therefore have the obligation to mitigate space colonization-related risks and make space colonization as safe as possible. In order to do so, we need to start working on real-world space colonization governance. Given the near total lack of progress in the domain of space governance in recent decades, however, it is uncertain whether meaningful space colonization governance can be established in the near future, and before it is too late.
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In the vigorous academic debate over the risks of the Search for ExtraTerrestrial Intelligence (SETI) and active Messaging ExtraTerrestrial Intelligence (ETI) (METI), a significant factor has been largely overlooked. Specifically, the risk of merely detecting an alien signal from passive SETI activity is usually considered to be negligible. The history of international relations viewed through the lens of the realpolitik tradition of realist political thought suggests, however, that there is a measurable risk of conflict over the perceived benefit of monopoly access to ETI communication channels. This possibility needs to be considered when analyzing the potential risks and benefits of contact with ETI.
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Of late, existential risks have become the target of an emerging field of scientifically serious study. This baptism of ‘X-risk studies’ is symptomatic of what Riel Miller has diagnosed as an ever-increasing demand for ‘futures literacy’, inasmuch as we are progressively conversant with progressively distal perils. Yet this dynamic, of incremental ‘future orientation’, is not itself without a history. We have been being swept up in the future for some time now. Accordingly, we embark upon supplying an intellectual history to humanity’s responsivity to existential risks. The aim is to reveal how contemporary X-risk research emerges from the broader sweep of human history. Our contention is that providing this edifying backdrop helps legitimise the furtherance of present initiatives. This takes us to the Enlightenment. This period saw the consolidation of the various scientific vocabularies requisite for the first explicit prognoses on existential catastrophe. Yet the discovery of X-risk was a question of ‘Enlightening’, construed as humanity’s global undertaking of self-responsibility, in an altogether more fundamental way. For, ultimately, it was only through realizing that we may never reason again that we became increasingly motivated to reason ever better, and, thus, were first summoned to the modernity-defining projects of long-term foresight, mitigation, and strategizing.
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Extraterrestrial Altruism examines a basic assumption of the Search for Extraterrestrial Intelligence (SETI): that extraterrestrials will be transmitting messages to us for our benefit. This question of whether extraterrestrials will be altruistic has become increasingly important in recent years as SETI scientists have begun contemplating transmissions from Earth to make contact. Technological civilizations that transmit signals for the benefit of others, but with no immediate gain for themselves, certainly seem to be altruistic. But does this make biological sense? Should we expect altruism to evolve throughout the cosmos, or is this only wishful thinking? Is it dangerous to send messages to other worlds, as Stephen Hawking has suggested, or might humankind benefit from an exchange with intelligence elsewhere in the galaxy? Would extraterrestrial societies be based on different ethical principles, or would we see commonalities with Earthly notions of morality? Extraterrestrial Altruism explores these and related questions about the motivations of civilizations beyond Earth, providing new insights that are critical for SETI. Chapters are authored by leading scholars from diverse disciplines―anthropology, astronomy, biology, chemistry, computer science, cosmology, engineering, history of science, law, philosophy, psychology, public policy, and sociology. The book is carefully edited by Douglas Vakoch, Director of Interstellar Message Composition at the SETI Institute and professor of clinical psychology at the California Institute of Integral Studies. The Foreword is by Frank Drake. This interdisciplinary book will benefit everybody trying to understand whether evolution and ethics are unique to Earth, or whether they are built into the fabric of the universe.
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The transit method is presently the most successful planet discovery and characterization tool at our disposal. Other advanced civilizations would surely be aware of this technique and appreciate that their home planet’s existence and habitability is essentially broadcast to all stars lying along their ecliptic plane. We suggest that advanced civilizations could cloak their presence, or deliberately broadcast it, through controlled laser emission. Such emission could distort the apparent shape of their transit light curves with relatively little energy, due to the collimated beam and relatively infrequent nature of transits. We estimate that humanity could cloak the Earth from Kepler-like broadband surveys using an optical monochromatic laser array emitting a peak power of ∼30 MW for ∼10 hours per year. A chromatic cloak, effective at all wavelengths, is more challenging requiring a large array of tunable lasers with a total power of ∼250 MW. Alternatively, a civilization could cloak only the atmospheric signatures associated with biological activity on their world, such as oxygen, which is achievable with a peak laser power of just ∼160 kW per transit. Finally, we suggest that the time of transit for optical SETI is analogous to the water-hole in radio SETI, providing a clear window in which observers may expect to communicate. Accordingly, we propose that a civilization may deliberately broadcast their technological capabilities by distorting their transit to an artificial shape, which serves as both a SETI beacon and a medium for data transmission. Such signatures could be readily searched in the archival data of transit surveys.
Article
In this paper we address the cosmic frequency of technological species. Recent advances in exoplanet studies provide strong constraints on all astrophysical terms in the Drake Equation. Using these and modifying the form and intent of the Drake equation we show that we can set a firm lower bound on the probability that one or more additional technological species have evolved anywhere and at any time in the history of the observable Universe. We find that as long as the probability that a habitable zone planet develops a technological species is larger than ~$10^{-24}$, then humanity is not the only time technological intelligence has evolved. This constraint has important scientific and philosophical consequences.