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Das fünfte Gebot: "Du sollst nicht morden!" Das biblische Tötungsverbot und die besondere Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens im Ethos der Menschenrechte

Authors:
  • Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen - University of Applied Sciences, Köln (Germany)

Abstract

Im Alten wie im Neuen Testament findet die Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens im generellen Tötungsverbot des 5. Gebotes seinen elementarsten Ausdruck. Tötungsverbot und Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens werden dabei begründet mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen und – wie die 10 Gebote insgesamt – mit der Befreiungstat Gottes, der das Volk Israel aus der Knechtschaft Ägyptens geführt hat (1.). Das generelle Tötungsverbot des Dekalogs beansprucht universelle Geltung über den jüdisch-christlichen Kulturraum hinaus für die Menschen aller Zeiten. Tatsächlich findet sich ein generelles Tötungsverbot bei allen Völkern und Kulturen, auch wenn die konkreten Begründungsstrategien, die Reichweite des Verbots sowie die Regelung der Ausnahmen variieren. Was universelle Geltung beansprucht und de facto auch allgemein gilt, das muss sich – so unsere Erwartung – auch unabhängig vom biblisch-theologischen Begründungszusammenhang rational plausibel machen lassen, mithin den Anspruch auf Geltung vor der Vernunft auch unter Beweis stellen können. Plausibilisierungsversuche für die de facto Einhaltung des Verbots unternimmt zwar auch die Verhaltensbiologie im Versuch, aus der Tötungshemmung im Tierreich Konsequenzen für das Tötungsverbot unter Menschen zu ziehen. Aber im humanen Bereich muss die Normsetzung und die Anerkennung der Norm immer durch den Menschen selbst erfolgen und einer rationalen Begründung zugänglich sein (2.) In Neuzeit und Moderne geschieht dies im Ethos der Menschenrechte. In ihm wird das Tötungsverbot als elementarste Folge der besonderen Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens einerseits durch die Würde des Menschen als Person begründet, andererseits ausnahmslos auf alle Mitglieder der Spezies ausgedehnt. Beide Momente, mithin Begründung und Ausdehnung der Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens stehen heute auch in Europa durchaus wieder in Frage, etwa dann, wenn es um den Umgang mit Leben und Tod am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens geht (4.). Die modernen Menschenrechte, die den Schutz menschlichen Lebens als erstes und fundamentalstes Persönlichkeitsrecht und das Recht auf Leben und leibliche Integrität der Person als basalstes Abwehrrecht anerkennen, sind in ihrem Kern daher zu interpretieren als Ertrag der weltweiten Anerkennung des generellen Tötungsverbots.
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