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Klimakrise, Degrowth und die Grenzen des Wachstums: Warum wir mehr und nicht weniger Wachstum brauchen

Authors:

Abstract

Arbeit über die fundamentalen Fehlannahmen von ökologischen Wachstumskritiken bzw. Degrowth auf pragmatischer, empirischer und theoretischer Ebene. Sie soll aufzeigen, warum die Menschheit prinzipiell für das Lösen der Klimakrise und verwandter Probleme mehr Wirtschaftswachstum bzw. Wachstum braucht und nicht weniger.
Klimakrise, Degrowth und die Grenzen des Wachstums:
Warum wir mehr und nicht weniger Wachstum brauchen
von Nikodem Jan Skrobisz
Hausarbeit zum Seminar:
Einführung in die Wirtschaftsethik
Dozent:
Dr. Korbinian Rüger
Sommersemester 2022
Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
Inhalt
1. Einleitung ....................................................................................................................................1
1.1 Das Problem der Klimakrise .......................................................................................................1
1.2 Die Degrowth-Vision .................................................................................................................1
1.3 Das Ziel dieser Arbeit .................................................................................................................2
2. Die fundamentalen Fehlannahmen von Degrowth.......................................................................3
2.1 Die Entkopplung geschieht bereits ............................................................................................3
2.1.1 Die Variablen der Produktionsfunktion ...............................................................................3
2.1.2 Substitution von Ressourcen...............................................................................................4
2.1.3 Dematerialisierung der Wirtschaft ......................................................................................4
2.2 Der Malthusianische Pessimismus .............................................................................................5
2.3 Wachstum ist nicht das Problem, zu wenig Wachstum ist es......................................................6
2.4 Die tatsächlichen Grenzen des Wachstums ................................................................................6
3. Die pragmatischen Defizite von Degrowth ...................................................................................7
3.1 Depriviligierung der Industrienationen ......................................................................................7
3.2 Internationale Kooperation .......................................................................................................7
4. Die normativen Defizite einer Degrowth Welt .............................................................................8
4.1 Ein Weg zur Knechtschaft ..........................................................................................................8
4.2 Eine Zero-Sum Welt ...................................................................................................................8
4.3 Eine Garantie für den Hitzetod ..................................................................................................9
5. Schlussbemerkungen ................................................................................................................ 10
6. Quellen ..................................................................................................................................... 11
1
1. Einleitung
1.1 Das Problem der Klimakrise
Der Menschheit läuft die Zeit davon, wenn es darum geht den anthropogenen Treibhauseffekt
einzudämmen und eine starke globale Erwärmung samt ihrer katastrophalen Folgen abzuwehren.
Bereits jetzt gehen die prognostizierten Szenarien des Weltklimarats von einer durchschnittlichen
globalen Erwärmung von mindestens 1.4°C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bis zum Ende
dieses Jahrhunderts aus. Im schlimmsten Fall droht uns bis 2100 ein globaler Temperaturanstieg um
4.4°C. (vgl. Umweltbundesamt 2022)
Erste Konsequenzen wie eine abnehmende Biodiversität, Dürren, Waldbrände und die Häufung von
Extremwetterereignissen machen sich bereits jetzt weltweit bemerkbar - bei gerade erst geschätzt
1.07°C menschengemachter globaler Erwärmung. (vgl. IPCC 2021, S.5) Der durch menschliche
Emissionen verursachte Klimawandel stellt eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit und
zahlreiche andere Lebensformen auf der Erde dar, weshalb er ein Problem ist, welches gelöst werden
muss. Die schlechteste Strategie gegen die Klimakrise wäre es daher nichts zu tun, also es bei einem
Weiter so zu belassen. Die zweitschlechteste ist vermutlich das Engagement für jene vermeintlich
utopischen Visionen, die unter dem Namen Degrowth propagiert werden
1
und sich als radikale Lösung
des Klimakriseproblems zunehmender Popularität erfreuen.
1.2 Die Degrowth-Vision
Auch wenn Degrowth heterogene Strömungen in sich vereint, teilen alle zwei Komponenten:
1) Wachstumskritik. Degrowth-Bewegungen kritisieren das Wachstums-Paradigma in der
kontemporären Gesellschaft und Ökonomie. Diese Kritik wird unterschiedlich begründet - Schmelzer
und Vetter identifizieren konkret sieben verschiedene Hauptströmungen: Ökologische Kritik, Sozial-
ökonomische Kritik, Kulturelle Kritik, Kapitalismuskritik, Feministische Kritik, Industrialismuskritik und
Süd-Nord-Kritik. (vgl. Schmelzer und Vetter 2021, S. 18 - 21) Diese Kritikformen haben viele
Überschneidungen. Das Anliegen dieser Arbeit ist es vor allem kritisch auf die ökologische Form der
Degrowth-Wachstumskritik einzugehen, welche sich wie folgt zusammenfassen lässt: „Unendliches
Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich. […] Wirtschaftswachstum [ist] nicht
nachhaltig […] und [kann] auch nicht durch eine andere Art des Wachstums (grünes, qualitatives,
intelligentes etc. Wachstum), durch technologischen Fortschritt (Effizienzsteigerung, Digitalisierung
etc.) oder eine andere Ressourcen- und Energiebasis (erneuerbare Energie, Kreislaufwirtschaft)
nachhaltig gemacht werden […]“ (vgl. Schmelzer und Vetter 2021, S. 72)
2) Postwachstums-Utopie. Degrowther leiten aus ihrer Wachstumskritik „konkret-utopische Politiken
oder auch Utopien, die eine gesellschaftliche Transformation und einen Umbau der
frühindustrialisierten Wachstumsgesellschaften anstreben(vgl. Schmelzer und Vetter 2021, S. 146)
ab. Konkret soll Wirtschaftswachstum (formalisiert als Bruttoinlandsprodukt, BIP) gestoppt und in der
Regel zumindest zeitweise ins Negative umgekehrt werden. Insbesondere die Wirtschaften der
Industrieländer Europas, Nordamerikas, Asiens und Ozeaniens sollen „abgewickelt“ und ihre
Bevölkerung „depriviligiert“ werden d.h. es soll Vermögen von den Industrienationen in
Entwicklungsländer umverteilt werden, bis es gleichverteilt ist (vgl. Schmelzer und Vetter 2021, S. 160).
1
Im deutschsprachigen Raum wird Degrowth oft etwas unpräzise mit Postwachstum übersetzt. Der Einfachheit
und Klarheit halber wird in dieser Arbeit der englische Ausdruck Degrowth verwendet.
2
Degrowth-Anhänger glauben, dass wenn sich die Menschheit vom Wachstum und dem damit in ihren
Augen eng verknüpften kapitalistischen Produktionsweisen lossagt, eine Welt möglich ist, die sozial
gerechter und ökologisch nachhaltiger ist. Am Ende soll eine Utopie stehen, in der die Klimakrise
abgewendet wurde und nicht nur das. Die Menschheit soll langfristig nachhaltig und sozial gerecht
existieren können; statt Wachstum und Profite, sollen am Ende globale ökologische Gerechtigkeit,
globale soziale Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und ein gutes Leben existieren. (ebd. S. 148, S.159)
Degrowth verfolgt also explizit eine Utopie. Wann immer jemand eine Utopie propagiert, tut man gut
daran sich Poppers Warnung in Erinnerung zu rufen, dass solch ein utopisches Streben „Even with
our best intentions of making heaven on earth it only succeeds in making it a hell […]“ (Popper 1963,
S.157) Die Erfahrung des vergangenen Jahrhunderts, in welchem Utopie-Versprechen die Menschheit
in Schützengräben, Konzentrationslager, Gulags und den Einsatz nuklearer Waffen führten, ist eine
zusätzliche Mahnung Utopien eher skeptisch zu betrachten. Jedoch haben Anhänger von Utopien mit
Hedgefund-Managern gemeinsamen, dass sie sich gerne mit Klauseln wie vergangene Performance
ist kein Indikator für zukünftige Performance aus den Lehren der Vergangenheit rausreden. Aber auch
Popper hätte wohl zugestimmt, dass es eine Form von Historizismus oder zumindest wackeliger
Metainduktion wäre, einfach pauschal aus der Vergangenheit aller Utopien auf Degrowth zu schließen.
1.3 Das Ziel dieser Arbeit
Wenn man das Denken und die Prämissen, auf denen Degrowth basiert, einer genaueren
Untersuchung zuführt, dann kann man erkennen, dass Degrowth auch jenseits von Allgemeinsätzen
keine gute Idee ist. Genau das soll diese Arbeit auf drei Ebenen leisten.
In Abschnitt 2 soll zuerst aufgezeigt werden, welchen fundamentalen empirischen und theoretischen
Fehlern Degrowth unterliegt. In Abschnitt 3 soll dann aufgezeigt werden, warum, selbst wenn
Degrowth zur Bekämpfung der Klimakrise eine notwendige Strategie wäre, sie praktisch nicht
umsetzbar ist. Und zu guter Letzt soll in Abschnitt 4 aufzeigt werden, warum eine Welt wie sie die
Degrowth-Vision vorschlägt weder ethisch vertretbar noch sonst normativ wünschenswert sein kann.
Ja, dass die Utopie, die Degrowth anbietet, einmal gründlich zu Ende gedacht, in den Augen der
meisten Menschen wohl kaum als solch eine durchgehen würde.
3
2. Die fundamentalen Fehlannahmen von Degrowth
2.1 Die Entkopplung geschieht bereits
Die ökologische Wachstumskritik in der Degrowth-Bewegung behauptet, dass Wirtschaftswachstum
unvermeidbar mit einem höheren Durchsatz an Ressourcen und damit auch zwangsläufig höheren
Emissionen von Treibhausgasen verbunden ist. Eine Entkoppelung von Wachstum und
Ressourcenverbrauch und damit ein nachhaltiges Wachstum seien nicht möglich. (vgl. Schmelzer und
Vetter 2021, S. 72) In der empirischen Wirklichkeit sehen wir jedoch in den Industrienationen
zunehmend genau solch eine Entkopplung. Since 2005, 32 countries with a population of at least one
million people have absolutely decoupled emissions from economic growth, both for terrestrial
emissions (those within national borders) and consumption emissions (emissions embodied in the
goods consumed in a country)
2
.“ (Hausfather 2021) Wie ist das möglich?
2.1.1 Die Variablen der Produktionsfunktion
Zuerst hängt Wirtschaftswachstum entgegen der Annahmen von Degrowth nicht primär vom
Ressourcenverbrauch ab. Dieser ist nur einer von fünf relevanten Faktoren.
Wirtschaftswachstum bedeutet ein Steigen der Produktivkraft. Die Produktivkraft einer Wirtschaft
lässt sich stark abstrahiert durch die Produktionsfunktion beschreiben (vgl. Bofinger 2020, S. 708):
Y = A x F(L,K,H,N)
Wobei:
Y= Wirtschaftlicher Output / Produktivkraft (meist gemessen als BIP)
A = verfügbare Produktionstechnologie
F = Funktion zur Verrechnung der Inputs / Produktionsfaktoren
L = Produktionsfaktor Arbeit
K = Produktionsfaktor Realkapital
H = Produktionsfaktor Humankapital
N = Produktionsfaktor natürliche Ressourcen
In entwickelten Wirtschaften können wir beobachten, dass während die verfügbare
Produktionstechnologie A durch stetige Innovationen immer besser wird, sich immer mehr Realkapital
K ansammelt und das Humankapital H immer mehr steigt, die Faktoren Arbeit und natürliche
Ressourcen sinken. D.h. konkret, Menschen arbeiten immer weniger Stunden und verbrauchen
weniger Ressourcen, um die gleiche oder eine höhere Produktivität zu erreichen. Ein steigender
Output (berechnet als BIP) mit gleichzeitig sinkenden Ressourcenverbrauch ist möglich und das, was
wir empirisch in immer mehr entwickelten, kapitalistischen Ländern messen. (vgl. McAfee 2020, S. 77)
2
Dies beinhaltet auch „exportierte Emissionen“, also die, die in anderen Ländern entstehen für importierte
Güter.
4
2.1.2 Substitution von Ressourcen
Zweitens sind Ressourcen nicht gleich Ressourcen. Ein Barrel Öl, welches verbrannt wird, verwandelt
sich zwar in Wärme und schädliche Emissionen. Ein Liter Wasser, der getrunken oder in der Produktion
verbraucht wird, geht zurück in den Wasserkreislauf. Wasser verschwindet nicht einfach von unserem
Planeten. Genauso können Metalle durch Recycling mehrmals verwendet werden. Es gibt des
Weiteren erneuerbare Ressourcen, wie zum Beispiel Windenergie oder Sonnenlicht, die in solch einem
Überfluss auf unseren Planeten vorhanden sind, dass sie realistisch nicht ausgehen können. D.h. selbst,
wenn N als Faktor in unserer Produktionsfunktion konstant bleibt, können wir die natürlichen
Ressourcen in N substituieren durch welche, die sich erneuern oder zumindest viel emissionsarmer
sind. Wir können Kohlekraftwerke durch Solarzellen, Windräder und Atomkraft ersetzen. Die
Investitionen in diesen Bereich führen dabei zu einer Steigerung des Realkapitals K. Die Emissionen
sinken, K steigt, N bleibt gleich, die gesamte Produktionskraft steigt, die Wirtschaft wächst.
Genau das geschah und geschieht unter anderem durch Investitionen in erneuerbare Energien. In den
vergangenen drei Jahrzehnten strömten jedes Jahr Milliarden Dollar in Clean Tech. Erneuerbare
Energien wuchsen, Investoren profitierten von diesem Wachstum und investierten daraufhin noch
mehr. Zur Veranschaulichung: in den letzten zehn Jahren erwirtschaftete der von BlackRock betriebene
iShares Global Clean Energy ETF (WKN: A0MW0M) eine Gesamtrendite von fast 320%. (vgl. BlackRock
2022) In der Folge sanken die Kosten für saubere Energie durch Investitionen, Wettbewerbsdruck,
technologische Entwicklung und Skaleneffekte um den Faktor 10. Entgegen früherer Prognosen,
erreichte dagegen z.B. der Verbrauch von Kohle zur Stromerzeugung bereits 2013 seinen Höhepunkt
und befindet sich seitdem im Niedergang. (vgl. Hausfather 2021)
2.1.3 Dematerialisierung der Wirtschaft
Der dritte Faktor, der zu einer Entkoppelung von Emissionen und Wirtschaftswachstum beiträgt, ist die
zunehmende Dematerialisierung. Diese beruht auf zwei Megatrends:
Der erste ist die Digitalisierung. Software frisst die Welt und in Kombination mit einer zunehmend
grünen Stromversorgung, damit auch den Verbrauch vieler Ressourcen. Es verbraucht schlicht weniger
Ressourcen ein Zoom-Meeting abzuhalten, als eine Gruppe Menschen mit Flugzeugen zu einer
Konferenz zu transportieren. Es verbraucht weniger Ressourcen einen Film zu stream, als ihn auf eine
DVD zu brennen und abzuspielen. (vgl. Shehabi et al., 2014) Die weitere Digitalisierung des Lebens, die
aktuell unter dem Begriff Metaverse diskutiert wird, ermöglicht theoretisch ein schier endloses
Wachstum im virtuellen Raum. (vgl. Smith 2021)
Der zweite Trend der Dematerialisierung ist der, dass technologische Innovation es ermöglicht
Ressourcen effizienter zu nutzen aus weniger Ressourcen mehr Sachen zu erzeugen.
Effizienzsteigerungen durch Daten-getriebene Optimierung, Gewächshäuser oder Gentechnik
ermöglichen es z.B. in der Landwirtschaft weniger Dünger einzusetzen. Die Entwicklung stabilerer
Materialien ermöglicht es, leichtere Häuser zu bauen, die weniger Material brauchen als frühere
Bauweisen und zugleich durch bessere Dämmung energieeffizienter sind. Bessere Halbleiter
ermöglichen Maschinen, die weniger Strom verbrauchen. Der Verbrauch von Ressourcen wie Papier,
Zement, Wasser, Aluminium und Stahl entkoppelte sich in Folge in vielen entwickelten
Volkswirtschaften wie den USA bereits in den 1970ern vom Wirtschaftswachstum. In dem Jahrzehnt
nach der Jahrtausendwende erreichte er dann auch in absoluten Zahlen seinen Höhepunkt und sinkt
seitdem. (vgl. McAfee 2020, S.77 - 81)
5
2.2 Der Malthusianische Pessimismus
Der grundlegende Fehler, dem die ökologische Wachstumskritik unterliegt, ist etwas, was man als
(neo-)malthusianisches Denken beschreiben kann, dem unser Gehirn evolutionsbedingt leicht
unterliegt. Die Denkweise verdankt ihren Namen dem Ökonom Malthus. Dieser postulierte 1798 in
seinem Essay on the Principle of Population, dass die Zahl der möglichen Menschen auf dem Planeten
durch die Verfügbarkeit von Ackerfläche stark limitiert ist. Da die Zahl der Menschen exponentiell
wachse, die Möglichkeit Nahrung zu erzeugen aber nur linear, oszilliere die Weltbevölkerung daher
zwischen Phasen von rapidem Wachstum und massiven Hungersnöten. (vgl. McAfee 2020, S.7) In
seinem Geiste argumentierte populär der Biologe Paul Ehrlich in den 1968 in dem Buch The Population
Bomb, dass die Menschheit in den 1970er Jahren katastrophale Hungersnöte und einen
apokalyptischen Zusammenbruch der Zivilisation erleben würde, sollte sie weiter wachsen. Er forderte
daher Degrowth für die Weltbevölkerung: Zero Population Growth ein Stoppen des Wachstums der
Weltbevölkerung mit radikalen Methoden wie dem Beifügen von sterilisierenden Chemikalien in die
Trinkwasserversorgung. (vgl. McAfee 2020, S.55) Damals lebten circa 3,5 Milliarden Menschen auf
unserem Planeten. Heute sind wir fast 8 Milliarden Menschen. (vgl. Statista 2021)
Die Katastrophen, die Malthus und Ehrlich bei einem weiteren Wachstum der Weltbevölkerung
prognostizierten, traten nicht ein. Stattdessen entkoppelten sich die Menge der benötigten
Agrarfläche und Arbeitskraft von dem Output der Landwirtschaft massiv. Heute arbeitet nur noch 28%
der Weltbevölkerung in der Landwirtschaft (vgl. Worldbank 2022). Global betrachtete, gibt es doppelt
so viele Menschen mit Übergewicht als mit Unternäherung. Mehr Menschen leiden unter
Gesundheitsproblemen durch einen Überschuss an Kalorien als durch ein Defizit. (vgl. WHO 2022)
Was ist passiert? Das malthusianische Denken versucht aus der Vergangenheit linear auf die Zukunft
zu schließen und übersieht die exponentielle Entwicklung der Faktoren Technologie und
Humankapital. In der Vergangenheit lebte die Menschheit tatsächlich lange Perioden in einer
malthusianischen Welt, in der wir Ressourcen nur ineffizient nutzen konnten und ihr Vorhandensein
fast linear mit unserem Wohlergehen korrelierte. Über Jahrtausende entwickelten sich Technologien
langsam, so dass die Effizienz der Landwirtschaft beinahe stagnierte. Wann immer die Bevölkerung zu
schnell wuchs, folgten Hungersnöte. Für die Jahrhunderte zwischen 1200 und 1800 sind solche
Oszillationen mittlerweile gut belegt. (vgl. McAfee 2020, S.11) Doch das begann sich mit der radikalen
technologischen und sozialen Entwicklung seit circa 1800 zu ändern. Zuerst ermöglichten im 19.
Jahrhundert Dampfmaschinen die günstige Produktion von Mineraldüngern, zum Beginn des 20.
Jahrhunderts ermöglichte die Synthese künstlicher Dünger eine weitere Explosion in der Produktivität
der Landwirtschaft. In der Mitte des 20. Jahrhundert kam dann die Grüne Revolution mit weiteren
Innovationen wie Gentechnik hinzu. (vgl. McAfee 2020, S. 15)
Was das malthusianische Denken mit seiner misantrophen und pessimistischen Perspektive neben der
exponentiellen Entwicklung von Technologie übersieht: Jeder weitere Mensch ist nicht ein Problem,
sondern ein weiteres Gehirn, welches über Lösungen von Problemen nachdenken kann. Ein weiteres
Gehirn, das an Technologien arbeiten kann, die uns ermöglichen unsere Produktion immer weiter von
einer stupiden, linearen Ressourcenausbeutung und deren Limits zu entkoppeln. Genauso ist
Wirtschaftswachstum an sich kein Problem, im Gegenteil, es bedeutet die Entfesslung von zusätzlichen
Produktivkräften, die uns ermöglichen (mit der richtigen Regulierung) immer nachhaltiger und besser
auf unserem Planeten zu leben. Genauso wie sich die benötigte Ackerfläche seit nun zweihundert
Jahren von den erzeugten Kalorien entkoppelt, entkoppelt sich seit den 1970er Jahren immer mehr
auch die allgemeine Ressourcennutzung von der Produktivität der entwickelten Wirtschaften. (vgl.
McAffee 2020, S.78)
6
2.3 Wachstum ist nicht das Problem, zu wenig Wachstum ist es
Das Problem, welches wir in Industrienationen heutzutage haben, ist nicht ein zu viel an Wachstum.
Es ist ein zu wenig an Wachstum. Durch zu niedrige Geburtenraten steht die Bevölkerungspyramide in
vielen Ländern mittlerweile Kopf Fachkräftemangel und überlastete Rentensysteme sind die Folge.
Gleichzeitig bindet diese Überalterung Ressourcen, die wir nicht für Investitionen in die Zukunft
verwenden können. Das ist aber genau das, was wir tun sollten: Mehr in Technologie, Bildung und
Realkapital in Form von effizienteren, emissionsärmeren Produktionsmitteln investieren, mehr in die
Substitution von emissionsstarken durch emissionsarme Energiequellen investieren. Solche
Investitionen ermöglichen in Kombination mit politischen Regularien wie Co2-Besteuerung und
Verboten umweltschädlicher Praktiken nicht nur ein grünes Wirtschaftswachstum, welches uns die
Produktivkraft und technologischen Mittel gibt, das Klimakriseproblem zu lösen. Sie ermöglichen
langfristig auch die Lebensstandards zu steigern, bessere Leben für alle zu ermöglichen. Solch ein
ethisches investieren in die Zukunft, welches es uns ermöglicht aus unseren alten fossilen Industrien
heraus und in eine nachhaltigere Welt hineinzuwachsen, etabliert sich seit einigen Jahren auch immer
mehr in der Finanzindustrie. (vgl. Fücks 2017, S. 194) Insbesondere in Entwicklungsländern die 63%
aller Emissionen weltweit verursachen (vgl. Center for Global Development 2022) sind massive
Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen notwendig, sowohl um in diesen Ländern die gleiche
Entkopplung vom Ressourcenverbrauch wie in den Industrienationen zu ermöglichen, als auch um die
dortigen Lebensstandards zu erhöhen. Wenn wir jetzt unser Wachstum stoppen, würde gerade dieses
Herauswachsen aus klimaschädlichen Strukturen und Armut unterbunden werden weder dem Klima
noch den Menschen wäre geholfen.
2.4 Die tatsächlichen Grenzen des Wachstums
Die Aussage, dass in einer Welt mit begrenzten Ressourcen kein unendliches Wachstum möglich ist,
ist eine der grundlegenden Prämissen von ökologischen Wachstumskritiken. Sie ist richtig. Allerdings
ist die Menschheit von den tatsächlichen Grenzen des Wachstums noch sehr weit entfernt. Zum einem,
weil insbesondere angesichts von Entwicklungen in Bereichen wie Automatisierung und KI - noch
immer massives Potential bei der Verbesserung von Technologie und Humankapital besteht. Zum
anderen, weil wir erst zu einem verschwindend geringen Teil der Ressourcen unserer Welt überhaupt
Zugang haben. Denn die Welt, in der wir leben, ist nicht nur unser Planet. Was wir oft vergessen ist,
dass unser Planet nur ein Planet unter circa 1025 ist, die in unserem Universum einen Stern umkreisen.
(vgl. Siegel 2022) Wir leben in einem für menschliche Verhältnisse schier endlosen Universum. Selbst
unser Sonnensystem ist gewaltig. Die Menschheit ist gerade dabei die Begrenzungen unseres Planeten
zu überwinden. Sollte es uns in der nahen Zukunft tatsächlich gelingen den Rest unseres
Sonnensystems ökonomisch nutzbar zu machen was angesichts der Innovationen in der
Raumfahrttechnik der letzten Jahre nicht abwegig ist stehen uns noch Jahrhunderte von massivem
Wirtschaftswachstum bevor. Auch weil sich solch eine Kolonialisierung des Weltraums ökonomisch
lohnen wird. (vgl. Weinzierl, Sarang 2021) Falls dann irgendwann in ferner Zukunft die technologische
Entwicklung stagniert, das ganze Sonnensystem kolonialisiert und die Erde in ein Naturschutzgebiet
umgewandelt wurde und unsere Nachfahren keine Möglichkeit finden sollten zu anderen
Sonnensystemen zu expandieren, können diese über die Grenzen des Wachstums debattieren. Falls
sie aber eine Möglichkeit finden sollten eine interstellare Zivilisation zu werden, die über Galaxien
hinweg expandieren kann, dann verschiebt sich die Notwendigkeit einer ernsthaften Debatte über die
Grenzen des Wachstums angesichts von circa zwei Billionen Galaxien in unserem Universum um
vermutlich ein paar Milliarden Jahre.
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3. Die pragmatischen Defizite von Degrowth
Selbst wenn die Prämissen von Degrowth korrekt wären, dann wäre es noch immer eine schlechte
Strategie zur Lösung des Klimawandelproblems. Das liegt daran, dass es politisch nicht umsetzbar ist.
3.1 Depriviligierung der Industrienationen
Würde das Wirtschaftswachstum heute gestoppt werden, wäre für Milliarden an Menschen in
Entwicklungs- und Schwellenländern der Weg zu einem besseren Leben versperrt. Sozialer Aufstieg
und Verbesserungen von Lebensstandards hängen stark von wirtschaftlichem Wachstum ab und
wären damit ausgesetzt. Wenn Menschen nicht durch eine Vergrößerung des Kuchens für alle zu
einem größeren Kuchenstück für sich selbst gelangen, bleibt nichts übrig als der Streit um die
Verteilung der vorhandenen Kuchenstücke oder wie Degrowther es formulieren: „Wenn die
gesamtgesellschaftliche Wertproduktion zurückgeht, gewinnen Verteilungsfragen an Brisanz.“
(Schmelzer und Vetter 2021, S. 30) Die Menschen in Entwicklungsländern zu einer ausweglosen Armut
zu verdonnern, ist moralisch kaum zu rechtfertigen. Deswegen argumentieren Degrowther oft für eine
Art des Sozialismus, bei dem die Menschen aus den Industrienationen „depriviligiert“, also enteignet,
werden, um ärmeren Ländern eine Angleichung zu ermöglich. (vgl. Schmelzer und Vetter 2021, S. 160).
Was würde das in der Praxis bedeuten, wenn man so eine globale Gleichmachung tatsächlich umsetzen
könnte und würde? Es würde bedeuten, dass jeder Mensch auf dieser Welt nur noch ein
kaufkraftbereinigtes Einkommen von 16$/Tag bzw. 5.840$/Jahr haben rfte. Es würde bedeuten,
dass 9 von 10 Menschen in den Industrienationen einen massiven Einbruch ihres Einkommens
hinnehmen müssten. (vgl. Milanovic 2021) Es würden bedeuten, dass das Einkommen in Deutschland
für alle unter die Höhe des ALG2/Hartz4 sinken würde. Und das ist jetzt das Szenario, in welchem wir
die Weltwirtschaft im aktuellen Zustand quasi „einfrieren“, ein Schrumpfen wäre ein noch tieferer Fall.
Kein Politiker könnte solch einen Absturz in Lebensstandards in einer Industrienation politisch
durchsetzen. Hinzu kommt, dass sozialistische Planwirtschaften allgemein weniger nachhaltig sind als
kapitalistische Wirtschaften, also auch klimapolitisch fragwürdig. (vgl. Niemietz 2020)
3.2 Internationale Kooperation
Die Klimakrise ist ein globales Problem, welches daher insbesondere durch globale Kooperation
angegangen werden muss. Aber: „Cooperative policies won’t happen, however, unless they have
domestic political support. Thus, countries will lose out unless governments can show voters the
concrete benefits from international cooperation.“ (Gaspar et al. 2018) Dies ist keine leichte Aufgabe,
da Kooperation vor allem geschieht, wenn alle Seiten von ihr einen Vorteil haben. Aber es gibt sogar
Länder wie Russland, die erwarten von einem massiven Klimawandel profitieren zu können. (vgl.
Lustgarten 2020) Degrowth bietet insbesondere der Bevölkerung in Industrienationen keinen Anreiz
bei der Bekämpfung des Klimawandels mitzuwirken, da sie im Vergleich zu einer Degrowth-Welt einen
deutlich geringeren Verlust an Lebensqualität hinnehmen würden, wenn sie sich einfach an den
Klimawandel anpassen, was ihnen durch ihre geographische Lage und technologischen Möglichkeiten
einfacher fällt als den meisten Entwicklungsländern. (vgl. Plumer und Zhong 2022) Degrowth ist nicht
einmal ein Gefangenendilemma, da Industrienationen bei einer Kooperation hierbei mehr verlieren
würden, als in jeder Konstellation, in der sie sich Degrowth verweigern. Genauso ist fraglich, ob die
meisten Entwicklungsländer bei der Umsetzung von Degrowth kooperieren würden, da sie schließlich
selbst auf Wachstum angewiesen sind, um Armut und damit einhergehende Probleme wie Epidemien
und politische Instabilitäten mittelfristig zu beheben. Der Versuch Degrowth zu forcieren, würde Zeit
und Energie verschwenden und die Kooperation unterbinden, die wir dringend benötigen, um mittels
grünen Wachstums das dringende Problem der Klimakrise zu lösen.
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4. Die normativen Defizite einer Degrowth Welt
Angenommen Degrowth-Visionen wären doch politisch durchsetzbar dann stellt sich zu guter Letzt
die Frage, ob eine Degrowth-Welt tatsächlich eine normativ und ethisch wünschenswerte Utopie wäre.
Oder ob sie nicht eher - wie viele Utopien der Vergangenheit - eine Dystopie wäre.
4.1 Ein Weg zur Knechtschaft
Wachstum in einer Wirtschaft zu verhindern, ist nicht im Rahmen eines freien Wirtschaftens möglich.
Wenn Menschen freiwilig miteinander handeln und arbeitsteilig produzieren, um mehr Wert zu
generieren, ihre Lebensstandards zu erhöhen oder sich selbst weiterbilden, ist Wachstum früher oder
später das Ergebnis, da ein Mehrwert geschaffen wird. Wann immer ein Schriftsteller ein neues Buch
schreibt, das sich besser verkauft; wann immer jemand entscheidet länger zu arbeiten als er müsste,
um sich mehr leisten zu können als er sonst könnte; wann immer ein Pharmazeut ein Medikament
entwickelt, welches die Lebenserwartung verlängert; wann immer Menschen ihrer Neigung nachgehen
zu expandieren und nie dagewesenes kreieren, wird zu einem Wachstum der wirtschaftlichen Aktivität
beigetragen. Für Degrowth müsste man den Menschen verbieten, mehr und besseres zu wollen, als
sie bereits haben und ihre Bedürfnisse unterdrücken. Zum Teil müsste man ihnen etwas wegnehmen
was sie bereits haben. Deswegen argumentieren Degrowth-Vertreter für planwirtschaftliche
Maßnahmen wie Kollektivierung, Umverteilung und Obergrenzen für Konsum und Einkommen. (vgl.
Schmelzer und Vetter 2021, S. 160). Degrowth-Anhänger argumentieren dabei ähnlich wie
Kommunisten dass solch eine post-kapitalistische Wirtschaft demokratischer und freier wäre als das
bisherige liberale System. Doch unser Leben ist nicht hermetisch vom wirtschaften abgekoppelt
wenn jemand uns vorgibt, was und wie viel wir arbeiten und konsumieren dürfen, ob wir wachsen
dürfen oder nicht, dann kontrolliert er fast unser gesamtes Leben. Deswegen geht auch solch ein
Versuch die Wirtschaft zu komplett kontrollieren wie es im faschistischen Dirigismus und real
existierenden Sozialismus geschah in der Realität jenseits der schönen Worte mit Totalitarismus und
der Unterdrückung von Freiheit und Menschenrechten einher, was normativ abzulehnen ist. (vgl.
Hayek 2014, S.119)
Des Weiteren würde die Durchsetzung von Degrowth verlangen, dass der Großteil der Menschheit
und insbesondere die Bevölkerungen in den Industrienationen - gegen seine eigenen Interessen
handelt. Viele Länder und Regionen würden nicht freiwilig mitmachen, da ein Nicht-Kooperieren mehr
ihren Interessen entspreche. Eine Durchsetzung von Degrowth würde daher Zwang und Gewalt
erfordern, die wiederrum nicht mit Rechten auf Selbstbestimmung und Freiheit kompatibel sind.
4.2 Eine Zero-Sum Welt
In einer Welt ohne Wachstum kann nur das Bestehende laufend regeneriert und verteilt werden. Win-
Win-Situationen, bei denen der Kuchen für alle wächst, sind nicht mehr möglich. Wenn es kein
Wachstum gibt und die Wirtschaft stagniert, können Menschen ihr eigene-ökonomische Situation nur
auf Kosten anderer verbessern. Solch ein Zero-Sum Welt, die stagniert und in der eine Verbesserung
der eigenen Position nur durch Herabsenkung anderer möglich ist, erscheint intuitiv nicht wie eine
faire oder wünschenswerte Welt.
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4.3 Eine Garantie für den Hitzetod
Selbst wenn Degrowth die Klimakrise abwenden würde es würde langfristig mehr schaden als nützen,
denn es würde die Menschheit und sämtliches terrestrisches Leben gleich mit, zu einem garantierten
Hitzetod verurteilen. Nicht sofort. Aber langfristig garantiert. Der Planet auf dem wir leben ist nur für
ein begrenztes Zeitfenster für Leben habitabel. In rund 1.75 bis 3.25 Milliarden Jahren wird kein Leben
mehr auf der Erde möglich sein, da die Sonne zu heiß wird und komplexere Lebensformen wie
Menschen werden schon lange davor nicht mehr überleben können. (vgl. Rushby et al. 2013, S.1)
Aber man muss gar nicht so weit in die Zukunft blicken. Kosmische Ereignisse wie ein naher
Gammablitz, ein großer Asteroid oder Supernovae könnten von einen Tag auf den nächsten unseren
Planeten komplett sterilisieren. Solche kosmischen Ereignisse sind selten, aber in abgeschwächter
Form trafen sie bereits in der Vergangenheit die Erde vor 60 Millionen Jahren löschte ein Asteroid
die Dinosaurier aus. Vor rund 440 Millionen Jahren zerstörte vermutlich ein Gammablitz temporär die
Ozonschicht der Erde. Die daraufhin die Oberfläche des Planeten überziehende extrem starke UV-
Strahlung führte zu einem raschen Massensterben von rund 85% aller damals existierenden Arten und
dem Ende des Ordoviziums. (vgl. Melott et al. 2004, S.19)
Die einzige Möglichkeit, wie die Menschheit sich selbst und damit das Leben, das auf der Erde entstand,
langfristig erhalten und vor solchen kosmischen Ereignissen absichern kann, ist durch Expansion
außerhalb unseres Geburtsplaneten. Gleichzeitig ist weiteres Wachstum und Expansion eine Chance,
mehr lebenswerte Leben zu ermöglichen, was es aus einer utilitaristischen Perspektive präferierbar
macht. Jede Sekunde, die die Menschheit länger braucht, um unser lokales Supercluster zu
kolonialisieren bedeutet Opportunitätskosten von circa 1013 bis 1029 Menschenleben. (vgl. Bostrom
2003, S.4)
Die Archen, die das Leben von diesem Planeten vor früher oder später unvermeidbaren kosmischen
Katastrophen zu neuen, extraterrestrischen Habitaten retten können, werden nicht von Eisbären
gebaut werden. Und auch nicht von Menschen, deren Lebensinhalt die von Degrowthern als Suffizienz
bezeichnete Selbstgenügsamkeit und Stagnation sind. Sie werden, wenn überhaupt, eines Tages durch
noch zu entwickelnde Technologien und durch noch zu bauende Industrien ermöglicht und bis wir
beides haben, wird es noch eine Menge Wachstum brauchen. Die Klimakrise ist ein existenzielles Risiko
für die Menschheit aber wenn wir unsere Wirtschaften lahmlegen, um sie zu lösen, nehmen wir uns
die Möglichkeiten die Werkzeuge und Kapazitäten zu entwickeln, die wir brauchen werden, um
zukünftige, noch größere Krisen zu lösen. Die Menschheit diesen schutzlos auszuliefern und damit die
zukünftige Vernichtung unzähliger Leben in Kauf zu nehmen, wäre genauso unmoralisch wie jetzt
nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen.
10
5. Schlussbemerkungen
Die Klimakrise ist ein gewaltiges Problem, aber sie ist nicht das einzige Problem, das die Menschheit
lösen muss. Es gibt Pandemien, es gibt Armut, es gibt Krankheiten, es gibt Hunger und vielleicht eines
Tages Asteroiden oder Gammablitze, die unseren geliebten Planeten zerstören werden. Wie die
Rechnung aus 4.1 gezeigt hat, gibt es zurzeit auf dieser Welt noch nicht einmal genug an Reichtum, um
bei einer Umverteilung hin zur Gleichverteilung allen Menschen Wohlstand zu ermöglichen. Die
Wirtschaften der Menschheit müssen noch viel wachsen, bevor wir wirklich jedem Menschen ein gutes
Leben ermöglichen können und dies zu ermöglichen sollten wir anstreben.
Degrowth ist hierbei nicht hilfreich. Die Diskussionen darum binden nur intellektuelle Ressourcen, die
besser beim Nachdenken über und dem Umsetzen von tatsächlich praktikablen Lösungen aufgehoben
wären. Degrowth ist auch weder notwendig, um das Problem der Klimakrise zu lösen, noch besonders
effektiv darin im Vergleich zu Alternativen wie Regulierungen und Investitionen in ein grünes
Wachstum. Der einzige Weg, bei dem die Menschheit nicht nur die Klimakrise, sondern auch ihre
anderen und zukünftige Probleme lösen wird, führt über mehr Wachstum.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir jedes Wachstum unkritisch applaudieren sollten, denn
Wachstum ist nicht gleich Wachstum wie 3.1.1 zeigte. Wir müssen unseren Verbrauch an
emissionsstarken natürlichen Ressourcen rasch reduzieren. Das bedeutet neben mehr Investitionen in
Technologie und Entwicklung, auch das Abwickeln überkommener Strukturen. Dabei müssen wir auch
mit vielleicht nicht unbedingt immer angenehmen politischen und individuellen Entscheidungen und
Selbsteinschränkungen eingreifen. Aber wir können und sollten das so tun, dass wir dabei
wirtschaftlich weiter wachsen. Wachstum bedeutet letztendlich mehr Produktionskraft, mehr
Möglichkeiten Probleme zu lösen, nachhaltigere Wirtschaftspraktiken zu entwickeln, die Natur besser
zu schützen und das Leben von Menschen zu verbessern. Eine bessere Welt ist möglich, aber wir
werden sie nicht erreichen, wenn wir Wachstum, den Motor des Fortschritts, stoppen oder gegen die
Wand fahren.
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Article
Full-text available
Gamma-ray bursts (hereafter GRB) produce a flux of radiation detectable across the observable Universe, and at least some of them are associated with galaxies. A GRB within our own galaxy could do considerable damage to the Earth's biosphere; rate estimates suggest that a dangerously near GRB should occur on average two or more times per billion years. At least five times in the history of life, the Earth experienced mass extinctions that eliminated a large percentage of the biota. Many possible causes have been documented, and GRB may also have contributed. The late Ordovician mass extinction approximately 440 million years ago may be at least partly the result of a GRB. A special feature of GRB in terms of terrestrial effects is a nearly impulsive energy input of order 10 s. Due to expected severe depletion of the ozone layer, intense solar ultraviolet radiation would result from a nearby GRB, and some of the patterns of extinction and survivorship at this time may be attributable to elevated levels of UV radiation reaching the Earth. In addition a GRB could trigger the global cooling which occurs at the end of the Ordovician period that follows an interval of relatively warm climate. Intense rapid cooling and glaciation at that time, previously identified as the probable cause of this mass extinction, may have resulted from a GRB. Comment: Accepted for publication in the International Journal of Astrobiology. 24 pages, moderate revisions, including more quantitative detail on GRB rates, atmospheric effects, and more description of correlations of extinction rates with habitat and lifestyle of fossil fauna
Article
With very advanced technology, a very large population of people living happy lives could be sustained in the accessible region of the universe. For every year that development of such technologies and colonization of the universe is delayed, there is therefore a corresponding opportunity cost: a potential good, lives worth living, is not being realized. Given some plausible assumptions, this cost is extremely large. However, the lesson for standard utilitarians is not that we ought to maximize the pace of technological development, but rather that we ought to maximize its safety, i.e. the probability that colonization will eventually occur. This goal has such high utility that standard utilitarians ought to focus all their efforts on it. Utilitarians of a stripe should accept a modified version of this conclusion. Some mixed ethical views, which combine utilitarian considerations with other criteria, will also be committed to a similar bottom line.
Wie wir den Kampf um die offene Gesellschaft gewinnen
  • Ralf Fücks
Fücks, Ralf (2017): Freiheit verteidigen. Wie wir den Kampf um die offene Gesellschaft gewinnen. München: Carl Hanser Verlag. Online verfügbar unter https://www.ndr.de/kultur/buch/sachbuecher/Politisches-Buch-Freiheitverteidigen,freiheitverteidigen100.html.
Absolute Decoupling of Economic Growth and Emissions in 32 Countries
  • Zeke Hausfather
Hausfather, Zeke (2021): Absolute Decoupling of Economic Growth and Emissions in 32 Countries, 06.04.2021, zuletzt geprüft am 30.07.2022.
  • Friedrich A Hayek
  • Von
Hayek, Friedrich A. von (2014): Der Weg zur Knechtschaft. 1. Neuaufl. Reinbek, München: Lau (Olzog-Edition).
How Russia Wins the Climate Crisis
  • Abrahm Lustgarten
Lustgarten, Abrahm (2020): How Russia Wins the Climate Crisis. In: The New York Times, 16.12.2020. Online verfügbar unter https://www.nytimes.com/interactive/2020/12/16/magazine/russia-climatemigration-crisis.html, zuletzt geprüft am 06.08.2022.
Degrowth: solving the impasse by magical thinking
  • Branko Milanovic
Milanovic, Branko (2021): Degrowth: solving the impasse by magical thinking. In: Global Inequality and More, 28.04.2021. Online verfügbar unter https://brankomilanovic.substack.com/p/degrowthsolving-the-impasse-by-magical, zuletzt geprüft am 05.08.2022.
Socialism and environmentalism: an extremely odd couple
  • Kristian Niemietz
Niemietz, Kristian (2020): Socialism and environmentalism: an extremely odd couple. In: Institute of Economic Affairs, 10.04.2020. Online verfügbar unter https://iea.org.uk/socialism-andenvironmentalism-and-extremely-odd-couple/, zuletzt geprüft am 09.08.2022.
How Much Longer Can Earth Support Life? In: Live Science, 19.09
  • Wynne Parry
Parry, Wynne (2013): How Much Longer Can Earth Support Life? In: Live Science, 19.09.2013. Online verfügbar unter https://www.livescience.com/39775-how-long-can-earth-support-life.html, zuletzt geprüft am 04.08.2022.
Astrobiology reveals that the Possibi 1.75-3.25 billion years from now
  • R Seenivasagam
Seenivasagam, R.: Astrobiology reveals that the Possibi 1.75-3.25 billion years from now. Online verfügbar unter https://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.398.2538&rep=rep1&type=pdf.