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Wie bairisch ist Jiddisch? Morphosyntaktische Evidenz für ein Jiddisch-Oberdeutsches Dialektkontinuum

Abstract

Die typologischen Ähnlichkeiten zwischen den (insbes. südwestlichen) Dialekten des Ostjiddischen und den bairischen (insbes. nordbairischen) Dialekten werden gerne herangezogen, wenn für einen ostoberdeutschen Ursprung des Jiddischen plädiert wird (jüngst insbes. BEIDER 2015; EGGERS 1998). Dieser Beitrag wird eine Auswahl struktureller Ähnlichkeiten, aber auch Un-terschiede zwischen den bairischen und den jiddischen Dialekten auf der Basis morphosyntaktischer Auswertungen von Materialien des "Language and Culture Archive of Ashkenazic Jewry" (LCAAJ) diskutieren und hinsichtlich interner ty-pologischer und externer kontaktlinguistischer Faktoren beleuchten. Dabei wird dafür plädiert, das Jiddische als nicht losgelöst vom westgermanischen Dialekt-kontinuum zu betrachten, sondern als dessen Fortsatz. 1
WIE BAIRISCH IST JIDDISCH?
MORPHOSYNTAKTISCHE EVIDENZ FR EIN JIDDISCH-
OBERDEUTSCHES DIALEKTKONTINUUM
Lea Schäfer
ABSTRACT
Die typologischen Ähnlichkeiten zwischen den (insbes. südwestlichen) Dialekten
des Ostjiddischen und den bairischen (insbes. nordbairischen) Dialekten werden
gerne herangezogen, wenn für einen ostoberdeutschen Ursprung des Jiddischen
plädiert wird (jüngst insbes. BEIDER 2015; EGGERS 1998).
Dieser Beitrag wird eine Auswahl struktureller Ähnlichkeiten, aber auch Un-
terschiede zwischen den bairischen und den jiddischen Dialekten auf der Basis
morphosyntaktischer Auswertungen von Materialien des „Language and Culture
Archive of Ashkenazic Jewry“ (LCAAJ) diskutieren und hinsichtlich interner ty-
pologischer und externer kontaktlinguistischer Faktoren beleuchten. Dabei wird
dafür plädiert, das Jiddische als nicht losgelöst vom westgermanischen Dialekt-
kontinuum zu betrachten, sondern als dessen Fortsatz.
1
1 JIDDISCH UND BAIRISCH
Die Jiddistik des 20. Jahrhunderts hat viel Energie darauf verwendet, den Ur-
sprungsort des Jiddischen ausfindig zu machen (für einen aktuellen Überblick der
verschiedenen Theorien s. BEIDER 2015). Auf Grund der fast vollständig durch-
geführten zweiten Lautverschiebung (Ausnahme ist germ. *pp im In- und Aus-
laut) in allen jiddischen Varietäten stehen v. a. mittel- und oberdeutsche Dialekte
als mögliche Gebervarietäten zur Verfügung. Es konkurrieren vor allem zwei Hy-
pothesen: die sogenannte Rhein-Hypothese, die eine jüdische Besiedlung des
deutschen Sprachgebiets von Westen her annimmt (vgl. WEINREICH 1973: 332
341), und die Bayern-Hypothese (auch Donau-Hypothese), die das Entstehungs-
gebiet des Jiddischen im Regensburger Raum als „ein recht frhes Zentrum
jdischer Siedlung“ (EGGERS 1998: 6465) verortet. Letztere bezieht auch Rume
1
Der vorliegende Beitrag entstand im Rahmen des Projekts „Syntax ostjiddischer Dialekte /
Syntax of eastern Yiddish dialects“ (SEYD), welches von 2017–2018 durch ein Forschungs-
stipendium der Fritz-Thyssen-Stiftung und von Ende 20182021 als dreijähriges Forschungs-
projekt durch das BMBF finanziert wurde. Für die Unterstützung bei der Erhebung der hier prä-
sentierten Daten des LCAAJ danke ich den Projekthilfskräften Marc Brode, Jana Katczynski
und Florian Leuwer. Für Hinweise und Anregungen danke ich den Gutachter:innen.
preprint of:
Schäfer, Lea (2022): Wie bairisch ist Jiddisch? Morphosyntaktische Evidenz für ein Jiddisch-Oberdeutsches
Dialektkontinuum. In. Vergeiner, Philip C., Stephan Elspaß & Dominik Wallner (Hg.). Struktur von Variation
zwischen Individuum und Gesellschaft. Akten der 14. Bayerisch-Österreichischen Dialektologietagung, Salzburg,
7.–9.11.2019 (ZDL-Beihefte). Stuttgart: Steiner, 361–384.
364 Lea Schäfer
bayrischer, bhmischer und mhrischer Mundarten mit ein (vgl. BEIDER 2015;
EGGERS 1998).
Der wissenschaftliche Zugewinn einer geografischen Lokalisierung eines An-
fangspunktes des Jiddischen sei dahingestellt. Auch wenn es der Titel dieses Bei-
trags vermuten lässt, stehen hier nicht besiedlungsgeschichtliche Aspekte im Zen-
trum, sondern strukturelle Gemeinsamkeiten von jiddischen und bairischen Varie-
täten des 20. Jahrhunderts und wie diese Ähnlichkeiten kontakt- und geolinguis-
tisch zu interpretieren sind.
Zentral ist hier das Konzept eines kontinental-westgermanischen Dialekt-
kontinuums, das von friesischen, niederländischen, niederdeutschen, mittel- und
oberdeutschen Varietäten seinen östlichsten Punkt in den ostjiddischen Dialekten
findet. Zwar wird Jiddisch strukturell in der Regel den westgermanischen Varietä-
ten zugerechnet, doch wurde ein areallinguistischer Zusammenhang bisher nicht
in Erwägung gezogen. Mit dem Verlassen des deutschen Sprachgebiets und der
Entstehung der ostjiddischen Dialekte scheiden diese auch aus dem Raum des
westgermanischen Dialektkontinuums aus; so zumindest der allgemeine Konsens.
Die sprachliche Heteronomie der ostjiddischen Dialekte wird hingegen mit dem
Kontakt zu slavischen Sprachen verbunden, der tiefgreifende strukturelle Ände-
rungen im Jiddischen verursacht habe.
Meiner Meinung nach wird dieser Einfluss der slavischen Sprachen auf das
Ostjiddische den ich prinzipiell nicht leugne überbewertet. Jiddisch hört mit
der Abwanderung in den Osten nicht auf, eine germanische Sprache zu sein und
auch der Kontakt zu germanischen (insbesondere deutschen) Varietäten brach dort
nie gänzlich ab und spielten z. B. als Verwaltungs- und Prestigesprachen weiter-
hin eine wichtige Rolle.
Das entscheidende Kriterium für ein Dialektkontinuum ist die gegenseitige
Verstndlichkeit von Varietten: „dialects on the outer edges of the geographical
area may not be mutually intelligible, but they will be linked by a chain of mutual
intelligibility“ (CHAMBERS / TRUDGILL 1998: 5). Neben dem kontinental-west-ger-
manischen Dialektkontinuum gibt es selbstverständlich auch andere europäische
Dialektkontinua, wie das nordslavische Kontinuum. Obwohl sich die ostjiddi-
schen Dialekte im geographischen Raum dieses nordslavischen Kontinuums be-
finden, sind sie nicht Teil dieses Kontinuums, da das linguistische Kriterium der
gegenseitigen Verständlichkeit nicht gegeben ist. Die gegenseitige Verständlich-
keit von Deutsch- und Jiddischsprechern ist zwar durch Lexeme aus der slavi-
schen und hebräischen Komponente im Jiddischen eingeschränkt, davon abgese-
hen aber grundsätzlich gegeben, wie ich in zwei Experimenten zeigen konnte (vgl.
SCHÄFER / LESER / CYSOUW 2016; SCHÄFER 2016).
Die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums, die an das
ostjiddische Dialektgebiet im Westen angrenzen, sind ostniederdeutsche, ostmittel-
deutsche (insbes. schlesische), nord- und mittelbairische Dialekte (vgl. Karte 1).
Im Folgenden soll anhand exemplarischer morphosyntaktischer Phänomene
gezeigt werden, dass diese arealgebunden sowohl in bairischen als auch angren-
zenden jiddischen Dialekten auftreten. Dies ist in zweierlei Hinsicht zu interpre-
tieren: Entweder sind die Gemeinsamkeiten das Resultat von Sprachkontakt zwi-
Wie bairisch ist Jiddisch? 365
schen Jiddisch und den angrenzenden oberdeutschen Varietäten oder aber die jid-
dischen und bairischen Varietäten sind als westgermanische Varietäten in ähnli-
cher Weise in einem Sprachbund mit angrenzenden bzw. koterritorialen slavi-
schen (und ungarischen) Varietäten geprägt worden. Beide Szenarien sind prinzi-
piell möglich und schließen einander nicht aus.
2 QUELLEN ZU DEN ALTEN JIDDISCHEN DIALEKTEN EUROPAS
Das Westjiddische, das unzweifelhaft Teil des kontinental-westgermanischen Dia-
lektkontinuums war, ist im Laufe des 19. Jahrhunderts und endgültig im 20. Jahr-
hundert zu Gunsten des Deutschen (bzw. Niederländischen und Französischen)
aufgegeben worden. Dialektale Strukturen lassen sich nur noch in letzten Relikten
(insbesondere literarischen Quellen) nachweisen (vgl. SCHÄFER 2017a: 5971;
SCHÄFER 2019a: 1114). Während das Westjiddische eines der ersten Opfer natio-
nalsprachlicher Bewegungen und Pejorationen wurde, erlangten die ostjiddischen
Dialekte gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine gewisse Autonomie. Ein jiddisch-
feindlicher Zionismus und letztendlich die Shoah führten allerdings dazu, dass die
ostjiddischen Dialekte nur im ultraorthodoxen Milieu der Überlebenden fort-
bestehen. Heute werden jiddische Dialekte insbesondere südostjiddische Dialek-
te in den neuen (zumeist außereuropäischen) Zentren der jüdischen Ultraortho-
doxie muttersprachlich erworben (vgl. u. a. ASSOULINE 2014; KROGH 2019); das
alte Dialektgebiet, das wofür dieser Beitrag plädiert unmittelbar an das konti-
nental-westgermanische Dialektkontinuum anschließt, ist mit dem Holocaust un-
tergegangen.
Karte 1: Das deutsche Sprachgebiet nach WIESINGER (1983) und das anschließende jiddische
Sprachgebiet nach KATZ (1983)
366 Lea Schäfer
Bereits in den 1920er-Jahren gab es erste Arbeiten zu den ostjiddischen Dia-
lekten, doch erst die Erhebungen des Language and Culture Archive of Ashken-
azic Jewry (LCAAJ, 19591972) haben den Anspruch, das gesamte Sprachgebiet
flächendeckend zu beschreiben.
2.1 Das Projekt Language and Culture Archive of Ashkenazic Jewry (LCAAJ)
Das Schicksal der europäischen jiddischen Dialekte ist das Schicksal der euro-
päischen jüdischen Bevölkerung. Im Holocaust wurden die Jiddischsprecher:innen
Europas ermordet oder vertrieben und damit die alten Dialektgebiete zerstört. In
den modernen ultraorthodoxen Gemeinden führen der interne Sprachkontakt der
verschiedenen Dialekte und auch die veränderten und unterschiedlichen externen
Sprachkontaktsituationen zur Entstehung neuer jiddischer Dialekte. Viele Dialekte
sind aber auch ausgestorben, da im kularen Judentum die Assimilation in die
neuen Sprachgemeinschaften auch die Weitergabe einer jiddischen Muttersprache
verhinderte. WEINREICH (1962: 27) stellte daher zu Recht fest, „what we do not
collect in the coming decade or so will be lost forever“. In seinem Projekt, dem
Language and Culture Archive of Ashkenazic Jewry (LCAAJ), nutzte er diese
letzte Gelegenheit, Sprecher:innen zu interviewen, die mit den alten Dialekten in
Europa aufgewachsen waren. Doch zum Zeitpunkt der Interviews, die von 1959
1972 geführt wurden, hatten die Sprecher:innen seit vielen Jahren nicht mehr in
der ‚alten‘ Welt gelebt. Das LCAAJ war damit eine „linguistic geography at a
distance“ (WEINREICH 1962: 4). Die Herkunft der Informant:innen ermöglicht es,
die Materialien anhand ihres Geburtsorts zu kartografieren. Diese Methode impli-
ziert, dass die Informant:innen vor ihrer Abreise aus Europa lokal sesshaft waren.
Nach Angaben der aufgearbeiteten Materialien der Columbia University
Libraries lagen bis zum Ende des LCAAJ-Projekts (1972) Daten aus 675 Inter-
views mit 758 Informant:innen aus 603 verschiedenen Geburtsorten vor. Karte 2
zeigt die Geburtsorte der Informant:innen, schattiert nach Dialektregionen, in der
Einteilung nach KATZ (1983). Wir sehen, dass das gesamte Sprachgebiet weitge-
hend abgedeckt ist. Größere Lücken finden sich vor allem in den südlichen Gebie-
ten des Westjiddischen und in den Übergangszonen zwischen Ost- und Westjid-
disch. Auch gibt es zwei Interviews von Sprecher:innen aus dem heutigen Israel.
Dies sind Nachkommen von Migrant:innen, die bereits im späten 18. Jahrhundert
ins osmanische Palästina eingewandert sind (vgl. KOSOVER 1966).
Wie bairisch ist Jiddisch? 367
Die Geschichte und Methodik des LCAAJ-Projekts wird ausführlich in HERZOG
ET AL. (1992) beschrieben (s. auch SCHÄFER 2019b; 2020b; im Erscheinen c). Hier
sollen nur die wichtigsten grundlegenden Rahmenbedingungen zusammengefasst
werden.
Das LCAAJ hatte zum Ziel, den gesamten aschkenasischen Kulturraum abzu-
decken. Die Datenerhebung folgt der durch den Atlas linguistique de la France
(ALF) eingeführten Methode der direkten Befragung von Sprecher:innen durch
eine:n Interviewer:in. Mit dieser direkten Methode ist Uriel Weinreich spätestens
während seines Aufenthalts in Zürich (1949/50), wo er den Sprachatlas der deut-
schen Schweiz (SDS) und den Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz
(AIS) kennenlernte, in Kontakt gekommen (vgl. SCHÄFER im Erscheinen c). Ent-
sprechend inspiriert durch den SDS und AIS wurde das LCAAJ-Projekt in Form
von ausführlichen Interviews durch 19 ausgebildete Feldforscher:innen auf
Grundlage eines Fragebogens konzipiert. Die Interviewer:innen machten parallel
zu den Interviews Notizen, die sogenannten Fieldnotes, in denen die jeweilige
Antwort der Informant:innen in einer speziell entwickelten phonetischen Tran-
skription dokumentiert wurde (vgl. HERZOG ET AL. 1995: 128).
2
Die ungewöhn-
liche Form der Transliteration, die auf Großbuchstaben und Zahlen basiert, sollte
2
Zu den Schwierigkeiten bei der Erstellung einer Transkription während des Interviews s,
SCHWARTZ (2008: 283284).
Karte 2: Geburtsorte der LCAAJ-Informanten und die (vereinfachten) Dialektgebiete nach KATZ
(1983)
368 Lea Schäfer
in erster Linie dabei helfen, die Daten in ein Computersystem zu übertragen (vgl.
HERZOG ET AL. 1995: 3). Um die Fieldnotes im Nachhinein noch überprüfen und
korrigieren zu können, wurden parallel Audioaufnahmen gemacht (vgl.
SCHWARTZ 2008: 280). Die Fieldnotes (und ihre beabsichtigte Digitalisierung)
standen jedoch eindeutig im Mittelpunkt der Datensammlung, und die Tonauf-
nahmen waren nur ein Nebenprodukt.
Die Mehrzahl der Interviews, insgesamt 429, wurde 1965 in den USA geführt
(SD (Standardabweichung) 2,7 Jahre); insbesondere in New York, das den Vorteil
hatte, verschiedene jüdische Migrationsgruppen abzudecken (vgl. LOWENSTEIN
1989). Ein weiterer wichtiger Erhebungsort war Israel, wo Weinreich hrend
eines Sabbatjahrs 1959/60 62 Interviews führte.
Das Durchschnittsalter der Informant:innen betrug 68 Jahre (SD 11,5 Jahre)
zum Zeitpunkt der Befragung. Das durchschnittliche Geburtsjahr ist 1897. Der
Zeitpunkt der Auswanderung variiert stark. Der Durchschnitt (Mittelwert) mig-
rierte im Jahr 1923 mit einem SD von 15 Jahren. Die Geschlechterverteilung
weist bei den Männern ein leichtes Übergewicht auf (55%). Von den Männern
waren 41,7% Handwerker und 22,8% im Handel tätig; die befragten Frauen waren
überwiegend Hausfrauen (38,9%) oder hatten zu 33,8% auch eine handwerkliche
Ausbildung absolviert.
Die Befragungssituation war nicht kontrolliert. Wie in einigen der Tonaufnahmen
zu hören ist, wurden mitunter laute, öffentliche Orte gewählt und oft saßen Ehepart-
ner, Kinder, Verwandte oder Bekannte mit dabei und gaben ihre Meinung dazu.
Das Projekt verwendet zwei verschiedene Fragebücher: ein umfangreiches für
aktive Sprecher:innen einer jiddischen Varietät und eines für Informant:innen, die
bereits ohne Jiddisch aufgewachsen waren oder die nur rudimentäre (v. a. lexika-
lische) Reste davon erhalten hatten. Insbesondere im westjiddischen Sprachgebiet
(aber auch in den Übergangszonen zum Ostjiddischen) wurde Jiddisch bereits im
19. Jahrhundert aufgegeben (vgl. FLEISCHER 2018; GUGGENHEIM-GRÜNBERG
1973; SCHÄFER 2017a). Meist fand hier der Wechsel zu (Standard-)Deutsch (oder
Niederländisch) statt. Im westjiddischen Raum konnte nur im Elsass der umfang-
reichere Fragebogen, der auch Übersetzungsaufgaben ins Jiddische beinhaltet,
verwendet werden, da das Westjiddische hier noch bis in die Mitte des 20. Jahr-
hunderts vital war (vgl. GUGGENHEIM-GRÜNBERG 1973; SCHÄFER 2014; ZU-
CKERMAN 1969), während das LCAAJ in den übrigen Teilen des ehemaligen west-
jiddischen Territoriums nur wenige Hebraismen und einzelne Ausdrücke erheben
konnte (vgl. LOWENSTEIN 1969; HERZOG ET AL. 1995: 8082). Das umfangreiche
von Uriel Weinreich aufgebaute Questionnaire beinhaltet 3.245 Fragen unterschied-
licher Typen (Übersetzungsaufgaben einzelner Wörter oder ganzer Ausdrücke, Bil-
derfragen). Die gekürzte Frageliste für das westjiddische Gebiet wurde von Steven
Lowenstein aufgebaut und in 137 der insgesamt 675 Interviews eingesetzt.
Diese beiden quantitativ und qualitativ unterschiedlichen Fragebögen führten
natürlich zu Lücken in den Daten. Während die kulturellen Aspekte umfassend
erhoben werden konnten, beschränken sich die sprachlichen Ergebnisse auf den
ostjiddischen Raum und das Elsass.
Wie bairisch ist Jiddisch? 369
Tatsächlich gehen die Defizite im Material aber noch weiter. Es stellt sich
heraus, dass nicht alle Fragen überall abgefragt wurden. Manchmal wurde eine
Frage nur im Gebiet des Südostjiddischen gestellt, manchmal nur im Gebiet des
Mittelostjiddischen und manchmal sind die Schwankungen nicht geographisch
motiviert. Auffallend ist, dass besonders große Datenlücken bei Sprecher:innen
aus dem nordostjiddischen Raum auftreten. Damit schwankt die absolute Anzahl
der Datensätze von Aufgabe zu Aufgabe erheblich. Dies spiegelt sich auch in den
folgenden Datenanalysen dieses Beitrags wider.
Abgesehen davon gibt es auch starke Variationen in der Art und Weise, wie
eine Frage gestellt wurde und wie vollständig die Antwort in den Fieldnotes doku-
mentiert wurde. Diese Instabilität hängt auch von den einzelnen Interviewer:innen
ab (s. z. B. SCHÄFER 2019b: 1819).
Der wissenschaftliche Output aus dem Projekt war v. a. in der Frühphase bis
zu Weinreichs frühem Tod (1967) recht groß. Arbeiten zu Einzelphänomenen sind
hauptschlich in der projekteigenen Zeitschrift „The Field of Yiddish: studies in
language, folklore and literature“ (1954, 1965, 1969, 1980, 1993) publiziert wor-
den. Eine erste Buchpublikation, die die Materialien des LCAAJ verwendet, ist
die Dissertation von MARVIN HERZOG (1965), der nach Weinreichs Tod Haupt-
herausgeber der geplanten Atlaspublikation wurde. Der erste Band des gedruckten
Altas erschien jedoch erst 20 Jahre nach dem Ende der Datenerhebung. Während
die ersten beiden Bände (HERZOG ET AL. 1992; 1995) hauptsächlich allgemeine
Informationen über das Projekt liefern, kann nur der dritte und letzte Band (HER-
ZOG ET AL. 2000) als Atlas im eigentlichen Sinne verstanden werden: Nur hier
finden sich Karten einzelner grammatischer (meist phonologischer) und lexikali-
scher Strukturen. 1996 startete das Projekt Evidence of Yiddish Documented in
European Societies (EYDES) mit dem ehrgeizigen Ziel, die Tonaufnahmen in
digitalisierter und transkribierter Form online zur Verfügung zu stellen. Im Pro-
jekt wurde auch ein Tool zur Online-Kartierung entwickelt. Damit war das Projekt
seiner Zeit (und leider auch seinem Budget) weit voraus. Heute ist nur ein Bruch-
teil der Aufnahmen online verfügbar und nur sehr wenige dieser Aufnahmen, die
in sehr kurze Sequenzen unterteilt sind, können mit Hilfe des Fragebuchs syste-
matisch durchsucht werden. Auch die Tonqualität ist im Vergleich zu den heuti-
gen Möglichkeiten gering und das Mapping-Tool läuft nur noch auf älteren
Windows-Systemen. Das EYDES-Projekt ist ein trauriges Beispiel dafür, wie
wichtig es ist, die digitale Nachhaltigkeit ernst zu nehmen.
Zwischen 2016 und 2018 haben die Columbia University Libraries die Field-
notes (knapp 100.000 Seiten) digitalisiert und unter <https://dlc.library.colum-
bia.edu/lcaaj> (Stand: 02.06.2020) veröffentlicht. Dies bietet neue Möglichkeiten,
mit den Materialien zu arbeiten. Hier setzt das Projekt Syntax der ostjiddischen
Dialekte / Syntax of Eastern Yiddish Dialects (SEYD 20172021) an, das syntak-
tische Strukturen der jiddischen Dialekte auf der Grundlage der LCAAJ-
Fieldnotes untersucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Übersetzungsaufga-
ben ganzer Phrasen in den jeweiligen jiddischen Dialekt.
370 Lea Schäfer
2.2 Das Projekt Syntax der ostjiddischen Dialekte (SEYD)
Das von der Fritz-Thyssen-Stiftung als Forschungsstipendium (20172018) und
vom BMBF (20182021) geförderte SEYD-Projekt berücksichtigt ausschließlich
die LCAAJ-Fieldnotes. Die in den Fieldnotes präsentierten Übersetzungen der In-
formant:innen sind bereits durch den Filter der jeweiligen Interviewer:innen gegan-
gen und so wäre eine Ausweitung des Materials um die Tonaufnahmen zwar sinn-
voll, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht praktikabel. Es besteht die Hoffnung,
dass durch die Quantität der Daten Mängel in der Qualität ausgeglichen werden.
In Fällen, in denen die Fieldnotes mehr als eine Variante anführen, wird in
den folgenden Auswertungen nur die erste Nennung berücksichtigt. Zweit- oder
Drittnennungen werden nur in Analysen berücksichtigt, die ausdrücklich das
Antwortverhalten und die verschiedenen Nennungen untersuchen. Ohne einen
Blick in die Tondokumente zu werfen, was eine bessere Einschätzung erlauben
würde, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei den weiteren Erwäh-
nungen um Formen handelt, die vom Interviewer bzw. der einzigen Interviewerin
Rosaline Schwartz suggeriert wurden. Jedenfalls legen dies erste Vergleiche von
Tonaufnahme und Fieldnote nahe. Die erste Erwähnung stellt dagegen höchst-
wahrscheinlich die spontanste Reaktion des Informanten/der Informantin dar.
Die vom LCAAJ entwickelte Transkription ist nicht lesefreundlich. Aus die-
sem Grund werden im Folgenden Beispiele aus den Fieldnotes in angepasster und
vereinfachter Form, die für die Syntax und Morphologie ausreichend ist, wieder-
gegeben und glossiert (vgl. SCHÄFER im Erscheinen c).
Ein Problem bei den Fieldnotes sind Worttrennungen oder Pausen. In den
meisten Fällen werden diese nicht angegeben oder sind eine Frage der Inter-
pretation. Für die im Folgenden angeführten Beispiele wurden Belege mit leicht
erkennbaren Trennungen gewählt oder nach bestem Wissen und Gewissen Wort-
trennungen vorgenommen, um die Lesbarkeit zu gewährleisten.
Jede Aufgabe im Fragebuch kann durch einen sechsstelligen Code identifi-
ziert werden, der die Blattnummer der Fieldnotes (erste drei Ziffern) und die Fra-
genummer auf jeder Seite (letzte drei Ziffern) angibt. So kann z. B. auf die Über-
setzungsaufgabe des Satzes he kissed her als Frage 170 auf Seite 163 referiert
werden und wird entsprechend als Frage Nr. 163170 im Folgenden zitiert.
Jedem Datenpunkt wurde eine fünfstellige ID für jeden Standort zugewiesen
(die sich aus den Geokoordinaten zusammensetzt). In Fällen, in denen mehr als
eine Person einen Standort repräsentiert, wird diese ID um einen Buchstaben (A,
B, C) erweitert. Die folgenden Beispiele und Kartierungen geben zur besseren
geografischen Einordung zu jedem Ortspunkt dessen Lage in den gegenwärtigen
Nationalstaaten; wohl wissend, dass die modernen Staatengrenzen nur in wenigen
Fällen mit den historischen Grenzen übereinstimmen, mit denen jiddischsprachige
Personen in Europa konfrontiert waren.
3
3
Eine Analyse des Einflusses historischer Landesgrenzen auf die Dialekte des LCAAJ findet
sich in SCHÄFER (im Erscheinen b).
Wie bairisch ist Jiddisch? 371
Die besondere Varietät der sehr früh nach Palästina emigrierten Informant:in-
nen wird im Folgenden nicht weiter berücksichtigt, da diese Daten nicht anhand der
Fieldnotes erhoben wurden und nur wenige Antworten in den sogenannten Blue
Books, die Uriel Weinreich in einer Vorphase des Projekts verwendet hat,
4
erhalten
sind. Daher fehlen die beiden Datenpunkte aus Israel in den Kartierungen.
3 GEMEINSAME MORPHOSYNTAKTISCHE STRUKTUREN
BAIRISCHER UND JIDDISCHER DIALEKTE
Im Folgenden werden einzelne exemplarische morphosyntaktische Strukturen
vorgestellt, die bairischen und jiddischen Varietäten gemeinsam sind bzw. die be-
sonders die areallinguistische Idee eines Dialektkontinuums zwischen den östli-
chen deutschen und den westlichen ostjiddischen Varietäten stützen.
3.1 Pronomen
Insbesondere im pronominalen Bereich gibt es eine Reihe von Strukturen, in de-
nen sich bairische und jiddische Dialekte ähneln. Dieser Beitrag diskutiert die
folgenden Phänomene und ihre Präsenz in den Daten des LCAAJ: 1. Formen der
Personalpronomen 2. Pl., 2. Double Agreement und 3. Synkretismus der Perso-
nalpronomen 1. Pl. Dat./Akk. und Nom.
3.1.1 Personalpronomen 2. Pl.
Wie im Bairischen sind in manchen jiddischen Dialekten die alten Dualformen
enk/etz/enker als starre Pluralformen der Personalpronomen formal konserviert
worden (vgl. HOWE 1996: 283). Funktional ging der Dual auch hier verloren.
Auch in moselfränkischen und friesischen Varietäten sind diese Formen bzw. im
Fall des Friesischen sogar der Dual erhalten geblieben. Erste Belege für diese
Pronomen im Jiddischen finden sich bereits im Westjiddischen des 14. Jahrhun-
derts (vgl. HOWE 1996: 283). Die areale Verbreitung ist jedoch bisher noch nicht
klar beschrieben worden: „Their precise (historical) dialectal distribution seems
somewhat unclear, however.“ (HOWE 1996: 283). Dank der LCAAJ-Fieldnotes ist
eine Kartierung der Verbreitung zumindest in den ostjiddischen Varietäten nun
möglich (s. Karte 3). Augenscheinlich ist das Pronomen enk vor allem in den
westlichen Dialekten des Ostjiddischen zu finden. Die jiddischen Dialekte setzen
damit das bairische enk-Gebiet fort (vgl. Karte 4).
4
Diese wurden ebenfalls von den Columbia University Libraries digitalisiert, basieren aber
nicht auf dem endgültigen Questionnaire.
372 Lea Schäfer
Wie einige Übersetzungen des Satzes we give it to them andeuten, fand in die-
sen wenigen Dialekten ein Zusammenfall zwischen 2. und 3. Pl. Dat. statt, sodass
enk auch in der 3. Person auftritt (vgl. Karte 5).
In der Höflichkeitsform ist enker in diesem westlichen Gebiet wie im Bai-
rischen erhalten und über weite Gebiete im Gebrauch; leider wurde ein entspre-
chend relevanter Satz von vornherein nur im westlichen Teil des Untersuchungs-
gebiets abgefragt (Karte 6). Bei den LCAAJ-Fragen Nr. 158011 und 158012
handelt es sich um Suggestivfragen. Vorgegeben wurde eine Situation und eine
Form: vi hayzt ayer tate? vi azoy volt ir es gezogt tsu an eltern menshn? 011: en-
ker? 012: inens/ineres? ‘Wie heißt euer Vater? Wie würdet ihr das einen älteren
Menschen fragen? 011: enker? 012: inens/ineres?’. Die Hflichkeitsform wird in
diesem Areal mittels inen(s) oder einfach ins gebildet (Karte 7). Letzteres ins ist
in manchen Dialekten formengleich mit der 1. Pl. Akk./Dat. und Nom. geworden
(s. u. Abschnitt 3.1.3).
Tab. 1:: Personalpronomen der 2. Person Plural im Bairischen nach WEISS (1998: 87, 107),
HOWE (1996: 247) und dem westlichen Ostjiddischen (LCAAJ)
Für den Nominativ der Personalpronomen und die spezielle Form etzNOM konnten
bisher im LCAA-Material keine Belege gefunden werden.
AKK/DAT
GEN/POSS
westl. Ostjiddisch
enk
enker
Bairisch
enk
enker
Karte 3: Personalpronomen der 2. Pl. Dat. in 087041 they give it to you (Pl.)
Wie bairisch ist Jiddisch? 373
Karte 5: Personalpronomen der 3. Pl. Dat. in 087040 we give it to them
Karte 4: Personalpronomen der 2. Pl. Dat. in 087041 they give it to you (Pl.) und Wenkerat-
las Karte Nr. 427 enk(s)/ DSA (Vollformenkartierung) enk/eng
374 Lea Schäfer
Karte 6: Personalpronomen der 2. Pl. Gen./ Poss. in 158011 vi hayzt ayer tate? vi azoy volt ir es
gezogt tsu an eltern menshn? (enker?)
Karte 7: Personalpronomen der Höflichkeitsform in 158012 vi hayzt ayer tate? vi azoy volt ir es
gezogt tsu an eltern menshn? (inens/ineres?)
Wie bairisch ist Jiddisch? 375
3.1.2 Double Agreement
Von Double Agreement spricht man, wenn die Komplementierer-Kongruenz un-
ter bestimmten syntaktischen Bedingungen am Verb mit dem Pronomen doppelt
markiert wird:
(1) mir zemir gesesn af a bonk
wir sind-1.Pl gesessen auf einer Bank
‘wir saßen auf der Bank’
(ID 49271 Zin’kiv, Ukraine)
Double Agreement ist keine idiosynkratisch bairische Erscheinung, sondern
taucht in vielen westgermanischen Varietäten auf, insbesondere in der 1. Person
Plural. Double Agreement ist eine Grundvoraussetzung für Komplementiererfle-
xion (vgl. WEISS 2018: 148), d. h. Flexionskongruenz wird in der C-Position (
linke Satzklammer) ausgedrückt. Komplementiererflexion ist eine Besonderheit
westgermanischer Varietäten (vgl. BOHN / WEISS 2019: 349; CORBETT 2006). Im
Jiddischen gibt es keine Hinweise auf Komplementiererflexion; sehr wohl aber
auf Double Agreement (vgl. SCHÄFER im Erscheinen a: 1011).
Im Material des LCAAJ findet sich Double Agreement ausschließlich in der
1. Person Plural. Die areale Verbreitung dieses Phänomens konzentriert sich auf
den Südwesten des ostjiddischen Sprachgebiets (vgl. Karte 8).
Double Agreement tritt partiell auf und ist abhängig von der Position des prono-
minalen Subjekts. So unterbindet Inversion z. B. die Dopplung. In den Überset-
Karte 8: Double Agreement in der LCAAJ-Übersetzungsaufgabe 065020 we sat on the bench
376 Lea Schäfer
zungen der LCAAJ-Übersetzungsaufgabe 064020 we sat on the bench gibt es
drei Belege mit Inversion im Gebiet, das sonst Double Agreement aufweist, im
Fall der Inversion aber darauf verzichtet. Jiddisch folgt damit den bekannten Be-
schränkungen für Double Agreement und passt sich in das kontinental-
westgermanische Dialektkontinuum ein.
3.1.3 Synkretismus 1. Pl. Dat./AKK. und Nom.
In den jiddischen Dialekten, die Double Agreement zeigen, ist auch das Pronomen
der 1. Person Plural Dat./Akk. (ins) in den Nom. gerutscht, während das ehemalige
Pronomen inzwischen voll als Flexionssuffix grammatikalisiert am Verb erhalten
bleibt:
(2) a. ins gimer fer zay (ID 48245 Dora, Ukraine)
‘wir geben ihnen’
b. inds gibnmir es tsi zey (ID 46265 Moineti, Rumnien)
‘wir geben es ihnen’
Ähnliches ist aus nordbairischen (vgl. RABANUS 2006: 308) und bayerisch-schwä-
bischen Dialekten (vgl. RABANUS 2008: 172173) bekannt. Statistisch korreliert
das Auftreten von Double Agreement und der Zusammenfall der Pronomen in den
Daten des LCAAJ (s. Tab. 2). Es ist möglich, dass die Notwendigkeit nach einer
Unterscheidung zwischen den Personalpronomen der 1. Person Singular und 1.
Person Plural den Zusammenfall im Plural begünstigt hat.
Tab. 2: Zusammenhang zwischen Zusammenfall und Double Agreement in der LCAAJ-
Übersetzungsaufgabe 87-040 we give it to them; Pearson chi-square = 135.2, P = <.0001, Cra-
mr’s V = 0.72
3.2 Präpositionale Dativmarkierung (PDM)
Präpositionale Dativmarkierung als oberdeutsches Merkmal haben sowohl die bai-
rischen als auch die ostjiddischen Dialekte ausgebildet (vgl. SEILER 2003; KROGH
2015: 395396; 2019). Präpositionale Dativmarkierung mit far und tsu können
auch im LCAAJ-Material (vgl. Bsp. 2) nachgewiesen werden. Während tsu im
Zusammenfall
(ins gimir)
kein Zusammenfall
(mir gimir)
Double Agreement
(gimir)
44
5
kein Double Agreement (gebn)
21
190
Wie bairisch ist Jiddisch? 377
Ostjiddischen die gängige präpositionale Markierung für den Dativ ist, tritt far nur
im äußersten Südwesten und kleinen Teilen im Nordwesten auf.
Zwar sind die Präpositionen zur PDM, die im Jiddischen verwendet werden,
nicht in den deutschen Dialekten üblich, das Prinzip einer Dativmarkierung über
eine gesonderte Präposition aber ist ein vor allem im oberdeutschen Raum ver-
breitetes Merkmal, das sich im ostjiddischen Dialektraum fortsetzt.
5
Da die Präpo-
sitionen soweit grammatikalisiert werden, dass sie nur noch expletive Funktionen
haben, kann im Grunde jede beliebige Präposition für PDM herhalten.
Dem widerspricht KROGH (2019) und vermutet für far eine ungarische Lehn-
bersetzung: „it seems reasonable to trace its origin [the PDM preposition far, L.S.]
back to the interplay between Yiddish and coterritorial Hungarian in Hungaria Ma-
ior in the nineteenth and beginning of the twentieth century.“ (KROGH 2019: 910).
Krogh stützt seine These durch eine parallele Entwicklung im ungarischen Jiddisch,
nämlich der Setzung der Präposition of ‘auf, nach’ zur lokal-direktionalen Rich-
tungsangabe. Diese sieht er als klare Entlehnung aus dem Ungarischen und als Indiz
dafür, dass auch die PDM-Präposition far ungarisch bedingt sei:
„the preposition far extend its operating range in Transcarpathian Yiddish is substantiated by
another instance of possible structural impact from Hungarian on the prepositional usage of
Transcarpathian Yiddish: the employment of the preposition of (St Yid. oyf ‘on/onto’) to in-
dicate movement in the direction of geographical locations. This innovation, which, within
Eastern Yiddish, is not attested outside the Transcarpathian area, is explicable in terms of in-
fluence from the Hungarian sublative case.“ (KROGH 2019: 911)
Dass die Präposition of auch in deutschen Dialekten nicht selten lokal-direktional
gebraucht wird, verschweigt Krogh. Dies findet sich neben bairischen und ale-
mannischen Dialekten auch im wie z. B. im Rhein- und Moselfränkischen Ich
geh, fahr uf Saarbrigge, of Kowelenz ‘ich gehe, fahre nach Saarbrcken, nach
Koblenz’ (Rheinisches Wrterbuch I Sp. 303; Wrterbuch der elsssischen
Mundarten I Sp. 19b). Wie die Auswertung der LCAAJ-Übersetzungsaufgabe des
Satzes he is going to Odessa in Karte 9 zeigt, ist die Präposition als uf/af v. a. im
Grenzgebiet des heutigen Ungarns, Rumäniens und der Ukraine belegt, in den
wenigen Interviews aus Ungarn jedoch nicht. Das mag der an sich geringen Be-
leglage aus dem Raum geschuldet sein. Kroghs Bezugspunkt ist darüber hinaus
die politische Ausdehnung Ungarns 1914, die weiter in den Osten hinein ragt als
die heutige Staatsgrenze.
Auch sehen wir im LCAAJ-Material, dass im Elsässer Westjiddisch af, das
man hier auch von einer alemannischen Varietät erwarten würde, verwendet wird.
Eine Fortsetzung der oberdeutschen Präposition in den südlichen jiddischen Dia-
lekten scheint zumindest ebenso plausibel wie der Einfluss der koterritorialen ura-
lischen Sprache.
Zurück zur PDM. Hier zeigt das LCAAJ-Material nicht nur, dass far-PDM
auch außerhalb des transkarpatischen Jiddisch verbreitet ist (vgl. Karten 1012);
vielmehr belegen auch Funde im Wenker-Material, dass diese Präposition eben-
5
Auch für das Westjiddische im oberdeutschen Raum gibt es Belege für die Verwendung von
PDM (SCHÄFER 2014: 250252).
378 Lea Schäfer
falls in deutschen Dialekten Ostpreußens den Dativ markierte (vgl. Karte 13).
PDM mittels far ist also auch in anderen germanischen Varietäten möglich.
Davon abgesehen dürfen wir nicht vergessen, zwischen Form und Funktion zu
unterscheiden. Die Funktion der Präposition far, den Dativ zu markieren, ist ein
Merkmal der germanischen Sprachen und besonders im oberdeutschen Raum ver-
breitet (vgl. SEILER 2003). Die jiddischen Dialekte setzen diese Funktion mittels
verschiedener Präpositionen (in, far, tsu) fort. Welche Präpositionen nun letzten
Endes für diese Funktion semantisch entleert, sprich grammatikalisiert werden, ist
sekundär, wenn nicht sogar irrelevant. PDM ist ein Beispiel, das formseitig keinen
klaren Fortsatz des westgermanischen Dialektkontinuums im Ostjiddischen liefert,
bei dem aber ein funktionaler Fortsatz umso deutlicher hervortritt.
(3) a. Fer wem heft he de niee Geschichte vertllt?
‘Wem hat er die neue Geschichte erzhlt?’
(Wenkerbogen Nr. 1552, Pazuizen)
b. Var wem hat he de nie Geschichte vartellt?
Wem hat er die neue Geschichte erzhlt?’
(Wenkerbogen Nr. 1628, Wisborienen, Livny)
Karte 9: Präposition zur Richtungsangabe für Orte in der LCAAJ-Übersetzungsaufgabe
065020 he is going to Odessa
Wie bairisch ist Jiddisch? 379
Karte 10: Präpositionale Dativmarkierung in den Übersetzungen der LCAAJ-Übersetzungs-
aufgabe she tells her mother
Karte 11: Präpositionale Dativmarkierung in den Übersetzungen der LCAAJ-Übersetzungs-
aufgabe I gave a present to the beautiful bride
380 Lea Schäfer
Karte 13: Präpositionale Dativmarkierung in den Übersetzungen der LCAAJ-Übersetzungs-
aufgabe she tells her mother und den Übersetzungen von Wenkersatz 21 Wem hat er die neue
Geschichte erzählt? (Daten des Projekts „Morphosyntaktische Auswertung von Wenkerstzen“,
mit herzlichem Dank an Jürg Fleischer)
Karte 12: Präpositionale Dativmarkierung in den Übersetzungen der LCAAJ-Übersetzungs-
aufgabe we give it to them
Wie bairisch ist Jiddisch? 381
3.3 n-Indefinitum niks
In Kontexten wie in (4) würden die meisten jiddischen Dialekte ein negatives un-
bestimmtes Pronomen (n-Indefinitum) wie nisht/nit verwenden, während sich in
den jiddischen Dialekten des Burgenlands (4a) und Ungarns (4bd) die Partikel
nix aus dem partitiven Genitiv dieses n-Indefinitums entwickelte (vgl. SCHÄFER
2020a: 1214).
(4) a. Me mß laut schreie, snst versteht er ns niks
‘Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht’
(Jiddischer Wenkerbogen von Frauenkirchen, Burgenland Nr. 42663, 1926
1930 Erhebung, zitiert nach SCHÄFER 2017b: 144)
b. er hot zi niks gevelt far e vayb nemen
‘er wollte sie nicht heiraten’
(LCAAJ-Frage 176010, ID 47197, Vc, Ungarn)
c. ven het niks geshtorbn
‘wenn er nicht gestorben wre’
(LCAAJ-Frage 183010, ID 47197, Vc, Ungarn)
d. red niks dajch
‘(sie) reden kein Deutsch’
(LCAAJ-Frage 001–050, ID 48172, Vel’k Mager, Ungarn)
Diese Entwicklung kann auch für einige bairische und ostmitteldeutsche Varietä-
ten nachgewiesen werden (5). Es ist zu vermuten, dass hier kleinräumig eine Ent-
wicklung den ostoberdeutschen Dialektraum und das burgenländisch-ungarische
Jiddisch betroffen hat. Parallelen zum Ungarischen sind auszuschließen.
(5) a. Sdbairisch (Krnten)
er is niks d
‘Er ist nicht da’ (POHL 1989: 64)
b. Mittelbairisch (Wien)
drei dog scho how e nix mea gschloffm
‘Drei Tage habe ich schon nicht mehr geschlafen’ (ARTMANN 1958:38)
c. Nordbairisch (Egerland)
I frich nks dənu
‘Ich frage nicht danach’ (SCHIEPEK 1899: 493)
d. Ostfrnkisch
prauxst nix tsə krain
‘Du musst nicht weinen’ (FELLER 1914: 4647)
382 Lea Schäfer
4 FAZIT
Mittels der LCAAJ-Daten ist es möglich, die historischen jiddischen Dialekte zu
rekonstruieren. Dabei wird schnell deutlich, dass es nicht eine einzige ostjiddische
Varietät gibt, sondern dass wir es im Ostjiddischen mit einem dynamischen
Sprachraum zu tun haben, der in seinen grammatischen Strukturen Variation auf-
weist. Die räumliche Staffelung der Strukturen vollzieht sich in vielen Fällen ent-
lang einer Ost-West- und einer Nord-Süd-Achse (vgl. SCHÄFER im Erscheinen b).
Dabei setzen die westlichen und südlichen Dialekte des Jiddischen stärker die
angrenzenden (ober-)deutschen Strukturen fort als die nordöstlichen.
Vorstellungen vom Jiddischen als einer aus dem Bairischen oder Rheinfrän-
kischen hervorgegangene Sprache können in diesem Sinne als empirisch nicht ge-
stützt betrachtet werden. Die jiddischen Dialekte sind eigenständige sprachliche Sy-
steme, die sich in ihrer ehemaligen Ausbreitung vor dem Holocaust ins Kontinuum
der germanischen Sprachen einfügen. Vor diesem Hintergrund wird die kontinuier-
liche Ausbreitung sprachlicher Innovationen über die Grenzen von Einzelsystemen
hinaus deutlich. Mit anderen Worten und um auf die (rhetorische) Titelfrage zu-
rückzukommen, darf man also auch fragen: Wie bairisch ist eigentlich Bairisch?
Dank der nun zugänglichen Daten des LCAAJ ist es erstmals möglich, die
jiddischen Dialekte in den Kontext des kontinental-westgermanischen Dialekt-
kontinuums zu stellen. In vielen Fällen sehen wir, dass Jiddisch an dieses unmit-
telbar im geografischen Raum anschließt. Aber auch überregionale Tendenzen der
westgermanischen Varietäten setzt das Jiddische im Osten weiter fort. Die Vor-
stellung, dass Jiddisch abgeschlossen vom germanischen Sprachgebiet ins Fahr-
wasser der slavischen Sprachen geriet, muss überdacht werden; insbesondere,
indem die jiddischen Varietäten verstärkt in den Kontext eines kontinentalwest-
germanischen Dialektkontinuums gestellt werden.
Im Rahmen des vorliegenden Beitrags war es nur möglich, eine Auswahl von
Einzelphänomenen qualitativ zu beschreiben und zu vergleichen. Ein langfristiges
Ziel einer germanistischen Arbeit mit dem LCAAJ-Material ist es, die gewonne-
nen Ergebnisse auch quantitativ mittels dialektometrischer Verfahren, die dann
das gesamte Variationsspektrum abbilden, in den Kontext der deutschen (insbe-
sondere der ostoberdeutschen) Dialekte zu stellen. Die systematische Beschrei-
bung des germanischen Dialektkontinuums ist eine größere Forschungsagenda, zu
der dies hier nur ein kleiner Baustein ist. Trotzdem hofft dieser Beitrag, davon
überzeugen zu können, dass der vergleichende empirische Zugang kontinental-
westgermanischer Varietäten für den Forschungsdiskurs gewinnbringender ist als
Entstehungs- und Sprachkontakthypothesen.
Wie bairisch ist Jiddisch? 383
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Article
Full-text available
Uriel Weinreich’s atlas project the “Language and Culture Archive of Ashkenazic Jewry” (LCAAJ, 1959–1972) has created an unique dataset of audio recordings and transcripts of interviews with Yiddish speakers whose varieties represent the former dialects from before the Shoah. This paper shows how the LCAAJ’s written materials can be used to describe the Yiddish grammar. Taking the example of word order of separable verb particles it shows that dialect-syntactic analyses do not have to show inevitably (geographical) variation to have linguistic relevance.
Article
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This article shows what we can learn from Vienna Jewish cabaret, so-called Jargontheater ‘jargon theater’ and the language situation of Vienna Jews at the end of the 19th century. By analyzing one of the most popular plays of this genre, we can see how structures from Yiddish dialects fused with Viennese German and what may have caused ‘Vienna Jewish speech,’ a Judeo-German city variety in the First Austrian Republic (1920s and 1930s).
Article
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Burgenland, the smallest state of current Austria, located on the border with Hungary, once had seven vibrant Jewish communities under the protection of the Hungarian Eszterhazy family. There is next to nothing known about the Yiddish variety spoken in these communities. This article brings together every single piece of evidence of this language to get an impression of its structure. This article shows that Yiddish from Burgenland can be integrated into the continuum between Eastern and Western Yiddish and is part of a gradual transition zone between these two main varieties.
Article
Uriel Weinreich’s seminal study “Western Traits in Transcarpathian Yiddish” (in For Max Weinreich on his Seventieth Birthday: Studies in Jewish languages, literature, and society , 245–264. The Hague: Mouton) brought a feature into focus that is characteristic not only of Transcarpathian Yiddish, but also of the Haredi idioms descending from it. In the eyes of many representatives of secular Yiddish, it has become a hallmark of so-called Hungarian Yiddish, i.e. Haredi Yiddish derived from Central Yiddish subdialects spoken in Hungary with its 1914 borders. The feature in question is the consistent replacement of nominal dative objects by a prepositional phrase introduced by far ‘for, to’. It is tempting to ascribe the rise of the construction to contact-induced influence from Hungarian, which, for historical reasons, occupies an extraordinarily firm position among Jews living in the Transcarpathian area. A major obstacle to such an assumption is, however, that Hungarian itself does not employ prepositions at all. Being an agglutinative language, it expresses grammatical categories of the noun phrase by means of suffixation. In my paper, I will argue that a constructional borrowing from Hungarian can nevertheless be the source of the feature under scrutiny. To substantiate this assumption, another (more straightforward) example of the Hungarian impact on the prepositional system of Transcarpathian Yiddish – the employment of the preposition of (St Yid. oyf ‘on/onto’) to indicate movement in the direction of geographical locations – will be discussed as well.
Article
In German, pronominal inflection is more distinctive than noun inflection. Despite all tendencies towards syncretism, the formal differentiation from the other cases of the nominative form of the deictic pronouns in the first and second person has been generally retained both in the standard language and in the dialects. However, in several areas, this distinction has ceased to exist and has given way to a single form for the first and second-person plural in which case is no longer marked. The present article examines forms of this kind in the transitional area between East Franconian and Northern Bavarian. We find that these forms occur when the loss of case marking in pronominal inflection is compensated for by an unambiguous indication of person in verbal inflection. The generalized form ENK(S) in the second-person plural occurs in dialects with -TS as the verbal suffix of the second-personal plural. Distinction of case in the second-person plural is retained in dialects with the verbal suffix -T, because -T is also the verbal suffix of the third-person singular and hence there are several cases in which syncretism prevails in the verbal paradigm (as in the word form mäht from the verb mähen 'to mow'). Since -N is the verbal suffix of the first and third-person plural (as in mähen), there can be no reduction of the plural of the first person of the verb to a generalized single form in the region under investigation. These results illustrate the fundamental link between morphology and syntax.
Med ana schwoazzn Dintn. Gedichtar aus Bradnsee
  • Hans Artmann
  • Carl
ARTMANN, HANS CARL (1958): Med ana schwoazzn Dintn. Gedichtar aus Bradnsee. Salzburg: Müller.
Language Change in a Bilingual Community. The Preposition far in Israeli Haredi Yiddish
  • Dalit Assouline
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