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Abstract

Die Abteilung Konsumentenforschung am DIL - Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e.V. (www.dil-ev.de) in Zusammenarbeit mit der Initiative LI FOOD (www.li-food.de) in Deutschland eine Online-Umfrage mit 1473 Bürger*innen durchgeführt. Interessiert hat uns dabei vor allem das Einkaufs- und Ernährungsverhalten und welche Veränderungen sich hier seit bzw. nach Ausbruch des Krieges bei den Verbraucher*innen bemerkbar machen.
Wissenschaftliche Schriftenreihe des DIL e.V.
Nr. 1
Einfluss der Ukraine-Krise auf das Kaufverhalten
der Deutschen
Autoren
Dr. Clara Mehlhose & Dr. Adriano Profeta
c.mehlhose@dil-ev.de, a.profeta@dil-ev.de
Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e.V.
Juni 2022
Bitte zitieren Sie diesen Beitrage wie folgt:
Mehlhose, C., Profeta, A. (2022). Einfluss der Ukraine-Krise auf das Kaufverhalten der
Deutschen. Nr. 1, Wissenschaftliche Schriftenreihe des DIL e.V.
I
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG...............................................................................................................................................1
2 STICHPROBE UND FORSCHUNGSMETHODEN ................................................................................3
3 ERGEBNISSE...............................................................................................................................................5
3.1 NACHHALTIGKEITSBEWUSSTSEIN ...............................................................................................................5
3.2 ERWARTETE LEBENSMITTELKNAPPHEITEN UND VORRATSHALTUNG .........................................................9
3.4 POLITIK UND NAHRUNGSMITTELVERSORGUNG ........................................................................................ 14
3.5 VERÄNDERUNG EINKAUFS- UND ERNÄHRUNGSVERHALTEN .................................................................... 18
3.6 EMOTIONEN ANGST- UND STRESSWIRKUNGEN DER KRISE .................................................................... 23
3.7 WELCHE ROLLE SPIELT CORONA AKTUELL?............................................................................................. 27
4 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT ..................................................................................................... 30
5 LITERATURVERZEICHNIS................................................................................................................... 31
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Veränderung der Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Lebensmitteleinkaufs
nach Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikt (n=1.473). ....................................................... 6
Abbildung 2: Zustimmung und Ablehnung zur Abwägung der Wichtigkeit von Klima-
/Umweltschutz vs. Ökonomie in Krisenzeiten (n=1.473). .......................................................... 7
Abbildung 3: Erwartete Knappheiten bei verschiedenen Lebensmittelgruppen aufgrund des
Ausbruchs des Russland-Ukraine-Konflikts (n=1.473). .......................................................... 10
Abbildung 4: Wahrgenommene Gründe für Knappheiten (n=1.158). ..................................... 11
Abbildung 5: Vorhandensein von Lebensmittelvorräten für mindestens 10 Tage (n=1.473). . 12
Abbildung 6: Gründe keine Vorräte zu haben (n=895). .......................................................... 13
Abbildung 7: Wahrheitstreue der Informationspolitik der Regierung (n=1.473). ................... 14
Abbildung 8: Wahrnehmung der Reaktion der deutschen Regierung in Anbetracht des
Ausbruchs des Russland-Ukraine-Konflikts (n=1.473). .......................................................... 15
Abbildung 9: Zustimmung bzw. Ablehnung zu Statements die die nationale Selbstversorgung
betreffen (n=1.473). ................................................................................................................. 16
Abbildung 10: Einkaufshäufigkeit Lebensmittel vor und nach Beginn Ukraine-Krise (n=1.473).
.................................................................................................................................................. 18
Abbildung 11: Veränderung Lebensmittelausgaben (n=1.473). .............................................. 19
Abbildung 12: Veränderung Kaufverhalten (n=1.473). ........................................................... 19
Abbildung 13: Beweggründe Mehreinkauf (n=199) ................................................................ 20
Abbildung 14: Veränderung Verzehr nach Produktkategorien (n=1.473). ............................. 21
Abbildung 15:Veränderung Kauf nach Produktkategorien (n=1.473). ................................... 22
Abbildung 16: Wie fühlen Sie sich emotional der momentanen Ausnahmesituation gewachsen?
(n=1.473). ................................................................................................................................. 23
Abbildung 17: Wie gestresst fühlen Sie sich derzeit im Leben? (n=1.473). ............................ 24
Abbildung 18: Wie gestresst fühlen Sie sich jetzt im Vergleich zu der Situation vor Ausbruch
des Russland-Ukraine-Konflikts? (n=1.473). .......................................................................... 24
Abbildung 19: Wie gestresst fühlen Sie sich aktuell im Vergleich zu der Situation im ersten
Corona-Lockdown (März/April 2020)? (n=1.473). ................................................................. 25
Abbildung 20: Wie stark ist momentan der Einfluss des aktuellen Russland-Ukraine-
Konflikts auf Ihr tägliches Leben? (n=1.473). ......................................................................... 25
Abbildung 21: Wie sehr beschäftigen Sie die folgenden Dinge in Bezug auf den Russland-
Ukraine-Konflikt? (n=1.473). .................................................................................................. 26
III
Abbildung 22: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Sie sich momentan mit dem
Coronavirus anstecken? (n=1.473). ......................................................................................... 27
Abbildung 23: Wie besorgt sind Sie momentan über eine mögliche Ansteckung mit dem
Coronavirus? ............................................................................................................................ 27
Abbildung 24: Was glauben Sie: wie gut können Sie sich selbst durch Ihr Verhalten vor einer
Ansteckung mit dem Coronavirus schützen? (n=1.473). ......................................................... 28
Abbildung 25: Für wie ernst halten Sie das Risiko für Ihre Gesundheit, falls Sie sich mit dem
Coronavirus infizieren? (n=1.473). ......................................................................................... 28
Abbildung 26: Wie stark ist momentan der Einfluss der Corona-Pandemie auf Ihr tägliches
Leben? (n=1.473). .................................................................................................................... 29
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Soziodemographische Merkmale der Stichprobe (n=1.473) ..................................... 3
1
1 Einleitung
Am 24.02.2022 begann Russland einen großangelegten Überfall auf die Ukraine. Seitdem
dauert der Russland-Ukraine-Krieg an. Wie weitreichend die wirtschaftlichen und sozialen
Auswirkungen für Deutschland und weltweit sein werden, ist noch nicht absehbar. Deutlich
wird aber, dass sie gravierend sind. Die Sorgen um eine sichere Energieversorgung in
Deutschland halten an. Lieferengpässe und deutliche Preisanstiege auf den vorgelagerten
Wirtschaftsstufen ließen die Inflation im Mai 2022 mit 7,9% auf den höchsten Stand seit 40
Jahren steigen (Destatis, 2022).
Nachdem die Folgen der Corona-Pandemie noch nicht überwunden waren, wirkt sich nun der
Russland-Ukraine Krieg zusätzlich auf die Teuerung in Deutschland aus, vor allem
Energieprodukte, aber auch andere Waren, Dienstleistungen und vor allem Nahrungsmittel
haben sich verteuert. Im Alltag der Menschen in Deutschland machen sich die Folgen des
Krieges daher beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt deutlich bemerkbar, die Preise für
Lebensmittel stiegen mit 11,1% überdurchschnittlich stark an. Im März 2022 mussten die
Verbraucher*innen vor allem für Speiseöle (+17,2 %, z.B. Sonnenblumenöl) aber auch für
frisches Gemüse (+14,8 %) im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich mehr bezahlen
(Destatis, 2022). Vielerorts kam es wieder zu den sogenannten „Hamsterkäufen“. Insbesondere
bei Speiseölen, aber auch bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Nudeln wurden, wie bereits
zu Beginn der Corona-Pandemie, leere Regale in den Supermärkten beobachtet und
verunsicherten die Verbraucher*innen zusätzlich (GfK, 2022).
Die mit dem Kriegsausbruch einhergehenden Auswirkungen auf das tägliche Leben sind im
Vergleich zur Coronakrise geringer. So haben Restaurants und Cafés inzwischen wieder
geöffnet, auch die Außer-Haus Verpflegung wird wieder und weiter genutzt und
Einschränkungen des sozialen Lebens sind zum aktuellen Zeitpunkt so gut wie keine mehr
vorhanden. Dennoch können die neu zurück gewonnenen Post-Corona-Freiheiten nicht
verhindern, dass die weltpolitische Lage auf die Konsumstimmung drückt und sich viele
Menschen akut Sorgen um ihre Lebenssituation machen (GfK, 2022).
Vor diesem Hintergrund hat die Abteilung Konsumentenforschung am DIL - Deutsches Institut
für Lebensmitteltechnik e.V. (www.dil-ev.de) in Zusammenarbeit mit der Initiative LI FOOD
(www.li-food.de) in Deutschland eine Online-Umfrage mit 1473 Bürger*innen durchgeführt.
Interessiert hat uns dabei vor allem das Einkaufs- und Ernährungsverhalten und welche
Veränderungen sich hier seit bzw. nach Ausbruch des Krieges bei den Verbraucher*innen
bemerkbar machen.
2
Darüber hinaus betrachtet die Studie außerdem Sorgen, Ängste und die emotionale
Empfindlichkeit der Menschen in Deutschland, auch im Vergleich zur Corona-Pandemie, um
Veränderungen im Einkaufs- und Ernährungsverhalten ggf. besser einordnen und erklären zu
können.
Des Weiteren lag ein Fokus darauf wie sich diese weitere weltweite Krise in das bereits
bestehende Krisenumfeld aus Klima- und Biodiversitätskrise, sowie der nach wie vor präsenten
Coronakrise einbettet und was das mit den Menschen in Deutschland macht, bzw. für wie
krisenfest sie die deutsche Lebensmittelversorgung einschätzen. Während der Coronakrise
zeigte sich bei vielen Menschen ein gesteigertes Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein
(Busch et al., 2021; Dangelico et al., 2022), es bleibt abzuwarten, wie sich dies im Angesicht
des Krieges verhält.
3
2 Stichprobe und Forschungsmethoden
Die Stichprobe für die Online-Befragung stellte der Panel-Anbieter gapfish (www.gapfish.de)
bereit. Die Stichprobe ist annähernd repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im
Altersspektrum 18-65 Jahre, hinsichtlich der Merkmale Geschlecht, Alter und Wohnort
(Bundesland) ( Tabelle 1). Die Daten wurden im Zeitraum vom 21.04. bis zum 25.04.2022
mittels des Erhebungstools SoSci (www.soscisurvey.de) erhoben.
Tabelle 1: Soziodemographische Merkmale der Stichprobe (n=1.473)
Merkmal
%
Geschlecht
weiblich
50.44
männlich
49.56
Altersgruppen
18-29 Jahre
21.52
30-39 Jahre
18.81
40-49 Jahre
19.55
50-65 Jahre
40.12
Bildungsgrad
niedrig
27.49
mittel
32.65
hoch
39.85
Bundesland
Baden-Württemberg
13.51
Bayern
15.89
Berlin
4.41
Brandenburg
2.85
Bremen
0.68
Hamburg
2.17
Hessen
7.60
Mecklenburg-Vorpommern
1.56
Niedersachsen
9.16
Nordrhein-Westfalen
22.27
Rheinland-Pfalz
5.23
Saarland
1.22
Sachsen
5.16
Sachsen-Anhalt
1.90
Schleswig-Holstein
3.80
Thüringen
2.58
Die erhobenen Daten wurden deskriptiv mittels der Software R (R Core Team, 2020) analysiert
und visualisiert. Alle Daten werden auf der Plattform ResearchGate (www.researchgate.com)
auch interessierten Dritten zur Verfügung gestellt. Der dieser Umfrage zugrunde liegende
4
Fragebogen orientiert sich teilweise an einem Fragebogen der Universität Göttingen (Lehrstuhl
für Agrarmarketing und Lebensmittel) mit welchem der Einfluss der Corona-Pandemie auf das
Kauf- und Ernährungsverhalten gemessen wurde (Busch et al. 2020a&b, 2021).
Die folgenden Abbildungen und Ergebnisse sind ein erster deskriptiver Einblick in die Daten,
ausführlichere Darstellungen und wissenschaftliche Publikationen werden zu einem späteren
Zeitpunkt folgen.
Im Folgenden wird in der Ergebnisdarstellung immer von Top-Scores gesprochen, wenn zwei
Antwort-Kategorien zusammengefasst wurden. In den meisten der dargestellten Grafiken
werden für eine übersichtlichere Darstellung die Prozentwerte der beiden obersten wie auch der
beiden untersten Antwortkategorien zusammengefasst.
5
3 Ergebnisse
3.1 Nachhaltigkeitsbewusstsein
Auf die Frage welche Aspekte beim Lebensmittelkauf durch den Ausbruch des Russland-
Ukraine Konflikts an Wichtigkeit gewonnen bzw. verloren haben, antworteten über die Hälfte
der Befragten bei allen Aspekten, außer bei “niedrigem Preis”, dass sich die Wichtigkeit für sie
nicht verändert habe.
Der Aspekt “niedriger Preis” hingegen hat für 55% der Befragten an Bedeutung gewonnen und
führt damit das Ranking der Aspekte an, die wichtiger geworden sind (Top-Scores eher
wichtiger und viel wichtiger zusammengefasst). Auf Platz zwei folgt der Aspekt “Lange
Haltbarkeit von Lebensmitteln, welcher für 43% der Befragten an Wichtigkeit gewonnen hat,
gefolgt von der “Regionalität” von Lebensmitteln (Top-Scores: 38%).
Auch die Themen „Ökologisch erzeugte Lebensmittel“ (Top-Scores: 21%) und „Klima- und
Umweltschutz“ (Top-Scores: 28%) sind etwas stärker in den Fokus der Verbraucher gerückt,
wenngleich im Verhältnis zum Aspekt der „niedrigen Preise“ allerdings auf einem nicht so
hohen Niveau.
Hervorzuheben ist, dass das Thema „Marke“ bzw. „Markenprodukte“ insgesamt an Bedeutung
für die Verbraucher*innen verloren hat. Fast ein Viertel der Befragten (23%) gaben
diesbezüglich einen Bedeutungsverlust an (Abbildung 1).
6
Abbildung 1: Veränderung der Wichtigkeit verschiedener Aspekte des Lebensmitteleinkaufs
nach Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikt (n=1.473).
In einer weiteren Fragestellung mussten die Verbraucher*innen abwägen zwischen der
Bedeutung von Klima- und Umweltschutz vs. Ökonomie in Krisenzeiten (Abbildung 2). Die
Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Bevölkerung recht gespalten ist, was diesen Trade-off
betrifft. Ungefähr ein Drittel der Befragten sind eher besorgt, dass das Thema Nachhaltigkeit
an Bedeutung verliert, ein weiteres Drittel ist diesbezüglich unsicher und das letzte Drittel sieht
die Unterstützung der Wirtschaft in Krisenzeiten im Vordergrund.
Im Detail zeigt sich einerseits, dass ein Teil der Befragten Sorge hat, dass aufgrund des
Kriegsausbruches Themen wie Umwelt- und Klimaschutz (Top-Scores: 43%), aber auch
7
Tierschutz (Top-Scores: 38%) in der Gesellschaft unwichtiger werden. Andererseits stimmen
auch 34% der Befragten der Aussage zu, dass die Unterstützung der Wirtschaft in Krisenzeiten
Vorrang vor Klima- und Umweltschutz hat. Es überwiegt der Anteil der Befragten (35%) die
zustimmen, dass der Kriegsausbruch eine Chance bietet, die Nachhaltigkeitsziele im eigenen
Land stärker umzusetzen.
Abbildung 2: Zustimmung und Ablehnung zur Abwägung der Wichtigkeit von Klima-
/Umweltschutz vs. Ökonomie in Krisenzeiten (n=1.473).
8
Vergleicht man die Ergebnisse dieser Studie im Hinblick auf die Aspekte, die mit
Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht werden, mit Daten, die im Verlauf der Corona-
Pandemie erhoben wurden, so zeigt sich deutlich, dass im November 2020 ein signifikant
größerer Anteil der Befragten angaben, dass Nachhaltigkeitsthemen (z.B. "Natur- und
Artenschutz" (48,8%), "Tierschutz" (47,7%), "Klima- und Umweltschutz" (45,3%)) durch die
Pandemie für sie wichtiger geworden sind (Busch et al., 2021). Die Corona-Krise wurde
außerdem von über der Hälfte der im Juni 2020 Befragten als Chance gesehen, dass
Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden können, während dieser Anteil aktuell mit 35% deutlich
geringer ist. Gleichzeitig ist der Anteil derer die angeben, dass vorrangig die Wirtschaft
unterstützt werden sollte, aktuell höher als während der Corona-Pandemie (Juni 2020: 20%)
(Busch et al., 2021, Busch et al., 2020).
Nachhaltigkeitsaspekte verlieren beim Lebensmitteleinkauf nicht grundsätzlich an Bedeutung,
sie rücken aber in den Hintergrund. Es zeigt sich sehr deutlich, dass momentan viele Einkäufe
durch die „Preis-Brille“ getätigt werden, auch Markenprodukte verlieren dadurch an
Bedeutung.
Dennoch haben trotz der gestiegenen Preise für knapp ein Drittel der Befragten auch
Nachhaltigkeitsaspekte an Bedeutung gewonnen. Es zeichnet sich ein Dilemma ab, zwischen
preisbewusst vs. nachhaltigem Einkaufen, was beispielsweise durch den Umstieg von
Herstellermarkenprodukte auf die günstigeren Handelsmarken (Stichwort: Trading-Down)
aufgelöst werden könnte, dies zeigen erste Zahlen bereits jetzt (GfK, 03/2022). Da viele
Handelsmarken inzwischen auch Bio- oder sonstige Nachhaltigkeitszertifizierungen haben
könnte dies einen Kompromiss für viele Menschen darstellen.
9
3.2 Erwartete Lebensmittelknappheiten und Vorratshaltung
In Abbildung 3 werden die Ergebnisse hinsichtlich der erwarteten Wahrscheinlichkeit von
Knappheiten bei verschiedenen Lebensmittelgruppen dargestellt. Über die Hälfte der Befragten
halten in nächster Zeit Knappheiten bei Speiseölen (Top-Scores: 67%) und bei
Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Zucker oder Nudeln (Top-Scores: 58%) bzw. bei Brot und
Backwaren (Top-Scores: 36%) für wahrscheinlich (Abbildung 3).
Unwahrscheinlich hingegen werden Knappheiten bei heimischem Obst wie Erdbeeren,
Himbeeren oder Äpfeln (Top-Scores: 68%), bei Alkohol (Top-Scores: 67%), sowie bei
Saisongemüse, z.B. Spargel (Top-Scores: 65%) angesehen.
Insgesamt gaben 78% der Befragten zumindest für eine Lebensmittelgruppe an, dass sie eine
Knappheit für eher bzw. sehr wahrscheinlich halten. Diese erwartete Knappheit bestimmter
Lebensmittel steht im Zusammenhang mit den von den Verbraucher*innen angegebenen
Gründen hierfür. So gaben 86% der Befragten, welche eine Knappheit erwarten und damit der
größte Teil der Befragten an, dass sie „Hamsterkäufe“ als Grund dafür sehen, dass Lebensmittel
knapp werden könnten (Abbildung 4). Eine Mehrheit der Befragten nennt außerdem eine
eingeschränkte landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine, sowie gestiegene
Lebensmittelpreise als wahrscheinliche Gründe für Lebensmittelknappheiten.
10
Abbildung 3: Erwartete Knappheiten bei verschiedenen Lebensmittelgruppen aufgrund des
Ausbruchs des Russland-Ukraine-Konflikts (n=1.473).
11
Abbildung 4: Wahrgenommene Gründe für Knappheiten (n=1.158).
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass, wie auch schon während der Corona-Pandemie,
„Hamsterkäufe“ als Hauptgrund für Lebensmittelknappheiten angesehen werden (Busch et al.,
2021). Dies erklärt auch die am wahrscheinlichsten erachteten Lebensmittelknappheiten bei
Speiseölen und Grundnahrungsmitteln wie Mehl, hier gab es einerseits die größten Preissprünge
(Destatis, 2022) und andererseits wurden hier in den Supermärkten auch wieder vermehrt leere
Regale beobachtet, da Verbraucher*innen erneut anfingen Produkte in großen Mengen zu
kaufen (Tagesschau, 2022). Da die Ukraine weltweit ein wichtiger Produzent von
Agrarprodukten ist und zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Sonnenblumenöl zählt,
erklärt sich auch der zweite Grund für Lebensmittelknappheiten, die „eingeschränkte
12
landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine“. Die weltweit stark angestiegenen Preise für
Lebensmittel werden zwangsläufig zu einem veränderten Einkaufsverhalten führen.
Vor diesem Hintergrund haben wir auch gefragt, ob die Befragten die vom Bundesamt für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfohlenen Lebensmittelvorräte für 10 Tage zu
Hause haben (Abbildung 5). Fast 40% der Befragten bejahten diese Frage, während sich 18%
nicht sicher sind. Als Gründe dafür keine Vorräte zu Hause zu haben wurde vor allem
angegeben, dass man Angst vor dem Verderb der Lebensmittel hat und dass es teuer ist, so viele
Lebensmittel einzukaufen, nur um sie einzulagern (Abbildung 6). Viele Verbraucher verfügen
auch nicht über den Platz für eine Vorratshaltung.
Es ist etwas überraschend zu sehen, dass der Anteil derer die Vorräte zuhause haben seit der
Corona-Pandemie wieder etwas gesunken ist. Dieser Wert lag im Juni bzw. November 2020
bei ungefähr 45% (Busch et al., 2021).
Abbildung 5: Vorhandensein von Lebensmittelvorräten für mindestens 10 Tage (n=1.473).
13
Abbildung 6: Gründe keine Vorräte zu haben (n=895).
14
3.4 Politik und Nahrungsmittelversorgung
Im Rahmen der Befragung interessierten wir uns auch dafür wie die Befragten die Reaktion der
Politik auf den Ausbruch des Krieges bewerten und inwiefern sie die Politik in der
Verantwortung sehen durch ihr Handeln Einfluss auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit zu
nehmen.
Knapp 30% (Top-Scores) der Befragten denken, dass die Regierung in Deutschland nicht
wahrheitsgetreu über den Russland-Ukraine Konflikt informiert. Weitere 38% sind sich
unsicher (teils/teils) und nur rund ein Drittel der Befragten gab an, dass sie glauben,
wahrheitsgetreu informiert zu werden (Abbildung 7).
Abbildung 7: Wahrheitstreue der Informationspolitik der Regierung (n=1.473).
Ein Großteil der Befragten (Top-Scores: 42,5%) hält außerdem die Reaktion der Regierung in
Anbetracht des Russland-Ukraine-Konflikts für nicht ausreichend (Abbildung 8). Rund 40%
der Studienteilnehmer*innen erachten die Maßnahmen als angemessen.
15
Abbildung 8: Wahrnehmung der Reaktion der deutschen Regierung in Anbetracht des
Ausbruchs des Russland-Ukraine-Konflikts (n=1.473).
Hinsichtlich der nationalen Versorgung mit Lebensmitteln finden es 84% der Befragten
wichtig, dass Deutschland seinen Bedarf an Grundnahrungsmitteln durch die eigene
Landwirtschaft decken kann, bzw. dass eine Mindestmenge jederzeit durch die heimische
Landwirtschaft abgedeckt sein sollte, auch in einer globalisierten Welt (Abbildung 9). Fast 80%
der Befragten sind außerdem der Meinung, dass die Politik Anreize für eine vielfältig
aufgestellte Landwirtschaft schaffen sollte.
Insgesamt zeigt sich eine sehr hohe Zustimmung für eine nationale Versorgung mit
Lebensmitteln in Deutschland, bzw. dass dahingehend politische Anreize geschaffen werden
sollten.
Gleichzeitig wird die deutsche Landwirtschaft von einem Großteil der Befragten als nicht
krisenfest angesehen (42%) und die deutsche Lagerhaltung von Grundnahrungsmitteln als nicht
ausreichend angesehen (43%). Rund 36% der Befragten sehen außerdem, dass es in einer
globalisierten Welt Probleme geben kann, wenn ein Großteil von Grundnahrungsmitteln aus
dem Ausland beschafft werden muss.
16
Abbildung 9: Zustimmung bzw. Ablehnung zu Statements die die nationale Selbstversorgung
betreffen (n=1.473).
Die Ergebnisse zeigen deutlich, analog wie auch schon im Laufe der Corona-Pandemie, dass
die Bevölkerung eine regionale Lebensmittelversorgung schätzt und es wichtig findet, dass eine
Mindestmenge an Grundnahrungsmitteln auch in Deutschland hergestellt wird (Busch et al.,
2021).
Gleichzeitig ist es überraschend zu sehen, dass die Krisenfestigkeit der deutschen
Landwirtschaft weitaus schlechter wahrgenommen wird als während der Pandemie. Im
November 2021 sahen 42% der Befragten die deutsche Landwirtschaft gut aufgestellt für
17
Krisenzeiten, in dieser aktuellen Befragung sehen das nur noch 18% der Befragten so (Busch
et al. 2021). Eine Erklärung dafür könnte sein, dass durch den Kriegsausbruch die
Abhängigkeiten von Agrarexporten bzw. Importen wesentlich stärker wahrgenommen wurde
und tatsächliche weltweite Knappheiten und Hungersnöte befürchtet werden, wenn v.a. in der
Ukraine weniger produziert und exportiert werden kann. Während der Corona-Pandemie
hingegen waren eher die Lieferketten gestört, als dass es tatsächlich weltweite Knappheiten an
Lebensmitteln gab.
18
3.5 Veränderung Einkaufs- und Ernährungsverhalten
Im Zuge der Corona-Krise reduzierte sich aufgrund von Restriktionen und der Angst sich beim
Einkauf im Supermarkt anzustecken, die Einkaufshäufigkeit sehr drastisch. Im Rahmen dieser
Befragung sollte gleichfalls ermittelt werden, ob es diesbezüglich eine Änderung als Reaktion
auf den Kriegsausbruch gab. So wurde konkret gefragt, wie häufig die Verbraucher*innen vor
Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts Lebensmittel einkauften und ob sich dies mit Beginn
der Krise geändert hat.
Interessanterweise zeigte sich, dass die Einkaufshäufigkeit seit Beginn der Krise leicht
gesunken ist und nun rund 6% mehr angeben nur noch ein Mal in der Woche einzukaufen
(Abbildung 10). Dies spricht indirekt für eine Abnahme von Spontankäufen und eine Zunahme
geplanter Wocheneinkäufe.
Abbildung 10: Einkaufshäufigkeit Lebensmittel vor und nach Beginn Ukraine-Krise (n=1.473).
In der Studie wurden die Befragten auch gebeten, an das Geld zu denken, welches sie für
Lebensmittel und Essen ausgeben. Dann mussten sie angeben, was seit Ausbruch des Russland-
Ukraine-Konflikts am ehesten auf sie zutrifft. Fast 70% gaben an mehr Geld für Lebensmittel
auszugeben (Abbildung 11).
In Bezug auf die Lebensmittelausgaben lässt sich feststellen, dass die überwältigende Mehrheit
der Verbraucher*innen, derzeit mehr Geld für Lebensmittel ausgibt bzw. ausgeben muss.
19
Abbildung 11: Veränderung Lebensmittelausgaben (n=1.473).
Neben der Frage nach dem Budget wurden den Studienteilnehmer*innen weitere konkrete
Fragen zum Lebensmitteleinkauf gestellt. Auch bei diesen sticht das Thema des Preises deutlich
hervor (Abbildung 12). So gaben 68% (Topscores) an bei Lebensmitteln momentan besonders
auf Sonderangebote zu achten, bzw. 58% (Topscores) achten in der jetzigen Zeit darauf
günstige Lebensmittel einzukaufen. Etwas weniger als ein Fünftel gab an aufgrund der
aktuellen Situation Lebensmittel auf Vorrat gekauft zu haben.
Abbildung 12: Veränderung Kaufverhalten (n=1.473).
Bei den Beweggründen seit Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts mehr Lebensmittel
einzukaufen, gaben aus diesem Segment die meisten an, Angst vor einem Anstieg der
Lebensmittelpreise (81%) zu haben (Abbildung 13). Rund zwei Drittel dieser Gruppe haben die
20
Befürchtung vor einem weltweiten Kriegsausbruch und haben deshalb mehr Lebensmittel
gekauft.
Abbildung 13: Beweggründe Mehreinkauf (n=199)
Um eine detaillierte Übersicht zu Änderungen beim Einkaufs- und Ernährungsverhalten über
Produktgruppen zu erhalten, mussten die Befragten angeben, inwiefern sich ihr Verzehr von
Lebensmitteln im Vergleich zu vor dem Ausbruch des Russland-Ukraine Konflikts verändert
hat. Die konkrete Frage lautete: Welche der folgenden Lebensmittel verzehren Sie derzeit mehr
oder weniger als vor Beginn des Krieges?
Deutlich hervor sticht, dass rund 30% (Topscores) angaben weniger Speiseöl zu konsumieren.
Mit etwas Abstand folgen die Kategorien Frisches Fleisch oder Fischprodukte“ (27%) und
Alkohol (25%) (Abbildung 14).
Eine ähnlich lautende Frage mit Fokus auf den Produktkategorien wurde auch nochmals für den
„Kauf“ und nicht den „Verzehr“ von Lebensmitteln gestellt. Hintergrund hierfür ist, dass es
möglich ist, dass Haushalte z.B. bestimmte Lebensmittel mehr kaufen, um diese dann zu horten
bzw. zu lagern, aber nicht um diese zeitnah zu konsumieren bzw. zu verzehren. Hervorzuheben
ist allerdings, dass Verzehr und Kauf fast deckungleich erscheinen (Abbildung 15).
21
Abbildung 14: Veränderung Verzehr nach Produktkategorien (n=1.473).
22
Abbildung 15:Veränderung Kauf nach Produktkategorien (n=1.473).
23
3.6 Emotionen Angst- und Stresswirkungen der Krise
Im Rahmen der Befragungen wurde außerdem ermittelt, ob die Russland-Ukraine-Krise auch
eine emotionale bzw. Stresswirkung auf die Verbraucher*innen ausübt. Hierfür wurde in einer
Eingangsfrage direkt Auskunft darüber gefordert, wie sehr sich die Befragten der momentanen
Ausnahmesituation gewachsen sehen.
Nur etwas weniger als 40% der Befragten gaben an der momentanen Situation sehr gut bzw.
eher gut emotional gewachsen zu sein (Abbildung 16). Ein Großteil der Interviewten ist
diesbezüglich indifferent und rund 1/5 kommt eher schlecht bzw. sehr schecht emotional mit
der jetztigen besonderen Lage zurecht.
Abbildung 16: Wie fühlen Sie sich emotional der momentanen Ausnahmesituation gewachsen?
(n=1.473).
Mehr als 40% der Studienteilnehmer*innen (aggregierte Werte von 7-10) gab an derzeit
gestresst bzw. sehr gestresst zu sein (Abbildung 17). Bei der Vergleichsfrage, zum aktuellen
Stressempfinden vor Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikt zeigt sich, dass es bei den
meisten Befragten zu einer Zunahme des Stresses gekommen ist (Abbildung 18). Dasselbe zeigt
sich, im Vergleich zu der Situation im ersten Corona-Lockdown (Abbildung 19).
24
Abbildung 17: Wie gestresst fühlen Sie sich derzeit im Leben? (n=1.473).
Hinweis: 1 bedeutet dabei überhaupt nicht gestresst und 10 bedeutet dabei sehr gestresst.
Abbildung 18: Wie gestresst fühlen Sie sich jetzt im Vergleich zu der Situation vor Ausbruch
des Russland-Ukraine-Konflikts? (n=1.473).
Hinweis: 1 bedeutet dabei überhaupt nicht gestresst und 10 bedeutet dabei sehr gestresst.
25
Abbildung 19: Wie gestresst fühlen Sie sich aktuell im Vergleich zu der Situation im ersten
Corona-Lockdown (März/April 2020)? (n=1.473).
Hinweis: 1 bedeutet dabei überhaupt nicht gestresst und 10 bedeutet dabei sehr gestresst.
Der Russland-Ukraine-Konflikt übt bei rund 20% der Befragten (aggregierte Werte 7-10) einen
starken bis sehr starken Einfluss auf das tägliche Leben aus (Abbildung 20).
Abbildung 20: Wie stark ist momentan der Einfluss des aktuellen Russland-Ukraine-
Konflikts auf Ihr tägliches Leben? (n=1.473).
26
Des Weiteren wurde detaillierter danach gefragt, inwieweit Themen, die einen Bezug zum
Russland-Ukraine-Konflikt haben, die Befragten beschäftigen (Abbildung 21). Die meisten
Menschen zeigen Zweckoptimismus und geben an, dass es auch nicht hilft den Kopf in den
Sand zu stecken (Top-Scores: 74%). Allerdings zeigt sich auch, dass sich die deutsche
Bevölkerung Gedanken macht über die derzeitigen Krisen bzw. sich fragt, was denn als
nächstes kommt (Top-Scores: 57%). So geben auch relativ viele der Befragten an (Top-Scores:
42%) sich angesichts der vielen Krisen, die es momentan gibt, recht hilflos zu fühlen.
Abbildung 21: Wie sehr beschäftigen Sie die folgenden Dinge in Bezug auf den Russland-
Ukraine-Konflikt? (n=1.473).
27
3.7 Welche Rolle spielt Corona aktuell?
Nur etwas mehr als 20% der Bevölkerung gab zum Zeitpunkt der Befragung an, dass es sehr
wahrscheinlich bzw. eher wahrscheinlich ist, sich momentan mit dem Coronavirus anzustecken
(Abbildung 22). Diese Selbsteinschätzung ist sehr erstaunlich angesichts der zur Zeit der
Datenerhebung hohen Inzidenzwerte. Analog hierzu sind auch nur etwas mehr als 1/5 der
Befragten sehr besorgt bzw. besorgt in Bezug auf eine Ansteckung (Abbildung 23).
Abbildung 22: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Sie sich momentan mit dem
Coronavirus anstecken? (n=1.473).
Abbildung 23: Wie besorgt sind Sie momentan über eine mögliche Ansteckung mit dem
Coronavirus?
28
Der überwiegende Teil der Bevölkerung geht davon aus, dass sie sich durch ihr Verhalten gut
vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können (Abbildung 24). Hervorzuheben
ist allerdings, dass das Risiko im Falle einer Infektion ernsthaft zu erkranken als hoch
eingeschätzt wird (Abbildung 25). So sehen fast 5% dieses als sehr ernstes und etwas mehr als
23% als zumindest eher ernstes Risiko.
Abbildung 24: Was glauben Sie: wie gut können Sie sich selbst durch Ihr Verhalten vor einer
Ansteckung mit dem Coronavirus schützen? (n=1.473).
Abbildung 25: Für wie ernst halten Sie das Risiko für Ihre Gesundheit, falls Sie sich mit dem
Coronavirus infizieren? (n=1.473).
29
Die Corona-Pandemie übt bei rund 20% der Befragten (aggregierte Werte 7-10) einen starken
bis sehr starken Einfluss auf das tägliche Leben aus (Abbildung 26). Dieser Wert ist
vergleichbar mit dem Einfluss des Russland-Ukraine-Konfliktes auf das Leben der
Studienteilnehmer*innen. Auch hierfür gaben rund 20% der Befragten einen starken bis sehr
starken Einfluss an.
Abbildung 26: Wie stark ist momentan der Einfluss der Corona-Pandemie auf Ihr tägliches
Leben? (n=1.473).
30
4 Zusammenfassung und Fazit
Preise sind wieder ein dominierendes Thema beim Lebensmitteleinkauf und werden es
vermutlich auch erst mal bleiben. Marken verlieren dadurch an Bedeutung,
Nachhaltigkeitsaspekte scheinen dadurch teilweise leicht in den Hintergrund zu rücken.
Insgesamt gaben 78% der Befragten zumindest für eine Lebensmittelgruppe an, dass sie
eine Knappheit für eher bzw. sehr wahrscheinlich halten.
Es ist überraschend zu sehen, dass der Anteil derer die Vorräte zuhause haben seit der
Corona-Pandemie wieder etwas gesunken ist.
Insgesamt zeigt sich eine sehr hohe Zustimmung für eine nationale Versorgung mit
Lebensmitteln in Deutschland, bzw. dass dahingehend politische Anreize geschaffen
werden sollten.
Ungefähr ein Drittel der Befragten sind eher besorgt, dass das Thema Nachhaltigkeit an
Bedeutung verliert, ein weiteres Drittel ist diesbezüglich unsicher und das letzte Drittel
sieht die Unterstützung der Wirtschaft in Krisenzeiten im Vordergrund.
Die Krisenfestigkeit der deutschen Landwirtschaft wird weitaus schlechter
wahrgenommen als während der Corona-Pandemie.
Der Russland-Ukraine-Konflikt über einen starken Einfluss auf die Menschen in
Deutschland aus. Dies schlägt sich auch im Kaufverhalten für Lebensmittel nieder.
31
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Article
Full-text available
Since the beginning of 2020, the world has been hit by the SARS‐CoV‐2 virus that causes Covid‐19. To hamper its spread, policymakers of many countries have put in place strong countermeasures, including lockdowns, that have led to significant changes in people's lifestyles and daily routines. This article aims at assessing the changes caused by Covid‐19 in sustainable consumer behavior under multiple perspectives, contributing to advance knowledge at the intersection between consumer dynamics and sustainable consumer behavior literature. A survey was conducted on 1.535 Italian consumers between December 2020 and February 2021. Respondents were asked to assess the extent to which their consumption behavior—purchase frequency, willingness to pay a premium price, sense of moral duty to purchase, social influence to purchase—related to several categories of sustainable products changed due to the pandemic, as well as the extent to which the pandemic impacted on many other aspects, including their environmental awareness, concern, and habits. Results show that Covid‐19 generated relevant changes. Consumers have increased their purchase frequency and willingness to pay for sustainable products, show growing attention to environmental issues, and behave more sustainably. Further, the extent of change is strongly affected by socio‐demographic variables, such as gender, age, income, and education. For instance, women reported a higher shift towards sustainable consumption and behavior than men. Understanding these changes is important to guide marketers and policymakers to respond promptly and effectively to them and to leverage on them to foster a transition towards a more sustainable society.
Wie gestresst fühlen Sie sich aktuell im Vergleich zu der Situation im ersten Corona-Lockdown (März
Abbildung 19: Wie gestresst fühlen Sie sich aktuell im Vergleich zu der Situation im ersten Corona-Lockdown (März/April 2020)? (n=1.473).
Ernährungsverhalten sowie Resilienz des Ernährungssystems aus Sicht der Bevölkerung: Ergebnisse einer Studie während der Corona-Pandemie im
  • Einkaufs -Und
Einkaufs -und Ernährungsverhalten sowie Resilienz des Ernährungssystems aus Sicht der Bevölkerung: Ergebnisse einer Studie während der Corona-Pandemie im April 2020. URL: https://www.uni-
2020)b: Einkaufs-und Ernährungsverhalten sowie Resilienz des Ernährungssystems aus Sicht der Bevölkerung: Eine Studie während der Corona-Pandemie im Juni 2020. Ergebnisse der zweiten Befragungswelle, Diskussionsbeitrag Nr
  • G Busch
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  • S Iweala
  • C Mehlhose
  • C Rubach
  • A Schütz
  • K Ullmann
  • A Spiller
Busch, G., Bayer, E., Iweala, S., Mehlhose, C., Rubach, C., Schütz, A., Ullmann, K., Spiller, A. (2020)b: Einkaufs-und Ernährungsverhalten sowie Resilienz des Ernährungssystems aus Sicht der Bevölkerung: Eine Studie während der Corona-Pandemie im Juni 2020. Ergebnisse der zweiten Befragungswelle, Diskussionsbeitrag Nr. 2004 des Departments für
Inflationsrate im Mai voraussichtlich bei +7,9%. Pressemitteilung 221 vom 30
  • Destatis
Destatis (2022): Inflationsrate im Mai voraussichtlich bei +7,9%. Pressemitteilung 221 vom 30. Mai 2022. Abrufbar unter:
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