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Abstract

Umfrage in Bremen und Bremerhaven zur Rohstoffabhängigkeit der Energiewende und Empfehlungen der Enquetekommission "Klimaschutzstrategie für das Land Bremen" zu den Bereichen Mobilität und Wärmeversorgung Bremen, 11. Mai 2022 Prof. Dr. Uwe Engel
Zukunftsperspektive Energiewende
Umfrage in Bremen und Bremerhaven
zur Rohstoffabhängigkeit der Energiewende und
Empfehlungen der Enquetekommission „Klima-
schutzstrategie für das Land Bremen“ zu den Berei-
chen Mobilität und Wärmeversorgung
Bremen, 11. Mai 2022
Prof. Dr. Uwe Engel
2
„Zukunftsperspektive Energiewende“ bei radiobremen
buten un binnen hat die Umfrage und zentrale Ergebnisse daraus vorgestellt:
Kristian Klooß (6. Mai 2022):
Bremer Studie zeigt: Frauen und Männer ticken bei Klimafragen anders.
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/umfrage-uni-bremen-energiepolitik-maen-
ner-frauen-100.html
Interview
Kristian Klooß (6. Mai 2022):
Bremer Forscher: Frauen wägen bei Klimafragen politische Faktoren ab
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/interview-umfrage-uni-bremen-energiepoli-
tik-frauen-maenner-vergleich-100.html
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Impressum
Verantwortlich:
Prof. Dr. Uwe Engel, Professor am Fachbereich Sozialwissenschaften
der Universität Bremen (pensioniert seit 10/2020)
Internet:
https://www.viewsandinsights.com/willkommen-bei-views-insights
Kontakt:
uengel@uni-bremen.de
info@viewsandinsights.com
3
Klimaschutzstrategie für das Land Bremen
Im Dezember 2021 hat die Enquetekommission „Klimaschutzstrategie für das Land Bremen“ der Bre-
mischen Bürgerschaft ihren Abschlussbericht vorgelegt. Darin werden die Klimaziele für das Land
Bremen und Handlungsempfehlungen beschrieben. Der Abschlussbericht wurde am 23. Februar 2022
in der 34. Sitzung von der Bremischen Bürgerschaft zur Kenntnis genommen1.2
Nach einer allgemeinen Frage zur Energiewende in Deutschland wurde den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern an der Umfrage „Zukunftsperspektive Energiewende“ Gelegenheit gegeben, zu einigen
Zielen und Empfehlungen der Enquetekommission für Mobilität/Verkehr und Wohnen/Gebäude Stel-
lung zu beziehen.
Zusammenfassung
Die Energiewende zielt im Kern auf die Ersetzung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energiequel-
len ab. Nach üblichem Narrativ sind Kohle, Erdöl und Erdgas negativ zu bewerten, weil sie dem Klima
schaden, während die Nutzung von Wind-, Sonnen- und Wasserkraft positiv zu bewerten ist, weil sie
klimafreundlich ist. Unterschlagen wird dabei nur, dass auch die Nutzung erneuerbarer Energien nicht
ohne Rohstoffe auskommt, für deren Ausbeutung und Verarbeitung Mensch und Natur in Mitleiden-
schaft gezogen werden. Auch wird aktuell die Abhängigkeit von russischem Erdgas als Argument für
eine beschleunigte Energiewende propagiert und dabei übersehen, dass für die Energiewende benö-
tigte Rohstoffe andere, nicht weniger problematische Abhängigkeiten zu Staaten außerhalb Europas
stärken. Wie also mit diesen Abhängigkeiten und Begleitumständen der Energiewende umgehen: als
unvermeidbare Kollateralschäden bei der Verwirklichung des übergeordneten Ziels des Klimaschutzes
ansehen oder darauf in irgendeiner Weise Rücksicht nehmen? Die Umfrage zeigt, dass nur für ein Fünf-
tel der Befragten die Energiewende keinerlei Rücksicht nehmen, schnellstens umgesetzt und ggf. auch
Abhängigkeiten von autoritär regierten Ländern akzeptiert werden sollten. Hingegen sprechen sich
über zwei Drittel der Befragten dafür aus, Rohstoffe durch verstärktes Recycling, Diversifizierung des
Rohstoffbedarfs und durch eine Reduzierung des Energiebedarfs einzusparen. Für gut die Hälfte steht
die Versorgungssicherheit durch einen Mix aus fossilen und verschiedenen erneuerbaren Energiequel-
len an oberster Stelle, und für knapp ein Viertel, dass Europa vom Import benötigter Rohstoffe unab-
hängig wird. Männer tendieren dabei verbreiteter als Frauen in ihrer Präferenz dazu, die Energiewende
kompromisslos schnell umsetzen zu wollen, Rohstoffe durch technische Lösungen einzusparen und
Versorgungssicherheit gegenüber der Art der Energiequelle zu priorisieren, wohingegen umgekehrt
Frauen verbreiteter als Männer Rohstoff-Autarkie gegenüber Nicht-EU Ländern und Beachtung des
Naturschutzes bei der Energiewende betonen.
1 https://www.bremische-buergerschaft.de/index.php?id=enquete-klimaschutz&noMobile=1
2 Der Abschlussbericht sowie Stellungnahmen und Gutachten sind von der Webseite der Bremischen Bürger-
schaft herunterladbar:
https://www.bremische-buergerschaft.de/index.php?id=747
4
Es sind eher die älteren als jüngeren Altersgruppen, die dem Klimaschutz eine übergeordnete Bedeu-
tung als globale Aufgabe beimessen, für die lokal auch Nachteile in Kauf genommen werden müssen.
Die Empfehlungen der Enquetekommission für den Bereich Mobilität und Verkehr stoßen in der Be-
völkerung auf teils hohe und auf teils geringe Zustimmung. Gut kommen die Ermöglichung von bezahl-
barer Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen und die Einrichtung einer Infrastruktur für gut kombi-
nierbare Mobilitätslösungen an. Hierfür sprechen sich ungefähr bzw. knapp zwei Drittel der Befragten
aus. Auf deutlich geringere Zustimmung treffen die Ziele, die auf den Autoverkehr abzielen, also etwa
darauf, den motorisierten Individualverkehr stark zu verringern, das Modell einer autofreien Innen-
stadt zu verfolgen, sowie Tempo 30 als flächendeckende Regelgeschwindigkeit einzuführen.
Mit Blick auf die Möglichkeiten, die das Land Bremen im Bereich Mobilität und Verkehr fordern und
fördern sollte, wird vorrangig dafür plädiert, häufiger vom Auto auf Fahrrad und Bus/Bahn umzustei-
gen, den motorisierten Individualverkehr auf batteriebetriebene Elektromobilität umzustellen und in-
telligente Technik zur Verkehrslenkung einzusetzen. Auch bei der Ersetzung fossiler Kraftstoffe durch
CO2 neutrale Kraftstoffe sowie bei wasserstoffgetriebener E-Mobilität werden Akzente gesetzt, dies
allerdings nachrangiger.
Das für das Land Bremen vorgesehene Modell der Wärmeversorgung von Wohnungen und Gebäude
sieht ein Fernwärmenetz auf Erdgasbasis für innenstadtnahe Wohngebiete und eine weitgehend au-
tonome Selbstversorgung auf Strombasis von/in weniger dicht besiedelten Wohngebieten mit vielen
Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern vor. Einerseits soll dafür das Erdgasnetz „H2-ready“ werden,
also auf Wasserstoffbasis umgestellt werden können, zugleich in Teilen Bremens und Bremerhavens
aber auch zurückgebaut werden, um dort in der Regel, falls möglich unterstützt durch Solartechnik auf
dem Hausdach, künftig mit Strom aus Wärmepumpen zu heizen. Dieses Modell trifft in der Bevölke-
rung deutlich weniger verbreitet auf Akzeptanz als ein Modell, das auf den Rückbau verzichten und das
gesamte Netz auf Wasserstofftauglichkeit umstellen und Hauseigentümerinnen und -eigentümern die
Option bieten würde später selbst zu entscheiden, ob sie mit klimafreundlichem Wasserstoff heizen
oder von Gasheizung auf Stromheizung umstellen wollen.
Dabei unterscheiden sich die Altersgruppen deutlich in ihrer Präferenz für die zur Bewertung vorgeleg-
ten Szenarien: das Enquete-Modell stößt bei mittleren Altersgruppen auf größere positive Resonanz
als bei Jüngeren und Älteren, während es sich beim Alternativszenario „H2 oder Strom“ genau umge-
kehrt verhält. Und für das Szenario, nur noch mit Strom zu heizen, ist festzustellen, dass seine Akzep-
tanz über die Altersgruppen hinweg annähernd gradlinig (linear) absinkt.
5
Design und Durchführung der Studie
Konzeption, Durchfüh-
rung und Auswertung
der Studie
Prof. Dr. Uwe Engel
Views & Insights.com
Die zur Umfrage eingeladenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben
die Interviews online auf der Survey-Plattform von viewsandin-
sights.com, Bremen, beantwortet:
https://limesurvey.viewsandinsights.com/
Kooperation
Die Einladungen zur Umfrage erfolgten via Marktforschungs-Onlinepa-
nels der Innofact AG Research & Consulting
Stichprobenziehung
und Feldsteuerung
Innofact AG Research & Consulting, Düsseldorf
Interviewzeitraum
Die Interviews wurden im Zeitraum von Mittwoch, 30. März bis Sonntag,
3. April 2022 realisiert.
Durchschnittliche Inter-
viewdauer
Median: 3.6 Minuten; die mittleren 50% der Interviews rangieren zwi-
schen 2.3 und 5.3 Minuten Bearbeitungszeit
Stichprobe
Nach Alter und Geschlecht repräsentative Auswahl der Bevölkerung von
Bremen und Bremerhaven. Berücksichtigt wurde die Altersspanne von
18 bis 70 Jahren.
Fallzahl
Insgesamt: N=330 realisierte komplette Interviews, darunter N
1
= 288
aus Bremen und N2=42 aus Bremerhaven.
Stichprobengewichtung
Per Gewichtung wurden kleinere Abweichungen nach Altersgruppe, Ge-
schlecht und Stadt ausgeglichen. Bezugspunkt: Bevölkerungsstand nach
den Zahlen des Statistischen Landesamtes Bremen (Stand: 31-12-2020).
Tabellen
Ausgewiesen werden generell die nach Altersgruppe, Geschlecht und
Stadt gewichteten Häufigkeitsverteilungen. Für den Vergleich ‚Bremen
Bremerhaven‘ wurde separat für die beiden Städte jeweils nach Alters-
gruppe und Geschlecht gewichtet.
6
Ergebnisse
Energiewende und ihre Abhängigkeit von Rohstoffen
Die Energiewende zielt im Kern auf die Ersetzung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energiequel-
len ab. Solche „grünenEnergiequellen werden positiv bewertet, weil sie wesentlich dazu beitragen,
die globale Erderwärmung zu begrenzen. Ohne diese positive Bewertung für den Klimaschutz infrage
stellen zu wollen, ist allerdings darauf aufmerksam zu machen, dass Mensch und Natur auch für die
Umstellung auf erneuerbare Energien einen Preis zahlen. Denn ohne Rohstoffe kann auch aus Wind-
und Sonnenkraft keine Energie gewonnen werden. Auch diese Rohstoffe müssen irgendwo auf dieser
Welt abgebaut und verarbeitet werden. Dabei geht es um Rohstoffe für Elektromotoren, Batterien,
Solarmodule und Windturbinen. In der Diskussion wird darauf aufmerksam gemacht, dass beispiels-
weise für Windenergieanlagen Basismetalle wie Stahl, Nickel und Kupfer in großen Mengen sowie teil-
weise auch seltene Erden benötigt werden. Bei Batterien von Elektromotoren wird auf Nickel, Lithium,
Graphit, Mangan und Kobalt sowie darauf verwiesen, dass aufgrund der Elektrifizierung die Nachfrage
nach Kupfer stark steigen werde.3 Mit dem Ausbau der Photovoltaikbranche werde der Bedarf von
Kupfer und Silber stark steigen. Auch die Wasserstofftechnologie werde zu einem Anstieg der Metall-
nachfrage führen, „insbesondere für Elektrolyseure (Nickel und Zirkonium) und Brennstoffzellen (Pla-
tin)“; außerdem „könnte der Lithiumbedarf der EU für Elektrofahrzeuge und Speichersysteme bis 2030
um das 18-fache (bis 2050 um das 60-fache) und der Kobaltbedarf um das 5-fache (bis 2050 um das
15-fache) steigen4.
Die Internationale Energieagentur (2022: 11-12) macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerk-
sam5, dass die Produktion vieler benötigter Mineralien konzentrierter sei als die von Öl oder Erdgas.
Bei Lithium, Kobalt und seltenen Erden würden die drei größten Produktionsnationen beispielsweise
weit über drei Viertel der globalen Produktion kontrollieren. 2019 seien die Demokratische Republik
Kongo und die Volksrepublik China 2019 für etwa 70 % bzw. 60 % der weltweiten Produktion von Ko-
balt und seltenen Erden verantwortlich gewesen. Noch höher sei der Konzentrationsgrad bei der Ver-
edelung. Hier sei insbesondere China mit Anteilen von etwa 35 % für Nickel, 50-70 % für Lithium und
Kobalt und fast 90 % für seltene Erden vertreten.
Um die Rohstoffe abzubauen, sind Bergbau und damit erhebliche Eingriffe in die Umwelt erforderlich.
Auch die Verarbeitung/Veredelung dieser Rohstoffe wird als umweltschädlich beschrieben. Abbau und
Verarbeitung dieser Rohstoffe beeinträchtigen zudem die Lebensqualität der Menschen vor Ort und
werden auch mit Menschenrechtsverletzungen (z.B. Kinderarbeit in Bergbauminen) in Verbindung ge-
bracht6. In dem oben zitierten Hintergrundpapier zur Rolle von kritischen Metallen bei der
3 Gilles Lepesant (2021). Hintergrundpapier zur Rolle von kritischen Metallen bei der Energiewende: Heraus-
forderungen und Strategien.“
https://energie-fr-de.eu/de/gesellschaft-umwelt-wirtschaft/aktuelles/leser/hintergrundpapier-zur-rolle-von-
kritischen-metallen-bei-der-energiewende.html
4 Kritische Metalle und seltene Erden für die Energiewende (27.09.2021). energiezukunft. Das Portal für Erneu-
erbare Energien und die bürgernahe Energiewende.
https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft/kritische-metalle-und-seltene-erden-fuer-die-energiewende/
5 International Energy Agency (March 2022). The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions.
https://www.iea.org/reports/the-role-of-critical-minerals-in-clean-energy-transitions
6 Lukas Scheid (20. März 2021). Elektromobilität: Der Weg zu fairen Batterien.
7
Energiewende beschreibt es Lepesant (2021: 3) beispielsweise so: „Der starke Flächenbedarf der Berg-
werke, die Spannungen bezüglich der Wasserversorgung und die fehlende Achtung der Menschen-
rechte in bestimmten Ländern werfen die Frage nach dem Mehrwert der Energiewende im Hinblick
auf den Umweltschutz und die Achtung von lokalen Bevölkerungen auf.“
Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung
Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie in der Bevölkerung auf hinreichende Akzeptanz stößt.
Das betrifft ggf. erforderliche Änderungen in Verhaltensgewohnheiten und das betrifft den Einsatz
neuer Technologien. Akzeptanz ist ein hohes Gut und Klimaschutz ist ein überzeugendes Motiv für die
Energiewende. Aber bleibt es das auch, wenn das üblicherweise eng gefasste Narrativ sachadäquat
erweitert wird? Denn nach üblichem Narrativ sind fossile Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas) ge-
nerell negativ zu bewerten, weil sie dem Klima schaden und sich ihre Vorräte zudem absehbar erschöp-
fen werden, während die Nutzung von Wind-, Sonnen- und Wasserkraft generell als gut zu bewerten
ist, weil sie klimafreundlich ist. Unterschlagen wird dabei nur, dass auch die Nutzung solcher erneuer-
baren Energien nicht ganz ohne Rohstoffe auskommt, für deren Ausbeutung und Verarbeitung Mensch
und Natur in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie also sollte bei der Verwirklichung der Energie-
wende mit dieser unvermeidbaren Abhängigkeit von Rohstoffen und den Begleitumständen ihrer Aus-
beutung und Verarbeitung umgegangen werden? Wie sehr sollte die Ausgestaltung der Energiewende
darauf Rücksicht nehmen, oder wie sehr sollte sie diese Begleitumstände im Gegenteil als unvermeid-
bare Kollateralschäden bei der Verwirklichung des übergeordneten Ziels des Klimaschutzes ansehen?
Die Einstiegsfrage zur Energiewende greift dieses Thema und damit verbundene Handlungsoptionen
auf (Tabelle 1). Die Spannweite in den Zustimmungsprozenten zu einzelnen thematischen Aspekten
ist beträchtlich und rangiert von 6.1 Prozent für eine kompromisslos schnelle Umsetzung der Energie-
wende bis hin zu 53 Prozent Zustimmung dafür, den Rohstoffbedarf durch Recycling zu verringern.
Werden ergänzend die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Antworten berücksichtigt, so wird
die in Tabelle 2 skizzierte Gruppierung der Aussagen nahegelegt.
Die höchsten Zustimmungswerte erzielt dabei die Haltung, Rohstoffe einzusparen. Und zwar durch …
verstärktes Recycling (53.0%)
Diversifizierung des Rohstoffbedarfs, exemplarisch: Verringerung des Batteriebedarfs bei der
Elektromobilität, dafür stärkere Wasserstoffnutzung (Brennstoffzelle) (44.2%)
Reduzierung des Energiebedarfs insgesamt (31.8%)
Dabei liegt der Anteil derer, die sich hier für Recycling und/oder Diversifizierung und/oder Reduzie-
rung des Energiebedarfs ausgesprochen haben, bei 70.6 Prozent. Dabei unterscheiden sich Männer
und Frauen signifikant in dieser Präferenz (***p 0.05): 76.2 % der Männer und 64.6 % der Frauen
würden Rohstoffe durch technische Lösungen (Recycling, Nutzung verschiedener Techniken) bzw.
verhaltensbezogene Lösungen (Reduzierung des Energiebedarfs) einsparen (Tabelle 3).
https://www.zeit.de/mobilitaet/2021-03/elektromobilitaet-akku-batterie-elektroauto-rohstoffe-abbau-um-
weltschutz-menschenrechte
8
Tabelle 1 (Fragetext) Verkehrswende bedeutet: Weg von Kohle, Erdgas und Erdöl - hin zu erneu-
erbarer "grüner" Energie. Neben dem Klimaschutz wird aktuell auch die Abhängigkeit von russi-
schem Erdgas stark thematisiert. Allerdings benötigen auch Elektromotoren, Batterien, Solarmo-
dule und Windturbinen Rohstoffe, deren Abbau und Verarbeitung sich nur auf wenige Länder kon-
zentrieren und dort vielfach mit erheblichen Umwelteingriffen, Beeinträchtigungen der Lebens-
qualität und Menschenrechtsverletzungen der lokalen Bevölkerung einhergehen.
Wie sollte Deutschlands Energiewende darauf Rücksicht nehmen?Mehrfachnennungen möglich
Ausgewiesen wird jeweils der Prozentsatz derer,
die eine Aussage als zutreffend markiert haben
Energie1_
Aussage
Alle
Bremen
Bremer-
haven
Mann
Frau
A1
(-) Klimaschutz ist als globale
Aufgabe so wichtig, dass lokale
Nachteile für Umwelt und Bevöl-
kerung in Kauf genommen wer-
den müssen.
26.7
28.5**
16.7**
30.2
23.0
A2
Für Elektroantriebe von Pkw
nicht nur auf batteriebetriebene,
sondern auch auf wasserstoffbe-
triebene Pkw setzen.
44.2
45.3
38.1
47.6
40.7
A3
Die Recyclingquote bei benö-
tigten Rohstoffen deutlich erhö-
hen, um so weniger Rohstoffe
abbauen zu müssen.
53.0
52.8
54.8
54.2
51.9
A4
Benötigte Rohstoffe so schnell
wie möglich nur noch in Europa
abbauen/verarbeiten.
23.0
24.7*
14.3*
16.0***
30.4***
A5
Gar keine Rücksicht nehmen.
Die Energiewende muss
schnellstens verwirklicht wer-
den.
6.1
6.9
2.4
5.4
6.8
A6
Den Energiebedarf Deutsch-
lands deutlich verringern
31.8
33.3
26.2
34.9
29.0
A7
Nur ein Mix aus fossilen und
verschiedenen erneuerbaren
Energiequellen kann helfen,
nicht zu sehr von einzelnen Län-
dern abhängig zu werden.
34.8
36.8
25.6
32.7
37.3
Prozentsatzdifferenz Bremen vs. Bremerhavenbzw. Mann vs. Frauist statistisch signifikant: ***(p 0.05)
bzw. annähernd signifikant **(p 0.06) bzw. *(p 0.08)
9
Energie1_
Alle
Bre-
men
Bremer-
haven
Mann
Frau
A8
Eine schnelle Umsetzung der
Energiewende ist alternativlos.
Dafür muss Deutschland auch
Abhängigkeiten von autoritär re-
gierten Ländern akzeptieren.
15.8
16.7
11.9
20.8***
10.5***
A9
Oberstes Ziel muss stets die
Versorgungssicherheit sein. Wel-
che Energiequellen dafür ge-
nutzt werden, ist zweitrangig.
28.5
26.7
38.1
35.1***
21.6***
A10
| Naturschutz auch im eige-
nen Land beachten.
42.4
43.1
38.1
36.3***
48.4***
A11
Weiß nicht. Kann dazu nichts sa-
gen.
9.4
6.6***
23.8***
6.0***
13.0***
Die Reihenfolge der Aussagen wurde für jedes Interview zufällig neu generiert, um bei der statisti-
schen Auswertung ansonsten mögliche Reihenfolgeeffekte ausschließen zu können.
Tabelle 2
Haltungen
Rohstoffe durch Recycling, Wasserstoffnutzung und Reduzierung des Energiebedarfs einspa-
ren; Naturschutz auch im eigenen Land beachten
Versorgungssicherheit als oberstes Ziel durch einen Mix aus fossilen und verschiedenen er-
neuerbaren Energiequellen sicherstellen; zugleich wird nicht reklamiert, dass Klimaschutz
als globale Aufgabe so wichtig sei, dass dafür lokale Nachteile für Umwelt und Bevölkerung
in Kauf genommen werden müssten.
Vom Import benötigter Rohstoffe aus Ländern außerhalb Europas unabhängig werden; Na-
turschutz auch im eigenen Land beachten
Für die Energiewende auch Abhängigkeiten von autoritär geführten Ländern akzeptieren
Keinerlei Rücksicht nehmen, die Energiewende schnellstens verwirklichen.
Die farblich gekennzeichnete Gruppierung von Aussagen folgt der im Anhang dokumentierten („Hauptkompo-
nenten“-) Analyse der Struktur der Antworten auf die zehn inhaltlichen Aussagen. Korrelation (, ) = 0.19.
Die zweithöchsten Zustimmungswerte erzielt die Haltung, die in der Versorgungssicherheit das
oberste Ziel (28.5%) und in der Verfolgung eines Mix aus fossilen und verschiedenen erneuerbaren
Energiequellen (34.8%) zugleich einen Weg sieht, nicht zu sehr von einzelnen Ländern abhängig zu
werden. Zusammengenommen markieren 51.2% das eine und/oder zweite dieser beiden Aussagen als
zutreffend (Tabelle 3). Zugleich wird nicht reklamiert, dass Klimaschutz als globale Aufgabe so wichtig
sei, dass dafür lokale Nachteile für Umwelt und Bevölkerung in Kauf genommen werden müssten.
Für die Option, in der Rohstofffrage autark zu werden, sprechen sich 23 Prozent aus. Benötigte Roh-
stoffe könnten in der Tat auch verstärkt in Europa abgebaut und verarbeitet werden, was im Kontext
des Green Deal der EU ja auch vorgesehen ist.
10
Tabelle 3 Übersicht der Präferenzen im Vergleich von Männern und Frauen
Umsetzung der
Energiewende
Haltung
primäres Ziel
sekundäres Ziel
Zielkonflikt
durch Lösungen
entschärfen
Rohstoffe einsparen
durch …
70.6% A | 76.2% M | 64.6% F
Versorgungssicherheit
durch einen Mix aus fossilen
und verschiedenen erneuer-
baren Energiequellen sicher-
stellen
51.2% A | 54.8% M| 47.8% F
… technische Lösungen und
Verhalten
□ Recycling
□ Diversifizierung
(Batterie + Wasserstoff)
□ Energiebedarf insgesamt
reduzieren
Gegenüber außereuropäi-
schen Ländern autark wer-
den; Naturschutz auch im ei-
genen Land beachten
50.6% A | 43.5% M | 58.0% F
Energiewende
kompromisslos umsetzen
Abhängigkeiten von auto-
ritär geführten Ländern ak-
zeptieren
Keine Rücksicht nehmen;
Energiewende schnellstens
verwirklichen
20.3% A | 24.9% M | 15.5% F
A Alle, M Männer, F Frauen
Genannt werden in diesem Zusammenhang beispielsweise nordeuropäische Länder (Finnland, Island,
Schweden, Norwegen), was Lithium anbelangt auch Portugal, Spanien, Österreich und Frankreich (Le-
pesant 2021: 17, 20-21, oben zitiertes „Hintergrundpapier“). Von Vorteil wäre, auf diese Weise auch
der Beachtung des Umweltschutzes Geltung verschaffen zu können. Der Bevölkerung in Bremen und
Bremerhaven wäre dies jedenfalls wichtig. Dafür, den Naturschutz auch im eigenen Land zu beachten,
sprechen sich explizit 42.4 Prozent aus. Beide Einschätzungen werden signifikant stärker von Frauen
vertreten (Rohstoffautarkie: 16 vs. 30.4%; Naturschutz: 36.3 vs. 48.4%). Für Rohstoff-Autarkie
und/oder Naturschutz sprechen sich 50.6% aus (Tabelle 3), und zwar 43.5% der Männer und 58% der
Frauenein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (***p 0.05).
Es bleiben zwei Haltungen, die der Verwirklichung der Energiewende deutlich Vorrang vor der Roh-
stofffrage und den damit verbundenen Begleitumständen einräumen. So stimmen 15.8 Prozent der
11
Aussage zu, dass eine schnelle Umsetzung der Energiewende alternativlos sei und dass Deutschland
dafür auch Abhängigkeiten von autoritär regierten Ländern akzeptieren müsse. Und 6.1 Prozent mar-
kieren die Aussage als zutreffend, dass gar keine Rücksicht genommen werden solle und die Energie-
wende schnellstens verwirklicht werden müsse. Zusammen betrachtet stimmen 20.3 Prozent der ei-
nen und/oder anderen dieser beiden Aussagen zu (Tabelle 3), wobei sich auch hier die beiden Ge-
schlechtergruppen statistisch signifikant voneinander unterscheiden: Männer: 24.9% vs. Frauen:
15.5%, ***p 0.05.
Männer tendieren also verbreiteter als Frauen in ihrer Präferenz dazu, die Energiewende kompromiss-
los schnell umsetzen zu wollen, Rohstoffe durch technische Lösungen einzusparen und Versorgungssi-
cherheit gegenüber der Art der Energiequelle zu priorisieren, wohingegen umgekehrt Frauen verbrei-
teter als Männer Rohstoff-Autarkie gegenüber Nicht-EU Ländern und Beachtung des Naturschutzes bei
der Energiewende betonen.
Abb. 1 Klimaschutz als globale Aufgabe, nach Altersgruppe und Geschlecht
Wird im Zusammenhang mit der Frage, wie die Energiewende mit dem Zielkonflikt von Klimaschutz,
Naturschutz und Achtung von Menschenrechten umgehen soll, zusätzlich das Lebensalter als Faktor in
Betracht gezogen, so zeigt sich kein klarer Trend (Im Anhang, Tabelle A1). Allenfalls andeutungsweise7
zeichnet sich ab, dass sich eher Ältere als Jüngere für eine alternativlos schnelle Umsetzung der Ener-
giewende (nur Männer), eine Diversifizierung des Rohstoffbedarfs (nur Männer), Rohstoff-Autarkie
(nur Frauen) sowie einen Mix aus Rohstoffen aussprechen (beide Gruppen). Generell ist vielmehr da-
von auszugehen, dass die untersuchten Präferenzen mit Faktoren zusammenhängen, die selbst keine
einfache (lineare) Funktion des Lebensalters darstellen.
7 Wenn als Kriterium zugrunde gelegt wird, dass über die verglichenen Altersgruppen hinweg wenigstens ein
semi-monotoner Anstieg oder Rückgang in den Prozentsätzen zu verzeichnen ist. Abgesicherter ließe sich auf
einen Trend aber schließen, wenn die Prozentsätze eine monoton (oder gar linear) steigende/fallende Folge
bilden würden.
12
Interessant ist die Verteilung der Auffassung, dass Klimaschutz als globale Aufgabe so wichtig sei, dass
lokale Nachteile für Umwelt und Bevölkerung in Kauf genommen werden müssten. Abbildung 1 ver-
anschaulicht die betreffenden Zahlen aus Tabelle A1 im Anhang. Unzutreffend wäre danach anzuneh-
men, es seien eher die jüngeren als älteren Altersgruppen, die dem Klimaschutz diese übergeordnete
Bedeutung beimessen würden. Tendenziell verhält es sich eher umgekehrt. Allenfalls8 in der Gruppe
der Frauen ließe sich aus den Daten herauslesen, dass sich die beiden jüngeren Altersgruppen von
vornherein auf höherem Zustimmungsniveau bewegen als die drei älteren Altersgruppen, und dass
dann innerhalb dieser beiden Gruppen die Zustimmung mit dem Lebensalter ansteigt.
Die Energiewende benötigt Rohstoffe, die starke Abhängigkeiten von Ländern außerhalb Europas
schaffen und deren Abbau und Verarbeitung dort mit Umweltbelastungen, Beeinträchtigungen der
Lebensqualität und Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Vor diesem Hintergrund sprechen sich
über zwei Drittel (70.6 Prozent) der Befragten dafür aus, Rohstoffe durch verstärktes Recycling, Diver-
sifizierung des Rohstoffbedarfs und durch eine Reduzierung des Energiebedarfs einzusparen. Für gut
die Hälfte (51.2 Prozent) steht die Versorgungssicherheit durch einen Mix aus fossilen und verschiede-
nen erneuerbaren Energiequellen an oberster Stelle, und für knapp ein Viertel (23 Prozent), dass Eu-
ropa vom Import benötigter Rohstoffe unabhängig wird. Für ein Fünftel (20.3 Prozent) der Befragten
sollte die Energiewende keinerlei Rücksicht nehmen, schnellstens umgesetzt werden und ggf. auch
Abhängigkeiten von autoritär regierten Ländern akzeptieren.
Dafür, im vorliegenden thematischen Zusammenhang stets auch den Naturschutz auch im eigenen
Land zu beachten, sprechen sich explizit 42.4 Prozent aus.
Dabei tendieren Männer verbreiteter als Frauen in ihrer Präferenz dazu, die Energiewende kompro-
misslos schnell umsetzen zu wollen, Rohstoffe durch technische Lösungen einzusparen und Versor-
gungssicherheit gegenüber der Art der Energiequelle zu priorisieren, wohingegen umgekehrt Frauen
verbreiteter als Männer Rohstoff-Autarkie gegenüber Nicht-EU Ländern und Beachtung des Natur-
schutzes bei der Energiewende betonen.
Es sind eher die älteren als jüngeren Altersgruppen, die dem Klimaschutz eine übergeordnete Bedeu-
tung als globale Aufgabe beimessen, für die lokal auch Nachteile in Kauf genommen werden müssen.
8 Das wäre dann ein sogenannter „Kohorten-Effekt“, der auf der Basis zeitlicher Querschnittsdaten, wie sie
auch die Daten vorliegender Umfrage darstellen, allerdings nicht verlässlich identifizierbar ist. Nur Längsschnitt-
daten würden es ermöglichen, Veränderungen in der Kohorten- bzw. Generationenfolge einerseits und Verän-
derungen in Lebenslaufperspektive andererseits, fundiert voneinander zu trennen.
13
Empfehlungen für Mobilität und Verkehr
Die Enquetekommission hat eine Reihe von Empfehlungen für den Bereich Mobilität und Verkehr for-
muliert. Tabelle 4 greift diese Formulierungen auf9. Markant ist, dass eigentlich nur zwei Empfehlun-
gen in der Bevölkerung wirklich punkten können, und zwar die Ermöglichung von bezahlbarer Mobilität
für alle Bevölkerungsgruppen und die Einrichtung einer Infrastruktur für gut kombinierbare Mobilitäts-
lösungen. Hierfür sprechen sich ungefähr bzw. knapp zwei Drittel der Befragten aus (66.7 bzw. 62.7%).
Erst mit großem Abstand folgen die Ziele, die auf den Autoverkehr abzielen: den motorisierten Indivi-
dualverkehr (private Pkws) stark verringern (26.7%), Modell einer autofreien Innenstadt verfolgen
(22.1%), einen nahezu kompletten Umstieg von Verbrenner- auf Elektro-Pkws fordern und fördern
(20.9%) und Tempo 30 als flächendeckende Regelgeschwindigkeit einführen (17.6%).
Tabelle 4 (Fragetext)Wie soll ein klimaneutrales Bremen später einmal aussehen? Welche Ziele
sollte Bremen dafür im Bereich Mobilität und Verkehr verwirklichen?“ Mehrfachnennungen mög-
lich
Ausgewiesen wird jeweils der Prozentsatz derer,
die eine Aussage als zutreffend markiert haben
Ziele1__
Ziel
Alle
Bremen
Bremer-
haven
Mann
Frau
M1
Modell einer autofreien Innen-
stadt verfolgen
22.1
21.2
26.2
21.4
22.8
M2
Bezahlbare Mobilität für alle Be-
völkerungsgruppen ermöglichen
66.7
64.4
76.2
61.9*
71.4*
M3
Den motorisierten Individualver-
kehr (private Pkw's) stark verrin-
gern
26.7
28.8**
16.7**
28.6
24.7
M4
Einen nahezu kompletten Um-
stieg von Verbrenner- auf
Elektro-Pkw's fordern und för-
dern
20.9
22.2
14.3
23.2
18.0
M5
Moderne gut kombinierbare
Mobilitätslösungen / eine at-
traktive Infrastruktur für Mobili-
tät per Rad, zu Fuß und mit
Bus/Bahn schaffen
62.7
62.5
64.3
60.4
65.4
M6
Tempo 30 als flächendeckende
Regelgeschwindigkeit einführen
17.6
17.7
16.7
19.0
16.0
M7
Keines dieser Ziele
8.5
9.0
4.8
10.7
6.2
M8
Weiß nicht. Habe dazu keine
Meinung.
6.4
4.8
14.3
5.3
7.4
Die Reihenfolge der Aussagen wurde für jedes Interview zufällig neu generiert, um bei der statistischen Auswer-
tung ansonsten mögliche Reihenfolgeeffekte ausschließen zu können10
Prozentsatzdifferenz ist annähernd signifikant **(p 0.06) bzw. *(p 0.09)
9 Abschlussbericht, S. 27-28, 139-141
10 Die ausgewiesenen Prozente beziehen sich jeweils auf diese Fallzahlen: NAlle=330. NBremen=288, NBremer haven=42;
NMann=168; NFrau=162
14
Es ist naheliegend anzunehmen, dass sich in diesen Präferenzen auch das eigene Mobilitätsverhalten
widerspiegelt, da die Verfolgung der Klimaziele im Mobilitäts-/Verkehrsbereich eigene Verhaltensge-
wohnheiten betreffen kann. Die Frage, wie in einer typischen Woche die täglichen Wege bestritten
werden, ist diesbezüglich auch aufschlussreich. Wir hatten darum gebeten, das in einer solchen Woche
am häufigsten, zweithäufigsten, dritthäufigsten etc. Verkehrsmittel anzugeben. Tabelle 5 informiert
über die 12 der insgesamt 57 Kombinationen, die am häufigsten benannt wurden. Bemerkenswert ist
sicherlich, dass in den vier häufigsten Verkehrsmittelkombinationen das Auto/E-Auto das am häufigs-
ten genutzte Verkehrsmittel ist (Zeile 1 bis 4 in Tabelle 5) und dass erst danach die Verkehrsmittelkom-
binationen kommen, in denen entweder das Fahrrad/E-Bike oder Bus/Bahn das jeweils am häufigste
genutzte Verkehrsmittel darstellen (Zeilen 5 ff in Tabelle 5).
Zudem sollte eine Polarisierung Erwähnung finden, die aus der Struktur von Tabelle 6 ersichtlich wird.
Einander gegenüber gestellt werden dort fünf Bevölkerungsgruppen. In Spalte 1 findet sich die Gruppe,
für die das Auto/E-Auto nach eigenen Angaben das am häufigsten oder zweithäufigsten genutzte Ver-
kehrsmittel darstellt und für die zugleich zutrifft, dass Bus/Bahn nicht das häufigste oder zweithäu-
figste Verkehrsmittel ist. In Spalte 2 befindet sich dann die Gruppe, für die das genau umgekehrt ist.
Erst in Spalte 3 folgt die Gruppe, in der sich das Auto/E-Auto und Bus/Bahn die beiden Plätze als ent-
weder häufigstes oder zweithäufigstes Verkehrsmittel teilen; wobei genau diese Kombination deut-
lich seltener auftritt als die übrigen, wie die Fallzahlen zur Tabelle am Fuße der Seite anzeigen. Die
äußerst rechte Spalte 4 enthält schließlich die Zahlen für die Gruppe, für die Fahrrad / E-Bike das häu-
figste oder zweithäufigste Verkehrsmittel darstellen.
Tabelle 5 (Fragetext) Wie bestreiten Sie - in einer für Sie typischen Woche - ihre täglichen Wege?
Beginnen Sie mit dem am häufigsten genutzten, dann dem zweithäufigsten Verkehrsmittel, usw.
Auswahl oder Korrektur einer Auswahl durch Doppelklick auf ein Verkehrsmittel
Die 12 häufigsten TOP-3 Konfigurationen der Verkehrsmittelwahl in einer typischen Woche
Nutzung in einer typischen Woche …
.. am häufigsten
.. zweithäufigsten
.. dritthäufigsten
Freq.
Prozent
1
Auto /E-Auto
zu Fuß
Fahrrad / E-Bike
24
7.3
2
Auto /E-Auto
-
-
19
5.8
3
Auto /E-Auto
Fahrrad / E-Bike
zu Fuß
18
5.5
4
Auto /E-Auto
zu Fuß
-
17
5.2
5
Fahrrad / E-Bike
zu Fuß
Bus/Bahn
14
4.3
6
Bus/Bahn
zu Fuß
-
12
3.7
Fahrrad / E-Bike
-
-
12
3.7
7
Bus/Bahn
Fahrrad / E-Bike
zu Fuß
11
3.3
Fahrrad / E-Bike
zu Fuß
Auto /E-Auto
11
3.3
zu Fuß
Bus/Bahn
-
11
3.3
8
Fahrrad / E-Bike
Bus/Bahn
zu Fuß
10
3.0
zu Fuß
Auto /E-Auto
Fahrrad / E-Bike
10
3.0
N=329 (=100%); Zahl der Konfigurationen (mit Häufigkeit größer Null) = 57. Ausgewiesen werden hier nur die
ersten 12 dieser Konfigurationen. Für die Auswahl standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage
folgende Optionen zur Verfügung: zu Fuß, Fahrrad / E-Bike, Auto /E-Auto, Bus/Bahn, Anderes, Bin
nicht unterwegs.
15
Tabelle 6 (Fragetext) „Wie soll ein klimaneutrales Bremen später einmal aussehen? Welche Ziele
sollte Bremen dafür im Bereich Mobilität und Verkehr verwirklichen?“ Mehrfachnennungen mög-
lich
Ausgewiesen wird jeweils der Prozentsatz derer,
die eine Aussage als zutreffend markiert haben
In einer typischen Woche am häufigsten
oder zweithäufigsten genutzt
Sonstige
Auto / E-
Auto
Bus/
Bahn
Beides
Fahrrad/
E-Bike
Ziele1__
Ziel
0
1
2
3
4
M1
Modell einer autofreien Innen-
stadt verfolgen***
15.0
13.9
27.7
16.7
37.5
M2
Bezahlbare Mobilität für alle
Bevölkerungsgruppen ermögli-
chen***
50.0
67.4
71.0
88.2
55.4
M3
Den motorisierten Individual-
verkehr (private Pkw's) stark
verringern***
0.0
15.3
42.0
22.2
38.2
M4
Einen nahezu kompletten Um-
stieg von Verbrenner- auf
Elektro-Pkw's fordern und för-
dern
10.0
18.8
26.0
23.5
21.4
M5
Moderne gut kombinierbare
Mobilitätslösungen / eine at-
traktive Infrastruktur für Mo-
bilität per Rad, zu Fuß und mit
Bus/Bahn schaffen
42.1
60.1
71.0
61.1
62.5
M6
Tempo 30 als flächende-
ckende Regelgeschwindigkeit
einführen*
5.3
14.5
19.0
11.1
29.1
M7
Keines dieser Ziele***
15.8
14.5
3.0
11.1
1.8
M8
Weiß nicht. Habe dazu keine
Meinung.
10.5
7.2
8.0
5.6
0.0
Gruppen: 1 = Auto/E-Auto das häufigste oder zweithäufigste genutzte Verkehrsmittel
Bus/Bahn nicht das häufigste/zweithäufigste
2 = Bus/Bahn das häufigste oder zweithäufigste genutzte Verkehrsmittel,
Auto/E-Auto nicht das häufigste/zweithäufigste
3 = Auto/E-Auto und Bus/Bahn das häufigste bzw. zweithäufigste Verkehrsmittel
4 = Fahrrad / E-Bike das häufigste oder zweithäufigste Verkehrsmittel
0 = Sonstige11
Präferenzen dafür unterscheiden sich statistisch signifikant: ***(p 0.05) bzw. annähernd signifikant *(p
0.08)
11 Fallzahlen: NSonstigs=18; NAuto/E-Auto=138, NBus/Bahn=98; NBei des=20; NFahrrad/E-Bike=56; NAlle =330
16
Wie sehr die Empfehlungen für den Bereich Mobilität/Verkehr befürwortet werden, ist in der Tat auch
eine Frage der eigenen Verkehrsmittelwahl. Dies zwar nicht durchgängig, aber doch deutlich bei eini-
gen Punkten (Tabelle 6). So wird das Modell einer autofreien Innenstadt von 37.5 Prozent derer befür-
wortet, die primär mit dem Fahrrad unterwegs sind, das ist in dieser Hinsicht mit Abstand der höchste
Anteilswert. Während unter denen, die primär mit Bus/Bahn unterwegs sind, 27.7 Prozent das Modell
einer autofreien Innenstadt unterstützen, halbiert sich der vergleichbare Anteilswert, sobald (ggf. zu-
gleich) das Auto für die täglichen Wege ins Spiel kommt. Dann wird eine autofreie Innenstadt von 13.9
bzw. 16.7 Prozent befürwortet.
Ein vergleichbares Muster sehen wir beim Ziel, den motorisierten Individualverkehr stark zu verrin-
gern. Auch hier beobachten wir deutlich höhere Zustimmungswerte unter denen, die primär Bus/Bahn
oder das Fahrrad/E-Bike für die täglichen Wegen nutzen (42.0 bzw. 38.2%) und zugleich deutlich ge-
ringere Zustimmungswerte, wenn dafür (auch) das Auto/E-Auto genutzt wird (15.3 bzw. 22.2%).
Ein ähnliches Antwortmuster lässt das Ziel erkennen, Tempo 30 als flächendeckende Regelgeschwin-
digkeit einzuführen: Dazu sehen wir eine höhere Zustimmung bei primärer Nutzung von Bus/Bahn
(19.0%) oder Fahrrad/E-Bike (29.1%) und eine vergleichsweise geringere Zustimmung bei der Autonut-
zung (14.5% bzw. 11.1%). Auffällig hier: der deutlich stärkere Kontrast in den Zahlen für ‚Auto vs. Fahr-
rad‘ als in den Zahlen für ‚Auto vs. Bus/Bahn‘.
Wie sollte die Verkehrswende umgesetzt werden, wenn dafür die Akzeptanz der verfügbaren Optionen
in der Bevölkerung mitberücksichtigt wird? Einerseits geht es dabei um die Anpassung von Verhal-
tensgewohnheiten an Klimaschutzziele (z.B. weniger das Auto nutzen und ggf. stattdessen auf
Bus/Bahn oder Fahrrad umsteigen; Autos gemeinsam nutzen (Car-Sharing, Fahrgemeinschaften), ins-
gesamt langsamer fahren (Tempolimit); und andererseits geht es um technologische Optionen und
die Frage, wie sehr das Spektrum dieser Möglichkeiten ggf. perspektivisch ausgeschöpft werden
soll. Soll Elektromobilität beispielsweise vor allem batteriebetrieben erfolgen oder soll dafür verbreitet
und nicht nur für Nutzfahrzeugeauch auf Wasserstoff und Brennstoffzellentechnik gesetzt wer-
den? Wie ist die Rolle CO2-neutraler Kraftstoffe für Verbrenner-Motoren zu bewerten? Wie sehr kann
die Idee der Smart City über intelligente Technik zur Verkehrslenkung einen Beitrag zu den Zielen der
Verkehrswende leisten? Es geht also um Verhaltensgewohnheiten, um Technikeinsatz, um die Aus-
schöpfung des zur Erreichung des übergeordneten Ziels verfügbaren Spektrums an Möglichkeiten so-
wie darum, welche Akzente hier aus Bevölkerungssicht gesetzt werden.
Tabelle 7 zeigt für einige dieser Optionen, welche Akzente die Bevölkerung hier gerne setzen wollen
würde. Hoch im Kurs steht der Akzent, für tägliche Fahrten häufiger das Auto stehen zu lassen und
stattdessen das Fahrrad zu nutzen. Der Umstieg auf batteriebetriebene E-Mobilität rangiert ebenfalls
an vorderer Position, ebenso der Einsatz intelligenter Technik. Aber auch Biofuels und wasserstoffbe-
triebene E-Mobilität werden leicht nachrangig benannt.
17
Tabelle 7 (Fragetext) Um die Klimaziele zu erreichen, möchte Bremen auf das Prinzip Fordern und
Fördern setzen12. Hier eine kleine Auswahl von Möglichkeiten im Bereich Mobilität und Verkehr.
Welche Akzente würden Sie gerne setzen wollen? Bitte einen, zwei oder max. drei Plätze verge-
ben. Auswahl oder Korrektur einer Auswahl per Doppelklick auf eine Möglichkeit.
Getrennt für Platz 1, Platz 2 und Platz 3 wird ausgewiesen,
wie häufig eine Möglichkeit auf den jeweiligen Platz gesetzt wurde
Platz 1
%
Platz 2
%
Platz 3
%
Fahrrad Bus Bahn
33.3
Batterie E-Mobilität
15.2
Technik
17.3
Technik
14.8
Fahrrad Bus/Bahn
15.5
Kein 3. Platz
22.4
Biofuels
7.9
Biofuels
15.5
Technik
17.6
H2 E-Mobilität
7.9
Kein 2.Platz
15.5
Biofuels
14.5
H2 E-Mobilität
15.2
H2 E-Mobilität
14.5
Sharing
10.6
Kein 2./3. Platz
Platz 2 oder Platz 3 nicht vergeben
Batterie
E-Mobilität
Umstieg des motorisierten Individualverkehrs auf batteriebetriebene Elektro-
mobilität (E-Autos, E-Bikes)
Keine dieser Möglichkeiten
Sharing
Autoverkehr in der Stadt durch gemeinsame Nutzung verringern (Car-Sharing,
Fahrgemeinschaften)
Fahrrad Bus Bahn
Für tägliche Fahrten häufiger das Fahrrad und Bus/Bahn statt das Auto nutzen
Technik
Intelligente Technik die Verkehrsströme in der Stadt lenken lassen, um Ener-
giebedarf und Emissionen zu senken und Umwege vermeiden zu helfen
Biofuels
Fossile Kraftstoffe (Benzin, Diesel) für Verbrennermotoren durch Kraftstoffe
aus erneuerbaren Energiequellen (Biofuels, CO2-neutrale Kraftstoffe) ersetzen
H
2
E-Mobilität
Umstieg auf wasserstoff-/brennstoffzellenbetriebene Elektromobilität auch für
den motorisierten Individualverkehr, nicht nur für Nutzfahrzeuge
12 Vgl. Abschlussbericht, S. 101
18
Die Empfehlungen der Kommission für den Bereich Mobilität und Verkehr stoßen in der Bevölkerung
auf teils hohe und auf teils geringe Zustimmung. Gut kommen die Ermöglichung von bezahlbarer Mo-
bilität für alle Bevölkerungsgruppen und die Einrichtung einer Infrastruktur für gut kombinierbare Mo-
bilitätslösungen an. Hierfür sprechen sich ungefähr bzw. knapp zwei Drittel der Befragten aus. Auf
deutlich geringere Zustimmung treffen die Ziele, die auf den Autoverkehr abzielen. Diese Ziele treffen
nicht so verbreitet auf positive Resonanz in der Bevölkerung, reflektieren dabei aber auch die eigene
Verkehrsmittelwahl. Verglichen mit denen, die primär Bus/Bahn oder das Fahrrad/E-Bike für die tägli-
chen Wege nutzen, finden bei Autonutzung drei Ziele deutlich weniger Akzeptanz: den motorisier-
ten Individualverkehr stark zu verringern, das Modell einer autofreien Innenstadt zu verfolgen, so-
wie Tempo 30 als flächendeckende Regelgeschwindigkeit einzuführen.
Mit Blick auf die Möglichkeiten, die das Land Bremen im Bereich Mobilität und Verkehr fordern und
fördern sollte, wird vorrangig dafür plädiert, häufiger vom Auto auf Fahrrad und Bus/Bahn umzustei-
gen, den motorisierten Individualverkehr auf batteriebetriebene Elektromobilität umzustellen und in-
telligente Technik zur Verkehrslenkung einzusetzen. Auch bei der Ersetzung fossiler Kraftstoffe durch
CO2 neutrale Kraftstoffe sowie bei wasserstoffgetriebener E-Mobilität werden Akzente gesetzt, dies
allerdings nachrangiger.
Empfehlungen für die Wärmeversorgung von Wohnungen und Gebäude
Bremen will bis 2038 klimaneutral sein, Deutschland13 bis 2045 und die Europäische Union14 bis 2050.
Bremen will das Ziel also schneller erreichen als Deutschland und die EU. Vielleicht ist dieses Vorhaben
zu ambitioniert, angesichts der Größenverhältnisse vielleicht aber auch passend. Ganz unabhängig von
dieser Bewertung stellt Zeitaber einen relevanten Faktor dar, wenn es um die technische Umsetzung
der Wärmeversorgung von Wohnungen und Gebäude geht. Denn für Bremen gilt im Prinzip das Glei-
che wie für Deutschland insgesamt: Die Energiewende sieht vor, dass zur Wärmeversorgung von Ge-
bäuden schon sehr bald sogenannte "Wärmepumpen" zum Einsatz kommen sollen, die mit Strom be-
trieben werden und zum Heizen Erdwärme oder Wärme der Außenluft nutzen. Haushalte sind bereits
ab 2024 auf gesetzliche Vorgaben verpflichtet worden, von denen angenommen wird, dass sie nur
unter weitgehendem Einsatz von Wärmepumpen erreicht werden können.
Ohne diese Heiztechnik selbst infrage zu stellen, werden ihr gegenüber aktuell jedoch drei Bedenken
zeitlicher Natur geäußert:
Es gibt nicht genug ausgebildete Fachkräfte, die den Umbau aller betroffenen Heizungsanlagen so
schnell durchführen können, wie es der Zeitplan der Politik vorsieht.
13 Lt. Klimaschutzgesetz vom 31. August 2021, in Reaktion auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts
vom 29. April 2021.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaschutzgesetz-2021-1913672
14 Lt. „Green Deal“
https://ec.europa.eu/clima/eu-action/climate-strategies-targets/2050-long-term-strategy_de
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/mehr-klimaschutz-in-der-eu-1790042
19
Der stark steigende Strombedarf ist nicht zu decken, wenn gleichzeitig im großen Umfang auf Elekt-
romobilität umgestellt und Kraftwerke abgeschaltet werden.
Das Umweltbundesamt macht darauf aufmerksam15, dass in jedem konkreten Fall immer erst ge-
prüft werden muss, ob/wie die Technik einsetzbar ist, wie sie zum Beispiel für ein Gebäude richtig zu
bemessen ist und ob sie für die unmittelbare Nachbarschaft nicht zu viel Lärm erzeugt.
Tabelle 8 (Fragetext)Wie soll ein klimaneutrales Bremen einmal aussehen? Sollten Wohnungen
und Gebäude künftig mit Strom oder Gas beheizt werden?
Ziele3
Alle
Bre-
men***
Bremer-
haven***
Mann***
Frau***
1
Ein Kraftwerk versorgt Haus-
halte in innenstadtnahen
Wohngebieten über ein Fern-
wärmenetz mit Erdgas. Dane-
ben versorgen sich die Haus-
halte in Wohngebieten mit vie-
len Einfamilien- und kleinen
Mehrfamilienhäusern in der
Regel selbst mit Energie (z.B.
durch Heizen mit Strom).
18.8
18.1
23.3
23.1
14.2
2
Bremen stellt künftig sein gan-
zes Erdgasnetz auf die Nutzung
von klimafreundlichen ("grü-
nen") Wasserstoff aus erneuer-
baren Quellen um. Wohnun-
gen, die bislang mit Erdgas hei-
zen, können dann später mit
klimafreundlichem Wasser-
stoff heizen oder von Gashei-
zung auf Stromheizung umstel-
len.
35.0
38.5
16.3
40.8
29.0
3
Haushalte in Bremen heizen
künftig nur noch mit Strom aus
erneuerbaren Quellen
13.7
13.2
16.3
13.0
14.2
4
Keine dieser Möglichkeiten.
Bremen sollte anders als hier
beschrieben vorgehen.
9.4
7.6
18.6
7.1
12.3
5
Weiß nicht. Kann die hier be-
schriebenen Möglichkeiten
nicht beurteilen.
23.1
22.6
25.6
16.0
30.2
100%
100%
100%
100%
100%
Die Reihenfolge der Antwortmöglichkeiten wurde für jedes Interview zufällig neu generiert.
Präferenzen ‚Bremen vs. Bremerhaven‘ bzw. ‚Mann vs. Frau‘ unterscheiden sich statistisch signifikant:
***(p 0.05)
15https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/heizen-bauen/waermepumpe
20
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie das für Bremen und Bremerhaven vorgesehene Mo-
dell zur Wärmeversorgung zu beurteilen ist. Es sieht einerseits ein Fernwärmenetz auf Erdgasbasis für
innenstadtnahe Wohngebiete und eine weitestgehend autonome Selbstversorgung auf Strombasis
von/In weniger dicht besiedelten Wohngebieten mit vielen Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern vor
(Tabelle 8: Ergebniszeile „1“, Abbildung 2: rot markiert)16. Einerseits soll dafür das Erdgasnetz „H2-
ready“ werden, also auf Wasserstoffbasis umgestellt werden können, zugleich in Teilen Bremens und
Bremerhavens aber auch zurückgebaut werden, um dort in der Regel, ggf. unterstützt durch Solartech-
nik auf dem Hausdach, künftig mit Strom aus Wärmepumpen zu heizen.
Nun könnte grundsätzlich ebenso der Weg verfolgt werden, künftig auch Wasserstoff zum Heizen in
Gasthermen zu verwenden. Den Pfad, dies auch für die Nutzung in Privathaushalten technisch zu er-
möglichen, hat die Industrie bereits eingeschlagen17. Warum also nicht auch die denkbare Alternative
in Betracht ziehen, das Erdgasnetz nicht zurückzubauen, sondern stattdessen das gesamte Netz H2-
ready, also für die Wasserstoffnutzung tauglich zu machen? In Tabelle 8 ist dies das in Ergebniszeile
„2“ skizzierte Modell, in Abbildung 2 die blau markierte Linie. Das Modell würde eine Wahloption ent-
halten, die beim Rückbau des Erdgasnetzes nicht gegeben wäre, und stößt in der Bevölkerung sicher
auch deshalb auf deutlich größere positive Resonanz (35.0%) als das aktuell geplante Modell (18.8%).
Abb. 2 Wärmeversorgungsszenarien: Präferenz im Altersgruppenvergleich
Das dritte Szenario beschreibt eine Wärmeversorgung, bei der ausschließlich mit Strom aus erneuer-
baren Quellen geheizt werden würde (Zeile 3 in Tabelle 8, grüne Linie in Abbildung 2). Es wird von 13.7
Prozent der befragten Personen präferiert, das ist die diesbezüglich drittgrößte Gruppe. Bleibt die Op-
tion, sich für keine dieser Möglichkeiten auszusprechen, also „anders“ vorzugehen als bei den drei
genannten Szenarien vorzugehen (Zeile 4 in Tabelle 8, graue Linie in Abbildung 2). Für diese Option
16 Abschlussbericht, S. 37-38, 42-44, 47 , 51-52, 61, 97, 104
17 Beispiele (letzte Zugriffe am 10.05.2022):
https://www.viessmann.de/de/wohngebaeude/klimaneutral-heizen-mit-wasserstoff.html
https://www.vaillant.de/heizung/klima-foerderung/heizen-mit-wasserstoff/
21
sprechen sich 9.4 Prozent der Befragten aus. Dabei lässt Abbildung 2 sehr deutliche Präferenzunter-
schiede nach Altersgruppen erkennen: Während das Enquete-Modell verstärkt in den mittleren Alters-
gruppen auf positiver Resonanz stößt, verhält es sich beim „H2 oder Strom“-Szenario genau umge-
kehrt. Das Szenario, nur noch mit Strom zu heizen, zeigt hingegen einen klaren Trend über die Alters-
gruppen hinweg: Je älter, desto weniger wird dieses Szenario präferiert.
Dabei stößt das Modell, das auf einen Rückbau des Gasnetzes verzichten würde, naheliegenderweise
unter Wohneigentümerinnen und -eigentümern verbreiteter auf positive Resonanz18 (Tabelle 9).
Tabelle 9 Wärmeversorgungsszenarien: Präferenz im Vergleich von Wohneigentum und Miete
Ziele3
Miete***
Eigentum***
1
Ein Kraftwerk versorgt Haushalte in innenstadtna-
hen Wohngebieten über ein Fernwärmenetz mit
Erdgas. Daneben versorgen sich die Haushalte in
Wohngebieten mit vielen Einfamilien- und kleinen
Mehrfamilienhäusern in der Regel selbst mit Ener-
gie (z.B. durch Heizen mit Strom).
21.8
14.2
2
Bremen stellt künftig sein ganzes Erdgasnetz auf
die Nutzung von klimafreundlichen ("grünen") Was-
serstoff aus erneuerbaren Quellen um. Wohnun-
gen, die bislang mit Erdgas heizen, können dann
später mit klimafreundlichem Wasserstoff heizen
oder von Gasheizung auf Stromheizung umstellen.
30.5
41.7
3
Haushalte in Bremen heizen künftig nur noch mit
Strom aus erneuerbaren Quellen
14.2
13.4
4
Keine dieser Möglichkeiten. Bremen sollte anders
als hier beschrieben vorgehen.
7.6
12.6
5
Weiß nicht. Kann die hier beschriebenen Möglich-
keiten nicht beurteilen.
25.9
18.1
100%
100%
N
197
127
Präferenzen ‚Miete vs. Eigentumunterscheiden sich statistisch signifikant: ***(p 0.05)
18 Fragetext, Antwortmöglichkeiten und zugehörige Prozentzahlen): Sie wohnen [1] in einer Mietwohnung
(59.7%), [2] in einer Eigentumswohnung, die Ihnen oder Ihrer Familie gehört (6.7%), [3] in einem Haus, das Ihnen
oder Ihrer Familie gehört (31.8%), [4] Andere Wohnsituation (1.5%), [5] Ich möchte diese Frage nicht beantwor-
ten (0.3%). Tabelle 8 fasst die Kategorien [2] und [3] zu „Eigentum“ zusammen und kontrastiert sie mit [1]
„Miete“. Das in vorliegender Stichprobe resultierende Paar von Prozentsätzen von 59.7% (für Miete) und 38.5%
(für Wohneigentum) reflektiert dabei recht gut den für das Land Bremen berichteten Anteil der Bürger/innen mit
Wohneigentum. Diese „Eigentümerquote“ wird für das Land Bremen für das Jahr 2018 mit 37.8 Prozent angege-
ben und bezeichnet den Anteil der von Eigentümerinnen und Eigentümern selbst bewohnten Wohnungen an
allen bewohnten Wohnungen in Wohngebäuden. Die Zahl von 37.8 Prozent wurde nachfolgender statista
Quelle entnommen (vgl. auch die 38% Eigentümerquote, von der der Abschlussbericht der Enquetekommission,
S. 101, ausgeht):
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155713/umfrage/anteil-der-buerger-mit-wohneigentum-nach-
bundesland/
22
Das für das Land Bremen vorgesehene Modell der Wärmeversorgung von Wohnungen und Gebäude
sieht ein Fernwärmenetz auf Erdgasbasis für innenstadtnahe Wohngebiete und eine weitestgehend
autonome Selbstversorgung auf Strombasis von/In weniger dicht besiedelten Wohngebieten mit vie-
len Ein- und kleinen Mehrfamilienhäusern vor. Einerseits soll dafür das Erdgasnetz „H2-ready“ werden,
also auf Wasserstoffbasis umgestellt werden können, zugleich in Teilen Bremens und Bremerhavens
aber auch zurückgebaut werden, um dort in der Regel, falls möglich unterstützt durch Solartechnik auf
dem Hausdach, künftig mit Strom aus Wärmepumpen zu heizen. Dieses Modell trifft in der Bevölke-
rung deutlich weniger verbreitet auf Akzeptanz als ein Modell, das auf den Rückbau verzichten und das
gesamte Netz auf Wasserstofftauglichkeit umstellen und Hauseigentümerinnen und Eigentümern die
Option bieten würde später selbst zu entscheiden, ob sie mit klimafreundlichem Wasserstoff heizen
oder von Gasheizung auf Stromheizung umstellen wollen. Naheliegenderweise trifft dieses Modell bei
Vorliegen von Wohneigentum dann auch verstärkt auf positive Resonanz.
Dabei unterscheiden sich die Altersgruppen deutlich in ihrer Präferenz für die zur Bewertung vorgeleg-
ten Szenarien: das Enquete-Modell stößt bei mittleren Altersgruppen auf größere positive Resonanz
als bei Jüngeren und Älteren, während es sich beim Alternativszenario „H2 oder Strom“ genau umge-
kehrt verhält. Und für das Szenario, nur noch mit Strom zu heizen, ist festzustellen, dass seine Akzep-
tanz über die Altersgruppen hinweg annähernd gradlinig (linear) absinkt.
23
Anhang19
19 Ohne Signifikanzberechnungen
24
Ausgewiesen wird jeweils der Prozentsatz derer,
die eine Aussage als zutreffend markiert haben
Mann
Frau
Tabelle A1
Alter von … bis unter … Jahren
Ener-
gie1_
Aussage
18- 30
30-40
40-50
50-60
60-70
A1
Klimaschutz ist als globale Aufgabe
so wichtig, dass lokale Nachteile für
Umwelt und Bevölkerung in Kauf ge-
nommen werden müssen.
15.9
35.1
25.0
40.0
47.1
41.8
25.6
36.1
12.9
17.9
23.5
19.6
A2
Für Elektroantriebe von Pkw nicht
nur auf batteriebetriebene, sondern
auch auf wasserstoffbetriebene Pkw
setzen.
39.5
44.7
43.8
45.0
87.5
58.2
38.5
30.6
41.9
48.7
47.1
48.2
A3
Die Recyclingquote bei benötigten
Rohstoffen deutlich erhöhen, um so
weniger Rohstoffe abbauen zu müs-
sen.
53.5
57.9
53.1
53.8
50.0
53.6
48.7
48.6
61.3
53.8
47.1
51.8
A4
Benötigte Rohstoffe so schnell wie
möglich nur noch in Europa ab-
bauen/verarbeiten.
11.6
21.1
18.8
15.0
18.8
16.1
23.1
14.3
32.3
38.5
52.9
42.9
A5
Gar keine Rücksicht nehmen. Die
Energiewende muss schnellstens
verwirklicht werden.
0.0
15.8
3.1
0.0
18.8
5.4
5.1
14.3
6.5
0.0
11.1
3.6
A6
Den Energiebedarf Deutschlands
deutlich verringern
25.6
43.2
22.6
42.5
41.2
42.9
28.2
36.1
22.6
28.2
29.4
26.8
A7
Nur ein Mix aus fossilen und ver-
schiedenen erneuerbaren Energie-
quellen kann helfen, nicht zu sehr
von einzelnen Ländern abhängig zu
werden.
18.6
36.8
35.5
35.0
50.0
39.3
25.0
20.0
51.6
43.6
64.7
50.0
A8
Eine schnelle Umsetzung der Ener-
giewende ist alternativlos. Dafür
muss Deutschland auch Abhängig-
keiten von autoritär regierten Län-
dern akzeptieren.
18.6
13.2
18.8
22.5
43.8
28.6
17.9
13.9
3.2
7.7
11.1
7.1
25
Alter von … bis unter … Jahren
Energie1_
Aussage
18- 30
30-40
40-50
50-60
60-70
A9
Oberstes Ziel muss stets die
Versorgungssicherheit sein.
Welche Energiequellen dafür
genutzt werden, ist zweitrangig.
27.9
42.1
46.9
28.2
31.2
30.4
22.5
27.8
16.1
12.8
35.3
21.4
A10
Naturschutz auch im eigenen
Land beachten.
41.9
42.1
22.6
40.0
25.0
35.7
52.5
45.7
35.5
56.4
47.1
53.6
A11
Weiß nicht. Kann dazu nichts sa-
gen.
11.6
10.5
0.0
2.6
6.2
3.6
20.5
8.3
9.7
15.4
5.9
12.5
Tabelle A2
Ziele1__
Ziel
18- 30
30-40
40-50
50-60
60-70
M1
Modell einer autofreien Innen-
stadt verfolgen
18.6
15.8
15.6
28.2
37.5
32.1
25.6
27.8
9.7
23.1
29.4
25.0
M2
Bezahlbare Mobilität für alle Be-
völkerungsgruppen ermöglichen
51.2
70.3
56.2
60.0
87.5
67.9
75.0
68.6
61.3
76.3
76.5
76.8
M3
Den motorisierten Individual-
verkehr (private Pkw's) stark
verringern
18.6
35.1
25.0
37.5
29.4
35.7
23.1
28.6
12.9
33.3
17.6
28.6
M4
Einen nahezu kompletten Um-
stieg von Verbrenner- auf
Elektro-Pkw's fordern und för-
dern
23.3
36.8
12.5
25.6
12.5
21.4
25.6
17.1
19.4
15.4
5.9
12.5
M5
Moderne gut kombinierbare
Mobilitätslösungen / eine at-
traktive Infrastruktur für Mobili-
tät per Rad, zu Fuß und mit
Bus/Bahn schaffen
62.8
63.2
59.4
48.7
81.2
57.1
69.2
60.0
58.1
76.3
58.8
71.4
M6
Tempo 30 als flächendeckende
Regelgeschwindigkeit einführen
18.6
15.8
18.8
28.2
6.2
21.4
7.7
27.8
6.5
23.1
11.1
19.6
26
Alter von … bis unter … Jahren20
Ziele1__
Ziel
18- 30
30-40
40-50
50-60
60-70
M7
Keines dieser Ziele
11.6
10.5
18.8
7.7
0.0
5.4
2.6
8.6
9.7
7.7
0.0
5.4
M8
Weiß nicht. Habe dazu keine
Meinung.
11.6
0.0
6.2
5.1
0.0
3.6
7.5
2.8
16.1
7.7
5.9
5.5
Ausgewiesen werden Spaltenprozente
Tabelle A3
Alter von … bis unter … Jahren21
Ziele3
18- 30
30-40
40-50
50-60
60-70
1
Ein Kraftwerk versorgt Haushalte in innen-
stadtnahen Wohngebieten über ein Fern-
wärmenetz mit Erdgas. Daneben versor-
gen sich die Haushalte in Wohngebieten
mit vielen Einfamilien- und kleinen Mehr-
familienhäusern in der Regel selbst mit
Energie (z.B. durch Heizen mit Strom).
9.8
20.5
27.0
24.4
9.1
19.6
2
Bremen stellt künftig sein ganzes Erdgas-
netz auf die Nutzung von klimafreundli-
chen ("grünen") Wasserstoff aus erneuer-
baren Quellen um. Wohnungen, die bis-
lang mit Erdgas heizen, können dann spä-
ter mit klimafreundlichem Wasserstoff
heizen oder von Gasheizung auf Stromhei-
zung umstellen.
41.5
34.2
25.4
30.8
48.5
35.7
3
Haushalte in Bremen heizen künftig nur
noch mit Strom aus erneuerbaren Quellen
25.6
17.8
9.5
6.4
0.0
4.5
4
Keine dieser Möglichkeiten. Bremen sollte
anders als hier beschrieben vorgehen.
3.7
8.2
11.1
11.5
18.2
13.4
5
Weiß nicht. Kann die hier beschriebenen
Möglichkeiten nicht beurteilen.
19.5
19.2
27.0
26.9
24.2
26.8
100
100
100
100
100
20 Prozente beziehen sich jeweils auf diese Fallzahlen: Männer: N18-30=43, N30-40=38, N40-50=31, N50-60=40, N60-
70=16; Frauen: N18-30=40, N30-40=35, N40-50=31, N50-60=39, N60-70=17
21 N18-30=83, N30-40=73, N40-50=62, N50-60=79, N60-70=33 bei NAlle = 330
Gewichtete Fallzahlen; rundungsbedingt in einzelnen Tabellen Abweichungen +/- 1 möglich
27
Tabelle A4 Hauptkomponentenanalyse
Standardized loadings (pattern matrix) based upon correlation matrix
TC1 TC2 TC4 TC3 TC5 h2
Energie1_A1 0.14 -0.50 -0.07 0.36 0.16 0.45
Energie1_A2 0.69 0.37 -0.05 0.00 0.07 0.57
Energie1_A3 0.81 -0.08 0.00 -0.08 -0.12 0.68
Energie1_A4 -0.08 0.03 0.92 0.10 -0.01 0.85
Energie1_A5 -0.02 0.03 0.09 0.89 -0.02 0.81
Energie1_A6 0.57 -0.24 -0.08 0.33 0.16 0.54
Energie1_A7 0.34 0.48 0.24 0.07 -0.28 0.51
Energie1_A8 -0.03 0.07 0.01 -0.01 0.92 0.84
Energie1_A9 -0.02 0.74 -0.05 0.08 0.23 0.59
Energie1_A10 0.42 -0.25 0.48 -0.26 0.21 0.66
TC1 TC2 TC4 TC3 TC5
SS loadings 1.80 1.29 1.18 1.14 1.11
Proportion Var 0.18 0.13 0.12 0.11 0.11
Cumulative Var 0.18 0.31 0.43 0.54 0.65
Proportion Explained 0.28 0.20 0.18 0.17 0.17
Cumulative Proportion 0.28 0.47 0.66 0.83 1.00
With component correlations of
TC1 TC2 TC4 TC3 TC5
TC1 1.00 -0.06 0.19 -0.01 0.07
TC2 -0.06 1.00 0.01 0.02 -0.07
TC4 0.19 0.01 1.00 0.04 -0.03
TC3 -0.01 0.02 0.04 1.00 0.10
TC5 0.07 -0.07 -0.03 0.10 1.00
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