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Politische Kultur. Forschungsstand und Forschungsperspektiven

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Abstract

Dier Band erfolgt das Anliegen, die theoretische, konzeptionelle und empirische Reichweite des Konzepts Politische Kultur darzustellen und die vielfältigen Facetten der politischen Kulturforschung vorzustellen. Der Band liefert grundlegende und einführende Beiträge zu einzelnen Aspekten der politischen Kulturforschung und gibt einen systematischen Überblick über den Forschungsstand.
... One step on the way toward Schmitt's complete conceptual radicalization is represented by Jean-Jacques Rousseau's antiliberal break with the representational government ideas of the Enlightenment and liberalism (Kersting 2003;Wokler 1995); Rousseau clearly recognized the dilemma of representation and the associated theoretical problems it presents in terms of legitimizing democracy, an d tried to resolve these structural confl icts through the concept of identity-which then paved the way for Schmitt to cite Rousseau as a respected source for his own argumentation, which was not geared toward constructively resolving this potentially central dilemma in democratic theory, but instead took inconstancy as a reason for disavowing democracy in general as a pluralistic and confl ict-prone form of state and governance. Before detailing and critiquing Schmitt's argument in order to demonstrate the unresolvability of the problem of representing the will of the people, wh ile also showing that this actually represents a strength of democracy so long as it does not veer into support for antidemocratic ideologies (Pickel and Pickel 2006;Salzborn 2009;Schuppert 2008;Westle and Gabriel 2009), the following will begin by fi rst highlighting the theoretical lines of connection running from Rousseau to Schmitt, showing that the ambiguities in Rousseau's conception of identity are themselves part of the legitimization problem, ultimately enabling Schmitt to invoke Rousseau both rightly and wrongly (Hidalgo 2013). ...
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The question of how to adequately represent the demos in a democracy has always been an issue. Of the many different aspects in the debate between representative and direct democratic approaches, one key point of contention is “the will of the people.” Here, an oft-overlooked question is what takes precedence: “the will” or “the people.” This article addresses the issue by examining Carl Schmitt’s reading (and one-sided slanting) of Rousseau and how it has influenced today’s debate in unac- knowledged ways. In scrutinizing Schmitt’s body of work and its particular development of “the will of the people,” I demonstrate that “identitarian” democratic concepts must ultimately remain trapped in a dilemma produced by Schmitt’s reading—one that can only be resolved through representation.
... Die Definition wie auch die Verwendung des Begriffs durch verschiedene Forscher variiere so stark, dass von einem einheitlichen Konzept keine Rede sein könne. Diese skeptische Betrachtungsweise ist mittlerweile weitgehend € uberwunden (Salzborn 2011). In der Vergleichenden Politikwissenschaft hat sich eine Begriffsfassung von politischer Kultur durchgesetzt, die analytisch und auf empirische Überpr€ ufbarkeit ausgerichtet ist. ...
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Das Forschungsinteresse der politischen Kulturforschung gilt der Kongruenz von politischer Kultur und politischer Struktur sowie der Legitimität politischer Systeme. Ziel ist die Bestimmung und Erklärung der Vorbedingungen politischer Stabilität. Politische Kultur beschreibt die subjektive Seite von Politik und wird als ein Bündel an Einstellungen und Werten verstanden, das auf verschiedene politische Objekte ausgerichtet ist. Die politische Kulturforschung schließt an die Systemtheorie an, besitzt einen streng analytischen Charakter sowie eine empirische Ausrichtung, die eine Untersuchung sowohl von Demokratien als auch Autokratien zulässt. Sie ist in hohem Maße komparativ angelegt und gilt als ein zentraler konzeptioneller Ansatz der Vergleichenden Politikwissenschaft. Als Grundlage dienen komparative Bevölkerungsumfragen.
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Politische Kultur (pK) bezeichnet allgemein das Verteilungsmuster aller Orientierungen einer Bevölkerung gegenüber dem politischen System als der Summe aller Institutionen. Zur politischen Orientierung zählen Meinungen, Einstellungen, Affekte und Werte. Zum Bereich der pK zählen auch Felder, die zunächst als unpolitisch erscheinen (Einstellungen zu Arbeit und Freizeit, religiöse Vorstellungen, Erziehungsstile und -ziele). Der Begriff wird in der Wissenschaft wertfrei verwendet, während der allgemeine Sprachgebrauch pK häufig als Synonym für einen ‚guten‘ politischen Stil nimmt. Politische Kulturforschung entsteht – oder erfährt neue Stoßkraft – insbesondere in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs. So entwickelte sich das neue Forschungskonzept nach dem Zweiten Weltkrieg in der Folge zweier politischer Erfahrungen: Erstens des Nationalsozialismus als des Rückfalls eines zivilisierten Volkes in eine barbarische Politik; zweitens der Entlassung vieler unter Kolonialverwaltung stehender Staaten in die Selbständigkeit. Seit 1989 entstand mit dem politischen Wandel in Osteuropa noch einmal ein neues Anwendungsfeld und damit neuer Schwung für die pK-Forschung. Insbesondere die deutsche Forschung erhielt mit ihren Fragen nach den Transformations-(oder Transitions-) Prozessen im eigenen Land ein Forschungs- und Experimentierfeld für Theorien und Methodenkonzepte vielfältigster Art.
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Der Beitrag geht der Bedeutung von Geschichtspolitik für den Ext-remismus nach und konzeptualisiert drei Dimensionen, die für eine extremistische Ge-schichtspolitik zentral sind: Phantasie-, Kollektiv-und Identitätsgeschichte. Für die Aus-einandersetzung mit Geschichtspolitik wird dabei ein dynamischer Extremismusbegriff vorgeschlagen, der soziale Wandlungsprozesse ebenso berücksichtigt wie die Bedeutung von antipluralen und monistischen Überzeugungen in der Mitte der Gesellschaft. Abstract: The article examines the role played by history politics in extremist thought, conceptualizing three dimensions, which are central to an extremist politics of history: imaginary history, collective history, and identity history. This analysis of history politics proposes a dynamic understanding of extremism which does not only address processes of social transformation, but also the influence of anti-pluralist and monist convictions in the social mainstream.
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Die politischen und sozialen Orte, an denen Machtkonstellationen generiert und interagiert werden, sind mannigfaltig; einer dieser Orte mit einer massenwirksamen Relevanz sind Fernsehserien: Der machtanalytische Fokus liegt dabei, wie im Folgenden theoretisch noch argumentativ entwickelt wird, in einer Tendenz der optimierten Selbstüberwachung in der Alltagskultur, die ohne Gewalt erfolgt und dabei die Macht der Ohnmacht als leitendes Identifizierungsmotiv sichtbar werden lässt. Dieses Motiv wird im vorliegenden Beitrag in seinen Variationen anhand eines Vergleichs von drei Fernsehserien in den Blick genommen, die höchst different – und zugleich alle jeweils: höchst erfolgreich – sind: Benjamin Blümchen (Kiddinx, seit 1988), Game of Thrones (HBO, seit 2011) und American Dad (Fox/TBS, seit 2005).
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In reaction to François Jullien’s essay ‘There is no cultural identity’, this volume discusses questions and problems of cultural identity from the perspectives of different disciplines in times of newly emerging lines of conflict between open and closed societies, hyperculture and cultural essentialism as well as cosmopolitanism and communitarianism in late modernity. On the one hand, the book emphasises theoretical interpretations of the concept from the perspectives of political science, sociology and philosophy (of law), which liberate it from its static and essentialist substance in order to include praxeological, dynamic, transformative and collective as well as individual aspects. On the other hand, it brings empirical constructions and debates into focus—from identity narratives, representations and performances, via their use as a political slogan in discourses, to the question of the compatibility of cultural identities with democracy in principle.
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Die Prozesse kultureller Transformation in den gegenwärtigen Demokratien lassen sich mit den traditionellen Ansätzen der politischen Kulturforschung, bei denen vor allem politische Präferenzen untersucht werden, nicht mehr adäquat erfassen. Um die Wirksamkeit kultureller Dispositionen der Wahrnehmung und Beurteilung des Politischen sowie politischen Entscheidens und Handelns heute verstehen und analysieren zu können, bedarf es neuer Konzepte. Dieser Band versammelt Beiträge mit Befunden aktueller Forschung zu den politischen Dimensionen von Kultur und den kulturellen Dimensionen von Politik sowie mit innovativen theoretischen, programmatischen und methodischen Ansätzen.
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Die Prozesse kultureller Transformation in den gegenwärtigen Demokratien lassen sich mit den traditionellen Ansätzen der politischen Kulturforschung, bei denen vor allem politische Präferenzen untersucht werden, nicht mehr adäquat erfassen. Um die Wirksamkeit kultureller Dispositionen der Wahrnehmung und Beurteilung des Politischen sowie politischen Entscheidens und Handelns heute verstehen und analysieren zu können, bedarf es neuer Konzepte. Dieser Band versammelt Beiträge mit Befunden aktueller Forschung zu den politischen Dimensionen von Kultur und den kulturellen Dimensionen von Politik sowie mit innovativen theoretischen, programmatischen und methodischen Ansätzen.
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Der Beitrag untersucht Extremismus aus einer systematischen und begriffskritischen Perspektive. Dabei wird das Phänomen in den Kontext der Staatstheorie eingeordnet und gezeigt, dass ein dynamischer Extremismusbegriff einem statischen Verständnis aus normativen und empirischen Gründen vorzuziehen ist.
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Kein geringer als Thomas Hobbes hat – allerdings recht beiläufig – auf die „Unbeständigkeit der Zahl“ hingewiesen und damit den konflikthaften Nerv der Demokratie – und auch ihrer fortwährenden legitimatorischen Begründungsnotwendigkeit – getroffen (Schmidt 2010, S. 52): „In Versammlungen dagegen kommt zur natürlichen Unbeständigkeit noch die der Zahl. Denn die Abwesenheit einiger (dies kann vorkommen, wenn sie sich in Sicherheit wiegen, nachlässig oder persönlich verhindert sind), die an der einmal angenommenen Entschließung festgehalten hätten, oder das eifrige Auft reten weniger Vertreter der gegensätzlichen Ansicht, wirft jeden Tag den Beschluß von gestern um.“ (Hobbes 1966, S. 147)
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Das Forschungsinteresse der politischen Kulturforschung gilt der Kongruenz von politischer Kultur und politischer Struktur sowie der Legitimität politischer Systeme. Ziel ist die Bestimmung und Erklärung der Vorbedingungen politischer Stabilität. Politische Kultur beschreibt die subjektive Seite von Politik und wird als ein Bündel an Einstellungen und Werten verstanden, das auf verschiedene politische Objekte ausgerichtet ist. Die politische Kulturforschung schließt an die Systemtheorie an, besitzt einen streng analytischen Charakter sowie eine empirische Ausrichtung, die eine Untersuchung sowohl von Demokratien als auch Autokratien zulässt. Sie ist in hohem Maße komparativ angelegt und gilt als ein zentraler konzeptioneller Ansatz der Vergleichenden Politikwissenschaft. Als Grundlage dienen komparative Bevölkerungsumfragen.
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