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Berührungsmedizin – ein komplementärer therapeutischer Ansatz unter besonderer Berücksichtigung der Depressionsbehandlung

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Berührungsmedizin – ein komplementärer therapeutischer Ansatz unter besonderer Berücksichtigung der Depressionsbehandlung

Abstract

Zusammenfassung Haut-zu-Haut-Berührung stellt die ursprünglichste Sinneserfahrung von Mensch und Tier dar. Ein Mangel an Berührung in der Kindheit ist mit negativen Folgen für die psychosoziale und körperliche Gesundheit verbunden. Für die Entdeckung von Rezeptoren für Temperatur und Berührung im Körper wurde 2021 der Medizin-Nobelpreis verliehen. Klinische Studien belegen den Nutzen von professionellen Berührungstechniken zur Prävention und Therapie verschiedener Erkrankungen. Der breiten Anwendung einer professionellen Berührungstherapie gilt jedoch bis heute nur ein geringes klinisches Interesse. Wir schlagen eine neue Fachdisziplin der „Berührungsmedizin“ vor und spannen nachstehend einen Bogen zwischen den Erkenntnissen moderner Berührungsforschung und der klinischen Medizin. Exemplarisch steht dabei die Behandlung der primär als Leibkrankheit konzipierten Depression im Vordergrund. Kontrollierte Studien und systematische Übersichten belegen die antidepressive, anxiolytische sowie analgetische Wirksamkeit spezieller Massagetechniken in dieser Indikation. Auch für die Neonatologie, Pädiatrie, Schmerzmedizin, Onkologie und Geriatrie konnte die Wirksamkeit heilsamer Berührung gezeigt werden. Die jeweiligen Wirkmechanismen werden auf verschiedenen Konstrukt-Ebenen diskutiert. Im Vordergrund des internationalen Forschungsinteresses stehen derzeit das Interozeptionskonzept, zum anderen endokrinologische, z. B. oxytocinerge Effekte und die Aktivierung sog. CT-Afferenzen.
Berührungsmedizin ein komplementärer therapeutischer Ansatz
unter besonderer Berücksichtigung der Depressionsbehandlung
Touch Medicine a complementary therapeutic approach
exemplified by the treatment of depression
Autoren
Bruno Müller-Oerlinghausen1, 2 ,MichaelEggart
3, Henrik Norholt4, Michael Gerlach5, Gabriele Mariell Kiebgis6,
Michaela Maria Arnold7, Kerstin Uvnäs Moberg8
Institute
1CharitéUniversitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
2 Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane,
Neuruppin, Deutschland
3 Hochschule Ravensburg-Weingarten, University of Applied
Sciences, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege,
Weingarten, Deutschland
4SomAffectThe Somatosensory & Affective Neuroscience
Group, Liverpool, United Kingdom
5 Dr.-Reisach-Kliniken für Psychosomatik und
Psychotherapie, Hochgratklinik GmbH & Co. KG,
Oberstaufen, Deutschland
6 Praxis und Ausbildungszentrum für psychoaktive Massage,
Kressbronn am Bodensee, Deutschland
7 Praxis für Naturheilkunde und Berührungsmedizin,
Würzburg, Deutschland
8 Department of Animal Environment and Health, Swedish
University of Agricultural Sciences, Skara, Schweden
Schlüsselwörter
Berührungsmedizin, Heilsame Berührung, Depression,
Frühgeborene, Interozeption, Oxytocin, CT-Afferenzen,
Psychoaktive Massage
Key words
touch medicine, salutary touch, depression, pre-term infants,
interoception, oxytocin, CT afferents, psychoactive massage
therapy
online publiziert 17.12.2021
Bibliografie
Dtsch Med Wochenschr 2022; 147: e32e40
DOI 10.1055/a-1687-2445
ISSN 0012-0472
© 2022. The Author(s).
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Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen
Charité Universitätsmedizin-Berlin, 10117 Berlin,
Deutschland
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane,
16816 Neuruppin, Deutschland
Büro: Bartningallee 1113, 10557 Berlin
bruno.mueller-oerlinghausen@mhb-fontane.de
ZUSAMMENFASSUNG
Haut-zu-Haut-Berührung stellt die ursprünglichste Sinneser-
fahrung von Mensch und Tier dar. Ein Mangel an Berührung
in der Kindheit ist mit negativen Folgen für die psychosoziale
und körperliche Gesundheit verbunden. Für die Entdeckung
von Rezeptoren für Temperatur und Berührung im Körper
wurde 2021 der Medizin-Nobelpreis verliehen. Klinische
Studien belegen den Nutzen von professionellen Berührungs-
techniken zur Prävention und Therapie verschiedener Erkran-
kungen. Der breiten Anwendung einer professionellen Berüh-
rungstherapie gilt jedoch bis heute nur ein geringes klinisches
Interesse. Wir schlagen eine neue Fachdisziplin der Berüh-
rungsmedizinvor und spannen nachstehend einen Bogen
zwischen den Erkenntnissen moderner Berührungsforschung
und der klinischen Medizin. Exemplarisch steht dabei die
Behandlung der primär als Leibkrankheit konzipierten
Depression im Vordergrund. Kontrollierte Studien und syste-
matische Übersichten belegen die antidepressive, anxiolyti-
sche sowie analgetische Wirksamkeit spezieller Massagetech-
niken in dieser Indikation. Auch für die Neonatologie,
Pädiatrie, Schmerzmedizin, Onkologie und Geriatrie konnte
die Wirksamkeit heilsamer Berührung gezeigt werden. Die je-
weiligen Wirkmechanismen werden auf verschiedenen Kon-
strukt-Ebenen diskutiert. Im Vordergrund des internationalen
Forschungsinteresses stehen derzeit das Interozeptionskon-
zept, zum anderen endokrinologische, z.B. oxytocinerge
Effekte und die Aktivierung sog. CT-Afferenzen.
ABSTRACT
Skin-to-skin-contact presents the earliest sensory experience
of men and animals. Deprivation of age-relevant touch experi-
ences during infancy results in compromised psychosocial
Review
e32 Müller-Oerli nghausen B et al. Berührungsme dizin einDtsch Med Wochenschr 2022; 147: e32e40 | © 2022. The Author(s).
Online publiziert: 17.12.2021
and biological development. The 2021 Nobel Prize in Physio-
logy or Medicine has been awarded for the discoveries of
receptors for temperature and touch. Clinical studies have
demonstrated the benefit of professional salutary touch for
prevention and treatment of various illnesses. However, in
the present practice of medicine the application of salutary
touch does not meet adequate interest. Proposing a new
medical discipline Touch Medicinewe link the findings of
modern touch research to clinical medicine. The treatment
of depression which we conceive primarily as a disease afflict-
ing the body will serve as an example to demonstrate the use-
fulness of touch therapy. Controlled studies and systematic
reviews have convincingly shown antidepressive, anxiolytic
and analgesic effects of salutary touch. The effectiveness and
efficacy of touch therapy has also been demonstrated in many
areas such as neonatology, pediatrics, oncology, and geria-
trics. We discuss the underlying mechanisms on various expla-
natory levels including interoceptive and oxytocinergic
mechanisms as well as the role of C tactile afferent nerve
fibers.
Einleitung
Zwischenmenschliche Berührungen (engl. social touch) stellen ein
menschliches Grundbedürfnis dar, da sie Empathie, Liebe, Fürsorge,
Intimität und soziale Zugehörigkeit vermitteln [1, 2]. Die markini-
schen Berichte über den Modus der von Jesus bewirkten Heilungen,
die die vormals Kranken ins soziale Leben zurückführten, illustrieren
dies in besonderer Weise [3]. Ein Mangel an zärtlicher Berührung
hinterlässt psychische und physische Schäden, insbesondere bei
Neugeborenen und Kindern [4, 5]. Die experimentelle und klinische
Forschung zur Bedeutung und zu den potenziellen Mechanismen
sowohl sozialer wie heilsamer Berührung hat in den letzten Jahr-
zehnten eine Vielzahl von Erkenntnissen erbracht, die für viele
Bereiche der klinischen Medizin relevant, doch nach unserer Erfah-
rung vielen Ärztinnen und Ärzten nahezu unbekannt sind. Zwar
wird die moderne Medizin immer biologischer, körperzentrierter,
übersieht jedoch häufig die Unterscheidung zwischen belebtem
Leib und objektivierbarem Körper, wie sie auch modernen Embodi-
ment-Konzepten [6] und der Rede vom verkörperten Bewusstsein
als Hintergrund einer Psychiatrie als Beziehungsmedizin [7, 8] zu-
grunde liegt. Daher wird nachstehend versucht, einen Bogen zwi-
schen den Erkenntnissen der modernen Berührungsforschung und
der klinischen Medizin zu spannen. Unser besonderes Augenmerk
gilt in diesem Kontext den potenziellen Anwendungsgebieten von
heilsamer Berührung, z.B. in Form des Affective Touch[9] bei
psychischen und psychosomatischen Störungen, die sich nicht nur
isoliert, sondern typischerweise auch in Verbindung mit körperli-
chen Erkrankungen zeigen bzw. sich wechselseitig bedingen es
sei exemplarisch nur an die breit gefächerte Schmerzsymptomatik
oder auch die erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität
depressiver Patienten erinnert [10]. Die Integration moderner
Studienergebnisse zu beispielsweise den therapeutischen bzw. prä-
ventiven Effekten spezifischer Berührungstechniken in der Schwan-
gerschaft [11] oder der Depression in die praktische Medizin ist ein
vielversprechendes Projekt, welches spürbar internationalen Auf-
wind erfährt [1214]. Freilich ist bislang offen, welche Fachdisziplin
innerhalb der medizinischen Profession sich dieser Aufgabe stellen
will. Auch wenn wir uns im Folgenden vor allem der Depression
widmen, so ist dies nur ein Ausschnitt eines breiten Anwendungs-
feldes (Tab. 1), das sich von der Neonatologie bis zur Geriatrie
und Hospizarbeit erstreckt [15]. Wir schlagen daher eine neue Dis-
ziplin Berührungsmedizinvor, die sich die Anwendung manueller
Berührungstechniken zur Prävention, Therapie oder Rehabilitation
zu Nutze macht. Es sei positiv vermerkt, dass heilsame Berührung
in der Kranken- und Alterspflege durchaus bereits angekommen
ist. Die Berührungsmedizin schließt bereits etablierte Techniken
der Physiotherapie, Osteopathie oder manuellen Medizin und auch
der Körperpsychotherapie selbstverständlich nicht aus, sondern
integriert sie in eine erweiterte Fachdisziplin, die insbesondere
auch die psychosozialen Aspekte von Gesundheit und Krankheit
berücksichtigt. Wir sehen die Berührungsmedizin nicht in einem
Konkurrenzverhältnis zur sprechenden Medizin oder Psychothera-
pie, doch vermittelt sie über die Haut und somit den Tastsinn einen
unmittelbaren Zugang zu Leibempfindungen (sog. Interozeption),
die neben physiologischen Regulationsmechanismen auch Verhal-
ten, Emotion und Kognition beeinflussen [16].
Meilensteine der Berührungsforschung
Die Haut als Mittlerin der Berührung ist das größte Sinnesorgan
des Menschen und bildet sich im Rahmen der embryonalen Ent-
wicklung aus dem Ektoderm so wie auch das Nervensystem, wo-
raus eine ontogenetische Verbindung zwischen Haut und Psyche
plausibel wird. Der Tastsinn entwickelt sich als erster Sinn bereits
sehr früh im Rahmen der embryonalen Entwicklung, ungefähr um
die achte Schwangerschaftswoche. Im Gegensatz zu den anderen
Sinnen wird ein kompletter Ausfall des Berührungssinns wohl nie
beobachtet. Ein Mensch kann taub oder blind geboren werden
ohne Tastsinn aber wäre er nicht lebensfähig [17]. Wichtige Weg-
marken der Berührungsforschung werden im Folgenden nachge-
zeichnet [1, 18].
In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts erschienen die
ersten Publikationen zur Bedeutung von Berührung, die sich in ei-
ner Schnittfläche zwischen Medizin und Entwicklungspsychologie
bewegten. René Spitz [19] erkannte die biologische Notwendig-
keit der liebevollen Zuwendung an institutionalisierten Säuglin-
gen und Kleinkindern in Heimen, die nach Trennung von der Mut-
ter zwar mit ausreichend Nahrung und guten hygienischen
Standards versorgt, aber nur wenig vom Personal berührt und ge-
halten wurden. In der Folge kam es bei den Säuglingen zu einer
hohen Sterblichkeit und erheblichen Verhaltensstörungen. Ähnli-
che Folgen einer Berührungsdeprivation wurden später auch bei
rumänischen Waisenkindern beschrieben [2]. Wichtige Erkennt-
nisse der frühen Berührungsforschung wurden durch die Experi-
mente von Harlow gewonnen, der bei von ihren Müttern isolierten
Rhesusäffchen mithilfe von künstlichen Attrappen zeigte, dass die
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Stillung des Bedürfnisses nach Nähe und Körperkontakt wichtiger
als die Stillung des Hungergefühls ist und Auswirkungen auf die
sozioemotionale Entwicklung hat. Infolge dieser Experimente
wurde die Bedeutung des Körperkontakts von Bowlby und dessen
Mitarbeiterin Ainsworth als wesentliche Grundlage für das Bin-
dungsverhalten des Menschen erkannt [12].
In der Folgezeit haben sich experimentelle Studien an Nagetie-
ren mit den Auswirkungen der unterschiedlichen Art und Weise,
wie die Mütter ihre Jungen ausgiebig und zärtlich berührten, be-
schäftigt also mit einem Verhalten, das dem Affective Touch
beim Menschen ähnelt und von dem wir annehmen, dass es un-
myelinisierte C-Fasern (s. u.) aktiviert [2022]. Dieses spezifisch
mütterliche Verhalten, das den Nachkommen epigenetisch zu
verbesserten kognitiven Leistungen [23] wie auch zu einer positi-
venhormonalenStressantwort[2426] verhilft, überträgt sich
durch nicht-genomische Mechanismen an die weibliche Nach-
kommenschaft und wird sichtbar, wenn diese selbst zu Mutter-
tieren herangereift sind [27, 28].
Bei frühgeborenen Menschenkindern, die nicht im Inkubator,
sondern mit viel Haut-zu-Haut-Kontakt (Känguru)heranwach-
sen, konnten sowohl eine verbesserte physiologische Stabilität
[29, 30] wie auch eine beschleunigte bzw. verbesserte Hirnreifung
beobachtet werden [3134]. Längsschnittbeobachtungen bestä-
tigen die durch die frühe Berührungserfahrung insgesamt verbes-
serte Entwicklung [35, 36].
Auch zum Termin Neugeborene profitieren von verstärktem
mütterlichen Haut-zu-Haut-Kontakt, wie neuere Studien gezeigt
haben, welche die wegweisenden Forschungsergebnisse von
Ainsworth et al. [37] oder Main [38, 39] voll bestätigt haben. Im
Kontext dieses Artikels sei speziell auf Untersuchungen zur Asso-
ziation zwischen Art bzw. Intensität von frühem Körperkontakt,
Bindung und dem R isiko späte rer psych ischer Stör ungen w ie z. B.
Depression hingewiesen [35, 4045]. Früher Körperkontakt stellt
folglich eine primärpräventive Intervention dar, die sich positiv auf
die physische und psychosoziale Gesundheit auswirkt [46].
Ein bedeutender Wendepunkt der Berührungsforschung war in
den vergangenen 30 Jahren die Entdeckung zuvor unbekannter
nervaler Strukturen des taktilen Wahrnehmungssystems [9]. Eine
strukturell und funktionell unabhängige Gruppe niederschwelli-
ger Mechanorezeptoren stellt die von schwedischen Forschern in
den 1980er-Jahren entdeckten C-taktilen (CT) Afferenzen in der
behaarten Haut von Menschen und Säugetieren dar, die wie die
gesamte C-Fasergruppe nicht myelinisiert sind und auf Berüh-
rungsqualitäten reagieren, die einer zärtlichen Berührung ent-
sprechen (z. B. Streicheln, Liebkosen, Kraulen, sanftes Massieren).
Unter experimentellen Bedingungen konnte nachgewiesen wer-
den, dass CT-Afferenzen optimal bei einer Streichelgeschwindig-
keit von 110 cm/s unter Anwendung von sanftem Druck und
einem Temperaturoptimum, welches der Hauttemperatur ent-
spricht, die stärkste Feuerungsrate zeigen [47]. Die Aktivierung
der CT-Afferenzen geht auf der psychologischen Ebene mit einem
Wohlgefühl einher, das sich aus wahrnehmungspsychologischer
Sicht nicht einer Exterozeption, sondern der Interozeption (d.h.
einem inneren, wohligen Leibgefühl, s. u.) zurechnen l ässt [48].
fMRT-Befunde zeigten, dass die optimale Stimulation der CT-Affe-
renzen insbesondere kortikale limbische Regionen aktiviert, z. B.
die posteriore Insula [49]. Die Verarbeitung von CT-assoziierten
Berührungen zeigt Überlappungen mit Zentren auf, die auch an
Tab. 1 Wissenschaftlich belegte Wirksamkeit professioneller Berührung (Auswahl).
Fachgebiet Berührungsmedizinische Effekte
Onkologie Schmerzen ,Fatigue, Übelkeit ,Angst, Depression (Cassileth & Vickers, 2004), gesundheitsbezogene Lebensqualität
(Crawford et al., 2016)
Schmerztherapie Subakutes und chronisches Lumbalsyndrom , Funktionsfähigkeit (Brosseau et al., 2012), Nacken- und Schulterschmerzen
(Kong et al., 2013), Spannungskopfschmerz (Espí-López et al., 2016), Migräne (Chaibi et al., 2011)
Rheumatologie Fibromyalgie (Schmerzen ,Angst,Depression, gesundheitsbezogene Lebensqualität ) (Yuan et al., 2015)
Kardiologie Essenzielle Hypertonie (Xiong et al., 2015), Herzratenvariabilität (Meier et al., 2020)
Gastroenterologie Obstipation (Ernst, 1999), Komplikationen bei enteraler Ernährung (Uysal et al., 2012)
Chirurgie Schmerzen ,Angst, Entspannung , Sedativa (Ramesh et al., 2015)
Neurologie Multiple Sklerose (Fatigue , Schmerzen ,Angst,Depression,Spastik) (Heidari et al., 2021), Parkinson (Entspannung ,
Stress , Lebensqualität , Schlafstörungen ,Schmerzen,Fatigue,Angst,Depression) (Angelopoulou et al., 2020)
Geburtshilfe Geburtsschmerzen ,Angst(Smith et al., 2012), postpartale Depression (Müller & Grunwald, 2021)
Neonatologie Gewicht , Hospitalisierungszeit (Wang et al., 2013), Ikterus (Lei et al., 2018), Stress durch medizinische Prozeduren
(Roshanray et al., 2020), motorische Entwicklung (Field, 2019)
Pädiatrie Asthma (Lungenfunktion ) (Wu et al., 2017), Angst , Schlafstörungen , Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung ,
Aggression , posttraumatischer Stress , atopische Dermatitis , gastrointestinale Beschwerden (Field, 2019)
Psychiatrie
Depression (auch als Komorbidität) , Eigenschaftsangst (Moyer et al., 2004; Baumgart et al., 2011), generalisierte Angststörung
(Rapaport et al., 2016)
Dermatologie Hypertrophe Narben nach Verbrennungen (Narbendicke , Vaskularisation , Pruritus ,Schmerzen,Depression)
(Ault et al., 2018)
Geriatrie Agitation, Aggression und Depression bei Demenz (Margenfeld et al., 2019)
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Review
der Verarbeitung von Emotionen und sozialen Kognitionen betei-
ligt sind [47]. Neuere Arbeiten sprechen dafür, dass neben den
CT-Afferenzen auch andere neuronale Strukturen als Basis für die
wahrgenommenen Berührungseffekte eine wichtige Rolle spielen
könnten.
Abseits der neuronalen Bottom-up-Prozesse sind an der Ver-
arbeitung von Berührungsreizen auch Top-Do wn-Mechanismen
beteiligt, die von hoher Relevanz sind. Insbesondere kontextuelle
Top-do wn-Faktoren entscheiden über die Qualität des Berüh-
rungserlebens; so hängt z. B. die Rezeption einer Berührung maß-
geblich von der berührenden Person ab (wer berührt?), anderer-
seits aber auch von der zugrunde liegenden Intention (warum
wird berührt?) [15, 50].
Berührungsmedizin am Beispiel
der Depressionsbehandlung
Konzeptueller Ansatz
Angesichts der hohen Zahl an depressiven Patienten werden zu-
nehmend Stimmen laut, dass die bislang verfügbaren Therapien
seien sie medikamentös oder psychotherapeutisch in der
Summe eine keineswegs optimale Wirksamkeit besitzen [5154].
Dies gilt auch für die derzeit stark propagierten Mindfulness-Tech-
niken [55]. Etwa ein Drittel der Therapie-Responder klagt weiter-
hin über Restsymptome wie Schlafstörungen, Antriebslosigkeit
etc. [56]. Auch zeigte sich in einer neuen Studie aus der Universi-
tät Witten/Herdecke, dass unter antidepressiver Medikation die
körperliche Aktivierung durch emotionale Stimuli herabgesetzt
ist [57]. Dies deckt sich mit Befunden aus einer fMRT-Studie, die
dämpfende Effekte des Antidepressivums Escitalopram auf die
Aktivität der Insula bei der Verarbeitung von Stimuli mit positiver
oder negativer Valenz nahelegt [58]. Die Suche nach weiteren
komplementären bzw. integrativen Therapiemöglichkeiten er-
scheint somit berechtigt.
Depression ist primär charakterisiert unabhängig von ihrer
jeweiligen Ausdrucksform (Starre oder Erregung) durch die An-
hedonie, d. h. das Nicht-mehr-lustvoll-spüren-Können, keine posi-
tiven Stimuli als solche mehr Perzipieren-Können; und dies betrifft
nicht nur die kognitive Ebene, sondern das gesamte Sensorium.
Der im Leibraum richtungsgebende Wechsel von Weitung und
Engung im Sinne von Schmitz findet nicht mehr statt [59]. In der
modernen, stark formalisierten psychiatrischen Diagnostik geht
diese Grundsituation in einer international konsentierten Sympto-
men-Aufzählung fast unter. Auch bleibt bislang gänzlich unver-
standen, in welcher Weise eine pharmakologische Behandlung
die anhedonische Primärstörung positiv beeinflussen kann. Es ist
bezeichnend für die Wertvorstellungen hochindustrialisierter Ge-
sellschaften, dass der Besserung der Antriebslage (Patient konn-
te am Tag X wieder tun) das primäre Interesse der Behandler
und der Angehörigen gilt.
Im Folgenden soll zunächst in den Vordergrund gestellt wer-
den, dass die Depression eine den ganzen Menschen affizierende
Störung ist, die den Leib ebenso betrifft wie die affektive und
kognitive Ebene. Die Starre und Enge, die sich übermächtig und
bedrohlich um den depressiven Menschen legt, betrifft seine
körperlichen Funktionen ebenso wie seine psychischen, was sich
auch z. B. im veränderten Zeiterleben ausdrückt, wie es Fuchs
unter Bezug auf u.a. von Gebsattel und Tellenbach dargestellt
hat [60]. Der Soziologe Hartmut Rosa nimmt an, dass depressive
Menschen in eine gleichsam stillstehendeZeit fallen, die sich in
eine zähe Masse verändert zu haben scheint.Jede bedeutsame
Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
(S. 101) geht dabei verloren [61]. Daraus lassen sich Konsequen-
zen für therapeutische Interventionen auf einer averbalen Ebene
ziehen, worauf später näher eingegangen wird.
Der depressive Zustand wird von vielen körperlichen Störun-
gen nicht nur, wie es gerne heißt, begleitet, sondern diese stellen
ein Basissymptom der Depression dar, sodass auch von somato-
psychischen(anstatt psychosomatischen) Syndromen gespro-
chen werden könnte [62]. Der Leib des Depressiven und Leib,
gelebter/erlebter Leib, sei hier deutlich unterschieden vom anato-
misch zergliederbaren Körper ist krank. Thomas Fuchs spricht in
diesem Kontext von der Verkörperlichungdes Leibes, d. h. die
Kranken sind nicht mehr in ihrem Leib zu Hause, er wird als wider-
ständiger Körper erfahren [7]. Vielfältige Formen von körperli-
chem Schmerz, Brustenge, Schwindel, Herzklopfen, Verlust von
Appetit und Libido, Kälteschauer, Hitzewallungen, Magendruck,
Unterkühlung und Verkrampfung der Glieder usw. haben wir im-
mer wieder an unseren depressiven Patienten/innen beobachten
können. Die Psychoanalytikerin Helga Pohl, die eine eigene sen-
somotorische Körpertherapieentwickelt hat, sieht in diesen Dau-
erkontraktionen einen wichtigen pathogenetischen Aspekt und
damit Ausgangspunkt therapeutischer Interventionen. Sie weist
darauf hin, dass zwar das für die Depression zentrale Gefühl, das
der Bedrückung, primär an der Vorderseite des Körpers, also im
oberen Brustkorb lokalisiert wird, dennoch aber Angst und De-
pression im ganzen Körper empfunden werden, sodass es zu einer
Anspannung der gesamten Beugemuskulatur kommt. Dement-
sprechend muss sich die Streckermuskulatur am Rücken und
Nacken kompensatorisch anspannen. Zusätzlich wird durch die
flache Atmung die Muskulatur unzureichend oxygeniert, sodass
jede Bewegung extrem mühsam wird, und die Glieder bleiern
schwer, wie es so viele Patienten verbalisieren [63]. So können
wir diesen Zustand im Sinne Peter Sloterdijks auch als eine allge-
meine Kontraktion, als seelisch-körperliche Ich-Schrumpfung
beschreiben [64]. Eine unserer Patientinnen beschrieb ihr Erleben
folgendermaßen: Ich zog mich innerlich immer mehr zusammen,
bekam sogar körperliche Schmerzen von der Verkrümmung und
Verkrampfung. Eine andere kommentierte: Die Disharmonie
zwischen Kopf und Körper …–als ginge der Körper verloren, weil
der Kopf so stark beansprucht ist…“.
Das subjektive Körpererleben in der Depression ist seltsamer-
weise viel seltener als bei schizophrenen Patienten systematisch
untersucht worden. Studien, auch aus unserem eigenen Arbeits-
kreis, zeigen, dass Depressive ihre veränderte Leiblichkeit deutlich
empfinden und negativ bewerten [65, 66]. Eine neue phäno-
menologisch-qualitative Studie deutet ebenfalls darauf hin, dass
Betroffene ihre leiblichen Empfindungen als Blockade, Schwere,
Leere, Entfremdung oder Lähmung im Kopf bzw. im ganzen Kör-
per umschreiben [67]. Unsere Grundannahme war und ist, dass
es möglich sein sollte, über den Weg der heilsamen Berührung,
die primär dem Zielorgan Haut gilt [6871] einen averbalen
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Müller-Oerli nghausen B et al. Berührungsme dizin einDtsch Med Wochenschr 2022; 147: e32e 40 | © 2022. The Author(s).
Zugang zum depressiven Menschen zu gewinnen, sein Nicht-
Fühlen-Nicht-Spüren-Können quasi zu unterlaufen, seine Angst
und Unruhe zu reduzieren, ihn wieder empfindungsfähiger und
ausdrucksfähiger zu machen. Der Patient könnte so eine neue
Gegenwart erleben. Als ein Entmächtigen der Vergangenheit
durcheinAnkommenimHierundJetztbeschrieb es der Psychia-
ter und Philosoph Hinderk Emrich einst unseren konzeptuellen
Ansatz [72]. Vorliegende klinische Studien unterstützen diese
theoretische Erwartung, und in der Tat haben uns Patienten im-
mer wieder präzise berichtet, dass während der Massage z.B.
ihre depressiven Kognitionen zum Stillstand kamen.
Empirische Studien
In der Klinik des bekannten Schweizer Psychiaters Paul Kielholz
erhieltenalledepressivenPatienten Nackenmassage, basierend
auf der Dissertation und experimentellen Studie von Maurer-
Groeli. Außerdem wurde als Indikator für einen Therapieerfolg
die Wiedererwärmungszeit der Hände nach Kältebelastung
gemessen [73]. Der klinische Psychologe Moyer und Mitarbeiter
haben 2004 erstmals eine Metaanalyse der seinerzeit verfügbaren
Publikationen zur antidepressiven und anxiolytischen Wirksamkeit
von Massage vorgelegt und kamen zum Ergebnis, dass ihre Effekt-
stärke derjenigen von Psychotherapie bei den berücksichtigten
Indikationen entspricht [74]. Baumgart et al. [75] untersuchten
nach strengen Kriterien ausgewählte und bis 2009 publizierte
22 RCTs an Patienten mit Depression oder Angststörungen. Es
zeigte sich, dass die Validität publizierter Ergebnisse in neuerer
Zeit deutlich zugenommen hat. Überwiegend ergab sich eine sig-
nifikante Überlegenheit von 3060 Minuten dauernder Massage
gegenüber den verschiedenen Kontrollbedingungen, wobei die
Verschiedenheit der letzteren aus Sicht der Autoren der Durch-
führung einer Metaanalyse im Wege stand. In einigen Studien
konnten auch Langzeitwirkungen wahrscheinlich gemacht wer-
den, und insgesamt ergaben sich in Übereinstimmung mit Moyer
et al. deutlichere Effekte bei depressiven Patienten als bei solchen
mit einer Angsterkrankung.
Die Ergebnisse des ersten deutschen RCT an stationär-depres-
siven Patienten sowie an gesunden Probanden bewiesen eine
eindeutige Überlegenheit der hierfür speziell entwickelten Slow-
Stroke-Massage gegenüber einer Kontrollbedingung ohne
Berührung und führten zur Zertifizierung dieser Technik durch
den Verband für Physikalische Therapie [68, 76]. In neuester Zeit
konnten Baumgart et al. eine überlegene analgetische und anti-
depressive Wirksamkeit der von ihnen entwickelten psychoregu-
lativen Massagebei Patienten mit psychosomatischen Rücken-
schmerzen eindrucksvoll belegen. Besonders bemerkenswert war
die Nachhaltigkeit der Effekte über 3 Monate [77]. Auch Tiffany
Field, Leiterin des Touch Research Institute in Miami (USA), hat
schon frühzeitig in mehreren Studien die antidepressive und anal-
getische Wirkung von Massage unter Beweis stellen können [14].
Eine weitere kontrollierte Studie aus der Universität Würzburg an
ambulanten depressiven Patienten ergab ebenfalls eine klare
Überlegenheit der hier eingesetzten affektregulierenden Massage
im Vergleich zu einem standardisierten Entspannungsverfahren
[70].
Auch wenn aus methodischen Gründen derzeit noch manche
Fragen offen bleiben [78] beispielsweise nach der besten Kon-
trollbedingung in klinischen Studien so ist dennoch ein Stand
der empirischen berührungsmedizinischen Forschung erreicht,
der eine Einführung dieser Behandlungsmöglichkeit an psychiat-
rischen oder psychosomatischen Kliniken unseres Erachtens
rechtfertigt.
Wirkungsmechanismen
Massage ist eine kleine Psychotherapie, schrieb Möller schon
1994 [79]. Gewiss gibt es nicht denWirkungsmechanismus der
beschriebenen antidepressiven sowie analgetischen Effekte von
Massage, die übrigens auch z.B. bei Tumorpatienten mehrfach
nachgewiesen werden konnten [80, 81], sondern sie müssen auf
verschiedenen Erklärungsebenen, sowohl der neurophysiologi-
schen wie der psychologischen, aber auch auf der immunologi-
schen Ebene diskutiert werden [69]. Einige davon sind bereits
oben angeklungen. Sicher spielt in diesem Zusammenhang die
Aktivierung der CT-Afferenzen und ihre Verbindung zum intero-
zeptiven System eine wichtige Rolle. Jedoch gibt es auch wichtige
hormonale Wirkungsfaktoren, von denen den oxytocinergen
Effekten eine besondere Bedeutung zukommt. Verschiedene
Wirkungen einer psychoaktiven Massage (engl. Affective
Touch) sind mit hoher Wahrscheinlichkeit über das oxytocinerge
System vermittelt; dies dürfte v.a. für die nachgewiesenen anti-
depressiven und analgetischen Effekte (s. o.) gelten [82, 83]. Des-
halb soll im Nachstehenden auf das Oxytocin-System näher einge-
gangen werden.
Die zerebralen Oxytocin-Neurone haben ihren Ursprung im hy-
pothalamischen Nucleus supraopticus und N. paraventricularis
(NPV). Sie projizieren in die posteriore Hypophyse, von wo Oxytocin
in die Blutzirkulation ausgeschüttet wird. Auf eine starke Stimu-
lation hin setzen Dendrite und Kerne dieser Neurone auch Oxytocin
intrazerebral frei [84]. Weiterhin projizieren spezielle oxytocinerge
Neurone vom NPV ausgehend in verschiedene regulatorische
Hirnareale, z.B. Locus caeruleus, periaquäduktales Höhlengrau,
Raphe-Kerne etc., die wichtige autonom-regulatorische Funktionen
haben [85]. Axonkollaterale der zur Hypophyse ziehenden Neurone
erreichen auch Amygdala, Insula und Cortex [86, 87]. Dieses
komplexe System führt durch Oxytocin-Freisetzung zu vielfältigen
physiologischen Reaktionen: Im Vordergrund stehen dabei die
Stimulierung prosozialen Verhaltens, die Minderung von Angst
und Stressniveau, die Förderung von Ruhe und Wohlbefinden,
analgetische und anti-inflammatorische Effekte, aber auch die
Auslösung von regenerativen Prozessen [83].
Das Ox ytocin-System wird in Teilen oder zur Gänze i n verschie-
denen Situationen aktiviert, z. B. ausgelöst durch unterschiedliche
Arten sozialer Interaktion [82, 83, 88]. Dies kann auch unter so-
matosensorischer Stimulation wie etwa dem Geburtsvorgang
[89] oder dem Stillen [90] beobachtet werden. Aber auch die
Aktivierung kutaner Afferenzen, insbesondere durch sanftes
Streicheln, stimuliert die Freisetzung von Oxytocin [91]. Der heut-
zutagegernepraktizierteengeHaut-zu-Haut-Kontaktzwischen
Mutter und Neugeborenem, bei dem statischer Druck ausgeübt
wird, resultiert in einer bemerkenswert starken Oxytocin-Freiset-
e36 Müller-Oerli nghausen B et al. Berührungsme dizin einDtsch Med Wochenschr 2022; 147: e32e40 | © 2022. The Author(s).
Review
zung. Diese Beobachtung spricht für eine wichtige Rolle zusätzli-
cher Rezeptoren in der Haut für die Hormonreaktion [92].
Da sanfte Hautberührung beim Menschen eine Oxytocin-Aus-
schüttung bewirkt, mit nachfolgender Aktivierung serotonerger
Raphe-Kerne sowie dopaminerger Neurone im Striatum und
Nucleus accumbens, legt auch die neurowissenschaftliche Erklä-
rungsebene nahe, dass z. B. sanfte Massagen die Stimmung positiv
beeinflussen [93, 94]. Die Aktivierung des oxytocinergen Systems
dürfte hierbei eine bedeutsame Rolle spielen [70, 82, 83, 95, 96].
Eine andere Erklärungsebene beruht auf dem Konstrukt der In-
terozeption. Interozeptionen umfassen alle Leibempfindungen,
die sich auf den physiologischen Zustand des gesamten Körpers
beziehen also auch viszerale Sensationen und Reize von Ther-
mo-, Chemo-, Nozizeptoren sowie niederschwellige Mechanore-
zeptoren des Berührungssystems, die CT-Afferenzen [97]. Hierbei
nimmt die Insula eine zentrale Rolle bei der Integration aller Ein-
zelempfindungen zu einem leiblichen Selbst (material me)ein
[98]. Abseits homöostatischer Regulationsmechanismen legen
neuere Befunde einen Einfluss der Interozeption auf Affekt, Kogni-
tion und Verhalten nahe [16].
Die Interozeptions-Forschung liefert somit bedeutende Beiträ-
ge zur Pathogenese affektiver Störungen, beispielsweise durch
Bestätigung zentraler Annahmen älterer Emotionstheorien. So
postulierte William James gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass
spezifische viszerale Veränderungen in Reaktion auf einen Stimu-
lus eintreten, die ihrerseits als Emotion empfunden werden [99].
Entsprechend fanden wir im Rahmen einer systematischen Ana-
lyse Hinweise, dass insbesondere Patienten mit mittelschwerer
Depression schlechte Herzwahrnehmer sind also die Zahl ihrer
Herzschläge innerhalb definierter Zeitintervalle gegenüber
gesunden Kontrollen signifikant unterschätzen, was auf eine
gedämpfte kardiale Interozeption hinweist. Diese Fähigkeit steht
in einer komplexen Beziehung zu affektiven und kognitiven Symp-
tomen der Depression, z. B. zu affektiver Verflachung oder Ent-
scheidungsschwierigkeiten [100]. Maladaptive Aufmerksamkeits-
stile gegenüber Interozeptionen, wie bspw. die Sorge über
unangenehme Leibempfindungen, vermindertes Körpervertrauen
und gestörte interozeptive Selbstregulationsmechanismen, stel-
len charakteristische Symptome der Depression dar, deren Verän-
derungen prädiktiv für den Behandlungserfolg einer stationären
Therapie sind [101, 102].
Wenn also die Massagetherapie die depressionstypische Anhedo-
nie zu unterlaufen vermag (s. o.), so kann vermutet werden, dass ihre
klinischen Effekte über das interozeptive System vermittelt werden
[71, 103]. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass interozeptive
Zustände über die Haut beeinflussbar sind, z. B. eine durch sanfte
Berührung vermittelte Erhöhung der Genauigkeit der Herzschlag-
wahrnehmung [104, 105]. Diese Befunde sind für die Behandlung
affektiver Störungen von Bedeutung, da Depressionen mit einer
verringerten Herzratenvariabilität einhergehen, die prädiktiv für
kardiovaskuläre Ereignisse ist [106].
Schlussfolgerungen
Die Wirksamkeit der Berührungstherapie kann innerhalb eines
breiten Indikationsspektrums von der Neonatologie bis zur Geria-
trie und Palliativmedizin, insbesondere auch im Bereich der Psy-
chiatrie/Psychosomatik als ausreichend belegt angesehen wer-
den, auch wenn weitere klinische Studien mit erhöhten
methodischen Anforderungen wünschenswert sind [78]. Zum
anderen begegnen die zugrunde liegenden Wirkmechanismen
auf verschiedenen Konstruktebenen derzeit einem sehr aktiven
internationalen Forschungsinteresse, insbesondere psychologi-
scher, leider deutlich seltener medizinischer Arbeitsgruppen. Da-
raus ergeben sich für uns 2 Desiderata: Wirksamkeit und Praktika-
bilität solcher berührungsmedizinischer Behandlungsformen
sollten nunmehr in größerem Umfang in Klinik und Praxis und
auch mit Unterstützung der Krankenkassen auf ihre Wirksamkeit
und Praxistauglichkeit erprobt werden. Auch im Bereich der Pfle-
ge sollten die bereits vorhandenen positiven Erfahrungen zur
Wirksamkeit heilsamer Berührung, etwa bei Demenz [107], er-
weitert und durch geeignete Studien bekräftigt werden. Zweitens
erscheint uns dringlich, dass auch im deutschsprachigen Raum
die Berührungsforschung an einigen entsprechend ausgestatte-
ten wissenschaftlichen Zentren mit Patientenzugang (vergleich-
bar mit dem US-amerikanischen Touch Research Institute) kon-
zentriert und durch wissenschaftliche Gesellschaften gestützt
wird.
KERNAUSSAGEN
Die gemeinsame Entwicklung von Haut und Nervensystem
aus dem Ektoderm ist Grundlage der engen Beziehung von
Tastsinn und Psyche.
Der phänomenologische Zugang zum Wesen der Depression
als Leibkrankheit eröffnet ein neues Verständnis der anti-
depressiven Wirksamkeit von professioneller Berührungs-
therapie.
Auf der neurobiologischen Ebene stehen derzeit oxytocinerge
Mechanismen, die Stimulation spezifischer Hautrezeptoren
und ihre Assoziation zu interozeptiven Prozessen im Vorder-
grund des Interesses.
Die inzwischen gut belegte Wirksamkeit professioneller
Berührungstherapie in den verschiedensten medizinischen
Indikationen rechtfertigt die Gründung einer neuen Fach-
disziplin Berührungsmedizin.
Interessenkonflikte
BMOE, ME, HN, MG und KUM erklären, dass kein Interessenkonflikt
besteht. GMK führt eine Privatpraxis für Körpertherapie und leitet
Ausbildungsseminare für die von ihr entwickelte Massagemethode.
MMA betreibt eine Privatpraxis für Berührungsmedizin.
Danksagung
Wir danken Herrn Prof. Dr. med. Dr. phil Thomas Fuchs, Universität
Heidelberg, r die hilfreiche Durchsicht des Manuskripts.
e37
Müller-Oerli nghausen B et al. Berührungsme dizin einDtsch Med Wochenschr 2022; 147: e32e 40 | © 2022. The Author(s).
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Objectives: Interoception refers to the sensation, interpretation, and integration of internal somatic signals. Abnormalities in self-reported interoception are prevalent features of major depressive disorder (MDD) and may affect treatment outcomes. In the present study, we investigated the psychometric properties of the revised eight-dimensional and 37-item Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness questionnaire (the MAIA-2) in a severely depressed sample, after translating two updated scales (Not-Distracting, Not-Worrying) into German. Specifically, we examined the measure’s internal consistency reliability, sensitivity to change, and minimal important differences (MID) with a focus on patient’s antidepressive responses to treatment. Methods: The study enrolled 110 participants (age: M = 46.85, SD = 11.23; female: 55.45%) undergoing hospital treatment, of whom 87 were included in the pre-post analysis. Participants completed a German translation of MAIA-2 and the Beck Depression Inventory-II (pre-/post-treatment). Internal consistency reliability was determined by Cronbach’s α/McDonalds’s ω, sensitivity to change was determined by effect sizes, and MIDs were determined by distribution- (0.5*SD) and anchor-based approaches (mean change method; ROC curve cut-points). Results: Depression severity reduced over the course of treatment (Median = -65.22%), and 34.48% of patients achieved remission. Reliability was appropriate for post-treatment (range of ω: .70-.90), but questionable for two pre-treatment scales (Noticing: ω = .64; Not-Distracting: ω = .66). The eight dimensions of MAIA-2 were sensitive to change (standardized response mean: .32-.81; Cohen’s effect size: .30-.92). Distribution-based MIDs (.38-.61) and anchor-based mean change MIDs (remission vs. partial response: .00-.85; partial response vs. nonresponse: .08-.88) were established on the group level. For six scales, ROC cut-points (remission: .00–1.33; response: -.20–1.00) demonstrated accurate classification to treatment response groups on the individual level. Conclusions: This study demonstrated the applicability of the MAIA-2 questionnaire in MDD. The updated version may have led to reliability improvements regarding the revised scales, but subthreshold reliability was evident prior to treatment. The measure’s dimensions were sensitive to change. MIDs were established that corresponded with antidepressive treatment outcomes. Our findings are consistent with a growing area of research which considers somatic feelings as key contributors to mental health.
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Background: When adolescent boys experience close, secure relationships with their parents and peers, the implications are potentially far reaching, including lower levels of mental health problems in adolescence and young adulthood. Here we use rare prospective intergenerational data to extend our understanding of the impact of adolescent attachments on subsequent postpartum mental health problems in early fatherhood. Methods: At age 17–18 years, we used an abbreviated Inventory of Parent and Peer Attachment to assess trust, communication, and alienation reported by 270 male participants in their relationships with mothers, fathers, and peers. More than a decade later, we assessed the adult males, now fathers, at 12 months postpartum ( N = 409 infant offspring) for symptoms of depression, anxiety, and stress. Logistic regression was used to examine the extent to which attachment dimensions predicted paternal postpartum mental health, adjusting for potential confounding, and with assessment for interactions between parent and peer attachments. Results: Trust in mothers and peers, and good communication with fathers during adolescence, were associated with 5 to 7 percentage point reductions in postpartum mental health symptoms in early fatherhood. Weak evidence of parent-peer interactions suggested secure attachments with either parent or peer may compensate for an insecure attachment with the other. Conclusions: Our results suggest that fostering trust and communication in relationships that adolescent boys have with parents and peers may have substantial effects on rates of paternal postpartum mental health problems. The protective benefits may be preventative in intergenerational cycles of risk for mental health problems.
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Oxytocin (OT) is one of the most intensively researched neuropeptides during the three past decades. In benign social contexts, OT exerts a range of desirable socioemotional, stress-reducing, and immunoregulatory effects in mammals and humans and influences mammalian parenting. Consequentially, research in potential pharmacological applications of OT toward human social deficits/disorders and physical illness has increased substantially. Regrettably, the results from the administration of exogenous OT are still relatively inconclusive. Research in rodent maternal developmental programming has demonstrated the susceptibility of offspring endogenous OT systems to maternal somatosensory stimulation, with consequences for behavioral, epigenetic, cognitive, and neurological outcomes. A translation of this animal research into practically feasible human parenting recommendations has yet to happen, despite the significant prevention potential implied by the maternal developmental programming research. Extended physical contact with full-term healthy infants in the months following birth (infant carrying) might constitute the human equivalent of those specific rodent maternal behaviors, found to positively influence emerging OT systems. Findings from both OT and maternal programming research parallel those found for infants exposed to such extended parental physical contact, whether through skin-to-skin contact or infant carrying. Clinical support of parents to engage in extended physical contact represents a feasible intervention to create optimum conditions for the development of infant OT systems, with potential beneficial long-term health effects.
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Although widely accepted, attachment theory’s hypothesis that insecure attachment is associated with the development of depressive symptoms through emotion regulation strategies has never been longitudinally tested in adolescence. Additionally, previous research only focused on strategies for regulating negative affect, whereas strategies for regulating positive affect may also serve as a mechanism linking insecure attachment to depressive symptoms. This study aimed to fill these research gaps by testing whether the association between attachment and change in depressive symptoms over time is explained by strategies for regulating negative and positive affect in adolescence. Adolescents ( N = 1706; 53% girls; M age = 12.78 years, SD age = 1.54 at Time 1) were tested three times, with a 1-year interval between measurement times. They reported on their attachment anxiety and avoidance at Time 1, depressive symptoms at Times 1 and 3, and regulation of negative affect (brooding and dampening) and positive affect (focusing and reflection) at Time 2. The results from multiple mediation analyses showed that more anxiously attached adolescents developed more depressive symptoms via increased brooding and dampening. More avoidantly attached adolescents developed more depressive symptoms via decreased focusing. These findings provide longitudinal support for attachment theory’s emotion regulation hypothesis, and show that the regulation of both negative and positive affect is important.
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Significance A birth-to-adulthood study tested the effects of maternal–newborn contact and synchronous caregiving on the social processing brain in human adults. For two decades, we followed preterm and full-term neonates, who received or lacked initial maternal bodily contact, repeatedly observing mother–child social synchrony. We measured the brain basis of affect-specific empathy in young adulthood to pinpoint regions sensitive to others’ distinct emotions. Maternal–newborn contact enhanced social synchrony across development, which, in turn, predicted amygdalar and insular sensitivity to emotion-specific empathy. Findings demonstrate the long-term effects of maternal caregiving in humans, similar to their role in other mammals, particularly in tuning core regions implicated in salience detection, simulation, and interoception that sustain empathy and human attachment.
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It has been shown that various types of stress initiate different physiological and neuroendocrine disorders. Oxytocin (OT) is mainly produced in the supraoptic nucleus (SON) and paraventricular nucleus (PVN) of the hypothalamus. Hypothalamic OT has antistress effects and attenuates the hypothalamic–pituitary–adrenal (HPA) axis. One mechanism behind the antistress effects of OT is mediated through the inhibition from GABA A receptors on corticotropin-releasing factor (CRF) expression at the PVN. Various manual therapies such as acupuncture, transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS), and massage initiate the stimulation of somatosensory neurons of the body. It is well-known that TENS simulates OT expression, while it inhibits CRF expression at the PVN following chronic stress loading in rodents. Upregulation of OT expression at the hypothalamus is activated by the somatosensory stimulation, which is mediated via the spinothalamic pathway (the connection between the spinal cord and hypothalamus). Thus, somatosensory stimulation is beneficial in treating stress-associated symptoms. Hypothalamic OT is associated with the social behaviors, including maternal care and affiliation. Childhood neglect and/or child abuse are severely responsible for deleterious long-term effects on the cognitive/social activity and behavioral development. At parturition, a profound amount of OT is released into the systemic circulation in response to vaginal and cervical stimulation caused by the body of fetus, which induces the onset of maternal behavior. Peridural anesthesia effectively impairs the sensitivity to vaginal and cervical stimulation at parturition. OT levels in cerebrospinal fluid is significantly reduced following peridural anesthesia. The vaginal delivery mothers had significantly more OT pulses than the caesarian section (CS) mothers. Due to low levels of endogenous OT, maternal behavior could be interrupted by epidural anesthesia and CS at parturition because of the reduction of the usual sensory input from the genitalia.
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Background Emotions play a central role in mental disorder and especially in depression. They are sensed in the body, and it has recently been shown in healthy participants that these sensations can be differentiated between emotions. The aim of the current study was to assess bodily sensations for basic emotions induced by emotion eliciting pictures in depression. Methods 30 healthy controls (HC), 30 individuals suffering from Major depressive disorder (MDD) without medication use (MDDnm) and 30 individuals with MDD with medication use (MDDm) were shown emotional and neutral pictures and were asked to paint areas in an empty body silhouette where they felt an increase or decrease in activation. Body sensation maps were then calculated and statistical pattern recognition applied. Results Results indicated statistically separable activation patterns for all three groups. MDDnm showed less overall activation than HCs, especially in sadness and fear, while MDDm showed stronger deactivation for all emotions than the other two groups. Conclusions We could show that emotion experience was associated with bodily sensations that are weaker in depression than in healthy controls and that antidepressant medication was correlated with an increased feeling of bodily deactivation. Results give insights into the relevance for clinicians to acknowledge bodily sensations in the treatment of depression.
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Recently, the issue of a lack of interpersonal touch has gained much public interest due to the social distancing ordered by the authorities in the present pandemic situation [...]
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Wie sieht es aus mit der sogenannten »Evidenz« zu den Ursachen von Depression und Schizophrenie? Wie mit der Wirksamkeit von Medikamenten und Psychotherapien? Welche Bedeutungen haben Vorurteile, Verzerrungen und sich selbst erfüllende Voraussagen in der psychiatrischen Behandlung und Forschung? Und wieso helfen viele gut erforschte Ansätze so häufig nicht? Wenn man die gegenwärtige Psychiatrie verstehen will, muss man verstehen, was in den Köpfen von Psychiater*innen vor sich geht, sagt Weinmann und plädiert dafür, dass sich die Psychiatrie mehr den sozialen und auch den gesellschaftlichen Bedingungsfaktoren stellt. Mit diesem Buch liefert er einen kritischen und hochspannenden Beitrag.
Article
Introduction: Research on body aspects in depression primarily focuses on somatic complaints, while phenomenologists emphasize the pre-reflective bodily experience of depression as relevant for the psychopathology of it. Despite this increasing acknowledgement of the subjective body's impact on depression, empirically, it remains rarely studied. Methods: Relying on the psychotherapy method of Focusing (Gendlin, 1982), interviews were developed, which enable participants with depression to get in contact with pre-reflective bodily experiences through turning inward, attentively observing all bodily feelings that arise, and finding symbolizations for these feelings. Results: In 501 codings of the conducted interviews, the theme of passivity emerged on a continuum ranging from inhibition of drive to lack of drive. It can be split into 5 components (heaviness, emptiness, paralysis, blockage, and alienation), which were felt in the head or the whole body. Moreover, participants reported active, pressuring feelings in the chest and stomach areas, which were associated with specific emotions in some participants. Discussion: In conclusion, through focusing, participants were able to take note of their pre-reflective bodily feelings and described feelings of passivity, active, pressuring feelings, and an ambivalence between these two parts. Results support the notion that depression is associated with specific pre-reflective bodily experiences and lay a foundation for future research.