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Fragile Ernährungskulturen im Spiegel der Corona‑Pandemie

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Beitrag zur Veranstaltung »Prekäre Ernährung. Ein tabuisiertes Phänomen der Wohlstandsgesellschaft« der Sektion Land-, Agrar-und Ernährungssoziologie. Die interdisziplinäre Ernährungsforschung hat sich innerhalb gut einer Generation von einem peripheren zu einem zentralen Gegenstandsfeld des universitären wie auch des gesellschaftlichen Diskurses entwickelt. Dabei wandte und wendet sich die Forschung vor allem jenen zu, die bereit sind, Auskunft zu geben, also an Forschungsprozessen zu partizipieren, oder jenen, die überhaupt im Blickfeld der Forschung liegen. Hinter sprachlichen, räumlichen oder auch sozialen Barrieren liegen jedoch Lebensrealitäten und damit Ernährungspraxen, die mit Bildern einer Nahrungsaufnahme in geordneten Chronologien und im Rahmen von Mahlzeiten oder mit dem Wunsch nach gesunder und nachhaltiger Ernährung, mithin mit den Imperativen der Ernährungspolitik und -beratung, eine eher begrenzte Schnittmenge aufweisen. Die zu Beginn des Jahres 2020 aufgetretene Corona-Pandemie verstärkt diesen Trend, denn sie erhöht das Armutsrisiko, beschleunigt die Öffnung der sozioökonomischen Schere und führt zudem zu psychosozialem Stress (Winterberg 2020). Der vorliegende Beitrag argumentiert aus der spezifischen Perspektive der Kulturwissenschaften für ein Zusammendenken von Prekaritäts- und Nahrungskulturforschung bzw. Ernährungssoziologie. Das Sprechen über alltägliche Ernährungsroutinen und Verzehrkontexte und dessen narrative Einbindung in die Verarbeitung und Deutung prekärer Lebensumstände, so soll im Folgenden dargelegt werden, ermöglichen eine alltagsnahe Tiefensicht auf (arbeits-)biografische Krisenerfahrungen, finanzielle Armut, Planungsunsicherheit und psychische Belastungssituationen. Am Beispiel eines an der Universität Regensburg durchgeführten Forschungsprojekts zu prekären Lebenswelten im Prisma der Ernährung sollen mögliche Zugänge und Perspektiven einer Verschränkung beider Forschungsfelder aufgezeigt werden. Hierzu wird zunächst das dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegende Verständnis von Prekarität erläutert und mit Blick auf bestehende Studien zum Verhältnis von Prekarität bzw. Armut und Ernährung verortet. Daran anschließend folgen eine schlaglichtartige Diskussion erster empirischer Ergebnisse und ein Ausblick auf die nahe Zukunft. Die Diskussion stützt sich auf die bereits in Hirschfelder und Thanner (2019) in Form von Fallstudien publizierten Ergebnisse.
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