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Handreichung: Hybrides Lehren und Lernen im Wintersemester 2021/2022

Authors:
Preprints and early-stage research may not have been peer reviewed yet.
Bild: Lisa Beller
Hybrides Lehren und Lernen
im Wintersemester 2021/2022
Handreichung
2
Hybrides Lehren und Lernen
Was ist hybrides Lehren und Lernen, und wie gestalte ich eine hybride(re) Lehrveranstaltung?
7Wie könnte die Zukunft der hybriden Lehre
aussehen?
Ein Blick in die Zukunft
3Welche Herausforderungen und Chancen
bringt die Hybridität?
Herausforderungen und Chancen
5Welche Fragen sollte ich mir stellen, bevor ich eine
hybride Lehrveranstaltung plane und/oder ausrichte?
Planungs-und Reflexionsfragen
1Wie wird das kommende Semester in
(Teil-)Präsenz aussehen?
Wintersemester 2021/2022
8Welche Informations-, Hilfs-, und
Unterstützungsangebote gibt es an der UzK?
Ressourcen und Angebote
4Was gibt es bei der Planung einer hybriden
Lehrveranstaltung zu beachten, und welche
Ansätze funktionieren in der Praxis?
Die eigene Lehre
6Gibt es praktische Tipps und Tricks für die
hybride Lehre?
Tipps und Tricks
2Was ist hybrides Lehren und Lernen, und welche
Grundmodelle gibt es?
Hybrides Lehren und Lernen
3
1. Das Wintersemester 2021/2022
Es liegen drei sehr anstrengende aber auch sehr besondere und lehrreiche digitale
Semester hinter uns!
Während wir alle hoffen, dass viele von uns im kommenden Semester wieder an die
Universität zurückkehren können, ist es mit Blick auf das aktuelle
Pandemiegeschehen schwierig, abschließende Entscheidungen zu treffen.
Daher müssen wir uns auf verschiedene Szenarien vorbereiten. Während Lehrende in
Zukunft idealerweise frei zwischen Veranstaltungsformaten (virtuell, hybrid, oder in
Präsenz) auswählen können, müssen wir uns darauf einstellen, dass im
Wintersemester praktische Einschränkungen diese Entscheidung noch stark
beeinflussen werden. Neben der beschränkten Verfügbarkeit von geeigneten Räumen
ist beispielsweise auch damit zu rechnen, dass nicht alle Studierenden in Präsenz
teilnehmen können.
Diese Handreichung soll Ihnen deshalb dabei helfen, Ihre Lehrveranstaltungen flexibler
und hybrider zu gestalten so sind Sie auf alles vorbereitet!
Definieren Sie hybrides Lehren und Lernen.
Wenn Sie heute Student*in wären, wie würden Sie am
liebsten lernen und studieren in Präsenz, digital, oder
vielleicht auch ganz anders?
Welche Fragen stellen Sie sich, wenn Sie an hybride
Lehrveranstaltungen denken?
??
4
5
2. Hybrides Lehren und Lernen
Es gibt viele unterschiedliche Vorstellungen davon, was hybride Lehre eigentlich meint und wie eine hybride Lehrveranstaltung aussehen könnte.
Im Folgenden gehen wir davon aus, dass sich hybride Lehre dadurch auszeichnet, dass Lernende
sowohl in Präsenz aber auch online an einer Lehrveranstaltung teilnehmen können.Dabei kann
es sich sowohl um synchrone als auch um asynchrone Formate handeln.
Wir verstehen die hybride Lehre dabei als eine spezielle Form des Blended Learning, als eine didaktisch
sinnvolle „Mischung von Präsenz-und Distanzlernen“ (Stade und Wampfler 2021: 83). Die Grenzen
zwischen Präsenzlehre und reiner digitaler Lehre verschwimmen und gehen idealerweise in einer
didaktisch sinnvollen neuen Form des Lehrens und Lernens auf.
Der Begriff ‚hybride Lehre‘ ist dabei im (hochschul-)didaktischen Diskurs nicht neu. Im Zuge der Pandemie wurde dieser jedoch erweitert und beschreibt
nun auch solche Lehr-/Lernszenarien in denen Lernenden gleichzeitig, zumeist in Form einer Liveschaltung, in Präsenz und online an der gleichen
Lehrveranstaltungen, im Sinne einer Sitzung, teilnehmen können. Für dieses weit verbreitete Verständnis von Hybridität haben sich auch die
spezielleren Begriffe ‚synchrone hybride Lehre‘ und ‚concurrent teaching‘ (v. a. in den USA) herausgebildet.
Präsenzlehre
Digitale Lehre
Hybride Lehre
6
Einige Modelle des hybriden Lehrens und Lernens
Wie bereits angesprochen, dominiert im Diskus aktuell die Vorstellung, dass hybride Lehrveranstaltungen immer
eine Art von ‚Liveschaltung‘ per Videokonferenzsystem sind: Die Lehre findet in erster Linie in Präsenz statt und
weitere Lernenden können sich bei Bedarf online zuschalten.
Während diese synchrone Variante der hybriden Lehre durchaus ihre Vorzüge hat (z. B. einfache Umstellung
bestehender Veranstaltungen), ist sie nicht immer umsetzbar (z. B. wenn die notwendige Technik nicht verfügbar
ist) und auch nicht immer didaktisch geeignet (z. B. wenn die Lernziele ausschließlich in Präsenz erreicht
werden können).
Wenn es um die Hybridisierung von Studiengängen, Lehrveranstaltungen oder auch nur einzelner Elemente geht,
gibt es keine allgemeingültigen Musterlösungen. Die organisatorischen und didaktischen Entscheidungen
müssen immer in Abhängigkeit zu den jeweiligen spezifischen Voraussetzungen und Lernzielen getroffen werden.
Einfach gesagt: Ein hybrides Laborpraktikum, falls überhaupt möglich, muss zwangsläufig anders aussehen und
geplant werden, als eine hybride Vorlesung.
Im Folgenden werden nun einige grundlegende Modelle aufgelistet, die sich für hybride Lehrveranstaltungen
eigenen und die von Ihnen angepasst werden können. In Kapitel vier finden Sie dann zusätzlich weitere
Anregungen für die Planung von Veranstaltungen.
Studiengang
Lehrveranstaltung
(Kurse, Module)
Prozesse und Produkte
(Szenarien, Methoden,
Ressourcen)
Einige Modelle des hybriden Lehrens und Lernens
Den folgenden Modellen liegen drei grundsätzliche Überlegungen zu Grunde:(1) Hybridität und Synchronität sind nicht binär zu betrachten. Es geht nicht darum,
eine ‚perfekte‘ hybride Lehrveranstaltung zu entwickeln, sondern flexible und hybride Partizipation schrittweise zu ermöglichen.(2) Hybride Lehrveranstaltungen stellen
häufig sowohl die ‚Räumlichkeit‘ als auch das Konzept der ‚Sitzung‘ als solches in Frage.(3) In hybriden Szenarien machen zwangsläufig nicht alle Lernenden die
gleichen Erfahrungen die Ergebnisse, gemessen an den Lernzielen, sollten und können aber äquivalent sein.
1
Synchrone Hybride Lehre die Liveschaltung
Die Lehrveranstaltung findet ‘wie gewohnt’ im üblichen
Rhythmus in Präsenz statt. Digitale Teilnehmer*innen
werden per Videokonferenz (Zoom) live zugeschaltet. Es
wird per Chat, und/oder Kamera/Mikrofon kommuniziert.
Je nach Veranstaltungstyp kann diese Variante technisch
und didaktisch sehr anspruchsvoll sein. In der Theorie ist
aber keine grundsätzliche Veränderung der Veranstaltung
notwendig.
Präsenz
Digital
Zeit
2
Dopplung von Veranstaltungen
Die gleiche Lehrveranstaltung wird zweimal angeboten.
Einmal als Präsenzveranstaltung und einmal als
ausschließlich digitales Format. Die Studierenden können
dann wählen, an welcher Veranstaltung sie teilnehmen.
Wenngleich die Voraussetzungen für dieses Modell sehr
speziell sind, bietet es große Planungssicherheit für
Lehrende wie Lernende.
Digital
Zeit
7
Präsenz
Zeit
Einige Modelle des hybriden Lehrens und Lernens
3
Einzelne Präsenztermine
In diesem Modell findet die Lehrveranstaltung in erster
Linie als reine digitale Lehre statt. Einzelne
Termine/Sitzungen, eventuell auch nur für Teilgruppen,
werden jedoch in Präsenz angeboten. Hierbei kann es
sich zum Beispiel um Besprechungs-, Übungs-, oder
Kennenlerntermine handeln.
Der Vorteil dieses Formats liegt darin, dass die
spezifischen Vorteile von Präsenzterminen (mit kleinen
Gruppen), insbesondere zu kritischen Zeitpunkten im
Semester, ausgespielt werden können.
4
Wechselunterricht
Die Lernenden werden in zwei (oder mehrere) Gruppen unterteilt.
Die Gruppen arbeiten abwechselnd in Präsenz und online. Die
Onlinephasen können sowohl synchron (Livestream) als auch
asynchron gestaltet werden.
Während dieses Modell eine relativ hohe Präsenzzeit möglich
macht, ist zu bedenken, wie im asynchronen Fall mit Lernenden
umzugehen ist, die nie in Präsenz teilnehmen können.
Eine Spezialform ist die 2-Kohorten Lösung (YouTube) von Jürgen
Handke, die auf einem Flipped-Classroom Modell basiert.
8
Digital
P
Zeit
PP
Gruppe B (D)
Gruppe A (P)
Zeit
Gruppe A (P)
Gruppe B (D)
Einige Modelle des hybriden Lehrens und Lernens
5
Arbeitsgruppen mit Beratungsterminen
Die Lernenden werden in (mehr oder weniger) feste
Lerngruppen eingeteilt. Diese arbeiten selbständig an
Aufgaben und Fragestellungen.
Im Sinne der individualisierten Lernbegleitung können
diese Gruppen in Präsenz aber auch digital Beratungs-
und Besprechungstermine wahrnehmen.
Die Ergebnisse, Lernprodukte, Fragen, etc. der Gruppen
werden per LMS (ILIAS) zwischen den Gruppen
ausgetauscht.
6
Arbeitsgruppen mit Arbeitsterminen
Die Lernenden werden in (mehr oder weniger) feste
Lerngruppen eingeteilt. Die Inhaltsvermittlung, Vor-und
Nachbereitung, Dokumentation und der Austausch
zwischen den Gruppen erfolgen asynchron und digital.
Die Gruppen absolvieren einzelne Einheiten oder
Übungen in Präsenz beispielsweise im Labor. Während
diese Lösung sich nicht für Lernende eignet, die nie in
Präsenz teilnehmen können, bietet das Modell eine hohe
Flexibilität in Fällen, in denen auf die Präsenz nicht
verzichtet werden kann.
9
Gruppenarbeit (Digital oder in Präsenz)
P
Zeit
P P PP P P
Asynchron Digital
G1
Zeit
G2 G3 G1 G2 G3 G1
Einige Modelle des hybriden Lehrens und Lernens
7
HyFlex Course Design (siehe Beatty 2019)
Im HyFlex Modell (Hybrid; Flexible) können Lernenden frei
wählen, ob sie eine Sitzung in Präsenz, per Liveschaltung
oder asynchron ‚besuchen‘ möchten. Im Kern steht dabei
die Annahme, dass Lernenden auf unterschiedlichen
Wegen zum selben Ziel kommen können und nicht alle
dasselbe erleben müssen.
Ausgehend von einer Reihe von Lernzielen werden daher
unterschiedliche Aufgaben und Aktivitäten gestaltet, die
zum jeweiligen Modus passen aber dieselben Lernziele
ins Auge fassen.
Asynchron Digital
Zeit
Neben den sieben hier vorgestellten Modellen gibt es eine Vielzahl an
Variationen und Mischformen.
Alle Varianten haben dabei ihre Vor-und Nachteile,die es gegeneinander
abzuwiegen und im eigenen Kontext zu betrachten und bewerten gilt.
Die Kernfrage lauter aber immer:Können Studierende, unabhängig von
ihrer Örtlichkeit, die Lernziele der Lehrveranstaltung erreichen?
Zudem sind folgenden vier Fragen leitend:
Gibt es Teilnehmende, die nie in Präsenz teilnehmen können?
Gibt es Lernziele, die ausschließlich in Präsenz oder ausschließlich digital
erreichbar sind? Welche Priorität haben diese?
Wie soll das Verhältnis zwischen Synchronität und Asynchronität aussehen?
Habe ich die Fähigkeiten, die Mittel (auch Zeit), und die technischen
Voraussetzungen um das gewählte Modell, z. B. synchrone hybride Lehre,
umzusetzen?
D. Synchron
Präsenz
D. Synchron
Präsenz
D. Synchron
Präsenz
10
11
3. Herausforderungen und Chancen
Obwohl das hybride Lehren und Lernen uns vor neue Herausforderungen stellt, entsteht auch Reihe von Chancen völlig unabhängig von einer Pandemie!
Es gibt höhere technische Anforderungen, insbesondere bei
synchroner hybrider Lehre (Liveschaltung).
Die Planung und Durchführung von hybriden Lehrveranstaltungen ist
komplex und kostet viel Zeit. Die Interaktionen sind ebenfalls häufig
komplexer als gewohnt.
Es gibt große organisatorische Herausforderungen, insbesondere
wenn Lernende am gleichen Tag sowohl Veranstaltungen in Präsenz
als auch online besuchen (z. B. Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen).
Es ist schwierig, die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen
Gruppen herzustellen und aufrechtzuerhalten.
Es ist schwierig, Chancengleichheit herzustellen und die
Präsenzgruppe nicht zu bevorteilen.
Nicht alle Kompetenzen können in beiden Partizipationsmodi
gleichermaßen erworben werden.
Das Studium und die Lehre werden flexibler und die Übergänge (zeitlich, räumlich,
etc.) idealerweise nahtloser.
Hybride Formate ermöglichen mehr Lernenden in den unterschiedlichsten Situationen
die Teilhabe (z. B. Vereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf, ortsunabhängiges
Lernen).
Es entsteht ein großes Potenzial für die (internationale) Kooperation (z. B. Virtual
Mobility, Vernetzung von Lehrveranstaltungen, Gasthörende und Gastvortragende).
Die Räume vor Ort können entlastet werden, während neue, beliebig große, digitale
Räume entstehen können.
Es können völlig neue und innovative Interaktions-, Arbeits-und Lernformen
entstehen, die die Stärken der Hybridität ausspielen.
Die unterschiedlichen Kontexte haben unterschiedliche Eigenschaften. Daher
können verschiedene und auch ganz neue Kompetenzen herausgebildet werden.
Hybrides Lehren und Lernen sind nicht einfach und erfordern oftmals ein grundsätzliches Umdenken!
Es ist aber auch weit mehr, als nur eine Notfalllösung!
12
4. Die eigene Lehre – Planung
Insbesondere in der hybriden Lehre fällt dem Backward Design die Lernziele kommen zuerst eine zentrale Rolle zu. Da wir mit unterschiedlichen Gruppen
von Lernenden in verschiedenen Kontexten arbeiten, ist es häufig hilfreich oder sogar notwendig, differenzierte und auf den Kontext angepasste Inhalte,
Aufgaben und Aktivitäten zu entwickeln. Diese können sich grundsätzlich voneinander unterscheiden, sollten aber dem gleichen Lernziel dienen.
Ganz ähnlich wie bei der Differenzierung zwischen Leistungsstufen können wir in der hybriden Lehre zwischen Kontexten und Partizipationsformen differenzieren.
Beispiel: Nehmen wir an, Studierende sollen die Kompetenz erwerben,
Argumente aus einem Text kritisch zu diskutieren (Lernziel).
Während es sich in der Präsenz und synchronen Hybridität (Modell 1) anbieten
würde, Studierende in Gruppen diskutieren zu lassen, könnte man eine
asynchrone Alternative finden, welche dem selben Ziel dient. Asynchrone
Teilnehmer*innen könnten beispielsweise in einem Forum (ILIAS) Argumente
sammeln und diese dann gegenseitig kritisch kommentieren.
Lernziel A
Aufgabe / Aktivität 1 Aufgabe / Aktivität 2
Aufgabe / Aktivität 3
Die Studierenden arbeiten, je nach Kontext, an unterschiedlichen Dingen
und Aufgaben, erreichen aber schlussendlich das gleiche Lernziel.
Aber: Manche Lernziele lassen sich besser oder ausschließlich in einem
spezifischen Kontext bearbeiten.
In Präsenz
Liveschaltung
Asynchron
13
4. Die eigene Lehre – Planung
Grundsätzlich kann es helfen, sich bei Planung einer hybriden Lehrveranstaltung drei zentrale Fragen aus der
Vogelperspektive zu stellen:
Eng verwand mit dem Backward Design ist das Constructive Alignment. Die Lernziele, Inhalte und
Methoden als auch die Prüfungsform(en) (Assessment) müssen aufeinander abgestimmt werden.
Im Falle von hybriden Lehrveranstaltungen muss dies auch unter Berücksichtigung der
verschiedenen und möglicherweise wechselnden Kontexte geschehen.
Eine Hilfestellungen können dabei verschiedene didaktische Dimensionen sein. Anhand dieser
können Sie durchspielen, was es bei der Planung zu beachten gibt und welche Möglichkeiten Ihnen
offenstehen. Auf den nächsten Seiten finden Sie dazu ausführliche Erläuterungen!
1. Wie kann und soll die Lehrveranstaltung sequenziert beziehungsweise geordnet werden? Dieser Frage kommt
aufgrund der unterschiedlichen, parallel oder synchron arbeitenden, Gruppen eine besondere Bedeutung zu.
2. Welche konkreten Szenarien, Aufgaben, Arbeitsschritte und Ressourcen soll es geben und was ist bei
diesen aus der hybriden Perspektive zu bedenken?
3. Wie wird mit den unterschiedlichen Gruppen an Studierenden umgegangen und welche Beziehung haben
diese zueinander (z. B. Vorbereitung, Information, Kommunikation, Kooperation, Regeln, etc.)?
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstrukti on
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Async hron
Sozialformen
Rückmeldung
Lehr-/Lernstand
14
4. Die eigene Lehre – Planung
(Digitale) Aktions-und Sozialformen
Es gibt vielfältige Aktions-und Sozialformen. Dabei beschreiben die Aktionsformen die Aktivitäten und Handlungen der
Lehrenden/Dozierenden, wie bspw. darbieten/darstellen, fragen/entwickeln, oder erarbeiten.
In der digitalen und hybriden Lehre wird die Rolle der Lehrenden aufgrund der zusätzlich zur Verfügung stehenden Tools und
Möglichkeiten erweitert:
eInstruktion: Sie als Lehrende*r entwickeln eine digitale oder hybride Veranstaltung (Lernziele, Inhalte, Aufgaben, Übungen,
Assessments, …) und führen diese Veranstaltung (online) durch (siehe z. B. das 4C/ID-Modell von van Merriënboer)
eModeration: Sie als Lehrende*r moderieren mit Hilfe digitaler Tools die Erarbeitung von Fragen-und Problemstellungen durch
die Lernenden.
eCoaching: Sie als Lehrende*r ‚coachen‘ (individualisiert) durch digital gestützte Anleitungen, Hilfestellungen und Feedback und
stehen abrufbar als Lernressource auf fachlicher und personaler Ebene zur Verfügung.
eTutoring: Sie als Lehrende*r stehen unterstützend zur Verfügung, wenn Studierenden im Rahmen ihres selbstorganisierten
Lernprozesses Feedback benötigen. Als eTutor*innen können auch erfolgreich studentische Hilfskräfte eingesetzt werden.
eMentoring: Sie beraten, begleiten und unterstützen Ihre Studierenden primär im Rahmen des Selbststudiums und auf einer
Ebene der persönlichen Beziehungen. Innerhalb dieses Prozesses geben eMentor*innen fachliches, methodisches oder
Erfahrungswissen weiter. Als eMentor*innen können auch erfolgreich studentische Hilfskräfte eingesetzt werden, insbesondere
im Rahmen der technischen Unterstützung im Umgang mit digitalen Tools.
Sozialformen beziehen sich hier auf die spezifische Organisation der Interaktionen innerhalb des Lehr-/Lernsettings.
Hier lassen sich bspw. Einzel-, Partner-, Plenums-, oder Gruppenarbeit verordnen. In hybriden Szenarien ist hierbei zu bedenken, in
welchem Kontext sich einzelne Gruppen oder Lernende zum jeweiligen Zeitpunkt befinden.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
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4. Die eigene Lehre – Planung
Synchronizität
Da im Rahmen der Gestaltung hybrider Lehr-/Lernveranstaltungen die klassische zeitliche Taktung häufig aufgebrochen wird, kommen
synchronen und asynchronen Gestaltungsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung zu.
Der Aspekt der Synchronisation bezieht sich auf die „Gleichzeitigkeit“ (synchron) von Prozessen zwischen Lehrenden und Lernenden.
So finden Lern-, Kommunikations-oder Kollaborationsprozesse zeitgleich mit mehreren Teilnehmer*innen statt. Dabei ist es
unerheblich, welche Art des zeitgleichen Zugangs die Teilnehmer*innen nutzen, um an den Prozessen teilzunehmen: Im Falle der
synchronen Hybridität (Modell 1), nehmen alle gleichzeitig manche vor Ort, andere via Videokonferenz am Geschehen teil. In
Zukunft, zum Beispiel durch den Einsatz von Virtual Reality, ist es denkbar, dass die räumlichen Grenzen, oder zumindest deren
Wahrnehmung, weiter verschwimmen.
Asynchron“ stattfindende Prozesse sind nicht zeitgleich, sie finden (größtenteils bewusst) zeitversetzt statt. Beispiele hierfür wären
die Kommunikation via E-Mail, die Erörterung von Themen in Diskussionsforen, die eigenständige Bearbeitung von Aufgaben, oder die
gemeinsame Erstellung von Texten über einen Filehosting-Dienst wie Sciebo.
Im Kontext von hybriden Lehrveranstaltungen sollte man auch im Blick behalten, dass sich synchrone und asynchrone Phasen
abwechseln und ergänzen können. Gruppen können zum Beispiel asynchron an Aufgaben oder Projekten arbeiten, die dann in
synchronen Treffen vorgestellt und besprochen werden.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
16
4. Die eigene Lehre – Planung
Lehr-/Lernstandsrückmeldungen (Feedback und Assessments)
Der Reflexion des eigenen Wissensstandes kommt in allen Phasen des Studiums eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere in
hybriden Lehr-/Lernveranstaltungen, in denen die räumliche Distanz und eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten zu Herausforderungen
werden können, gewinnen explizite Rückmeldungs-und Feedbackkanäle an Bedeutung.
Auch in der Hybridität gibt es didaktisch mehrwertige und variantenreiche Lehr-/Lernstandsrückmeldungen in Form von Assessments.
Allgemein lassen sich derartige Assessments als Rückmeldefunktion entlang des Lernprozesses verordnen:
Diagnostische Assessments finden typischerweise vor dem Lernen statt und sollen den (eigenen) Kompetenzstand ermitteln.
Diese kann zur Optimierung des eigenen Lernprozesses, zur Überprüfung von Voraussetzungen oder auch zur Ermittlung von
Zulassungskriterien genutzt werden.
Formative Assessments finden typischerweise während des Lernen statt und helfen dabei, den bereits erreichten Lehr-/Lernstand
zu reflektieren und gegebenfalls den Lehr-/Lernprozess anzupassen.
Summative Assessments (Prüfungen) finden typischer Weise nach dem Lernen in Form einer Leistungsbewertung inkl. Benotung
statt. Diese dienen in der Regel dazu, abschließend den Lernerfolg, gemessen an der Erreichung von Lernzielen, zu bewerten. In
hybriden Lehrveranstaltungen kommen in erster Linie die Methoden des digitalen Prüfens zum Einsatz.
In hybriden Szenarien, insbesondere wenn mit mehreren Gruppen gearbeitet wird (z. B. Modelle 3bis 6), ist es wichtig gleichberechtigtes Feedback zu geben.Während man
Präsenzteilnehmer*innen auch relativ einfach ‚nebenbei‘ Feedback (beziehungsweise formatives Assessment) geben kann, passiert es sehr schnell, dass man die virtuellen
Teilnehmenden aus den Augen verliert.Aus diesem Grund ist es sinnvoll das Assessment für alle Teilnehmenden zu harmonisieren und auf digitale Werkzeuge zu setzen.In ILIAS
bieten sich dazu beispielweise die Übung, der Test, die individuelle Bewertung aber auch das Portfolio an.Mit H5P lassen sich ebenfalls relativ einfach diagnostische und formative
Übungen erstellen.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
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4. Die eigene Lehre – Planung
In hybriden Szenarien ist es grundsätzlich empfehlenswert, auf digitale Werkzeuge und Medien zu setzen, da diese von
beiden Gruppen gleichermaßen genutzt werden können. Während es beispielsweise relativ schwierig ist, einem
abgefilmten Tafelaufschrieb zu folgen, bietet ein digitales/virtuelles Whiteboard, neben vielen zusätzlichen Funktionen und
Partizipationsmöglichkeiten, für alle einen gleichwertigen Zugriff.
Darbieten: Studierende hören einer Vorlesung oder einem Podcast zu, lesen Bücher, PDFs oder Webseiten und/oder
schauen sich Videos an.
Präsenz
Literaturempfehlungen
Vortrag (z. B. Folien oder Tafel)
Vorführungen (Experimente)
Studierende melden sich
Hybride und Digitale Lehre
Dateiupload, Elektronischer Semesterapparat, Sciebo, Datensammlung
Synchron: z. B. Zoom, Adobe Meeting; Digitale/Virtuelle Whiteboards (z. B. Mural)
Asynchron: z. B. Vorlesungsaufzeichnung (z. B. Opencast, OBRS), Screencasts
und Lernvideos, Podcasts, Filme (z. B. Interview, Experiment)
Chat, LiveVoting, Forum in welchem Fragen gesammelt werden
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
18
4. Die eigene Lehre – Planung
Im Dialog entwickeln; Diskutieren: Studierende artikulieren ihre Ideen und Fragen oder reagieren auf die Ideen und
Fragen von Lehrenden und anderen Lernenden. Dabei lernen die Studierenden nicht nur durch den Austausch mehr über
das Thema, sondern hinterfragen auch kritisch die Positionen der anderen.
Präsenz
Diskussion im Plenum
Gruppendiskussion
Schreibgespräch,
Brainstorming, Design Thinking
Hybride und Digitale Lehre
Synchron: Virtuelles Klassenzimmer (z. B. Zoom, Adobe Meeting;
Digitales/Virtuelles Whiteboard), Chat
Asynchron: Forum, Etherpad, ILIAS Kommentarfunktion
Breakout Räume, Chat
Chat, Etherpad, Mural, Forum
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
19
4. Die eigene Lehre – Planung
Erarbeiten lassen: Studierende demonstrieren ihre Fähigkeiten und wenden ihre Kenntnisse praktisch an. Sie erarbeiten
eigene Lernprodukte und Ergebnisse: Texte, Abbildungen, Folien, Videos, Präsentationen, Modelle, Konzepte usw.
Präsenz
Lernprodukte erstellen
(Text, Präsentation, Poster, …)
Abgabe einer Aufgabe oder
Übung im Büro oder Postfach
Ergebnisse in Präsenz
präsentieren
Gruppenaufgabe (Text,
Präsentation)
Hybride und Digitale Lehre
Digitale Lernprodukte erstellen (Digitaler/Interaktiver Text, Videopräsentation,
Mindmap, Podcast, Wiki, Blog, ePortfolio, …)
Abgabe via ILIAS (Aufgabe, Übung, Test, Datensammlung, Mediacast,
Opencast)
Synchron: Virtuelles Klassenzimmer (z. B. Zoom, Adobe Meeting;
Digitales/Virtuelles Whiteboard), Chat
Asynchron: Videopräsenation, Forum, ILIAS Kommentarfunktion
Nutzung von digitalen Kollaborationswerkzeugen (z. B. Etherpad, Mural, sciebo),
Wiki erstellen, Blog erstellen
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
20
4. Die eigene Lehre – Planung
Präsenz
Arbeitsräume zur Verfügung
stellen
Studierende arbeiten in der
Lehrveranstaltung an einem
gemeinsamen Projekt
Hybride und Digitale Lehre
Gruppen in ILIAS einrichten, Bereitstellung eines Mural Boards, Breakout Räume
Studierende organisieren sich in Präsenz und digital, synchron und asynchron
und nutzen digitale Kollaborationswerkzeuge um an ihrem Projekt zu arbeiten.
Die räumlichen Unterschiede nutzen sie aus um beispielsweise im Zuge des
forschenden Lernens Daten an unterschiedlichen Orten zu erheben.
Erarbeiten lassen: Studierende demonstrieren ihre Fähigkeiten und wenden ihre Kenntnisse praktisch an. Sie erarbeiten
eigene Lernprodukte und Ergebnisse: Texte, Abbildungen, Folien, Videos, Präsentationen, Modelle, Konzepte usw.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
21
4. Die eigene Lehre – Planung
eTutoring formatives Assessment (Feedback) durch Lehrende und/oder Studierende
Kompetenzen und Fähigkeiten werden durch Üben ausgebildet und gefestigt. Dabei ist es essenziell, dass Studierenden
Feedback durch Lehrkräfte und/oder andere Studierende erhalten.
Präsenz
Lehrende gehen von Tisch zu
Tisch, von Gruppe zu Gruppe, von
Studierenden zu Studierenden
Studierende bearbeiten eine
Aufgabe und reichen ihre Lösungen
ein
Hybride und Digitale Lehre
Synchron: Virtuelles Klassenzimmer (z. B. Zoom, Adobe Meeting;
Digitales/Virtuelles Whiteboard), Chat, LiveVoting
Asynchron: z. B. Übung mit (Peer-)Feedback, Test mit Wiedervorlagemodus,
Lernkartentraining, Interaktive Videos, H5P Module
Die Abgabe wird von anderen Studierenden (und/oder Lehrenden) im einem
digital gestützten Peer-Feedback Verfahren bearbeitet.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
22
4. Die eigene Lehre – Planung
Wie auch schon bei den digitalen Werkzeugen, ist es in hybriden Szenarien hilfreich, vollständig mit digitalen
Medien zu arbeiten.
Digitale Medien und Inhalte lassen sich leichter zwischen den Kontexten austauschen, müssen nicht zuerst
digitalisiert werden und erlauben Kollaboration und Ko-Kreation über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg. In
vielen Fällen sind digitale Medien zum Beispiel eBooks zudem auch aus der Perspektive der Barrierefreiheit
zu bevorzugen.
Zum Beispiel:
Digitale/Virtuelle Whiteboards anstelle von Tafelbildern, Dokumentenkamera oder Flipcharts
eBooks und digitale Artikel anstelle von Büchern und ausgedruckten Artikeln
Lebendige Dokumente (beispielsweise Etherpads oder Wikis) anstelle von Postern
Die Arbeit in der Präsenz leidet üblicherweise nicht darunter, wenn ausschließlich digitale Tools, beispielsweise Mural anstelle der Tafel, eingesetzt
werden.Für Online-Teilnehmende erleichtern diese die Teilnahme und Partizipation aber ungemein.Durch den geschickten Einsatz von solchen Tools
lässt sich in vielen Fällen überdies auch ausgleichen, wenn kein oder nur ein schlechtes Kamerabild zur Verfügung steht.
Hybrides
Lehr-/Lernsetting
EInzellernen
Teamlernen
Lernen im
Plenum eInstruktion
eModeration
eCoaching
eTutoring
eMentoring
eMedien
Traditionelle
Medien
darbieten
im Dialog
entwickeln
erarbeiten
Vor dem
Lernen
Beim
Lernen
Nach dem
Lernen
Synchron
Asynchron
Sozialformen
Rückm eldung
Lehr-/Lernstand
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4. Die eigene Lehre Ideen für Vorlesungen
Vorlesungen dienen in erster Linie der systematischen Wissensvermittlung. Üblicherweise richtet sich ein*e Lehrende*r an eine große Zahl an
Studierenden. Davon abgesehen sind Vorlesungen auch Gelegenheiten, Lehrende kennenzulernen und zu erleben.
1Idee: Flipped Classroom
Die Studierenden erhalten die Vorlesung üblicherweise als
Aufzeichnung*vor dem Präsenztermin. Die Aufzeichnung
erfolgt z. B. von zu Hause mit Camtasia, im One Button
Recording Studio, oder in einem Hörsaal. Parallel zur
Aufzeichnung ist in vielen Hörsälen auch Livestreaming möglich.
Die Präsenztermine dienen nicht der Inhaltsvermittlung, sondern
der Vertiefung. Zur Reduzierung der Teilnehmendenzahl in
Präsenz können die Vertiefungssitzungen in Kohorten
beziehungsweise Gruppen organisiert werden.
Das Assessment erfolgt wie in einer ‚regulären‘ Vorlesung.
2Idee: Livestream mit Aufzeichnung
4 1
Sie halten die Vorlesung in Präsenz in einem Hörsaal. Parallel wird die
Vorlesung, zum Beispiel mit Hilfe von Opencast oder Zoom, gestreamt.
Es bietet sich an die Vorlesung parallel aufzuzeichnen. So entsteht
mittelfristig Material für Flipped Classroom Elemente und die
asynchrone Partizipation.
Alle Teilnehmenden, in Präsenz wie auch online, beteiligen sich über
die gleichen Tools: Beispielsweise LiveVoting (ILIAS) oder Mentimeter.
Fragen können Sie überdies im Chat entgegennehmen.
Theoretisch wäre auch denkbar, dass der Hörsaal nur zum Treffpunkt
für Lernende wird und Sie die Vorlesung von zu Hause im ‚virtuellen
Klassenzimmer‘ halten (Zoom), welche dann in den Hörsaal gestreamt
wird.
7
* Bei Aufzeichnungen ist grundsätzlich immer auch der Datenschutz in
Hinblick auf Lehrende und Lernende zu beachten.
4. Die eigene Lehre Ideen für Vorlesungen
3Idee: Exklusive Präsenztermine
Vorlesungen leben auch davon, dass Lehrende ‚erlebt‘ werden
können.
Daher wäre es denkbar, dass Sie eine ansonsten digitale
Vorlesung mit einzelnen exklusiven Präsenzterminen anreichern.
Während Aufzeichnungen in Kombination mit Online-Übungen
und Materialien den Kern der Veranstaltung ausmachen, halten
sie mehrere kurze und begeisternde Vorlesungen in Präsenz.
Denkbar wäre auch, die Lernenden für diese Termine, die Sie
natürlich auch aufnehmen und streamen können, in kleinere
Gruppen aufzuteilen.
Eine Abwandlung dessen wären weniger, dafür aber längere
Präsenztermine, die Ihnen die Möglichkeit geben, Inhalte zu
vertiefen.
3Ganz grundsätzlich bietet es sich für hybride Vorlesungen außerdem an:
ein digitales/virtuelles Whiteboard anstelle der Tafel zu verwenden,
welches auch die Ergebnissicherung vereinfacht.
begleitende Inhalte, zum Beispiel ergänzende Lernmodule zur
Wiederholung oder formative Self-Assessment-Übungen, per ILIAS
bereitzustellen.
Abstimmungstools und Audience Response Systeme zu verwenden um
die Teilnehmer*innen zu aktivieren und den Lernstand zu erheben.
auf Peer-Feedback zu setzen um bei größeren Vorlesungen Ihre
Belastung zu reduzieren und die Studierenden zu aktivieren.
die digitalen Möglichkeiten zu nutzen um beispielsweise Gäste in die
Vorlesung zu holen.
Sitzungen grundsätzlich aufzuzeichnen um mittelfristig ein Archiv an
Videomaterial aufzubauen.
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4. Die eigene Lehre Ideen für Seminare
Seminare dienen in erster Linie dazu, Inhalte zu vertiefen, zu üben und zu diskutieren. Innerhalb von Seminaren haben Studierende und Lehrende
außerdem die Möglichkeit, sich kennenzulernen. Studierende erstellen in Seminaren, die meistens sehr viel kleiner als Vorlesungen sind, Lernprodukte.
1Idee: Synchrone Hybridität
Das Seminar findet in Präsenz statt, wird jedoch gleichzeitig per
Kamera und Mikrofon, beispielsweise per Zoom, übertragen.
Die Studierenden arbeiten und diskutieren in Gruppen: Es ist
sowohl denkbar, dass es Präsenz-und Onlinegruppen als auch
gemischte Gruppen gibt.
Durch Breakout Räume lassen sich auch Gruppen jenseits von
räumlichen Grenzen relativ gut umsetzen. Dazu ist jede
Präsenzgruppe gleichzeitig auch in einen Breakout Raum.
Um die Kollaboration, zum Beispiel bei der Bearbeitung von
Aufgaben, sicherzustellen, verwenden alle Teilenehmenden
virtuelle Tools (z. B. Mural oder Etherpad).
2Idee: Selbstorganisierte Gruppen 5
Die Lernenden werden in mehrere fixe Gruppen eingeteilt dabei
spielt es keine Rolle, in welchem Kontext sich die Studierenden primär
aufhalten.
Die Gruppen arbeiten selbstorganisiert und asynchron
(Bezugsrahmen: Seminar) an Aufgaben und/oder Projekten.
Es gibt eine Reihe von Präsenzterminen in denen die Gruppen oder
einzelne Vertreter*innen zur Vernetzung und Beratung erscheinen
können.
Die Ergebnisse der Gruppen werden per ILIAS oder auch per
synchroner Videokonferenz ausgetauscht und gegenseitig kommentiert
und diskutiert (Lernprodukte, z. B. eine Videopräsentation)
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4. Die eigene Lehre Ideen für Seminare
3Idee: Wechselmodell mit Asynchronität
Die Lernenden werden in zwei Gruppen geteilt, die abwechselnd in
Präsenz erscheinen. Die jeweils andere Gruppe arbeitet derweil
asynchron online.
Die Onlinegruppe bereitet die letzte Präsenzsitzung nach und die
folgende Präsenzsitzung vor. Denkbar ist auch, dass die
Onlinegruppen die Ergebnisse der anderen Gruppe die in
Präsenz war kritisch kommentiert.
Um auch für Studierende die nie in Präsenz erscheinen können
vorzusorgen, können die Präsenzsitzungen aufgezeichnet werden.
Zusätzlich, beziehungsweise alternativ, können weitere
äquivalente asynchrone Inhalte und Aktivitäten angeboten werden.
Als Assessmentform eignet sich beispielsweise ein ePortfolio in
welchem die Lernenden ihren synchronen/asynchronen
Lernprozess dokumentieren und reflektieren.
4Idee: Stationenlernen
Die Inhalte der Lehrveranstaltung werden als Stationen,
Sammlungen von (kollaborativen) Arbeitsaufträgen und
Materialien, aufgearbeitet und bereitgestellt.
Manche der Stationen sind synchron (z. B. mit einer
kommunikativen Aufgabe verbunden), andere sind asynchron.
Manche Stationen, je nach Lernziel, sind nur in der Präsenz,
andere nur online verfügbar.
Die Studierenden können die Stationen alleine oder in Gruppen
in beliebiger Reihenfolge abarbeiten. Es ist auch denkbar, dass
nicht alle Studierenden alle Stationen abarbeiten müssen und
selbständig differenzieren können.
Die Lehrperson tritt in erster Linie als Faciliator und Coach auf.
Präsenzstationen können mit einem Laptop (oder Tablet)
ausgestatte und mit einem entsprechenden Breakout Raum
verbunden werden (synchrone hybride Stationen).
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4. Die eigene Lehre Ideen für Seminare
Ganz grundsätzlich bietet es sich für hybride Seminare außerdem an:
Präsentationen und Vorträge zu streamen oder direkt durch alternative Präsentationsformen (z. B. Videopräsentationen) zu ersetzen.
vor und nach dem Seminar Zeit und Raum für den informellen Austausch zu geben.
grundsätzlich digitale Werkzeuge und Medien zu verwenden, um den Wechseln zwischen den Kontexten nahtloser zu gestalten.
auch textuelle Formen der Diskussion zum Beispiel Schreibgespräche (Chat, Forum, Etherpad) in Betracht zu ziehen.
die Präsenzzeit ausschließlich für Diskussionen, Gespräche und gemeinsames Arbeiten zu nutzen und die Inhaltsvermittlung, soweit möglich, in
asynchrone Phasen zu verschieben.
Onlinesprechstunden und Beratungstermine anzubieten, um abzufedern, dass digitale Teilnehmer*innen schwieriger vor und nach der Veranstaltung
Fragen stellen können.
Diskussionsergebnisse schriftlich (oder grafisch) für andere, zum Beispiel asynchron Teilnehmende, festzuhalten, da es häufig schwierig ist, Seminare
und Seminardiskussionen aufzuzeichnen.
Kommunikations-und Kollaborationstools für Studierende, die sich auch außerhalb des Seminars organisieren müssen, bereitzustellen.
auf problem-und handlungsorientierte Aktivitäten zu setzen und Lernende an Lernprodukten arbeiten zu lassen.
4. Die eigene Lehre Ideen für die (Labor-)Praxis
Der Schwerpunkt der (Labor-)Praxis liegt in der Anwendung und dem praktischen Üben. Theoriewissen soll auf die Praxis übertragen werden, während wichtige
praktische Erfahrung gesammelt wird. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Kollaboration im Team und der Austausch mit anderen. Die meisten Lernziele der
Laborpraxis lassen sich ausschließlich in Präsenz erfüllen. Eine ‚vollständige‘ Hybridität ist damit in den meisten Fällen ausgeschlossen.
1Idee: Gruppen-/Wechselmodell
Um die Zahl an Studierenden in der Präsenz zu verringern,
bietet es sich an, die Inhaltsvermittlung, Dokumentation und den
Austausch vollständig in den digitalen Raum zu verschieben.
(Fixe) Kleingruppen treffen sich nun in Präsenz, um zu
experimentieren und beispielsweise zu erlernen, „wie sich das
Material in den Händen verhält.“
Teilaspekte der (Labor-)Praxis lassen sich außerdem ergänzend
digitalen Teilnehmenden zur Verfügung stellen. So können zum
Beispiel Videodokumentationen und Versuchsprotokolle über
ILIAS bereitgestellt, verwaltet, bearbeitet und diskutiert werden.
6Grundsätzliches zur (Labor-)Praxis:
Die (Labor-)Praxis ist ein Beispiel dafür, dass nicht alle Lernziele in
allen Modi gleichermaßen bearbeitet werden können. Während manche
Fähigkeiten z. B. das digitale kollaborative Arbeiten gut geübt
werden können, gibt es keine digitale Alternative zur Arbeit im Labor.
Insbesondere in Zukunft ist zu erwarten, dass Virtual und Augmented
Reality neue (digitale/hybride) Szenarien möglich machen wird.
Es gibt auch außerhalb der Natur-und Lebenswissenschaften
Praxisphasen: Hier liegt der Fokus dann häufig darauf, den jeweiligen
Kontext in der Praxis zu nutzen. Beispielsweise können
Lehramtsstudierende relativ problemlos in der Praxis einüben und
erfahren, wie digitaler Unterricht funktioniert.
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Grundsätzlich lässt sich die synchrone hybride Lehre auch mit minimaler technischer Ausstattung bestreiten. Inwiefern
das, insbesondere im Vergleich zu alternativen Modellen, didaktisch sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.
Hier zwei Beispiele:
Lehrendenzentriert (z. B. Vorlesung) Lernendenzentriert (z. B. Seminar)
Ausstattung: Internetzugang, Computer/Laptop/Tablet, Beamer
oder großer Bildschirm
Sie halten Ihre Vorlesung vollständig mithilfe Ihres Gerätes
(z. B. Folien via PowerPoint; Mural anstelle der Tafel)
Sie sind auf ihrem Gerät per Zoom mit den Studierenden
verbunden, die nicht vor Ort sind. Diese sehen nur Ihren Bildschirm
(z. B. die Präsentation) aber weder Sie noch den Raum.
Fragen und Kommentare wiederholen Sie grundsätzlich mündlich.
Sie treten dabei als Schnittstelle zwischen den Kontexten auf.
Alternativ können Sie auch Lernende dazu auffordern, Fragen aus
dem Chat an Sie weiterzureichen.
Ausstattung: Internetzugang, Computer/Laptop/Tablet, Beamer
oder großer Bildschirm, mobile Endgeräte der Studierenden
Sie lassen Kleingruppen an Aufgabenstellungen arbeiten und
miteinander diskutieren. Die Lernenden sind nach Kontext getrennt.
Vor Ort wird an gemeinsamen Tischen, online innerhalb von
Breakout Räumen gearbeitet.
Die Lernenden in beiden Gruppen verwenden dazu ausschließlich
digitale Tools. Jede Gruppe benötigt daher mindestens ein
Endgerät.
Nach jeder Arbeitsphase lassen Sie die Gruppen Ihre Ergebnisse
und digitalen Lernprodukte im Plenum vorstellen.
4. Die eigene Lehre – Technische Minimallösung
1
4. Die eigene Lehre Mehr als nur Lehrveranstaltungen
Chancengleichheit für alle Studierenden!
Zwei-Klasen Gesellschaft (Präsenz/Online) verhindern!
Nicht identische, aber äquivalente Erfahrung für alle
Studierenden!
Bei der Planung und Durchführung von hybriden
Lehrveranstaltungen ist zu beachten, dass Lehren und Lernen
mehr als nur wöchentliche Sitzungen sind.
Das was für die Teilnehmenden in Präsenz häufig nebenbei
passiert zum Beispiel das einfache Finden einer Lerngruppe
oder das schnelle Stellen einer Frage nach einer Sitzung ist
für digitale Teilnehmende häufig eine große
Herausforderung!
Hybrides
Lehren und
Lernen
Onboarding
Hilfe &
Unterstüzung
finden
Soziale
Eingebundenheit
Sprechstunden
Kontinuierliches
Feedback
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Lehren und Lernen in
Präsenz
Digitales Lehren und
Lernen
Hybrides Lehren
und Lernen
Komplexe hybride Lehr-und Lernszenarien sind nicht zwangsläufig nur eine Kombination aus bereits Bekanntem!
Unter den Bedingungen der Hybridität und Flexibilität kann Lehren und Lernen vollkommen neu gedacht werden.
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5. Planungs- und Reflexionsfragen
Im Folgenden finden Sie eine relativ lange Liste an Planungs-und Reflexionsfragen. Diese sollen Ihnen zum einen dabei helfen, ihre hybride Lehrveranstaltung
kritisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, zum anderen soll sie Ihnen aber auch neue Impulse und Denkanstöße geben. Vielleicht regt die eine oder
andere Frage ja auch eine Diskussion zwischen Ihnen und Ihren Kolleg*innen an!
Wie kann ich meine Lernenden dabei unterstützen, zu
einer Lerngruppe zusammenzuwachsen?
Kann ich die Lernziele als auch Kriterien für deren
Erfüllung klar benennen?
Wie kann die wertvolle Zeit vor Ort möglichst lernförderlich
genutzt werden?
Welche Rolle spielt für mich Barrierefreiheit und Inklusion?
Wie viel Zeit möchte ich dafür aufwenden?
Welche Rolle könnten internationale Studierende und
Gäste in meiner Lehrveranstaltung spielen?
Wie kann ich meine Lernenden dabei unterstützen, meine
Veranstaltung in ihren Studenplan einzupassen?
Wie komme ich an existierendes (offenes) Lehr-
/Lernmaterial?
Welchen ‚Modus‘ würde ich mir wünschen, wenn ich jetzt
studieren würde?
Welche Kompetenzen werden ausschließlich die
Studierenden vor Ort erwerben und andersherum?
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5. Planungs- und Reflexionsfragen
Welche Rolle hat der digitale Raum für mich? Sind
Präsenzräume und Onlineräume gleichberechtigt?
Halte ich es für in Ordnung ausschließlich digital und nicht
in Präsenz studieren zu wollen?
Wie möchte und kann ich die Leistung meiner Lernenden
messen und prüfen?
Wie verändert sich meine Rolle als Lehrende*r in der
hybriden Lehre? Wie fühle ich mich damit?
Habe ich in meiner Veranstaltung Lernziele, die man
besser digital als in Präsenz erreichen könnte?
Welche zusätzlichen Überlegungen muss ich zum Thema
Datenschutz und Urheberrecht treffen?
Wie werde ich Online-Studierende aktiv in meiner
Lehrveranstaltung einbinden?
Welche Erwartungen haben Studierende an meine
Lehrveranstaltung? Sind diese angemessen?
Im Folgenden finden Sie eine relativ lange Liste an Planungs-und Reflexionsfragen. Diese sollen Ihnen zum einen dabei helfen, ihre hybride Lehrveranstaltung
kritisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, zum anderen soll sie Ihnen aber auch neue Impulse und Denkanstöße geben. Vielleicht regt die eine oder
andere Frage ja auch eine Diskussion zwischen Ihnen und Ihren Kolleg*innen an!
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5. Planungs- und Reflexionsfragen
Bevorzuge ich synchrone oder asynchrone Lehr-
/Lernaktivitäten? Wie wäre das, wenn ich Lerner*in wäre?
Was kann ich tun, damit sich alle Studierenden möglichst
schnell gut zurechtfinden?
Wie kann ich die unterschiedlichen Gruppen an
Studierenden zusammenbringen?
Was hat mir in den rein digitalen Semestern besonders
gut, was besonders schlecht gefallen?
Wie werde ich sicherstellen, dass alle meine Studierenden
regelmäßig Feedback erhalten?
Ist die Annahme „gleiches Lernziel, unterschiedlicher
Weg“ für mich haltbar?
Welche Art des Lehrens passt zu mir und meiner
Lehrphilosophie? Wie sieht diese aus?
Kann ich meine Veranstaltung, oder zumindest Teile
davon, sinnigerweise hybrid gestalten?
Im Folgenden finden Sie eine relativ lange Liste an Planungs-und Reflexionsfragen. Diese sollen Ihnen zum einen dabei helfen, ihre hybride Lehrveranstaltung
kritisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, zum anderen soll sie Ihnen aber auch neue Impulse und Denkanstöße geben. Vielleicht regt die eine oder
andere Frage ja auch eine Diskussion zwischen Ihnen und Ihren Kolleg*innen an!
5. Planungs- und Reflexionsfragen
Welche Rolle könnten Inhalte einnehmen, die von meinen
Lernenden produziert werden?
Ist die Zukunft hybrid oder gehen (sollen) wir wieder
zurück zur reinen Präsenzlehre? Warum?
Bei welchen Kolleg*innen könnte ich mir Hilfe suchen, falls
es einmal nicht so gut klappt?
Wie kann ich meinen Arbeitsaufwand insbesondere
auch in Zukunft verringern?
Wie würde meine (hybride) Lehre aussehen, wenn es
keine Beschränkungen gäbe?
Wie bekomme ich einen Einblick in den Lernprozess
meiner Studierenden?
Welche Gäste könnte ich einladen? Mit wem könnte ich
kooperieren?
Was würde ich mir als Studierende*r, der nicht in Präsenz
anwesend sein kann, von meinen Lehrenden wünschen?
Wann war ich zuletzt Lerner*in in einem digitalen oder
hybriden Szenario? Wie war das?
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Im Folgenden finden Sie eine relativ lange Liste an Planungs-und Reflexionsfragen. Diese sollen Ihnen zum einen dabei helfen, ihre hybride Lehrveranstaltung
kritisch aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, zum anderen soll sie Ihnen aber auch neue Impulse und Denkanstöße geben. Vielleicht regt die eine oder
andere Frage ja auch eine Diskussion zwischen Ihnen und Ihren Kolleg*innen an!
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6. Tipps und Tricks zum hybriden Lehren und Lernen
Technik Allgemein
Nutzen Sie auch in Präsenzsitzungen digitale Tools, die für alle
Studierenden unabhängig vom Ort gleich funktionieren.
Nutzen Sie Umfragetools und Audience Response Systeme, damit
alle Studierenden auf demselben Kanal partizipieren können.
Bereiten Sie sich auf technische Pannen vor! Sie können zum
Beispiel mit Ihren Studierenden vereinbaren, wie zu verfahren ist,
falls die Verbindung abbricht.
Verwenden Sie, falls möglich, einen zweiten Monitor oder ein zweites
Gerät um den Chat zu beobachten.
Achten Sie darauf, dass Ihre Materialien falls möglich barrierearm
gestaltet sind. Gleiches gilt auch für die Tools, die Sie einsetzen.
Testen Sie, ob ihre Inhalte auch auf einem mobilen Endgerät
funktionieren.
Studierende können auch per Telefon an Zoom-Sitzungen und
Breakout Räumen teilnehmen.
ILIAS
ILIAS kann vermutlich mehr als Sie denken! Klicken Sie sich doch
einfach einmal durch die verfügbaren Objekte.
Nutzen Sie die Kommentar-und Bewertungsfunktion von ILIAS
Objekten um Feedback zu bekommen.
Nutzen Sie Umfragen um Lehrveranstaltungen zu evaluieren und
kontinuierliches Feedback einzuholen.
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6. Tipps und Tricks zum hybriden Lehren und Lernen
Motivation und Zeitmangement
Vernetzen Sie sich mit Kolleg*innen und tauschen Sie Erfahrungen
und Materialien aus.
Hybride Lehre kostet häufig mehr Zeit verwenden Sie ‚Konserven‘
und prüfen Sie, ob es geeignete OERs gibt, bevor Sie das Rad neu
erfinden.
Falls möglich, lassen Sie sich von Hilfskräften (und eTutor*innen)
unterstützen zum Beispiel beim Bereitstellen von Materialien oder
der Moderation des Chats.
Legen Sie für Ihre Studierende FAQs und zusätzliche
Informationsmaterialen an, auf die Sie schnell verweisen können.
Standardisieren Sie so viele Prozesse wie möglich zum Beispiel
die Abgabe von Aufgaben oder das Vereinbaren von Terminen.
Setzen Sie, falls möglich, auf Peer-Feedback um Zeit bei der
Korrektur von Aufgaben zu sparen.
Didaktik
Verknüpfen Sie synchrone und asynchrone Arbeitsphasen.
Synchrone hybride Formate sind extrem anspruchsvoll asynchrone
Formate können Sie entlasten.
Der Austausch zwischen Studierenden muss begleitet und angeleitet
werden. Es genügt meistens nicht, nur einfach ein Forum oder einen
Chat bereitzustellen. Leit-und Reflexionsfragen sind beispielsweise
ein einfaches aber wirksames Mittel.
Etablieren Sie Arbeitsgruppen und setzen Sie auf echte
Gruppenarbeit, die wirklich Kollaboration erfordert.
Binden Sie Studierende aktiv ein und geben Sie diesen Rollen zum
Beispiel als Sprachrohr für den Chat.
Lassen Sie Ihre Studierenden Inhalte erstellen, die Sie in der
Veranstaltung nutzen können.
Lassen Sie Studierende Lernprodukte erstellen, die sowohl synchron
als auch asynchron diskutiert und bewertet werden können.
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6. Tipps und Tricks zum hybriden Lehren und Lernen
Organisation und Kommunikation
Schaffen Sie bewusst informelle Räume zum Austausch für die
Teilnehmenden.
Bleiben Sie auch für ihre (ausschließlich) digitalen Teilnehmer*innen
ansprechbar. Diese können Sie nicht nach der Sitzung schnell etwas
fragen.
Kommunizieren Sie ihr didaktisches Design. Je klarer alles für Ihre
Studierenden ist, desto besser. Ein Advance Organizer kann zum
Beispiel sehr gut funktionieren.
Bündeln Sie Informations-und Nachrichtenkanäle. Idealerweise
finden Ihre Studierenden alle aktuellen Informationen an einem Ort.
Legen Sie frühzeitig klare Regeln und Protokolle fest
insbesondere, wenn es längere asynchrone Phasen gibt. Wenn Sie
mögen, können Sie auch einen Lernkontrakt mit Ihren Studierenden
aufsetzen.
Üben Sie, den Chat im Blick zu behalten und nutzen Sie die
textbasierte Kommunikation für das Sammeln von Fragen und
Kommentaren.
Didaktik II
Bieten Sie, wenn möglich, differenzierte Aufgaben und Aktivitäten an,
die zu den unterschiedlichen Kontexten passen.
Insbesondere wenn Sie mit Gruppen (Modelle 4 bis 6) arbeiten,
bietet sich ein problem-oder projektbasierter Ansatz an. Auch das
forschungsorientierte und forschende Lernen lässt sich gut mit
(asynchroner) Gruppenarbeit kombinieren.
Beobachten Sie ihr eigenes Verhalten kritisch insbesondere
hinsichtlich der Gleichbehandlung der unterschiedlichen Gruppen.
Legen Sie sich eine ‚Notfallkonserve‘ an, die Sie verwenden können,
falls die Technik streikt (z. B. eine zusätzliche Selbstlerneinheit).
Trauen Sie sich Teilnehmer*innen und Gruppen aus der Präsenz mit
Online-Studierenden zusammenarbeiten zu lassen.
Etablieren Sie Rituale um Feedback zu erhalten und Studierende in
den Austausch kommen zu lassen. Sie könnten beispielsweise den
Chat nutzen, um zu Beginn einer Sitzung eine Frage diskutieren zu
lassen.
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6. Tipps und Tricks zum hybriden Lehren und Lernen
Synchrone Hybride Lehre / Livestreaming
Verzichten Sie, wenn möglich, darauf, die Tafel abzufilmen.
Verwenden Sie stattdessen eine digitales/virtuelles Whiteboard,
welches Sie direkt an alle Teilnehmenden streamen können.
Schaffen Sie Abwechslung, indem Sie ab und an die
Kameraperspektive verändern.
Priorisieren Sie im Zweifelsfall den Ton. In den allermeisten Fällen
kommt man auch ohne ein Videobild aus.
Wiederholen und/oder paraphrasieren Sie grundsätzlich mündlich die
Kommentare und Fragen der Studierenden. Häufig ist es aufgrund
der Mikrofonsituation schwierig, alles gut zu verstehen.
Insbesondere bei nicht-perfekter technischer Ausstattung kann es
hilfreich sein, so zu tun, als gäbe es kein (Kamera-)bild. Verlassen
Sie sich z. B. nicht auf Gesten oder Blickkontakt.
Wenn Sie können, versuchen Sie einmal ihre digitalen Studierenden
auf einem Tablet oder Laptop mitzunehmen. Nur weil Sie synchron
hybrid unterrichten, müssen Sie nicht permanent am Pult sein.
Geben Sie den zwei Gruppen Namen, so dass Sie diese einfacher
ansprechen können. Im englischen Sprachraum hat sich zum
Beispiel vielerorts die Bezeichnung Roomers und Zoomers
durchgesetzt.
Lassen Sie Studierende in Präsenz mit Online-Studierenden in
Paaren zusammenarbeiten. Das funktioniert technische relativ gut
mit Breakout Räumen und reduziert die gefühlte Distanz zwischen
den Gruppen.
Denken Sie auch an Studierende, die nicht oder nur eingeschränkt
hören (oder sehen) können.
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7. Ein Blick in die Zukunft “In der Digitalität bildet sich der Lehr-und Lernraum als hybrider pädagogischer
Raum anlassbezogen aus.” (Vogler 2021: 274)
In den vergangen Semester haben wir alle gemeinsam viel über die digitale Lehre, aber auch über den Wert der Präsenz gelernt. Diese
Erfahrungen und Lehren werden wir in Zukunft nutzen, um die Lehre an der UzK weiterzuentwickeln und um neue Wege einzuschlagen.
Das ist auch insofern wichtig, als dass sich unsere aktuellen Erfahrungen auf die digitale Lehre unter Notfallbedingungen fernab von
Idealbedingungen stützen.
Unabhängig davon ist klar, dass es kein back to normal geben wird und digitale und hybride Formate in Zukunft einen festen Platz an
unserer Universität einnehmen werden.
Wir leben in einer postdigitalen Zeit, in welcher sämtliche Grenzen zwischen digital und analog,
zwischen ‚reellen‘ und virtuellen Räumen verschwimmen. Die „Digitalität wird zum Hintergrund des
Alltags“ (Macgilchrist 2019: 23) und es ist kaum abzusehen, wo uns die technologische
Entwicklung, die wohl niemals wieder so langsam sein wird wie heute, hinführen wird.
Als Bildner*innen und Change Agents können wir diesen Befund als Herausforderung, als
Chance, oder gar als Abenteuer lesen!
Handreichung
Hybrides Lehren und Lernen im Wintersemester
2021/2022
Diese Handreichung ist aus den Arenen Digitale Bildung und
Strategieentwicklung Studium und Lehre sowie der Week of Hybrid
Teaching and Learning hervorgegangen.
Quellennachweise und Lizenzen
Titelbild UzK von Lisa Beller ©
Illustrationen von Pablo Stanley (humaaans.com, CC0)
Beatty,Brian J., hrsg.2019.Hybrid-Flexible Course Design:Implementing Student-
Directed Hybrid Classes:EdTech Books.https://edtechbooks.org/hyflex.
Macgilchrist,Felicitas.2019.“Digitale Bildungsmedien im Diskurs:Wertesysteme,
Wirkkraft und alternative Konzepte.” APuZ 69 (27-28): 1823.
Seufert, Sabine, und Dieter, Euler, hrsg. 2005. Learning Design: Gestaltung E-Learning-
gestützter Lernumgebungen in Hochschulen und Unternehmen: St. Gallen: SCIL.
Stade,Philip, und Philippe Wampfler.2021.“Präsenz-und Fernunterricht kombinieren.” In
Hybrides Lernen:Zur Theorie und Praxis von Präsenz-und Distanzlernen,hrsg. von Wanda
Klee, Philippe Wampfler, und Alex Krommer, 8292.Weinheim:Beltz.
Vogler,Hans-Joachim.2021.Der Hybride Pädagogische Raum: Zur Veränderung von
Unterricht und Schule in der Digitalität.Bielefeld:transcript.
Kerngruppe
Beatrix Busse
Ingo Kleiber
Franziska Eickhoff
Mark Kusserow
Nicole Haack
Hinweise, Ergänzungen oder Vorschläge?
Senden Sie gerne eine E-Mail an: ingo.kleiber@uni-koeln.de
Stand: 20.07.2021
Dieses Werk und dessen Inhalte sind -sofern nicht anders angegeben -lizenziert unter
CC BY 4.0. Nennung bitte wie folgt: "Handreichung Hybrides Lehren und Lernen im
Wintersemester 2021/2022" von Beatrix Busse, Ingo Kleiber, Franziska Eickhoff, Mark
Kusserow, Nicole Haack, Lizenz: CC BY 4.0. Von der Lizenz sind neben dem Titelbild sowie
den Illustrationen das Logo der Universität zu Köln sowie Zitate ausgenommen.
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