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Die Praxis der Apparatemedizin. Ärzte und Technik im Operationssaal

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Abstract

Die Technik bestimmt immer stärker das ärztliche Handeln. Cornelius Schubert beleuchtet die Rolle und die zunehmende Eigendynamik technischer Entwicklungen innerhalb der modernen Krankenhausmedizin. Am Beispiel des chirurgischen Operationssaals zeigt er, wie Ärzte die Technik im Spannungsfeld von Routine und Flexibilität nutzen. Jenseits einseitiger Technikkritik ermöglicht seine Studie ein differenziertes Verständnis für die Interaktionen von Mensch und Gerät in hoch technisierten Arbeitssituationen.
... allgemeine Krankenhäuser (Wilkesmann 2009). Während die Krankenhausforschung im Bereich der allgemeinen Krankenhäuser € uber eine Vielzahl von qualitativen (Bode und Märker 2012;Manzei 2011;Schubert 2006;Vogd 2004) und quantitativen bzw. methodenintegrierenden Studien (Braun et al. 2010;Braun et al. 2014;Ruiner et al. 2016;Wilkesmann 2009;Wilkesmann et al. 2014) verf€ ugt, fristet die Erforschung von psychiatrischen Krankenhäuser nach wie vor ein stiefm€ utterliches Dasein (Braun et al. 2014;Simon 2015;Wilkesmann 2009). ...
... Im Zuge all dieser Entwicklung hat sich die deutsche Krankenhausforschung in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Während bei den bereits erwähnten Klassikern strukturfunktionalistische und rollentheoretische Konzepte der Institutionen dominieren, r€ ucken in neueren empirischen Untersuchungen eher die Analyse von Entscheidungsprozessen einzelner Krankenhausakteure unter sich wandelnden Rahmenbedingungen in den Vordergrund (Braun et al. 2010;Schubert 2006;Vogd 2004). Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen haben sich in j€ ungster Zeit neue Beschäftigungsformen herausgebildet, etwa in Form des Honorararztwesens (Keller und Wilkesmann 2014). ...
... So berichtet Schubert "Die Anwesenden wussten, dass ich ihre Kommunikation, Kooperation, Interaktion und Interaktivität untersuchte und sie hätten sich vorstellen können, mir ein Theater vorspielen und in der Tat ist das auch teilweise passiert. So ließen es sich ein Chefarzt und sein Oberarzt nicht nehmen, während einer Operation ausgiebig und mit ironischem Unterton die Interaktionsmuster im OP zu erläutern, beispielsweise w€ urden die ständigen schnippischen Bemerkungen der chirurgischen Schwestern immer mit Bedächtigkeit und Großmut von den Ärzten aufgefangen" (Schubert 2006). Die Reaktivität des Feldes wird durch den Einsatz, so Schubert, teilweise verstärkt, da es f€ ur die Beobachteten einen Unterschied macht, nur beobachtet zu werden oder ob ihr Verhalten gefilmt wird. ...
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Die organisationalen Besonderheiten des Krankenhauses in Form von unterschiedlichen Autoritätshierarchien, das Spannungsverhältnis zwischen Profession und Organisation sowie Veränderungs- und Wandlungsprozesse im Gesundheitswesens, die auf die Organisation und ihre Akteure einwirken, machen das Krankenhaus zu einem interessanten empirischen Forschungsobjekt. Die empirische Forschung zum Krankenhaus zeichnet sich durch eine Vielfalt an empirischen Zugängen aus. Die frühe Dominanz qualitativer Forschung wird zunehmend durch quantitative Erhebungen und methodenintegrierenden Verfahren ergänzt.
... allgemeine Krankenhäuser (Wilkesmann 2009). Während die Krankenhausforschung im Bereich der allgemeinen Krankenhäuser € uber eine Vielzahl von qualitativen (Bode und Märker 2012;Manzei 2011;Schubert 2006;Vogd 2004) und quantitativen bzw. methodenintegrierenden Studien (Braun et al. 2010;Braun et al. 2014;Ruiner et al. 2016;Wilkesmann 2009;Wilkesmann et al. 2014) verf€ ugt, fristet die Erforschung von psychiatrischen Krankenhäuser nach wie vor ein stiefm€ utterliches Dasein (Braun et al. 2014;Simon 2015;Wilkesmann 2009). ...
... Im Zuge all dieser Entwicklung hat sich die deutsche Krankenhausforschung in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Während bei den bereits erwähnten Klassikern strukturfunktionalistische und rollentheoretische Konzepte der Institutionen dominieren, r€ ucken in neueren empirischen Untersuchungen eher die Analyse von Entscheidungsprozessen einzelner Krankenhausakteure unter sich wandelnden Rahmenbedingungen in den Vordergrund (Braun et al. 2010;Schubert 2006;Vogd 2004). Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen haben sich in j€ ungster Zeit neue Beschäftigungsformen herausgebildet, etwa in Form des Honorararztwesens (Keller und Wilkesmann 2014). ...
... So berichtet Schubert "Die Anwesenden wussten, dass ich ihre Kommunikation, Kooperation, Interaktion und Interaktivität untersuchte und sie hätten sich vorstellen können, mir ein Theater vorspielen und in der Tat ist das auch teilweise passiert. So ließen es sich ein Chefarzt und sein Oberarzt nicht nehmen, während einer Operation ausgiebig und mit ironischem Unterton die Interaktionsmuster im OP zu erläutern, beispielsweise w€ urden die ständigen schnippischen Bemerkungen der chirurgischen Schwestern immer mit Bedächtigkeit und Großmut von den Ärzten aufgefangen" (Schubert 2006). Die Reaktivität des Feldes wird durch den Einsatz, so Schubert, teilweise verstärkt, da es f€ ur die Beobachteten einen Unterschied macht, nur beobachtet zu werden oder ob ihr Verhalten gefilmt wird. ...
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Die organisationalen Besonderheiten des Krankenhauses in Form von unterschiedlichen Autoritätshierarchien, das Spannungsverhältnis zwischen Profession und Organisation sowie Veränderungs- und Wandlungsprozesse im Gesundheitswesens, die auf die Organisation und ihre Akteure einwirken, machen das Krankenhaus zu einem interessanten empirischen Forschungsobjekt. Die empirische Forschung zum Krankenhaus zeichnet sich durch eine Vielfalt an empirischen Zugängen aus. Die frühe Dominanz qualitativer Forschung wird zunehmend durch quantitative Erhebungen und methodenintegrierenden Verfahren ergänzt.
... Ein weiterer Forschungszweig innerhalb der soziologischen Forschung zum Krankenhaus ist der Bereich Medizin und Technologie (z.B. Cicourel 1990;Dent 1990;Heath/Luff 2000;Heath et al. 2003;Schubert 2006). Heath et al. (2003) berichten überblicksartig über den Forschungsstand zum Einsatz von Informati- ons-und Kommunikationstechnologien in der medizinische Praxis. ...
... Schaut man sich jedoch die methodische Vorgehenswei- se der Forschung im Krankenhaus bzw. in der Medizinsoziologie an, so wird sehr schnell deutlich, dass qualitative, insbesondere ethnografische Methoden dominieren (z.B. Siegrist 1978;Badura/Feuerstein 1993Vogt 2003;BeilHildebrand 2003;Vogd 2004;Schubert 2006). Qualitativ angelegte Forschung beschreibt in der Regel wenige Fälle und setzt auf eine tiefe und weniger auf eine breite Informationsbasis. ...
... Ein pragmatistischer Zugang ergänzt aber einige Aspekte, die für die Frage, wie Wissen und Können transnational anschlussfähig werden, wichtig sind. So heben die Wissenschafts-und Technikforschung ebenso wie die Medizinanthropologie hervor, dass Probleme oft eine materielle Seite haben (Latour 1993;Rammert und Schulz-Schaeffer 2002;Schubert 2006;Timmermans und Berg 2003). Das lässt sich gut an einer Fallstudie zur Reproduktionstechnologie in Mali illustrieren (Hadolt et al. 2012;Hörbst 2012). ...
... B. Patente definieren, die dann auch gehandelt werden können. Ein ähnliches Wechselverhältnis von Standard und situationsangemessenem Handeln wird von Schubert (2006) in einer medizin-und techniksoziologischen Studie zu multiprofessionellen Operationsteams beobachtet. Schubert zufolge entlasten Behandlungsstandards von Koordinationsaufgaben und machen so den Weg für kreative Abweichung erst frei. ...
... sondern die Wahl des Zeitmaßstabs sollte von der Fragestellung abhängen. So benötigte etwaSchubert (2006), um seine Interaktionen im Krankenhaus zu analysieren, Daten, die fein genug sind, um Veränderungen im Sekundenbereich zu erfassen: er brauchte für eine sehr kurze Zeitspanne zahlreiche Messzeitpunkte. Will man dagegen ein Phänomen der mittleren oder langen Dauer analysieren, wäre dieser Zeitmaßstab eindeutig zu fein, weil dann zu viele Messungen vorgenommen bzw. ...
... Im Unterschied zu soziotechnischen Konstellationen [2] sind Ensembles absichtsvoll zusammengestellt. Das Konzept spezifiziert den Ansatz soziotechnischer Ensembles [7,8] Zweite transdisziplinäre Konferenz "Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen" 2016 und Ausführung der Leistung im Mittelpunkt stehen. Je nach Fragestellung ist zugleich eine Erweiterung der Analyseeinheit um Kontextfaktoren oder (periphere) Akteure möglich. ...
... Rather, devices and their users form sociotechnical constellations, ensembles and systems (cf. Rammert and Schulz-Schaeffer 2002;Schubert 2006;Rammert 2007;Weyer 2008). Technologies and humans increasingly converge with one another regarding capabilities of acting and interacting (e.g. ...
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We investigate the field of lifelogging from the perspective of Science and Technology Studies and by means of three interrelated and co-dependent analytical aspects: usage of technologies, development of technologies, and technological trajectories. Apple iPhone 5s advertisements illustrate the prevalent ‘zeitgeist’ of lifelogging and act as techno-stories of ideal smartphone use. We show how lifelogging technologies become endowed with more agency and how lifelogging practices may stimulate narcissistic behaviour and meet a favourable socio-economic climate in which excessive self-modulation has become normalised. People adapt to smart devices and let discipline them. People trust in smart devices for numerous, albeit vague reasons. People are becoming increasingly entrenched in technologically mediated relations with the environment. Consequently, we argue to consider (more) social and societal factors in the construction and usage of lifelogging technologies.
... Gleiches gilt für Laboruntersuchungen. Da Proben vertauscht oder falsch beschriftet sein können, die Laborchemie durch Medikamente und Nahrungsmittel beeinflusst werden kann und falsch-positive und falschnegative Ergebnisse eher die Regel als die Ausnahme darstellen, gilt auch 10 Siehe Schubert (2006;. 11 Siehe zur Typisierung schädlicher Konsequenzen der breiten Anwendung medizinischer Prozeduren Fisher/Welsh (1999). ...
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Unsicherheit und eine hiermit notwendig werdende Balance zwischen Wissen und Nichtwissen stellen eines der zentralen Bezugsprobleme der ärztlichen Arbeit dar. Dies wird auch in Zukunft so bleiben, denn weder die Versuche zur Evidenzbasierung der Medizin noch ihre zunehmende Organisation mittels betriebswirtschaftlicher Managementmethoden werden die hiermit einhergehenden Ambivalenzen aufheben können. Aus einer systemtheoretisch informierten Perspektive wird aufgezeigt, dass weder Wissenschaft und Technik noch Standardisierungsbemühungen die Aufgabe des professionellen Akteurs abmildern, riskante Entscheidungen zu treffen. Im Gegenteil: Unsicherheit und Werteambivalenzen wachsen durch das Eindringen diesbezüglicher Rationalitätskalküle eher, als dass sie beruhigt werden. Der professionelle Akteur wird deshalb auch in Zukunft weiterhin unersetzbar sein. Allerdings wird die Bedeutung des Faktors ‚Vertrauen‘ innerhalb der Arzt-Patient-Interaktion zunehmen, da mit der ökonomischen Zurichtung der Krankenbehandlung Patienten in Zukunft weniger geneigt sein werden, Ärzten bedingungslos zu vertrauen.
... B für Arzt-Patienten-Interaktionen (Heath 1986), in der visuellen Ethnographie von Arbeit und Technologie (Knoblauch 2000), für Studien in hochtechnologisierten Arbeitsumgebungen wie Flughäfen (Goodwin/Goodwin 1996), U-Bahnen (Heath/Luff 1996) oder Kontrollzentren, wie sie die angelsächsischen "workplace-studies" (Luff et al. 2000, Heath et al. 2004) praktizieren oder in der Untersuchung von Telekooperationen (Meier 1998). Daneben auch in so diversen Feldern wie der Religionsforschung (Bergmann et al. 1993, Schnettler 2001, der Medizinsoziologie (Schubert 2006), in der Schulforschung (Aufschnaiter/Welzel 2001), der Museumsforschung (vom Lehn 2006, der Technik-und Innovationsforschung (Rammert/Schubert 2006) ...
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Visualisierungen spielen in zahlreichen Feldern unserer Kultur eine wachsende Rolle. Sie verändern gegenwärtig die herkömmlichen Weisen der gesellschaftlichen Wissensproduktion und -verteilung. Diesen Wandel sowie die theoretischen Grundlagen einer dafür geeigneten Soziologie visuellen Wissens erörtern wir an anderer Stelle ausführlich (Knoblauch 2005, Schnettler 2007, Schnettler/Pötzsch 2007). Hier stehen Methodenfragen im Mittelpunkt. Sie beziehen sich auf einen interpretativen Forschungsansatz, der sich auf die Untersuchung kommunikativer Gattungen und sozialer Formen richtet. Die Videoanalyse ist ein besonders geeignetes Forschungsinstrument für das Studium interaktiver Abläufe und multilokaler ethnographischer Beobachtungen komplexer organisatorischer Zusammenhänge. Sie macht es möglich, Formen sozialer Interaktion und Kommunikation in ihrem Verwendungskontext zu untersuchen. Dabei spielt die Tatsache eine entscheidende Rolle, dass Visuelles nicht primär als Statisches interessiert, sondern als Verlaufsformen, die in performative Interaktionszusammenhänge eingewoben sind. Für die „holistische“ Erforschung solcher performativer Zusammenhänge ist die Videoanalyse das Verfahren der Wahl. Dabei handelt es sich um einen im Vergleich zur Textanalyse recht jungen Ansatz qualitativer Forschung, dessen Methode sich erst allmählich herausbildet und der besondere Forschungskompetenzen erfordert.
... B für Arzt-Patienten-Interaktionen (Heath 1986), in der visuellen Ethnographie von Arbeit und Technologie (Knoblauch 2000), für Studien in hochtechnologisierten Arbeitsumgebungen wie Flughäfen (Goodwin/Goodwin 1996), U-Bahnen (Heath/Luff 1996) oder Kontrollzentren, wie sie die angelsächsischen "workplace-studies" (Luff et al. 2000, Heath et al. 2004) praktizieren oder in der Untersuchung von Telekooperationen (Meier 1998). Daneben auch in so diversen Feldern wie der Religionsforschung (Bergmann et al. 1993, Schnettler 2001, der Medizinsoziologie (Schubert 2006), in der Schulforschung (Aufschnaiter/Welzel 2001), der Museumsforschung (vom Lehn 2006, der Technik-und Innovationsforschung (Rammert/Schubert 2006) ...
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Der Beitrag fasst die wesentlichen methodologischen Voraussetzungen und die methodische Vorgehensweise der sozialwissenschaftlichen Videoanalyse zusammen. Im Unterschied zu automatisierten und standardisiert-codierenden Verfahren geht es bei der Videographie um die Untersuchung ›natürlicher‹ Interaktionssituationen, wie sie im Rahmen des interpretativen Paradigmas durchgeführt wird. Mit der Betonung des ethnographischen Aspekts der Videoanalyse — als Videographie — wird dabei besonderer Wert auf die Beachtung der Erhebungssituation und des ethnographischen Hintergrundwissens gelegt. Im Zentrum der Videographie steht die Analyse visuell aufgezeichneter Situationen. Diese können auf unterschiedliche Weise in Videodaten repräsentiert sein. Deshalb ist eine Erläuterung der verschiedenen Datensorten notwendig. Im Weiteren wird auf die Analyse von Videodaten eingegangen, die wesentlich sequenzanalytisch verfährt. Der Beitrag geht auf einige Anforderungen an die Erhebung der Videodaten ein und skizziert die Schritte der Datenauswertung. In einem abschließenden Teil wird die Rolle der Videographie in der Marktforschung erörtert.
... Dabei werden alle relevant werdenden Kategorien in ihren ständigen Entstehungen und Stabilisierungsversuchen in den Blick genommen sowie durch eine Symmetrisierung von Kulturen und Naturen, Menschen und Dingen, Geschichten und Gegenwarten, Fremdem und Eigenem, Globalem und Lokalem und somit auch von sogenannten Biomedizinen und anderen Medizinen, die herkömmlichen modernen Dichotomien in die Schwebe gebracht. Es geht dabei um das Herausarbeiten und Aushalten der Ambivalenz und damit verbundener Umschlagpunkte -sei es in der Genforschung, die neue Biosozialitäten schafft, welche gleichzeitig emanzipieren und ausschließen (Guell 2011) und deren Anspruch auf Vorhersehbar-und Beherrschbarkeit sich in eine moderne Divinationspraktik verwandelt (Lock 2005), sei es bei dem Einsatz technischer Geräte in der Klinik, mit dem eine präzisere Diagnostik und Behandlung angestrebt wird, der aber gleichzeitig dazu führt, die Ketten zirkulierender Referenzen zwischen Körper und Technik zu verlängern und die damit verbundenen Unsicherheiten teilweise zu erhöhen (Schubert 2006), sei es bei Dingen wie einer Krankenakte, die Diagnosen nicht einfach aufzeichnet, sondern koproduziert und das damit verbundene ‚ Vergessen' entscheidender Daten eine medizinische Behandlung gleichzeitig verändert wie überhaupt erst ermöglicht (Berg 1996), sei es in der evidenzbasierten Medizin, deren Anspruch auf undogmatische Beurteilungen rein nach Kriterien medizinischer Wirksamkeit in das Dogma einer zweifelhaften empirischen Methode umschlägt (Borck 2016), sei es bei der Emanzipation von Herrschaftswissen und asymmetrischen Arzt-Patient-Beziehungen durch die Nutzung alternativer Kommunikationsplattformen, die die Patient*innen gleichzeitig zum Spielball profitorientierter Pharmafirmen werden lässt (Dumit 2012), oder sei es bei einem Exorzismus, Curare 41 (2018) 1+2 Editorial: fröhlichE wissEnschaft mEdizinanthropologiE der das, was er austreibt, gleichzeitig mit hervorbringt (Lewis 1971). ...
... An anderer Stelle hatte ich bereits versucht, postphänomenologische und mikro-techniksoziologische Arbeiten miteinander zu vergleichen (siehe im Detail Schmidl 2019a). Sowohl Schubert (2006) als auch Friis (2015) haben sich zum Beispiel eingehend mit der Technik im medizinischen Bereich beschäftigt -mit der Überwachung von Patient:innen während der Operation auf der einen Seite und dem Lesen von Röntgenbildern auf der anderen. In beiden Fällen werden die Körper und insbesondere bildliche, grafische oder zahlenmäßige Repräsentationen des Körpers interpretiert. ...
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Die in der vorliegenden Studie vorgestellte postphänomenologische Soziologie untersucht die komplexen Weltzugänge und Wirklichkeitskonstruktionen einer technologisierten Spätmoderne. Grundlage bildet das Konzept der Postphänomenologie von Don Ihde und die darin beschriebene Vielfalt an Technologien, die den Körper erweitern (embodiment relation), ihn um Messtechnologien ergänzen (hermeneutic relation), ein ernstzunehmendes Gegenüber bilden (alterity relation), im Hintergrund arbeiten (background relation) oder sich Peter-Paul Verbeek zufolge sogar mit dem Körper (cyborg relation) oder der Welt (immersion relation) verbinden. Erweitert wird dieses Konzept um eine soziologische Perspektive, vor allem orientiert an der phänomenologischen Soziologie und der Wissenssoziologie. Analysiert werden damit schrittweise die körperliche Erfahrung des Subjekts, ihre technisch bedingte Veränderung, ihre Verbindung mit den Erfahrungen anderer Subjekte und schließlich, wie Subjekte auf Basis dieser Erfahrungen ein geteiltes Verständnis von Wirklichkeit aushandeln. Die dergestalt entwickelte postphänomenologischen Soziologie wird empirisch, unter Einbezug der Methoden der qualitativen Sozialforschung, weiter expliziert, und zwar anhand der Rolle der Assistenzsysteme beim Autofahren, des Umgangs von Diabetiker:innen mit Blutzuckermessgeräten und Insulinpumpen sowie anhand der dokumentarfilmischen Darstellung zum Umgang mit sozialen Robotern. Es zeigt sich: Durch die Vielfalt an Technologien und entsprechenden Erfahrungsweisen gewinnen jene Kompetenzen an Bedeutung, mit denen zwischen ihnen übersetzt und vermittelt werden kann. ›Common Sense‹ gründet sich dann nicht mehr in der Annahme einer Ähnlichkeit aller Weltzugänge, sondern in gelungenen Abstimmungsprozessen.
... Die Krankenhausforschung zu Akut-und Rehakliniken zählt zu den Stärken der deutschen Versorgungsforschung und der Medizinsoziologie im weitesten Sinne. In der Tradition der Soziologie der Medizin hat die Krankenhausforschung vor allem das innere Gefüge der Klinik im Fokus und untersucht u. a. Macht-und Konfliktstrukturen, Wissenstransfer, Technikeinsatz, Professionalisierungsfragen sowie die Auswirkungen dieser Phänomene auf die Organisation und ihre Akteure (Schubert 2006;Vogd 2011;Wilkesmann 2009). ...
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Dieses Kapitel stellt die vergangenen und gegenwärtigen Beiträge der Medizinsoziologie zur Versorgungsforschung in den Mittelpunkt und gibt einen Ausblick auf die Herausforderungen, die vor der medizinsoziologischen Versorgungsforschung liegen. Das Kapitel stellt insbesondere die moderne Versorgungsforschung in die Tradition der Medizinsoziologie und zeigt auf, welche grundlegenden empirischen und theoretischen Vorleistungen aus der Medizinsoziologie stammen. Das Kapitel zeigt auch die verschiedenen Strömungen in der Medizinsoziologie auf und macht deutlich, dass die Medizinsoziologie mit der Versorgungsforschung einen neuen Weg geht. Dieser kombiniert zwei Strömungen der Medizinsoziologie, die Soziologie der Medizin und die Soziologie in der Medizin und gibt diesen zwei Strömungen unter Nutzung sozialepidemiologischer Methoden ein praxisorientiertes Ziel: die Verbesserung des Gesundheits- und Versorgungssystems. Damit steht die Medizinsoziologie auf zwei Beinen: einem analytischen und einem praktisch-verändernden. Für ein Fach ist es auf Dauer zentral und überlebenswichtig, dass es auch Problemlösungen für die Gesellschaft anbieten kann. Das ist das Programm der medizinsoziologischen Versorgungsforschung und ihr Beitrag zur Medizinsoziologie.
... Das experimentelle Handeln mit Objekten kennt eine breite Skala und Vielfalt von Formen der Interaktivität, die zwischen routinierten und improvisierenden Praktiken wechseln (Schubert 2006), die zwischen fixierter Instrumentalität und spielerischer Kreativität changieren, zwischen automatischer Anpassung und erprobender Aneignung. Der instrumentelle Umgang mit Objekten ist meist durch seine Form und offensichtliche Funktion leicht erkennbar und durch Gebrauchsanleitungen im Grunde erlernbar; die Interaktivität mit Computer, Handy oder Navigationssystemen verschließt sich in der Regel dem gewohnten Zugang und verlangt eine spielerische und erprobende Annäherung, wozu eher jüngere Generationen neigen. ...
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Die Techniken der Gesellschaft: in Aktion, in Interaktivität und in hybriden Konstellationen verteilten Handelns Werner Rammert (TU Berlin) werner.rammert@tu-berlin.de Die Soziologie tut sich in der Regel heute schwer, mit den neuen Techniken der Gesellschaft konzeptuell umzugehen. Sie überlässt vielfach das Feld anderen Disziplinen, z.B. der Anthropologie, Ethnografie, philosophischen Ethik oder dem weiten Feld der Medien- und Kulturwissenschaften. Das hat mehrere Gründe: a) eine auf Maschinen, Sachtechniken („hard ware“) und Produktionstechnologien zentrierte Technikauffassung, die sich mit der Erfassung von Zeichen-, Körper-, Bio- und Medientechniken schwer tut; b) eine am Konzept des Mittels und instrumentellen Handelns orientierte Technikauffassung, die blind gegenüber komplexen, pro-aktiven und interaktiven technischen Konstellationen bleibt; und c) eine begriffliche Erstunterscheidung von Technik und Gesellschaft oder technisch und sozial, die in der Tendenz Körper und Dinge als relevante soziale Tatsachen ausschließt. Aus dieser Diagnose folgen Vorschläge zur Therapie. Ein erster Schritt besteht darin, die begrifflichen Grundunterscheidungen neu zu klären. Es wird vorgeschlagen, statt einfach „technisch“ – „sozial“ gegenüberzustellen, differenzierter zwischen 1. „sozial“ – „nicht-sozial“, 2. „technisch“- „nicht-technisch“ im Rahmen des Sozialen und 3. „Praxis/Schema der Technisierung“ – „Trägermedien“ im Rahmen des Technischen zu unterscheiden. Dadurch wird eine soziologische Techniktheorie ermöglicht, die zwischen den beiden Begriffen von Technisierung als einer besonderen Form des sozialen Handelns („experimentelles Handeln“ Dewey; „Technisierung“ Husserl/Blumenberg; „kreatives Handeln“, Joas; „faire faire“ Latour) und von „Trägermedien“ mit eingeschriebenem Verhaltensprogramm (für menschliche Bewegungen; physische Dinge; Zeichen) unterscheidet. Der hybride Charakter von Techniken als Installationen (Teil der Natur) und Institutionen (Teil der Gesellschaft) kann dann mit dem Konzept der (soziotechnischen) Konstellation genauer erfasst werden. In dem Vortrag soll u.a. die These entwickelt werden, dass Techniken dann nicht nur wie Handlungsroutinen, Rollengefüge und Rechtsordnungen eine soziale Tatsache sind, sondern auch unter bestimmten Bedingungen verteilten Handelns als soziale Akteure angesehen werden können, denen Handlungen zugerechnet werden – ähnlich wie bei kollektiven oder korporativen Akteuren oder sozialen Systemen, die ja auch nicht nur aus einem handelnden Körper oder einem bewussten Individuum bestehen („principal agent“; „Akteurfiktion“; „Selbstbeobachtung von Systemen“). Je mehr „Natur“ in der Form von physischen Eigen-Wirkungen, Wachstum und Autopoiesis pflanzlicher und organischer Systeme mit Technik und als Technik in die „Gesellschaft“ eingearbeitet wird (z.B. über Funkstrahlen kommunizierende Objekte, gentechnisch manipulierte Organismen), desto wichtiger wird es, diese Typen von sozialen Gebilden und ihre Aktivitäten und Beziehungen begrifflich zu erfassen. Je mehr „Techniken“ als kooperierende Agenten oder autonome Systeme konstruiert und eingesetzt werden, desto stärker sind wir aufgerufen, Methoden und Konzepte zu entwickeln, mit denen sich die Verteilung von Aktivitäten und Kontrolle auf Menschen, Sachen und Zeichen in soziotechnischen Konstellationen untersuchen und auch mitgestalten lässt. Technografie, Konstellationsanalyse und sozionische Interaktivitätsexperimente sind Beispiele dafür.
... und Staaten, die Verträge abschließen, voll zugesprochen. Diese Aussagen sind zudem für eine soziologische Forschung untauglich, da sie die Grenzziehungen zwischen Handeln und Verhalten nicht mehr zum Gegenstand machen (vgl. Lindemann 2002 ), da sie die historisch, medizinisch und juristisch wechselnden Zurechnungen von Handlungen ignorieren (vgl. Schubert 2006; Teubner 2006; Schulz-Schaeffer 2007) und da sie – und das betrifft besonders die gegenwärtigen Veränderungen durch autonome Maschinen (vgl. Christaller/Wehner 2003) und verteilte Agenten in Kommunikationsnetzen (siehe Rammert 2002) – die feinen Verteilungen von delegierten und automatisierten Handlungen in den vielen soziotechnischen Ko ...
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Technology, Action, and Social Structure: This paper gives an systematic introduction into the sociological analysis of technologies, of the actions that are related to the generation and use of them, and to the socio-technical structures of society. Subjects are the the processes of technicization of everyday life, the conceptualization of technics and technologies-in action, and the dynamics of socio-technical change. Three views of social studies of technology are presented: (1) "technodeterminism", searching for and assessing the social effects technologies, (2) "social constructivism/social shaping", emphasizing the social and cultural processes of generating and designing technologies, and (3) "technopragmatism", a non-dualistic view that is interested in the co-production of social and technical forms and in the framing of the interactivities by socio-material constellations. The main insights of the social studies of technology are summarized (theses, rules, schemes), demonstrated by case studies, and illustrated by examples from everyday life.
... Die Technografie, die von Rammert/Schubert (2006;Schubert 2006;Rammert 2008a;2016: 179-196) formuliert wurde und sich als offenes Forschungsprogramm einer "Mikrosoziologie der Technik" (Rammert/Schubert 2006: 13) versteht, blickt im Gegensatz zur klassischen ethnografischen Herangehensweise nicht auf die kulturellen Gegebenheiten eines Feldes, sondern fokussiert gezielt die Konfigurationen von soziotechnischen Beziehungsgeflechten (Rammert /Schubert 2006: 14). Da sie deutlich kürzer als die klassischen Ethnografien aus der ethnologischen Forschung vorgeht, folgt sie tendenziell, ebenfalls wie die Diskursethnografie, dem Ansinnen einer fokussierten Ethnografie (Knoblauch 2001). ...
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Aus der Einleitung der Herausgeber: Vor dem Hintergrund, dass das Gesundheitswesen (in der BRD aber auch in fast allen Ländern Europas) grundlegenden Veränderungen ausgesetzt ist widmet sich der Beitrag von Stefan Bär (Kämpfe um die Autonomie der Medizin. Überlegungen zu Arbeitskämpfen im Krankenhaus) den daraus resultierenden Kämpfen um und für Arbeit. Arbeitsverhältnisse im Gesundheitswesen (insbesondere in Krankenhäusern) sind durch die Veränderungen einem Wandel unterworfen welcher Veränderungen in den (Macht-)Strukturen bedingt. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob diese Arbeitskämpfe von Ärzten an deutschen Krankenhäusern nicht Ausdruck eines Kampfes gegen eine zunehmende Bedrohung der bislang autonomen Stellung der Medizin sind. Seine These ist dabei, dass es bei diesen Arbeitskämpfen um die Zugriffsmöglichkeiten auf die Inhalte und auf die Art der Erbringung medizinischer Dienstleistungen im Krankenhaus geht, und um die in jüngerer Zeit zur Geltung kommenden nicht-medizinischen Gestaltungsinteressen. Die Argumentation bewegt sich entlang von Veränderungen in drei Bereichen: dem Umgang mit der Arbeitszeitorganisation, den Leitungskonstellationen in Krankenhäusern und der Gestaltung von Chefarztverträgen.
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Am Beispiel einer in der Medizin situierten, kleinen klinischen Disziplin, der Endoskopie des Ernährungs- und Verdauungs Traktes, soll der Versuch gemacht werden, Prozesse der Organisation des Wissens und des sozial-technischen Wandels im Hinblick auf Wissenssicherheit und Zeitstrukturen zu befragen. Diese Disziplin organisiert jährlich in Hamburg einen Fortbildungskongress, den weltweit größten in seinem Format.
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Techniken sind künstlich erzeugte und in der einen oder anderen Weise festgelegte Wirkungszusammenhänge, die genutzt werden können, um hinreichend zuverlässig und wiederholbar bestimmte erwünschte Effekte hervorzubringen.
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Ziel des Beitrages soll es sein, den methodologischen Standpunkt der von Anselm Strauss (1978, 1982, 1984) vor gut 30 Jahren begründeten und seither in unterschiedliche Richtungen (Schütze 2002; Clarke 2005; Soeffner/Zifonun 2008) weitergedachten Soziologie sozialer Welten zu explizieren. Ich werde versuchen zu verdeutlichen, wie und warum eine Analyse transnationaler Vergesellschaftungen von einer solchen social worlds perspective profitieren kann. Dabei möchte ich argumentieren, dass es wenig sinnvoll ist, die Existenz transnationaler Vergesellschaftungen vorauszusetzen, also zu Beginn der empirischen Arbeit bereits davon auszugehen, dass man Transnationales finden wird und dass dieses Transnationale dominant ist gegenüber anderen Ebenen und Formen der Vergesellschaftung. Die Soziologie sozialer Welten bietet sich für ein solches Unternehmen an und ich werde daher (1.) mein Verständnis davon, was soziale Welten sind, skizzieren und die zentralen theoretischen Grundannahmen explizieren, auf denen die Soziologie sozialer Welten beruht. (2.) soll die Methodik und Methodologie der Analyse sozialer Welten ausgewiesen werden. Als verstehende, hermeneutisch-rekonstruktive, lebensweltlichanalytische Soziologie ist sie darauf angewiesen, eine Reihe verschiedener Verfahren und zumindest drei verschiedene analytische Ebenen zuzulassen und zu kombinieren. Ich werde (3.) auf die Grundannahmen der Transnationalismusforschung eingehen und die Stellen markieren, an der die Soziologie sozialer Welten zu einer analytischen Erweiterung beitragen kann. Dies soll (4.) anhand von Beispielen aus einer empirischen Studie illustriert werden, bevor ich (5.) ein knappes Fazit ziehe.
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Science policy demands more interdisciplinary collaborations in order to enhance the innovation capabilities of research. Unfortunately, there is a lack of satisfactory answers to the question what institutional strategies and epistemic practices promote the emergence and stabilization of interdisciplinary collaborations. The book investigates these issues by means of a case study about electron microscopy. The practitioners of this physical research technology collaborated for decades with a wide range of disciplines including material sciences as well as life sciences. On the basis of the case study, it is possible to identify the institutionalization of service labs as a precondition for the stability of interdisciplinary collaborations. However, the long-term perpetuation of this collaborative form depends on epistemic conditions beyond the reach of science policy’s impact.
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Why does the increase of safety technologies not automatically cause a higher level of safety? 1. Social dimensions of safety and technology 2. The social dimension of the technological fix: the problem of complexity 2.1 The knowledge of STS-Studies 2.2 Safety technologies: high variety and ambivalence of consequences 2.3 Paradoxes of systemic enforcement 3. The social dimension of securing: the problem of ambivalence 3.1 The knowledge of risk sociology and surveillance studies 3.2 The problem of conflicting actor perspectives and constellations 4. A Primer for researchers and practicioners: How to cope with insecurity in complex constellatons.
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Medizinisches Wissen ist Körperwissen. In diesem Beitrag folge ich den unterschiedlichen Instanzen und Relationen des Körperwissens in der medizinischen Praxis. Im Zentrum stehen die Passungsverhältnisse zwischen objektivierten und subjektiven medizinischen Wissensbestandteilen. Dazu gehören die in den Fachbüchern enthaltenen biologischen Wirkbeziehungen, aber auch die sinnlich vermittelten Behandlungspraktiken und die technischen Instrumente. Ich gehe von der These aus, dass der biomedizinische Zugriff auf den Körper immer als ein technisch vermittelter Zugriff verstanden werden muss. Das Verhältnis von Technik, Körper und Wissen allein als ein unaufhaltsames Vordringen von Zweckrationalität und Objektivierung zu verstehen, greift jedoch zu kurz. Interessanter scheint die Frage, in welcher Weise Technik zwischen den Körpern von Arzt und Patient vermittelt und welche Auswirkung dies auf objektive und subjektive Wissensbestandteile in der Medizin hat.
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Improvisation ist für den Jazz und zahlreiche andere Musikgattungen zentral. Derzeit wird improvisatorisches Handeln in der deutschen Musik–, Wissens– und Kultursoziologie auch als allgemeine Handlungsform und als handlungstheoretisches Konzept entdeckt (vgl. Kurt/Näumann 2008; Figueroa-Dreher 2008a, b; Schubert 2006: 223 ff.; Stegmaier 2009: 291 ff., 399 ff.). Damit einher geht unter anderem die Hoff nung auf Weiterentwicklung bestehender Handlungstheorien. In der Organisationsforschung versucht man mit dem Improvisationstopos, Modelle für Innovation, Kreativität und Veränderung zu propagieren, mitunter auch, die Freiheitsgrade von Akteuren in Organisationssettings auszuleuchten.
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Die Diskussion um die Handlungsträgerschaft (Agency) von Technik ist durch die Kritik an der „Tech nikvergessenheit der Soziologie“ (Rammert 1998b) motiviert. Von Weber (1980) bis Luhmann (1984) gelten Sachtechniken und ihre Wirkungen als soziale Bestandteile, die sich nicht von sich aus an Sinn orientieren und daher von vornherein aus dem Gegenstandsbereich der Soziologie herausfallen. Es wird zwar zugestanden, dass Technik einerseits als Teil der Kultur bestimmte Sinnsetzungen verkörpert und andererseits relevante Wirkungen auf die Vergesellschaftungsprozesse entfalten kann; dennoch fanden technische Abläufe und Artefakte in der soziologischen Theoriebildung, die traditionell auf sinnhafte Prozesse fokussiert ist, lange Zeit kaum Beach tung. Als direkte Kritik dieser Situation wird behauptet, dass die im soziologischen Mainstream unterbewerteten Bestandteile des Sozialen (nämlich: Technik) in die theoretische Betrachtung integriert werden sollen.
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Der Beitrag zoomt in die Bildwelten der Frühphase der Covid-19-Pandemie und fokussiert dabei besonders auf die sich in vernetzten Öffentlichkeiten schnell verbreitende Stay-at-home-Kampagne des medizinischen Personals, das als Schutz- und Präventionsmaßnahme solidarisches Handeln der Bevölkerung einfordert. Es wird der Frage nachgegangen, welche Wirkung und Dynamiken die Postings aus den Krankenhäusern entfalteten, für wen sie von Wert gewesen sind und welchen Beitrag der Bilderschwarm mitunter zu einem Solidaritätsbewusstsein in der Covid-19-Krisenkommunikation hat leisten können.
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Begriffe wie Technisierung, Handlungsträgerschaft von Technik, Technografie aber auch Innovation und fragmentale Differenzierung bilden die Schwerpunkte der Arbeit von Werner Rammert. Damit liegen die Forschungsfelder der STS im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses. Im Unterschied zu vielen Arbeiten aus den STS vertritt Rammert eine soziologische Perspektive und verfolgt die Erneuerung und Erweiterung soziologischer Grundbegriffe wie Handlung und Differenzierung, um Phänomene wie Technisierung und Innovation für die Soziologie untersuch- und beschreibbar zu machen. Der folgende Aufsatz stellt zentrale Begriffe und Konzepte aus der Literatur von Rammert vor, dabei wird der Zusammenhang zwischen mikrosoziologischen Studien und meso- und makrosoziologischer Diagnosen besonders betont.
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Im Sozial- und Gesundheitssektor ist ein zunehmender (und zukünftig vermutlich weiter steigender) Einsatz assistiver Technologien zu beobachten. Nicht zuletzt verbirgt sich dahinter die Idee, angesichts demografischen Wandels und sektoralen Fachkräftemangels die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig werden aufgrund der sensiblen Dienstleistungsbeziehungen, die technisiert werden, Fragen von Entmenschlichung in der Sozial- und Gesundheitsarbeit aufgeworfen. Der Beitrag zielt darauf ab, aus techniksoziologischer Perspektive mögliche Aspekte von Versorgungssicherheit und Entmenschlichung abzuwägen. Der Fokus der Betrachtung liegt auf den technisierten Assistenzkonstellationen, die sich aus Assistenznehmenden, Assistenzgebenden und assistiven Technologien zusammensetzen. In der konzeptionellen Analyse wird, ausgehend von den Interaktionsbeziehungen, in vier prototypische Assistenz-Triaden unterschieden. Der Kern der Unterscheidung ist die Erbringung der Assistenzleistung – also die Frage, wer, wie, für wen und unter welchen Bedingungen eine Form von Unterstützung und Hilfe generiert. Jeder Triaden-Typ weist dahin gehend spezifische Charakteristika auf, die eine Bestimmung von Versorgungssicherheit und Entmenschlichung erlauben.
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The use of audiovisual recording devices is changing the practice of qualitative research. Extensive corpus of data can be generated in (shortterm) focussed fieldwork. Nevertheless, methods to analyse video data are still in an experimental stage. This article explores the benefits and limitations of applying sociolinguistic genre analysis to audio-visual data. This is illustrated with a case study, based on the videotaped »deep-trance vision« of a New Religious Movement’s spiritual leader, which is one the most famous contemporary religious visionaries in Germany. The analysis aims to reconstruct the construction of this religious experience of transcendence from the perspective of its followers. We will examine three different levels of communication (a) the inner context, exploring the textual, gestural, mimical and prosodic aspects, (b) the intermediate level where the focus lies on the setting and decorum, and finally (c) the outer context, focussing on the social embedding of this form of »transcendent« communication and its filmic presentation. The article closes with a reflection on the need to combine hermeneutic analysis of case studies based on textual analysis with ethnographic field data and observation to contextualise its interpretation.
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Methodologisch gesehen sind innovationsbezogene Studien meist prozessorientierte Einzelfallstudien. Um konkrete Fragestellungen empirisch überhaupt bearbeiten, Forschungsdesigns aufstellen sowie die richtigen Methoden auswählen zu können, müssen Fragestellungen in Hinblick auf unterschiedliche, innovationsspezifische Dimensionen präzisiert und fokussiert werden. Der Beitrag stellt diese verschiedenen Dimensionen der Fokussierung von innovationsbezogenen Forschungsfragen sowie jeweils geeignete Daten und Methoden vor und erläutert, welche methodologischen Probleme sich hieraus ergeben.
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Over the past decades, there has been an increase in technological innovation in clinical workplaces, influencing medical practices and regulatory requirements alike. The meaning of medical devices changes not only with their professional, disciplinary or organisational context, but also with the specific locale. This chapter therefore elucidates how the relationship between humans and devices can be specified in medical contexts when the sociocultural dimension of a particular locale is included. Accordingly, this chapter gives a brief introduction to several approaches by referring particularly to theoretical thoughts proposed by Hogle (2008), who identified relevant aspects of socio–technical settings in medical contexts, and the approach proposed by Rammert (2002), which addresses the semantic, pragmatic and institutional variations of a particular locale. It includes the sociocultural perspective through a brief introduction to theoretical approaches by specifying the Japanese locale (genba) as an example when examining socio–technical settings in medical contexts. Specifically, this chapter casts light on aspects such as technological complexity and clinical workplaces, subjectivity and standardisation, the situations of patients, nurses and physicians, user needs and device development, clinical trials, approval, and evidence-based judgement, manufacturing and diffusion, as well as hospitals and the public health system in Japan.
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Hochschullehre im Corona-Semester 2020: 15 Autor:innen aus diversen Hochschulkontexten und Fächern veröffentlichen in diesem Buch ihre kollaborativ entstandenen autoethnographischen Stories zu Lehr-, Lern- und Arbeitspraktiken sowie Strukturen. Auf Basis autoethnographischer Dokumentation, Reflexion und Analyse entstand so ein unverstellter Blick auf das Corona-Semester, der zur Diskussion über Herausforderungen und Möglichkeiten digitaler Lehre auffordert. Grundlage des Buchs ist das Projekt "Autoethnographische Forschung zu digitaler Lehre (AEDiL)" in dem Hochschulakteur:innen in unterschiedlichen Hochschulkontexten und Fachrichtungen den Umgang mit digitaler Lehre an Hochschulen kollaborativ reflektiert und analysiert haben. Der Band bietet Inspiration für Lehrende und Hochschuldidaktiker:innen, die sich mit Online-Lehre beschäftigen, für Hochschulleitungen, die verstehen wollen, wie Hochschulpersonal mit digitaler Lehre umgeht, um geeignete Rahmenbedingungen zu gestalten und Forschenden wird ein Einblick in die Autoethnographie ermöglicht.
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Unter dem Begriff virtuelle Chirurgie werden im aktuellen Fachdiskurs Praktiken gefasst, die in Diagnostik, Planung und Intervention maßgeblich auf dem Einsatz von Bildgebungsverfahren, Softwareanwendungen und Augmented Reality Technologien beruhen. Der Beitrag untersucht an Fallstudien wie das Verhältnis von digitalen Daten, symbolischen Operationen und Patientenkörpern virtuell gestaltet und in materielle Interventionen transformiert wird. Zudem werden bild- und medientheoretische Fragestellungen sowie handlungsbezogene Herausforderungen benannt.
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Assistenzen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Eine dezidierte Systematisierung und Analyse der Sozialform „Assistenz“ ist bislang noch offen. Eine erste multidisziplinäre Erkundung wendet sich diesen drei Bereichen zu: personale Assistenz (Arbeit und Schwerhörigkeit, Leihmutterschaft), technische Assistenz (Ambient Assisted Living, Alter und Pflege, Robotik) und Assistenz in Bezug auf gesellschaftliche Dynamiken (Existenzweisen, Kompensation und Komfort, Assistenzüberschuss). Aus den Beiträgen wird die Analysekategorie Assistenzensemble abgeleitet und anhand einer Idealtypik veranschaulicht.
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New information and communication technologies change social relations. The article introduces a concept by Stefan Hirschauer grasping this change as a complication of presence. For Emergency Medical Services, full presence of all participants is usually considered essential; however, telemedicine, telehealth physicians, and telecooperation are also gaining ground here. The study describes the foundation and challenges of telemedical situations and analyses how they are managed by physicians, paramedics, and patients being only gradually present for each other. On the organizational level, formal guidelines become more important, and responsibilities shift toward the rescue workers on-site.
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Methodologisch gesehen sind innovationsbezogene Studien prozessorientierte Einzelfallstudien. Um konkrete Fragestellungen empirisch überhaupt bearbeiten zu können, Forschungsdesigns aufstellen sowie die richtigen Methoden auswählen zu können, müssen Fragestellungen in Hinblick auf unterschiedliche, innovationsspezifische Dimensionen präzisiert und fokussiert werden. Der Beitrag stellt verschiedene Dimensionen der Fokussierung von innovationsbezogenen Forschungs-fragen sowie jeweils geeignete Daten und Methoden vor und erläutert, welche methodologischen Probleme sich hieraus ergeben.
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Die zentrale Frage dieses Beitrages ist, wie sich das Verhältnis zwischen den Subjekten und ihrer Umwelt im digitalen Zeitalter verändert. Dazu wird das technikphilosophische Konzept der Postphänomenologie angewendet, das im Hinblick auf die phänomenologischen Ansätze innerhalb der Soziologie sowie der Techniksoziologie zugeschnitten wird. Es zeigt sich, dass sich durch die Auseinandersetzung mit den vielfältigen technisch produzierten und digital aufbereiteten Daten Kompetenzen herausbilden, die in der Spätmoderne für die gesellschaftliche Teilhabe mitbestimmend sind. Diese bestehen insbesondere aus den Fähigkeiten zur Abstraktion, Selektion und Relation von komplexen Informationen.
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Cornelius Schubert draws on ethnographic observations in hospitals to highlight the importance of repairing technical equipment and adjusting organisational procedures in medical practice. Routinely faced with divergent breakdowns and failures, nurses and doctors constantly engage in situated inquiries into the causes, nature and consequences of material and organisational problems, and improvise more or less robust remedies to them, thereby taking responsibility for vital issues. Drawing on pragmatist philosophy, Schubert highlights the constitutive dimensions of inquiry and improvisation in repair, notably with respect to how priorities are negotiated and established in medical practice. He shows how technical and organisational breakdowns are often interrelated and how technical fixes may resolve organisational problems and vice versa.
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Zeit ist in der Geschichtsschreibung der Chirurgie ein bislang kaum behandelter Untersuchungsgegenstand. Dennoch beruhte die Entstehung moderner Operationsverfahren maßgeblich auf der Etablierung kontrollierter Zeitverhältnisse durch die Abstimmung organischer, technischer und organisatorischer Abläufe. Besonders die frühe Herzchirurgie sah sich einem gravierenden Zeitproblem ausgesetzt, welches darin bestand, das Herz lange genug aus dem Kreislauf auszugliedern, um in seinen blutleeren Kammern zu operieren. Dieses Problem lässt sich ins frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen, als Chirurgen wie Ludwig Rehn (1849–1930), Friedrich Trendelenburg (1844–1924) und Alexis Carrel (1873–1944) mit Abklemmungen der großen Gefäße experimentierten. Im Laufe der ersten Jahrhunderthälfte wurden verschiedene Versuche unternommen, die mögliche Zeitspanne der Kreislaufunterbrechung zu verlängern. Beispielsweise entwickelte Arthur W. Meyer (1885–1934) in Berlin chirurgisch-handwerkliche Verfahren, John H. Gibbon Jr. (1903–1973) arbeitete in Boston/Philadelphia an der Konstruktion einer Herz-Lungen-Maschine und Wilfred G. Bigelow (1913–2005) experimentierte in Toronto mit der Absenkung der Körpertemperatur. Detailanalysen dieser Versuche verdeutlichen, wie heterogene Dauern, Rhythmen und Geschwindigkeiten in Einklang gebracht werden mussten, um entscheidende Minuten oder gar Sekunden zu gewinnen. Folglich lassen sich wichtige Entwicklungen auf dem Weg zur Chirurgie am offenen Herzen als eine Geschichte chirurgischer Zeit beschreiben.
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Ob Märkte nationale Grenzen überschreiten, hängt u. a. auch davon ab, ob die auf ihnen gehandelten Güter gemäß geteilter oder kompatibler Standards bewertet werden. Das gilt auch für die „Ware“ Arbeitskraft, wobei der Wert dieser speziellen Ware ohnedies schwer zu bestimmen ist. Der Beitrag geht der Frage nach, wie das Wissen und Können von Arbeitskräften transnational anschlussfähig wird. Der Fokus liegt auf professionellem Wissen, weil zur Transnationalisierung von Professionen einschlägige Forschung vorliegt. Das Argument ist auf berufsspezifische Arbeitsmärkte übertragbar.
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In diesem Beitrag wird Technik zugleich als integraler Bestandteil und besonderer Aspekt der Gesellschaft betrachtet. Sie ist selbstverständlicher Teil der Sozialstruktur: Denn ohne Bezug zu unterschiedlichen Formen der Technik ließen sich die Berufs-, Branchen- und Sektorenstrukturen einer Gesellschaft nicht erklären. Berufe und Arbeitssituationen wandeln sich mit den Typen von Technik (Werkzeuge, Maschinen, Automaten); Industriebranchen und Wirtschaftssektoren verändern sich mit neuen Generationen von Technologien (Großrechner, PC, Internet). Zusammen mit den technischen Infrastruktursystemen (Mayntz 1993; Mayntz/Hughes 1988) für Wasser, Energie, Verkehr und Kommunikation bilden diese soziotechnischen Konstellationen die Technostruktur einer Gesellschaft.
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Die Einführung der körperlichen Untersuchung, insbesondere des Abhorchens mit dem Stethoskop, gehört zu den bahnbrechenden medizinischen Innovationen des 19. Jahrhunderts. Anhand dieses Beispiels werden in dem Buch die historischen Grundlagen diagnostischer Deutungskompetenz in der modernen Medizin analysiert. Ausgehend von einem wissenssoziologischen Konzept der Medizin als kultureller Praxis werden detailliert die verschiedenen Schritte beschrieben, in denen sich die körperliche Untersuchung als privilegiertes medizinisches Erkenntnisverfahren etablierte. Die Konstitutionsgeschichte medizinischen Wissens wird dabei ebenso behandelt wie die Entstehung des Krankenhauses, die Professionalisierung der Ärzteschaft oder die sich wandelnden Interaktionsformen von Ärzten und Patienten.
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Detailed studies have recently drawn attention to the ‘posthuman’ intertwining of human and nonhuman agency in scientific practice. This essay indicates how such insights might be extended into a posthumanist analysis of macrosocial order and change. Examples considered include the new ‘industrial consciousness’ of the 19th century, the founding of the synthetic dye industry, and the history of material interfaces linking people and machines. The essay ends reflexively, with an outline history of the ‘cyborg sciences’ (sciences having a mixed ontology of people and things) up to and including the analyses of science with which we began.
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Institutional and epistemological limitations of the governance of knowledge: Scientific and technological knowledge is going to become the key factor in the change of economies and in the evolution of society. The production, distribution and use of knowledge determines the competitive advantages of enterprises (Machlup 1962). It increases the innovative capacities of economies. It strengthens the power position of nation-states in the world-system. As the production of knowledge is dispersed over many places, as it is split into the use of explicit and non-explicit knowledge, and as it is divided between different institutional actors, new means and mechanisms of co-ordination are demanded beyond market and hierarchy. “Interactive networks of innovation” (Lundvall 1993) are constructed in order to get access to local knowledge and to share profit and risk of its global utilization. “Knowledge management” is created as a new field of business in order to raise the efficiency of knowledge work and to keep up with the pace of innovation. “Knowledge politics” is coming up as a new field of policy. Its aim is to establish the adequate institutional infrastructure that assures and accelerates the growth of knowledge production. If one shifts the focus from the division of labor that predominated in industrial society to the division of knowledge (Hayek 1945; Helmstädter 2000) that takes place actually, one can observe and perhaps explain the emergence of a new regime of governance. I shall call it the regime of distributed knowledge production. The title of the paper „The governance of knowledge, limited“ indicates two features of the actual mode of knowledge production: On the one side, the knowledge production has turned into a business. Universities and research institutes are transforming themselves into patent-holding and knowledge-selling enterprises. Firms and companies engage themselves in the business of knowledge creation and knowledge management. Scientific institutions, state agencies and industrial R&D-laboratories are knitted together to build either national innovation systems (Nelson 1993) or networks of innovation that operate between heterogeneous actors and on an international level (Freeman 1991; Powell/Koput/SmithDoerr 1996). Their activities are co-ordinated more and more under the imperatives of economic innovation and national wealth (Foray/Freeman 1993). The first aim of this paper is to give a short outline of the institutional changes that are leading to a new regime of distributed knowledge production. On the other side, limitations of the governance of knowledge become visible. They are rooted mainly in two paradoxical processes. Firstly, the heterogeneity of the enrolled actors – scientists and managers, politicians and administrators, venture capitalists and ecological activists - and the diversity of their perspectives cause problems of a successful concertation (Rammert 2000) that does not level out the creative differences between disciplines or institutional rationality standards, and that does not destroy the complementary competences of functionally specialized actors. Secondly, the specifity of knowledge to be an intangible asset and an incompletely explicable set of competences sets limits to the complete control and commercialization of knowledge. The second aim of this paper is to explore the role of non-explicit knowledge in the process of making a growing part of the knowledge more explicit. 4 The innovativeness and the economic performance of the rising science-based “knowledge societies“ (Böhme/Stehr 1986) are fundamentally determined by the ways how they cope with both problems, the institutional problem of co-ordinated distributedness between heterogeneous actors and the epistemological paradox of the explication of the non-explicit knowledge.
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Wissenschaftliches und technologisches Wissen sind derzeit — wie häufig schon von Karl Marx bis Daniel Bell vorausgesagt - im Begriff, zur Schlüsselgröße im Wandel der Wirtschaften und in der Globalisierung der Gesellschaft zu werden. Produktion, Verteilung und Verwertung von Wissen bestimmen in einer wachsenden Zahl von Industriebranchen die Wettbewerbsvorteile von Unternehmen (vgl. schon Machlup 1962). Dieser Typ des systematisierten und methodisch kontrollierten Wissens steigert die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften und stärkt die Machtposition der Nationalstaaten im Weltsystem.
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Vom Objekt zum gespaltenen Subjekt. - In: Subjektivierung von Arbeit / Manfred Moldaschl ... (Hg.). - München ; Mering : Hampp, 2002. - S. 101-133. - (Arbeit, Innovation und Nachhaltigkeit ; 2)
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Zusammenfassung Ausgehend von der jüngsten Diagnose eines ‚Practice Turn‘ in der Sozialtheorie und empirischen Forschungspraxis arbeitet der Artikel Strukturmerkmale einer ‚Praxistheorie‘ oder ‚Theorie sozialer Praktiken‘ im Vergleich zu alternativen Sozial- und Kulturtheorien heraus. Von besonderer Bedeutung erweisen sich dabei drei Grundannahmen: eine ‚implizite‘, ‚informelle‘ Logik der Praxis und Verankerung des Sozialen im praktischen Wissen und ‚Können‘; eine ‚Materialität‘ sozialer Praktiken in ihrer Abhängigkeit von Körpern und Artefakten; schließlich ein Spannungsfeld von Routinisiertheit und systematisch begründbarer Unberechenbarkeit von Praktiken.
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Wir haben es bewußt vermieden, im Titel dieses Sonderheftes die beiden Hauptworte durch ein farbloses „und“ zu verbinden; denn das hätte nach außen den Anschein erwecken müssen, als sei das Verhältnis von Medizin und Soziologie irgendwie umstritten oder in Frage gestellt. Andererseits kann und soll natürlich auch nicht behauptet werden, daß sich diese Beziehung auf eine einfache Formel bringen lasse, die für alle Beteiligten unmittelbar akzeptabel wäre. Die Entgegensetzung eines totalen Mangels an gegenseitigen Beziehungen und eines Verhältnisses, das sich in eine einfache Definition pressen läßt, scheint uns überhaupt keine sinnvolle Alternative zu sein. Vielmehr liegt die Sache wohl so, daß sich seit geraumer Zeit die Annäherung von Medizin und Soziologie vollzogen hat. Die offenen Fragen stehen also allesamt unter der Voraussetzung, daß es Medizin-Soziologie schon lange faktisch gibt. Die wesentliche Aufgabe liegt heute nur darin, dieses Verhältnis aus seiner Undifferenziertheit zu befreien, seine Voraussetzungen klar herauszuarbeiten und auch entsprechend die Konsequenzen wachsend bewußt zu machen.
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Der Begriff, des „symbolischen Interaktionismus“ hat sich zur Kennzeichnung eines relativ klar abgegrenzten Ansatzes zur Erforschung des menschlichen Zusammenlebens und des menschlichen Verhaltens durchgesetzt (1). Zahlreiche Wissenschaftler bedienten sich dieses Ansatzes bzw. trugen zu seiner geistigen Grundlegung bei; unter ihnen finden sich solch hervorragende Persönlichkeiten Amerikas wie GEORGE HERBERT MEAD, JOHN DEWEY, W.I.THOMAS, ROBERT E.PARK, WILLIAM JAMES, CHARLES HORTON COOLEY, FLORIAN ZNANIECKI, JAMES MARK BALDWIN, ROBERT REDFIELD und LOUIS WIRTH. Trotz bedeutsamer Unterschiede im Denken dieser Wissenschaftler ist eine grosse Ahnlichkeit in der allgemeinen Art und Weise, in der sie menschliches Zusammenleben betrachten und erforschen, festzustellen. Die Grundgedanken des symbolischen Interaktionismus sind aus diesem Fundus allgemeiner Gleichartigkeit heraus entwickelt. Bisher hat es jedoch noch keine eindeutige Formulierung der Position des symbolischen Interaktionismus gegeben; vor allem fehlt immer noch eine begründete programmatische Darstellung seines methodologischen Standortes. Das Ziel dieser Abhandlung ist die Entwicklung einer derartigen Darstellung. Im wesentlichen beziehe ich mich dabei auf die Gedanken von GEORGE HERBERT MEAD, der, mehr als alle anderen, die Grundlagen des symbolisch-interaktionistischen Ansatzes gelegt hat; indem ich mich allerdings mit zahlreichen entscheidenden Fragen ausführlich auseinandersetzte, die im Denken von MEAD und anderen nur implizit enthalten waren bzw. mit denen sie sich gar nicht beschäftigt hatten, war ich gezwungen, eine eigene Fassung auszuarbeiten. Aus diesem Grunde muss ich zum grössten Teil die volle Verantwortung für die hier vorgelegten Ansichten und Analysen übernehmen. Dies trifft insbesondere auf meine Ausführungen zur Methodologie zu: die Beiträge zu diesem Punkt stammen ausschliesslich von mir. Im folgenden will ich zunächst die Grundsätze des symbolischen Interaktionismus skizzieren; danach sollen die methodologischen Leitsätze bestimmt werden, wie sie für jede empirische Wissenschaft Geltung beanspruchen, und schliesslich werde ich mich besonders mit der methodologischen Position des symbolischen Interaktionismus auseinandersetzen.
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„Weder das Alltagsverständnis * noch die Wissenschaft können sich entfalten, sofern sie nicht die strenge Einschränkung der Betrachtung auf das in der Erfahrung tatsächlich Gegebene aufgeben.“ Dieser Satz A. N. Whiteheads bildet die Grundlage seiner Analyse der Organisation des Denkens.1 Selbst das im alltäglichen Leben wahrgenommene Ding ist mehr als eine einfache Sinnesvorstellung.2 Es ist ein gedanklicher Gegenstand, eine Konstruktion höchst komplizierter Natur; sie schließt nicht nur besondere Formen zeitlicher Abfolgen ein, in denen sich der Gegenstand als der einer einzigen Sinnesart, sagen wir des Sehens,3 konstituiert, und räumliche Beziehungen, in denen er sich als Sinnesgegenstand mehrerer Sinnesarten konstituiert, zum Beispiel des Sehens und des Tastens:1 um die Konstruktion des gedanklichen Gegenstandes abzuschliessen, bedarf es auch eines Beitrags der Imagination hypothetischer Sinnesvorstellungen.
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This article argues that the medical record is an important focus for sociological research. In medical work, the modern patient's body that Foucault has so aptly described is produced through embodied, materially heterogeneous work, and the medical record plays a crucial role in this production. It does not simply represent this body's history and geography; it is a central element in the material rewriting of these. Simultaneously, the record fulfills a core role in the production of a body politic. As the record is involved in the performance of the patient's body, it is also involved in the performance of the clinic in which that body comes to life. Finally, we argue that different records and different practices of reading and writing are intertwined with the production of different patient's bodies, bodies politic, and bodies of knowledge. As organizational infrastructure, the medical record affords the interplay and coordination of divergent worlds. Seen as a site where multiple stories about patients and organizations are at stake, including the interoperability between these stories, the medical record becomes highly relevant both analytically and politically.
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Music is a meaningful context which is not bound to a conceptual scheme. Yet this meaningful context can be communicated: The process of communication between composer and listener normally requires an intermediary: an individual per-former or a group of co-performers. Among all these participants there prevail social relations of a highly complicated structure.
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Among the many contested boundaries in science studies is that between the cognitive and the social. Here, we are concerned to question this boundary from a perspective within the cognitive sciences based on the notion of distributed cognition. We first present two of many contemporary sources of the notion of distributed cognition, one from the study of artificial neural networks and one from cognitive anthropology. We then proceed to reinterpret two well-known essays by Bruno Latour, 'Visualization and Cognition: Thinking with Eyes and Hands' and 'Circulating Reference: Sampling the Soil in the Amazon Forest'. In both cases we find the cognitive and the social merged in a system of distributed cognition without any appeal to agonistic encounters. For us, results do not come to be regarded as veridical because they are widely accepted; they come to be widely accepted because, in the context of an appropriate distributed cognitive system, their apparent veracity can be made evident to anyone with the capacity to understand the workings of the system.
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The procedures and the nature of “technologies” are suggested to be broadly similar to those which characterize “science”. In particular, there appear to be “technological paradigms” (or research programmes) performing a similar role to “scientific paradigms” (or research programmes). The model tries to account for both continuous changes and discontinuities in technological innovation. Continuous changes are often related to progress along a technological trajectory defined by a technological paradigm, while discontinuities are associated with the emergence of a new paradigm. One-directional explanations of the innovative process, and in particular those assuming “the market” as the prime mover, are inadequate to explain the emergence of new technological paradigms. The origin of the latter stems from the interplay between scientific advances, economic factors, institutional variables, and unsolved difficulties on established technological paths. The model tries to establish a sufficiently general framework which accounts for all these factors and to define the process of selection of new technological paradigms among a greater set of notionally possible ones.