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STABLE SCHOOLS IN DER SOLIDARISCHEN
LANDWIRTSCHAFT:
EIN TRANSDISZIPLINÄRES SETTING ZUR FÖRDERUNG
ORGANISATIONALER STABILITÄT
Irene Antoni-Komar, Marius Rommel, Dirk Posse,
Moritz Wittkamp, Niko Paech
irene.antoni.komar@uol.de; marius.rommel@uni-siegen.de
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Ammerländer Heerstr. 114-118, 26129 Oldenburg
Universität Siegen, Kohlbettstr. 17, 57072 Siegen
Vortrag anlässlich der 61. Jahrestagung der GEWISOLA
(Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V.)
„Transformationsprozesse im Agrar- und Ernährungssystem:
Herausforderungen für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
22. bis 24. September 2021
2021
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1
STABLE SCHOOLS IN DER SOLIDARISCHEN LANDWIRTSCHAFT:
EIN TRANSDISZIPLINÄRES SETTING ZUR FÖRDERUNG ORGANISATIONALER
STABILITÄT
Zusammenfassung
Auf eine vielversprechende Entwicklung im Agrar- und Ernährungssystem weist die stetig
wachsende Zahl Solidarischer Landwirtschaftsbetriebe (SoLawi) weltweit. Diese verkörpern
entgegen zunehmender Konzentrationsprozesse in der Landwirtschaft ein dezentrales, klein-
räumiges und bedarfsgerechtes Wirtschaftsprinzip kleiner Einheiten, das sich der Problematik
des Klimawandels und der planetaren Grenzen stellt. Jenseits anonymer Fremdversorgung und
transnationaler Wertschöpfungsarchitekturen eröffnen SoLawis die Perspektive lokaler Ernäh-
rungsversorgung und weisen darüber hinaus auf die Möglichkeiten eines regionalen, nachhal-
tigen Wertschöpfungsraumes. Ihr Prinzip basiert auf einer transformativen Unternehmensform
mit direkter Erzeuger*innen- und Verbraucher*innen-Kooperation als unmittelbarer, gemein-
schaftsgetragener und marktferner Austauschbeziehung.
Vor dem Hintergrund der transformativen Potenziale Solidarischer Landwirtschaftsbetriebe
liegt dem Beitrag die Problematik ihrer betrieblichen Stabilität als einer Balance zwischen
transformativen Zielen, sozialer Kohäsion und Wirtschaftlichkeit zugrunde. Die vorliegende
Untersuchung konzentriert sich auf die Möglichkeiten der transdisziplinären empirischen Me-
thode der Stable Schools (StS), um selbstorganisierte Lern- und Beratungsprozesse der SoLawi-
Akteur*innen zu initiieren und zu unterstützen. StS gehen auf das Konzept der Farmer Field
Schools (FFS) zur Selbstermächtigung von Bäuer*innen im globalen Süden zurück und werden
im globalen Norden vor allem im Zusammenhang des Tierwohls erprobt. In einem modellhaf-
ten Setting von sieben StS-Workshops zu je maximal fünf SoLawis konnten gemeinsam the-
menbezogene Probleme erfasst, priorisiert und Lösungsansätze entwickelt werden. Ziel des
Beitrags ist es, die Möglichkeiten und Grenzen dieses transdisziplinären Formats aufzuzeigen,
um im Sinne der transformativen Wirtschaftswissenschaft eine Institutionalisierung der So-
Lawi-StS in der Praxis zu erreichen.1
Keywords
Solidarische Landwirtschaft (SoLawi), Community Supported Agriculture (CSA), Alternative
Food Network (AFN), Stable School, transdisziplinäre Forschung
1. Einleitung
Den gravierenden sozial-ökologischen Folgen des industrialisierten Agrar- und Ernährungssys-
tems begegnen weltweit transformative Ernährungsinitiativen und alternative Ernährungsnetz-
werke (Alternative Food Networks – AFN) (SAGE et al., 2021; KROPP et al., 2021; ANTONI-
KOMAR et al., 2019; BARBERA und DAGNES, 2016; GOODMAN et al., 2012). Sie praktizieren
neuartige Konzepte dezentraler, kleinräumiger und bedarfsgerechter Wertschöpfungsarrange-
ments. Aufgrund ihrer Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Vielfalt an Optionen werden
kleine Wirtschaftseinheiten als überlebensfähiger angesehen als große Systeme (KOHR, 1957).
Neben Urban Gardening, Food Coops oder Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften weist vor
1 Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Beiträge Solidarischer Landwirtschaftsbetriebe zur Entwicklung trans-
formativer Wertschöpfungsräume“ (nascent) der Universitäten Siegen und Oldenburg [www.nascent-transfor-
mativ.de] erarbeitet, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin (01.02.2020-
31.12.2021, FKZ 01ut1928A,B).
2
allem die stetig wachsende Zahl Solidarischer Landwirtschaftsbetriebe (SoLawi) auf eine viel-
versprechende Entwicklung hin (FÉODOROFF et al., 2021). In SoLawis, auch als Community-
Supported Agriculture (CSA) bezeichnet, gehen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen eine
unmittelbare Austauschbeziehung ein – ohne Markt, Zwischenhandel, Marketing, Logistik, in-
dustrielle Verarbeitung etc. (BLÄTTEL-MINK et al., 2017; BLOEMMEN et al., 2015; GROH et al.,
2013; KRAIß und VAN ELSEN, 2009; PAECH et al., 2020, Rommel et al. 2019).
In Anbetracht zunehmender Konzentrationsprozesse in der Landwirtschaft bildet das gemein-
schaftsgetragene Versorgungssystem eine Alternative zum Wachse-oder-Weiche-Dilemma, in-
dem es die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Kleinstbetriebe ermöglicht, wobei der Be-
triebsgröße infolge der räumlich und sozial direkten Beziehungen eine Obergrenze gesetzt wird
(PAECH et al., 2019). Damit einhergehend unterliegen SoLawis als kleine Wirtschaftseinheiten
in der Innenperspektive einem kontinuierlichen Trilemma organisationaler Stabilität zwischen
(1) der Umsetzung der eigenen transformativen Ziele und Motivationen, (2) dem sozialen Zu-
sammenhalt des intendierten Beziehungsraums zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*in-
nen wie auch Verbraucher*innen untereinander sowie (3) der Wirtschaftlichkeit eines überle-
bensfähigen Betriebs. Vor dem Hintergrund der organisationalen Stabilität fokussiert diese Un-
tersuchung das Potenzial von StS als Methode, um selbstorganisierte Lern- und Beratungspro-
zesse der SoLawi-Akteur*innen zu initiieren und zu unterstützen. Daraus leitet sich folgende
Forschungsfrage ab:
Wie können Stable Schools (StS) SoLawi-Akteur*innen befähigen, ko-kreativ und kollaborativ
Probleme der wirtschaftlichen und sozialen Stabilität zu erfassen sowie gemeinsam eigene Lö-
sungsstrategien zu entwickeln, um dem transformativen Anspruch ihrer Unternehmung gerecht
zu werden?
Im Folgenden werden wir zunächst (2) das methodische Format der StS vorstellen und in un-
seren Forschungsansatz einordnen, um anschließend (3) den Analyserahmen zur Erfassung von
Problemfeldern der SoLawis zu skizzieren sowie (4) die angepasste Methodik der durchgeführ-
ten StS-Workshops vorzustellen. Mit (5) Feedback-Ergebnissen, einem modularen Kombinati-
onsraster des SoLawi-StS-Formats und Diskussion sowie Fazit (6) endet der Beitrag.
2. Stable Schools als kollaborativer Erfahrungsraum
Die Methode der StS generiert Wissen, indem sie, ähnlich der pädagogischen Praxis des Peer-
Learnings als Zusammenarbeit unter Gleichaltrigen und radikaler Neudefinition der Lehrer*in-
nen-Schüler*innen-Beziehung (TREIDLER et al., 2014), einen kollaborativen Erfahrungsraum
eröffnet, der zur kollegialen Beratung von Akteur*innen verschiedener landwirtschaftlicher Be-
triebe genutzt wird. Diese teilen ihr Erfahrungswissen ko-kreativ zu einem Problem und disku-
tieren gemeinsam Lösungsansätze auf Augenhöhe als Expert*innen in eigener Sache. Das
selbstorganisierte Voneinander-Lernen steht im Zentrum:
„Stable Schools basieren auf dem Konzept der Farmer Field Schools (FFS), das bisher vor allem in land-
wirtschaftlichen Systemen der Südhalbkugel und in Ostasien Anwendung fand und findet. Die FFS folgen
einem partizipativen Ansatz und ermöglichen es Gruppen von Bäuerinnen und Bauern, ihre Produktions-
systeme gemeinsam weiterzuentwickeln, jeweils angepasst an ihre individuellen Bedürfnisse bzw. ökono-
mischen, klimatischen und sozialen Verhältnisse.“ (BRINKMANN und MARCH, 2018: o. S.).
Das FFS-Format zur Selbstermächtigung von Bäuer*innen im globalen Süden wird im globalen
Norden als StS zunächst in Dänemark (VAARST et al., 2007; HENRIKSEN et al., 2015; IVEMEYER
et al., 2015; HANSMANN et al., 2020) zur Verbesserung des Tierwohls erprobt und dann vom
Thünen-Institut weiterentwickelt. Im Modell des Thünen-Instituts (BRINKMANN und MARCH,
2018) bestehen StS aus einer Gruppe von bis zu sechs Landwirt*innen und eventuell zugehöri-
gen Mitarbeiter*innen, die für mindestens ein Jahr als feste Gruppe zusammenarbeiten. Die
Gruppe trifft sich reihum regelmäßig auf Einladung eines Mitglieds auf dessen Betrieb, wobei
diese eine maximale Entfernung von ca. 60 bis 90 Minuten Fahrzeit nicht überschreiten sollten.
Im Fokus der jeweiligen Treffen stehen der gastgebende Betrieb und dessen spezifische
3
Situation. Beim Betriebsrundgang und der anschließenden Diskussion werden sowohl die Stär-
ken als auch Schwächen des Betriebes thematisiert. Ein*e externe*r Moderator*in organisiert
die StS-Treffen, unterstützt den gastgebenden Betrieb beim Festlegen der Tagesordnung, mo-
deriert das Treffen und protokolliert das Gespräch sowie alle vorgeschlagenen Verbesserungs-
maßnahmen. Mit klaren Kommunikationsregeln wird sichergestellt, dass alle Erfahrungen und
Ideen gehört werden. Dieses Format ermöglicht die Nutzung bereits vorhandenen Fach- und
Erfahrungswissens sowie die Erarbeitung praxisnaher und alltagstauglicher Lösungen für den
Einzelbetrieb.
Während sich „stable“ im originären Sinne auf den Stall bezieht, der als Objekt der Entwicklung
in den Fokus genommen wird, erfolgt in dem hier beschriebenen SoLawi-Ansatz eine Erweite-
rung des Begriffs auf „stable“ im Sinne von stabil. Zudem dient das transdisziplinäre methodi-
sche Format in einer Doppelfunktion neben der Selbstbefähigung der SoLawi-Akteure zur Sta-
bilisierung ihrer Betriebe als empirische Methode der Datengewinnung für die Forschung.
In der gemeinsam entwickelten Startphase kooperieren die Wissenschaftler*innen mit den Be-
rater*innen des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft2 (NSL) in einem transdisziplinären Set-
ting (DI GIULIO und DEFILA, 2018). Eine Akteurin des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft
sieht in der Anwendung der StS-Methode ein „großes Potenzial als einem neuen Format für die
CSA-Bewegung: Wissen zirkuliert zwischen Praktiker*innen, Berater*innen und Forscher*in-
nen und bleibt so im System.“ Sie merkt zudem kritisch an:
„Die Forschung über CSA hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Allerdings hat die Community
nicht in gleichem Maße davon profitiert, da Bachelor- und Masterarbeiten oder Forschungszusammenfas-
sungen aufgrund der Länge, der Sprache oder des fehlenden Nutzens des Inhalts selbst nicht den Weg
zurück zu den Menschen fanden, die den Input gaben. Die Frage ist also, wie das Netzwerk und die Men-
schen, die an CSA-Projekten beteiligt sind, besser von der Forschung profitieren können und wie die For-
scher*innen relevantere Arbeit für die ‚reale Welt‘ leisten können“ (Expert*inneninterview, 08.06.2021).
Diese Kritik würdigend, nimmt die Untersuchung ein „integratives Verständnis einer ökologi-
schen, lebenswerten und fairen Gesellschaft“ (WUPPERTAL INSTITUT, 2017) ein. Sie erfolgt
1. transdisziplinär mit und durch Praxis, übernimmt 2. im Sinne intendierter Performativität,
Verantwortung für wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklungen und verändert damit aktiv
gesellschaftliche Wirklichkeit in Form alternativer ökonomischer Strukturen und Praktiken.
Diese wissenschaftliche Perspektive basiert auf einem gewandelten Selbstverständnis der For-
schenden, die nicht nur Beobachtende, sondern Teilnehmer*innen im Forschungsfeld sind und
sich von diesem „berühren“ lassen. Die behauptete Beziehungslosigkeit zwischen Forschenden
und zu erforschendem Untersuchungsgegenstand wird zugunsten eines „Involviert-Seins“ auf-
gegeben. Drei Kriterien sind dabei zentral: Forschung ist problembezogen, zielt auf die Verän-
derung nicht-nachhaltiger Strukturen und Praktiken und findet gemeinsam mit nicht-wissen-
schaftlichen Akteur*innen statt (ANTONI-KOMAR et al., 2017).
2 Siehe https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite.
4
Abbildung 1: Transdisziplinäres Setting der SoLawi-Stable School
Quelle: Eigene Darstellung.3
Im Vorgehen der StS als kollaborativem Erfahrungsraum und Format ko-kreativer Wissensge-
nerierung (vgl. Abbildung 1) verschwimmt nach diesem Verständnis transformativer Wissen-
schaft die Grenze zwischen Wissenschaft und Praxis hin zu forschender Praxis, welche die ei-
genständige Ausarbeitung von Praxismaßnahmen zur Stabilisierung Solidarischer Landwirt-
schaftsbetriebe durch SoLawi-Praktiker*innen und Berater*innen des NSL sowie bei deren Er-
probung unterstützt (W
ESTBERG
und P
OLK
, 2016). Ziel der Zusammenarbeit zwischen For-
scher*innen und Praktiker*innen ist im Sinne einer transformativen Wirtschaftswissenschaft
(P
FRIEM
et al., 2017) die Institutionalisierung der StS in der Praxis als Instrument der lernenden
Selbstermächtigung von SoLawi-Akteur*innen.
Für die Forschung öffnen sich in einem solchen erweiterten Wissenseinbezug die Grenzen ge-
genüber außerwissenschaftlichen Problemen, was erst einen vollständigen Blick auf diese Prob-
leme ermöglicht. Für die Praxis werden diese Probleme durch die wissenschaftliche Begleitung
erst reflexiv und im nächsten Schritt durch Maßnahmen gestaltbar. Ein durch die Wissenschaft-
ler*innen vorbereiteter Stimulus zur organisationalen Stabilität sensibilisiert die Praktiker*in-
nen zunächst, ihre Probleme selbst zu erfassen und Lösungen zu entwickeln. Dieser Wissen-
schafts-Praxis-Prozess wird im Nachhinein wissenschaftlich ausgewertet, aber in der prakti-
schen Durchführung nicht weiter beeinflusst. Vielmehr wird die StS als Methode eingesetzt,
um in einer Reallabor-Situation durch die Praxisakteur*innen selbst Veränderungsprozesse zu
initiieren und zu institutionalisieren (P
ARODI
et al., 2016; S
CHNEIDEWIND
und S
INGER
-
B
RODOWSKI
, 2015; S
CHÄPKE
et al., 2018).
Kern des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses bilden die Aufbereitung der Stabilisierungs-
faktoren von SoLawis anhand praktischer Problemfelder, die erfahrungsbezogene Ableitung
von Lösungsstrategien sowie die Verbreitung der Forschungsergebnisse. Für diesen Zweck
wurde literatur- und empiriegestützt mit Hilfe von Fokusgruppen und Expert*inneninterviews
ein Analyserahmen entwickelt, der nachfolgend erläutert wird.
3. Analyserahmen organisationaler Stabilität
Der Analyserahmen organisationaler Stabilität (vgl. Abbildung 2) ermöglicht als Instrument
des Strategischen Managements (H
UNGENBERG
, 2014) ein umfassendes Verständnis der So-
Lawi-Organisation: „Wo stehen wir, und wo wollen (sollen) wir hin? Das sind die praktischen
3 Die Entwicklung sowie Darstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Alina Reinartz vom NSL.
5
Grundfragen strategischen Handelns, die sich jedem Unternehmen früher oder später stellen“
(M
OLDASCHL
, 2009: 13). Strategisches Management als „Prozess, in dessen Mittelpunkt die
Formulierung und Umsetzung von Strategien in Unternehmungen steht“ (W
ELGE
et al., 2017:
24) bildet für SoLawis die Klammer einer sozio-kulturell fundierten Betriebswirtschaftslehre
(P
FRIEM
, 2011). Wenn Ressourcen (resource-based-view), (Netzwerk-) Beziehungen (relatio-
nal-view) und Kompetenzen (competence-view) Organisationen helfen, (im Wettbewerb) dau-
erhaft bestehen zu können, bedeutet dies im Hinblick auf den transformativen Anspruch von
SoLawis, entsprechende Kompetenzen auszubilden, um gesellschaftliche Missstände wahrzu-
nehmen, zu reflektieren und Veränderungsprozesse anzustoßen (A
NTONI
-K
OMAR
et al., 2010).
Auf diese Weise emergieren z. B. normative Ziele & Motivationen als Antwort auf wahrge-
nommene gesellschaftliche Missstände und initiieren alternative soziale Praktiken, die wiede-
rum auf die wahrgenommene Struktur verändernd zurückwirken. In einer solchen Rekursivität
von Struktur (gesellschaftliche Missstände) und (re-)produzierender sozialer Praxis des solida-
rischen Wirtschaftens (G
IDDENS
, 1984) entwickelt sich der Strategieprozess der Organisation.
Als Frühwarnsystem (W
ELGE
et al., 2017: 436 ff) unterstützt der Analyserahmen, Schwierig-
keiten präventiv zu begegnen und insbesondere klassische „Fehler“ zu vermeiden, als „Feuer-
löscher“ im Sinne eines Krisenmanagements (T
HIEßEN
, 2014) hilft er, bestehende Probleme und
Schieflagen zu überwinden (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Analyserahmen organisationaler Stabilität einer SoLawi
Quelle: Eigene Darstellung.
Die Phasen des Analyserahmens sind angelehnt an Welge (2017) unterteilt in 1. Strategisches
Planungsziel, 2. Problemanalyse und 3. Maßnahmen. Nach der Festlegung des Strategischen
Planungsziels, das sich auf die organisationale Stabilität und Handlungsfähigkeit richtet, erfolgt
die Problemanalyse innerhalb der Trilemma-Dimensionen. Deren miteinander verknüpfte
Praktiken können zu Zielkonflikten und damit einhergehender Handlungseinschränkung führen
(P
AECH
et al., 2019). Dabei zeigt sich, dass eine ökologische und zugleich gemeinschaftsgetra-
gene Wirtschaftsform nicht mit jeder Organisationsgröße vereinbar ist. Ein Zielkonflikt ergibt
sich aus der tendenziell partizipativen sowie (oft) auf informeller Mitarbeit (Ko-Produktion)
basierenden Wertschöpfungsarchitektur. Dies bedingt einen nicht unbeträchtlichen Koordina-
tions- und Kommunikationsaufwand sowie zeitintensive Entscheidungs- und Abstimmungs-
6
prozesse, um soziale Stabilität zu gewährleisten. Wenn die damit einhergehenden Produktivi-
tätsverluste eingegrenzt werden sollen, ohne die normativen Zielsetzungen zu riskieren, erweist
sich eine betriebliche Obergrenze als naheliegend. Notwendigerweise schränkt dies die Erzie-
lung von Skaleneffekten ein, wodurch die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist. Unter anderem die
spezifische Kostensituation, Zahlungsbereitschaft der Mitglieder, Kooperationsbeziehungen zu
anderen Betrieben oder Lieferanten, soziale Konflikte innerhalb der Organisation etc. markie-
ren Dimensionen, in denen Sachverhalte zu finden sind, die sich mildernd oder verstärkend auf
die Zielkonflikte auswirken.
In der dritten Phase werden Maßnahmen entwickelt, die zur Lösung SoLawi-typischer Zielkon-
flikte beitragen. Die Maßnahmen lassen sich sechs übergeordneten Merkmalsfeldern (Be-
triebsgröße, Eigentum & Rechtsform; Betriebsmanagement; Beitragsgestaltung & Entschei-
dungsstrukturen; Prosuming & Gemeinschaftskultur; Kommunikation & Transparenz sowie
Angebotsstruktur & Technologieeinsatz) zuordnen, die in einem theoriegeleiteten und empi-
risch unterstützten Vorgehen identifiziert wurden. Sie dienen der Erfassung und Operationali-
sierung organisationaler Strukturen und Abläufe, in denen geplante Maßnahmen konkret Wir-
kung entfalten sollen. Inwieweit diese Maßnahmen greifen, kann nach der Einführung und Er-
probung erneut über den Analyserahmen geprüft werden. Wie wirksam waren sie? Welche
neuen Probleme haben sie ggf. verursacht?
4. Methodik der Stable School-Workshops
Ziel der SoLawi-StS ist es, betriebsspezifische Maßnahmen zur Auflösung von Zielkonflikten
des skizzierten Trilemmas auf Grundlage des Analyserahmens zu entwickeln. Das transdiszip-
linär zwischen Forschung (nascent) und Praxis (Berater*innen des NSL) entwickelte Format
soll die Netzwerk-interne Beratung unterstützen.
Zum methodischen Vorgehen im Einzelnen: In einem modellhaften Setting von sieben StS-
Workshops zu je maximal fünf SoLawis werden jeweils zum thematischen Schwerpunkt eines
übergeordneten Merkmals gemeinsam themenbezogene Probleme erfasst, priorisiert und the-
menspezifische Lösungsansätze entwickelt. Üblicherweise finden StS auf landwirtschaftlichen
Betrieben vor Ort statt. Um das Format auch unter Covid-19-Bedingungen durchführen zu kön-
nen und zudem zukünftig dort, wo es praktikabler ist, aufwändige Vor-Ort-Treffen zu umgehen,
wird ein Online-Format mit Videokonferenz konzipiert und im Februar 2021 zunächst als ein-
malige Veranstaltung erstmals erprobt.
Neben der Tagesordnung für den eintägigen Workshop erarbeitet das Forschungsteam zusam-
men mit drei Berater*innen des NSL, die auch als Moderator*innen fungieren, ein detailliertes
Regiebuch, das den zeitlichen und inhaltlichen Ablauf sowie die Rollenverteilung fixiert. Zur
Strukturierung der priorisierten Problemfälle dient das Konzept der „kollegialen Beratung“
(WEBERS, 2015) in Kombination mit dem Coaching-Modell „GROW“ (GORELL, 2013). In An-
lehnung an ersteres erfolgen die Problemschilderung durch die Fallgeber*in, die Behandlung
von Verständnisfragen, Lösungsideen der Teilnehmer*innen, Reaktionen der Fallgeber*in so-
wie abschließende Prozessreflexion. Protokolliert wird der Prozess mit Hilfe des digitalen Mo-
derationstools „Miro-Board“.
Die Rekrutierung der Teilnehmer*innen basiert auf der sekundären Selektion der Selbstaktivie-
rung (REINDERS, 2016: 124; MORSE, 2011) im Hinblick auf 1. die strukturelle Ähnlichkeit im
Untersuchungsfeld (= Zugehörigkeit zu einer SoLawi) über die Ankündigung der Veranstaltung
im Rahmen der Frühjahrstagung 2021 des NSL auf der Homepage und 2. hinsichtlich der
Selbsteinschätzung, in welchem Merkmal Lernpotenziale vorliegen. In dem Sampling sind bei
jedem thematischen Schwerpunkt fünf verschiedene SoLawis nach Reihenfolge der Anmel-
dung („First-come-first-served“-Prinzip) durch jeweils zwei Personen in leitender Funktion
vertreten. Ein „Steckbrief“ erfasst bei der Anmeldung neben den Namen und der Funktion der
Teilnehmer*innen Daten zur teilnehmenden SoLawi (Name der SoLawi, Gründungsjahr,
7
Organisationsform, Anzahl Ernteanteile, bewirtschaftete Fläche, Produkte, Netzwerkmitglied-
schaft, Einzigartigkeit/Alleinstellungsmerkmal, Homepage). Insgesamt beteiligen sich 21 So-
Lawis aus ganz Deutschland, was ca. 5 % aller gemeldeten Betriebe entspricht. Die Gründun-
gen gehen zurück bis in das Jahr 2011, wobei sieben der beteiligten Betriebe zwischen 2011
und 2015 gegründet wurden, 13 zwischen 2016 und 2018 sowie zwei von 2019 bis heute. Neun
SoLawis sind als Vereine geführt, sechs als Einzelbetriebe, vier als GbR und eine als Genos-
senschaft. Eine SoLawi befindet sich noch im Gründungsprozess und hat die Rechtsform noch
nicht festgelegt. Drei Betriebe liefern zwischen 400 und 600 Ernteanteilen; 15 zwischen 80 und
150, die restlichen drei Betriebe liegen zwischen 40 und 60 Anteilen. Alle bauen Gemüse an,
teilweise ergänzt durch Obst, Milch- und Fleischprodukte, wobei sich die Bewirtschaftungsflä-
chen zwischen 110 ha (inkl. Acker und Weideflächen) und 0,8 ha bewegen. Bis auf eine Aus-
nahme sind alle beteiligten SoLawis Mitglieder des NSL.
Die Teilnehmer*innen werden rechtzeitig vor der Veranstaltung über die Tagesordnung infor-
miert sowie mit einem einseitigen inhaltlichen Impuls vorbereitet. Außerdem erhalten sie die
eingegangenen Steckbriefe der SoLawis nach vorherigem Einverständnis. Die Workshops wer-
den als Audiofile auf dem Desktop aufgezeichnet, transkribiert und mit computergestützter qua-
litativer Datenanalyse (MAXQDA) kategoriengeleitet codiert und ausgewertet.
5. Ergebnisse und Diskussion
Aussagen zur Effektivität in Bezug auf potenziell erzielbare Wirkungen lassen sich aufgrund
der geringen Fallzahl von durchgeführten StS und noch fehlenden Daten der langfristigen Be-
gleitung noch nicht valide belegen. Notwendig wäre eine kriteriengeleitete Evaluation. Für eine
erste Beantwortung der Ausgangsfrage dienen (a) gezieltes Feedback der Teilnehmenden sowie
(b) eine methodische Reflexion durch die moderierenden Berater*innen des NSL und die Wis-
senschaftler*innen. Ziel dieses Prozesses ist es, herauszufinden, ob die Bedürfnisse der teilneh-
menden SoLawi-Akteur*innen mit den durchgeführten StS erfasst werden können („Was hat
euch gefallen? Was war hilfreich?“), welche Verbesserungsvorschläge nach dem ersten Durch-
lauf des Formats gemacht werden („Was könnten wir beim nächsten Mal anders machen?“) und
ob Interesse an einer Fortsetzung besteht. Die methodische Reflexion der Moderator*innen und
Wissenschaftler*innen erfolgt in einem zweiten Schritt.
5.1 Feedback der Teilnehmenden
Als positive Aspekte heben die Teilnehmer*innen den leichten Zugang des Online Formats
hervor, das einen überregionalen Austausch sowie eine Vernetzung mit anderen SoLawi-Ak-
teur*innen ermögliche und lange Fahrtzeiten erspare. Vorgeschlagen wird deshalb eine Erwei-
terung über Deutschland hinaus (Österreich und Schweiz). Als besonders hilfreich wird der
„Gemeinschaftsraum des Austauschs zur gegenseitigen Bestärkung“, zumal als geschützter
Raum für Themen, die sonst kaum behandelt würden, empfunden. Hervorgehoben wird ein
„intimer Austausch“ und dass sich Teilnehmende infolge des Kennenlernens anderer SoLawis
stärker als Teil der Bewegung verstehen würden. Die StS würde zu der Selbstvergewisserung
beitragen, einen richtigen Weg eingeschlagen zu haben, der mit eigenen Ansprüchen konform
sei. Der Austausch von Erfahrungswissen (Know-how), basierend auf heterogenen Ausgangs-
situationen hinsichtlich Alter und Größe der beteiligten SoLawis, erweist sich als vorteilhaft,
lässt aber auch die Grenzen des Formats sichtbar werden.
Als verbesserungswürdig wird die Intensität und gewidmete Zeit, mit der sich einzelne Themen
und Fälle behandeln lassen, empfunden. Als Nachteil des Online-Formats wird eine geringere
Verbindlichkeit hervorgehoben, da z.B. an einer StS nur zwei der fünf angemeldeten SoLawis
teilgenommen haben. Auch eine mögliche Exklusion infolge technischer Barrieren wird be-
nannt, woraus sich eine Präferenz für eine „physische Stable School“ zwecks Wahrnehmung
des jeweiligen lokalen Kontextes ergibt. Gleichwohl erweist sich das Online-Format als
8
geeignet, physische Treffen vorzubereiten. Einige der Teilnehmenden tauschen Kontaktdaten
aus und laden sich gegenseitig zu Hofbesuchen ein.
5.2 Methodische Reflexion und Weiterentwicklung des Stable School-Formats
Die methodische Reflexion der Moderator*innen und Wissenschaftler*innen umfasst 1. ein Re-
sümee (zu den Fragen: Was lief gut? Was haben wir gelernt?) und 2. einen Ideenaustausch zur
weiteren Zusammenarbeit und Zukunft der StS.
Als sinnvoll erweist sich ein thematischer Rahmen, um die Diskussion zu fokussieren. Die Un-
terschiedlichkeit der teilnehmenden SoLawis bildet eine Herausforderung für die Moderation,
die darauf zielt, eine gegenseitige Beratung zu ermöglichen. Mithilfe des GROW-Modells kann
das Erfahrungswissen dergestalt strukturiert werden, dass die Probleme der jeweils anderen
Teilnehmer*innen (die sich teilweise als deckungsgleich mit eigenen Erfahrungen herausstel-
len) wahrnehmbar werden. Der Austausch im geschützten Raum, so eine Einschätzung, bringe
die Herausforderung mit sich, sich durch die Benennung eigener Problemlagen zu entblößen
(Evaluationstreffen, 11.03.2021). Dies setze gegenseitige Wertschätzung und eine konstruktive
Gesprächskultur voraus, die ein Abdriften in gegenseitiges Klagen verhindere.
In einem iterativen Prozess zwischen Wissenschaft und Praxis wird als Kernergebnis ein mo-
dulares Raster entwickelt (vgl. Tabelle 1), welches unterschiedliche Kombinationen möglicher
SoLawi-StS-Formate nach Inhalt, Organisation und Setting bei fixen Parametern von fünf teil-
nehmenden SoLawi-Organisationen und eine*r Moderator*in eröffnet.
Tabelle 1: Modulares Kombinationsraster des Stable School-Formats
Charakteristika Ausprägung
Inhalt
Fokus
Welche Themen werden adressiert?
Monothematisch Thematisch offen
Fall
Wie wird der Fall ausgewählt?
SoLawi-Fallgeberin
im Voraus definiert
SoLawi-Fallgeberin in
Workshop ausgewählt
Organisation
Initiierung & Hosting
Wer organisiert die StS?
Netzwerk SoLawi Forscher*innen Selbstorganisiert (durch
Einzelperson/SoLawi)
Moderation
Wer moderiert das Event?
SoLawi-Berater*in Moderator*in Selbstmoderiert durch
eine SoLawi
Gruppenkonstellation
Wie ist die Gruppe zusammengestellt?
Offene Gruppe Geschlossene Gruppe
Einzugsgebiet
Woher kommen die SoLawis?
Regional Überregional
Finanzierung
Wie wird die StS finanziert?
Über Netzwerk
SoLawi
Über Teilnehmer*
innen (ggf. durch
Bietrunde)
Über Förderung von
Dritten
Setting
Zeitraum
Wie häufig findet die StS statt?
Einmalig 5 Termine als Reihe
(jede SoLawi ist
einmal Fallgeberin)
Unbegrenzt
Ort
Wo findet die StS statt?
Online Auf Workshop/
Konferenz
Auf einem SoLawi-
Betrieb
Quelle: Eigene Darstellung4.
Mögliche Kombinationen sind die Einrichtung von temporären vs. festen Gruppen bzw. festen
Gruppen mit erlaubter Fluktuation, einmaligen bzw. kontinuierlichen Treffen, mit monothema-
tischem Fokus oder thematisch offenem Rahmen, regionalem oder überregionalem Einzugsge-
biet, selbstorganisiert oder koordiniert/moderiert, digital oder in Präsenz. Verschiedene Ideen
zwischen Regionalität (z.B. „Regio-Gruppen“-Treffen thematisch aufwerten) und Überre-
4 Die Entwicklung sowie Darstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Alina Reinartz vom NSL.
9
gionalität zur gegenseitigen Beratung, fokussierte Themen mit wechselnden Gruppen etc. kön-
nen auf einem solchen Raster ko-kreativer und kollaborativer Formatentwicklung aufsetzen.
6. Fazit
Das Forschungsprojekt nascent verfolgt die Intention, die Methode der SoLawi-StS beim NSL
zu institutionalisieren, um eine „Qualitätssicherung im Sinne von Entwicklungsbegleitung“
(Evaluationstreffen, 11.03.2021) zu erproben. Erste Schritte zur Generierung der hierzu not-
wendigen Kompetenz beim NSL sind bereits erfolgt. Eine Verstetigung setzt zudem hinrei-
chende personelle und finanzielle Ressourcen voraus. Aus Sicht der begleitenden Wissenschaft
bieten die SoLawi-StS vielfältiges empirisches Material zur Analyse der Transformationspo-
tenziale der Solidarischen Landwirtschaft.
Literatur
ANTONI-KOMAR, I., C. KROPP, N. PAECH und R. PFRIEM (Hrsg.) (2019): Transformative Unternehmen
und die Wende in der Ernährungswirtschaft, Heft 72. Metropolis, Marburg.
ANTONI-KOMAR, I., C. LAUTERMANN und R. PFRIEM (2010): Kulturelle Kompetenzen. Interakti-
onsökonomische Erweiterungsperspektiven für den Competence-based-View des Strategischen
Managements. In: Stephan, M. et al. (Hrsg.): 25 Jahre ressourcen- und kompetenzorientierte For-
schung. Der kompetenzbasierte Ansatz auf dem Weg zum Schlüsselparadigma in der Manage-
mentforschung. Gabler Research. Gabler Verlag / GWV Fachverlage GmbH Wiesbaden, Wies-
baden: 465-489.
ANTONI-KOMAR, I., M. ROMMEL und C. VOSSE (2017): Involviert-Sein: oder Wie transformative Wirt-
schaftswissenschaft die Praxis des Forschens verändert. In: Pfriem, R. et al. (Hrsg.): Transforma-
tive Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung. Metropolis-Verlag, Marburg:
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Am Beispiel der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi) skizziert die Untersuchung ein dezentrales, kleinräumiges und bedarfsgerechtes Wirtschaftsprinzip der kleinen Einheiten. Eigenschaften einer gemeinschaftsgetragenen und maßvollen Ernährungsversorgung werden analysiert, um die Perspektive eines resilienten regionalen Wertschöpfungsraumes jenseits anonymer Fremdversorgung und komplexer Wertschöpfungsarchitekturen aufzuzeigen. Using the example of solidarity-based agriculture, the study outlines a decentralized, smallscale and demand-oriented economic principle of small units. Characteristics of a community-based and moderate food supply are analysed to show the perspective of a resilient regional value creation area beyond anonymous external supply and complex value creation architectures.
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The challenges faced by the contemporary food system across ecological, human health and ethical fields has given rise to an eclectic variety of local food initiatives that seek to demonstrate practical alternatives to business as usual. Such initiatives have moved beyond earlier efforts, often labelled alternative food networks, and may be regarded as a second-generation social movement capable of helping to restore greater resilience and social justice within a more sustainable food system. This introductory chapter outlines the basis of a possible second ‘Great Transformation’ in agri-food – following Polanyi’s original proposition regarding the triumph of the market economy and the widespread commodification of life. During the second half of the 20th century almost all aspects of food and agriculture were detached from their social, cultural and material contexts and this has led to a host of problematic dietary health and environmental outcomes. The emergence of a more experimental and ethical food economy at local and regional scales entangles diverse actors in heterogeneous and interdependent initiatives working to restore the cultural, ecological and ethical basis of a sustainable food system. The chapter outlines the transformative potential of grassroots initiatives and briefly describes the remaining chapters of the volume.
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The aim of this study was to examine the opinions of farmers on a consulting project, which was established for organic dairy farms in Northern Germany involving different animal health experts who participated in the meetings. Furthermore, the properties of measures that are of decisive importance for implementation on the farms were identified to improve consultancy services for dairy farming. Once a year, the farmers met on a host-farm in one of three groups consisting of five to nine farms, a facilitator and an expert. At each meeting, a host-farm was visited and the analysed data of all participating farms of the previous year were presented to the group members. Each farmer had the possibility to report on success stories and issues concerning his herd. During discussions, the farmers first proposed mutual farm-specific measures for improving herd health and animal welfare. Afterwards, the expert named possible interventions and commented on the given measures of the farmers. All measures were noted by the facilitator. At the end of each meeting, each farmer could choose which of the given measures he wanted to implement. Open group-interviews as well as anonymous questionnaires for the farmers were used at the meetings in winter 2016/2017 to evaluate their perception of this consulting project and to determine which properties of measures were important for implementation on the farms. Based on the results of this study, the participating farmers were very positive towards this kind of consulting project. They favoured the participation of an expert during the meetings and the analysis of farm-specific data. Farmers mostly chose measures for implementation proposed by farmers and approved by the expert, followed by those proposed by the expert only. Measures were chosen when they were practical in the implementation, effective, efficient and took a low additional workload for implementation.
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Transdisciplinary (TD) research is an example of a participatory research approach that has been developed to address the complexity of societal problems through the exchange of knowledge and expertise across diverse groups of societal actors. The concept of knowledge exchange is central to the ability of TD research to produce usable knowledge. There is, however, limited theoretical attention to the processes that enable knowledge exchange, namely learning. In this article, we analyze the “transferability” of knowledge generated in TD research settings from a practice-based approach. In this approach, learning and knowing are seen as situated in social practices, in meaning making processes where the involved participants make sense of what they do and why they do it. We describe and analyze three TD projects, and discuss the role of practitioners’ perspectives in the interpretation of the tasks and realization of TD, and in the consequences this has for the organization of the research process and the usability of its results. The analysis shows that while the project teams were given the same task and framework, they did not understand or enact TD in a similar fashion. The three projects created different goals and organizations. They also resulted in different challenges, which could be identified and analyzed by the use of a practice-based approach to learning. In the conclusions, we identify aspects for both practice and research that are important for creating sufficient conditions for learning in TD research processes so that they can better promote contributions to societal change.
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Alternative food networks (AFNs) are a comprehensive body of practices related to food provisioning which are different from the mainstream food systems. In this paper we deepen this topic from a sociological standpoint, focusing on a wide range of AFNs located in the Piemonte region of Italy. We articulate our analytical and empirical study focusing on three central concepts: 1) accessibility, which refers both to the point of sales to the agri-food goods; 2) sustainability, both from the environmental and the economic perspective; 3) quality, conceived as a contested field within which forms of coordination between actors can emerge.
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Ein Lernen entlang von Projekten hat eine lange Tradition sowohl in der allgemeinen Erziehungswissenschaft als auch in einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Durch ein Lernen in Projekten erhalten Lernende die Möglichkeit sich als experimentierende und wirksame Gestalter und Gestalterinnen in Transformationsprozessen zu erleben. Der vorliegende Beitrag überträgt die Idee experimentellen Lernens auf gesellschaftliche Transformationsprozesse. Reallabore werden dann zum zentralen Ort einer lernenden Gesellschaft auf dem Weg zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Mit freundlicher Genehmigung des Rainer Hampp Verlags (www.Hampp-Verlag.de).
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The discourses and material consequences of the crisis dynamics of capitalist societies increasingly spawn practices of production and supply that are situated outside capitalist market logic. One example of such an alternative practice is Community-Supported Agriculture (CSA), a social innovation that is comprehensively analyzed here in the German context. Applying the concept of social innovation, the authors carried out a standardized survey, semi-structured interviews and a discourse analysis of CSA farms in Germany. This paper identifies the (international) crisis discourses to which Community-Supported Agriculture is a reaction, and the motivations of CSA members are outlined. Innovative facets of CSA such as solidarity, de-commodification, and prosuming are identified. It becomes apparent that Community-Supported Agriculture is not a homogeneous phenomenon, but can be differentiated into various types ? sociopolitical, spiritual-communal, and pragmatic-economic - which differ in respect of how they express (social) innovation as well as in their attitudes to crises.
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Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 hat u. a. zur Folge, dass Menschen sich zunehmend kritisch mit der kapitalistischen Produktions- und Verwertungslogik auseinandersetzen und neue Praktiken der Versorgung entwickeln (DiVito Wilson 2013, S. 720). So entstehen vor dem Hintergrund von Krisenerfahrungen, wie beispielsweise steigender Arbeitslosigkeit, finanzieller Unsicherheit oder dem Abbau sozialstaatlicher Leistungen, vermehrt Initiativen und Projekte, die der kapitalistischen Logik Alternativen gegenüberstellen, indem sie neue, selbstorganisierte Praktiken der Versorgung erproben. Ob autonom organisierte Subökonomien in Nachbarschaftsnetzwerken, die Wiederaneignung von zwangsgeräumten Häusern in Spanien, die Selbstverwaltung von Kliniken und Fabriken in Griechenland oder subsistenzorientierte Landwirtschaftsprojekte – sie alle haben zum Ziel, kollektiv und solidarisch auf Krisenphänomene zu reagieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
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The aim of the study was to explore farmers' perception of stable schools as a tool to improve management for the benefit of mink welfare. Stable schools are knowledge exchange between farmers working towards a common goal, being able to give practical advice to each other. The concept is based on farmer field schools, developed and used in developing countries. Several Danish mink farmers are familiar with erfa-groups which also are farmers meeting, often with an advisor taking part, but the stable schools with only farmers and a facilitator have never been tested on mink farms. In 2013, we therefore established two stable schools with farmers from five Danish mink farms in each group. The meetings were on the respective farms, and every farm was visited once within a year. The host-farmer presented one success story and two challenges he/she wanted to work with and get contributions to from the group. Qualitative interviews were conducted with the farmers to evaluate their perception of stable schools.Based on the results from the study, and results from other studies of stable schools, we can conclude that farmers generally are positive to the structural way of working in stable schools, and that motivation for working towards a common goal is very important for the process of common learning among the farmers. The uniform production system at mink farms gives special challenges in how to work with the different subjects to ensure farmer ownership of the process. The farmers did not see the seasonal production as any constraint, but express that they like to work with the specific problems and challenges related to the respective production periods.
Article
Achieving and maintaining a high herd health and welfare status is an important aim in organic livestock farming. The varying farming systems across and within countries call for models that are relevant for different farming types and that can be integrated into local practice. In stable schools, farmers take responsibility for health and welfare planning by identifying issues, setting goals, and acting to improve the health situation based on farm-specific data, e.g. milk production. This paper reviews the results from intervention studies that used a modified ‘farmer field school’ approach for animal health and welfare planning, providing an overview of ongoing activities and their implementation into advisory situations in selected European countries. Studies on stable schools as an intervention tool showed improvements regarding the specific project aim on the majority of the participating farms. Farmers and facilitators were convinced of the approach and benefits for dairy herds. Farmers’ attitude and attention towards their herds and their ownership of the process appear to be crucial success factors for herd health and welfare situations. In some European countries, this method has been implemented in advisory practice, and in other regions, there are relevant and promising opportunities.