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Abstract

Es ist gerade einmal dreißig Jahre her, dass der britische Informatiker Timothy Berners-Lee und sein belgischer Kollege Robert Cailliau die technischen Grundlagen des World Wide Web entwickelten. Die von ihnen eingeläutete Digitale Revolution hat unsere Gesellschaften seither ebenso radikal wie nachhaltig verändert – und ein Ende ist nicht abzusehen. Der unablässige Zuwachs der Rechen-, Speicher- und Kommunikationskapazitäten sowie die unüberschaubare Vielzahl immer neuer technischer Geräte, Anwendungen und Programme verschieben permanent die Grenzen des Üblichen und des Möglichen. Die mit der Digitalisierung einhergehenden Transformationsprozesse wirken sich aber auch auf unser soziales Zusammenleben aus. Sie betreffen alle Bereiche des Öffentlichen und des Privaten und bringen laufend neue Praktiken hervor. Diese sind jedoch nicht nur von unseren Intentionen als Nutzer*innen geprägt, sondern auch von den Vorgaben der Programmierer*innen, Entwickler*innen oder Produzent*innen, die mittels Algorithmen, Datenbanken oder Schlagworten mehr oder weniger unbemerkt unser Verhalten steuern. Was aber bedeutet es, wenn uns immer mehr Parameter unseres eigenen Denkens, Handelns und Urteilens gar nicht mehr transparent sind? Und welche Möglichkeiten haben wir, uns den Mechanismen der digitalen Hörigkeit zu entziehen?
Digitale Praktiken
30. Jahrgang Heft 1 Februar/März 2021
30. Jahrgang Heft 1 Februar/März 2021 € 12
Mielweg 36
Zeitschrift des Hamburger
Instituts für Sozialforschung
Digitale Praktiken
Hilmar Schäfer
Der Gebrauch des Digitalen
Moritz Plewa
Me, My Sele and I
Tanja Carstensen
Ezient, optimiert, alltagstauglich?
Johannes Paßmann / Cornelius Schubert
Kritik der digitalen Urteilskraft
Nick Couldry / Andreas Hepp
Datazierung
Hilmar Schäfer
Der Gebrauch des Digitalen
Zur praxeologischen Analyse digitaler Kultur 3
Moritz Plewa
Me, My Sele and I
Eine Genealogie digitalfotograscher Praktiken 15
Tanja Carstensen
Ezient, optimiert, alltagstauglich?
Digitale Praktiken zwischen Erwerbs- und Sorgearbeit 40
Johannes Paßmann / Cornelius Schubert
Kritik der digitalen Urteilskraft
Soziale Praktiken der Geschmacksbildung im Internet 60
Nick Couldry / Andreas Hepp
Datazierung
Wie digitale Medien und ihre Infrastrukturen unsere Praktiken,
unser Wissen und unsere soziale Welt verändern 85
Heftankündigung
Digitale Praktiken
Mittelweg 36, Ausgabe 1 | Februar/März 2021
Digitale Technologien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wie nutzen wir
sie? Und was macht ihre Nutzung mit uns? Um diese Fragen geht es im neuen Heft des Mittelweg
36 zum Thema Digitale Praktiken.
Es ist gerade einmal dreißig Jahre her, dass der britische Informatiker Timothy Berners-Lee und
sein belgischer Kollege Robert Cailliau die technischen Grundlagen des World Wide Web
entwickelten. Die von ihnen eingeläutete Digitale Revolution hat unsere Gesellschaften seither
ebenso radikal wie nachhaltig verändert – und ein Ende ist nicht abzusehen. Der unablässige
Zuwachs der Rechen-, Speicher- und Kommunikationskapazitäten sowie die unüberschaubare
Vielzahl immer neuer technischer Geräte, Anwendungen und Programme verschieben permanent
die Grenzen des Üblichen und des Möglichen. Die mit der Digitalisierung einhergehenden
Transformationsprozesse wirken sich aber auch auf unser soziales Zusammenleben aus. Sie
betreffen alle Bereiche des Öffentlichen und des Privaten und bringen laufend neue Praktiken
hervor. Diese sind jedoch nicht nur von unseren Intentionen als Nutzer*innen geprägt, sondern
auch von den Vorgaben der Programmierer*innen, Entwickler*innen oder Produzent*innen, die
mittels Algorithmen, Datenbanken oder Schlagworten mehr oder weniger unbemerkt unser
Verhalten steuern. Was aber bedeutet es, wenn uns immer mehr Parameter unseres eigenen
Denkens, Handelns und Urteilens gar nicht mehr transparent sind? Und welche Möglichkeiten
haben wir, uns den Mechanismen der digitalen Hörigkeit zu entziehen?
In seiner Einleitung erläutert Hilmar Schäfer, vor welche Herausforderungen Der Gebrauch des
Digitalen die Sozialwissenschaften stellt und skizziert unter Rekurs auf den aktuellen
Forschungsstand, welche spezifischen Erkenntnisgewinne Beiträge Zur praxeologischen
Analyse digitaler Kultur gegenüber anderen Ansätzen versprechen. Unter dem Titel Me, My
Selfie and I präsentiert anschließend Moritz Plewa Eine Genealogie digitalfotografischer
Praktiken und erörtert die kulturellen Auswirkungen, die mit der Einführung technischer
Innovationen im Bereich der Fotografie einhergingen, wobei er sich vor allem auf die Formen der
Archivierung, Kuratierung und Rezeption von Bildern konzentriert. Effizient, optimiert,
alltagstauglich? Ausgehend von dieser Frage untersucht Tanja Carstensen in ihrem auf den
Ergebnissen eines Forschungsprojekts basierenden Beitrag, wie Digitale Praktiken zwischen
Erwerbs- und Sorgearbeit zum Einsatz kommen und den Alltag berufstätiger Eltern und ihrer
Kinder beeinflussen. Eine Kritik der digitalen Urteilskraft unternehmen sodann Johannes
Paßmann und Cornelius Schubert, die unter Rekurs auf Soziale Praktiken der
Geschmacksbildung im Internet zeigen, wie Nutzer*innen von Social-Media-Plattformen einen
reflektierten und kreativen Umgang mit Bewertungsstandards einüben und kultivieren. Schließlich
erläutern Nick Couldry und Andreas Hepp im letzten Beitrag des Heftes, warum wir uns mit
Datafizierung beschäftigen sollten und erklären, Wie digitale Medien und ihre
Infrastrukturen unsere Praktiken, unser Wissen und unsere soziale Welt verändern.
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