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Intimität und soziale Beziehungen in der Zeit physischer Distanzierung. Ausgewählte Zwischenergebnisse zur COVID-19-Pandemie. Research Report.

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Intimität und soziale Beziehungen
in der Zeit physischer Distanzierung
Ausgewählte Zwischenergebnisse
zur COVID-19-Pandemie
Dr. Barbara Rothmüller
Wien, 15. Juni 2020
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 2
Eckdaten zur Studie „Liebe, Intimität und Sexualität in der
COVID-19-Pandemie“:
Erhebungszeitraum: 1.-30.4.2020
!
Design: Onlinebefragung
Beteiligung: 8112 Personen ab 14 Jahren
Datengrundlage der nachfolgenden Ergebnisse: n=4706 Personen aus
Deutschland und Österreich ab 18 Jahren, die den Fragebogen voll-
ständig ausgefüllt haben
Datenerhebung
Um besser zu verstehen, wie sich soziale Beziehungen durch Kontakt- und Ausgangs-
beschränkungen verändern und welche psychosozialen Auswirkungen die COVID-19-
Pandemie auf die Bevölkerung hat, erforscht die Studie, wie Menschen mit der
Distanzierung umgehen und wie sich diese auf Freundschaften, Liebesbeziehungen,
Dating und sexuelles Verhalten auswirkt. Außerdem erhebt die Studie die aktuellen
Lebensumstände, soziale Isolation und Einsamkeit, psychosoziale Unterstützungs-
leistungen, Solidarität, Sorgen und Zusammenhalt in der österreichischen und deutschen
Bevölkerung.
Von 1.-30. April 2020 wurde die Studie in Form einer Onlinebefragung zu Intimität und
Distanzierung in der COVID-19-Pandemie an der Schnittstelle von Soziologie, Psychologie
und Sexualwissenschaft in Österreich und Deutschland durchgeführt. Der Fragebogen
wurde u.a. über Tageszeitungen, Nachrichtenportale und Radio verbreitet, darunter Kurier,
Kronenzeitung, Presse, Profil, Wiener Zeitung, Kleine Zeitung, ORF, FM4, NTV.de,
Redaktionsnetzwerk Deutschland und Siegessäule. Die Datenerhebung der ersten
Befragung wurde am 1.5.2020 abgeschlossen. Insgesamt haben sich 8112 Personen an
der Befragung beteiligt. 4706 Personen aus Österreich und Deutschland haben den
Fragebogen vollständig ausgefüllt. In der Studie gaben insgesamt 24% der Befragten an,
sich als homo-, bi-/pansexuell, kinky, queer oder asexuell zu identifizieren. Aufgrund des
Oversampling gesellschaftlich marginalisierter Gruppen und der vergleichsweise sehr
großen Stichprobe lassen sich differenzierte Aussagen über das Erleben von Intimität und
sozialer Verbundenheit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten sowie der Mehrheits-
gesellschaft in der Pandemie treffen.
Forscher*innenteam
Die eigenfinanzierte Studie wird von Dr. Barbara Rothmüller geleitet und wurde im März
2020 mit Unterstützung von Mitarbeiter*innen des Instituts für Statistik der Sigmund Freud
Universität Wien und in Kooperation mit dem Kinsey Institute der Indiana University,
Bloomington (US) umgesetzt. David Seistock vom Institut für Statistik sei an dieser Stelle
für seine Unterstützung bei der Organisation der Onlinebefragung gedankt.
Seit Mai arbeiten drei Forschungspraktikant*innen an der Auswertung der Daten mit: Anna
Maria Diem, BA.pth, Sophie König, MA, und Emelie Rack, BSc. Sie haben auch Layout,
Lektorat und Grafiken für den vorliegenden Zwischenbericht übernommen. Die statistische
Aufbereitung der Studie wurde zu Beginn von Anastasiya Bunina, MSc, Mitarbeiterin am
Institut für Statistik der Sigmund Freud Universität, begleitet. Besonderer Dank für ihre
Unterstützung der Studie gilt Ass.-Prof. Dr. Nora Ruck, Fachbereich Sozialpsychologie und
Vizedekanin für Forschung, Sigmund Freud Universität Wien. Das Coverbild hat Kader
gezeichnet.
Kontakt für Rückfragen zur Studie:
Dr. Barbara Rothmüller
barbara.rothmueller@sfu.ac.at und barbararothmueller.net
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Stichprobe
Soziodemografische Merkmale
Lebensmittelpunkt
34% Deutschland (n=1.583)
66% Österreich (n=3.123)
Alter
Durchschnittsalter: 35 Jahre, die Hälfte der Befragten ist zwischen 26 und 41 Jahren
Altersspanne im Sample: 18 bis 88 Jahre
Geschlecht
28% Männer
68% Frauen
3% nicht-binäre Befragte
1% möchte keine Angabe machen
Sexuelle Identität
2% Asexuell
6% Homosexuell
8% Bisexuell
3% Pansexuell
4% Queer
1% Kinky
74% Heterosexuell
2% nicht sicher
Erstsprache
Deutsch (u.a.): 97%
Bildung
9% Pflichtschule, Mittelschule, Lehre
28% Gymnasium, höhere Schule
63% Hochschule, Universität
Monatliche Netto-Einkünfte (Einkommen und/oder Sozialleistungen)
18% unter 850,- EUR
21% 851,- bis 1400,- EUR
24% 1401,- bis 2000,- EUR
20% 2001,- bis 2700,- EUR
9% 2701,- bis 3600,- EUR
8% 3601,- EUR oder mehr
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Beziehungsstatus
14% keine romantische oder sexuelle Beziehung
6% unverbindliche sexuelle Kontakte mit einer oder mehreren Personen
7% am Beginn einer ernsthaften Beziehung mit einer Person
58% in einer verbindlichen Beziehung mit einer Person (z.B. Partnerschaft, Ehe)
6% offene oder polyamore Beziehung(en)
2% am Ende einer ernsthaften Beziehung mit einer Person (Trennung)
5% unklarer Beziehungsstatus mit einer oder mehreren Personen („kompliziert“)
2% andere Form der Beziehung
Wohnsituation zur Zeit der Ausgangsbeschränkungen
67% wohnen in Mehrpersonenhaushalt
22% wohnen allein
11% wohnen teilweise allein / führen mehrere Haushalte
Durchschnittliche Haushaltsgröße: 2,6 Personen
Die Hälfte der Befragten lebt allein oder zu zweit in einem Haushalt.
61% der Befragten in Mehrpersonenhaushalten leben zur Zeit der Pandemie in einem
Haushalt u.a. mit ihrem*ihrer Partner*in, 26% mit Kind(ern), 16% in einer Wohngemein-
schaft, 15% mit ihren Eltern.
35% der Befragten in Mehrpersonenhaushalten verfügen nur zeitweise oder gar nicht über
einen Ort, an den sie sich zurückziehen und ungestört sein können.
In einer Fernbeziehung über nationale Grenzen hinweg leben 4% der Befragten, weitere
9% führen eine Beziehung auf Distanz im selben Land.
Berufliche Situation zur Zeit der Pandemie
41% Home Office
20% Erwerbsarbeit außer Haus
17% Schüler*in / Student*in
3% Arbeitsplatzverlust aufgrund der Pandemie
3% Bereits vor der Pandemie erwerbsarbeitslos
3% Pensionist*in / Rentner*in
2% Karenz
10% anderes
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Ausgewählte Ergebnisse der Studie
Die nachfolgenden Studienergebnisse beziehen sich auf Intimität und soziale
Distanzierung in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen. Entscheidend für das Erleben
von Intimität ist die Qualität sozialer Beziehungen. Intimität umfasst u.a. Nähe, Vertrauen,
Verlässlichkeit, Offenheit, Verletzlichkeit, Verbundenheit und Empathie. Intimität kann sich
in der Form von emotionaler, körperlicher, intellektueller oder solidarischer Nähe und
Verbundenheit ausdrücken und sich in Partnerschaften, Freundschaften, Familien-
beziehungen, Arbeitsbeziehungen und in sozialen Gemeinschaften herstellen. Keine
dieser Beziehungsformen ist jedoch notwendigerweise mit Intimität im oben genannten
Sinne verbunden.
Sind Menschen mit der Verbundenheit mit nahestehenden Personen und sozialen
Gruppen unzufrieden, kann dies als Einsamkeit erlebt werden. Einsamkeit bezeichnet also
eine empfundene soziale Isolation. Soziale Einbindung und stabile intime Beziehungen
sind dabei zentral für das psychosoziale Wohlbefinden und die Lebensqualität von
Menschen. Es stellt sich daher die Frage, in welchem Ausmaß die Kontakt- und
Ausgangsbeschränkungen zur Zeit der COVID-19-Pandemie Praktiken der Intimität in
verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen beeinflusst haben und wie Veränderungen
intimer Beziehungen von der Bevölkerung erlebt wurden.
Soziale Distanzierung und Isolation
Über drei Viertel der Befragten (79%) haben die physische Distanzierung stark oder
teilweise verinnerlicht und habitualisiert: Sie haben in der Pandemie ein neues Gefühl für
Distanz zwischen Menschen entwickelt, zum Beispiel beim Anblick von Menschen, die
nahe zusammenstehen oder sich in einem Film umarmen.
Trotz gegenteiligen medialen Aufrufen hat die physische Distanzierung durch die
Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Allgemeinen zu einer deutlichen sozialen
Distanzierung geführt. Ob die Befragten in der Pandemie auch soziale Isolation erlebten,
war jedoch von einer Reihe von Faktoren abhängig.
Im Allgemeinen wurden Kontakte zu beruflichen Kolleg*innen stark reduziert, auch zu
Freund*innen gab es häufig weniger Kontakt als vor der Pandemie. Der Kontakt mit der
Familie sowie zu sexuellen und romantischen Beziehungspersonen hat sich bei den
Befragten häufig verstärkt in der Pandemie. Frauen intensivierten ihre sozialen Kontakte
dabei signifikant häufiger als Männer.
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Abbildung 1: Hatten Sie in den letzten zwei Wochen seltener, gleich oft oder häufiger priva-
ten Kontakt (online oder offline) zu den folgenden Personen als vor der Pandemie?
(n=4.669)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Bezogen auf die Häufigkeit des Kontakts zu intimen Beziehungspersonen ergeben sich
auch auffällige Unterschiede je nach Beziehungsstatus.
Bei offenen Beziehungen oder unklaren Beziehungen zu mehreren Personen hatte jede*r
zweite bis dritte Befragte weniger Kontakt zu aktuellen romantischen Beziehungs-
partner*innen als vor der Pandemie. Auch innerhalb von verbindlichen Paarbeziehungen
hat teilweise eine Kontaktreduktion stattgefunden: 14% gaben an, dass sie mit ihrem*ihrer
aktuellen Partner*in seltener als vor der Pandemie Kontakt hatten, teilweise betrifft das
Personen in Fernbeziehungen, aber nicht nur.
Noch stärker zeigt sich der Rückgang bei den Kontakten zu aktuellen Sexpartner*innen.
Vor allem Befragte mit unverbindlichen sexuellen Kontakten haben ihr Sexleben stark
eingeschränkt gegenüber der Zeit vor der Pandemie: Die Hälfte hat ihre aktuellen
Sexpartner*innen seltener oder gar nicht getroffen.
Von den Befragten in Beziehungen mit mehreren Personen bzw. in komplexen
Beziehungsarrangements haben sich 41% von Partner*innen sozial distanziert, mit denen
sie nicht zusammenwohnen, 38% haben haushaltsexterne Partner*innen besucht. Jede*r
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60 %
80 %
100 %
aktuelle !
romantische !
Partner*-!
innen
frühere !
romantische !
Partner*innen
aktuelle !
Sexpartner*-!
innen
Familie
Kolleg*innen
Vorgesetzte,!
Lehrpersonen
10 %
13 %
43 %
6 %
37 %
9 %
43 %
26 %
29 %
27 %
24 %
47 %
38 %
46 %
35 %
25 %
61 %
60 %
33 %
47 %
25 %
45 %
22 %
49 %
seltener Kontakt als vor der Pandemie
gleich häufig
häufiger Kontakt als vor der Pandemie
Fünfte hatte nur physischen Kontakt mit jenen Beziehungspersonen, mit denen sie
zusammen wohnen. Am häufigsten hielten sie Kontakt zu anderen Partner*innen über
Nachrichten und Telefonate (76%), social media und Videocalls. 14% ließen ihren
Partner*innen Einkäufe oder Geschenke zukommen.
Singles und Personen mit unverbindlichen Beziehungen verstärkten teilweise ihren
Kontakt zu früheren romantischen Partner*innen in der Pandemie: 13% bzw. 19% hatten
in der Zeit des Lockdowns häufiger Kontakt mit einem*einer Ex-Partner*in als vorher.
Eine verringerte Kontakthäufigkeit ist jedoch nur ein Indikator für soziale Distanzierung.
Bezogen auf Einsamkeit im Sinne einer empfundenen sozialen Isolation zeigt die
Befragung, dass sich in der Pandemie jede*r zweite Befragte stark von anderen
Menschen isoliert fühlte. Bei den Personen in Single-Haushalten waren zwei Drittel in der
Zeit des Lockdowns einsam. Auffällig ist, dass mit steigendem Alter die empfundene
Isolation in der Pandemie sinkt.
Abbildung 2: „Ich fühle mich aktuell stark von anderen Menschen isoliert.“ - Anteil der
Personen, auf die die Aussage eher oder völlig zutrifft
(n=4.675)#
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Die Qualität des sozialen Netzwerks steht dabei mit den Isolationsgefühlen in einem
starken Zusammenhang: Entscheidend für das Ausmaß der Einsamkeit war u.a., wie stark
in der Pandemie eine soziale Distanzierung und Limitierung des Unterstützungsnetzwerks
stattgefunden hat. Wer zufriedener war mit seinem Liebesleben und dem Ausmaß an
Nähe und körperlicher Berührung in der Pandemie, fühlte sich hingegen seltener einsam.
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50 %
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18-20 !
Jahre
21-30 !
Jahre
31-40 !
Jahre
41-50 !
Jahre
51-60 !
Jahre
61 Jahre!
und älter
36 %
43 %
48 %
53 %
58 %
68 %
Wenn Konflikte im Haushalt dominierten und die Sorge bestand, dass intime Beziehungen
auseinander brechen, erhöhte sich die Einsamkeit. Hier zeigen sich erneut Altersunter-
schiede.
Abbildung 3: Machen Sie sich aktuell Sorgen, dass intime Beziehungen auseinander
brechen? - Anteil der Personen, die sich ein wenig oder große Sorgen machen
(n=4.672)#
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020#
Je nach Beziehungsstatus bestanden bei einem Teil der Befragten unterschiedlich stark
ausgeprägte Sorgen, dass intime Beziehungen auseinander brechen. Insgesamt
fürchteten 25% der Befragten, dass ihre intimen Beziehungen nicht für die Dauer der
Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen halten. Bei Personen mit unverbindlichen
sexuellen Beziehungen oder bei Befragten in Partnerschaften mit unklarem oder
kompliziertem Beziehungsstatus stieg der Anteil auf 43% bzw. 49%. Viele Menschen
konzentrierten sich in der Pandemie auf eine primäre Beziehungsperson. Affären,
‚komplizierte‘ und unverbindliche Beziehungen wurden teilweise auf Distanz gebracht.
Befragte in komplexen Beziehungs- und Datingkonstellationen waren daher stärker von
der Sorge belastet, dass ihre intimen Beziehungen in der Pandemie auseinander brechen
könnten.
Die Sorge, dass der Alltag zusammenbricht, weist ebenfalls einen starken Zusammenhang
mit der empfundenen sozialen Isolation der Befragten auf. Neben Schüler*innen und
Studierenden befürchteten vor allem Personen, die ihren Arbeitsplatz verloren hatten,
einen Verlust ihrer Alltagsstruktur. Nach einem Arbeitsplatzverlust aufgrund der Pandemie
fühlten sich Befragte auch häufiger stark isoliert und empfanden ihr Sozialleben häufiger
als trostlos als andere Befragte. Darüber hinaus fanden Befragte zwischen 18 und 20
Jahren ihr Sozialleben zur Zeit des Lockdowns doppelt so häufig trostlos als Befragte über
60 Jahren (45 vs. 23%). Junge Menschen fürchteten auch häufiger eine Auflösung ihrer
Alltagsstrukturen.
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Jahre
21-30 !
Jahre
31-40 !
Jahre
41-50 !
Jahre
51-60 !
Jahre
61 Jahre !
und älter
10 %
16 %
25 %
24 %
27 %
33 %
Abbildung 4: Machen Sie sich aktuell Sorgen, dass Ihr Alltag zusammenbricht? - Anteil der
Personen, die sich ein wenig oder große Sorgen machen
(n=4.696)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Ein starkes soziales Netzwerk hatten 54% der Frauen, aber nur 41% der Männer in der
Zeit des Lockdowns; bei nicht-binären Befragten waren es 52%. Insgesamt beschrieben
21% der Befragten ihr soziales Unterstützungsnetzwerk seit der Pandemie als limitiert
oder sehr limitiert. Personen mit COVID-19-relevanten Vorerkrankungen erlebten die
Unterstützung in der Pandemie häufiger als sehr limitiert (9%) als Personen ohne
Vorerkrankungen (4%). In der Altersgruppe der über 60-Jährigen mit Vorerkrankungen
gaben 38% an, dass ihr Netzwerk an Unterstützung in der Pandemie eher oder sehr
limitiert ist. In der Gruppe der 21- bis 30-Jährigen lebten nur 12% mit eingeschränkter
Unterstützung. Ältere Befragte sorgten sich häufig um ihre eigene Gesundheit, jüngere
Befragte um die Gesundheit nahestehender Personen.
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18-20 !
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21-30 !
Jahre
31-40 !
Jahre
41-50 !
Jahre
51-60 !
Jahre
61 Jahre !
und älter
8 %
17 %
20 %
26 %
33 %
45 %
Abbildung 5: Würden Sie sagen, haben sich Ihre intimen Beziehungen in den letzten zwei
Wochen insgesamt vertieft, sind sie gleich geblieben oder sind sie distanzierter geworden?
(n=4.482)#
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
In der Pandemie hatten 70% der nicht-binären Befragten mindestens einmal pro Woche
Kontakt zu Personen aus einer Community, die sich zu geschlechtlicher und sexueller
Vielfalt austauscht. Bei den befragten Männern und Frauen waren es rund 20%. Der
Kontakt zu Communities hat sich gegenüber der Zeit vor der Pandemie reduziert. Bei
sexuellen Minderheiten hatten 63% der Befragten vor der Pandemie mindestens einmal in
der Woche Kontakt zu Personen aus sexuellen Communities (z.B. queere, LGBTIA+,
sexpositive, Polyamorie, BDSM, Körperarbeit, Sexarbeit, u.ä.), in der Pandemie ging der
Anteil auf 53% zurück. Am häufigsten blieben queere Personen und Personen aus der
BDSM-Community in Kontakt mit ihren Communities. Asexuelle Befragte hatten
mehrheitlich keinen Kontakt zu Personen aus sexuellen Communities, vergleichbar selten
wie heterosexuelle Befragte.
Zwei Drittel der befragten asexuellen, lesbischen, schwulen, bi-/pansexuellen, kinky oder
queeren Personen leisteten psychosoziale Unterstützung, indem sie mit Bekannten, die
von der Krise betroffen waren, Gespräche führten. Sexuelle und geschlechtliche
Minderheiten waren nicht signifikant häufiger von sozialer Isolation und Distanzierung
betroffen als Befragte der Mehrheitsgesellschaft.
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0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
keine sexuelle !
od. romantische !
Beziehung
unverbindliche !
sexuelle !
Kontakte
unklarer !
Beziehungsstatus !
(„kompliziert“)
verbindliche !
Partnerschaft!
od. Ehe
offene od. !
polyamore!
Beziehung(en)
am Beginn einer!
ernsthaften !
Beziehung
53 %
42 %
44 %
33 %
32 %
18 %
21 %
29 %
33 %
24 %
20 %
40 %
26 %
29 %
22 %
43 %
49 %
42 %
distanziert
gleich geblieben
vertieft
Partnerschaften und Haushaltsbeziehungen
Durch die Kontaktbeschränkungen erlebten auch Partnerschaften starke Veränderungen.
Aufgrund der Reisebeschränkungen konnten Personen in Fernbeziehungen keinen
physischen Kontakt zu ihren Partner*innen haben, was bei einem großen Teil der
Betroffenen zu hoher Unzufriedenheit und teilweise auch Verzweiflung führte.
Abbildung 6: Können Sie in der Pandemie Ihre Liebesbeziehung(en) so leben wie Sie
möchten?
Nur Personen in romantischen Beziehungen (n=3.746)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Bei 54% der Befragten, die mit einem*einer Partner*in zusammenwohnten, veränderte
sich das Ausmaß der Konflikte in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen nicht. Rund ein
Viertel (24,9%) gab an, dass es in der Pandemie zu mehr Konflikten kam, etwa ein Fünftel
(21,1%) erlebte die Zeit umgekehrt sogar als weniger konfliktreich. Anders wird das von
Befragten erlebt, die sich vom familiären Unterstützungsbedarf überfordert fühlten: Hier
gab fast die Hälfte (48%) an, dass die Konflikte sich erhöht haben.
Haben Sie in den letzten zwei Wochen psychische Gewalt in Ihren intimen Beziehungen
erlebt, z.B. Kontrolle, Drohungen, Beschimpfungen, o.ä.?
- 4% der alleinlebenden Befragten …
- 9% in verbindlicher Partnerschaft …
-13% in Paarbeziehung mit Kind(ern) im Haushalt …
-15% ohne Rückzugsort in der Wohnung …
-12% nach Arbeitsplatzverlust …
… erlebten einmal oder mehrmals psychische Gewalt.
Personen mit psychischen Gewalterlebnissen machten sich fast doppelt so häufig als
andere Befragte Sorgen, dass ihre Beziehung auseinander bricht. Körperliche Gewalt
erlebten 0,7% der Befragten ein- oder mehrmals in den zwei Wochen vor der Befragung.
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15 %
20 %
33 %
32 %
ja, vollkommen
meistens
kaum
gar nicht
Trotz Konflikten bei einem Teil der Paarbeziehungen geben 90% der Personen in einer
Paarbeziehung an, eine gute oder sehr gute Beziehung zu führen.
Abbildung 7: Wie sehr stimmen Sie der Aussage zu? - „Für eine Isolation ist mein Partner /
meine Partnerin die beste Person, die ich mir vorstellen kann.“
(n=3.306)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Auch die Stimmung im Haushalt beschreiben die Befragten mehrheitlich als gut: Mehr als
die Hälfte stimmt zu, in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen Spaß zu haben. Allerdings
unterscheidet sich die Stimmung je nachdem, mit wem Menschen zusammen wohnen:
Abbildung 8: Wie würden Sie die Stimmung in Ihrem Haushalt in den letzten zwei Wochen
beschreiben? - „Wir haben viel Spaß und genießen die Zeit miteinander.“
Nur Personen mit mindestens einer weiteren Person im Haushalt, Mehrfachantworten möglich (n=3.653)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
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0 %
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100 %
mit !
Partner*innen
mit Eltern
mit !
Freund*innen
mit Kind(ern)
65 %
76 %
55 %
74 %
18 %
13 %
22 %
14 %
17 %
11 %
23 %
12 %
trifft kaum oder gar nicht zu
weder noch
trifft eher oder völlig zu
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
verbindliche !
Paarbeziehung
Beginn einer!
ernsthaften !
Beziehung
offene / polyamore !
Beziehung(en)
68 %
75 %
84 %
12 %
12 %
6 %
21 %
13 %
10 %
stimme kaum oder gar nicht zu
weder noch
stimme eher oder völlig zu
Bei den befragten Personen in Paarbeziehungen zeichnen sich auch Auswirkungen auf
die Familienplanung ab. Für 78% der befragten Personen unter 46 Jahren in einer
Partnerschaft hat sich durch den Lockdown nichts an ihrer Familienplanung und
Verhütung verändert. Rund 5% der Paare entwickelten aber in der Pandemie einen neuen
Kinderwunsch und planten in der nächsten Zeit diesen Kinderwunsch zu realisieren. Dem
steht gegenüber, dass 4% einen bestehenden Kinderwunsch pausiert oder aufgrund der
Unsicherheit ihren Kinderwunsch auf unbestimmte Zeit verschoben haben. Weitere 2%
der Befragten in einer Paarbeziehung gaben an, dass sie in der Pandemie beschlossen
haben, dass es nicht vertretbar sei, unter diesen Bedingungen ein Kind in die Welt zu
setzen. Bei weniger als 1% der Befragten wurde es aufgrund der Pandemie unmöglich,
ihren Kinderwunsch zu realisieren, etwa aufgrund fehlenden Zugangs zu IVF oder
Insemination. Darüber hinaus wurde von einem Teil der Befragten stärker auf Verhütung
geachtet.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 14
Dating und Sexualität in der Pandemie
Neben der emotionalen Beziehungsqualität hat sich auch die sexuelle Intimität im
Allgemeinen und Praktiken körperlicher Intimität im Besonderen verändert, weil sehr viele
Personen ihre Partnersuche und ihr übliches Sexualverhalten in der Pandemie
zurückgestellt haben. In den offenen Antworten wird das ufig als qualitative
Veränderung intimer Beziehungen in der Zeit der Pandemie thematisiert. Dies kann als ein
Beitrag zur gesellschaftlichen Krankheitsprävention gesehen werden, die von Menschen
geleistet wurde, deren sexuelles Begehren und Bedürfnis nach Nähe zu anderen
Menschen sich teilweise sogar verstärkt hat in der Pandemie.
Insgesamt ist das sexuelle Begehren unter den Befragten relativ stark: Zwei Drittel
beschrieben das Ausmaß ihres sexuellen Begehrens in der Zeit der Ausgangs-
beschränkungen als sehr oder eher hoch. Die Hälfte der Befragten erlebte keine
Veränderung ihres Begehrens, weder bezogen auf sich selbst noch bezogen auf ein
Begehren, das sich auf einen*eine Partner*in richtet. Bei mehr als jeder vierten befragten
Person erhöhte sich das Bedürfnis nach körperlichen Berührungen in der Zeit des
Lockdowns. Insgesamt gaben 6% der Befragten an, häufig sexuelle Handlungen zu
verwenden, um sich in der Pandemie von der aktuellen Situation abzulenken, weitere 27%
manchmal.
Abbildung 9: Wie stark ist Ihr sexuelles Begehren und Bedürfnis nach körperlicher Nähe?
Veränderung des Ausmaßes gegenüber vor der Pandemie (n=4.700)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
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0 %
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Bedürfnis nach !
körperlicher Nähe
Begehren, mit sich !
selbst Sex zu haben
Begehren, Sex mit einer !
Partner*in zu haben
22 %
21 %
27 %
53 %
56 %
61 %
25 %
24 %
12 %
geringer als vor der Pandemie
keine Veränderung
stärker als vor der Pandemie
Bei Menschen mit unverbindlichen sexuellen Kontakten ist in der Pandemie das Begehren
häufiger gestiegen: Hatten vor der Pandemie noch 22% sehr starke Lust auf Sex mit einer
anderen Person verspürt, waren es in der Pandemie 35%.
Bei Personen in einer verbindlichen Paarbeziehung hat sich der Anteil der Personen mit
starkem Begehren nicht verändert (19%), allerdings geben dreimal so viele Personen an,
kein oder nur sehr wenig sexuelles Begehren zu haben (vor der Pandemie: 3%, in der
Pandemie: 9%). Es besteht ein Zusammenhang zwischen Konflikten in der Paarbeziehung
und Unzufriedenheit mit dem Sexleben.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausmaß an körperlicher Nähe und Berührung, dass Sie im
Moment bekommen?
- 11% der Personen ohne romantische oder sexuelle Beziehungen …
- 24% der Personen mit unverbindlichen sexuellen Kontakten …
- 47% der Personen in offenen / polyamoren Beziehungen …
- 66% der Personen in verbindlichen Paarbeziehungen …
waren zufrieden mit dem Ausmaß an körperlicher Nähe und Berührung in der
Pandemie.
Insgesamt ist der häufigste Grund für die Unzufriedenheit der Entzug sozialer und
freundschaftlicher Nähe etwa durch Umarmungen, Begrüßungen oder Kuscheln. Die
Isolation führt bei alleinlebenden Menschen teilweise zu einem hohen Leidensdruck und
Wunsch nach körperlicher Nähe. Diese Personen haben zwar häufig den Kontakt zu
Freund*innen und Familie in der Pandemie intensiviert, trotzdem ist die Zeit der
Ausgangsbeschränkungen für diese Gruppe häufig eine belastete, mit hohen Werten bei
unerfülltem Nähebedürfnis, Trostlosigkeit und Einsamkeit. Menschen in Mehrpersonen-
haushalten fehlten vor allem andere soziale Kontakte als Familie und Haustiere. Bei
Partnerschaften war relativ häufig durch externe Faktoren kein körperlicher Kontakt
möglich (insbesondere Fernbeziehung), sodass hier das Leid an mangelnder Nähe einen
anderen Charakter annimmt.
Zur Zeit des Lockdowns war jede*r vierte Befragte auf der Suche nach neuen
Partner*innen. Gegenüber vor der Pandemie hat sich der Anteil der Personen auf
Partnersuche und auch die Nutzungshäufigkeit von Onlinedating-Apps reduziert. Auf der
Suche nach einer „Corona-Partnerin“ war insgesamt ein Drittel der heterosexuellen
Singles. In der Gruppe der sexuellen Minderheiten waren nur 16% auf der Suche nach
einer Beziehungsperson für die Pandemiezeit.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 16
Abbildung 10: Sind Sie auf der Suche nach neuen sexuellen oder romantischen
Partner*innen? - Und falls via Dating-Apps: Waren Sie in den letzten zwei Wochen mit mehr,
gleich viel oder weniger Personen auf Onlinedating-Plattformen in Kontakt als vor der
Pandemie?
Veränderung des Ausmaßes gegenüber vor der Pandemie
(n1=4.686; n2=579: nur Befragte auf Partnersuche, die Onlinedating-Plattformen nutzen)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Die Veränderungen des intimen Lebens in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen war
insgesamt von einer starken Reduktion und Verschiebung des sexuellen Lebens
gekennzeichnet. Fast 40% der Befragten waren in den zwei Wochen vor der Befragung
mit weniger Personen auf Onlinedating-Plattformen in Kontakt als vor der Pandemie,
etwas mehr als 30% mit mehr Personen. Ein Drittel der aktuellen Nutzer*innen von Dating-
Apps pausierte in der Zeit des Lockdowns die Suche.
Abbildung 11: Verwenden Sie Onlinedating-Netzwerke wie Tinder, Grindr, Parship, Fetlife,
o.ä.?
Nur Befragte auf Partnersuche (n=1.800)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
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38 %
16 %
15 %
31 %
ja, aktuell
ja, aber in der Pandemie pausiere ich
nein, aber ich interessiere mich dafür
nein, kein Interesse
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Suche nach neuen !
Partner*innen
Kontakthäufigkeit !
bei Onlinedating
31 %
7 %
30 %
79 %
39 %
15 %
weniger als vor der Pandemie
keine Veränderung
mehr als vor der Pandemie
In der Pandemie haben …
… 36% der Menschen mit unverbindlichen sexuellen Kontakten …
… 21% der Menschen in offenen oder polyamoren Beziehungen …
… 14% der Singles …
… 6% der Menschen in monogamer Zweierbeziehung …
… eine Einladung zu Sex abgelehnt.
Die sexuelle Selbstbeschränkung zeigte sich bei sexuellen Minderheiten noch deutlicher:
Homo-, bi- und pansexuelle Männer sowie kinky und queere Männer haben häufiger ihre
sexuellen Kontakte in der Pandemie reduziert als heterosexuelle Männer: 45% hatten
seltener Kontakt zu aktuellen Sexpartner*innen als vor dem Lockdown, bei hetero-
sexuellen Männern waren es 26%. Ein Drittel der befragten Männer aus einer sexuellen
Minderheit hat in der Pandemie eine Einladung zu Sex abgelehnt, bei den queeren,
lesbischen und bisexuellen Frauen jede siebente Befragte. Schwule Männer gaben in der
Studie am häufigsten an, dass sich ihre intimen Beziehungen in der Pandemie stark
distanziert haben: für jeden vierten Befragten war das der Fall.
Wie (un)zufrieden sind Sie mit Ihrem Sexleben zurzeit?
- 71% der Personen ohne sexuelle oder romantische Beziehungen …
- 54% der Personen mit unverbindlichen sexuellen Kontakten …
- 32% der Personen in verbindlichen Paarbeziehungen …
… waren mit ihrem Sexleben in der Pandemie gar nicht oder eher nicht zufrieden.
Die Unzufriedenheit ergab sich bei einem Teil der Befragten daraus, dass der Stress zu
einem Libidoverlust führte, wie sie in den offenen Antworten ausführten. Bei anderen
Befragten dominierte der Wunsch nach persönlichen Begegnungen, die von einem Teil der
Befragten stark vermisst wurden und sich kaum digital ersetzen ließen. Bei einzelnen
Befragten herrschte auch Unsicherheit darüber, was in der Pandemie sexuell erlaubt und
verboten ist. Darüber hinaus zeigten sich in Einzelfällen teilweise massive Ansteckungs-
ängste, die so weit gingen, dass selbst innerhalb von Paarbeziehungen im gleichen
Haushalt von einem*einer der Partner*innen Küsse und intime Nähe abgelehnt wurden.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 18
„Ich bin aktuell so gestresst, dass ich gar keine Zeit für Intimität und Sexualität habe.“
- 28% der Personen, die mit Kindern in einem Haushalt leben …
- 14% der Menschen ohne Kinder …
… stimmten dieser Aussage zu.
Von den Befragten ohne sexuelle oder romantische Beziehung waren 35% erleichtert
darüber, dass während des Lockdowns niemand von ihnen erwartete, ein aktives
Sexleben zu führen. Personen mit asexueller Identität fühlten sich sogar zur Hälfte
entlastet durch die Kontaktbeschränkungen. Bei Personen in verbindlichen Paarbeziehun-
gen bzw. bei Ehepaaren waren immerhin noch 18% erleichtert über eine geringere
sexuelle Erwartungshaltung in der Zeit des Lockdowns.
Von den befragten Menschen mit psychischen Erkrankungen war zwar ein Teil besonders
stark belastet, ein Teil aber erlebte auch eine Entlastung dadurch, dass in der Zeit der
Kontaktbeschränkungen niemand von ihnen ein aktives Sozialleben erwartete.
Abbildung 12: Haben Sie neue sexuelle Praktiken seit Beginn der Pandemie ausprobiert?
(n=4.672)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Neue Praktiken wurden vor allem von Menschen ausprobiert, die im sexuellen Bereich
generell neugierig und risikobereit sind und die den körperlichen Erfahrungswert an
Sexualität schätzen (sexual sensation seeking).
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 19
91 %
9 %
ja
nein
Abbildung 13: Welche sexuellen Praktiken wurden seit Beginn der Pandemie praktiziert?
Auswahl, Mehrfachantworten möglich (n=4.381)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Von den befragten Personen, die ihre Sexualität digital gelebt haben, die also etwa
sexuelle Nachrichten und Nacktfotos gesendet haben, die Telefonsex hatten, die sexuelle
Videos für oder auch mit jemanden aufgenommen haben, etc., haben zwei Drittel in der
einen oder anderen Form auf ihre digitale Sicherheit geachtet.
Unter den Personen, die Nacktfotos verschickt haben, hat jedoch nur jede fünfte Person
klare Vereinbarungen zur Nutzung und Weiterverbreitung getroffen. Selbst bei jenen
Befragten, die sexuelle Videos für jemand aufgenommen haben, hat nur jede vierte
Person besprochen, wer diese Filme sehen darf und wer nicht. Bei Personen, die sexuelle
Bilder und Videos auf eine Pornoseite hochgeladen oder live Sexcams genutzt haben - vor
allem Männer -, hat nur jeder dritte Befragte dafür gesorgt, den Namen und Aufenthaltsort
geheim zu halten. Programme mit end-to-end Verschlüsselung werden nur von jeder
vierten Person für ihre digitalen sexuellen Aktivitäten verwendet.
In der Studie wurde sichtbar, dass sexuelle Minderheiten ihre Sexualität häufiger digital
vermittelt leben und auch häufiger digitale Sicherheitsvorkehrungen treffen, um Cybersex
risikoarm genießen zu können, als heterosexuelle Befragte. Im Detail besuchten 5% der
homo-, bisexuellen und queeren Befragten in der Pandemie Onlineworkshops zu Körper
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 20
alleine masturbiert
alleine Pornos geschaut
mit einer Person über sexuelle!
Fantasien gesprochen
einer Person den Rücken massiert
einen Artikel zu Sexualität und Liebe!
in Zeiten der Pandemie gelesen
sexuelle Nachrichten gesendet
mit einer Person gemeinsam masturbiert
Nacktfotos gesendet
eine sexuelle Fantasie mit!
einer Person umgesetzt
sexuelle Gespräche via Telefon geführt
mit Fixierung und !
erotischem Schmerz gespielt
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
7 %
10 %
14 %
15 %
18 %
28 %
29 %
31 %
36 %
43 %
73 %
und Sexualität, 7% nutzten Sexchats und live sexcamming. 33% versendeten sexuelle
Nachrichten, 21% Nacktfotos, 8% nahmen sexuelle Videos für und 2% mit einer anderen
Person auf, 6% machten sexuelle Handlungen via Videocall. 3% stellten Fotos und Videos
auf eine Sexplattform oder Pornoseite.
Bei diesen digital vermittelten Praktiken haben sexuelle Minderheiten häufiger ihr Gesicht
nicht gezeigt, eine anonyme Emailadresse verwendet, Namen und Aufenthaltsort geheim
gehalten, den Hintergrund neutral oder verschwommen gehalten, Tattoos verborgen und
sich geschminkt bzw. verkleidet, einen Virenschutz, Firewall und Programme mit end-to-
end Verschlüsselung verwendet, klare Grenzen kommuniziert und bei Grenzverletzungen
reagiert (den Kontakt abgebrochen und User gemeldet), als heterosexuelle Befragte zum
eigenen Schutz eingesetzt haben. In allen Gruppen involvierte rund ein Drittel nur
Personen, die sie persönlich aus dem Offline-Leben kannten, und trafen mit diesen
Personen klare Vereinbarungen zur Nutzung und Weiterverwendung (11%).
Diese Detailergebnisse machen sichtbar, dass in sexuellen Communities, und hier vor
allem unter queeren, bi-/pansexuellen Personen sowie in der BDSM-Community, Wissen
zur sicheren Nutzung digitaler Medien und Plattformen für sexuelle Aktivitäten vorhanden
ist, das in der Mehrheitsgesellschaft teilweise fehlt bzw. bei Cybersex nicht berücksichtigt
wird.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 21
Psychosoziale Unterstützung und Intimitätsgrenzen im Beruf
In der Zeit der Pandemie haben 87% der Befragten in ihrem Bekanntenkreis Menschen
unterstützt. Hilfe wurde durch unterschiedliche Unterstützungspraktiken geleistet.
Abbildung 14: Haben Sie in den letzten zwei Wochen andere Personen unterstützt, die Sie
persönlich kennen, die von der aktuellen Krise betroffen sind und Hilfe gebraucht haben?
Mehrfachantworten möglich (n=4.562)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 22
Psychosoziale Unterstützung durch Gespräche
Optimismus und gute Laune verbreitet
Alltagsbewältigung, z.B. durch !
Einkäufe und Botengänge
Wichtige Informationen recherchiert !
und weitergegeben
Desinfektionsmittel oder Masken !
weitergegeben
Finanzielle Unterstützungsleistungen
Private Kinderbetreuung und Krankenpflege
Wohnraum (auch Gärten, Terrassen) !
anderen zur Nutzung überlassen
Keine Unterstützung
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
9 %
10 %
11 %
36 %
20 %
48 %
32 %
58 %
77 %
20 %
4 %
7 %
17 %
22 %
37 %
36 %
51 %
45 %
11 %
5 %
6 %
12 %
25 %
37 %
37 %
54 %
62 %
Frauen
Männer
nicht-binäre Personen
Die Ausgangsbeschränkungen und Belastungen in der Zeit der Pandemie haben auch die
Kontakte, Intimität und Beziehungen im beruflichen Kontext verändert. So wurde etwa
sichtbar, dass die Pandemie zu einem höheren Bedarf an psychosozialem Austausch im
Arbeitskontext geführt hat und die Grenze zwischen Privatsphäre und Beruf teilweise
verschwommen ist.
Sorgen Sie sich um den Schutz Ihrer Intimsphäre bei der beruflichen Nutzung digitaler
Medien?
-16% sorgen sich sehr …
-43% sorgen sich teilweise …
… um ihre Intimsphäre bei digitalen Arbeitskontakten in der Pandemie.
Abbildung 15: Wird in Ihrem beruflichen Umfeld seit der Pandemie ein erhöhtes Ausmaß an
psychosozialer Unterstützung von Ihnen erwartet? - Von wem?
Nur erwerbstätige Personen (n=2.864)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Von jenen Personen, die häufig psychosoziale Unterstützung im Arbeitskontext leisten
mussten, war jede*r sechste Befragte von diesen neuen Anforderungen in der Pandemie
überfordert. Insbesondere Frauen waren durch die Erwartungshaltungen und Unterstüt-
zungsbedarfe im Arbeitskontext stärker gefordert und auch häufiger überfordert als
Männer - und im Beruf davon auch häufiger überfordert als im familiären Bereich.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 23
von Kolleg*innen
von Vorgesetzten oder!
Mitarbeiter*innen
von Kund*innen, Klient*innen,!
Patient*innen o.ä.
von Auftraggeber*innen
0 %
10 %
20 %
30 %
40 %
19 %
24 %
26 %
34 %
8 %
18 %
12 %
12 %
ja, häufig
manchmal
Abbildung 16: Wie sehr fühlen Sie sich von den neuen Anforderungen an Unterstützung
und Solidarität im Arbeitskontext gefordert oder überfordert?
Nur erwerbstätige Personen (n=2.816)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Im Bildungskontext waren 32% der Schüler*innen und Studierenden von den neuen
Unterstützungs- und Solidaritätsanforderungen stark gefordert, 15% überfordert. Nicht-
binäre Befragte waren mit gestiegenen Erwartungshaltungen häufiger als andere Befragte
im ehrenamtlichen Kontext und im Freundeskreis konfrontiert.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 24
0 %
25 %
50 %
75 %
100 %
Männer
Frauen
nicht-binäre!
Personen
3 %
8 %
5 %
28 %
31 %
20 %
31 %
31 %
33 %
23 %
16 %
20 %
15 %
15 %
22 %
nicht gefordert
kaum gefordert
gefordert
stark gefordert
überfordert
Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt
In der Studie wurde auch das Vertrauen in soziale Beziehungen und solidarische
Praktiken zur Zeit der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen erhoben. Insgesamt haben
sich 77% aller Befragten in der Zeit des Lockdowns sozial und/oder politisch engagiert.
Abbildung 17: Haben Sie sich in den letzten Wochen für soziale oder politische Anliegen im
Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aktiv engagiert?
Auswahl, Mehrfachantworten möglich (n=4.649)
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020
Befragte mit hohem Einkommen haben häufiger bestehende Mitgliedschaften weiter-
bezahlt, auf die Rückerstattung von Tickets und auch dreimal so häufig auf ausständige
Zahlungen verzichtet als Personen mit niedrigem Einkommen. Personen mit niedrigem
Einkommen haben demgegenüber doppelt so häufig Onlinepetitionen unterzeichnet (38%
vs. 16%) und bei einem politischen Verein mitgearbeitet (9% vs. 5%) als gut verdienende
Befragte. Sie haben auch deutlich häufiger an Onlinedemonstrationen teilgenommen und
im öffentlichen Raum Nachrichten wie Transparente, Flyer, Graffiti, o.ä. hinterlassen.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 25
bestehende Mitgliedschaften weiterbezahlt
auf Social Media wichtige Informationen verbreitet
Geldspenden und Sachspenden
Nachbarschaftshilfe
im beruflichen Kontext Regeln und Richtlinien geändert
auf Rückerstattung von Tickets verzichtet
bei 18 Uhr-Aktionen mitgemacht !
(Musik, Applaus aus dem Fenster)
Nachrichten an Politiker*innen und Behörden gesendet
eigene Analysen zur Pandemie öffentlich !
publiziert (in Zeitungen, Blogs, o.ä.)
Dankesschreiben an die Held*innen des Alltags verfasst
Regelverstöße behördlich gemeldet (z.B. !
Missachtung der Ausgangsbeschränkungen)
0 %
10 %
20 %
30 %
40 %
1 %
4 %
5 %
7 %
16 %
16 %
18 %
20 %
23 %
25 %
37 %
Beim gesellschaftspolitischen Engagement macht auch die politische Haltung einen
Unterschied. Befragte, die sich im Zweifelsfall für Freiheit als zentralen Wert entscheiden
würden, also eine liberale Haltung vertreten, sind seltener sozial und politisch tätig
geworden als Menschen, die Gleichheit als zentralen Wert vertreten:
-70% der Befragten, die Freiheit wichtiger finden als Gleichheit …
-84% der Befragten, die Gleichheit wichtiger finden als Freiheit …
… haben sich in der Pandemiezeit an solidarischen Aktionen beteiligt.
Zur Beurteilung des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft ist interessant, dass
durch die solidarischen Praktiken in der Pandemie auch neue vertrauensvolle
Beziehungen entstanden sind, vor allem in Form von Nachbarschaftshilfe, die insgesamt
jede*r fünfte Befragte geleistet hat - und zwar auch für Menschen, die sie vor der
Pandemie nicht kannten: 35% haben dadurch mindestens einen Menschen neu
kennengelernt. Zwei Drittel aller Befragten fanden die Aussage sehr oder eher zutreffend,
dass zur Zeit des Lockdowns eine solidarische Stimmung in der Bevölkerung herrschte.
Trotzdem die Befragten mehrheitlich eine solidarische Haltung in der Gesellschaft
wahrnehmen, stimmten auch 73% der Befragten der Aussage eher oder völlig zu, dass
bestimmte Gruppen versuchen, aus der Krise einen Gewinn zu schlagen. Auch dass sich
Menschen in der Krise sozial abschotten, sah die Hälfte der Befragten als zutreffend an.
Mehrheitlich befürchteten die Befragten eine Erhöhung sozialer Ungleichheiten, allerdings
fanden sich hier deutliche Unterschiede nach gesellschaftspolitischer Einstellung und
Ungleichheitsbetroffenheit. Menschen mit Gleichheitswerten waren beispielsweise sehr
viel stärker besorgt, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der Pandemie vergessen
werden, als Menschen mit Freiheitswerten (50% vs. 19% sehr große Sorge). Die
Einschätzung, dass sich durch die Pandemie soziale Ungleichheiten verstärken, ist bei
Befragten mit niedrigem Einkommen signifikant höher als bei gut verdienenden Personen.
Unter Befragten mit einer anderen Erstsprache als Deutsch, die häufig auch ein niedriges
Einkommen aufweisen, bestehen verstärkt Sorgen, ob sie in den nächsten Monaten
finanziell über die Runden kommen.
Befragte mit einer psychischen Erkrankung waren in der Pandemie deutlich stärker von
Ängsten belastet als andere Befragte: Sie machten sich jeweils doppelt so häufig sehr
große Sorgen um ihre eigene Gesundheit, dass ihr Alltag zusammenbricht, dass intime
Beziehungen auseinander brechen, und ob sie finanziell über die Runden kommen als
Personen ohne psychische Vorerkrankungen. Auch Personen mit Corona-relevanten
körperlichen Vorerkrankungen sorgten sich häufiger um ihre Gesundheit und finanzielle
Aspekte.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 26
Abbildung 18: Wie beurteilen Sie den Zusammenhalt in der Gesellschaft in den letzten zwei
Wochen? - „Die gesellschaftlichen Ungleichheiten verstärken sich in der Pandemie.“
Monatliche Nettoeinkünfte aus Erwerbsarbeit und/oder Sozialleistungen. Niedriges Einkommen: bis EUR
1.400,-; mittleres Einkommen: EUR 1.401-2.700,-; hohes Einkommen: über EUR 2.700,-
Quelle: Intimität und soziale Beziehungen 2020 (n=4.625)
Frauen waren in der Befragung insgesamt stärker besorgt über die Auswirkungen der
Pandemie auf nahestehende Personen und auf die verschiedenen gesellschaftlichen
Sektoren als Männer. Die unter den Befragten am meisten verbreiteten Sorgen bezogen
sich auf die Gesundheit nahestehender Personen (75%), dass in der Pandemie
benachteiligte Bevölkerungsgruppen vergessen werden (74%), dass das Wirtschafts-
system zusammenbricht (64%), und dass zu viel Kontrolle und Regeln die Freiheit
beschränken (61%). Mit je 37% gleich häufig bestanden Sorgen unter den Befragten, dass
das Bildungswesen, das Gesundheitswesen oder die Demokratie zusammenbrechen
könnten. Dass es in der Krise zu einer Militarisierung kommen könnte, befürchteten 25%
der Befragten. Unter den Befragten mit einer anderen Erstsprache als Deutsch lag der
Anteil bei 33%.
Zusammengefasst weisen die Studienergebnisse darauf hin, dass die Zeit der physischen
Distanzierung zu weitreichenden Veränderungen sozialer Beziehungen und von Praktiken
der Intimität geführt hat. Für viele Teilnehmer*innen an der Studie war es eine sorgenvolle
Zeit, obwohl ein Teil der Befragten die Zeit auch genießen konnte. Die psychosozialen
Bedingungen und Konsequenzen der Distanzierung sollten in der wissenschaftlichen und
politischen Auseinandersetzung mit Krisensituationen stärker ernstgenommen und
berücksichtigt werden.
Rothmüller - Intimität und soziale Beziehungen! ! 27
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
niedriges !
Einkommen
mittleres !
Einkommen
hohes !
Einkommen
27 %
37 %
44 %
46 %
40 %
36 %
13 %
11 %
9 %
11 %
10 %
9 %
3 %
2 %
2 %
trifft gar nicht zu
trifft kaum zu
weder noch
trifft eher zu
trifft völlig zu
Article
Full-text available
Streszczenie: Od początku 2020 roku pandemia COVID-19 oraz ograniczenia, takie jak blokada i dystans społeczny, mają wpływ na życie ludzi. W niniejszym artykule chcemy przeanalizować, w jaki sposób zamknięcie (restrykcje) we wcze-snej fazie epidemii wpłynęło na relacje seksualne w związkach intymnych w Polsce i Japonii. W tym celu dokonano pomiarów metodą ilościową z wykorzystaniem zaadaptowanego do wymogów badania kwestionariusza autorstwa Barbary Roth-müller w wersji online. Następnie dokonano porównań pomiędzy grupą polską i japońską. Wyniki odniesiono do dotychczasowej wiedzy w zakresie badanego zjawiska. Poczynione obserwacje pozwoliły zanotować kilka istotnych statystycz-nie różnic występujących pomiędzy badanymi grupami oraz obszary, w których osoby badane z próby japońskiej i polskiej nie różniły się od siebie w sposób zna-czący. Obserwowany odmienny rozkład udzielanych odpowiedzi dotyczył w dużej mierze dynamiki deklarowanych zmian w obszarze zachowań seksualnych, która okazała się wyższa w grupie osób pochodzenia japońskiego. Rozważania podjęto w obszarze różnic pomiędzy kulturami wschodnimi i zachodnimi oraz specyfiki obu uwzględnionych krajów, które będąc mało zróżnicowane kulturowo, funkcjo-nują jednak w erze globalizacji. Słowa kluczowe: życie seksualne, seksualność, pandemia COVID-19, związki intymne Wstęp Na seksualność człowieka mają wpływ zarówno czynniki biologiczne, jak i psychospołeczne. Otaczająca nas kultura, środowisko, w którym żyjemy, a także pojawiające się sytuacje implikują szereg reakcji zarówno w sferze
Article
This study aims to examine the relationship between the levels of married individuals being affected by the new life form that has emerged due to COVID-19 and the variables of dyadic coping with stress and problem-solving in marriage. The study group consists of 487 married individuals (77% women, 23% men) living in Turkey. Hierarchical multiple regression analysis was used in data analysis. It is found that regression model was significant and 46% of the COVID-19 pandemic effect was explained by problem-solving in marriage and dyadic coping with stress. The effect of both predictor variables on the COVID-19 Impact Index was moderate. This finding reveals that the couple can show greater resilience in the face of challenging life events if the ability to jointly cope with stress and problem solving is acquired. Explaining the impact of stressful life events such as Covid 19 on dyadic or triadic relationships with internal variables such as personality provides less information about the nature of relationships. In a couple relationship, the way one of the partners copes with stress and solves problems can be a source of stress for the other. For this reason, there is a need for studies that reflect the social context in studies examining the couple relationship.
Article
This study aims to examine the relationship between the levels of married individuals being affected by the new life form that has emerged due to COVID-19 and the variables of dyadic coping with stress and problem-solving in marriage. The study group consists of 487 married individuals (77% women, 23% men) living in Turkey. Hierarchical multiple regression analysis was used in data analysis. It is found that regression model was significant and 46% of the COVID-19 pandemic effect was explained by problem-solving in marriage and dyadic coping with stress. The effect of both predictor variables on the COVID-19 Impact Index was moderate. This finding reveals that the couple can show greater resilience in the face of challenging life events if the ability to jointly cope with stress and problem solving is acquired. Explaining the impact of stressful life events such as Covid 19 on dyadic or triadic relationships with internal variables such as personality provides less information about the nature of relationships. In a couple relationship, the way one of the partners copes with stress and solves problems can be a source of stress for the other. For this reason, there is a need for studies that reflect the social context in studies examining the couple relationship.
Chapter
Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden 18 Menschen, die sich im Corona-Krisenkontext 2020 in keiner oder in mehr als einer Partnerschaft befunden haben, zu ihren Intimpraxen befragt. Wechselwirkungen zwischen Corona-Öffentlichkeit(en) und diesen Praxen stehen im Fokus der Analyse. Hier zeigt das Material, dass die Notwendigkeit zur Begrenzung physisch-naher Kontakte auf ein absolutes Minimum, Abstandsgebote und die Schließung öffentlicher Begegnungsräume gravierende Auswirkungen auf die Ausgestaltung intimer Beziehungen haben.
Chapter
Ausgehend von einem 2018 veröffentlichten Text von Günter Mey charakterisiere ich die Autoethnografie als besondere Form der ethnografischen Erzählung, die viele Brücken schlägt: zwischen individueller Erfahrung und kulturellen Phänomenen, Wissenschaft und Kunst, Schreiben und Lesen, Privatem und Politischem. In einem zweiten Schritt frage ich, warum dieser Zugang in der globalen Krise des Jahres 2020 eine besondere Konjunktur erfahren hat und zeige dabei auf, welche Themen und Forschungskonstellationen sich besonders gut für eine autoethnografische Bearbeitung eignen. Diese Konjunkturdiagnose nehme ich zum Ausgangspunkt für eine Diskussion von Verknüpfungsmöglichkeiten von Autoethnografie und anderen qualitativen Methoden und schließe mit einer historischen Rekonstruktion der Rolle, die Günter Mey für die Etablierung der Methode im deutschsprachigen Raum gespielt hat.
Chapter
Biografische Selbsterzählungen qualitativer Sozialforscher*innen bewegen sich im Wechselspiel von Repräsentation und Performanz von Erlebtem. Bei den hier ins Zentrum gestellten Ethnograf*innen handelt es sich qua Profession um eine spezifische Gruppe, deren reflexives Wissen um qualitative Erhebungs-, Auswertungs- und Darstellungsprozesse die Selbstpräsentation im Beforschtwerden maßgeblich prägt. In den berufsbiografisch orientierten Narrationen der US-amerikanischen Ethnograf*innen lassen sich zwei ‚erzählbare‘ Identitätsentwürfe erkennen: die Selbstpräsentation als Weg der Wahl oder als Weg der Berufung. Jene Selbstthematisierungen stehen in Zusammenhang mit berufsbiografischer Arriviertheit, wie auch mit sozialtheoretischen Bezügen (praxeologisch vs. pragmatistisch), die in den Erzählungen der Ethnograf*innen über ihre Forschungsfelder zum Tragen kommen.
Article
Zusammenfassung. Die COVID-19-Pandemie als multidimensionaler und potenziell toxischer Stressfaktor führt auch in Deutschland zu psychischen Problemen in der Allgemeinbevölkerung und wird voraussichtlich einen Anstieg der Inzidenz- und Prävalenzraten psychischer Störungen bedingen. In diesem Positionspapier erfolgt daher eine wissenschaftlich differenzierte Betrachtung der psychologischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf verschiedene Altersstufen sowie psychische Vulnerabilitäten und Störungsbilder, wobei auch Chancen für die psychische Gesundheit und psychotherapeutische Versorgung diskutiert werden. Basierend auf den Befunden werden abschließend u. a. folgende gesundheitspolitische Ziele und Maßnahmen abgeleitet: Implementierung von universellen und indizierten modularen Präventionsangeboten sowie Anpassung der evidenzbasierten Richtlinienpsychotherapien hinsichtlich Bedarf, Inhalt und Modalität. Die Klinische Psychologie und Psychotherapie stellt aufgrund ihrer ausgewiesenen Expertise im Bereich der psychischen Gesundheit zentrales Wissen für die erfolgreiche Bewältigung der COVID-19-Pandemie zur Verfügung und kann in interdisziplinären und interprofessionellen Kooperationen dazu beitragen, die Herausforderungen für die psychische Gesundheit anzugehen.
Wie sehr fühlen Sie sich von den neuen Anforderungen an Unterstützung und Solidarität im Arbeitskontext gefordert oder überfordert?
Abbildung 16: Wie sehr fühlen Sie sich von den neuen Anforderungen an Unterstützung und Solidarität im Arbeitskontext gefordert oder überfordert? Nur erwerbstätige Personen (n=2.816) Quelle: Intimität und soziale Beziehungen Survey 2020