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Abstract

Eine zeitgemäße Ausbildung im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist essentiell, um zu verstehen, was KI bedeutet, wo ihre derzeitigen Grenzen liegen und welchen Beitrag sie für Wirtschaft und Gesellschaft tatsächlich leisten kann. Eine Erweiterung unserer digitalen Kompetenzen in der Einschätzung künstlicher Intelligenz ermöglicht uns eine bessere Beurteilung der Wirkungsweise digitaler und vernetzter Technologien. Damit können wir unsere Autonomie und Freiheit auch im digitalen Zeitalter bewahren. [Lemke, C., Monett, D., & Bloomfield, M. (2021). Lernen und lehren mit und über KI: Chancen für eine Reformierung der Bildung. In S. Achour, H. Bieling, P. Massing, S. Schieren, J. Varwick (Hrsg.), Künstliche Intelligenz (pp. 54-61), POLITIKUM, Frankfurt/Main: Wochenschau Verlag. DOI: https://doi.org/10.46499/1608.1787]
ANALYSEN I KONTROVERSEN I BILDUNG
Heft 1 I 2021
Vierteljahreszeitschrift I 7. Jahrgang I Frühjahr 2021
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ 1. Quartal 2021
NSTLICHE INTELLIGENZ
Deutschland: € 12,80, Österreich: € 13,90, Schweiz: sFr 16,90
Schöne neue Welt
oder unsere Welt?
Chancen und
Nebenwirkungen:
KI und Gesundheit
KI und
Menschenrechte
KI und Ethik
in der Arbeitswelt
Autonome
Waffensysteme
Diskriminierung
oder Gerechtigkeit
durch Algorithmen?
2 Künstliche intelligenz
Schwerpunkt
KI im Gesundheitswesen
Insbesondere im Bereich Medizin und Pege liegen
Hoffnungen und Befürchtungen nahe beieinander.
Daniela Kolbe (MdB) setzte sich als Vorsitzende der
Enquete-Kommission KI des Deutschen Bundestags
damit auseinander und diskutiert regulatorische
Maßnahmen.
Interview
Nutzen wir diese Chance!
… fordert Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregie-
rung für Digitalisierung. spricht mit ihr dar-
über, ob Deutschland beim Thema KI Vorreiter oder
Nachzügler ist, wie Politik darauf Einuss nehmen
kann und welche Bedeutung KI bei der Bekämpfung
der Covid-19-Pandemie hat.
Schwerpunkt
Diskriminierung durch Algorithmen
Mit Algorithmen ist auch die Hoffnung auf mehr
Gerechtigkeit und Objektivität verbunden. In der
Praxis zeigte sich allerdings, dass strukturelle Diskri-
minierung, Rassismus und Sexismus eher verstärkt
als reduziert werden.
Schwerpunkt
KI in Staat und Verwaltung
In Staat und Verwaltung ist Künstliche Intelligenz
nicht nur ein Zukunftsthema, sondern bereits Teil der
Realität: smarte Videoüberwachung oder automati-
sierte Entscheidungssysteme im Verkehr. Wie sieht
ein weiterer Gestaltungsspielraum aus?
Schwerpunkt
Ethik in der Arbeitswelt
Werden in Zukunft intelligente Roboter für uns die
Arbeit übernehmen? Welche Folgen hat KI für die
Arbeitswelt? Wo liegen Vorteile, aber auch Probleme
für Arbeitnehmende und welche Standards werden
notwendig sein?
Schwerpunkt
Künstliche Intelligenz und Menschenrechte
Wir interagieren täglich mit Künstlicher Intelligenz.
Was genau ist darunter zu verstehen, wo verbergen
sich Gefahren, aber auch Chancen für unser Leben,
nicht zuletzt mit Blick auf die Menschenrechte?
Seite 4
Seite 20
Seite 12 Seite 32
Seite 24
Seite 40
Copyright Wochenschau Verlag
Künstliche intelligenz 3
Künstliche Intelligenz
Angelika Beranek
Auch eine Frage der Menschenrechte:
Was ist Künstliche Intelligenz? 4
Christian Djeff al
Schöne neue Welt oder unsere Welt?
Künstliche Intelligenz in Staat und Verwaltung 12
Interview
mit
Dorothee Bär
Nutzen wir diese Chance!
20
Daniela Kolbe
Dr. KI erwartet Sie nun
Chancen, Risiken und Nebenwirkungen von
KI-Systemen im Gesundheitswesen 24
Nadine Müller
Gute Arbeit by Design
Künstliche Intelligenz und Fragen der Ethik
in der Arbeitswelt 32
Francesca Schmidt
Sexismus und Rassismus im Code
Diskriminierung oder Gerechtigkeit durch
Algorithmen? 40
Kersten Lahl
Autonome Waff ensysteme als Stresstest für
internationale Sicherheitspolitik 46
Claudia Lemke, Dagmar Monett u. Martin Bloom eld
Lernen und Lehren mit und über KI
Chancen für eine Reformierung der Bildung 54
Forum
Jürgen Handke
Humanoide Roboter in Bildung und Schule
Maker Spaces für eine konstruktive Nutzung
von KI und Digitalisierung 62
Rezensionen
Bücher zum Thema 70
Das streitbare Buch 73
Bücher aus der Politikwissenschaft 76
Bücher für den Politikunterricht 78
Literaturtipps 79
Impressum 80
Schwerpunkt
KI und die Zukunft der Kriegsführung
Der Einsatz autonomer Waff ensysteme wird äußerst
kontrovers diskutiert. Der Vorstellung „humanerer
Kriege“ stehen Sorgen um menschlichen Kontroll-
verlust, Eskalationsspiralen und erneuten globalen
Rüstungsswettlauf entgegen.
Seite 46
Schwerpunkt
KI und Bildung
Missverständnisse gegenüber KI zeigen, wie essen-
ziell eine zeitgemä ße Ausbildung im Bereich der
nstlichen Intelligenz und die Förderung digitaler
Kompetenzen ist. Nur so können wir unsere Autono-
mie und Freiheit auch im digitalen Zeitalter bewahren.
Seite 54
Forum
Roboter in der Schule
Versäumnisse bei der Förderung von Digitalisierung
im Bildungsbereich waren schon vor der Covid-19-
Pandemie nicht zu übersehen. Was kann der Einsatz
humanoider Roboter in Schule, Unterricht und Lehr-
kräftebildung leisten?
Seite 62
Copyright Wochenschau Verlag
LERNEN UND LEHREN MIT UND ÜBER KI
Chancen für eine Reformierung der Bildung
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von CLAUDIA LEMKE, DAGMAR MONETT UND MARTIN BLOOMFIELD
Copyright Wochenschau Verlag
Künstliche intelligenz 55
Wir leben in einer Zeit zunehmender Algorithmierung.
Unsere menschlichen Handlungen, die Interaktion
mit der Welt und Beziehungen zu unseren Mitmen-
schen werden von Daten und ihren verarbeitenden
Systemen, den Algorithmen, immer stärker dominiert.
Digitale und vernetzte Technologien dringen immer
tiefer in unser tägliches Leben und Arbeiten vor. Sie
verändern unser menschliches Verhalten nachhaltig.
Wir agieren in einer digital verwobenen realen Welt,
in der Technologie nicht mehr nur Werkzeug, sondern
inhärent mit uns verschmolzen ist als Teil unserer
Identität (Floridi 2015).
Bislang nahm uns die Automatisierung menschli-
cher Denkaufgaben und körperlicher Arbeit nicht das
Recht auf Freiheit und Autonomie der Entscheidun-
gen. Die frühen Technologien des digitalen Zeitalters
wiesen weniger Varianten an maschineller Intelligenz
auf und stellten keine wirkliche Bedrohung für uns
dar.
Mittlerweile erleichtern uns Smartphones und Ta-
blets mit ihren Apps den Alltag und prägen immer
stärker auch unsere beru iche Arbeitsweise. Soziale
Netzwerke lassen uns die geogra sche Weite unserer
Erde nur noch wie einen Klick weit entfernt erschei-
nen, während wir ohne ‚Google Maps‘ nicht mehr eine
neue Stadt erkunden wollen oder können. Daten aus
dem sogenannten Sensor-Web des Internets der Din-
ge versorgen uns mit den neuesten Wetterinforma-
tionen, überwachen unsere Wege oder kontrollieren
den Schlaf unserer Kinder.
Für viele von uns, die sich nicht täglich mit diesen
Technologien auseinandersetzen, bleibt verborgen,
dass ein Großteil dieser Anwendungen Entscheidun-
Eine zeitgemäße Ausbildung im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist essentiell,
um zu verstehen, was KI bedeutet, wo ihre derzeitigen Grenzen liegen und welchen
Beitrag sie für Wirtschaft und Gesellschaft tatsächlich leisten kann. Eine
Erweiterung unserer digitalen Kompetenzen in der Einschätzung künstlicher
Intelligenz ermöglicht uns eine bessere Beurteilung der Wirkungsweise digitaler und
vernetzter Technologien. Damit können wir unsere Autonomie und Freiheit auch im
digitalen Zeitalter bewahren.
gen für uns triff t, bereits in Teilen autonom, und uns
damit eines Teils unserer zivilisatorisch erkämpften
Freiheit beraubt. Die Instanziierung von Künstlicher
Intelligenz (KI) in den Technologien des reifen digi-
talen Zeitalters erfolgt bereits seit mehreren Jahren.
Einzelne Methoden der KI klassi zieren mit ihren
Algorithmen und den benötigten Daten Strukturen
und bilden Muster, treff en Vorhersagen und zeigen
uns Korrelationen aus einer scheinbar riesigen Da-
tenmenge.
Für uns als Individuen, aber auch als Gesellschaft
insgesamt, wird es immer essentieller, dass wir ein
Grundverständnis über die Wirkungsweise von KI
besitzen. Nur so können wir z. B. die Bestrebungen
umfangreicher Arbeitsplatzautomatisierung besser
einschätzen oder die datengetriebene Algorithmie-
rung öff entlicher Dienste umfassender beurteilen.
Voreingenommenheit und Diskriminierung in Da-
ten und Algorithmen lassen sich leichter erkennen,
ebenso wie eine automatisierte Reproduktion von
Ungleichheiten und Benachteiligungen. Grundkennt-
nisse über die intelligente Verarbeitung von Daten
befähigen uns zur Entwicklung diff erenzierter Urteile:
z. B. hinsichtlich datenschutzrechtlicher Konsequen-
zen einer datenzentrierten Überwachung sowie in
„Eigentlich wird heute jeder in der westlichen Welt
und in der östlichen Welt schon berührt mit KI.“
Jürgen Schmidhuber, wiss. Direktor bei
IDSIA, Schweizer Forschungsinstitut für KI
Copyright Wochenschau Verlag
56 Künstliche intelligenz
Bezug auf eine algorithmische Pro lerstellung für z. B.
personalisierte Werbung. Schlussendlich sollte es je-
dem bzw. jeder Einzelnen als Konsument*in möglich
sein, den Bestrebungen von Technologie-Konzernen
zur Ausweitung datengetriebener Anwendungen
selbstbewusster gegenüberzutreten.
KI und Bildung
KI als Teilgebiet der Informatik erlebt seit einiger Zeit
nicht nur in den Medien eine extrem überzeichnete
Aufmerksamkeit. Auch die Wirtschaft erhoff t sich
durch ihren Einsatz einen enormen Produktivitäts-
schub für alle Branchen. Mittels KI werden vollkom-
men neue Formen der Automatisierung menschli-
cher Aufgabenbereiche durch eine datengetriebene
Entscheidungs ndung erwartet sowie neue Formen
von Geschäftsmodellen mit ihren smarten Produkten
und Services.
Auch in der Bildung zeigt sich eine zunehmende
Algorithmierung. Die Covid-19-Pandemie verstärk-
te diese Tendenzen für eine digitalisierte Bildung.
Der Markt der sogenannten Bildungstechnologien
(engl. EdTech) wächst anhaltend. Es wird ein weiterer
Wachstumsimpuls durch einen intensiveren Einsatz
von KI-basierter EdTech erwartet. Wir nennen diese
erste Betrachtungsebene KI für die Bildung.
Die notwendige breitere Information und Wis-
sensvermittlung über KI erfährt einen Aufschwung.
Insbesondere die Erkenntnis, dass Bürger*innen ihre
Verantwortung gegenüber der Nutzung und den
ethischen Implikationen von KI-Anwendungen besser
wahrnehmen und beurteilen sollten, wird als Trei-
ber dieser Entwicklungen gesehen. In Deutschland
richtet sich z. B. eine Initiative des Stifterverbandes
an alle Bevölkerungsschichten mit frei zugänglichen
digitalen Lernangeboten über KI (www.ki-campus.
org). Diese Facette im Zusammenspiel von Bildung
über KI bezeichnen wir als KI in der Bildung.
KI für die Bildung
Viele Bildungsforscher*innen, Lehrende und deren In-
stitutionen erho en sich von einem stärkeren Einsatz
KI-basierter EdTech die Personalisierung und Indivi-
dualisierung des Lernens. Passgenaue Lernangebote
unterstützen das individuelle Lernen. Voraussetzung
dafür sind Algorithmen des Learning Analytics, die
umfangreiche Daten über das Lernverhalten des Ein-
zelnen sammeln und analysieren.
Auf den ersten Blick liegen die Vorzüge einer in-
dividualisierten Lernanalyse klar auf der Hand. Ein
standardisiertes Lernen wird durch personalisierte
Lernkonzepte ersetzt, die entsprechend dem Lernver-
halten einen hohen Lernerfolg garantieren. Lernende
mit Lernschwierigkeiten oder einem erschwerten Zu-
gang zum Lernen erhoff en sich davon weniger Be-
nachteiligungen. Es ermöglicht ein selbstbestimmtes
und eigenverantwortliches Lernen, das die Nachteile
eines gleichgeschalteten Lernens obsolet werden
lässt und soziale Ungleichheiten verringert.
Kritiker sehen jedoch die Entstehung eines Modells
nach dem Vorbild von Net ix („Net ix for Educa-
tion“), das zu einem konsumenten- und erlebnisori-
entierten digitalisierten Lernen führt. Die Aneignung
von Wissen und dessen Vernetzung durch die Inter-
aktion zwischen Lernenden und Lehrenden bleiben
auf der Strecke. Bildung wird auf ein ober ächliches
Konsumieren reduziert. Solche Strukturen verschär-
fen den Wettbewerb zwischen traditionellen und
digitalen Bildungsanbietern und degradieren den
gesellschaftlichen Wert von Bildung. Denn ein au-
tomatisiertes Lernverhalten bietet detaillierte Rück-
schlüsse auf die Lerninhalte und deren didaktische
Au ereitung. Es liefert somit die Grundlage für die
Transformation der Bildung zur Industrie, bei der Ler-
nen immer stärker über den Preis als handelbare Ware
gesteuert wird.
KI-basierte EdTech kann auch für einen Datenmiss-
brauch und zur Manipulation von Lernenden und
Lehrenden genutzt werden. Sie eignet sich für eine
Überwachung der Lernenden und Lehrenden, ermög-
Ziel von KI in der Bildung
sollte sein, die Wahrnehmung
gegenüber ethischen
Fragestellungen zu erhöhen
„Die werden ja auch KI militärisch anwenden.
Wenn wir in Europa jetzt nicht den normativen,
ethischen, politischen Rahmen schaff en
für diesen technologischen Übergang,
dann wird es niemand tun.“
Thomas Metzinger,
Prof. für Theologie und Ethik, Univ. Mainz
Copyright Wochenschau Verlag
Künstliche intelligenz 57
licht umfangreiche Nutzerauswertungen und liefert
detaillierte Aussagen über individuelle Leistungsver-
mögen. Die Zunahme KI-basierter Anwendungen in
der Bildung bewirkt, dass sich Lernende und Lehrende
immer stärker an die Technologie anpassen müssen.
Das kann zur Verstärkung von Benachteiligungen und
zu Diskriminierung führen. Die erhoffte Demokra-
tisierung von Bildung durch die Digitalisierung wird
dadurch konterkariert.
Zu KI-basierter EdTech gehört auch der Einsatz von
Robotern. Gerade Lernende mit neurodiversen Eigen-
schaften, wie z. B. autistische Schüler*innen, können
mit Hilfe von Unterrichtsrobotern einfacher lernen
und erzielen weitaus bessere Lernerfolge (vgl. z. B.
www.herts.ac.uk/kaspar/the-social-robot).
Zusammenfassend lässt sich sagen: Zur Sicherstel-
lung eines gleichberechtigten, diversen und inklu-
siven Zugangs zu Bildung im digitalen Zeitalter ist
es essentiell, KI-basierte Bildungstechnologien dem
Gedanken öffentlicher Güter zu unterziehen. Sie müs-
sen allen gleichermaßen und ohne Einschränkungen
zur Verfügung stehen bzw. von allen Bildungseinrich-
tungen genutzt werden können. Als präferierte open-
source-Technologie inkl. offener Lerninhalte dürfen
keine technologischen Abhängigkeiten von einzelnen
digitalen Lernplattformen erzeugt werden.
KI in der Bildung
KI in der Bildung meint ein zu lehrendes Unterrichts-
fach in der allgemeinen Schulbildung, der akademi-
schen Bildung und im professionellen Trainingsbe-
reich. Es hat die Aufgabe, die notwendigen Grund-
kenntnisse über KI zielgruppengerecht zu vermitteln,
um die digitalen Fertigkeiten und Kompetenzen jedes
Einzelnen zu fördern für eine gleichberechtigte Teil-
habe am digitalen Leben der Zukunft.
Dabei gilt es jedoch zwischen einer spezialisierten
und einer generalistischen Wissensvermittlung zu
unterscheiden. Spezialist*innen konzipieren, entwi-
ckeln und betreuen größtenteils die Vielfalt möglicher
KI-Anwendungen in Wirtschaft und öffentlicher Ver-
waltung. Sie forschen an der Weiterentwicklung von
KI ganz allgemein und beschäf tigen sich insbesondere
auch mit ethischen Fragestellungen für einen verant-
wortungsvollen Umgang von KI für uns alle. Zu den
wesentlichen anzustrebenden Fertigkeiten gehören
analytisches Denken, Fachkenntnisse über konkrete
KI-Algorithmen, Umgang mit Daten und Tools sowie
gesellschaftliche und ethische Aspekte der Entwick-
lung und Anwendung von intelligenten Artefakten.
Ein generalistisches Wissen über KI hingegen hilft
uns als Gesamtgesellschaft, die Herausforderungen
unserer Technologie-getriebenen Welt besser zu
Passgenauere Lernangebote und individualisiertes Lernen – oder oberflächliches Konsumieren und Manipulation?
© MandicJovan – stock.adobe.com
Copyright Wochenschau Verlag
58 Künstliche intelligenz
genüber ethischen Fragestellungen und deren mo-
ralischen Implikationen zu erhöhen (Digital Ethical
Self-Awareness), damit sowohl KI-Entwickler*innen
als auch -Anwender*innen bessere Entscheidungen
treffen können. Im Ergebnis wird eine der funda-
mentalsten Forderungen im Umgang mit KI besser
erfüllbar sein: ethisch ausgewogenere Konzepte und
Lösungen zu nden, die helfen, Diskriminierung und
Voreingenommenheit zu vermeiden, unsere Privat
-
sphäre umfassender zu schützen und unseren freien
Willen besser zu bewahren.
Stärkung eines KI-ethischen Bewusstseins
durch Gamication
Unsere Wertvorstellungen, Normen und Haltungen
werden durch kulturelle Zugehörigkeit bestimmt
(Ingle hart/Wetzel 2010). Technologie selbst kann nicht
neutral sein, da in ihr „die Normen und Werte ihrer
menschlichen Schöpfer*innen“ enthalten sind (Loh
2019, 205). Daraus ergeben sich eine Reihe unterschied-
licher Konsequenzen für die Vermittlung eines (digital-)
ethischen Denkens. Zum einen können KI-Anwendun-
gen kaum universell sein, zum anderen entscheiden die
Menschen des jeweiligen Kulturkreises, ob sie durch die
Benutzung Nachteile erfahren oder nicht.
meistern, Vertrauen und Zuversicht zu fördern und
Verantwortung zu übernehmen. Letztlich trägt ein
Grundlagenwissen in der Breite auch dazu bei, die
Arbeitsmarktfähigkeit aller zu erhöhen für eine er-
folgreiche Transformation unserer Wirtschaft und
Gesellschaft. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wird
die Güte unserer vorhandenen Spezial- und Grund-
kompetenzen in dieser Schlüsseltechnologie darüber
entscheiden, ob die Chancen für eine Technologiefüh-
rerschaft auch in Zukunft vorhanden sind. Für Europa
bedeutet das insbesondere, ein Gegengewicht gegen-
über den USA und China aufzubauen, um gegenüber
deren KI-Vormachtstellung aufzuholen und vor allem
KI-Anwendungen mit den moralischen Werten der
europäischen Staatengemeinschaft zu entwickeln
und zu nutzen.
KI-Anwendungen besitzen die grundlegende-
higkeit für autonome Entscheidungen, die unsere
Freiheit bzw. unseren freien Willen beschränken
können. Anders als die stetige Forderung einer Basis-
Informatikausbildung in der Breite, das Computatio-
nal Thinking, erfordert KI in der Bildung die explizite
Wissensvermittlung ethischer Grundlagen. Dies gilt
für Generalist*innen und Spezialist*innen gleicher-
maßen. Das Ziel sollte sein, die Wahrnehmung ge-
… ein Begriff für politische Bildung
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Siegfried Frech, Robby Geyer,
Monika Oberle (Hg.)
Europa in der
politischen Bildung
Die Europäische Union als Lerngegenstand ist für Lehrende und
Lernende gleichermaßen herausforderungsvoll, denn ein „europä-
isches Bewusstsein“ als Ziel politischer Bildung setzt mehr voraus
als affektives Zugehörigkeitsgefühl. Für eine angemessene politi-
sche Urteilsbildung ist EU-bezogenes Wissen notwendig und eine
differenzierte Auseinandersetzung mit europäischen Themen, He-
rausforderungen und Konfl ikten, die sich nicht von momentanen
Stimmungen oder von einer diffusen Ablehnung leiten lässt. Eu-
ropabildung hat nicht vorrangig die Aufgabe, für die europäische
Integration zu begeistern. Sie muss vielmehr die gewachsene Be-
deutung der EU verstehbar machen, ihre Probleme benennen und
analysieren und schließlich die politische Urteilsbildung und Hand-
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Copyright Wochenschau Verlag
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60 Künstliche intelligenz
Das Narrativ des selbstfahrenden Autos wird gern
als Beispiel für die Diskussion ethischer Implikationen
durch KI-Anwendungen herangezogen. Das deutsche
Grundgesetz verbietet die Instrumentalisierung des
Menschen gemäß unserer deontologischen ethischen
Auff assung (P ichtenethik). Die angelsächsische Ethik
des Konsequentialismus o der der Zweckethik hingegen
würde eine Aufrechnung von Opfern bei einem even-
tuellen Unfall durch eine Maschine erlauben und nach
dem Nutzenprinzip entscheiden (Simanowski 2020,
25). Wie sollten nun solche autonomen Fahrzeuge der
Zukunft ausgestattet sein und wie sind Entscheidun-
gen zu treff en, wenn ein „englisches“ (d. h. ein utilita-
ristisches Fahrzeug) in Deutschland einen Unfall ver-
ursacht und entsprechend seiner Nutzenabschätzung
einen älteren Menschen zugunsten einer Gruppe von
Kindern tötet? Das ist nur ein beispielhafter Ausschnitt
der vielfältigen ethischen Fragen rund um KI, der zeigt,
welche enorme Verantwortung KI-Designer*innen bei
der Gestaltung und Implementierung besitzen.
Eine spielerische Vermittlung (Gami cation) grund-
legender ethischer Fragestellungen scheint am ge-
eignetsten, fördert ein Verständnis für das Verhalten
unterschiedlicher Kulturkreise und schärft den Blick
für eine ethische Beurteilung von Ergebnissen, die
durch die Datenverarbeitung der Algorithmen der KI
erzeugt werden.
Der spielerische Umgang fördert bei den Lernenden
ein ethisches Bewusstsein, verdeutlicht die Unter-
schiede zwischen den drei wesentlichen Moraltheo-
rien (Zweck-, P ichten- und Tugendethik) und hilft,
diese besser zu verstehen. Er erlaubt eine persönli-
che Einordnung in die Moraltheorie, an der der/die
Einzelne sich am natürlichsten orientiert. Durch die
Auswahl eines konkreten Spiels können grundlegen-
de Normen und Werte verinnerlicht werden, ehe sie
gegen die Überzeugungen einer der Moraltheorien
geprüft und re ektierbar werden. Die Spiele selbst
entwickeln sich von allgemeinen Ethik-Fragen zu kon-
kreten. Damit können ethische Unterschiede in der
Auff assung thematisiert und gelöst werden, da Ver-
bindungen und Übereinstimmungen zwischen den
Lernenden gefunden werden können.
KI in der Bildung und Diversität
Auch KI in der Bildung sollte den internationalen Er-
kenntnissen eines neurodiversen und inklusiven Zu-
gangs zu den Lerninhalten unterliegen. Neurodiver-
sität adressiert die biologische Vielfalt des menschli-
chen Gehirns und seiner Verarbeitungsprozesse. Das
Konzept verneint die Stigmatisierung von Menschen
mit neurologischen Diff erenzen als pathologische
Ausprägung im Sinne einer Krankheit, Störung oder
Beeinträchtigung. Neurodiversität akzeptiert die na-
Abb. 1: Taxonomie von Ethik-Games (eigene Darstellung)
Copyright Wochenschau Verlag
Künstliche intelligenz 61
türlichen Unterschiede des menschlichen Gehirns
in Bezug auf Geselligkeit, Lernen, Aufmerksamkeit,
Stimmung und andere wichtige mentale Funktionen
(Armstrong 2011, 3).
Neurodiverse Lernende, die bis zu 20 % der Be-
völkerung ausmachen können und zu denen z. B.
verschiedene Formen von Dyslexia ebenso gehö-
ren wie autistische Formen oder ADHS, müssen
inklusiv, aber dennoch ausdrücklich berücksichtigt
werden. Neurodiversität erkennt die Vielfalt aller
Menschen an, so dass niemand „neurotypisch“ ist,
wobei „typisch“ entweder deskriptiv oder normativ
ist; dennoch werden kategoriale Unterschiede be-
rücksichtigt. Eine Analogie wäre, dass es physisch
gesehen kein „typisches“ menschliches Wesen gibt
(jeder Mensch unterscheidet sich hinsichtlich sei-
ner Merkmale und Fähigkeiten von anderen). Es gibt
keinen allgemein akzeptierten Standard, der eine
Gruppe als einer anderen überlegen beurteilt. Trotz
Vorurteilen im Umgang mit unserer physischen und
physiologischen Vielfalt darf keiner als besser oder
schlechter beurteilt werden.
Es ist daher nicht nur wichtig, sondern logisch, zu
verstehen, wie neurodiverse Gruppen denken, fühlen
und lernen. Nur so haben alle die Möglichkeit, gleich-
berechtigt am digitalen Leben teilzunehmen. Einfache
Techniken wie die Reduzierung der Textmenge oder
die Bereitstellung klarer, abgestufter Anweisungen
und die Akzeptanz differenzierter Ergebnisse fördern
eine inklusive Wissensvermittlung, gerade im Bereich
der KI. Insbesondere Gamication als interaktives,
erfahrbares Lernen eröffnet Stile des Wissenserwerbs,
die nicht nur für neurodiverse, sondern für alle Ler-
nenden gleichermaßen geeignet sind.
KI in der Bildung sollte alle Formen der Diversität
berücksichtigen, damit wir als Menschheit von den
Vorteilen dieser Schlüsseltechnologie auch in Zukunft
protieren können. Nur so garantieren wir als Gesell-
schaft für alle Menschen eine gleichberechtigte und
inklusive Teilhabe am digitalen Leben und Arbeiten.
Damit können wir auch die ethischen Implikationen
im Umgang mit künstlicher Intelligenz besser begrei-
fen und bewerten und wären in der Lage, die medial
übersteigerte Erwartungshaltung an KI besser einzu-
ordnen. Und wir können als mündige Bürger*innen
informierter über eine zukünftige Ausgestaltung von
KI für uns alle abstimmen.
Dr. Claudia Lemke ist Professorin
für Wirtschaftsinformatik mit
dem Forschungsschwerpunkt
digitale Transformation an der
Hochschule für Wirtschaft und
Recht Berlin (HWR Berlin).
Dr. Dagmar Monett ist Professo-
rin für Informatik mit den
Schwerpunkten Künstliche
Intelligenz, Software Engineering
und Informatikausbildung an der
HWR Berlin.
Martin Bloomeld ist Trainer bei
York Associates, York, UK. Er ist
Spezialist für Interkulturelle
Aspekte und Neurodiversität und
unterrichtet dazu an verschiede-
nen europäischen Hochschulen
in Deutschland, Frankreich und
Großbritannien.
LITERATUR
Armstrong, Thomas 2011: The power of neurodiversity:
Unleashing the advantages of our differently wired brain.
Cambridge: Da Capo Lifelong.
Floridi, Luciano 2015: Die 4. Revolution. Wie die Info-
sphäre unser Leben verändert. Berlin.
Inglehart, Ronald/Welzel, Christian 2010: The WVS
cultural map of the world. World Values Survey;
http://www.worldvaluessurvey.org/WVSContents.
jsp?CMSID=Findings [letzter Zugriff: 01.02.2021]
Loh, Janina 2019: Roboterethik. Eine Einführung. Berlin.
Simanowski, Roberto 2020: Todesalgorithmus.
Das Dilemma der Künstlichen Intelligenz. Wien.
Dieser Beitrag ist digital verfügbar unter:
DOI https://doi.org/10.46499/1608.1787
Copyright Wochenschau Verlag
Impressum
Erscheint im 7. Jahrgang in der Nachfolge der Zeitschrif t „politische
bildung“ als Vierteljahreszeitschrif t des Wochenschau Verlags.
Verleger
Bernward Debus, Dr. Tessa Debus
Herausgeber
Prof. Dr. Sabine Achour
achour@zedat.fu-berlin.de
Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling
hans-juergen.bieling@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Peter Massing
massingr@zedat.fu-berlin.de
Prof. Dr. Stefan Schieren
stefan.schieren@ku-eichstaett.de
Prof. Dr. Johannes Varwick
johannes.varwick@politik.uni-halle.de
Dieses Heft wurde federführend herausgegeben von:
Sabine Achour
Beirat
Prof. Dr. Gabriele Abels (Univ. Tübingen), Prof. Dr. Uwe Andersen
(Univ. Bochum), Prof. Dr. Anja Besand (TU Dresden), Prof. Dr.
Gott hard Breit (Univ. Magdeburg), Prof. Dr. Thorsten Faas (FU Ber-
lin), Prof. Dr. Sven Bernhard Gareis (Univ. Münster), Prof. Dr. Wilhelm
Knelangen (Univ. Kiel), Prof. Dr. Sabine Kropp (FU Berlin), Prof. Dr.
Bernd Ladwig (FU Berlin), Prof. Dr. Stephan Lessenich (Univ. Mün-
chen), Prof. Dr. Andreas Nölke (Univ. Frankfurt/M.), Prof. Dr. Monika
Oberle (Univ. Göttingen), Prof. Dr. Kerstin Pohl (Univ. Mainz), Prof.
Dr. Lothar Probst (Univ. Bremen), Prof. Dr. Marion Reiser (Univ. Jena),
Prof. Dr. Armin Schäfer (Univ. Münster), Prof. Dr. Norman Weiß
(Univ. Potsdam), Prof. Dr. Wichard Woyke (Univ. Münster)
Verlag und Vertrieb
WOCHENSCHAU VERLAG, Dr. Kurt Debus GmbH, Eschborner
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ISSN 2364-4737 (Print) • ISSN 2701-1267 (Online)
Digitale Ausgabe: ISBN 978-3-734-1254-7 (PDF) •
DOI https://doi.org/10.46499/1608
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Nachweis der Zitate in der Reihenfolge des Abdruck s im Heft:
C. Lamprecht (mehrere Zitate), in: Tagesspiegel, 18.12.2020 | M.
Wenzel, https://www.youtube.com/watch?v=C7cbzNAM6V0
ab: 14:14 | F. Thelen, https://www.gq-magazin.de/lifestyle/
artikel/von- iegenden-autos-bis-labor eisch-frank-thelen-
ueber-seine-vision-fuer-die-zukunft [Zugriff : 4.11.2020] | J.
Schmidhuber (zwei Zitate), https://www.youtube.com/
watch?v=PNoaUMFNjxc | S. Rüping, https://www.youtube.
com/watch?v=C7cbzNAM6V0, 02:49 | S. Hawking, h t tps://
www.businessinsider.de/tech/stephen-hawking-warnt-vor-
den-folgen-kuenstlicher-intelligenz-2018-3/ | L . Kuhlmann,
https://www.zeit.de/digital/internet/2019-08/computer-
medienerziehung-programmieren-kinder-technologie/seite-2
[4.11 .20] | S. Esken, https://www.spdfraktion.de/themen/ki-
welt-bisschen-besser | K. Ait Si Abbou, https://twitter.com/
MTH_Conference/status/1324376463924187145?s=20;
https://www.berliner-zeitung.de/zukunft-technologie/nur-
frauen-in-leitungsfunktionen-koennen-alte-machtstruk-
turen-au rechen-li.109540 | Th. Metzinger (zwei Zitate),
https://www.deutschlandfunk.de/debatte-um-kuenstliche-
intelligenz-europa-hat-die-geistige.676.de.html?dram:article_
id=4 45805 | B. Schuller, https://www.spektrum.de/news/
kuenstliche-intelligenz-unterscheidet-stimme-von-gesunden-
und-kranken/1777593 [3.11.2020]
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… ein Begriff für politische Bildung
STANDARDWERK
Peter Massing, Gotthard Breit,
Hubertus Buchstein (Hg.)
Demokratietheorien
Das Standardwerk stellt zentrale Demokratie-
theorien von der Antike über das Mittelalter, die
Frühe Neuzeit und die Moderne bis zu demo -
kratietheoretischen Konzeptionen der Gegen-
wart vor. Das Buch enthält Ausschnitte aus
Originaltexten, die von Experten historisch
eingeordnet und auf ihre Bedeutung für die
Demokratie hin analysiert und kommentiert
werden – eine ideale Einführung.
9. Aufl age, ISBN 978-3-89974640-2, 368 S., 10,00
… ein Begriff für politische Bildung
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... A game-based learning approach of fundamental ethical questions promises to counter the abovementioned problems [17], promotes an understanding of the behaviour of different cultural groups, and sharpens the view towards an ethical assessment of the results generated by AI systems. Furthermore, the learners may be more motivated and engaged to learn; they could also get feedback about their individual learning progress automatically. ...
Conference Paper
Full-text available
The comprehensive digitalisation of society and economy is a chance to transform technological leadership into the digital era. Above all, it requires a solid education in basic digital skills and core competencies. Our technology-driven world, where we are increasingly interwoven with technologies that are no longer just tools but have become part of our identity, it is essential that these digital skills are complemented with ethical thinking. This touches the understanding of different norms, values and ethical perspectives, and especially their implications for the design and usage of technology. There are two main challenges behind the imperative of digital ethical thinking. On the one hand, technology cannot be neutral because it includes the values of their creators. Those who design, develop, deploy, and control technology have a particular, monocular cultural perspective that is imbued into technology. On the other hand, different cultures have different ethical perspectives. It is not possible to be ethical from competing ethical perspectives at the same time. Teaching learners in the field of today's technologies means teaching digital-ethical basics in a target group-oriented manner in addition to the necessary basic knowledge. This ethical knowledge is particularly important in the field of Artificial Intelligence (AI). Some current AI applications have the ability to make autonomous decisions that can limit our freedom or free will. The aim of digital ethical thinking should be to increase awareness of ethical issues and their moral implications, the so-called digital ethical self-awareness. As a result, both AI developers and AI users can make better decisions. Therefore, one of the most fundamental demands in dealing with AI will be more easily met, namely to have ethically-correct solutions that avoid discrimination and bias, protect our privacy, and preserve our free will. One suitable approach to learn and teach digital ethical thinking could be through gamification. In this context, game-based learning allows for a playful experience of ethical implications and combines them with the learning of basic ethical, culturally dependent views. In this paper, we develop a taxonomy of ethic games that fosters self-awareness in digital ethical thinking. The taxonomy demonstrates types and subtypes of ethical games, and can be used as a pathway for teaching ethical awareness. These ethic games help learners recognise the differences between ethical frameworks, and understand which of these frameworks they most naturally align themselves with. The three main ethical frameworks examine how ethical problems are dealt with by using them. The games develop from the general to the particular as they go higher up in the taxonomy. On the top, the taxonomy includes different ways in which ethical disputes can be solved by expanding the scope of the frameworks so that connections and agreement can be found between them. Additionally, we comment on the design of a first prototype for one of the possible ethic games together with a validation by selected learners. The goal is to evaluate the taxonomy and gather feedback on how to implement all other ethic games in the near future. With this, digital ethical thinking can become an integral part of teaching digital skills to empower the employability of each digital citizen.
Johannes Varwick johannes.varwick@politik.uni-halle
  • Prof
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Prof. Dr. Johannes Varwick johannes.varwick@politik.uni-halle.de