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Ramaria sanguinipes R. H. Petersen & M. Zang, a rarity, found in Thailand. // Ramaria sanguinipes, eine Rarität, gefunden in Thailand Zeitschrift für Mykologie (2013) 79/2: 431-442.

Authors:

Abstract

Hampe F (2013): Ramaria sanguinipes R. H. Petersen & M. Zang, a rarity, found in Thailand. Zeitschrift für Mykologie 79/2: 431-442. Summary: According to previously exclusive records from Yunnan, which were discovered in the markets of Simao and Lijiang, a new finding of Ramaria sanguinipes, for the first time in its natural habitat, from Thailand is presented. Species description is illustrated with photographs and line drawings of microscopic structures. The find is compared with the holotype of R. sanguinipes and the delimitation to other red to reddish brown staining species is discussed. Zusammenfassung: Nach den bisher einzigen Funden aus Yunnan, die auf den Märkten von Simao und Lijiang entdeckt wurden, wird ein neuer, an seinem natürlichen Standort aufgenommener Fund von Ramaria sanguinipes aus Thailand ausführlich beschrieben und mit Makrobildern sowie Mikrozeichnungen dargestellt. Der Fund wird mit dem Holotyp von R. sanguinipes verglichen, und die Abgrenzung zu weiteren rot bis rotbraun fleckenden Arten wird diskutiert.
© 2013 – Deutsche Gesellschaft für Mykologie
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Ramaria sanguinipes R. H. Petersen & M. Zang,
eine Rarität, gefunden in Thailand
Josef Christan & Felix Hampe
Christan J, Hampe F (2013): Ramaria sanguinipes R. H. Petersen & M. Zang, a rarity, found in
Thailand. Zeitschrift für Mykologie 79/2: 431-442.
Key words: Fungi, Basidiomycota, Gomphales, Gomphaceae, Ramaria, Ramaria sanguinipes,
taxonomy.
Summary: According to previously exclusive records from Yunnan, which were discovered
in the markets of Simao and Lijiang, a new finding of Ramaria sanguinipes, for the first time
in its natural habitat, from Thailand is presented. Species description is illustrated with
photographs and line drawings of microscopic structures. The find is compared with the
holotype of R. sanguinipes and the delimitation to other red to reddish brown staining species
is discussed.
Zusammenfassung: Nach den bisher einzigen Funden aus Yunnan, die auf den Märkten
von Simao und Lijiang entdeckt wurden, wird ein neuer, an seinem natürlichen Standort
aufgenommener Fund von Ramaria sanguinipes aus Thailand ausführlich beschrieben und
mit Makrobildern sowie Mikrozeichnungen dargestellt. Der Fund wird mit dem Holotyp
von R. sanguinipes verglichen, und die Abgrenzung zu weiteren rot bis rotbraun fleckenden
Arten wird diskutiert.
Einleitung
Ziel eines sechswöchigen Aufenthaltes im Juni und Juli 2012 in der Provinz Chiang
Mai im Norden Thailands war es, in den dortigen tropischen und subtropischen
Regenwäldern Pilze der Ordnung Russulales zu erforschen.
Hierzu unternahm der Zweitautor im Auftrag der Universität Gent zusammen
mit Studenten der Universität Chiang Rai und einheimischen Mykologen mehrere
Exkursionen in Gebirgswälder mit hohem Anteil ektomykorrhizabildender Baum-
arten. Neben dem Primärziel, Arten aus den Gattungen Lactarius Pers., Lactifluus
(Pers.) Roussel und Russula Pers. aufzusammeln und zu dokumentieren, wurden
auch interessante und auffällige Funde aus anderen Ordnungen und Familien
aufgesammelt und dokumentiert.
Eine schon makroskopisch auffällige Art aus der Gattung Ramaria Fr. ex Bonord.
war einer dieser „Beifänge“ und soll im Folgenden ausführlich beschrieben werden.
Auf Grund der makroskopischen Dokumentation vor Ort und der späteren mikro-
skopischen Untersuchungen konnte die Kollektion aus Thailand Ramaria sanguinipes
R. H. Petersen & M. Zang zugeordnet werden.
Anschriften der Autoren: Josef Christan, Wiesbachhornstr. 8, D-81825 München, korrespondie-
render Autor, E-Mail: Josef.Christan@gmail.com; Felix Hampe, Ghent University, Department
of Biology, Research Group Mycology, K.L. Ledeganckstraat 35, B-9000 Gent
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Petersen & Zang (1986) beschreiben R. sanguinipes (Holotypus) aus der Provinz
Yunnan bei Szemao in China. Interessanterweise fanden sie die Fruchtkörper auf
dem örtlichen Markt von Szemao, etwa 500 km südlich von Kunming. Eine genaue
ökologische Zuordnung war daher nicht möglich, aber vermutlich wurde der
Holotypus unter Pinus szemaoensis Chen & Lau. und Castanopsis argyrophylla King ex
Hook gesammelt. Eine spätere, zweite Kollektion [siehe Petersen & Zang (1990)],
wiederum aus Yunnan, wurde auf dem örtlichen Markt von Lijiang gekauft, woraus
die Autoren auf ihre Genießbarkeit schließen. Auch bei dieser Kollektion war keine
sichere ökologische Zuordnung möglich, aber wahrscheinlich wurde sie wiederum
in einem Mischwald mit P. szemaoensis, C. argyrophylla und Castanopsis ferox (Roxb.)
Spach gesammelt. Nach ausgiebiger Literaturrecherche haben wir festgestellt,
dass R. sanguinipes bislang nur in Yunnan gefunden wurde. Petersen & Zang
(1986) erwähnen eine Beschreibung von Ramaria eosanguinea von Singh, welche
der R. sanguinipes sehr ähnlich sei. Lediglich in der Arbeit von Maneevun et al.
(2012) wird R. sanguinipes erwähnt, doch die dort gegebene Beschreibung gleicht
Ramaria sanguinea (Pers.) Quél. 1888, weshalb die Bestimmung fraglich erscheint
(Ausführlicheres siehe unter Diskussion).
Somit ist der thailändische Fund, der unter Dipterocarpus spec. wuchs, der erste außer-
halb Yunnans und zugleich die erste dokumentierte Kollektion von R.sanguinipes, die
in ihrer natürlichen Umgebung gesammelt wurde.
Material und Methoden
Alle Standort- und Studioaufnahmen wurden mit einer Digitalkamera Fujifilm
Finepix s100fs angefertigt. Das frisch gesammelte Material – Fruchtkörper und
ausgestochene Bodenproben – wurde mit einem Dörrgerät (40 °C / 24 h) luftgetrocknet
und mit einer Kurzbeschreibung der frischen Fruchtkörper in separaten Kollektionen
herbarisiert.
Die makroskopischen Beschreibungen wurden den beigelegten Aufzeichnungen und
dem digitalen Bildmaterial entnommen. Die Farbangaben wurden an Frischmaterial
beschrieben und beziehen sich auf Konerup & Wanscher (1978).
Das Frischmaterial wurde am Fundtag mit Eisen(II)-sulfat, Kaliumhydroxid 30 %,
Anilin, Ammoniak und Formol an Astspitzen, Ästen, Strunk und Rhizomorphen
benetzt, und auftretende Farbumschläge wurden notiert (siehe Makrochemische
Reaktionen).
Unter einer Stereolupe wurden die herbarisierten Bodenproben untersucht, da-
bei konnten Rhizomorphen bis zu Mykorrhizabildungen verfolgt werden, zudem
wurden Teile der Rhizomorphen zur mikroskopischen Untersuchung entnommen.
Weitere eingehendere Untersuchungen wurden nicht unternommen.
Mikroskopische Merkmale wurden an Hand getrocknetem Material in L4 nach
Cmeon (1972) an einem Lichtmikroskop mit 100-fachem Ölimmersionsobjektiv
und 20-fachem Okular ermittelt. Bei den Angaben für Sporennge und Sporenbreite
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sind Apikulus und Ornamentation nicht berücksichtigt. Berechnet wurden auch
der Sporenquotient sowie die Mittelwerte der Sporenngen (Lm), Sporenbreiten
(Bm) und des Sporenquotienten (Qm). Neben den dominanten mittelgroßen Sporen
wurden auch auffallend große und kleine Sporen untersucht. Das Sporenornament
wurde in Baumwollblau/Milchsäure beurteilt, die Anatomie der Äste und Rhizo-
morphen in L4 bzw. Kongorot/Ammoniak (3%-ige Lösung in 0,5%-igem A mmoniak)
analysiert. Von jeder Kollektion wurden mehrere Schnittpparate angefertigt. Die
Mikrozeichnungen wurden von Hand – ohne Zeichentubus – auf Millimeterpapier
niedergelegt, mit einem Scanner digitalisiert, danach mit einem Zeichenprogramm
(Designer) nachgezeichnet und auf weißem Karton ausgedruckt. Vereinzelte Struk-
turen wie Ornamentation, gelifizierte Hyphen und Kristalle wurden abschließend
von Hand mit Tuschestift beziehungsweise mit Bleistift aufgetragen.
Beschreibung
Ramaria sanguinipes R. H. Petersen & M. Zang (1986) Abb. 1-6
Fruchtkörper (Abb. 1-3): jung 3-5 cm hoch, ausgewachsen bis 13 cm hoch und 10 cm
breit; Mycel im Boden (terricol), von der Humusschicht bis in den Mineralboden
reichend. Strunk 0,3-0,7 cm, kurz konisch, mit jungen Ästen versehen oder etwas
verbreitert mit mehreren Fruchtkörpern verwachsen; Verzweigung häufig schon
in Basisnähe beginnend. Unterste Basis weinrot bis tief rotbraun gefärbt (10 D5,
Abb. 1: Ramaria sanguinipes - junge gelbe und reife elfenbeinfarbene Fruchtkörper am Standort.
Foto: F. Hampe
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D6, C6; 9 E6, F6,7,8) aufwärts heller werdend, stellenweise gefleckt und allmählich
in die creme-weiße bis creme-gelbe Grundfarbe übergehend. Äste rund, voll,
gerade bis verbogen, mehrfach verzweigt; Astgabelungen jung etwas V-förmig,
ausgewachsen deutlich U-förmig abgerundet, meist zweifach, gelegentlich dreifach
aufgeteilt, Astabschnitte nach oben hin kürzer werdend; Astenden zunächst
mehrfach fein spitz, in der Reife stumpf höckerförmig (molar-förmig). Astfarben
junger Fruchtkörper von unten aufwärts creme-gelb bis allmählich gelb werdend,
in den Astenden leuchtender, klar gelb (3 A6), im Alter zunehmend blasser,
elfenbeinfarben werdend, die Astenden hell gelb. Zudem sind die weinroten bis
rotbraunen Verfärbungen mehr oder weniger deutlich zu sehen, gelegentlich sind
ganze Äste eingefärbt (Abb. 2 - vorderer Fruchtkörper). Neben diesem Farbenspiel
gibt es stellenweise violettliche Flecken an Druckstellen bzw. um anhaftende
Schmutzpartikel. Fleisch weiß-marmoriert, elastisch, Äste nicht leicht zu brechen;
äußere Verfärbungen in das Fleisch ± stark einfärbend. Geschmack zunächst mild,
dann etwas bitter werdend. Geruch uncharakteristisch. Basalmycel/Rhizomorphen
gebrochen weiß bis hell creme, ebenso weinrot bis rotbraun einfärbend wie am
Fruchtkörper; Ektomykorrhiza bildend.
Abb. 2: R. sanguinipes - junge Fruchtkörper mit weinroter Einfärbung.
Foto: F. Hampe
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Abb. 3: R. sanguinipes - gemischte Kollektion mit rotbrauner bis weinroter Einfärbung.
Foto: F. Hampe
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Makrochemische Reaktionen: FeSO4 am Hymenium intensiv grün, später türkis
und etwas ins Fleisch einfärbend. KOH 30 % ohne Reaktion, lediglich am Basalmycel
gelb. Anilin, Ammoniak und Formol ohne Reaktion.
Sporen (Abb. 4): (n = 60) 8,5-12,8 x 3,7-5 μm, Lm = 10,3 μm, Bm = 4,4 μm, Qm = 2,4;
im Profil ellipsoid mit supraapicularer Depression, Oberfläche fein rau bis rau;
in Baumwollblau/Milchsäure mit cyanophilem, warzig-wulstigem Ornament.
Basidien: 45-55 x 9-11 μm, keulig, farblos, mit Schnallen; 4–sporig, Sterigmen bis
6 x 1,5 μm; untermischt mit zylindrischen bis unregelmäßig geformten Hymenial-
cystiden, diese nur gelegentlich mit Schnallen versehen. Hyphen: in den Ästen
und im Strunk bis 12 μm im Ø, farblos, parallel bis verschlungen; Wände glatt bis
fein rau, dünn, bis etwa 0,5 μm verdickt; Schnallen gelegentlich, nur an manchen
Septenübergängen ausgebildet; ampulliforme Septenübergänge bis 15 μm im Ø,
mit innerer Ornamentation. Basalmycel (Abb. 5): Hyphen verschlungen 1,5-4 μm
im Ø, Wände dünn bis leicht verdickt, ohne Schnallen; Endzellen zylindrisch bis
etwas keulig; mit feiner, in der Tiefe bis zu 1 μm dicker gelatinöser, hyaliner bis
lichtbrechender Schicht überzogen; gelegentlich mit acantho-dendroiden und
globulären Zellen. Rhizomorphen (Abb. 6):nne, fein auslaufende Rhizomorphen
in Form und gelatinöser Umhüllung dem Basalmycel gleichend. An kräftigen, dicken
(ca. 1 mm dick) Rhizomorphen sind die Endzellen ohne gelatinöse Umhüllung,
dagegen sind in der äusseren Schicht stellenweise polymorphe Kristalle und acantho-
dendroide sowie globuläre Zellen zu sehen; Hyphen in der Tiefe der Rhizomorphen
bis zu 5 μm im Ø, parallel bis leicht verschlungen, glatt, dünnwandig, ohne Schnallen,
ampulliforme Septenübergänge mit innerer Ornamentation vorhanden.
Abb. 4: R. sanguinipes – Sporen.
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Abb. 5: R. sanguinipes – Basalmycel,
Endzellen und tiefer liegende
Hyphen mit gelatinöser Schicht.
Abb. 6: R. sanguinipes – Rhizomorphen (links) Hyphen mit
kristallinen Auflagerungen, sowie acantho-dendroiden und
globulären Zellen an der äußeren Rhizomorphenschicht;
(rechts) Hyphen aus der Tiefe der Rhizomorphen mit
ampulliformen, ornamentierten Septenübergängen.
Zeichnungen: J. Christan
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Diskussion
R. sanguinipes ist wie folgt charakterisiert: 1.) sehr jung gelbe, auswachsend elfen-
beinfarbene Fruchtkörper mit 2.) von der Basis aufwärts ± stark ausbreitenden, tief
blutroten bis tief braunroten Flecken und 3.) durch Schnallen an den Basidien, sowie
nur gelegentlichen Schnallen an den Hyphen der Fruchtkörper.
Die stellenweise vorkommenden violettlichen Flecken werden nicht als artspezifisch
angesehen. Nach eigenen Erfahrungen kommen sie an verschiedenen Ramarien
wie z.B. Ramaria flava (Schaeff.: Fr.) Quél. ss. Schild 1991, Ramaria mairei Donk
oder Ramaria pallidosaponaria R. H. Petersen gelegentlich vor. Ebenso werden die
erwähnten Hymenialcystiden nicht als artspezifisch angesehen, da diese bei so gut
wie allen Ramarien vorkommen und bislang nicht aussagekräftig sind (Christan
2008: S. 81, Abb. 83). Die rhizomorphalen Merkmale wie acantho-dendroide und
globuläre Zellen (Sekrethyphen), sowie ampulliforme Septenübergänge sind unter
anderem typisch für die Gattung Ramaria (Fries) Bonord. 1851 nom. cons. (siehe
Agerer 2004, Christan & Hahn 2005; Christan 2008: S. 83 Abb. 85 und S. 89-91
Abb. 97- 100) und ebenfalls nicht artspezifisch.
Ein Vergleich mit dem Holotypus zeigt eine große Übereinstimmung mit der hier
beschriebenen thailändischen Kollektion. So beschreiben Petersen & Zang (1986,
1990) R. sanguinipes als elfenbeinfarben mit blassem, klarem Gelb und einer deutlich
braunroten (maron) Fleckung vom Strunk aufwärts. Lediglich die etwas tiefer gelb
gefärbten jungen Fruchtkörper aus Thailand weichen in der Farbe etwas ab. Die
mikroskopischen Angaben von Petersen & Zang (1986, 1990), wie Schnallen an den
Basidien und nur gelegentlich Schnallen an den Hyphen, sowie Sporenmaße von
9,4-11,5 x 4,3-5,0 μm zeigen eine gute Übereinstimmung. Dies wird gestützt durch
eigene Untersuchungen am Holotypus, dessen Sporenmaße (n = 60) mit 9-12 (12,3) x
(3,8) 4-5,5 μm, Lm = 10,5 μm, Bm = 4,6 μm, Qm = 2,3 ermittelt wurden. Ebenso konn-
te die charakteristische Schnallenverteilung bestätigt werden. Zudem zeigten Unter-
suchungen am Basalmycel bzw. an den Rhizomorphen am Holotypus (Basalmycel)
sowie an der thailändischen Kollektion (Basalmycel/Rhizomorphen) ebenfalls eine
Übereinstimmung. Bei beiden Kollektionen sind auffallend gelifizierte Hyphen am
Basalmycel zu sehen. Lediglich bei der thailändischen Kollektion ist ausreichend
Substrat mit Rhizomorphen vorhanden. Auch dort sind in dennnen auslaufen-
den Rhizomorphen gelifizierte Hyphen zu erkennen, wobei in den Bereichen kräfti-
ger Rhizomorphen noch zusätzlich kristallbesetzte Hyphen und acantho-dendroide
sowie globuläre Zellen vorkommen. Gelifizierte Hyphen und Kristalle im Basalmy-
cel bzw. in den Rhizomorphen sind auch bei anderen Ramaria-Arten beschrieben
worden (Christan 2003, 2008).
Einen Unterschied jedoch gibt es: Die Kollektionen aus Yunnan sind laut Petersen
& Zang (1986, 1990) vermutlich alle, da auf Märkten in Yunnan erworben, unter
Pinus szemaoensis und Castanopsis argyrophylla gefunden worden, während die thai-
ndische Kollektion unter Dipterocarpus spec. wuchs. Dies ist nicht verwunderlich,
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da Ektomykorrhiza bildende Ramarien (Ramaria Untergattung Ramaria) mit ver-
schiedenen Bäumen eine Symbiose eingehennnen (Christan & Hahn 2005).
So ist bekannt (Christan 2008), dass z. B. Ramaria bataillei (Mairé) Corner, Ramaria
mairei und auch Ramaria sanguinea (Pers.) Quél. in Bergnadelwäldern unter Fichten
(Picea) genauso wie in tieferen Lagen unter Buchen (Fagus) vorkommen.
Auf der Suche nach neuerer Literatur zu R. sanguinipes wurde lediglich die Arbeit
von Maneevun et al. (2012) gefunden, in der über R. sanguinipes berichtet wird. Beim
Studium dieser Arbeit ist aufgefallen, dass die Beschreibung von R. sanguinipes der
von R. sanguinea gleicht. Dies gründet sich vor allem auf die Angabe der Autoren, dass
die von ihnen gesammelten Kollektionen keinerlei Schnallen aufweisen „... Clamp
connections could not be found at the fibers and basidium base.“ (Maneevun et al.
2012: 157), also weder an den Basidien noch an den Hyphen. Das Fehlen von Schnallen
ist typisch bei R. sanguinea (Christan 2008: 230), nicht aber, wie oben beschrieben, bei
R. sanguinipes. Somit gehen wir davon aus, dass es sich bei der hier beschriebenen
Kollektion um den Erstfund aus Thailand und zugleich den ersten Fund der Art
außerhalb Yunnans handelt.
Verwechslungsmöglichkeiten mit R. sanguinipes sind auf Grund der Farbgebung
vor allem mit der ebenfalls elfenbeinfarbenen und rotbraun fleckenden Ramaria
xanthosperma (Peck) Corner gegeben. Eigene Funde aus Japan zeigen die farbliche
Übereinstimmung. Auch Petersen & Zang (1989) weisen auf die große Ähnlichkeit
von R. xanthosperma und R. sanguinipes hin. R. xanthosperma hat jedoch wesentlich
größere Sporen. So ergaben eigene Untersuchungen am Holotypus (NYS 3434) eine
Sporengröße von 11-16 x 3,7-5,5 μm, zudem hat sie keinerlei Schnallen, weder an
den Basidien noch an den Hyphen. Auch die zwei Kollektionen von R. xanthosperma
aus Japan bestätigen die Sporengröße (11-16 x 4,2-5,8 μm) und das Fehlen von
Schnallen.
Petersen & Zang (1986, 1989) berichten über weitere Verwechslungsmöglichkeiten
von R. sanguinipes mit Ramaria sanguinea, Ramaria eosanguinea R. H. Petersen,
Ramaria rubiginosa Marr & D. E. Stuntz und Ramaria rubriattenuipes R. H. Petersen
& M. Zang, alle mit weinroten bis braunroten Flecken. Die beiden urspnglich
aus Europa beschriebenen Arten R. sanguinea und R. eosanguinea zeigen in der
Reife gelbere Farben, und die Fleckung ist mehr weinrot bis purpurrot. Zudem hat
R. sanguinea keinerlei Schnallen, während R. eosanguinea überall reichlich Schnallen
aufweist. Die Sporengrößen weisen eine Ähnlichkeit mit R. sanguinipes auf. So hat
R. sanguinea nach eigenen Untersuchungen eine Sporengöße von 7,5-12 x 3,8-5,5 μm
und R. eosanguinea (laut Petersen 1976) liegt bei 9,6-12,6 x 4,1-4,8 μm. Zudem sind
bei R. sanguinea ebenfalls deutlich gelifizierte Hyphen im Basalmycel und den
Rhizomorphen zu sehen, jedoch keine Kristalle wie bei R. sanguinipes (Christan
2008: 230). Die Nordamerikanische R. rubiginosa scheint durch ihre gelben Farben,
eine Sporengröße von 7-11 x 3,5-6 μm (siehe Marr & Stuntz 1973) und die
Abwesenheit von Schnallen zu R. sanguinea zu gehören, während die aus Yunnan
beschriebene R. rubriattenuipes mit ihren elfenbeinfarbenen Fruchtkörpern, den tief
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roten bis maronfarbenen Flecken und den 11,5-15,8 x 4,7-5,4 μm großen Sporen
(siehe Petersen & Zang 1989) eher der R. xanthosperma nahe stehend scheint.
Hinzufügen möchten wir noch die ebenfalls rot bis braunrot fleckenden und bei
Exeter (2006) mit guten Bildern dargestelten R. maculatipes Marr & D. E. Stuntz,
R. rubribrunnescens Marr & D. E. Stuntz und R. vinosimaculans Marr & D. E. Stuntz.
Nach Marr & Stuntz (1973) zeigt R. maculatipes blass orange bis pfirsichfarbene
Äste und gelbe Astenden, 9-11 x 4-5 μm großen Sporen und überall Schnallen, und
R. rubribrunnescens hat keine Schnallen, 10-14 x 3,5-5 μm große Sporen und pastell-
rote Äste mit gelben Astenden, während R. vinosimaculans wiederum blassgelbe Äste
und Astenden und überall Schnallen bei einer Sporengröße von 9-13,5 x 3,5-5 μm
aufweist.
Untersuchte Kollektionen
Ramaria sanguinipes
Holotypus: China, Yunnan, Szemao, 20.10.83, no. 45677, TENN.
Thailand: FH 12-119, Thailand, Provinz Chiang Mai, 22 km marker, Tha Pa,
19.12806°N 98.76583°E, Höhe = 720,3 m ü. NN, bei Zweiflügelfruchtbaum (Diptero-
carpus spec.), 08.07.2012, leg. F. Hampe, det. J. Christan, Privatherbar JC Nr. 1997;
Herbar MFLU 12-0612.
Ramaria sanguinea
Deutschland: MTB 4529/3, Thüringen, Bleicherode, Bleicheröder Berg, Langes Tal,
Buchenwald (Fagus) auf Muschelkalk mit eingestreuten Fichten (Picea), 14.09.02, leg.
et det. W. Schulz, Herb. JC Nr. 920; – MTB 5117/3, Hessen, Gladenbach „Hornberg“,
o. Mornshausen, Buchenwald (Fagus), 08.10.20 , leg. et det. M. Theiß, Herb. JC Nr.
836, Mornshausen/Dautphe, Buchenwald (Fagus), 14.09.02, leg. et det. W. Schößler,
Herb. JC Nr. 925 und 29.09.04, leg. et det. M. Theiß, Herb. JC Nr. 1161; – MTB 6024/1,
oberhalb Holletal, unter Buchen (Fagus), 29.09.95, leg. et det. L. Krieglsteiner, Herb.
JC Nr. 553; – MTB 7420/1, Schönbuch, Bebenhausen, Fichten-Kiefern-Nadelwald
(Picea, Pinus) mit eingestreuten Buchen (Fagus), 06.09.93, leg. et det. A. Bollmann,
Herb. JC Nr. 274; 26.08.93, leg. A. Müller, Herb. JC Nr. 245; – MTB 7439/1, Landshut,
Isarhangleiten, Buchenwald (Fagus) mit eingestreuten Kiefern (Pinus), 26.09.95, leg.
R. Boesmiller, Herb. JC Nr. 465; – MTB 7716, Schwarzwald, Dunningen, Nadelwald
bei Fichte (Picea), 24.09.95, leg. A. Müller, Herb. JC Nr. 481; – MTB 7816, Locherhof,
September 1993, Herb. JC Nr. 280; – MTB 7934/4, Weiherbuchet, bei Buchen (Fa-
gus), 30.07.00, leg. et det. G. Bauer, Herb. JC Nr. 802; – MTB 7935/3, Grünwald bei
nchen, Buchenwald (Fagus) mit Kiefern (Pinus), unter Buche (Fagus), 23.09.90,
Herb. JC Nr. 94; 11.10.90, Herb. JC Nr. 113; – MTB 7942/2/2/1/3, Tittmoning-Wimm,
Salzachleiten, Buchenwald (Fagus) auf Kalk, 06.09.87, leg. T. R. Lohmeyer, Herb. JC
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Nr. 158; – MTB 8033, Hartschimmel, Goaslweide, Buchenwald (Fagus), 08.06.96, leg.
P. Karasch, Herb. JC Nr. 542, 08.08.2000, Herb. JC Nr. 688, 20.09.01, Herb. JC Nr. 793;
zwischen Herrsching und Andechs, Buchenhochwald (Fagus) auf Kalk, 20.09.01,
15.09.02, Herb. JC Nr. 771, 783, 976; – MTB 8234/4 Steinbachtal bei Bichl, 02.09.00,
leg. et det. G. Bauer, Herb JC Nr. 803; – MTB 8331/1, Hoher Trauchberg, Am Gfäll,
Bergfichtenwald (Picea) auf Kalk, September 1998, Herb. JC Nr. 623; – ohne MTB-
Angabe, Mühltal, im Nadelwald bei Fichten (Picea), 19.09.94, leg. Arnold, Koll. 69/94.
Neotypus: MTB 4517, Nordrhein-Westfalen, an den Almquellen bei Brilon-Alme,
Buchenwald (Fagus) auf Kalk, ca. 370 m NN, 07.10.72, leg. A. Runge, A. Lang, E.
Kavalir, det. E. Schild, aus Herbar ZT Schild Nr. 554.
Ramaria xanthosperma
Holotypus: USA, Smithtown, Suffalk Co., 30.08.1904, leg. C. H. Peck, aus Herbar
NYS Nr. 3434.
Japan: Honshu, Präfektur Yamanashi; 28.08.2011; Mt. Fujisan, Vulkangestein, ca.
1.800 m ü. NN; unter Quercus mongolia, Q. serrata, Pinus jezoensis, P. densiflora, Tsuga
diversifolia, Abies homolepis, A. veitchii; leg. et det. Y. Ando, J. Christan; Privatherbar
JC Nr. 2032. Miagi, Nenoshiroishi, 16.09.2011, unter Abies firma, Quercus serrata; leg.
Y. Ando, J. Christan, det. Y. Ando; Privatherbar JC Nr. 2132.
Danksagung
Unser besonderer Dank gilt Frau Prof. Annemieke Verbeken, ohne sie wäre der Thai-
landaufenthalt für den Zweitautor nicht möglich gewesen. Unserem thailändischen
Kollegen Komsit Wisitrassameewong danken wir für Informationen zur Flora des
Fundgebietes von R. sanguinipes. Dankend erwähnt seien auch Peter Specht und
Jesko Kleine für die Durchsicht dieser Arbeit.
Literatur
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DNA-based phylogenetic hypotheses? In Agerer R, Piepenbring M, Blanz P (eds) Fron-
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Christan J (2003): Bestimmungsmerkmale im Basismycel. Beispiele aus der Gattung Ramaria.
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Christan J (2008): Die Gattung Ramaria in Deutschland. Monografie zur Gattung Ramaria in
Deutschland, mit Bestimmungsschlüssel zu den europäischen Arten. IHW-Verlag.
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Christan J, Hahn C (2005): Zur Systematik der Gattung Ramaria (Basidiomycota, Gomphales).
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chung von Pilzen. Zeitschrift für Pilzkunde 38(1-4): 49-53.
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442 Zeitschrift für Mykologie 79/2, 2013
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Felix Hampe
Beschäftigt sich schwerpunktmäßig
mit der Taxonomie der Russulaceae.
Josef Christan
Beschäftigt sich ausschließlich
mit Gomphales, insbesondere den
Gattungen Gomphus und Ramaria.
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  • F Hampe
  • . J Christan
Untersuchte Kollektionen Ramaria sanguinipes Holotypus: China, Yunnan, Szemao, 20.10.83, no. 45677, TENN. Thailand: FH 12-119, Thailand, Provinz Chiang Mai, 22 km marker, Tha Pa, 19.12806°N 98.76583°E, Höhe = 720,3 m ü. NN, bei Zweiflügelfruchtbaum (Dipterocarpus spec.), 08.07.2012, leg. F. Hampe, det. J. Christan, Privatherbar JC Nr. 1997;
803; -MTB 8331/1, Hoher Trauchberg, Am Gfäll, Bergfichtenwald (Picea) auf Kalk
  • Herb Nr
zwischen Herrsching und Andechs, Buchenhochwald (Fagus) auf Kalk, 20.09.01, 15.09.02, Herb. JC Nr. 771, 783, 976; -MTB 8234/4 Steinbachtal bei Bichl, 02.09.00, leg. et det. G. Bauer, Herb JC Nr. 803; -MTB 8331/1, Hoher Trauchberg, Am Gfäll, Bergfichtenwald (Picea) auf Kalk, September 1998, Herb. JC Nr. 623; -ohne MTB-Angabe, Mühltal, im Nadelwald bei Fichten (Picea), 19.09.94, leg. Arnold, Koll. 69/94. Neotypus: MTB 4517, Nordrhein-Westfalen, an den Almquellen bei Brilon-Alme, Buchenwald (Fagus) auf Kalk, ca. 370 m NN, 07.10.72, leg. A. Runge, A. Lang, E. Kavalir, det. E. Schild, aus Herbar ZT Schild Nr. 554. Ramaria xanthosperma Holotypus: USA, Smithtown, Suffalk Co., 30.08.1904, leg. C. H. Peck, aus Herbar NYS Nr. 3434. Japan: Honshu, Präfektur Yamanashi; 28.08.2011; Mt. Fujisan, Vulkangestein, ca.
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