ChapterPDF Available

Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Authors:

Abstract and Figures

Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Klimaschutz gefährdet Wälder. Dabei sind Waldökosysteme für das lokale, regionale und globale Klima von größter Bedeutung. Doch in den letzten Jahrhunderten hat die Menschheit die Wälder rücksichtslos dezimiert, zerschnitten, umgestaltet und ausgebeutet. Nunmehr hat der menschengemachte Klimawandel begonnen, Wälder und Forsten zusätzlich unter Druck zu setzen. Da gleichzeitig die Bemühungen um die Reduktion von Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht ausreichend fruchten, gerät die Waldoption stärker in den Fokus des Klimaschutzes. Dabei geht es allerdings nicht vorrangig um die Erhaltung oder Erholung von alten, naturnahen Wäldern, sondern um Ideen zur Substitution von fossilen Brennstoffen und energieintensiven Materialien durch Holz. Da zudem die Wirtschaftlichkeit der forstlichen Nutzung durch Fehler der Vergangenheit wie das Anlegen von großflächigen Monokulturen und den Klimawandel zusehends gefährdet scheint, wird ein Wald-Klimaschutz-Narrativ konstruiert, welches zum einen stärkere Nutzung von Holz etwa zur Energiebereitstellung rechtfertigen und zudem neue Fördermöglichkeiten erschließen soll. Die entsprechenden Studien und Berechnungen zum Waldkohlenstoffhaushalt werden allerdings dem komplexen ökosystemaren Charakter von Wäldern nicht in Ansätzen gerecht. Wichtige Befunde zur Überlegenheit alter und ungenutzter Wälder bei der Stabilisierung des Klimas werden ausgeblendet oder gar bekämpft.
Content may be subject to copyright.
Hans Dieter Knapp,
Siegfried Klaus, Lutz Fähser
(Hrsg.)
Der
Holzweg
Wald im Widerstreit
der Interessen
KNAPP Holzweg.indd 3KNAPP Holzweg.indd 3 04.12.20 09:3504.12.20 09:35
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Pierre L. Ibisch, Torsten Welle, Jeanette S. Blumröder,
Jörg Sommer, Knut Sturm
Wie das Klimaschutznarrativ
die Wälder bedroht
1 Paradoxon
Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Klimaschutz gefährdet Wälder. Dabei sind Wald-
ökosysteme für das lokale, regionale und globale Klima von größter Bedeutung. Doch
in den letzten Jahrhunderten hat die Menschheit die Wälder rücksichtslos dezimiert,
zerschnitten, umgestaltet und ausgebeutet. Nunmehr hat der menschengemachte
Klimawandel begonnen, Wälder und Forsten zusätzlich unter Druck zu setzen. Da gleich-
zeitig die Bemühungen um die Reduktion von Treibhausgasemissionen aus der Ver-
brennung fossiler Brennstoe nicht ausreichend fruchten, gerät die Waldoption stärker
in den Fokus des Klimaschutzes. Dabei geht es allerdings nicht vorrangig um die Er-
haltung oder Erholung von alten, naturnahen Wäldern, sondern um Ideen zur Subs-
titution von fossilen Brennstoen und energieintensiven Materialien durch Holz. Da
zudem die Wirtschaftlichkeit der forstlichen Nutzung durch Fehler der Vergangen-
heit wie das Anlegen von großächigen Monokulturen und den Klimawandel zu-
sehends gefährdet scheint, wird ein Wald-Klimaschutz-Narrativ konstruiert, welches
zum einen stärkere Nutzung von Holz etwa zur Energiebereitstellung rechtfertigen
und zudem neue Fördermöglichkeiten erschließen soll. Die entsprechenden Studien
und Berechnungen zum Waldkohlenstohaushalt werden allerdings dem komplexen
ökosystemaren Charakter von Wäldern nicht in Ansätzen gerecht. Wichtige Befunde
zur Überlegenheit alter und ungenutzter Wälder bei der Stabilisierung des Klimas
werden ausgeblendet oder gar bekämpft.
1 Einzelne (ggf. veränderte) Abschnitte dieses Beitrags sind Teil eines ePapers: Ibisch, P. L.; Welle, T.; Blum-
röder, J. S.; Sommer, J. (2020): Wälder sind Kohlenstosp eicher. Holzverbrennung ist nicht klim aneutral. Hinter-
grundpapier anlässlich des Filmbeitrags »Klimaschutz auf dem Holzweg. Wird unser Wald verheizt?« von
Güven Purtul (Frontal21, ZDF) [ht tps://www.zdf.de/politik/frontal-21/holzverbrennung-100.html; 27. 08. 2020].
Centre for Econics and Ecosystem Management, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde; Natur-
wald Akademie; Deutsche Umweltstiftung. Eberswalde, Lübeck, Berlin.
KNAPP Holzweg.indd 175KNAPP Holzweg.indd 175 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

2 It’s all about energy: Photosynthesetürme
in komplexen, sich selbst verbessernden Bioreaktoren
Viele Wälder der Erde sind die komplexesten und artenreichsten Landökosysteme.
Ihre Entstehung und Entwicklung waren nicht nur für die biologische Evolution
maßgeblich, sondern trugen durch ihre vielfältigen Wechselwirkungen mit den Böden,
dem Wasserkreislauf und der Atmosphäre wesentlich zur Reifung und Stabilisierung
des globalen Ökosystems bei. Das Wechselspiel aus Mutation und Selektion führte
dazu, dass Panzen sich über die Erdoberäche erhoben und damit die energetische
Ezienz der Ökosysteme erhöhten. Durch die Vergrößerung der gesamten Blattober-
äche pro Fläche konnte mittels Photosynthese ein immer größerer Teil der Sonnen-
strahlung eingefangen und in biochemische Energie umgewandelt werden. Zunächst
dürfte Konkurrenz ein starker Antrieb gewesen sein, der Kampf ums Licht. Aber dann
traten weitere Selektionsfaktoren hinzu, die sich aus dem zuvor Erreichten ergaben.
Sobald eine neue Struktur und eine neue Funktion ausgebildet ist, beeinusst sie
die Umwelt der Organismen genauso wie die Organismen selbst. Die Evolution von
Organismen führt zu systemimmanenten Pfadabhängigkeiten und Optionen.
Die Entwicklung des etagenartigen, dreidimensionalen Waldsystems hatte sekun-
däre und tertiäre Konsequenzen, die rückkoppelnd auf seine Funktions- und Leis-
tungstüchtigkeit wirkten. Beispielsweise wird das Kronendach im Laufe der Ökosys-
tem ent wicklung immer strukturierter und rauer, was die Rückstrahlung von Sonnen-
energie erniedrigt und die weitere Energieaufnahme erhöht (Holdaway etal. 2010).
Der Sonnenenergie einfangende Bioreaktor wird aus der materialisierten Energie selbst
aufgebaut, aus der Biomasse. Um eine hinreichende Stabilität der Bäume als Photo-
synthesetürme zu erreichen, wurden sie durch Lignin verstärkt– es entstanden die
hölzernen Stämme. Diese wurden entsprechend haltbar und eröneten großen Pan-
zenindividuen die Möglichkeit, sehr alt zu werden. Die Konsequenz davon war, dass
immer mehr Biomasse und damit chemisch gebundene Energie– auf der Grundlage
von Kohlenstoverbindungen– für immer längere Zeiträume auf den Flächen ver-
bleiben konnten. Dies wurde noch dadurch befördert, dass sich das solide Material
auch nach dem Absterben der Bäume nur langsam wieder zersetzt. Sowohl der Eta-
genaufbau der Wälder und der wachsende Energiegehalt als auch die diversen Mate-
rialien– vor allem Holz in verschiedenen Dimensionen und Zersetzungsstufen, aber
auch sich zersetzende Blätter in der Streuschicht und Humus– führten dazu, dass im
Waldökosystem immer neue »Lizenzen« für Arten entstanden, sich in das System zu
integrieren. Zu den Besonderheiten der Waldökosysteme gehören unter anderem die
unzähligen Organismen, die in und auf lebendem und totem Holz leben, darunter
Arthropoden genauso wie Wirbeltiere, Bakterien und Pilze– und auch grüne Panzen,
die sogenannten Epiphyten. Es geht so weit, dass etwa das Wurzelmikrobiom, wel-
KNAPP Holzweg.indd 176KNAPP Holzweg.indd 176 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

ches Wurzelendophyten und Mikroorganismen umfasst, die die »Mykorrhizosphäre«
besiedeln, heute als Teil des »erweiterten Phänotyps« der Panze anerkannt werden
(Ryan etal. 2016).
Da die Holztürme im Boden verankert werden müssen, durchdringen Bäume auch
den Boden viel stärker als kleine Krautpanzen. Es kommt durch die Baumwurzeln zur
Veränderung tieferer Bodenschichten und auch zu einer ezienteren Wasseraufnahme,
sogar zu einem regelrechten hydraulischen Auftrieb (Zapater etal. 2011; Pierret etal.
2016) und einer Verbesserung der Wasserversorgung sowie der Möglichkeit, Wasser
zu verdunsten. Die Biomasse der Wälder selbst wurde zu einem bedeutsamen Wasser-
speicher– genauso wie die humusreichen Oberböden mit dem auiegenden Totholz.
Wasser ist, wie auch Kohlendioxid und Sonnenlicht, eine notwendige Zutat für die
Photosynthese– und für das Leben in Ökosystemen.
Der steigende Energiegehalt und -durchuss sowie das anwachsende Netzwerk der
Informationen speichernden Organismen führten zu einer stetigen Vergrößerung der
physikalischen Arbeitsfähigkeit der Waldökosysteme, wobei diese größer ist als der
Abbildung 1
Je länger ein Wald ohne Nutzung sich selbst organisieren kann, desto größer die
Strukturvielfalt, Biomasse, Komplexität und Resilienz. Das NSG Fauler Ort (Uckermark) ist seit
über 100Jahren ohne forstliche Nutzung und erlaubt, eine Vorstellung davon zu gewinnen,
wie Wälder in Deutschland aussehen könnten (Foto: P. Ibisch, im Bild Autori n Jeanette S. Blumröd er).
KNAPP Holzweg.indd 177KNAPP Holzweg.indd 177 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

reine Brennwert der Biomasse (z. B. Fath etal. 2004). Sie wird auch bestimmt durch
die Vielzahl von Interaktionen im Ökosystem und die damit verbundenen Funk-
tionen. Wälder sind deutlich mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen, nämlich
komplexe Systeme, in denen Organismen aller Art– von Bakterien und Pilzen bis
hin zu Panzen und Tieren– verschachtelt und integriert mehr oder weniger von-
einander abhängen; das Konzept der Holobiose wird durch Befunde der letzten Jahre
gestützt und wirft ein neuartiges Licht auf die Funktionstüchtigkeit von Ökosystemen
(vgl. z. B. Simon etal. 2019). Das Ausmaß der Symbiosen übersteigt dabei deutlich
die bis vor Kurzem bekannten Dimensionen. Vor allem das Mikrobiom der Wälder
dürfte eine Schlüsselrolle für deren »Gesundheit« haben. Wichtig sind die ökosystemi-
schen emergenten Eigenschaften sowie deren Synergien und Rückkopplungen, die für
erhöhte Regulation, Resistenz und Resilienz sorgen.
Durch die Aufnahme und Speicherung von Kohlensto, aber auch durch die
Erhöhung und Stabilisierung der Nettoprimärproduktivität der Landökosysteme sind
Wälder wirkmächtige Komponenten des Energiehaushalts der Erde, deren globalöko-
logische Relevanz weit über ihren Kohlenstogehalt hinausgeht. Die entsprechenden
Zusammenhänge werden gerade erst deutlicher. Mit der strukturellen Komplexität
und dem Reichtum an Material sowie der Gesamthöhe und der Gestaltung des Blätter-
dachs von reifenden Waldökosystemen verändern sich auch die physikalischen Eigen-
schaften des Gesamtsystems. Dazu gehören etwa das Einfangen und das Abbremsen
von bodennahen Luftmassen– Wälder reduzieren Windgeschwindigkeiten, bilden ein
eigenes Mikroklima aus, das dadurch geprägt ist, dass Temperatur- und Luftfeuchtig-
keitsschwankungen gepuert werden (Norris etal. 2012; Jucker etal. 2018; Zellweger
etal. 2019). Schattenbildung und Verdunstung tragen zur Kühlung des Systems bei.
Wesentlich ist der Beitrag der Wälder zum Wasserkreislauf, zur Erzeugung von Wolken
und zur Erhöhung des Wasserdampfgehalts in der Atmosphäre sowie zur kontinen-
talen Lenkung von Niederschlägen (Sheil 2018). Es sieht so aus, dass Wälder wohl
regelrecht einen Teil der von ihnen benötigten Niederschläge »anziehen« (Makarieva
etal. 2013, 2014; Guillod etal. 2015). Auf Landschaftsebene wirken sie stabilisierend
auf den Wasserhaushalt und das gesamte Lokal-, Regionalklima bzw. teilweise sogar
das Kontinentalklima (van der Ent etal. 2010), was wiederum rückkoppelnd die
Lebensbedingungen für die Organismen der Wälder verbessert. Umgekehrt führen
ökosystemare Rückkopplungen dazu, dass trockenere Böden eine stärkere Aufheizung
und damit auch eine vergrößerte Verdunstung bedingen.
Wälder sind also komplexe, mit knappen Ressourcen haushaltende, sich stetig selbst
organisierende und verbessernde Bioreaktoren. Immer mehr Energie wird durch phy-
sikalische Arbeit aufgewendet, immer mehr Entropie wird produziert, um das System
zu organisieren und damit vom thermodynamischen Equilibrium zu entfernen; bio-
logische Evolution und die Entwicklung von Ökosystemen sind Ergebnis der Gesetze
der ermodynamik (Holdaway etal. 2010; Skene 2012, 2015; Stoy etal. 2014). Mit
KNAPP Holzweg.indd 178KNAPP Holzweg.indd 178 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

fortschreitendem Alter der Böden bei entsprechender Waldkontinuität wachsen letzt-
lich nicht nur die energetische, sondern auch die hydrische und die stoiche Ezienz
der Waldökosysteme (Mausolf etal. 2018).
3 Die Karbonisierung der Umweltpolitik
und die Waldoption
Mit der 1992 in New York beschlossenen Klimarahmenkonvention der Vereinten
Nationen und den Bemühungen, den CO₂-Emissionen Einhalt zu gebieten bzw. den
atmosphärischen Gehalt an Treibhausgasen zu begrenzen, gewann Kohlensto in den
1990er-Jahren eine überragende umweltpolitische Bedeutung. Hochgradig komplexe
Atmosphärenphysik und ökologische Zusammenhänge mussten in einfache Indikato-
ren, Kennzahlen und Strategien transformiert werden. Dies führte gewissermaßen zur
»Karbonisierung der Umweltpolitik« (Ibisch 2016). Nachdem lange Zeit die Erhaltung
von Wäldern aus vielfältigen Gründen propagiert worden war– es begann mit öko-
nomischer, aber auch mit ästhetischer und kultureller Motivation–, drängte plötzlich
ihr Kohlenstogehalt in den Vordergrund. Im Vorfeld der Verabschiedung des Kyoto-
Protokolls der Klimarahmenkonvention wurde darum gerungen, die Walderhaltung
als oziellen Klimaschutzmechanismus einzubeziehen, was letztlich scheiterte; wald-
reiche Länder, aber auch einige Naturschutzorganisationen scheuten die Waldoption.
Es kam dennoch zu diversen freiwilligen Ansätzen und zu Waldkohlenstoprojekten.
Je weiter die Zeit nach 1992 voranschritt, die fossilen Treibhausgasemissionen
nicht unter Kontrolle zu bringen waren und der Klimawandel sich entfaltete, desto
inten siver wurde die Diskussion um Waldnutzung, Holz und die Möglichkeit, fossile
Brennstoe bzw. energieintensive Materialien zu ersetzen. Dabei entfernte sich der
fachliche Diskurs von der schlichten Walderhaltung und bewegte sich hin zu stärker
interventionistischen Managementoptionen einschließlich des Carbon Capture and
Storage (CCS). Längst scheint nicht mehr ausreichend, bestehende Kohlenstopools
auf der Erde zu erhalten, sondern die Frage entstand, ob durch Waldnutzung zusätz-
lich größere Mengen an CO₂ aus der Atmosphäre aufgenommen und für lange Zeit
»weggespeichert« werden könnten.
Es wurde begonnen, in großen Maßstäben den Waldkohlenstohaushalt zu be-
rechnen und auf Grundlage von Kenntnissen zu ihrem Wachstum und der Koh-
lenstospeicherung Rechnungen anzustellen (z. B. Favero etal. 2017). Diese geraten
reduktionistisch, wenn vergessen wird, dass Wälder dynamische, den Standort beein-
ussende komplexe und lebende Systeme sind. Lange Zeit wurde auch ausgeblendet,
dass Wälder bzw. ihre Funktionen selbst Opfer des Klimawandels werden (können),
zu dessen Bekämpfung sie verstärkt herangezogen werden sollen. Üblicherweise wird
die Speicherung in Holz und Substitution von fossilen Brennstoen diskutiert, als
KNAPP Holzweg.indd 179KNAPP Holzweg.indd 179 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

wären Wälder Holzproduktions- bzw. Kohlenstospeicherautomaten und als ließen
sich diese beliebig intensiv bewirtschaften. Tatsächlich schienen dies die Praktiken der
forstlichen Plantagenwirtschaft zu suggerieren. Holz(kohle) könnte auch unter Erde
gelagert werden, bzw. das intensive Bauen mit Holz könnte eine neue Senke entstehen
lassen (Churkina etal. 2020).
Ein größeres Problem der »Karbonisierung der Waldbewertung« ist das Ausblen-
den vieler unter anderem im ersten Abschnitt dieses Kapitels umrissenen Funktionen,
Leistungen und Werte der Wälder, von denen viele nur existieren, wenn die Ökosys-
teme nicht zu mehr oder weniger kurzlebigen Baumbeständen transformiert werden.
Viele Autor*innen nehmen die Komplexität des ökosystemaren Kohlenstogesche-
hens nur in (kleinen) Teilen wahr.
4 Waldnutzung und Klimaschutz:
Fallstricke und blinde Flecken
Die Kohlenstospeicherung der Wälder ist unter anderem eine Funktion von Wald-
äche und Biomasse. Weltweit sind die waldgebundenen Kohlenstosenken und
-speicher land- und forstnutzungsbedingt erheblich reduziert worden; dies gilt auch
für Deutschland. Entsprechend scheint die einfachste Option zu sein, Biomasse in
übernutzten und degradierten Wäldern anzureichern, um einen langfristigen Kohlen-
stospeicher zu regenerieren. Der Vorteil wäre dabei, dass viele weitere geschwächte
Funktionen und Leistungen– vor allem auch ökohydrologischer Art– gestärkt wür-
den, die zur Resilienz des Ökosystems beitragen.
Eine relevante und direkt beeinussbare Größe bei der Steuerung der Kohlensto-
speicherung in Wäldern ist die forstwirtschaftliche Nutzung: Weniger Holzeinschlag
bewirkt mehr Biomasseakkumulation im Wald und somit eine höhere Klimaschutz-
wirkung. Gerade in Deutschland sind die Wälder aufgrund der intensiven Nutzung,
des Anbaus ökosystemfremder Arten, einfacherer Waldstrukturen wie Monokulturen
oder Altersklassenwälder und der Senkung des Baumalters von einem reifen Wald-
ökosystem weit entfernt.
Durch geringere Holzernte würden nicht nur existierende Bäume älter werden und
weiterhin Kohlensto aufnehmen und speichern, auch durch höhere Bestockung wür-
den erhebliche Biomassezuwächse im Wald erzielt werden, nicht zuletzt dadurch, dass
es weniger Waldwege und Rückegassen gäbe (die ohne Weiteres 20Prozent Verlust der
für Baumwachstum zur Verfügung stehenden Fläche ausmachen können).
Die derzeitigen Holzvorräte in Deutschland etwa (Biomasse im Schnitt circa
350Vorratsfestmeter pro Hektar) sind im Vergleich mit europäischen Urwäldern als
gering einzustufen. Diese können Vorräte zwischen 478 und 918 Vorratsfestmeter
pro Hektar erreichen (Schnell 2004; Commarmot 2013; Hobi etal. 2015; Knapp/
KNAPP Holzweg.indd 180KNAPP Holzweg.indd 180 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Spangenberg 2007; Meyer etal. 2003; Commarmot etal. 2005; Drössler/ Lüpke 2007).
Die Wälder in Deutschland haben ihr natürliches Potenzial zur Biomasseanreiche-
rung nicht ausgeschöpft bzw. noch lange nicht erreicht. Zu einer entsprechenden
Erkenntnis kamen auch Erb etal. (2018), die für die gemäßigte Zone ein zusätzliches
Biomassepotenzial von bis zu 34Prozent errechneten.
Zudem ist ein häug kolportierter Mythos, dass in älteren Wäldern ein Gleich-
gewichtszustand zwischen Kohlenstodioxidaufnahme und -abgabe vorherrschen
würde. Dies hat sich als nicht haltbar erwiesen, vielmehr sind insbesondere auch alte
Waldökosysteme langfristige Kohlenstospeicher, sie binden noch ab 200Jahren kon-
tinuierlich CO₂, im Schnitt jährlich 2,4 Tonnen Kohlensto pro Hektar (Luyssaert
etal. 2008). Die Wälder in Deutschland sind im Durchschnitt nur 77Jahre alt– selbst
wenn sich die Kohlenstoaufnahme im Alter abschwächen sollte, hätte man also noch
lange Zeit, deren Kohlenstobindungspotenzial zu nutzen. Vor allem in den gemäßig-
ten Laubmischwäldern Deutschlands (und vergleichbaren Regionen) führt die Akku-
mulation von Humus und Totholz zum Aufbau von erheblichen Kohlensto- sowie
auch von Nährsto- und Wasserspeichern. Eine groß angelegte Studie zu temperaten
und borealen Wäldern Nordamerikas (mit über 18.500 Untersuchungsächen) zeigt,
dass alte Wälder nicht nur eektive Kohlenstospeicher sowie-senken sind, sondern
dass mit dem Biomassereichtum auch die Sensitivität gegenüber Klimawandel sinkt
(om etal. 2019). Ein bemerkenswertes Ergebnis ist, dass der Gesamtökosystem-
kohlenstogehalt mit dem Waldalter stieg– vor allem jenseits von 130Jahren. Auch
die höchste Waldwachstumsrate fand sich in den ältesten Wäldern.
Die Biomasse im Wald spielt vor allem für die Resistenz gegenüber schädigenden
Störungen eine Schlüsselrolle. Dies bedeutet, dass der im Wald verbleibende Kohlen-
sto einen funktionalen Beitrag zur Walderhaltung leistet. Hieraus ergibt sich ein
gewichtiges Argument, »Kohlensto« jenseits direkter Klimaschutzwirkungen im Öko
-
system zu belassen: Im Ökosystem können positive Rückkopplungen einsetzen; bio-
massereiche Wälder mit hohen Humus- und Totholzvorräten wirken nicht nur günstig
auf Bodenfeuchtigkeit und Baumwachstum, sondern auch auf Mikroorganismen, die
dann ihrerseits Teil eines stabilen Kohlenstopools im Waldboden werden können
(Magnússon etal. 2016). Überraschend– und doch überaus logisch– sind Ergebnisse
einer Studie, die zeigen, dass typische Erhebungen von Bodenkohlensto weder die
höhere Konzentration neben, innerhalb und unter den Stämmen großer Bäume noch
das Wurzelvolumen berücksichtigen, das den Boden verdrängt und dadurch die räum-
liche Dichte des organischen Bodenkohlenstos verringert (Dean etal. 2020): Die
entsprechende Nettodierenz könnte einen signikanten Einuss auf den Kohlensto-
verlust haben, der sich bei der Umwandlung eines Primärwaldes mit alten und großen
Bäumen in genutzte Forsten mit weniger und kleineren Bäumen ergibt.
Bemerkenswert sind auch Befunde dazu, dass die Art der Mykorrhizainteraktionen
im Wurzelsystem von Bäumen die Kohlenstoxierung im Boden um bis zu 70Pro-
KNAPP Holzweg.indd 181KNAPP Holzweg.indd 181 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

zent verändern kann; die Wirkung des Mykorrhizatyps auf den Bodenkohlensto
scheint unabhängig und von weit größerer Bedeutung zu sein als die Auswirkungen
der Nettoprimärproduktion, der Temperatur, des Niederschlags und des Bodentonge-
halts (Averill etal. 2014). Hinzu kommen die hydrologischen Eekte intakter Wälder
wie etwa der hydraulische Auftrieb, die die Bodenfeuchtigkeit und damit die Primär-
produktivität und Senkenwirkung verstärken (Centenaro etal. 2018). Die genannten
Phänomene stellen Beispiele für blinde Flecken diverser Studien dar, welche Senken-
leistungen von Wäldern und forstlicher Nutzung berechnen.
Totholz im Wald ist ein wichtiger Kohlenstospeicher, da die Zersetzung des
Stammholzes ein langwieriger, über Jahrzehnte ablaufender Prozess ist, der im Zu-
sammenspiel mit dem Nachwachsen von jungen Bäumen treibhausgasneutral ist
(Suzuki etal. 2019). Im direkten Vergleich können Holzprodukte keine längere, son-
dern eher eine kürzere Verweildauer als Totholz im Wald aufweisen (Beudert/Leibl
2020).
Eine wichtige kürzlich erschienene Arbeit aus den USA weist darauf hin, dass
für eine angemessene Beurteilung der Forstwirtschaft sehr sorgfältig allen Emissio-
nen Rechnung zu tragen ist und dass in Wäldern, die in der Vergangenheit stärker
genutzt wurden, unter bestimmten Umständen die Einschränkung der Holzernte
einen positiven Klimaschutzeekt haben kann– die Holznutzung der Vergangenheit
kann die aktuelle Senkenleistung bereits erheblich reduziert haben (Hudiburg etal.
2019).
5 Holzverbrennung ist nicht klimaneutral
Ein Drittel des in Deutschland geernteten Holzes (Frischholz) wird verbrannt. Die-
ser Anteil könnte ohne Weiteres als Biomasse im Wald verbleiben und als Kohlen-
stospeicher dienen. Die Einschätzung, Brennholz bzw. allgemein das Verbrennen
von Biomasse sei klimaneutral, basiert auf einer Reihe falscher Annahmen (siehe u. a.
Arbeiten von Ter-Mikaelian et al. 2015; Booth 2018; Agostini etal. 2014). Sie lässt
eine große Zahl von Fakten außer Acht. Allein die fossile Energie, die bei der Wald-
bewirtschaftung, der Holzernte sowie für den Transport und die Verarbeitung (Zer-
kleinerung, Trocknung etc.) von Brennholz verbraucht wird, macht Holz zu einem
eindeutig nicht CO₂-neutralen Energieträger (Niedersächsisches Ministerium für
Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz o. D.).
Die im Zuge der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU beförderte Energie-
gewinnung aus Holz führte dazu, dass Emissionseinsparungen, die andernfalls
durch Energiegewinnung aus Solar- oder Windkraft erfolgt wären, sich in eine CO₂-
Zunahme wandeln, die mindestens über Jahrzehnte in der Atmosphäre wirksam ist
und dabei obendrein höher ausfällt, als wenn die entsprechende Energiemenge aus
KNAPP Holzweg.indd 182KNAPP Holzweg.indd 182 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

fossilen Energieträgern gewonnen worden wäre (Ståhls etal. 2011; Smyth etal. 2017;
Soimakallio etal. 2016).
Holz hat im Vergleich mit fossilen Brennstoen einen wesentlich geringeren Ener-
giegehalt:
1Kilogramm Brennholz 0,5SKE (SKE= Steinkohleeinheit: 1 Kilogramm SKE
entspricht der Energiemenge, die beim Verbrennen von 1Kilogramm einer hypo-
thetischen Steinkohle mit einem Heizwert von exakt 7.000 Kilokalorien pro Kilo-
gramm frei wird.
1Kilogramm SKE = 0,7Kilogramm Öleinheit,
1Kilogramm Braunkohlebriketts 0,7SKE,
1Kubikmeter Erdgas 1,1 SKE,
1Kilogramm leichtes Heizöl 1,5 SKE
(BMWi 2019, Beitz & Küttner 1995, Agostini etal. 2014, Searchinger etal. 2018).
Die Verbrennung von Holz ist deshalb für das Klima teilweise bedeutend ungünstiger
als die Verbrennung von Kohle (Matthews etal. 2014; Duy etal. 2016; Beddington
etal. 2018; Searchinger etal. 2018). Die energetische Substitution wirkt daher dem
Klimaziel von 2050 eindeutig entgegen und trägt zur sofortigen CO₂-Zunahme in der
Atmosphäre und damit zu unumkehrbaren Klimaschäden bei (Beddington etal. 2018).
Das Autorenkollektiv um Searchinger hat 2018 in Nature Communications sehr
deutlich vor der energetischen Holznutzung in Europa gewarnt. Auch Booth (2018)
kam für die USA zum Ergebnis, dass die Verbrennung sogenannter Holzabfallstoe
nicht klimaneutral ist. Eine weitere deutliche Kritik der Energieholznutzung fassten
Norton etal. (2019) in ihrer Studie »Serious mismatches continue between science and
policy in forest bioenergy« zusammen. Die Politik folge eindeutig nicht dem Stand
der Wissenschaft.
Die Zeit, die von Wäldern benötigt wird, um die Kohlenstoemissionen aus ener-
getischer Nutzung wieder einzufangen, wird »Payback-Zeit« oder »Kohlenstoschuld-
Kompensationszeit« (carbon debt payment time) bezeichnet und kann viele Jahrzehnte
betragen. Erst danach könnte sich überhaupt ein Nettoklimaschutzeekt ergeben.
Die »Rückzahlzeit« wird nicht nur davon beeinusst, welche Art Holz verbrannt wird
(feuchtes Frischholz, Sägeabfallholz etc.), sondern auch, wie sich der Wald nach der
Holzentnahme verhält. Dies hängt unter anderem von der Art der Nutzung ab (z. B.
große Kahlschläge oder Einzelbaumentnahme) und zudem zusehends auch vom
Klima (wandel). Wenn sich in extrem trockenen und heißen Jahren die Wiederbe-
waldung oder das Nachwachsen verzögert oder gar stark beeinträchtigt ist, ergibt sich
ein Negativeekt.
Ein großes Problem bei der Verbrennung von Holz besteht darin, dass es eine er-
hebliche zeitliche Dringlichkeit für die CO₂-Reduktion in der Atmosphäre gibt. Eine
KNAPP Holzweg.indd 183KNAPP Holzweg.indd 183 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
schnelle Reduktion kann die Holzenergieoption jedoch grundsätzlich nicht leisten,
denn eine erneute Bindung des durch Verbrennung freigesetzten Kohlenstos kann
frühestens nach Jahrzehnten erfolgen.
6 Intensive Holznutzung: Boom der Holzverbrennung seit 2008–
Laubwälder in Deutschland besonders stark betroffen
Besonders besorgniserregend ist das rasche Wachstum der energetischen Verwendung.
Seit 2008 werden circa 50Prozent des Gesamtholzaufkommens energetisch verwendet.
Die »einsetzenden Förderprogramme bewirkten Anfang des neuen Jahrtausends eine
kräftige Belebung. (…) Die Nachfrage nach Energieholz lag 2016 bei 59,5Mio.m³,
was einem Zuwachs gegenüber 1990 in Höhe von +219Prozent entsprach oder etwa
+8,4Prozent pro Jahr.« (Mantau 2019)
Die energetische Nutzung hat einen deutlichen Einuss auf den Einschlag in
Deutschland: Im Jahr 2016 kam der Derbholzanteil an Energieholz auf 70,2Prozent
oder 16,9Millionen Kubikmeter (Mantau 2019). Die Energieholznutzung betreen
zu 66,7Prozent Laubholz und 33,3Prozent Nadelholz. Dies bedeutet, dass das rasche
Wachstum der Energienutzung vorrangig und überproportional die naturnäheren
Abbildung 2
Geschreddertes Holz wird verbrannt und als Beitrag zum Klimaschutz gepriesen,
obwohl diese Nutzung den Kohlenstoffspeicher im Ökosystem reduziert
und zur CO₂-Anreicherung in der Atmosphäre beiträgt (Foto: P.Ibisch).
KNAPP Holzweg.indd 184KNAPP Holzweg.indd 184 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Laubwälder durch eine gesteigerte Holzernte betroen hat. Es gilt, zu diskutieren
und zu untersuchen, ob diese Nutzungsintensivierung die entsprechenden Wälder so
geschwächt hat, dass diese nunmehr stärker unter den Witterungsextremen leiden, als
zu erwarten gewesen wäre (s. u.).
7 Mehr Holznutzung bedeutet nicht automatisch mehr
Kohlenstoffspeicherung in Holzprodukten
Die Entwicklung neuer, langlebiger Holzprodukte aus Laubholz könnte einen richti-
gen Weg darstellen, um Holz als Wertsto angemessen zu nutzen. Allerdings lässt sich
kein entsprechender Trend aus der derzeitigen Holzverwendung ableiten. Deutsch-
land produziert im Fünahresmittel von 2013 bis 2017 einen höheren Anteil kurzlebi-
ger Holzprodukte als langlebige Holzprodukte (FAO 2019). Für die stoichen Subs-
titutionseekte und die damit vermeintlich verbundene Klimaschutzwirkung ist das
Nadelholz deutlich relevanter als das Laubholz. Derzeitig fällt sehr viel »Nadelschad-
holz« aus entsprechenden Monokulturen an, das gerade bei Beräumung und ange-
sichts verstopfter Absatzmärkte nicht in gleichem Maße in langlebige Produktspeicher
überführt werden kann wie zu Zeiten vor dem Fichtensterben. Der größte Teil dürfte
allenfalls für energetische Nutzung und kurzlebige Holzprodukte Verwendung nden.
Gerne wird darauf verwiesen, dass die Verwendung von Holzprodukten anstelle
von energieintensiven Materialien wie Stahl oder Zement durch eine entsprechende
Substitutionswirkung erhebliches Klimaschutzpotenzial berge. Olsson (2011) gab zu
bedenken, dass Substitutionseekte zunächst einmal rein theoretischer Natur seien.
Sie basierten auf der Annahme, dass, wenn eine bestimmte Menge Holz auf den
Markt gebracht wird, der Einsatz anderer Materialien entsprechend reduziert würde.
In der Praxis könne ein Teil des Holzes stattdessen verwendet werden, um den Ver-
brauch zu erhöhen. Keine der von Olsson (2011) untersuchten Substitutionsstudien
berücksichtigte allerdings diese marktbasierten Reboundeekte.
Die Kohlenstospeicherung in Holzprodukten als Klimaschutzmaßnahme ist
grundsätzlich mit großen Unsicherheiten behaftet, da die Auswirkungen des gesamten
Lebenszyklus der Holzprodukte (Ernte, Trocknung, Transport, Anteil des Rundholzes
am Holzprodukt) bewertet werden müssen (Ingerson 2011). Harmon (2019) zeigt in
einer neuen Studie auf, dass Substitutionseekte bei der Holznutzung um das 2- bis
100-Fache überschätzt wurden.
Des Weiteren wird häug angenommen, dass kein Zusammenhang besteht zwi-
schen der Lebensspanne eines Produktes (z. B. eines Gebäudes) und der Dauer der
Substitutionswirkung, die meist als unbegrenzt angenommen wird. Auch wird nicht
mit Verlusten bei der Materialsubstitution gerechnet, sodass die Substitutionswir-
kung scheinbar mit zunehmender Holzerntemenge ansteigt, was fälschlicherweise
KNAPP Holzweg.indd 185KNAPP Holzweg.indd 185 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

zum Schluss führt, dass kurze Einschlagsintervalle – und dadurch junge Wälder
dem Klimaschutz zuträglich seien (Oliver etal. 2014). Die geläugen Annahmen,
dass die Substitutionswirkung von Holz stetig steigt, es also weder zu Verlusten im
Laufe der Substitution kommt noch zu einer Sättigung der substituierten Kohlen-
stomenge (Lippke etal. 2011; Hennigar etal. 2008; Eriksson etal. 2007; Gustavsson
etal. 2006; Perez-Garcia etal. 2005; Glover etal. 2002; Börjesson/Gustavsson 2000;
Buchanan/Levine 1999; Schlamadinger/Marland 1996; Bethel /Schreuder 1976), dass
es ferner zu keinen Reboundeekten kommt sowie dass die »Kohlenstoschuld«, die
bei der Holzernte entsteht, durch Substitutionswirkung ausgeglichen wird, sind nicht
haltbar. Dies wird jüngst auch von Leturcq (2020) überzeugend bestätigt.
8 Immer mehr Holzimporte nach Deutschland–
unklare Klimabilanzierung vor dem Hintergrund von
komplexen Stoff- und Warenflüssen
Die Bilanzierung des Klimaschutzpotenzials der Wälder in Deutschland berücksich-
tigt nicht in angemessenem Maße die Komplexität der Stoüsse, die auch durch
Import und Export von Holz bzw. Holzprodukten beeinusst werden. Die Forst- und
Holzwirtschaft bewegt große Menge an Holz und Holzprodukten, die erheblich über
den Einschlag auf dem deutschen Territorium hinausgehen.
Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellte ünen-Institut berichtet
regelmäßig über die Holzverwendung in Deutschland: »Im Mittel der vergangenen
drei Jahre beträgt der Anteil der Einfuhren 54Prozent. Der Anteil des Einschlags liegt
bei 23Prozent. Die Inlandsaufkommen von Altpapier und Altholz haben Anteile von
18 bzw. 4Prozent am Gesamtaufkommen.« (Weimar 2018) »Der Holzeinschlag hat im
Mittel der Jahre 2013 bis 2015 einen Anteil von 91Prozent am rechnerischen Inlands-
verbrauch von Rohholz.« (Weimar 2018) Seit 2009 gibt es Nettoimporte von Nadel-
rohholz (in den Jahren 2013 und 2014 lag dieser Wert bei knapp 5,8Millionen Kubik-
metern und im Jahr 2015 nach vorläugen Angaben bei 5,4Millionen Kubikmetern;
Weimar 2018), was insbesondere für die Berechnung der Substitutionseekte relevant
ist. »Die Einfuhren von Holz und Produkten auf Holzbasis belaufen sich im Jahr 2015
auf 133,1Mio.m³(r). Gegenüber 2014 bedeutet dies einen Anstieg um 1,1Prozent. Im
Jahr 2016 erhöhen sich die Einfuhren nochmals um 1,0Prozent auf 134,3 Mio. m³(r).
Nach den vorläugen Angaben der Außenhandelsstatistik erhöhen sich die Einfuhren
im Jahr 2017 nochmals deutlich um 2,1Prozent auf 137,2 Mio. m³(r).« (Weimar 2018)
Es stellt sich die Frage, wie die Holzgewinnung im Ausland (unter ggf. wenig nach-
haltigen Umständen im Rahmen von Großkahlschlägen etwa in borealen Wäldern,
2 »r« im Zitat = Rohholzäquivalent.
KNAPP Holzweg.indd 186KNAPP Holzweg.indd 186 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

die sekundäres Absterben von Bäumen in den Randzonen bedingen können; Blum-
röder etal. 2020) sowie die sich aus Ernte, Transport und Verarbeitung ergebenden
Treibhausgasemissionen darstellen und wie sie die nationale Bilanzierung des Forst-
und Holzsektors beeinussen.
Auch bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien durch Forst- und Holzwirtschaft
fehlt völlig, dass aktuelle und zukünftige Wachstumsraten der Holzindustrie gewür-
digt und reektiert werden. »Ab 2003 erfuhr der Aufschwung eine enorme Beschleu-
nigung. Von 65Mio.m³ (Festmeteräquivalent) im Jahr 1990 stieg die Verwendung
bis 2007 auf über 127Mio.m³. Die Sägeindustrie war der größte Nachfrager: die
Nachfrage wuchs seit 1990 bis 2016 um 49Prozent auf 36 Mio.m³; die Nachfrage der
Holzwerkstondustrie wuchs sogar um 67Prozent.« (Mantau 2019)
Das hier skizzierte Wachstum ist wesentlicher Treiber der Versuche, die Nadelholz-
produktion in Deutschland anzukurbeln. Das Nadelholzaufkommen wird allerdings
zukünftig gerade auch wegen der außergewöhnlichen Kalamitäten in den Monokul-
turen stark sinken. Eine wichtige Frage ist entsprechend, von wo das nachgefragte
Holz beschat werden soll und wie die entsprechende Beschaung auf die Kohlen-
sto bilanz des Sektors wirken wird. Zusätzliche Importe aus dem Ausland sind zu
erwarten.
9 Schlechte Anpassung an den Klimawandel
und zu starke Waldnutzung: von Speicher und Senke zur Quelle
Die Witterungsextreme der vergangenen Jahre können als Vorboten für Probleme
gelten, die sich mit fortschreitendem Klimawandel verschärfen werden. Auf großen
Flächen sterben derzeitig vor allem von der Forstwirtschaft angelegte Monokulturen
ab. Die Borkenkäfer-, Sturm- und Waldbrandkalamitäten sind zu einem guten Anteil
durch das entsprechende Waldbaumodell bzw. die forstliche Behandlung der letzten
drei Jahrzehnte verursacht, da hier immer noch zum Teil Monokulturen angebaut
wurden und es versäumt wurde, bestehende Nadelwaldbestände in naturnahe Laub-
mischwälder umzubauen. Beispielsweise sind die Voraussetzungen für einen Massen-
befall von Borkenkäfer dann am günstigsten, wenn es sich um größere, zusammen-
hängende Wälder mit gleichförmigen reifen bis alten Baumbeständen von nur einer
dominierenden Baumart handelt (Jakoby/Wermelinger 2018). Auch im Falle durch
Hitze und Trockenheit geschädigter Waldächen mit Laubbaumarten besteht der Ver-
dacht, dass die Nutzung zu einer zusätzlichen Schwächung gegenüber dem Klima-
wandel beigetragen hat.
Die Situation dürfte sich in näherer Zukunft mit fortschreitendem Klimawandel-
einuss und verstärktem Aktionismus, Flächen mit abgestorbenen Bäumen gleich
schnell »aufzuräumen« und durch Panzungen »wiederherzustellen«, noch verschär-
KNAPP Holzweg.indd 187KNAPP Holzweg.indd 187 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Abbildung 3
Kiefernforsten sind in sommerlichen Dürreperioden wie 2018 und 2019 durch Waldbrände
besonders gefährdet. Verbrannte Kiefernplantage bei Treuenbrietzen, Brandenburg
(Foto: P. Ibisch, November ).
Abbildung 4
Zur Neubepflanzung kahl geschlagene Waldbrandfläche bei Treuenbrietzen, Brandenburg
(Foto: P.Ibisch, Februar ).
KNAPP Holzweg.indd 188KNAPP Holzweg.indd 188 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Abbildung 5
Ehemalige Waldbrandfläche bei Treuenbrietzen, Brandenburg: Die unter schwerer
Bodenschädigung und mit großem energetischen und finanziellen Aufwand
öffentlichkeitswirksam gepflanzten Kiefern sind zum großen Teil im ersten Jahr vertrocknet.
Stattdessen stellen sich spontan Pionierbaumarten wie Zitterpappeln ein
(Foto: P.Ibisch, September  ).
KNAPP Holzweg.indd 189KNAPP Holzweg.indd 189 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

fen. Es bedarf dringend einer neuen Berechnung des Klimaschutzpotenzials unter-
schiedlicher Wald- bzw. Forsttypen. Es braucht zudem eine quantitative Analyse der
Waldschädigungen, ihrer räumlichen Verteilung und der Korrelation mit Nutzungs-
und Besitzarten.
Bekannt ist, dass die Biodiversität und die strukturelle Diversität die Anpassungs-
kapazitäten und damit die ökologische Resilienz erhöhen. Somit hat die Bewirtschaf-
tung einen direkten Einuss auf den Zustand des Waldes, da sie die Dosis-Wirkung-
Beziehung beeinussen kann, zum Beispiel die Anfälligkeit für Windwurf oder die
Folgen von Dürre (Yousefpour etal. 2012). Yücesan etal. (2019) beschreiben beispiels-
weise für einen Eichenwald, dass eine Verringerung des Kronenschlusses infolge einer
hohen Einschlagsintensität die Bodenkohlenstovorräte verringert.
Es gibt deutliche Hinweise auf erhöhte Temperaturen in stärker genutzten Beständen
(Norris etal. 2012; Ibisch/Blumröder 2018, eigene unveröentlichte Daten: Blumröder
etal. in Vorbereitung). Daraus ergeben sich die Risiken geringerer Produktivität sowie
Abbildung 6
Ehemalige Waldbrandfläche bei Treuenbrietzen, Brandenburg: Der spontane Aufwuchs
von Pioniergehölzen, hier vor allem Zitterpappel, Birke, Salweide, hat auch den zweiten
trockenen Sommer überlebt (Foto: P.Ibisch, Augus t ).
KNAPP Holzweg.indd 190KNAPP Holzweg.indd 190 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

des Eintritts von abiotischen und biotischen Schädigungen dieser Bestände im Ver-
gleich zu Wäldern mit stabilerem Mikroklima. Vielerorts traten Dürre- und Borken-
käferschäden besonders dort auf, wo zuvor schon Vorschädigungen entweder durch
Windwurf, intensive Durchforstung oder durch Holzernte zu verzeichnen waren
(Bracewell/Six 2015).
Es besteht die konkrete Befürchtung, dass die verbleibenden noch nicht geschädig-
ten Bestände umso anfälliger werden, je mehr sie von geschädigten Flächen umgeben
sind, nicht alleine aufgrund der möglichen Ausbreitung von »Schadorganismen«. Die
Beräumung von Kalamitätsächen und damit verbundene Bodenschädigung durch
Befahrung und ächige Abholzung führt zur stärkeren Erwärmung und Austrocknung
derselben (Nottingham etal. 2020). Auch die Befahrung von Waldböden schädigt die
Bodenbiodiversität und kann die Bindung von Kohlensto im Boden stören (Nawaz
etal. 2013, Tan /Chang 2007, Dick et al. 1988). Dies erhöht potenziell den Stress
benachbarter noch nicht geschädigter Bestände. Da auf den geschädigten Flächen die
noch vergleichsweise jungen Bestände schon vor der geplanten forstlichen Nutzung
abgängig waren, wird hier in näherer Zukunft eine verringerte Kohlenstoxierung
erfolgen. Daraus ergibt sich zumindest eine entgangene Kohlenstospeicherung, die
trotz der Extremwitterung hätte erfolgen können, wenn ein anderes waldbauliches
Modell verfolgt worden wäre. Lokal und regional zeigen Studien, dass beispielsweise
Borkenkäferbefall dazu führt, dass die betroenen Wälder weniger Kohlensto bin-
den und vorübergehend von einer Senke zu einer Quelle werden (Seidl etal. 2008).
Die ächige Räumung von mit Borkenkäfern befallenen Flächen hat darüber hinaus
meist nicht die gewünschte Wirkung einer Eindämmung der weiteren Ausbreitung
der Käfer (Dobor etal. 2020).
Die Trockenheit und Hitze der beiden Extremjahre 2018 und 2019 haben im Jahr
2019 bereits dazu geführt, dass der Jahreszuwachs aller untersuchten Baumarten stark
rückgängig war, wobei dies ein Einblick in zukünftige Klima- und Wachstumsverhält-
nisse geben dürfte (Scharnweber etal. 2020).
10 Klimaschutznarrativ als Rettung für gescheiterte
Waldnutzungsmodelle?
Es ist kein Zufall, dass sich die deutschen Forstwirtschaftslobbyisten angesichts der
massiven Waldkrise und der Verstopfung der Holzmärkte vehement für eine Hono-
rierung der Klimaschutzleistungen des Waldes einsetzen. Vielen Forstbetrieben dro-
hen auf absehbare Zeit Einnahmequellen aus der Holzproduktion einzubrechen. Das
Absterben der Monokulturen führt zu großen Ertragsausfällen. Tatsächlich sind die
intensiveren Waldnutzungsmodelle ohne angemessenes Risikomanagement aktuell
besonders stark betroen. Entsprechend wird nach gesellschaftlicher Kompensation
KNAPP Holzweg.indd 191KNAPP Holzweg.indd 191 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

und Unterstützung gerufen. Es scheint logisch und folgerichtig, dass andere Ökosys-
temleistungen neben der Holzproduktion vergütet werden, um Waldbesitzer*innen
zu ermöglichen, ihr Eigentum nachhaltig zu bewirtschaften. Ein aktuelles Problem
besteht allerdings darin, dass vielerlei Ökosystemleistungen in der Gesellschaft nur
wenig bekannt sind und entsprechend nicht aktiv nachgefragt werden (z. B. Küh-
lung der Landschaft, Landschaftswasserhaushalt). Auch werden wichtige zum Beispiel
regulierende Ökosystemleistungen dadurch gefährdet, dass andere, wie das Bereit-
stellen von Holzbiomasse, übermäßig beansprucht werden, wodurch wiederum die
langfristige Holzproduktion und Kohlenstosenkenleistung nicht aufrechterhalten
KNAPP Holzweg.indd 192KNAPP Holzweg.indd 192 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

werden könnte. Oftmals liegen auch noch keine hinreichenden Ansätze vor, die Leis-
tungen zu quantizieren. Insofern konzentriert sich die Debatte auf den Klimaschutz,
der auch im Kontext der durch die Extremwitterungsperioden verschärften Waldkrise
selbst stärker ins öentliche Bewusstsein gelangt ist.
Innerhalb kürzester Zeit wurde das Klimaschutznarrativ als Rechtfertigung der
Bedeutung von Wald und Forstwirtschaft aufgegrien. Es erfolgte eine schnelle Kar-
bonisierung der Waldpolitik. Aus waldökologischer Sicht ist nunmehr kritisch, dass
sich viele Akteur*innen und Entscheidungsträger*innen auf sehr simple Ansätze und
Berechnungen stützen, die die umfangreichen wissenschaftlichen Befunde und Fall-
Abbildung 7
Auf die Selbstheilungskräfte
der Natur vertrauen. Die der
natürlichen Regeneration über-
lassene Kiefernforstbrandfläche
bei Treuenbrietzen knapp
zwei Jahre nach dem Brand.
Es ist ein personenhohes
Dickicht vor allem aus
Zitter pappeln entstanden
(Foto: P.Ibisch, Juli ).
KNAPP Holzweg.indd 193KNAPP Holzweg.indd 193 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

stricke, die oben diskutiert wurden, schlicht ignorieren– und so zum Ergebnis kom-
men, dass allein die stärkere Nutzung von Wäldern zielführend sei. Vor allem in der
forstlichen Forschung in Deutschland und seitens der beratenden wissenschaftlichen
Gremien (v. a. Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik des Bundeslandwirtschafts-
ministeriums) war bislang keine kritische Beschäftigung mit dem ema zu verzeich-
nen (vgl. WBW 2020; Ibisch etal. 2020).
Die Diskussion hat sich eher verhärtet, seitdem die lange Zeit fast unstrittig hin-
genommene ese der Klimaneutralität der Holznutzung hinterfragt wird, und es
kam sogar seitens prominenter Autoren zur Publikation von drastisch falschen Daten,
die beweisen sollten, dass die Nichtnutzung und das Vorhalten von alten Wäldern
einer Nutzung unterlegen sei (Schulze etal. 2020). Spontane Reaktionen forstlicher
Akteure auf das (ordentlich publizierte) Oenlegen der einfach durchschaubaren Zah-
len- und Rechenfehler (Welle etal. 2020) illustrierten, wie schwierig es geworden ist,
in diesem Bereich faktenbasiert zu diskutieren (z. B. zog der Leiter des ünen-Insti-
tuts für Waldökosysteme die Widerlegung per Twitter in Zweifel, anstatt zunächst den
falschen Zahlen von Schulze etal. 2020 auf den Grund zu gehen: 12.August 2020:
»Die sog. ›Widerlegung‹ ist selbst weder wissenschaftlich ausreichend belegt noch
transparent.« 13. August: »Hoentlich haben sich die Autoren der Widerlegung sich
nicht zu sehr aus dem Fenster gelehnt?«; »Es tauchen Fragen auch zu den Quellen der
Datenkorrektur im Artikel auf«).
Gleichzeitig ist oenkundig (und verständlich), dass sich die breitere Öentlich-
keit mit dem komplizierten ema schwertut. Mithin droht das Risiko, dass weitere
politische Maßnahmen auf ungenügend gesicherter Faktengrundlage und einseitigem
Diskurs eingeführt werden, die perverse Anreize bieten könnten, die Holznutzung–
energetisch und stoich– zu intensivieren und damit die problematischen Folgen der
Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU weiter zu verschärfen.
Das Risiko ist dreifach:
1. Der Wald könnte damit stärker degradiert und klimawandelanfälliger gemacht
werden und seine Kohlenstospeicher- und -senkenleistung reduzieren.
2. Der erwartete Klimaschutzeekt könnte ausbleiben oder sich gar ins Gegenteil
verkehren.
3. Der Steuerzahler könnte Ökosystemleistungen kompensieren, die keine sind, oder
gar die Schädigung von Waldökosystemen belohnen.
Das Waldökosystemmanagement im Klimawandel erfordert ein strategisches Zusam-
menwirken aller Kräfte auf der bestmöglichen Wissensgrundlage. Es braucht einen
entsprechenden Prozess der unabhängigen Diskussion aktueller wissenschaftlicher Be-
funde aus allen relevanten Disziplinen auch jenseits der klassischen forstlichen Fächer.
Hierbei geht es um die Darstellung von Wissen und Nichtwissen zum Wald einschließ-
KNAPP Holzweg.indd 194KNAPP Holzweg.indd 194 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

lich der Bewertung von Risiken, die sich aus Klimawandel und Nutzung ergeben. Auf
Grundlage eines periodisch vorzulegenden nationalen Waldökosystemgutachtens,
welches nicht allein von Vertretern der nachgeordneten Behörden der Ministerien des
Bundes und der Länder erarbeitet werden darf, sondern das von einem unabhängigen
interdisziplinären Wissenschaftlergremium koordiniert und unter Berücksichtigung
aller verfügbaren und relevanten Quellen verfasst werden sollte, könnten Empfehlun-
gen für Entscheidungsträger generiert werden.
LITERATUR
Agostini, A.; Giuntoli, J.; Boulamanti, A. (2014): Carbon accounting of forest bioenergy: Conclusions
and recommendations from a critical literature review. European Union.
Averill, C.; Turner, B.; Finzi, A. (2014): Mycorrhiza-mediated competition between plants and de-
composers drives soil carbon storage. Nature 505: S. 543–545 [https://doi.org/10.1038/nature12901;
27. 08. 2020].
Beddington, J.; Berry, S.; Caldeira, K.; Cramer, W.; Creutzig, F.; Duy, P.; Kammen, D.; Lambin, E.;
Levin, S.; Lucht, W.; et al. (2018): Letter from Scientists to the EU Parliament Regarding Forest
Biomass [https://ec.europa.eu/eurostat/statisticsexplained/; 22. 03. 2020].
Beitz, W.; Küttner, K. H. (Hrsg.) (1995): DUBBEL: Taschenbuch für den Maschinenbau. Band 1.
18.Auage. Berlin/Heidelberg, Springer.
Bethel, J. S.; Schreuder, G. S. (1976): Forest resources: an overview. Science 191: S. 747–752.
Beudert, B.; Leibl, F. (2020): Zur Klimarelevanz von Wirtschafts- und Naturschutzwäldern. AFZ
Der Wald: S. 3538.
Blumröder, J. S.; Homann, M. T.; Ilina, O.; Winter, S.; Hobson, P. R.; Ibisch, P. L. (2020): Clearcuts
and related secondary dieback undermine the ecological eectiveness of FSC certication in a
boreal forest Ecological Processes 9(10) [https://doi.org/10.1186/s13717-020-0214-4; 27. 08. 2020].
BMWi (2019): Zahlen und Fakten Energiedaten. Nationale und Internationale Entwicklung, Excel-
Datei, Tabellenblatt 0.3 [https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/energiedaten-gesamt
ausgabe.html; 18. 12. 2020].
Booth, M. S. (2018): Not carbon neutral: Assessing the net emissions impact of residues burned for
bioenergy. Environmental Research Letters 13(3): 035001.
Börjesson, P.; Gustavsson, L. (2000): Greenhouse gas balances in building construction: wood ver-
sus concrete from life-cycle and forest land-use perspectives. Energy Policy 28: S. 575–588.
Bracewell, R. R.; Six, D. L. (2015): Experimental evidence of bark beetle adaptation to a fungal
symbiont. Ecol Evol. 5(21): S. 51095119.
Buchanan, A. H.; Levine, S. (1999): Wood-based building materials and atmospheric carbon
emissions. Environmental Science & Policy 2: S. 427–437.
Centenaro, G.; Hudek, C.; Zanella, A.; Crivellaro, A. (2018): Root-soil physical and biotic interactions
with a focus on tree root systems: A review, Applied Soil Ecology, 123: S. 318–327, ISSN 0929-1393
[https://doi.org/10.1016/j.apsoil.2017.09.017; 27. 08. 2020].
KNAPP Holzweg.indd 195KNAPP Holzweg.indd 195 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

Churkina, G.; Organschi, A.; Reyer, C. P. O.; etal. (2020): Buildings as a global carbon sink. Nat
Sustain 3: S. 269–276 [https://doi.org/10.1038/s41893-019-0462-4].
Commarmot, B. (2013): Inventory of the largest primeval beech forest in Europe: A Swiss-Ukrainian
Scientic Adventure. Birmensdorf: Swiss Federal Research Inst. WSL.
Commarmot, B.; Bürgi, A.; Shparyk, Y.; Zingg, A. (2005): Structure of virgin and managed beech
forests in Uholka (Ukraine) and Sihlwald (Switzerland). For Snow Landsc Res 79: S. 45–56.
Dean, C.; Kirkpatrick, J. B.; Doyle, R. B.; Osborn, J.; Fitzgerald, N. B.; Roxburgh, S. H. (2020): e
overlooked soil carbon under large, old trees, Geoderma, 376: 114541, ISSN 0016-7061 [https://doi.
org/10.1016/j.geoderma.2020.114541; 27. 08. 2020].
Dick, R. P.; Myrold, D. D.; Kerle, E. A. (1988): Microbial biomass and soil enzyme activities in com-
pacted and rehabilitated skid trail soils. Soil Science Society of America Journal, 52(2): S. 512–516.
Dobor, L.; Hlásny, T.; Rammer, W.; Zimová, S.; Barka, I.; Seidl, R. (2020): Is salvage logging eec-
tively dampening bark beetle outbreaks and preserving forest carbon stocks? Journal of Applied
Ecology,57(1): S. 67 –76.
Drössler, L.; von Lüpke, B. (2007): Bestandesstruktur, Verjüngung und Standortfaktoren in zwei
Buchenurwald-Reservaten der Slowakei. Allgemeine Forst- und Jagdzeitung 178: S. 121–134.
Duy, P. B.; Moomaw, W. R.; Schlesinger, W. (2016): Letter to the senate on carbon neutrality of
forest biomass [http://empowerplants.les.wordpress.com/2018/01/scientist-letter-on-eu-forest-bio
mass-796-signatories-as-of-january-16-2018.pdf; 09. 01. 2020].
Ent, R. J. van der; Savenije, H. H. G.; Schaei, B.; Steele‐Dunne, S. C. (2010): Origin and fate of
atmospheric moisture over continents, Water Resour. Res., 46, W09525, doi:10.1029/2010WR009127.
Erb, K. H.; Kastner, T.; Plutzar, C.; Bais, A. L. S.; Carvalhais, N.; Fetzel, T.; Gingrich, S.; Haberl, H.;
Lauk, C.; Niedertscheider, M.; etal. (2018): Unexpectedly large impact of forest management and
grazing on global vegetation biomass. Nature 553: S. 7376.
Eriksson, E.; Gillespie, A. R.; Gustavsson, L.; Langvall, O.; Olsson, M.; Sathre, R.; Stendahl, J. (2007):
Integrated carbon analysis of forest management practices and wood substitution. Canadian Journal
of Forest Research 37: S. 671–681.
FAO (2019): FAOSTAT [http://www.fao.org/faostat/en/#home; 09. 01.2020].
Fath, B. D.; Jørgensen, S. E.; Patten, B. C.; Straškraba, M. (2004): Ecosystem growth and development,
Biosystems, 77(1–3): S. 213– 228, ISSN 0303-2647 [https://doi.org/10.1016/j.biosystems.2004.06.001;
27. 08. 2020].
Favero, A.; Mendelsohn, R.; Sohngen, B. (2017): Using forests for climate mitigation: sequester
carbon or produce woody biomass? Climatic Change 144: S. 195–206 [https://doi.org/10.1007/
s10584-017-2034-9; 27. 08. 2020].
Glover, J.; White, D.; Langrish, T. (2002): Wood versus concrete and steel in house construction:
Alife cycle assessment. Journal of Forestry 100: S. 34–41.
Guillod, B. P.; Orlowsky, B.; Miralles, D. G.; Teuling, A. J.; Seneviratne, S. I. (2015): Reconciling
spatial and temporal soil moisture eects on afternoon rainfall. Nature Communications; 6: 6443.
DOI: 10.1038/ncomms7443.
KNAPP Holzweg.indd 196KNAPP Holzweg.indd 196 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Gustavsson, L.; Pingoud, K.; Sathre, R. (2006): Carbon dioxide balance of wood substitution:
Comparing concrete- and wood-framed buildings. Mitigation and Adaptation Strategies for Global
Change 11: S. 667–691.
Harmon, M. E. (2019): Have product substitution carbon benets been overestimated? A sensitivity
analysis of key assumptions. Environmental Research Letters 14: 065008.
Hennigar, C. R.; MacLean, D. A.; Amos-Binks, L. J. (2008): A novel approach to optimize management
strategies for carbon stored in both forests and wood products. Forest Ecology and Management
256: S. 786 –797.
Hobi, M. L.; Ginzler, C.; Commarmot, B.; Bugmann, H. (2015): Gap pattern of the largest primeval
beech forest of Europe revealed by remote sensing. Ecosphere 6: S. 15.
Holdaway, R. J.; Sparrow, A. D.; Coomes, D. A. (2010): Trends in entropy production during eco-
system development in the Amazon Basin. Philosophical transactions of the Royal Society of Lon-
don. Series B, Biological sciences, 365(1545): S. 14371447 [https://doi.org/10.1098/rstb.2009.0298;
27. 08. 2020].
Hudiburg, T. W.; Law, B. E.; Moomaw, W. R.; Harmon, M. E.; Stenzel, J. E. (2019): Meeting GHG
reduction targets requires accounting for all forest sector emissions. Environmental Research Let-
ters14 (9): 095005.
Ibisch, P. L. (2016): Karbonisierung der Weltumweltpolitik oder ökosystembasierte Nachhaltigkeit?
In: Sommer, J.; Müller, M. (eds.): Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt. Stutt-
gart, Hirzel, S. 89–103.
Ibisch, P. L.; Blumröder, J. S. (2018): Ökosysteme unter Druck. Eine stark beanspruchte Landschaft
muss sich im Klimawandel behaupten. In: Ibisch, P. L.; Kloiber J.; Homann, M. T.: Barnim-
Atlas. Lebensraum im Wandel. Eine Ökosystembasierte Betrachtung des Barnims zum Wohle der
Menschen. Schwedt, Ehm-Welk-Verlag: S. 63–64.
Ibisch, P. L.; Welle, T.; Blumröder, J. S.; Wohlleben, T.; Sommer, J. (2020): Eckpunkte zur Wald-
strategie 2050. Kommentierung der Positionen des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik des
Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. ePaper– Centre for Econics and Eco-
system Management/HNEE, Naturwald Akademie, Deutsche Umweltstiftung, Wohllebens Wald-
akademie. Eberswalde, Berlin, Lübeck, Wershofen.
Ingerson, A. (2011): Carbon storage potential of harvested wood. Summary and policy implications.
Mitig Adapt Strateg Glob Change 16 (3): S. 307–323. DOI: 10.1007/s11027-010-9267-5.
Jakoby, O.; Wermelinger, B. (2018):
Simulation der Buchdrucker-Entwicklung in der Schweiz [https://
www.waldwissen.net/waldwirtschaft/schaden/insekten/wsl_buchdrucker_entwicklung/index_DE;
03. 09. 2019].
Jucker, T.; Hardwick, S. R.; Both, S.; etal. (2018): Canopy structure and topography jointly constrain
the microclimate of human‐modied tropical landscapes. Glob Change Biol. 24: S. 5243–5258
[https://doi.org/10.1111/gcb.14415; 27. 08. 2020].
Knapp, H. D.; Spangenberg, A. (2007): Europäische Buchenwaldinitiative. Serie: BfN-Skripten,
Nr.222.
Leturcq, Ph. (2020): GHG displacement factors of harvested wood products: the myth of substitu-
tion. Scientic Reports 10: issue 20752, S. 1–9 [https://www.nature.com/articles/s41598-020-77527-8;
27. 11. 2020].
KNAPP Holzweg.indd 197KNAPP Holzweg.indd 197 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

Lippke, B.; Oneil, E.; Harrison, R.; Skog, K.; Gustavsson, L.; Sathre, R. (2011): Life cycle impacts of
forest management and wood utilization on carbon mitigation: knowns and unknowns. Carbon
Management 2: S. 303–333.
Luyssaert, S.; Schulze, E. D.; Börner, A.; Knohl, A.; Hessenmöller, D.; Law, B. E.; Ciais, P.; Grace, J.
(2008): Old-growth forests as global carbon sinks. Nature 455: S. 213–215.
Magnússon, R. I.; Tietema, A.; Cornelissen, J. H. C.; Hefting, M. M.; Kalbitz, K. (2016): Tamm Review:
Sequestration of carbon from coarse woody debris in forest soils. Forest Ecology and Manage-
ment377: S. 1– 15.
Makarieva, A. M.; Gorshkov, V. G.; Sheil, D.; Nobre, A. D.; Bunyard, P.; Li, B.-L. (2014): Why does
air passage over forest yield more rain? Examining the coupling between rainfall, pressure, and
atmospheric moisture content. Journal of Hydrometeorology 15 (1): S. 411–426.
Makarieva, A. M.; Gorshkov, V. G.; Sheil, D.; Nobre, A. D.; Li, B.-L. (2013): Where do winds come
from? A new theory on how water vapor condensation inuences atmospheric pressure and dyna-
mics. Atmos. Chem. Phys., 13: S. 1039–1056, doi:10.5194/acp-13-1039-2013.
Mantau, U. (2019): Holzrohstobilanz Deutschland, Entwicklung des Holzaufkommens und der
Holzverwendung 1987 bis 2016, Hamburg.
Matthews, R.; Sokka, L.; Soimakallio, S.; Mortimer, N.; Rix, J.; Schelhaas, M. J.; Jenkins, T.;
Hogan, G.; Mackie, E.; Morris, A.; etal. (2014): Review of literature on biogenic carbon and life
cycle assessment of forest bioenergy: Final Task 1 report, DG ENER project, Carbon impacts of
biomass consumed in the EU.
Mausolf, K.; Wilm, P.; Härdtle, W.; Jansen, K.; Schuldt, B.; Sturm, K.; von Oheimb, G.; Hertel, D.;
Leuschner, C.; Fichtner A. (2018): Higher drought sensitivity of radial growth of European beech in
managed than in unmanaged forests. Science of the Total Environment, 642: S. 1201–1208.
Meyer, P.; Tabaku, V.; von Lüpke, B. (2003): Die Struktur albanischer Rotbuchen-Urwälder– Ablei-
tungen für eine naturnahe Buchenwirtschaft. Forstwirtschaftliches Centralblatt 122(1): S. 4758.
Nawaz, M. F.; Bourrié, G.; Trolard, F. (2013): Soil compaction impact and modelling. A review. Agron
Sustain Dev 33: S. 291 –309.
Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. o. D.: Biomassenut-
zung – Der Kohlenstokreislauf [https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/energie/
erneuerbare_energien/bioenergie/biomassenutzung/biomassenutzung-121352.html; 08. 01. 2020].
Norris, C.; Hobson, P.; Ibisch, P. L. (2012): Microclimate and vegetation function as indicators of
forest thermodynamic eciency. Journal of Applied Ecology 49(3): S. 562570.
Norton, M.; Baldi, A.; Buda, V.; Carl, B.; Cudlin, P.; Jones, M. B.; Korhola, A.; Michalski, R.; Novo, F.;
Oszlányi, J.; Santos, F. D.; Schink, B.; Shepherd, J.; Vet, L.; Walloe, L.; Wijkman, A. (2019): Serious
mismatches continue between science and policy in forest bioenergy. GCB Bioenergy 11(11): S. 1256–
1263.
Nottingham, A. T.; Meir, P.; Velasquez, E.; etal. (2020): Soil carbon loss by experimental warming in
a tropical forest. Nature 584, S. 234237 [https://doi.org/10.1038/s41586-020-2566-4; 27. 08. 2020].
Oliver, C. D.; Nassar, N. T.; Lippke, B. R.; McCarter, J. B. (2014): Carbon, fossil fuel, and biodiversity
mitigation with wood and forests. Journal of Sustainable Forestry 33: S. 248–275.
KNAPP Holzweg.indd 198KNAPP Holzweg.indd 198 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wie das Klimaschutznarrativ die Wälder bedroht

Olsson, R. (2011): To Manage or Protect? Boreal Forests from a Climate Perspective. Air pollution
and climate series #26. Air Pollution & Climate Secretariat [https://www.airclim.org/sites/default/
les/documents/APC26_to_manage.pdf; 27. 08. 2020].
Perez-Garcia, J.; Lippke, B.; Comnick, J.; Manriquez, C. (2005): An assessment of carbon pools,
storage, and wood products market substitution using life-cycle analysis results. Wood and Fiber
Science 37: S. 140–148.
Pierret, A.; Maeght, J.-L.; Clément, C.; Montoroi, J.-P.; Hartmann, C.; Gonkhamdee, S. (2016):
Understanding deep roots and their functions in ecosystems: an advocacy for more unconventional
research. Annals of Botany 118: S. 621–635.
Ryan, P. R.; Delhaize, E.; Watt, M.; Richardson, A. E. (2016): Plant roots: understanding structure and
function in an ocean of complexity. Ann. Bot. 118 (4): S. 555–559.
Scharnweber, T.; Smiljanic, M.; Cruz-García, R.; Manthey, M.; Wilmking, M. (2020): Tree growth at
the end of the 21st century– the extreme years 2018/19 as template for future growth conditions.
Environ. Res. Lett. in press [https://doi.org/10.1088/1748-9326/ab865d; 27. 08. 2020].
Schlamadinger, B.; Marland, G. (1996): e role of forest and bioenergy strategies in the global
carbon cycle. Biomass and Bioenergy 10: S. 275300.
Schnell, A. (2004): Die Mär vom strukturarmen Buchenurwald: Literaturanalyse und Fallbeispiele
aus Naturwaldreservaten. LWF aktuell 47: S. 32–35.
Schulze, E. D.; Sierra, C. A.; Egenolf, V.; Woerdeho, R.; Irslinger, R.; Baldamus, C.; Stupak, I.;
Spellmann, H. (2020): e climate change mitigation eect of bioenergy from sustainably managed
forests in Central Europe. Global Change Biology Bioenergy [https://doi.org/10.1111/gcbb.12672;
27. 08. 2020].
Searchinger, T. D.; Beringer, T.; Holtsmark, B.; Kammen, D. M.; Lambin, E. F.; Lucht, W.; Raven,P.;
van Ypersele, J. P. (2018): Europe’s renewable energy directive poised to harm global forests. Nature
Communications 9: issue 3741., S. 1–4 [https://www.nature.com/articles/s41467-018-06175-4#citeas;
27. 08. 2020].
Seidl, R.; Rammer, W.; Jäger, D.; Lexer, M. J. (2008): Impact of bark beetle (Ips typographus L.)
disturbance on timber production and carbon sequestration in dierent management strategies
under climate change. Forest Ecology and Management 256: S. 209–220.
Sheil, D. (2018): Forests, atmospheric water and an uncertain future: the new biology of the global water
cycle. Forest Ecosyst. 5, issue 19, S. 1–22 [https://doi.org/10.1186/s40663-018-0138-y; 27. 08. 2020].
Simon, J.-C.; etal. (2019): Host-microbiota interactions: from holobiont theory to analysis. Micro-
biome 7: art5.
Skene, K. R. (2013): e energetics of ecological succession: A logistic model of entropic output, Eco-
logical Modelling, 250: S. 287–293 [https://doi.org/10.1016/j.ecolmodel.2012.11.020; 27. 08. 2020].
Skene, K. R. (2015): Life’s a Gas: A ermodynamic eory of Biological Evolution. Entropy, 17,
S. 5522– 5548. doi:10.3390/e17085522.
Smyth, C.; Kurz W. A.; Rampley, G.; Lemprière, T. C.; Schwab, O. (2017): Climate change mitigation
potential of local use of harvest residues for bioenergy in Canada. GCB Bioenergy 9: S. 817–832.
Soimakallio, S.; Brandão, M.; Ekvall, T.; Cowie, A.; Finnveden, G.; Erlandsson, M.; Koponen, K.;
Karlsson, P. E. (2016): On the validity of natural regeneration in determination of land-use baseline.
e International Journal of Life Cycle Assessment 21: S. 448–450.
KNAPP Holzweg.indd 199KNAPP Holzweg.indd 199 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
Wald im Klimawandel

Ståhls, M.; Saikku, L.; Mattila, T. (2011): Impacts of international trade on carbon ows of forest
industry in Finland. Journal of Cleaner Production 19: S. 1842–1848.
Stoy, P. C.; Lin, H.; Novick, K. A.; Siqueira, M. B. S.; Juang, J.-Y. (2014): e Role of Vegetation on
the Ecosystem Radiative Entropy Budget and Trends Along Ecological Succession. Entropy, 16:
S. 3710– 3731.
Suzuki, S. N.; Tsunoda, T.; Nishimura, N.; Morimoto, J.; Suzuki, J. (2019): Dead wood osets the
reduced live wood carbon stock in forests over 50 years after a stand-replacing wind disturbance.
Forest Ecology and Management, 432: S. 94–101.
Tan, X.; Chang, S. X. (2007): Soil compaction and forest litter amendment aect carbon and net
nitrogen mineralization in a boreal forest soil. Soil and Tillage Research, 93(1), S. 7786.
Ter-Mikaelian, M. T.; Colombo, S. J.; Chen, J. (2015): e burning question: Does forest bioenergy
reduce carbon emissions? A review of common misconceptions about forest carbon accounting.
Journal of Forestry 113: S. 5768.
Thom, D.; Golivets, M.; Edling, L.; etal. (2019): e climate sensitivity of carbon, timber, and
species richness covaries with forest age in boreal-temperate North America. Glob Change Biol. 25:
S. 2446– 2458.
Weimar, H. (2018): Holzbilanzen 2015 bis 2017 für die Bundesrepublik Deutschland und Neuberech-
nung der Zeitreihe der Gesamtholzbilanz ab 1995. Braunschweig: Johann Heinrich von ünen-
Institut, ünen Working Paper101.
Welle, T.; Ibisch, P. L.; Blumröder, J. S.; Bohr, Y. E.-M. B.; Leinen, L.; Wohlleben, T.; Sturm, K. (2020):
Incorrect data sustain the claim of forest‐based bioenergy being more eective in climate change
mitigation than forest conservation. Global Change Biology Bioenergy [https://onlinelibrary.wiley.
com/doi/abs/10.1111/gcbb.12738; 27. 08. 2020].
Wissenschaftlicher Beirat Waldpolitik beim BMEL (WBW) (Hrsg.) (2020): Eckpunkte der Waldstra-
tegie 2050. Stellungnahme. Berlin [https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministe
rium/Beiraete/waldpolitik/stellungnahme-waldstrategie-2050; 27. 08. 2020].
Yousefpour, R.; Jacobsen, J. B.; Thorsen, B. J.; etal. (2012): A review of decision-making approaches
to handle uncertainty and risk in adaptive forest management under climate change. Annals of
Forest Science 69: S. 1–15.
Yücesan, Z.; Hacisalihoğlu, S.; Kezik, U.; Karadağ, H. (2019): Eects on soil erosion and carbon
sequestration in a pedunculate oak coppice stand during the conversion process into high forest.
Austrian Journal of Forest Science 136 (1): S. 45– 66.
Zapater, M.; Hossann, C.; Bréda, N.; Bréchet, C.; Bonal, D.; Granier, A. (2011): Evidence of hydraulic
lift in a young beech and oak mixed forest using 18O soil water labelling. Trees 25, S. 885 894. doi:
10.1007/s00468-011-0563-9.
Zellweger, F.; Coomes, D.; Lenoir, J.; Depauw, L.; Maes, S. L.; Wulf, M.; Kirby, K. J.; Brunet, J.;
Kopecký, M.; Máliš, F.; Schmidt, W.; Heinrichs, S.; den Ouden, J.; Jaroszewicz, B.; Buyse, G.;
Spicher,F.; Verheyen, K.; De Frenne, P. (2019): Seasonal drivers of understorey temperature buering
in temperate deciduous forests across Europe. Global Ecol Biogeogr. 28: S. 1774–1786 [https://doi.
org/10.1111/geb.12991; 27. 08. 2020].
KNAPP Holzweg.indd 200KNAPP Holzweg.indd 200 04.12.20 09:3604.12.20 09:36
... In Bezug auf die Waldholznutzung wird in [28] behauptet, es sei besser, das Holz im Wald zu belassen, als es zu nutzen, um den Kohlenstoffspeicher im Wald stärker aufzubauen [23,25]. Diese Position verkennt die Tatsache, dass ältere Wälder weniger schnell wachsen als jüngere. ...
Article
Full-text available
Compared to other renewable energy sources, wood currently has with appr. 75 % the highest share of heat generation in Germany. But wood contributes also to renewable electricity generation. Both pathways are discused recently in terms of availability and sustainability. The article describes on the basis of recent material flow analysis and on the basis of studies about future energy systems the current challenges and limitations of using wood in the energy sector in order to define a sustainable use of wood in the energy system.
Article
Full-text available
A common idea is that substituting wood for fossil fuels and energy intensive materials is a better strategy in mitigating climate change than storing more carbon in forests. This opinion remains highly questionable for at least two reasons. Firstly, the carbon footprints of wood-products are underestimated as far as the “biomass carbon neutrality” assumption is involved in their determination, as it is often the case. When taking into account the forest carbon dynamics consecutive to wood harvest, and the limited lifetime of products, these carbon footprints are time-dependent and their presumed values under the carbon neutrality assumption are achieved only in steady-state conditions. Secondly, even if carbon footprints are correctly assessed, the benefit of substitutions is overestimated when all or parts of the wood products are supposed to replace non-wood products whatever the market conditions. Indeed, substitutions are effective only if an increase in wood product consumption implies verifiably a global reduction in non-wood productions. When these flaws in the evaluation of wood substitution effects are avoided, one must conclude that increased harvesting and wood utilization may be counter-productive for climate change mitigation objectives, especially when wood is used as a fuel.
Article
Full-text available
Tropical soils contain one-third of the carbon stored in soils globally1, so destabilization of soil organic matter caused by the warming predicted for tropical regions this century2 could accelerate climate change by releasing additional carbon dioxide (CO2) to the atmosphere3–6. Theory predicts that warming should cause only modest carbon loss from tropical soils relative to those at higher latitudes5,7, but there have been no warming experiments in tropical forests to test this8. Here we show that in situ experimental warming of a lowland tropical forest soil on Barro Colorado Island, Panama, caused an unexpectedly large increase in soil CO2 emissions. Two years of warming of the whole soil profile by four degrees Celsius increased CO2 emissions by 55 per cent compared to soils at ambient temperature. The additional CO2 originated from heterotrophic rather than autotrophic sources, and equated to a loss of 8.2 ± 4.2 (one standard error) tonnes of carbon per hectare per year from the breakdown of soil organic matter. During this time, we detected no acclimation of respiration rates, no thermal compensation or change in the temperature sensitivity of enzyme activities, and no change in microbial carbon-use efficiency. These results demonstrate that soil carbon in tropical forests is highly sensitive to warming, creating a potentially substantial positive feedback to climate change. When tropical forest soils are warmed in situ, they release more CO2 than predicted by theory, creating a potentially substantial positive feedback to climate change.
Article
Full-text available
The urgent need for effective solutions to climate change accelerates and upscales the debate on the ongoing role of forest ecosystems and the impact of forest‐based bioenergy on carbon sequestration. Numerous studies have already questioned the mitigation effectiveness of this option (e.g., Hudiburg et al. 2011, Agostini et al. 2014, Leturcq 2014, Ter‐Mikaelian et al. 2015, Booth 2018, Searchinger 2018). Nevertheless, wood industries and several researchers still claim that timber harvesting is an effective contribution to a reduction of carbon dioxide in the atmosphere. The recent Opinion piece by Schulze et al. (2020), represents another case, which has been criticized by Kun et al. (2020) for using an incorrect metric, and by Booth et al. (2020) for being underpinned by invalid assumptions. Additionally, it is necessary to add that Schulze et al. (2020) base their findings on major errors in data use and calculations:
Article
Full-text available
Using measurements from high resolution monitoring of radial tree-growth we present new data of the growth reactions of four widespread broadleaved tree-species to the combined European drought years 2018 and 2019. We can show that, in contrast to field crops, trees could make better use of the winter soil moisture storage in 2018 which buffered them from severe drought stress and growth depressions in this year. Nevertheless, legacy effects of the 2018 drought accompanied by sustained low soil moisture conditions (missing recharge in winter) and again higher than average temperatures and low precipitation in spring/summer 2019 have resulted in severe growth reductions for all studied tree-species in this year. This highlights the pivotal role of soil water recharge in winter. Although short term resistance to hot summers can be high if sufficient winter precipitations buffers forest stands from drought damage, legacy effects will strongly impact tree growth in subsequent years if the drought persists. The two years 2018 and 2019 are extreme with regard to historical instrumental data but, according to regional climate models, resemble rather normal conditions of the climate in the second half of the 21st century. Therefore the observed strongly reduced growth rates can provide an outlook on future forest growth potential in northern Central Europe and beyond.
Article
Full-text available
We compare sustainably managed with unmanaged forests in terms of their contribution to climate change mitigation based on published data. For sustainably managed forests, accounting of carbon (C) storage based on ecosystem biomass and products as required by UNFCCC is not sufficient to quantify their contribution to climate change mitigation. The ultimate value of biomass is its use for biomaterials and bioenergy. Taking Germany as example, we show that the average removals of wood from managed forests are higher than stated by official reports, ranging between 56 and 86 Mill. m3 ha‐1 y‐1 due to the unrecorded harvest of firewood. We find that total removals can substitute of 0.87 m3 ha‐1 y‐1 of diesel, or 7.4 MWh/ha y‐1, taking into account the unrecorded firewood, the use of fuel for harvesting and processing, and the efficiency of energy conversion. Resultantly, energy substitution ranges between 1.9 and 2.2 t CO2equiv. ha‐1 y‐1 depending on the type of fossil fuel production. Including bioenergy and carbon storage, the total mitigation effect of managed forest ranges between 3.2 and 3.5 tCO2 equiv. ha‐1 y‐1. This is more than previously reported because of the full accounting of bioenergy. Unmanaged nature conservation forests contribute via C storage only about 0.37 t CO2 equiv. ha‐1 y‐1 to climate change mitigation. There is no fossil fuel substitution. Therefore, taking forests out of management reduces the climate mitigation benefits substantially. There should be a mitigation‐cost for taking forest out of management in Central Europe. Since the energy sector is rewarded for the climate benefits of bioenergy, and not the forest sector, we propose that a CO2 tax is used to award the contribution of forest management to fossil fuel substitution and climate change mitigation. This would stimulate the production of wood for products and energy substitution.
Article
Full-text available
Atmospheric greenhouse gases (GHGs) must be reduced to avoid an unsustainable climate. Because carbon dioxide is removed from the atmosphere and sequestered in forests and wood products, mitigation strategies to sustain and increase forest carbon sequestration are being developed. These strategies require full accounting of forest sector GHG budgets. Here, we describe a rigorous approach using over one million observations from forest inventory data and a regionally calibrated life-cycle assessment for calculating cradle-to-grave forest sector emissions and sequestration. We find that Western US forests are net sinks because there is a positive net balance of forest carbon uptake exceeding losses due to harvesting, wood product use, and combustion by wildfire. However, over 100 years of wood product usage is reducing the potential annual sink by an average of 21%, suggesting forest carbon storage can become more effective in climate mitigation through reduction in harvest, longer rotations, or more efficient wood product usage. Of the ∼10 700 million metric tonnes of carbon dioxide equivalents removed from west coast forests since 1900, 81% of it has been returned to the atmosphere or deposited in landfills. Moreover, state and federal reporting have erroneously excluded some product-related emissions, resulting in 25%–55% underestimation of state total CO 2 emissions. For states seeking to reach GHG reduction mandates by 2030, it is important that state CO 2 budgets are effectively determined or claimed reductions will be insufficient to mitigate climate change.
Article
Full-text available
Aim: Forest understorey microclimates are often buffered against extreme heat or cold, with important implications for the organisms living in these environments. We quantified seasonal effects of understorey microclimate predictors describing canopy structure, canopy composition and topography (i.e., local factors) and the forest patch size and distance to the coast (i.e., landscape factors). Location: Temperate forests in Europe. Time period: 2017-2018. Major taxa studied: Woody plants. Methods: We combined data from a microclimate sensor network with weather-station records to calculate the difference, or offset, between temperatures measured inside and outside forests. We used regression analysis to study the effects of local and landscape factors on the seasonal offset of minimum, mean and maximum temperatures. Results: The maximum temperature during the summer was on average cooler by 2.1 °C inside than outside forests, and the minimum temperatures during the winter and spring were 0.4 and 0.9 °C warmer. The local canopy cover was a strong nonlinear driver of the maximum temperature offset during summer, and we found increased cooling beneath tree species that cast the deepest shade. Seasonal offsets of minimum temperature were mainly regulated by landscape and topographic features, such as the distance to the coast and topographic position. Main conclusions: Forest organisms experience less severe temperature extremes than suggested by currently available macroclimate data; therefore, climate–species relationships and the responses of species to anthropogenic global warming cannot be modelled accurately in forests using macroclimate data alone. Changes in canopy cover and composition will strongly modulate the warming of maximum temperatures in forest understories, with important implications for understanding the responses of forest biodiversity and functioning to the combined threats of land‐use change and climate change. Our predictive models are generally applicable across lowland temperate deciduous forests, providing ecologically important microclimate data for forest understories.
Article
Full-text available
Many of the coppice stands in Turkey are in the process of conversion into high forest because of decreasing demand for fuel wood and negative effects of frequent clearcutting on soil, landscape and biodiversity. Most of these coppice stands are composed of pure and mixed oak stands. Main goal of this study is to determine the effects of canopy on soil erosion and carbon sequestration in a pure Pedunculate oak (Quercus robur L. subsp. robur L.) coppice stand during the conversion process into high forest. Obtained results showed that average soil loss amounts were 0.35, 0.70 and 0.93 t/ha/yr and total carbon stock amounts were 80.07, 77.86 and 64.2 tC/ha respectively under high, moderate and low canopy. In other words, decrease of canopy density increase soil losses and decreases carbon stocks (p<0.05) and in turn if the canopy get reduced during the conversion process, C stocks are at risk.
Article
Full-text available
Substitution of wood for more fossil carbon intensive building materials has been projected to result in major climate mitigation benefits often exceeding those of the forests themselves. A reexamination of the fundamental assumptions underlying these projections indicates long-term mitigation benefits related to product substitution may have been overestimated 2- to 100-fold. This suggests that while product substitution has limited climate mitigation benefits, to be effective the value and duration of the fossil carbon displacement, the longevity of buildings, and the nature of the forest supplying building materials must be considered.
Chapter
Die Bekämpfung des Klimawandels darf nicht dazu führen, dass wir durch gut gemeinten, aber schlecht durchdachten Klimaschutz zu andersartiger Gefährdung der Funktionstüchtigkeit unseres globalen Ökosystems beitragen. Es bedarf einer Weltumweltpolitik, die einem radikalen Ökosystemansatz folgt. Endlich wächst die Einsicht, dass der Klimawandel zu einer der größten Bedrohungen für die uns vertrauten sozialen und ökologischen Gefüge wird. Das Pariser Abkommen ist vor allem auch dadurch gelungen, dass komplizierte Sachverhalte vereinfacht wurden. Das Verhalten von Gasmolekülen und der Energiehaushalt der Erde, moderiert von astronomischen und irdischen Prozessen, maßgeblich beeinflusst von uns Menschen …-alles dies wurde auf einen Buchstaben und eine Zahl gebracht: C für Kohlen-stoff und 2 für die Gradzahl der maximal hinnehmbaren Temperaturerhöhung seit Beginn der Industrialisierung. Der Untertitel des fulminanten Buches Selbstverbrennung von Hans Joachim Schellnhuber lautet "Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff " (Schellnhuber 2015). Aber haben wir nicht ein noch fundamentaleres Beziehungsproblem? Macht uns nicht ein gestörtes Verhältnis zu dem uns tragenden und erhaltenden Ökosystem zu schaff en, in dem nicht einzig der Kohlenstoffhaushalt von Relevanz ist? Gab es da nicht noch weitere Probleme im Umgang mit der uns nährenden ‚Mutter Erde', Pachamama oder Gaia? Stellt der Klimawandel diese anderen Probleme derartig in den Schatten, dass wir uns nur um den Kohlenstoff in der Atmosphäre sorgen müssen? Letztlich gibt es neben der UN-Klimarahmenkonvention auch die Abkommen, die sich um Beispiel mit der biologischen Vielfalt oder der Desertifi kation (Bodendegradation und Wüstenbildung) beschäftigen. Sie sind nur weitaus weniger schlagkräft ig als die Klimakonvention. Und die Weltumweltpolitik (vgl. Simonis et al. 2015) krankt seit ihrer Genese auf dem Weltumweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro daran, Dinge nicht zusammenzudenken und zusammenzuführen, die unauflösbar zusammen gehören. Eigentlich ist klar: Wir müssen danach trachten, unser gesamtes „gemeinsames Haus“ (vgl. Laudato si‘ von Papst Franziskus, 2015) zu bedenken und den kompletten dazugehörigen Haushalt (Papst Franziskus 2015). Dies ist das grundsätzliche Anliegen der Ökologen, der ‚Haushaltswissenschaft ler‘ im weitesten Sinne des Wortes. In der Weltumweltpolitik geht es um nicht mehr und nicht weniger als einen ‚Welthaushalt‘.