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Männlich, mittelalt, gebildet – oder? Eine Charakterisierung deutschsprachiger Podcaster:innen

Authors:

Abstract and Figures

Podcasts erfahren nicht nur auf Seite der Hörenden eine immer stärkere Verbreitung. Auch die Zahl podcastproduzierender Personen steigt und macht Podcasts zu einem der aktuell wichtigsten partizipativen Medien. Zur Charakterisierung der Gruppe der Podcaster:innen liegen allerdings bisher nur wenige, überwiegend demographische Daten vor. Die vorliegende Arbeit soll daher dazu beitragen, die deutschsprachigen Podcastproduzierenden in drei Analysebereichen zu beschreiben: im Hinblick auf demographische, podcastspezifische und Persönlichkeitsvariablen. Mittels eines Online-Fragebogens wurden Daten von 653 Podcaster:innen gesammelt. Die Arbeit bietet erste Einblicke in die Diversität der deutschsprachigen Podcastproduzierenden und legt ein besonderes Augenmerk auf die Untersuchung von Geschlechterunterschieden.
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Zeitschriftenartikel:
Begutachtet
Redaktion und Begutachtung:
Nele Heise
Digital Media & Communication
Researcher Hamburg
Nils Zurawski
Universität Hamburg
Erhalten: 01. Dezember 2019
Akzeptiert: 29. September 2020
Publiziert: 15. Dezember 2020
Lizenz:
© Christiane Attig
Dieses Werk steht unter einer Lizenz
Creative-Commons-Namensnennung 4.0
(CC-BY 4.0) International
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Alle relevanten Daten benden sich
innerhalb der Veröentlichung.
Interessenskoniktstatement:
Die Autor:innen erklären, dass ihre
Forschung ohne kommerzielle oder
nanzielle Beziehungen durchgeführt
wurde, die als potentielle
Interessenskonikte ausgelegt werden
können.
Empfohlene Zitierung:
Attig, C. (2020). Männlich, mittelalt,
gebildet – oder?: Eine Charakterisierung
deutschsprachiger Podcaster:innen.
kommunikation@gesellschaft, 21(2).
https://doi.org/10.15460/kommges.
2020.21.2.626
OPEN ACCESS
Publiziert am 15. Dezember 2020
doi: 10.15460/kommges.2020.21.2.626
Männlich, mittelalt, gebildet – oder?
Eine Charakterisierung deutschsprachiger Podcaster:innen
Christiane Attiga *
aTechnische Universität Chemnitz
*Korrespondenz: christiane.attig@psychologie.tu-chemnitz.de
Abstract
Podcasts erfahren nicht nur auf Seite der Hörenden eine immer stärkere Verbrei-
tung. Auch die Zahl podcastproduzierender Personen steigt und macht Podcasts
zu einem der aktuell wichtigsten partizipativen Medien. Zur Charakterisierung der
Gruppe der Podcaster:innen liegen allerdings bisher nur wenige, überwiegend de-
mographische Daten vor. Die vorliegende Arbeit soll daher dazu beitragen, die
deutschsprachigen Podcastproduzierenden in drei Analysebereichen zu beschrei-
ben: im Hinblick auf demographische, podcastspezische und Persönlichkeitsva-
riablen. Mittels eines Online-Fragebogens wurden Daten von 653 Podcaster:innen
gesammelt. Die Arbeit bietet erste Einblicke in die Diversität der deutschsprachi-
gen Podcastproduzierenden und legt ein besonderes Augenmerk auf die Untersu-
chung von Geschlechterunterschieden.
Schlagworte: podcasting, user-generated content, Persönlichkeitsmerkmale, Geschlechterunterschiede,
Need for Cognition, Technikanität, Big Five
Publiziert von Hamburg University Press 1Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
doi: 10.15460/kommges.2020.21.2.626
1 Theoretischer Hintergrund
Podcasts erfreuen sich seit den Anfängen vor etwa 15 Jahren stark steigender
Popularität. Mit wachsender Zahl von Veröentlichungen wächst auch die
Zahl der Produzierenden, sowohl im Bereich privat und unabhängiger Pod-
castproduzierender als auch im Bereich privater und öentlich-rechtlicher
Medienunternehmen. Insbesondere die unabhängigen Podcaster:innen
stellen aus medienpsychologischer Perspektive eine interessante Gruppe
Medienschaender dar, da diese dank niedrigschwelliger Einstiegshürden
und dezentraler Veröentlichungswege das partizipative Potenzial des
Podcastmediums ausschöpfen (Lührmann 2019) und so in hohem Maße
selbstbestimmt sogenannten user-generated content (McKenzie et al. 2012)
produzieren. Ein Ergebnis dieser Autonomie ist ein hohes Maß an Themen-
diversität in Podcasts (Heise 2014). Die Genre- und Themenvielfalt wird
zunehmend auch wissenschaftlich untersucht und reicht von Bildung (Drew
2017), über Gesellschaft und Kultur (Cwynar 2019), Wissenschaft (MacKenzie
2018), Perspektiven marginalisierter Gruppen (Tran 2019), True Crime (Boling
2019) bis hin zu (autobiographischen) Personal Podcasts, die die sprechende
Person selbst in den Fokus rücken (Lindgren 2016).
Die Diversität der Podcastproduzierenden selbst wurde wissenschaftlich
bisher kaum betrachtet. Obwohl angesichts der Varianz hinsichtlich be-
arbeitetem Thema und Professionalisierungsgrad der Produktion davon
auszugehen ist, dass sich die Gruppe podcastproduzierender Personen durch
ausgeprägte Vielfalt hinsichtlich Demographie (z.B. Alter, Bildungsgrad) und
Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. Oenheit für Erfahrungen, Technikanität)
auszeichnet, wurden in den bisherigen empirischen Studien nur wenige Daten
zur Charakterisierung der Podcaster:innen präsentiert. Die Teilnehmenden
in einer zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits 13 Jahre alten internationalen
Studie mit über 1.000 unabhängigen Podcastenden (Mocigemba/Riechmann
2007) waren im Median 34 Jahre alt, 13.8 % davon weiblich und 54.8 %
verfügten über einen Hochschul- oder Universitätsabschluss. Ähnliche Daten
lieferte Markman (2012) in einer Studie mit 135 Podcastenden (davon 12.2 %
weiblich, 40 % im Alter zwischen 35 und 44, hohes Bildungsniveau). Im Rah-
men einer Folgestudie mit 120 Podcastenden berichteten Markman/Sawyer
(2014) vergleichbare demographische Daten, wobei der Anteil an Podcasterin-
nen höher war als zuvor (17.5 % weiblich, im Durchschnitt 41 Jahre alt, hohes
Bildungsniveau). Außerdem zeichneten sich die Podcastenden durch eine
intensive Nutzung sozialer Medien aus (Markman 2012; Markman/Sawyer
2014). Persönlichkeitsvariablen wurden in keiner der bisherigen Arbeiten
erhoben, sodass die Frage, wer eigentlich podcastet, nur unvollständig
beantwortet werden kann.
Abgesehen von der Teilstichprobe in Mocigemba/Riechmann (2007) liegen au-
ßerdem für den deutschsprachigen Raum keine weiteren systematischen Be-
funde zur Charakterisierung podcastender Personen vor. Die vorliegende Ar-
beit nutzt einen explorativen Ansatz, um erste umfassende Einblicke in die
Frage zu gewähren, durch welche demographischen, podcastspezischen und
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Persönlichkeitsvariablen deutschsprachige Podcastende gekennzeichnet sind.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse von Geschlechterunterschie-
den, die bisher – auch aufgrund zu geringer Stichprobengrößen – nicht unter-
sucht, in der deutschsprachigen Podcastszene jedoch stark diskutiert wurden
(z.B. Heise 2019).
Als Ausgangspunkt für die Analyse von Persönlichkeitsmerkmalen dienen
die sogenannten Big Five-Persönlichkeitsdimensionen, auf denen die Persön-
lichkeit einer Person umfassend abgebildet werden kann (McCrae/John 1992).
Als weitere relevante Persönlichkeitsmerkmale wurden Need for Cognition
(NFC, Cacioppo/Petty 1982), interaktionsbezogene Technikanität (Anity
for Technology Interaction, ATI, Franke et al. 2019) sowie die Oenheit des
Kommunikationsverhaltens (Mortensen et al. 1977) identiziert. Need for
Cognition oder „Denkfreude“ beschreibt die intrinsische Motivation, sich
kognitiv anspruchsvollen Aufgaben zu widmen (Cacioppo/Petty 1982). In
vielen Podcastproduktionen setzen sich die Podcastenden intensiv und zeit-
aufwendig mit verschiedensten Themen auseinander, sodass ein eher hoher
NFC-Mittelwert in der Stichprobe erwartet wird. Podcasting bietet außerdem
viele Ansatzpunkte für technikane Personen, sich mit Aufnahmegeräten
und -software auseinanderzusetzen, sodass ein eher hoher ATI-Wert erwar-
tet wird. Weiterhin ist Podcasten auch eine verbale Tätigkeit, von der sich
wahrscheinlich Personen mit einem oenen Kommunikationsverhalten eher
angesprochen fühlen, daher wird auch hier ein höherer Wert in der Stichprobe
erwartet. Zuletzt wird die politische Einstellung der Podcastenden erfasst, um
zu überprüfen, ob sich diese eher einem bestimmten politischen Spektrum
zuordnen lassen.
2 Methode
2.1 Stichprobe
Durch die Online-Fragebogenstudie wurden von 654 Personen vollständige
Datensätze gesammelt. Eine Person gab im freien Bemerkungsfeld an, die Fra-
gen nicht wahrheitsgemäß beantwortet zu haben; der dieser Person zugehöri-
ge Datensatz wurde von allen Analysen ausgeschlossen (also N= 653). Es wur-
den Angaben zu insgesamt 940 Podcasts gemacht.
Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte von Mai bis Oktober 2019 über
E-Mail, über Aufrufe in Twitter sowie im Podcast-Forum Sendegate1und
über die Ansprache potenzieller Teilnehmender in einem Podcastprojekt der
Autorin (Frede et al. 2019). Für die Ermittlung der E-Mail-Adressen wurde
auf eine öentlich zugängliche Liste der in Apple Podcasts verzeichneten
deutschsprachigen Podcasts zurückgegrien (Primbs 2019). Auf Basis dieser
Liste wurden die Podcast-Feed-URLs automatisiert ausgelesen, die dort
hinterlegten E-Mail-Adressen ermittelt und in einer Excel-Liste gespeichert.
Diese Liste wurde nach Versendung der Rekrutierungs-Mails an insgesamt
1https://sendegate.de (Zugri am 27.02.2020).
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8.448 Empfänger:innen gelöscht. Die Teilnahme dauerte etwa 45 Minuten.
Die Teilnehmenden erhielten keine Vergütung für die Studienteilnahme.2
2.2 Material
2.2.1 Podcasting-Variablen
Ausgangspunkt für die Entwicklung des Fragebogens zur explorativen Erfas-
sung der Podcasting-Variablen war die Arbeit von Markman/Sawyer (2014).
Basierend auf den dort erfassten Variablen wurden Fragebogenitems formu-
liert und ergänzt.
Die Personen gaben zunächst die Anzahl der produzierten Podcasts an. An-
schließend wurden weitere Variablen zu max. drei Podcasts erhoben, wobei
die Personen Angaben zu mindestens einem Podcast machen mussten. Zu den
erhobenen Variablen gehörten das Genre (Vorgabe von 16 Genres nach der Ein-
teilung des Podcastverzeichnisses fyyd3sowie die Option „Sonstiges“; Single
Choice), Zahl der Hörenden („Wie viele Hörer:innen hat eine Podcastfolge im
Durchschnitt?“; Optionen „Ich weiß nicht“ und „Keine Angabe“), bisheriger
Zeitraum der Produktion („Seit wann machen Sie diesen Podcast?“; Angabe
von Monat/Jahr), Veröentlichungsrhythmus („Wie regelmäßig veröentli-
chen Sie neue Folgen dieses Podcasts?“; Antwortmöglichkeiten: unregelmä-
ßig, täglich, einmal oder mehrmals wöchentlich, 14-tägig, monatlich, selte-
ner), Veröentlichungsmodalität („Wie veröentlichen Sie diesen Podcast?“;
Antwortmöglichkeiten: RSS-Feed, Spotify,iTunes,Audible, sonstige Plattfor-
men; Multiple Choice), Monetarisierung („Verdienen Sie Geld mit diesem Pod-
cast?“; Antwortmöglichkeiten: Ja: durch Werbung; Ja: durch freiwillige nan-
zielle Unterstützung („Spenden“); Ja: da es eine Auftragsarbeit/Teil meines
Jobs ist; Nein)4, Vor- und Nachbereitungszeit in Stunden („Wie viel Vor- und
Nachbereitungszeit stecken Sie im Durchschnitt in eine einzelne Episode die-
ses Podcasts?“), Intensität der Vor- und Nachbereitung („Wie würden Sie die-
sen Podcast auf einer Skala von ‚reiner ‚Laberpodcast’, keine inhaltliche Vor-
bereitung’ bis ‚redaktionell aufwendig vor- und nachbereitet’ einordnen?“;
Beantwortung auf 7-stuger Ratingskala von 1 – minimale Vor- und Nachbe-
reitung bis 7 – intensive Vor- und Nachbereitung) und Stärke der Interaktion
mit den Hörer:innen („Wie würden Sie die Stärke der Hörerinteraktion für die-
sen Podcast einschätzen [z.B. hinsichtlich Feedback, Diskussionen, Hörertref-
fen]?“; Beantwortung auf 7-stuger Ratingskala von 1 – gar keine Interaktion
bis 7 – sehr intensive Interaktion).
Die wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer Hörer:innencommunity wurde
mit zwei Items erfasst, die ebenfalls auf einer 6-stugen Likert-Skala von 1 –
2 Ich danke Nicolas Wöhrl, Sandro Schroeder, den Mitgliedern des Podcast-Meetup Leipzig, insbeson-
dere Jochen Dreier und Friedemann Brenneis sowie den Mitgliedern des Sendegates für ihr hilfreiches
Feedback bei der Konzeption der Studie. Außerdem danke ich Kristina Buhl für ihre Unterstützung
bei der Fragebogenentwicklung und Studiendurchführung, Martin Krumsdorf für seine Hilfe bei der
Rekrutierung der Teilnehmenden und Oliver Vettermann für das Lektorat. Schließlich danke ich von
Herzen allen Podcaster:innen, die an dieser Studie teilgenommen haben.
3https://fyyd.de (Zugri am 06.05.2019).
4 Dieses Item wurde zunächst via Single Choice erfasst. Nachdem eine Person im freien Bemerkungsfeld
anmerkte, dass ihr Podcast auf mehrere Arten monetarisiert wird, wurde dieses Item auf Multiple
Choice umgestellt.
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stimmt gar nicht bis 6 – stimmt völlig beantwortet wurden (Beispielitem: „Ich
fühle mich mit meinen Hörer:innen verbunden“). Die interne Konsistenz war
akzeptabel (𝛼 = .76).5Die wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer Podcast-
Community wurde mit sechs Items erfasst, die auf einer 6-stugen Likert-
Skala von 1 – stimmt gar nicht bis 6 – stimmt völlig beantwortet wurden (Bei-
spielitem: „Ich fühle mich als Teil einer Podcast-Community”). Die interne
Konsistenz war akzeptabel (𝛼 = .77).
2.2.2 Persönlichkeitsvariablen
Zur Erfassung der Big Five-Persönlichkeitsvariablen wurde der BFI-10
(Rammstedt/John 2007) eingesetzt. Dieser erfasst die fünf Dimensionen
mit jeweils zwei Items auf einer 5-stugen Likert-Skala von 1 – trit über-
haupt nicht zu bis 5 – trit voll und ganz zu. Die interne Konsistenz ist bei
sehr kurzen Skalen, die breite Konstrukte erfassen sollen, kein geeignetes
Maß zur Reliabilitätsbestimmung (Ziegler et al. 2014). Daher verweise ich
auf Rammstedt/John (2007), die gezeigt haben, dass der BFI-10 über eine
zufriedenstellende Retest-Reliabilität verfügt.
Die interaktionsbezogene Technikanität (ATI) wurde durch die ATI-
Kurzskala (Wessel et al. 2019) auf einer 6-stugen Likert-Skala von 1 –
stimmt gar nicht bis 6 – stimmt völlig erfasst. Die interne Konsistenz war
exzellent (𝛼 = .92). Need for Cognition (NFC) wurde durch die NFC-Kurzskala
(Beißert et al. 2015) auf einer 7-stugen Likert-Skala von 1 – trit überhaupt
nicht zu bis 7 – trit ganz genau zu beantwortet. Die interne Konsistenz war
fragwürdig (𝛼 = .60).6
Das Kommunikationsverhalten wurde durch die Verbal Predispositions
Scale (Mortensen et al. 1977) erfasst. Die Items wurden von zwei Personen
unabhängig voneinander ins Deutsche übersetzt. Abweichende Übersetzun-
gen wurden diskutiert und harmonisiert. Der Fragebogen wurde auf einer
7-stugen Likert-Skala von 1 – trit überhaupt nicht zu bis 7 – trit ganz genau
zu beantwortet. Die interne Konsistenz war exzellent (𝛼 = .93).
Die politische Einstellung wurde mit der Left-Right Self-Placement Scale
(Breyer 2015) erfasst. Das Einzelitem wurde auf einer 11-stugen Skala von 0
rechts bis 10 – links beantwortet.
2.2.3 Demographische Variablen
Die folgenden demographischen Variablen wurden erfasst: Alter, soziales
Geschlecht (weiblich, männlich, divers, keine Angabe) und aktuell höchster
Bildungsabschluss (aktuell noch in Ausbildung, abgeschlossene Berufsausbil-
dung, Meister/Fachschule, Fachhochschule/Universität, ohne Abschluss).
5 Die Interpretation der internen Konsistenz erfolgt nach den gängigen Konventionen (siehe z.B. Cripps
2017).
6 Dieses Ergebnis ähnelt denen anderer Datenerhebungen mit dem gleichen Fragebogen (z.B. Franke
et al 2019; Beißert et al. 2020) und ist für Kurzskalen weder untypisch noch notwendigerweise proble-
matisch (Ziegler et al. 2014).
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3 Ergebnisse
3.1 Demographische Variablen
Deskriptive Statistiken sind in Tab. 1zu nden. Die Podcaster:innen in der
Stichprobe waren im Schnitt 38 Jahre alt, 137 Personen davon (21 %) ≤ 30 Jahre,
261 (40 %) zwischen 31-40 Jahre, 188 (28.8 %) zwischen 41-50 Jahre und 67
(10.3 %) > 50 Jahre. In der Stichprobe identizierten sich 164 Personen (25.1
%) als weiblich und 479 (73.4 %) als männlich; zehn Personen (1.5 %) machten
keine Angabe, niemand wählte die Option divers.
Die Stichprobe zeichnete sich außerdem durch ein hohes Bildungsniveau aus:
Als höchsten Bildungsabschluss gaben 160 Personen (24.5 %) eine abgeschlos-
sene Berufsausbildung an, 22 (3.4 %) Meister/Fachschulabschluss und 426
(65.2 %) Fachhochschul-/Universitätsabschluss. Die restlichen Personen (45
bzw. 6.9 %) verfügten (noch) über keinen Abschluss.
Tabelle 1: Deskriptive Statistiken der erhobenen Variablen.
M SD Min Max
25.
Perzentil
50. Perzentil
(Median)
75.
Perzentil N
Alter 38.22 8.91 19 67 31.50 38.00 44.00 653
Anzahl produzierter Podcasts 1.65 2.05 1.00 40 1.00 1.00 2.00 653
Geschätzte Anzahl der Hörer:innen pro
Episode
2441.99 9400.98 0.00 140000.00 100.00 300.00 1000.00 815
Zeitraum der bisherigen Podcastproduktion
in Monaten
31.95 33.60 0.01 211.53 8.67 20.50 42.77 934
Vor- und Nachbereitungszeit in Stunden 6.01 17.82 0.00 500.00 2.00 3.00 6.00 940
Intensität der Vor- und Nachbereitung 4.15 1.60 1.00 7.00 3.00 4.00 5.00 940
Stärke der Hörerinteraktion 2.91 1.43 1.00 7.00 2.00 3.00 4.00 940
Wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer
Hörer:innen-Community
4.00 1.19 1.00 6.00 3.00 4.00 5.00 653
Wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer
Podcast-Community
3.25 1.09 1.00 6.00 2.50 3.17 4.00 653
Oenheit für Erfahrungen 4.01 0.83 1.00 5.00 3.50 4.00 5.00 653
Gewissenhaftigkeit 3.50 0.89 1.00 5.00 3.00 3.50 4.00 653
Extraversion 3.40 1.04 1.00 5.00 2.50 3.50 4.00 653
Verträglichkeit 3.24 0.78 1.00 5.00 3.00 3.00 4.00 653
Neurotizismus 2.55 0.93 1.00 5.00 2.00 2.50 3.00 653
Interaktionsbezogene Technikanität (ATI) 4.11 1.36 1.00 6.00 3.00 4.50 5.25 653
Need for Cognition (NFC) 4.89 1.01 1.75 7.00 4.25 5.00 5.75 653
Kommunikationsverhalten 4.38 0.86 1.68 6.52 3.82 4.44 5.00 653
Politische Einstellung 2.52 1.57 0.00 10.00 1.50 2.00 3.00 653
3.2 Podcastvariablen
Bezüglich der Anzahl produzierter Podcasts gaben 68 Prozent an, einen Pod-
cast zu produzieren (19 % zwei Podcasts, 8 % drei Podcasts). Fünf Prozent der
Teilnehmenden gaben an, mehr als drei Podcasts zu produzieren; das Maxi-
mum lag bei 40. Die Podcaster:innen wählten in Bezug auf 818 Podcasts eines
der 16 vorgegebenen Genres; für die restlichen 122 Podcasts wurde die Option
„Sonstiges“ plus Freitextantwort gewählt. Die Freitextantworten konnten in
83 der 122 Fälle jeweils einem der 16 vorgegebenen Genres zugeordnet werden.
Die restlichen 39 Genreangaben (z.B. Persönlichkeitsentwicklung, Selbsthilfe)
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wurden in dem Genre „Weiterbildung/Ratgeber“ zusammengefasst. Die na-
len Prozentangaben zu den Podcastgenres lassen sich in Abb. 1nden. Die am
häugsten genannten Genres sind somit Gesellschaft/Kultur, Spiele/Hobbies
sowie Wissen/Wissenschaft.
Abbildung 1: Bearbeitete Podcastgenres in der Stichprobe. Quelle: eigene Darstellung
Eine Angabe zur geschätzten Zahl der Hörer:innen wurde in Bezug auf 815
Podcasts gemacht. Der Mittelwert lag bei 2.442 Hörer:innen (Spannweite =
140.000), wobei die Mehrheit deutlich kleinere Zahlen angab. Für drei Vier-
tel der Podcasts (613 Podcasts/75.3 %) gaben die Befragten an, bei maximal
1.000 Hörer:innen pro Folge zu liegen. Für lediglich 54 Podcasts (6.6 %) wur-
den über 10.000 Hörer:innen pro Folge angegeben.
Zur Frage, seit wann sie den Podcast produzieren, gaben sechs Personen ein
Datum in der Zukunft an; diese Fälle wurden aus der Analyse dieser Variable
ausgeschlossen (daher n= 934). Der Mittelwert des bisherigen Produktions-
zeitraums lag bei 32 Monaten und zeigte eine große Varianz (Spannweite = 212
Monate). 310 Podcasts (33.2 %) wurden seit < 1 Jahr produziert, 193 (20.7 %)
Podcasts seit 1-2 Jahren, 142 (15.2 %) Podcasts seit 2-3 Jahren, 144 Podcasts
(15.4 %) seit 3-5 Jahren und 145 (15.5 %) > 5 Jahre.
835 der 940 Podcasts (88.8 %) wurden über Apple Podcasts publiziert, 824 (87.7
%) via RSS-Feed, 633 (67.3 %) über Spotify und 641 (68.2 %) über sonstige
Plattformen (z.B. Deezer, Soundcloud, YouTube, Audible). Acht Podcasts (0.9 %)
wurden täglich veröentlicht, 226 (24 %) ein- oder mehrmals in der Woche,
215 (22.9 %) 14-tägig, 180 (19.1 %) monatlich, 55 (5.9 %) seltener als monat-
lich und 256 (27.2 %) unregelmäßig.
741 Podcasts (76.8 %) wurden nicht monetarisiert. 114 (11.8 %) der Podcasts
wurden durch freiwillige nanzielle Unterstützung monetarisiert und 39 (4
%) durch Werbeeinnahmen. Die Stichprobe bestand außerdem zum größten
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Teil aus unabhängigen, privat produzierenden Podcastenden, denn nur 71
Podcasts (7.4 %) waren Auftragsproduktionen oder Teil der Erwerbstätigkeit.
Hinsichtlich der Vor- und Nachbereitungszeit für eine einzelne Podcastepiso-
de lag der Durchschnitt bei 6 Stunden, wobei die Varianz enorm war (Spann-
weite = 500 Stunden). Die Ergebnisse zeigen, dass 334 Podcasts (35.5 %) ≤ 2
Stunden Vor- und Nachbereitungszeit pro Folge benötigten, 250 (26.6 %) 2-4
Stunden, 254 (27 %) 4-10 Stunden und 102 (10.9 %) > 10 Stunden.
Die Stärke der Interaktion mit den Hörer:innen wurde als eher gering ein-
geschätzt; der Mittelwert wich signikant vom Skalenmittelwert 4 nach
unten ab (M= 2.91, t(939) = -23.33, p< .001, d= -0.76, mittlerer bis großer
Eekt7). Dennoch gaben die Podcastenden im Schnitt an, dass sie mit ihren
Hörer:innen verbunden fühlen; der Mittelwert wich signikant vom Skalen-
mittelwert 3.5 nach oben ab (M= 4.00, t(652) = 10.86, p< .001, d= 0.42, kleiner
Eekt). Beide Werte korrelieren positiv, d.h., je stärker die wahrgenommene
Interaktion mit den Hörenden, desto höher das Verbundenheitsgefühl (r=
.51, p< .001, mittlerer Eekt). Die wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer
Podcast-Community wurde signikant niedriger als die zu den Hörenden
eingeschätzt (M= 3.25, t(652) = 14.21, p< .001, d= 0.66, mittlerer Eekt).
3.3 Persönlichkeitsvariablen
Hinsichtlich der Big Five zeigte sich ein ausgeprägter Wert auf der Oenheits-
Dimension, der deutlich vom Skalenmittelwert 3 abwich (M= 4.01, t(652) =
33.69, p< .001, d= 1.32, großer Eekt). Kleine bis mittelgroße Abweichungen
nach oben zeigten sich außerdem in Bezug auf Gewissenhaftigkeit (M= 3.50,
t(652) = 14.48, p< .001, d= 0.57), Extraversion (M= 3.40, t(652) = 9.80, p<
.001, d= 0.38) und Verträglichkeit (M= 3.24, t(652) = 7.74, p< .001, d= 0.30).
Der Mittelwert für Neurotizismus wich dagegen signikant vom Skalenmittel-
wert nach unten ab (M= 2.55, t(652) = -12.45, p< .001, d= -0.49, kleiner bis
mittlerer Eekt).
Die Podcaster:innen in der Stichprobe waren eher hoch technikan; der
Mittelwert wich signikant vom Skalenmittelwert 3.5 nach oben ab (M= 4.11,
t(652) = 11.43, p< .001, d= 0.44, kleiner Eekt). Ähnlich verhielt es sich mit
den Werten zum Need for Cognition/NFC, wobei der Eekt stärker ausgeprägt
war (M= 4.89, t(652) = 22.43, p< .001, d= 0.88, großer Eekt). Des Weiteren
zeichnete sich die Stichprobe durch ein eher oenes Kommunikationsverhal-
ten aus; der Mittelwert wich signikant vom Skalenmittelwert 4 nach oben
ab (M= 4.38, t(652) = 11.31, p< .001, d= 0.44, kleiner Eekt).
Bezüglich der politischen Einstellung ordnete sich die große Mehrheit der Pod-
caster:innen in der Stichprobe dem linken Spektrum zu; 576 Personen (88.2
%) kreuzten auf der 11-stugen Skala Werte zwischen 0 und 4 an. Die Abwei-
chung vom Skalenmittelwert 5 war signikant und deutlich ausgeprägt (M=
2.52, t(652) = -40.38, p< .001, d= -1.58, großer Eekt).
7 Die Interpretation der Eektstärken erfolgt nach den Konventionen von Cohen (1992).
Publiziert von Hamburg University Press 8Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
doi: 10.15460/kommges.2020.21.2.626
3.4 Geschlechterunterschiede
Aufgrund der unterschiedlichen Gruppengrößen in Verbindung mit teilweisen
Verletzungen der Voraussetzung der Homoskedastizität wurden sowohl para-
metrische als auch non-parametrische Tests zur Analyse von Geschlechterun-
terschieden durchgeführt.8Da diese nicht zu unterschiedlichen Ergebnissen
führten, werden folgend nur die Ergebnisse der parametrischen Tests berich-
tet. Alle Tests erfolgten explorativ (d.h. mit zweiseitigen t-Tests). Personen,
die kein Geschlecht angaben (n= 10), wurden aus den Analysen ausgeschlos-
sen.
Die Podcasterinnen produzierten im Schnitt weniger Podcasts als Podcaster
(Mw= 1.24 vs. Mm= 1.71, t(632.41) = -5.37, p< .001, d= 0.34, kleiner Eekt).
Außerdem produzierten sie diese seit einem kürzeren Zeitraum (Mw= 21.80
Monate vs. Mm= 36.65 Monate, t(488.09) = -6.38, p< .001, d= 0.45, kleiner
Eekt). Keine signikanten Geschlechterunterschiede ergaben sich hinsicht-
lich Alter, Anzahl der Hörer:innen, Vor- und Nachbereitungszeit, Intensität
der Vor- und Nachbereitung, Intensität der Hörerinteraktion und Zugehörig-
keitsgefühl zu Hörer:innen- und Podcastcommunity.
Bezüglich der Podcastgenres zeigten sich auf deskriptiver Ebene einige Unter-
schiede (siehe Abb. 2). Von den Podcasterinnen in der Stichprobe gaben 27.6
Prozent als primäres bearbeitetes Podcastgenre Gesellschaft/Kultur an; von
den Podcastern waren es 17.1 Prozent. Weitere Genres, die relativ betrachtet
eher von Frauen bearbeitet werden9, waren Gesundheit (11.7 vs. 2.7 %), Wei-
terbildung/Ratgeber (11 vs. 2.9 %), Familie/Kinder (3.7 vs. 1.5 %) und Wirt-
schaft (8 vs. 6.1 %). Genres, die eher von Podcastern bearbeitet werden, wa-
ren Technologie (8.6 vs. 1.2 %), Sport (9.2 vs. 2.5 %), TV/Film (7.9 vs. 2.5 %),
Spiele/Hobbys (12.3 vs. 7.4 %), Nachrichten/Politik (5.2 vs. 1.8 %) und Hörspiel
(1.7 vs. 0 %). Keine bzw. kaum (< 1.5 %) Unterschiede zeigten sich hinsicht-
lich der Genres Wissen/Wissenschaft, Unterhaltung/Comedy, Musik, Religi-
on/Spiritualität, Firmenpodcast und Regierung/NGO.
Der Anteil der Podcaster:innen, die ihren Podcast monetarisieren, unterschied
sich kaum zwischen den Geschlechtern (w: 18.9 %, m: 21.1 %). Werbeeinnah-
men erzielen ebenfalls etwa gleich viele Podcaster:innen (w: 4.9 %, m: 4.6%).
Es werden jedoch mehr Podcaster freiwillig nanziell unterstützt (w: 8.5 %, m:
14.8%). Ein größerer relativer Anteil an Podcasterinnen gab im Gegensatz da-
zu an, dass die Podcastproduktion eine Auftragsarbeit bzw. Teil der Erwerbs-
tätigkeit sei (w: 7.9 %, m: 4.8 %).
Die Podcasterinnen in der Stichprobe hatten hinsichtlich aller fünf Big Five-
Persönlichkeitsdimensionen signikant höhere Mittelwerte als die Podcaster
(kleine bis mittlere Eekte): Gewissenhaftigkeit (Mw= 3.82 vs. Mm= 3.39,
8 Zur Testung, ob ein Mittelwertsunterschied signikant, d.h. grob gesagt überzufällig ist, gibt es ver-
schiedene Verfahren mit unterschiedlichen Voraussetzungen an die vorliegenden Daten. Der t-Test
ist ein sehr gängiges parametrisches Verfahren mit hoher Teststärke, besitzt aber mehr Voraus-
setzungen als sogenannte nicht-parametrische Verfahren mit geringerer Teststärke, z.B. nicht allzu
stark abweichende Gruppengrößen oder Varianzhomogenität (Homoskedastizität, siehe z.B. Sedlmei-
er/Renkewitz 2007). Diese beiden Voraussetzungen wurden bei den vorliegenden Daten teilweise ver-
letzt.
9 Aufgrund der ungleichen Gruppengrößen wurden in der Stichprobe alle Podcastgenres (außer Ge-
sundheit) in absoluten Zahlen von mehr Podcastern als Podcasterinnen angegeben.
Publiziert von Hamburg University Press 9Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
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Abbildung 2: Bearbeitete Podcastgenres nach Geschlecht. Quelle: eigene Darstellung
t(329.25) = 5.95, p< .001, d= 0.54), Extraversion (Mw= 3.76 vs. Mm= 3.28,
t(303.55) = 5.41, p< .001, d= 0.47), Oenheit (Mw= 4.32 vs. Mm= 4.02,
t(338.35) = 4.40, p<.001, d= 0.36), Verträglichkeit (Mw= 3.43 vs. Mm= 3.17,
t(287.09) = 3.87, p< .001, d= 0.35), Neurotizismus (Mw= 2.73 vs. Mm= 2.48,
t(641) = 3.83, p= .004, d= 0.27).
Darüber hinaus zeichneten sich die Podcasterinnen durch eine signikant ge-
ringere ATI (Mw= 3.26 vs. Mm= 4.39, t(262.00) = -9.42, p< .001, d= 0.89,
großer Eekt), ein oeneres Kommunikationsverhalten (Mw= 4.60 vs. Mm=
4.31, t(641) = 3.71, p< .001, d= 0.34, kleiner Eekt) und eine noch progressi-
vere („linkere“) politische Einstellung aus als die Podcaster in der Stichprobe
(Mw= 2.24 vs. Mm= 2.64, t(340.54) = -3.14, p= .002, d= 0.26, kleiner Eekt).
In Bezug auf NFC gab es keine signikanten Unterschiede.
4 Diskussion
Die Ergebnisse deuten sowohl in Abgrenzung zu den bis dato vorliegenden Be-
funden als auch für sich allein stehend auf eine deutliche Entwicklung hin-
sichtlich Größe und Diversität der Podcast-Szene hin. Im Vergleich zu bisheri-
gen Studien (Markman 2012; Markman/Sawyer 2014; Mocigemba/Riechmann
2007) enthielt die vorliegende Stichprobe einen größeren Anteil weiblicher
Podcastender, während das Durchschnittsalter und das Bildungsniveau ver-
gleichbar waren. Der Großteil der Stichprobe gab an, einen Podcast zu pro-
duzieren (sogenannte Monocaster, Mocigemba/Riechmann 2007) und bis zu
1.000 Hörer:innen pro Episode zu erreichen. Zu etwa einem Drittel der Pod-
casts gaben die Teilnehmenden an, dass diese erst seit maximal einem Jahr
produziert werden; etwa die Hälfte der Podcasts existiert seit maximal zwei
Publiziert von Hamburg University Press 10 Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
doi: 10.15460/kommges.2020.21.2.626
Jahren. Der große Anteil relativ neuer Podcasts spiegelt den in Medien der-
zeit viel zitierten „Podcast-Boom“ (z.B. Kleinz 2019): So wurden beispielswei-
se Zahlen von Spotify veröentlicht, die zeigen, dass die Anzahl deutschspra-
chiger Podcasts auf der Plattform von 2.000 (2018) auf 12.000 (2019) anstieg
(Munder 2020).
Den zahlreichen Möglichkeiten zur Monetarisierung von Podcasts steht
oftmals Skeptizismus hinsichtlich der Kommerzialisierung des Mediums
gegenüber, insbesondere unter den deutschsprachigen unabhängigen Pod-
castenden, die in der Open Knowledge-Bewegung verwurzelt sind (Wilinski
2016). Zahlen zur Verbreitung und Nutzung von Monetarisierung unter
deutschsprachigen Podcastenden sind kaum verfügbar, sodass die vorliegen-
de Arbeit wertvolle Einblicke liefert. Zu mehr als drei Viertel der Podcasts
wurde die Angabe gemacht, dass keine Monetarisierung erfolgt, während
fast 15 Prozent der Podcasts freiwillig nanziell unterstützt wurden oder
Werbeeinnahmen erzielten. Ein Geschlechtereekt wurde hinsichtlich der
freiwilligen nanziellen Unterstützung sichtbar, da mehr männliche als weib-
liche Podcastende angaben, von dieser Monetarisierungsform zu protieren.
Mögliche Ursachen dafür diskutieren Klingner/Rönicke (2019).
Die psychologische Charakterisierung von deutschsprachigen, größtenteils
unabhängigen Podcastenden stellt ein Novum dar. So konnte durch die vor-
liegende Arbeit erstmals gezeigt werden, dass die Stichprobe sich durch eine
deutlich ausgeprägte Oenheit für Erfahrungen und Denkfreude auszeichnet
und deutlich dem linken politischen Spektrum zuzuordnen ist. Dieser Befund
untermauert bestehende Ergebnisse, denn der negative Zusammenhang
zwischen Oenheit und Konservatismus wurde häug nachgewiesen (z.B.
Jost et al. 2003), ebenso wie der positive Zusammenhang zwischen Oenheit
und NFC (z.B. Fleischhauer et al. 2009).
Die Analyse von Geschlechterunterschieden hat gezeigt, dass die Podcaste-
rinnen in der Stichprobe seit kürzerer Zeit weniger Podcasts produzieren als
Podcaster. Gemeinsam mit dem höheren Frauenanteil im Vergleich zu den
vergangenen Studien deutet dies daraufhin, dass Podcasterinnen aufgeholt
und die ursprünglich überwiegend von Männern geprägte Podcastszene stär-
ker durchmischt haben. Der Unterschied in den Podcastgenres erönet die
Frage, ob die stärker von Frauen besetzten Themen (z.B. Gesellschaft/Kultur,
Weiterbildung/Ratgeber) in Zukunft insgesamt noch stärkere Berücksichti-
gung erfahren, falls der vermutete Aufwärtstrend der Podcasterinnen anhält.
Die in allen Big Five-Dimensionen stärkeren Ausprägungen der Podcaste-
rinnen sind, bis auf Extraversion, nicht ungewöhnlich (Rammstedt 2007).
Ungewöhnlich ist auch nicht die durchschnittlich geringer ausgeprägte
interaktionsbezogene Technikanität der Podcasterinnen; auch in der all-
gemeinen Bevölkerung zeigen Frauen einen geringeren durchschnittlichen
ATI-Wert als Männer (Franke et al. 2019). Deutlich wird allerdings, dass
der insgesamt höhere ATI-Wert in der Stichprobe der Podcaster:innen auf
den deutlich höheren Mittelwert der männlichen Podcastenden zurückgeht,
welcher sich wiederum ebenfalls nicht deutlich vom dem Mittelwert der
Publiziert von Hamburg University Press 11 Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
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männlichen Personen in der allgemeinen Bevölkerung unterscheidet (Franke
et al. 2019). Mit anderen Worten: Die hohe Technikanität unter den Podcas-
tenden ist in der hohen Technikanität der überrepräsentierten männlichen
Podcastenden begründet. Dieser Befund lässt allerdings keinen Rückschluss
auf den Ursprung des Geschlechterunterschieds zu.
Als einschränkend muss die Stichprobenselektivität genannt werden. Auf-
grund der persönlichen Ansprache der Autorin in sozialen Medien und im
Podcast kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Anteil an Podcasterin-
nen durch eine erhöhte Zahl persönlich bekannter weiblicher Podcastender
verzerrt wurde oder sich diese durch mediale Berichterstattung über Pod-
casterinnen (z.B. Heise 2019) besonders zur Teilnahme motiviert wurden.
Außerdem ist davon auszugehen, dass Podcastende, die gut in sozialen
Medien miteinander vernetzt sind, schneller und häuger auf die Studie
aufmerksam wurden und in der Stichprobe überrepräsentiert sind.
Abschließend bietet die vorliegende Arbeit einen wertvollen Einblick in die
Charakterisierung der (insbesondere unabhängigen) deutschsprachigen
Podcaster:innen und bildet einen Grundstein für zukünftige Arbeiten, die sich
noch tiefergehender mit medienpsychologischen Fragestellungen in Bezug
auf das Podcasting beschäftigen werden.
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Publiziert von Hamburg University Press 15 Dezember 2020 | Bd. 21 | Nr. 2
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Article
Full-text available
Die vorliegende Arbeit dient der Entwicklung einer Kurzskala zur Messung von Need for Cognition (NFC). Neben tradi- tionellen Verfahren der Itemreduktion auf Basis von Itemkennwerten der klassischen Testtheorie wurde in Studie 1 (N = 282) ein neues, computergestütztes Verfahren des „full information approach“ vorgestellt. Mithilfe der beiden Verfahren wurden 3 mögliche Skalen mit jeweils 5 Items selektiert, welche in einem unabhängigen Datensatz in Studie 2 (N = 530) Validierungskriterien unterzogen wurden. Aus den 3 Skalen mit ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Gütekriterien wurde eine anhand der „full information approach” erstellten Skalen als finale Kurzskala NFC-K ausgewählt. Diese NFC-K weist ein Cronbachs α von .69 auf, eine Korrelation mit der Langskala von .81 und keinen signifikanten Zusammenhang mit sozialer Erwünschtheit. Neben der systematischen und objektiven Selektion und Validierung der Kurz- skala NFC-K stellt die vorliegende Arbeit auch eine Fallstudie zu den Herausforderungen der Kurzskalenentwicklung auf Basis klassischer und computergestützter Selektionsverfahren dar.
Article
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Since 2004, podcasts have emerged as a decentralized medium for science communication to the global public. However, to date, there have been no large-scale quantitative studies of the production and dissemination of science podcasts. This study identified 952 English language science podcasts available between January and February 2018 and analysed online textual and visual data related to the podcasts and classified and noted key production parameters. It was found that the total number of science podcast series available grew linearly between 2004 and 2010, and then exponentially between 2010 and 2018. Sixty-five per cent of science podcast series were hosted by scientists and 77% were targeted to public audiences. Although a wide range of primarily single-subject science podcasts series were noted, 34% of science podcast series were not dedicated to a science subject. Compared to biology and physics, chemistry may be under-represented by science podcasts. Only 24% of science podcast series had any overt financial income. Sixty-two per cent of science podcast series were affiliated to an organization; producing a greater number of episodes (median ¼ 24, average ¼ 96) than independent science podcast series (median ¼ 16, average ¼ 48). This study provides the first 'snapshot' of how science podcasts are being used to communicate science to public audiences around the globe.
Thesis
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This bachelor thesis gives an overview of the biggest obstacles to the growth of the podcast market in Germany and the USA. It also shows possibilities on how to over-come these hurdles. A big part of the thesis focuses on the monetization and commercialization of Podcasts. Within the last years, podcast-consumption has been on the rise so that there are numerous monetization-opportunities especially in the USA. Also, the market might face major changes. Furthermore, the study shows that there is great momentum on many levels. So the thesis also concen-trates on data collection in podcasting, platforms and podcast-networks. A smaller part is devoted to technical obstacles. It is still relatively hard to launch a podcast, and for many people it also seems unlikely to subscribe to a podcast due to tech-nical aspects. In addition, the thesis tries to offer a glimpse into the future. Here, the searchability of audio and automatic transcription could play very large role. In order to bundle various opinions and ideas, six experts were consulted in qualita-tive interviews in addition to a detailed literature review. The thesis is interesting for anybody who takes great interest in podcasting as well as for social- and economic-scientist. Keywords: podcasting, audio, monetization, iTunes, SoundCloud ____ Die vorliegende Bachelorarbeit gibt einen Überblick über die größten Hürden für das Wachstum der Podcast-Märkte in Deutschland und den USA. Gleichzeitig schafft sie einen Überblick über Möglichkeiten diese Hürden zu überwinden. Ein Großteil der Arbeit beschäftigt sich dabei mit der Monetarisierung bzw. Kommerzia-lisierung von Podcasts. Dabei wurde klar, dass es insbesondere in den USA zahl-reiche Monetarisierungs-Möglichkeiten gibt und der Markt möglicherweise vor ei-nem starken Wandel steht. Dies liegt u. a. daran, dass das Podcasting im Aufwind ist und von immer mehr Leuten genutzt wird. Die vorliegende Arbeit zeigt zudem, dass auf vielen Ebenen eine große Dynamik herrscht. So geht die Arbeit auf Da-tenerfassungen im Podcasting, Plattformen sowie Podcast-Netzwerke ein. Ein kleinerer Teil beschäftigt sich mit den vergleichsweise großen technischen Hürden Podcasts zu erstellen bzw. sie zu abonnieren. Zudem soll ein Einblick in die Zu-kunft gewährt werden. Hierbei könnten auch die Durchsuchbarkeit von Audio so-wie die automatische Transkription eine sehr große Rolle spielen. Um möglichst vielfältige Meinungen und Ideen zu bündeln, wurden neben einer ausführlichen Literaturrecherche dazu sechs Experten in qualitativen Interviews befragt. Die Bachelorarbeit ist sowohl für Podcast-Produzenten als auch für Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler interessant. Schlagwörter: Podcasting, Audio, Monetarisierung, iTunes, SoundCloud
Article
This study examines true crime podcasts with a critical/cultural lens to explore how podcasts are impacting the true crime genre, public opinion and the criminal justice system. Four in-depth qualitative interviews with true crime podcast producers offer insight into both the political economy of podcasts and effective audience engagement. Ultimately, this study argues that true crime podcasts are impacting the criminal justice system in unprecedented ways and that the future of this emerging media could challenge both criminal justice and media reform. Practical implications for genre-specific media are also discussed.
Conference Paper
In research and development in general, and in user-centered design (UCD) in particular, study participants have to be representative for the target audience. However, given the voluntary participation in user studies and an ensuing self-selection bias, participants of user studies likely prefer to engage with technology more strongly than the target audience in general (i.e., they have a higher affinity for technology interaction, ATI). Unchecked, this potential bias might lead to products that neglect important user groups or miss valuable market niches. At the same time, participants' time is limited, so assessment of ATI must be economical. Thus, we propose an ultra-short ATI scale derived from the ATI scale by [10]. ATI-S was developed using theoretical considerations and empirical analyses. It provides a sufficiently reliable and valid assessment of ATI for conditions with strict time-constraints, in which the full ATI scale cannot be used.
Article
This paper analyzes the initial seasons of two reality podcasts, Gimlet Media’s StartUp and Stable Genius’ ZigZag in relation to neoliberalism and entrepreneurialism of the self. It demonstrates how these for-profit podcasts documenting the launching of private companies represent the culmination of longterm historical processes in the public media sector and U. S society more broadly. It argues that the leveraging of public radio expertise and capital to launch reality soundwork programs promoting for-profit media companies is symptomatic of a broader shift in American cultural towards entrepreneurship of the self. These programs, and the companies and personalities behind them, are thus emblematic of both a distinct phase in the development of podcasting as a medium and the pervasiveness of market fundamentalist ideologies in contemporary U. S society.
Article
Debuting in the fall of 2017, the Second Wave podcast follows host Thanh Tan as she explores the experiences and challenges of U.S.-born Vietnamese Americans. Similar to many children of Vietnamese refugees, Tan’s knowledge of Vietnam and her family’s history contains gaps of silences created by trauma, which are often filled by non-Vietnamese American voices and pop culture. Through engaging these gaps, Second Wave aims to create sound among diasporic silences to challenge dominant narratives about Vietnamese Americans. While the podcast has several limitations due to its narrative format, Second Wave ultimately pluralizes historical narratives of Vietnamese diasporas, opening spaces for Vietnamese diasporic subjects to discuss their families’ refugee experiences. In doing so, Second Wave is a step towards encouraging quieted voices to speak up and ask questions that continue to disrupt singular narratives of the Vietnam War and its’ aftermath.
Book
Das Medium Podcast hat im Laufe der letzten Jahre einen erneuten Aufschwung erlebt und seinen Weg breitenwirksam in die mediale Öffentlichkeit gefunden. Die vorliegende Studie befasst sich mit dem in der Forschung bislang kaum behandelten Gegenstand der Politik-Podcasts und bewegt sich damit an der Schnittstelle von Medien- und Politikwissenschaft. Vor dem Hintergrund öffentlichkeitstheoretischer Ansätze werden Podcasts als Raum politisch-medialer Kommunikation verstanden und diskutiert. Wie werden politische Inhalte im Medium Podcast präsentiert und verhandelt und wie wird dadurch politische Öffentlichkeit hergestellt? Dabei wird die These vertreten, dass Podcasts als Netzmedium und nicht allein als auditives Angebot zu konzeptualisieren, sprich im Kontext einer internetbasierten Medienumgebung zu verorten sind. Im Zuge eines genetisch-historischen Zugriffs wird der strukturelle Wandel des Mediums von seinen Anfängen als Amateur- und Nischenmedium hin zu seinem gegenwärtigen Status als kommerzielles Massenmedium nachvollzogen. Die Studie gibt außerdem einen systematischen Überblick zum politischen Podcast-Angebot in Deutschland, aus dem der Podcast Lage der Nation – der Politik-Podcast aus Berlin für eine konkrete empirische Analyse herausgegriffen wird.
Article
Successful coping with technology is relevant for mastering daily life. Based on related conceptions, we propose affinity for technology interaction (ATI), defined as the tendency to actively engage in intensive technology interaction, as a key personal resource for coping with technology. We present the 9-item ATI scale, an economical unidimensional scale that assesses ATI as an interaction style rooted in the construct need for cognition (NFC). Results of multiple studies (n > 1500) showed that the scale achieves good to excellent reliability, exhibits expected moderate to high correlations with geekism, technology enthusiasm, NFC, self-reported success in technical problem-solving and technical system learning success, and also with usage of technical systems. Further, correlations of ATI with the Big Five personality dimensions were weak at most. Based on the results, the ATI scale appears to be a promising tool for research applications such as the characterization of user diversity in system usability tests and the construction of general models of user-technology interaction.
Article
Academic attention to educational podcasts has grown significantly in recent years. However, to date, the concept of genres in podcasting is yet to gain scholarly attention. By examining genres emergent from a corpus of educational podcasts available online, this paper introduces the value of genre analysis to educational podcast research. It proposes three genres, named ‘The Quick Burst’, ‘The Narrative’ and ‘The Chat Show’. The three genres show both the versatility of podcasting for education and how genre analysis could introduce new ideas to the educational podcasting literature, including ideas about supporting deep learning in e-learning environments.