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Flaschensammeln als gesellschaftlicher Selbstversuch im Labor Deutschland – Seine Rekonstruktion in der Methodenausbildung mit Hilfe des verstehenden Interviews

Authors:
  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt / Celovec
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Abstract

Um das Jahr 2005 sind die Flaschen-und Dosensammler*innen im Stadtbild der deutschen Städte aufgetaucht. Für viele war es zuerst verstörend, dass Menschen, die so aussahen, als ob sie nicht obdachlos wären, im Müll wühlten. Doch bald schon sind sie ein alltäglicher Anblick geworden. Mittlerweile gibt es Lieder und Krimis über Flaschensammler*innen - sowie echte Schlägereien und sogar einen Mord, in die Flaschensammler*innen verwickelt waren, so dass der Mythenbildung über sie nichts mehr im Wege steht. Sebastian Moser (2014) sieht den Flaschen- bzw. den Pfandsammler*innen als eine Sozialfigur, also als Beispiel für jemand, der "Rollenbilder oder Typen, wie sie in der gegenwärtigen historischen Situation zur Buntheit des Alltags gehören" und "die in der ‚Gegenwart' die Interessen und Hoffnungen der Zeitgenossen zu beeinflussen schein[t]en" (Girtler 2013; Moebius/Schroer 2010). Sowohl das öffentliche Interesse als auch der Zeitpunkt ihres Auftretens spricht dafür, dass sich am Flaschensammeln gesellschaftliche Entwicklungen kristallisieren, denn es etablierte sich im Kreuzungspunkt mehrerer Entwicklungen: Die technische Möglichkeit, auch bei Tageslicht auf große Flächen Bilder zu projizieren, führte bei der Weltmeisterschaft 2006 zu einer ersten Welle von Public-Viewing-Ereignissen. Zu diesem Anlass konnte Alkohol im öffentlichen Raum ohne Stigma konsumiert werden. Darüber hinaus waren zu diesem Zeitpunkt gerade das Pfandsystem ausgebaut und Hartz IV eingeführt worden. Unter diesen veränderten gesellschaftlichen Vorzeichen haben sich einige, meist prekär lebenden Menschen auf den Weg gemacht, um sich ein kleines Zusatzeinkommen zu verdienen ...

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