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„Warum sagt einem das niemand?“ Pluralität und Reflexivität für die schulische (sozio-)ökonomische Bildung

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Analog zur Bezugswissenschaft Ökonomik stellt sich auch in der universitären (sozio-)ökonomischen Lehrerbildung die Frage einer gelingenden Umsetzung und Etablierung von pluraler Ökonomik und epistemologischer Reflexion. Denn wenn angehende Lehrerinnen und Lehrer im Studium eine maßgeblich einseitige ökonomische Bildung erfahren, ihnen Alternativen im Denken und Handeln über Ökonomie vorenthalten werden, wie können diese dann Schülerinnen und Schüler befähigen, zentrale Probleme (Klimakrise, Ungleichheiten) multiperspektivisch zu befragen und anzugehen? Dieses Problem wird in meinem Beitrag einerseits vertieft, andererseits werden anhand eines fachdidaktischen Seminars in einem Bachelor-Studiengang konkrete Lösungsansätze für die Hochschullehre aufgezeigt. Dieses Seminar verfolgte das Ziel, Pluralität sowie Reflexivität zu den obersten Prämissen der fachwissenschaftlichen sowie fachdidaktischen Auseinandersetzung zu machen.
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Im Folgenden soll genauer dargestellt werden, durch welche wissen-schaftsinternen Prozeduren sich die moderne Ökonomik reproduziert. Dabei wird davon ausgegangen, dass hier Besonderheiten zum Tragen kommen, die während und nach dem 2. Weltkrieg angestoßen wurden und sich erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts vollständig durch-gesetzt haben. Die daraus hervorgegangenen Forschungs- und Lehrin-halte ebenso wie die Mechanismen ihrer Perpetuierung werden dabei unter dem Begriff der ‚Standardökonomik‘ zusammengefasst. Entspre-chend der genannten zeitlichen Zuordnung kann diese Standardökonomik erst in der modernen Wissenschaft beobachtet werden. Damit ist ein Entwicklungsstand umschrieben, in dem die wissenschaftliche Repro¬duktion überwiegend durch wissenschaftsinterne Anforderungen definiert ist. Insoweit ist die ‚moderne Standardökonomik‘ eine spezifische Aus¬prägung des auf die Ökonomik bezogenen Teilbereichs der modernen Wissenschaft. Diese Analyse dient zum einen als Aufklärung über die Genese und damit auch über die historische Besonderheit der gegenwär¬tig in der Ökonomik dominierenden Orientierungen und Praktiken. Zum andern soll damit eine Abschätzung der Möglichkeiten und Grenzen er¬folgen für eine Umstellung auf eine Ökonomik, die im gesellschaftlichen Diskurs ermittelte Problemlagen und dafür mögliche Lösungsoptionen thematisiert (Transformative Ökonomik).
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Performativität – das Vollzogene/Ausgeführte (engl. perform: ausführen/ vollbringen) – bezeichnet nach Austin (1979), dass mit Äußerungen nicht nur etwas konstatiert wird, sondern dass auch etwas ausgeführt wird. Ausgehend von dieser performativen Sicht wurde zu den Vorgängen bei der Entstehung der Finanzmärkte das Konzept einer Performativity of economics als Erklärungsansatz entwickelt, da dort spezifische sprachliche Äußerungen (die Black-Scholes-Merton-Formel) eine zentrale Rolle spielten. Zudem wurde mit diesem Ansatz der Anspruch verbunden, das Verhältnis von Theorie und Praxis und damit die Rolle von Wissenschaften in der Gesellschaft neu zu hinterfragen, bis hin zur Forderung nach einer erkenntnistheoretischen Neukonzeption der Wahrheitskategorie für die Wissenschaft. Denn wenn Wissenschaft Praxis formt, mit Theorien also Praxis nicht nur beschrieben/erklärt wird, müssten die Kategorien wahr/falsch – so die Schlussfolgerung – ersetzt werden durch die des sich Bewährens/nicht Bewährens. Nachstehend soll der Ansatz einschließlich des erkenntnistheoretischen Anspruchs thematisiert werden. Dazu wird erstens die theoretische Fundierung des Performativity-Konzepts vorgestellt. Zweitens wird in Kritik an die im Zuge des Konzepts vorgestellten Formen von Performativität (MacKenzie 2006, S. 16) aufgezeigt, dass – die performative Rolle von Wissenschaftler/innen ernst genommen – diese nicht nur auf die Wirkung von Innovationen (z. B. das Kreieren von Formeln für neue Märkte) beschränkt bleiben kann, sondern erweitert werden muss auf alle Bereiche, in denen Ökonom/innen durch sprachliche Äußerungen gesellschaftliche Verläufe mit beeinflussen (Lehre, Medien, Beratung usw.). Drittens wird die erkenntnistheoretische Forderung nach der Neukonzeption der Wahrheitskategorie für die Wissenschaft kritisch hinterfragt.
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Das Buch führt in die ‚Soziologie der Bildung und Erziehung‘ ein. Hier wird der Konflikt zwischen den Fächern Soziologie und Erziehungswissenschaft als Ausgangspunkt genommen, um die Grundthesen von Klassikern und zeitgenössischen Theoretikern sowie die aktuellen Debatten vorzustellen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Beziehung zwischen sozialer Ungleichheit und dem Bildungsprozess gelegt. Neue Diskurse um Raum und neue Medien werden erstmalig im bildungssoziologischen Kontext einführend dargestellt. Die 3. Auflage wurde zudem um ein neues Kapitel zum Thema Migration erweitert.
Book
Dieser Leitfaden soll Hochschullehrende beim Einstieg in das "Forschende Lernen" (FL) als Format der forschungsnahen Lehre unterstützen. Neben Tipps zur praktischen Umsetzung enthält der Leitfaden auch Hinweise auf andere forschungsnahe Lehr-Lernformate und eine Sammlung didaktischer Methoden, die sich in der Umsetzung unserer FL-Projekte bewährt haben. Die 2. Auflage ist mit Blick auf die Rückmeldungen von Leser*innen und Nutzer*innen sprachlich und inhaltlich leicht überarbeitet und aktualisiert worden.