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Zum Identitätsdiskurs in den Sozialwissenschaften: Eine postkolonial und queer informierte Kritik an George H. Mead, Erik H. Erikson und Erving Goffman

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Abstract

Unter welchen Bedingungen wurde die »Frage der Identität« zu einer akzeptablen - mehr noch: dominanten - Problematisierungsweise sozialer Phänomene? In der diskursanalytischen Untersuchung wird die sozialwissenschaftliche Prägung der Begriffe Identität und Selbst in den Arbeiten von George H. Mead, Erik H. Erikson und Erving Goffman in Zusammenhang mit wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklungen und sozialen Bewegungsdiskursen in den USA rekonsturiert. Die Studie ist ein Beitrag zur Geschichte der Soziologie und zu den Gender Studies. Sie verankert feministische, queer und postkoloniale Theorien in Geschichte und Theorie der Sozialwissenschaften und präsentiert Diskursanalyse als ein wissenschaftsgeschichtliches Instrument.
... Nos estudos sobre identidade, Jungwirth (2007), socióloga alemã, toma uma direção de análise no sentido contrário ao de Moita Lopes. Enquanto este busca observar aspectos sociais pela compreensão da construção de identidade no discurso, a socióloga alemã se preocupa em estudar como as características sociais indicam aspectos identitários no discurso. ...
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O presente artigo tem por proposta investigar a construção da identidade infantil em textos midiáticos voltados a crianças e publicados na década de 1930, no Brasil e na Alemanha. Buscamos, sobretudo, compreender a relação entre os dois contextos nacionalistas - Nazismo e Era Vargas - e a representação de infância. O embasamento teórico faz-se a partir das posições de Moita Lopes (2002), Jungwirth (2007), Keupp (1999), entre outros, no que se refere às teorias de identidade no discurso. Metodologicamente, procedeu-se ao estudo contrastivo entre as duas revistas, em que se buscou localizar elementos nominais usados para se referir às crianças em ambos os periódicos. Os resultados permitem observar a forte influência do poder político na construção da identidade das crianças no período estudado. Palavras-chave: Identidade; Mídia; Nacionalismo.
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Der Veganismus definiert sich über die Ablehnung des Verzehrs, des Verbrauchs und des Gebrauchs tierischer Produkte. Er steht dabei im Zeichen einer Vernunft des verantwortungsbewussten Verzichts. Die implizierte Kritik an gesellschaftlich anerkannten Praktiken des Tierkonsums kann Denkund Handlungsmuster nachhaltig prägen. Im Rahmen jugendkultureller Verbreitung hat dies Einfluss auf die Herausbildung jugendlicher Identitäten. Basierend auf einer explorativen, qualitativen Untersuchung mit vegan lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Ruhrgebiet wird dargestellt, inwiefern eine vegane Lebensführung den Beginn spezifischer Eigenverantwortung markiert, welche Selbstsorge um Weltsorge ergänzt.
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Anti-Discrimination Bureaus in the Netherlands developed from ad-hoc action groups to professional organisations in the 1980s and 1990s. So far, no research has been done on the effects of this institutionalisation on the identity of the Anti-Discrimination Bureaus. Therefore, this paper studies two cases of Dutch Anti-Discrimination Organisations, an Anti-Discrimination Bureau and the national expertise centre for Anti-Discrimination Bureaus. Based on commemorative publications, produced on the occasion of the organisations' anniversaries, the self-positioning of the Anti-Discrimination Organisations in relation to people who experience discrimination is analysed. It is argued that the investigated organisations created narratives about a "situated neutrality" to describe themselves as professional organisations. This "situated neutrality" implies a professional distance to their "clients". Concurrently, both organisations insist on advocating victims of discrimination. This ambivalence allows other political actors to criticise the position of Anti-Discrimination Bureaus in relation to people who experience discrimination.
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Die Einteilung von Menschen in Rassen ist eine der umstrittensten Praktiken biologischer Forschung. Doch statt ihres Endes zeichnet sich in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance rassifizierter Konzepte ab. Tino Plümeckes detaillierte Studie geht erstmals der Frage nach, wieso Rasse immer wieder Teil modernster Forschungen werden konnte. Analysiert werden die Rassifizierungen in verschiedenen biologischen Disziplinen und die Entwicklungslinien im Kontext genetischer Ansätze. Das Buch führt Kompetenzen aus den Bio- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen und liefert einen Beitrag zur Weiterentwicklung kritischer und intervenierender Wissenschaftsforschung. Rezension: http://www.socialnet.de/rezensionen/15276.php
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In diesem Beitrag geht es um eine subjektwissenschaftliche Perspektive auf Gender als interdependente Kategorie. Gender wird hier als ein Merkmal der Differenz zwischen Subjekten verstanden, das nicht isoliert, sondern nur in seiner Verschränkung mit anderen Merkmalen wie etwa Ethnizität, Klasse oder ‚Rasse’ untersucht werden kann. Am Beispiel der Psychoanalyse soll verdeutlicht werden, dass Gender als auch ‚Rasse’ bereits eine konstitutive Rolle in der Genese psychologischer Epistemologien und Methoden hat.1
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Der Kulturbegriff und die Frage nach der tatsächlichen Verfasstheit von Kulturen sind Gegenstand dynamischer Diskussionen. Transnationale und transkulturelle Studien eröffnen dabei neue Forschungsperspektiven. Die Beiträge dieses Bandes greifen aktuelle kulturwissenschaftliche Theorieansätze auf und verbinden sie mit bildungsgeschichtlichen und genderhistorischen Fragestellungen. Thematische Schwerpunkte sind grenzüberschreitender Ideen- und Wissenstransfer, Erziehungs- und Bildungsarbeit in transkulturellen Räumen, Konstruktionen von »Eigenem«, »Fremdem« und Geschlecht sowie Transformationen kultureller und nationaler Identitäten.
Chapter
Beinahe jede kultur- und sozialwissenschaftliche Disziplin hat in den vergangenen Jahren ihre ›Krise der Repräsentation‹ erlebt – nicht wenige haben sie auch als eine ›postkoloniale Krise der Repräsentation‹, als ›postcolonial turn‹ wahrgenommen. Allen voran die Literaturwissenschaften und Ethnologie, die beide (gleichwohl auf unterschiedliche Weise) das Problem literarischer Alteritätsstrategien und folglich auch die Fabrikation ihrer Erkenntnisse über ›andere Kulturen‹ (›Othering‹) im Dienste ›kolonialistischer Wissenschaften‹ selbst zum Gegenstand vieler Debatten machten (vgl. exempl. Clifford/Marcus 1986). Aber auch die Geschichtswissenschaften, die Geographie und Politikwissenschaften, die sich seit jeher mit den Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden, sei es in Form von historischen Zeittabellen, Regionaleinteilungen, Staats- und Kontinentalgrenzen usw., befassen, werden immer häufiger mit der problematischen (neo-)kolonialen Verfasstheit dieser Konstellationen konfrontiert.
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In ihrer Einleitung zu dem Schwerpunktheft „Intersectionality“ des European Journal for Women’s Studies bemerken Ann Phoenix und Pamela Pattynama: „Although it might be far fetched to suggest, that everyone is talking about intersectionality, it is certainly an idea in the process of burgeoning.“ (Phoenix/Pattynama 2006: 187). Wenn man bedenkt, wie lange und in welchem Facettenreichtum Fragen der Ungleichheit und Differenz in der feministischen Diskussion verhandelt wurden, und wenn man sich darüber hinaus die Vielfalt an Metaphern vergegenwärtigt, die erfunden wurden, um Interferenzen zwischen unterschiedlichen Kategorien sozialer Strukturierung zu veranschaulichen (West/Fenstermaker 1995), dann erscheint es beinahe ironisch, dass es das stenographisch verknappte Bild von der Kreuzung (intersection) war, welches die transnationale Verbreitung der Triade von Race/Ethnicity, Class und Gender/Sexuality und der damit verbundenen Fragestellungen in den vergangenen Jahren so unübersehbar beschleunigt hat.
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Ist es noch ein Thema in psychotherapeutischen Kontexten, sich zu vergewissern, in welcher Gesellschaft wir uns eigentlich befinden und was es bedeutet, in einem solchen Rahmen psychotherapeutisch zu arbeiten? Dieser Diskurs existierte in den letzten Jahren kaum noch und es schien sich psychotherapeutische „Gesellschaftsvergessenheit“ entwickelt zu haben. „Soziale Amnesie“ hat das Russell Jacoby schon 1978 genannt. Vorsichtig beginnt sich da etwas zu ändern. Die Psychotherapeutenkammern laden sich zunehmend Referenten mit gesellschaftskritischer Ausrichtung ein. Mit einiger Verzögerung scheint der globale Gesellschaftswandel auch im psychotherapeutischen Feld erste Spuren zu hinterlassen. Cyrus Khamneifar (2008), ausgebildeter Psychoanalytiker, hat eine Studie vorgelegt, in der er herausfinden wollte, inwieweit der aktuelle gesellschaftliche Umbruch im Bewusstsein von PsychotherapeutInnen angekommen ist, wie er reflektiert wird und welche Konsequenzen aus seiner Wahrnehmung gezogen werden.
Thesis
Die Doktorarbeit analysiert den Einfluss der Europäischen Union auf andere regionale Organisationen wie den Südostasiatischen Staatenverbund im Bereich der Menschenrechte und geht insbesondere der Frage nach, wie die interregionale Interaktion im Bereich der Menschenrechte zu der Bildung von regionalen Identitäten in Südostasien führt. Die Arbeit trägt in diesem Sinne zu der Forschung über die Diffusion von Ideen und Normen in der internationalen Politik bei. Jedoch relativiert diese Studie die eindimensionale Betrachtung der EU als „normative Macht“ und attraktives Modell des regionalen Regierens, die durch ihre Außenpolitik die „Soft-Macht“ besitzt, ideelle Veränderungen in den Ländern und Regionen des globalen Südens hervorzurufen. Stattdessen knüpft die Dissertation an die Regionalforschung über Südostasien an, welche die relative Autonomie der lokalen und intraregionalen Ideen, Akteure und Machtstrukturen betont. Zwischen diesen beiden konzeptionellen Polen entwickelt diese Arbeit eine Zwischenposition, die verstärkt den Fokus auf die Interaktion zwischen den normativen Machtansprüchen der EU und den intraregionalen Dynamiken im Bereich der Institutionalisierung auf regionaler und nationaler Ebene von Menschenrechten legt. Der Erfolg der EU-Menschenrechtsbemühungen ist von der Entwicklung regionaler und menschenrechtskonformer Identitäten in Südostasien/ASEAN abhängig. Dieser Prozess kann nur durch die Einbindung der lokalen Akteure und ihre Deutungsmuster sowie durch Berücksichtigung ihrer strategischen Interessen gelingen. Deshalb hat die EU in diesem Kontext weit weniger Einfluss als man in der bisherigen Forschungsarbeit zur EU-Außenpolitik anzuerkennen bereit war. Jedoch zeigt die Forschungsarbeit, dass die kontinuierliche Auseinandersetzung zwischen der EU und ASEAN im Rahmen ihrer interregionalen Dialoge durchaus zu einem Umdenken in Bezug auf die Akzeptanz der Menschenrechte in ASEAN geführt hat. Der Stand der intraregionalen Veränderungsprozesse variiert jedoch zwischen den unterschiedlichen lokalen Akteuren wie auch den einzelnen Staaten. Im Zuge dieser intraregionalen Verhandlungsprozesse ist es einigen staatlichen Akteuren, Staaten und der zunehmend transregionalen Zivilgesellschaft gelungen, auch einige regionale Beschlüsse zu erzwingen oder durchzusetzen, wodurch die Institutionalisierung des Menschenrechtenschutzes im ASEAN-Raum vorangetrieben werden konnte. Die Dynamik steht aber sehr am Anfang und es ist noch ungewiss inwieweit die Gruppe der regionalen Akteuren, die tatsächlich den regionalen Menschenrechtenschutz in ASEAN ausbauen wollen, sich innerhalb der ASEAN-Gemeinschaft konsolidieren und ihre Ideen umsetzen können.
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In Deutschland bezeichnet das Schlagwort „Migrationsdiskurs“ ein Feld sozialer Auseinandersetzungen, in welchem bestimmte Menschen, die offiziell als Migranten/innen oder Menschen mit Migrationshintergrund bezeichnet werden, zum Thema – und oft auch zum Problem – (gemacht) werden.
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Ausgehend von der Sichtbarkeit des Körpers in allen Situationen des Lebens und der Sichtbarkeit des Alters am Körper, beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, wie sich Körperlichkeit und Schönheit im Alter konstituieren. Dabei spielen Blicke – sowohl die Blicke, die wir auf die anderen richten, die Blicke, die wir auf uns gerichtet fühlen, als auch die Blicke, die wir auf uns selbst werfen – eine entscheidende Rolle. Die Analyse ebenjener Blicke offenbart hegemoniale, kollektiv-gesellschaftliche Alters-, Körper- und Schönheitsnormen. Trotz aller Aushandlungen bestätigen die hier gewonnenen Ergebnisse ein Blickregime, welches Alter und Jugend als sich gegenüberstehende Kategorien von alt und jung begreift, die hierarchisch zugunsten der Jugend angeordnet sind.
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„Identität selbst ist ein Phänomen, das durch die Dialektik von Individuum und Gesellschaft entsteht.“ „Identität ist also objektiv als Ort in einer bestimmten Welt gegeben, kann aber subjektiv nur zusammen mit dieser Welt erworben werden.“
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Über Jugend im Kontext von Identitätsbildung und dies unter dem Aspekt von Ethnisierung zu reflektieren, heißt, ein mehrfach brüchiges Terrain zu betreten, das zugleich von diskursiv verfestigten und verfestigenden Strukturen durchwirkt ist. Die Begriffe und ihre Subjekte ebenso wie die Gegenstände dahinter sind flüchtig: Was ist Jugend, wann beginnt sie, wann endet sie, wie definiert sie sich, in welchen Lebensstilen und an welchen Lebensnotwendigkeiten performiert sie sich? Die Entgrenzung von Jugend (vgl. Böhnisch 2008, S. 30) sowohl in einer zeitlich-biographischen als auch in einer sozioökonomischen Dimension ist sozial-und kulturwissenschaftlicher Standard geworden (vgl. u.a. Sander/Vollbrecht 2000; Milmeister/Willems 2007), jugendlicher Habitus wird mittlerweile im Plural und entkoppelt von einer präzise bestimmbaren Altersphase betrachtet. Dieser Beitrag lotet jugendliche Positionierungen in einem weiteren problematischen Kontext aus, jenem der Identitätsbildung im Spannungsfeld zwischen Individualität und Ethnisierung.
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Alltägliche Grenzziehungen und Klassifikationen auf der Basis von Ethnizität sind ‚Erkenntnisse‘, die Erwartbarkeiten schaffen über das, was anders ist und zuweilen Gewissheiten über das, was eigen ist. Sie liefern Interpretationsangebote, wie soziale Situationen zu verstehen, aber auch zu meistern sind. Sie stellen Erklärungsangebote für komplexe gesellschaftliche Vorgänge bereit und machen sie handhabbar, indem sie vielschichtige Prozesse auf einfache Formeln bringen. Solche „Erkenntnisbildung ist mit stereotypen Überzeugungen und Erwartungen über Kategorienmitglieder verbunden, sie ist mit emotionalen Assoziationen und evaluativen Urteilen ausgestattet, und sie wird als Ressource in bestimmten interaktionalen Kontexten verwendet und durch situationale Auslöser oder Reize aktiviert“ (Brubaker 2007: 26). Die empirische Analyse dieser Klassifikationsprozesse in der Kommunikation von Akteuren offenbart folglich vieles über ihre Funktion, Beharrlichkeit, aber auch Elastizität und Flexibilität.
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