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›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus und ›Rechtspopulismus‹

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Abstract

Im Beitrag wird gefragt, inwiefern die -- wenig beachtete -- Abwertung über Bildung als ›rassistisch‹ begriffen werden kann, d.h. was Rassismus allgemein und was ›Rassismus der Intelligenz‹ bedeuten. Danach wird anhand empirischer Befunde die enorme Verbreitung ›klassisch‹ rassistischer und rechts-autoritärer Einstellungen in Deutschland aufgezeigt und dass höher Gebildete bei näherem Hinsehen diesbezüglich längst nicht so unbescholten bleiben wie es oft scheint. Ferner stellt sich die Frage, inwiefern die bei gering Gebildeten häufiger oder offener geäußerte Tendenz zur Abwertung von ›Fremdgruppen‹ nicht auch als Versuch der Identitätsrettung marginalisierter Unterklassen interpretiert werden kann (vgl. Kuppens et al. 2018: 444). Zuletzt wird die Frage nach den daraus resultierenden politischen Folgen und Hintergründen von Marginalisierung und rassistischer Abwertung sowie Rechtsdrift diskutiert. Letzteres tritt nämlich auffällig häufig (wenn auch nicht nur) bei formal gering Gebildeten, unteren und mittleren Arbeiterinnen oder Arbeitern auf, die früher politisch meist links orientiert waren. Insofern stellt sich die Frage, woran es liegt, dass sich die ›versprengten‹, zunehmend identitätslosen und demobilisierten Unterklassen von der Linken abwendeten. Diskutiert wird hierbei die Frage der Mitverantwortung der »brahmanischen« (akademischen) Linken, die im Wechsel mit der »kaufmännischen Rechten« (Piketty 2018) oder einer ›neuen Mitte‹ als ›bloc bourgeois‹ (Amable/Darcillon 2020) dazu beitrug, soziale Ungleichheit und Prekarität zu befördern, in deren Lücke erst der sog. Rechtspopulismus stoßen konnte (vgl. Mouffe 2018; Eribon 2016: 117 ff.).
Günter Roth
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹
Rassismus und ›Rechtspopulismus‹
Einleitung
Der vorliegende Sammelband möchte zur kritischen Selbstreexion über
Rassismus anregen, weshalb der Autor (als akademisch Lehrender) im
folgenden Beitrag insbesondere über den von Bourdieu so genannten
›Rassismus der Intelligenz‹ (Bourdieu 1993b) und mögliche politische
Folgen und Hintergründe reektieren wird. Diese Form des Rassismus, so
Bourdieu, gehöre zu den subtilsten, am schwersten zu erkennenden Formen
und werde am seltensten kritisiert, vielleicht weil die Intellektuellen selber
manche Eigenschaen aufweisen, die dafür anfällig machen und weil sie
meist als Kritisierende des gewöhnlichen, ›niederen‹ oder kleinbürgerli-
chen Rassismus aureten (vgl. ebd.: 252, 255). Der kurze Essay Bourdieus
wurde oenbar wenig beachtet, vielleicht auch, weil die ese übertrieben
wirkt (vgl. Horvath 2017: 149) oder paradox. Denn ›Intelligenz‹ wird
gewöhnlich mit aufgeklärtem, dierenziertem, neugierigem, weltoenem
Denken assoziiert, nicht mit ›tumben‹ rassistischen Vorurteilen.
Auch in einschlägigen Befragungen zu Rassismus und anderen Formen
›gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit‹ spielt die Abwertung von
Menschen anhand von Bildung und der damit gewöhnlich assoziierten
Intelligenz1 bisher keine Rolle: Neben Rassismus im engeren und klassi-
schen Sinn werden dabei fremdenfeindliche (xenophobe), antisemitische,
muslimfeindliche, sexistische sowie gegen Sinti und Roma, wohnungslose,
1 Die übliche Gleichsetzung von Intelligenz und formaler Bildung wird vom Autor,
der selbst aus einer bäuerlichen Familie mit ›niederen‹ Schulabschlüssen stammt,
nicht geteilt. Zudem bezieht sich der im Folgenden benutzte Ausdruck ›niedriger‹
oder ›hoher‹ Bildung auf gesellschalich so eingestue formale, staatlich anerkannte
Bildungsabschlüsse, was nicht bedeutet, dass Menschen ohne solche Abschlüsse
nicht hoch gebildet und intelligent sein könnten. Auch wenn von ›unteren‹ oder
›oberen‹ Schichten oder Klassen die Rede ist, folgt das der üblichen Klassikation,
ohne dass diese legitimiert werden soll, im Gegenteil.
116 Günter Roth
arbeitslose und behinderte Menschen gerichtete Einstellungen erfragt (vgl.
Zick et al. 2019: 55 .). Dazu wird gewöhnlich der Bildungsabschluss als
Rahmenbedingung einbezogen, mit dem o bestätigten Ergebnis, dass
Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen deutlich seltener rassistische
Haltungen oenbaren (vgl. ebd.: 92).2 Diskutiert wird in der Forschung
allerdings, dass höher Gebildete ihre Vorurteile und rassistischen Haltungen
vielleicht besser verbergen könnten und eher sozial erwünscht antworten
als gering Gebildete. Auch wird die Frage gestellt, inwiefern akademisch
Gebildete, insbesondere im Fall einer wachsenden (bisher kaum vorhande-
nen) Konkurrenz um Arbeit oder Wohnraum (von sozialer Anerkennung
ganz zu schweigen), nicht auch feindselige Aversionen und Stereotype gegen
konkurrierende ›Fremdgruppen‹ oenbaren. Rassistische Haltungen kön-
nen zudem unbewusst bleiben und sich nur in subtilem Verhalten äußern,
weshalb Segregation als ›Dreh- und Angelpunkt‹ des Rassismus gilt (vgl.
Massey 2016). Diesbezüglich fällt aber auf, dass auch und gerade akademisch
Gebildete meist auällig unter sich bleiben, mit typischen distinktiven
Lebensstilen, beim Wohnen z.B. in angesagten Vierteln einer polyglotten
Bohème und nicht zuletzt bei der Partnerwahl (vgl. Wille/Bovens 2017)
– mithin fern vom sog. ›white trash‹ von Armuts- und Arbeiterkulturen.
Die rassistische Praxis zeigt sich auch daran, dass formal gering gebildete,
arme und arbeitslose Menschen häug mit auällig ähnlichen Stereotypen
zu kämpfen haben wie Schwarze Menschen, die o als vermeintlich dumm,
faul oder triebha abgewertet werden (vgl. Lindqvist et al. 2017; Massey
2016; Croizet/Millet 2012; Easterbrook et al. 2019). Auch haben formale
Bildungsabschlüsse selbst bei gleichzeitiger (›intersektionaler‹) Einbezie-
hung von ›Rasse‹ oder ›Ethnie‹, ›Geschlecht‹ und ›Einkommen‹ die
Schlüsselrolle bei der Begründung und Reproduktion von sozialer Un-
gleichheit und Armut (vgl. Ragin/Fiss 2017: 160; für Deutschland z.B.:
Beste et al. 2018). Nicht zuletzt ist die gesellschaliche Abwertung und
Verachtung für die ›Übriggebliebenen‹ oder ›Überüssigen‹ in wie auch
immer benannten ›Restschulen‹ deutlich zu spüren, worauf die Betroe-
nen (überzufällig häug aus ›bildungsfernen Milieus‹ stammend) o nur
mit Scham, Neid, Wut, Angst, Resignation oder ironischer Distanzierung
2 Ähnliche Ergebnisse, unter Einbezug rechtsautoritärer Einstellungen, siehe: Decker/
Brähler 2018: 89; internationale Befunde siehe : Cavaille/Marshall 2019; Margaryan
et al. 2019; Easterbrook et al. 2016; Hainmueller/Hopkins 2014; Savelkoul/Schee-
pers 2017.
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 117
reagieren können, als Zeichen einer ›beschädigten Identität‹ (vgl. Wellgraf
2015).3
Deshalb wird im Folgenden zunächst gefragt, inwiefern die Abwertung
über Bildung als ›rassistisch‹ begrien werden kann, d.h. was Rassismus
allgemein und was ›Rassismus der Intelligenz‹ bedeuten.4 Danach wird
anhand empirischer Befunde die enorme Verbreitung ›klassisch‹ rassisti-
scher und rechts-autoritärer Einstellungen in Deutschland aufgezeigt und
dass höher Gebildete bei näherem Hinsehen diesbezüglich längst nicht so
unbescholten bleiben wie es o scheint. Ferner stellt sich die Frage, inwie-
fern die bei gering Gebildeten häuger oder oener geäußerte Tendenz zur
Abwertung von ›Fremdgruppen‹ auch als Versuch der Identitätsrettung
marginalisierter Unterklassen interpretiert werden kann (vgl. Kuppens et
al. 2018: 444). Zuletzt wird die Frage nach den daraus resultierenden poli-
tischen Folgen und Hintergründen von Marginalisierung und rassistischer
Abwertung sowie Rechtsdri diskutiert. Letzteres tritt nämlich auällig
häug (wenn auch nicht nur) bei formal gering Gebildeten, unteren und
mittleren Arbeiterinnen oder Arbeitern auf, die früher politisch meist
links orientiert waren. Insofern stellt sich die Frage, woran es liegt, dass
sich die ›versprengten‹, zunehmend identitätslosen und demobilisierten
Unterklassen von der Linken abwendeten. Diskutiert wird hierbei die Fra-
ge der Mitverantwortung der »brahmanischen« (akademischen) Linken,
die im Wechsel mit der »kaufmännischen Rechten« (Piketty 2018) oder
einer ›neuen Mitte‹ als ›bloc bourgeois‹ (Amable/Darcillon 2020) dazu
beitrug, soziale Ungleichheit und Prekarität zu befördern, in deren Lücke
erst der sog. Rechtspopulismus stoßen konnte (vgl. Moue 2018; Eribon
2016: 117 .).
Was bedeutet ›Rassismus‹ und ›Rassismus der Intelligenz‹?
Allgemein gilt Rassismus als Kategorisierung und Abwertung von Men-
schen oder Gruppen anhand naturgegebener (oder als natürlich konstru-
ierter) Merkmale wie Hautfarbe, basierend auf der Konstruktionsmacht
3 Vgl. die berühmte Studie ›Learning to labour‹ von Paul Willis (1977) zum Protest
und Selbstausschluss weißer Arbeiterjungen im britischen Schulsystem.
4 An anderer Stelle spricht er von ›Klassenrassismus‹ (Bourdieu 1993b: 253 f.), womit
Ähnlichkeiten oder Überschneidungen zum Begri des ›Klassismus‹ bestehen, auf
den hier aber nicht näher eingegangen werden soll.
118 Günter Roth
einer als überlegen geltenden Gruppe (vgl. Weiß 2012: 24 .). Ein weiter
gefasstes Verständnis bezieht auch ethnische oder religiöse Merkmale in
einer o unübersichtlichen Gemengelage ein, was auch der Blick in die
Geschichte des europäischen Rassismus nahe legt: So wurde die jüdische
Religionsgemeinscha 1492 mit dem spanischen Zwangsbekehrungsedikt
und der Forderung nach ›Reinheit des Blutes‹ zur ›Rasse‹ erklärt, um
diese über die Konversion hinaus aus der christlichen Mehrheitsgesellscha
auszuschließen (vgl. Sommer 1984: 140). Biologisch ist ohnehin keine Ab-
grenzung menschlicher ›Rassen‹ sinnvoll, so dass der Begri der ›Rasse‹
eigentlich vermieden werden sollte (vgl. Weiß 2012: 25), womit aber das
Problem des ›Rassismus‹ nicht gebannt wäre. Bis heute werden Religionen
oder Kulturen als statisch, vererbbar, homogen, abgrenzbar und unvereinbar
mit herrschenden kulturellen Praktiken, d.h. rassistisch, konstruiert, womit
sozusagen ein »Rassismus ohne Rassen« entsteht (vgl. ebd.: 26). Bourdieu
betont, es gebe so viele Arten des Rassismus »wie es Gruppen gibt, die eine
Rechtfertigung dafür brauchen, dass sie existieren, wie sie existieren, denn
das ist die invariante Funktion von Rassismus« (1993b: 252). Auch Weiß
plädiert für ein breites Verständnis von Rassismus, um eine umfassende
Auseinandersetzung mit der Struktur gesellschalicher Machtasymme-
trien zu ermöglichen, anstelle der bloßen inhaltlichen Abgrenzung von
Diskursen und bestimmt oen und allgemein als denitorische Merkmale
für Rassismus: Klassikation, Hierarchisierung und Konstruktionsmacht
(vgl. Weiß 2012: 30).
Allerdings droht dadurch auch eine begriiche Unschärfe oder Beliebig-
keit, so dass Rassismus nicht mehr von anderen askriptiven Statusabwertun-
gen, z.B. sexistischen oder altersdiskriminierenden, zu unterscheiden wäre
(vgl. ebd.: 29 f.). Einschlägige empirische Forschungen verwenden deshalb
einerseits ein breites Spektrum ›gruppenbezogener Menschenfeindlich-
keit‹, andererseits eine enge Denition von Rassismus als Abwertung von
Gruppen und Personen, die nach biologischen oder quasi-natürlichen
Merkmalen als minderwertig verstanden werden (vgl. Zick et al. 2011: 42,
45; Zick et al. 2019: 58). Das heiße aber nicht, dass verschiedene Arten der
Feindseligkeit und Abwertung gegenüber welchen Gruppen auch immer,
wie Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Homophobie oder Sexismus, nicht
auch rassistisch konnotiert sein könnten (vgl. Zick et al. 2011: 58, 45).
Vorläu g z u s a m m en f a s s e n d l i e g t s o m i t d e r K e r n r a s s i s t i s c h e r P r a x i s d a -
rin, dass herrschende Gruppen ihre vermeintliche Überlegenheit naturali-
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 119
sierend, essenzialistisch begründen und dadurch zu objektivieren versuchen,
so dass askriptive Statusabwertungen von den Betroenen nicht oder kaum
verändert werden können. Dieses widerspricht bekanntlich den Grund-
sätzen liberal-demokratischer Wohlfahrtsstaaten von Chancengleichheit
und Veränderbarkeit des sozialen Status durch Leistungen oder nach der
berühmten Präambel der Verfassung der USA, dem für alle gleichen Recht
und der Freiheit, sein wie auch immer verstandenes Glück zu verfolgen.5
Darauf basierend kann nun die ›meritokratische‹ Ideologie behaupten,
dass als Konsequenz statushöhere Gruppen durch Fleiß, Begabung und
Intelligenz einen legitimen höheren Status erreicht haben (vgl. Croizet et
al. 2019: 160 f.; Batruch et al. 2019). Der Rassismus der Intelligenz beruht
somit »on the belief that people’s social rank reects individual dierences
in intelligence« (Croizet 2013: 46) und dass diese Unterschiede weitge-
hend biologisch bestimmt seien (vgl. Bourdieu 1993b: 254). Die Institu-
tion, welche diese Ideologie vermittelt, ist die Schule, die vom Staat und
seinen akademischen Eliten (»Staatsadel«, Bourdieu 2004) organisiert
wird und in der alle einen Großteil ihrer Jugend verbringen. Neben der
oziellen Aufgabe, der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, ndet
in Schulen eine Auswahl im Hinblick auf (schulische und beruiche)
›Eignungen‹ statt und es wird eine legitime Rangordnung hergestellt (vgl.
Croizet et al. 2019: 160 f.). Die Schule erscheint als rationale Institution,
in der für alle gleiche Regeln und Anforderungen gelten und individuelle
Leistungen objektiv bewertet und belohnt werden, obwohl hier kulturelle
und soziale Normen und Werte vorherrschen, welche primär den oberen
oder mittleren, akademisch gebildeten, Klassen entsprechen (vgl. Croizet
et al. 2017: 105 f.; 2019: 163; Batruch et al. 2019). So herrschen hier (o
implizite) Normen bzgl. des richtigen, ›vernünigen‹ Sprechens und
Verhaltens, Erwartungen des persönlichen, individuellen Ausdrucks, Inte-
resse an Literatur, Kunst und Wissenscha, was höher gebildeten Klassen
entgegenkommt (vgl. Croizet et al. 2019, 2017; Easterbrook et al. 2019).6
Damit kann die Schule als ein Ort der Reproduktion symbolischer Gewalt
5 Allerdings gelten diese Ansprüche in ›real existierenden‹ Wohlfahrtsstaaten per
se nur für ›inländische‹ und nur eingeschränkt für als ›ausländisch‹ klassizierte
Menschen, denen ein geringerer Status und weniger Rechte zugewiesen werden (bis
hin zum mitunter tödlichen Ausschluss, z.B. als Flüchtling im Mittelmeer oder an
den EU-Grenzen; vgl. Ratsch/Schwiertz 2016).
6 Selbst ohne explizite Bewertungen vermittelt z.B. die in Vorschulen an alle gerichtete,
vermeintlich harmlose, Frage »Was passierte bei Euch am Wochenende?« schon klei-
120 Günter Roth
rekonstruiert werden, wobei der regelmäßig und überzufällig häugere
Erfolg der oberen Klassen eben nicht auf deren Privilegien, sondern auf
vermeintliche ›objektive‹ individuelle Begabungen oder Überlegenheit
zurückgeführt werden, ebenso wie die Ursachen für das ›Versagen‹ der
unterer Klassen entsprechend auf ›persönliche Beschränkungen‹ (vgl.
Croizet/Millet 2012: 196). Nach Bourdieu bedeutet das gesamte System
der Bewertung und Klassizierung durch die Schule eine heimliche, natu-
ralisierte und verabsolutierte soziale Klassizierung und Diskriminierung.
In einer Art Alchimie würden vorhandene soziale Klassenunterschiede in
›Int ell ige nz- un d B ega bungs unte rsc hie de‹ umg ewa ndelt , d.h . in Unte r-
schiede der Natur, was wissenschalich verbrämt werde (vgl. Bourdieu
1993b: 254). Der »Rassismus der Intelligenz« sei
»charakteristisch für eine herrschende Klasse, deren Reproduktion zum Teil von
der Weitergabe des kulturellen Kapitals abhängt, eines ererbten Kapitals, dessen
Merkmal es ist, ein inkorporiertes, also scheinbar natürliches, angeborenes Kapital
zu sein. Der Rassismus der Intelligenz ist das, womit die Herrschenden versuchen,
eine, wie Weber sagt, ›eodizee ihres eigenen Privilegs‹ zu produzieren, das
heißt eine Rechtfertigung der von ihnen beherrschten sozialen Ordnung. Er ist
das, was den Herrschenden das Gefühl gibt, in ihrer Existenz als Herrschende
gerechtfertigt zu sein; das Gefühl, Wesen höherer Art zu sein. Jeder Rassismus
ist ein Essentialismus, und der Rassismus der Intelligenz ist die charakteristische
Form der Soziodizee einer herrschenden Klasse, deren Macht zum Teil auf dem
Besitz von Titeln wie den Bildungstiteln beruht, die als Gewähr für Intelligenz
gelten und in vielen Gesellschaen sogar beim Zugang zu den ökonomischen
Machtpositio nen an d ie Stelle der alten Tite l wie et wa der Eigentums - oder
Adelstitel getreten sind« (ebd.: 252 f., Hervorhebung im Orig.).
Bei näherer Betrachtung sorgt das Bildungssystem in hohem Maße für eine
Reproduktion sozialer Ungleichheit und eine bloße ›Illusion der Chan-
cengleichheit‹ (Bourdieu/Passeron 1971; Croizet et al. 2017), was immer
wieder empirisch bestätigt wurde (vgl. Georg 2005; Kuhlmann 2018).
7
Nicht nur der Bildungserfolg, sondern noch mehr der darauf folgende
nen Kindern, dass es hierbei um Wettbewerb geht und dass nicht alle gleichermaßen
›Interessantes‹ zu berichten haben (Croizet et al. 2019: 164).
7 Im Durchschnitt der Länder der OECD erreichen nur zwölf Prozent der Kinder von
Eltern mit niedrigem Schulabschluss einen Hochschulabschluss, 43 % einen nied-
rigen Schulabschluss; wenn einer der beiden Elternteile einen Hochschulabschluss
hat, erzielen dagegen 63 % wieder einen Hochschulabschluss nur 7 % einen niedrigen
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 121
Karriereverlauf, z.B. ins Topmanagement eines großen Unternehmens zu
gelangen, zeigt sich in hohem Maße von der sozialen Herkun abhängig,
d.h. Chancen werden quasi ›vererbt‹ (vgl. Hartmann 2009b: 78 .; Georg
2005).Diese ›Vererbung‹ begründet sich aber in erster Linie sozial, mittels
kulturellen Kapitals8 und Habitus,9 kaum biologisch oder genetisch, wie
gerne behauptet wird. Die ese einer wesentlich genetisch bedingten
Ungleichheit von Bildungserfolg und Intelligenz ist aber weiterhin populär,
sie wird jedoch zusehends durch eine angeblich ›rein wissenschaliche‹
Argumentation verschleiert (vgl. die erhellende Rekonstruktion am Beispiel
des Vereinigten Königreichs von Gillborn 2016). Aufgrund der schärferen
Zensur rassistischen Denkens und Redens trete der ›Rassismus der Intelli-
genz‹ aber nur euphemistisch unter dem »Anschein von Wissenschalich-
keit« auf, z.B. im Rahmen von Intelligenztests oder der Genetik (Bourdieu
1993b: 253). Die Wissenscha stelle sich in den Dienst der Mächtigen,
welche behaupten, auf einer wissenschalichen Grundlage zu agieren, ein
Mythos von Eliten, die meinen, sie seien aufgrund ihrer ›Intelligenz‹ zur
Führungsposition gekommen und berechtigt, wobei Intelligenz schlicht als
das gelte, was das Bildungssystem als Intelligenz ausweise (vgl. ebd.: 254).
Intelligenz stellt jedoch ein vielschichtiges, kulturell und sozial bestimmtes
Konstrukt dar, das in einem kaum trennbaren Wechselspiel genetisch-bio-
logischer Anlagen und sozio-kultureller Faktoren entsteht (vgl. Nisbett et
al. 2012; Gillborn 2016; Ma/Schapira 2017; Ritchie/Tucker-Drob 2018).
So wirken sich die frühkindliche Förderung, Erziehung und Bildung auf die
biologische Entwicklung des Gehirns aus (vgl. Nisbett et al. 2012; Ritchie/
Tucker-Drob 2018). Zwar korrelieren Schulnoten und Intelligenztests stark
Schulabschluss (vgl. OECD 2018: 28), in Deutschland ist der Zusammenhang noch
stärker (ebd.: 251); vgl. Stephany 2019).
8 ›Kulturelles Kapital‹ tritt nach Bourdieu (vgl. 1983: 185 .) erstens als verinner-
lichte oder ›inkorporierte‹, dauerhae Dispositionen des Organismus auf, d.h.
erworbenes Wissen oder Fähigkeiten, zweitens objektiviert als Kunstwerke, Gebäu-
de, Bücher, Soware etc. und drittens in institutionalisierter Form als Titel, meist
schulische Abschlüsse, die als Zeugnis von Kompetenz gelten und die durch eine Art
modernen »Staatsadel« (Bourdieu 2004) selbstreferentiell deniert und verliehen
werden.
9 Der Habitus ist nach Bourdieu eine lage- oder klassenspezische Disposition, die
sich als Ausdruck und Geschmack, Gewohnheiten, Mimik, Gestik oder Einstellung
usw. oenbart (›opus operatum‹); das Erzeugungsprinzip des Habitus (›modus
operandi‹) ist jedoch nur theoretisch rekonstruierbar (vgl Bourdieu 1987: 277 .,
Bourdieu 1993a: 97 .; Barlösius 2004: 125 .).
122 Günter Roth
(vgl. Roth et al. 2015),doch gibt es unterschiedliche Arten von Intelligenz
(analytische, sprachliche, kreative, praktische, soziale oder emotionale). In
Schulen wie bei der Intelligenzmessung werden aber vor allem analytisch-
mathematische und sprachliche Kompetenzen berücksichtigt, die nicht
zwingend mit praktischen, sozialen und emotionalen Kompetenzen ein-
hergehen und deren Verteilung in den sozialen Schichten unterschiedlich
ist (vgl. Sternberg 2007; Nisbett et al. 2012).
Deshalb dürfe man sich nach Bourdieu gar nicht erst auf die Diskussion
um biologische oder soziale Grundlagen der Intelligenz und deren Mess-
barkeit einlassen, vielmehr gelte es, das Aureten der Frage selbst und ihrer
sozialen Bedingungen zu analysieren, d.h. den mit ihr eingeführten »Klas-
senrassismus«, der seine Legitimität aus den schulischen Klassizierungen
beziehe (Bourdieu 1993b: 253 f.). Das Auauchen von Intelligenztests
hänge damit zusammen, dass dank der allgemeinen Schulpicht Leute ins
Schulsystem gekommen seien, mit denen dieses System nichts anzufangen
wusste, weil sie nicht ›begabt‹, d.h. nicht von ihren Familien mit den
nötigen Prädispositionen, d.h. kulturellem Kapital und gutem Willen in
Bezug auf Schulabschlüsse, ausgestattet waren (ebd.: 254). Die Tests seien
deshalb dazu da, jene schulische Verdikte im Voraus zu legitimieren, durch
die sie legitimiert werden, woher auch die Aussagekra in Bezug auf den
Schulerfolg resultiere (ebd.). Letztlich stecke eine soziale Logik und ein
Herrschasinteresse dahinter, und »der ›numerus clausus‹ ist genauso eine
protektionistische Maßnahme wie die Einwanderungsbeschränkungen eine
Reaktion auf die ›Überfüllung‹, die eine wahnhae Vorstellung von der
großen Zahl, der Überschwemmung durch die große Zahl, an die Wand
malt« (ebd.: 255).
Schon die frühkindliche Erziehung und Sozialisation verläu je nach
sozialer Position unterschiedlich, wobei der je nach sozialer Lage unter-
schiedliche ›Habitus‹ ›feine Unterschiede‹ des Denkens und Handelns,
der Einstellungen oder des Geschmacks hervorbringt (vgl. Bourdieu 1987).
Dazu kommt eine Wechselwirkung des kulturellen mit sozialem Kapital
(soziale Beziehungen, Freunde, Netzwerke)10 und ökonomischem Kapital
10 Das Sozialkapital ist nach Bourdieu (1983: 190 f.) »die Gesamtheit der aktuellen
und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaen Netzes von
mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder
Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um
Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen«.
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 12 3
(vgl. ebd.). Während sich Privilegierte quasi von klein auf ›wie der Fisch im
Wasser‹ in ihrer ›hochkulturellen‹ Praxis bewegen, durch Sinn für Werte
und Investitionen, Benehmen, Taktgefühl, Selbstsicherheit, Witz oder
›Frühreife‹ auallen (als Beleg für ›Begabung‹ oder ›Genialität‹), werden
Aufsteigende o durch Unsicherheit, Langsamkeit oder Überanpassung,
Eifer, Pedanterie, Kleinmut und mangelnde Authentizität diskreditiert.
Den Aufsteigenden sind »die Mühen ihrer Kletterei« oder ihr schweres
Gepäck anzusehen (Bourdieu 1985: 12).
Das ›gewisse Etwas‹ des klassenspezischen Habitus sorgt nicht zu-
letzt dafür, dass in der Schule und bei späteren Auswahlprozessen gleiche
Leistungen je nach sozialer Herkun unterschiedlich interpretiert und
bewertet werden (vgl. Hartmann 2009b: 79 f.). Dass schulische Leistungen
bei Kindern aus niedrigen sozialen Schichten im Vergleich zu äquivalenten
Leistungen von Kindern der Oberschicht systematisch schlechter bewertet
werden, wurde auch experimentell o nachgewiesen (ähnliches gilt für
Geschlecht und ›Migrationshintergrund‹) (vgl. Autin et al. 2019; Batruch
et al. 2019; Batruch 2018). Die Bedingungen in der Schule sind eben nicht
gleich, wie behauptet wird, so dass sich Privilegierte in der Schule sicherer,
heimisch und bestätigt, Kinder aus ›bildungsfernen‹ Milieus häuger
fremd, eingeschüchtert und limitiert fühlen, mit den entsprechenden
Wirkungen auf das Lernen und den Bildungserfolg (vgl. Easterbrook et al.
2019; Croizet et al. 2019).
Der sogenannte stereotype threat trägt wesentlich zur Reproduktion von
Ungleichheit in Schulen bei und ist empirisch vielfach belegt (vgl Durante/
Fiske 2017).11 Z.B. haben bereits Vierjährige verinnerlicht, dass Reichere
populärer sind und vermutlich weniger Fehler bei einer Aufgabenstel-
lung machen (Shutts et al. zit. n. ebd.: 128). Gleichzeitig verschwinden
klassenbasierte Leistungsunterschiede weitgehend, wenn Tests nicht als
individuelle Leistungs- oder Intelligenztests ausgegeben werden, sondern
als allgemeine Aufgaben oder Spiel (vgl. Croizet et al. 2019: 107; 2017;
11 Stereotype threat bedeutet »a sense of threat that people feel in a given context
when they believe that they risk conforming to a negative stereotype about a group
of which they are a member. In other words, individuals suer from stereotype threat
when they perceive that their social identity is negatively valued within a particular
domain, and that they are at risk of conrming that negative value: stereotype threat
can therefore be understood as threat to one’s social identity.« (Easterbrook et al.
2019: 126).
124 Günter Roth
Croizet 2013; Croizet/Millet 2012: 191 .).12 Alleine die Ankündigung
der individuellen Leistungsmessung wirkt bei den Kindern privilegierter
Schichten leistungsverstärkend, bei Kindern aus unteren Schichten leis-
tungsmindernd – aufgrund von Stereotypen, die auch von den unteren
Gruppen wahrgenommen werden und die Stress erzeugen (vgl. ebd.;
Croizet et al. 2019).13 Schulen tragen somit dazu bei, soziale Hierarchien
zu begründen und zu reproduzieren, die allgemein und selbstverständlich
anerkannt werden, auch von den Dominierten und ohne dass das den
Akteuren bewusst zu werden braucht (vgl. Croizet 2013: 43; Croizet et al.
2019: 166; Batruch et al. 2019; Easterbrook et al. 2019).
Abschließend sei betont, dass der ›Rassismus der Intelligenz‹ sich im
Gegensatz zum klassischen Rassismus nicht auf bestimmte Gruppen be-
ziehen muss und somit kompatibel ist mit üblichen Vorgaben der Antidis-
kriminierung, die sich z.B. auf Schwarze Menschen oder Frauen beziehen.
Zudem kann diese Art des Rassismus von den Unterdrückten angesichts
der Institutionalisierung der Meritokratie und dem Schein von Objektivi-
tät kaum angegrien werden (vgl. Croizet 2013: 47). Eine ähnliche Logik
besteht übrigens bezüglich demokratischer Ver f a h r e n , d i e a u c h f ü r a l l e
rational und formal gleich scheinen und in hohem Maße anerkannt werden,
obwohl sie real einen Bias und versteckten Zensus-Mechanismus aufweisen
(ebenso Meinungsumfragen), weil geringer Gebildete und Ärmere sich
systematisch häuger der Stimme enthalten (vgl. Bourdieu 2001).
12 Eine klassenspezische Verzerrung wurde übrigens auch für den o als besonders
valide und sozial nicht verzerrt ausgegebenen Raven Advanced Progressive Matrices
Tes t nachgewiesen (Croizet 2004, zit. n. Croizet 2013: 42; vgl. Croizet/Millet 2012:
192).
13 Z.B. wurde in einer experimentellen Studie mit elährigen französischen Schülerin-
nen und Schülern eine Leseaufgabe in zwei Versuchsbedingungen gegeben, wobei
sie in der einen Situation per Handzeichen anzeigen sollten, falls sie glaubten, die
richtige Lösung zu haben, in der anderen wurde geheim ausgewertet; dabei elen
zwar unter beiden Bedingungen die Leistungen bei den Lernenden in der Gruppe
mit niedriger sozialer Herkun geringer aus, in der Situation mit Handzeichen war
der Unterschied aber viel krasser, d.h. unter dem verschären Druck der Gruppenöf-
fentlichkeit elen die Leistungen bei Kindern der ›working class‹ stark ab (vgl. ebd.:
167 f.).
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 12 5
Zur Verbreitung von Rassismus und anderen Formen
›gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit‹
In Befragungen werden oen rassistische Abwertungen in der Regel kaum
geäußert, schon weil das der weithin geteilten Norm gleicher Rechte in
demokratischen Wohlfahrtsstaaten widerspricht. Das bedeutet aber nicht,
dass rassistische Haltungen in Deutschland und Europa nicht verbreitet
wären, zum Teil wieder zunehmend. Deren Äußerung hängt aber auch von
der Fragestellung ab. Inwiefern zudem sozial erwünschte Antworten gege-
ben werden, soll im nächsten Abschnitt unten erörtert werden. So bejahten
in jüngsten (repräsentativ angelegten) Befragungen in Deutschland zwar
›nur‹ 9,7 % voll oder eher, dass weiße Menschen zurecht führend seien in
der Welt, weitere 8,6 % antworteten teilweise zustimmend (vgl. Zick et al.
2019: 66).14 Der nicht so oenkundig rassistischen Aussage, »Aussiedler
sollten besser gestellt sein als Ausländer, da sie deutscher Abstammung
sind«, stimmten aber 21 % der Antwortenden voll und ganz oder eher zu,
bei der Vorgabe einer mittleren Antwortkategorie (›teils-teils‹) steigt der
Anteil mit mindestens partieller Zustimmung auf ein Drittel (vgl. ebd.:
70 f.).15
Häug er ge äußert werden wen iger oenkundi g feinds elige o der ab-
wertende Einstellungen gegenüber ›Ausländern‹: So bejahen 48,5 %
(teilweise bis voll und ganz), dass in Deutschland »zu viele Ausländer«
leben (ebd.), 35,6 % stimmen voll und ganz oder überwiegend zu, dass
Deutschland durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß über-
fremdet sei; weitere 28,1 % stimmten dem teilweise zu (zusammen 63,7 %)
(Decker/Brähler 2018: 74). Zwar düren die meisten der Antwortenden
bestreiten, damit abwertende oder feindliche Haltungen gegenüber ›Aus-
ländern‹ einzunehmen. Denn 55 % meinen, dass man in Deutschland
14 In einer anderen repräsentativ angelegten Umfrage (vgl. Decker/Brähler 2018: 73),
lehnen die ähnliche Aussage »Eigentlich sind die Deutschen anderen Völkern von
Natur aus überlegen« nur 68,1 % völlig oder überwiegend ab, 11,3 % antworten
zustimmend und 20,5 % teils zustimmend, teils nicht zustimmend, was als ›latente‹
Zustimmung gewertet wird.
15 Die Frage wurde mit vier oder fünf Antwortmöglichkeiten gestellt, wobei mit mitt-
lerer Ausprägung nur 15 % voll und ganz oder eher zustimmen, dafür aber 18,8 %
»teils-teils« antworten. Dadurch düre die Tendenz, sozial erwünscht zu antworten
sinken und die Güte der Antworten verbessert werden, andererseits könnte aber auch
eine ambivalente Antwort z.B. aufgrund unklarer Stimuli oder Unsicherheit gewählt
werden (vgl. Zick et al. 2019: 44 f.).
126 Günter Roth
nichts Schlechtes über Ausländer sagen könne, ohne »gleich als Rassist«
beschimp zu werden (Zick et al. 2019: 164 f.). Die Sorge vor der zu großen
Zahl an ›Ausländern‹ oder vor ›Überfremdung‹ zeigt aber eine ungleiche
Bewertung und dass ›Ausländer‹ weniger erwünscht sind, denn ein ›zu
viel‹ von ›Deutschen‹ wird ja nicht kritisiert. Im Übrigen oenbart auch
die häuge Überschätzung der Zahl an ›Ausländern‹ fremdenfeindliche
Wa h r n e hm u n g e n . 16 Besonders stark verbreitet sind auch islamophobe
Haltungen, die ebenso wie abwertende Aussagen zu Sinti und Roma sowie
Asylsuchenden eher zugenommen haben: Die Aussage, dass Muslimen die
Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte, bejahten jüngst
44 % der Antwortenden voll oder teilweise, 55,8 % fühlen sich »durch die
vielen Muslime wie ein Fremder im eigenen Land«. Ähnlich viele (49 %)
befürworten eine »Verbannung von Sinti und Roma aus den Innenstäd-
ten«, 56 % hätten Probleme, wenn sich Sinti und Roma in ihrer Gegend
aualten (Decker/Brähler 2018: 101 .).17 Weniger verbreitet scheinen
dagegen klassische antisemitische Ressentiments, dahingehende Fragen
bejahen 2018/2019 ca. 5–10 % voll oder überwiegend, wobei allerdings ca.
20–25 % ›israelkritischen‹ Statements zustimmen, wo der antisemitische
Gehalt weniger klar wird(vgl. ebd.: 78, 84; ebd.: 82).18Die Einstellungen
zu den verschiedenen Gruppen korrelieren übrigens untereinander, d.h. wer
eine Gruppe abwertet, wertet tendenziell auch alle anderen Gruppen ab.
Einstellungen des ›klassischen‹ Rassismus gehen insbesondere sehr stark
mit Fremden- sowie Muslimfeindlichkeit und der Abwertung homosexuel-
ler Menschen einher, während die Korrelation zwischen Rassismus und der
Abwertung Asylsuchender sowie Langzeitarbeitsloser schwächer ausfällt
(vgl. ebd.: 76 f.). Diskriminierende Haltungen zeigen sich im Übrigen am
deutlichsten im – o subtilen – abgrenzenden Verhalten: Dazu unterstrei-
chen diverse Studien (auch experimentelle), dass in Deutschland vielfach
16 Dabei überschätzen Befragte in Deutschland die Zahl an Ausländern um das 1,5-Fa-
che, in Europa gesamt (EU-28) um das 2,3-Fache, was auch daran liegen düre, dass
Eingebürgerte mit ›Migrationshintergrund‹ nicht als Deutsche anerkannt oder
gesehen werden (Special Eurobarometer Nr. 469 von 2018).
17 In der Befragung von Zick et al. sind die Zustimmungswerte niedriger, auch fällt
der Trend der zunehmenden Feindscha gegenüber Muslimen und Sinti und Roma
sowie Asylsuchenden weniger klar aus (vgl. Zick et al. 2019: 72 f., 79 .), wobei aber
Stichprobenveränderungen zu berücksichtigen sind (so wurden bei Zick et al. seit
2011 Personen mit Migrationshintergrund einbezogen).
18 Ähnliches gilt für die Häugkeit der Verharmlosung des Nationalsozialismus (vgl.
Decker/Brähler 2018: 74, 86; Zick et al. 2019: 82, 141).
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 12 7
rassistisch motivierte Tendenzen der Segregation bestehen, was sich bei
der Auswahl von Schulen (vgl. Blokland et al. 2016), Vergabe von Woh-
nungen (vgl. Auspurg et al. 2017), Arbeitsstellen (vgl. Quillian et al. 2019)
und nicht zuletzt der Partnerwahl bestätigt (mehr dazu im übernächsten
Kapitel).19Abschließend zeigt der Blick auf europäische Befragungen, dass
die Häugkeit xenophober Einstellungen in Deutschland in etwa im Mittel
der EU (28 Länder) liegt, wo bei 48 % der Befragten die Einwanderung
von außerhalb Europas negative Gefühle hervorrufen (8 % sagen »weiß
nicht«), in Tschechien bejahen das 82 %, in Schweden ›nur‹ 36 %.20 Der
relativ geringe Wert der Xenophobie für Schweden bestätigt den Befund
vergleichender Analysen, dass eine positive wohlfahrtsstaatliche Kultur und
größere Gleichheit tendenziell gegen rassistische Einstellungen wirkt (vgl.
Crepaz/Damron 2009). Andererseits haben Aversionen gegen ›Fremde‹
auch in Schweden zugenommen, ebenso wie die Tendenz zum ›Wohlfahrt-
schauvinismus‹, und rechtsorientierte Wahlerfolge. Als Hintergrund (der
unten vertie werden wird) zeigen ›sozio-demographische‹ Daten, dass
Menschen besonders häug negative Gefühle gegenüber Einwanderern äu-
ßern, wenn diese Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen, sich
der unteren Mittelschicht zurechnen, ein Schulbesuch nur bis zum Alter
von 15 Jahren erfolgte oder sie Renten beziehen (Eurobarometer 06/2019).
Verbreitung rechts-autoritärer Haltungen
Rassistische Einstellungen gehen wie erwartet in hohem Maße mit politisch
rechtsgerichteten, autoritären und enttäuschten, wütend bis aggressiven
Haltungen einher, wobei eine besonders hohe Korrelatio n vo n Rechtsori-
entierung und Fremdenfeindlichkeit (r = 0,78) sowie Islamfeindlichkeit (r
= 0,72) besteht (vgl. Zick et al. 2019: 193 f.; Decker/Brähler 2018: 228).
Dieses kann nicht überraschen, denn die politische Rechte zeichnet sich
19 In Deutschland sagten 61 % der Befragten sie hätten weder Befreundete noch Fa-
milienangehörige mit Migrationshintergrund (oder wissen es nicht), in der EU-28
sind es 60 %, in Schweden nur 30 %; in Deutschland haben zudem (wie im Mittel
der EU-28) nur 13 % Familienangehörige mit Migrationshintergrund, der Anteil
schwankt zwischen 1 % (Bulgarien) und 25 % (Luxemburg), wobei auch Schweden
und Belgien (22 %) sowie die Niederlande (20 %) relativ hohe Anteile aufweisen
(Special Eurobarometer Nr. 469, 2018).
20 Vgl. Eurobarometer 06/2019; vgl. auch Special Eurobarometer 469 von 2018 mit
ähnlichen Werten.
128 Günter Roth
schon per Denition durch eine Tendenz zur Abwertung von ›Fremd-
gruppen‹, Rassismus und Sozialdarwinismus aus (bei Überhöhung der
›eigenen‹ Nation); dazu kommt die Betonung einer kollektivistisch, na-
tivistischen ›Volksgemeinscha‹, Antipluralismus und Autoritarismus, in
der extremen Form auch die Forderung einer fundamentalen ›Erneuerung‹
des politischen Systems, was o als ›korrupt‹ oder ›verkommen‹ kritisiert
wird (vgl. Rydgren 2007).
Doch inwiefern unterscheidet sich nun der vieldiskutierte ›Rechtspopu-
lismus‹ (oder die ›neue Rechte‹) vom ›klassischen‹ Rechtsextremismus
und ist es überhaupt sinnvoll, den schillernden, widersprüchlichen Begri
des ›Populismus‹ zu verwenden (vgl. Decker/Brähler 2018: 28)? Der
denitorische Kern des sogenannten ›Populismus‹ besteht in der Kons-
truktion einer Gegenüberstellung von ›Elite‹ und ›Volk‹ (›populus‹),
wobei politisch Rechtsorientierte das Volk nativistisch und völkisch sowie
antipluralistisch als homogene Einheit konstruieren, denen angeblich ›kor-
rupte‹ Eliten entgegen stehen, welche die Interessen ›des Volks‹ verraten
und Meinungsdiktate vorgäben (vgl. Decker/Brähler 2018: 29 f.; Zick et al.
2019: 152 .; Rydgren 2007). Jedoch entsteht beim Begri des Populismus
das Problem, dass der Begri ideologisch mehr oder weniger ›dünn‹ ist
und dass damit ›rechter‹ wie ›linker‹ ›Populismus‹ nicht unterschieden
werden können (vgl. Mudde, zit. n. Rydgren 2007: 491). Deshalb kann
›Populismus‹ eher als »diskursive Strategie« verstanden werden (Moue
2018: 22), wobei dieser quasi als politischer Kampfbegri einer vermeint-
lich ›vernünigen‹ politischen Mitte dient.
So wird in Bezug auf die als ›populistisch‹ abgewertete Rhetorik o
kritisiert, dass diese »vereinfachend« oder »unterkomplex«, »persona-
lisierend«, »emotionalisierend«, »skandalisierend« sei und von »ma-
nichäischem Denken« (»gut-böse« oder »schwarz-weiß«) geprägt (vgl.
Zick et al. 2019: 178). An solchen Klassizierungen und am abwertenden
Begri des ›Populismus‹ selbst, wird aber deutlich, dass der ›populus‹ in
die Nähe des ›Pöbels‹ rückt, was ›Populisten‹ aber wiederum nur bestä-
tigt. Die populistische Technik der Agitation, so falsch oder verwerich
sie auch sein mag, funktioniert nämlich, weil sie auf ein Bedürfnis der
dadurch Angesprochenen tri (vgl. Decker/Brähler 2018: 31). Dazu
betont Moue, dass jede moralische Verurteilung oder ›Dämonisierung‹
des ›Rechtspopulismus‹ nur den Blick auf die Ursachen verstellt, die sie
in der zunehmenden Ungleichheit als Folge einer auch von Mitte-Links
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 12 9
befolgten neo-liberalen Politik sieht und in der Aushöhlung von Politik
und Demokratie durch die ese des Endes von Klassengesellscha und
Rechts-Links-Gegensätzen (wie z.B. bei Blair & Schröder und ihrem Kon-
zept der ›neuen Mitte‹) (vgl. Moue 2018: 36).
Der unklare, unergiebige Begri des ›Rechtspopulismus‹ sollte des-
halb vermieden werden, zumal in einer Demokratie sich schließlich jede
politische Partei volkstümlich geben müsse, um eine breite Unterstützung
zu mobilisieren; zudem weisen alle neuen Parteien zwangsläug eine
anti-elitäre Stoßrichtung auf und schließlich sei Anti-Pluralismus ein
Kennzeichen aller extremen Parteien (vgl. Rydgren 2007: 493). Auch
Decker lehnt den diusen Begri des ›Rechtspopulismusab, der nicht
hilfreich sei, um Ursachen zu ergründen: Vielmehr sei dessen Beliebtheit
dem »Versuch geschuldet, eine Art ›Extremismus-light‹-Vorwurf in die
öentliche Debatte einzuführen. Mit ihm soll der Agitator delegitimiert
werden, nicht aber diejenigen, die ihm begeistert zustimmen.« (Decker/
Brähler 2018: 31). Tatsächlich lassen sich ›rechtspopulistische‹ Parteien
o nicht oder nur in Teilen als ›extremistisch‹ klassizieren oder sie spie-
len mit rechts-autoritärer Agitation, um Tabus oder Grenzen auszuloten
oder zu verschieben (vgl. ebd.: 32). Sie schließen aber an rechts-autoritäre
Einstellungen und Haltungen an, so dass deren Radikalisierung o nur
eine strategische Frage ist.21
Rechts-autoritäre Einstellungen sind in Deutschland durchaus verbrei-
tet, so die Ergebnisse repräsentativ angelegter Befragungen: So stimmten
7,9 % ganz oder überwiegend und 18,6 % teilweise der Aussage zu, dass
eine Diktatur unter bestimmten Umständen die bessere Staatsform sei (vgl.
ebd.: 73). Das Item »Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland
zum Wohle aller mit starker Hand regiert« bejahen 11,1 % ganz oder
überwiegend und weitere 16,6% teilweise. Ähnlich verhält es sich mit der
Aussage, »Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei,
21 So wurde auch die Alternative für Deutschland (AfD) zunächst nur als rechts orien-
tiert, aber nicht als extremistisch und eher national-konservativ-liberal eingestu
(vgl. Arzheimer 2015). Allerdings hat sich die Af D seit 2015 im Zuge der ›Flücht-
lingskrise‹ und innerparteilicher Machtkämpfe radikalisiert, wobei immer mehr
rassistische, völkische und autoritäre Ordnungsvorstellungen in den Vordergrund
rückten (Arzheimer/Berning 2019; Lehmann/Matthieß 2017; Patton 2017). Ne-
ben dem völkischen Vokabular (›Umvolkung‹ etc.) erinnert auch der Rekurs auf
vermeintliche Verschwörungen globaler Eliten an faschistische und rechtsextreme
Ideologiebestände und selbst die Verharmlosung.
130 Günter Roth
die die Volksgemeinscha insgesamt verkörpert«, dem fast 20 % voll oder
überwiegend beipichteten; 24 % votierten teils-teils, so dass nur eine
knappe Mehrheit den demokratischen Grundwert eines pluralistischen
Parteienangebots unterstützt – in Ostdeutschland ist es sogar eine Min-
derheit (vgl. ebd.).22
Auch die Häugkeiten von Antworten zu den als ›neue rechte Menta-
lität‹ klassizierten Aussagen (Anti-Establishment-Haltung, Aufruf zum
Widerstand, Unterstellung eines Meinungsdiktats, Islamverschwörung, Na-
tionale Rückbesinnung gegen die EU, Ethnopluralismus, Antifeminismus)
geben zu denken, wobei kein konsistentes, zum alten Rechts-Autoritarismus
abgrenzbares Konstrukt vorliegt: So äußern knapp 59 % ihr Misstrauen
gegenüber der Demokratie, fast die Häle (21,6 % voll oder eher und
25,9 % teils/teils) stimmt dem Item »Die regierenden Parteien betrügen das
Vo l k « z u ( v g l . Z i c k e t a l . 2 0 1 9 : 1 6 4 f.). Ähnlich viele bejahen mehr oder
weniger, dass man in Deutschland nicht mehr frei seine Meinung äußern
könne, ohne Ärger zu bekommen (ebd.). Zudem nden 60,2 %, Verbrechen
sollten härter bestra werden (voll oder eher zustimmend) und 46,9 %,
dass um Recht und Ordnung zu bewahren, härter gegen »Außenseiter und
Unruhestier « v org eg an gen we rde n sol lte ( eb d.: 18 2 f.). Insgesamt werden
21 % als klar und 43 % als in der Tendenz ›rechtspopulistisch‹ klassiziert
(ebd.: 185). Im Übrigen korreliert die ›neue rechte Mentalität‹ oder der
›Rechtspopulismus‹ stark mit alten rechtsextremen Orientierungen, so
dass sich »der alte völkisch-autoritäre Rechtsextremismus lediglich in
modernisiertem Gewand spiegelt« (ebd.: 169). Auch wird ein klarer Zu-
sammenhang ›neu-rechter‹ Orientierungen mit tradiertem ›Autoritaris-
mus‹ von ›law and order‹ und einer Anität zu Führertum und Gewalt
deutlich (ebd.).
Insg esamt ist in Deutschland eine g roße politis che Verdrossen heit zu
verzeichnen: Zwar zeigt sich in Deutschland noch eine Mehrheit von 60 %
eher zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie im Land, 28 % sind
aber eher bis extrem unzufrieden, 12 % etwas unzufrieden, womit die Werte
22 Hier liefert die Befragung von Zicke et al. geringere Werte (2019: 124 f.). Indes
hielten in Deutschland auch laut einer Umfrage von Lutz Global 2017 über 30 % ein
System für gut oder sehr gut, in dem eine starke Führungspersönlichkeit sich nicht
um Parlament oder Wahlen scheren muss, in Großbritannien und Frankreich waren
das sogar an die 50 % und auch in den USA waren es 32 % insgesamt und 44 % der
Jüngeren (vgl. Mounk 2018).
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 1 31
nicht ganz so kritisch wie im Mittel der EU ausfallen (European Social Sur-
vey 2018). Allerdings sagen hierzulande auch 51 %, das Volk hätte keinen
oder nur sehr geringen Einuss darauf, was die Regierung tut, 36 % sagen,
die Leute hätten etwas Einuss, nur 14 % nden, der Einuss des Volks auf
die Regierung wäre groß oder sehr groß; in Italien sehen fast 85 % keinen
oder wenig Einuss des Volks auf Entscheidungen der Regierung, in der
Schweiz mit einer direkt demokratischen Verfassung und Volksabstimmun-
gen sagen das lediglich 26 % (ebd.).
Rassismus, Rechtsautoritarismus und Bildung
Generell wird erwartet, dass Bildung die kognitiven Fähigkeiten, dieren-
ziertes Denken, Neugier, Oenheit, Toleranz und nonkonformistische,
anti-autoritäre Einstellungen fördert, wodurch rassistische Vorurteile und
Dogmatismus verringert werden sollten (vgl. z.B.: Heyder 2006: 75 .;
Coenders/Scheepers 2003). Ferner sollten durch Bildung Kenntnisse über
und Kontakte mit ›fremden‹ Ethnien oder sozial abweichenden Gruppen
gefördert werden sowie die Perspektivenübernahme und Einfühlungsver-
mögen oder soziale Kompetenz. Dazu könnte durch Bildung eine stärkere
Verinnerlichung der Werte und Normen von Freiheit, Gleichheit und
Solidarität erreicht werden. Allerdings konnte nach der Studie von Heyder
die Annahme nicht bestätigt werden, dass Bildung eine stärkere Perspekti-
venübernahme, soziale Empathie und Kompetenz fördert und dadurch Vor-
urteile gegenüber Minderheiten vermindert; zudem ist soziale Empathie
bei geringer Gebildeten sogar stärker ausgeprägt (vgl. Heyder 2006: 85).
Bildung ist zudem ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichen
Dimensionen, wobei in den meisten Studien nur der formale Bildungsab-
schluss einbezogen wird – ohne weitere Dierenzierung (vgl. ebd.: 75; vgl.
Coenders/Scheepers 2003: 316). Insbesondere fördert Bildung in wett-
bewerblichen Systemen die Leistungs-, Karriere- und Statusorientierung,
wodurch abgrenzende und diskriminierende Vorurteile gefördert werden,
vor allem, wenn der Wettbewerb mit konkurrierenden Gruppen als stark
erlebt wird. Ist der soziale Status hoch und der Abstand zu ›Fremdgrup-
pen‹ groß, verringern sich diskriminierende Vorurteile gegenüber den als
›ausländisch‹ erklärten Menschen, Musliminnen und Muslimen oder
Jüdinnen und Juden sowie der Anspruch auf Vorrechte von Etablierten
(vgl. Heyder 2006: 85).
132 Günter Roth
Entsprechend ist zunächst ein o bestätigter Befund von Befragungen,
dass je höher das formale, schulische Bildungsniveau von Befragten ist,
desto seltener werden Aussagen zur ›gruppenbezogenen Menschenfeind-
lichkeit‹ bejaht: So oenbaren laut jüngsten Befragungen in der Gruppe
der höher Gebildeten nur 3 % rassistische Einstellungen, in der Gruppe mit
niedriger Bildung sind es 19 % (vgl. Zick et al. 2019: 92; ähnlich: Decker/
Brähler 2018: 89). Auch in Bezug auf rechtsextreme politische Einstellun-
gen gilt, dass diese von formal höher Gebildeten seltener geäußert werden
(vgl. Zick et al. 2019: 130; Decker/Brähler 2018: 89; Arzheimer 2009;
Arzheimer 2017). Dazu kommt, dass sich diese in ihren Werteorientierun-
gen weniger konformistisch und autoritär zeigen, was auch in multivariaten
Modellen einen mindernden Eekt hinsichtlich gruppenbezogener Men-
schenfeindlichkeit ausübt (vgl. Heyder 2006: 85). Auch einige Studien
mit Verlaufs- und Individualdaten unterstützen die Annahme, dass höher
Gebildete seltener Vorurteile und feindselige Einstellungen gegenüber
Eingewanderten äußern, welche zugleich mehr generelles Vertrauen, poli-
tisches Interesse und weniger Zynismus aufweisen (vgl. Easterbrook et al.
2016 Hainmueller/Hopkins 2014). Ferner zeigt eine Meta-Analyse von 67
Einzelstudien einen negativen Zusammenhang zwischen ›kognitiven Fä-
higkeiten‹ (wie auch immer gemessen) und rassistischen, antisemitischen,
sexistischen, homophoben und politisch rechtsgerichteten Einstellungen
(vgl. Onraet et al. 2015). Paneldaten in Deutschland legen nahe, dass ein
zusätzliches Schuljahr die Wahrscheinlichkeit negativer Sichtweisen auf
die Einwanderung um ca. 20 % vermindert und dass sich dieses auch auf
die folgenden Generationen überträgt (vgl. Margaryan et al. 2019; vgl.
Cavaille/Marshall 2019).
Andererseits ist zu bedenken, dass trotz der in den letzten Jahrzehnten
allgemein erfolgten Ausweitung der höheren Bildung kein Rückgang rassi-
stischer Vorurteile zu verzeichnen ist, im Gegenteil: Eine Analyse aus den
Niederlanden zeigt einen Anstieg rassistischer Vorurteile zwischen 1985
und 2011 insgesamt und zwar insbesondere bei höher Gebildeten (vgl.
ijs et al. 2018). Dazu ergab die Analyse von Veränderungen individueller
Einstellungen anhand von Paneldaten aus der Schweiz zwischen 1999 und
2011: »While we nd strong dierences in attitudes towards immigrants
between individuals, we observe little change in attitudes as individuals pass
through education. Furthermore, our ndings show that when entering the
labor market, higher educated individuals also become more likely to op-
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 13 3
pose immigrants« (Lancee/Sarrasin 2015).23 Auch sonst in Europa wird
eine zunehmend prekäre Arbeitsmarktlage höher Gebildeter als Grund
angeführt, warum ein Großteil unter 41 Studien keinen Zusammenhang
von politischer Rechtsorientierung und Bildung nachweisen konnte (vgl.
Stockemer et al. 2018: 577 f.).
Als Hintergrund von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsdri
sind generell Abstiegsängste, die Sorge vor Statusverlusten und die Angst
vor dem Verlust kultureller Identität, weniger ökonomische Prekarität re-
levant, was aufgrund struktureller Veränderungen des Arbeitsmarktes und
infolge des technologischen Wandels vor allem Arbeitende mit ›einfachen‹
Routineaufgaben und Angestellte der unteren Mittelklasse betri, so dass
diese auch am stärksten zu rassistischen und rechts-autoritären politischen
Haltungen tendieren (vgl. Kurer 2020; Hainmueller/Hopkins 2014). Ein
verschärfender Faktor ist nicht zuletzt die seit langem zunehmende soziale
Ungleichheit, wobei der Eekt wiederum am stärksten bei gering Gebilde-
ten und unteren mittleren Einkommensgruppen sowie manuell Arbeiten-
den mit relativ hohem subjektivem Statusempnden ausfällt, welche Sorgen
vor Abstiegsängsten haben (vgl. Engler/Weisstanner 2020; Han 2016).
Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob Gebildete bei Befragungen nicht
stärker im Sinne sozialer Normen antworteten und dass hintergründige
diskriminierende Einstellungen nicht oen geäußert würden (vgl. Hey-
der 2006: 74). Erinnert wird in diesem Zusammenhang an den früher
in Deutschland bei höher Gebildeten stark verbreiteten Antisemitismus
(ebd.). In einer Studie sank unter experimenteller Kontrolle des Eekts
sozialer Erwünschtheit der Anteil ›xenophiler‹ Bekenntnisse in der Gruppe
höher Gebildeter zwar von 75 % auf 53 %, in der Gruppe der gering Gebil-
deten allerdings von 55 % auf 24 % (vgl. Ostapczuk et al. 2009; Coenders/
Scheepers 2003: 319). Auch wird darauf hingewiesen, dass rechtsextreme
Gewalttäter (meist Männer) überwiegend aus niedrigen Bildungsgruppen
stammen und auch andere Studien wenden sich gegen den Generalverdacht
der stärkeren Antwortverzerrung durch soziale Erwünschtheit bei Gebilde-
ten (vgl. Peucker u.a. nach: Heyder 2006: 78 f.).
23 Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass höher Gebildete in der Schweiz einer
verschären Konkurrenz hoch gebildeter deutschsprachiger Immigranten ausgesetzt
sind, so dass daraus spezielle Aversionen begründet sein könnten, die es in anderen
Ländern nicht gibt.
134 Günter Roth
Insgesamt scheinen höher Gebildete nicht immun gegen Rassismus
oder Xenophobie, vor allem bei einer prekären Arbeitsmarktlage und
spezischen, wenig exibel verwendbaren Qualikationen (vgl. Pardos-
Prado/Xena 2019). Einzelne Befrag ungen zeigen, dass die Toleranz höher
gebildeter Gruppen gegenüber Einwandernden bei eigener Betroenheit
spürbar nachlasse, wenn nach der Akzeptanz des Rufs eines Muezzins oder
der Zunahme von Migrantinnen und Migranten im eigenen Wohnviertel
gefragt werde (Heyder 2006: 74). Nicht zuletzt legen Studien zur Segre-
gation von Wohngebieten nahe, dass privilegierte Gruppen ihre tolerante
Haltung o ändern, wenn der Anteil von eingewanderten oder Schwarzen
Menschen im eigenen Wohnviertel oder Schulen ›überhand‹ zu nehmen
scheint, wobei diese Sorge wesentlich durch niedrige Bildung und niedrige
Einkommen der Zuwandernden bestimmt wird, d.h. wenn reichere und
höher gebildete Menschen zuwandern, bildet sich weniger Feindseligkeit
bei etablierten Gruppen (vgl. Coenders/Scheepers 2003: 315). Im Übrigen
lässt sich die Tendenz zur Segregation und sozialen Schließung anhand der
meist statusähnlichen, homogenen Wahl von Partnerinnen oder Partnern
beobachten, wobei die Korrelation bzgl. der Bildungsabschlüsse der Partne-
rinnen oder Partner zwischen 0,6 und 0,8 liegt und besonders unter akade-
misch Gebildeten (aber auch bei gering Gebildeten) sehr stark ausgeprägt
ist (vgl. Wille/Bovens 2017: 18 f.).
Damit kann auch ein impliziter, unbewusster oder ›aversive racism‹ bei
höher Gebildeten im Spiel sein, so dass nur im spontanen, aektiven Han-
deln die sonst implizit bleibenden rassistischen Haltungen zum Ausdruck
kommen (vgl. Kuppens/Spears 2014: 213 f.). Dabei zeigen Forschungen
mittels spontaner Reaktionsweisen auf Bilder oder Texte, ohne dass für die
Probanden eine inhaltliche Logik und rassistische Stereotype erkennbar
wären, dass Gebildete zwar weniger explizit rassistische Einstellungen of-
fenbaren, jedoch gleichermaßen implizit rassistische Haltungen aufweisen
(vgl. ebd.: 214 f.).
Nicht zuletzt hegen höher Gebildete in hohem Maße negative Vorurteile
gegenüber gering Gebildeten im Sinne des ›Rassismus der Intelligenz‹,
und zwar explizit wie implizit, und in stärkerem Maße als gering Gebildete
(vgl. ebd.). Dazu kommt, dass gering Gebildete als selbst verantwortlich für
ihren sozialen Status betrachtet werden, was negative Gefühle, Verachtung
und Ärger hervorru, während Ärmeren mehr Mitgefühl und weniger
negative Einstellungen entgegengebracht werden (vgl. ebd.). Schließlich
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 13 5
sehen sich auch gering Gebildete in hohem Maße selbst verantwortlich und
tadelnswert, d.h. sie teilen die herrschende meritokratische Ideologie (vgl.
ebd.: 443). Insofern kann die bei gering Gebildeten häuger auretende
oene Abwertung von ›Fremdgruppen‹ auch als Versuch interpretiert
werden (im Sinne einer eorie sozialer Identität), eine andere Dimension
(›Ethnizität‹) zu benutzen, um sich positiv zu unterscheiden und soziale
Identität herzustellen (vgl. ebd.: 444).
Ungleichheit, Krise der Arbeit, ›Rechtspopulismus‹ und
die ›brahmanische Linke‹
Akademische Bildung gilt heute in allen Wohlfahrtsstaaten als selbstver-
ständliche Bedingung für beruichen Erfolg, Einkommen und sozialen
Status. Führende oder mächtige Positionen in Politik, Wirtscha, Medien
und Kultur werden fast nur noch durch akademisch Gebildete besetzt
(Hartmann 2007; 2009b; 2013).24 So haben unter den Abgeordneten im
deutschen Bundestag 87 % einen Hochschulabschluss, in der gesamten
Bevölkerung sind es nur 18,5 %, formal gering Gebildete sind im Bundestag
die am stärksten unterrepräsentierte soziale Gruppe, ohne dass dieses ein
großes ema darstellt.25 Auch in multivariaten Analysen bestätigt sich,
dass Kandidatinnen und Kandidaten mit akademischen Titeln bessere
Wahlchancen haben (vgl. Manow/Flemming 2011; Schneider/Tepe 2011;
Friedho et al. 2015 Rosar/Klein 2015).26 Die politische Ungleichheit
24 In De utsch land sind in Spi tzenp ositi onen ca. 9 0 % akademisch Gebildete, wobei die-
ser Anteil in den USA, Großbritannien, Frankreich, Japan, Italien und Spanien noch
höher ausfällt, da dort die deutsche betriebliche Berufsausbildung so nicht existiert;
zudem verschärfen ›Elitehochschulen‹ die Ungleichheit, v.a. in USA, Frankreich
und Großbritannien (vgl. Hartmann 2009b: 72).
25 https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/bundestag-diese-abgeordneten-
fehlen-e291979/ Übrigens wurde die Kategorien ›Arbeiter‹ oder ›Ärmere‹ bezeich-
nenderweise gar nicht erhoben. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Gruppen,
wie in anderen Ländern (vgl. Carnes 2012; 2016), ebenso kaum im Bundestag
vertreten sind.
26 Umgekehrt sind vermutlich auch die folgenden Beispiele von Abwertungen nicht
zufällig: So wurde bei Martin Schulz, Kanzlerkandidat und früherer SPD-Vorsit-
zender, die Befähigung zur Kanzlerscha angezweifelt, weil er kein Abitur habe
(Handelsblatt, 25.11.2016 oder Spiegel-Online 5.12.2016). Dazu wurde er im sog.
TV-Duell‹ auällig respektlos und spöttisch behandelt sowie o unterbrochen
(vgl. Tapper/Quandt 2019: 204 f.; Leidecker-Sandmann/Wilke 2019: 231). Auch
Kurt Beck, ehemaliger SPD-Vorsitzender und Ministerpräsident von Rheinland-
136 Günter Roth
hinsichtlich Bildung zeigt sich auch daran, dass gering Gebildete (und
Ärmere) sich nicht nur in Deutschland politisch weniger interessiert und
informiert zeigen, seltener zur Wahl gehen, weniger in politischen Parteien
engagiert und häuger unzufrieden mit dem Angebot politischer Parteien
und dem Funktionieren der Demokratie sind (vgl. Schäfer et al. 2016;
Merkel/Kneip 2018).
Die wachsende politische Enthaltung und Enttäuschung von gering
Gebildeten und Ärmeren geht vor allem zu Lasten linker oder Mitte-
Links-Parteien, insbesondere der Sozialdemokratie (vgl. Schäfer 2012; El/
Roßteutscher 2016). Nun lässt sich schon länger eine ›Krise‹ der tradierten
›Arbeiter- oder Arbeiterinnenbewegung‹, z.B. an sinkenden Organisati-
onsgraden von Gewerkschaen ablesen (Vorreiter ist seit 1960 die USA,
seit ca. 1995 folgen selbst sozialdemokratische Länder wie Schweden,
wenn auch nicht im gleichen Ausmaß); dazu kommen rückläuge Streik-
häugkeiten.27 Die abnehmende Bedeutung des Faktors Arbeit wird auch
durch die seit den 1970er-Jahren grassierende Massenarbeitslosigkeit und
sinkende Lohnquoten unterstrichen (vgl. Korpi 2003: 592; Schäfer 2008).
Die Gründe der Krise der ›Arbeiterbewegung‹ sind vielfältig : Neben so-
zialen und ökonomischen Veränderungen spielen politische Akteure und
Institutionen eine Rolle (vgl. Visser 2007). So ist in Industrieländern ein
kontinuierlicher Abbau und eine Entwertung ›einfacher‹ Industriearbeit
durch Mechanisierung und Abwanderung in Billiglohnländer zu beob-
achten. Dagegen wächst der Sektor mit Dienstleistungen mit vielfältigen
Angestelltengruppen in kleineren, exibleren Arbeits- und Organisations-
formen und einer wachsenden Zahl an akademisch Gebildeten, Frauen und
Eingewanderten, die anscheinend für Gewerkschaen schwer zu mobilisie-
ren sind (aus welchen Gründen auch immer) (vgl. ebd.).
Gleichzeitig entstanden infolge der ›Bildungsrevolution‹ ›neue‹ so-
ziale und politische Bewegungen, erst die ›Studentenbewegung‹, dann
Frauen-, Friedens-, Dritte-Welt- und Ökobewegung, welche sich primär
Pfalz (Beruf : Elektrotechniker) wurde unter Rekurs auf Herkun und Habitus als
provinziell verspottet (vgl. taz 14.6.2007, SZ 17.10.2010, Michael Glos (CSU und
Wirtschasminister von 2005-2009 (Beruf: Müllermeister) wurde »intellektuelle
Überforderung« attestiert (FAZ 8.2.2009).
27 Zum Organisationsgrad: https://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=TUD#;
Visser 2006; Visser 2007; zu Streikhäugkeiten s. Schäfer 2008. In Schweden sind die
Gewerkschaen korporatistisch bei der Organisation der Arbeitslosenversicherung
eingebunden, was die Motivation zur Mitgliedscha stärkt.
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 13 7
aus den wachsenden akademischen, urbanen Milieus und kulturellen und
sozialen Dienstleistungsberufen rekrutierten (vgl. Kriesi 1998: 170). Mit
den daraus entstandenen ›grün-alternativen‹ politischen Parteien gerie-
ten ›alte‹ distributive Fragen und der Klassenkonikte zwischen Kapital
und Arbeit in den Hintergrund. Dagegen traten neue Fragen zutage, die
sich um Ökologie, Liberalisierung von Lebensweisen, Konsum und Kul-
tur, Geschlechterrollen sowie Sexualität, und nicht zuletzt die Oenheit
gegenüber Migration und multi-kulturellen Lebensformen drehten und
woraus sich eine neue kulturelle ›Cleavage‹ begründete (vgl. z.B. ebd.; Van
der Waal et al. 2007; El/Roßteutscher 2016). Damit zeigt sich insgesamt
eine Dierenzierung und Tran s forma t i on von Klassengegensätzen entlang
kulturellen versus ökonomischen Kapitals (Bourdieu 1987; 1985; 1983),
aber keine o vorschnell beschworene Auösung von Klassen: »Class is
not dead – it has been buried alive under the increasing weight of cultural
voting, systematically misinterpreted as a decline in class voting« (Van der
Waal et al. 2007: 403).
Während in den 1950er/60er-Jahren Ärmere wie geringer Gebildete
politisch eher links, Reichere wie höher Gebildete eher rechts wählten, nei-
gen seitdem höher Gebildete stärker nach links und gering Gebildete eher
nach rechts (vgl. ebd.: 414; Wille/Bovens 2017; Piketty 2018; Amable/
Darcillon 2020). Der Unterschied im politischen Verhalten von Reicheren
und Ärmeren bleibt aber, und zwar umso mehr, wenn Vermögen betrachtet
werden, weil Vermögende weiterhin nach rechts (wenn auch nicht mehr
so stark wie früher) und Ärmere nach links tendieren (vgl. Piketty 2018).
Gleichzeitig haben sich die ehemaligen ›Arbeiterparteien‹ zu ›Akademi-
kerparteien‹ entwickelt und sich immer stärker eine ›brahmanische‹ Linke
und ›kaufmännische‹ Rechte an der Regierung abgewechselt, die beide
aus unterschiedlichen Gründen – einer Ideologie des Verdienstes und der
gerechten Ungleichheit folgten (vgl. Piketty 2019).
Übrigens wird insbesondere die wohlfahrtsstaatliche Verteilungspolitik
in den sozialen Klassen stark unterschiedlich bewertet: Während Reiche
und höher Gebildete staatliche Regulierung und Redistribution eher ableh-
nen, ist es bei den Ärmeren umgekehrt, die sich zudem weiterhin eher links
auf der politischen Skala verorten, aber eine zunehmende Distanz zu ihnen
bisher nahestehenden Parteien oenbaren (vgl. Giger et al. 2012; Page et al.
2013; Kitschelt/Rehm 2014; Gilens/Page 2014; Amable/Darcillon 2020).
Fundamental anders verhält es sich allerdings bei Fragen der nationalen
138 Günter Roth
Identität und gesellschalichen Ordnung , insbesondere dem Umgang mit
Einwanderung, wobei höher Gebildete eher kosmopolitische und liberale,
geringer Gebildete eher nationalistische und konservative Haltungen zeigen
(vgl. Van der Waal et al. 2007 Page et al. 2013).
Einen ›bloc bourgeois‹ und die zunehmende Konvergenz politischer
Einstellungen bei hoch Gebildeten und Reichen stellen Amable/Darcil-
lon in der an Piketty anschließenden Analyse fest (vgl. 2020). Demnach
konzentriert sich die ›brahmanische Linke‹ vorwiegend auf moderat
besserverdienende hoch Gebildete, während sehr reiche hoch Gebildete
weiter nach rechts tendieren; zudem sinkt mit höheren Bildungsabschlüs-
sen auch die Bereitscha für eine redistributive Politik (ebd.). Dazu passt,
dass in den USA, wo in den Regierungen bis Anfang der 1980er-Jahre noch
Vertreter der Mittel- und Arbeiterschichten dominierten, seitdem sind aber
Vertreter des einkommensstärksten Perzentils und von Elitehochschulen
vorherrschend, mit einer gleichzeitig wachsenden sozialen Ungleichheit
(vgl. Hartmann 2009a; Page et al. 2013 Bartels 2006).28 Die Wende zur
›angebotsorientierten‹ Wirtschas- und Sozialpolitik erfolgte bekannt-
lich seit ca. 1980 zuerst in den USA und Großbritannien unter Reagan/
atcher (ermöglicht durch die Demobilisierung der Linken, hohe Ina-
tion und ökonomische Schocks wie ›Ölkrisen‹), dem später auch Mitte-
Links-Regierungen folgten, wenn auch in geringerem Maße.29 Beispielha
sind insbesondere ›New Labour‹ unter Blair in Großbritannien oder die
›Neue Mitte‹ mit der ›Agenda 2010‹ von SPD/Grünen in Deutschland,
welche wesentlich zur Unterminierung der Parteiidentikation und dem
klassenorientierten Wahlverhalten beitrugen (vgl. Evans/Tilley 2012). Die
wachsende soziale und politische Ungleichheit und die Vernachlässigung
politischer Interessen und Forderungen unterster Statusgruppen, mit zu-
gunsten der obersten Klassen verzerrten politischen Entscheidungen, zeigt
28 Vielleicht noch stärker als in Europa sind Superreiche in den USA politisch aktiv
und verfügen über privilegierte Zugänge zu politischen Entscheidungsträgern (Page
et al. 2013: 52).
29 Mitte-Rechts-Regierungen weisen eine vierfach höhere Wahrscheinlichkeit für Kür-
zungen wohlfahrtsstaatlicher Leistungen zwischen 1975 und 1990 auf (vgl. Korpi/
Palme 2003; Korpi 2003; Allan/Scruggs 2004; Schäfer 2008; Giger/Nelson 2013;
Piketty 2019). Dazu korreliert ein höherer Mobilisierungsgrad der Gewerkschaen
mit einer geringeren Ungleichheit, allerdings mit abnehmender Bedeutung (Pontus-
son 2013); Letzteres gilt auch für den abnehmenden Einuss von Linksregierungen
auf Redistribution und Ungleichheit (vgl. Häusermann et al. 2013).
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 13 9
sich z.B. in Deutschland an sozialpolitischen ›Reformen‹ wie der Teilpriva-
tisierung der Alterssicherung und der Entsicherung und ›Flexibilisierung‹
der Arbeitspolitik (vgl. Elsässer et al. 2016; 2018).
Die Transformation des klassenorientierten Wählens ist also weniger
auf eine ›Erledigung‹ der Klassenfrage in der Wohlstands- oder Dienst-
leistungsgesellscha zurückzuführen als auf ein verändertes Angebot: »e
politics of class inuences class voting, not vice versa« (Evans/Tilley 2012:
963; vgl. Jansen et al. 2013). Mit der auch unter Mitte-Links-Regierungen
zunehmenden oder zu wenig bekämpen Ungleichheit haben sich vor
allem manuell Arbeitende und gering Gebildete immer stärker von linken
Parteien abgewendet (vgl. Anderson/Singer 2008), blieben zunächst den
Wahlen fern, wählten dann aber auch – primär aus Protest – immer häuger
rechts (vgl. Piketty 2019; El/Roßteutscher 2016).
Eribon geht in seiner viel diskutierten autobiographischen Reexion
›Rückkehr nach Reims‹ soweit, die Zustimmung zum Front National
teilweise als eine Art politischer Notwehr der unteren Schichten zu inter-
pretieren, die versuchten ihre kollektive Identität und Würde zu verteidigen,
welche seit jeher mit Füßen getreten worden sei, nun aber auch von denen
missachtet worden sei, die sie zuvor repräsentiert hatten (die Linke) (Eribon
2016: 124).30 Dabei habe sich unter den oben angesprochenen esen
der Individualisierung und ›Auösung‹ von Klassen einer akademischen
Linken (vgl. z.B. Beck 1983) der Gegensatz von »Arbeiter und Bourgeois«
zunächst in einen Gegensatz von »uns hier unten« und »denen da oben«
verwandelt und dann eine nationale Komponente entwickelt, weil »die da
oben« allesamt als Befürworter von Internationalisierung und Immigration
wahrgenommen werden, deren Folgen ›die da unten‹ angeblich täglich
zu ertragen hätten und was plötzlich für alle Übel verantwortlich gemacht
werde (Eribon 2016: 124 f.). Damit formierten sich entlang der Zuucht
zur nationalen Identität ganz neue, unübersichtliche, aber eher lockere und
30 Eribon, ein renommierter Pariser Soziologe, nimmt in dem Buch den Tod seines
Vaters zum Anlass, nicht nur nach Jahrzehnten seine Familie wieder zu besuchen,
sondern auch seinen schwierigen Werdegang aus dem Arbeitermilieu zu reektie-
ren. Er beschäigt sich u.a. mit der Frage, warum viele der früher kommunistisch
wählenden Arbeiter nun zum Front National tendieren und sieht einen Verrat der
neoliberal gewendeten Linken als Mitschuld, aber auch in der sozio-kulturellen
Klu von akademischer Linken und ›Arbeiterinnen‹ oder ›Arbeitern‹, bei denen
er auch einen tief verankerten Alltagsrassismus sowie verbreitete patriarchalische und
homophobe Einstellungen schildert (ebd.: 133 .).
140 Günter Roth
zeitlich befristete Allianzen zwischen Milieus der Unterschicht und klein-
wie großbürgerlichen Milieus (vgl. ebd.: 128; Vester 2009).
Zuletzt hat auch die ›reformierte‹ oder neu entstandene radikale Linke
Mühen, die Unters tützung g ering Gebild eter zu erreichen : So zeig t sich die-
se laut Multi-Level-Analysen in 32 europäischen Ländern zwar weiterhin
stark bei Menschen mit niedrigen Einkommen, Arbeitslosen und jenen,
die Maßnahmen der Umverteilung begrüßen, aber schwächer bei niedriger
formaler Bildung und der Wahrnehmung von Sorgen vor Einwanderung
oder ›ethnischen Herausforderungen‹; zudem oenbaren ›Arbeiterinnen‹
oder ›Arbeiter‹ keine größere Unterstützung mehr der radikalen Linken
(vgl. Visser et al. 2014).31 Gleichzeitig scheinen die Möglichkeiten, z.B.
einen einwanderungs- oder europakritischen Kurs innerhalb der Linken
einzuschlagen und gegen die neoliberal bestimmte Internationalisierung
zu agitieren, begrenzt.32 Insofern bleibt auch der von Moue proklamierte
»Populismus von links« (Moue 2018) unklar bezüglich der Entwicklung
und Durchsetzung einer breiten egalitären Perspektive oder ›linken Hege-
monie‹ eines nicht nationalistischen ›Wir‹.
Fazit und Ausblick
Dem Appell der Herausgeber folgend, zur kritischen Selbstreexion des
Rassismus anzuregen, wurde im vorliegenden Beitrag mit Bourdieu ein
wenig beachteter ›Rassismus der Intelligenz‹ und damit zusammenhän-
gende politische Folgen reektiert. Staatlich anerkannte Bildungsabschlüsse
tragen heute wesentlich zum sozialen Status bei (auch unter Einbeziehung
weiterer Faktoren wie Ethnie oder Geschlecht). Rassistisch wird diese Art
der Begründung einer vermeintlichen Überlegenheit insofern, als Status
und Bildungserfolg mit naturgegebener Intelligenz und Begabung gleich-
gesetzt werden, obwohl diese wesentlich durch soziale Herkun bestimmt
31 Als weitere Determinanten der Unterstützung der radikalen Linken zeigt die Studie
auf der Individualebene fremde ethnische Herkun, Nichtreligiosität und Familien-
status (Scheidung, nie verheiratet), während unter den Kontextfaktoren die größere
soziale Ungleichheit in einem Land die Tendenz zur radikalen Linken zu untermi-
nieren scheint, Arbeitslosigkeit und Wirtschaskra scheinen ohne Einuss (Visser
et al. 2014).
32 Siehe z.B. das diesbezügliche Scheitern von Wagenknecht/Lafontaine innerhalb
der deutschen Linkspartei, die infolge ›migrationskritischer‹ Äußerungen scharf
kritisiert und abgedrängt wurden.
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 14 1
sind. Dessen ungeachtet unterstützt die herrschende meritokratische
Ideologie die ›Illusion der Chancengleichheit‹ im Bildungssystem, welches
tatsächlich privilegierte Klassen bevorzugt und eine Reproduktion sozialer
Ungleichheit bewirkt. Entsprechend tadeln sich die ›Bildungsverliererin-
nen‹ oder ›-verlierer‹ infolge der meritokratischen Ideologie selbst für
mangelnden Erfolg und fehlendes Engagement, trotz aller Enttäuschung,
Unb eh ag en und Ver dr uss .
Somit bleiben einerseits hoch Gebildete bei näherer Betrachtung (ent-
gegen vieler Annahmen und Befragungen) keineswegs unbelastet bezüglich
verschiedener – weit verbreiteten – Arten rassistischer Abwertungen, was
nicht zuletzt im subtilen, distinktiven Verhalten, wie der Segregation des
Wohnens oder der Wahl von Partnerinnen oder Partnern, zum Vorschein
kommt. Andererseits kann die bei gering Gebildeten häuger und of-
fener geäußerte Tendenz zu klassischen Formen des Rassismus auch als
Folge von Marginalisierung und dem Verlust von Würde und Identität
›versprengter Unterklassen‹ interpretiert werden. Aus deren Mangel an
positiver Gruppenidentität und infolge der Abwertung durch den ›bloc
bourgeois‹ folgt quasi ersatzweise eine ›populistische‹, nationale Re-
konstruktion eines Wir‹ gegen ›die da oben‹ und ›die Anderen‹. Die
primär symbolisch-kulturelle Marginalisierung äußert sich politisch in
Enttäuschung, Resignation, Verdrossenheit, mit der Abwendung von einer
ehemals mehrheitlich unterstützten Linken und einem quasi fehlgeleiteten
rechtsgerichtetem Protest. Hierbei muss die enorme symbolisch-kulturelle,
aber auch ökonomische Abwertung ›einfacher‹ (›stupider‹) Arbeit be-
rücksichtigt werden, die u.a. in ›Billiglohnländer‹ abwanderte oder durch
Te ch n i k un d K a p i t a l e r s et z t w u rd e . N i c h t ve r g e s s e n o d e r t a b u i s i er t w e r de n
sollte auch, dass Millionen Einwandernde und Frauen zusätzlich auf den
Arbeitsmarkt kamen und die Arbeitsmarktlage für untere Statusgruppen
dem ersten Anschein nach verschlechterten, auch wenn insbesondere
längerfristig und in der Summe volkswirtschalich positive Wirkungen
überwiegen.33 Zudem wurden Eingewanderte aufgrund des verbreiteten
›klassischen‹ Rassismus bevorzugt auf prekäre Jobs und in ärmere Wohn-
viertel verwiesen, womit dort die Statuskonkurrenz angeheizt wurde.
Mit der zunehmenden Prekarität von Arbeit ist auch eine Schwächung
33 Daraus soll aber weder eine ›Entschuldigung‹ oder Akzeptanz für xenophobe Hal-
tungen noch eine Schuldzuweisung an Einwandernde oder Frauen diesbezüglich
verbunden werden.
142 Günter Roth
der Gewerkschaen verbunden, deren Kerngruppen relativ gut gestellter
›Facharbeiterinnen‹ oder ›Facharbeiter‹ zum einen kleiner und inaktiver
wurden (z.B. aufgrund des Wohlfahrtsstaats und der Verbürgerlichung in-
folge moderaten Wohlstands), auf der anderen Seite haben Gewerkschaen
Probleme, die wachsenden ›desparaten‹ Unterklassen wie auch die mehr
werdenden akademischen Angestellten und Frauen sowie Eingewanderte zu
mobilisieren (aus vielerlei, hier nicht näher zu vertiefenden Gründen und
ohne dieses bewerten zu wollen).
Die wachsenden akademischen Milieus führten nicht zuletzt zu neuen
sozialen und politischen Bewegungen (Studenten-, Frauen-, Friedens-
oder Ökobewegung) und einer neuen Spaltung entlang von Bildung und
kulturell-symbolischen sowie identitätspolitischen Fragen, womit die sozio-
ökonomische Koniktlinie von Arbeit-Kapital wie auch Klassenfragen und
Links-Rechts-Gegensätze als ›veraltet‹ in den Hintergrund gerieten. Die
neuen kosmopolitisch orientierten grünen und links-alternativen Parteien
rückten globale ökologische Fragen in den politischen Vordergrund, die
›Mod ernisierung ‹ und Lib eralisierung von L eben sstil en, G eschlechte r-
und Sexualverhältnissen, und nicht zuletzt von Internationalismus und
Multikulturalismus. Nach anfänglicher Ablehnung der grün-alternativen
Konkurrenz bewegte sich auch die moderate Linke (v.a. Sozialdemokratie)
zusehends in eine ›neue‹ Mitte, zumal angesichts liberal-konservativer For-
derungen der ›Modernisierung‹, ›Flexibilisierung‹ und ›De-Regulierung‹
des Wohlfahrtsstaats und sozio-ökonomischer Strukturveränderungen
zulasten des Faktors Arbeit. Dabei zeigte sich, dass sich die moderate ›brah-
manische Linke‹ mit der ›kaufmännischen Rechten‹ an der Regierung
abwechselten, ja immer mehr zu einem ›bloc bourgeois‹ hoch Gebildeter
und Reicher verschmolzen, und die gleichermaßen – wenn auch aus un-
terschiedlichen Gründen zur Prekarisierung der ›neuen Unterklassen‹
beitrugen.
Dieser Entwicklung standen diese ›Verliererinnen‹ oderVerlierer‹
zusehends ohnmächtig gegenüber. Sie wandten sich entsprechend von der
›brahmanischen Linken‹ ab, blieben politischen Wahlen und Parteien fern
und wählten immer häuger die sich mit der europäischen Integration und
wachsender Immigration formierenden ›rechtspopulistischen‹ Parteien.
Diese in Wahrheit rechts-autoritären ›Krisengewinnler‹ sollten jedoch
nicht elitär als ›Pöbel‹ abgewertet, vielmehr sollten die Interessen weiter
Teile der ›einfachen Arbeitenden‹ von einer reformierten, ggf. auch ›po-
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus, ›Rec hts popu lis mus ‹ 14 3
pulistischen‹ Linken ernst genommen werden. Dabei müssten insbesonde-
re Fragen der Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit im globalen Maßstab
beantwortet werden, ohne die Nöte unterer Klassen in Wohlfahrtsstaaten
zu ignorieren.
Abschließend und ausblickend bestünden mögliche politische Perspek-
tiven darin, die Politik der Gleichstellung und Quotierung auf ›bildungs-
ferne‹ oder formal gering gebildete Menschen auszuweiten. Auch wäre
die Zufallsauswahl politischer Vertreterinnen oder Vertreter (vgl. Dienel
2009; Buchstein 2013) eine Möglichkeit, den hegemonialen ›bloc bour-
geois‹ aufzubrechen und die politische Mitwirkung des ›einfachen Volks‹
eektiv zu ermöglichen. Zwar könnte auch die o geforderte Stärkung di-
rektdemokratischer Verfahren die politische Ungleichheit und mangelnde
Responsivität des politischen Systems mindern. Allerdings wirkt dem die
sozial ungleiche Beteiligung entgegen, die bereits bei Wahlen zu beobachten
ist. Deshalb ist ›last not least‹ an die Notwendigkeit lange diskutierter
Bildungsreformen und diverse Reformschulen zu erinnern (s. z.B. urn/
Tillmann 2011, Gronert/Schraut 2018), die wegweisend ein partizipatives,
integratives, ermächtigendes und befreiendes Lernen aufzeigten.
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U N R A S T
Tuan Tran, Hubert Steiner (Hg.)
Reflect Racism
Anmerkungen für eine rassismuskritische Praxis
Bibliograsche Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliograe; detaillierte bibliograsche Daten sind im Internet
über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Tuan Tran, Hubert Steiner (Hg.)
Reect Racism. Anmerkungen für eine rassismuskritische Praxis
1. Auage, Oktober 2020
ISBN 978-3-89771-294-2
© UNRAST-Verlag, Münster 2020
www.unrast-verlag.de – kontakt@unrast-verlag.de
Mitglied in der assoziation Linker Verlage (aLiVe)
Gefördert von der Fachstelle für Demokratie der
Landeshauptstadt München
Umschlag: ???
Satz: Andreas Hollender, Köln
Druck: Multiprint, Kostinbrod
Inhalt
Tu a n Tr an u nd H ub e r t S t e i ne r
Vo r w o r t ........................................................................................ 7
Tu a n Tr an u nd H ub e r t S t e i ne r
Rassistische ›Mechanismen‹ in der Alltagssprache ............................15
Tu a n Tr an
Die Schwierigkeit, Rassismus wahrzunehmen –
Erkenntnistheoretische Reexionen aus (einer)
Betroenenperspektive ..................................................................75
Klaus Weber
Rassismus und Soziale Arbeit ........................................................ 101
Günter Roth
›Gewöhnlicher‹ Rassismus, ›intellektueller‹ Rassismus
und ›Rechtspopulismus‹ .............................................................115
Nivedita Prasad
Rassismus als Realität in akademischen Bildungsinstitutionen ..........153
Dileta Fernandes Sequeira
Rassismus als weltsystemisches Problem –
kritische Betrachtungen aus der Psychologie ...................................167
Autor*innenporträts ....................................................................181
Anhang ..................................................................................... 183
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This article investigates the political consequences of occupational change in times of rapid technological advancement and sheds light on the economic and cultural roots of right-wing populism. A growing body of research shows that the disadvantages of a transforming employment structure are strongly concentrated among semiskilled routine workers in the lower middle class. I argue that individual employment trajectories and relative shifts in the social hierarchy are key to better understand recent political disruptions. A perception of relative economic decline among politically powerful groups-not their impoverishment-drives support for conservative and, especially, right-wing populist parties. Individual-level panel data from three post-industrial democracies and original survey data demonstrate this relationship. A possible interpretation of the findings is that traditional welfare policy might be an ineffective remedy against the ascent of right-wing populism.
Chapter
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Educational inequalities between social classes are large and persistent in the UK. Students from economically disadvantaged backgrounds have much lower attainment and engage less with education than their peers from advantaged backgrounds. Although structural factors contribute significantly to these inequalities, social psychological processes also play a crucial but less visible role. We draw on the social identity approach to propose a new model of how social and cultural factors in the local educational context shape the meaning of people’s social class identities in ways that create and sustain inequalities. Our identities-in-context model brings into focus educational contexts in which lower-class people are expected to perform badly, are not well represented in high-status educational roles or institutions, and are negatively disposed toward education. We argue that, for lower-class people, these contexts ignite a sense of social identity threat and incompatibility between their background and doing well in education. These, in turn, lead to poorer educational outcomes. We propose ways in which our model can be used to inform social psychological interventions that aim to reduce educational inequalities between social classes.
Article
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The prospects for the next generation—whether young people, regardless of their backgrounds, have equal chances of social success—pose a momentous problem for modern societies. Inequality of opportunity, often reflected by social immobility, is a threat to the egalitarian promise and the stability of your society. This work argues that social capital transmission plays an important role for the chances of social success in Western societies. For the example of Germany, it is reasoned that weak social capital environments deepen existing disadvantages. Even though all levels of education are easily accessible and affordable, Germany has one of the lowest levels of educational mobility among the industrialized countries of the world. Problems appear to be systematic, since the decision regarding entry into higher secondary education is made at early age and is left, in most cases, with the parents, who rely on their own educational trajectory. Outside of the school environment, differences in social capital inheritance explain educational immobility. With the use of the German Socio-Economic Panel survey from 1984 to 2014, various analyses about the relation between social capital and educational success are performed. Social capital, which is helpful for educational and social success, clearly depends on the educational family background. This indirect link has been disregarded in past contributions. Alternative forms of schooling, such as comprehensive and all-day education, as well as a delay of the decision regarding entry into higher education, could help improving unequal social capital inheritance.
Chapter
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Als Abdelmalek Sayad 1998 nach langer Krankheit starb, hinterließ er eine Fülle an (großteils unpublizierten) Manuskripten zum breiten Th emenfeld der Migration. Pierre Bourdieu, der seit frühen gemeinsamen Forschungsarbeiten in Algerien mit Sayad befreundet gewesen war und viel Zeit an Sayads Krankenbett verbracht hatte (vgl. Puwar 2009), editierte Teile dieses Nachlasses und gab schon im Folgejahr La double absence (Sayad 1999) heraus, eine erste von einer ganzen Reihe postumer Publikationen Sayads. Der lange und verworrene Publikationsweg von Sayads Schriften steht symptomatisch für die Schwierigkeiten, die das Phänomen der Migration Sozialwissenschaftler/innen bis heute bereitet.
Article
Until 2017, Germany was an exception to the success of radical right parties in postwar Europe. We provide new evidence for the transformation of the Alternative for Germany (AfD) to a radical right party drawing upon social media data. Further, we demonstrate that the AfD's electorate now matches the radical right template of other countries and that its trajectory mirrors the ideological shift of the party. Using data from the 2013 to 2017 series of German Longitudinal Elections Study (GLES) tracking polls, we employ multilevel modelling to test our argument on support for the AfD. We find the AfD's support now resembles the image of European radical right voters. Specifically, general right-wing views and negative attitudes towards immigration have become the main motivation to vote for the AfD. This, together with the increased salience of immigration and the AfD's new ideological profile, explains the party's rise.
Article
Intelligence test scores and educational duration are positively correlated. This correlation could be interpreted in two ways: Students with greater propensity for intelligence go on to complete more education, or a longer education increases intelligence. We meta-analyzed three categories of quasiexperimental studies of educational effects on intelligence: those estimating education-intelligence associations after controlling for earlier intelligence, those using compulsory schooling policy changes as instrumental variables, and those using regression-discontinuity designs on school-entry age cutoffs. Across 142 effect sizes from 42 data sets involving over 600,000 participants, we found consistent evidence for beneficial effects of education on cognitive abilities of approximately 1 to 5 IQ points for an additional year of education. Moderator analyses indicated that the effects persisted across the life span and were present on all broad categories of cognitive ability studied. Education appears to be the most consistent, robust, and durable method yet to be identified for raising intelligence.
Article
This article chronicles the Alternative for Germany’s (AfD) rightward repositioning and compares it with the programmatic development of three post-war German parties on the ideological wings. By highlighting factors that tilt the balance of power away from moderate reformers towards hardliners, this comparative analysis sheds light on the conditions that lead a relatively successful party on the ideological wings, such as the AfD, to radicalize its programme. Four variables stand out: whether party hardliners take the blame for the recent election loss; whether they offer a convincing programmatic and strategic alternative to the reformers; whether changes in party composition strengthen hardliners; and whether external factors enhance their weight within the party. The essay concludes that the AfD’s radicalization was unusual, but not exceptional. It is however too early to conclude that the Federal Republic’s distinctive institutions and political culture no longer impose significant costs on parties that shift their programmes away from the centre.
Article
Does declining voter turnout harm center-left parties? Although this is what many observers believe, most empirical studies fail to support this thesis. In contrast to this common wisdom, this article shows that there is a negative effect of turnout decline on the Social Democratic Party and the Left Party in Germany. For the first time, this article ana- lyzes systematically aggregate data of 1,500 urban quarters in 34 large German cities. It will be argued that the effects of social segregation and voter apathy become only visible on this small scale since social indicators and turnout data correlate very highly. Urban districts differ not only in their electoral participation but also in the election results. Left of center parties fare much better in areas that have experienced the strongest decline of turnout over the last three decades.
Chapter
Psychology has penetrated many domains of society and can be considered as a very successful social science. It is widely present in education, in the workplace, in court and not to mention in people’s private life. This success owes to a large extent to the fact that psychology offers a scientific credit to an important and key cultural principle in our Western societies: the belief of the primacy of the individual over the situation as a cause of behaviour. Psychology has played a key role in substantiating this cultural frame by proposing an ‘objective’ measure of intelligence and by repeatedly fuelling the idea that in a democratic society and a competitive educational system, the more intelligent are the winners. Hand in hand, education and psychology have contributed to a powerful illusion that hides the impact of power and privilege in the schools and recycle then into individual merit. This chapter focuses on the love story between social domination and the psychology of intelligence. I discuss the development of intelligence testing and show how research in psychology has served the domination and expropriation of the haves over the have-nots. I call this form of social control the racism of intelligence, which, in a latter point, I expose the main characteristics.