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Abstract

Das vorliegende Dokument gibt einen Überblick über die im Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung erfolgte Konzeption überregionaler Forschungsimpulse und ihrer Umsetzung im Rahmen eines entsprechenden Onlineangebots.
D1.2 & D3.2 Partizipativer Methodenpool und überregionale Forschungsimpulse
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Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung
Förderkennzeichen: 01JKD1705
D1.2 Partizipativer Methodenpool zum internetbasierten Einsatz
(M27)
&
D3.2 Konzeption und Planung von mindestens 4 Forschungsimpulsen
(M21)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Das diesem Bericht zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bil-
dung, und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01JKD1705 gefördert. Die Verantwortung für den
Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren.
Start des Projekts: 01.10.2017 Ende des Projekts: 30.09.2021
Autor°innen: Christoph Richter, Christoph Schröder & Sabrina Thiele
1.
Einleitung
Das vorliegende Dokument gibt einen Überblick über die im Onlinelabor für Digitale Kulturelle
Bildung erfolgte Konzeption überregionaler Forschungsimpulse und ihrer Umsetzung im Rah-
men eines entsprechenden Onlineangebots. Da die Weiterentwicklung des partizipativen Me-
thodenpools hierbei unmittelbar mit der Konzeption und Umsetzung des Onlineangebots ver-
knüpft war, werden die entsprechenden Ergebnisse »D1.2 Partizipativer Methodenpool zum
internetbasierten Einsatz (M 27)«, sowie »D3.2 Konzeption und Planung von mindestens 4 For-
schungsimpulsen) (M21)« hier in einem Dokument zusammengefasst.
Die Konzeption und Umsetzung des überregionalen Onlineangebots begann im Dezember 2018
und erstreckte sich bis zur Veröffentlichung des ersten Forschungsimpulses im Oktober 2019.
Ausgehend von den in den regionalen Forschungswerkstätten gesammelten Erfahrungen wur-
den hierzu zunächst erste Konzeptideen entwickelt, die im Rahmen eines Treffens mit den Ko-
operationspartnern sowie weiteren Akteuren aus dem Bereich der kulturellen Bildung wie auch
der Medienbildung diskutiert wurden. Die Ergebnisse dieser Diskussion flossen dann in die wei-
tere Ausarbeitung und Ausdifferenzierung des Konzeptes mit ein. Parallel hierzu wurde dann
ab Sommer 2019 auch ein neues videounterstütztes Format zur Präsentation und Kommunika-
tion der einzelnen Forschungsimpulse entwickelt und umgesetzt.
Das Dokument geht in Abschnitt 2 zunächst kurz auf die Rolle der der überregionalen For-
schungsimpulse im Rahmen des partizipativen Forschungsdesigns ein. Hieran anschließend
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werden in Abschnitt 3 die grundlegenden konzeptionellen Erwägungen sowie die hieraus resul-
tierenden Gestaltungsentscheidungen und deren Umsetzung dargestellt. Abschnitt 4 gibt
schließlich einen kurzen Ausblick über die aus der Konzeption resultierenden Folgeaufgaben.
2.
Die Rolle überregionaler Forschungsimpulse im Rahmen des Forschungsdesigns
Wie bereits an anderer Stelle ausführlicher dargestellt, folgt das Onlinelabor für Digitale Kultu-
relle Bildung einem praxistheoretischen Zugang zur Erhebung und Analyse informeller Bil-
dungsprozesse und der mit diesen einhergehenden ästhetischen Modi der Welterschließung
(Allert et al., 2019; Onlinelabor, 2019). Dieser Zugang bildet dabei nicht nur den konzeptuellen
Rahmen für die Analyse kultureller und ästhetischer Bildungsprozesse (vgl. Onlinelabor, 2020),
sondern zugleich auch die Grundlage für die forschungsstrategische und methodische Ausrich-
tung des Onlinelabors. Die zentralen forschungsstrategischen Implikationen betreffen hierbei
(1) die Fokussierung auf Alltagspraktiken als zentralem Bildungsraum, (2) Unterscheidung von
Praktiken anhand situierter Konventionen, Handlungs- und Deutungsschema, (3) die Adressie-
rung von Individuen als Knotenpunkten sozialer Praktiken, (4) integrative Betrachtung von Prak-
tiken der Rezeption, Reflexion und (Re-)Produktion ästhetischer Artikulationen, sowie (5) die
Berücksichtigung der relationalen Qualitäten digitaler Medien und Netzwerke. Vor dem Hinter-
grund dieser forschungsstrategischen Überlegungen liegt dem Onlinelabor für Digitale Kultu-
relle Bildung ein partizipatives und fallbasiertes Forschungsdesign zugrunde, das es erlaubt in-
dividuelle Mediennutzungspraktiken und hieran geknüpfte kulturellen und ästhetischen Bil-
dungsprozesse zu thematisieren und sichtbar zu machen. Aufbauend auf der partizipativen Er-
hebung und Verdichtung individueller Erfahrungen in Form multimedialer Fallvignetten bietet
sich hierdurch die Möglichkeit, durch fallvergleichende Untersuchungen die Gemeinsamkeiten
und Spezifika unterschiedlicher Praktikfigurationen herauszuarbeiten.
Zur Umsetzung des partizipativen Forschungsdesigns ist in der ersten Projektphase ein Konzept
zur Durchführung regionaler Forschungswerkstätten entwickelt und realisiert worden. Zentrale
methodische Eckpunkt der Konzeption bildeten dabei (a) der Einsatz von Forschungsimpulsen
zur Exploration kritischer Ereignisse, (b) der systematische Wechsel von Einzel- und Gruppen-
arbeit, (c) die mediale Dokumentation und beschreibende Reflexion individueller Erfahrungen,
(d) die Etablierung einer ›Forschungswerkstatt‹ als Kommunikations- und Explorationsraum, (e)
die Realisierung altersgruppenspezifischer Angebote und (f) alternative zeitliche Formate (On-
linelabor, 2018a). Die praktischen Erfahrungen in den regionalen Forschungswerkstätten führ-
ten zur Entwicklung eines zyklischen Vorgehensmodells, in dem sich die Teilnehmer°innen zu-
nächst individuell mit ihren eigenen Erfahrungen auseinandersetzen, diese in der Gruppe teilen
und hierauf aufbauend neue Themen identifizieren, die wiederum zur Entwicklung neuer For-
schungsimpulse durch die Moderator°innen der Forschungswerkstatt führen (vgl. Abbildung 1).
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Abbildung 1: Das methodische Vorgehen als zyklischer Prozess.
Die im Rahmen der regionalen Forschungswerkstätten gesammelten Erfahrungen bildeten die
Grundlage für die Konzeption der überregionalen Forschungsimpulse sowie deren Einbettung
in ein entsprechendes Onlineangebot. Ziel der überregionalen Forschungsimpulse ist es, das
Onlinelabor für einen größeren Personenkreis zugänglich zu machen und hierdurch ein größe-
res Spektrum an Nutzungspraktiken und damit verbundenen Artikulationsformen erfassen zu
können. Das Angebot sollte dabei sowohl für Nutzer°innen sozialer Medien wie auch für mög-
liche Mulitplikator°innen aus dem Bereich der kulturellen und ästhetischen Bildung wie auch
der Medienpädagogik zugänglich sein. Abbildung 2 verortet die überregionalen Forschungsim-
pulse nochmals im Gesamtforschungsdesign.
Abbildung 2: Überblick über das Forschungsdesign.
3.
Grundlegende konzeptionelle Erwägungen
Die Konzeption der überregionalen Forschungsimpulse wie auch ihre Einbindung in das On-
linelabor basiert neben den theoretischen und methodologischen Grundannahmen auch auf
den in den regionalen Forschungswerkstätten gesammelten Erfahrungen sowie den prakti-
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schen Rahmenbedingungen des Projektvorhabens. Im Mittelpunkt der Konzeption stand hier-
bei insbesondere die Frage, wie sich der im Kontext der regionalen Forschungswerkstätten ent-
wickelte partizipative Arbeitsmodus auf ein entsprechendes Onlineangebot übertragen lassen
könnte.
Von besonderer Relevanz für die Konzeption waren dabei die folgenden Gestaltungsfragen:
(A) Wie lassen sich Teilnehmer°innen für die ›praktische Logik‹ ihrer eigenen Mediennnut-
zungspraktiken sensibilisieren?
(B) Wie lässt sich das zyklische Vorgehensmodell (Abbildung 1) in einem überregionalen
Onlineangebot realisieren? Wie ist es insbesondere möglich den Austausch unter den
Teilnehmer°innen zu fördern.
(C) Wie kann das Angebot möglichst niedrigschwellig gestaltet werden und den Teilneh-
mer°innen dennoch ein geschützter Raum zum Austausch über persönliche Erfahrun-
gen gegeben werden?
(D) Wie kann auch bei größeren Teilnehmer°innenzahlen eine inhaltliche wie auch metho-
dische Begleitung innerhalb der Onlineplattform sichergestellt werden?
(E) Wie lässt sich der Mehrwert einer Beteiligung am Onlinelabor für die verschiedenen
Zielgruppen kommunizieren?
(F) Wie kann die Bereitschaft der Teilnehmer°innen erhöht werden ihre Beiträge zu veröf-
fentlichen?
(G) Wie lassen sich unterschiedliche Zielgruppen erreichen und wie können diese über neue
Impulse auf dem Laufenden bleiben?
(H) Wie können mögliche Multiplikator°innen gewonnen werden?
Um diese Herausforderungen zu adressieren wurden auf konzeptioneller Ebene die nachfol-
gend beschriebenen Gestaltungsentscheidungen getroffen.
Der Einsatz von Forschungsimpulsen als Element einer praxissensiblen Forschungsmethodik:
Wie bereits in den regionalen Forschungswerkstätten orientiert sich auch die Konzeption des
überregionalen Onlineangebots an dem Modell einer praxissensiblen Forschungsmethodik
(siehe Onlinelabor, 2019). Um die Teilnehmer°innen für die ›praktische Logik‹ ihrer eigenen
Mediennutzungspraktiken zu sensibilisieren und einen Erfahrungsaustausch zwischen den Teil-
nehmenden zu ermöglichen, bilden auch hier die sogenannten ›Forschungsimpulse‹ das zent-
rale Element des partizipativen Forschungsdesigns. Die Forschungsimpulse konfrontieren die
Teilnehmer°innen mit ergebnisoffenen und evokativen Aufgabenstellungen und zielen darauf
ab, routinisierte Handlungs- und Deutungsmuster zu unterlaufen, so dass diese in der Ausei-
nandersetzung mit den Impulsen thematisch werden können. Um den Teilnehmer°innen un-
terschiedliche Zugänge zu ermöglichen, ist auch im Rahmen des überregionalen Onlineange-
bots eine Mix aus dokumentarischen Impulsen, die vor allem beobachtenden Charakter haben
und experimentellen Impulsen vorgesehen, die die Teilnehmer°innen zu einer aktiv-handeln-
den Auseinandersetzung mit einer spezifischen Situation auffordern. Die Auseinandersetzung
mit den Forschungsimpulsen erfordert von den Teilnehmer°innen somit auch weiterhin (a) die
Interpretation des Impulse vor dem Hintergrund eigener praktischer Erfahrungen, (b) die prak-
tische Realisierung einer entsprechenden Handlung, sowie (c) die mediale Artikulation der hie-
raus resultierenden Erfahrung (vgl. Abbildung 1).
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Im Unterschied zu den regionalen Forschungswerkstätten wurde aber das Präsentationsformat
für die überregionalen Forschungsimpulse weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklung betrifft
zum einen die ergänzende Darstellung der Forschungsimpulse durch ein erläuterndes Video
und zum anderen die Bereitstellung zusätzlicher Informationen und Hilfsmaterialien zu den ein-
zelnen Impulsen.
Die Videos sollen dabei sowohl das Interesse potentieller Teilnehmer°innen wecken, indem sie
in einer möglichst leicht verständlichen Form in das jeweilige Thema einführen, als auch den
jeweiligen Arbeitsauftrag kommunizieren. Zudem sollen die Videos die Arbeitsweise des On-
linelabors vermitteln und dazu beitragen, die Einstiegsschwelle für neue Teilnehmer°innen zu
senken. Die Videos übernehmen einen Teil der Aufgaben die in den regionalen Forschungs-
werkstätten von den Moderator°innen übernommen worden war, die hier die jeweiligen Im-
pulse motiviert und Hilfestellungen zur Bearbeitung gegeben haben.
Um den Teilnehmer°innen eine möglichst eigenständige Bearbeitung der Impulse zu ermögli-
chen wurden die Informationsstruktur für die Impulse ausdifferenziert und jeweils spezifische
Hilfsmaterialien und Anleitungen ergänzt. Abbildung 3 gibt einen Überblick über den Aufbau
eines Impulses.
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Abbildung 3: Beispiel für den Aufbau eines Impulses.
Wie bereits in Bezug auf die regionalen Forschungswerkstätten diskutiert, ist der ›Methoden-
pool‹ im Sinne einer kontinuierlich zu erweiternden Sammlung von Forschungsimpulsen per se
unabgeschlossen. Für den Start der Onlinephase wurden deshalb zunächst eine Reihe von For-
schungsimpulsen vorentwickelt, die im weiteren Projektverlauf immer wieder um neue Impulse
ergänzt werden. Die Impulse greifen hierbei aktuelle Themen wie auch Vorschläge und Fragen
der Teilnehmer°innen auf. Abbildung 4 gibt einen Überblick über die ersten drei überregionalen
Forschungsimpulse, die sich mit den Themen Influencing, Inszenierung und digitalen Ritualen
befassen.
Abbildung 4: Die ersten drei überregionalen Forschungsimpulse.
Das Onlinelabor als digitale Forschungswerkstatt:
Um den Teilnehmer°innen neben der indivi-
duellen Bearbeitung von Forschungsimpulsen auch den Austausch und die gemeinsame Refle-
xion mit anderen Teilnehmer°innen zu ermöglichen und sie in die Entwicklung neuer Themen
aktiv mit einzubeziehen, orientiert sich die Onlineangebot an der Leitmetapher einer digitalen
Forschungswerkstatt. Das Onlineangebot soll dabei neben einem persönlichen Arbeitsbereich
auch Raum für den Austausch auf Basis individueller Beiträge sowie auch entlang gemeinsamer
Fragen und Themen ermöglichen. Soweit als möglich soll die Werkstatt den Teilnehmer°innen
alle für die Forschungsarbeit notwendigen Werkzeuge und Infomaterialien zur Verfügung stel-
len. Zudem soll die Werkstatt auch die Möglichkeit zur Veröffentlichung der eigenen Arbeitser-
gebnisse in einem offenen Onlinearchiv bieten. Abbildung 5 gibt einen Überblick über die Kern-
elemente der Forschungswerkstatt. Die Grundstruktur der Impulse wurde hierbei aus den re-
gionalen Forschungswerkstätten übernommen aber, wie bereits dargestellt, um eine Videoein-
führung und Hilfestellungen zur Bearbeitung ergänzt.
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Abbildung 5: Kernelemente der Forschungswerkstatt.
Die Umsetzung der digitalen Forschungswerkstatt erfolgte auf Basis des bereits für die regio-
nalen Forschungswerkstätten eingesetzten Portfoliosystems Mahara. Die Werkstatt wurde
hierbei als eine Gruppe in Mahara realisiert, die den Teilnehmer°innen einen Überblick über
die Impulse gibt und ihnen Foren für Fragen und Probleme, für neue Impulse wie auch die Dis-
kussion bestehender Impulse zur Verfügung stellt. Um den Teilnehmer°innen einen einfache-
ren Überblick über die zu einem Impuls erstellten Beiträge zu geben, wurde zudem ein Plugin
für Mahara entwickelt, das die Beiträge den jeweiligen Impulsen zuordnet und eine visuelle
Vorschau generiert. Abbildung 6 zeigt das entsprechende Plugin.
Abbildung 6: Screenshot des Plugins zur Beitragsvorschau.
Die digitale Forschungswerkstatt als kontinuierliches Angebot:
Um die Einstiegshürde mög-
lichst gering zu halten, ist eine Beteiligung in der Forschungswerkstatt jederzeit möglich. Es gibt
weder eine zeitlich fixierten Zeitrahmen innerhalb dessen bestimmte Forschungsimpulse zu be-
arbeiten sind, noch ist die Bearbeitung bindend. Vielmehr soll durch die regelmäßige Veröffent-
lichung neuer Forschungsimpulse kontinuierlich Interesse bei potentiellen Teilnehmer°innen
geweckt werden. Die Forschungsimpulse sind im Unterschied zu den Beiträgen deshalb auch
ohne Anmeldung im Onlinelabor direkt auf der Startseite einsehbar. Abbildung 7 zeigt einen
Screenshot der überarbeiteten Startseite des Onlinelabors.
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Abbildung 7: Screenshot der Startseite.
Um den Teilnehmer°innen auch in der digitalen Forschungswerkstatt einen geschützten Raum
zum Austausch über persönliche Erfahrungen zu bieten, ist für die Teilnahme auch weiterhin
eine Anmeldung erforderlich. Entsprechend sind auch die im Onlinelabor geteilten Beiträge
nicht frei zugänglich. Um den Teilnehmer°innen die Orientierung innerhalb des Onlinelabors zu
erleichtern, wurden darüber hinaus die Navigationswege soweit als möglich vereinfacht.
Die Forschungswerkstatt als moderierte Lern- und Arbeitsumgebung:
Um auch bei größeren
Teilnehmer°innenzahlen eine inhaltliche wie auch methodische Begleitung gewährleisten zu
können, wurden sowohl ein Moderationskonzept wie auch Hilfsmaterialien und Tutorials zur
Benutzung des Onlinelabors wie auch zur Bearbeitung der Forschungsimpulse erstellt.
Das Moderationskonzept bestimmt dabei sowohl den Sinn und Zweck wie auch die Prinzipien
der Moderation, die sich sowohl aus pädagogischen, forschungsmethodischen, ethischen und
rechtlichen Erwägungen speisen. Neben einer allgemeinen Definition der Rollen, Aufgaben und
Arbeitsorganisation, regelt das Moderationskonzept insbesondere die systematische Sichtung
neuer Inhalte, sowie die Meldung und den Umgang mit unangemessenen Inhalten und Verhal-
tensweisen. Das grundlegende Ziel der Moderation des Onlinelabors besteht dabei darin, eine
soziale Umgebung zu schaffen, die es den Teilnehmer°innen erlaubt sich in offener, sicherer,
lebendiger und wertschätzender Weise mit den persönlichen Erfahrungen in der Nutzung sozi-
aler Medien auseinanderzusetzen und sich mit anderen Teilnehmer°innen hierüber auszutau-
schen. Das Moderationskonzept ist in einem projektbezogenen Wiki hinterlegt, auf das alle Mit-
arbeiter°innen einschließlich der studentischen Hilfskräfte zugreifen können.
Neben der inhaltlichen und methodischen Unterstützung durch die Moderator°innen, die den
Teilnehmer°innen als Anlaufstellen zur Verfügung stehen, wurden diverse Hilfsmaterialen und
Tutorials erstellt. Die Hilfsmaterialien umfassen dabei sowohl Videotutorials, die eine allge-
meine Einführung in die Forschungswerkstatt sowie die Erstellung eigener Beiträge geben, wie
auch eine Sammlung allgemeiner Fragen und Antworten zur Arbeit in der Forschungswerkstatt.
Zusätzlich wurden Kurzanleitung für spezifische Aspekte der Beitragserstellung erstellt. Diese
betreffen etwa das Anonymisieren von Datenmaterial, den Umgang mit Quellen wie auch die
Erstellung von Screenshots. Abbildung 8 gibt einen Überblick über die Tutorials & Hilfe-Seite.
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Abbildung 8: Überblick über die Tutorials und Hilfestellungen.
Die Vielfalt digitaler Artikulationsformen sichtbar machen:
Eine zentrale Herausforderung für
die Kommunikation und Bewerbung der überregionalen Onlineangebots besteht darin, den
Sinn und Zweck des Projekts an sich, wie auch den Mehrwert einer eigenen Beteiligung am
Onlinelabor für die verschiedenen Zielgruppen zu kommunizieren.
Im Austausch mit den Kooperationspartnern wie auch anderen Akteuren aus dem Bereich der
kulturellen Bildung und der Medienpädagogik wurde hierzu die Zielsetzung des Projekts in ein
›Mission Statement‹ für die überregionalen Forschungsimpulse übersetzt. Als vermittelndes
Element zwischen den Forschungsinteressen des Projekts und einem möglichen Mehrwert der
Teilnehmer°innen kristallisierte sich hierbei die Möglichkeit heraus, die produktive Vielfalt digi-
taler Artikulationsmöglichkeiten, bzw. digitaler Kultur stärker ins in Blickfeld des öffentlichen
Diskurses zu rücken und den Teilnehmer°innen die Möglichkeit zu geben, anderen ›zu zeigen,
wie sie die (digitale) Welt wahrnehmen & erleben‹. Hierbei geht es im Rahmen des Onlinelabors
vor allem darum die Vielfalt alternativer Nutzungsformen aufzuzeigen, weshalb auch eine
breite Beteiligung wichtig ist. Die überregionalen Forschungsimpulse bieten den Teilnehmer°in-
nen diesbezüglich (a) die Möglichkeit anderen einen Einblick in die eigene Sicht auf Soziale Me-
dien zu geben, (b) sich mit spannenden, relevanten oder tagesaktuellen Fragestellungen ausei-
nanderzusetzen, und (c) Teil einer Gemeinschaft von Personen zu sein, denen digitale Kultur
ein Anliegen ist und die diese mitgestalten wollen. Das Mission Statement wurde einerseits in
einer Fassung für mögliche Multiplikator°innen aufgearbeitet (Abbildung 9) und bildet unter
den Überschriften »Zeig‘ deine Welt«, »Entdecke Vielfalt« und »Gestalte digitale Kultur« auch
den inhaltlichen Rahmen auf der Startseite des Onlinelabors (Abbildung 10).
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Abbildung 9: Mission Statement für Multiplikator°innen.
Abbildung 10: Eckpunkte des Mission Statements auf der Startseite des Onlinelabors.
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Um der Zielsetzung der Sichtbarmachung der vielfältigen Artikulationsformen in sozialen Me-
dien auch praktisch gerecht zu werden, wurde die bisherige digitale Infrastruktur des Onlinela-
bor zudem um ein öffentlich zugängliches Onlinearchiv erweitert, das allen Interessierten die
Möglichkeit gibt sich über die zur Veröffentlichung freigegebenen Fallvignetten aus dem On-
linelabor zu informieren. Das Onlinearchiv ist über die Startseite des Onlinelabors oder direkt
unter https://digitalekultur.medienpaedagogik.uni-kiel.de/archiv/ zu erreichen. Das Onlinear-
chiv erweitert somit das zuvor in Mahara realisierte Archivierungssystem (siehe Onlinelabor,
2018b) und ist als eigenständige Webumgebung im Rahmen des Projekts entwickelt worden,
da hierdurch (a) eine konsequente Pseudonymisierung der veröffentlichten Daten, sowie (b)
eine flexiblere Such- und Navigationsstrukturen realisiert werden konnte.
Das Onlinearchiv bietet neben den administrativen Funktionen zur Verwaltung der Impulse und
Beiträge, die archivierten Beiträge (a) entlang der entsprechenden Impulse zu erkunden, (b)
nach Begriffen, Titeln und Pseudonymen zu filtern, sowie (c) zufällig anzeigen zu lassen. Abbil-
dung 11 zeigt einen Screenshot der Startseite des Onlinearchivs.Abbildung 11
Abbildung 11: Screenshot der Startseite des Onlinearchivs.
Vereinfachung des Archivierungs- und Veröffentlichungsprozesses:
Um die Bereitschaft der
Teilnehmer°innen zur Archivierung und Veröffentlichung ihrer Beiträge zu erhöhen, wurde ne-
ben der Umsetzung des frei zugänglichen Onlinearchivs der zugrundeliegende Archivierungs-
und Veröffentlichungsprozess für die Teilnehmer°innen überarbeitet und vereinfacht. Hierzu
wurde zunächst die Nutzerführung im Onlinelabor so adaptiert, dass sich das Teilen der Bei-
träge mit der Forschungswerkstatt wie auch dem Onlinearchiv einfacher und übersichtlicher
gestaltet. Darüber hinaus wurde der Prozess zur redaktionellen Betreuung der zur Veröffentli-
chung eingereichten Beiträge so modifiziert, dass er auch weiterhin den zugrundeliegenden
rechtlichen und forschungsethischen Ansprüchen genügt, aber den Aufwand seitens der Teil-
nehmer°innen minimiert. Abbildung 12 gibt das überarbeitete Prozessmodell wieder.
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Abbildung 12: Überarbeitetes Prozessmodell für die Archivierung und Veröffentlichung von Beiträgen.
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Breit angelegte Bewerbung der digitalen Forschungswerkstatt:
Um möglichst viele potentielle
Teilnehmer°innen zu erreichen und diesen auch die Möglichkeit zu geben sich über aktuelle
Ereignisse im Onlinelabor und neue Forschungsimpulse zu informieren wurde eine Reihe un-
terschiedlicher Werbematerialien entwickelt, die über unterschiedliche Informationskanäle
distribuiert werden können. Das Konzept zur Bewerbung der digitalen Forschungswerkstatt
umfasst neben Newsletterbeiträgen für die Kooperationspartner insbesondere die Verbreitung
der Forschungsimpulse über soziale Medien (Instagram & Twitter), die Darstellung des Projekts
auf Onlineplattformen aus dem Bereich der Bürgerwissenschaften wie auch den Einsatz von
Printmaterialien. Abbildung 13 gibt einen Überblick, über verschiedene bislang verwendete
Werbematerialien und Kanäle
Abbildung 13: Übersicht verschiedener Werbematerialien, wie Plakate (obere Zeile), Instagram Account (unten
links), Präsenz auf Bürger schaffen Wissen (unten rechts).
Zielgruppenspezifische Angebote für Multiplikator°innen:
Ergänzend zur direkten Ansprache
möglicher Teilnehmer°innen bildet die Gewinnung und Einbindung möglicher Multiplikator°in-
nen einen weiteren Ansatz zur Gewinnung von Teilnehmer°innen, wie auch zur Verbreitung
und Weiterführung des im Rahmen des Onlinelabors entwickelten methodischen Ansatzes. Als
mögliche Multiplikator°innen wurden dabei vor allem Pädagog°innen im Bereich der informel-
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len Kultur- und Medienarbeit, Pädagog°innen im Bereich der offenen Jugendarbeit, Lehrer°in-
nen sowie Dozent°innen an Hochschulen identifiziert. Aufgrund der sehr weit gestreuten Tätig-
keitsfelder der genannten Personengruppen sieht das Konzept der überregionalen Forschungs-
werkstatt die Entwicklung zielgruppenspezifischer Angebote vor. Diese Angebote umfassen so-
wohl die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien und Arbeitshilfen wie auch die Durchführung
von Workshops etwa im Rahmen von Fachtagen. Abbildung 14 zeigt eine Arbeitshilfe in Form
eines Flyers für Multiplikator°innen in informellen Bildungskontexten.
Abbildung 14: Arbeitshilfe in Form eines Flyers.
4.
Ausblick
Das überregionale Onlineangebot ist mit den ersten Forschungsimpulsen im Oktober 2019 on-
line gegangen und soll mindestens über die verbleibende Projektlaufzeit hinweg weiterbetrie-
ben werden. Die Entwicklung weiterer Forschungsimpulse wie auch die moderierende und ad-
ministrative Betreuung des Onlinelabors und des Onlinearchivs stellen insofern stetige Aufga-
ben für das Projektteam dar. Begleitend hierzu sind auch die entsprechenden Werbemaßnah-
men initiiert worden, deren Effektivität im weiteren Projektverlauf noch zu überprüfen sein
wird. Ebenso wurden erste Arbeitshilfen und Materialien für mögliche Multiplikator°innen er-
stellt. Für den nächsten Projektabschnitt ist diesbezüglich insbesondere die Ausrichtung von
Workshopangeboten vorgesehen. Hierbei wird es auch darum gehen gemeinsam mit Multipli-
kator°innen darüber zu reflektieren, ob und wie sich die im Onlinelabor entwickelte praxissen-
sible Forschungsmethodik auf weitere kunst-, kultur- und medienpädagogische Tätigkeitsfelder
anwenden lässt. Der Austausch mit Multiplikator°innen über das Onlinelabor bildet damit auch
einen Schritt auf dem Weg zur Ableitung praxistauglicher Handlungsempfehlungen und Szena-
rien (Arbeitspaket 6).
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Referenzen
Allert, H., Ide, M., Richter, C., Schröder, C., & Thiele, S. (2019). Soziale Medien als kultureller Bildungsraum - Das
Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung. In B. Jörissen, S. Kröner, & L. Unterberg (Hrsg.). Forschung
zur Digitalisierung in der Kulturellen Bildung (S. 63-78). München: Kopaed. https://www.pe-
docs.de/frontdoor.php?source_opus=18486
Onlnelabor (2018a). Konzeption und Planung von Forschungsworkshops. Deliverable 3.1.
Onlnelabor (2018b). Anforderungsanalyse & Umsetzung. Deliverable 2.1.
Onlinelabor (2019). Partizipativer Methodenpool zum Einsatz im Rahmen von Forschungsworkshops. Deliverable
1.1.
Onlinelabor (2020). Dokumentation der entwickelten Systematik - Rahmenmodell zur Analyse von Praktiken der
ästhetischen Artikulation in Sozialen Medien. Deliverable 4.1.
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Chapter
Medienkulturelle und ästhetische Bildungsprozesse vollziehen sich zunehmend im alltäglichen Umgang mit digitalen Medienprodukten und -technologien: Wir liken, sharen, kommentieren, posten und chatten auf den unterschiedlichsten Plattformen. Soziale Medien sind als Orte der direkten Interaktion und Kommunikation wie auch der produktiven, selbstpräsentativen Darstellung (vgl. Wagner/Brüggen/Gebel 2009) immer auch Räume kultureller und ästhetischer Bildung. Die starke Ausdifferenzierung und der rasante Wandel digitaler Plattformen und Artikulationsmöglichkeiten stellen eine grundlegende Herausforderung für medien-, kunst-, und kulturpädagogische Bildungsangebote und Forschungen dar. Sie erfordern sowohl eine intensive Auseinandersetzung mit den individuellen Formen medienkulturellen und ästhetischen Alltagshandelns wie auch die genaue Betrachtung sozial geteilter Ausdrucksformen und Technologien. Mit der Fokussierung auf die Bedeutung ästhetischer Artikulationsprozesse im Rahmen informeller digitaler Alltagspraktiken in Sozialen Medien beleuchtet das Projekt Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung (DiKuBi-on) einen bislang weitgehend vernachlässigten Aspekt kultureller Bildung.
Konzeption und Planung von Forschungsworkshops
  • Onlnelabor
Onlnelabor (2018a). Konzeption und Planung von Forschungsworkshops. Deliverable 3.1.
Anforderungsanalyse & Umsetzung. Deliverable 2.1
  • Onlnelabor
Onlnelabor (2018b). Anforderungsanalyse & Umsetzung. Deliverable 2.1.
Partizipativer Methodenpool zum Einsatz im Rahmen von Forschungsworkshops
  • Onlinelabor
Onlinelabor (2019). Partizipativer Methodenpool zum Einsatz im Rahmen von Forschungsworkshops. Deliverable 1.1.
Dokumentation der entwickelten Systematik -Rahmenmodell zur Analyse von Praktiken der ästhetischen Artikulation in Sozialen Medien
  • Onlinelabor
Onlinelabor (2020). Dokumentation der entwickelten Systematik -Rahmenmodell zur Analyse von Praktiken der ästhetischen Artikulation in Sozialen Medien. Deliverable 4.1.