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Der erstarrte Blick. Eine erkenntnistheoretische Kritik der Standardlehrbücher der Volkswirtschatslehre

Authors:
Gibt es eine
ökonomische
Wahrheit?
Blinde Flecken in Lehrbüchern:
Mankiw/Taylor: Grundzüge der
Volkswirtschaftslehre/Principles of
Economics
Samuelson/Nordhaus:
Volkswirtschaftslehre/Economics
www.iright-media.de
Kapitel aus:
Wirtschaft neu denken
Blinde Flecken der Lehrbuchökonomie
Herausgegeben von Till van Treeck und Janina Urban
"Es ist mir egal, wer die Gesetze einer Nation schreibt
solange ich ihre Volkswirtschaftslehrbücher schrei-
ben kann.“
Dieser Ausspruch des Ökonomie-Nobelpreisträgers
und Lehrbuchautors Paul A. Samuelson gilt als symp-
tomatisch für den Einfluss von Ökonom_innen in der
modernen Gesellschaft und für den Allgemeingültig-
keitsanspruch ihrer Theorien. „Wirtschaft neu den-
ken“ umfasst 20 Rezensionen aktuell einflussreicher
Lehrbücher und zeigt: Viele Standardwerke blenden
wissenschaftliche und gesellschaftliche Kontroversen
systematisch aus und stellen wirtschaftliche Zusam-
menhänge, die seit jeher in hohem Maße komplex und
umstritten sind, als scheinbar objektive Gesetzmäßig-
keiten dar. In ihren Rezensionen legen die Autor_in-
nen des vorliegenden Sammelbands nicht nur blinde
Flecken der Lehrbuchökonomie offen, sondern geben
auch Hinweise auf alte und neue Ansätze jenseits der
aktuellen Standardlehre.
Der Sammelband enthält Beiträge von:
Prof. Dr. Frank Beckenbach, Prof. Dr. Sebastian Dullien, Prof. Dr. Wolfram Elsner, Roland Fritz, Prof. Dr. Nils
Goldschmidt, Prof. Dr. Silja Graupe, Claudius Gräbner, Prof. Dr. Eckhard Hein, Dr. Torsten Heinrich, Prof. Dr.
Hansjörg Herr, Prof. (FH) Dr. Johannes Jäger, PD Dr. Jakob Kapeller, Dr. Fabian Lindner, Prof. Dr. Camille
Logeay, Prof. Dr. Helge Peukert, Prof. Dr. Jan Priewe (i.R.), Ph.D. Alyssa Schneebaum, Prof. Dr. Till van Treeck,
Prof. Dr. Achim Truger
Informationen zum Fachbereich Neues ökonomisches Denken des Forschungsinstituts für gesell-
schaftliche Weiterentwicklung (FGW) finden Sie unter
http://fgw-nrw.de/themenbereiche/oekonomie.html
Das Buch können Sie zum Preis von 19,90 Euro (Print) und 11,99 Euro (E-Book)
auf der Seite des Verlags iRights.Media vorbestellen
http://irights-media.de/publikationen/wirtschaft-neu-denken/
18
Der erstarrte Blick
Eine erkenntnistheoretische
Kritik der Standardlehrbücher der
Volkswirtschaslehre
Silja Graupe
Mankiw, N.G.
(2001): Principles of
Economics, 2.Auflage,
Boston: Cengage
Learning, 493 Seiten.
Im Folgenden zitiert
als GM.
(Abb: Schäer-Poeschel)
Mankiw, N.G. /Taylor, M.
(2008): Grundzüge der
Volkswirtschaslehre,
4.Auflage, Stuttgar t:
Schäer-Poeschel, 1013
Seiten. Im Folgenden
zitiert als MTa.
(Abb: Schäer-Poeschel)
Mankiw, N.G. /Taylor, M.
(2012): Grundzüge der
Volkswirtschaslehre,
5.Auflage, Stuttgar t:
Schäer-Poeschel, 11 33
Seiten. Im Folgenden
zitiert als MTb.
(Abb: Schäer-Poeschel)
Rezensierte Bücher:
19
Silja Grau pe
Hinführung
Spätestens seit dem Ausbruch der anhaltenden Wirtschafts-, Währungs-,
Finanz- und Schuldenkrisen in den Jahren 2008 und 2009 mehren sich welt-
weit die Zweifel von Studierenden an der Volkswirtschaftslehre (VWL): Diese
sei in extremem Maße einseitig, weltfremd und indoktriniere zudem (vgl. etwa
ISIPE 2014). Die Kritik richtet sich gegen ein weltweites Phänomen. Denn in
den letzten Jahrzehnten ist die Volkswirtschaftslehre an Hochschulen (und zu-
nehmend auch an Schulen) in einem Maße standardisiert worden, das für die
Sozialwissenschaften einmalig ist. Von Südafrika bis Norwegen, von Japan bis
Kanada: Überall ähneln sich Form und Inhalt der ökonomischen Lehre. Die
ökonomische Bildung gleicht global in zunehmendem Maße einer geistigen
Monokultur (vgl. Graupe 2013, 2015).
Bei der Etablierung und Verbreitung dieser Monokultur spielen ökonomi-
sche Lehrbücher eine zentrale Rolle. In über vierzig Sprachen übersetzt und
millionenfach verkauft, bestimmen ihre Autor_innen und Verlage, was Studie-
rende rund um die Welt unter „Ökonomie“ verstehen lernen. Sie sorgen dar,
dass „die Struktur wirtschaftswissenschaftlicher Abschlüsse nahezu identisch
an allen […] Universitäten“ ist, wie etwa Untersuchungen für Großbritannien
und die USA zeigen (Wigstrom 2010, S.1).
1
1 Alle Ü bersetzu ngen aus dem Eng lischen in d iesem Text stamme n von mir.
Samuel son, P. (1955):
Volkswirtschaslehre,
2.Auflage, Köln:
Bund-Verlag, 809
Seiten. Im Folgenden
zitiert als PS.
(ohne Abb.)
Samuelson, P./
Nordhaus, W.D.
(2009): Economics,
19.Auflage, New York:
McGraw- Hill, 715
Seiten. Im Folgenden
zitiert als SNa.
(ohne Abb.)
Samuelson, P./
Nordhaus, W.D. (2010):
Volkswirtschaslehre,
4.Auflage, München:
mi-Wirtschasbuch,
FinanzBuch Verlag, 1104
Seiten. Im Folgenden
zitiert als SNb.
(Abb: mi-Wirt schasbuch)
20
Der ers tarrte Blic k
Besonders bedeutsam sind dabei zwei Werke: „Economics“ von Paul A.
Samuelson (seit 1985 gemeinsam herausgegeben mit William D. Nordhaus)
und „Principles of Economics“ von N. Gregory Mankiw. Samuelsons Lehr-
buch, 1948 zum ersten Mal erschienen, gilt als das Standardwerk, an dem sich
alle anderen heutigen Lehrbücher orientieren. Insbesondere die Mikroöko-
nomik lässt sich als Gebiet ansehen, „auf dem der Sieg der frühen Pädagogik
von Samuelson nahezu vollständig ist und in dem sich die Überzeugungen der
Ökonomen am wenigsten gewandelt haben“ (Skousen 1997, S. 138). Mankiws
„Principles of Economics“ hat sich in den letzten Jahren zum internationalen
Bestseller entwickelt. Auch und gerade an deutschen Universitäten nimmt die-
ses Lehrbuch des ehemaligen Wirtschaftsberaters von George W. Bush eine
zentrale Stellung ein.
Im Folgenden werde ich skizzieren, wie diese beiden Lehrbücher die Wahr-
nehmungs- und Erkenntnisweise von Menschen einseitig prägen und hierfür
ein stark verkürztes Wissenschaftsverständnis vermitteln. Dabei wird deutlich,
dass dies nicht allein ein Problem des akademischen Elfenbeinturms ist. Im
Gegenteil hat es praktische Wirkungen. Denn wie wir die Welt wahrnehmen
lernen, bestimmt auch darüber, welche Handlungsoptionen wir in unserem
Alltag und als Staatsbürger erkennen und ausüben können.
Eine Neudefinition der
Wirtschaswissenschaen
Sowohl dem Lehrbuch von Samuelson/Nordhaus als auch dem von Mankiw
liegen eine ganz bestimmte Definition von Wirtschaftswissenschaft zugrunde.
Diese schließt die multiperspektivische Betrachtung wirtschaftlicher Phäno-
mene von vornherein aus. Samuelson schreibt in der 2.Ausgabe seines Lehr-
buchs von 1955:
„Es gibt weder eine Wirtschaftstheorie für Republikaner noch eine
für Demokraten, noch eine für Arbeitnehmer oder für Arbeitgeber.
Hinsichtlich der grundlegenden Preis- und Beschäftigungszusam-
menhänge bestehen denn auch unter den Nationalökonomen heut-
zutage keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten mehr.“ (PS,
S.6)
21
Silja Grau pe
Mankiw beschreibt dies ähnlich: Zwar seien „gewisse Meinungsverschieden-
heiten unter Ökonomen unvermeidlich. Doch sollte man das Ausmaß der Un-
einigkeit nicht überbetonen. In vielen Fällen haben Ökonomen einen einmüti-
gen Standpunkt.“ (MTb, S.40) Doch lässt sich von einer solchen Einmütigkeit
tatsächlich mit Berechtigung sprechen? Mankiws rhetorische Beeinflussung
besteht hier darin, die Wirtschaftswissenschaft nicht mehr über ihren Gegen-
standsbereich (die Wirtschaft) zu definieren, um diesen dann aus unterschied-
lichen oder gar widerstreitenden Perspektiven zu analysieren. Samuelson/
Nordhaus und Mankiw identifizieren die Wirtschaftswissenschaft vielmehr
stillschweigend mit einer einzigen Perspektive, von der aus sich alles in der
Welt auf ökonomische Weise in den Blick nehmen lassen soll. Wirtschaftswis-
senschaft zu betreiben, bedeutet in ihrem Sinne nicht, sich mit wirtschaftlichen
Belangen aus Sicht verschiedener ökonomischer Schulen (der Neoklassik, des
Keynesianismus, der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, des Mar-
xismus etc.) zu beschäftigen, sondern sich von vornherein vornehmlich auf den
Standpunkt einer dieser Schulen – vornehmlich der neoklassischen, gemischt
mit keynesianischen Einflüssen – zu stellen und diesen als einzig wissenschaft-
lichen zu definieren.
Dies hat zumindest zweierlei Konsequenzen. Erstens: Da auf diese Weise
fast alle ökonomischen Schulen beziehungsweise Strömungen per Definition
als unwissenschaftlich gelten, scheint man ihnen in Lehrbüchern keinen Platz
einräumen zu müssen. Zwar existieren unterschiedliche theoretische Ansich-
ten über aktuelle Fragen der Wirtschaft, die dem von Samuelson/Nordhaus
und Man kiw beschworenen „einmütigen Standpunkt“ fundamental entgegen-
stehen. Doch werden sie außerhalb der Grenzen des Wissenschaftlichen ange-
siedelt. So spricht Samuelson 1955 etwa im Hinblick auf Marx ausdrücklich
von „einem schwarzen Schaf, das sich jenseits des Pferchs der klassischen Tra-
dition stellte“ (PS, S.12). Marx mag sich noch so offensichtlich mit Fragen der
Wirtschaft beschäftigen, nach der Logik heutiger Lehrbücher zählt er nicht als
Ökonom, eben weil er einen alternativen Standpunkt und damit eine andere
Perspektive auf die Wirtschaft einnimmt. 2010 wird Marx bei Samuelson/
Nordhaus noch nicht einmal mehr erwähnt, genauso ist es bei Mankiw.
Zweitens entgrenzt das spezifische Wissenschaftsverständnis der ökono-
mischen Lehrbücher den Gegenstandsbereich der Wirtschaftswissenschaft
nahezu vollständig. Vereinfacht gesagt wirkt die Wirtschaftswissenschaft wie
eine Brille, die im Laufe des Studiums allmählich die Wahrnehmungsfähig-
keit von Studierenden beschränkt: Ist sie erst einmal fest vor deren geistigem
Auge verankert, so müssen Studierende alles durch sie hindurch wahrnehmen.
22
Der ers tarrte Blic k
Ebenso wie durch die sprichwörtliche rosarote Brille alles rosarot wirkt, so er-
scheinen in den Lehrbüchern alles menschliche Handeln und alle gesellschaft-
lichen Bereiche auf spezifisch ökonomische Weise.
2
Mankiw bringt dies in sei-
nen „Vorbemerkungen für den Lehrenden“ unmissverständlich zum Ausdruck
(MTa, S.VII):
„Volkswirte haben eine einzigartige Art und Weise die Welt zu be-
trachten, die man weitgehend in ein oder zwei Semestern erlernen
kann. Mit dem vorliegenden Buch geht es mir darum, die volkswirt-
schaftliche Denkweise auf das größtmögliche Publikum zu übertra-
gen und die Leser davon zu überzeugen, dass damit sehr Vieles aus
der sie umgebenden Welt aufgehellt werden kann.“3
Samuelson und Nordhaus beschreiben den gleichen Sachverhalt folgendermaßen:
„Häufig erscheint uns die Ökonomie als eine endlose Abfolge immer
neuer Rätsel, Probleme und Dilemmata. Doch es gibt, wie erfahrene
Dozenten mittlerweile wissen, einige wenige Konzepte, die jedem
wirtschaftlichen Geschehen zugrunde liegen. […] Wir haben daher
beschlossen, uns auf die Kernthesen der Volkswirts chaftslehre zu konzen-
trieren – auf jene dauerhaften Wahrheiten, die im n euen Jahrhundert die-
selbe Bedeutung haben werden wie im alten. “ (SNb, S.10, Hervorhebung
im Original)
Ökonomische Konzepte lassen sich wie „Werkzeuge des Denkens“ begreifen;
sie geben unserer Wahrnehmung Richtung und Gestalt. Sie entscheiden dar-
über, was wir als wichtig und unwichtig erachten, oftmals bevor wir uns vor
spezifische ökonomische Aufgaben gestellt sehen. Samuelson und Nordhaus
postulieren, dass diese Werkzeuge des Denkens selbst einen Anspruch auf
Wahrheit haben. Wer lernt, allein im Marktmodell zu denken, der wird in allen
sozialen Beziehungen einen Markt erblicken. Nicht um die Darstellung ob-
2
Im Hint ergrund st eht hier das Wi ssenschaf tsverstä ndnis des „ökonom ischen Imper ialis-
mus“, wie ih n insbeson dere die Chica go School of Economi cs geprägt ha t. So geht deren
Begr ünder und Haupt vertrete r Gary S. Beck er davon aus, dass sic h alles mensc hliche Ver-
halte n aus Sicht des „eco nomic approach “ beschreib en lässt. Vgl. Be cker 1990.
3 Interessanterweise fehlt diese entscheidende Passage in den „Vorbemerkungen für St udie-
rende“. Daz u unten mehr.
23
Silja Grau pe
jektiver Fakten geht es hier, sondern um die Beschränkung unserer Wahrneh-
mungsfähigkeit auf wenige, vermeintlich unveränderliche „Kernthesen“ (ebd.),
die zur Lösung aller Probleme genutzt werden sollen.
„Die Beispiele und Anwendungen haben sich gewandelt, um sicherzu-
stellen, dass es [Samuelsons Lehrbuch, Anm. der Autorin] in den Au-
gen der Leser stets relevant und nützlich blieb. Der Kern der Theorie
ist aber stets der gleiche geblieben.“ (Smith 2001, S.6)
Ob Steuern, Mindestlöhne und Wohlfahrt (vgl. Mankiw 2001) oder Klima-
wandel und Emissionshandel (vgl. Samuelson/Nordhaus 2009): Sie alle dienen
lediglich als reine Anwendungsbereiche einer im Vorhinein feststehenden öko-
nomischen Perspektive. Nicht aber sind sie dazu angelegt, die Grenzen dieser
Perspektive zu erforschen oder Perspektivenwechsel angesichts konkreter
Her ausforderungen unserer Zeit vorzunehmen. Auf diese Weise fördern Samu-
elson/Nordhaus und Mankiw eine Standardisierung ökonomischer Erkennt-
nisfähigkeit, wie sie etwa auch der „Council for Economic Education“ in den
Vereinigten Staaten fordert und an Schulen und Hochschulen gleichermaßen
durchsetzt (vgl. etwa Siegfriedetal. 2010).
Ökonomie als paradigmatische
Lehrbuchwissenscha
Weder Samuelson und Nordhaus noch Mankiw legen diese Standardisierung
allerdings explizit offen, insbesondere nicht gegenüber den Studierenden.
Im Gegenteil verwischt gerade Mankiw die Grenze zwischen realem Gegen-
standsbereich einerseits und wissenschaftlicher Perspektive auf diesen Bereich
oftmals bis zur Unkenntlichkeit. Die erkenntnistheoretisch wesentlichen Un-
terschiede zwischen Erkenntnisobjekt einerseits und Erkenntnisweise ande-
rerseits – zwischen wirtschaftlicher Wirklichkeit und Interpretation dieser
Wirklichkeit – übergeht er. So erwähnt er zwar in seinen „Vorbemerkungen
für den Lehrenden“ explizit, dass seine „zehn volkswirtschaftlichen Regeln“
das „Weltbild der Ökonomen“ darstellen, welches wiederum das erkenntnis-
theoretische „Fundament für den Großteil der volkswirtschaftlichen Analysen
bilden“ soll (vgl. MTa, S. VIII). Doch gegenüber den Studierenden verschweigt
er diese wesentliche Klarstellung. Allenfalls spricht er vage von „Leitvorstel-
24
Der ers tarrte Blic k
lungen“. Sodann präsentiert er diese aber so, als ob es sich um Abbilder realer
Vorgänge handele. So lautet etwa seine „Regel Nr. 1“: „Alle Menschen stehen
vor abzuwägenden Entscheidungen.“ (MTb, S. 4) Dass es sich hierbei um eine
wissenschaftliche Hypothese über menschliches Verhalten handelt, erwähnt er
ebenso wenig, wie er die Frage nach deren empirischer Überprüfbarkeit be-
handelt (siehe den Beitrag von Till van Treeck zum Menschenbild in diesem
Band). Durch geschickt gewählte Beispiele
4
leitet er das Denken dergestalt an,
dass die Aufmerksamkeit auf einen hypothetischen Einzelfall gelenkt wird.
Von diesem aus werden Studierende implizit verleitet, auf eine allgemeingültige
Beschreibung von Wirklichkeit zu schließen.
Problematisch ist, dass Studierende nicht ermuntert werden, diesen
Schluss zu reflektieren. Allgemeiner gesagt werden die Anweisungen der Lehr-
bücher, die das Denken zurichten und die Perspektive der Studierenden auf
einen einzigen Standpunkt einzufrieren drohen, innerhalb dieser Lehrbücher
selbst kaum konkret beschrieben. Thomas Kuhn, einer der bedeutendsten Wis-
senschaftstheoretiker des letzten Jahrhunderts, kennzeichnet dieses Phänomen
wie folgt: Wissenschaften, die sich über eine einzige „wahre“ Weltsicht identi-
fizieren, führen Studierende nicht in die genauen Definitionen ihrer Konzepte
und Theorien ein; deren Inhalt und Bedeutung wird vielmehr allein „durch
Beobachtung und Teilnahme an der Anwendung dieser Begriffe bei Problem-
lösungen“ vermittelt (Kuhn 1976, S.61).
„Wissenschaftler […] lernen Begriffe, Gesetze und Theorien niemals
in abstracto und an sich. Vielmehr begegnet man diesen geistigen
Werkzeugen von Anfang an innerhalb eines historisch und pädago-
gisch vorgegebenen Komplexes, der sie mit ihren Anwendungen und
durch diese darbietet.“ (ebd., S.60)
Was Kuhn am Beispiel der modernen Naturwissenschaften Mitte des letzten
Jahrhunderts beschreibt, lässt sich heute auf die ökonomischen Lehrbücher
übertragen: Kaum eine Studierende wird nach der Lektüre von Samuelson/
Nordhaus oder Mankiw genau sagen können, wie sie „den Markt“ denkt, welche
„Denkwerkzeuge“ sie hierfür in Gebrauch nimmt und mit welcher Begründung
sie dies tut. Gleichwohl wird sie dazu verleitet, durch immerwährende Wieder-
4 „Den ken wir an ei ne Studenti n, die ihr e wertvollste Res source vertei len muss – ihre Z eit.“
(Man kiw 2008 , 4); „ Oder denken wi r an die Elter n der Studenten, d ie über ihre Ver wendung
ihres Familienei nkommens entscheiden“ (ebd.)
25
Silja Grau pe
holungen, die die gleiche Art der Problemlösung in variierbarer Komplexität
erfordern, stets im Preis-Mengen-Diagramm zu denken und Gleichgewichts-
mengen und -preise zu bestimmen, unabhängig davon, um welche Aufgaben-
stellung es sich konkret handelt. Ob Fragen zu Eiscreme, Weizen, Öl, Benzin,
Miete, Lohn, Stahl, Aluminium, Bildung, Boden oder Kapital – stets geben die
Lehrbücher vor, sie mit Hilfe dieses Diagramms lösen zu können.5 Was hinge-
gen niemals in Frage steht, ist die Existenz der zugrunde liegenden funktiona-
len Zusammenhänge selbst. Ob „Angebotskurve“, „Nachfragekurve“, „Gleichge-
wichtspreis“: Studierende lernen, mit diesen „Denkwerkzeugen“ über alles in der
Welt nachzusinnen, ohne sie selbst zu reflektieren und das dahinter liegende
System von Denkregeln und Voraussetzungen in Frage stellen zu können.
Nochmals mit Kuhn gesprochen handelt es sich bei der ökonomischen
Lehrbuchwissenschaft damit um eine paradigmatische Wissenschaft , die die Re-
geln ihrer eigenen Erkenntnisweise nicht offenlegt und sie gerade deswegen
unter der Schwelle der bewussten Wahrnehmung als einzig mögliche zu verab-
solutieren und zu zementieren droht.
Die Kennzeichen paradigmatischer
ökonomischer Lehrbücher
Anhand von vier Punkten lässt sich der paradigmatische Zug der ökonomi-
schen Lehrbücher näher charakterisieren:
Erstens sind Lehrbücher wie die von Samuelson/Nordhaus und Mankiw
von einer nahezu vollkommenen Geschichtsvergessenheit geprägt. Ein kur-
zer Blick in die ideengeschichtlichen und historischen Ursprünge etwa des
Preis-Mengen-Diagramms genügt, um zu verstehen, dass es auf einer hoch-
gradig abstrakten, bewusst weltfremden, da an der reinen Mathematik orien-
tierten Theo rie – eben der neoklassischen – basiert, die zumal zur Zeit ihrer
Entstehung im ausgehenden 19.Jahrhundert stark umstritten war (vgl. etwa
Mirowski 1989). Doch an keiner Stelle finden sich bei Samuelson/Nordhaus
oder Mankiw Hinweise auf Primärquellen oder die entsprechende Fachlitera-
tur. Wenn diese Autoren überhaupt von Geschichte reden, dann nur in dem
Sinne, wie es Kuhn allgemein beschreibt, in Form gelegentlicher Hinweise auf
die „großen Helden eines früheren Zeitalters“ (Kuhn 1976, S.149):
5 Alle B eispiele sind e ntnommen aus M ankiw 20 08.
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Der ers tarrte Blic k
„Teils durch Auslese und teils durch Verzerrung werden die Wissen-
schaftler früherer Zeitalter ausdrücklich so dargestellt, als hätten
sie an der gleichen Reihe fixierter Probleme und in Übereinstim-
mung mit der gleichen Reihe fixierter Kanons gearbeitet.“
Auf diese Weise wird keine Geschichte des ökonomischen Denkens vermittelt,
die Studierende ermuntern könnte, die Art und Weise, wie die Lehrbücher ihr
Denken zu formen versuchen, aus historischer Perspektive in den Blick zu be-
kommen – geschweige denn die Vielfalt möglicher anderer Perspektiven.
Zweitens leiten die ökonomischen Lehrbücher nicht dazu an, sich mit
konkreten Phänomenen der Wirtschaft so auseinanderzusetzen, dass die ver-
mittelten Erkenntnisweisen an ihnen überprüft werden könnten. Wie bereits
erwähnt, konstruieren die Lehrbuchautoren zumeist lediglich Fallbeispiele, die
das Gesagte plausibel erscheinen lassen, aber letztlich reine Gedankenexperi-
mente darstellen. Selten hingegen versetzen sie die Studierenden in die Lage,
solche Experimente tatsächlich an empirischem Datenmaterial zu überprüfen.
Auch befähigen sie Studierende nicht, eigene widersprechende Erfahrungen als
Ausgangspunkt für ein kritisches Hinterfragen fruchtbar zu machen. Vielmehr
wird ihr kritischer Alltagsverstand systematisch geringgeschätzt. So vermit-
teln Samuelson und Nordhaus im Abschnitt über den „Marktmechanismus“
den Eindruck, die Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaft müssten jedem
untrainierten Geist als „überraschend“, „erstaunlich“ oder gar als „Wunder“
erscheinen, denn die Funktionsweise des Marktes sei ein „enormes Durch-
einander“ (vgl. SNb, S.56).
Drittens vertreten Samuelson/Nordhaus und Mankiw ein hochgradig ab-
straktes Wissenschaftsverständnis, ohne dessen inhärente Problematik offen-
zulegen. Bei Mankiw heißt es (MTb, S.23–24):
„Ökonomen bemühen sich, ihr Gebiet mit wissenschaftlicher Objek-
tivität zu behandeln. Sie betreiben die Erforschung der Volkswirt-
schaft in ziemlich derselben Weise, wie ein Physiker die Materie und
ein Biologe das Leben untersucht: Sie entwerfen Theorien, sammeln
Daten und versuchen dann aufgrund der Daten, ihre Theorien zu be-
stätigen oder zu verwerfen. […] Das Wesentliche einer Wissenschaft
ist jedoch die wissenschaftliche Methode – die leidenschaftslose
Entwicklung und Überprüfung von Theorien darüber, wie die Welt
funktioniert.“
27
Silja Grau pe
Tatsächlich erhebt die neoklassische Theorie den Anspruch, eine Wirtschafts-
wissenschaft nach dem Vorbild der exakten Naturwissenschaften zu sein. Wie
diese erklärt sie die reine Mathematik zu ihrem Vorbild: Es geht ihr gerade
nicht um eine immer genauere Beobachtung der Natur, sondern darum, ihre
Theorien zunächst in einem Reich rein abstrakten Denkens – eben der reinen
Mathematik – zu entwerfen, bevor sie diese in Bezug zur Wirklichkeit setzt.
Erkenntnis soll hier a priorisch, das heißt, unabhängig von aller menschlichen
Erfahrung konstruiert werden. Ob Nutzenmaximierung, Marktgleichgewicht
oder Preismechanismus: Ihnen allen liegt der Versuch zugrunde, abstrakte
Formeln der Physik auf die soziale Welt zu übertragen. Mit konkreten Beob-
achtungen wirtschaftlicher Phänomene hat ihre Entwicklung hingegen nichts
zu tun. Aber diesen wichtigen Punkt verschweigen die ökonomischen Lehrbü-
cher. Warum „Diagramme und Kurven […] als Werkzeuge für den Ökonomen
genauso wichtig wie Hammer und Säge für den Zimmermann“ sein sollen (vgl.
SNb, S.45), darüber sagen die Lehrbuchautoren nichts. Studierende sollen sich
diese abstrakten Werkzeuge aneignen und auf diese Weise „leidenschaftslos“
werden, ohne über deren hohen Abstraktionsgrad etwas zu erfahren oder ihn
gar begründen zu lernen.
Viertens lernen Studierende nur einen geringen Ausschnitt wissenschaftli-
cher Praktik. Bei Mankiw heißt es zwar (MTb, S.25):
„Die Kunst des wissenschaftlichen Denkens – ob in Physik, Biolo-
gie oder Nationalökonomie – besteht darin zu entscheiden, welche
Annahmen man trifft.“
Doch zugleich setzt er den Studierenden die Grundannahmen seiner eigenen
Wissenschaft als gegebene Regeln vor; eine Befähigung zu tatsächlicher Ent-
scheidung findet am Beginn aller wissenschaftlichen Arbeit nicht statt, im Ge-
genteil. Zudem wird der Prozess wissenschaftlichen Denkens auch von seinem
Ende her beschnitten, weil weder Samuelson/Nordhaus noch Mankiw ihre
Leser_innen lehren, die abstrakten Erkenntnisse ökonomischer Modelle sys-
tematisch an der Wirklichkeit zu überprüfen. Was so an Wissenschaftlichkeit
bleibt, ist lediglich jenes Diktum, das bereits der französische Begründer der
neoklassischen Theorie, Léon Walras, prägte: Die ökonomische Theorie wird
weder durch Beobachtung der Realität entwickelt noch an der Realität über-
prüft, sondern es werden lediglich die aus ihr gewonnenen Einsichten auf die
Welt angewendet (Walras 1969, S.70ff.).
28
Der ers tarrte Blic k
Das Gefahrenpotenzial
ökonomischer Lehrbücher
Entscheidend ist, dass sich jene Erkenntnisse, die Studierende aus ökonomi-
schen Lehrbüchern gewinnen, als zugleich vollständig weltfremd und hoch-
gradig praxiswirksam erweisen können. Der Wirtschaftsnobelpreisträger
Friedrich A. Hayek schreibt (Hayek 1980, S.100):
„Die Macht abstrakter Ideen beruht in hohem Maße auf eben der Tat-
sache, dass sie nicht bewusst als Theorien aufgefasst, sondern von den
meisten Menschen als unmittelbar einleuchtende Wahrheiten ange-
sehen werden, die als stillschweigend angenommene Voraussetzun-
gen fungieren.“
Stellen Sie sich vor, Sie laufen im Dunkeln eine Straße entlang und entdecken
auf ihr einen langen, dünnen Gegenstand. Sie erkennen ihn unwillkürlich als
„Schlange“ und rennen weg. Bei genauerem Hinsehen hätten Sie erkennen kön-
nen, dass es sich um ein harmloses Seil handelte. Doch hierzu kam es nicht,
weil Ihre erste Vorstellung, obwohl faktisch falsch, Sie bereits zu einem kon-
kreten Handeln veranlasst hatte. In der Folge werden Sie Ihr Bild von dem Ge-
genstand ebenso wenig verändern können wie Ihre Reaktion auf dieses Bild.
Hayeks Zitat macht darauf aufmerksam, dass es uns in Fragen der Wirt-
schaft ähnlich ergehen kann: Vermögen die ökonomischen Lehrbücher erst
einmal feste Vorstellungen über den Menschen, über Gemeinschaften und
über die Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen im Bewusstsein zu veran-
kern, so können diese handlungsleitende Kraft ausüben – unabhängig davon,
ob sie nun stimmen oder nicht. Zugleich wird deutlich, dass damit eine enorme
Machtausübung verbunden sein kann. Denn wer Bilder über die Wirtschaft in
den Köpfen von Millionen von Studierenden verankern kann – „to influence
minds“, wie Samuelson es explizit nennt – vermag darüber auch indirekt deren
je individuelle und gesamtgesellschaftliche Handlungsspielräume zu beeinf lus-
sen. Ökonom_innen, so stellte die New York Times bereits 1995 fest, „ergreifen
immer mehr die Chance, den Geist [mind] der nächsten Generation politischer
Führer, Geschäftsführer, Meinungsführer und anderer Mitglieder der […] Elite
zu prägen [to mold]“ (Nasar 1995). Leser_innen sollten sich dieses Potenzials
stets bewusst sein, wenn sie Lehrbücher wie die von Samuelson/Nordhaus und
Mankiw in die Hand nehmen. Mankiw selbst jedenfalls wittert die Chance,
Menschen durch seine Lehrbücher zu „besseren Staatsbürgern“ zu machen
29
Silja Grau pe
(MTa, S.VIII). Oder: „Wie der große Paul Samuelson es formulierte: ‚Solange
ich volkswirtschaftliche Lehrbücher schreiben kann, kümmere ich mich nicht
sehr darum, wer die Gesetze eines Landes schreibt oder die Staatsverträge aus-
arbeitet.‘“ (ebd.).
Literatur
Becker, G.S. (19 90): The Economic Approach to Human Behavior, Chicago:
Chicago University Press.
Graupe, S. (2013): Verstehen und Verstän digung aus
wirtschaswissenschalicher Sicht. In: Hamid R. Yousefi und Klaus
Fischer (Hrsg.): Verstehen und Verständigung in einer veränderten Welt,
Wiesbaden: Springer VS, S.117–125.
Graupe, S. (2015): Ökonomische Bildung. In: Michael Spieker (Hrsg.):
Ökonomische Bildung – Zwisch en Pluralismus und Lobbyismus, Tutzinger
Schrien zur Politischen Bildung, Band 8, Schwalbach: Wochenschau
Verlag, S.43–68 .
Hayek, F.A. (1980): Recht, Ges etzgebung und Freiheit, Band 1, Landsberg
am Lech: Verlag moderne Industrie.
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isipe.net /open-letter/ (Zugri: 16. Mai 2016).
Kuhn, T.S. (1996): The Structure of S cientific Revolutions, Chicago:
Chicago University Press.
Nasar, S. (1995): A Hard Act to Follow?, New York Times, 14.03.1995, ht tp://
www.nytimes.com/1995/03/14/business/a-hard-act-to-followhere-goes.
html?src= pm (Zugri: 16. Mai 2016).
Skousen, M. (1997): The Perseverance of Paul S amuelson’s Economics. In:
Journal of Economic Perspe ctives 11, Nr. 2, S. 137-152.
Smith, L.M. (2001): Samuelson’s Economics through Fiy Years,
Discussion Paper Nr. 01.09, Massey University, Depar tment of Applied and
International Economics.
Walras, L. (1969): Elements of Pure Economic s, London: Routledge.
Wigstrom, C.W. (2010): A Survey of Undergraduate Economics
Programmes in the UK, https://ineteconomics.org/uploads/downloads/
existing _undergrad_econ_curriculum_UK.pdf (Zugri: 16. Mai 2016).
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
Chapter
Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Alle Ökonom_innen, wie auch die spät auf den Feminismus gekommene Ökonomin Christel Neusüß, müssten von sich sagen können, dass sie mit einem »inzwischen feministisch geschulten Blick« (Neusüß 1990) an die Sache herangehen. Dies setzt eine bewusste Veränderung des Disziplinenverständnisses der Ökonomik voraus, das von einem ansatzzentrierten Verständnis (zur Einordnung Backhouse und Medema 2009a, 2009bwie vertreten von Becker 1982) abrücken und eine Orientierung am Gegenstand (Graupe 2016;vgl. Dobusch und Kapeller 2012), am Ganzen des Wirtschaftens (Biesecker 2000) verfolgen muss. ...
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Einverleiben und Externalisieren Zur Innen-Außen-Beziehung der kapitalistischen Produktionsweise Die kapitalistische Produktionsweise ist abhängig von einem Außen, das sie über das Hineinholen von Ressourcen und Auslagern von Kosten in Anspruch nimmt. Anna Saave unternimmt eine theoretisch versierte und elaborierte Analyse der komplexen Externalisierungs- und Einverleibungsprozesse des Kapitalismus. Sie leistet einen anspruchsvollen Beitrag zu einer kritischen Analyse kapitalistischer Dynamiken samt der in Dienst genommenen, unsichtbar gemachten konstitutiven Außenbereiche und verdeutlicht, dass der Kapitalismus nur als big picture in den Blick genommen werden kann. Die Diskussion bietet anschlussfähige Impulse für feministische, ökologische und andere soziale Politiken.
... Hier drohen nicht nur ein bestimmtes Wissen, sondern auch bestimmte Haltungen wie selbstverständlich von einer Generation zur nächsten stillschweigend weitergegeben zu werden, ohne dass hierüber ein expliziter Diskurs stattfinden würde (vgl. Graupe 2016). ...
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Der Beitrag rekonstruiert die verborgenen Selbstbilder, die in Hauptwerken und Lehrbüchern der Ökonomik seit den 1870er-Jahren enthalten sind. Die Autorin analysiert die sprachlichen Selbstbeschreibungen ökonomischer Ansätze: welche Ziele setzen sie sich, für welche Personen wird die Theorie formuliert und nach welchen Kriterien wird dabei vorgegangen? Die Analyse verdeutlicht, wie weit sie sich die Lehrbuchökonomie heute von dem ursprünglichen Anspruch der Politischen Ökonomie als einer praktischen und moralischen Wissenschaft entfernt hat.
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Die Einführung informiert über die Intention des Buches: einen Aspekt des wirtschaftenden Menschen in den Vordergrund zu stellen, der in der zeitgemäßen Ökonomik wenig untersucht wird – nämlich seine Fähigkeit Bilder wahrzunehmen, zu deuten, zu produzieren und zu teilen und darauf seine sozialen Wahrnehmungen und sein soziales Handeln zu begründen. Genau dieser Aspekt ist bei Adam Smith in der Theory of Moral Sentiments zu finden, wurde in der Geschichte der ökonomischen Theorie bald vergessen, in der Neoklassik geleugnet und bleibt im Wissenskonzept von Hayek nur einer selbst ernannten Elite von original thinkers vorbehalten.
Article
A reflection of the economics profession through Paul Samuelson's Economics. Samuelson offers an uneasy mix of laissez faire in micro and government interventionism in macro. In earlier editions, Keynesian thinking dominated, with an antisaving, progovernment bias and a need for an activist fiscal policy aimed at alleviating unpredictable chronic business cycles under private enterprise. Middle editions had chapters on the Soviet Union and China, rather than Japan and West Germany. Recently, Samuelson and coauthor William Nordhaus have gradually shifted from antithrift to prosavings policies, from deficit spending to fiscal restraint, and from fiscal policy to monetary policy as effective countercyclical tools. Copyright 1997 by American Economic Association.
  • S Graupe
Graupe, S. (2015): Ökonomische Bildung. In: Michael Spieker (Hrsg.): Ökonomische Bildung -Zwischen Pluralismus und Lobbyismus, Tutzinger Schriten zur Politischen Bildung, Band 8, Schwalbach: Wochenschau Verlag, S. 43-68.
A Survey of Undergraduate Economics Programmes in the UK
  • L -Walras
-Walras, L. (1969): Elements of Pure Economics, London: Routledge. -Wigstrom, C.W. (2010): A Survey of Undergraduate Economics Programmes in the UK, https://ineteconomics.org/uploads/downloads/ existing_undergrad_econ_curriculum_UK.pdf (Zugrif: 16. Mai 2016).