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Zusammenhang zwischen Aspekten der Achtsamkeit und Übergewicht (Bachelorarbeit, FH Münster)

Authors:

Abstract and Figures

Übergewicht ist ein zunehmendes Problem in der Gesellschaft. Zur Behebung der weltweiten pandemieartigen Zustände von Übergewicht in der Bevölkerung wurde ein ganzheitlicher Ansatz vorgeschlagen, welcher die neuesten Erkenntnisse aus der Literatur berücksichtigt. Zur Verifizierung sollte mithilfe einer Befragung gezeigt werden, dass durch steigende Unzufriedenheit und Anspannung bezüglich der eigenen Ernährungssituation auch das eigene Körpergewicht ansteigt. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Übergewicht somatische Probleme bedingt, jedoch in psychologischem Fehlverhalten wurzelt. Der Verarbeitung von Stress im zentralen Nervensystem (ZNS) kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Zur weiteren Vertiefung sind neue Studienergebnisse notwendig, welche analog zur Psyche des Menschen auch die biochemischen Parameter im Körper messen. Deutsche Ernährungsinstitute haben konkret die Aufgabe zur öffentlichen Kommunikation solcher Ergebnisse in der Bevölkerung. Durch die weitere Erschließung des Themengebietes Achtsamkeit und Übergewicht in der Ernährungspsychologie könnte ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung von Übergewicht geleistet werden.
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Zusammenhang zwischen As-
pekten der Achtsamkeit und
Übergewicht
Bachelorarbeit
vorgelegt
dem Prüfungsausschuss des Studienganges Oecotrophologie
an der Fachhochschule Münster
von
Tristan Nolting
Matrikel-Nr. 918229
Referent: Prof. Dr. phil. Michael Krämer
Korreferent: Prof. Dr. phil. Stefan Krings
Juni, 2020.
2
Vorwort
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ein Thema für meine Bachelorarbeit wählen
konnte, welches mich schon lange beschäftigt. Seitdem ich eine Leidenschaft
für die Themen Ernährung und Sport entwickelt habe, hat mich schon immer
die Grundmotivation hinter diesen beiden Aspekten fasziniert. Seit meinem
Studium habe ich mich dann zunehmend für den Bereich der Ernährungspsy-
chologie interessiert und durch eigenständige Literaturrecherche auch darauf
spezialisiert. Nach jahrelanger Vertiefung durfte ich nun mein Wissen in einer
wissenschaftlichen Arbeit präsentieren.
Ich danke allen Menschen, die diese Arbeit ermöglicht haben. Dazu zählen
meine Freunde und Familie, die mich unterstützt haben, aber auch die Teil-
nehmer meiner Umfrage, ohne die ich meine Ergebnisse nicht hätte belegen
können. Somit ist diese Arbeit nicht nur der wissenschaftlichen Erkenntnis und
der weiteren Forschung im Bereich von ernährungspsychologischen Zusam-
menhängen gewidmet, sondern auch den Menschen, die etwas über sich
selbst lernen wollen.
Ich hoffe darauf, dass diese Ergebnisse beachtet werden und zu einem inter-
disziplinären Konsens anregen. Zudem hoffe ich, dass sich verschiedene Medi-
zinkunden aneinander annähern und so ihre Perspektive und ihre Erkenntnisse
miteinander teilen, damit ein modernes und ganzheitliches Verständnis für die
Gesundheit entwickelt wird. Dies könnte dazu führen, dass die Erkrankungen
weltweit immens reduziert werden und ein neues Wohlbefinden für die Bevöl-
kerung geschaffen wird.
Ich wünsche viele Erkenntnisse und ein umfassendes Verständnis beim Lesen
dieser Arbeit.
Tristan Nolting.
3
Inhaltsverzeichnis
2. Vorwort 2
3. Gliederung (Inhaltsverzeichnis) 3
4. Einleitung 4
5. Hauptteil: 12
Theorie 12
Hypothesen 27
Methode 30
Ergebnisse 31
Diskussion 42
Kommunikation 44
6. Zusammenfassung 49
7. Anhang 50
Verzeichnis der Abkürzungen 50
Verzeichnis der Tabellen 50
Verzeichnis der Abbildungen 50
Fragebogen 51
8. Literaturverzeichnis 55
4
Einleitung
Das Ziel meiner Bachelorarbeit ist einen Zusammenhang zwischen zwei aktuel-
len Themen herzustellen, die mich schon seit einigen Jahren begleiten: Zum
einen sollen die Aspekte der Achtsamkeit vorgestellt werden, zum anderen der
aktuelle Kenntnisstand zum Übergewicht - beides soll anschließend nach der
Definition in Beziehung gesetzt werden. Ich habe bewusst dieses Thema aus-
gewählt, denn beide Faktoren sind für mich schon immer eng miteinander ver-
woben gewesen und sollen daher in dieser Arbeit verknüpft werden. Ich durfte
in meinem Leben schon selbst die Erfahrung machen, dass in den Phasen mei-
nes Lebens, in denen ich subjektiv gestresster, unausgeglichener und erschöpf-
ter war, mein Konsum an Süßigkeiten, aber auch an kompensatorischem Sport
anstieg. Da ich mich Zeit meines Lebens immer mit meinen Gedanken und Ge-
fühlen, als Auslöser meines erhöhten Nahrungsmittelkonsums, auseinanderge-
setzt und Sport gemacht habe, bin ich stets von Übergewicht verschont ge-
blieben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die ähnliche
Erfahrungen mit Stress in ihrem Leben machen, aber nicht die Zeit oder das
Wissen haben, um Tendenzen zu Übergewicht durch Achtsamkeitsübungen
oder Sport zu kompensieren.
So habe ich bei mir selbst erkannt, was mein mentale Verfassung, man könnte
es auch als Geist oder Psyche bezeichnen, für Auswirkungen auf den Körper
hat. Damit wurde mir das Spannungsfeld zwischen Körper und Geist bewusst.
In vielen wissenschaftlichen Forschungen und Kliniken wird der Geist immer
noch als Grund für somatische Erkrankungen ausgeklammert und stattdessen
werden Erkrankungen als vollkommen somatisch angesehen oder aber als voll-
kommen psychisch, sodass aufgrund vieler Faktoren diese einseitigen Thera-
piemethoden fortgesetzt werden.
1
Nach meinen ersten Erfahrungen auf dem
Gebiet der Achtsamkeitsforschung anhand meiner eigenen Psyche, begann ich
mich schnell in das Themengebiet der Psychosomatik einzulesen. Dort fand ich
die Erklärung, dass Körper und Geist Jahrtausende lang in verschiedensten
Kulturen als natürliche Verbindung angesehen wurden. Meine Motivation er-
wächst somit sowohl aus dem Wissen der alten Kulturen und Traditionen, als
auch aus dem wissenschaftlichen Fortschritt, den ich mit dieser Arbeit unter-
stützen möchte. Das Gebiet der Psychosomatik, aber auch der Schulmedizin,
ist heute wissenschaftlich strenger, vielfältiger und therapeutisch relevanter als
je zuvor.
2
Die Wissenschaft, welche ursprünglich aus der Philosophie entwachsen ist, hat
sich der Aufgabe der Wahrheitssuche verschrieben.
3
Aus diesem Grund ist es
die Aufgabe jedes Wissenschaftlers neue Forschungsgebiete zu betreten, Pa-
rallelen zu ziehen und neue Metaphern zu finden, um Erklärungsansätze für
nicht lösbare Probleme zu bieten. Eines dieser solchen Probleme ist das immer
5
weiter steigende Übergewicht in unserer Gesellschaft und die damit verbunde-
ne Anfälligkeit für Krankheiten.
Meine Bachelorthesis befasst sich damit, die Aspekte der Achtsamkeit auf das
Übergewicht zu übertragen und so eine eindeutige Verbindung herzustellen,
welche dann öffentlich durch Ernährungsinstitute kommuniziert werden sollen.
Denn, wenn Ernährungskonzepte allein weiterhin als präventiv schützend gel-
ten und nicht die Psyche, welche überhaupt erst dafür verantwortlich ist, dass
ein Bedürfnis nach bestimmten Lebensmitteln besteht, dann haben überge-
wichtige Menschen möglicherweise ein Gefühl von Machtlosigkeit gegenüber
ihrem eigenen Körper. Zahlreiche Versuche zeigen, dass Menschen scheitern,
die eine neue Diät ausprobieren und versuchen Gewicht zu reduzieren ohne
dabei die eigene Psyche zu beachten.
4
,
5
So erging es auch mir, als ich nicht das
nötige Wissen hatte, dass der übermäßige Konsum an Nahrungsmitteln nur
eine Folge meines Stressempfindens ist. Dieses Problem kann jedoch durch
Herausstellen der Forschungsergebnisse diverser Arbeiten zu diesem Thema
und der öffentlichen und sachlichen Kommunikation über dieses Problem ge-
löst werden. Hierfür nutze ich PubMed, die Meta-Datenbank medizinischer
Facharbeiten, sodass der aktuelle Forschungsstand wahrheitsgetreu herausge-
stellt werden kann.
Dieses Forschungsgebiet ist noch nicht ausreichend bekannt. Wie bereits er-
wähnt, liefert nicht nur die Psychosomatik, welche als ganzheitliche Betrach-
tungsweise von Krankheiten in der Medizin gilt, einen Erklärungsansatz für
meine These, sondern auch in schulmedizinischen Studien wurden diverse Er-
klärungsmodelle vorgestellt.
6
Nun folgend möchte ich einen Einblick geben,
welche Erwartungen ich an diese Arbeit stelle und welches Ergebnis sich am
Ende herausstellen kann. Dabei versuche ich nicht mit einer vorgeplanten The-
se an meine Arbeit heranzugehen, sondern versuche ergebnisoffen zu arbei-
ten. Im Sinne der Wissenschaftstheorie verpflichte ich mich somit der Objektivi-
tät zur Realisierung einer repräsentativen Theorie, mit der weitere Forschung
betrieben werden kann.
7
Zudem sei auch die, von dem britischen Wissenschaftsphilosophen Karl Pop-
per, aus der Wissenschaftstheorie entwickelte Annahme, dass wir Theorien nur
falsifizieren, nicht verifizieren können, erwähnt (Falsifikationismus, vgl. Popper,
2018, S. 23)
8
. In diesem Sinne versuche ich einen gewissen Rahmen um meine
Theorie zu fassen, der dann weiter spezifiziert wird. Wir können laut Popper
zwar die Wahrheit nie eindeutig definieren, denn Objekte sind unserer subjek-
tiven Auffassung unterworfen, aber wir nnen uns ihnen durch unsere empiri-
schen Methoden annähern. Somit ist jede wissenschaftliche Arbeit, wie auch
meine, dafür da, um diskutiert und widerlegt zu werden. So entsteht schließlich
ein wissenschaftlicher Konsens.
6
Ich schätze, dass sich ein Zusammenhang zwischen dem Einfluss der Achtsam-
keit auf das Übergewicht durch den Aspekt von mentalem Stress herstellen
lässt und sich meine Arbeitshypothesen somit bestätigen lassen werden. Ich
denke nicht, dass jeder Mensch, der normalgewichtig ist, Achtsamkeitstechni-
ken praktizieren wird, um Stress zu verringern und Übergewicht vorzubeugen,
allerdings wird eine gewisse Grundhaltung bei Normalgewichtigen zu finden
sein, die sich z.B. in Bezug auf die Nahrungsmittelauswahl, Dauer, Genuss und
allgemeine Zufriedenheit von Übergewichtigen unterscheiden wird. Diese und
weitere Faktoren werden genauer in einer repräsentativen Umfrage herausge-
stellt werden, sodass sich am Ende meine drei Arbeitshypothesen überprüfen
lassen. An dieser Stelle werden sie schon einmal aufgeführt. In der Theorie (S.
12) werde ich aufzeigen, inwiefern aktuelle Studienergebnisse meine Arbeits-
hypothesen unterstützen oder widerlegen.
Arbeitshypothesen
1. Je subjektiv zufriedener Menschen mit ihrer Ernährung sind, desto geringer
ist das Risiko für Übergewicht.
2. Menschen, die über sich aussagen, dass sie ihre Ernährung in Ruhe praktizie-
ren, sind tendenziell normalgewichtig.
3. Werden Achtsamkeitstechniken bewusst praktiziert, weisen Menschen eine
höhere Zufriedenheit über ihre Ernährung auf.
Inwiefern diese Arbeitshypothesen generell auf die Bevölkerung zu übertragen
sind, bleibt zu überprüfen. Hierfür sollten weitere Belege gesammelt werden.
Häufig findet sich in Forschungsarbeiten ein Zusammenhang zwischen Aspek-
ten der Achtsamkeit, wie der Zufriedenheit, innerer Ruhe und Widerstandsfä-
higkeit gegenüber Stress, sowie den Verhaltensweisen zur Stärkung der Acht-
samkeit bei Übergewicht. Wie ich herausstellen werde, gibt es für diese Hypo-
thesen jedoch auch Ausnahmen. Damit halten die Arbeitshypothesen nicht
dem wissenschaftlichen Standard der Kausalität (der Ursache-
Wirkungsbeziehung) stand, sondern lediglich dem der Korrelation (wechselsei-
tige Beziehung). Vergleichbar ist die Kausalität mit dem physikalischen Konzept
der Schwerkraft. Diese Kraft ist für den Menschen überall und zu jederzeit em-
pirisch auf dem Planeten Erde erfahrbar. Durch ihre uneingeschränkte Gültig-
keit entsteht messbar immer dieselbe Wirkung - wird ein Apfel losgelassen, so
fällt er auf die Erde. Er wird nicht entgegen der Erwartung in Richtung des
Himmels schweben. Dies wäre ein rein philosophisches Konzept, welches für
die messbare Empirie unzugänglich ist und somit keine Relevanz hat.
9
7
Da auch die Psyche messbaren Faktoren unterworfen ist, sst sie sich mit der
Empirie überprüfen. Allerdings sind die Auswirkungen der Psyche des Men-
schen wesentlich komplexer, variabler und damit gleichzeitig beeinflussbarer,
als erfahrbare physikalische Gesetzmäßigkeiten. Es gibt Grundprinzipien, die in
der Psychologie erkannt wurden, ähnlich wie in der Physik, die eine universelle
Gültigkeit aufweisen. Eines dieser Grundprinzipen der Psyche ist, dass sie ein-
deutig durch Faktoren wie Stress gestört wird und dadurch aus der Homöosta-
se (Gleichgewicht) ins Ungleichgewicht findet. Der Mensch kann die Schwer-
kraft jedoch nicht ins Ungleichgewicht bringen, ohne die kausalen Folgen zu
spüren. Somit ist er dieser Gesetzmäßigkeit unterworfen.
10
Der Unterschied
liegt also in den Auswirkungen dieser Grundprinzipien: Eine erhöhte Stresswir-
kung kann auch erst nach längerem Einwirken zu Schäden führen und kann
durch verschiedene Gründe gestört werden. Durch die Beeinflussung der Psy-
che eines Menschen entstehen dann diverse Möglichkeiten, wie der Mensch
auf den Stressreiz reagiert und welche langfristigen körperlichen Symptome
entstehen. Das Konzept der Psyche ist somit kein starres System, wie etwa das
physikalische Konzept der Schwerkraft, sondern eins mit messbaren Variablen.
Diese Variablen sorgen wiederum dafür, dass Stress in Korrelation zur psycho-
logischen Verfassung des Menschen gesetzt werden muss. Dies zeigt sich auch
in den Möglichkeiten zur Manipulation der Psyche.
11
Die folgende Grafik von
George M. Slavich veranschaulicht die Anzahl an Krankheitsfeldern sehr deut-
lich, welche durch die Psyche beeinflusst werden (vgl. George M. Slavich,
2016, S. 346-355).
12
Somit ist sehr schwer vorhersehbar, wie die Psyche des
Menschen auf einen Stressreiz reagiert, ob mental oder doch körperlich (soma-
tisch).
13
,
14
Abbildung 1: Mögliche Entwicklungen von Krankheiten durch Stress (Quelle:
Slavich, 2016, S. 346-355).10
8
Dabei spielt die Interpretation des Stressreizes eine zentrale Rolle. Je nach-
dem, ob der Stress als positiv oder negativ interpretiert wird und ob der
Mensch mit der Herausforderung des Stressreizes zurecht kommt oder nicht
genügend angepasst ist, wirkt sich der Stress unterschiedlich auf biochemi-
scher Ebene aus. Nicht jeder Stress ist automatisch negativ. Wenn der Körper
Stress toleriert und ihn verwendet, um Lethargie zu überwinden oder die Leis-
tung zu verbessern, ist der Stress gesund und fördernd. Hans Selye, einer der
Pioniere der modernen Stressforschung, nannte diese Form Eustress. Stress ist
positiv, wenn er uns zwingt, uns anzupassen und damit die Stärke unserer An-
passungsmechanismen zu erhöhen. Wiederum wird Distress als negativer
Stress verstanden, weil er unsere Fähigkeit zur Bewältigung des Stresses über-
steigt, Körpersysteme ermüdet, mentale oder körperliche Probleme verursacht,
welche dann zur Überreaktion, Verwirrung, Konzentrationsschwäche und Leis-
tungsangst führt und normalerweise zu einer unterdurchschnittlichen Leistung
(vgl. Hans Selye, 1975, S. 9-13).
15
Die folgende Grafik in der Literaturrecherche
von Mohd Salleh (2008) veranschaulicht dies.
Abbildung 2: Je mehr Stress ein Individuum empfindet und je nachdem, wie
dieser Stress interpretiert wird, wirkt er sich auf die Gesundheit und körperliche
Leistungsfähigkeit aus (Quelle: Salleh, 2008. S. 9-18).12
Eine Möglichkeit zur Erklärung der heterogenen Auswirkung von Stress bietet
die ganzheitliche Medizin der Psychosomatik. Nach dem Ansatz von Rüdiger
Dahlke und Thorwald Detlefsen, versucht die Psychosomatik als Medizinkunde,
die Körper und Geist als abhängig voneinander betrachtet, die Probleme der
Schulmedizin durch eine ganzheitliche Erklärung zu vervollständigen.
16
Proble-
me der Schulmedizin seien die Unterdrückung und Verschiebung der körperli-
chen Symptome durch Medikamente ohne Ursachenbehebung, diverse Ne-
benwirkungen durch Eingreifen in körperliche Regelkreisläufe ohne Gewährleis-
tung langfristiger Sicherheit und Nutzen, immer weiter steigende Krankheits-
zahlen und -kosten sowie vieles mehr. Insbesondere ist eben hierbei darauf
hinzuweisen, dass die Anzahl an Erkrankungen in Deutschland laut des Statisti-
9
schen Bundesamtes (Destatis) jedes Jahr weiter zunehmen.
17
Die Psychosoma-
tik bietet neben der herkömmlichen Schulmedizin eine mögliche Alternative,
welche jene Probleme beheben könnte. Zum Verständnis dieser Disziplin sollen
an dieser Stelle zwei Definitionen aufgeführt werden.
Der italienische Psychater Giovanni Andrea Fava definiert die Psychosomatik
als interdisziplinären Rahmen für die Bewertung von psychologischen Faktoren,
die die individuelle Anfälligkeit sowie den Verlauf und das Ergebnis einer
Krankheit beeinflussen (Fava, 2010, S. 999-1001).
18
Damit sieht der Forscher für
klinische Psychologie an der Universität in Bologna die Psychosomatik eben-
falls als eine ganzheitliche, die Schulmedizin erweiternde Medizin, sodass alle
als rein somatisch aufgefassten Erkrankungen durch die psychologische Kom-
ponente erweitert werden.
Die zweite Definition für die Psychosomatik, die ich anführen chte, stammt
von Axel Schweighardt: „Psychosomatik bedeutet, dass Körper und Seele zwei
untrennbar miteinander verbundene Aspekte des Menschen sind, die nur aus
methodischen Gründen oder zum besseren Verständnis unterschieden wer-
den.(vgl. Schweickhardt, 2005 S. 5 und 7)
19
Nach diesen Definitionen zum Thema Psychosomatik könnte die Conclusio nun
lauten, dass Krankheiten, die bisher unerklärlich erschienen, da die Anzahl an
Patienten trotz schulmedizinischen Fortschritts steigt, durch eine non-
dualistische Auffassung von Körper und Geist erklärt werden und so in ihrer
Ursache behandelt werden sollten. Hierfür ist Forschung notwendig, die als
Therapieform eine Ursachenbehandlung anstrebt. Dies könnte beispielsweise
die Neuinterpretation des als negativ empfundenen Stresses (Distress) als posi-
tiven Stress (Eustress) umfassen. Eine andere Möglichkeit besteht in der Be-
handlung mit Achtsamkeitstechniken zur eigenen Entspannung. In der Theorie
meiner Bachelorarbeit werde ich genauer auf Studienergebnisse eingehen,
welche die Verbesserung der Achtsamkeit beim Menschen fokussieren.
Da Übergewicht inzwischen von einigen Forschern als pandemieartige Erkran-
kung angesehen wird, müssen neue Behandlungsmethoden zur Verringerung
jener Erkrankung entwickelt und effizienter gemacht werden.
20
Achtsamkeits-
techniken könnten aus psychosomatischer und schulmedizinischer Sicht einen
wichtigen Beitrag zur Behandlung beitragen. Wenn die Erkrankung als psycho-
logisches Problem mit körperlichen Folgen verstanden wird, birgt die Präventi-
on mit Entspannungstechniken und Therapie von negativem Stress eine reale
Chance für die Verringerung von Übergewicht.
Durch verschiedene Modelle, darunter die Selfish-Brain-Theorie von Achim Pe-
ters, die Resilienz-Theorie (psychologische Widerstandsfähigkeit) von Jack
10
Block und die Eustress-Distress-Theorie von Hans Selye, wird diese Arbeit ei-
nen umfangreichen Einblick in den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und
Übergewicht geben. Hierfür ist interdisziplinäres Denken notwendig, denn erst,
wenn verstanden wird, dass die Psychologie des Menschen analog auch in der
Biochemie nachvollziehbar ist, kann eine holistische (ganzheitliche) Sicht auf die
Ursache von Erkrankungen, speziell des Übergewichts, gegeben werden. Da
mit herkömmlichen schulmedizinischen Methoden der letzten Jahrzehnte keine
Besserung des Problems geschaffen wurde, ist dieser Ansatz als erforderlich zu
bewerten. Das dualistische Problem der Medizin, wie der Psychologe Mathew
H. Gendle von der Universität Elon in North Carolina (U.S.A.) es nennt, also die
Trennung von Physischem und Mentalem, hat sich jedoch auch für Patienten
(bei Erkrankungen wie z.B. Hirnstörungen) als schädlich erwiesen. Dies läge laut
Gendle an der Konzeptionalisierung von Verhaltensstörungen, die auf dem
Dualismus beruhen, denn sie leugnen den Vorrang der individuellen Physiolo-
gie (den homöostatischen Lebensvorgängem im Körper des Menschen), er-
zeugen so pathologische (krankhafte) Zustände und lenken von Therapien ab,
die am wahrscheinlichsten zu positiven Ergebnissen führen (vgl. Gendle, 2016,
S.141-151).
21
Das Wechselspiel zwischen Pathologie und Physiologie könnte
durch eine non-dualistische Therapie wieder in Einklang gebracht werden.
Wie könnte eine solche non-dualistische Therapie aussehen? Durch die fol-
genden Erklärungen über das dopaminerge und serotonerge System wird die
Autoregulation des zentralen Nervensystems (ZNS) im menschlichen Körper
durch die Psyche deutlich. Nur wenn der Mensch sich Gewohnheiten aufbaut,
die dem eigenen psychologischen Wohlergehen dienen, kann auch die Physio-
logie aufrechterhalten werden. Die Physiologie ist abhängig von dem zentralen
Nervensystem (ZNS) und der Verarbeitung von Stress. Stress kann im Übermaß
zur Sympathikotonie führen, einem Ungleichgewicht zwischen den beiden an-
tagonistischen Zellschaltern des ZNS, dem Sympathikus und dem Parasympa-
thikus. Dadurch, dass das Gleichgewicht zwischen den serotonergen Effekten,
welche durch den Parasympathikus vermittelt werden, und den dopaminergen
und adrenergen Effekten, welche durch den Sympathikus vermittelt werden,
aufrechterhalten werden, können pathologische Zustände verhindert werden.
Sobald ein Ungleichgewicht zwischen antagonistischen Zellschaltern durch die
Psyche provoziert wird, beispielsweise durch Stress, können Erkrankungen ent-
stehen. Eine non-dualistische Therapie könnte die Aufgabe haben, die richti-
gen Bedingungen zu schaffen, damit die Heilung von verschiedenen Erkran-
kungen durch das ZNS geschehen kann. Damit würde die Grundprämisse der
Psychosomatik gestützt, welche sich darauf bezieht, dass die Bedingungen der
körperlichen Nahrungsmittelaufnahme an die Psyche geknüpft sind. Ein ent-
spanntes und psychologisches Wohlergehen könnte langfristig die Zufrieden-
heit stärken und präventiv vor Übergewicht stärken.
11
Speziell eine gesunde, zufriedene Einstellung und Ruhe könnten durch die Ak-
tivierung des Parasympathikus dazu beitragen, die schädlichen Effekte der
Sympathikotonie (Überaktivierung des sympathischen Nervensystems) zu puf-
fern. Übergewicht könnte als eine Folge der Sympathikotonie verstanden wer-
den, bei welcher Stress durch Nahrungsmittelbelohnungen kompensiert wird.
Auch Achtsamkeitstechniken könnten eine solche kompensatorische Maßnah-
me zur Verringerung darstellen. Hierfür ist weitere Forschung notwendig.
Abschließend soll in dieser Arbeit nach der Theorie und Methode ein kurzer
Leitfaden aufgeführt werden, welcher zur verbesserten Kommunikation zwi-
schen Politik, Wissenschaft und Bevölkerung in diesem Forschungsgebiet die-
nen soll. Wenn die wichtigsten Ernährungsinstitute in Deutschland, wie die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) und das Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sich auf eine mediale Präsentation und
Verbreitung von Forschungsergebnissen des Themas Achtsamkeit und Über-
gewicht konzentrieren, könnte dies für eine neue Chance zur Verringerung der
pandemierartigen Verbreitung von Übergewicht in Deutschland und weltweit
sorgen.
12
Hauptteil:
Theorie
Welche Relevanz hat das Thema Zusammenhang zwischen Aspekten der Acht-
samkeit und Übergewicht in wissenschaftlicher Forschung? Hierzu wird zuerst
eine Definition zu Übergewicht gegeben und besprochen, welche Daten es zur
allgemeinen Bevölkerung gibt, etwa wer Risikopatient ist, aber auch wie zurzeit
mit bekannten Methoden versucht wird, Übergewicht zu verringern.
Laut den bekannten physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Thermodynamik
kann ein System nicht mehr Energie aufnehmen, als es verbraucht, außer, es
kann die Energie speichern. Diese vereinfachte Darstellung hilft dabei, zu ver-
stehen, wie es zu einer vermehrten Fetteinlagerung kommen kann: Überschüs-
sige Energie wird im Körper in Form von Triglyceriden (Fettsäuren) als sichtba-
res Fett gespeichert, welches unter anderem als Energiespeicher, Wärme und
Polster dient. Ein zu hoher Anteil an Triglyceriden im Körper äußert sich durch
ein erhöhtes Gewicht, welches dann sowohl Folgen auf biochemischer, aber
auch auf wahrnehmbarer Ebene bewirkt.
22
Ein zu hohes Gewicht in Form von
Körperfett, verursacht durch eine vermehrte Einlagerung von Triglyceriden im
Körper - so lautet auch eine aktuelle Definition für Übergewicht.
Übergewicht wird von der Deutschen Adipositas Gesellschaft e.V. (DAG) als
über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts definiert
(vgl. DAG, 2020, online).
23
Die verschiedenen Arten von Adipositas geben
dann Auskunft über das Maß des Übergewichtes. Die Kennzeichnung der Ge-
wichtsklassen, so auch der adipösen Ausprägung (Präadipositas BMI >25, Adi-
positas Grad 1-3 BMI >30), erfolgt in den verschiedenen Gewichtsklassen des
Body-Mass-Index (BMI), welcher weltweit durch die WHO als Norm eingeführt
wurde, da er sehr einfach zu messen ist.
24
Der Körpermassenindex (BMI) ist das
am häufigsten verwendete Instrument, um das Risiko von gesundheitlichen
Problemen mit dem Gewicht auf Bevölkerungsebene zu korrelieren. Er wurde
im 19. Jahrhundert von Adolphe Quetelet entwickelt.
25
In den 1970er Jahren
stellten Forscher der WHO fest, dass der BMI ein guter Indikator für Probleme
im Zusammenhang mit Adipositas und Übergewicht war.
26
Es gibt weitere In-
strumente zur Analyse von Übergewicht, allerdings ist der BMI aufgrund seiner
Bekanntheit und Einfachheit auch für die Erhebung empirischer Daten gut ge-
eignet.
13
Kategorie
Risiko für Begleiterkrankungen
des Übergewichts
Untergewicht
niedrig
Normalgewicht
durchschnittlich
Übergewicht
-Präadipositas
-Adipositas Grad I
-Adipositas Grad II
-Adipositas Grad III
gering erhöht
erhöht
hoch
sehr hoch
Tabelle: Einteilung von Gewichtsklassen durch den BMI (WHO, 2000)22
Die Berechnung erfolgt folgendermaßen: Das Körpergewicht (in kg) wird ge-
teilt durch die Größe (in m) zum Quadrat.22 Damit ergebt sich für einen 1,80m
großen Mann mit 80kg Körpergewicht die folgende Formel:
(60 kg)/(1,69 m)²=24,6 (BMI)
Das Normalgewicht hängt nach anderen Angaben auch vom Alter und Ge-
schlecht ab. So gibt es beispielsweise für Jugendliche eine andere Einteilung
der Gewichtsklassen, als für Erwachsene. Da der Körper von Jugendlichen und
Kindern stetiger Veränderung durch Wachstum ausgesetzt ist, wird daher be-
rücksichtigt, dass es zur Ausprägung unterschiedlicher Körpermerkmale kom-
men kann und, dass ein leichtes Übergewicht im Kindesalter ungefährlich ist.
Daher weist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch den BMI als einzige
Methode zurück, um Kinder und Jugendliche anhand ihres Übergewichtes zu
bewerten und weist auf diverse andere Methoden, wie die Messung des
Bauchumfangs und der Trizepsfalte, hin.
27
Der BMI gibt somit einen groben Rahmen vor, anhand der die Bevölkerung in
verschiedene Gewichtsklassen eingeteilt werden kann. Auch, wenn ein grund-
sätzlicher Unterschied zwischen Menschen besteht, die zwar dasselbe Man
Übergewicht aufweisen, jedoch völlig andere Verhaltensweisen an den Tag
legen, so etwa der Tabakkonsum, das Bewegungsprofil oder die Ernährung,
reicht diese Art der Einteilung aus, um eine erste entsprechende Klassifizierung
vorzunehmen. Weitere Forschung sollte diese Einteilung spezifizieren und bei-
spielsweise auch den Muskelmasseanteil berücksichtigen. Die Frage die darauf
folgt, lautet: Wie sieht nun der Anteil an Übergewichtigen in Deutschland aus?
Hierzu wurde Statista genutzt, ein Online-Portal für Statistik, das Daten von
Markt- und Meinungsforschungsinstitute aufbereitet und verschiedenen Institu-
ten wie Hochschulen und Unternehmen zur Verfügung stellt.
14
Abbildung 3: Die Grafik von Statista zeigt, dass der Anteil an Männern und
Frauen ab 18 Jahren mit Übergewicht/Adipositas in Deutschland in % pro Jahr
ansteigt (Statista, 2019).
28
An dieser Grafik wird deutlich, dass die Bevölkerung in Deutschland immer
mehr an Übergewicht leidet. Waren im Jahr 2005 noch 41,5 Prozent der Frauen
und 57,9 Prozent der Männer übergewichtig, waren es 2017 bereits 43,1 Pro-
zent der Frauen und 62,1 Prozent der Männer. Die Menge an Männern, die an
Übergewicht leiden, liegt somit bei fast zwei Drittel gegenüber der Gesamtbe-
völkerung, wohingegen Frauen eine Entwicklung aufweisen, welche in Richtung
der Hälfte der weiblichen Bevölkerung hinausläuft, auch wenn die Grafik im
Jahr 2017 bei Frauen leicht rückläufig ist.26 Im Allgemeinen sind jedoch beide
Geschlechter von dem Problem des steigenden Übergewichts in der Vergan-
genheit betroffen gewesen und sind es womöglich auch weiterhin. Aber wel-
ches Problem birgt das Übergewicht und mit welchen Risiken muss die deut-
sche Bevölkerung rechnen?
Die leitende Wissenschaftlerin am Zentrum für Gesundheitsstatistik des Center
for Disease Control and Prevention Katherine Flegel wertete Studien zu diesem
Thema aus und erstellte mit Kollegen eine Meta-Analyse als Überblick über die
aktuelle Datenlage. Als Standard wurde der Body-Mass-Index genutzt. Daraus
abgeleitet wurden Schätzungen der relativen Sterblichkeit, die mit Normalge-
wicht, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adiositas) in bisherigen Studien verbun-
15
den waren. Die Meta-Analyse hat sich dabei auf die Allgemeinbevölkerung be-
zogen.
29
Das Ergebnis war eindeutig: Im Verhältnis zum Normalgewicht waren sowohl
Übergewicht (Präadipositas) als auch alle Fettleibigkeitsstadien (Adipositas
Grad 1-3) mit einer signifikant höheren Gesamtmortalität verbunden. Jedoch
wird Präadipositas eine leicht geringere Sterblichkeit zugesprochen. Auch an-
dere Analysen kommen zu demselben Ergebnis.
30
Wodurch könnte sich die
erhöhte Sterblichkeit ergeben? Es hat sich gezeigt, dass mit steigendem Über-
gewicht Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten (CVD), Diabetes, Krebs,
chronische Krankheiten wie Arthrose, Leber- und Nierenerkrankungen,
Schlafapnoe und Depressionen wahrscheinlicher werden.
31
,
32
Auch für den Laien sind die Auswirkungen von Übergewicht ersichtlich. Man-
gelnde Bewegungsfreiheit, verringerte Kondition (Ausdauer), geringere Kraft-
ausdauer (wohingegen mehr Kraft aufgewendet werden muss, um sich fortzu-
bewegen), Beeinträchtigung der Atmung, des Bewegungsapparates und der
visuellen Kontrolle haben ihre Folgen für die Gesundheit des Menschen. Aber
auch in anderen Bereichen, wie etwa der Wirtschaft, birgt Übergewicht ein Ri-
siko. 1,9 Milliarden Übergewichtige welweit, wovon 650 Millionen adipös sind
(2010 waren es noch 400 Millionen)
33
, haben einen immensen Einfluss auf das
Gesundheitssystem und spielen auch durch die verringerte Arbeitskraft in Be-
zug auf Körperkraft und psychologische Verfassung eine Rolle. So schlussfol-
gern Capodaglio et al., dass einer solchen Pandemie dringend mehr Aufmerk-
samkeit gewidmet werden sollte und neuartige Maßnahmen notwendig sind,
um die Verbreitung zu verringern (vgl. Capodaglio, 2010, S. 507-523).18
Wie Konnopka et al. (2018) in ihrer Studienauswertung berichten, belaufen sich
die Kosten des Gesundheitssystems in Deutschland aufgrund von Übergewicht
inzwischen auf mehr als 7,9 Milliarden Euro (direkte Kosten), was aber in den
meisten Studien wohl noch deutlich unterschätzt sei.
34
Die Deutsche Adipositas
Gesellschaft gibt einen Wert von ca. 25,7 Milliarden Euro für das Jahr 2020 an,
was sich aus den Trendrechnungen der Weltgesundheitsorganisation errech-
nen lasse.
35
Damit hat die weltweite Verbreitung des Übergewichts auch einen
Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft und die Prävention der Be-
völkerungsgesundheit durch die Politik.
Durch die steigenden Zahlen an übergewichtigen Menschen wird zugleich
deutlich, dass mit herkömmlichen medikamentösen, chirurgischen, ernährungs-
therapeutischen und psychologische Therapien keine eindeutige Wirksamkeit
erzielt werden kann. Bisherige Behandlungen scheinen eher einen kurzfristigen
Effekt zu haben, jedoch keinen langfristig wirksamen. Wenn dem so wäre, wür-
de sich die Anzahl der Menschen, die von der Krankheit geheilt wurden, in der
16
Statistik des Deutschen Statistischen Bundesamtes widerspiegeln. Stattdessen
ist es so, dass entweder mehr Menschen übergewichtig werden als geheilt
werden oder kein langfristiger Therapieerfolg erzielt wird. So kommen auch
Ruban et al. in der Studie Current treatments for obesity (2019) zu demselben
Ergebnis, nämlich, dass herkömmliche Therapien in ihrer Wirksamkeit begrenzt
sind und neue Therapien gebraucht werden.
36
Einen anderen Ansatz verfolgt die eingangs erwähnte Psychosomatik. Als Me-
dizinkunde, welche einen non-dualistischen Therapieansatz verfolgt, versucht
sie alle körperlichen Symptome auf die Psyche des Menschen zurückzuführen.
Ausgehend von dem physikalischen Ursache-Wirkungs-Prinzip, überträgt die
Heilkunde somit den Geist des Menschen auf die Materie, welche laut Psycho-
somatik erst dann auf körperlicher Ebene eine Wirkung entfalten kann (Prob-
lem), wenn es im Geiste einen Grund für das Problem gibt (Ursache).
37
Definiti-
onen für die Psychosomatik wurden bereits aufgeführt. Welche Ursache sieht
die Heilkunde nun bei der Thematik des Übergewichts?
Der bereits angeführte Arzt und Psychotherapeut Dr. Rüdiger Dahlke sieht in
Übergewicht die Problematik des konstanten Überangebots an Nahrung, mit
der Folge, dass wir Emotionen, Erwartungen und speziell Stress puffern kön-
nen. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln dient dabei auch als Anreiz für das
Belohnungssystem sich kurzfristig Glück über den Botenstoff Dopamin zu ver-
schaffen. Wer ungelöste psychische Probleme mit sich trägt, der wird konstant
das dopaminerge Belohnungssystem aktivieren wollen, um sich nicht mit den
eigenen Problemen beschäftigen zu müssen.14
Hinzu kommt die Tatsache, dass, obwohl die Universalität der fünf Grundge-
schmacksqualitäten anerkannt wird (süß, sauer, bitter, salzig, umami), auch
festgestellt wird, dass sich Menschen meist sehr stark in ihrer Fähigkeit unter-
scheiden, diese Qualitäten wahrzunehmen und zu genießen. Die Gründe für
diese Unterschiede zwischen den Menschen sind nicht eindeutig. Die Genetik-
Wissenschaftlerin Danielle Reed und ihre Kollegen führen diese Unterschiede
auf eine Kombination von Erfahrungen zurück, die bereits in jungen Jahren be-
gonnen haben. Somit kommt der objektiven Gültigkeit der gustatorischen Sin-
neswahrnehmung (Geschmack) eine subjektive Komponente hinzu, welche
dadurch bestimmt wird, ob ein Mensch in stressigen Situationen trotz des
Stresses gerne isst oder diesen Stress durch andere Verhaltensweisen kompen-
siert.
38
Folgende Gleichungen können somit aus den bisherigen Erklärungen
abgeleitet werden:
Stress + Sensibilität gustatorischer Sinneswahrnehmung = erhöhter Appetit
Stress + Resistenz gustatorischer Sinneswahrnehmung = Appetitlosigkeit
17
Eine weitere Theorie, die an meine Ausführungen anknüpft, ist die Selfish
Brain-Theorie von Achim Peters.
39
Der deutsche Adipositas-Forscher führt an,
dass Nicht Stress an sich unser Hauptproblem ist, sondern unsere Anpassung
an chronischen psychosozialen Stress. Sie führt bei vielen dazu, dass sie, je
nach Typ, entweder zu dick werden oder hager und depressiv. (vgl. Peters,
2011).37 Er begründet diese Annahme anhand seines Modells, da sich das Ge-
hirn im Falle eines Energiemangels egoistisch verhalten würde. Dies führt dazu,
dass versucht wird, Energie über das sympathische Nervensystem vom Körper
anzufordern, welches es dann bei Energiemangel in der Folge aus der Umge-
bung (durch Nahrungsmittel) beschaffen muss, um weiterhin Energie, in Form
von Glukose, an das Gehirn weiterzuleiten (diesen Mechanismus nennt Peters
Brain Pull). Im Gehirn wird Glukose vorrangig für die übergreifende Regulation
lebenswichtiger Prozesse (wie den Herzschlag, die Atmung etc.), für Denkpro-
zesse und für das Belohnungssystem genutzt. Da das Gehirn sehr viel mehr
Energie im Vergleich zu anderen Organen verbraucht (bis zu 20%), reguliert
der Organismus so den Energieverbrauch zu Gunsten des Gehirns.
Der Grund, warum manche Menschen durch Depressionen und Verstimmun-
gen reagieren, andere wiederum durch eine erhöhte Nahrungsaufnahme, ist
laut Achim Peters in der Anpassungsfähigkeit des Individuums begründet.
Wenn ein Individuum einen leichten, aber chronischen Stressreiz empfindet,
dann wird der Brain-Pull automatisch dafür sorgen, dass durchgängig mehr
Glukose angefordert wird, vor allem durch ein vermehrtes Hunger-Gefühl.
Wenn das Individuum sich also an den psychosozialen Dauerstress gewöhnt, so
reagiert das Stresssystem (Zentrales Nervensystem) mit einer langfristig gerin-
geren Frequenz an Stresshormonen. Eine inadäquate Stressreaktion des Kör-
pers sorgt dann unterschwellig für ein vermehrtes Hungergefühl, da der Brain-
Pull inkompetent wird. Ein zu hohes Stressempfinden sorgt wiederum genau
für das Gegenteil, ein vermindertes Hungergefühl. Dies führt dann eher zu De-
pressionen bzw. Verstimmungen und einer Handlungsunfähigkeit in der eige-
nen Situation. Der Unterschied zwischen diesen beiden Typen, dem stresssen-
sitiven Typ A, der eher zu einer verringerten Nahrungsaufnahme tendiert, und
dem stressresistenten Typ B, hat sich inzwischen auch empirisch beobachten
und nachweisen lassen. Flaa et al. konnten in ihrer Studie die chronisch leicht-
verringerten Adrenalin-Werte (Stresshormone) in Verbindung mit Übergewicht
setzen. Sie folgerten, dass die Adrenalinreaktion auf psychischen Stress ein ne-
gativer Prädiktor für den zukünftigen BMI ist.
40
Zusammenfassend lässt sich somit aussagen, dass das eigene Empfinden über
die akute und chronische Situation dazu beiträgt, ob ein Individuum Überge-
wicht aufbaut oder nicht. Dabei spielen sowohl genetische (Geschmackswahr-
nehmung), epigenetische (Erfahrungen) als auch subjektive Faktoren (Stress,
Sehnsüchte) eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
18
Menschen, die lernen mit ihrer eigenen Wahrnehmung umzugehen, werden
also vermutlich dazu tendieren, trotz der stressigen Umstände eine Zufrieden-
heit aufzubauen, die von Belohnungen in Form von Nahrungsmitteln unabhän-
gig ist. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der kurzfristigen Stress-
linderung zu einem langfristigen Zustand psychischer Widerstandsfähigkeit ge-
genüber stressigen Situationen. Diese Widerstandsfähigkeit wird in der Psycho-
logie auch als Resilienz bezeichnet. In mehreren Studien konnte bereits gezeigt
werden, dass Achtsamkeitstechniken einen positiven Einfluss auf die Resilienz
eines Individuums haben kann, ob bei Studenten, Krankenschwestern, Haus-
frauen oder bei Soldaten.
41
,
42
,
43
Somit schließt sich der Kreis zur bereits erwähnten Achtsamkeit. Achtsamkeit
wird als ein Zustand der aktiv auf die Gegenwart gelenkten Aufmerksamkeit
beschrieben. Somit findet eine Vergegenwärtigung des Jetzt bzw. gegenwärti-
gen Momentes statt. Darin sind alle Tätigkeiten eingeschlossen, die das Be-
wusstsein des Menschen in der Gegenwart verankern und ihm helfen zur Ruhe
zu finden. Ursprünglich stammt diese Technik aus den fernöstlichen Kulturen,
speziell dem Buddhismus.
44
Die positiven Effekte auf das Wohlergehen sind
zunehmend in den Fokus von Wissenschaftlern gerückt, sodass mit der Zeit
schon einige Studien über die Auswirkungen von Achtsamkeit (engl. mindful-
ness) durchgeführt wurden.
An dieser Stelle werden zwei Definitionen eingebracht. Die Erste stammt von
Jon Kabat-Zinn. Er sieht die Achtsamkeit als absichtvolle, gegenwärtige und
nicht wertende Aufmerksamkeit (vgl. Kabat-Zinn, 1982, S. 33-47).
45
Die zweite
Definition stammt von Daniel Goleman, welcher den Begriff der Emotionalen
Intelligenz (EQ), als Erweiterung des Intelligenzquotienten (IQ) zum Umgang
mit sich selbst in das wissenschaftliche Interesse gerückt hat. Er sieht die Acht-
samkeit mehr als die Wahrnehmung der inneren Zustände, der emotionalen
Kontrolle und der Entwicklung der eigenen Empathie (Goleman, 2007).
46
Was
beide Theorien miteinander verbindet, ist die Lenkung der Aufmerksamkeit auf
das Innere, anstatt auf äußere Ereignisse. Man kann somit darauf schließen,
dass durch die Achtsamkeit gelernt wird, wieder mehr auf seine eigenen Be-
dürfnisse zu hören.
Nun gibt es eine Reihe von Bedürfnissen, die der Psychologe Abraham Maslow
in seinem sozialpsychologischen Modell definiert hat: Darin unterscheidet er
zwischen Defizitbedürfnissen und Wachstumsbedürfnissen. Die Bedürfnisse des
Menschen sind zur Veranschaulichung in einer Pyramide angeordnet worden,
beginnend mit überlebenswichtigen Defizitbedürfnissen, wie etwa den physio-
logischen Bedürfnissen (Essen, Trinken, Atmen, Schlaf), Sicherheitsbedürfnissen
und sozialen Bedürfnissen. Darauf folgen die Wachstumsbedürfnisse, wie die
Individualität und die Selbstverwirklichung, die der Mensch für sein Überleben
19
nicht unbedingt benötigt.
47
Was wir aus diesem Modell lernen, ist, dass die
Nahrungsaufnahme zu einem der essentiellsten Verlangen des Menschen ge-
hört. Wenn das Nahrungsmittelbedürfnis und die Befriedigung dessen nicht
gewährleistet sind, so rücken die Wachstumsbedürfnisse in den Hintergrund.
So sagte schon der bekannte Lyriker Bertolt Brecht: Erst kommt das Fressen,
dann kommt die Moral.“ (Brecht, 1928, S. 26).
48
Wachstumsbedürfnisse sind
jedoch ein wichtiger Teil des Menschen, der dazu beiträgt, dass Zufriedenheit,
welche abhängig von den individuellen Wachstumsbedürfnissen ist, erlangt
werden kann.
49
Ist der Prozess der Nahrungsmittelaufnahme gestört, so werden
auch die Wachstumsbedürfnisse entsprechend vernachlässigt.
Somit hat die psychologische Verfassung, mit der ein Mensch Nahrungsmittel
verzehrt und die Weise, wie er sie verzehrt einen enormen Einfluss auf das kör-
perliche Gewicht. Dies verweist uns auf eine Thematik, die in der Literatur auch
als das Henne-Ei Problem bekannt ist: Was war zuerst da, die Henne oder das
Ei? Und im Falle des Übergewichtes: Was kam zuerst? Das Lebensmittel, wel-
ches die psychologische Verfassung ändert und zum Konsum verleitet oder die
psychologische Verfassung, welche durch Stress (Distress) zur erhöhten Nah-
rungsmittelaufnahme führt?
Die Beantwortung dieser Frage ist recht simpel: Tiere weisen in ihrer gewohn-
ten Umgebung (Habitat) kein Übergewicht auf. Erst der Eingriff des Menschen
in die Lebensweise des Tieres führt zur krankhaften Verfettung. In vielen Fällen
dienen z.B. Mäuse und Ratten als Versuchstiere für Übergewicht, gerade weil
Tiere sehr leicht zu mästen sind. Im natürlichen Lebensraum ist ein Tier immer
an seine Umgebung angepasst und muss sich stets auf die Futtersuche bege-
ben. Somit ist die Erklärung für Übergewicht auch in der heutigen Umgebung
und Verfügbarkeit der Nahrungsmittel zu suchen, wie Rüdiger Dahlke es erklär-
te. Denn der Mensch muss nur noch einen geringen Energieaufwand betrei-
ben, um Nahrungsmittel zu konsumieren.
50
Diese Bequemlichkeit, ausgehend
von der kulturellen Entwicklung einer bewegungsarmen und sicheren Umge-
bung, führt den Menschen überhaupt in die Möglichkeit, vermehrt Gewicht
zuzulegen. Dabei begründet sich das Problem des steigenden Übergewichtes
der Gesellschaft nicht in der Umgebung, sie ermöglicht das Problem nur.
Die Harvard-University gibt in einem Artikel (Harvard Mental Health Letter) an,
dass eine erhöhte Nahrungsmittelaufnahme mit Stress verbunden ist.
51
Dabei
ist die Kompensation des Stressreizes von Mensch zu Mensch verschieden und
äußert sich bei Menschen, die eine Tendenz zu Übergewicht haben dadurch,
dass durch den gustatorischen Stimulus eine Stresslinderung verschafft wird.
Damit verlagert sich das Problem des Übergewichtes von bisherigen Erklä-
rungsmodellen, welche die Außenwelt fixiert haben, auf die Innenwelt des
Menschen, denn dort herrscht der Drang vermehrt das Belohnungszentrum
20
über Dopamin zu aktivieren und Stress zu reduzieren. Die stetige Bereitschaft
des Menschen Nahrungsmittel zu konsumieren, mehr als er für sein Überleben
braucht, wird erst dann möglich, wenn Stress als psychischer Druck von der
Außenwelt auf die Innenwelt verstanden wird.
So zeigten Schneidermann et al. (2005) in einer Studie einen eindeutigen Zu-
sammenhang zwischen Stress und Gesundheit auf.
52
Sie folgerten, dass junge
und gesunde Personen sich an einen akuten Stressreiz anpassen können und
dadurch normalerweise keine langfristige Gesundheitsbelastung entsteht.
Wenn die Bedrohung jedoch unablässig ist, insbesondere bei älteren oder im-
mungeschwächten Personen, können die langfristigen Auswirkungen von
Stressoren die Gesundheit schädigen. Somit stellen langfristige Herausforde-
rungen, welche als negativ bewertet werden, nicht nur eine Beeinträchtigung
der Lebensqualität auf psychologischer Ebene dar, sondern im Umkehrschluss
auch auf biochemisch messbarer Ebene.
53
Der Zusammenhang zwischen Biochemie und Psychologie ist über das zentrale
Nervensystem eindeutig erklärbar. Das ZNS ist mit dem Begriff der Mittelkraft
nach Friedrich Schiller vergleichbar.
54
Die Mittelkraft fungiert als Transmitter
zwischen Körper und Geist. Die Mittelkraft wird durch einen extrinsischen u-
ßeren) und intrinsischen (inneren) Stimulus beeinflusst, den bereits mehrfach
erwähnten Stress. Abhängig von Art, Zeitpunkt und Schweregrad des spezifi-
schen Stimulus kann Stress verschiedene Wirkungen auf den rper ausüben,
die von Veränderungen der Homöostase über lebensbedrohliche Wirkungen
bis hin zum Tod reichen.
55
Der Wirkungsbereich der sogenannten Stresshormo-
ne (Adrenalin und Cortisol) hat nicht nur einen Einfluss auf Neurotransmitter
(Dopamin, Serotonin, Acetylcholin etc.), die Botenstoffe des Gehirns, sondern
einen Einfluss auf den kompletten Körper des Menschen.
56
Vereinfacht dargestellt gelangt ein Stressreiz über die Sinneswahrnehmungen
zum Gehirn, woraufhin dann über den sympatho-adrenalen Signalweg des
zentralen Nervensystems eine Ausschüttung der Neurotransmitter Noradrena-
lin und Acetylcholin verursacht wird.
57
Ihre Aufgabe besteht in der nervalen
Reizweiterleitung über das Rückenmark zur Nebenniere, wo die Ausschüttung
von Adrenalin ausgelöst wird. Die Auswirkungen von Adrenalin auf den Orga-
nismus sind vermehrte Durchblutung des Gehirns, Aktivierung der Bronchien,
erhöhte Muskelspannung, Blutgerinnung, Libido Hemmung, Verdauungshem-
mung und erhöhte Herzfrequenz. Damit wird auch die Aufgabe des Sympathi-
kus für das Überleben klar, denn die Verarbeitung findet im Stammhirn statt,
einem der ältesten Teile des Gehirns.
58
Der auch als Reptiliengehirn bezeichne-
te Teil des Gehirns soll den Organismus auf die Situation Kampf oder Flucht
vorbereiten, sodass Lebewesen vor lebensgefährlichen Situationen flüchten
oder bereit sind zu kämpfen.
59
,
60
21
Dieses akute System zum Schutz des Überlebens (Sympathikus-
Nebennierenmark-Achse, SAM) wird unterstützt durch die sogenannte zweite
Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, HPA).
Beide Stressachsen sind über Adrenalin und Cortisol miteinander verbunden.
Ein vermehrter Anstieg an Adrenalin führt zur Rückkopplung mit dem Stress-
hormon Cortisol, welches durch das in der Nebennierenrinde gebildete Ad-
reno-Corticotrope-Hormon (ACTH) angeregt wird. Auf der einen Seite wird so
durch Cortisol eine entzündungshemmende Reaktion verursacht, welche die
vermehrte Aktivität, Leistungsbereitschaft und Anspannung puffern soll, auf der
anderen Seite wird über den Hypothalamus die Aktivität von Adrenalin ge-
hemmt.
61
Eine verlängerte oder übertriebene Stressreaktion kann eine Cortisol-
Dysfunktion auslösen. Dadurch kann die Aktivität der SAM-Achse sowie die
Ausschüttung von Adrenalin nicht mehr richtig durch die HPA-Achse (Cortisol)
gepuffert werden, sodass chronische Entzündungen entstehen, welche sich in
verschiedenen Erkrankungen äußern können, wie etwa Typ-2-Diabetes, De-
pressionen und Angstzuständen. Typ-2-Diabetes steht in der Literatur in direk-
tem Zusammenhang mit Übergewicht.
62
,
63
,
64
,
65
Damit kommt dem zentralen
Nervensystem über die Aktivierung des Sympathikus (bzw. Parasympathikus,
dem entgegengesetzten Signalweg) eine zentrale Rolle bei der Regulation des
Körpergewichts durch das Hormonprofil zu. Die Wichtigkeit erkennt man auch
daran, dass die Dysregulation des Stresssystems während der Wachstums- und
Entwicklungsphase von Kindern häufig zu psychischen Störungen führen.
66
Negativer Stress (Distress) ist im Leben unvermeidlich, jedoch sind Herausfor-
derungen auch mit positivem Stress (Eustress) und Erfolg verbunden. Men-
schen haben die Möglichkeit zu ändern, wie sie einen Stressreiz empfinden und
darauf reagieren. Übertriebene Reaktionen eines Menschen nach einer kogniti-
ven Fehleinschätzung potenzieller Gefahren für das eigene Leben nnen die
Cortisolsekretion fehlregulieren und die Festigung angstbasierter Erinnerungen
an Schmerzen oder andere potenzielle Gefahren verschlimmern. Bewältigung,
kognitive Neubewertung oder Konfrontation von Stressoren können jedoch die
Cortisolsekretion justieren und chronischen, wiederkehrenden physischen und
mentalen Schmerzen vorbeugen.
67
Stressmanagement-Techniken sind dabei im
alltäglichen Leben für die langfristige Gesundheit von entscheidender Bedeu-
tung.
22
Abbildung 4: Die Auswirkungen von chronischem Stress auf die Entwicklung
von Typ-2-Diabetes. Die Sympathikotonie (chronischer Stress) begünstigt die
Einlagerung von intra-abdominalem Fett, die Fehlregulierung der Endothelzel-
len (Zellen der Blutgefäße) und die Entstehung einer Insulin-Resistenz. (Joseph,
2017, S. 20-34)
68
Eine Möglichkeit zur Prävention vor Übergewicht wäre demnach die Erhaltung
des Gleichgewichtes (Homöostase) des zentralen Nervensystems. Ein Gleich-
gewicht kann nur eingehalten werden, wenn zwei entgegengesetzte zelluläre
Schalter in ihrem physiologischen Bereich arbeiten. Zellschalter können wiede-
rum lediglich im pathologischen Bereich arbeiten, wenn der entgegengesetzte
Zellschalter nicht genügend Pufferkapazitäten besitzt, dementsprechend nicht
genügend aktiviert wird. Eine Cortisol-Dysfunktion sollte demnach nicht mög-
lich sein, wenn die vermehrte Aktivierung des Sympathikus durch den Pa-
rasympathikus (auch als Heilnerv bekannt) gepuffert wird. Dadurch erhält der
Körper Zeit zur Regeneration der Entzündungen durch Abbau des Cortisols. Ist
übermäßig viel Cortisol vorhanden, wird der Rezeptor zur Ausschüttung des
Stresshormons resistent und der Körper kann die entstandenen Entzündungen
nicht mehr regenerieren.
69
Damit liegt die Aufmerksamkeit nun auf der Aktivie-
rung des Parasympathikus zur Erhaltung der Homöostase.
Eine Alternative, welche für therapeutische Zwecke genutzt wird, ist die kogni-
tive Neubewertung des Stressreizes. In der Therapie können gezielt Stressfak-
toren in ihrer Ursache erkannt und neubewertet werden, sodass in der Folge
bestimmte Stressreize weniger stark den sympathischen Signalweg aktivie-
ren.
70
,
71
Der Nachteil dieser Praktik liegt in der Abhängigkeit von einem Thera-
23
peuten, der bei der Behandlung von psychologischen Problemen und Stress
häufig erforderlich ist.
Neben therapeutischen Interventionen kann aber auch Sport präventiv wirken.
Dabei schützt Bewegung nicht nur durch den erhöhten Kalorienverbrauch vor
Übergewicht, sondern auch über Anpassungen im neuroendokrinen System,
sodass die hormonelle Stressreaktion (auf Ebene eines submaximalen Trai-
nings) den zirkulierenden basalen Stresshormonspiegel verringern kann. Die
Verringerung der hormonellen Stressreaktion durch Bewegungstraining hat
Auswirkungen auf den Umgang mit vielen chronischen stressbedingten Ge-
sundheitsproblemen. Allerdings kann die Überbeanspruchung des sympathi-
schen Nervensystems durch Sport auch zu Problemen führen: Übermäßiges
Training begünstigt die Entwicklung chronischer Müdigkeit, was auch als Zu-
stand des Übertrainingssyndroms bekannt ist.
72
Sport führt jedoch in gemäßig-
ter Form durch eine Aktivierung des Sympathikus zu einer verbesserten Aktivie-
rung des Parasympathikus.
73
,
74
Da Sport jedoch nicht zu den typischen Acht-
samkeitstechniken gezählt wird, trotz der Aktivierung ähnlicher biochemischer
Signalwege, ist er in dieser Arbeit nicht weiter relevant.
75
Was Achtsamkeitstechniken, wie etwa die Meditation, Yoga und weitere Ent-
spannungsübungen gemeinsam haben, ist nicht nur die Aktivierung des bio-
chemischen Signalwegs über das parasympathische Nervensystem. Durch die
Fokussierung der Aufmerksamkeit zur Verringerung von Ablenkung werden
intrinsische Erfahrungen wie Emotionen, Gefühle und Gedanken erkannt und
ausgelebt. Dies hat eine Veränderung des neuronalen Netzwerkes im Sinne der
kognitiven Neubewertung ohne bewusste Verarbeitung zur Folge. Somit helfen
Achtsamkeitstechniken auch bei der Interpretation von neuen oder konditio-
nierten Erfahrungen ohne Therapeuten. Dabei kommen Joseph Wielgosz et al.
(2019) in ihrer Literaturauswertung sogar zu dem Schluss, dass richtig konzipier-
te und durchgeführte Achtsamkeitsinterventionen vergleichbar mit etablierten
schulmedizinischen Behandlungen von Depressionen, Angstzuständen,
Schmerzen und Konsum von Drogen sind.
76
Eine Meta-Analyse von Blanck et
al. (2016) zeigte, dass die regelmäßige Durchführung von Achtsamkeitsübun-
gen bei Angstzuständen und Depressionen vorteilhaft ist, auch ohne in thera-
peutische Rahmenbedingungen integriert zu sein.
77
Vorläufige Beweise stützen
auch mögliche Anwendungen bei Essstörungen, posttraumatischem Stress und
weiteren schweren psychischen Erkrankungen. Achtsamkeitsübungen sind laut
dem Forscher William Marchand (2012) zudem auch vorteilhaft für die allge-
meine psychische Gesundheit und das Stressmanagement bei gesunden Per-
sonen.
78
Damit bergen Achtsamkeitstechniken ein großes Potenzial für die Be-
handlung mit psychotherapeutischen Methoden und zur Stressreduktion.
Wenn Achtsamkeitsinterventionen wie beispielsweise Yoga, Meditation und
weitere Entspannungstechniken tatsächlich in der klinischen Forschung so ef-
24
fektiv sind, wie herkömmliche schulmedizinische Behandlungen von Krankhei-
ten stellt sich die Frage, welche Parameter eines gesunden Lebensstils langfris-
tig verändert werden. Oder anders formuliert: Welchen Lebensstil, welche Ein-
stellung und welche Verhaltensweisen legen Praktizierende von Achtsamkeits-
übungen an den Tag?
Im Allgemeinen lässt sich ableiten, dass Menschen, die Wert auf Achtsamkeit
im Alltag legen, eine höhere Zufriedenheit aufweisen sollten. Denn durch die
Verringerung von Ablenkungen sollte gleichzeitig eine Entspannung eintreten,
die das Verlangen nach ständiger Veränderung und Ablenkung durch anspan-
nende Aktivitäten vermindert. Eine solche Veränderung könnte sich vor allem
durch die Suche nach neuen Stimuli (Glücksgefühlen) wie Nahrung, Kleidung
und weiteren Bedürfnissen ausdrücken. Die Zufriedenheit über die aktuelle La-
ge könnte damit den Drang nach kurzfristigem Glück durch die Etablierung
gesunder Verhaltensweisen ersetzen. Diese Annahme ist auch biochemisch
nachvollziehbar: Es gibt zwei primäre Glückshormone im menschlichen Orga-
nismus: Serotonin (vergleichbar mit innerer Ruhe und Gelassenheit) und Do-
pamin (wird ausgeschüttet durch positive Stimuli in Form von Glücksgefühlen).
Wenn innere Zufriedenheit dazu führt, dass weniger nach äußerem Glück ge-
sucht wird, würde dies biochemisch bedeuten, dass ein erhöhter Serotonin-
Wert den Dopamin-Spiegel stabilisiert oder verringert. Und tatsächlich: Das
Serotoninsystem hemmt die dopaminerge Funktion am Ursprung des Dopa-
minsystems, dem Mittelhirn, sowie an den terminalen dopaminergen Feldern
im Vorderhirn, wie die Forscher Shitij Kapur und Gary Remington in ihrer Arbeit
herausstellten.
79
Ein weiterer wichtiger, wenn nicht sogar entscheidender Faktor, der die Akti-
vierung des Parasympathikus begünstigt, ist die Vermittlung von Ruhe und Ge-
lassenheit, wodurch Entspannung, und in der Folge Zufriedenheit, überhaupt
erst entstehen können. Hierfür sind mehrere Hormone verantwortlich, unter
anderem Relaxin, Oxytocin und Prolaktin. Alle diese Hormone werden nun als
Marker für die Überprüfung von Entspannung in der Literatur herausgestellt.
80
,
81
Während Oxytocin (auch „Kuschel-Hormon“ genannt) hauptsächlich während
sozialem Kontakt ausgeschüttet wird
82
, wird Prolaktin durch die Ausschüttung
von Dopamin gehemmt und weist somit auf einen Zustand dauerhafter neuro-
naler Erregung hin. Die Verminderung von Prolaktin wird mit der Entspannung
verbunden. Relaxin wird in Zusammenhang mit der Vasodilatation (Erweiterung
der Blutgefäße) gebracht, was dafür sorgt, dass mehr Sauerstoff und Nährstoffe
transportiert werden können. Das Hormon wurde ursprünglich durch die Weit-
stellung der Gefäße des Beckenbodens während der Schwangerschaft be-
kannt. Es wurde vermutet, dass es dabei hilft, die Geburt zu erleichtern.
83
Neu-
erdings wird es auch mit der kardiovaskulären und arteriellen Gesundheit in
25
Verbindung gebracht, da es einen entspannenden Effekt auf die Muskulatur
und das Herz-Kreislauf-System aufweist.
84
,
85
Wie sind alle diese Hormone miteinander verbunden? Durch die Homöostase
des zentralen Nervensystems. Wie bereits erwähnt kann eine Unter- oder
Überbeanspruchung zellulärer Schalter langfristig zu gesundheitlichen Schäden
führen. Da Prolaktin hauptsächlich durch Stress sekretiert wird, müssten Oxy-
tocin und Relaxin den genau entgegengesetzten Signalweg aktivieren. Und
tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass Relaxin, zumindest in Tierversuchen,
antagonistisch zu Prolaktin wirken kann. Dieser Wirkmechanismus ist bisher je-
doch nur unzulänglich untersucht und sehr stark auf den Bereich des Uterus
beschränkt.
86
Welcher Wirkmechanismus jedoch besser bekannt ist, ist der,
dass Relaxin die Oxytocinsekretion steuert bzw. mitbeeinflusst.
87
,
88
Diese Er-
gebnisse legen eine entscheidende Rolle für Relaxin im zentralen Nervensys-
tem als Neurotransmitter nahe. Die Stelle im Gehirn, an der die Wirkung von
Relaxin ausgeübt wird, ist unbekannt und sollte daher näher erforscht werden.
Auch weitere Zusammenhänge zwischen den drei Hormonen sollten in Bezug
auf die Auswirkungen auf die Entspannung, mediiert durch den Parasympathi-
kus, untersucht werden.
Eine mindestens genauso wichtige Rolle, wie die beschriebenen Hormone,
spielt der Neurotransmitter Stickstoffmonoxid (NO). Die gefäßerweiternden
Effekte von Relaxin werden wohl hauptsächlich durch NO verübt.
89
,
90
Darüber
hinaus beeinflusst NO auf allen Ebenen des zentralen Nervensystems die sym-
pathische und parasympathische Kontrolle der Herz-Kreislauf-Funktion. Damit
kommt dem Molekül eine stoffwechselregulierende Rolle zu. Stickstoffmonoxid
soll hauptsächlich während der Aktivierung des Parasympathikus ausgeschüttet
werden. Die Hinweise mehren sich, dass eine verringerte Ausschüttung von
NO zur sympathischen Überaktivierung und parasympathischen Deaktivierung
beiträgt, was viele Krankheiten, wie etwa die chronische Herzinsuffizienz (CHF),
begünstigt.
91
Die sogenannte Endotheldysfunktion (Funktionsstörung der Blut-
gefäße) wird durch die Überaktivierung der sympathischen Nervenaktivität
(Sympathikotonie) begünstigt und kann so zu Entzündungen führen, welche mit
pathologischen Zuständen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Diabetes
mellitus verbunden sind.
92
Zur Erinnerung: Diabetes-Typ-2 und Übergewicht
sind eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig.
Damit wird nicht nur die Wichtigkeit von NO deutlich, sondern auch ein weite-
res Mal die Rolle des feinregulierten und abgestimmten zentralen Nervensys-
tems. In diesem Zusammenspiel verschiedener Hormone sind alle Schritte der
Reaktionskaskade wichtig, um langfristig die Gesundheit aufrechtzuerhalten. So
dürfte es auch nicht verwundern, dass Oxytocin eine Stickstoffmonoxid freiset-
zende Wirkung hat. Zu den Auswirkungen von Oxytocin über NO gehören: Die
26
Senkung des Blutdrucks, die parasympathische Neuromodulation, Vasodilata-
tion, entzündungshemmende Aktivität, antioxidative Aktivität und metaboli-
sche Wirkungen.
93
Weiterhin verhindert Stickstoffmonoxid die Freisetzung von
Prolaktin durch die Kontrolle der Hypophysenvorderfunktion.
94
Durch meine Ausführungen wurden die regulatorischen Funktionen der Hor-
mone untereinander deutlich. In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll vor allem
das Thema Achtsamkeit behandelt werden, allerdings sind auch Kenntnisse
über die Auswirkungen der Achtsamkeit über die entsprechenden biochemi-
schen Signalwege notwendig. Die angeführte Psychologie von Stressfaktoren
kann auch analog anhand der Biochemie nachvollzogen werden. Hier sollte in
Zukunft mehr in Bezug auf die Wechselwirkungen der jeweiligen Hormone ge-
forscht werden. Ein Vorschlag zum Verständnis der Biochemie von Achtsamkeit
wäre demnach: Serotonin nnte eine dirigierende Wirkung auf die vier vorge-
stellten Hormone haben. Es wurde bereits deutlich, dass bei vermehrter Sero-
toninsekretion („Zufriedenheits-Hormon“) die Ausschüttung von Dopamin ver-
ringert wird. Es gibt genügend Hinweise darauf, dass Dopamin für die Inhibie-
rung von Serotonin sorgt, dieses Hormon jedoch nicht komplett inhibiert, son-
dern lediglich verringert, auch wenn der Wirkmechanismus nicht ganz eindeu-
tig ist.
95
Das dopaminerge System soll eine wichtige Rolle bei der Neuromodulation,
wie z. B. der motorischen Kontrolle, Motivation, Belohnung und kognitiven
Funktion haben. Jedoch kann eine Überbeanspruchung des dopaminergen
Systems auch zahlreiche Krankheiten im Nervensystem begünstigen. Darunter
sind Parkinson, Schizophrenie, Huntington, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hy-
peraktivitätsstörung und Sucht.
96
Somit bedingt Serotonin den physiologisch-
gesunden Bereich des Dopamins. Ähnlich sieht es bei den anderen bespro-
chenen Hormonen aus: Es verwundert nicht, dass ein Zusammenhang zwischen
Serotonin und NO besteht. Serotonin wird durch Stockstoffmonoxid in eine
bioaktive Form umgewandelt und hilft bei der Kontrolle und Modulation des
dopaminergen Systems.
97
Serotonin, Oxytocin und Stickstoffmonoxid sind auch
als Neurotransmitter während des Gähnens beteiligt. Sie verweisen also durch
das Gähnen auch im erfahrbaren Bereich auf eine notwendige Entspannung
durch Aktivierung des Parasympathikus. Müdigkeit ist schließlich eine auf die
Entspannung verweisende Folge von Anspannung.
98
Auch zwischen Oxytocin
und Serotonin besteht eine Verbindung. Die Hinweise mehren sich in Tierver-
suchen, dass Oxytocin wesentlich an der Serotoninsekretion beteiligt ist.
99
Ähn-
lich verhält es sich auch mit Prolaktin, denn es zeigte sich in Tierversuchen,
dass das Hormon bei einer Serotoningabe freigesetzt wird.
100
Anknüpfend an die vorgestellten Ergebnisse möchte ich die dirigierende Wir-
kung von Serotonin als Rückkopplungssystem verständlich machen. Da alle
27
Hormone mit Serotonin in direkte Verbindung gebracht werden können,
scheint die Serotoninsekretion an der Aufrechterhaltung der angeführten Hor-
mone beteiligt zu sein. Sobald weniger Serotonin verfügbar ist, fallen die Hor-
mone leichter aus dem physiologischen Bereich heraus und es können patho-
logische Zustände entstehen, die dann letztendlich auch Übergewicht begüns-
tigen. In diesem Bereich sollte weitere Forschung betrieben werden, welche
das Zusammenspiel der Hormone im menschlichen Organismus untersucht.
Die Zufriedenheit, welche durch Serotonin als hormoneller und neurologischer
Regulator vermittelt wird, sollte auch nachvollziehbar sein, wenn man bedenkt,
dass viele Forscher Serotonin als Marker für einen gesunden zirkadianen
Rhythmus (Tag-Nacht-Rhythmus) nutzen und dem Neurotransmitter diverse
gesundheitserhaltende Eigenschaften zuschreiben. Auch Medikamente wie
Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) wirken dadurch, dass sie
die Konzentration von Serotonin in der Gewebsflüssigkeit des Gehirns erhö-
hen, indem sie die Serotonintransporter blockieren.
101
Durch die Stärkung der eigenen Zufriedenheit (biochemisch durch die Aus-
schüttung von Serotonin) könnte so das Risiko von Übergewicht verringert
werden. Je weniger Serotonin vorhanden ist bzw. je geringer die eigene Zu-
friedenheit ist, desto höher könnte das Risiko für Übergewicht sein. Ebenso
könnte die Entspannung wichtig sein, dass die eigene Zufriedenheit adäquat
wahrgenommen wird. Achtsamkeitstechniken könnten dabei einen solchen
entspannenden Effekt haben. Aufbauend auf dieser Conclusio werden nun die
Hypothesen angeführt.
Hypothesen
Nun folgend sollen die Ausführungen zusammengefasst und somit die Herlei-
tung der Hypothesen erläutert werden. Neben dem komplexen Zusammen-
spiel von Hormonen des zentralen Nervensystems zeigte sich, dass der Körper
selbst-regulierende Eigenschaften besitzt. Dabei ist die Entspannung eine sub-
jektive Entscheidung, die getroffen werden kann, um die aktive Anspannung zu
verringern und die Selbstregulation zu erhalten. Erst ein chronischer Zustand
der Anspannung kann für die Entgleisung des metabolischen, kardiovaskulären
und neuronalen Systems sorgen.
102
Weshalb eine dauerhafte Anspannung
überhaupt vorliegt, dafür kann die Psychosomatik als Interpretation von Stres-
soren fungieren. Eine Interpretation sollte jedoch nicht unbedingt notwendig
sein, da -wie bereits aufgeführt wurde- keine Neubewertung des Stressreizes
notwendig ist, sondern lediglich genügend Entspannung benötigt wird, um die
schädlichen Eigenschaften der Anspannung zu puffern. Entspannung ist zudem
die eigene Entscheidung, sich selbst Ruhe zu verschaffen, sodass keine Stres-
soren den Organismus übermäßig beeinflussen. Diese Entlastung, sowohl auf
28
körperlicher als auch auf geistiger Ebene, sorgt dann auf biochemischer Ebene
für die beschriebenen Effekte. Für die Entspannung ist keine Kenntnis der Bio-
chemie des eigenen Körpers notwendig, denn sie ist selbstregulierend und
dient der Vorbereitung auf die nächste Anspannung. Durch Ruhe entsteht Ge-
lassenheit oder -wie es beschrieben wurde- eine Zufriedenheit, die den An-
wender vor Stressoren schützt.
An dieser Stelle ist wieder der psychologische Begriff der Resilienz von Bedeu-
tung. Menschen mit einer hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber stressigen
Ereignissen im Leben sollten daher auch eine höhere Zufriedenheit aufweisen.
Und tatsächlich konnte auch zwischen Zufriedenheit und Resilienz bereits ein
Zusammenhang von dem Forscher Michael A. Cohn et al. (2009) hergestellt
werden.
103
Distress, als Stressfaktor gegenüber der Psyche, sorgt für eine
Hilflosigkeit, wohingegen Zufriedenheit eher das genaue Gegenteil von Hilflo-
sigkeit ist: Wer sich seiner eigenen Ressourcen bewusst ist und diese auch aktiv
nutzen möchte, z.B. durch angemessene, den Fähigkeiten entsprechenden
Herausforderungen (Eustress), der scheint positiven Emotionen und Entspan-
nung den Vorzug zu geben. Und letztendlich sorgt die Entspannung und posi-
tive Lebenseinstellung dann für die Festigung der Resilienz und Zufrieden-
heit.
104
Damit sollte nun auch klar sein, weshalb die vorliegenden Arbeitshypothesen
sich hauptsächlich auf die Überprüfung der Zufriedenheit, Ruhe und Praktiken
der Achtsamkeit beziehen. Wer Achtsamkeit praktiziert, und darunter fallen
alle, den parasympathischen Signalweg aktivierenden Prozesse, der wird zu
mehr Ruhe und Zufriedenheit finden. Um Achtsamkeitstechniken zu praktizie-
ren, bedarf es nicht immer der Meditation oder eines Yoga-Kurses. Jeder, der
sich Zeit für sich selbst nimmt, in sich die eigenen Gefühle und Gedanken
wahrnimmt (Interozeption) und mit Entspannung der gefühlten Anspannung
entgegenwirkt, der lenkt seine Aufmerksamkeit bewusst auf die Erholung. Er-
holung sorgt wiederum für verbesserte Aufmerksamkeit durch effektivere Lern-
und Gedächtnisprozesse, Emotionsregulation, selbstreferenzielle Verarbeitung
und Perspektiverweiterung.
105
Was entsteht ist ein bewusster Umgang mit ei-
genem Körper und Geist. Dieser Umgang kann durchaus über verschiedene
Therapieansätze, wie etwa die kognitive Neubewertung von Stress oder durch
weitere psychosomatische Heilansätze unterstützt werden, findet ihre Basis je-
doch in dem bewussten Umgang mit der eigenen Wahrnehmung. Übergewicht
ist somit häufig auf eine Folge des falschen Umgangs mit sich selbst, bedingt
durch die mangelnde Selbstwahrnehmung, zurückzuführen. Zum Verständnis
folgen hierzu die bereits aufgeführten Arbeitshypothesen:
29
Arbeitshypothesen
Je subjektiv zufriedener Menschen mit ihrer Ernährung sind, desto geringer ist
das Risiko für Übergewicht.
Menschen, die über sich aussagen, dass sie ihre Ernährung in Ruhe praktizie-
ren, sind tendenziell normalgewichtig.
Werden Achtsamkeitstechniken bewusst praktiziert, weisen Menschen eine hö-
here Zufriedenheit über ihre Ernährung auf.
Einer der Gründe für die mangelnde Selbstwahrnehmung könnte beispielswei-
se das auf Leistung ausgerichtete, westliche Schönheitsideal der Grazilität und
Schlankheit sein. Diese Vermutung wird durch die Forschung von Jáuregui-
Lobera unterstützt.
106
Laut dem Forscher gibt es klare Zusammenhänge zwi-
schen Gewichtswahrnehmung, Körperbild, Diät, Selbstwägung und Essverhal-
ten. Sicherlich ist dies nur einer der Gründe für die falsche Selbstwahrneh-
mung. Jedoch ist das Beispiel aufgrund der Nachvollziehbarkeit gut geeignet:
Ein auf Leistung ausgerichtetes Verhalten (Mäßigung), welches eine körperliche
Veränderung erstrebt, führt zur inneren Unruhe, da eine dauerhafte Bereit-
schaft gefordert ist, so wenig Nahrungsmittel zu konsumieren, wie möglich,
trotz der Tatsache, dass Nahrungsmittel ständig in Reichweite sind. Diesem Ziel
kann durch die Entspannung, beispielsweise in Form von Achtsamkeitstechni-
ken, entgegengewirkt werden, sodass eine tatsächliche Selbstwahrnehmung
(Interozeption) gewährleistet wird. Ein äußeres Ideal ist möglicherweise der
Grund für eine Verzerrung der interozeptiven Wahrnehmung von Gefühlen und
Gedanken.
Daher kommt im weiteren Verlauf auch der Kommunikation im öffentlichen
Raum eine wichtige Rolle zu. Ernährungsinstitute sowie Gesellschaften, die auf
die Gesundheit der Menschen ausgerichtet sind, sollten vermehrt das Thema
Achtsamkeit adressieren und sich der Wichtigkeit der Entspannung bewusst
werden. In der Literatur sind die Ergebnisse der Achtsamkeit in Bezug auf das
Thema Übergewicht eindeutig. Somit lässt sich rein theoretisch ein Zusam-
menhang zwischen den vorerst unterschiedlich wirkenden Themen herstellen.
Nun soll im Anschluss noch eine empirische Überprüfung im Rahmen einer Be-
fragung erfolgen. Abschließend werde ich neben der Auswertung der Umfrage
in Bezug auf die Arbeitshypothesen eine Empfehlung geben, wie über das
Thema in der westlichen Gesellschaft kommuniziert werden sollte.
30
Methode
Der nun folgende Fragebogen soll in seinen Aspekten zur Bewertung und
Überprüfung der Theorie herangezogen werden. Theorien müssen sich immer
anhand der real messbaren Erfahrung bestätigen, um weitere Forschung zu
ermöglichen. Ist die Annahme (Theorie) praktisch nicht fassbar, so lässt sie sich
nicht in der Empirie bestätigen. Zur weiteren Vertiefung und Forschung sind
daher unbedingt Indizien und Belege notwendig, die einen Zusammenhang
zwischen Achtsamkeit und Übergewicht herstellen können. Hierbei ist die Ge-
staltung der empirischen Methode von größter Wichtigkeit und soll daher nun
genauer erläutert werden.
Es wurde sich für eine Online-Umfrage als Verfahren zur Datenerhebung auf-
grund der einfachen Durchführbarkeit entschieden. Dabei stellte sich die Fra-
ge, ob eine qualitative oder quantitative Datenerhebung sinnvoller ist. Es wur-
de sich für die quantitative Erforschung entschieden, da bei diesem Datener-
hebungsverfahren numerische Daten erhoben werden können und sie sich an-
schließend statistisch leicht verarbeiten lassen, um die aufgeführten Hypothe-
sen zu überprüfen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Auch für Probanden ist
ein schnelles und simples Verfahren besser geeignet. Der BMI ist in seiner Ein-
fachheit ebenso beschaffen, dass Laien ihn relativ schnell verstehen können.
Dabei gilt: Je weniger Anweisungen benötigt werden und je weniger Schritte
vorgegeben werden müssen, desto geringer ist die Fehlerquote der Proban-
den. Für eine Umfrage ist lediglich eine simple Erklärung und die wahrheits-
gemäße Beantwortung der Fragen notwendig. Hierfür wurde zu Beginn der
Umfrage eine kurze Einleitung in den Hintergrund der wissenschaftlichen Ar-
beit gegeben und für verschiedene Begriffe Definitionen aufgeführt. Dies hatte
den Effekt, dass die Umfrage den Teilnehmer in das Forschungsgebiet einführt.
Ein weiterer Vorteil der Umfrage war, neben dem einfachen Umgang, der kurze
Zeitraum (14 Tage), um genügend Daten zu erheben. Da der BMI für die Pro-
banden einfach zu berechnen war (Körpergewicht in kg geteilt durch die Größe
in m zum Quadrat) und die Fragen über Zufriedenheit, Ernährungssituation,
Ziele und Achtsamkeitspraktiken schnell zu beantworten waren, konnten Daten
schnell und anonym über das Internet Daten gesammelt sowie anschließend
ausgewertet werden. Angaben zur Person erfolgten ohne Aufnahme von Na-
me, Adresse oder E-Mail. Wichtig ist neben den ernährungspsychologischen
Fragen lediglich das Alter, Geschlecht, Bildungs- und Familienstand. Durch
diese Parameter konnten Irrtümer über die These in der Normalbevölkerung
eliminiert werden, da sich beispielsweise hätte zeigen können, dass Überge-
wicht hauptsächlich bei Menschen mit niedrigem Bildungsstand zu finden ist.
Da inzwischen so gut wie jeder Mensch in Deutschland einen Internetzugang
besitzt, war die Umfrage zugänglich und beantwortbar. Als Medium wurde die
31
Studenten-Community für Online-Umfragen empirio (https://www.empirio.de)
genutzt. Durch dieses Programm war nicht nur ein umfangreicher Fragenkata-
log mit verschiedenen Antwort- und Auswertungsmöglichkeiten möglich, auch
die Verbreitung durch QR-Codes und Links war leicht möglich. Eine bestimmte
Personengruppe war dabei für die Beantwortung nicht vorgesehen - im Gegen-
teil: Erst durch eine breite und vielschichtige Teilnehmergruppe ließ sich aus
den Hypothesen ableiten, ob ein Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und
Übergewicht in der Umfrage bestand. Denn das gewählte Thema betrifft die
gesamte Bevölkerung, die, wie einige Forscher angeben, vor einer weltweiten
Pandemie steht.18 Somit bezieht sich die repräsentative Stichprobe auf die
Normalbevölkerung der westlich-zivilisierten Bevölkerung in Deutschland.
In der folgenden Auswertung wird genauer auf die aussagekräftigsten Ergeb-
nisse der Umfrage eingegangen. Hierbei wird versucht, bestimmte Parameter
(wie Geschlecht, Alter oder Familien- und Bildungsstand) mit in die Auswertung
der Ergebnisse einzubeziehen, um fehlerhafte Annahmen zu vermeiden. Der
Fragebogen findet sich im Anhang.
Ergebnisse
Die genauen Auswertungsdaten zur Beantwortung des Fragebogens lauten
wie folgt: Die 25 gestellten Fragen wurden durchschnittlich in 8:27 Minuten
bearbeitet. Es wurden 237 Teilnehmer registriert. Die Umfrage fand vom 1. Mai
2020 bis zum 14. Mai 2020 statt (14 Tage). Der Fragenkatalog wurde sowohl
über den Bekannten- und Freundeskreis vermittelt, als auch über Social Media
(Instagram, Facebook) verbreitet und in einem Lebensmitteleinzelhandel (Flinse
& Co. in Düsseldorf) ausgestellt.
Die überwiegende Anzahl von Teilnehmern war weiblich (183), wohingegen
gerade einmal 52 Männer teilgenommen haben. Damit waren Frauen in der
Umfrage überrepräsentiert. Zwei Teilnehmer haben zudem ihr Geschlecht mit
divers angegeben. Die meisten Teilnehmer waren zwischen 18 und 30 Jahre alt
(127), gefolgt von 51 bis 60-Jährigen (47). Ungefähr zwei Drittel der Teilnehmer
(83) wiesen eine allgemeine Hochschulreife oder höher auf. Der Familienstand
der Teilnehmer war in Bezug auf Singles (68), Partnerschaften (84) und Verhei-
rateten (74) relativ ausgeglichen. 101 Teilnehmer wiesen Übergewicht auf, da-
mit fast die Hälfte der Stichprobe, und somit mehr als Normalgewichte (97), da
39 Teilnehmer zum Zeitpunkt der Teilnahme untergewichtig waren. Explizit
hatten von den 101 Übergewichtigen 62 einen BMI von 25-29 (Präadipositas),
28 Teilnehmer einen BMI von 30-40 (Adipositas Grad 1 & 2) und 11 Teilnehmer
einen BMI von über 40 (Adipositas Grad 3). Das gesamte Verhältnis an Über-
gewichtigen zu Normalgewichtigen ist relativ ausgeglichen und ist so auf die
32
Gesamtbevölkerung in Deutschland übertragbar. Die aufgeführte Statistik (Ab-
bildung 4, vgl. S. 14) verweist ebenso eher auf eine leicht erhöhte Anzahl
Übergewichtiger (von Menschen in Deutschland). Zur Überprüfung und zum
Vergleich ist eine solche ausgeglichene Anzahl an Teilnehmern gut geeignet.
Die Untergewichtigen sind in der Umfrage unterrepräsentiert, jedoch für die
Auswertung auch nicht weiter relevant. Für die weitere Datenauswertung wird
der BMI (Body-Mass-Index) zur Überprüfung von den Aspekten der Achtsam-
keit auf das Übergewicht genutzt. Solange nicht explizit darauf hingewiesen
wird, gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Teilnehmern in
Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildungs- oder Familienstand. Diese Variablen
wurden bei der Auswertung überprüft. Auch werden nur Fragen ausgewertet
und dargestellt, bei denen ein Rückschluss auf die Arbeitshypothesen zur
Überprüfung geeignet ist. Die in der Umfrage bei der Beantwortung als gra-
phische Unterstützung verwendete Anzahl Daumen wurde dabei in eine Wer-
tung von 1-5 übersetzt. Je höher die Wertung pro Frage ausfiel, desto stärker
stimmten die Probanden in den verschiedenen Gewichtsklassen der jeweiligen
Frage zu. Folgende Arbeitshypothese soll nun zuerst behandelt werden.
Arbeitshypothese 1
Je subjektiv zufriedener Menschen mit ihrer Ernährung sind, desto geringer ist
das Risiko für Übergewicht.
Bei Frage 15 (Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Ernährung?) ging es um die Be-
wertung der Zufriedenheit über die eigene Ernährung. Hier konnten die Teil-
nehmer mit Daumen ihre Zustimmung ausdrücken. Je höher die Anzahl Dau-
men, desto stärker die Zustimmung. Erkennbar wird bei der Auswertung, dass
Übergewichtige mit ihrer Ernährung signifikant unzufriedener sind. Von den
Antwortenden mit einem Daumen sind 17% normalgewichtig, 74% überge-
wichtig (BMI 25), wovon wiederum 57% adipös (BMI 30) sind. Bei zwei
Daumen sind mit 37% bereits wesentlich mehr Normalgewichtige vertreten,
die Übergewichtigen sind mit 56% jedoch nach wie vor in der Überzahl. Bei
drei Daumen findet sich ein ähnliches Verhältnis. Anders ist es bei vier und fünf
Daumen: Hier sind die meisten Normalgewichtigen mit 53% (vier Daumen)
bzw. 50% (fünf Daumen) vertreten, wohingegen weniger Übergewichtige mit
25% bzw. 38% (überwiegend mit BMI 25-29) repräsentiert sind.
33
0,00% 0,00%
6,10% 5,48%
12,50%
8,70% 6,98%
13,41% 16,44% 0,00%
17,39%
37,21% 36,59%
53,42%
50,00%
17,39%
34,88%
29,27%
19,18%
31,25%
34,78%
18,60%
9,76%
4,11% 6,25%
21,74%
2,33% 4,88% 1,37% 0,00%
0,00%
10,00%
20,00%
30,00%
40,00%
50,00%
60,00%
1 2 3 4 5
Frage 15: Zufriedenheit in Bezug auf die eigene Ernährung
(in Prozent pro Anzahl Daumen)
19 und weniger 19-20 21-24 25-29 30-40 Über 40
Bei Frage 17 (Wie würden Sie ihren eigenen Gesundheitszustand bewerten
[z.B. gibt es Beschwerden]?) ging es um die Bewertung des eigenen Gesund-
heitszustandes. Hier konnten die Teilnehmer die Frage ebenso mit einem bis
fünf Daumen bewerten. Es findet sich ein ähnliches Muster, wie bei der Anga-
be über die eigene Zufriedenheit. Normalgewichtige scheinen ihren Gesund-
heitszustand allgemein besser zu bewerten, als Übergewichtige. Hier kann an-
geführt werden, dass die meisten normalgewichtigen Menschen (BMI 21-24)
ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut angeben. In Bezug auf die Ge-
samtzahl der Daumen würden 55% der Normalgewichtigen und nur 18% der
übergewichtigen Teilnehmer ihren Gesundheitszustand als sehr gut beschrei-
ben (fünf Daumen). Eine ebenfalls gute Bewertung (vier Daumen) gaben im-
merhin noch 48% der Normalgewichtigen und schon 35% der Übergewichti-
gen an. Je geringer die Bewertung durch die Anzahl Daumen ausfällt, desto
mehr ändert sich das Verhältnis in das Gegenteil: Mit zwei Daumen geben 22%
der Normalgewichtigen und 70% der Übergewichtigen ihren Gesundheitszu-
stand an – bei einem Daumen sieht das Verhältnis mit 25% und 75% noch ext-
remer aus. Diese statistische Ähnlichkeit könnte dadurch begründet werden,
dass der Gesundheitszustand bei Menschen unbewusst mit der Zufriedenheit
über die Ernährung korreliert. Unzufriedenheit könnte, ausgehend von den Er-
klärungen über das zentrale Nervensystem, zu vermehrtem Stress führen.
Stress wiederum kann zu Übergewicht führen. Die Manifestation des Überge-
wichts könnte somit auf die eigene unbewusste Unzufriedenheit über die Er-
nährung zurückzuführen sein.
34
0,00%
0,00%
4,55% 4,90%
7,89%
0,00%
8,70% 10,61% 11,76%
18,42%
25,00%
21,74%
30,30%
48,04%
55,26%
37,50%
21,74%
33,33%
24,51%
18,42%
25,00%
30,43%
16,67%
7,84%
0,00%
12,50%
17,39%
4,55%
2,94% 0,00%
0,00%
10,00%
20,00%
30,00%
40,00%
50,00%
60,00%
1 2 3 4 5
Frage 17: Bewertung des Gesundheitszustandes nach BMI
(in Prozent pro Anzahl Daumen)
19 und weniger 19-20 21-24 25-29 30-40 Über 40
Diese Vermutung bestätigt sich auch in der Auswertung von Frage 18 (Was
möchten Sie an Ihrem Gesundheitszustand verbessern?): Die meisten Überge-
wichtigen streben danach ihr Körpergewicht zu verbessern – weniger allerdings
ihre Zufriedenheit oder psychologische Verfassung (vgl. S. 35). Auch Ausdauer
scheint wichtiger als die Zufriedenheit zu sein. Hier muss allerdings angemerkt
werden, dass eine Mehrfachantwort möglich war die Teilnehmenden haben
so beispielsweise Körpergewicht, Ausdauer und Zufriedenheit gleichzeitig als
Ziele angeben können.
Bei Frage 24 (Wird ihr Ernährungsverhalten stark durch äußere Umstände ge-
prägt?) wurde keine Beeinflussung des eigenen Ernährungsverhaltens durch
die äußeren Umstände festgestellt. Es gab keine signifikanten Unterschiede
sowohl Normalgewichtige als auch Übergewichtige weisen bei allen Antwort-
möglichkeiten (Daumen 1-5) ein recht ausgewogenes Verhältnis auf. Entweder
liegt dies daran, dass keine adäquate Wahrnehmung der äußeren Umstände
besteht oder, dass die äußeren Umstände nicht als Faktor für die eigene hy-
perkalorische Ernährung angesehen werden. Zur weiteren Überprüfung wird
die nächste Arbeitshypothese genutzt.
35
39
31
43
86
57
41
24
6
1
24
35
38
44
54
50
41
17
3
010 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Körperliche Beschwerden
Psychologische Verfassung
Zufriedenheit
Körpergewicht
Ausdauer
Muskulatur
Kraft
Motorik
Keine Angabe
Frage 18: Vergleich von Normalgewichtigen mit
Übergewichtigen im Wunsch zur Verbesserung des
Gesundheitszustandes (in Anzahl Teilnehmer pro Antwort)
21-24 25
Arbeitshypothese 2:
Menschen, die über sich aussagen, dass sie ihre Ernährung in Ruhe praktizie-
ren, sind tendenziell normalgewichtig.
Die äußeren Umstände können möglicherweise dazu verleiten, dass die Ernäh-
rung und das Körpergewicht vernachlässigt werden, ohne, dass immenser
Stress durch Schicksalsschläge, Lebenskrisen oder Unglücke einen Einfluss ha-
ben. Wie bereits erläutert (vgl. S. 17 f.), könnten sogar eher unterschwelliger
und chronischer Stress für eine Gewichtszunahme sorgen. Zur Überprüfung der
Hypothese werden die Fragen 7, 12, 14 und 21 herangezogen.
Frage 12 (Wie viel Zeit nehmen Sie sich für eine Mahlzeit?) gibt Aufschluss dar-
über, ob jemand seine Ernährung in Ruhe praktiziert oder im Stress. Diese Fra-
ge konnte durch die Angabe einer Zeitspanne beantwortet werden. Dabei ge-
ben kurze Mahlzeiten darüber Aufschluss, dass derjenige keine Zeit hat oder
sich diese nicht nimmt. Bei der Auswertung der Frage wurden keine signifikan-
ten Unterschiede festgestellt. Die meisten Teilnehmer gaben an, sich 10-20
Minuten Zeit für ihre Mahlzeiten (52 TN mit BMI 25, 49 TN mit BMI 21-24) zu
nehmen, gefolgt von der Angabe 21-30 Minuten (34 TN mit BMI 25, 35 TN
mit BMI 21-24). Somit sind keine ckschlüsse möglich. Demgegenüber steht
die Auswertung von Frage 14 (Wie viel Prozent der Zeit essen Sie in Gesell-
36
31,03%
39,34%
43,66% 42,19% 50,00%
58,61%
45,91%
39,44% 35,95%
41,67%
0,00%
10,00%
20,00%
30,00%
40,00%
50,00%
60,00%
70,00%
1 2 3 4 5
Nahrungsmittelkonsum in Gegenwart von Gesellschaft
(pro angegebenen Daumen in Prozent)
21-24 25
schaft?), welche zeigt, dass übergewichtige Menschen weniger Zeit bei der
Nahrungsmittelaufnahme in Gesellschaft verbringen. Während die meisten
Übergewichtigen einen bis zwei Daumen zur Bewertung angegeben haben
(59% bzw. 46% im Vergleich zu Normalgewichtigen mit 31% bzw. 39%), hat
sich dieses Verhältnis mit der Angabe von drei bis fünf Daumen umgekehrt.
Hier sind nur noch 35% der übergewichtigen Teilnehmer bei vier Daumen (im
Vergleich zu 42% der Normalgewichtigen), bzw. 42% der übergewichtigen
Teilnehmer (im Vergleich zu 50% der Normalgewichtigen) bei fünf Daumen
vertreten. Somit könnte auch die Nahrungsmittelaufnahme in Gesellschaft ei-
nen immensen Einfluss auf die Zufriedenheit, Entspannung und das Körperge-
wicht haben.
Frage 21 (Wie oft konsumieren Sie Lebensmittel unter folgenden Umständen?)
erfragte dann die genauen Umstände der Teilnehmer, in welcher sie Nah-
rungsmittel konsumieren. Hier wurden mehrere Antworten angegeben, die mit
ein bis fünf Daumen bewertet werden sollten. Es wurde erneut die Antwort-
möglichkeit in Gesellschaft (mit Freunden oder Familie) geboten, jedoch dies-
mal im konkreten Vergleich zur Häufigkeit anderer Umstände. Hier wurden kei-
ne signifikanten Unterschiede gefunden. Auch bei der Angabe des Nahrungs-
mittelkonsums mit Freunden oder Familie waren übergewichtige Teilnehmer
ungefähr gleich stark wie Normalgewichtige vertreten (42% TN mit BMI 25,
40% TN mit BMI 21-24). Die letzte Antwort zur Überprüfung der Hypothese
konnte Frage 7 (Wie häufig essen Sie Mahlzeiten pro Tag?) liefern. Hier wurde
37
11
10
20
41
23
61
54
148
3
23
15
41
2
3
2
7
050 100 150 200 250
20 (Untergewicht)
21-24 (Normalgewicht)
25 (Übergewicht)
Gesamtergebnis
Häufigkeit von Mahlzeiten in Gewichtsklassen (pro Anzahl
Tei lne hme r)
1-2x 3x 4x 5 oder mehr
erfragt wie viele Mahlzeiten die Teilnehmer am Tag konsumieren. Diese Er-
gebnisse führten teilweise zur Bestätigung der 2. Hypothese: Die übergewich-
tigen Teilnehmer gaben an, dass sie im Vergleich zu Normalgewichtigen dop-
pelt so häufig 1-2 Mal pro Tag Mahlzeiten konsumieren. Insgesamt waren 20
übergewichtige und 10 normalgewichtige Teilnehmer vertreten. Aber auch
Untergewichtige sind trotz der geringen Anzahl von insgesamt 39 Teilnehmern
(weniger als die Hälfte im Vergleich zu den normalgewichtigen Teilnehmern)
mit 11 Antwortenden (1-2 Mahlzeiten pro Tag) stark vertreten. Ab 3 Mahlzeiten
pro Tag finden sich keine signifikant Unterschiede mehr. Hier könnte die Frage
gestellt werden, ob es eine unterschiedliche Wertung von Menschen über eine
Mahlzeit gibt. Möglicherweise gibt es eine unterschiedliche Bestimmung in
den Gewichtsklassen über eine adäquate Nahrungsmittelaufnahme und wie
diese zu erfolgen hat. Auch ein geregelter Tagesablauf mit festen Mahlzeiten
könnte dabei eine wichtige Rolle spielen und zu mehr Ruhe führen wer sich
nicht darum sorgen braucht, wann und was er isst, der empfindet gegenüber
seiner Ernährung möglicherweise keinen Stress. Welche Mahlzeiten dabei prio-
risiert werden, ist unabhängig von diesem Ergebnis. Das Verhältnis der Wich-
tigkeit von Frühstück, Mittagessen und Abendessen ist bei den Teilnehmern
sehr ähnlich (Frage 10: Welche Mahlzeit ist für Sie die Wichtigste des Tages?).
Abschließend lässt sich die 2. Arbeitshypothese mit gewissen Einschränkungen
bestätigen. Es besteht ein Unterschied zwischen den Gewichtsklassen in Bezug
auf den Anteil der Gesellschaft während des Nahrungsmittelkonsums und die
Häufigkeit von Mahlzeiten. Vermutlich haben beide Faktoren eine Auswirkung
38
41,47% 42,99% 42,49% 42,35% 42,97%
38,58%
41,45%
38,48%
42,32%
39,56% 40,10% 41,05%
40,81%
45,90% 41,66% 46,84%
0,00%
5,00%
10,00%
15,00%
20,00%
25,00%
30,00%
35,00%
40,00%
45,00%
50,00%
Meditation
Gesellschaft
Bildung über…
Bewusster Verzehr
Lernen, sich Zeit zu nehmen
Lebensmittelverbote
Staatliche Interventionen
Eine neue Diät
Bewertung von Faktoren zur Verbesserung der
Zufriedenheit über die Ernährung (in Prozent)
21-24
25
auf das Wohlbefinden und die Entspannung gegenüber der Ernährung. Diese
Annahme lässt sich auch durch die Auswertung von Frage 25 (Welche der fol-
genden Methoden könnten Ihrer Ansicht dazu beitragen, die Zufriedenheit mit
der eigenen Ernährung zu erhöhen?) bestätigen. Hier wurde eine Bewertung
über die Möglichkeiten zur Verbesserung des eigenen Verhaltens erfragt. Je
höher die Bewertung, desto wichtiger war der Aspekt für die Teilnehmer der
verschiedenen Gewichtsklassen. Die Prozentangaben beziehen sich somit auf
die Wertung aller angegebenen Daumen. Fünf Daumen wurden dabei mit fünf
Punkten gewertet, ein Daumen hingegen nur mit einem Punkt. Speziell die
übergewichtigen Teilnehmer gaben an, dass sie glauben, äußere Faktoren wie
Lebensmittelverbote (46%) oder neue Diäten (47%) würden zur Zufriedenheit
über ihre Ernährung beitragen (im Gegensatz zu Normalgewichtigen mit 39%
bzw. 38%). Faktoren, wie Wissensaneignung über den bewussten Verzehr (41%
TN mit BMI 25, 42% TN mit BMI 21-24), Lernen, sich mehr Zeit zu nehmen
(41% TN mit BMI 25, 43% TN mit BMI 21-24) oder Gesellschaft (40% TN mit
BMI 25, 43% TN mit BMI 21-24) wurden hingegen als weniger hilfreich ange-
sehen. Das Verhältnis hierbei war relativ ausgeglichen zwischen den unter-
schiedlichen Gewichtsklassen, allerdings waren äußere Faktoren wie Lebens-
mittelverbote und neue Diäten stärker vertreten. Somit könnte dies darauf hin-
deuten, dass die mangelnde Kenntnis von Übergewichtigen über die Relevanz
von Ruhe und Entspannung einen maßgeblichen Beitrag zur Gewichtszunahme
leisten.
39
Arbeitshypothese 3:
Werden Achtsamkeitstechniken bewusst praktiziert, weisen Menschen eine hö-
here Zufriedenheit über ihre Ernährung auf.
Zur Überprüfung von Hypothese 3 werden die Fragen 11, 19, 20, 22 und 23
herangezogen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Achtsamkeitstechniken
nicht nur Praktiken wie der Meditation gleichen, sondern jeder Technik, die die
körperliche und geistige Entspannung fördert. Dies schließt somit auch das
bewusste Praktizieren von Dankbarkeit und Aufmerksamkeit mit ein. Darauf
wurde explizit zu Beginn des Fragebogens hingewiesen.
Frage 19 (Wie bewerten Sie folgende Aspekte der Achtsamkeit ihres Verhal-
tens in Bezug auf die Ernährung?) umfasste eine Bewertung der eigenen Acht-
samkeit in Bezug auf bestimmte Aspekte. Frage 20 (Wie bewerten Sie die fol-
genden Eigenschaften nach Ihrem Wunsch zur Verbesserung Ihres Verhal-
tens?). hingegen bezog sich auf den Wunsch zur Verbesserung der eigenen
Achtsamkeit in der Zukunft. Hierzu wurden von den Teilnehmern wieder ein bis
fünf Daumen zur Bewertung genutzt. Bei beiden Fragen konnte kein eindeuti-
ges Ergebnis erzielt werden. Sowohl Übergewichtige als auch Normalgewichti-
ge schienen somit derselben Meinung über einzelne Aspekte der Achtsamkeit
zu sein. Sowohl in Bezug auf die aktuelle Lage, als auch den Wunsch zur Ver-
besserung. Entweder ist dies der Fall oder aber die Fragen wurden unpräzise
gestellt. Frage 19 und 20 können also nicht mehr zur Verifizierung der Arbeits-
hypothese genutzt werden. Somit nnen nur noch die Fragen 11, 22 und 23
zur Überprüfung herangezogen werden. Diese Fragen lassen jedoch keine di-
rekte Verifizierung der Arbeitshypothese zu. Frage 11 (Wie hoch ist der Anteil
an Fast/Convenience Food in Ihrer Ernährung?), Frage 22 (Haben Sie subjektiv
gesehen häufig Heißhunger?) und Frage 23 (Würden Sie Ihre Ernährung als
ausgewogen beschreiben?) werden im Folgenden behandelt.
Bei Frage 23 wurde darum gebeten, dass die eigene Ernährung in Bezug auf
die Ausgewogenheit bewertet wird. Hier gab es ein eindeutiges Ergebnis: Je
mehr Daumen gegeben wurden, desto höher war der Anteil an Normalgewich-
tigen. Insbesondere bei nur einem Daumen fanden sich mehr Teilnehmer mit
einem BMI von 30-40 (33%) und über 40 (20%) im Vergleich zu Teilnehmern
mit einem BMI von 21-24 (20%). Insgesamt waren 67% der Teilnehmer, die ei-
nen Daumen abgegeben haben, übergewichtig. Bei zwei Daumen stieg spezi-
ell die Anzahl an Teilnehmern mit einem BMI von 25-29 an (38%), wohingegen
die Anzahl an Teilnehmern mit BMI von 30 sank. Die Anzahl an übergewichti-
gen Teilnehmern blieb konstant, wohingegen die Anzahl der normalgewichti-
gen Teilnehmer (23%) leicht anstieg. Dies lag an der sinkenden Anzahl an un-
40
0,00% 2,56% 4,29% 5,00%
9,09%
13,33%
7,69%
15,71%
12,50%
6,06%
20,00%
23,08%
37,14%
50,00%
57,58%
13,33%
38,46%
28,57% 26,25%
12,12%
33,33%
17,95%
10,00% 6,25%
12,12%20,00%
10,26%
4,29%
0,00%
3,03%
0,00%
10,00%
20,00%
30,00%
40,00%
50,00%
60,00%
70,00%
1 2 3 4 5
Frage 23: Einschätzung der Ernährung in Bezug auf die
Ausgewogenheit in verschiedenen Gewichtsklassen
(in Prozent pro Daumen)
19 und weniger
19-20
21-24
25-29
30-40
Über 40
tergewichtigen Teilnehmern. Ab drei Daumen waren dann die normalgewichti-
gen Teilnehmer in der Überzahl, wohingegen der Anteil an Übergewichtigen
weiter konstant sank. Während noch 33% der übergewichtigen Teilnehmer vier
Daumen gaben, waren es bei fünf Daumen noch 27%. Der Anteil von normal-
gewichtigen Teilnehmern fand bei fünf Daumen mit 58% seinen Höhepunkt.
Dieser eindeutige Zusammenhang zwischen Einschätzung der Ausgewogenheit
der eigenen Ernährung und Übergewicht, lässt darauf schließen, dass Einsei-
tigkeit der Ernährung und Körpergewicht zusammenhängen. Der Grund für
diese Monotonie könnte sich wiederum in der Achtsamkeit begründen. Feh-
lende Achtsamkeit äußert sich entweder in mangelnder Zeit, die sich für die
eigene Ernährung genommen wird, in dem fehlenden Wissen über die not-
wendige Vielseitigkeit von Mahlzeiten oder dem eigenen Desinteresse bezüg-
lich der Relevanz einer ausgewogenen Ernährung. Die Hypothese über die
mangelnde Zeit kann aufgrund der Auswertung von Frage 12 widerlegt wer-
den. Das fehlende Wissen über die Vielseitigkeit einer gesunden Ernährung
kann durch den Fragebogen nicht beantwortet werden. So bleibt der letzte
Aspekt: Das Desinteresse bezüglich der Relevanz einer ausgewogenen Ernäh-
rung. Wer sich ausgewogen ernähren möchte, der weiß, dass Nährstoffe für
den eigenen Körper wichtig sind. Ein Mangel an Nährstoffen kommt durch ein-
seitige Ernährung zu Stande. Die Forscher Reinhard Imoberdorf und Peter
Ballmer weisen dabei darauf hin, dass „die WHO Nährstoffmangel als größtes
Problem für die öffentliche Gesundheit listet. (...) Das Ernährungsproblem äu-
41
ßert sich bei übergewichtigen Personen in Nährstoffungleichgewichten und
Mikronährstoffmangel. Die Ursache für Nährstoffmangel ist eine hyperkalori-
sche Ernährung mit energiedichten, aber qualitativ hochwertigen Lebensmit-
teln mit geringem Wert“ (Imoberdorf & Ballmer, 2014, S. 123-126).
107
Stark
verarbeitete Nahrungsmittel weisen sehr häufig einen geringeren Nährstoff-
gehalt auf, als weniger verarbeitete Nahrungsmittel. Die Schlussfolgerung wäre
somit, dass ein hoher Fast Food bzw. Convenience Food Anteil in der Ernäh-
rung auf Einseitigkeit verweist und somit auch auf fehlende Achtsamkeit ge-
genüber der Ernährung.
Die Auswertung von Frage 11 (Wie hoch ist der Anteil an Fast/Convenience
Food in Ihrer Ernährung?) bestätigt diese Annahme, dass Normalgewichtige
weniger Fast Food oder Convenience Food konsumieren, jedoch nicht. In
Summe gaben 88 von 97 normalgewichtigen Teilnehmern einen bis zwei Dau-
men und verwiesen somit auf einen geringen Anteil in der eigenen Ernährung.
Aber auch der Großteil der übergewichtigen Teilnehmer (80 von 101) verga-
ben einen bis zwei Daumen. Insgesamt war der Anteil an übergewichtigen
Teilnehmern bei drei bis fünf Daumen jedoch leicht höher (20) als bei Normal-
gewichtigen (9). Den Fast Food- bzw. Convenience Food-Konsum mit Acht-
samkeit in Verbindung zu bringen ist somit an dieser Stelle nicht unbedingt
möglich. Eine größere Rolle in Bezug auf die Achtsamkeit könnte der Konsum
von Süßigkeiten spielen. Frage 8 zeigt auf, dass 99 Teilnehmer angaben, Fast
Food bzw. Convenience zu vermeiden. Hingegen gaben weniger als die Hälfte
an, Süßigkeiten zu vermeiden (41 TN). Einen großen Unterschied zwischen den
Gewichtsklassen gab es hier jedoch nicht. 46 Normalgewichtige gaben an, Fast
Food zu vermeiden, immerhin 15 Teilnehmer mit BMI von 21-25 auch Süßigkei-
ten. Süßigkeiten hätten zu einem vermehrten Heißhungergefühl beitragen
können und so durch unregelmäßigere und unachtsamere Nahrungsmittelauf-
nahme zu einem steigenden Körpergewicht. Dies lässt sich nicht aus Frage 8
ableiten. Auch aus Frage 22 (Haben Sie subjektiv gesehen häufig Heißhunger?)
lässt sich dies nicht erschließen. Bei der Angabe von fünf Daumen führten mit
15 Teilnehmern (BMI 25) doppelt so viele Übergewichtige (wie Normalge-
wichtige mit 7) an, dass sie sehr häufig Heißhunger verspüren. Bei vier Daumen
sind es mit 19 (TN mit BMI 25) noch knapp mehr als Normalgewichtige mit
16. Aber auch bei einem Daumen sind mit 23 im Vergleich zu 17 mehr Über-
gewichtige vertreten. Diese Auswertung gibt kein eindeutiges Ergebnis in Be-
zug auf Heißhunger. Trotz des mehrdeutigen Ergebnisses wäre es ohnehin
schwierig gewesen, Rückschlüsse von Heißhunger, Fast Food bzw. Conve-
nience Food und Süßigkeiten auf das Praktizieren der eigenen Achtsamkeit zu
ziehen. Somit muss die letzte Hypothese für diese Bachelorthesis verworfen
werden. Eine umfangreichere Befragung wäre zur Beantwortung der Hypothe-
se notwendig.
42
Diskussion
Abschließend bedeutet dies, dass Hypothese 1 und 2 bestätigt werden konn-
ten, hingegen konnte Hypothese 3 nicht bestätigt, aber auch nicht widerlegt
werden. Zwei sehr wichtige Parameter der eigenen Achtsamkeit sind, wie auch
in der Theorie erläutert, die eigene Entspannung und Zufriedenheit bezüglich
der eigenen Ernährung. Diese beiden Aspekte der Achtsamkeit könnten durch
bestimmte Praktiken und Techniken gestärkt werden.
Die eigene Zufriedenheit über die Ernährungssituation korreliert dabei mit dem
eigenen Gesundheitszustand. Menschen, die sich selbst als gesund bewerten,
sind auch zufrieden mit ihrer Ernährung. Da Übergewicht auch mit körperlichen
Einschränkungen verbunden ist, äußert sich dies auch in der Bewertung des
eigenen Gesundheitszustandes. Je höher dabei das Körpergewicht ist, desto
geringer wird der eigene Gesundheitszustand bewertet. Wichtige Ziele sind
bei Menschen mit Übergewicht jedoch nicht die eigene Zufriedenheit zu erhö-
hen, vorrangig werden körperliche Verbesserungen angestrebt. Psychologische
Faktoren, wie etwa die mentale Verfassung und die Zufriedenheit hingegen
weniger. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die übergewichtigen Teil-
nehmer denken, sie würden erst durch die Verringerung des Körpergewichtes
zufriedener werden und einem gesellschaftlichem Ideal entsprechen. Dieses
Phänomen wurde in der vorangegangenen Theorie erklärt. Das gesellschaftli-
che Idealgewicht provoziert eine dauerhafte Stressantwort, die Sympathikoto-
nie, welche langfristig zu Unzufriedenheit führen kann. Die eigene Unzufrie-
denheit wird anscheinend nicht als Ursache für das eigene Körpergewicht an-
gesehen. Dieser Umkehrschluss veranschaulicht die Notwendigkeit einer
Kommunikation von Ernährungsinstituten über die Wichtigkeit der Zufrieden-
heit in Bezug auf das Risiko für Übergewicht.
Weiterhin sollte über die Aspekte zur Förderung der eigenen Ruhe und Ent-
spannung berichtet werden. Entspannung durch entsprechende Ruhe hat theo-
retisch und praktisch einen Einfluss auf die Ernährungssituation und das eigene
Körpergewicht. Gesellschaft scheint einen positiven Einfluss auf die Entspan-
nung zu haben. Dies kann anhand der theoretischen Erklärungen über das
Hormon Oxytocin bestätigt werden. Auch die Häufigkeit von Mahlzeiten bzw.
der regelmäßige Konsum gibt entsprechende Indizien für ein geringeres Kör-
pergewicht. Die Etablierung gesunder Gewohnheiten könnte dabei zu einem
geringeren Aufwand und somit zu weniger Stress führen, sodass es durch die
Aktivierung des Parasympathikus zu einer Verringerung von chronischem Stress
kommt.
Weitere Forschung sollte der praktischen Überprüfung der angeführten Hypo-
thesen dienen. Dazu könnten biochemische Marker, wie die Hormone Seroto-
43
nin, Dopamin, Cortisol, Adrenalin, Oxytocin, Prolaktin, Stickstoffmonoxid und
Relaxin dienen, welche in direktem Zusammenhang mit dem zentralen Nerven-
system (über die Aktivierung des Sympathikus und Parasympathikus) stehen.
Dabei ist die Entspannung als Marker für die eigene Zufriedenheit zu überprü-
fen. Mögliche Parameter für die eigene Entspannung sind, wie vorgestellt, Er-
nährungsgewohnheiten in Bezug auf Gesellschaft, Ziele, Frequenz und Dauer
von Mahlzeiten, sowie Vielfältigkeit der Nahrungsmittel. Zusätzlich könnte ein
Bezug zu Achtsamkeitstechniken hergestellt werden und wie diese die eigene
Wahrnehmung der Probanden verändert. Auch, wenn die Arbeit den Nutzen
von Achtsamkeitstechniken für die Ernährung und das Übergewicht nicht ein-
deutig herausstellen konnte, sind weitere Forschungsergebnisse diesbezüglich
wichtig.
Da sich diese Bachelorthesis jedoch mit den Aspekten der Achtsamkeit, nicht
dem Praktizieren von Achtsamkeit in Bezug auf die Ernährung beschäftigen
sollte, konnten die Erklärungen aus der Theorie in der Praxis bestätigt werden.
Durch die Auswertung des Fragebogens konnte ausdrücklich gezeigt werden,
dass die Achtsamkeit in Bezug auf die eigene Ernährungssituation und Über-
gewicht negativ korrelieren. Entspannung und Zufriedenheit sind theoretisch
auf biochemischer und praktisch auf wahrnehmbarer Ebene nachvollziehbar
und werden wesentlich von der Regulierung des zentralen Nervensystems
(ZNS) bestimmt. Chronisch unterschwelliger Stress, ausgelöst durch bestimmte
Reize, wie etwa unregelmäßige Mahlzeiten, Unzufriedenheit über die eigene
Ernährungssituation oder Gesundheit und fehlende Gesellschaft, kann zu einer
Gewichtszunahme führen.
Um dies zu vermeiden ist es ratsam, dass die eigene Entspannung aktiv prakti-
ziert wird. Dies muss nicht durch bestimmte Techniken erfolgen, sondern kann
auch durch entspannende Gewohnheiten in den Alltag integriert werden, die
das Hormonprofil des menschlichen Körpers nachhaltig positiv verändern. Nun
folgend soll ein Leitfaden aufgezeigt werden, der stressreduzierende Ange-
wohnheiten zur Reduktion von Körpergewicht in das Interesse öffentlicher Insti-
tute rücken soll. Dieser Leitfaden soll einen wichtigen Beitrag zur Kommunika-
tion bezüglich des Übergewichtes in der Gesellschaft beitragen und die Psyche
als Ausgangspunkt des Handelns definieren. Wenn das eigene Körpergewicht
auf die psychologische Verfassung und Achtsamkeit zurückgeführt wird, könnte
eine Chance bestehen, das steigende Übergewicht in den letzten Jahrzehnten
zu verringern. Herkömmliche Diäten und Therapien, welche die rein somatische
Komponente der Ernährung fixieren, sind somit als unzureichend zu bewerten
und sollten, wie durch die Auswertung ersichtlich, durch die psychologische
Komponente (Achtsamkeit) erweitert werden.
44
Kommunikation
Die wichtigsten Ernährungsinstitute in Deutschland sind die Deutsche Gesell-
schaft für Ernährung e.V. (DGE) und das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL). Beide Organisationen sorgen für die Verbreitung von
Informationen auf lokaler und nationaler Ebene. So sorgen die Deutsche Ge-
sellschaft für Ernährung durch die 10 Regeln der DGE
108
und die Ernährungspy-
ramide
109
, sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
durch die BMEL-Ernährungsreporte
110
in Deutschland für eine umfassende
Vermittlung von Bildung. Die hier vorgestellten Ergebnisse sollten der Bevölke-
rung nach weiterer Forschung vermittelt werden und so zu einem erhöhten
Bewusstsein im Bereich Achtsamkeit und Ernährung aufrufen. Da bisherige Un-
ternehmungen, Leitlinien und Empfehlungen nicht zu einer langfristigen Ver-
ringerung der Anzahl Übergewichtiger in Deutschland geführt haben, ist dieser
Appell dementsprechend als dringend einzustufen.
Viele der Publikationen des BMEL fokussieren nach wie vor das Lebensmittel
selbst als wichtigsten Faktor zur Reduzierung von Übergewicht. Von 252 Publi-
kationen auf der Webseite des BMEL weisen nur sieben einen Zusammenhang
mit Achtsamkeit auf (Stand: 30. Mai 2020).
111
Die Psyche des Menschen und
dessen Einfluss auf das eigene Körpergewicht scheint keinen großen Stellen-
wert beim BMEL zu haben. Durch die bisherigen Ausführungen sind neben der
Lebensmittelqualität auch die Bedingungen der Aufnahme von Nahrungsmit-
teln wichtig. Die aktuellen Schwerpunkte des BMEL sind: Das Coronavirus, der
Nutri-Score, das Tierwohl-Kennzeichen, der Bienen- und Insektenschutz, die
Digitalisierung, und Ländliche Regionen – nicht aber das Thema Achtsam-
keit.
112
Mit einer entsprechenden digitalen Kommunikation dieses Themas könnten
auch die anderen gesetzten Schwerpunkte leichter verständlich sein, da eine
höhere Sensibilität für die Ernährung in Bezug auf Zufriedenheit und Entspan-
nung geschaffen wird. Einen entscheidenden Beitrag leisten dabei auch die
sozialen Netzwerke. Inzwischen nutzen laut einer Befragung (2018) von 3.500
Internetnutzern ab dem Alter von 16 Jahren in Deutschland knapp 70% der
Befragten Youtube, Whatsapp und Facebook. Wäre diese Befragung auf ganz
Deutschland übertragbar, so würde dies bedeuten, dass etwa 44 Millionen
Menschen solche Medien nutzen (nach Abzug der unter 18 Jährigen, Anteil ca.
14 Millionen, Quelle: Statista, 2018).
113
Inzwischen dürfte der Anteil noch höher
sein. Soziale Netzwerke wie Youtube, Facebook und Instagram werden nicht
mehr nur für die Kommunikation genutzt, sondern auch für die Aneignung von
Wissen.
45
Abbildung 5: Laut der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor
nutzten von 3500 Befragten im Dezember 2018 (Teilnehmer über 16) ca. 70%
jeweils Youtube, Whatsapp und/oder Facebook (Statista, 2018)
114
Zusätzlich kommt eine Umfrage mit 2000 Teilnehmern des Marktforschungs-
institus Appinio zu dem Ergebnis, dass knapp 26% der Youtube-Benutzer am
liebsten Youtube-Videos der Kategorie Dokumentation (Wissensvermittlung)
anschauen.
115
Würden BMEL und die DGE somit Dokumentationen über die
Themen Ernährung, Achtsamkeit und Übergewicht auf Youtube veröffentli-
chen, könnten sie bis zu 11,4 Millionen Menschen erreichen, was in etwa einem
Siebtel aller Personen in Deutschland entspricht. Im Bereich Schule werden die
Ergebnisse noch deutlicher. Eine Umfrage des Rates für Kulturelle Bildung e.V.
mit 520 Jugendlichen kommt zu dem Ergebnis, dass 86% der Jugendlichen
zwischen 12 und 19 Jahren Youtube nutzen.
116
66% derjenigen, die Youtube als
wichtig erachten, geben zudem an, dass sie die Plattform zur Vertiefung von
Wissen nutzen. Damit gilt Youtube inzwischen auch als wichtiges soziales
Netzwerk zur Vermittlung von Wissensinhalten.
46
Abbildung 6: Anteil Jugendlicher, die Youtube zu schulischen Zwecken nutzen.
66% derjenigen, die Youtube im Bereich des Lernens als wichtig erachten, nut-
zen die Plattform, um Wissen zu vertiefen (Statista, 2017).111
Auch über Facebook, Instagram und andere Netzwerke können Wissensinhalte
geteilt werden. Hier wäre die Stärkung und Intensivierung der bisherigen Maß-
nahmen empfehlenswert. Mit 18 Tausend Abonnenten auf Instagram und
1.600 Abonnenten auf Youtube und fehlendem Facebook-Kanal weist der
BMEL im Vergleich zu anderen ähnlichen Organisationen und Personen eine
sehr geringe Reichweite auf. Auch die Aufrufzahlen der Videos und Beiträge
sind entsprechend gering. Bei der DGE sieht es nicht anders aus: Mit knapp
über 200 Abonnenten ist Youtube der einzige Kanal des Instituts. Die Qualität
des Marketings dieser Institute scheint in Bezug auf Reichweite, Strategie und
Umsetzung gering zu sein. Andere politische Institute, wie das Bundesministe-
rium für Gesundheit (301 Tausend Gefällt-Mir-Angaben auf Facebook
117
, 181
Tausend Abonnenten auf Instagram
118
), das Bundeszentrum für Ernährung
(BZfE, 6,6 Tausend Gefällt-Mir-Angaben auf Facebook
119
und 1300 Abonnen-
ten auf Youtube
120
) und Personen wie Julia Klöckner (Bundesministerin des
BMEL, 57 Tausend Gefällt-Mir-Angaben auf Facebook
121
, 41 Tausend Abon-
nenten auf Instagram
122
) oder Gesundheitsminister Jens Spahn (141 Tausend
Gefällt-Mir-Angaben auf Facebook
123
und 92 Tausend Abonnenten auf Insta-
gram
124
) haben erkannt, wie wichtig eine Kommunikation über die sozialen
Netzwerke ist (Stand: 30. Mai 2020). Zukünftig sollte die Ernährungskommuni-
kation von Instituten verbessert werden. Denn zur langfristigen Verbesserung
47
von Ernährung und Gesundheit in der Bevölkerung ist eine adäquate Kommu-
nikation nötig.
Die Reichweite deutscher Gesundheits- und Ernährungsinstitute ist für die
Vermittlung von Wissensinhalten entscheidend, somit wäre eine Optimierung
der Reichweite empfehlenswert. Hier könnte ein mögliches Ziel die Erhöhung
der Reichweite auf die bis zu 11,4 Millionen genannten Zuschauer auf Youtube
sein. Dieses Ziel könnte mithilfe von anderen Kanälen und Medien, die bereits
eine höhere Reichweite besitzen, sowie durch andere Institute, die Wissensin-
halte von der DGE und dem BMEL vermitteln, wie etwa der Deutschen Adipo-
sitas Gesellschaft (DAG), anvisiert werden.
Eine weitere wichtige Aufgabe des Bundesministeriums für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) ist zudem die Bereitstellung von Lehrmaterial.
125
Da die
Ernährungslehre nicht als offizielles Schulfach in den meisten Schulformen an-
erkannt wird, ist zudem abzuwägen, ob die Lehrinhalte in anderen Fächern wie
Sport oder Philosophie vermittelt oder durch individuelle Projekte von den
Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden können. Angesichts der hohen
Erkrankungszahlen durch Übergewicht wäre eine solche Maßnahme als über-
aus wichtig zu beurteilen. Die Ernährungsbildung sollte hierbei nicht vollstän-
dig den Eltern überlassen werden. Die Schule trägt einen wichtigen Teil dazu
bei, Jugendlichen Selbstverantwortung für das spätere Leben zu vermitteln.
Für sich selbst verantwortlich zu sein heißt eben auch, dass man sich selbst ver-
sorgen und sich achtsam und ausgewogen ernähren kann. Eine Statistik der
Krankenkasse AOK zeigt dabei eindringlich: Je übergewichtiger die Eltern sind,
desto mehr wird die körperliche Aktivität während der Freizeit der Kinder und
Jugendlichen vernachlässigt.
126
Diese Fakten haben auch die Schulministerien
zur Kenntnis zu nehmen und in Zusammenarbeit mit dem BMEL und der DGE
dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler über Faktoren, die die Ge-
sundheit beeinflussen, aufgeklärt werden. Wird bei der eigenen Achtsamkeit
begonnen, so können die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Verhalten re-
flektieren und im Sinne der körperlichen und geistigen Gesundheit anpassen
und Krankheiten wie Übergewicht vorbeugen.
Abschließend dienen die folgenden Schritte exemplarisch der Verbreitung von
Wissensinhalten über die Themen Achtsamkeit und Übergewicht. Im digitalen
Zeitalter ist nicht nur die Aufbereitung, sondern auch die Vermarktung von
Wissen r die Vermittlung erheblich. Öffentliche Institute sind in der Verant-
wortung zur Verringerung von Übergewicht in der Bevölkerung durch eine Ver-
besserung der Ernährungskommunikation in Deutschland.
48
Leitfaden Achtsamkeit und Übergewicht für Ernährungsinstitute
1. Ziele klären:
Verringerung von Übergewicht durch Achtsamkeit in der deutschen Be-
völkerung
Erhöhung der Reichweite in sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram,
Youtube etc.)
Instruktionen für die Forschung (z.B. Methoden) klären
2. Methoden festlegen:
Umfragen zu Achtsamkeit und Übergewicht in verschiedenen Bevölke-
rungsgruppen durchführen
Aufträge zu Literaturrecherchen in Meta-Datenbanken veranlassen (Be-
kanntes ermitteln)
Kooperationspartner identifizieren (Institute, Werbeträger)
Finanzierung von Studien und Forschung festlegen (Staatliche Interven-
tionen)
3. Methoden anwenden:
Bedürfnisse der Verbraucher erkennen und kommunizieren
Zusammenarbeit mit Instituten (wie der Deutschen Adipositas Gesell-
schaft e.V.) veranlassen und Schwerpunkte definieren
Bisherigen Kenntnisstand zu Achtsamkeit und Übergewicht über soziale
Netzwerke mithilfe von Werbeträgern und Werbeagenturen vermitteln
Studien durchführen (z.B. Achtsamkeitstechniken zur Stärkung von ge-
sunden Ernährungsgewohnheiten)
4. Ergebnisse übertragen
Neue Erkenntnisse medial vermitteln und einbinden
Lehraufträge in Fächern wie Sport und Philosophie einreichen (z.B. Acht-
samkeitstechniken)
Gesunde Gewohnheiten, die in der Forschung herausgestellt werden
konnten, in der Bevölkerung durch Vorbilder (Influencer, Testimonials)
etablieren
5. Effekte stärken
Geringere Sterbefälle und Erkrankungen an Übergewicht erreichen
Höhere Leistungsbereitschaft in der Bevölkerung durch verbesserte Ent-
spannung und Achtsamkeit erzielen
Weiterentwicklung von spezifischen Fachbereichen (Ernährungspsycho-
logie) und Aufbau eines interdisziplinären Verständnisses von Achtsam-
keit und Übergewicht
49
Zusammenfassung
Übergewicht ist ein zunehmendes Problem in der Gesellschaft. Zur Behebung
der weltweiten pandemieartigen Zustände von Übergewicht in der Bevölke-
rung wurde ein ganzheitlicher Ansatz vorgeschlagen, welcher die neuesten Er-
kenntnisse aus der Literatur berücksichtigt. Zur Verifizierung sollte mithilfe einer
Befragung gezeigt werden, dass durch steigende Unzufriedenheit und An-
spannung bezüglich der eigenen Ernährungssituation auch das eigene Körper-
gewicht ansteigt. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Übergewicht somati-
sche Probleme bedingt, jedoch in psychologischem Fehlverhalten wurzelt. Der
Verarbeitung von Stress im zentralen Nervensystem (ZNS) kommt dabei eine
wichtige Rolle zu. Zur weiteren Vertiefung sind neue Studienergebnisse not-
wendig, welche analog zur Psyche des Menschen auch die biochemischen Pa-
rameter im Körper messen. Deutsche Ernährungsinstitute haben konkret die
Aufgabe zur öffentlichen Kommunikation solcher Ergebnisse in der Bevölke-
rung. Durch die weitere Erschließung des Themengebietes Achtsamkeit und
Übergewicht in der Ernährungspsychologie könnte ein wesentlicher Beitrag zur
Verringerung von Übergewicht geleistet werden.
Ich versichere, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig angefertigt habe
und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen verwendet
habe. Die eingereichte Arbeit habe ich in gleicher oder ähnlicher Form noch
keinem anderen Prüfungsausschuss vorgelegt.
05. Juni. 2020, Düsseldorf.
50
Anhang
Verzeichnis der Abkürzungen
ACTH
Adreno-Corticotropes-Hormon
BMEL
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
BMI
Body-Mass-Index (Körpermassen-Index)
CHF
chronische Herzinsuffizienz
DAG
Deutsche Adipositas Gesellschaft e.V.
DGE
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
HPA-Achse
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
NO
Stickstoffmonoxid (Nitric Oxid)
SAM-Achse
Sympathikus-Nebennierenmark-Achse
TN
Teilnehmer
ZNS
Zentrales Nervensystem
Verzeichnis der Tabellen
Einteilung von Gewichtsklassen durch den BMI (WHO, 2000)
S.13
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Entwicklungen von Krankheiten durch Stress (Slavich, 2016)
S.7
Abbildung 2: Leistungsfähigkeit in Bezug auf Stress (Salleh, 2008)
S.8
Abbildung 3: Entwicklung von Übergewicht in DE (Statista, 2019)
S.14
Abbildung 4: Auswirkungen von Stress auf Diabetes (Joseph, 2017)
S.22
Abbildung 5: Social Media Nutzung bei über 16-Jährigen (Statista, 2019)
S.45
Abbildung 6: Nutzung des sozialen Netzwerkes Youtube (Statista, 2019)
S.46
51
Fragebogen
Eingangstext zum Fragebogen:
Liebe Freunde, liebe Bekannte, liebe Teilnehmer!
Ihr könnt mir im Rahmen meiner Bachelorarbeit (FH Münster, Oecotrophologie)
helfen und einen Beitrag zum Thema Zusammenhang zwischen Aspekten der
Achtsamkeit und Übergewicht leisten. Um meine Hypothesen bestätigen zu
können, mache ich eine kleine Umfrage. Jeder Antwortende ist herzlich einge-
laden, denn die Umfrage bezieht sich auf die Normalbevölkerung. Worum es
geht, ist lediglich eure Aufrichtigkeit zur ehrlichen Beantwortung der Fragen.
Denn es gilt nun: Je ehrlicher die persönliche Einschätzung, desto wahrheitsge-
treuer ist das Endergebnis! Eure Daten bleiben selbstverständlich anonym.
Um Missverständnisse zu vermeiden, füge ich zu Beginn noch einige kurze De-
finitionen zu Begriffen ein, wie ich sie zur Auswertung meiner Bachelorarbeit
verwende.
Achtsamkeit: Bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Innere (z.B. auf
Gefühle)
Meditation: Praxis der Achtsamkeit durch Techniken, die die innere Ruhe ver-
bessern
Dankbarkeit: Positive Gefühle der Wertschätzung über das Erleb-
te
Zufriedenheit: Allgemeine, innere Ausgeglichenheit gegenüber Ereignissen
im Leben
Gelassenheit: Akute, innere Ruhe trotz äußeren Stresses (z.B. Hektik)
Mäßigung: Innehalten und Einhalten bestimmter Prinzipien zur Vermeidung
von Überfluss
Hingabe: Leidenschaft zur Ausführung bestimmter Tätigkeiten (Ernährung,
Sport etc.)
Diät: Aktive Ernährungsumstellung
Bei der Bewertung von Fragen mit Daumen gilt: 1 Daumen ist gleich keine Zu-
stimmung, 5 Daumen ist gleich absolute Zustimmung. Jeder Teilnehmer bitte
nur 1x antworten!
Danke für eure Zeit und gutes Gelingen!
Tristan Nolting.
52
Frage 1: Was ist Ihr Geschlecht?
(Männlich) (Weiblich) (Divers)
Frage 2: Wie alt sind Sie?
(Unter 18) (18-30) (31-40) (41-50) (51-60) (über 60)
Frage 3: Was ist ihr höchster Bildungsabschluss?
(Grundschul-/ Hauptschulabschluss) (Realschulabschluss) (Abgeschlossene
Ausbildung) (Hochschulreife) (Allgemeine Hochschulreife - Abitur) (Bachelor)
(Master) (Doktor)
Frage 4: Wie ist Ihr Familienstand?
(Ledig) (In einer Partnerschaft) (Verheiratet) (Verwitwet) (Sonstiges)
Frage 5: Bitte geben Sie Ihren Body-Mass-Index (BMI) an (Formel angegeben):
(Unter 19) (19-20) (21-24) (25-30) (30-40) (über 40)
Frage 6: Haben Sie Allergien? Bitte angeben: (Freitext)
____________
Frage 7: Wie häufig essen Sie Mahlzeiten pro Tag? (durchschnittlich) Auswahl
(1-2x) (3x) (4x) (5 oder mehr)
Frage 8: Welche Lebensmittel meiden Sie (z.B. aufgrund von Unwohlsein)?
Mehrfachauswahl
(Milchprodukte) (Eier) (Fleisch) (Fisch) (Nüsse) (Hülsenfrüchte) (Früchte) (Süßig-
keiten) (Fast Food/ Convenience Food) (Alkohol) (Keine)
Frage 9: Welche Diät-Konzepte haben Sie bereits ausprobiert? Freitext
_____; Keins
Frage 10: Welche Mahlzeit ist für Sie die Wichtigste des Tages? Auswahl
(Frühstück) (Mittagessen) (Abendbrot) (Snacks) (Alles wichtig)
Frage 11: Wie hoch ist der Anteil an Fast/Convenience Food in Ihrer Ernäh-
rung?
Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 12: Wie viel Zeit nehmen Sie sich für eine Mahlzeit? Auswahl
(<10Min) (10-20Min) (21-30Min) (31-40Min) (über 40Min)
Frage 13: Wie viel trinken Sie im Durchschnitt pro Tag (Schätzung)?Auswahl
(unter 1l) (1,1-2l) (2,1-3l) (3,1-4l) (über 4l)
53
Frage 14: Wie viel Prozent der Zeit essen Sie in Gesellschaft? Bewertung/
Daumen 1-5
Frage 15: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Ernährung? Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 16: Wie zufrieden sind Menschen in Ihrer unmittelbaren Umgebung mit
ihrer Ernährung (subjektive Einschätzung)? Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 17: Wie würden Sie ihren eigenen Gesundheitszustand bewerten (z.B.
gibt es Beschwerden)? Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 18: Was möchten Sie an Ihrem Gesundheitszustand verbessern? Aus-
wahl (Körperliche Beschwerden) (psychologische Verfassung) (Zufriedenheit)
(Körpergewicht) (Ausdauer) (Muskulatur) (Kraft) (Motorik)
Frage 19: Wie bewerten Sie folgende Aspekte der Achtsamkeit ihres Verhal-
tens in Bezug auf die Ernährung? (Gegenwärtig) Bewertung
(Dankbarkeit) Daumen 1-5
(Gelassenheit) Daumen 1-5
(Hingabe) Daumen 1-5
(Mäßigung) Daumen 1-5
(Bereitschaft zum Teilen) Daumen 1-5
(Wohlbefinden) Daumen 1-5
(Aufmerksamkeit) Daumen 1-5
(Zufriedenheit) Daumen 1-5
Frage 20: Wie bewerten Sie die folgenden Eigenschaften nach Ihrem Wunsch
zur Verbesserung Ihres Verhaltens? (Zukünftig): Bewertung/ Daumen 1-5
(Dankbarkeit) (Gelassenheit) (Hingabe) (Mäßigung) (Bereitschaft zum
Teilen) (Wohlbefinden) (Aufmerksamkeit) (Zufriedenheit)
Frage 21: Wie oft konsumieren Sie Lebensmittel unter folgenden Umständen?
Bewertung/ Daumen 1-5
(Zuhause [ohne elektronische Geräte])
(Zuhause [mit elektronischen Geräten])
(Bei Freunden/Familie)
(Unterwegs)
(im Restaurant)
(Auf der Arbeit)
Frage 22: Haben Sie subjektiv gesehen häufig Heißhunger? Bewertung
Daumen 1-5
54
Frage 23: Würden Sie Ihre Ernährung als ausgewogen beschreiben?
Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 24: Wird ihr Ernährungsverhalten stark durch äußere Umstände geprägt?
Bewertung/ Daumen 1-5
Frage 25: Welche der folgenden Methoden könnten Ihrer Ansicht dazu beitra-
gen, die Zufriedenheit mit der eigenen Ernährung zu erhöhen? Bewertung
(Dankbarkeit) Daumen 1-5
(Meditation) Daumen 1-5
(Gesellschaft) Daumen 1-5
(Bildung über Nahrungsmittel) Daumen 1-5
(Bildung über den bewussten Verzehr von Nahrungsmitteln) Daumen 1-5
(Lernen, sich mehr Zeit zu nehmen) Daumen 1-5
(Lebensmittelverbote) Daumen 1-5
(Staatliche Interventionen z.B. Steuern) Daumen 1-5
(Eine neue Diät) Daumen 1-5
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Aim: The worldwide prevalence of type 2 diabetes mellitus is increasing, with most individuals with the disease being overweight or obese. Weight loss can reduce disease-related morbidity and mortality, and weight losses of 10-15 kg have been shown to reverse type 2 diabetes. This review aimed to determine the effectiveness of community-based educational interventions for weight loss in type 2 diabetes. Methods: This is a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (RCT) in obese or overweight adults, aged 18-75 years, with a diagnosis of type 2 diabetes. Primary outcomes were weight and/or BMI. CINAHL, MEDLINE, Embase, Scopus and the Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL) were searched from inception to June 2019. Trials were classified into specified a priori comparisons according to intervention type. A pooled standardized mean difference (SMD) (from baseline to follow-up) and 95% confidence intervals (95% CI) between trial groups (difference-in-difference) were estimated through random-effects meta-analyses using the inverse variance method. Heterogeneity was quantified using I2 and publication bias was explored visually using funnel plots. Results: Some 7383 records were screened; 228 full-text articles were assessed and 49 RCTs (n = 12 461 participants) were included in this review, with 44 being suitable for inclusion into the meta-analysis. Pooled estimates of education combined with low-calorie, low-carbohydrate meal replacements (SMD = -2.48, 95% CI -3.59, -1.49, I2 = 98%) or diets (SMD = -1.25, 95% CI -2.11, -0.39, I2 = 95%) or low-fat meal replacements (SMD = -1.15, 95%CI -2.05, -1.09, I2 = 85%) appeared most effective. Conclusion: Low-calorie, low-carbohydrate meal replacements or diets combined with education appear the most promising interventions to achieve the largest weight and BMI reductions in people with type 2 diabetes.
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Obesity is a major health and economic crisis facing the modern world. It is associated with excess mortality and morbidity and is directly linked to common conditions such as type 2 diabetes mellitus, coronary heart disease and sleep apnoea. The management of obesity and its associated complications has evolved in recent years, with a shift towards more definitive strategies such as bariatric surgery. This review encompasses the dietary, pharmacological and surgical strategies currently available for the management of obesity.
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Despite the tight historical links between science and philosophy, present-day scientists often perceive philosophy as completely different from, and even antagonistic to, science. We argue here that, to the contrary, philosophy can have an important and productive impact on science. We illustrate our point with three examples taken from various fields of the contemporary life sciences. Each bears on cutting-edge scientific research, and each has been explicitly acknowledged by practicing researchers as a useful contribution to science. These and other examples show that philosophy’s contribution can take at least four forms: the clarification of scientific concepts, the critical assessment of scientific assumptions or methods, the formulation of new concepts and theories, and the fostering of dialogue between different sciences, as well as between science and society.
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Mindfulness meditation is increasingly incorporated into mental health interventions, and theoretical concepts associated with it have influenced basic research on psychopathology. Here, we review the current understanding of mindfulness meditation through the lens of clinical neuroscience, outlining the core capacities targeted by mindfulness meditation and mapping them onto cognitive and affective constructs of the Research Domain Criteria matrix proposed by the National Institute of Mental Health. We review efficacious applications of mindufulness meditation to specific domains of psychopathology including depression, anxiety, chronic pain, and substance abuse, as well as emerging efforts related to attention disorders, traumatic stress, dysregulated eating, and serious mental illness. Priorities for future research include pinpointing mechanisms, refining methodology, and improving implementation. Mindfulness meditation is a promising basis for interventions, with particular potential relevance to psychiatric comorbidity. The successes and challenges of mindfulness meditation research are instructive for broader interactions between contemplative traditions and clinical psychological science. Expected final online publication date for the Annual Review of Clinical Psychology Volume 15 is May 7, 2019. Please see http://www.annualreviews.org/page/journal/pubdates for revised estimates.
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The dopaminergic system plays important roles in neuromodulation, such as motor control, motivation, reward, cognitive function, maternal, and reproductive behaviors. Dopamine is a neurotransmitter, synthesized in both central nervous system and the periphery, that exerts its actions upon binding to G protein-coupled receptors. Dopamine receptors are widely expressed in the body and function in both the peripheral and the central nervous systems. Dopaminergic signaling pathways are crucial to the maintenance of physiological processes and an unbalanced activity may lead to dysfunctions that are related to neurodegenerative diseases. Unveiling the neurobiology and the molecular mechanisms that underlie these illnesses may contribute to the development of new therapies that could promote a better quality of life for patients worldwide. In this review, we summarize the aspects of dopamine as a catecholaminergic neurotransmitter and discuss dopamine signaling pathways elicited through dopamine receptor activation in normal brain function. Furthermore, we describe the potential involvement of these signaling pathways in evoking the onset and progression of some diseases in the nervous system, such as Parkinson’s, Schizophrenia, Huntington’s, Attention Deficit and Hyperactivity Disorder, and Addiction. A brief description of new dopaminergic drugs recently approved and under development treatments for these ailments is also provided.