PreprintPDF Available

Die Verengung der Welt. Zur medialen Konstruktion Deutschlands unter SARS-CoV-2 und Covid-19 anhand der Formate "ARD Extra" und "ZDF Spezial"

Authors:
Preprints and early-stage research may not have been peer reviewed yet.

Abstract

Die Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2 und der damit einhergehenden Erkrankung Covid-19 lässt sich auch als eine Geschichte einer Pandemie der Medien beschreiben. Genauso, wie sich das Virus global verbreitet hat, ist auch für die Medien schon rein quantitativ eine immense Verbreitung der Berichterstattung zum Coronavirus zu diagnostizieren. Signifikant ist bereits die Tatsache, dass ab der zweiten Märzwoche 2020 bis in den Juni hinein die öffentlich-rechtlichen Programme ARD und ZDF nahezu täglich nach der Hauptnachrichtensendung am Abend eine Sondersendung («ARD Extra: Die Corona Lage» und «ZDF Spezial») zum Coronavirus ausstrahlen. In unserem Beitrag wollen wir aus einer medien- und kultursemiotischen Perspektive die in den Sondersendungen vermittelten Weltmodelle analysieren: Wir verstehen die Fernsehsondersendungen als abgeschlossene Modelle von Welt, die implizite Regeln, Werte und Ideologien aufweisen, die wir analytisch offenlegen wollen.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
1
Erscheint in: Magazin des Graduiertenkollegs Privatheit der Universität Passau
14/2020
Die Verengung der Welt
Zur medialen Konstruktion Deutschlands unter SARS-CoV-2 und Covid-19 anhand der
Formate «ARD Extra» und «ZDF Spezial»
Dennis Gräf/Martin Hennig
Die Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus SARS-CoV-2 und der damit einherge-
henden Erkrankung Covid-19 lässt sich auch als eine Geschichte einer Pandemie der Me-
dien beschreiben. Genauso, wie sich das Virus global verbreitet hat, ist auch für die Me-
dien schon rein quantitativ eine immense Verbreitung der Berichterstattung zum
Coronavirus zu diagnostizieren. Signifikant ist bereits die Tatsache, dass ab der zweiten
Märzwoche 2020 bis in den Juni hinein die öffentlich-rechtlichen Programme ARD und
ZDF nahezu täglich nach der Hauptnachrichtensendung am Abend eine Sondersendung
(«ARD Extra: Die Corona Lage» und «ZDF Spezial») zum Coronavirus ausstrahlen.
In unserem Beitrag wollen wir aus einer medien- und kultursemiotischen Perspektive
1
die in den Sondersendungen vermittelten Weltmodelle analysieren: Wir verstehen die
Fernsehsondersendungen als abgeschlossene Modelle von Welt, die implizite Regeln,
Werte und Ideologien aufweisen, die wir analytisch offenlegen wollen. Faktuale journa-
listische Texte verschieben gegenüber fiktionalen Texten zwar das Referenzverhältnis,
indem sie für sich beanspruchen, auf keine fiktionale Welt zu verweisen, sondern in ei-
nem Repräsentationsverhältnis zu einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit zu ste-
hen. Gleichzeitig konstituieren sich auch journalistische Beiträge wie jeder Text mittels
Operationen der Auswahl (paradigmatische Ebene) und Kombination (syntagmatische
Ebene) von Elementen aus Zeichensystemen und konstruieren darüber eigenständige
textuelle Bedeutungen. Dies betrifft im Bereich des Fernsehjournalismus auf paradig-
matischer Ebene etwa Drehorte, Kameraeinstellungen, Möglichkeiten der Lichtsetzung,
1
Zur methodologischen Perspektive unseres Beitrags siehe Gräf 2017, den Sammelband Krah/Titzmann
2017 sowie in Anwendung auf interaktive Medien Hennig 2017.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
2
potenzielle Interviewpartner und Interviewfragen, den Inhalt von Bauchbinden etc., un-
ter denen jeweils ausgewählt wird und die im filmischen Syntagma kombiniert auftre-
ten. Aus der Kombination von Elementen innerhalb einer Beitragssequenz und darüber
hinaus auch aus der Kombination von Beiträgen innerhalb eines vollständigen Sendungs-
formats eröffnen sich weitere Bedeutungsebenen.
Da nun jeder Text durch einen Rahmen begrenzt ist, ist davon auszugehen, dass die im
Text auf diese Weise erzeugten Bedeutungen lediglich Teile eines größeren Ganzen bil-
den; Texte repräsentieren einen übergeordneten Weltentwurf, mit jeweils eigenen Ord-
nungen, Leitdifferenzen etc., den sie modellhaft abbilden. Aus der konkreten Textstruk-
tur lassen sich etwa anthropologische Modelle des Menschen, Modelle von Welt und
Wirklichkeit und eben auch Modelle von Krisen und ihrem Verhältnis zur gesellschaftli-
chen Ordnung abstrahieren.
Sendungskonzepte
Bevor wir die Sondersendungen auswerten, muss noch ein Blick auf das Konzept der
Sondersendungen geworfen werden. Dieses Format wird in der Regel nach den Haupt-
nachrichten um 20.15 Uhr (ARD) oder 19.25 Uhr (ZDF) ausgestrahlt, wenn ein global o-
der lokal relevanter Sachverhalt eintritt, der von allgemeinem Interesse ist und von einer
Redaktion für außergewöhnlich berichtenswert gehalten wird. In diesem Zusammen-
hang ist wichtig, dass die Sondersendungen das reguläre Programm verändern und sich
die nachfolgenden Sendungen je nach Länge der Sondersendung entweder nach hinten
verschieben oder ganz ausfallen. Hier findet also eine Abweichung von einem Normalfall
statt, der mit der Besonderheit des Berichtsgegenstands begründet wird. Eine Sonder-
sendung stellt somit eine Ausnahme dar, nicht den Regelfall. Bereits an dieser Stelle
möchten wir betonen, dass bei einer Ausstrahlung von 42 Sendungen ZDF Spezial inner-
halb von 15 Wochen wobei 40 ZDF Spezial-Sendungen auf 11 Wochen fallen und 51
Sendungen ARD Extra (Stand: 18.06.2020) nicht mehr von einer Abweichung und Aus-
nahme die Rede sein kann, sondern von einer neuen Normalität. Damit geht das einher,
was wir bereits im Titel unseres Beitrags als Verengung der Welt bezeichnen möchten:
Wenn nahezu täglich das Exzeptionelle zum neuen Regelfall stilisiert wird, dann findet
damit zwangsläufig eine lebensweltliche und auch ideologische Engführung statt, die ei-
ner Ausblendung aller anderen gesellschaftlich relevanten Gemengelagen entspricht.
2
2
In unserem Beitrag fokussieren wir die Sendungen in der Hochphase der Krise von Mitte März bis Mitte
Mai.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
3
Die quantitative Dimension der Sondersendungen lässt sich mit einem Vergleich zur An-
zahl von Sondersendungen des Formats ZDF Spezial im Jahr 2019 erkennen: Dort hat es
abgesehen von der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin insgesamt 12 Sendungen
zumindest soweit das für uns über das Portal MediathekView und die ZDF-Mediathek
rekonstruierbar ist gegeben, also weniger als ein Drittel der 42 Corona-Sendungen, die
von Mitte März bis Mitte Mai 2020 ausgestrahlt wurden. Sicherlich lässt sich hier leicht
mit der umfassenden Relevanz des Themas für die gesamte Bevölkerung argumentieren,
dennoch vermittelt die Verstetigung des eigentlich als Abweichung konzipierten For-
mats ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario.
Gesellschaft in der Krise
Generell vereint die Berichterstattung eine hyperbolische Krisenrhetorik. Was vor allem
dargestellt wird, ist die Protokollierung der Auswirkungen des Virus im Sinne der politi-
schen Maßnahmen, wobei die aus den Maßnahmen erwachsenen gesellschaftlichen
Probleme fokussiert sind. Unabhängig davon, wie einschneidend diese tatsächlich wa-
ren und sind, werden die aus den thematischen Aspekten resultierenden Problemstel-
lungen auf Inszenierungsebene im Zusammenspiel zu einer vollständig negativen Welt-
sicht übersteigert, die kein primär inhaltliches, sondern ein rhetorisches Phänomen bil-
det. So problematisieren einzelne im Verlauf einer Sendung direkt aufeinanderfolgende
Beiträge genau gegenteilig: Im ARD Extra vom 16. April 2020 wird zuerst die aufgrund
der geschlossenen Schulen erhöhte familiäre Belastung thematisiert, wohingegen der
nächste Einspieler die gesundheitlichen Gefahren geöffneter Bildungseinrichtungen fo-
kussiert. Genauso gehört es einerseits zum allgemeinen Schema der Sendungen, für jede
staatliche Vorgabe ein problematisierendes Einzelfallbeispiel zu finden. Auch in Inter-
views wird wiederholt auf anonym bleibende Experten verwiesen, welche die Effizienz
von Lösungsansätzen bezweifeln («Experten sagen uns eben auch, das sei nur bei ganz
geringen Fallzahlen möglich», ARD Extra vom 07. Mai 2020, 04:32). Gleichzeitig wird
permanent ein Zuwenig der staatlichen Intervention angeprangert und fortlaufend der
Wunsch nach klaren Vorgaben konstruiert sowie das Problem der in den Bundesländern
jeweils unterschiedlich ausfallenden Maßnahmen kritisiert.
Die einseitige Krisenrhetorik wird auf bildlicher Ebene dupliziert und übersteigert, wobei
die Kommentare der Moderator*innen und jene in der Krise virulenten Begriffe mit re-
kurrenten visuellen Inszenierungen verknüpft sind, welche das kollektive Bildgedächtnis
zu Krisenszenarien adressieren. Der zentrale Informationsgehalt der Sendungen ist da-
bei den gesprochenen Texten zuzuordnen, während die Bilder paradigmatisierende
Funktionen übernehmen und Analogien bilden. So heißt es im ARD Extra vom 25. März
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
4
2020: «Shutdown. Das heißt Geschäfte geschlossen, Schulen geschlossen […]. Was das
mit den Innenstädten macht, das haben wir uns […] mal ganz genau angeschaut» (ab
08:56), es folgen eigentlich redundante Bilder von leeren Geschäften und Fußgängerzo-
nen, die sich jedoch als wiederkehrendes Element durch fast alle Sendungen ziehen, in
Abwandlungen iteriert werden (etwa Darstellungen von verwaisten Turnhallen oder Kir-
chen im ARD Extra vom 16. April 2020) und auf die Bildwelten apokalyptischer Endzeiter-
zählungen verweisen. Entsprechend weist der Kommentar die Situation als dauerhafte
gesellschaftliche Zäsur aus: «Die Krise, sie könnte unsere Innenstädte auch auf Dauer
spürbar verändern» (ARD Extra vom 25. März 2020, 11:18), «Die Arbeitswelt, wie wir sie
kannten, zerfällt gerade» (ARD Extra vom 30. April 2020, 11:28), «Wie lange können wir
uns das […] noch leisten?» (ARD Extra vom 25. März 2020, ab 2:52). In der Iteration der
Texte und Bilder insgesamt und der redundanten Struktur der Verknüpfung von textu-
eller und visueller Ebene wird folglich immer wieder der vollständige Zusammenbruch
des öffentlichen Lebens unterstrichen und als neue Normalität gesetzt.
3
Entsprechend fokussieren die Sendungen während des Shutdowns als Hoffnungsschim-
mer primär die Entwicklung eines Impfstoffs; so gut wie nie wird in diesem Zeitraum
über einen möglichen Erfolg des Shutdowns in Richtung der Fallzahlen spekuliert. Dies
ergibt sich aus dem Erzählmodell der Sendungen, welches die Krise durch den Shutdown
eben nicht gleichzeitig als dessen Lösung proklamieren kann: Die Sendungen beschrän-
ken sich vornehmlich auf das mit dem Sendungsschema konsistente, etwa aus filmi-
schen Virenthrillern gespeiste Motiv des zeitlichen Wettlaufs um die Entwicklung eines
Impfstoffs.
Die Krise ist folglich nicht nur das Thema, sondern Krisenhaftigkeit bildet auch das zent-
rale rhetorische Paradigma der Inszenierung. Entsprechend finden sich in den Sendun-
gen ab den ersten Lockerungen der staatlich angeordneten Einschränkungen kompen-
sierende Inszenierungsstrategien, welche die Krise jeweils auf einer anderen Ebene the-
matisch werden lassen: als Rückschau auf die Vergangenheit (vgl. das Segment «Bilder
des Ausnahmezustandes» im ARD Extra vom 07. Mai 2020), als narrativierende, persön-
liche Erzählung einer Reporterin, die ihre Urlaubspläne ad acta legen musste (vgl. ARD
Extra vom 29. April 2020), als Fokus darauf, was trotz der Öffnungen alles noch nicht
wieder möglich ist (vgl. ARD Extra vom 28. April 2020) und natürlich auch als Problema-
tisierung eben dieser Rückkehr zur Normalität.
4
3
Dass etwa die Abmoderation vom ARD Extra vom 16. April 2020 mit den Worten «Bleiben Sie optimis-
tisch» (30:12) schließt, hat vor diesem Hintergrund durchaus ironischen Charakter.
4
So wird im ARD Extra vom 24. April 2020 anhand von teilweise wieder offenen Geschäften von einer
Moderatorin beim Interview spekuliert, inwieweit eine zweite Welle der Epidemie drohe und nun die
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
5
Rolle der Medien
Die kontinuierliche Iteration und Redundanz des Aufzeigens gesellschaftlicher Auswir-
kungen der politischen Maßnahmen lässt sich durchaus als Teil der so bezeichneten
Corona-Krise bewerten: So drastisch die Auswirkungen von Kita- und Schulschließun-
gen, die Situation der Gastronomie usw. tatsächlich auch waren und sind, ist deren per-
manente Problematisierung zusätzlich dazu angetan, Panik in der Bevölkerung aufkom-
men zu lassen.
5
Die dabei verhandelten gesellschaftlichen Probleme sind allerdings eben
nicht unmittelbare Folge des Ausbruchs des Virus, sondern seiner Eindämmungsmaß-
nahmen. Diese Maßnahmen, so lässt sich dem gesellschaftlichen Diskurs entnehmen,
sind aber eben nicht in Blei gegossen, sondern Gegenstand einer öffentlichen Auseinan-
dersetzung, auch in der scientific community der Virolog*innen und Epidemiolog*innen.
Dagegen wird von den Sondersendungen eine Identität von Virus und Maßnahmen in-
szeniert, wodurch die Maßnahmen als genauso natürlich und in gewisser Hinsicht un-
hinterfragbar wie der Virus selbst erscheinen. Dabei folgt das wiederkehrende Argumen-
tations- und Sequenzmuster der Sendungen in der Regel einem einfachen Ursache-Wir-
kungs-Schema. Zuerst die Darstellung einer Eindämmungsmaßnahme in der Anmodera-
tion, dem folgt ein vertiefender Beitrag. Das dortige protokollartige und quasi-dokumen-
tarische Aufzeichnen der gesellschaftlichen Folgen geschieht häufig in problematisieren-
den Einzelfällen, die stellvertretend für einzelne gesellschaftliche Gruppen stehen sol-
len. In diesem Zuge kommt es in der Regel zu Emotionalisierungsstrategien, etwa wenn
weinende und überforderte Mütter (kaum Väter) gezeigt werden, die Kinderbetreuung
und Homeoffice zwar gerade so managen können, dabei aber an den Rand ihrer Belast-
barkeit geraten oder wenn Selbstständigen durch den Lockdown die Existenzgrundlage
wegbricht. Die gesellschaftlichen Akteure werden dabei durchgängig als machtlos ge-
genüber den staatlichen Maßnahmen identifiziert, ihnen bleibt nichts, als diese zu er-
dulden. Dem folgt in Regel ein Interview mit einem/einer Vertreter*in aus Politik, Wirt-
schaft oder Wissenschaft. Vor allem hier zeigt sich ein kritischer Umgang mit den staat-
lichen Vorgaben, bei dem die Moderator*innen der Sendungen als Stellvertreter der Be-
völkerung fungieren und mitunter durchaus schroffe Fragen stellen. Damit ist allerdings
für Kritik von vornherein ein fixer Platz in der Sendungsstruktur vorgesehen, der letztlich
auch der rhetorischen Legitimation der Maßnahmen zuträglich ist. Denn die Darstellung
Öffnungen zu Problemen führen könnten, dann auch wieder härtere Maßnahmen durchzusetzen. Ähnlich
im ARD Extra vom 27. April 2020.
5
Als im ARD Extra vom 29. April 2020 ein Bericht über Panikmache versendet wird, aufgrund derer hilfs-
bedürftige Patienten nicht mehr in Krankenhäuser kämen, um notwendige Behandlungen durchführen zu
lassen, bleibt diese Vorlage zur Selbstreflexion angesichts einer möglichen Mitwirkung der Medien an die-
sem Angstgefühl leider ungenutzt.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
6
der Beiträge beschränkt sich in der Regel auf die Ebene der Auswirkungen der Maßnah-
men auf spezifische gesellschaftliche Akteure oder Gruppen (Familien, Alleinerziehende,
Selbstständige, das Hotelgewerbe etc.), wobei die Berichterstattung in ihrer Partikulari-
sierung von vornherein so angelegt ist, dass die in den nachfolgenden Interviews fortge-
führte Kritik leicht mit Verweis auf höhere, universelle und eben einzelfallübergrei-
fende gesellschaftliche Zwecke ausgehebelt erscheint.
Zusätzlich ist festzustellen, dass sich die Kritik auf einer spezifischen Ebene entfaltet:
Problematisiert werden bevorzugt scheinbar willkürliche Grenzziehungen in der Betrof-
fenheit von Maßnahmen wie die 800m2 Verkaufsfläche, die das Maximum für die Wie-
dereröffnung von Geschäften nach dem Shutdown bildeten. Auch fokussiert die Proble-
matisierung häufig die Umsetzung der Regeln, wenn etwa im ARD Extra vom 29. April
2020 berichtet wird, dass die staatlichen Kredite zum Teil nicht bei den Hilfsbedürftigen
ankämen, weil die Prüfungen der Hausbanken als Flaschenhälse fungierten. Dass jedoch
die Maßnahmen an sich unabhängig von der jeweiligen Ausgestaltung insgesamt
zielführend sind, wird implizit vorausgesetzt, entsprechend lässt sich die wiederholte
Kritik an den zerstückelten Regulatorien der Bundesländer als Wunsch nach einem star-
ken Staat lesen. Selten werden dagegen grundsätzliche Fragen der Angemessenheit und
Effizienz der Regelsysteme verhandelt.
Uns geht es an dieser Stelle dezidiert nicht um eine normative Bewertung, gleichwohl
ist insgesamt festzuhalten, dass die Sondersendungen damit eine Tendenz zur Affirma-
tion der staatlichen Maßnahmen aufweisen. In eine ähnliche Richtung deutet, dass die
Krise zwar rhetorisch durchgehend als gesellschaftliche Zäsur ausgewiesen ist, so gut
wie nie jedoch als Wendepunkt und Ausgangspunkt für neue Denkweisen und Lösungs-
strategien besprochen wird. Anschaulich wird dies etwa an den Diskussionen um staat-
liche Interventionen und Hilfspakete, bei denen in Bezug auf eine mögliche Unterneh-
mensbeteiligung des Staates ähnliche Debatten und Positionen ausgetauscht werden,
wie schon im Rahmen der vorherigen Weltwirtschaftskrise seit dem Jahr 2007. Neu ge-
dacht wird dagegen vornehmlich in Diskursfeldern, die bereits vor der Corona-Krise vi-
rulent und medial popularisiert wurden, wie etwa in Bezug auf die Debatte um eine grü-
nere, nachhaltigere Wirtschaft, wobei die Krise in diesem Fall vereinzelt durchaus als
möglicher Startschuss für eine neue Ordnung behandelt wird.
6
Was die Sondersendungen demnach vorführen, ist eine Art serielles Erzählen, dessen
Strukturmodell einer Vorabend-Soap gleicht: Es wird eine Reihe überschaubarer Hand-
lungsstränge mit einem überschaubaren Figureninventar (bzw. einem überschaubaren
6
Vgl. ARD Extra vom 29.04.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
7
Inventar an Akteurskonstellationen: Politik, Wirtschaft, Virologie, Bürger*innen) im im-
mergleichen Weltmodell vorgeführt, wobei das Vorführen von Krisen im Zentrum steht.
Dabei können die Problemlösungsstrategien zwar die jeweils aktuelle Krise lösen, gene-
rieren in der Sendungsrhetorik aber stets neue Krisen: Maßnahmen gegen die medizini-
sche Krise generieren Wirtschaftsprobleme, Maßnahmen gegen die Wirtschaftsprob-
leme generieren Staatsverschuldungen, die in neue ökonomische Krisen führen usw.
7
Stets läuft die Rhetorik der Sendungen darauf hinaus, dass die Defizienz des Weltmo-
dells insgesamt vorgeführt wird, was dann wieder funktional überhaupt erst die inhalt-
liche Grundlage der Sondersendungen hervorbringt. Obwohl das Thema der Sendungen
also Problemlösungsstrategien im Sinne der staatlichen Maßnahmen bilden, verfahren
die Formate selbst in ihrer Argumentation wenig lösungsorientiert.
Der von uns beschriebene Selbstbestätigungsmechanismus der Sendungen, der durch
das permanente Aufzeigen von Defizienzen die Existenz der Sendungen rechtfertigt,
wird im ZDF Spezial vom 17. März 2020 noch gesteigert. Hier heißt es «Fakt von Fake zu
unterscheiden, bleibt in der Flut von Nachrichten schwierig. Wie geht man am Besten
damit um? Statt auf dubiose Chatnachrichten oder Hörensagen zu vertrauen, sollte man
sich bei seriösen Medien und Einrichtungen informieren» (ZDF Spezial vom 17. März
2020, 51:45). Zu den Wörtern «seriöse Medien» zeigt der Beitrag einen in einem priva-
ten Wohnzimmer situierten Fernseher, auf dem eine von Marietta Slomka moderierte
ZDF heute journal-Ausgabe läuft. Der Beitrag verspricht an dieser Stelle nicht nur, dass
die «Meldungen [...] geprüft» (52:10) seien, er installiert darüber hinaus eine Selbstref-
erenz, die im Sinne einer Markenbindung funktional ist. Wenn das ZDF Spezial auf das
ZDF heute-journal verweist, dann entspricht das auch einer Verengung der Welt, indem
andere Sichtweisen als die eigene nicht zugelassen werden.
Leistung im Privaten
Die Inszenierung von Krisenhaftigkeit fungiert dabei nicht nur als thematische wie rhe-
torische Klammer, sondern prägt auch die sonstige Paradigmenbildung der Sendungen,
insofern gerade das Erzählschema der Krise dazu geeignet ist, Gesellschafts- und
7
Diese Fortsetzungslogik und das komplementäre Verhältnis der Beiträge im übergeordneten Argumen-
tationsmuster wird etwa im ARD Extra vom 23.04. anschaulich: Im einem Beitrag (ab 07:06) wird das Fi-
nanzdefizit der Länder angesprochen; die Lösung: der Bund soll helfen. Dem folgt jedoch direkt ein Beitrag
zur Bundesebene, in dem prognostiziert ist, dass aufgrund europäischer Solidaritätsverpflichtungen kein
Geld mehr für die Länder zur Verfügung stehe. Die Pointe besteht auch hier redundant in der scheinbaren
Unlösbarkeit der Krisensituation.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
8
Lebensmodelle zu akzentuieren; die Darstellung der Krise macht einen unterstellten
Werte- und Normenkanon der Gesellschaft sichtbar und verstärkt diesen in der Insze-
nierung.
Gerade die Darstellung von privater Familien- und Lebensführung ist in dieser Hinsicht
aufschlussreich. So wird die Krisenhaftigkeit des Familienalltags darüber konstruiert,
dass ein gesellschaftliches Leistungsideal aufgerufen ist, dem innerhalb der Krise nicht
mehr nachgekommen werden kann. Eltern sind verständlicherweise aufgrund der Un-
vereinbarkeit ihrer vielfältigen Pflichten mit Kindern im Homeoffice überfordert und die
Sendungen unterstreichen dies noch: So fokussiert die Kamerahandlung im ARD Extra
vom 16. April 2020 (ab 00:50) den liegen gebliebenen Abwasch; im Dialog mit der Fami-
lie wird die Angst geäußert, dass die Kinder durch die Schulschließungen den Anschluss
verlieren könnten. Nur gegenüber wem eigentlich? Die Schüler*innen und Familien im
Land befinden sich zu diesem Zeitpunkt weitestgehend in der derselben Position. Statt
jedoch die gewonnene Familienzeit als vielleicht auch positive Abweichung vom Alltag
zu inszenieren, wird in den Sendungen gerade die Diskrepanz zu diesem betont und
zwar nahezu ausschließlich in negativer Hinsicht unter Bezugnahme auf außerfamiliäre
Werte wie Produktivität und Effizienz. Das Familienleben in der Krise verkommt so zur
Nicht-Zeit, die schon darüber abgewertet ist, dass sie nicht den üblichen gesellschaftli-
chen Maximen folgt.
Dabei wird diese Perspektive von den Akteuren durchaus auch zur Selbstbeschreibung
übernommen. Im Rahmen der Krise werden in Alltags-Interviews Lebensstile herausge-
stellt, etwa wenn im ARD Extra vom 27. März 2020 familiäre Lebenswelten mit der eines
alleinstehenden Schauspielers kontrastiert sind; gemeinsam ist den Einspielern jedoch
die maßgebliche Rolle von Pflichterfüllung in der öffentlichen Selbstdarstellung: «Wir
gucken eben, dass wir das hier weiterhin gut hinbekommen» (18:58) konstatiert eine
Familie, der Schauspieler hält fest «Es gibt genug zu tun», dem folgt eine Auflistung an
Arbeits-(Texte lernen) und Freizeittätigkeiten (Yoga, Gitarre, Sport), die abschließend
unter dem Paradigma der Berufsrolle subsumiert sind «Das hat für mich auch alles mit
dem Beruf zu tun» (ab 19:25).
Dies ist umso mehr auffällig, als dass Leistung in den Sendungen unmittelbar mit gesell-
schaftlicher Sichtbarkeit einhergeht. Die Darstellung von Medizinern und Virologen
neigt nicht nur in Bezug auf Christian Drosten zur Narrativierung als Heldengeschichte:
So werden die durch den Direktor des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin, Klaus
Püschel, durchgeführten Autopsien als Rebellion gegen eine bestehende Ordnung er-
zählt (das Robert-Koch-Institut hatte eine gegenteilige Empfehlung zum Schutz des
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
9
medizinischen Personals herausgegeben).
8
Und ähnliche Tendenzen der Heroisierung
gelten für Ärzte und medizinisches Notpersonal allgemein: Es werden Spruchbänder aus
Krankenhäusern mit der Aufschrift «Wir bleiben für euch da» in Szene gesetzt, womit
die heldenhafte Aufopferungsbereitschaft der Akteure unterstrichen und ein ähnlich di-
chotomes Weltmodell konstruiert ist, wie in Bezug auf die Kriseninszenierung: Helden
(aktiv) vs. Masse (passiv) verhalten sich hier wie Regelsetzende (aktiv) vs. Regelbe-
folgende (passiv) zueinander. Berufliche Leistung wird folglich überhöht oder ist auf der
anderen Seite gar nicht sichtbar: Wiederholt zu sehen sind gestresste Pflegekräfte oder
DHL-Zusteller; überlastete Familien oder Selbstnarrativierungen aus der Perspektive ei-
ner Leistungsgesellschaft. Der berufliche Stillstand durch den Shutdown dagegen bleibt
Leerstelle in diesen Gesellschaftsdarstellungen; wenn es um Menschen im Privatleben
geht, dann um solche, die dort an ihrer öffentlichen Leistungsrolle festhalten. Eine Ge-
sellschaft in Kurzarbeit ist paradoxerweise eine Gesellschaft ohne Freizeit und Privatle-
ben zumindest in ihrer (Selbst-)Inszenierung.
9
Selbst- und Fremdbilder
Insbesondere das ZDF Spezial vom 4. April 2020 mit dem Titel Big Apple in Not. New
Yorks Kampf gegen Corona zeigt, dass es durchaus unterschiedliche Inszenierungsstra-
tegien im Hinblick auf die Folgen des Virus und der Maßnahmen gibt; diese Strategien
sind das Ergebnis einer Entscheidung. Die Unterschiede werden besonders dann deut-
lich, wenn es um eine andere Kultur geht: Während Bilder von deutschen Krankenhäu-
sern in der Regel mit dem originalen Hintergrund-Ton gezeigt werden (siehe zum Bei-
spiel das ZDF Spezial vom 28. März 2020, 00:30ff. und 07:35ff.), werden in der erwähn-
ten New York-Sendung sowohl zu Beginn als auch am Ende Musik bzw. Geräusche ge-
wählt (Sirenenton, obwohl keine Einsatzfahrzeuge zu sehen sind), die in ihrer Beschaf-
fenheit Anleihen beim Hollywood-Blockbuster machen. Damit geht eine spezifische Äs-
thetik einher, die üblicherweise für fiktionale Formate reserviert ist, obwohl es hier doch
gerade um die Dokumentation einer Wirklichkeit geht. Genau diese wird aber durch die
gewählte Inszenierungsstrategie konterkariert, indem durch die Musik eine Emotionali-
sierungsstrategie zur Anwendung kommt und die Hollywood-Ästhetik eine Art dystopi-
sche Endzeitstimmung generiert. Diese Strategie ist, wie wir bereits unter dem Aspekt
8
Vgl. ARD Extra vom 07. Mai 2020.
9
Abweichungen vom Leistungsideal werden demgegenüber vor allem mit der Erkrankung selbst, etwa im
Sinne einer durchlittenen Krise und einer daraus entspringenden, ‹neuen› Weltsicht im Sinne einer Wert-
schätzung des Alltags verknüpft (vgl. etwa die Genesungsgeschichte eines Corona-Erkrankten im ARD
Extra vom 30.04., ab 18:33).
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
10
Gesellschaft in der Krise ausgeführt haben, auch schon in den Bildwelten der regulären
Beiträge angelegt; in der New York-Sendung wird allerdings deutlich, dass das Dystopi-
sche ins Quasi-Fiktionale gesteigert und das Thema zur Inszenierung wird.
Hinzu kommt, dass genau diese Sendung als einzige des ZDF Spezial-Korpus keine rah-
mende Moderation aufweist. Die Zeichen verdichten sich somit, dass die Reportage im
Kontext einer filmischen Inszenierungsstrategie steht. Damit findet eine Verschiebung
von der ansonsten in den Sondersendungen dominierenden referenziellen Funktion hin
zur poetischen Funktion statt: Die Ebene der Darstellungsweise wird aufgewertet, es
geht nicht mehr nur um Corona-Berichterstattung, sondern um das Narrativ an sich.
Die Deutlichkeit der Andersartigkeit dieser Sendung lässt sich vor dem Hintergrund des
gesamten Korpus nur damit begründen, dass die USA als ‹anderer Raum› verstanden
werden, der dezidiert nicht dem eigenen Raum entspricht. Damit wird eine Grenze zwi-
schen der BRD/Europa und den USA gezogen, die u.a. hinsichtlich der inszenierten Dra-
matik in Bezug auf das Bedrohungsszenario bemerkbar wird. Dystopische Endzeitstim-
mung scheint umso mehr vermittelbar, wenn sie jenseits des Atlantiks auftritt bzw. als
solche inszeniert wird. Je weiter entfernt der Raum des Anderen ist, desto mehr kann
die Inszenierung über poetische Prinzipien ‹verdichtet› werden. Mit referenzieller Ver-
mittlung hat dies dann allerdings nur noch wenig zu tun.
Interessanterweise gibt es im ZDF Spezial vom 21. April ein Beispiel, das unsere These
oberflächlich betrachtet widerlegt. Unter dem Titel «Wie das Corona-Virus den Alltag
verändert» präsentiert ein Einspieler unter Zuhilfenahme der Inserts «Soziale Distanz»,
«Politik», «Digitalisierung», «Solidarität» ein Zukunftsszenario für die BRD, wie es die
Journalistin aus dem gesellschaftlichen und kulturellen status quo ableitet. Dabei kommt
der Darstellungsweise eine signifikante Funktion zu: Es wird ein dauerhafter Off-Ton ein-
gespielt, der in seiner Frequenz an einen Alarmsignalton erinnert, dazu werden die ge-
zeigten Stills permanent im Blickachsenwinkel gekippt, was eine ‹gekippte› Ordnung
suggeriert. Insgesamt werden auch hier Anleihen bei einer Ikonografie der Dystopie ge-
macht, wie sie im Hollywood-Film erkennbar ist. Interessanterweise führt die Off-
Stimme zu Beginn des Einspielers über das Bild einer Krankenhausszene aus: «Das hier
ist kein Katastrophenfilm, sondern bittere Corona-Realität in Deutschland» (ZDF Spezial
vom 21. April 2020, 07:00). Im Anschluss daran wird aber genau die Ikonografie des Ka-
tastrophenfilms bzw. der Katastrophenberichterstattung bemüht: Ganz abgesehen da-
von, dass der als «Bericht» benannte Einspieler nur schwerlich als Bericht bezeichnet
werden kann, da er schließlich Zukunftsprognosen präsentiert, zeigt auch er bei genau-
erer Betrachtung einen Raum des Anderen, und zwar der bundesdeutschen Zukunft, die
damit ebenfalls in eine (zeitliche) Ferne gerückt ist. Diese Fiktionalisierungsstrategie
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
11
mag andeuten, dass das gemalte Zukunftsszenario als fragil bewertet ist und eventuell
auch nicht so eintrifft, vor allem aber schürt es durch seine Ästhetik Ängste vor der Zu-
kunft, die von der krisenhaften Gegenwart immens geprägt sein wird, so die implizite
Argumentation des Einspielers. Wenn also eine Realität für die eigene Kultur prognosti-
ziert wird, dann sind hier ebenfalls gängige Inszenierungsmuster des Dystopischen an-
wendbar, sodass Räume des zeitlich Anderen zu Räumen der Angst oder zumindest der
Unsicherheit werden.
Die Verengung der Welt
Am Ende unseres Beitrags möchten wir den Bogen zu unserer methodologischen Per-
spektive schließen: Wir haben die Inszenierungsstrategien, Argumentationsstrategien
und verhandelten Diskurse der Sondersendungen analysiert und diagnostiziert, dass
diese das narrative Prinzip der Krise redundant und selbstreflexiv installieren. Eine sol-
che Sichtbarmachung textueller Strukturen ist deutlich von einer normativen Wertung
abzugrenzen; die Weltmodelle der Sendungen sprechen hier für sich selbst.
Die semiotische Perspektive, nach der alles in einem Zeichensystem Ausgewählte von
signifikanter Bedeutung ist, erlaubt es gleichfalls, die nicht ausgewählten Daten bei der
Analyse zu berücksichtigen. Kaum präsent eine Ausnahme bildet hier etwa das ZDF
Spezial vom 17. März 2020
10
ist die medizinische, also die virologisch-epidemiologische
Perspektive. Lediglich die Frage nach Impfstoffen und Medikamenten wird verhandelt,
die aber wiederum lediglich vor dem Hintergrund möglicher Lockerungen der politi-
schen Maßnahmen gestellt wird, nicht aus einer medizinischen Perspektive.
Prominent ist als Leerstelle aber vor allem eine tiefergehende Kritik an den von der Po-
litik getroffenen Maßnahmen zu nennen. Keinesfalls ist damit den Sondersendungen au-
tomatisch eine Staatshörigkeit zu unterstellen, werden doch auch kritische Fragen ge-
stellt. Wenn die Moderatoren die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen
im Zusammenhang mit der Einschränkung der Grundrechte stellen, so sind diese Fragen
jedoch im Prinzip als rhetorische Fragen zu verstehen, deren Beantwortung (von Politi-
ker*innen einerseits und innerhalb redaktioneller Berichte andererseits) die ideologi-
sche Marschrichtung der Politik konsolidiert.
11
Was den Sendungen auf der Grundlage
der Analyse der Weltmodelle in jedem Fall attestiert werden muss, ist, dass ihnen
10
Für diese Sendung ist allerdings zu betonen, dass es ihr keinesfalls nur um eine nüchterne und sachbe-
zogene Darstellung geht, vielmehr wird hier massiv Gebrauch von der bereits beschriebenen quasi-dysto-
pischen Darstellungsweise gemacht.
11
Siehe hier zusätzlich zu den bisherigen Beispielen etwa das ZDF Spezial vom 20. März 2020, 10:15; vom
21. März 2020, 08:45 und 23:40; vom 21. April 2020, 07:55; vom 30. April 2020, 04:30.
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
12
aufgrund sowohl ihrer dramaturgischen Struktur als auch ihrer Bildauswahl eine Ten-
denz zur Redundanz und damit vor allem zur Krisenerhaltung inhärent ist. Jedes medial
vermittelte Weltmodell installiert Semantiken, Werte und Ideologien, und in diesem Zu-
sammenhang ist eine Strategie der Krisenerhaltung unter den gegebenen Umständen
eine nicht wirklich geeignete. Die Krise als Wert an sich ist nicht in der Lage, eine prob-
lematische gesellschaftliche Situation in den Griff zu bekommen, eher bewirkt sie das
Gegenteil, sie verengt den Blick auf alles, was jenseits der Krise liegt, und seien es auch
nur andere Krisen.
Quellen
Primärquellen
ARD extra
Sendung vom 25. März 2020: https://www.youtube.com/watch?v=vUd-H4aaKTM.
Sendung vom 27. März 2020: https://www.daserste.de/information/nachrichten-wet-
ter/ard-extra/videosextern/ard-extra-die-corona-lage-130.html.
Sendung vom 16. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/213/2137305/2137305_26727737.mp4
Sendung vom 23. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/215/2151771/2151771_26797850.mp4
Sendung vom 24. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/215/2153710/2153710_26827063.mp4
Sendung vom 27. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/215/2154681/2154681_26843041.mp4
Sendung vom 28. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/215/2155617/2155617_26855560.mp4
Sendung vom 29. April 2020: http://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/onde-
mand/weltweit/fsk0/215/2156370/2156370_26866215.mp4
Sendung vom 30. April 2020: https://www.daserste.de/information/nachrichten-wet-
ter/ard-extra/videosextern/ard-extra-die-corona-lage-216.html.
Sendung vom 7. Mai 2020: https://www.daserste.de/information/nachrichten-wet-
ter/ard-extra/videosextern/ard-extra-die-corona-lage-232.html.
ZDF Spezial
Sendung vom 17. März 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/03/200317_2030_clip_1_spz/2/200317_2030_clip_1_spz_236
0k_p35v15.mp4
PREPRINT PREPRINT PREPRINT PREPRINT
13
Sendung vom 20. März 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/03/200320_1930_sendung_spz/3/200320_1930_sen-
dung_spz_2360k_p35v15.mp4
Sendung vom 21. März 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/03/200321_spezial_spz/3/200321_spe-
zial_spz_2360k_p35v15.mp4
Sendung vom 28. März 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/03/200328_1920_sendung_wir-
kung_spz/3/200328_1920_sendung_wirkung_spz_2360k_p35v15.mp4
Sendung vom 4. April 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/04/200404_1920_sendung_spz/3/200404_1920_sen-
dung_spz_2360k_p35v15.mp4
Sendung vom 21. April 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/04/200421_alltag_spz/3/200421_all-
tag_spz_2360k_p35v15.mp4
Sendung vom 30. April 2020: https://rodlzdf-a.aka-
maihd.net/none/zdf/20/04/200430_1925_sendung_spz/1/200430_1925_sen-
dung_spz_2360k_p35v15.mp4
Sekundärquellen
Gräf, Dennis et al. Filmsemiotik. Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate.
Marburg 22017.
Hennig, Martin. Spielräume als Weltentwürfe. Kultursemiotik des Videospiels. Marburg
2017.
Krah, Hans/Titzmann, Michael (Hg.). Medien und Kommunikation. Eine Einführung aus
semiotischer Perspektive. Passau 2017.
ResearchGate has not been able to resolve any citations for this publication.
Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate
  • Sekundärquellen Gräf
Sekundärquellen Gräf, Dennis et al. Filmsemiotik. Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate. Marburg 2 2017.
Spielräume als Weltentwürfe. Kultursemiotik des Videospiels
  • Martin Hennig
Hennig, Martin. Spielräume als Weltentwürfe. Kultursemiotik des Videospiels. Marburg 2017.