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Abstract

In der deutschen Gesellschaft finden sich teils deutlich verzerrte Perspektiven auf die Zeit des Nationalsozialismus, so lautet ein wesentliches Ergebnis der Studie „MEMO Deutschland – Multidimensionaler Erinnerungsmonitor“ des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld. Die repräsentative Befragung unter 1.000 Personen wird seit 2017 von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) unterstützt. Ein Schwerpunkt der Studie lag darauf, wie die Befragten das Ende des Zweiten Weltkriegs, das sich am 8. Mai zum 75. Mal jährt, rückblickend einordnen und bezeichnen würden.
STUDIE III | 2020
MEMO III 2
INHALT
. Der Multidimensionale Erinnerungsmonitor .........................................................................
. Methodik der Studie .................................................................................................................................
. Beschreibung der Stichprobe ..............................................................................................................
. Darstellung zentraler Befunde ..........................................................................................................
.. Interesse an und das wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte .........
.. Interpretation der Ereignisse in Deutschland im Jahr  .............................
.. Wege und Orte der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus ........
.. Wissen über spezische Aspekte des Nationalsozialismus ............................ 
.. Familiennarrative im Kontext der Zeit des Nationalsozialismus ............... 
.. Die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus ................................................... 
.. Selbsteinschätzung und Wahrnehmung heutiger Zustände ......................... 
.. Zwischenfazit zur Täter-, Opfer- und Helferschaft .............................................. 
.. Zur Bedeutung von „Schlussstrich“-Forderungen ............................................... 
. Darstellung von Ergebnissen von MEMO I, II und III im Vergleich ....................... 
. Zusammenfassung der Autor*innen ........................................................................................... 
Anhang – Vollständige Darstellung der deskriptiven Befunde .......................................... 
Impressum .............................................................................................................................................................. 
MEMO III 3
DER MULTIDIMENSIONALE
ERINNERUNGSMONITOR
Der „Multidimensionale Er innerungsmonitor“ (MEMO) beobachtet in regelmäßigem Abstand anhand
repräsentat iver Umfragen den Zustand und die Entw icklungen der Erinnerun gskultur in Deutschland.
Er untersucht die historischen Erinnerungen in der Bevölkerung, die Einstellungen zu diesen Erinne-
rungen und Faktoren, die Erinnerungen prägen oder verzerren können. Damit trägt MEMO seit 
in nunmehr dritter Auage zu einer empirischen Dok umentation der Erinnerungskultur in Deutsch-
land bei.
Durch die Befragung jeweils repräsentativer Stichproben von Bundesbür ger*innen soll unter anderem
ermittelt werden, welche Ereignisse Menschen in Deutschland als his torisch bedeutsam empnden,
welche Einstellungen die Befragten selbst zur Erinnerungskultur in Deutschland berichten, ob und
wie diese Einstellungen sich wandeln, welche Rolle verschiedene Wege der Auseinandersetzung mit
der Geschichte spielen und welche Konsequenzen sich aus dieser Auseinandersetzung ergeben.
Mit diesen und ähnlichen Fragen sollen die MEMO-Studien einen empirischen Beitrag zu den Dis-
kussionen um die Erinnerungskultur in Deutschland leisten, die das Land und die Gesellschaft in
außerordentlicher Weise prägen. In den wiederkehrenden Debatten darüber, wie es um „die deutsche
Erinnerungskultur“ steht, mangelte es bisher oft an systematischen, repräsentativen Studien zum
Thema. MEMO t rägt dazu bei, diese Lücke zu schließen, damit dera rtige Debatten auf der Grundlage
empirischer Daten geführt werden können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erinnerung an
die Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung von Menschen und Menschengruppen während der
Zeit des Nationalsozialismus. Inwiefer n sind die Erinnerungen an die Shoah, den Holocaust, und den
Nationalsozialismus heute noch prägend? In welchem Verhältnis stehen sie zu anderen Erinnerungen
und Einstellungen? Welche Erinnerungen und Wege der Auseinandersetzung werden gewünscht,
welche werden womöglich gemieden oder verdrängt? Welche Rolle spielen lokale Erinnerun gskulturen
und persönliche Bezüge in Form von Familiengeschichten?
In einer Arbeitssitzung im August  haben Expert*innen, die zum Themenfeld arbeiten, gemeinsam
eine Denition für das Konzept der Erinnerungskultur erarbeitet, die seitdem mit wenigen Modi-
kationen die Grundlage von MEMO bildet und durch die zentralen Dimensionen gekennzeichnet ist,
was (z. B. konkre te Ereignisse, Inhalte von Familiennarrat iven) und wie (z. B. über verschiedene Wege
und Orte der Auseinandersetzung) erinnert w ird. Eine dritte Dimension ist die Frage, warum erinner t
wird oder werden soll bzw. welche Konsequenzen aus der Auseinandersetzung mit der deutschen Ge-
schichte für die Gegenwart folgen. Die MEMO-Studien erheben dabei nicht den Anspruch, „die Erin-
nerungskultur“ im Sinne eines singulären Phänomens abzubilden. Sie bilden in Form repräsentativer
Befrag ungen vielmehr ab, welche Arten des Umgangs mit Geschichte, welche Eins tellungen zu die sem
Umgang und welche Erwartungen oder Wünschen an einen zuk ünftigen Umgang mit der deutschen
Geschichte unter den Befragten vorzunden sind.
MEMO I wurde von Dezember  bis Februar  als repräsentative Telefonumfrage durchgeführt,
MEMO II im November und Dezember . Die Ergebnisse wurden jeweils in Form von Berichten für
eine breite Öffentlichkeit online zur Verfügung gestellt (abrufbar über die Homepage der Stiftung
„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“).
1
MEMO III 4
Die vorliegende Studie MEMO III wurde im November und Dezember  nach einer kritischen Dis-
kussion der Ergebnisse der vorherigen Studien mit Expert*innen aus der Erforschung und Praxis der
Erinnerungskultur durchgeführt. Mit dieser dritten Erhebung der Studie können Entwicklungsver-
läufe in Deutschland weiter nachgezeichnet werden. Zudem vertieft MEMO III Themenschwerpunkte,
die in den vorherigen Befragungen teilweise nur angerissen wurden. So wurde beispielsweise diffe-
renziert erhoben, wie viel die Befragten über verschiedene Aspekte des Nationalsozialismus zu wissen
glauben, etwa das Wissen über den Alltag und die Einstellungen der deutschen Bevölkerung in der
NS-Zeit. Filme als konkrete Wege der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus wurden
genauer erfasst und die rückblickende Interpretation dessen offen erfragt, was  in Deutschland
geschah – Kriegsende, Niederlage oder Befreiung?
Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über das Design von MEMO III, fasst zentrale Befunde
zusammen und bietet auf Gr undlage differenzierter Analysen einen Rahmen für deren Interpretation.
Zudem beinhaltet der Bericht den vollständigen verwendeten Fragebogen sowie die vollständige
deskriptive Auswertung der Daten.
MEMO III 5
METHODIK DER STUDIE
Im Auftrag des Instituts für interdisziplinäre Konikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität
Bielefeld führte d as Umfrageinstit ut Ipsos im Zeitraum von November bis Dezember  eine Telefon-
umfrage (CATI) durch, an der . zuf ällig ausgewählte Befrag te aus allen Bundesländer n teilnahmen.
Die Befragten beantworteten in der standardisiert durchgeführten telefonischen Umfrage sowohl
Fragen im offenen Format ohne Angabe von Antwortoptionen (z. B. „Was würden Sie sagen, ist 
in Deutschland passiert?“) als auch in geschlossenen Formaten, bei denen Aussagen vorgegeben
wurden und die Befragten auf Ratingskalen den Grad ihrer Zustimmung oder Ablehnung angeben
konnten (z. B. „Deutschland kann anderen Ländern als Vorbild für eine gelungene Geschichtsaufar-
beitung dienen.“ – „lehne stark ab, lehne eher ab, teils/teils, stimme eher zu, stimme stark zu“). Die
Teilnahme an der Umfrage erfolgte freiwillig und anonym. Es gab stets auch die Möglichkeit, Fragen
nicht zu beantworten („weiß nicht“ oder „möchte nicht antworten“) oder die Teilnahme an der Be-
fragung zu beenden. MEMO ist so angelegt und konzipiert, dass die Studie vollständig oder in Aus-
zügen wiederholt und so zu einer Langzeitbeobachtung ausgebaut werden kann.
Die nachfolgende Darstellung der Daten umfasst Berechnungen von Prozent- sowie Mittelwerten.
Dass sich innerhalb einer Fragestellung Antwortwerte nicht immer zu  Prozent aufsummieren
lassen, ist auf die „weiß nicht“- oder fehlenden Antworten von Befragten zurückzuführen. Bei der
Möglichkeit von Mehrfachnennungen können sich außerdem Ant wortwerte zu über  Prozent auf-
summieren. Dar über hinaus umfasst der Bericht Angaben über die statistische Signikanz von sowohl
berichteten Zusammenhängen als auch Mittelwertunterschieden.
Mittelwerte (M) beschreiben hier
das errechnete arithmetische Mit-
tel, also den Durchschnitt aller Ant-
worten in der Umfrage. Zum Teil
sind Mittelwerte differenziert an-
gegeben für verschiedene Alters-
gruppen (z. B. M31–45) oder für
Gruppen, die Fragen in gleicher
Weise beantwortet haben (z. B.
MNationalsozialismus vs. MWiedervereinigung).
2
Korrel ationen (r) beschreiben die Stärke eines s tatistischen
Zusammenhangs zwischen zwei Variablen. Sie erlauben
keine Rückschlüsse auf die Kausalrichtung dieses Zusam-
menhangs. Von statistisch „signikanten“ Zusammen-
hängen oder Unterschieden wird gesprochen, wenn diese
als mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zufällig, also sys-
tematisch angenommen werden können. Statistisch be-
deutsame Zusammenhänge und Unterschiede sind im Be-
richt gekennzeichnet. Niedr ige Korrelationskoefzienten
(r < ,) sind als Tendenzen zu interpretieren. Mittelwert-
vergleiche (t) geben im vorliegenden Bericht Auskunf t da-
rüber, ob die Werte zweier Gruppen sich statistisch signi-
kant voneinander unterscheiden, Verteilungstests (χ2)
darüber, ob Häugkeitsverteilungen zwischen Gruppen
signikant verschieden sind.
MEMO III 6
BESCHREIBUNG DER STICHPROBE
Insgesamt wurden in MEMO III . Personen befragt. Die Befragten waren  bis  Jahre alt
(M = ,, SD = , Jahre) und stellen bei ungefähr hälftiger Geschlechterverteilung (, % weiblich)
eine für Deutschland repräsentative Stichprobe dar. Die Verteilung auf die  Bundesländer ist unten-
stehend dargestellt. Mit Blick auf ihr Alter lassen sich die Befragten zur vereinfachten Darstellung in
fünf, mit Blick auf ihren höchsten formalen Bildungsabschluss in vier Gruppen einteilen. Von den
Befrag ten geben , % an, einen Migrat ionshintergr und zu haben. Weitere demographische Indikato -
ren (Angaben zu Berufstätigkeit, Familienstand, Nettoeinkommen, Religionszugehörigkeit) werden
zunächst nicht in den nachfolgend berichteten Analysen berücksichtigt.
Verteilung der Befragten nach
Bundesländern in Prozent
Baden-Württemberg 13,1
Bayern 15,6
Berlin 4,2
Brandenburg 3,0
Bremen 0,8
Hamburg 2,2
Hessen 7,4
Mecklenburg-Vorpommern 2,0
Niedersachsen 9,7
Nordrhein-Westfalen 21,6
Rheinland-Pfalz 4,9
Saarland 1,3
Sachsen 5,1
Sachsen-Anhalt 2,8
Schleswig-Holstein 3,5
Thüringen 2,8
Verteilung der fünf Alterskategorien
in Prozent
17–30 Jahre 19,5
31–45 Jahre 21,0
46–60 Jahre 28,3
61–75 Jahre 19,4
76 Jahre und älter 11,8
Verteilung der vier Bildungskategorien in Prozent
Kat. beinhaltet % % Kat.
1keinen Schulabschluss 1,6 21,1
Hauptschulabschluss (Volksschulabschluss) 19,5
210. Klasse der polytechnischen Oberschule (vor 1965: 8. Klasse) 4,7 46,1
Realschulabschluss, mittlere Reife 41,4
3Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife/Abitur 19,7 19,7
4ein abgeschlossenes Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule 12,2 12,2
3
MEMO III 7
DARSTELLUNG ZENTRALER BEFUNDE
4.1. INTERESSE AN UND DAS WICHTIGSTE EREIGNIS
DER DEUTSCHEN GESCHICHTE
Insgesamt berichten die . Befragten in MEMO III ein eher großes Interesse an der deutschen Ge-
schichte – , % geben an, sich „eher stark“ oder „sehr stark“ für die deutsche Geschichte zu inter-
essieren, , % berichten teilweises Interesse („teils/teils“).
Wie stark interessieren Sie sich für die deutsche Geschichte?
überhaupt nicht eher wenig teils/teils eher stark sehr stark
1,1 % 8,1 % 33,7 % 32,3 % 24,8 %
„Das wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte“
Auf die offen gestellte Frage „Uns w ürde interessieren, was I hrer Meinung nach das wichtigst e Ereignis
in der deutschen Geschichte ist“ antworten , % der Befragten mit Ereignissen aus dem Kontext
der Wiedervereinigung, , % mit Ereignissen aus dem Kontext des Nationalsozialismus. Die offenen
Antworten der Befragten wurden nachträglich in Kategorien geordnet (codiert), wobei explizite
Nennungen (z. B. „der Zweite Weltkrieg“) ebenso in die übergeordnete Kategorie eingeordnet wurden
wie zuzuordnende Schlagworte (z. B. „die Nazizeit“, „der Nationalsozialismus“) oder konkretere Er-
eignisse (z. B. „Hitlers Machtergreifung“, „das Ende des Zweiten Weltkriegs“). Differenziert man die
Antworten aus dem „Kontext Nationalsozialismus“ weiter aus, so antworten , % der Befragten
mit ausdrücklichem Bezug zum „Zweiten Weltkrieg“, während , % sich auf „die NS-Zeit“, „die
Judenverfolgung“ oder „den Holocaust“ beziehen. In die Kategorie der Ereignisse aus dem Kontext
„Wiedervereinigung“ fallen Nennungen wie „die deutsche Einheit“, „der Mauerfall“ oder „die Wieder-
vereinigung“. Unter der Kategorie der „anderen“ Nennungen (, %) sind Ereignisse w ie „die Refor-
mation“, „der -jährige Krieg“, „die deutsche Reichsgründung“ oder unspezischere Nennungen
wie „die Demokratie“ und „das Grundgesetz“ zusammengefasst. Die  Befragten, die Ereignisse
aus dem Kontext der Wiedervereinigung nennen, bewerten diese in überwiegender Mehrheit
(, %) als „eher positiv“ oder „positiv“. Knapp drei Viertel von ihnen (, %) sind der Ansicht, die
Ereignisse seien „eher positiv“ oder „positiv“ für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutsch-
land gewesen.
4
Abbildung 1. Codierungen der offenen Nennungen auf die Frage nach dem wichtigsten Ereignis aus der
deutschen Geschichte.
Kontext Wiedervereinigung 46,4 %
Gründung der BRD 2,1%
Weimarer Republik 1,8 %
Kontext Nationalsozialismus 28,7 %
expliziter Bezug zum
Nationalsozialismus 6,8 %
expliziter Bezug zum
Zweiten Weltkrieg 21,9 %
anderes 13,8%keine Angabe 4,1%
beide Weltkriege 2,2 %
Erster Weltkrieg 0,9 %
MEMO III 8
Diejenigen Befragten, die Ereignisse im Kontext der Zeit des Nationalsozialismus nennen, bewer ten
das jeweilige Ereignis im Durchschnitt als negativer (MNationalsozialismus = ,, SD = ,; Skalierung von
 „negativ“ bis  „positiv“ ) als diejenigen, die Ereignisse im Kontext der Wiedervereinigung nennen
(MWiedervereinigung = ,, SD = ,). Zudem bewerten diejenigen, die Ereignisse aus dem Kontext der
Wiedervereinigung nennen, das jeweilige Ereignis als positiver für den gesellschaftlichen Zusam-
menhalt in Deutschland (MWiedervereinigung = ,, SD = ,) als diejenigen, die Ereignisse aus dem Kon-
text des National sozialismus nennen (MNationalsozialismus = ,, SD = ,). Im Vergleich dieser Ergebnisse
zu jenen der ersten MEMO-Studie (), in der eine ähnliche Frage gestellt wurde („Was ist Ihrer
Meinung nach das wichtigste Ereignis in Deutschland seit ?“), fällt auf, dass in  Ereignisse
aus dem Kontext des Nationalsozialismus häuger (, %), Ereignisse aus dem Kontext der Wieder-
vereinigung seltener (, %) genannt wurden. Eine mögliche Erklärung hierfür mag in einer gr und-
legenden Verschiebung in der Einschätzung der Bedeutsamkeit beider Kontexte liegen. Eventuell
waren Ereignisse aus dem Kontext der Wiedervereinigung aufgrund der . Jährung und der Feierlich-
keiten kurz vor Beginn der Datenerhebung am . November  aber auch kognitiv eher verfügbar.
Weiterführende Befragungen können Auskunft darüber geben, inwiefern diese Verschiebung sich
als überdauernd erweist.
4.2 INTERPRETATION DER EREIGNISSE IN DEUTSCHLAND IM JAHR 1945
Um eine möglichst unvoreingenommene Perspektive der Befragten zu erfassen, wurden sie zunächst
gebeten, in ihren eigenen Worten anzugeben, was ihrer Meinung nach  in Deutschland passiert
sei. In den nachträglich codierten Antworten auf diese offene Frage zeigt sich, dass der Großteil der
Befragten (, %) mit der allgemeinen Bezeichnung „das Ende des Zweiten Weltkriegs“ antwortet,
während andere, spezische Bezeichnungen wie „Niederlage“ (, %), „Befreiung“ (, %), „Kapitula-
tion“ (, %) oder die „Aufteilung“ bzw. „Besetzung Deutschlands“ (, %) nur selten spontan genannt
werden.
Dieser offenen folgte eine geschlossene Nachfrage, wie gut nach Einschätzung der Befragten vier zur
Auswahl gestellte Begriffe beschreiben, „was das Ende des Zweiten Weltkriegs für Deutschland be-
deutet hat“. In der Auswertung zeigt sich eine insgesamt hohe Zustimmung zu allen vier Begriffen,
wobei die Befragten den Begriff „Niederlage“ im Vergleich als am wenigsten geeignet (, %) und
den Begriff „Befreiung“ als den geeignetsten (, %) empnden. Während sich für die übrigen Be-
zeichnungen keine bedeutsamen Zusammenhänge mit dem Alter der Befragten ergeben, ist der Zu-
stimmungswert für den Begriff „Kapitulation“ positiv mit dem Alter korreliert. Ältere Befragte
empnden den Begriff als angemessener, um die Bedeutung des Endes des Zweiten Weltkriegs für
Deutschland zu beschreiben. In Bezug auf die Bezeichnung des Weltkriegsendes als „Neuanfang“
zeigt sich ein Unterschied auf regionaler Ebene – Befragte, die in den alten Bundesländern leben, be-
werten die Bezeichnung „Neuanfang“ im Durchschnitt als etwas angemessener (M = ,, SD = ,)
als Befragte aus den neuen Bundesländern (M = ,, SD = ,).
Einbezoge n wurden in dieser Auswertung alle Antw orten von Befrag ten, die Ereignis se aus dem Kontext der Zeit de s
National sozialismus gena nnt haben. Darunt er fallen sowohl Nennungen w ie „der Holocaust“ al s auch „das Ende des
Zweiten Weltkr iegs“.
D ieser Unterschied i st statist isch signik ant, t() = ,, p < ,, F reiheitsgrad e korrigier t für Varianzhete rogenität.
t() = ,, p < ,, Frei heitsgrade kor rigiert fü r Varianzh eterogenität.
r() = ,, p < , .
t() = , , p < ,.
MEMO III 9
Wie gut beschreiben Ihrer Meinung nach die nachfolgenden Begriffe, was das Ende des Zweiten
Weltkriegs für Deutschland bedeutet hat?
überhaupt
nicht gut
eher
nicht gut
teils/teils eher gut sehr gut
„Befreiung“ (M = 4,41) 0,6 % 2,3 % 10,1 % 29,7 % 57,3 %
„Neuanfang“ (M = 4,18) 1,3 % 4,2 % 13,2 % 37,2 % 44,0 %
„Kapitulation“ (M = 4,11) 2,2 % 6,9 % 13,7 % 32,0 % 45,2 %
„Niederlage“ (M = 3,91) 4,4 % 7,8 % 17,5 % 33,3 % 37,0 %
Nur , % aller Befragten empfinden den Begriff des „Neuanfangs“ als unpassend, um zu
beschreiben, was das Ende des Zweiten Weltkriegs für Deutschland bedeutet hat. Sind
diese die einzigen, die sich ein Bewusstsein über Kontinuitäten in der Geschichte bewahrt
haben, wissend oder ahnend, dass die Rede von einem „Neuanfang“ Verdrängung und
Schuldabwehr bedeutet?
Prof. Dr. Doron Kiesel (Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland)
Prof. Dr. Thomas Eppenstein (Evangelische Hochschule RWL Bochum)
4.3 WEGE UND ORTE DER ERINNERUNG AN DIE ZEIT
DES NATIONALSOZIALISMUS
Ein weiterer Fragenblock bezog sich auf die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus
in verschiedenen Kontexten. Insgesamt berichten , % der Befragten, in der Schule „eher viel“
oder „sehr viel“ über die Zeit des Nationalsozialismus gelernt zu haben. Auf der anderen Seite geben
, % an, dass sie „eher wenig“ oder „überhaupt nichts“ gelernt haben. Systematische Unterschiede
nden sich hier sowohl in Abhängigkeit vom Alter als auch der regionalen Herkunft der Befragten: Je
jünger die Befragten, desto mehr berichten sie im Durchschnitt in der Schulzeit über den National-
sozialismus gelernt zu haben. Auch berichten Befragte, die in den neuen Bundesländern leben, im
Durchschnitt mehr über die Zeit des Nationalsozialismus in der Schule gelernt zu haben (M = ,,
SD = ,) als Befragte aus den alten Bundesländern (M = ,, SD = ,).
Was würden Sie sagen: Wie viel haben Sie in der Schule über die Zeit des
Nationalsozialismus gelernt?
überhaupt nichts eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
8,7 % 26,3 % 19,2 % 25,8 % 20,0 %
r() = -, , p < ,, s.a. Abb.  .
Die ser Unterschied is t signikant, t( ) = ,, p < ,.
MEMO III 10
In Bezug auf die persönliche Auseinandersetzung der Bef ragten mit der NS-Zeit zeigt sich kein s yste-
matischer Zusammenhang mit ihrem Alter. Insgesamt , % der Befragten geben an, sich „eher
viel“ oder „sehr viel“ aus eigener Initiative mit der NS-Zeit auseinandergesetzt zu haben.
Wie intensiv haben Sie sich bisher von sich aus mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt?
überhaupt nicht eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
2,8 % 14,4 % 27,3 % 33,6 % 21,9 %
Abbildung 2. Subjektiv Gelerntes in der Schule in Abhängigkeit vom Alter der Befragten.
Abbildung 3. Eigeninitiative Auseinandersetzung in Abhängigkeit vom Alter der Befragten.
5
4
3
2
1
5
4
3
2
1
Wie viel haben Sie in der Schule über die Zeit des Nationalsozialismus gelernt?
Wie intensiv haben Sie sich bisher von sich aus mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt?
17–30-Jährige
17–30-Jährige
31–45-Jährige
31–45-Jährige
46–60-Jährige
46–60-Jährige
61–75-Jährige
61–75-Jährige
über 75-Jährige
über 75-Jährige
3,58
3,44
3,53
3,45
3,32
3,50
2,66
3,78
2,48
3,54
MEMO III 11
Wege und Orte der Auseinandersetzung
Ein zentraler Aspekt der Erinnerungskultur ist, welche Quellen und Möglichkeiten Menschen zur An-
eignung von und zur Auseinandersetzung mit Geschichte nutzen. Mit der Frage „Wie häug haben
Sie zur Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus die folgenden Dinge getan?“ wurde
eine Reihe von möglichen Wegen der Konfrontation mit dem Thema erfragt und Befragte gaben an,
wie häug sie die jeweiligen Wege der Auseinandersetzung bisher genutzt haben.
Bei der Auszählung zeigt sich, dass bestimmte Wege und Orte der Auseinandersetzung von einem
Großteil der Befragten häug genutzt werden und nur von wenigen Befrag ten noch nie genutzt wur-
den. Das gilt insbesondere für Dokumentar- und Spiellme, mittels derer sich , % bzw. , % der
Befragten schon „viermal oder häuger“ mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandergesetzt
haben, aber auch für Gespräche mit Familienangehörigen (, %). Eine zweite Gruppe von Wegen
der Auseinandersetzung wird von einem großen Teil der Befragten entweder gar nicht oder häug
genutzt. Das gilt beispielsweise für die Auseinandersetzung im Internet (, % „noch nie“ und
, % „viermal oder häuger“) und über soziale Medien (, % „noch nie“ und , % „viermal oder
häuger“), aber auch für Sachbücher und Romane. Für einige der Wege zeigen sich signikante Zu-
sammenhänge mit dem Alter der Befragten. So berichten jüngere Befragte häuger, sich über das
Internet oder soziale Medien mit der NS-Zeit auseinandergesetzt zu haben, ältere Befragte hinge-
gen berichten häuger, Romane zum Thema gelesen zu haben.
Wie häufig haben Sie zur Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus die folgenden
Dinge getan?
noch nie einmal zweimal dreimal viermal oder
häufiger
Einen Dokumentarfilm angeschaut
(M = 4,40) 4,0 % 7,5 % 7,7 % 5,6 % 75,2 %
Einen Spielfilm angeschaut (M = 4,24) 7,2 % 7,7 % 8,5 % 7,2 % 69,3 %
Mit Familienangehörigen gesprochen
(M = 4,22) 12,8 % 3,2 % 6,2 % 4,9 % 72,7 %
Im Internet Texte gelesen oder Videos
geschaut (M = 3,25) 36,5 % 3,3 % 6,8 % 5,2 % 48,2 %
Ein Sachbuch gelesen (M = 3,13) 28,6 % 13,4 % 11,9 % 9,2 % 36,7 %
Eine Gedenkstätte besucht (M = 3,13) 21,5 % 19,4 % 15,2 % 11,9 % 31,8 %
Soziale Medien genutzt (M = 3,11) 41,0 % 3,2 % 5,1 % 5,8 % 44,6 %
Eine Ausstellung besucht (M = 2,99) 28,5 % 17,1 % 13,2 % 9,3 % 31,5 %
Einen Roman gelesen (M = 2,84) 38,4 % 13,1 % 8,6 % 6,6 % 32,8 %
Eine Veranstaltung mit Zeitzeuginnen
oder Zeitzeugen besucht (M = 1,94) 64,4 % 9,4 % 7,2 % 6,0 % 12,6 %
Zudem gaben die Befragten an, wie viel Kontakt sie selbst zu Menschen haben bzw. hatten, die die
Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben. In Bezug auf direkten Kontakt zu Zeitzeug*innen ber ichten
die Befrag ten im Durchschnitt  Personen zu kennen bzw. gekannt zu h aben, die die Zeit des National-
r() = -,, p < ,.
r() = -, , p < ,.
 r() = ,, p < , .
MEMO III 12
sozialismus selbst erlebt haben. Die Anzahl der Kontakte hängt dabei mit dem Alter der Befragten
zusammen – ältere Befragte berichten im Durchschnitt naheliegenderweise mehr Menschen zu kennen
bzw. gekannt zu haben, die die NS-Zeit selbst erlebt haben als jüngere Befragte. Vergleicht man den
Wert nach Altersgruppen differenziert, so zeigt sich, dass die jüngste Gruppe von Befragten im
Durchschnitt noch von persönlichem Kontakt zu fünf Zeitzeug*innen berichtet.
Filme als Wege der Auseinandersetzung
Alle Befrag ten, die angaben, mindestens einmal in ihrem Leben einen Spiel- oder Dokumentarlm zur
Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus gesehen zu haben, wurden im Anschluss
gebeten, einen Film zu benennen, der ihnen nach dem Anschauen noch besonders lang in Erinnerung
geblieben ist. Der größte Teil dieser Befragten (, %) nennt hierbei den Film „Schindlers Liste“,
gefolgt von „Holocaust“ (, %) und „Das Tagebuch der Anne Frank“ (, %). In eine Restkategorie
von „sonstigen Nennungen“ (, %) fällt eine große Zahl von Filmen , die vereinzelt genannt werden
(z. B. „Nacht und Nebel“, „Die Blechtrommel“ oder „Im Westen nichts Neues“).
%
„Schindlers Liste“ 43,2
„Holocaust“ 5,7
„Das Tagebuch der Anne Frank“ 5,2
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ 4,6
„Die Brücke“ 4,6
„Der Untergang“ 3,6
„Nackt unter Wölfen“ 3,2
„Der Soldat James Ryan“ 2,4
„Das Leben ist schön“ 1,6
„Der Pianist“ 1,2
 r() = ,, p < ,.
25
20
15
10
5
0
Wie viele Menschen haben Sie persönlich kennengelernt, die die Zeit des Nationalsozialismus
selbst erlebt hatten?
17–30-Jährige 31–45-Jährige 46–60-Jährige 61–75-Jährige über 75-Jährige
5,54
9,87
13,69
20,78 20,32
Abbildung 4. Kontakt zu Zeitzeug*innen in Abhängigkeit vom Alter der Befragten.
MEMO III 13
Die Bedeutung lokaler Erinnerungskultur
In Bezug auf die Geschichte des eigenen Wohnortes während der Zeit des Nationalsozialismus be-
richten die Befragten vergleichsweise wenig Wissen: , % aller Befragten geben an, „eher wenig
oder „überhaupt nichts“ darüber zu wissen, was in der Zeit des Nationalsozialismus in ihrem Wohn-
ort geschehen ist. Bezüglich des Interesses, mehr über die Geschichte des eigenen Wohnortes zu er-
fahren, zeigt sich eine ausgeglichene Verteilung von , % von Befragten, die gern mehr über die
Geschichte ihres Wohnorts erfahren würden, und ,%, die daran kein Interesse haben. Etwa ein
Viertel wählt die Mittelkategorie „teils/teils“.
Wie viel wissen Sie über die Geschichte Ihres aktuellen Wohnorts während der Zeit des
Nationalsozialismus?
überhaupt nichts eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
17, 0 % 37,8 % 24,8 % 11,4 % 9,0 %
Würden Sie gern mehr über die Geschichte Ihres aktuellen Wohnorts während der Zeit des
Nationalsozialismus wissen?
überhaupt nicht
mehr wissen
eher nicht mehr
wissen
teils/teils eher mehr wissen sehr viel mehr
wissen
16, 4 % 21,5 % 23,6 % 27,9 % 10,7 %
Gedenken an die Opfergruppen der NS-Zeit
Mit den darauffolgenden Fragen sollte überprüft werden, inwiefern die Befragten die Erinner ung an
verschiedene Gruppen unterstützen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden oder
als deutsche bzw. alliierte Soldaten im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Dabei zeigt sich, dass , %
aller Befragten eine Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus unterstützen würden, je etwa
die Hälfte der Befragten würde die Erinnerung an gefallene deutsche Soldaten (,%) und an die
während des Zweiten Weltkriegs gefallenen alliierten Soldaten (, %) unterstützen.
Angenommen in Ihrer Straße sollte eine
Gedenktafel eingerichtet werden, die an …
absolut
dagegen
eher
dagegen
teils/
teils
eher
dafür
absolut
dafür
… die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.
Wären Sie … 3,6 % 6,5 % 17,9 % 28,8 % 43,2 %
… die gefallenen deutschen Soldaten während
des Zweiten Weltkriegs erinnert. Wären Sie … 4,8 % 11,7 % 33,3 % 26,1 % 23,8 %
… die gefallenen alliierten Soldaten während
des Zweiten Weltkriegs erinnert. Wären Sie … 4,5 % 11,7 % 32,0 % 31,9 % 19,5 %
MEMO III 14
Sorge vor dem Verlust der Erinnerung an die NS-Zeit
Rund die Hälfte aller Befragten äußert eine grundlegende Sorge darüber, dass die Erinnerung an die
Zeit des Nationalsozialismus „verschwinden“ könnte (, %), wobei diese Sorge unter älteren Be-
fragten stärker ausgeprägt ist als unter jüngeren. Zwei Drittel aller Befragten (, %) äußern sich
besorgt, dass die deutsche Erinnerungskultur von Rechtspopulisten vereinnahmt wird.
lehne
stark ab
lehne
eher ab
teils/
teils
stimme
eher zu
stimme
stark zu
Ich habe Sorge, dass die Erinnerung an die Zeit
des Nationalsozialismus verschwindet. 7, 9 % 21,9 % 20,7 % 29,4 % 19,9 %
Ich mache mir Sorgen, dass die deutsche
Erinnerungskultur von Rechtspopulisten
vereinnahmt wird.
4,7 % 14,1 % 16,7 % 37,5 % 27,1 %
4.4 WISSEN ÜBER SPEZIFISCHE ASPEKTE DES NATIONALSOZIALISMUS
Im Verlauf der Studie wurden die Teilnehmer*innen zu ausgewählten Aspek ten des Wissens über die
Zeit des Nationalsozialismus befragt. Sie wurden einerseits gefragt, wie viel sie selbst über den je-
weiligen Aspekt z u wissen glauben und andererseits , wie wichtig sie es nden, da ss Deutsche im Allge-
meinen etwas über diese Aspekte wissen. Die vorgegebenen Antwortoptionen wurden in der Befra-
gung randomisiert, d. h. in zufälliger Reihenfolge abgefragt, um Reihenfolgeeffekte zu vermeiden.
Es zeigt sich, d ass das Wissen über alle genannten Asp ekte der Zeit des Nat ionalsoziali smus einstim-
mig als „wichtig“ bewertet wird. Dabei wird im Mittelwertvergleich das Wissen über „die systema-
tische Ermordung der Juden Europas“ als der wicht igste Aspekt des Wissens über die NS-Zeit bewertet
(M = ,, SD = ,). Einhergehend damit schätzen die Bef ragten ihr persönliches Wis sen über diesen
Aspekt im Vergleich mit den übrigen als besonders hoch ein (M = ,, SD = ,). Größere Diskrepanzen
zwischen der Bewertung der Bedeutsamkeit und dem vorhandenen eigenen Wissen zeigen sich be-
zogen auf andere Aspekte. So bewerten Befragte etwa ihr Wissen über die Aspekte der politischen
und gesellschaftlichen Bedingungen und über den Ablauf der Machtübernahme (M = ,, SD = ,),
über die Reaktionen der deutschen Bevölkerung (M = ,, SD = ,) und über den Alltag und die
Einstellungen der Bevölkerung zum Nationalsozialismus (M = ,, SD = ,) im direkten Vergleich
als vergleichsweise gering ein. Für den letztgenannten Aspekt, also Alltag und Einstellungen der deut-
schen Bevölkerung in der NS-Zeit, zeigt sich ein signikanter Zusammenhang mit dem Alter der Be-
fragten. Jüngere Befragte berichten, weniger über den Alltag und die Einstellungen der deutschen
Bevölkerung zu wissen als ältere Befragte.
 r() = ,, p < , .
 r() = ,, p < ..
MEMO III 15
Die Befragten fühlen sich über verschiedenste Aspekte des Nationalsozialismus „gut“
oder sogar „sehr gut“ informiert. Ich nehme das weniger eindeutig wahr: Viele Menschen
sind tatsächlich sehr interessiert und informiert, viele verfügen allerdings über eher
basale Kenntnisse der NS-Geschichte.
Dr. Tobias Freimüller (Fritz Bauer Institut)
4.5 FAMILIENNARRATIVE IM KONTEXT DER ZEIT DES
NATIONALSOZIALISMUS
Durch Gespräche und Berichte werden in Familien Narrative, also Erzählungen über die Rolle der
eigenen Vorfahren während der Zeit des Nationalsozialismus tradiert und weitergegeben. Um diese
Narrative abzubilden, wurde in MEMO III erneut nach der Kenntnis von Täter-, Opfer-, Helfer- und
Mitwisserschaft unter den eigenen Vorfahren gefragt. Falls eine der Fragen bejaht wurde, wurde
anschließend genauer nachgefragt, welche Kategorie die jeweilige Täter-, Opfer- oder Helferschaft
am besten beschreibt. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass Befragte bei jeder Frage „weiß
nicht“ oder gar nicht antworten konnten („keine Angabe“). Insbesondere bei der Frage nach Helfer-
schaft machte ein beträchtlicher Anteil der Befragten von diesen Möglichkeiten Gebrauch. Auf diese
Weise wurden keinerlei Antworten erzwungen, was die Ergebnisse hätte verfälschen können.
Wie wichtig finden Sie es, dass Deutsche etwas über die folgenden Aspekte des
Nationalsozialismus wissen?
Wie viel wissen Sie selbst über die folgenden Aspekte des Nationalsozialismus?
Die systematische Ermordung der Juden Europas.
Die Verfolgung verschiedener Opfergruppen in
Deutschland.
Die Ideologie des Nationalsozialismus.
Die politischen und gesellschaftlichen Be ding ungen
und den Ablauf der Machtübernahme durch die
Nationalsozialisten.
Die Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf die
Verbrechen des NS-Regimes.
Den Alltag in NS-Deutschland und die Einstellung
der Bevölkerung zum Nationalsozialismus.
1 2 3 4 5
4,59
4,10
4,49
3,75
4,24
3,65
4,40
3,49
4,39
3,42
4,31
3,34
Abbildung 5. Einschätzung der Bedeutsamkeit von und des individuellen Wissens um spezifische Aspekte der Zeit
des Nationalsozialismus.
MEMO III 16
ja nein weiß nicht
Waren Vorfahren von Ihnen unter den Tätern während
der Zeit des Nationalsozialismus? 23,2 % 6 7, 9 % 8,8 %
Waren Vorfahren von Ihnen unter den Opfern während
der Zeit des Nationalsozialismus? 35,8 % 59,6 % 4, 6 %
Haben Vorfahren von Ihnen während der Zeit des
Nationalsozialismus potentiellen Opfern geholfen? 32,2 % 4 2,1 % 25,6 %
Würden Sie sagen, dass Vorfahren von Ihnen „Mitläufer“
in der Zeit des Nationalsozialismus waren? 39,7 % 50,3 % 10,1 %
Etwas mehr al s ein Drittel aller Befrag ten (, %) berichtet von Opfern unter den eigenen Vorfahren
während der NS-Zeit. Knapp ein Drittel (,%) bejaht die Frage nach Helferschaft, ungefähr ein
Viertel (, %) die nach Täterschaft in der eigenen Familie. Am häugsten berichten Befragte von
der Gruppe von „Mitläufern“ unter den eigenen Vorfahren (, %). Die Begriffe „Täter“, „Opfer“
und „Helfer“ wurden dabei bewusst offen gehalten, in der Befragung also nicht näher deniert. Der
Frage nach dem Wissen um „Mitläufer“ wurde hingegen eine Denition vorangestellt („Damit sind
Menschen gemeint, die z. B. durch Mitw isserschaft, D uldung, politische Untätigkeit, Wegsehen oder
blinden Gehorsam zu Komplizen der NS-Verbrechen wurden“). Falls eine Frage bejaht wurde, wur de
differenziert nachgefragt, welche aus einer Liste von vorgegebenen Kategorien die Täter-, Opfer- oder
Helferschaft der Vorfahren der Befragten genauer beschreiben. Hierbei konnten jeweils mehrere Ka-
tegorien ausgewählt werden. Nachfolgend ist aufgeführt, wie viel Prozent aller Befragten die ent-
sprechenden Kategorien als zutreffend einstufen.
Welche der folgenden Kategorien beschreiben die Täterschaft Ihrer Verwandten oder Vorfahren?
Direkte Beteiligung an den Taten (z.B. als Mitglied der SS, als Soldat oder als Polizist). 12,4 %
Indirekte Beteiligung an den Taten (z.B. als Mitarbeiter in einer Behörde). 6,7 %
Keine der genannten Kategorien. 5,0 %
Welche der folgenden Kategorien beschreiben die Opferschaft Ihrer Vorfahren?
Angehörige einer verfolgten Gruppe (z. B. Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte). 7,0 %
Zivile Opfer des Krieges (z. B. bei Bombenangriffen). 14,1 %
Geflüchtete oder Vertriebene. 15,5 %
Soldaten. 16,7 %
Keine der genannten Kategorien. 4,3 %
Welche der folgenden Kategorien beschreiben, wie Vorfahren von Ihnen potentiellen Opfern
geholfen haben?
Unterstützung bei der Flucht. 9,9 %
Verstecken von potentiellen Opfern. 9,7 %
Unterstützung als Behördenmitglied (z. B. durch Ausstellen falscher Papiere). 0,9 %
Unterstützung im Alltag (z. B. durch Zustecken von Essen oder Medikamenten). 19, 8 %
Keine der genannten Kategorien. 3,4 %
MEMO III 17
Unter dem Begriff des „Opfers“ verstehen Befragte nicht nur die Opfer der nationalsozialis-
tischen Verfolgung, sondern auch die Opfer der Bombenangriffe, Vertriebene, Soldaten.
Fast die Hälfte befürwortet eine Erinnerung an gefallene deutsche Soldaten. Es stellt sich
die Frage, welche Funktion eine solche Opferperspektive für die heutige deutsche
Gesellschaft hat.
Aleksandra Janowska (Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“)
Wenn die Befragten bejahten, von Täter*innen oder Opfern unter ihren Vorfahren zu wissen, wurden
sie nachfolgend befragt, als wie belastend sie dieses Wissen empnden. Dabei zeigt sich, dass je ein
Viertel der Befragten das Wissen um die Täterschaft (, %) bzw. Opferschaft (, %) in der eigenen
Familiengeschichte als belastend erlebt. Die empfundene Belastung bezüglich des Wissens um die
Täterschaft der eigenen Verwandten oder Vorfahren hängt dabei mit dem Alter der Befragten zu-
sammen – ältere Befragten empnden es als belastender als jüngere Befragte zu wissen, dass ihre
Vorfahren zu den Täter*innen des Nationalsozialismus zählten.
überhaupt
nicht
belastend
eher
wenig
belastend
teils/teils eher
belastend
sehr
belastend
Als wie belastend empfinden Sie
das Wissen um die Täterschaft Ihrer
Verwandten oder Vorfahren?
23,5 % 28,3 % 22,6 % 10,5 % 15,2 %
Als wie belastend empfinden Sie
das Wissen um die Opferschaft Ihrer
Verwandten oder Vorfahren?
16, 4 % 27,6 % 30,1 % 15,3 % 10,6 %
Die Teilnehmer*innen wurden im Verlauf der Umfrage auch gefragt, inwiefern sie die Geschichte
ihrer eigenen Familie als Teil der deutschen Erinnerungsk ultur wahrnehmen. Die ser Aussage stimmt
der größte Teil der Befragten (, %) zu, knapp jede*r Vierte (, %) ist jedoch der Ansicht, die
Geschichte der eigenen Familie sei in der deutschen Erinner ungskultur nicht repräsentier t. Befragte
mit Migrationshintergrund stimmen der Aussage dabei weniger stark zu (M = ,, SD = ,) als
Befragte ohne Migrationshintergrund (M = ,, SD = ,). Sie erleben die eigene Familiengeschichte
also weniger als Teil der deutschen Erinnerungskultur. Im Vergleich von Befragten aus den alten
(M =,, SD = , ) und den neuen deutschen Bundesländer n (M = ,, SD = ,) zeigt sich ein deutlich
geringerer Unterschied.
lehne
stark ab
lehne
eher ab
teils/teils stimme
eher zu
stimme
stark zu
Die Geschichte meiner eigenen
Familie ist ein Teil der deutschen
Erinnerungskultur.
8,8 % 14,7 % 17,8 % 35,0 % 22,8 %
 r() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < , .
 t() = -,, p = ,, Freiheitsg rade korrig iert für Varianzheterogenit ät.
MEMO III 18
4.6 DIE DEUTSCHEN ZUR ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS
Ein Abschnitt des Fragebogens befasste sich damit, w ie die Befragten die Bevölkerung Deutschlands
zur Zeit des Nationalsozialismus rückblickend einschätzen, also die Wahrnehmung und Bewertung
historischen Verhaltens aus heutiger Perspekt ive. Diese Perspektive kann insofern als relevanter Teil
der Erinnerungskultur betrachtet werden, da er Menschen unmittelbar in Beziehung zum Handeln
von Menschen und Gesellschaften in der Vergangenheit setzt. Die Frage nach der historischen Ver-
antwortung gehört ebenso dazu wie die Fragen, inwiefern Menschen zu den Täter*innen, Opfern
oder Helfer*innen gezählt werden.
Zunächst wurden die Teilnehmer*innen gefragt, wie sehr und in welcher Form die deutsche Bevölke-
rung ihrer Meinung n ach in den Nationalsozialismus involviert war und w ie groß der Anteil derjenigen
war, die von der systematischen Er mordung von Menschen wussten. Alle Antworten geben die subjek-
tiven Einschätzungen der Befragten wieder. Zudem stand hier – wie im gesamten Interview – die
Möglichkeit offen, Fr agen nicht zu beantwor ten. Die folgenden Kategorien von Täter-, Opfer-, Helfer-
und Mitwisserschaft sind nicht als sich gegenseitig ausschließende zu verstehen: Historisch kann
ein und dieselbe Person zu allen vier Kategorien gehört haben und in der Umfrage wurde nicht nur
nach einer Kategorie, sondern immer nach allen gefragt.
Verhalten der Deutschen während der NS-Zeit
Die Befragten schätzen durchschnittlich, dass die deutsche Bevölkerung während der Zeit des Natio-
nalsozialismus zu je etwa einem Drittel zu den Opfern (, %) und Täter*innen (, %) zählte. Ein
deutlich geringerer Teil der Deutschen (, %) hat nach Meinung der Befragten potentiellen Opfern
geholfen. Von der systematischen Ermordung von Menschen während der Zeit des Nationalsozialis-
mus gewusst hat nach Schätzung der Befragten mit , % mehr als ein Drittel der Bevölkerung.
Jüngere Befragte schätzen den Anteil an Täter*innen und Mitwisser*innen im Durchschnitt höher
ein als ältere Befragte.
Was schätzen Sie: Wie viel Prozent der deutschen Bevölkerung während
der Zeit des Nationalsozialismus …
M
… zählten zu den Tätern? 33,6 %
… zählten zu den Opfern? 33,8 %
… haben potentiellen Opfern geholfen? 15,4 %
… wussten von der systematischen Ermordung von Menschengruppen in dieser Zeit? 4 0,1 %
Die Täterschaft der Deutschen während der Zeit des Nationalsozialismus empnden die Befragten in
der Tendenz als zu wenig thematisiert – , % sind der Ansicht, diese Rolle der Deutschen während
der NS-Zeit werde zu wenig themati siert, , % nden, die deutsche Tätersch aft werde zu viel thema-
tisiert. Diese Einschätzung ist unabhängig vom Alter der Befragten.
viel zu wenig
thematisiert
wird
zu wenig
themati-
siert wird
genau an-
gemessen
thematisiert
wird
zu viel
themati-
siert wird
viel zu viel
themati-
siert wird
Finden Sie, dass die Täterschaft
der Deutschen während der Zeit
des Nationalsozialismus …
3,1 % 29,8 % 48,9 % 12,3 % 6,0 %
 r() = -,, p < ,.
 r() = -,, p < , .
 r() = -,, p = , .
MEMO III 19
In der Bewertung derjenigen, die von den Morden des NS-Regimes wussten, aber nichts dagegen
unternommen haben, zeigen die Befragten sich uneindeutig – , % lehnen die Aussage ab, dass die
Mitw issenden eine Mitschuld an den Verbrechen des Nationa lsozialismus tragen, , % der Befrag ten
sind der Ansicht, da ss das Nichteinschreiten derjenigen, die von den Verbrechen des Regimes w ussten,
sie ebenfalls schuldig macht. Es zeigt sich hierbei kein Zusammenhang mit dem Alter der Befragten –
jüngere und ältere Befragte unterscheiden sich nicht systematisch in der Bewertung einer Mitschuld
der mitwissenden Deutschen.
überhaupt
nicht mit
schuldig
eher
nicht mit
schuldig
teils/teils eher mit
schuldig
voll mit
schuldig
Würden Sie sagen, dass diejenigen,
die von den Morden wussten, aber
nichts dagegen unternommen haben,
mit schuldig an den Verbrechen des
Nationalsozialismus waren?
11, 9 % 17,0 % 39,5 % 21,0 % 10,6 %
4.7 SELBSTEINSCHÄTZUNG UND WAHRNEHMUNG HEUTIGER ZUSTÄNDE
Zu einer Erinnerungskultur gehört nicht allein historisches Wissen, sondern auch eine subjektive
Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung des historisch Erinnerten. Das Erinnerte kann in Be-
zug zur Gegenwart gesetzt und – gerade im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit der Zeit der
NS-Diktatur – zur kritischen Selbstreexion genutzt werden. Dabei sind die Fragen nach dem Erin-
nern an früher und „den Anderen“ verbunden mit Fragen wie: „Wie hätte ich mich verhalten?
Entsprechend wurde in MEMO III erneut nach Bezügen zu den Befragten selbst und zur Gegenwart
gefragt. Welche Parallelen sehen die Befragten zw ischen heutigen gesellschaftlichen Ent wicklungen
und der Zeit des Nationalsozialismus? Sind sie der Ansicht, dass Menschen heute weniger anfällig sind
für rechte Ideologien? Was glauben Befragte, wie sie selbst sich verhalten hätten und wie verant-
wortlich fühlen sie sich dafür, sich in der heutigen Gesellschaft gegen die Diskriminierung und Aus-
grenzung anderer einzusetzen? Auch hier sei daran erinnert, dass Befragte stets die Option hatten,
Fragen nicht zu beantworten.
Die Selbsteinschätzung der Befragten
Der nachfolgende Fragenblock wurde eingeleitet mit dem Satz: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten selbs t
zur Zeit des National sozialismus in Deutschland gelebt.“ Es folgten verschiedene Kategorien (Täter*in,
Opfer, Helfer*in, Widerständler* in) und Befragte wur den gebeten, einzuschätzen, f ür wie wahrschein-
lich sie es halten, dass sie selbst in der NS-Zeit zu einer dieser Gruppen gehört hätten.
Ein Großteil der Befragten (, %) hält es dabei für „eher“ oder „sehr unwahrscheinlich“, dass sie
selbst zu Täter*innen geworden wären, nur jede*r Zehnte (, %) hält dies für „eher“ oder „sehr
wahrscheinlich“. Dass sie selbst zur Zeit des Nationalsozialismus zum Opfer geworden wären, schätzt
je mehr als ein Drit tel der Befragten als „s ehr“ oder „eher unwahrscheinlich“ (, %) bz w. als „eher“
oder „sehr wahrscheinlich“ ein (, %). Dass sie selbst potentiellen Opfern geholfen hätten, halten
rund zwei Drittel der Befragten (, %) für „eher“ oder „sehr wahrscheinlich“, während nur , %
annehmen, dass sie „eher“ oder „sehr wahrscheinlich“ nicht geholfen hätten. Mit Blick auf den akti-
ven Widerstand gegen den Nationalsozialismus zeigen die Befragten sich ambivalent – insgesamt
, % halten es für unwahrscheinlich, , % für wahrscheinlich, dass sie Widerstand geleistet
hätten, während , % unsicher sind („teils/teils“).
 r() = ,, p = , .
MEMO III 20
Wenn Sie sich vorstellen, Sie hätten selbst zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland
gelebt. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Sie selbst …
sehr
unwahr-
scheinlich
eher
unwahr-
scheinlich
teils/teils eher
wahr-
scheinlich
sehr
wahr-
scheinlich
… zu einer Täterin bzw. einem Täter
geworden wären? 41, 0 % 29,5 % 16,4 % 7,6 % 2,9 %
… zu einem Opfer geworden wären? 10,5 % 24,2 % 22,7 % 25,9 % 14,6 %
… potentiellen Opfern geholfen
hätten? 2,0 % 7,8 % 22,5 % 34,2 % 31,1 %
… aktiv Widerstand gegen den
Nationalsozialismus geleistet hätten? 8,0 % 28, 0 % 27, 4 % 1 7,6 % 14, 8 %
Bei diesen Einschätzungen zeigen sich Unterschiede in Abhängigkeit von den demographischen An-
gaben der Befragten. Männliche Befragte halten es für wahrscheinlicher, dass sie selbst zu den
Täter*innen gezählt hätten (M = ,, SD = ,) als weibliche Befragte (M = ,, SD = ,). Weibliche
Befragte schätzen es dafür als wahrscheinlicher ein, dass sie potentiellen Opfern geholfen hätten
(M = ,, SD = ,) als männliche Befra gte (M = ,, SD = ,) . Diejenigen Befragten mit Migrations-
hintergrund halten es im Vergleich zu denjenigen ohne für wahrscheinlicher, dass sie selbst in der
Zeit des Nationalsozialismus zu den Opfern gezählt hätten (Mmit Migrationshinterg rund = ,, SD = , vs.
Mohne Migrationshintergrun d = ,, SD = ,). Sie halten es außerdem für wahrscheinlicher, dass sie selbst
potentiellen Opfer geholfen (Mmit Migrationshintergrun d = ,, SD = , vs. Mohne Migrationshintergrun d = ,, SD = ,)
und aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet hät ten (Mmit Migrationshintergrund = ,, SD = ,
vs. Mohne Migrationshintergr und = ,, SD = ,).
Einschätzung heutiger gesellschaftlicher Zustände
Ein Großteil der Befragten nimmt an, dass Menschen heute grundsätzlich zu ähnlichen Taten fähig
wären wie jenen in der Zeit des Nationalsozialismus: Insgesamt stimmen , % der Befragten dieser
Aussage „eher“ oder „stark“ zu, etwa ein Fünftel (, %) lehnt die Aussage „eher“ oder „stark“ ab.
Stellt man die gleiche Frage in Bezug auf die konkrete Gruppe der Deutschen, sinken die Zustim-
mungswerte. Der Aussage, dass Deutsche heute zu ähnlichen Taten wie denen in der Zeit des National-
sozialismus fähig wären, stimmen nur noch , % der Befragten zu, etwa ein Drittel (, %) lehnt
die Aussage ausdrücklich ab. Mehr als jede*r vierte Befragte (, %) ist der Ansicht, die Deutschen
seien heute weniger empfänglich für rechte Ideologien als die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialis-
mus. Parallelen zwischen aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und der Zeit des Na-
tionalsozialismus nehmen , % aller Befragten wahr.
 t() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,, Freihe itsgrade korr igiert für Vari anzheterogenität.
 t() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,, Freiheitsgrade korrig iert für Varianzhe terogenität.
MEMO III 21
lehne
stark ab
lehne
eher ab
teils/teils stimme
eher zu
stimme
stark zu
Ich glaube, dass Menschen heute
zu ähnlichen Taten wie denen in der
Zeit des Nationalsozialismus fähig
wären.
7,1 % 13,8 % 19,3 % 32,8 % 26,7 %
Ich glaube, dass Deutsche heute zu
ähnlichen Taten wie denen in der Zeit
des Nationalsozialismus fähig wären.
11, 3 % 2 0,0 % 25,9 % 28,3 % 14 ,1 %
Deutsche sind heute weniger
empfänglich für rechte Ideologien als
die Deutschen zur Zeit des National-
sozialismus.
11, 6 % 2 3,8 % 32 ,3 % 21,4 % 8,7 %
Ich sehe Parallelen zwischen
aktuellen politischen Entwicklungen
in Deutschland und der Zeit des
Nationalsozialismus.
8,9 % 30,4 % 29,4 % 18,3 % 11,8 %
Die Angst vor einer Wiederholbarkeit und die Wahrnehmung von Parallelität zwischen
aktuellen politischen Entwicklungen, dem Ende der Weimarer Republik und der Zeit des
Nationalsozialismus drücken gleichermaßen Wachsamkeit wie Ratlosigkeit aus. Lernorte
der historisch-politischen Bildung sind in meinen Augen Kompetenzzentren für die Be-
wältigung gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen und für den Dialog darüber
jenseits verschiedener Generations- und Milieugrenzen.
Stefan Querl (Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster)
Einschätzung der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung
In einem weiteren Fragenblock ging es um die Wahrnehmung von Diskriminierung und Ausgrenzung
von Menschengruppen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder anderer Gruppenzugehörigkeiten in
Deutschland heute. Befragte wurden gebeten, anzugeben, inwiefern sie a) Diskriminierung und Aus-
grenzung in Deutschland wahrnehmen, b) diese als besorgniserregend einschätzen, sich c) dafür
verantwortlich fühlen, etwas dagegen zu unternehmen, d) über Handlungsmöglichkeiten verfügen,
selbst aktiv etwas zu unternehmen und schließlich, e) inwiefern sie bereit sind, sich aktiv gegen die
Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen oder Menschengruppen in Deutschland einzusetzen.
Je knapp zwei Drittel der Befragten stimmen den einzelnen Aussagen „eher“ oder „stark“ zu. Es zeigt
sich, dass die Antworten auf die einzelnen Aussagen zusammenhängen („eine konsistente Skala bilden“,
Cronbachs Alpha = ,). Befragte, die einer der Aussagen zustimmen, stimmen mit größerer Wahr-
scheinlichkeit auch den übrigen Aussagen zu. Diejenigen Befragten, die Diskriminierung und Aus-
grenzung von Menschen aufgrund von Herkunft, Religion oder anderer Gruppenzugehörigkeiten in
Deutschland wahrnehmen, bewerten diese also mit höherer Wahrscheinlichkeit als besorgniserre-
gend, fühlen sich eher mitverantwortlich, sich gegen diese einzusetzen und geben mit größerer
Wahrscheinlichkeit an, zu wissen, was sie selbst gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von
Menschen in Deutschland unternehmen können. Sie berichten außerdem, eher bereit zu sein, sich
aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einzusetzen.
MEMO III 22
Prozentzahl der
Nennung
Meiner Meinung nach nimmt die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen
aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder anderer Gruppenzugehörigkeiten in Deutschland
wieder zu.
63,1 %
Ich finde das Ausmaß der Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen oder
Menschengruppen in Deutschland besorgniserregend. 59,3 %
Ich fühle mich mitverantwortlich dafür, zu verhindern, dass Menschen oder
Menschengruppen in Deutschland diskriminiert oder ausgegrenzt werden. 59,9 %
Ich weiß, was ich selbst dazu beitragen kann, die Diskriminierung und Ausgrenzung
von Menschen oder Menschengruppen in Deutschland zu verhindern. 65,2 %
Ich bin bereit, mich aktiv gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen
oder Menschengruppen in Deutschland einzusetzen. 66,4 %
Dargestellt ist hier der Anteil an Befragten, die der jeweiligen Aussage „eher“ oder „stark“ zustimmen.
Gefragt nach einem unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Geschichte und dem heutigen
Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten in Deutschland, also einer der möglichen „Lehren“ einer
Auseinandersetzung mit der Geschichte, zeigen die Bef ragten sich skeptisch. Knapp zwei Drit tel von
ihnen (60,3 %) sind der Ansicht, dass wir, hätten wir etwas aus der Geschichte gelernt, heute besser
mit gesellschaftlichen Minderheiten umgehen würden.
lehne
stark ab
lehne
eher ab
teils/teils stimme
eher zu
stimme
stark zu
Wenn wir wirklich etwas aus der
Geschichte gelernt hätten, würden
wir heute besser mit gesellschaft-
lichen Minderheiten umgehen.
1,6 % 11,5 % 25,3 % 33,6 % 26,7 %
4.8 ZWISCHENFAZIT ZUR TÄTER-, OPFER- UND HELFERSCHAFT
Im Verlauf der Umfrage haben die Befragten ihr Wissen und ihre Einschätzung der Häugkeit von
Täter*innen, Opfern und Helfer*innen während der Zeit des Nationalsozialismus aus verschiedenen
Perspektiven abgegeben. Sie haben berichtet, was sie über die Rolle ihrer eigenen Vorfahren wissen
(Abschnitt 4 .5), haben eingeschätzt, zu welchen Anteilen die deutsche Bevölkerung während der NS-
Zeit involviert war (Abschnitt 4.6) und haben eine Einschätzung für die Wahrscheinlichkeit angegeben,
mit der sie selbst Täter*in, Opfer oder Helfer*in geworden wären, hätten sie zur Zeit des National-
sozialismus in Deutschland gelebt (Abschnitt 4.7). Stellen wir diese Einschätzungen nebeneinander,
so ergibt sich folgendes Bild:
Mit Blick auf die Gruppe der Opfer unter der deutschen Bevölkerung während der Zeit des National-
sozialismus zeigt sich eine Einschätzung von je etwas mehr als einem Drittel. Die durchschnittliche
Einschätzung des Anteils an Opfern in der deutschen Bevölkerung (33,8 %) deckt sich ungefähr mit
dem Wissen um Opfer unter den eigenen Vorfahren unter allen Befragten (35,8 %) und der Wahr-
scheinlichkeit, mit der Bef ragte schätzen, dass sie selbst zur Gruppe der Opfer in der Zeit des National-
sozialismus gehört hätten (40,5 %).
MEMO III 23
Deutliche Unterschiede zeigen sich mit Blick auf das Wissen um bzw. die Einschätzung von Täter- und
Helferschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Anteil an Täter*innen in der deutschen Bevölke-
rung zur Zeit des Nationalsozialismus wird mit 33 ,6 % als höher eingeschätzt als s ich dies im Wissen
um Täterschaft innerhalb der eigenen Familien widerspiegelt (23,2 %). Deutlich niedriger fällt mit
10,5 % außerdem der Anteil derjenigen Befragten aus, die es für „eher“ oder „sehr wahrscheinlich“
halten, dass sie selbst zur Gruppe der Täter*innen in der Zeit des Nationalsozialismus gehört hätten.
Ein umgekehrtes Muster ergibt sich mit Blick auf die Gruppe der Helfer*innen: Während deren Anteil
in der deutschen Bevölkerung zur Zeit des Nationalsozialismus mit 15,4 % als vergleichsweise gering
eingeschätzt wird, berichtet ein deutlich größerer Anteil an Befragten (32,3 %) von Helfer*innen in
der eigenen Familie. Noch einmal deutlich höher fällt die Selbsteinschätzung der Befragten aus, von
denen mit 65,3 % nahezu zwei Drittel schätzen, dass sie selbst potentiellen Opfern „eher“ oder „sehr
wahrscheinlich“ geholfen hätten. Fast ein Drittel der Befragten (30,4 %) gibt außerdem an, dass sie
wahrscheinlich ak tiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet hätten.
4.9 ZUR BEDEUTUNG VON „SCHLUSSSTRICH“-FORDERUNGEN
Immer wieder wird die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus von Forderungen
nach einem „Schlussstrich“ infrage gestellt. Während über die Hälfte aller Befragten in MEMO III
(51,7 %) die Aussage, es sei Zeit für einen Schlussstrich unter die nationalsozialistische deutsche
Vergangenheit, ablehnt und 20,7 % sich ambivalent äußern („teils/teils“), stimmt etwa jede*r Vierte
(27,1 %) der Aussage zu. Vergleicht man hierbei diejenigen Befragten, die einen Schlussstrich unter
die deutsche NS-Vergangenheit ablehnen mit denen, die sich dafür aussprechen, dann ergeben sich
systematische Unterschiede in deren demographischem Hintergrund und in anderen Einstellungen.
75
50
25
0
Einschätzung der Bevölkerung in der NS-Zeit Familiennarrativ Selbsteinschätzung
„Täte r„Opfer“ „Helfer“
34,0 33,8
15,4
32,3
65,3
35,8
39,0
23,2
10,5
Abbildung 6. Gegenüberstellung der Einschätzungen von Anteilen an Täter-, Opfer- und Helferschaft in der deutschen
Bevölkerung in der NS-Zeit, in Familiennarrativen und in der Einschätzung eigenen Verhaltens, hätten die Befragten
selbst in der Zeit des Nationalsozialismus gelebt (Angaben in %).
MEMO III 24
So zeigt sich beispielsweise ein Unterschied in Bezug auf den Bildungshintergrund der Befragten.
Diejenigen Teilnehmer*innen mit höheren Bildungsabschlüssen lehnen einen Schlussstrich unter
die deutsche NS-Vergangenheit mit größerer Wahrscheinlichkeit ab26. Diejenigen, die sich für einen
Schlussstrich aussprechen, berichten auch, sich weniger stark für die deutsche Geschichte zu inter-
essieren27, sich weniger intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt zu haben28
und in der Schule weniger über das Thema gelernt zu haben29. Auch die Bedeutsamkeit und das eigene
Wissen über alle aufgeführten Aspekte der Zeit des Nationalsozialismus schätzen sie als durchgehend
geringer ein30.
„Schlussstrich“-
befürwortend
„Schlussstrich“-
ablehnend
Wie stark interessieren Sie sich für die deutsche Geschichte? M = 3,47 M = 3,89
Wie intensiv haben Sie sich bisher von sich aus mit der Zeit
des Nationalsozialismus beschäftigt? M = 3,26 M = 3,82
Wie viel haben Sie in der Schule über die Zeit des National-
sozialismus gelernt? M = 2,96 M = 3,34
In Bezug auf die Einschätzung der deutschen Bevölkerung während der NS-Zeit zeigen sich weitere
systemat ische Unterschiede. So schätzen Befr agte, die sich für einen Schlussstrich aussprechen, den
Anteil an Opfern31 und Helfer*innen32 unter der deutschen Bevölkerung als höher, den Anteil derer,
die um die systemat ische Ermordung von Menschengruppen in d ieser Zeit wussten, al s niedriger ein33.
Was schätzen Sie: Wie viel Prozent der deutschen
Bevölkerung während der Zeit des Nationalsozialismus …
„Schlussstrich“-
befürwortend
„Schlussstrich“-
ablehnend
… zählten zu den Opfern? M = 38,8 % M = 30,3 %
… haben potentiellen Opfern geholfen? M = 19,6 % M = 13,6 %
… wussten von der systematischen Ermordung von
Menschengruppen in dieser Zeit? M = 32,7 % M = 44,3 %
Schließlich zeigen sich Unterschiede zwischen den Gruppen auch in Bezug auf Einstellungen mit
unmittelbarem Gegenwartsbezug. So halten Befragte, die einen Schlussstrich unter die deutsche
NS-Geschichte befürworten, es für weniger wahrscheinlich, dass Menschen heute zu ähnlichen Taten
fähig wären wie denen in der Zeit des Nationalsozialismus34 und schätzen Deutsche heute als insge-
samt weniger empfänglich für rechte Ideologien ein als die Deutschen zur NS-Zeit35. Sie sind zudem
stärker mit Deutschland identiziert36 und zugleich weniger bereit, sich gegen die Diskriminierung
und Ausgrenzung von Menschen und Menschengruppen in Deutschland heute einzusetzen37. Zu-
 χ (, N = ) = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,, Fre iheitsgrade kor rigiert f ür Varian zheterogenität.
 t() = ,, p < ,, Freiheitsgrade kor rigiert für Varianzheterogenität.
 t() = ,, p < ,.
 alle p < ,.
 t() = ,, p < ,, Freiheitsg rade korrigie rt für Varianzhe terogenität.
 t() = ,, p < ,, Freiheitsg rade korrigie rt für Varianzhe terogenität.
 t() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,, Freihei tsgrade korr igiert für Vari anzheterogenität .
 t() = ,, p < ,, Frei heitsgrade kor rigiert fü r Varianzheterogenit ät.
 t() = ,, p < ,.
 t() = ,, p < ,, Freih eitsgrade korr igiert für Var ianzheterogenit ät.
MEMO III 25
dem stimmen sie sowohl antisemitischen 38 als auch den Holocaust potentiell relativierenden Aussa-
gen39 stärker zu und sympathisieren stärker mit der AfD40 als Befragte, die sich gegen einen Schluss-
strich unter die deutsche NS-Geschichte aussprechen.
„Schlussstrich“-
befürwortend
„Schlussstrich“-
ablehnend
Ich glaube, dass Menschen heute zu ähnlichen Taten wie
denen in der Zeit des Nationalsozialismus fähig wären. M = 3,34 M = 3,74
Deutsche heute sind weniger empfänglich für rechte Ideologien
als die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus. M = 3,15 M = 2,85
Deutsch zu sein ist ein wichtiger Teil meiner Identität. M = 3,79 M = 3,44
Ich bin bereit, mich aktiv gegen die Diskriminierung und
Ausgrenzung von Menschen oder Menschengruppen in
Deutschland einzusetzen.
M = 3,46 M = 4,05
Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss. M = 2,28 M = 1,5 8
Ich bezweifle, dass alles stimmt, was über das Ausmaß
der Judenverfolgung berichtet wird. M = 2,72 M = 1,99
Die AfD ist eine Partei wie jede andere auch. M = 2,46 M = 1,64
 t() = ,, p < ,, Freiheitsgrade korrig iert für Varianzhe terogenität.
 t() = ,, p < ,, Fr eiheitsgrade kor rigiert f ür Varian zheterogenität.
 t() = ,, p < ,, Freiheits grade korrig iert für Varian zheterogenität.
MEMO III 26
DARSTELLUNG VON ERGEBNISSEN VON
MEMO I, II UND III IM VERGLEICH
Eine Reihe der Fragen wurde auf gleiche Weise in allen drei MEMO-Studien gestellt, um Verlauf und
Entwicklung von Einstellungen gegenüber der deutschen Erinnerungsk ultur beobachten zu können.
Nachfolgend sind im direkten Vergleich die Antworten auf diejenigen Fragen dargestellt, die sowohl
in MEMO I () als auch MEMO II () und MEMO III () erfragt wurden und für den Kontext
Erinnerungskultur relevant sind. Dabei wurden verschiedene, aber jeweils für Deutschland reprä-
sentative Stichproben befragt (wiederholte repräsentative Querschnittsbefragung).
MEMO I MEMO II MEMO III
Wie stark interessieren Sie sich für die deutsche
Geschichte? 60,2 % 6 2,3 % 5 7,1 %
Wie viel haben Sie in der Schule über die Zeit des
National sozialismus gelernt? 39,6 % 45, 3 % 45,8 %
Dargestellt ist hier jeweils der Anteil an Befragten, die angeben, sich „eher“ oder „sehr stark“ für die deutsche Geschichte zu
interessieren, bzw. „eher“ oder „sehr viel“ in der Schule gelernt zu haben.
MEMO I MEMO II MEMO III
Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein Teil der
deutschen Identität. 63,5 % 71,1 % 66,6 %
Zur Zugehörigkeit zu Deutschland gehört das Wissen
über die Geschichte des Nationalsozialismus. 8 7,7 % 8 7, 2 % 84,7 %
Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss. 5,7 % 5,6 % 2,4 %
Es ist Zeit für einen Schlussstrich unter die
nationalsozialistische deutsche Vergangenheit. 25,5 % 32,6 % 2 7,1 %
Deutschland kann anderen Ländern als Vorbild für eine
gelungene Geschichtsaufarbeitung dienen. 44,3 % 4 9,6 % 45,7 %
Ich mache mir Sorgen, dass ein Ereignis wie der
Holocaust sich wiederholen könnte. 4 7,2 % 3 5,0 %
Wenn ich daran denke, wie heute im Ausland wegen
des Holocausts über Deutschland gedacht wird, dann
schäme ich mich.
23,5 % 2 5,9 % 32,2 %
Ich sehe Parallelen zwischen aktuellen politischen
Entwicklungen in Deutschland und der Zeit des
Nationalsozialismus.
35,9 % 30,1 %
Man sollte endlich wieder stolz sein dürfen,
deutsch zu sein. 52,6 % 57, 3 % 53,5 %
Ich glaube, dass Menschen heute zu ähnlichen Taten
wie denen in der Zeit des Nationalsozialismus fähig
wären.
65,6 % 59, 5 %
Dargestellt ist hier der Anteil an Befragten, die der jeweiligen Aussage „eher“ oder „stark“ zustimmen.
5
MEMO III 27
ZUSAMMENFASSUNG DER AUTOR*INNEN
Im Jahr, in dem sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum . Mal jährt, verdeutlichen die Ergebnisse
von MEMO III die Herausforderungen einer angemessenen und historisch korrekten Auseinander-
setzung mit der Geschichte ebenso sehr wie die Vielfalt an Narrativen und Perspektiven, die sich in
Bezug auf die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus in der deutschen Gesellschaft heute
nden. Dabei bleibt zunäch st anzumerken, dass die Bef ragten wie in den vorherigen St udien zu großen
Teilen ein grundlegendes Interesse an der deutschen Geschichte im Allgemeinen und der Erinnerung
an die Zeit des Nationalsozialismus im Speziellen berichten. Dies spiegelt sich etwa in der Vielzahl
an Wegen wider, die von Befragten zur Auseinandersetzung mit der deutschen NS-Geschichte ge-
nutzt werden, ihrer Sorge vor einem „Verschwinden“ der Erinnerung an die NS-Zeit und vor einer
Vereinnahmung der deutschen Erinnerungskultur durch Rechtspopulisten.
Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die Bedeutsamkeit, die der Erinnerung an die NS-Geschichte
zugeschrieben wird, sich auch in der Realität der Befragten abbildet. Verschiedene Indikatoren, von
denen einige in MEMO III zum wiederholten Male erfragt wurden, machen deutlich, dass teilweise
Perspektiven und Narrative über die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg in der deutschen Gesellschaft
verbreitet sind, die sich mit historischen Fakten nur schwer in Einklang bringen lassen. Darunter
fallen insbesondere Aspekte, die die Frage der Opferschaft der Deutschen, ihrer unmittelbaren Täter-
schaft und der Rolle der deutschen Mehrheitsgesellschaft während der Zeit des Nationalsozialismus
betreffen. Ein in den MEMO-Studien inzwischen etablierter und stabiler Befund ist das selektive
Wissen um die Rolle der eigenen Vorfahren während der NS-Zeit. Die Ergebnisse von MEMO III ver-
deutlichen erneut, dass in deutschen Familien vor allem Berichte über die Opfer- und Helferschaft
der eigenen Vorfahren an folgende Generationen weitergegeben werden, währ end von Täterschaft in
unseren Umfragen nur selten berichtet wird. Dabei zeigt sich, dass Befragte zu einem substantiellen
Teil auch im Krieg gefallene deutsche Soldaten zu den Opfergruppen während der Zeit des National-
sozialismus zählen.
Auch jenseits der familiären Perspektiven auf die NS-Zeit weisen die Ergebnisse auf eine Aufweichung
historischer Fakten und eine mögliche „Konkurrenz“ hin, in der deutsche Opfer-Narrationen mit
den Opfergruppen des nationalsozialistischen Regimes stehen. Gefragt nach einer angemessenen
Bezeichnung dafür, was das Ende des Zweiten Weltkriegs für Deutschland bedeutet habe, ant wortet
ein großer Teil der Befragten mit Begriffen, die die aus heutiger Perspektive vermeintlich wünschens-
werte Erzählung erlauben, dass die Deutschen, die dem nationalsozialistischen Regime zum Opfer
gefallen waren,  von diesem „befreit“ wurden und „neu anfangen“ konnten. Diese Ergebnisse von
MEMO III zeigen, dass in der deutschen Gesellschaf t auch auf einer rein sprachlichen Ebene Perspek-
tiven auf die Zeit des Nationalsozialismus vorherrschen, die mit den historischen Fakten in dieser
Form nicht vereinbar sind.
Bemerkenswert erscheinen Ergebnisse wie diese insbesondere vor dem Hintergrund, dass zeitgleich ein
großer Teil der Befragten Sorge davor äußert, dass die deutsche Erinnerungskultur von Rechtspopu-
listen vereinnahmt werden könne. Zu den geschichtsrevisionistischen Perspektiven solcher Rechts-
populisten zählen neben einer Relativierung des NS-Terrors und der Verunglimpfung von Opfer-
gruppen des Nationalsozialismus auch die Glorizierung deutscher Täter*innen und die Überbetonung
deutscher Opfersch aft. Die Ergebnisse von MEMO III legen zwar nicht na he, dass solche extrem rechten
Vorstöße in weiten Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen würden. Es lässt sich jedoch kri-
tisch festhalten, dass sie zumindest implizit anschlussfähig wären, weil sie sich an vielen Stellen
bereits in den Antworten und Perspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus widerspiegeln.
Während bei jenen Befr agten, die einen „Schlussstrich“ unter die deutsche NS- Geschichte ausdrück-
lich befürworten, eine offene Zustimmung zu derartigen Umdeutungen vermutet werden kann, stellt
sich für die übrigen, und damit den größten Teil der Befragten, die Frage nach den Ursachen für derart
verschobene Perspektiven. Die Tatsache, dass viele sich grundsätzlich für eine Erinnerung an die
6
MEMO III 28
deutsche NS-Geschichte aussprechen und sich eigeninitiativ mit dieser auseinandersetzen, lässt
vermuten, dass es sich dabei nicht um bewusste und gezielte Verzerrungen handelt. Vielmehr würden
wir annehmen, dass aufgrund der zeitlichen Distanz inzwischen „Erinnerungslücken“ in Bezug auf
die Zeit des Nationalsozialismus entstanden sind und entstehen, die anfällig machen für revisionis-
tische Tendenzen, (sozial)psychologisch motivierte Umdeutungen oder den Einuss einzelner medialer
Darstellungen der NS-Zeit. So wurde „Schindlers Liste“ etwa von mindestens einem Drittel der reprä-
sentativen Gesamtstichprobe gesehen und als besonders prägender Film zur Auseinandersetzung
mit der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Dass einzelne mediale Aufbereitungen eine so weite
Verbreitung erfahren, scheint insofern problematisch, als dass diese oft nur lose an historischen Fak-
ten orientiert sind und sie die Ereignisse in aller Regel aus einer spezischen Perspektive darstellen.
Trotz des zunehmenden zeitlichen Abstands zur NS-Zeit und des abnehmenden Kontakts zu Zeit-
zeug*innen berichten auch junge Befragte in MEMO III weiterhin ein hohes Interesse an der Ausein-
andersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte. Umso wichtiger erscheint es, mittels einer
Vielfalt von Wegen der Auseinandersetzung möglichst viele interessierte junge Menschen in Deutsch-
land zu erreichen und ihnen Wege anzubieten, über die sie ihre Interessen, Fragen und individuellen
Biographien mit dem geschichtlichen Kontext des Nationalsozialismus in Verbindung bringen können.
Zu diesen Herausforderungen zählt sicher auch der Befund, dass Befragte mit Migrationsgeschichte
sich zwar gleichermaßen interessiert an der Geschichte zeigen, die Geschichten ihrer eigenen Familien
in der deutschen Erinnerungskultur jedoch als unterrepräsentiert empnden. Dabei erscheinen
mögliche Anknüpfungspunkte für ganz verschiedene Familiengeschichten, ungeachtet der jeweiligen
Herkunft, zahlreich und historisch-politisch vermittelbar. Auch gezielte Angebote zur Auseinander-
setzung mit „lokalen Erinnerungskulturen“ könnten dabei helfen, unmittelbarere und konkretere
Bezüge zur Geschichte vor Ort herzustellen. Immerhin ein gutes Drittel der Befragten wollte gern
mehr über die Geschichte des eigenen Wohnorts während der NS-Zeit erfahren und über die Hälfte
gab an, eher wenig oder überhaupt nichts über diese Geschichte zu wissen.
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß sich in der gegen-
wärtigen deutschen Erinnerungskultur neben einem „Erinnern an“ auch ein „Auseinandersetzen
mit“ w iderspiegelt. Befunde w ie jene zum vergleichsweise geringen Wissen über die gesell schaftlichen
Bedingungen und Prozesse, die der systematischen Ermordung von Menschen während der NS-Zeit
vorausgingen, die gleichzeitig als hoch eingeschätzte eigene Hilfsbereitschaft und Zivilcourage der
Befragten und schließlich die Wahrnehmung einer gewissen „Immunität“ der Deutschen heute, legen
die Vermutung nahe, dass eben jenes Wissen um gesamtgesellschaftliche Prozesse einen wichtigen
Bestandteil der Auseinandersetzung darstellt, um zu verhindern, dass geschichtsrevisionistische
Tendenzen noch stärker in entstehenden Wissenslücken verfangen können.
MEMO III 29
ANHANG
VOLLSTÄNDIGE DARSTELLUNG
DER DESKRIPTIVEN BEFUNDE
MEMO III | ANHANG 30
Uns würde interessieren, was Ihrer Meinung nach das wichtigste Ereignis in der
deutschen Geschichte ist. (offenes Antwortformat)
Ereignis Prozentzahl der Nennung
Ereignisse aus dem Kontext der Wiedervereinigung 46,4 %
Ereignisse aus dem Kontext des Nationalsozialismus 2 8,7 %
Anderes 13 ,8 %
Keine Angabe 4,1 %
Beide Weltkriege 2,2 %
Gründung der BRD 2,1 %
Weimarer Republik 1, 8 %
Erster Weltkrieg 0,9 %
Nachfolgend sind die Antworten der  Personen dargestellt, die die vorherige Frage mit Ereignissen
im Kontext der Wiedervereinigung beantwortet haben. Hierzu ist anzumerken, dass diese Frage bei
offener Nennung nachcodiert wurde. In diese Kategorie fallen Nennungen wie „die deutsche Einheit“,
„der Mauerfall“ oder „die Wiedervereinigung“.
Würden Sie sagen, dass dieses Ereignis … war?
negativ eher negativ neutral eher positiv positiv
5,0 % 0,3 % 5,4 % 8,6 % 80,6 %
Würden Sie sagen, dass dieses Ereignis … für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
in Deutschland war?
negativ eher negativ neutral eher positiv positiv
4,2 % 4,2 % 18,4 % 14,8 % 58,3 %
Nachfolgend sind die Antworten der  Personen dargestellt, die auf die Frage nach einem zu erin-
nernden Ereignis der deutschen Geschichte Ereignisse aus dem Kontext des Nationalsozialismus ge-
nannt haben. Darunter fallen explizite Nennungen wie „der Zweite Weltkrieg“ ebenso wie zuzuord-
nende Schlagwor te wie „das NS-Reg ime“, „die Verfolgung der Juden“ oder konkreter e Ereignis se wie
„die Machtergreifung Hitlers“ und „das Ende des Zweiten Weltkriegs“. Die inhaltliche Breite dieser
Kategorie spiegelt sich auch in der nachfolgend dargestellten Varianz der Bewertungen dieser Ereig-
nisse wider.
Würden Sie sagen, dass dieses Ereignis … war?
negativ eher negativ neutral eher positiv positiv
5 5,1 % 4, 8 % 4,1 % 2,4 % 33,5 %
Würden Sie sagen, dass dieses Ereignis … für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in
Deutschland war?
negativ eher negativ neutral eher positiv positiv
31, 0 % 6,9 % 18,1 % 9,1 % 34,9 %
Unter der Kategorie der „anderen“ Nennungen sind Ereignisse wie „die Reformation“, „der -jährige
Krieg“, „die deutsche Reichsgründung“ oder unspezische Nennungen wie „die Demokratie“ zu-
sammengefasst.
MEMO III | ANHANG 31
Was würden Sie sagen, ist 1945 in Deutschland passiert?
(offenes Antwortformat)
Ereignis Prozentzahl der Nennung
„Endes des Zweiten Weltkriegs“ 7 7, 0 %
Sonstige Nennungen 4,4 %
„Niederlage“ 2,1 %
„Befreiung“ 2,0 %
„Kapitulation“ 1,8 %
„Ende der NS-Diktatur“ 1,4 %
„Aufteilung/Besetzung Deutschlands“ 1,2 %
Wie gut beschreiben Ihrer Meinung nach die nachfolgenden Begriffe, was das Ende des
Zweiten Weltkriegs für Deutschland bedeutet hat?
überhaupt
nicht gut
eher nicht gut teils/teils eher gut sehr gut
Niederlage 4, 4 % 7, 8 % 17,5 % 33,3 % 37,0 %
Befreiung 0,6 % 2,3 % 1 0,1 % 29,7 % 5 7, 3 %
Kapitulation 2,2 % 6,9 % 13,7 % 32,0 % 4 5,2 %
Neuanfang 1, 3 % 4,2 % 13,2 % 32,0 % 45 ,2 %
Wie stark interessieren Sie sich für die deutsche Geschichte?
Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie sich … interessieren?
überhaupt nicht eher wenig teils/teils eher stark sehr stark
1,1 % 8 ,1 % 33,7 % 32,3 % 24,8 %
Was würden Sie sagen: Wie viel haben Sie in der Schule über die Zeit des Nationalsozialismus
gelernt?
überhaupt nichts eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
8,7 % 2 6,3 % 19,2 % 25,8 % 20,0 %
MEMO III | ANHANG 32
Wie viel wissen Sie selbst über die folgenden Aspekte des Nationalsozialismus?
überhaupt
nichts
eher
wenig
teils/teils eher viel sehr viel
Die systematische Ermordung der
Juden Europas. (M = 4,10 ) 1, 7 % 4,1 % 14,0 % 42,9 % 37,3 %
Die Verfolgung verschiedener Opfer-
gruppen in Deutschland. (M = 3,75) 1, 2 % 10 ,1 % 24, 0 % 41,6 % 2 3,1 %
Die Ideologie des Nationalsozialismus.
(M = 3,65) 3,2 % 13 , 2 % 21,1 % 40,6 % 21,9 %
Die politischen und gesellschaftlichen
Bedingungen und den Ablauf der
Machtübernahme durch die National-
sozialisten. (M = 3,49)
2,7 % 16, 9 % 26,2 % 3 7, 3 % 16,9 %
Die Reaktionen der deutschen
Bevölkerung auf die Verbrechen des
NS-Regimes. (M = 3,42)
2,2 % 16,6 % 34,3 % 30,8 % 16,1 %
Den Alltag in NS-Deutschland und
die Einstellung der Bevölkerung zum
Nationalsozialismus. (M = 3,34)
2,4 % 18,5 % 35,5 % 30,0 % 13,5 %
Wie wichtig finden Sie es, dass Deutsche etwas über die folgenden Aspekte des
Nationalsozialismus wissen?
überhaupt
nicht
wichtig
eher
nicht
wichtig
teils/teils eher
wichtig
sehr
wichtig
Die systematische Ermordung der
Juden Europas. (M = 4,59) 1, 7 % 1,1 % 6,3 % 18,1 % 72 ,7 %
Die Verfolgung verschiedener Opfer-
gruppen in Deutschland. (M = 4,49) 1, 6 % 1, 8 % 8,7 % 21,6 % 6 6,2 %
Die politischen und gesellschaftlichen
Bedingungen und den Ablauf der
Machtübernahme durch die National-
sozialisten. (M = 4,40)
0,7 % 2,8 % 11,1 % 26,5 % 58,8 %
Die Reaktionen der deutschen
Bevölkerung auf die Verbrechen des
NS-Regimes. (M = 4,39)
0,7 % 2,6 % 12,5 % 25,2 % 59,0 %
Den Alltag in NS-Deutschland und
die Einstellung der Bevölkerung zum
Nationalsozialismus. (M = 4,31)
0,6 % 3,4 % 13 , 2 % 29 ,7 % 5 3,2 %
Die Ideologie des Nationalsozialismus.
(M = 4,24) 2 ,7 % 4,2 % 13,9 % 24,3 % 5 4,8 %
Wie intensiv haben Sie sich bisher von sich aus mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt?
überhaupt nicht eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
2,8 % 14, 4 % 27,3 % 33,6 % 21,9 %
MEMO III | ANHANG 33
Wie häug haben Sie zur Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus
die folgenden Dinge getan?
noch nie einmal zweimal dreimal viermal
oder
häufiger
Einen Dokumentarfilm angeschaut
(M = 4,40) 4, 0 % 7, 5 % 7, 7 % 5, 6 % 75,2 %
Einen Spielfilm angeschaut (M = 4,24) 7, 2 % 7, 7 % 8,5 % 7, 2 % 69,3 %
Mit Familienangehörigen gesprochen
(M = 4,22) 12,8 % 3,2 % 6,2 % 4,9 % 72 ,7 %
Im Internet Texte gelesen oder Videos
geschaut (M = 3,25) 36,5 % 3,3 % 6,8 % 5, 2 % 48,2 %
Ein Sachbuch gelesen (M = 3,13 ) 28,6 % 13,4 % 11, 9 % 9,2 % 3 6,7 %
Eine Gedenkstätte besucht (M = 3,13) 21,5 % 19,4 % 15,2 % 11, 9 % 31,8 %
Soziale Medien genutzt (M = 3,11) 41,0 % 3,2 % 5 ,1 % 5,8 % 4 4,6 %
Eine Ausstellung besucht (M = 2,99) 28,5 % 17,1 % 13,2 % 9,3 % 3 1,5 %
Einen Roman gelesen (M = 2,84) 38,4 % 1 3 ,1 % 8,6 % 6,6 % 32,8 %
Eine Veranstaltung mit Zeitzeuginnen
oder Zeitzeugen besucht (M = 1,94) 64,4 % 9,4 % 7, 2 % 6,0 % 12, 6 %
Den Teilnehmer*innen, die bei der Frage „einen Dokumentarlm angeschaut“ oder „einen Spiellm
angeschaut“ mindestens „einmal“ angegeben haben, wurde nachfolgend folgende Frage gestellt:
Die nachfolgende Frage bezieht sich auf Filme, die Sie zum Thema National-
sozialismus gesehen haben. Können Sie mir einen Film nennen, der Ihnen nach
dem Anschauen noch besonders lang in Erinnerung geblieben ist?
(offenes Antwortformat)
Filmtitel Prozentzahl der Nennung
„Schindlers Liste“ 43,2 %
Sonstige Nennungen 16,8 %
„Holocaust“ 5,7 %
„Das Tagebuch der Anne Frank“ 5,2 %
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ 4,6 %
„Die Brücke“ 4,6 %
„Der Untergang“ 3,6 %
„Nackt unter Wölfen“ 3,2 %
„Der Soldat James Ryan“ 2,4 %
„Das Leben ist schön“ 1,6 %
„Der Pianist“ 1,2 %
„Familie Weiß“ 1,0 %
„Die Abenteuer des Werner Holdt“ 0,9 %
„Die weiße Rose“ 0,5 %
„Hitlerjunge Salomon“ 0,3 %
„Die Welle“ 0,3 %
MEMO III | ANHANG 34
Wie viel wissen Sie über die Geschichte Ihres aktuellen Wohnorts während der Zeit des
Nationalsozialismus?
überhaupt nichts eher wenig teils/teils eher viel sehr viel
17, 0 % 3 7,8 % 24,8 % 11,4 % 9,0 %
Würden Sie gern mehr über die Geschichte Ihres aktuellen Wohnorts während der Zeit des
Nationalsozialismus wissen?
überhaupt nicht
mehr wissen
eher nicht mehr
wissen
teils/teils eher mehr wissen sehr viel mehr
wissen
16, 4 % 21,5 % 23,6 % 27,9 % 10,7 %
Angenommen in Ihrer Straße sollte eine Gedenktafel errichtet werden, die an die Opfer des
Nationalsozialismus erinnert. Wären Sie…
absolut
dagegen
eher
dagegen
teils/teils eher dafür absolut dafür
3,6 % 6,5 % 17,9 % 28,8 % 43,2 %
Angenommen in Ihrer Straße sollte eine Gedenktafel errichtet werden, die an die gefallenen
deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Wären Sie…
absolut
dagegen
eher
dagegen
teils/teils eher dafür absolut dafür
4,8 % 11,7 % 33,3 % 26,1 % 23,8 %
Angenommen, in Ihrer Straße sollte eine Gedenktafel errichtet werden, die an die gefallenen
alliierten Soldaten während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Wären Sie...
absolut
dagegen
eher
dagegen
teils/teils eher dafür absolut dafür
4,5 % 11,7 % 32,0 % 31,9 % 19,5 %
Wie viele Menschen haben Sie persönlich kennengelernt, die die Zeit des Nationalsozialismus
selbst erlebt hatten? (offenes Antwortformat, Kategorien nachträglich gebildet)
0 1–5 6–10 11–30 31–100
5,9 % 41, 4 % 23,8 % 20,6 % 8,3 %
Waren Vorfahren von Ihnen unter den Tätern während der Zeit des Nationalsozialismus?
ja nein weiß nicht
23,2 % 6 7, 9 % 8,8 %
MEMO III | ANHANG 35
Den  Personen, die die vorige Frage bejaht hatten, wurde zusätzlich folgende Frage gestellt:
Welche der folgenden Kategorien beschreiben die Täterschaft Ihrer Verwandten
oder Vorfahren? (Mehrfachwahl möglich)
Kategorien Anteil Teilstichprobe Anteil Gesamtstichprobe
Direkte Beteiligung an den Taten (z. B.
als Mitglied der SS, als Soldat oder als
Polizist).
5 3,2 % 12,4 %
Indirekte Beteiligung an den Taten (z. B.
als Mitarbeiter in einer Behörde). 2 8,7 % 6,7 %
Keine der genannten Kategorien. 21,6 % 5,0 %
Weiß nicht. 1,8 % 0,4 %
Als wie belastend empfinden Sie das Wissen um die Täterschaft Ihrer Verwandten oder
Vorfahren?
überhaupt nicht
belastend
eher wenig
belastend
teils/teils eher belastend sehr belastend
23,5 % 28,3 % 22,6 % 10,5 % 15,2 %
Waren Vorfahren von Ihnen unter den Opfern während der Zeit des Nationalsozialismus?
ja nein weiß nicht
35,8 % 59,6 % 4,6 %
Den  Personen, die die vorige Frage bejaht hatten, wurde zusätzlich folgende Frage gestellt:
Welche der folgenden Kategorien beschreiben die Opferschaft Ihrer Verwandten
oder Vorfahren? (Mehrfachwahl möglich)
Kategorien Anteil Teilstichprobe Anteil Gesamtstichprobe
Angehörige einer verfolgten Gruppe 19 ,5 % 7, 0 %
Zivile Opfer des Krieges
(z. B. bei Bombenangriff). 39,5 % 14 ,1 %
Geflüchtete oder Vertriebene. 4 3,2 % 15,5 %
Soldaten 46,7 % 16,7 %
Keine der genannten Kategorien. 11, 9 % 4,3 %
Weiß nicht. 1,1 % 0,4 %
Als wie belastend empfinden Sie das Wissen um die Opferschaft Ihrer Verwandten
oder Vorfahren?
überhaupt nicht
belastend
eher wenig
belastend
teils/teils eher belastend sehr belastend
16, 4 % 2 7, 6 % 30,1 % 15,3 % 10,6 %
MEMO III | ANHANG 36
Haben Vorfahren von Ihnen während der Zeit des Nationalsozialismus potentiellen Opfern geholfen?
ja nein weiß nicht
32,3 % 42 ,1 % 25,6 %
Den  Personen, die die vorige Frage bejaht hatten, wurde zusätzlich folgende Frage gestellt:
Welche der folgenden Kategorien beschreiben, wie Vorfahren von Ihnen potentiellen
Opfern geholfen haben? (Mehrfachwahl möglich)
Kategorien Anteil Teilstichprobe Anteil Gesamtstichprobe
Unterstützung bei der Flucht. 3 0,8 % 9,9 %
Verstecken von potentiellen Opfern. 3 0,1 % 9 ,7 %
Unterstützung als Behördenmitglied
(z. B. durch Ausstellen falscher Papiere). 2,7 % 0,9 %
Unterstützung im Alltag (z. B. durch Zu-
stecken von Essen oder Medikamenten). 61,2 % 19,8 %
Keine der genannten Kategorien. 10, 6 % 3,4 %
Weiß nicht. 4,1 % 1, 3 %
In Bezug auf das Verhalten der deutschen Bevölkerung zur Zeit des Nationalsozialismus wird häug
von „Mitläufern“ gesprochen. Damit sind Menschen gemeint, die z. B. durch Mitwisserschaft, Duldung,
politische Untätigkeit, Wegsehen oder blinden Gehorsam zu Komplizen der NS-Verbrechen wurden.
Würden Sie sagen, dass Vorfahren von Ihnen „Mitläufer“ während der Zeit des Nationalsozialismus
waren?
ja nein weiß nicht
39,7 % 50,3 % 10,1 %
Würden Sie sagen, dass diejenigen, die von den Morden wussten, aber nichts dagegen
unternommen haben, mit schuldig an den Verbrechen des Nationalsozialismus waren?
überhaupt nicht
mit schuldig
eher nicht mit
schuldig
teils/teils eher mit schuldig voll mit schuldig
11, 9 % 17, 0 % 39,5 % 21,0 % 10,6 %
Finden Sie, dass die Täterschaft der Deutschen während der Zeit des Nationalsozialismus …?
viel zu wenig
thematisiert wird
zu wenig
thematisiert wird
genau angemessen
thematisiert wird
zu viel
thematisiert wird
viel zu viel
thematisiert wird
3,1 % 29,8 % 48,9 % 12,3 % 6,0 %
Haben Sie schon einmal an einem Projekt/einem internationalen Austausch zum Thema
Nationalsozialismus, z. B. einem Jugendaustausch oder einer internationalen Gedenkstättenfahrt,
teilgenommen?
ja nein
10, 8 % 89,2 %
MEMO III | ANHANG 37
Bei den folgenden Fragen geht es um die Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutsch-
land gelebt haben, das waren ungefähr  Millionen Menschen.
Was schätzen Sie: Wie viel Prozent der deutschen Bevölkerung während der Zeit
des Nationalsozialismus …
M
…zählten zu den Tätern? 33,60 (SD = 22,78) %
…zählten zu den Opfern? 33,82 (SD = 22,63) %
…haben potentiellen Opfern geholfen? 15,39 (SD = 15,48) %
…wussten von der systematischen Ermordung von Menschengruppen
in dieser Zeit? 40,20 (SD = 28, 51) %
Wenn Sie sich vorstellen, Sie hätten selbst zur Zeit des Nationalsozialismus in
Deutschland gelebt. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Sie
selbst … zu einer Täterin bzw. einem Täter geworden wären?
sehr unwahr-
scheinlich
eher unwahr-
scheinlich
teils/teils eher
wahrscheinlich
sehr wahr-
scheinlich
weiß nicht/
keine Angabe
41, 0 % 29,5 % 16,4 % 7,6 % 2,9 % 2,5 %
Wenn Sie sich vorstellen, Sie hätten selbst zur Zeit des Nationalsozialismus in
Deutschland gelebt. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Sie
selbst … zu einem Opfer geworden wären?
sehr unwahr-
scheinlich
eher unwahr-
scheinlich
teils/teils eher
wahrscheinlich
sehr wahr-
scheinlich
weiß nicht/
keine Angabe
10,5 % 24,2 % 22,7 % 25,9 % 14,6 % 2,0 %
Wenn Sie sich vorstellen, Sie hätten selbst zur Zeit des Nationalsozialismus in
Deutschland gelebt. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Sie
selbst … potentiellen Opfern geholfen hätten?
sehr unwahr-
scheinlich
eher unwahr-
scheinlich
teils/teils eher
wahrscheinlich
sehr wahr-
scheinlich
weiß nicht/
keine Angabe
2,0 % 7, 8 % 22,5 % 34,2 % 31,1 % 2,5 %
Wenn Sie sich vorstellen, Sie hätten selbst zur Zeit des Nationalsozialismus in
Deutschland gelebt. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Sie
selbst … aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet hätten?
sehr unwahr-
scheinlich
eher unwahr-
scheinlich
teils/teils eher
wahrscheinlich
sehr wahr-
scheinlich
weiß nicht/
keine Angabe
8,0 % 28,0 % 27,4 % 17,6 % 14,8 % 4,3 %
MEMO III | ANHANG 38
Ich verstehe nicht, warum ich mich heute immer noch mit der Geschichte der Deutschen während
der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen soll.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
36,2 % 23,3 % 16,2 % 16,4 % 7,2 %
Ich glaube, dass Menschen heute zu ähnlichen Taten wie denen in der Zeit des Nationalsozialismus
fähig wären.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
7,1 % 13, 8 % 19,3 % 32,8 % 26,7 %
Deutsche heute sind weniger empfänglich für rechte Ideologien als die Deutschen zur Zeit des
Nationalsozialismus.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
11, 6 % 23,8 % 32,3 % 21,4 % 8,7 %
Ich glaube, dass Deutsche heute zu ähnlichen Taten wie denen in der Zeit des Nationalsozialismus
fähig wären.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
11, 3 % 20,0 % 25,9 % 28,3 % 14,1 %
Ich habe Sorge, dass die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus verschwindet.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
7, 9 % 21,9 % 20,7 % 29,4 % 19,9 %
Auch die Nachfahren von Überlebenden der NS-Verbrechen sollten als Opfergruppe anerkannt
und entschädigt werden.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
10, 4 % 16, 6 % 26,0 % 28,1 % 17,9 %
Die Geschichte meiner eigenen Familie ist ein Teil der deutschen Erinnerungskultur.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
8,8 % 14,7 % 17,8 % 35,0 % 22,8 %
Meine Familie hat ihre Traditionen und Bräuche über die Zeit bewahrt.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
10,9 % 24,7 % 24,5 % 24,5 % 14,0 %
Es gibt bestimmte Traditionen, die meine Familie auszeichnen.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
12, 8 % 3 2,3 % 20,7 % 20,0 % 11,6 %
Deutsch zu sein ist ein wichtiger Teil meiner Identität.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
7, 6 % 16, 6 % 15,5 % 29,8 % 30,4 %
MEMO III | ANHANG 39
Die Zeit des Nationalsozialismus ist ein Teil der deutschen Identität.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
4,0 % 11,1 % 17,9 % 37,3 % 29,3 %
Man sollte endlich wieder stolz sein dürfen, deutsch zu sein.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
8,8 % 11, 9 % 24,6 % 29,4 % 24,1 %
Zur Zugehörigkeit zu Deutschland gehört das Wissen über die Geschichte des Nationalsozialismus.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
0,4 % 3,5 % 11,3 % 36,7 % 48,0 %
Ich mache mir Sorgen, dass die deutsche Erinnerungskultur von Rechtspopulisten vereinnahmt
wird.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
4,7 % 1 4,1 % 16,7 % 37,5 % 27,1 %
Ich fühle mich und meine Interessen von den regierenden Politikerinnen und Politikern in
Deutschland vertreten.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
11, 2 % 19,5 % 37,4 % 23,8 % 7,6 %
Die AfD ist eine Partei wie jede andere auch.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
46,5 % 29,3 % 10,9 % 9,3 % 3,5 %
Meiner Meinung nach nimmt die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund Ihrer
Herkunft, Religion oder anderer Gruppenzugehörigkeiten in Deutschland wieder zu.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
2,8 % 9,0 % 24,2 % 39,6 % 23,5 %
Ich finde das Ausmaß der Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen oder Menschen-
gruppen in Deutschland besorgniserregend.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
2,7 % 12 ,9 % 24,6 % 35,5 % 23,8 %
Ich fühle mich mitverantwortlich dafür, zu verhindern, dass Menschen oder Menschengruppen in
Deutschland diskriminiert oder ausgegrenzt werden.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
9,6 % 15, 5 % 14,6 % 35,0 % 24,9 %
Ich weiß, was ich selbst dazu beitragen kann, die Diskriminierung und Ausgrenzung von
Menschen oder Menschengruppen in Deutschland zu verhindern.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
3,6 % 7, 5 % 22,8 % 40,9 % 24,3 %
MEMO III | ANHANG 40
Ich bin bereit, mich aktiv gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen oder
Menschengruppen in Deutschland einzusetzen.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
3,1 % 6,6 % 22,9 % 37,9 % 28,5 %
Ich sehe Parallelen zwischen aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und der Zeit
des Nationalsozialismus.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
8,9 % 30,4 % 29,4 % 18,3 % 11,8 %
Deutschland sollte mehr Geflüchtete aus Krisenregionen aufnehmen.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
7,7 % 1 7,3 % 37,2 % 23,4 % 12,4 %
Es sollte in Deutschland eine Obergrenze für die Aufnahme von Geflüchteten geben.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
14,9 % 23,9 % 20,2 % 23,8 % 16,1 %
Ich freue mich darüber, dass Deutschland eine Migrationsgesellschaft ist.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
3,0 % 6,3 % 23,4 % 40,3 % 26,6 %
Wenn wir wirklich etwas aus der Geschichte gelernt hätten, würden wir heute besser mit
gesellschaftlichen Minderheiten umgehen.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
1,6 % 11, 5 % 25,3 % 33,6 % 26,7 %
Wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen, spielt es für mich keine Rolle, welche
Nationalität sie haben.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
0,9 % 1,1 % 5,9 % 28,5 % 63,7 %
Wichtige Phasen der deutschen Geschichte stehen miteinander in direkter Verbindung.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
1,3 % 4,0 % 32,0 % 38,0 % 21,0 %
Die deutsche Geschichte ist eine Abfolge miteinander verbundener Ereignisse.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
1,8 % 4,5 % 21,6 % 42,5 % 27,8 %
Auch wenn ich selbst nichts Schlimmes getan habe, fühle ich mich schuldig für den Holocaust.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
44,0 % 3 7, 2 % 8,0 % 8,2 % 2,2 %
MEMO III | ANHANG 41
Wenn ich daran denke, wie heute im Ausland wegen des Holocausts über Deutschland gedacht
wird, dann schäme ich mich.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
18, 3 % 26, 3 % 22,2 % 21,8 % 10,4 %
Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
4 7,5 % 35,5 % 11,8 % 2,1 % 0,3 %
Es ist Zeit für einen Schlussstrich unter die nationalsozialistische deutsche Vergangenheit.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
2 7, 4 % 24,3 % 20,7 % 15,8 % 11,3 %
Deutschland kann anderen Ländern als Vorbild für eine gelungene Geschichtsaufarbeitung dienen.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
5,2 % 13, 9 % 34,6 % 31,6 % 14,1 %
In Deutschland wird vorgeschrieben, was erinnert werden soll und was nicht.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
16,5 % 3 1,0 % 29,2 % 13,6 % 7,4 %
Ich mache mir Sorgen, dass ein Ereignis wie der Holocaust sich wiederholen könnte.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
15, 9 % 3 0,7 % 18,5 % 21,8 % 13,2 %
Ich bezweifle, dass alles stimmt, was über das Ausmaß der Judenverfolgung berichtet wird.
lehne stark ab lehne eher ab teils/teils stimme eher zu stimme stark zu
35 ,1 % 2 9,3 % 18,1 % 9,3 % 6,4 %
Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig, alles in allem, mit Ihrem Leben?
überhaupt nicht
zufrieden
eher unzufrieden teils/teils eher zufrieden sehr zufrieden
0,9 % 2,7 % 14,6 % 36,6 % 45,1 %
Wie oft in Ihrem Leben haben Sie sich über einen Zeitraum von mindestens zwei
Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt gefühlt?
nie einmal zweimal dreimal viermal oder
häufiger
Wenig Interesse oder Freude an
Ihren Tätigkeiten. 33,7 % 12 ,7 % 14,1 % 8,9 % 28,4 %
Niedergeschlagenheit, Schwermut
oder Hoffnungslosigkeit. 5 0,9 % 13, 0 % 12, 3 % 5,9 % 16 ,7 %
Nervosität, Ängstlichkeit oder Anspannung. 3 7,2 % 14,7 % 12 ,3 % 8,4 % 25,2 %
Nicht in der Lage sein, Sorgen
zu stoppen oder zu kontrollieren. 58,3 % 10, 2 % 8,8 % 7, 3 % 13,7 %
MEMO III | IMPRESSUM 42
IMPRESSUM
VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT DER STUDIE
Institut für interdisziplinäre Konikt- und Gewaltforschung (IKG)
Universitätsstraße 
D- Bielefeld
FORSCHUNGSTEAM DES IKG
Prof. Dr. Andreas Zick
Tel.: +  -
E-Mail: sekretariat.ikg@uni-bielefeld.de
Dr. Jonas Rees
Tel.: +  -
E-Mail: jonas.rees@uni-bielefeld.de
Michael Papendick
Tel.: +  -
E-Mail: michael.papendick@uni-bielefeld.de
Franziska Wäschle
E-Mail: franziska.waeschle@uni-bielefeld.de
FÖRDERUNG DER STUDIE DURCH
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)
Friedrichstraße 
D- Berlin
Gestaltung: ultramarinrot
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Interesse an und das wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte
  • ........................................ . Darstellung Zentraler Befunde
Darstellung zentraler Befunde.......................................................................................................... 7 4.1. Interesse an und das wichtigste Ereignis der deutschen Geschichte......... 7 4.2. Interpretation der Ereignisse in Deutschland im Jahr 1945............................. 8 4.3. Wege und Orte der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus........ 9 4.4. Wissen über spezifische Aspekte des Nationalsozialismus............................ 14 4.5. Familiennarrative im Kontext der Zeit des Nationalsozialismus............... 15 4.6. Die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus................................................... 18 4.7. Selbsteinschätzung und Wahrnehmung heutiger Zustände......................... 19 4.8. Zwischenfazit zur Täter-, Opfer-und Helferschaft.............................................. 22 4.9. Zur Bedeutung von "Schlussstrich"-Forderungen............................................... 23