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Emotionale Aktivierungstherapie (EAT) - Embodiment in Aktion.

Authors:

Abstract

Mit den hier dargestellten Embodiment-Techniken lernen PsychotherapeutInnen, den Körper als Verbündeten in einem für PatientInnen notwendigen Veränderungsprozess zu sehen und einzusetzen. Die enge Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche wird genutzt, um eine gute Selbst- und Emotionsregulation zu fördern. - Ansatz ist in der »Dritten Welle der Verhaltenstherapie« verankert - Neurowissenschaftlich fundiert - Mit vielen praktischen Beispielen und Fallgeschichten Neurowissenschaftliche Forschungen bestätigen auf eindrucksvolle Weise die enge Wechselwirkung zwischen Körper und Kognition. Moderne Ansätze in der Psychotherapie tragen dem zunehmend Rechnung, indem nicht nur darauf geachtet wird, wie sich psychische Emotionen in Körper, Mimik, Gestik und Stimmlage ausdrücken, sondern die Tatsache genutzt wird, dass diese auch umgekehrt unser Denken und Fühlen beeinflussen. In diesem Buch zeigen die Autoren auf praktisch nachvollziehbare Weise, wie Handeln, Wahrnehmung und Emotion miteinander verzahnt sind und wie sich diese Erkenntnisse fruchtbar in die Psychotherapie umsetzen lassen. Die anschaulich beschriebenen Embodiment-Techniken ermöglichen eine behutsame Entschlüsselung der emotionalen Mechanismen beim Klienten und fördern eine tiefere und schnellere Einsicht, als dies allein mit Gesprächen möglich wäre. Gleichzeitig wird die Kraft der Emotionen für erfolgreiche Handlungsplanung und Veränderungsprozesse genutzt.
Hauke, G. & Lohr, C. (2020): Emotionale Aktivierungstherapie (EAT). Embodiment in
Aktion. Stuttgart: Klett-Cotta.
Inhaltsverzeichnis
1. Der therapeutischen Prozess im Überblick
1.1 Einstieg mal anders: Patient Harry F. gibt dem Embodiment eine Chance
1.2 Die drei Module der EAT: dynamisch-zyklisches Arbeit nach Embodiment Prinzipien
2. Körper und emotionales Überleben
2.1. Was ist Embodiment?
2.2. Nicht ohne meinen Körper: Kognition durch Simulation.
2.3. Zwei Seelen in der Brust: Das duale System der Verhaltensgenese
2.4. Vom Körpergefühl zur Erzählung: Bilder als Brücke zwischen den beiden Systemen
2.5. Emotionale Überlebensstrategie: Verhalten dient der Befriedigung von Bedürfnissen
2.6. Primäre und sekundäre Emotionen
3. Der Körperfokus: Embodiment pur
3.1. Der Körper ist Ausgangspunkt für die Entwicklung des Selbst und seiner Grenzen.
3.2. Wenn Bedrohliches in die Zone des Schutzes eindringt: Formen des
Abwehrverhaltens.
3.3. Der Körper liefert entscheidende Informationen für die Therapie.
3.4. Praxis des Körperfokus
4. Das Emotionale Feld: Inneres Erleben im Raum darstellen
4.1. Die Rolle des Therapeuten: Mittendrin statt nur dabei!
4.2. Der Start – alles beginnt mit dem Problem
4.3. Kipppunkte – emotionalen Reaktionsmustern auf der Spur
4.4. Mit Hilfe von Emotionsmuster Gefühle vertiefen, verstehen und akzeptieren
4.5. Praxis des Emotionalen Feldes
5. Der Interaktionsfokus
5.1. Elementarformen sozialer Beziehungen: Die vier Beziehungsmodelle von Fiske
5.2. Beziehungsmodelle realisieren sich in Interaktionssequenzen
5.3. Embodiment: Typen der Beziehung im Raum verkörpern
5.4. Praxis des Interaktionsfokus
6. Fallbeispiele, die den Mehrwert einer Arbeit mit Embodiment verdeutlichen
6.1. Der Fall Doris M.: Komplexe posttraumatische Belastungsstörung – Leid ohne Worte
6.2. Der Fall Nina A.: Bulimia Nervosa – Der Körper als Feind
7. Körper und Zone des Schutzes in Zeiten der Vernetzung und Globalisierung
Literatur
Stichwortverzeichnis
Abstract:
Unsere Arbeit versteht sich als eine Erweiterung der kognitiv-behavioralen Tradition in der
sich beide Autoren beheimatet fühlen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es sich
geradezu anbietet, hier die um den Körper erweiterte, aktuellere Konzeption von
„Kognition“ so, wie sie durch die moderne Embodimentforschung repräsentiert wird,
praktisch umzusetzen. Dies wiederum ermöglicht sowohl einen direkteren Zugang zu den
Emotionen als auch eine neuartige, noch betonter erlebnisorientierte Arbeitsweise beim
therapeutischen Umgang mit emotionalen Prozessen.
Wir stellen Ihnen in unserem Buch nun drei Prozessmodule vor, in denen wir dem
Embodiment noch mehr Platz als bisher einräumen:
Embodiment nimmt den Körper ernst. Deshalb wird der Körper unserer Patienten in
den Mittelpunkt gerückt. Dieser Körperfokus ist verbunden mit der Fragestellung:
Wie können sich Patienten in ihrem Körper ruhig und geborgen fühlen, sich ihm
gelassen zuwenden, damit er sie in ihren Zielsetzungen wirksam unterstützt?“
Die Herstellung eines solchen Zustandes ist wesentliche Voraussetzung, damit die
Probleme der PatientInnen wirklich effizient angepackt werden können.
Der Problemlösungsprozess beginnt mit einer emotionsaktivierenden Arbeit, denn
Emotionen liefern dabei schnell und zielgenau Navigation und Vitalität. Sie entfaltet
sich im sog. Emotionalen Feld. Hier lautet die Fragestellung:
Was ist das Netzwerk der Erfahrungen und Emotionen, das die PatientInnen immer
wieder in problematische Richtungen steuert?
Ganz im Sinne des Embodiment wird hier der Körper genutzt, um z.B. Emotionen zu
intensivieren und zu differenzieren. Dabei wird auch schon die Architektur für einen
Veränderungsprozess sichtbar.
Verstehen ist wichtig, aber in der Regel nicht ausreichend, um tatsächlich
hinreichende Problemlösungen und stabile Verhaltensänderungen zu erzielen.
Deshalb wird dazu ermuntert neue Verhaltensweisen zu planen und auch zu
erproben.
Im Interaktionsfokus werden die erarbeiteten Erkenntnisse auf verschiedene
problematische Situationen übertragen und auf unterschiedliche
Rahmenbedingungen abgestimmt. So kann etwa ein zielführendes Verhalten davon
abhängen, inwieweit es gelingt, Bedeutung und Kraft eigener Emotionen auf
persönliche Merkmale des Gegenübers abzustimmen. Wenn Beziehungen
funktionieren, dann klappt auch die gegenseitige Bedürfnisbefriedigung. Dabei kann
eine Art „Grammatik sozialer Beziehungen“ rasche Orientierung im Interaktionsfokus
bieten. Diese Relational-Models Theorie des Anthropologen und Sozialpsychologen
Alan P. Fiske führen wir hier erstmals in den therapeutischen Kontext ein. Die Arbeit
im Interaktionsfokus wird von der folgenden Fragestellung geleitet:
Wie kann ich stimmige Beziehungen gestalten, meine Ziele erreichen und mich dabei
(„agentiv“) selbstwirksam fühlen?“
Befunde der Embodimentforschung ermuntern dazu, solche Interaktionen auch
zielführend im Raum darzustellen, sowie auch persönliche Werte als Ressourcen
körperlich zu verankern.
Lebendige Fallbeispiele aus der therapeutischen Praxis veranschaulichen sowohl
einzelne Arbeitsschritte als auch den Prozess als Ganzes.
... The survival strategy is elaborated on the basis of a concrete problem situation (Hauke, 2018a;Hauke and Lohr, 2020), so that it is not only cognitively understandable but also emotionally tangible for the client. ...
... Julia wants to make herself small again. At this point, the therapist asks Julia to move to the so-called expert position (Hauke, 2018b;Hauke and Lohr, 2020), a reflection point in the room located away from the experience space in front of the wall. Here Julia and her therapist try to give a name to the different emotional states just experienced. ...
Article
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We apply the Free Energy Principle (FEP) to cognitive behavioral therapy (CBT). FEP describes the basic functioning of the brain as a predictive organ and states that any self-organizing system that is in equilibrium with its environment must minimize its free energy. Based on an internal model of the world and the self, predictions—so-called priors—are created, which are matched with the information input. The sum of prediction errors corresponds to the Free Energy, which must be minimized. Internal models can be identified with the cognitive-affective schemas of the individual that has become dysfunctional in patients. The role of CBT in this picture is to help the patient update her/his priors. They have evolved in learning history and no longer provide adaptive predictions. We discuss the process of updating in terms of the exploration-exploitation dilemma. This consists of the extent to which one relies on what one already has, i.e., whether one continues to maintain and “exploit” one’s previous priors (“better safe than sorry”) or whether one does explore new data that lead to an update of priors. Questioning previous priors triggers stress, which is associated with increases in Free Energy in short term. The role of therapeutic relationship is to buffer this increase in Free Energy, thereby increasing the level of perceived safety. The therapeutic relationship is represented in a dual model of affective alliance and goal attainment alliance and is aligned with FEP. Both forms of alliance support exploration and updating of priors. All aspects are illustrated with the help of a clinical case example.
Chapter
Viele Kliniken stehen heute unter einem enormen Druck. Einerseits sollen sie wirtschaftlich sein, und auf der anderen Seite wollen sie die bestmögliche Behandlung für die Patienten gewährleisten. Dieser Spagat fordert seinen Tribut oftmals bis auf die Ebene der Behandlerteams, die gerade den Veränderungen im System zumeist machtlos gegenüberstehen und diesen Stress möglichst nicht in die tägliche Arbeit mit den Patienten tragen sollten. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie Behandlerteams angesichts der vielen Herausforderungen gesund und leistungsfähig bleiben können. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, besteht darin, die Systemresilienz zu erhöhen. Gemeint ist damit die Fähigkeit eines Systems trotz Störungen von außen funktionstüchtig weiter zu bestehen. Das Strategische Coaching kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, indem es gezielt und systematisch die Resilienz von Einzelpersonen und Teams unterstützt. Die Embodimentperspektive ermöglicht dabei einen effizienten Zugang zu den zentralen Punkten und deren Lösung.
Chapter
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Im DSM-5 wird im Kriterium A.4 die „wiederholte und sehr extreme Konfrontation mit aversiven Details des traumatischen Ereignisses“ als Ursache für die Entstehung einer Posttraumatischen Belastungsstörung anerkannt. „The cost of caring“ nennt Figley die Tatsache, dass helfende Berufsgruppen (Feuerwehrleute, RettungssanitäterInnen, TherapeutInnen, PsychologInnen, ÄrztInnen, Pflegepersonal, SozialarbeiterInnen etc.) durch die Konfrontation mit schweren Schicksalen anderer Menschen häufig selbst unmittelbar betroffen sind. Sie erfahren viel vom Leid anderer Menschen, und es stellt sich die Frage, wie sie das Erfahrene verarbeiten. Viele können gut abschalten und tragen die Sorgen nicht nach Hause. Andere wiederum entwickeln selbst Traumatisierungssymptome. Dies geschieht oft unmerklich und unbewusst und kann zu Problemen im beruflichen und privaten Alltag führen. Dieses Kapitel widmet sich dem Phänomen der sekundären Traumatisierung, das auch unter dem Begriff Mitgefühlsermüdung bekannt geworden ist, wobei es sich, wie später noch genauer gezeigt wird, um unterschiedliche Konzepte handelt. Sekundäre Traumatisierung stellt ein Berufsrisiko dar. Die Prävention einer möglichen eigenen Traumatisierung durch die Arbeit im psychosozialen Feld ist wichtig.
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