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Abstract

Ziel dieses Projektes ist es, diese Erfahrungen und das Wissen von ExpertInnen zusammen zu bringen, um ein möglichst präzises Bild vom Leben mit erneuerbaren Energien zu zeich-nen und Empfehlungen abzuleiten, wie die vorhandene Akzeptanz eines naturverträglichen Ausbaus der erneuerbaren Energien unterstützt und weiter gefördert werden kann. Im Rah-men unserer Studie wurden erstmals die Akzeptanzfaktoren „Naturschutz“ und „Interessen der AnwohnerInnen“ miteinander verglichen sowie Erfahrungen mit Solar-, Windenergie- und Biogasanlagen einbezogen. Zunächst fassten wir bereits vorliegende Forschungsergebnisse in einem Akzeptanzmodell zusammen. Es folgte eine Befragung in drei Regionen, in denen sowohl Windparks als auch Biogas- und Solaranlagen betrieben werden, die „Regionenbefragung“. Die Suche nach aus-sagekräftigen Untersuchungsräumen führte uns an Orte, die sich in ihren Eigenschaften er-gänzen: Neuenkirchen im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein), Heldrungen im Kyffhäu-serkreis (Thüringen) sowie die Stadt Lauterstein im Stauferland (Landkreis Göppingen, Ba-den-Württemberg). So liegen im Umkreis von Neuenkirchen gleich mehrere Windparks, in Heldrungen grenzt der Windpark an das circa 35 Quadratkilometer große Fauna-Flora-Habi-tat „Hohe Schrecke“, und in Lauterstein stehen 16 Windenergieanlagen in einem forstwirt-schaftlich erschlossenen Fichtenwald ⇢ Anhang, Untersuchungsregionen. An allen drei Orten haben wir im Laufe des Jahres 2018 lokale ExpertInnen und Anwohner-Innen befragt. Im Rahmen der ExpertInnenbefragung wurden insgesamt mehr als 30 an den Ausbauvorhaben beteiligte Personen interviewt, darunter politisch Verantwortliche, Projekt-entwicklerInnen, EigentümerInnen der Ausbauflächen und Anlagen, MitarbeiterInnen der ört-lichen Umwelt- und Bauämter und Naturschutzbehörden sowie VertreterInnen von Bürgerini-tiativen und von Natur- und Umweltschutzverbänden. Die detaillierten Ergebnisse dieser Ex-pertInnenbefragung liegt als gesonderter Bericht vor, frei verfügbar unter https:// www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-akzeptanz/ akzeptanz.html. In der AnwohnerInnenbefragung thematisierten wir die Bürgerbeteiligung, wirtschaftliche Teilhabe an dem Projekt, den Ablauf der Planungs- und Genehmigungsprozesse, die Um-weltverträglichkeit der örtlichen Anlagen in Bezug auf Natur, Mensch und Landschaft sowie die bisherige Umsetzung der Energiewende. In Neuenkirchen, Lauterstein und Heldrungen nahmen jeweils zwischen 44 und 64 BürgerIn-nen im Alter von 18 bis 84 Jahre an der Befragung teil. Insgesamt befragten wir 158 Perso-nen, davon 42 Prozent Frauen und 58 Prozent Männer. Einen Großteil der Befragten wählten wir nach dem Zufallsprinzip aus und sprachen sie direkt an, ein kleinerer Teil meldete sich nach Aufrufen in der Lokalpresse. Etwa drei Viertel der Gespräche konnten im direkten Kon-takt vor Ort geführt werden, etwa ein Viertel der Befragten beantwortete unsere Fragen on-line. Um verlässliche, aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, haben wir die Ergebnisse un-serer Regionenbefragung mit anderen Befragungsergebnissen verglichen, die auf Basis ab-weichender Methoden in anderen oder den gleichen Regionen durchgeführt wurden. Die folgende Zusammenfassung bietet einen Überblick über die Themen und Ergebnisse. Bereits an dieser Stelle sei ein wesentliches Ergebnis vorweggenommen: Auch vor Ort wer-den EE-Anlagen mehrheitlich unterstützt, wenn der Ausbau für die AnwohnerInnen auch unmittelbar und nachvollziehbar natur- und umweltverträglich erfolgt – was vor Ort jedoch nicht immer ersichtlich ist. Als ein Beispiel sei hier nur der Umgang mit naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen genannt. Eine differenzierte Darstellung der Ergebnisse liefern die anschließenden Kapitel. Hinweise auf wissenschaftliche Quellen, Referenzstudien und weiterführende Informationen finden sich am Schluss. Eine handliche Übersicht bietet die erwähnte zugehörige Broschüre (https://www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-akzeptanz/akzeptanz.html). Diese Schriftenreihe wird unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz Namens-nennung – keine Bearbeitung 4.0 International (CC BY - ND 4.0) zur Verfügung gestellt (https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/deed.de).
Gundula Hübner, Johannes Pohl, Jan Warode,
Boris Gotchev, Dörte Ohlhorst, Michael Krug,
Steven Salecki und Wolfgang Peters
Akzeptanzfördernde Faktoren
erneuerbarer Energien
BfN-Skripten 551
2020
Akzeptanzfördernde Faktoren
erneuerbarer Energien
Gundula Hübner
Johannes Pohl
Jan Warode
Boris Gotchev
Dörte Ohlhorst
Michael Krug
Steven Salecki
Wolfgang Peters
Titelbild: Symbole der drei untersuchten erneuerbaren Energien (adlerschmidt GmbH, Berlin)
Projektleitung: Prof. Dr. Gundula Hübner
Adressen der Autorinnen und der Autoren:
Prof. Dr. Gundula Hübner Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
Dr. Johannes Pohl 06099 Halle (Saale)
E-Mail: gundula.huebner@psych.uni-halle.de
und
MSH Medical School Hamburg
Am Kaiserkai 1, 20457 Hamburg
Jan Warode Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS)
Boris Gotchev Berliner Straße 130, 14467 Potsdam
E-Mail: boris.gotchev@iass-potsdam.de
Dr. Dörte Ohlhorst Institut für nachhaltige Energie- und Ressourcennutzung (INER)
Michael Krug Hochwildpfad 47, 10785 Berlin
E-Mail: ohlhorst@i-ner.de; mikru@zedat.fu-berlin.de
Dr. Steven Salecki Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
Potsdamer Straße 105, 14169 Berlin
E-Mail: steven.salecki@ioew.de
Dr. Wolfgang Peters Bosch & Partner GmbH
Kantstraße 63a, 10627 Berlin
E-Mail: w.peters@boschpartner.de
Fachbetreuung im BfN:
Dr. Ulrike Hoffmann Fachgebiet I 2.2 „Naturschutz und Gesellschaft
Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) (FKZ: 3516 83 0100).
Diese Veröffentlichung wird aufgenommen in die Literaturdatenbank „DNL-online“ (www.dnl-online.de).
BfN-Skripten sind nicht im Buchhandel erhältlich. Eine pdf-Version dieser Ausgabe kann unter
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Konstantinstr. 110
53179 Bonn
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digkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die in den Beiträgen geäußerten An-
sichten und Meinungen müssen nicht mit denen des institutionellen Herausgebers übereinstimmen.
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nennung keine Bearbeitung 4.0 International (CC BY - ND 4.0) zur Verfügung gestellt
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Druck: Druckerei des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).
Gedruckt auf 100% Altpapier
ISBN 978-3-89624-289-1
DOI 10.19217/skr551
Bonn - Bad Godesberg 2020
3
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................... 5
Tabellenverzeichnis .................................................................................................... 6
Abkürzungsverzeichnis .............................................................................................. 6
Vorwort ........................................................................................................................ 7
Einleitung .................................................................................................................... 9
Zusammenfassung und Empfehlungen .................................................................. 12
1 Akzeptanzfaktoren ........................................................................................... 15
1.1 Stärkste Akzeptanzfaktoren ............................................................................... 15
1.2 Akzeptanzmodell der integrierte Ansatz .......................................................... 17
2 Akzeptanz vor Ort ............................................................................................ 20
2.1 Einstellungen und Verhalten .............................................................................. 20
2.2 Lokale Akzeptanz im nationalen Vergleich Windenergie ................................. 22
3 Vor- und Nachteile aus Sicht der AnwohnerInnen ......................................... 24
3.1 Eingeschätzte Vor- und Nachteile ...................................................................... 24
3.2 Regionenunterschiede ....................................................................................... 26
4 Wirtschaftliche Aspekte .................................................................................. 27
4.1 Überblick ............................................................................................................ 27
4.2 Beteiligungen ..................................................................................................... 29
4.2.1 Finanzielle Beteiligung von Kommunen ............................................................. 29
4.2.2 Eigentumsbeteiligung und Mitbestimmung ......................................................... 30
5 Einstellung zur Energiewende ........................................................................ 32
5.1 Kritik an der Energiewende ist mit Kritik an lokalen Projekten verbunden ........... 32
5.2 Vertiefung: Die Ergebnisse im Detail .................................................................. 33
6 Vertrauen .......................................................................................................... 35
6.1 Vertrauen in AkteurInnen ................................................................................... 35
6.1.1 Glaubwürdigkeit ist wichtiger als lokale Verankerung ......................................... 35
6.1.2 Was Vertrauen beeinflusst ................................................................................. 37
6.2 Vertrauen in Information und Beteiligung ........................................................... 38
6.2.1 Erwartungen und Anforderungen ....................................................................... 38
6.2.2 Erfahrungen und Empfehlungen ........................................................................ 40
6.3 Vertrauen durch Verantwortungsübernahme ...................................................... 43
6.3.1 Gemeinwohlorientierung stärkt Vertrauen .......................................................... 43
6.3.2 Ökologische Verantwortung und Grenzen freiwilliger Ansätze ........................... 45
4
7 Natur- und Landschaftsschutz ........................................................................ 46
7.1 Natur- und Landschaftsschutz vor Ort ................................................................ 46
7.1.1 Überblick: Natur- und Landschaftsschutz vor Ort ............................................... 46
7.1.2 Naturverträglichkeitskriterien und Erfahrungen .................................................. 48
7.2 Fachgutachten und Ausgleichsmaßnahmen ....................................................... 50
7.2.1 Erfahrungen und Empfehlungen ......................................................................... 50
7.2.2 Ressourcen und Vertrauen ................................................................................. 52
8 Erfahrungen im Wohnumfeld .......................................................................... 53
8.1 Ergebnisse der Regionenbefragung ................................................................... 53
8.2 Stresskonzept und Studienvergleich .................................................................. 55
Anhang ....................................................................................................................... 57
Endnoten.................................................................................................................... 57
Untersuchungsregionen im Überblick ..................................................................... 67
Literaturverzeichnis .................................................................................................. 69
AnsprechpartnerInnen .............................................................................................. 79
5
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1.1.1 Die fünf entscheidenden Faktoren der lokalen Akzeptanz von EE-
Anlagen ................................................................................................. 16
Abb. 2.1.1 Waren Sie für oder gegen den Bau der Anlagen? Sind Sie aktiv
geworden? .............................................................................................. 20
Abb. 2.1.2 Rückblickend: Wie war Ihre Meinung zum Bau der Windenergie-
anlagen vor Ort? ..................................................................................... 21
Abb. 2.1.3 Wie finden Sie die Anlagen vor Ort? ....................................................... 22
Abb. 3.1.1 Inwieweit stimmen Sie den folgenden Vor- und Nachteilen der
Erneuerbaren-Energieanlagen vor Ort zu? ............................................. 25
Abb. 4.1.1 Inwieweit haben folgende Anlagentypen vor Ort positive oder nega-
tive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Region? ...... 27
Abb. 4.1.2 Haben Sie sich finanziell an den Anlagen beteiligt? ................................ 29
Abb. 5.1.1 Ich finde die Energiewende insgesamt ... ................................................ 32
Abb. 5.1.2 Die lokalen EE-Anlagen tragen zum Klimaschutz bei ............................. 33
Abb. 6.1.1.1 Als wie glaubwürdig schätzen Sie folgende AkteurInnen ein? ................. 35
Abb. 6.1.1.2 Windenergieanlagen: Haben Sie sich von folgenden AkteurInnen
gut vertreten gefühlt? .............................................................................. 36
Abb. 6.2.1.1 Wie zufrieden waren Sie mit den bereitgestellten Informationen? ........... 38
Abb. 6.2.1.2 Wie zufrieden waren Sie mit der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung? ...... 39
Abb. 6.2.2.1 Welche Möglichkeit der Bürgerbeteiligung hätten Sie sich (noch)
gewünscht? ............................................................................................ 42
Abb. 6.3.1.1 Inwieweit übernehmen folgende Akteure im Rahmen des EE-Aus-
baus vor Ort ökologische Verantwortung? .............................................. 44
Abb. 7.1.1.1 Wie ausreichend wurden folgende Schutzanliegen berücksichtigt? ........ 46
Abb. 7.1.1.2 Sehen Sie positive Wechselwirkungen zwischen Naturschutzzielen
und den Anlagen? .................................................................................. 47
Abb. 7.2.1.1 Können Sie Aussagen zu der Begutachtung/ dem
Begutachtungsprozess der Windanlagen vor Ort machen (ja/nein)? ....... 50
Abb. 7.2.1.2 Wie beurteilen Sie die fachliche Qualität und Unabhängigkeit der
Begutachtung? ....................................................................................... 51
Abb. 7.2.1.3 Wie zufrieden waren Sie mit dem Einsatz der Ausgleichs- bzw.
Ersatzmaßnahmen? ............................................................................... 52
Abb. 8.1.1 Ich fühle mich gestört durch ............................................................... 53
Abb. 8.2.1 Ich fühle mich beeinträchtigt in meiner … ............................................... 54
Abb. 8.3.1 Stören Sie … .......................................................................................... 54
Abb. A.1 Deutschlandkarte mit Neuenkirchen in Schleswig-Holstein,
Heldrungen in Thüringen, Lauterstein in Baden-Württemberg. ............... 68
6
Tabellenverzeichnis
Tab. 1.2.1 Korrelationen zwischen Akzeptanzfaktoren und der lokalen
Akzeptanz (Einstellung zu den lokalen Anlagen) ....................................... 18
Tab. 1.2.2 Ergebnisse der multiplen Regression ....................................................... 19
Abkürzungsverzeichnis
AcceptEE Akzeptanz erneuerbarer Energien
BfN Bundesamt für Naturschutz
BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
BNatSchG Bundesnaturschutzgesetz
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
EE-Anlagen Erneuerbare-Energien-Anlagen
EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz
FA Wind Fachagentur Windenergie an Land
FKZ Förderkennzeichen
KNE Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
KWKG Kraft-Wärme-Koppelungsgesetz
IAM Integriertes Akzeptanzmodell
IÖW Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
M arithmetischer Mittelwert
MsbG Messstellenbetriebsgesetz
NIMBY not-in-my-backyard
r Korrelationskoeffizient nach Pearson
SD Standardabweichung
ThEGA Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur
TremAc Tremor und Akustik
UBA Umweltbundesamt
7
Vorwort
Bei der Umsetzung einer naturverträglichen Energiewende tut sich für die Akteure im Natur-
schutz ein Spannungsfeld auf zwischen den energiepolitischen Zielen, der gesellschaftlichen
Akzeptanz und den Anforderungen des Arten- und Landschaftsschutzes. Dieses stellt die
Beteiligten nicht nur im Naturschutz immer wieder vor neue Herausforderungen.
In den zurückliegenden Jahren hat die Energiewende zwar zahlreiche dezentrale Initiativen
hervorgebracht, aber gerade dadurch und durch die Vielzahl der Anlagen zu Gefährdungen
von Arten und Lebensräumen und zu umfassenden Veränderungen des Landschaftsbildes
in Deutschland geführt. Dabei erfährt sie zwar auf abstrakter Ebene eine breite Zustimmung
in der Bevölkerung. Unter anderem belegen dies auch die regelmäßigen Naturbewusst-
seinsstudien des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Natur-schutz als
bundesweit repräsentative Befragungen. Die Zustimmungswerte in der Bevölkerung zur
Energiewende liegen demnach bislang relativ stabil bei rund 60 Prozent. Wenn es allerdings
um konkrete Projekte vor Ort geht, werden Naturschutzanliegen oft als Gegenargumente
genutzt und der Naturschutz letztlich in eine Verhinderungsposition gerückt.
Für das Gelingen der Energiewende ist es von zentraler Bedeutung, dass der Ausbau der
erneuerbaren Energien von der Bevölkerung mitgetragen und das Thema Akzeptanz aktiv
ausgestaltet wird. Erwünscht sind zukunftsorientierte Lösungen und politische Rahmenbe-
dingungen, welche die Naturverträglichkeit als integralen Bestandteil der Energiewende be-
inhalten, zum Beispiel durch Teilhabe am Planungs- und Entscheidungsprozess sowie an
der aktiven Gestaltung und Entwicklung des Landschaftsbilds.
Aus diesem Grund war es uns ein dringendes Anliegen mit der interdisziplinären Studie zur
„Akzeptanz des naturverträglichen Ausbaus erneuerbarer Energien“ des Instituts für
Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle, der Frage nachzugehen, ob ein natur- und
landschaftsverträglicher Ausbau zu einer höheren Akzeptanz von erneuerbaren Energien
führen kann.
In den Befragungen der Anwohnerinnen und Anwohner wurden erstmalig Natur- und Anwoh-
nerschutz als Einflussfaktoren für die lokale Akzeptanz miteinander in Bezug gesetzt. Die
hier vorliegenden vertiefenden Auswertungen der Befragungen der Anwohnerinnen und An-
wohner zeigen in allen untersuchten Regionen, dass dem Natur-, Landschafts- und Klima-
schutz zwar eine hohe persönliche Bedeutung zugemessen wird, diese allerdings in keinen
erkennbaren Zusammenhang mit der Bewertung der lokalen Energie-Anlagen gebracht wird.
Positive Wirkbeziehungen zwischen erneuerbaren Energien und Naturschutzbelangen wer-
den von den befragten Bürgerinnen und Bürgern kaum wahrgenommen.
Die Ergebnisse zeigen, dass es für Anwohnerinnen und Anwohner wichtig ist, die Synergi-
en zwischen Naturschutz und der Nutzung erneuerbarer Energien sichtbarer und die kom-
plexen Genehmigungsprozesse und Ausgleichsmaßnahmen für Bürgerinnen und Bürger
transparenter zu machen. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass es für eine höhere Ak-
zeptanz örtlicher EE-Anlagen entscheidend ist, die positiven Wirkbeziehungen zwischen dem
Klimaschutzbeitrag der Erneuerbaren-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) und den Belangen
des Naturschutzes stärker aufzuzeigen und konsequenter zu kommunizieren.
8
Neben dem Skript liegen als Ergebnis des Vorhabens eine zusammengefasste Darstellung
der Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen und Argumentationshilfen mit regionalen An-
schauungsbeispielen in Form einer anregenden Broschüre vor.
Die hier aufbereiteten Ergebnisse stellen eine Zwischenbilanz dar. Auch zukünftig wird das
Bundesamt für Naturschutz auf die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen setzen
und Projekte initiieren, die sich mit der gesellschaftlichen Akzeptanz einer natur- und land-
schaftsverträglichen Energiewende auseinandersetzen.
Prof. Dr. Beate Jessel
Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz
9
Einleitung
Anliegen und Projektziel
In Städten wie im ländlichen Raum und quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Alters-
gruppen befürwortet die Bevölkerung die Ziele der Energiewende und wünscht sich nachhal-
tigen Klimaschutz. Allerdings wird eine unzureichend koordinierte Umsetzung der Energie-
wende ebenso bemängelt wie eine als ungerecht empfundene Kostenverteilung1. Auch den
Ausbau erneuerbarer Energien bewertet die Bevölkerung unterschiedlich: Während Solar-
energie auf Dächern allgemein Akzeptanz findet, kommt es zu Spannungen, wenn es um die
Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen (Solaranlagen), Windenergieanlagen an
Land und auf See oder von Biogasanlagen geht. Insbesondere in Regionen, in denen Wind-
energieanlagen geplant sind, treten Bedenken oder teilweise Widerstand auf, hinsichtlich
Naturschutzanliegen sowie AnwohnerInneninteressen. Auf die Frage, unter welchen Bedin-
gungen Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) vor Ort akzeptiert werden, gibt es
keine einfachen Antworten. Wie sich Solar-, Windenergie- oder Biogasanlagen im direkten
Umfeld auswirken, können am besten Menschen beurteilen, die als AnwohnerInnen tagtäg-
lich Erfahrungen damit machen.
Ziel dieses Projektes ist es, diese Erfahrungen und das Wissen von ExpertInnen zusammen
zu bringen, um ein möglichst präzises Bild vom Leben mit erneuerbaren Energien zu zeich-
nen und Empfehlungen abzuleiten, wie die vorhandene Akzeptanz eines naturverträglichen
Ausbaus der erneuerbaren Energien unterstützt und weiter gefördert werden kann. Im Rah-
men unserer Studie wurden erstmals die Akzeptanzfaktoren „Naturschutz“ und „Interessen
der AnwohnerInnen“ miteinander verglichen sowie Erfahrungen mit Solar-, Windenergie- und
Biogasanlagen einbezogen.
Um dies zu ermöglichen, förderte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bun-
desministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die Studie zur Ak-
zeptanz des naturverträglichen Ausbaus erneuerbarer Energien2. Die Ergebnisse wurden
zunächst in einer handlichen Broschüre zusammengefasst. In diesem Skript haben wir die
Gliederung sowie Inhalte der Broschüre übernommen und jedes der Kapitel vertiefend er-
gänzt. Wer bereits die Broschüre gelesen hat, kann sich daher auf die vertiefenden Unterka-
pitel konzentrieren.
Die Broschüre entstand in einem intensiven Austauschprozess mit dem Ziel, die Hinter-
gründe, Projektergebnisse sowie Empfehlungen ausgewogen und klar zu vermitteln. Zum
ersten Entwurf der Broschüre baten wir daher um Rückmeldung zu den Inhalten und der
Gestaltung durch die FachkollegInnen aus dem BfN, die Mitglieder der projektbegleitenden
Arbeitsgruppe, VertreterInnen von Verbänden und Initiativen, BefragungsteilnehmerInnen
(sofern sie uns eine Adresse angegeben hatten) sowie jüngere Einzelpersonen.
10
Erst nachdem wir die zahlreichen Anregungen, aber auch Kritiken, eingearbeitet und erneut
mit FachexpertInnen diskutiert hatten, bearbeiteten wir die Broschüre abschließend. Die
KommunikationsdesignerInnen unterstützten uns dabei, die Inhalte leicht verständlich aufzu-
bereiten und zu visualisieren.
Wie gut uns Skript und Broschüre gelungen sind, mögen die LeserInnen entscheiden. Ne-
ben den Forschungsergebnissen sind in beiden praktische Hinweise für BürgerInnen ent-
halten, in deren Umfeld Anlagen geplant sind oder die selbst Projekte anschieben möchten,
sowie weiterführende Informationen zu Leitfäden und Unterstützungsangeboten für Akteur-
Innen in den Bereichen Planung und Naturschutz. Wir würden uns freuen, wenn unsere Ar-
beit möglichst vielen Betroffenen und Interessierten Anregung und Unterstützung bietet.
Methodisches Vorgehen
Der Schutz von AnwohnerInnen, Landschaft und Arten sowie die Meinungen verschiedener
AkteurInnen berühren eine Vielzahl unterschiedlicher Themen diverser Fachrichtungen. Um
dieser Komplexität gerecht zu werden, waren an unserer Studie WissenschaftlerInnen aus
den Disziplinen Umweltpsychologie, Umweltplanung und Nachhaltigkeitsforschung sowie
aus den Politik- und Verwaltungswissenschaften beteiligt.
Zunächst fassten wir bereits vorliegende Forschungsergebnisse in einem Akzeptanzmodell
zusammen. Es folgte eine Befragung in drei Regionen, in denen sowohl Windparks als auch
Biogas- und Solaranlagen betrieben werden, die „Regionenbefragung“. Die Suche nach aus-
sagekräftigen Untersuchungsräumen führte uns an Orte, die sich in ihren Eigenschaften er-
gänzen: Neuenkirchen im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein), Heldrungen im Kyffhäu-
serkreis (Thüringen) sowie die Stadt Lauterstein im Stauferland (Landkreis Göppingen, Ba-
den-Württemberg). So liegen im Umkreis von Neuenkirchen gleich mehrere Windparks, in
Heldrungen grenzt der Windpark an das circa 35 Quadratkilometer große Fauna-Flora-Habi-
tat „Hohe Schrecke“, und in Lauterstein stehen 16 Windenergieanlagen in einem forstwirt-
schaftlich erschlossenen Fichtenwald Anhang, Untersuchungsregionen.
An allen drei Orten haben wir im Laufe des Jahres 2018 lokale ExpertInnen und Anwohner-
Innen befragt. Im Rahmen der ExpertInnenbefragung wurden insgesamt mehr als 30 an den
Ausbauvorhaben beteiligte Personen interviewt, darunter politisch Verantwortliche, Projekt-
entwicklerInnen, EigentümerInnen der Ausbauflächen und Anlagen, MitarbeiterInnen der ört-
lichen Umwelt- und Bauämter und Naturschutzbehörden sowie VertreterInnen von Bürgerini-
tiativen und von Natur- und Umweltschutzverbänden. Die detaillierten Ergebnisse dieser Ex-
pertInnenbefragung liegt als gesonderter Bericht vor, frei verfügbar unter https://
www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-akzeptanz/ akzeptanz.html.
In der AnwohnerInnenbefragung thematisierten wir die Bürgerbeteiligung, wirtschaftliche
Teilhabe an dem Projekt, den Ablauf der Planungs- und Genehmigungsprozesse, die Um-
weltverträglichkeit der örtlichen Anlagen in Bezug auf Natur, Mensch und Landschaft sowie
die bisherige Umsetzung der Energiewende.
In Neuenkirchen, Lauterstein und Heldrungen nahmen jeweils zwischen 44 und 64 BürgerIn-
nen im Alter von 18 bis 84 Jahre an der Befragung teil. Insgesamt befragten wir 158 Perso-
nen, davon 42 Prozent Frauen und 58 Prozent Männer. Einen Großteil der Befragten wählten
11
wir nach dem Zufallsprinzip aus und sprachen sie direkt an, ein kleinerer Teil meldete sich
nach Aufrufen in der Lokalpresse. Etwa drei Viertel der Gespräche konnten im direkten Kon-
takt vor Ort geführt werden, etwa ein Viertel der Befragten beantwortete unsere Fragen on-
line. Um verlässliche, aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, haben wir die Ergebnisse un-
serer Regionenbefragung mit anderen Befragungsergebnissen verglichen, die auf Basis ab-
weichender Methoden in anderen oder den gleichen Regionen durchgeführt wurden.
Die folgende Zusammenfassung bietet einen Überblick über die Themen und Ergebnisse.
Bereits an dieser Stelle sei ein wesentliches Ergebnis vorweggenommen: Auch vor Ort wer-
den EE-Anlagen mehrheitlich unterstützt, wenn der Ausbau für die AnwohnerInnen auch
unmittelbar und nachvollziehbar natur- und umweltverträglich erfolgt was vor Ort jedoch
nicht immer ersichtlich ist. Als ein Beispiel sei hier nur der Umgang mit naturschutzfachlichen
Ausgleichsmaßnahmen genannt. Eine differenzierte Darstellung der Ergebnisse liefern die
anschließenden Kapitel. Hinweise auf wissenschaftliche Quellen, Referenzstudien und
weiterführende Informationen finden sich am Schluss. Eine handliche Übersicht bietet die
erwähnte zugehörige Broschüre (https://www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-
kommunikation-und-akzeptanz/akzeptanz.html).
Danksagung
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für Ihre Unterstützung, ohne welche dieses Projekt
nicht möglich gewesen wäre: Bei den AnwohnerInnen und ExpertInnen, die sich in unsere
Befragungen eingebracht haben, den Mitgliedern der projektbegleitenden Arbeitsgruppe für
ihr intensives Engagement und ihre konstruktiven Anregungen, den anonymen und bekann-
ten Personen, die uns Rückmeldung zur Broschüre gaben, den DesignerInnen für ihre Kre-
ativität und Geduld bei der Broschürengestaltung, unseren Kolleginnen Astrid Aretz und
Anina Wigand für ihre intensive Mitarbeit bis zum Abschluss der Befragungen und ersten
Auswertungen sowie den studentischen Hilfskräften für ihre unermüdliche und kompetente
Unterstützung. Insbesondere bedanken wir uns für die Förderung durch das BfN mit Mitteln
des BMU und die jederzeit sehr engagierte und motivierende Begleitung auf allen Ebenen.
12
Zusammenfassung und Empfehlungen
Naturverträgliche Energiewende vor Ort
Die BürgerInnen unterstützen die Energiewende als gesamtgesellschaftliches Anliegen.
Auch vor Ort akzeptieren die AnwohnerInnen EE-Anlagen mehrheitlich. Dennoch stoßen die
Anlagen teilweise auf Skepsis oder Widerstand. Um die Akzeptanz für die Anlagen zu unter-
stützen, sind verstärkte Transparenz, Mitbestimmung und wirtschaftliche Partizipation vor Ort
nötig. Das vorliegende Skript führt auf Basis aktueller Forschung und eigener empirischer
Erhebungen an drei Standorten aus, wie die Akzeptanz von EE-Anlagen weiter gefördert
werden kann, zeigt aber auch, wo noch Handlungsbedarf besteht.
Kapitel 1: Akzeptanzfaktoren
Wie AnwohnerInnen Solar-, Windenergie- oder Biogasanlagen in ihrer Nachbarschaft bewer-
ten (Akzeptanz), hängt im Wesentlichen von fünf Faktoren ab. Je positiver die Befragten die
a) wirtschaftlichen Auswirkungen vor Ort und b) die Energiewende insgesamt einschätzen,
desto höher die Akzeptanz. Ähnlich ausschlaggebend sind c) das Vertrauen in die am Pla-
nungsprozess beteiligten Personen, sowie d) die Vermeidung oder Minderung negativer Wir-
kungen auf Natur und Menschen. Auch e) die Meinung anderer (soziale Norm), spielt eine
wesentliche Rolle: Je positiver die Befragten die Meinung im Ort einschätzen, desto positiver
fällt auch ihre eigene aus.
Kapitel 2: Akzeptanz vor Ort
Die Regionenbefragung und andere Erhebungen zeigen übereinstimmend: Mehrheitlich ak-
zeptieren AnwohnerInnen EE-Anlagen auch an ihrem eigenen Wohnort. Dies gilt insbeson-
dere für Solaranlagen, etwas schwächer auch für Windenergieanlagen, weniger für Biogas-
anlagen. Proteste gegen Anlagen spiegeln daher nicht automatisch die vorherrschende ört-
liche Meinung wider; AnwohnerInnen selbst unterschätzten die Akzeptanz vor Ort leicht. Um
ein ausgewogenes Meinungsbild zu erhalten, sollten BürgerInnen aller Alters- und Status-
gruppen am Planungsprozess beteiligt werden. Unterstützung bieten Leitfäden und Ange-
bote unabhängiger Organisationen.
Kapitel 3: Vor- und Nachteile in der öffentlichen Wahrnehmung
AnwohnerInnen schätzen den Klimaschutzbeitrag lokaler Windenergie- und Solaranlagen re-
lativ hoch ein, etwas geringer den von Biogasanlagen. Den Naturschutzbeitrag beurteilen sie
hingegen durchweg als gering, insbesondere von Windenergieanlagen. Der Klimaschutzbei-
trag und die positiven indirekten Wirkungen der EE-Anlagen auf den Natur- und Artenschutz
sollten konkret vermittelt werden. Zudem kann durch Beteiligung auch das Landschaftsbild
akzeptabler gestaltet werden. Es gibt Fälle belästigender Geräusche durch Windenergiean-
lagen. Ihr Wohnumfeld und ihre Gesundheit erleben die AnwohnerInnen aber mehrheitlich
kaum als beeinträchtigt.
Kapitel 4: Wirtschaftliche Aspekte
Für AnwohnerInnen und lokale AkteurInnen sollte es möglich sein, sich an EE-Anlagen fi-
nanziell zu beteiligen und wirtschaftlich von ihnen zu profitieren. Eigenkapitalbeteiligungen
oder Bürger-Energiegesellschaften sind Beispiele für direkte Beteiligungen, Stiftungslösun-
13
gen oder direkte Förderungen sozialer Projekte für indirekte. Die Gelder können aus erlösten
Gewinnen oder Pachteinnahmen zur Verfügung gestellt werden. Kommunale Steuereinnah-
men und vereinbarte Ersatzgelder bringen finanzielle Vorteile für die Kommune. Die Bürger-
Innen erwarten jedoch transparente Informationen über die Zahlungen und Verwendungen
der Gelder.
Kapitel 5: Einstellung zur Energiewende
Je sinnvoller AnwohnerInnen die Energiewende und deren Umsetzung einschätzen, desto
eher akzeptieren sie lokale Projekte. Daher sollten EE-Anlagen stets in lokale Klimaschutz-
oder Energiekonzepte eingebettet werden. Wirkt die Bevölkerung partizipativ an einem Leit-
bild mit, können Energie- und Klimaschutzkonzepte Teil der lokalen Identität werden. Die
Ziele und Erfolge der Energiewende insgesamt und der kommunale Beitrag sollten aktiv kom-
muniziert werden auch auf Bundesebene.
Kapitel 6: Vertrauen
6.1 Vertrauen in AkteurInnen und Verfahren
Von Bürgerinitiativen sehen sich die Befragten in ihren Interessen nicht besser vertreten als
durch KommunalvertreterInnen oder Umwelt- und Naturschutzverbände. Die lokale Veran-
kerung von SchlüsselakteurInnen, ProjektiererInnen und BetreiberInnen kann positiv wirken.
Wichtiger ist jedoch das Vertrauen in die handelnden Personen. Erheben Bürgerinitiativen
den Anspruch, für alle BürgerInnen zu sprechen, sollte dies hinterfragt werden. Maßnahmen
wie freiwillige Beteiligungsprozesse, die Einbindung von Vertrauenspersonen, Mediatoren
und transparente Entscheidungsfindungsverfahren schaffen Vertrauen.
6.2 Information und Beteiligung
Insbesondere von GemeindevertreterInnen, ProjektiererInnen und BetreiberInnen erwarten
AnwohnerInnen ausgewogene Informationen zu Potenzialen und Lasten. Gute Verfahren
können gemeinschaftlich getragene Lösungen erzielen, Naturschutzkonflikte mildern und die
Qualität der Projekte erhöhen. Beteiligungsverfahren erfüllen jedoch oft nicht die anerkann-
ten Qualitätsmaßstäbe und führen zu Enttäuschung. Bei knappen Ressourcen, Misstrauen
oder Konflikten kann externe Unterstützung hilfreich sein. Auf Landes- und Bundesebene
bieten neutrale Organisationen Informations- und Beteiligungsangebote sowie Beratungen
im Konfliktfall für AnwohnerInnen, Gemeinden und ProjektiererInnen.
6.3 Vertrauen durch Verantwortungsübernahme
Vertrauen entsteht, wenn ProjektiererInnen die Qualitätsanforderungen an transparente
Kommunikation, gute und freiwillige Verfahrensbeteiligung, finanzielle Teilhabe sowie Ge-
meinwohlorientierung erfüllen. Hilfreich ist es, die Flächensicherung transparent vorzuneh-
men und die Gemeinde einzubeziehen. Die Einführung von Flächenpoolmodellen und frei-
willige Umweltverträglichkeitsprüfungen mit Öffentlichkeitsbeteiligung schaffen ebenfalls
Vertrauen. BürgermeisterInnen übernehmen wichtige Integrations- und Vermittlungsfunktio-
nen. Unterstützung bieten neutrale Organisationen, die helfen, einen Dialog auf Augenhöhe
zu führen und zwischen den Interessen zu vermitteln.
14
Kapitel 7: Natur- und Landschaftsschutz
7.1 Natur- und Landschaftsschutz vor Ort
Natur- und landschaftsverträglich gebaute Anlagen sind stärker akzeptiert. Bisher ist aber
nur wenigen AnwohnerInnen bekannt, was bereits getan wird, um die Belange des Natur-
schutzes zu berücksichtigen. Die naturschutzrechtlichen Anforderungen sollten daher um-
fassend kommuniziert werden. Dies gilt sowohl für durchgeführte Untersuchungen als auch
für die zur Vermeidung, Minderung und Kompensation von Beeinträchtigungen ergriffenen
Maßnahmen. Negative Folgen sind soweit wie möglich zu vermeiden. Positive Zusammen-
hänge zwischen dem Klimaschutzbeitrag der Anlagen und dem Naturschutz müssen konkret
dargestellt werden, unvermeidbare Beeinträchtigungen sind deutlich zu benennen.
7.2 Fachgutachten und Ausgleichsmaßnahmen
Genehmigungsverfahren erfordern Fachgutachten, deren Qualität AnwohnerInnen häufig
kaum beurteilen können. Unterstützung erhalten sie durch unabhängige Stellen und die Mit-
wirkung von ExpertInnen aus örtlichen Naturschutzverbänden, entweder auf Anfrage der An-
wohnerInnen oder als aktives Angebot der ProjektiererInnen. Offensiv sollte kommuniziert
werden, wer mit welcher Qualifikation das Gutachten nach welchen Vorgaben erstellt, welche
Ergebnisse und welche Probleme ermittelt wurden. Beeinträchtigungen sollten nicht finanzi-
ell, sondern sichtbar eingriffsnah ausgeglichen werden.
Kapitel 8: Erfahrungen im Wohnumfeld
Anders als die GegnerInnen fühlen sich andere AnwohnerInnen allgemein wenig von EE-
Anlagen gestört. Gleichwohl gibt es AnwohnerInnen, die über negative Wirkungen durch hör-
bare Geräusche berichten. Es gilt: Je kritischer die Befragten Energiewende, Verfahrensge-
rechtigkeit, Informationsausgewogenheit und das Vertrauen in die AkteurInnen bewerten,
desto stärker fühlen sie sich durch die Anlagen gestört. Um negative Erfahrungen weiter zu
vermeiden, sind Planungsprozess, Bau und Betrieb so partizipativ wie möglich zu gestalten.
Zudem ist über Vorgaben und mögliche Maßnahmen, mit denen Emissionen vermindert wer-
den können, frühzeitig und im Detail zu informieren.
15
1 Akzeptanzfaktoren
1.1 Stärkste Akzeptanzfaktoren
Um zu verstehen, warum AnwohnerInnen lokale Solar-, Wind- oder Biogasanlagen ablehnen,
in Konflikt geraten, dulden oder begrüßen, hilft ein Modell der Akzeptanzfaktoren. Die
Gründe, warum Menschen erneuerbare Energien in ihrer Umgebung akzeptieren oder nicht,
sind komplex. Daher haben wir in einem ersten Schritt die Forschung zur Akzeptanz zusam-
mengefasst und das entsprechende Modell der Akzeptanzfaktoren im zweiten Schritt mittels
Befragungen von ExpertInnen und AnwohnerInnen in den genannten drei Regionen über-
prüft und angepasst.
Stärkste Akzeptanzfaktoren: Wirtschaftliche Aspekte und Einstellung zur Energie-
wende
Akzeptanz umfasst die Einstellung (Zustimmung oder Ablehnung) zu den Anlagen und das
konkrete Verhalten der Befragten (Aktivitäten für oder gegen Anlagen, etwa das Schreiben
von Leserbriefen oder die Teilnahme an Demonstrationen) Akzeptanz vor Ort, Kapitel 2.
Die Akzeptanz lokaler Energieprojekte lässt sich anhand fünf unterschiedlich starker Fakto-
ren (Abb. 1.1.1) schlüssig erklären3. Zunächst war davon auszugehen, dass die Akzeptanz-
faktoren regional unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Es zeigten sich jedoch kaum bedeut-
same Unterschiede unabhängig vom Standort fielen die Einschätzungen und Zusammen-
hänge ähnlich aus.
Wirtschaftliche Aspekte: Am stärksten mit der Akzeptanz verbunden sind wirtschaftliche
Aspekte sowie die generelle Einstellung zur Energiewende Wirtschaftliche Aspekte, Kapi-
tel 4. Die Befragten sollten einschätzen, welche ökonomischen Auswirkungen die lokalen
Windenergieanlagen auf Landwirtschaft, Tourismus, Immobilienpreise sowie andere örtliche
Wirtschaftszweige haben. Das Ergebnis: Je positiver BürgerInnen die wirtschaftlichen Aus-
wirkungen vor Ort einschätzten, desto stärker wurden die Anlagen akzeptiert.
Einstellung zur Energiewende: Bundesweit, wie auch in der Regionenbefragung, ist die
erlebte Energiepolitik mit der Akzeptanz von Energieprojekten verbunden. Eine als unge-
recht wahrgenommene räumliche Verteilung von Energieanlagen, unklare energiepolitische
Abstimmungen zwischen den Bundesländern oder Anlagen, die wegen Netzengpässen vo-
rübergehend abgeschaltet werden müssen, führen zu Unverständnis und Konflikten. Je po-
sitiver die Befragten die Umsetzung der Energiewende bewerteten, desto höher fiel auch die
Akzeptanz der lokalen Anlagen aus Einstellung zur Energiewende, Kapitel 5. Bemerkens-
wert ist, dass die Einstellung zur Energiewende neben den wirtschaftlichen Aspekten am
stärksten mit der Akzeptanz zusammenhängt, noch vor Naturschutzbelangen.
16
Abb. 1.1.1: Die fünf entscheidenden Faktoren der lokalen Akzeptanz von EE-Anlagen.
Je größer die Faktoren, desto stärker ist ihr Gewicht.
Vertrauen in AkteurInnen: Wie erhaltene Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten im
Planungs- und Genehmigungsverfahren eingeschätzt wurden, ist wesentlich für die Akzep-
tanz4. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Prozessen im Genehmigungsverfahren, be-
einflussen auch zusätzliche, freiwillige Informations- und Beteiligungsveranstaltungen die
Akzeptanz vor Ort. Ausschlaggebend ist vor allem, wie sehr die BürgerInnen den Personen
vertrauen, die an der Planung und dem Bau der Anlagen beteiligt sind: Misstrauen und feh-
lende Glaubwürdigkeit fördern Konflikte und provozieren Ablehnung. Auch in der Regionen-
befragung stand das Vertrauen in die AkteurInnen in direktem Zusammenhang zur Akzep-
tanz Vertrauen, Kapitel 6.
Belastung für Natur und Mensch: Wie die Regionenbefragung bestätigt, schwächen Kon-
flikte um den Schutz von Natur, Landschaft und Wohnumfeld die Akzeptanz5: Je belastender
die Energieanlagen erlebt wurden, desto geringer fiel die Akzeptanz aus Natur- und Land-
schaftsschutz, Kapitel 7, Erfahrungen im Wohnumfeld, Kapitel 8. Auffällig war ein relativ
enger Zusammenhang zwischen der Berücksichtigung der Schutzanliegen und dem Ver-
trauen in die AkteurInnen. Auch dies deutet auf die zentrale Bedeutung der Erfahrungen
während des Planungs- und Bauprozesses hin.
Soziale Normen: Als soziale Wesen nutzen Menschen in nahezu allen Lebensbereichen die
Meinungen und das Verhalten anderer sogenannte soziale Normen als Informations-
quelle und zur Orientierung. Auch beim Thema erneuerbare Energien ist dies der Fall: Je
positiver die Meinung im Ort eingeschätzt wird, desto höher fällt die eigene Akzeptanz aus.
Obwohl der Zusammenhang im Vergleich zu den anderen Akzeptanzfaktoren etwas schwä-
cher ausfiel, ist er doch eine konstante Größe. AnwohnerInnen neigen allerdings dazu, die
Akzeptanz im Ort zu unterschätzen Akzeptanz vor Ort, Kapitel 2.
17
1.2 Akzeptanzmodell der integrierte Ansatz
Es liegt eine Reihe wissenschaftlicher Erklärungsansätze vor, welche Faktoren die Akzep-
tanz erneuerbarer Energien in den Orten beeinflussen, in denen Anlagen errichtet werden.
Eindeutig ist, dass es keine einfachen Erklärungsmuster gibt. Um die Komplexität zu erfas-
sen, werden je nach methodischen Ansätzen und fachlicher Expertise unterschiedliche Fak-
toren und Erklärungsansätze berücksichtigt. Trotz der unterschiedlichen Herangehenswei-
sen gibt es übereinstimmende Ergebnisse. So zeigen Gesprächsanalysen6, prozessbeglei-
tende Studien7, Simulationsstudien8 sowie statistisch abgesicherte AnwohnerInnenbefragun-
gen9 auf, wie wesentlich die Erfahrungen im Planungsprozess sind: Anlagen werden wahr-
scheinlicher geduldet, je gerechter und fairer die Standortwahl, die Beteiligungsangebote und
der Planungsprozess empfunden wurden. Dies gilt besonders für Windenergieanlagen.
Ebenso beeinflussen Veränderungen im Landschaftsbild die lokale Akzeptanz sämtlicher
EE-Anlagen wie auch Geräusche von Windenergieanlagen und die Folgen des Zulieferver-
kehrs bei Biomasseanlagen.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist der wesentliche Akzeptanzfaktor, dass die Projekte den
fachlichen und rechtlichen Naturschutzanforderungen entsprechen. Unklar ist dagegen, in-
wieweit naturschutzfachliche Fragen die Akzeptanz der örtlichen AnwohnerInnen beeinflus-
sen. Zunehmend scheinen sich auch politische Überzeugungen10, die Zufriedenheit mit der
bisherigen Umsetzung der Energiewende11 und die Sinnhaftigkeit von Projekten12 als we-
sentliche Akzeptanzfaktoren auch für lokale Projekte zu erweisen. Ungeklärt ist aber auch
hier, wie stark diese Faktoren im Verhältnis zu anderen mit der lokalen Akzeptanz in
Zusammenhang stehen. Zudem orientieren sich Menschen als soziale Wesen bewusst
oder unbewusst stark an sozialen Normen, die in ihrem sozialen Umfeld bestehen, den dort
vorherrschenden Meinungen, Verhaltensweisen und Erwartungen. Inwieweit soziale
Normen die Akzeptanz lokaler Anlagen beeinflussen, blieb in bisherigen Akzeptanzmodellen
gänzlich unberücksichtigt.
Anliegen des vorliegenden Projekts war es, die bisherigen Akzeptanzmodelle und
diskutierten Einzelfaktoren disziplinübergreifend zu integrieren. Dazu wurde aus der
bisherigen Forschung das Integrierte Akzeptanzmodell (IAM) abgeleitet. Vorteil dieses IAM
ist es, dass die Akzeptanzfaktoren auch im Verhältnis zueinander analysiert werden können.
Wird nur der Zusammenhang zwischen einzelnen Faktoren und der lokalen Akzeptanz
analysiert, finden sich zwar interessante Hinweise auf Zusammenhänge, deren Gewicht für
die lokale Akzeptanz bleibt aber unklar. Denn selbst Zusammenhänge, die einzeln betrachtet
mit der lokalen Akzeptanz in Zusammenhang stehen, können sich als schwache Größen
erweisen, wenn mehrere Akzeptanzfaktoren gleichzeitig und damit im Verhältnis zueinander
betrachtet werden. Im vorliegenden Projekt wurden daher sowohl die direkten
Zusammenhänge der Faktoren mit der lokalen Akzeptanz analysiert als auch das Verhältnis
der Faktoren untereinander. Wie bereits oben beschrieben, erwiesen sich fünf Faktoren als
zentral für die lokale Akzeptanz (Abb. 1.1.1). Gemeinsam haben diesen Faktoren, dass sie
sowohl im direkten Zusammenhang mit der lokalen Akzeptanz stehen als auch im Verhältnis
zu den anderen Faktoren ein relevantes Gewicht aufweisen. Um dies zu verdeutlichen, sind
in der folgenden Tabelle 1.2.1 die direkten Zusammenhänge der berücksichtigten Faktoren
mit der lokalen Akzeptanz dargestellt. Ein maximaler Zusammenhang würde vorliegen, wenn
der angeführte Wert „1“ wäre. Ein derartiger Zusammenhang zwischen nur einem einzelnen
18
Faktor und der lokalen Akzeptanz scheint auch aufgrund der Komplexität der Akzeptanzfrage
äußerst unwahrscheinlich was auch die Ergebnisse bestätigten (Tab. 1.2.1).
Tab. 1.2.1 Korrelationen zwischen Akzeptanzfaktoren und der lokalen Akzeptanz (Einstellung zu
den lokalen Anlagen)
Wirt-
schaft-
liche
Auswirk-
ungen
Ein-
stellung
zur
Energie-
wende
Ver-
trauen in
Akteur-
Innen
Belas-
tung
Natur
Belas-
tung
Mensch
Soziale
Normen
Rele-
vanz
Natur-
schutz
Ein-
stellung
lokale
WEA
Berück-
sichti-
gung
Schutz-
güter
.66
71
.73
-.39
-.45
.63
-.03
.73
Wirt-
schaft-
liche
Auswirk-
ung
.75
.61
-.26
-.49
.54
.01
.76
Ein-
stellung
zur
Energie-
wende
.66
-.17
-.43
.56
.07
.75
Ver-
trauen in
Akteur-
Innen
-.33
-.49
.60
.60
.73
Belas-
tung
Natur
.29
-.38
.32
-.45
Belas-
tung
Mensch
-.45
-.45
-.48
Soziale
Normen
-.11
.67
Relevanz
Natur-
schutz
-.06
Anmerkungen: a) starke Zusammenhänge sind fett hervorgehoben, b) positiver Zusammenhang: je stärker ein
Faktor ausgeprägt ist, desto höher ist die Akzeptanz; negativer Zusammenhang: je schwächer ein Faktor
ausgeprägt ist, desto höher ist die Akzeptanz.
19
Der höchste direkte Zusammenhang fand sich zwischen wirtschaftlicher Auswirkung, Einstel-
lung zur Energiewende, Vertrauen in AkteurInnen und der lokalen Akzeptanz. Ersichtlich wird
auch, dass in der Analyse der direkten Zusammenhänge die subjektive Relevanz des Natur-
und Umweltschutzes sowie die erlebte Berücksichtigung der Schutzgüter Natur und Mensch
enthalten sind. Während die Relevanz keinen signifikanten Zusammenhang mit der lokalen
Akzeptanz aufwies, bestand ein enger direkter mit der Berücksichtigung der Schutzgüter.
Auffällig ist, dass die direkten Zusammenhänge zwischen der eingeschätzten Berücksichti-
gung der Schutzgüter und den weiteren Variablen ein ähnliches Muster aufweisen wie für die
lokale Akzeptanz. Wurden die einzelnen Akzeptanzfaktoren gemeinsam berücksichtigt und
damit auch die Zusammenhänge zwischen ihnen zeigte sich ein etwas verändertes Bild:
Wie bereits beschrieben, trugen nur fünf Faktoren signifikant zur Aufklärung der lokalen Ak-
zeptanz bei (Abb. 1.1.1). Die Berücksichtigung der Schutzgüter ist damit keineswegs irrele-
vant, sondern fließt über die engen Zusammenhänge mit den weiteren Variablen ein. Für
statistisch Interessierte sind die Ergebnisse der zugrundeliegenden Regressionsanalyse in
Tabelle 1.2.2 zusammengefasst. Faktoren, die keine statistische Bedeutsamkeit zeigten,
wurden ausgeschlossen und sind nicht dargestellt.
Die Einschätzungen der im Projektrahmen befragten lokalen ExpertInnen stimmten in den
wesentlichen Aussagen mit den Ergebnissen zum IAM überein. Allerdings unterschätzten sie
die Rolle, die Natur- und Artenschutzargumente für die Akzeptanz der lokalen Anlagen spiel-
ten. Vielmehr kommt dem naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien auch auf
lokaler Ebene eine bedeutsame Rolle in der Akzeptanzfindung zu.
Tab. 1.2.2 Ergebnisse der multiplen Regression
Akzeptanzfaktor
Beta-
Gewicht
Wirtschaftliche Auswirkung
.27
Einstellung zur Energiewende
.27
Vertrauen in AkteurInnen
.19
Belastung Natur
und Mensch
-.19
Soziale Normen
.14
Anmerkungen: Dargestellt sind die Ergebnisse einer Regressionsanalyse (korrigiertes R2 = .75; N = 118). Die
Beta-Gewichte sind ein Maß für die Stärke des Einflusses des Faktors auf die Akzeptanz, sie können maximal
einen Wert von ±1 annehmen. Aufgenommen wurden ausschließlich signifikante Faktoren (p < .05).
20
2 Akzeptanz vor Ort
2.1 Einstellungen und Verhalten
Bundesweit werden Solar- und Windenergie mehrheitlich positiv beurteilt, negativer hingegen
die Biogasnutzung13. Vor Ort können konkrete Projekte aus unterschiedlichen Gründen um-
stritten sein, insbesondere Windenergieanlagen. Das örtliche Meinungsbild ausgewogen
über alle Alters- und Interessensgruppen einzuschätzen, ist eine Herausforderung. Aus den
Aktivitäten gegen den Bau von Anlagen lässt sich nicht automatisch die vorherrschende ört-
liche Meinung ableiten. Denn das Verhalten von BefürworterInnen und GegnerInnen unter-
scheidet sich: GegnerInnen werden überproportional häufiger aktiv als BefürworterInnen,
dies gilt auch für die untersuchten Regionen (Abb. 2.1.1; siehe auch14).
Diese Zahlen sagen nichts über die Legitimität der jeweiligen Meinungen aus, weisen aber
auf ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Präsenz hin. Dieses Ungleichgewicht kann dazu
führen, den Anteil positiv eingestellter AnwohnerInnen zu unterschätzen. In der Regel dürfte
ein größerer Anteil der AnwohnerInnen dem geplanten Bau von Windenergieanlagen
zustimmen, wie das Beispiel unserer Regionenbefragung (Abb. 2.1.2), aber auch andere
Studien zeigen15.
Abb. 2.1.1: Waren Sie für oder gegen den Bau der Anlagen? Sind Sie aktiv geworden?
Anteil der aktiven BefürworterInnen (Pro) und Anteil der aktiven GegnerInnen (Contra) in Prozent: GegnerInnen
werden überproportional aktiv.
Auch wenn Solar- und Windenergieanlagen bereits in Betrieb sind, bewerten AnwohnerInnen
diese durchschnittlich eher positiv16. Dabei zeigen sich auch in der Regionenbefragung keine
regionalen Unterschiede: Trotz unterschiedlicher Größen und Standorte war die Einstellung
vergleichbar positiv (Abb. 2.1.3); mehrheitlich akzeptieren AnwohnerInnen die örtlichen
Windenergieanlagen. Zwar schwanken die Zustimmungsraten je nach Studienmethode, aber
21
der Anteil negativer Einstellungen fällt jeweils geringer aus17. Kritischer werden Biogasanla-
gen beurteilt vor Ort wie auch bundesweit18. Die AnwohnerInnen selbst scheinen die eher
positiven Meinungen ihrer MitbürgerInnen zu unterschätzen19. In der Regionenbefragung un-
terstellten die Befragten ihren MitbürgerInnen im Durchschnitt weniger positive Einstellungen
zur Wind- und Solarenergie als diese tatsächlich hatten.
Um ein umfassendes Meinungsbild zu erlangen, können zum Beispiel zufällig oder entspre-
chend einer repräsentativen Quote ausgewählte BürgerInnen zu dialogorientierten Veran-
staltungsformaten eingeladen werden. Dazu zählen beispielsweise partizipative Gruppendis-
kussionen oder Bürgerwerkstätten, in denen in kleineren Runden alle zu Wort kommen. An-
regungen und Hilfestellungen für eine ausgewogene Bürgerbeteiligung bieten Leitfäden20,
unabhängige Agenturen bzw. Zentren. Vertrauen, Kapitel 6.
Abb. 2.1.2: Rückblickend: Wie war Ihre Meinung zum Bau der Windenergieanlagen vor Ort?
Errichtung von Windenergieanlagen, Zustimmung und Ablehnung der Vorhaben nach Befragungsort (in
Prozent): Zustimmung überwog Ablehnung.
22
Abb. 2.1.3: Wie finden Sie die Anlagen vor Ort?
Lokale Windenergie- und Solaranlagen bewerteten die Befragten im Gegensatz zu Biogasanlagen positiver
(Angaben als Mittelwerte nach Region).
2.2 Lokale Akzeptanz im nationalen Vergleich Windenergie
Die Ergebnisse der Regionenbefragung zur lokalen Akzeptanz sind kein Einzelbefund, son-
dern stimmen auch mit internationalen Studien überein. In Deutschland wie auch anderen
Industrienationen wird in den Massenmedien von einem zunehmenden Widerstand gegen
Windenergieanlagen berichtet. Unklar bleibt dagegen in der Regel, ob es sich um eine ver-
änderte Qualität der Proteste handelt oder um eine zunehmende Quantität. Wie dargestellt
(Abb. 2.1.1) reflektiert das Ausmaß der wahrnehmbaren Opposition nicht automatisch die
lokale Akzeptanz. Und wie unsere Regionenbefragung zeigen auch internationale Studien in
der Regel mehrheitlich neutrale und positive Einstellungen zu spezifischen lokalen Projekten
auf, in Europa21 wie auch in Übersee22. Eine Ausnahme davon bildet derzeit Dänemark, wo
die abnehmende lokale Akzeptanz überwiegend durch einen starken Abbau früherer Partizi-
pationsmöglichkeiten erklärt wird23 was wiederum die Bedeutung der beiden Akzeptanz-
faktoren Wirtschaftliche Aspekte und Vertrauen in die AkteurInnen unterstreichen dürfte.
Die Regionenbefragung wie auch die oben erwähnten Studien haben die AnwohnerInnen
von Windenergieanlagen befragt, nachdem diese bereits gebaut und in Betrieb waren. Die-
ses retrospektive Vorgehen kann methodisch kritisiert werden, allerdings gab es unseres
Wissens bisher keine Möglichkeit, die lokale Akzeptanz bereits mit der Ankündigung eines
möglichen Windenergieprojekts wissenschaftlich abgesichert zu untersuchen. Ebenso wurde
kaum zwischen AnwohnerInnen unterschieden, die bereits bei der Projektankündigung vor
Ort wohnten oder erst danach zuzogen. Aber selbst dann, wenn sorgfältig nach der Wohn-
dauer in betreffenden Kommunen differenziert wird, zeigen sich stabile, mit der Regionenbe-
fragung vergleichbare Ergebnisse mehrheitlich sind die AnwohnerInnen neutral oder positiv
eingestellt. So zeigte eine bisher einzigartige national repräsentative Studie aus den USA
23
befragt wurden AnwohnerInnen im Umkreis bis zu 8 km von als 231 Windparks eine deut-
liche Mehrheit, die bereits vor dem Bau der Anlagen neutral (41 Prozent) oder positiv (46
Prozent) eingestellt waren; nur 7 Prozent negativ24. Diese Relation fand sich auch in den
Einstellungen gegenüber den bereits in Betrieb befindlichen Anlagen. Diese Ergebnisse wa-
ren direkt vergleichbar mit früheren Befragungen in Deutschland und der Schweiz25.
In den angeführten Studien zeigte sich ebenfalls ein enger Zusammenhang zwischen den
Einstellungen gegenüber der Windenergie allgemein und den lokalen Projekten ein erneu-
ter Beleg dafür, dass das Sankt-Florians-Prinzip (not-in-my-backyard, NIMBY) kein passen-
der Erklärungsansatz für negative Einstellungen gegenüber lokalen Projekten sein kann26.
Vielmehr wird die lokale Akzeptanz von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst, wie auch im
Akzeptanzmodell dargestellt (Abb. 1.1), auch der politischen Ausrichtung und Umsetzung der
Energiewende auf Bundesebene. Die Komplexität der Akzeptanzfrage macht zugleich deut-
lich, dass singuläre Maßnahmen, wie feste Abstandsregeln, nicht ausreichen können, um die
lokale Akzeptanz nachhaltig zu erhalten. Zwar weisen einzelne Studien in der Tat negative
Zusammenhänge zwischen Abstand und Akzeptanz auf27, wobei aber die Abstände nur sub-
jektiv erfasst wurden. Werden objektive Abstände berücksichtigt, finden sich dagegen keine28
oder sogar positive Zusammenhänge zwischen Wohnabstand und Einstellungen je näher
die AnwohnerInnen an den Anlagen wohnten, desto positiver waren ihre Einstellungen zu
diesen.29 Dieser positive Zusammenhang war schwach und sollte daher nicht überbewertet
werden macht aber deutlich, dass es umgekehrt keine belastbare Grundlage für einen ne-
gativen Zusammenhang gibt, wenn AnwohnerInnen bereits erfahren mit Windenergieanla-
gen sind.
24
3 Vor- und Nachteile aus Sicht der AnwohnerInnen
3.1 Eingeschätzte Vor- und Nachteile
Die Bevölkerung trägt die politischen Ziele der Energiewende und zum Klimaschutz zu weiten
Teilen mit30. Auch die befragten AnwohnerInnen erkennen die positiven Wirkungen der loka-
len Wind- und Solaranlagen für den Klimaschutz und die Unabhängigkeit von fossilen Ener-
gieträgern sowie der Kernenergie eindeutig an. Einzig bei Biogasanlagen bewerteten die Be-
fragten die positiven Wirkungen etwas schwächer (Abb. 3.1.1)31.
Positive indirekte Wirkungen der erneuerbaren Energien für den Naturschutz bleiben
abstrakt
Als gering hingegen schätzten sie den Beitrag der Anlagen zum Naturschutz ein und sahen
insbesondere die Windenergie als beeinträchtigend für das Landschaftsbild und den Arten-
schutz an. Allerdings stand bei den AnwohnerInnen der Klimaschutzbeitrag der Windener-
gieanlagen in engerem Zusammenhang zur Akzeptanz als die Beeinträchtigung von Arten
und Landschaftsbild32. Dementsprechend war die Einstellung gegenüber der Windenener-
gie insgesamt positiv Akzeptanz vor Ort, Kapitel 1, obwohl sie in Windenergieanlagen ein
höheres Risiko für den Natur- und Artenschutz sahen als in Solar- und Biogasanlagen.
Klimaschutz und Naturschutz sind nicht voneinander zu trennen: Die prognostizierten Klima-
entwicklungen führen absehbar zur massiven Versteppung von Landschaften und einem er-
heblichen Artensterben; auch erhöhte Bedrohungen für Wälder durch Brände und Schäd-
lingsbefall sind zu erwarten weitere Beispiele ließen sich ergänzen33. Erneuerbare Ener-
gien tragen über die Einsparung fossiler Brennstoffe im großen Ausmaß zum Klimaschutz
und damit zum Erhalt von Ökosystemen bei. Diese indirekten Beiträge der erneuerbaren
Energien zu den Naturschutzzielen bleiben verdeckt, solange sie nicht anhand konkreter Bei-
spiele vermittelt werden dies gilt insbesondere für die Windenergieanlagen.
Da die Klimaschutzwirkungen der erneuerbaren Energien und deren indirekte Beiträge zur
Artenvielfalt und zum Erhalt unserer vertrauten Landschaften jedoch nicht ohne Weiteres
belegbar sind, werden auch seitens NaturschutzexpertInnen überwiegend direkt beobacht-
bare Kollisionen und Verluste thematisiert was wiederum zu einer Verstärkung der Kon-
flikte führt. Daher sollten neben den Kollisionen und Verlusten die positiven Klimaschutz-
wirkungen der erneuerbaren Energien in der Kommunikation stärker herausgestellt werden.
Nur sehr wenige der Befragten sahen konkrete positive Zusammenhänge zwischen den ört-
lichen EE-Anlagen und Naturschutzanliegen. Um die Beiträge der erneuerbaren Energien für
den Naturschutz sichtbar zu machen, sollte daher über konkrete Beispiele berichtet werden
beispielweise wie sich durch den Bau von Solarparks auf vorher intensiv genutzten Agrar-
flächen wertvolle, störungsarme Lebensräume für Vögel entwickeln34. Naturschutzbehörden
und Verbände könnten entsprechende Materialien erstellen und vermitteln Natur- und
Landschaftsschutz, Kapitel 7.1.
Zudem fordern BürgerInnen mehr Beteiligung. Partizipative Gestaltungsansätze können lo-
kale Identitäten mit Natur- und Klimaschutzaspekten verbinden und so zu einer neuen Be-
wertung der Naturverträglichkeit von EE-Anlagen führen. Ein bekanntes Beispiel ist der dä-
nische Offshore-Windpark Nysted. Nach Protesten haben die Betreiber diesen gemeinsam
mit AnwohnerInnen so gestaltet, dass der freie Blick aufs Meer weitgehend erhalten blieb.
25
In der Landschaftsplanung stehen bisher aber meist Ausschlusskriterien im Vordergrund,
während Ansätze, die eine partizipative Gestaltung anhand regionaler Identitäten fördern,
weniger genutzt werden35 Vertrauen in Information und Beteiligung, Kapitel 6.1.
Ihr Wohnumfeld sahen die Befragten vergleichsweise weniger beeinflusst. Konkrete gesund-
heitliche Beeinträchtigungen gaben sie kaum an. Wenn, dann wurden negative Gefühle, wie
Ärger, Hilflosigkeit oder schlechte Stimmung erwähnt, nicht aber körperliche Beschwerden
Erfahrungen im Wohnumfeld, Kapitel 8.
Abb. 3.1.1: Inwieweit stimmen Sie den folgenden Vor- und Nachteilen der Erneuerbaren-Energie-
Anlagen vor Ort zu?
Einschätzung von Vor- und Nachteilen durch die Befragten (Mittelwerte): Vorteile von Solar- und Windener-
gieanlagen wurden vergleichbar positiv eingeschätzt, Nachteile der Windenergie am stärksten.
26
3.2 Regionenunterschiede
In den eingeschätzten Vorteilen der erneuerbaren Energien stimmten die Befragten in den
drei Regionen überein. Dagegen wurden die Nachteile von Windenergieanlagen im Norden
signifikant stärker eingeschätzt als im Süden und Osten. Diese kritischere Sicht spiegelte
sich allerdings nicht in den Einstellungen zu den lokalen Windenergieanlagen wider, die in
den drei Befragungsregionen vergleichbar ausfiel Akzeptanz vor Ort, Kapitel 2.
Warum die Nachteile im Norden im Durschnitt stärker ausfielen, aber nicht die lokale Akzep-
tanz, können die Ergebnisse der ExpertInnenbefragung extra Dokument ExpertInnenbe-
fragung36, zumindest teilweise erklären. Hinsichtlich der eingeschätzten Nachteile fallen zu-
nächst unterschiedliche Aussagen der interviewten ExpertInnen zum Umgang mit natur-
schutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen sowie zum Immissionsschutz auf. Die Schutzmaß-
nahmen für Vögel und Fledermäuse akzeptierten sie aus verschiedenen Gründen vergleich-
bar. Aber während im Osten und Süden Zufriedenheit mit naturschutzfachlichen Ausgleichs-
maßnahmen geäußert wurde, überwog im Norden deutliche Kritik extra Dokument Exper-
tInnenbefragung37. Klar bemängelt wurde, dass die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nicht
direkt vor Ort durchgeführt wurden. Diese Einschätzung stand auch mit dem Vorwurf in
Zusammenhang, Ausgleichzahlungen würden von den Behörden „gehortet“. Die Unzufrie-
denheit über unzureichend erlebte Ausgleichsmaßnahmen dürfte eine mögliche Erklärung
für die stärker eingeschätzten Nachteile für Landschaft und Arten im Norden sein. Gleichzei-
tig betont dieses Ergebnis, wie bedeutsam unmittelbare und sichtbare Ausgleichsmaßnah-
men vor Ort sind Fachgutachten und Ausgleichsmaßnahmen, Kapitel 7.2.
Unterschiede in den Aussagen der ExpertInnen zeigten sich ebenfalls hinsichtlich möglicher
Auswirkungen auf das Wohnumfeld. Im Osten und Süden thematisierten die befragten
ExpertInnen kaum Belästigungen durch Anlagengeräusche, nächtliche Hindernis-
kennzeichnung oder die Menge an Windenergieanlagen wohl aber im Norden
Erfahrungen im Wohnumfeld, Kapitel 8. Gleichzeitig wurde dort die Sinnhaftigkeit und
Konsistenz der Energiepolitik kritisiert und insbesondere vor dem Hintergrund sichtbarer
Abregelungen der Windenergieanlagen als wichtiger Akzeptanzfaktor genannt. Diese Kritik
dürfte ebenfalls in Zusammenhang mit den stärker eingeschätzten Nachteilen der
Windenergie im Norden stehen.
Warum sich trotz der regionalen Unterschiede in den eingeschätzten Nachteilen keine
Unterschiede in der lokalen Akzeptanz zeigten, mag auch darin begründet sein, dass trotz
der Kritik im Norden die Vorteile der Windenergieanlagen vergleichbar stark eingeschätzt
wurden. Gleichzeitig wurde das lokale wirtschaftliche Potenzial im Norden höher beurteilt.
Die Vorteile insgesamt dürften auch dazu beigetragen haben, die lokalen Windenergie-
anlagen akzeptabler zu machen. Eingefordert wurden gleichzeitig mehr Verteilungs-
gerechtigkeit und stärkere Beteiligung in Entscheidungsverfahren Vertrauen, Kapitel 6.
27
4 Wirtschaftliche Aspekte
4.1 Überblick
Je ersichtlicher ein wirtschaftlicher Nutzen von EE-Anlagen für den lokalen Standort ist, desto
eher werden sie positiv bewertet. Dies bestätigen bisherige Untersuchungen38 ebenso wie
die Regionenbefragung: Positiv zu den Windanlagen eingestellte AnwohnerInnen schätzten
auch die wirtschaftlichen Auswirkungen eher positiv ein (Abb. 4.1.1), während GegnerInnen
eine im Durchschnitt deutlich kritischere Einschätzung abgaben. Auch aus der Praxis sind
negative Haltungen zur wirtschaftlichen Beteiligung an EE-Anlagen von grundsätzlich kritisch
eingestellten AkteurInnen bekannt. So werden finanzielle Beteiligungsinstrumente bisweilen
als Bestechung angesehen und abgelehnt39.
Abb. 4.1.1: Inwieweit haben folgende Anlagentypen vor Ort positive oder negative Auswirkungen auf
die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Region?
Einschätzung der Auswirkungen von EE-Anlagen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Region
(Mittelwerte): GegnerInnen (Contra) sahen durchschnittlich keine wirtschaftlichen Effekte, andere
AnwohnerInnen (Pro) eher positive.
Profitieren nur Einzelne finanziell vom Betrieb der Anlagen, trägt dies kaum zur Akzeptanz
bei40. Hilfreich wirkt hingegen eine breite, lokale finanzielle Beteiligung. Gemeinden, kommu-
nale Stadtwerke oder auch BürgerInnen können sich als AnteilseignerInnen direkt beteiligen
und partizipieren somit an den Gewinnen der Betreiber.
Für lokal initiierte Anlagen bietet sich beispielsweise eine genossenschaftliche Unterneh-
mung an oder die Gründung einer GmbH & Co. KG, deren Anteile regionale AkteurInnen
erwerben können. Die Beteiligungsmöglichkeiten sollten frühzeitig und offen diskutiert
werden. Wird eine Anlage von externen ProjektiererInnen initiiert, können BürgerInnen
ebenfalls eine Beteiligung einfordern. Entscheidend ist eine transparente und
nachvollziehbare Ausgestaltung41. Zu hohe Mindesteinlagen stellen eine Hemmschwelle
28
insbesondere für einkommensschwache BürgerInnen dar, weshalb sie möglichst niedrig
angesetzt sein sollten.
Genossenschaftliche Modelle bieten gleiche Mitbestimmungsrechte für alle EigentümerIn-
nen, unabhängig von der Höhe ihrer Einlagen42. Eine solche Konstruktion stärkt die Mitbe-
stimmung im Planungsprozess wie auch im Anlagenbetrieb. Wer auf faire Weise an den Ge-
winnen partizipieren kann, wird auch lokale erneuerbare Energien differenzierter bewerten43.
So bewerteten die BürgerInnen der Regionenbefragung, die sich finanziell beteiligt hatten,
die Anlagen signifikant positiver (Abb. 4.1.2).
Neben den Möglichkeiten direkter finanzieller Beteiligung existieren zudem indirekte Beteili-
gungsinstrumente. Über Stiftungs- oder Vereinsmodelle können zum Beispiel Betreiber oder
Verpächter von Windflächen einen Teil ihrer Gewinne freiwillig für gemeinnützige Zwecke der
Gemeinde zur Verfügung stellen oder die Gemeinschaft durch einmalige Zahlungen beteili-
gen44. Zudem bieten Betreiber mitunter vergünstigte regionale Stromtarife an45.
Im Rahmen von Planungs-, Montage- und Wartungsarbeiten bestehen weitere
Möglichkeiten, regionale AkteurInnen an der Wertschöpfung von erneuerbaren Energien zu
beteiligen. Partizipieren können unter anderem das regionale Handwerk,
FlächeneigentümerInnen, Fremdkapitalgeber sowie Zulieferunternehmen. Um die
Wertschöpfungspotenziale für die Region erfolgreich zu heben, ist es entscheidend, die
BürgerInnen frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden denn AnwohnerInnen sind
ExpertInnen für die Potenziale ihrer Region.
Geeignete Maßnahmen können sein, Branchennetzwerke oder Industrie-Cluster zu unter-
stützen oder sogenannte Flächenpoolmodelle aufzulegen, die EigentümerInnen angrenzen-
der Flächen bei der Pacht berücksichtigen. Da der kommunale Haushalt bei allen lokal ver-
ankerten Wertschöpfungsschritten des Ausbaus erneuerbarer Energien Einnahmen aus Ge-
winn- oder Einkommensteuern erzielt, profitieren die AnwohnerInnen auch mittelbar. Die
durch die Anlagen erzielten Einnahmen sollten daher klar benannt werden.
Wirtschaftliche Teilhabe ist gefordert
Laut Regionenbefragung befürchten AnwohnerInnen jedoch auch leicht negative wirtschaft-
liche Auswirkungen auf den regionalen Tourismus und die Immobilienpreise, vor allem durch
Windenergie- und Biogasanlagen46. Andere Untersuchungen und ebenso die Erfahrungen
aus der Praxis belegen aber, dass es im Bereich des Tourismus nur wenig zu Problemen
kommt und wenn, können diese zum Teil durch Touristen kompensiert werden, die gerade
wegen der Anlagen die Region besuchen („Erneuerbare-Energien-Tourismus“)47. Die Ergeb-
nisse zu den Auswirkungen auf die Immobilienpreise sind in Deutschland nicht eindeutig48.
Die wirtschaftlichen Potenziale direkter und indirekter Beteiligungsmöglichkeiten sind nur
dann sichtbar, wenn die BetreiberInnen diese von sich aus kommunizieren oder BürgerInnen
dies erfolgreich einfordern. Beteiligungsmöglichkeiten können nur dann positiv auf die Ak-
zeptanz wirken, wenn die AnwohnerInnen sie auch wahrnehmen; erst die umfassende Of-
fenlegung wirtschaftlicher Zusammenhänge schafft die notwendige Transparenz. Die Betrei-
berInnen können beispielsweise ihre Gewinne und die Kommunen ihre durch den Betrieb
der Anlagen generierten Steuereinnahmen freiwillig offenlegen. Abschätzungen regionaler
Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale bieten wissenschaftliche Ansätze und der
Wertschöpfungsrechner der Agentur für Erneuerbare Energien e.V..49
29
Abb. 4.1.2: Haben Sie sich finanziell an den Anlagen beteiligt?
Bewertung der lokalen Windanlagen im Vergleich zwischen finanziell Beteiligten (Ja) und Nicht-Beteiligten
(Nein) (Mittelwerte): Wer finanzielle Beteiligungsangebote nutzte, schätzte die lokalen Windanlagen deutlich
positiver ein als Nicht-Beteiligte.
4.2 Beteiligungen
4.2.1 Finanzielle Beteiligung von Kommunen
Wir befragten die AnwohnerInnen zum steuerlichen Beitrag der EE-Anlagen zum kommuna-
len Haushalt. Den lokalen EE-Anlagen wurde insgesamt ein sehr geringer bis mittelmäßiger
Beitrag zu den Steuereinnahmen der öffentlichen Haushalte zugeschrieben. Diese Einschät-
zung kann zum Teil durch Unwissenheit der AnwohnerInnen zu den kommunalen Haushalten
begründet sein. Die durchgeführten Befragungen regionaler ExpertInnen wiesen nämlich auf
die Einschätzung einer größeren Bedeutung der EE-Anlagen für die kommunalen Steuerein-
nahmen hin, vor allem bei den Windenergieanlagen. Dabei war den ExpertInnen dennoch
bewusst, dass gerade bei Windenergieanlagen in den ersten Betriebsjahren und teilweise
darüber hinaus aufgrund hoher Abschreibungen kaum Gewinne und damit ggf. auch keine
Gewerbesteuerzahlungen anfallen. Dieses Problem unerfüllter Erwartungen bezüglich der
kommunalen Steuereinnahmen wird in der politischen Debatte seit mehreren Jahren ver-
stärkt diskutiert.50
Von wissenschaftlicher Seite liegen mehrere Vorschläge für neue kommunale Abgaben für
WEA-BetreiberInnen vor, die jedoch noch nicht abschließend bezüglich der möglichen Effek-
tivität und Effizienz einer Umsetzung bewertet wurden. Bspw. schlagen Kahl und Wegner
(2018) eine Außenbereichsabgabe vor, mit welcher die Nutzung des kommunalen Außenbe-
reichs als Ressource zur Energiegewinnung belastet werden soll. Ähnlich argumentiert auch
Köck (2017), der einen Vergleich von Wasser- und Windnutzungsrechten herstellt. Agora
Energiewende (2018) hingegen schlägt eine Sonderabgabe zum Zwecke der Finanzierung
akzeptanzsteigernder Maßnahmen vor, die auf die Anlagenleistung, die Anlagenhöhe und
den Stromertrag der Windenergieanlagen abstellt. In Brandenburg wurde auf Landesebene
eine Sonderabgabe umgesetzt, die mit einer pauschalen Zahlung von jährlich 10.000 Euro
pro Windenergieanlage an die Standortkommune neue Anlagen über die gesamte Lebens-
30
dauer belastet und zu Mehreinnahmen der Standortkommunen führt.51 In 2019 bearbeitet ein
Konsortium unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag
des BMWi ein Forschungsprojekt zur Bewertung der bisher diskutierten Vorschläge zur fi-
nanziellen Beteiligung von Kommunen an EE-Anlagen, auch um die von der Regierungsko-
alition eingesetzte Arbeitsgruppe Akzeptanz/ Energiewende zu unterstützen.52 Dabei wer-
den mehrere in der wissenschaftlichen Literatur vorgeschlagene Steuer- und Abgabeninstru-
mente untersucht und hinsichtlich Effektivität und Effizienz bewertet. Ergebnisse liegen aktu-
ell noch nicht vor.
Der Fokus auf die finanzielle Beteiligung von Kommunen an den EE-Anlagen statt der regi-
onalen Bevölkerung ist durch die Annahme begründet, dass damit deutlich geringere Trans-
aktionskosten einhergehen und Kommunen in der Lage sind, diese Mehreinnahmen gemein-
wohlorientiert einzusetzen und so eine breitere Akzeptanzsteigerung bei den EinwohnerIn-
nen zu bewirken. Diese Annahme wird in der wissenschaftlichen Literatur untersucht und
teilweise auch bestätigt.53
4.2.2 Eigentumsbeteiligung und Mitbestimmung
Die NutzerInnen finanzieller Beteiligungsmöglichkeiten an den lokalen EE-Anlagen hatten
laut unserer AnwohnerInnen-Befragung eine signifikant bessere Einstellung (M = 1.84, SD =
1.34) zu den lokalen WEA als die nicht-NutzerInnen (M = -0.03, SD = 2.04). Daraus leiten
wir eine positive Akzeptanzwirkung direkter finanzieller Beteiligungsmöglichkeiten ab, die
sich aus den wirtschaftlichen Vorteilen des zusätzlichen Kapitaleinkommens ergibt.
Dieser empirisch belegte Wirkungszusammenhang ist, auf Basis anderer Untersuchungsme-
thoden, bereits nachgewiesen, sowohl für Untersuchungsregionen in Deutschland als auch
in anderen Ländern. Dabei werden aber auch immer wieder Unterschiede in den finanziellen
Beteiligungsformen hervorgehoben, sowie regional unterschiedliche Gewichtungen ökono-
mischer und anderer Aspekte. Auch der Anteil der finanziell beteiligten Bevölkerung und die
Verteilung zwischen den Bevölkerungsschichten spielt eine wichtige Rolle, da Konflikte so
ggf. erst entstehen können.54
Dabei muss betont werden, dass eine direkte finanzielle Beteiligung der AnwohnerInnen
mehrere Hürden nehmen muss, bevor eine positive Wirkung auf die lokale Akzeptanz erzielt
werden kann. Zuerst müssen geeignete Flächen bzw. Windenergieprojekte und lokales Ka-
pital zusammenfinden. Auf beiden Seiten kann es Schwierigkeiten geben. So berichten
bspw. mehrere Stadtwerke und Energiegesellschaften über mangelnde Umsetzungsmög-
lichkeiten, obwohl sie Kapital in der Bevölkerung akquirieren konnten.55 Andererseits bergen
auch Windenergieprojekte ein gewisses Investitionsrisiko bei zumeist geringem Potenzial an
privatem Investitionskapital in dünn besiedelten und teilweise wirtschaftlich schwachen länd-
lichen Regionen. Daher können auch zu hohe Mindesteinlagen bzw. eine zu kleine Stücke-
lung der Eigentumsanteile ein relevantes Investitionshemmnis darstellen.56
Ein weiterer positiver Zusammenhang zwischen der Eigentumsbeteiligung und der Akzep-
tanz kann mit den implizierten Mitbestimmungsrechten vorliegen. Sofern eine Eigentumsbe-
teiligung bereits im Planungsprozess möglich ist, können bereits planerische Aspekte von
der Bevölkerung in ihrer Rolle als MiteigentümerInnen mitbestimmt werden. Dazu gehört bei-
spielsweise die Flächenauswahl, die Festlegung der Anlagengröße und -höhe und der Aus-
gleichsmaßnahmen. Diese Aspekte weisen wiederum Zusammenhänge mit der Akzeptanz
31
auf Vertrauen in Information und Beteiligung, Kapitel 6.2 und können von denjenigen Bür-
gerInnen, die MiteigentümerInnen sind, mitgestaltet werden. Diese Möglichkeiten zur Mitge-
staltung können positiv auf die Einstellungen zu lokalen Anlagen wirken. Die Mitbestimmung
ergibt sich direkt aus den finanziellen Beteiligungsmöglichkeiten, sofern diese als direkte Ei-
gentumsbeteiligung ausgestaltet sind, und sollten daher auch als Instrument der planeri-
schen Gestaltung berücksichtigt werden. Finanzielle Beteiligungsmodelle können also über
mehrere Kanäle positiv auf die Akzeptanz wirken und sind nicht nur aufgrund der wirtschaft-
lichen Vorteile attraktiv für die beteiligten BürgerInnen.
32
5 Einstellung zur Energiewende
5.1 Kritik an der Energiewende ist mit Kritik an lokalen Projekten
verbunden
Die große Mehrheit der Bevölkerung befürwortet grundsätzlich die Energiewende und den
Ausbau erneuerbarer Energien57. Die Umsetzung der Energiewende wird hingegen kritischer
bewertet58. Dabei spielen insbesondere Kosten- und Gerechtigkeitsfragen eine wichtige
Rolle, aber auch die mangelhafte Koordination des Gesamtprozesses59. Die an der
Regionenbefragung beteiligten AnwohnerInnen teilten diese Einschätzungen (Abb. 5.1.1).
Wer die Umsetzung der Energiewende kritisch bewertet, sieht zudem auch die lokalen Ener-
gieprojekte kritischer60.
Umgekehrt heißt dies: Je positiver AnwohnerInnen die Energiewende und deren Umsetzung
bewerten, desto besser beurteilen sie auch die Berücksichtigung der verschiedenen Schutz-
anliegen sowie die wirtschaftlichen Effekte lokaler Anlagen. Je sinnvoller also die Bevölke-
rung die Energiewende und deren Umsetzung einschätzt, desto höher ist die Akzeptanz
lokaler Projekte.
Abb. 5.1.1: Ich finde die Energiewende insgesamt …
Bewertung der Energiewende (Mittelwerte): Die Energiewende an sich wurde positiv bewertet, deren Umset-
zung dagegen kritisch.
Auch die Einbettung neuer Anlagen in lokale Klimaschutz- oder Energiekonzepte kann die
Akzeptanz fördern61 insbesondere, wenn die Bevölkerung bereits an der Erstellung eines
Leitbildes mitwirkt und Energie- und Klimaschutzkonzepte Teil der lokalen Identität werden.
Beispiele dafür bieten die zahlreichen „100 Prozent Erneuerbare-Energie-Regionen“62 oder
Bioenergiedörfer63. In der Regionenbefragung blieben die Fragen zu Energie- und Klima-
schutzkonzepten mehrheitlich unbeantwortet sowohl den ExpertInnen als auch
33
AnwohnerInnen war weitgehend unbekannt, ob Konzepte vorlagen oder nicht. In vielen Fäl-
len könnten Leitbildprozesse und lokale Energie- und Klimaschutzkonzepte noch stärker par-
tizipativ erarbeitet, besser in der Öffentlichkeit kommuniziert und deren Einsatz stärker
angereizt werden.
Kritik an der Energiewende ist mit Kritik an lokalen Projekten verbunden
Die lokale Akzeptanz steht zudem in einem positiven Zusammenhang mit den eingeschätz-
ten Klimaschutzbeiträgen der Anlagen. Den Klimaschutzbeitrag der Wind- und Solarenergie
erkennen die befragten AnwohnerInnen zwar (Abb. 5.1.2), gleichwohl sollte dieser im öffent-
lichen Diskurs noch stärker betont werden. Dies gilt auch im Zusammenhang mit den positi-
ven indirekten Wirkungen auf den Natur- und Artenschutz Vor- und Nachteile aus Sicht
der AnwohnerInnen, Kapitel 3. Unabhängige Informationen zu den Klimaschutz- und sonsti-
gen Umwelteffekten bieten verschiedene Quellen64.
Abb. 5.1.2: Die lokalen EE-Anlagen tragen zum Klimaschutz bei.
Einschätzung des Beitrags der verschiedenen lokalen EE-Anlagen zum Klimaschutz (Mittelwerte): Die Klima-
schutzbeiträge der lokalen Wind- und Solaranlagen wurden im Vergleich mit Biogas höher beurteilt.
5.2 Vertiefung: Die Ergebnisse im Detail
Wie unsere Untersuchung zeigt, hängt die Akzeptanz der EE-Anlagen vor Ort eng mit der
Einstellung der Bevölkerung zur Energiewende und zu den erneuerbaren Energien allgemein
zusammen. Dieser Befund deckt sich mit den Erkenntnissen anderer Untersuchungen65. Be-
merkenswert an unseren Befunden ist allerdings, dass die Einstellung zur Energiewende ne-
ben den wirtschaftlichen Aspekten am stärksten mit der Akzeptanz zusammenhängt, noch
vor anderen Faktoren, wie Naturschutzbelangen66 Abb. 1.1.1, Kapitel 1.1.
Zwar wurde in unserer Befragung die Energiewende im Durchschnitt als „gut“ bzw. „wün-
schenswert“ befunden, deren Umsetzung jedoch deutlich negativer bewertet, „eher schlecht
bis „ziemlich schlecht“. Aktuelle, bundesweite Repräsentativbefragungen zeigen vergleich-
bare Ergebnisse, wie beispielsweise das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer 201867. Laut
Nachhaltigkeitsbarometer spielen bei der Kritik an der Umsetzung der Energiewende
insbesondere Kosten- und Gerechtigkeitsfragen eine wichtige Rolle, aber auch der als
chaotisch wahrgenommene Verlauf der Energiewende. Die Ergebnisse unserer
Experteninterviews liefern Hinweise dafür, dass neben der oftmals als ungerecht
34
wahrgenommenen Kosten-Nutzen-Verteilung zwischen Nutznießern und Betroffenen der
Energiewende auch die räumliche Verteilung von Erneuerbare-Energien-Anlagen als
ungerecht empfunden wird (Abb. 5.1.1). Der Aspekt der „interregionalen
Verteilungsgerechtigkeit“ wurde insbesondere in den Experteninterviews in der Region
Dithmarschen mit einer der höchsten Windenergieanlagendichten in Deutschland deutlich.
Die Region habe, so der Tenor mehrerer Interviews, ihren Beitrag zur Energiewende erfüllt
und „das Maß sei nun voll“.
Übereinstimmend mit dem Nachhaltigkeitsbarometer zeigten unsere Experteninterviews als
weiteren Problembereich eine als mangelhaft empfundene Koordination der Energiewende.
Zur Illustration: Mehrere ExpertInnen, insbesondere in Dithmarschen, beschrieben Windan-
lagen, die wegen Netzengpässen vorübergehend abgeschaltet werden müssen. Dies und
die Tatsache, dass die Betreiber für die Produktionsausfälle entschädigt werden68, führe in
den betroffenen Regionen zu Unverständnis, Ablehnung und Konflikten. Auch andere Unter-
suchungen unterstreichen die Bedeutung konsistenter und kohärenter Politikformulierung
und -implementation für die lokale Akzeptanz69 von EE-Anlagen.
Unsere Experteninterviews wiesen, übereinstimmend mit anderen Untersuchungen70, auch
darauf hin, dass die Projekte nicht ausreichend nachvollziehbar in einen größeren energie-
politischen Kontext eingebunden sind. Ob kommunale Energie- und Klimaschutzkonzepte
die Akzeptanz lokaler EE-Anlagen tatsächlich fördern können, konnte im Rahmen unserer
Untersuchung nicht direkt überprüft werden. Denn kommunale Konzepte existierten in kei-
nem der drei Untersuchungsfälle. Lediglich auf Landkreisebene existierten in zwei Fällen Kli-
maschutzkonzepte. Energie- und Klimaschutzkonzepte auf Landkreisebene sind vermutlich
zu abstrakt, um lokal akzeptanzfördernd zu wirken. Die befragten AnwohnerInnen schätzten
die Energiewende zudem durchschnittlich als etwas landschafts- und naturschädigend statt
verträglich ein (Abb. 5.1.1). Gleichzeitig wurde aber durch Wind- und Solaranlagen ein stär-
kerer Beitrag für Klimaschutz gesehen (Abb. 5.1.2).
Darüber hinaus zeigten sich mehrere interessante, bivariate Zusammenhänge (r = .14 bis r
= .66): Je positiver die Energiewende eingeschätzt wurde, desto positiver fielen nicht nur die
Einstellung zu den lokalen Anlagen, insbesondere Windenergieanlagen, sondern auch die
eingeschätzte wirtschaftliche Wirkung sowie die erlebte Berücksichtigung der Schutzanlie-
gen aus. Die Beziehung zwischen der Einstellung zur Energiewende, der Akzeptanz, aber
auch der Berücksichtigung der Schutzanliegen könnte ein Ausdruck von Akzeptabilität sein
je sinnhafter die Energiewende eingeschätzt wird, desto eher werden Einflüsse auf den
Natur- und Landschaftsschutz akzeptiert.
35
6 Vertrauen
6.1 Vertrauen in AkteurInnen
6.1.1 Glaubwürdigkeit ist wichtiger als lokale Verankerung
Das Vertrauen in die Verfahren und verantwortlichen SchlüsselakteurInnen, wie beispiels-
weise InvestorInnen, ProjektiererInnen und MitarbeiterInnen der Behörden, ist eng mit der
Akzeptanz lokaler Anlagen verbunden71 Akzeptanzfaktoren, Kapitel 1. Wer die AkteurIn-
nen und Institutionen für unglaubwürdig hält, hat auch geringes Vertrauen in die Verfahren
und Entscheidungsprozesse. In der Regionenbefragung war weder eine Vertrauenskrise
noch ein Vertrauensvorschuss zu beobachten (Abb. 6.1.1.1). Höheres Vertrauen, auch in
Umwelt- und Naturschutzverbände, war jeweils mit höherer Akzeptanz verbunden nur im
Fall opponierender Bürgerinitiativen mit geringerer.
Abb. 6.1.1.1: Als wie glaubwürdig schätzen Sie folgende AkteurInnen ein?
Die Befragten schätzen keine(n) der SchlüsselakteurInnen als besonders glaubwürdig ein (Angaben als
Mittelwerte nach AkteurInnen).
Durch keine der SchlüsselakteurInnen sahen sich die AnwohnerInnen in der
Regionenbefragung mehrheitlich vertreten. Entsprechend fühlten sich die Befragten durch
Bürgerinitiativen, die gegen den Bau von EE-Anlagen eintraten, nicht besser vertreten als
durch Umwelt- und Naturschutzverbände oder KommunalvertreterInnen (Abb. 6.1.1.2). Dies
ist insofern interessant, als insbesondere die GegnerInnen des Windkraftausbaus häufig den
Anspruch erheben, die AnwohnerInnen zu repräsentieren.
36
Abb. 6.1.1.2: Windenergieanlagen: Haben Sie sich von folgenden AkteurInnen gut vertreten ge-
fühlt?
Die Befragten sahen ihre Interessen nur eingeschränkt durch Institutionen und AkteurInnen vertreten (An-
gaben in Prozent).
Die lokale Verankerung von SchlüsselakteurInnen, ProjektiererInnen und GesellschafterIn-
nen kann sich positiv auf die Akzeptanz auswirken72. Wie die Ergebnisse der Regionenbe-
fragung und anderer Studien73 zeigen, ist das persönliche Vertrauen in handelnde Personen
jedoch ausschlaggebend. Wird lokalen AkteurInnen aus welchen Gründen auch immer
nicht vertraut, ist es wahrscheinlicher, dass Widerstand erwächst. Umgekehrt können ex-
terne InvestorInnen und ProjektiererInnen durch Glaubwürdigkeit, professionelles Auftreten,
offene Kommunikation, gute Beteiligungsmöglichkeiten und finanziellen Interessenausgleich
zu einer konfliktarmen Umsetzung der Projekte beitragen.
Es überrascht indes kaum, dass sich Befangenheiten sowie Rollen- und Interessenkonflikte
lokaler EntscheidungsträgerInnen negativ auf deren Glaubwürdigkeit auswirken und dies
die lokale Akzeptanz des Ausbaus erneuerbarer Energien beeinträchtigt74. Befangenheiten
entstehen beispielsweise, wenn KommunalpolitikerInnen zugleich als Flächeneigentümer-
Innen oder InvestorInnen auftreten. Entsteht der Eindruck von „Cliquenwirtschaft“ statt Ge-
meinwohlorientierung, leidet die Akzeptanz.
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen erneut, dass Transparenz in der
Entscheidungsfindung und vertrauensbildende Maßnahmen, wie beispielsweise freiwillige
dialogorientierte Beteiligungsprozesse oder die Einbindung von MediatorInnen oder
Vertrauenspersonen75, eine wichtige Rolle für die Akzeptanzbildung spielen.
37
6.1.2 Was Vertrauen beeinflusst
Die Qualität von Akteursbeziehungen, wie bspw. gegenseitiges Vertrauen, ist eine der wich-
tigsten Voraussetzungen für die Akzeptanz von Infrastrukturplanungen76. Hierzu gehört
Vertrauen in politische Entscheidungsträger77, in Investoren bzw. Betreiber78 sowie in die
Planungs- und Entscheidungsprozesse79.
Das Vertrauen in die AkteurInnnen ist sehr stark mit persönlichen Eigenschaften wie Aufrich-
tigkeit, Glaubwürdigkeit, Reputation, Kompetenz, Fairness und Orientierung am Gemeinwohl
verbunden. Können die AkteurInnen die diesbezüglichen Erwartungen nicht erfüllen, ist das
in sie gesetzte Vertrauen eher gering und damit auch das Vertrauen in die Entscheidungs-
prozesse und Verfahren. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind eng miteinander verbunden.
Diverse Studien weisen auf die potenzielle Akzeptanzminderung durch die mangelnde
Glaubwürdigkeit von ProjektiererInnen, politisch-administrativen EntscheidungsträgerInnen
und GutachterInnen hin80.
Folgende Konstellationen können die Glaubwürdigkeit und damit die lokale Akzeptanz be-
einträchtigen:
Befangenheiten kommunaler EntscheidungsträgerInnen als direkt oder indirekt Begüns-
tigte bei der Planung und Genehmigung von EE-Anlagen81,
Persönliche und wirtschaftliche Verflechtungen zwischen ProjektiererInnen/
BetreiberInnen und politisch-administrativen EntscheidungsträgerInnen82,
Rollen- und Interessenkonflikte von Genehmigungsbehörden (z. B. Landkreise als Ge-
nehmigungsinstanzen einerseits, Windenergieanlagen-BetreiberInnen andererseits83),
Strukturelle Abhängigkeit der FachgutachterInnen von den AuftraggeberInnen (Projek-
tiererInnen) und Qualität und Glaubwürdigkeit von Artenschutzgutachten84,
Wie die Ergebnisse unserer AnwohnerInnenbefragung zeigen (s. oben) erhielt keine/r der
AkteurInnen einen deutlichen Vertrauensvorschuss. In diesem Zusammenhang wiesen die
befragten ExpertInnen in allen drei Untersuchungsregionen auf die moderierende und integ-
rierende Schlüsselfunktion der jeweiligen Bürgermeister hin, was sich in deren relativ hohen
Glaubwürdigkeits- und Vertrauenswerten widerspiegelte.
Unsere Untersuchung konnte überwiegend signifikante Zusammenhänge zwischen dem
Vertrauen in die Schlüsselakteure und der Akzeptanz in die lokalen EE-Anlagen nachweisen
(r = .26 bis r = .61). Umgekehrt konnten wir feststellen: Je geringer das Vertrauen in die
opponierenden Bürgerinitiativen war, desto höher war die Akzeptanz der lokalen EE-Anlagen
(r = ‒.33 bis r = ‒.50). Darüber hinaus konnten wir einen leicht negativen Zusammenhang
von Befangenheiten bzw. Interessenverflechtungen einerseits und der lokalen Akzeptanz der
EE-Anlagen andererseits beobachten (r = ‒.23 bis r = ‒.38).
38
6.2 Vertrauen in Information und Beteiligung
6.2.1 Erwartungen und Anforderungen
Ob AnwohnerInnen Vertrauen entwickeln, hängt primär davon ab, ob sie die erhaltenen In-
formationen als ausgewogen bewerten und die Beteiligungsmöglichkeiten an Bau und Pla-
nung der Anlagen als gerecht empfinden. Entsprechend fordern Initiativen, BürgerInnen so-
wie NaturschützerInnen ausgewogene und verständliche Information über Nutzen, Folgen
und Risiken eines Projekts sowie faire Planungsverfahren und Mitgestaltungsmöglichkei-
ten85. Die bisher angewendeten Informations- und Beteiligungsangebote86 erfüllen jedoch
nicht immer die in sie gesetzten Erwartungen87. In der Regionenbefragung zeigt sich eben-
falls ein gemischtes Bild (Abb. 6.2.1.1).
Abb. 6.2.1.1: Wie zufrieden waren Sie mit den bereitgestellten Informationen?
Windenergieanlagen: Von den Befragten zeigten sich mehr Personen zufrieden als unzufrieden mit den
Informationen jedoch war rund ein Fünftel erheblich unzufrieden (Angaben in Prozent).
39
Abb. 6.2.1.2: Wie zufrieden waren Sie mit der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung?
Bei Windenergieanlagen sahen die Befragten in den Regionen eher unbefriedigende Beteiligungsmöglich-
keiten (Angaben in Prozent).
Die rund 100 Befragten, die Informationen über den Bau von Windenergieanlagen an ihrem
Wohnort wahrgenommen hatten, waren häufiger mit diesen zufrieden als unzufrieden
allerdings war rund ein Fünftel erheblich unzufrieden. Überwiegend hatten sie Informationen
von der Gemeinde und den ProjektiererInnen erhalten, kaum über die Presse oder Bürger-
initiativen. Von Gemeinden und Landkreisen wurden mehr Informationen gewünscht.
Der Forderung nach unabhängigen Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten stehen
vielerorts knappe Ressourcen der Gemeinden gegenüber. Zudem herrscht oftmals Unsicher-
heit über die Verlässlichkeit von Informationen. Unterstützung für ausgewogene und ziel-
gruppenspezifische Informationsvermittlung bieten neutrale Organisationen, wissenschaftli-
che ExpertInnen und zahlreiche Studien88. Auch Bund und Länder unterstützen Gemeinden
und FlächeneigentümerInnen. Beispielsweise hat die Thüringer Energie- und GreenTech-
Agentur (ThEGA)89 Servicestellen für Wind- und Solarenergie zur Beratung eingerichtet
Vertrauen in AkteurInnen, Kapitel 6.1.
Das Bürgerforum „Energieland Hessen“ bietet ebenfalls umfassende Beratung und Informa-
tionen90. Das „Forum Energiedialog Baden-Württemberg“91 stellt Gemeinden bei Konflikten
professionelle ExpertInnen zur Seite; das „Kompetenzzentrum für Naturschutz und Energie-
wende“92 vermittelt bundesweit professionelle Moderation und Mediation. Durch ein breites
Angebot der Informationsvermittlung werden bereits vielerorts BürgerInnen erreicht, bei-
spielsweise mittels Infomärkten und -bussen oder Exkursionen93.
Bessere Beteiligungsmöglichkeiten sind gefragt
Gute Beteiligungsangebote lassen sich an allgemein anerkannten Qualitätsmaßstäben be-
messen. InitiatorInnen von Beteiligungsverfahren können dazu auf zahlreiche Leitfäden94 zu-
rückgreifen. Gleichwohl sollten die Angebote jeweils auf die lokalen Gegebenheiten ange-
40
passt werden. Die Praxis zeigt: Nicht nur das konkrete Vorgehen vor Ort und die Transparenz
hinsichtlich der Ziele spielen eine wichtige Rolle, sondern auch die ausgewogene Zusam-
mensetzung der TeilnehmerInnen sowie eine unparteiische und professionelle Moderation.
Das Beispiel Lauterstein zeigt exemplarisch, wie durch die Einbindung lokaler Naturschutz-
verbände mithilfe der Moderation des „Dialogforums erneuerbare Energien“95 eine von vielen
BürgerInnen mitgetragene Lösung erzielt werden konnte. Das Projekt „Demoenergie“96
bezog zufällig ausgewählte BürgerInnen unterschiedlichen Alters in den Planungsprozess
einer Stromtrasse ein. So wurde ein verzerrtes Meinungsbild in der Debatte vermieden. Wie
die Beispiele zeigen, können gut gemachte Beteiligungsverfahren helfen, die
wahrgenommene Fairness und Gerechtigkeit97 im Planungsprozesses zu erhöhen und somit
die Chance auf Vertrauen und Akzeptanz steigern.
AnwohnerInnen fordern zwar Mitsprache ein, doch ist diese über die formellen Beteiligungs-
verfahren hinaus nur begrenzt möglich. Werden Beteiligungserwartungen enttäuscht98,
erwächst wie es auch in der Regionenbefragung zum Ausdruck kam Unzufriedenheit
(Abb. 6.2.1.2). Es wurden vor allem fehlende Mitgestaltungsmöglichkeiten bemängelt und
mehr Informationen sowie Mitsprache und finanzielle Beteiligung gewünscht. Umso wichtiger
ist es, dass InitiatorInnen von Beteiligungsprozessen frühzeitig Dialoge anbieten und
gleichzeitig über die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten aufklären. Zudem wollen die
BürgerInnen wissen, wie die erarbeiteten Ergebnisse in den weiteren Planungsprozess
einfließen. Etablieren Politik und Verwaltung eine offene Beteiligungskultur, kann dies zum
Erfolg beitragen99 doch Beteiligung allein führt nicht zwangsläufig zu mehr Akzeptanz100.
6.2.2 Erfahrungen und Empfehlungen
Beteiligung, ja aber gut gemacht und den Gegebenheiten angepasst
Informelle Beteiligung bei der Planung und dem Bau erneuerbarer Energien wird von Be-
troffenen, Politik oder Wissenschaft als wichtiger Faktor zur Steigerung der Akzeptanz ange-
sehen. Informelle Beteiligung umfasst eine Reihe von verschiedenen Formaten und Metho-
den der Kommunikation und Entscheidungsfindung, die freiwillig und damit über die gesetz-
lich festgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung hinaus stattfindet. Beispiele sind etwa Runde
Tische, Planungszellen, Szenarienworkshops oder BürgerInnenräte101. Dabei zeigt sich,
dass (informelle) Beteiligung nicht per se ein Akzeptanzfaktor ist102, sondern erst durch die
an bestimmten Qualitätsmerkmalen103 und den lokalen Bedingungen angepassten Verfah-
ren104 Wirkungen erzielen können. Die Regionenbefragung bestätigt dieses Bild. Denn nur
als ausgewogen wahrgenommene Information und gut gestaltete Beteiligung zeigte eine Wir-
kung auf die Akzeptanz erneuerbarer Energien je zufriedener die Befragten mit dem Um-
fang und der Ausgewogenheit der erhaltenen Information sowie mit den Beteiligungsmög-
lichkeiten waren, desto positiver fiel die Akzeptanz aus ( Akzeptanzfaktoren, Kapitel 1). Ein
ähnliches Bild zeigt sich auch bei den (qualitativen) Ergebnissen der ExpertInnenbefragung:
Nur als gutgemacht wahrgenommene Beteiligung, die frühzeitig angesetzt, ausgewogen und
transparent gestaltet war, wurde als Faktor zur Steigerung der Akzeptanz angesehen (siehe
extra Dokument zu ExpertInnenbefragung105).
41
Umfangreiche und kontinuierliche Informationen als Schlüssel
Die Möglichkeit für Betroffene, AnwohnerInnen und organisierte Gruppen im Rahmen von
bestehenden Planungs- und Genehmigungsverfahren bei erneuerbaren Energieprojekten In-
formationen zu bekommen, wird in vielen llen als unzureichend angesehen106.
Informations- und Beteiligungsverfahren können die Informationsgrundlage verbessern.
Besonders dann, wenn eine hohe Betroffenheit vorliegt, sind frühzeitig Informationen und
eine umfassende Kommunikation zu den geplanten EE-Anlagen gewünscht107. Die
Regionenbefragung zeigte den Wunsch nach umfangreicher, kontinuierlicher Informations-
vermittlung. Dabei wünschten sich viele Befragte weitere Informationen vor allem durch die
Vorhabenträger und (lokalpolitisch) Verantwortlichen, dagegen nur wenige von Bürger-
initiativen, Parteien oder NaturschützerInnen. Auch die befragten, lokalen ExpertInnen sahen
kontinuierliche Informationen von Gemeinde und Betreiber als wichtig an: So betonten die
Befragten einer Region, dass der dortige Bürgermeister alle von Anfang an einbezogen habe
und dies maßgeblich die Akzeptanz steigerte. Wie Informationen vermittelt werden können,
sollte auf die Situation vor Ort abgestimmt sein. Unsere Regionenbefragung zeigte, dass
offene Gemeinderatssitzungen ebenso erfolgreich sein können, wie professionell moderierte
Informationsveranstaltungen oder Alltagsgespräche mit PolitikerInnen.
Gerechtigkeitswahrnehmungen berücksichtigen
Der Ausbau erneuerbarer Energien bedeutet für viele Menschen einen Eingriff in ihr gewohn-
tes Lebensumfeld, was zu Unmut und Konflikten führen kann. Ein Motiv bei Auseinanderset-
zungen sind wahrgenommene Ungerechtigkeiten, insbesondere bei Fragen der Verteilungs-
gerechtigkeit und Verfahrensgerechtigkeit108 109. Dies deckt sich mit den Ergebnissen unserer
Befragung: So waren in einer Untersuchungsregion die direkten AnwohnerInnen zufrieden
mit den Informationsveranstaltungen im Planungsprozess der Windenergieanlagen, während
die Befragten im benachbarten Landkreis sich teilweise ausgeschlossen und übergangen
fühlten. Informelle Beteiligungsverfahren können die wahrgenommene Gerechtigkeit im
Zuge von Planungs- und Entscheidungsprozessen erhöhen110. Grundsätzlich wird dabei ar-
gumentiert, dass die Betroffenen erneuerbare Energien eher akzeptieren, wenn ihre Ein-
wände in einem als fair wahrgenommenen Prozess111 gehört und ernstgenommen werden112.
Die bisherigen Planungs- und Genehmigungsverfahren und dazugehörige Öffentlichkeitsbe-
teiligung werden häufig als intransparent und schwer nachvollziehbar wahrgenommen113. Ot-
tinger, Hargrave und Hopson argumentieren, dass der Widerstand gegenüber EE-Anlagen
daher weniger auf individuelle oder egoistische Motive zurückzuführen ist, sondern vielmehr
auf den verstärkten Wunsch nach Verfahrensgerechtigkeit114.
In der Regionenbefragung zeigte sich rund ein Drittel unzufrieden mit der angebotenen
Beteiligung (Abb. 6.2.1.2). Die detaillierte Auswertung zeigte, dass die Zusammensetzung
der Teilnehmenden oder die Möglichkeit eigene Standpunkte in die Diskussion einzubringen
im Durchschnitt nur als „befriedigend“ bewertet wurden, deutlich schlechter als die
Möglichkeit der Einflussnahme auf Entscheidungen. Auch die befragten ExpertInnen
zeichneten beim Entscheidungsspielraum der Beteiligung ein unbefriedigendes Bild. Für eine
erfolgreiche Beteiligung sahen sie, dass vor allem über den Gestaltungsspielraum der
Beteiligung kommuniziert werden müsse. Eine als gerecht eingeschätzte Beteiligung muss
somit auch deutlich den Umfang der Mitgestaltung kommunizieren. Denn durch Beteiligung
geweckte falsche Erwartungen können die Chance auf Akzeptanz mindern115. In der
42
Regionenbefragung zeigte sich, dass die Erwartungen an das Beteiligungsangebot nicht
zwangsweise eine umfangreiche Mitbestimmung umfassen. Der Großteil der befragten
AnwohnerInnen wünschte sich vor allem mehr Informationen (Abb. 6.2.2.1). Zudem zeigt sich
auch, dass es für die Verbesserung der Verfahrensgerechtigkeit nicht das eine“
Beteiligungsverfahren gibt. Vielmehr muss sich Beteiligung an die lokalen Gegebenheiten
anpassen. So zeigte die ExpertInnenbefragung etwa im Fall Lauterstein, wie ein Dialog
zwischen NaturschützerInnen und Betreiber förderlich war, in Heldrungen und Neuenkirchen
dagegen eher Alltagsgespräche und Informationsveranstaltungen als wirkungsvoll
angesehen wurden.
Fazit: Beteiligung und Vertrauen bedingen sich gegenseitig
In der Befragung der ExpertInnen und der AnwohnerInnen haben sich keine starken Unter-
schiede hinsichtlich der Beurteilung von Informations- und Beteiligungsverfahren ergeben.
Es zeigt sich, dass Beteiligung allein nicht als Akzeptanzfaktor angesehen, aber die Ausge-
staltung der Verfahren als wichtig erachtet wurde. ExpertInnen wie AnwohnerInnen sehen in
einer Verbesserung der Informationsvermittlung einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanzstei-
gerung. Beide Befragungen zeigen zudem einen engen Zusammenhang zwischen Beteili-
gung und Vertrauen. Beteiligung und Vertrauen bedingen sich wechselseitig. Ohne ein Mini-
mum an Vertrauen ist Beteiligung nicht möglich. Gleichzeitig steigert Beteiligung das Ver-
trauen zwischen den beteiligten Stakeholdern und kann Konflikte abbauen. Fehlende Glaub-
würdigkeit und Misstrauen fördern Konflikte und Ablehnung. Auch in der Regionenbefragung
stand das Vertrauen in die AkteurInnen in direktem Zusammenhang mit der Akzeptanz.
Abb. 6.2.2.1: Welche Möglichkeit der Bürgerbeteiligung hätten Sie sich (noch) gewünscht? (Offene
Frage, mehrfache Nennungen möglich, Angaben in Prozent).
Bei Windenergieanlagen sahen die Befragten in den Regionen eher unbefriedigende Beteiligungsmöglich-
keiten (Angaben in Prozent).
43
6.3 Vertrauen durch Verantwortungsübernahme
6.3.1 Gemeinwohlorientierung stärkt Vertrauen
Angebote für eine finanzielle Teilhabe der BürgerInnen an EE-Anlagen oder gemeinwohlori-
entierte Kompensationen unterstützen die lokale Zustimmung Wirtschaftliche Aspekte, Ka-
pitel 4. Entsprechende Angebote finden jedoch weniger Resonanz, wenn es an Vertrauen in
die betreffenden AkteurInnen mangelt. Das Vertrauen in BetreiberInnen, InvestorInnen und
ProjektiererInnen kann sich erhöhen, wenn diese eine für die Bevölkerung wahrnehmbare,
über das gesetzlich geforderte Niveau hinausgehende Verantwortung für das Gemeinwohl
und die Belange des Umwelt-, Natur- und Artenschutzes übernehmen. Dies kann beispiels-
weise geschehen, indem sie sich freiwillig einer Umweltverträglichkeitsprüfung und einem
förmlichen Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung unterziehen116.
Gemeinwohlorientierung stärkt Vertrauen
Sich den Qualitätsanforderungen an eine frühzeitige und transparente Kommunikation und
gute Beteiligung zu stellen, ist eine weitere Form der Verantwortungsübernahme. Denn ein
möglichst konfliktarmer und als fair erlebter Planungsprozess stärkt den sozialen Zusam-
menhalt vor Ort. Ziel ist es dabei nicht, Kritik zu vermeiden, sondern zusammen mit Anwoh-
nerInnen Projekte nach deren Belangen soweit wie möglich zu optimieren. Denn es ist letzt-
lich ihr Ort, der sich verändert. Auch die freiwillige Einhaltung bestimmter Standards bezüg-
lich Verfahrensbeteiligung, finanzieller Teilhabe und Gemeinwohlorientierung, wie sie
beispielsweise in den „Leitlinien für faire Windenergie“ in Thüringen (siehe Seite 43)
formuliert sind, können Vertrauen bei Kommunen und Bürgerinnen schaffen. Die Leitlinien in
Thüringen adressieren auch Naturschutzaspekte.
Überdies kann eine transparente Flächensicherung durch ProjektiererInnen unter Einbezug
der Gemeinde zur Vertrauensbildung beitragen. Flächenpoolmodelle, die auch Eigentümer-
Innen angrenzender Flächen bei der Pacht berücksichtigen, deren Grundstücke nicht direkt
in einem Windeignungs- oder Vorranggebiet liegen ( Untersuchungsregionen im Überblick:
Beispiel des Bürgerwindparks in Neuenkirchen in Dithmarschen), können dazu beitragen,
dass die Energiewende als gerechter wahrgenommen wird. Überdies können Projektierer-
Innen oder WindparkbetreiberInnen freiwillig Nachhaltigkeitsberichte oder Gemeinwohlbilan-
zen veröffentlichen, wie es die Initiatoren einzelner Bürgerwindparks in Nordfriesland bereits
tun117. Ebenfalls hilfreich ist es, alle machbaren Immissionsminderungsmaßnahmen einzu-
setzen, wie zum Beispiel eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung. Dadurch kann fast voll-
ständig auf das nächtliche Blinken der Windenergieanlagen verzichtet werden118 119.
Unsere Untersuchung zeigte einen relativ engen Zusammenhang zwischen dem Vertrauen
in die BetreiberInnen, InvestorInnen bzw. ProjektiererInnen und deren Verantwortungsüber-
nahme für den Natur- und Artenschutz.
Oft übernehmen BürgermeisterInnen wichtige Integrations- und Vermittlungsfunktionen. Dies
war auch in unseren Untersuchungsregionen der Fall. Wenn der oder die BürgermeisterIn
als vertrauenswürdig gilt und in der Lage ist, die Planung von EE-Anlagen vermittelnd zu
begleiten, wirkt dies positiv auf die Akzeptanz. Häufig jedoch sind die ehrenamtlichen
BürgermeisterInnen mit den komplexen Planungs- und Genehmigungsprozessen
überfordert. In solchen Fällen können neutrale Organisationen den Kommunen helfen, einen
Dialog „auf Augenhöhe“ zu führen, zwischen den unterschiedlichen Interessen zu vermitteln
44
und zu offener, konstruktiver Kommunikation beitragen Vertrauen in Information und
Beteiligung, Kapitel 6.2.
Beispiele für solche Organisationen sind das „Kompetenzzentrum Naturschutz und Energie-
wende“, die Servicestelle Windenergie in Thüringen“ (siehe Infokasten), das „Dialogforum
erneuerbare Energien und Naturschutz“ in Baden-Württemberg oder das „Bürgerforum Ener-
gieland Hessen“. Diese Organisationen können sowohl von BürgerInnen als auch Kommu-
nen und ProjektiererInnen konsultiert werden (Abb. 6.3.1.1).
Abb. 6.3.1.1: Inwieweit übernehmen folgende Akteure im Rahmen des EE-Ausbaus vor Ort ökolo-
gische Verantwortung?
AkteurInnen in der ökologischen Verantwortung: Insgesamt geringe Einschätzung des jeweiligen Engage-
ments aus Sicht der Befragten (Angaben in Prozent).
Thüringer Servicestelle für Windenergie und das Gütesiegel „Partner für Faire Wind-
energie“
Die „Thüringer Energie und GreenTech-Agentur“ (TheGA) bietet mit ihrer „Servicestelle
Windenergie“ neutrale Informations-, Beratungs-, und Unterstützungsmaßnahmen für Kom-
munen, BürgerInnen und Projektierungsunternehmen. Dazu gehören regelmäßige Vor-Ort-
Termine, Sprechstunden, Unterstützung bei Rechtsfragen, Durchführung und Begleitung von
Dialogveranstaltungen sowie Hilfestellung bei Konflikten. Darüber hinaus hat die Service-
45
stelle das Gütesiegel „Partner für faire Windenergie“ entwickelt. Grundlage für dessen
Vergabe sind fünf Leitlinien für faire Windenergie. Demnach können ProjektiererInnen das
Siegel erhalten, wenn sie bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich eines transparenten
Umgangs mit Informationen, der Beteiligung von Interessengruppen, einer fairen Teilhabe
der betroffenen BürgerInnen, Kommunen und Unternehmen sowie der Einbindung lokaler
Banken und Energieversorger erfüllen. Die Leitlinien adressieren auch Naturschutzaspekte.
Das Siegel soll eine positive Differenzierung im Hinblick auf die glaubwürdige Umsetzung
von Mitspracherechten und finanzieller Teilhabe sowie die Stärkung der Wertschöpfung vor
Ort ermöglichen. Inzwischen haben sich 50 Projektierungsunternehmen vertraglich zur Ein-
haltung der Leitlinien verpflichtet und das Siegel erhalten.
6.3.2 Ökologische Verantwortung und Grenzen freiwilliger Ansätze
Neben einer hohen sozialen Verantwortung kann auch eine starke ökologische Verantwor-
tung der involvierten AkteurInnen vertrauens- und akzeptanzfördernd wirken120. Das Ver-
trauen in BetreiberInnen, InvestorInnen und ProjektiererInnen kann sich erhöhen, wenn diese
eine für die Bevölkerung wahrnehmbare, über das gesetzlich geforderte Mindestmaß hinaus-
gehende Verantwortung für das Gemeinwohl und die Belange des Umwelt-, Natur- und
Artenschutzes übernehmen.
Dies kann beispielsweise geschehen, wenn, wie in der Untersuchungsregion Neuenkirchen,
freiwillig größere Abstände zu Siedlungen eingehalten werden oder ein Prozentsatz des jähr-
lichen Umsatzes an einen eigens gegründeten Bürgerverein zur Finanzierung von sozialen
und kulturellen Zwecken gespendet werden. Solche Angebote finden jedoch weniger
Resonanz, wenn es an Vertrauen zu den betreffenden ProjektiererInnen, PlanerInnen oder
politischen EntscheidungsträgerInnen mangelt121.
In unserer Untersuchung konnten wir zwar Zusammenhänge zwischen der ökologischen Ver-
antwortungsübernahme der beteiligten AkteurInnen und der Akzeptanz der lokalen EE-Anla-
gen nachweisen (r = .26 bis r = .54). Allerdings wurde die ökologische Verantwortungsüber-
nahme im Sinne von Natur- und Artenschutz über alle EE-Anlagen und AkteurInnen hinweg
durchschnittlich nur als „gering“ bewertet. In Dithmarschen wurde weder von den befragten
ExpertInnen noch von den AnwohnerInnen der Bürgerwindparkgesellschaft eine besondere
ökologische Verantwortung zugeschrieben.
Freiwillige Maßnahmen im Sinne einer stärkeren Gemeinwohlorientierung oder ökologischen
Verantwortungsübernahme stoßen jedoch an ihre Grenzen. Denn durch den Wechsel vom
bisherigen Festpreis- zu einem wettbewerbsorientierten Ausschreibungssystem entsteht für
die gesamte Branche ein zunehmender Kostendruck. Dadurch erfahren die Unternehmen
Kosten- und Wettbewerbsnachteile, die sich jenseits von gesetzlichen normierten Mindest-
standards im Sinne des Gemeinwohls stärker sozial oder ökologisch engagieren wollen. Des-
wegen sollte über eine stärkere Honorierung freiwilliger, gemeinwohlorientierter Ansätze im
Ausschreibungssystem nachgedacht werden. Eine vergleichbare Problematik tritt auch in
anderen europäischen Staaten auf, gefordert werden u. a. stärkere Bürgerbeteiligungen122.
46
7 Natur- und Landschaftsschutz
7.1 Natur- und Landschaftsschutz vor Ort
7.1.1 Überblick: Natur- und Landschaftsschutz vor Ort
Natur und Landschaft spielen für die regionale Identität von Menschen eine bedeutende
Rolle. Wie bei allen Infrastrukturvorhaben lassen sich auch bei den Projekten der Energie-
wende Konflikte mit dem Natur- und Landschaftsschutz kaum vermeiden. Zwar hält bundes-
weit die Bevölkerungsmehrheit Landschaftsveränderungen durch Solar- und Windenergie-
anlagen für akzeptabel, gleichzeitig sollen aber die vertraute Eigenart und Schönheit von
Natur und Landschaft erhalten bleiben123. Um die Energiewende möglichst natur- und land-
schaftsverträglich umzusetzen, werden fortlaufend technische und planungsmethodische
Ansätze weiterentwickelt124.
In den untersuchten Regionen schätzten die Befragten die Berücksichtigung von Natur- und
Landschaftsschutz im Durchschnitt eher kritisch ein (Abb. 7.1.1.1). Dies ist insofern erstaun-
lich, als aufgrund teils sehr strenger Rechtsvorschriften insbesondere die Berücksichtigung
des Naturschutzes eine wesentliche Voraussetzung für die Anlagengenehmigung ist. Den
meisten Befragten waren allerdings weder die erarbeiteten Fachgutachten noch Ausgleichs-
maßnahmen bekannt Naturverträglichkeit durch Fachgutachten und Ausgleichsmaßnah-
men, Kapitel 7.2. Es wird in der Praxis also deutlich mehr für die Belange des Natur- und
Landschaftsschutzes getan, als die AnwohnerInnen wahrnehmen und anerkennen.
Abb. 7.1.1.1: Wie ausreichend wurden folgende Schutzanliegen berücksichtigt?
Aus Sicht der Befragten wurden Natur- und Landschaftsschutz wenig berücksichtigt (Angaben als Mittel-
wert).
Nur selten sahen die Befragten in den drei Regionen einen positiven Zusammenhang zwi-
schen den örtlichen Anlagen und den allgemeinen Naturschutzzielen. Das Argument, der
Ausbau erneuerbarer Energien würde über den Klimaschutz indirekt auch zum Schutz der
Natur beitragen, wurde in der Regionenbefragung nicht geteilt (Abb. 7.1.1.2) Vor- und
Nachteile aus Sicht der AnwohnerInnen, Kapitel 3.
47
Abb. 7.1.1.2: Sehen Sie positive Wechselwirkungen zwischen Naturschutzzielen und den Anla-
gen?
Die Befragten sahen kaum positive Zusammenhänge zwischen EE-Anlagen und Zielen des Naturschutzes
(Angaben als Mittelwert).
Positive Zusammenhänge zwischen den Zielen der Energiewende und den Zielen des Na-
turschutzes nur zu erwähnen, reicht offensichtlich nicht aus, um die Akzeptanz der Anlagen
zu erhöhen. Positive Wirkbeziehungen zwischen dem Klimaschutzbeitrag der Anlagen und
den Belangen des Naturschutzes müssen konkret dargestellt werden. Unerwünschte Aus-
wirkungen auf Natur und Landschaft sollten so weit wie möglich vermieden werden. Durch
die Weiterentwicklung von Sensoren können BetreiberInnen beispielsweise dafür Sorge tra-
gen, dass sich die Windenergieanlagen bei Vogelzug abschalten125. Unvermeidbare negative
Auswirkungen vor Ort dürfen nicht verschwiegen werden.
Besser kommunizieren, wie Natur und Landschaft geschützt werden
Einzelne Anlagen und damit die Energiewende möglichst naturverträglich umzusetzen, be-
dingt, die möglichen Synergien und Konflikte mit den Naturschutzbelangen frühzeitig, ange-
messen und vor allem transparent in die Planung und Entscheidung einzubeziehen. Dazu
gehört es, die obligatorischen naturschutzfachlichen Begutachtungen und deren Ergebnisse
darzulegen. Dieses gilt insbesondere für festgestellte nachteilige Auswirkungen. Uner-
wünschte „Nebenwirkungen“ von EE-Anlagen offen zu kommunizieren, schafft Vertrauen und
erhöht die Akzeptanz Vertrauen in AkteurInnen, Kapitel 6.1.
Mehr Rücksicht auf die Belange des Naturschutzes erfordert gleichzeitig sensible Abwägun-
gen mit AnwohnerInneninteressen. So ist es aus Gründen des Naturschutzes häufig besser,
Anlagen auf vorbelasteten Standorten statt in die freie Landschaft zu platzieren, doch sind
diese Standorte nicht selten näher an Siedlungen gelegen. Solche Konflikte im Zusammen-
hang mit der Flächenverfügbarkeit offen darzulegen und AnwohnerInnen frühzeitig
beispielsweise über die Erarbeitung regionaler und kommunaler Energiekonzepte in die
Planungen einzubeziehen, kann zu besseren Lösungen führen und somit die Akzeptanz
verbessern Vertrauen in Information und Beteiligung, Kapitel 6.2.
48
In der Regionenbefragung zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen der erlebten Be-
rücksichtigung von Vögeln und Fledermäusen und der lokalen Akzeptanz. Die ExpertInnen
aus den Befragungsregionen sahen dagegen befürchtete Veränderungen des Landschafts-
bildes als eine zentrale Akzeptanzgröße im Planungsverfahren. Diese Einschätzung deckt
sich mit Erfahrungen aus anderen Planungs- und Genehmigungsverfahren im Bereich der
Windenergienutzung, in denen der Schutz des Landschaftsbildes häufig einen deutlich
größeren Raum einnimmt als der von Tieren und Pflanzen126. Eng verbunden mit der Kritik
an der Veränderung des Landschaftsbildes sind Sorgen um befürchtete störende Geräusche
durch Windenergieanlagen und daraus resultierende negative Einflüsse auf Immobilien-
preise Erfahrungen im Wohnumfeld, Kapitel 8.
7.1.2 Nachverträglichkeitskriterien und Erfahrungen
Im Kontext der vorliegenden Studie umfasst der Faktor Umweltverträglichkeit die Schutzbe-
lange des Menschen, der Natur sowie der Landschaft, genauer des Landschaftsbildes. Hier-
bei geht es zum einen um von Menschen erlebte Belästigungen durch die EE-Technologien
und zum anderen um Aspekte der wahrgenommenen Natur- und Landschaftsverträglichkeit
von EE-Projekten. Für das vorliegende Forschungsprojekt mussten hinsichtlich der betrach-
teten Naturverträglichkeitskriterien Einschränkungen gemacht werden, da die Befragten die
Kriterien selbst einschätzen sollten. Da die Begrifflichkeiten und verschiedenen Dimensionen
des Naturschutzes, wie sie beispielsweise vom Bundesnaturschutzgesetz aufgespannt
werden (Artenschutz, Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, Landschaftsbild etc.), in der
Wahrnehmung von BürgerInnen oft zusammengezogen werden und verschwimmen, wurde
in der Befragung von Naturschutz als Artenschutz und Landschaftsschutz gesprochen. In der
Befragung wurde daher besonderes Augenmerk auf das Spannungsfeld zwischen der
Berücksichtigung von Naturschutz im Verhältnis zum Menschenschutz und dessen Wahr-
nehmung durch die örtliche Bevölkerung gelegt. Die primäre Forschungsfrage war, wie groß
der Einfluss des Faktors Naturverträglichkeit auf die Akzeptanz von EE tatsächlich ist und ob
ein als naturverträglich wahrgenommener Ausbau von EE zu einer Steigerung der Akzeptanz
führt. Hier wurde auch untersucht, wann der Ausbau von EE als naturverträglich bewertet
wird aus Sicht der lokalen ExpertInnen und AnwohnerInnen. Darüber hinaus war ebenfalls
von Interesse, ob und welche Unterschiede es zwischen der Bewertung des Schutzes der
Natur und des Schutzes der Landschaft bzw. genauer des Landschaftsbildes hinsichtlich der
Akzeptanz von EE gibt.
Wie jede andere Infrastrukturmaßnahme ist auch der Ausbau erneuerbarer Energien mit viel-
fältigen Wirkungen verbunden, die sich je nach Technik und Standort mehr oder weniger auf
die Belange des Landschafts- und Artenschutzes auswirken können. Auch „grüne“ Techno-
logien, die dem Ziel dienen, die Umwelt oder in diesem Fall das Klima zu schützen, können
nachteilige Auswirkungen auf Belange des Naturschutzes haben, die es zu berücksichtigen
gilt. Je nach EE-Sparten und den damit typischerweise verbundenen Wirkfaktoren kann das
eine Vielzahl der nach den Zielen des Naturschutzes relevanten Belange betreffen, beispiels-
weise den Schutz von Vögeln und Fledermäusen, den Artenschutz in der Agrarlandschaft,
den Schutz von Boden, Luft und Gewässern oder den Schutz der ästhetischen Qualität der
Landschaft127. In den konkreten Planungsverfahren sollte hinreichend deutlich gemacht wer-
den, dass diese „Risiken und Nebenwirkungen“ der Nutzung erneuerbarer Energien ernst
genommen werden und dass dies eine wesentliche Voraussetzung für die Genehmigung ist.
49
Eigene Erfahrungen aus Beteiligungsverfahren zu konkreten Planungen zur Nutzung erneu-
erbarer Energien zeigen, dass mögliche Beeinträchtigungen von Naturschutzbelangen nicht
nur von Naturschutzverbänden oder -behörden eingebracht werden, sondern in zunehmen-
dem Maße auch von Bürgerinitiativen oder Einzelpersonen. Dabei wird in der Regel argu-
mentiert, das konkrete Projekt würde ungerechtfertigte Beeinträchtigungen von Naturschutz-
belangen verursachen, weshalb der Plan oder das konkrete Projekt aufzugeben oder zu
modifizieren sei. Besonders hervorzuheben sind auch befürchtete Auswirkungen auf das
Landschaftsbild bzw. der Landschaftsästhetik128. Gleichzeitig ist der rechtliche Schutzstatus
der ästhetischen Dimension des Naturschutzes verglichen mit dem der potenziell betroffenen
Vogel- und Fledermausarten nur sehr gering. Aufgrund dieses Ungleichgewichts dürfte sich
die angeführte Konzentration auf Artenschutzanliegen verstärken wenngleich auch die Re-
gionenbefragung Artenschutzanliegen als wichtiges Anliegen bestätigte.
Generell gibt es keine absoluten Maßstäbe für die Naturverträglichkeit oder besser -unver-
träglichkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien. Jede Anlage, die zur Nutzung erneuerba-
rer Energien errichtet wird, ist neben den positiven Wirkungen auf das Klima auch mit
Wirkungen verbunden, die sich negativ auf einzelne Aspekte von Natur- und Landschaft
auswirken können. Diese Auswirkungen auf die einzelnen Schutzbelange sind im konkreten
Fall anhand rechtlicher Maßstäbe zu bewerten. Die Bewertung der Naturverträglichkeit der
Energiewende als Ganzes ist also nicht absolut, sondern nur relativ im Sinne von möglichst
naturverträglich zu fassen. Hierfür sind die unterschiedlichen aus § 1 des
Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) abzuleitenden drei Zielkategorien namentlich 1)
biologische Vielfalt, 2) Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts und 3) Vielfalt,
Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft bestimmend, aus
denen die Belange des Naturschutzes abzuleiten sind. Damit diese Kriterien zur
Einschätzung der Naturverträglichkeit nachvollzogen werden konnten, wurde in der
Regionenbefragung die Bewertung der Naturverträglichkeit konkreter Maßnahmen nicht
streng im Hinblick auf die rechtlich definierten Ziele und Maßstäbe des
Bundesnaturschutzgesetzes abgefragt, sondern vielmehr im Hinblick auf die subjektiven
Erfahrungen der AnwohnerInnen. Dieses war bei der Wahrnehmung des Landschaftsbildes
gewährleistet, seltener aber bei biotischen- oder abiotischen Naturschutzbelangen. Letztere
werden häufig erst durch wissenschaftliche Begutachtung deutlich. Die konkreten
Begutachtungsergebnisse werden aber häufig nicht wahrgenommen, wie auch die
Regionenbefragung zeigte. Die Wirkungen der erneuerbaren Energien auf die Belange des
Naturschutzes schätzten die Befragten dennoch kritisch ein. Um empirisch objektivere
Einschätzung zu unterstützen, sollten entsprechend die Ergebnisse von Gutachten stärker
vermittelt werden. Gleichzeitig gilt es, das Vertrauen in die Gutachten zu gewährleisten.
50
7.2 Fachgutachten und Ausgleichsmaßnahmen
7.2.1 Erfahrungen und Empfehlungen
Sollen Infrastrukturvorhaben genehmigt werden, fordern die Rechtsvorschriften des Bundes
und der Länder eine umfassende Ermittlung der voraussichtlichen Auswirkungen auf Natur
und Umwelt. Das gilt auch für die Zulassung von EE-Anlagen. In der Regel müssen Antrag-
stellerInnen eine Vielzahl von Fachgutachten vorlegen. Ob diese Gutachten den fachlichen
Mindeststandards und gültigen Maßstäben entsprechen, die in verschiedenen Länderleitfä-
den und -erlassen definiert sind, ist von AnwohnerInnen oft kaum zu beurteilen129. Sie müs-
sen daher den GutachterInnen oder prüfenden Behörden vertrauen, sich also auf die Urteile
anderer verlassen.
Gutachten transparent erstellen und vermitteln
Um die Qualität von Gutachten besser beurteilen zu können, bieten unabhängige Stellen
Unterstützung an130. Auch die Mitwirkung von ExpertInnen aus örtlichen Naturschutzverbän-
den an den Gutachten oder deren öffentliche Diskussion kann das Vertrauen stärken.
AnwohnerInnen können dies einfordern, ProjektiererInnen initiativ anbieten. Dies erhöht so-
wohl die Glaubwürdigkeit der Gutachten als auch ihre lokale Bekanntheit. Im
„Beteiligungsleitfaden Windenergie“ des Naturschutzbundes Deutschland Landesverband
Baden-Württemberg finden sich weitere konkrete Hinweise131.
In der Regionenbefragung kannten nur etwa 20 Prozent der Befragten die zu den Windparks
erstellten Gutachten (Abb. 7.2.1.1); ein noch geringerer Anteil die Gutachten zu den Solar-
und Biogasanlagen. Befragte, die etwas zu den Gutachten sagen konnten, schätzten die für
Solarparks erstellten als gut ein, Gutachten für Windenergieanlagen wurden schlechter
bewertet (Abb. 7.2.1.2).
Abb. 7.2.1.1: Können Sie Aussagen zu der Begutachtung/ dem Begutachtungsprozess der Wind-
anlagen vor Ort machen (ja/nein)?
Nur etwa 20 Prozent der Befragten kannten die zu den Windenergieanlagen erstellten Gutachten.
51
Abb. 7.2.1.2: Wie beurteilen Sie die fachliche Qualität und Unabhängigkeit der Begutachtung?
Windenergieanlagen: Die Befragten bewerten die Qualität der Natur- und Landschaftsschutzgutachten nur
als befriedigend (Angaben in Schulnoten; Mittelwerte).
Die Begutachtungen sollten stärker als bisher kommuniziert werden. Es gilt herauszustellen,
welche Untersuchungen durchgeführt werden, über welche Qualifikation die beauftragten
GutachterInnen verfügen, nach welchen Vorgaben die Gutachten erstellt werden, inwieweit
lokale ExpertInnen einbezogen wurden und wie die Ergebnisse lauten. Nicht zuletzt muss
auch offen über die jeweils ermittelten Probleme informiert werden132.
Bund und Länder schreiben vor, erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst zu
vermeiden, die Folgen so gut es geht zu mindern oder falls dies nicht möglich ist durch
geeignete Maßnahmen auszugleichen. So können für Windenergieanlagen Abschaltzeiten
festgesetzt werden, um die Tötung von Vögeln oder Fledermäusen zu vermeiden. Zudem
werden für alle Projekte Ausgleichsmaßnahmen oder Ausgleichszahlungen festgelegt, die
Beeinträchtigungen kompensieren sollen. Fraglich ist allerdings, wie sichtbar diese vor Ort
werden. In der Regionenbefragung waren nur wenigen AnwohnerInnen entsprechende
Ausgleichsmaßnahmen bekannt, mit denen sie zudem nur eingeschränkt zufrieden waren
(Abb. 7.2.1.3). Dass die sichtbare Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen für die Akzeptanz
relevant ist, belegt die Regionenbefragung ebenfalls: Je sinnvoller die Maßnahmen für das
Landschaftsbild empfunden und je größer ihr Beitrag für den Naturschutz eingeschätzt
wurden, desto höher war die örtliche Akzeptanz der Vorhaben auch im Falle der Windparks.
In für die BürgerInnen wahrnehmbaren Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen liegt also
ein bedeutender Ansatz für akzeptable Lösungen.
Ausgleichsmaßnahmen vor Ort durchführen
Auch viele BranchenvertreterInnen plädieren dafür, Beeinträchtigungen möglichst nah am
Ort des Eingriffs in die Natur auszugleichen. Dagegen sind rein finanzielle Ausgleichsabga-
ben wenig hilfreich für die Akzeptanz. Denn deren Verwendung durch die Behörde können
die BürgerInnen häufig kaum nachvollziehen. Für AnwohnerInnen sind jedoch sichtbare und
für sie relevante Ausgleichsmaßnahmen vor Ort ausschlaggebend.
Ein gutes Beispiel für kreative Ausgleichsmaßnahmen ist der „Solarpark auf nassen Füßen“,
wo durch die Anlage von offenen Wasserflächen innerhalb des Solarparks ein Lebensraum
für Amphibien entstand133.
Abb. 7.2.1.3: Wie zufrieden waren Sie mit dem Einsatz der Ausgleichs- bzw. Ersatzmaßnahmen?
Die Befragten waren wenig zufrieden damit, wie Ausgleichszahlungen für Windenergieanlagen verwendet
wurden (Angaben als Mittelwerte).
7.2.2 Ressourcen und Vertrauen
Selbst wenn bekannt war, dass im Zuge der Planung Gutachten zu den möglichen Auswir-
kungen der Anlagen auf Mensch, Natur und Landschaft erarbeitet wurden, fühlten sich die
Befragten nur selten in der Lage deren Qualität zu beurteilen. Wie in der Regionenbefragung
ist auch andernorts eher „Skepsis gegenüber Gutachten und Entscheidungen der Genehmi-
gungsbehörden zu beobachten“134. Weil die GutachterInnen vom Antragsteller beauftragt
und bezahlt werden, wird deren Unabhängigkeit in den Verfahren nicht selten in Zweifel ge-
zogen und der Vorwurf der Erstellung von „Gefälligkeitsgutachten“ erhoben135. Auch den Be-
hörden, die die Qualität der Gutachten und die Einhaltung der dafür geltenden Mindeststan-
dards überprüfen sollen, wird nicht selten die Fähigkeit oder der Wille abgesprochen, dieses
gewissenhaft und im Sinne des Gemeinwohls zu tun. Das liegt zum einen daran, dass vom
Sachverständigenrat für Umweltfragen schon seit 2007136 und bis heute nicht zuletzt von den
Behörden selber beklagt wird, dass die Umweltbehörden personell zu schlecht ausgestattet
sind, um ihren Kontrollaufgaben angemessen nachkommen zu können. Auch die Branche
fordert eine Verbesserung der Personalausstattung der Genehmigungsbehörden und sieht
darin ein wichtiges Mittel zur Akzeptanzsteigerung von Genehmigungsentscheidungen137.
Gleichzeitig scheint das Vertrauen der BürgerInnen in den Staat und seine Behörden in einer
Krise. Immer mehr wird in Zweifel gezogen, dass sich das behördliche Handeln an Bürger-
und Gemeinwohlinteressen orientiert. Laut einer Forsa-Umfrage im August 2019 halten
sechs von zehn Deutschen den Staat für überfordert138. Vor diesem Hintergrund sollte es ein
wichtiges Anliegen sein, das Vertrauen in Gutachten zu stärken. Dieses kann zum Beispiel
durch eine Zertifizierung der Gutachter geschehen, wie es beispielsweise mit einem RAL-
Gütezeichen erfolgt oder es könnten in den Planungs- und Genehmigungsverfahren externe
Projektmanager eingesetzt werden, um die behördlichen Aufgaben zu unterstützen. Die 9.
Bundesimmissionsschutzverordnung, nach der u.a. auch Windparks genehmigt werden,
eröffnet explizit die Möglichkeit, dass die Genehmigungsbehörde auf Kosten des
Antragstellers ProjektmanagerInnen einschaltet. Da diese von außerhalb kommen, werden
sie nicht selten leichter als neutrale Institution akzeptiert, als die Behörde selbst.
52
53
8 Erfahrungen im Wohnumfeld
8.1 Ergebnisse der Regionenbefragung
EE-Anlagen sind an strenge Immissionsschutzauflagen gekoppelt. Doch solange die
Anlagen nicht in Betrieb sind, sind manche AnwohnerInnen unsicher, inwieweit diese ihr
Lebensumfeld tatsächlich beeinflussen. Insbesondere bei Wind- und Biogasanlagen stehen
auch bei AnwohnerInnen Naturschutzbedenken im Vordergrund. Bei Windenergieanlagen
kommen zusätzlich Unsicherheiten hinsichtlich deren Geräusche, bei Biogasanlagen
hinsichtlich des zu erwartenden erhöhten Verkehrsaufkommens durch Anlieferungen hinzu.
Wie sich die Anlagen tatsächlich auf das Wohnumfeld auswirken, können im Umfeld lebende
AnwohnerInnen am besten beurteilen. Insgesamt fühlen sich AnwohnerInnen von Windener-
gieanlagen durchschnittlich in geringem Ausmaß belästigt, wie auch die Regionenbefragung
zeigte (Abb. 8.1.1) unabhängig vom Wohnabstand139. In der Regionenbefragung fühlten
sich die im Norden Befragten signifikant am stärksten gestört; Ost und Süd unterschieden
sich nicht.
Abb. 8.1.1: Ich fühle mich gestört durch …
Die Befragten fühlten sich durchschnittlich wenig durch Biogas- und Windenergieanlagen gestört, minimal durch Solaranlagen
(Angaben als Mittelwerte).
Bemerkenswert ist der enge Zusammenhang zum Planungsprozess und der Einstellung zur
Energiewende: Je kritischer die AnwohnerInnen Energiewende, Verfahrensgerechtigkeit und
Informationsausgewogenheit sowie das Vertrauen in die beteiligten AkteurInnen einschätz-
ten, desto stärker fühlten sie sich durch den Betrieb der Energieanlagen gestört. Wie zuvor
beschrieben, können die AkteurInnen zumindest insofern positiven Einfluss nehmen, indem
sie die Verfahren vor Ort fair und positiv gestalten sowie in regionale Gesamtkonzepte
einbetten und nachvollziehbar kommunizieren.
Insgesamt fühlen sich AnwohnerInnen wenig durch EE-Anlagen gestört, GegnerInnen
hingegen deutlich stärker.
Zur häufig diskutierten Geräuschwirkung von Windenergieanlagen existiert inzwischen eine
Reihe von Studien, die verbindlichen wissenschaftlichen Standards genügen. Diese na-
tionalen wie internationalen Studien verdeutlichen: Ein signifikant erhöhtes Krankheitsrisiko
konnte nicht festgestellt werden140. Auch die AnwohnerInnen der Regionenbefragung nah-
men kaum Gesundheitseinflüsse wahr (Abb. 8.1.2).
54
Jedoch gibt es Befragte, die über psychische oder körperliche Auswirkungen durch
Anlagengeräusche berichten. Die Anzahl dieser AnwohnerInnen liegt jedoch beispielsweise
deutlich unter der Anzahl jener, die durch Verkehrslärm stark belästigt sind141. Vergleichbar
mit den bereits erwähnten Studien wurden die Immissionen von Windenergieanlagen
durchschnittlich maximal als mittelmäßig störend eingeschätzt, bei Biogasanlagen
Verschmutzungen und Gerüche (Abb. 8.1.3).
Abb. 8.1.2.: Ich fühle mich beeinträchtigt in meiner …
Die Befragten fühlten sich in ihrer Gesundheit und Freizeit kaum durch EE-Anlagen beeinträchtigt (Angaben als
Mittelwerte).
Abb. 8.1 3: Stören Sie …
Windenergie- und Biogasanlagen: Geräusche und Straßenverschmutzung erleben die Befragten durchschnitt-
lich als mittelmäßig störend. (Angaben als Mittelwerte).
In der Regionenbefragung beschrieben nur sehr wenige AnwohnerInnen Symptome, die sie
auf die Solar- oder Biogasanlagen zurückführten (0,6 respektive 1,9 Prozent). Für Windener-
gieanlagen fand sich ein mit anderen Studien142 vergleichbarer Anteil von rund zwölf Prozent
55
der Befragten, die berichteten, mindestens einmal im Monat körperliche Auswirkungen, wie
Unwohlsein oder Schlafstörungen, zu verspüren. Häufiger berichteten Befragte (19 Prozent),
mindestens einmal im Monat beispielsweise Gereiztheit, negative Stimmungen oder Gefühle
der Hilflosigkeit zu erleben.
Betroffen waren fast ausschließlich GegnerInnen: Rund 84 Prozent derer, die von Sympto-
men berichteten, waren aktiv oder passiv gegen den Bau der Windenergieanlagen gewesen.
GegnerInnen sahen zudem signifikant häufiger von ihrem Grundstück aus auf die Anlagen
als andere AnwohnerInnen (83,3 gegenüber 68,0 Prozent). Zudem ist bekannt, dass nega-
tive Erfahrungen aus dem Planungsprozess mit einer später empfundenen Belästigung in
Zusammenhang stehen143 auch in der Regionenbefragung erklärten sich die GegnerInnen
signifikant stärker durch den Planungs- und Bauprozess belastet.
Es ist davon auszugehen, dass die negativen Erfahrungen fortwirken und auch das Erleben
der in Betrieb befindlichen Anlagen beeinflussen. Um mehr positive Erfahrungen zu ermög-
lichen, gilt es, Planungsprozesse sowie Bau und Betrieb so sensibel und nachhaltig wie mög-
lich zu gestalten und die AnwohnerInnen über Vorgaben und machbare Minderungsmaßnah-
men frühzeitig zu informieren und sie als lokale ExpertInnen einzubeziehen.
Zudem ist anzuerkennen, dass die Einwände von AnwohnerInnen und NaturschützerInnen
maßgeblich dazu beigetragen haben, die Planung und Genehmigung von Windenergieanla-
gen zu verbessern sowie die Optimierung der eingesetzten Technologien voranzutreiben.
Ein konkretes Beispiel ist der Einsatz sogenannter Schattenwurfmodule, die dafür sorgen,
dass Windenergieanlagen abgeschaltet werden, sobald deren Rotoren mehr als 30 Minuten
am Tag Schatten auf Wohnbereiche werfen. Abschaltzeiten zum Schutz von Vögeln und
Fledermäusen sowie eine bedarfsgerechte Hinderniskennzeichnung, durch die sich die
Lichter der Windenergieanlagen nur dann einschalten, wenn sich ein Flugzeug nähert, sind
weitere Beispiele. AnwohnerInnen können sich bei neutralen Organisationen über die vorge-
schrieben und machbaren Minderungsmaßnahmen erkundigen und diese einfordern, Betrei-
berInnen diese proaktiv anbieten144.
8.2 Stresskonzept und Studienvergleich
Solaranlagen werden nicht mit negativen Auswirkungen auf das Wohlbefinden verbunden,
bei Biogasanlagen sind die negativen Auswirkungen im Wohnumfeld unmittelbar erfahrbar
Geruch, Verkehrsaufkommen, Verschmutzungen. Anders verhält es sich mit den Geräu-
schen von Windenergieanlagen. Zwar liegen zusammen mit der hier berichteten Regionen-
befragung bisher rund drei Dutzend wissenschaftlich verlässliche Studien vor, die erfassen,
wie häufig und wie stark AnwohnerInnern tatsächlich durch Anlagengeräusche
belästigt werden. Einerseits werden diese Studien überwiegend in internationalen,
wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert und sind daher entsprechend schwer
zugänglich. Andererseits gibt es bislang nur wenige Studien, die anhand objektiver
Messungen die Erschütterungs- und Schallemissionen durch Windenergieanlagen in
der Wohnumgebung untersuchen. Besorgte AnwohnerInnen können entsprechend
leichter verunsichert werden, wenn sie mit Behauptungen zu Schallwirkungen konfrontiert
werden, die nicht auf tatsächlichen, wissen-schaftlich haltbaren Messungen in der
Wohnumgebung von Windenergieanlagen basieren.
56
In der Forschung zur Belästigung durch Windenergieanlagen werden AnwohnerInnen in der
Regel gebeten, auf einer Skala von „gar nicht“ bis „sehr“ einzuschätzen, wie stark sie sich
belästigt fühlen145. Damit ist aber noch nicht hinreichend erfasst, ob es sich um ein gestört
sein im Sinne einer Ablehnung handelt so, wie auch andere Dinge im Alltag stören oder
ob es tatsächlich auch zu Stressbeschwerden kommt146. In der Regionenbefragung fragten
wir daher die AnwohnerInnen auch danach, ob sie körperliche oder psychische Symptome
in Zusammenhang mit den EE-Anlagen erlebten wie auch in unseren weiteren Studien zur
Wirkung von Windenergieanlagen auf AnwohnerInnen147. Erfasst wurde zudem, wie häufig
die jeweiligen Beschwerden auftraten (»nie« (0) bis »etwa täglich« (4)). Eine Person wurde
dann als stark belästigt klassifiziert, wenn sie mindestens a) sich durch eine Immission mit-
telstark belästigt fühlte und b) dazu ein Symptom angab, das mindestens einmal im Monat
auftrat. Als Symptom galt auch, wenn mindestens einmal im Monat schlechte Stimmung
durch die Anlagen auftritt. Trotz dieser weitgefassten Symptome fanden sich in der
Regionenbefragung nur die bereits erwähnten 12 Prozent stark belästigter AnwohnerInnen.
„Nur“ bezieht sich allein auf die relativ geringe Anzahl der Betroffenen, soll aber nicht die
erlebten Belastungen in Frage stellen. Auch andere, nationale wie internationale Studien
belegen, dass für die Mehrheit der AnwohnerInnen von Windparks keine Belästigungen
ausgehen. Beispielweise gaben zunächst 10 Prozent der BewohnerInnen des Windparks
Wilstedt, Niedersachen, Belästigungen mit Stresssymptomen an. Nachdem die störenden
Geräusche durch eine wissenschaftliche Studie analysiert werden konnten, in der auch
betroffene BürgerInnen selbst Geräusche mit Audiorekordern aufnahmen, nahm die Anzahl
stark Belästigter auf 6 Prozent ab. Als plausible Erklärung für die Geräuschbelästigung fand
sich z.B. eine Amplitudenmodulation148. Dies mag zu den positiven Veränderungen beigetra-
gen haben, denn die Forschungsergebnisse konnten Unsicherheiten und Interpreta-
tionsspielräume reduzieren und so die Sorge um die Geräuschbelästigung etwas mindern.
Die erwähnte Studie am Windpark Wilstedt begleitete die AnwohnerInnen über mehrere
Jahre und ist die bisher weltweit einzige dieser Art. Um Verunsicherungen vorzubeugen
und gleichzeitig herauszufinden, wie Geräusche von Windenergieanlagen noch weniger
belästigend gestaltet werden können, sind wie auch bei dem Monitoring von Vögeln und Fle-
dermäusen zuverlässige Methoden notwendig. Ein entsprechendes „AnwohnerInnen-Moni-
toring“ ist zu empfehlen. Als positiver Ansatz in diese Richtung sei auf das Forschungsprojekt
„Objektive Kriterien zu Erschütterungs- und Schallemissionen durch Windenergieanlagen im
Binnenland“ (TremAc) verwiesen149, in welchem objektive Schallmessungen durchgeführt
wurden, verbunden mit umfangreichen Befragungen betroffener AnwohnerInnen. Die Pro-
jektergebnisse lagen bereits vor, waren aber noch nicht veröffentlicht, als dieses Skript ver-
fasst wurde. Durch die Projektmitarbeit war aber bereits bekannt, dass keine deutlichen Hin-
weise auf Belästigungen durch nicht hörbaren Schall gefunden wurden150.
57
Anhang
Endnoten
1 Soziales Nachhaltigkeitsbarometer (2018); Naturbewusstseinsstudie (2017)
2 Förderkennzeichen: 3516830100
3 Das Modell wurde statistisch mittels einer Regressionsanalyse überprüft und leistete eine
sehr gute Aufklärung der Akzeptanz konkret der Einstellung zu den lokalen An-
lagen; korrigiertes R2 = .76.
4 siehe Radtke und Kersting (2018)
5 z.B. Eichenauer (2018); Weber und Jenal (2018)
6 z.B. Scherhaufer et al. (2017)
7 z.B. Reusswig et al. (2016); DezentZiivl (2014); Demoenergie
8 z.B. Langer, Decker und Menrad (2017)
9 z.B. Hübner & Pohl (2015); Devine-Wright und Howes (2010)
10 z.B. Reusswig et al. (2016); Scherhaufer et al. (2017)
11 Sonnberger und Ruddat (2017); Soziales Nachhaltigkeitsparameter (2018)
12 z.B. Ellis und Ferraro (2016)
13 https://unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/grafik-dossier-zur-jaehrlichen-akzep-
tanzumfrage-der-agentur-fuer-erneuerbare-energien (Zugriff: 01.11.2019);
https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/akzeptanz/umfragesynopsen.html
(Zugriff: 01.11.2019)
14 FA Wind (2017); Schweizer-Ries, Rau und Zoellner (2009)
15 http://www.pw-portal.de/energiewandel/40689-die-anfechtung-der-energiewende-un-mut-
befoerdert-rechtspopulistisch-nutzbare-konflikte (Zugriff: 01.11.2019);
Agentur für Erneuerbare Energien (2018) (http://www.unendlich-viel-energie.de/;
Zugriff: 01.11.2019)
16 z.B. Hoen et al. (2018); Hübner und Pohl (2015); Agentur für Erneuerbare Energien (2018)
(https://www.unendlich-viel-
energie.de/media/image/28041.AEE_akzeptanzumfrage2018_Zustimmung_EE_in_N
achbarschaft_72dpi.jpg; Zugriff: 01.11.2019)
17 Beispiele: Agentur für Erneuerbare Energien (2018); FA Wind (2018)
(https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/akzeptanz/umfragesynopsen/
stimmungsbild-windkraft-thueringen-2018.html; Zugriff: 1.11.2019);
FA Wind (2017): (https://www.fachagentur-
windenergie.de/themen/akzeptanz/umfragesynopsen/stimmungsbild-onshore-baden-
wuerttemberg-2017.html; Zugriff: 01.11.2019)
18 Agentur für Erneuerbare Energien (2018)
19 Hübner et al. (2018)
58
20 z.B. DezentZivil (2014)
21 Ellis und Ferraro (2016); Hübner et al. (2019b)
22 z.B. Baxter, Morzaria und Hirsch (2013); Firestone et al. (2018); Hoen et al. (2019)
23 Albizu, Pagani und Brink (2018)
24 Firestone et al. (2018)
25 Hübner et al. (2019a)
26 siehe Batel et al. (2015)
27 z.B. Soziales Nachhaltigkeitsbarometer (2018)
28 Hübner und Pohl (2015)
29 Hoen et al. (2019).
30 Soziales Nachhaltigkeitsbarometer (2018)
31 Vgl. Hübner und Pohl (2015): Fühlen sich AnwohnerInnen durch die Windenergieanlagen
belästigt, schätzen sie auch den Klimaschutzbeitrag geringer ein, s. Pohl, Gabriel und
Hübner (2014).
32 Je höher der Beitrag der lokalen Windenergieanlagen zum Klimaschutz eingeschätzt wur-
de, desto höher fiel die Akzeptanz aus und je höher die Beeinträchtigung von Arten
und dem Landschaftsbild gesehen wurde, desto geringer fiel die Akzeptanz aus.
Zusammen erklärten die drei Einschätzungen 58 Prozent der Akzeptanz, wobei der
Klimaschutzbeitrag das stärkste Gewicht aufwies (r = .55), gefolgt von Arten- (r = -.28)
und Landschaftsbeeinträchtigungen (r = -.17).
33 Schliep et al. (2017) weitere Quelle (http://millenniumassessment.org/documents/docu-
ment.355.aspx.pdf; Zugriff: 01.11.2019)
34(https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-
energiewende/solarenergie/04300.html (Zugriff: 01.11.2019)
35 Schöbel (2018)
36(https://www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-
akzeptanz/akzeptanz.html (Zugriff: 01.11.2019)
37(https://www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-
akzeptanz/akzeptanz.html (Zugriff: 01.11.2019)
38 Bspw. bilden Schweizer-Ries, Rau und Zoellner (2010) und Lienhoop (2018) die Wir-
kungen auf die regionale Wirtschaft als wichtigen Akzeptanzfaktor in ihren empirischen
Untersuchungen ab.
39 So führen bspw. Fahrenkrug, Melzer und Scheepmaker (2016, S. 27) die Bedenken der
Energiewendegegner bezüglich einer gerechten Verteilung der Kosten und (auch
ökonomischen) Nutzen des EE-Ausbaus an. Dombrowski (2019) führt diesem Aspekt
die Bedeutung einer finanziellen wie zugleich auch planerischen Beteiligung an.
59
40 In Regionen mit Standorten von EE-Unternehmen und bundesweit betrachtet sind Ar-
beitsplätze allerdings ein wichtiger Faktor. Hinweise finden sich in O’Sullivan, Edler und
Lehr (2018) und in Hirschl, Aretz und Böther (2015).
41 Ergebnis der Regionenbefragung, vgl. Hübner et al. (2019a).
42 Beispiele für Energiegenossenschaften finden sich in der Datenbank des Netzwerk Ener-
giewende jetzt e.V. (https://www.energiegenossenschaften-
gruenden.de/energiegenossenschaften-und-projektentwickler-suchen.html; Zugriff:
01.11.2019)
43 Einen Überblick zu möglichen Gesellschaftsformen und anderen Aspekten direkter finan-
zieller Beteiligungsmöglichkeiten geben Schweizer-Ries, Rau und Zoellner (2010).
Hinweise zur Wirkung finanzieller Teilhabe auf die lokale Akzeptanz geben darüber
hinaus bspw. Tabi und Wüstenhagen (2015) und Reusswig et al. (2016).
44 In der Gemeinde Heldrungen wurde ein Sponsoringvertrag zwischen dem WEA-Betreiber
und den GrundstückseigentümerInnen auf der einen und der Gemeinde auf der
anderen Seite geschlossen
(https://sabowind.de/de/aktuelles/sabowind-feiert-einweihung-wp-heldrungen;
Zugriff: 01.11.2019).
In Lauterstein wurde eine BürgerInnenstiftung gegründet, finanziell gestützt durch die
Pachteinnahmen der WEA
(https://www.lauterstein.de/images/lau_pdf/KBSL_Satzung.pdf; Zugriff: 01.11.2019).
In Neuenkirchen hat man sich für einen BürgerInnenverein entschieden, an welchen
laut Aussagen der Geschäftsführung des BürgerInnenwindparks jährlich 1 Prozent der
erhaltenen Einspeisevergütung fließen. Alle drei Konstrukte geben die finanziellen
Mittel an lokale Vereine, Einrichtungen und Projekte.
45 Z.B. bietet die Westphalen Windstrom GmbH AnwohnerInnen im Paderborner Land einen
vergünstigten regionalen Windstromtarif an (https://www.westfalenwind.de; Zugriff:
01.11.2019).
46 vgl. bspw. Vogel (2005) und Quack und Thiele (2015)
47 So ergeben sich bspw. bei Ziesemer (2012) und bei Hessisches Ministerium für Wirtschaft,
Energie, Verkehr und Landesentwicklung (2017) nur jeweils geringe Anteile von
befragten Touristen, die sich durch Windenergieanlagen gestört fühlen. Ein geringer
einstelliger Prozentteil der Befragten gibt an, wegen des beeinträchtigten Land-
schaftsbildes und anderer Auswirkungen nicht wiederkommen zu wollen. Der
BAEDEKER Reiseführer „Deutschland – Erneuerbare Energien erleben“ soll EE-
Regionen dabei unterstützen ihren EE-Ausbau und ihre touristische Attraktivität zu
verknüpfen.
48 Für den US-amerikanischen Immobilienmarkt finden bspw. Hoen et al. (2015) und für den
deutschen Markt Stadt Aachen (2011) keinen Zusammenhang. Frondel et al. (2018)
dagegen weisen zwar schwache Effekte auf Immobilienpreise in Deutschland nach, die
aber von anderen Strukturfaktoren überlagert werden.
60
49 Ein Online-Rechner zur vereinfachten Abschätzung regionaler Wertschöpfungs- und Be-
schäftigungseffekte durch erneuerbare Energien findet sich beim kommunalen Infor-
mationsportal der Agentur für erneuerbare Energien e.V. (http://www.kommunal-
erneuerbar.de/kommunale-wertschoepfung/rechner.html; Zugriff: 01.11.2019).
Eine Vielzahl an regionalen Fallstudien, sowie Studien zur regionalen Wertschöpfung
und Beschäftigung durch erneuerbare Energien finden sich auf der Webseite des
Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung
(https://www.ioew.de/frisch-im-ioew-fokus/kommunale-wertschoepfung;
Zugriff: 01.11.2019).
50 vgl. bspw. Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg (2017)
51 vgl. Landtag Brandenburg (2019)
52 Informationen zum Forschungsprojekt des IÖW finden sich unter
(https://www.ioew.de/projekt/finanzielle_beteiligung_von_betroffenen_kommunen_bei
_planung_bau_und_betrieb_von_erneuerbaren_energ/; Zugriff: 01.11.2019). Die AG
Akzeptanz/Energiewende der Bundesregierung wurde mit einem ursprünglichen
Zeitplan bis zum 31. März 2019 eingesetzt (vgl. Deutscher Bundestag, 2019), hat ihre
Arbeit aber Anfang September 2019 noch nicht abgeschlossen.
53 Vgl. Agora Energiewende (2018, S. 35ff) für die Diskussion im deutschen Kontext;
García et al. (2016) haben in einem Choice-Experiment die Vorzugswürdigkeit
staatlicher Kompensationsinstrumente gegenüber direkten privaten Kompensations-
pfaden ermittelt.
54 Bspw. untersuchten Musall und Kuik (2011) zwei deutsche Windenergie-Regionen und
kommen zu dem Schluss einer positiven Wirkung der ökonomischen Beteiligung von
Kommune und Einwohnern auf die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung. Ellis und
Ferraro (2016, S. 42ff) geben einen Überblick über Studien zu diesem Zusammenhang
in anderen Ländern. Hoen et al. (2019) betonen, dass finanzielle Kompen-
sationsmechanismen in ungünstigen Fällen neue Konflikte erzeugen können und finan-
zielle Beteiligungsangebote auch als Bestechung wahrgenommen werden können.
Letzteres führen auch Itten und Mono (2014) als Grund für eine integrierte planerische
und finanzielle Beteiligung an.
55 vgl. Verband kommunaler Unternehmen (2016)
56 vgl. Lenk et al. (2015, S. 27)
57(Eine Synopse aktueller Umfragen zur Akzeptanz der Windenergienutzung und der
Energiewende finden sich auf der Website der Fachagentur Wind
(https://www.fachagentur-windenergie.de/themen/akzeptanz/umfragesynopsen.html;
Zugriff: 01.11.2019).
58 vgl. hierzu beispielsweise die Ergebnisse des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers zur
Energiewende, welches 2018 vom Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung
in Potsdam veröffentlicht wurde (https://www.iass-potsdam.de/de/news/soziales-nach-
haltigkeitsbarometer-zur-energiewende-zeigt-breite-zustimmung-aber-zweifel-der;
Zugriff: 01.11.2019)
61
59 vgl. zu diesem Aspekt auch die Ergebnisse und Empfehlungen des vom Bundes-
ministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes „Energie-
konflikte Akzeptanzkriterien und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Energiewende“
(http://www.energiekonflikte.de; Zugriff: 01.11.2019)
60 vgl. hierzu Reusswig et al. (2016)
61 Rau, Walter und Zoellner (2011); Hildebrand, Rau und Schweizer-Ries (2012); FA Wind &
IASS (2017) (https://www.fachagentur-windenergie.de/fileadmin/files/Beteiligung/
FAWind_IASS_Ergebnispapier_Fachgespraech_Beteiligung_Segelsetzen_10-2017;
Zugriff: 01.11.2019)
62 Regionen, Kommunen und Städte, die ihre Energieversorgung auf lange Sicht vollständig
auf erneuerbare Energien umstellen wollen. Derzeit gibt es über 150 Landkreise,
Gemeinden, Regionalverbünde und Städte in Deutschland, die dieses Ziel verfolgen.
(http://www.100-ee.de; Zugriff: 01.11.2019)
63 vgl. die Projektwebseite der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
(https://bioenergiedorf.fnr.de/ bioenergiedoerfer/was-ist-ein-bioenergiedorf/;
Zugriff: 01.11.2019)
64 Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) stellt beispielsweise
Kurzinformationen auf seiner Website zur Verfügung (https://www.naturschutz-
energiewende.de/fragenundantworten/148-2/; Zugriff: 01.11.2019).
Zur Vertiefung empfiehlt sich die 2018 vom Umweltbundesamt veröffentlichte Studie
von Memmler, Lauf und Schneider (2018)
(https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2018
-10-22_climate-change_23-
2018_emissionsbilanz_erneuerbarer_energien_2017_fin.pdf; Zugriff: 01.11.2019).
Des Weiteren die Studie von Bauer et al. (2017). Eine deutsche Zusammenfassung
findet sich unter (http://www.bfe.admin.ch/themen/00526/index.html?lang=de&dos-
sier_id=05238; Zugriff: 01.11.2019).
65 siehe bspw. Sonnberger, Marco, Ruddat und Michael (2017)
66 Korrelationskoeffizient r = .75, siehe Tabelle 1.2.1
67 Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) (2018): Soziales Nach-
haltigkeitsbarometer der Energiewende 2018 (https://www.iass-potsdam.de/de/news/-
soziales-nachhaltigkeitsbarometer-energiewende-2018; Zugriff: 01.11.2019).
68 Dieser Aspekt wurde in mehreren Experteninterviews in der Region Neuenkirchen
hervorgehoben.
69 vgl. hierzu die Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsprojektes „Energiekonflikte
Akzeptanzkriterien und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Energiewende“, insbe-
sondere Reusswig et al. (2016) und Eichenauer (2016); des Weiteren Langer et al.
(2016); Roßnagel et al. (2016); Scherhaufer et al. (2017)
70 Eichenauer (2016); Devine-Wright et al. (2017)
62
71 Auf diesen Zusammenhang verweisen neben unserer Untersuchung verschiedene andere
Studien, wie bspw. Huijts, Molin und Steg (2012); Langer et al. (2016); Walker et al.
(2010); Wolsink (2012); Wüstenhagen, Wolsink & Bürer (2007).
72 bspw. Jobert, Laborgne und Mimler (2007); Enevoldsen und Sovacool (2016)
73(bspw. Walker et al. (2010); Hall, Ashworth und Devine-Wright (2013); Karpenstein-
Machan, Wüste und Schmuck (2013)
74 siehe bspw. Eichenauer (2018)
75 Vgl. hierzu die Empfehlungen des Forschungsprojektes „Entscheidungen über dezentrale
Energieanlagen in der Zivilgesellschaft (Dezent Zivil)“, das 2013 bis 2017 vom BMBF
gefördert wurde (http://www.transformation-des-energiesystems.de/projekt/dezent-
zivil; Zugriff: 01.11.2019).
76 Hall, Ashworth und Devine-Wright (2013); Ellis und Ferraro (2016), Walker et al. (2010);
Wolsink (2012)
77 Jones und Eiser (2009); Huber und Horbaty (2010)
78 Wüstenhagen et al. (2007); Soland et al. (2013)
79 Langer et al. (2016)
80 Eichenauer (2016)
81 Eichenauer (2017)
82 Bradtka (2016); Neumann (2016); Klaus und Traufetter (2016)
83 Bradtka (2016)
84 Eichenauer (2017); Bradtka (2016)
85 siehe dazu Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende (2017)
86 Informelle Beteiligung umfasst alle Formate und Methoden der Beteiligung, die freiwillig
und gesetzlich nicht festgeschrieben sind. Ein Überblick zur informellen Beteiligung
liefert beispielsweise das Handbuch Bürgerbeteiligung von Patrizia Nanz und Miriam
Fritsche (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/76038/handbuch-
buergerbeteiligung; Zugriff: 01.11.2019).
Auch die Online-Plattform (www.participedia.net; Zugriff: 01.11.2019) gibt Auskunft
über internationale Beispiele zu Beteiligungsformaten und -methoden.
87 Gute Beispiele für die Öffentlichkeitsbeteiligung bei Windenergieanlagen finden sich etwa
bei der Fachagentur Wind (https://www.fachagentur-
windenergie.de/beteiligung/datenbank-goodpractice.html; Zugriff: 01.11.2019).
88(Die Fachagentur Wind gibt einen ersten Überblick über wissenschaftliche Studien zu
Beteiligung und Teilhabe (https://www.fachagentur-
windenergie.de/themen/beteiligungundteilhabe.html; Zugriff: 01.11.2019).
89(Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) (www.thega.de/wind-gewinnt;
Zugriff: 01.11.2019)
63
90(Energieland Hessen (www.energieland.hessen.de/beratung-information; Zugriff:
01.11.2019)
91 Forum Energiedialog Baden-Württemberg (www.energiedialog-bw.de; Zugriff: 01.11.2019)
92(Kompetenzzentrum für Naturschutz und Energiewende: (www.naturschutz-energie-
wende.de). Für eine Übersicht zu weiteren Angeboten auf Landesebene siehe Ab-
schnitt AnsprechpartnerInnen.
93(Beispiele für Formate: Infomarkt Nauenburg (www.energieland.hessen.de/nauenburg:
Zugriff: 01.11.2019);
Eberstadt: Exkursion zu Windkraftanlagen
(http://www.energiedialog-bw.de/eberstadt-exkursion-zu-windkraftanlagen/;
Zugriff: 01.11.2019);
Runder Tisch in Engelsbrand (https://www.energiebeteiligt.de/wp-
content/uploads/2016/01/Runder-Tisch-zur-Windkraft-in-Engelsbrand.pdf;
Zugriff: 01.11.2019)
94 Einen Überblick über die Leitfäden bietet das Netzwerk Bürgerbeteiligung. Speziell zur
Energiewende siehe die FA Wind Broschüre „Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung im
Kontext der Windenergie Von der Theorie in die Praxis“ (https://www.fachagentur-
windenergie.de/fileadmin/files/Veroeffentlichungen/FA_Wind_fruehzeitige_Oeffentlich
keitsbeteiligung_Theorie_Praxis_2017-12.pdf; Zugriff: 01.11.2019).
Zudem gibt es auf der Homepage der FA Wind eine Übersicht zu Beteiligungsleitfäden
(https://www.fachagentur-
windenergie.de/themen/beteiligungundteilhabe/linksammlung-zum-thema-
beteiligung.html; Zugriff: 01.11.2019).
95(das Dialogforum erneuerbare Energien des NABU und BUND Baden-Württemberg
(https://baden-wuerttemberg.nabu.de/umwelt-und-leben/klima-und-
energie/dialogforum-erneuerbare-energien/index.html; Zugriff: 01.11.2019);
(https://www.iass-potsdam.de/de/forschung; Zugriff: 01.11.2019)
96 Demoenergie (www.iass-potsdam.de/de/forschung/demoenergie; Zugriff: 01.11.2019)
97 zu Fragen der Gerechtigkeit siehe auch das Projekt Energiekonflikte Akzeptanzkriterien
und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Energiewende (http://energiekonflikte.de/;
Zugriff: 01.11.2019)
98 siehe dazu etwa das Forschungsprojet Klima-Citoyen: Neue Rollen, Möglichkeiten und
Verantwortlichkeiten der BürgerInnen in der Transformation des Energiesystems”
(http://www.transformation-des-energiesystems.de/sites/default/files/Klima-
Citoyen_Wegweiser.pdf; Zugriff: 01.11.2019)
99 siehe zur Bedeutung der Einbettung des Beteiligungsverfahrens in bestehende Verfahren
und den Kontext Richter et al. (2016) (http://publications.iass-
potsdam.de/pubman/item/escidoc:1443976:3/component/escidoc:1443980/IASS_Wor
king_Paper_1443976.pdf; Zugriff: 01.11.2019)
64
100 Es zeigt sich, dass es neben einem Großteil der Menschen vor Ort, die sich etwa Mit-
sprache bei Windenergieprojekten wünschen (siehe Soziales Nachhaltigkeitsbarome-
ter der Energiewende 2017) auch Personengruppen gibt, die kein Interesse an aktiver
Partizipation haben; siehe dazu FA Wind, 2017: Ergebnisse der anwendungsorien-
tierten Sozialforschung zu Windenergie und Beteiligung (https://www.fachagentur-
windenergie.de/fileadmin/files/Beteiligung/FA_Wind_Ergebnisse_Sozialforschung_FO
NA_2017-01-11_web.de.pdf; Zugriff: 01.11.2019).
101r eine generelle Übersicht siehe Participedia (2015) (http://www.participedia.net/; Zugriff:
01.11.2019); für Verfahren bei erneuerbaren Energien siehe IASS (2019): IASS |
Energiebeteiligt (https://www.energiebeteiligt.de/; Zugriff: 01.11.2019)
102 Tabi und Wüstenhagen (2017); Schweizer und Bovet (2016)
103 Ottinger, Hargrave und Hopson (2014, S. 663)
104 Richter et al. (2016); IASS (2016)
105(https://www.bfn.de/themen/gesellschaft/bildung-kommunikation-und-
akzeptanz/akzeptanz.html (Zugriff: 01.11.2019)
106 siehe für Windenergieanalagen etwa FA Wind (2018)
107 Renn (2015b, S. 150)
108 Verteilungsgerechtigkeit bezieht sich hier auf die Verteilung von Kosten, Lasten und
Erträgen von EE-Projekten am Standort. Verfahrensgerechtigkeit kann als die
Möglichkeit der von einer Standortentscheidung oder anderen umweltpolitischen
Maßnahmen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, Stakeholdern oder organisierten
Interessen gleichberechtigt in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen zu sein,
definiert werden (Schlosberg 2007). Wir konzentrieren uns im Folgenden auf
Verfahrensgerechtigkeit, da Verteilungsgerechtigkeit in Kapitel 4 unter „Wirtschaftliche
Aspekte“ behandelt wird.
109 Gross (2007); Cain und Nelson (2013, S. 209); Mundaca, Busch und Schwer (2018);
Bailey und Darkal (2018); Eillis und Ferano (2016)
110 Cain und Nelson (2013); Gross (2007)
111 In der Literatur wird argumentiert, dass ein Beteiligungsprozess diese Wirkungen erzielt,
wenn er sie nach bestimmten Qualitätsmerkmalen, wie Fairness, Transparenz oder
Effektivität ausgestaltet ist. So zeigt sich, dass die Zusammensetzung der Teil-
nehmenden in Beteiligungsformaten sowie der Zugang zur Debatte innerhalb des
Verfahrens eine wichtige Rolle spielen (Renn 2015a, S. 146; Hildebrand 2015, S. 137).
Ottinger, Hargrave und Hopson (2014) arbeiten in ihrer Studie zu Windenergieplanung
heraus, dass im Rahmen von Beteiligungsverfahren auch für weniger ressourcenstarke
Akteure die Möglichkeit der Mitsprache gegeben sein muss (2014, S. 667). Die
Formate sollten offen gestaltet sein und allen Teilnehmenden die Möglichkeit geboten
werden ihre Argumente, Meinungen und Präferenzen vorzubringen.
112 Wolsink (2007a); Gross (2007)
113 Huge und Roßnagel (2018); Barth et al. (2018); EnergieAgentur.NRW (2014)
65
114 Ottinger, Hargrave und Hopson (2014, S. 663)
115 Renn et al. (2017)
116 siehe bspw. Roßnagel et al. (2016)
117 siehe die Gemeinwohlbilanz des BürgerInnenwindparks Grenzstrom Vindtved GmbH &
Co. KG in Ellhöft (https://balance.ecogood.org/gwoe-berichte/energie/grenzstrom-
vindtved/2017-gwoe-bericht-4-1-grenzstrom.pdf/view; Zugriff: 01.11.2019)
118 FA Wind (2019)
119 Rudolph, Plappert und Vollmer (2019)
120(siehe bspw. Strub und Ziegler (2009): Code of Conduct für Windkraftprojekte.
Machbarkeitsstudie. Schlussbericht. 19.02.2009
121 bspw. Friedl und Reichl (2016)
122 Ellis und Ferraro (2016)
123 BfN (2016): Naturbewusstseinsstudie des Bundesamtes für Naturschutz
124 http://www.natur-und-erneuerbare.de/ (Zugriff: 01.11.2019); Schöbel (2012)
125 Rudolph, Plappert und Vollmer (2019)
126 vgl. Donnerstag (2017)
127 Demuth et al. (2014); Gehrlein et al. (2017)
128 Ellis und Ferraro (2016); Schmidt et al. in press; Schuler et al. (2017); Wolsink (2007b)
129 Eine Übersicht über die aktuell gültigen Länderregelungen findet sich beispielsweise auf
der Internetseite der Fachagentur Windenenergie an Land unter
(https://www.fachagentur-windenergie.de/veroeffentlichungen/laenderinformationen/;
Zugriff: 01.11.2019).
130 z.B. das „Kompetenzzentrum für Naturschutz und Energiewende“ oder „Dialogforum
erneuerbare Energien und Naturschutz“ in Baden-Württemberg
131 Moning (2018)
132 Das Dialogforum erneuerbare Energien und Naturschutz des NABU und BUND in Baden-
Württemberg erarbeitet aktuell einen Kodex zur Arbeitsweise bei der Erstellung von
Fachgutachten.
133 https://www.dialogforum-energie-natur.de/wpcontent/uploads/2018/12/Beteiligungsleitfa-
den_ Windenergie_BUND_NABU_2014.pdf (Zugriff: 01.11.2019)
134 Hessen Agentur (2018)
135 Hessen Agentur (2018): Bürgerforum Energieland Hessen.
Fachdialog „Qualitätssicherung naturschutzfachlicher Gutachten im Rahmen von
Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen in Hessen“ –
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Fachdialog auf einen Blick
(https://www.energieland.hessen.de/Fachdialog_Qualitaetssicherung_Gutachten;
Zugriff: 01.11.2019)
66
136 SRU 200
137 vgl. BDEW (2019)
138 Handelsblatt (20.08.2019): Das Vertrauen in den Staat schwindet.
Beitrag von Frank Specht
(https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/forsa-umfrage-das-vertrauen-in-
den-staat-schwindet/24922300.html?ticket=ST-17757435-caIGEvmpkdwUAF40wXKj-
ap1; Zugriff: 01.11.2019).
139 Hübner und Pohl (2015)
140 Poulsen et al. (2018a,b); Michaud et al. (2016a,b,c)
141 Pohl, Gabriel und Hübner (2018)
142 Pohl, Gabriel und Hübner (2018); Pohl, Gabriel und Hübner (2014)
143 Hübner und Pohl (2015); Pohl, Gabriel und Hübner (2018)
144 Rudolph, Plappert und Vollmer (2019)
145 z.B. Michaud et al. (2016a,b,c); Pedersen et al. (2009); Poulsen et al. (2018a,b);
Rudolph et al. (2017)
146 Baum, Singer und Baum (1984); Bell et al. (1990)
147 z.B. Hübner und Löffler (2013); Hübner et al. (2019b); Pohl, Hübner und Mohs (2012);
Pohl, Gabriel und Hübner (2018)
148 Pohl, Gabriel und Hübner (2018)
149 Das Forschungsverbundprojekt TremAc wurde gefördert vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags,
Förderkennzeichen (FKZ) 0325839.
150 Der Abschlussbericht wird auf der Internetseite des TremAc-Projekts veröffentlicht
(www.windfors.de/tremac.html).
67
Untersuchungsregionen im Überblick
Ein Ziel des Vorhabens AcceptEE war es, mit Hilfe von drei regionalen Fallbeispielen das
Integrierte Akzeptanzmodell zu testen und seine Belastbarkeit zu überprüfen. Deshalb sollten
die Untersuchungsregionen eine möglichst große Spannbreite in Bezug auf ihre geographi-
sche Lage, naturschutzfachliche Bedeutung, Biodiversität sowie Charakteristika des Land-
schaftsbildes aufweisen. Ein weiteres Augenmerk bei der Auswahl der Fallregionen waren
unterschiedliche Möglichkeiten der Verfahrensbeteiligung und finanziellen Teilhabe der Be-
völkerung. Außerdem sollten in jeder der drei Regionen jeweils Anlagen der EE-Sparten
Windenergie, Photovoltaik (Freifläche) und Biogas vertreten sein. Von neun Fallregionen, die
in die engere Auswahl kamen, wurden die Gemeinden Neuenkirchen (Schleswig-Holstein),
Heldrungen (Thüringen) und Lauterstein (Baden-Württemberg) ausgewählt.
Neuenkirchen liegt im Kreis Dithmarschen und hat knapp 1.000 EinwohnerInnen. Die Ge-
meinde liegt in einer flachen, strukturarmen Marschlandschaft. Der intensiv landwirtschaftlich
genutzte Raum ist aus naturschutzfachlicher Sicht wenig interessant. Eine Ausnahme bildet
das NSG Weißes Moor auf dem Gemeindegebiet. Weitere naturschutzfachlich bedeutsame
Gebiete in der Region sind die Eidermündung im nördlichen Teil Dithmarschens, der Spei-
cherkoog im Küstenbereich und der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. In
der Gemeinde Neuenkirchen stand der Bau eines Bürgerwindparks im Fokus der Untersu-
chung, der von örtlichen Landwirten und Flächenbesitzern initiiert wurde. Der Windpark um-
fasst insgesamt 12 Anlagen an drei Standorten, die 2015 in Betrieb genommen wurden. Wei-
tere Untersuchungsobjekte sind eine PV-Freiflächenanlage bestehend aus 2 Teilprojekten
und Biogasanlage, die jeweils von Privatpersonen betrieben werden.
Heldrungen hat 2.188 EinwohnerInnen (2018) und befindet sich im Kyffhäuserkreis. Die
Kleinstadt ist Teil des südlichen Unstrut-Berg- und Hügellandes. Das Gebiet ist stark bewal-
det und wird überwiegend forstwirtschaftlich genutzt. Als Industriestandort kommt der Region
eine geringe Bedeutung zu, allerdings ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die
Landschaft steht zu einem Großteil unter Schutz. Die Wälder wurden lange Zeit als Nieder-
oder Mittelwald genutzt und sind daher mit licht- und wärmebedürftigen Arten ausgestattet
und sehr orchideenreich. Doch auch die Offenstandorte haben eine hohe naturschutzfachli-
che Bedeutung. In Heldrungen wurde neben einer PV-Freiflächenanlage und einer Biogas-
anlage in einer im Verband organisierten Nachbargemeinde die Erweiterung eines bereits
bestehenden Windparks untersucht. Der Windpark grenzt an das Naturschutzgebiet Hohe
Schrecke und wird von einem externen Projektierer betrieben.
Die Gemeinde Lauterstein hat 2.586 EinwohnerInnen (2017) und liegt im Landkreis Göppin-
gen am Fuß der Schwäbischen Alb. Angrenzend an Lauterstein befindet sich das Land-
schaftsschutzgebiet Kaltes Feld sowie das Naturschutzgebiet Kaltes Feld. Zudem liegt west-
lich der Ortschaft das Naturschutzgebiet Heldenberg. Der untersuchte Windpark Lauterstein
mit 16 Windenergieanlagen wurde 2016 auf den Hängen eines Fichtenwaldes errichtet, der
forstwirtschaftlich genutzt wird und aus naturschutzfachlicher Sicht eher eine untergeordnete
Rolle spielt. Darüber hinaus wurde eine Biogasanlage in Lauterstein und der Solarpark Gnan-
nenweiler als Untersuchungsobjekte herangezogen.
Die Rahmenbedingungen wie auch die Erfahrungen mit der Nutzung erneuerbarer Energien
unterscheiden sich in den drei untersuchten Gemeinden zum Teil erheblich. Neuenkirchen
sowie die Stadt Heldrungen befinden sich in eher strukturschwachen Regionen, wohingegen
68
das Gebiet Lautersteins von der aufstrebenden Entwicklung der Region Stuttgart profitiert.
Unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten können die Standorte Lauterstein und insbe-
sondere Heldrungen als bedeutsamer bewertet werden als Neuenkirchen. Während in den
Nachbargemeinden Neuenkirchens bereits eine Vielzahl von Windenergieanlagen existieren
und der Grad der technischen Prägung der Landschaft insgesamt sehr hoch ist, stellte der
Windpark in Lauterstein Neuland für die Gemeinde dar. Auch in Heldrungen waren bereits
Erfahrungen mit Windenergieanlagen vorhanden, da die untersuchten Anlagen eine Er-
weiterung des bestehenden Windparks darstellen. Die Windenergieanlagen in Heldrungen
und Neuenkirchen stehen auf Acker- bzw. Grünland, die Anlagen in Lauterstein befinden sich
auf einem Waldstandort. Im Gegensatz zu den beiden anderen Gemeinden bildete sich in
Neuenkirchen im Zuge der Planungen um den Bürgerwindpark eine Bürgerinitiative gegen
den Windenergieausbau. Alle Gemeinden verbindet, dass die untersuchten PV-Freiflächen-
anlagen und die Biogasanlagen vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit in der öffentlichen
Wahrnehmung erfahren, da es sich in allen Fällen um relativ kleine Anlagen handelt, die sich
in Ortsrandlage befinden.
Abb. A1: Deutschlandkarte mit Neuenkirchen in Schleswig-Holstein, Heldrungen in Thüringen,
Lauterstein in Baden-Württemberg.
69
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