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Bienenstöcke, Feuerwasser und Suffragetten: Der „traurige“ Fall von Ellen S. Tupper (1822–1888), „Bienenfrau“ und „Bienenkönigin aus Iowa“

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ELLEN S. TUPPER war eine bekannte amerikanische Bienenzüchterin des 19. Jahrhunderts, die vor allem in der Zeit kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg aktiv war. Sie arbeitete als Autorin und Imkerin, wobei ihr Fokus primär auf unternehmerische Interessen und sich ergebenden Gelegenheiten lag. Im Jahr 1869 wurde sie die erste Herausgeberin eines entomologischen Journals. Kurze Zeit später wurde sie Mitglied der Suffragettenvereine im Mittleren Westen, welche zu dieser Zeit eng mit den Mäßigungsvereinen verbunden waren und welche die Einführung von Prohibitionsgesetzen forderten. Unter den Suffragetten hatte ELLEN S. TUPPER bald die Rolle einer Vorbildfigur als erfolgreiche Unternehmerin inne. Zusammen mit ANNIE NOWLIN SAVERY (1831-1891), einer der tonangebenden amerikanischen Suffragetten ihrer Zeit, gründete sie die "Italian Bee Company". Für einen kurzen Zeitraum importierte und vertrieb ELLEN S. TUPPER erfolgreich Bienen aus Italien und deren Königinnen an ein interessiertes Imkerpublikum. Zugleich setzte sie sich aktiv dafür ein, dass sich die Imkerei als eine angemessene Tätigkeit für Frauen etablierte. Ihre Berichte über die künstliche Befruchtung von Bienenköniginnen in menschlicher Obhut sorgten für lebhafte und kontroverse Diskussionen in der Imkergemeinschaft, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wurde sie zur ersten Dozentin für Apiologie ernannt. Zudem war sie die erste Frau, die auf einen offiziellen Posten einer nationalen entomologischen Gesellschafft gewählt wurde; auf derselben Sitzung wurden zudem mehr als 30 Suffragetten Mitglied der "North American Beekeepers' Society". Dies war ein symbolischer und möglicherweise sogar ein entscheidender Moment für die Bemühungen von Frauen in der angewandten Entomologie des 19. Jahrhunderts. Ihre Betriebsamkeit brachte ihr bald Spitznamen wie "The Iowa Queen Bee" oder "The Bee Woman" ein. Finanzielle Schwierigkeiten beendeten jedoch die meisten ihrer unternehmerischen Tätigkeiten. Ihre Arbeit als Imkerin und Editorin nahm ein schmachvolles Ende, nachdem ihr vorgeworfen wurde, Bankwechsel gefälscht und in Umlauf gebracht zu haben. Sie wurde verhaftet, letztendlich aber auf Grund verminderter Zurechnungsfähigkeit freigesprochen. Dieser Fälschungsskandal hat allerdings die Bedeutung ELLEN S. TUPPERs für die Geschichte von Frauen in der Wissenschaft überlagert. Als Frau eines Farmers in einer der Grenzstädte des Wilden Westens, in einem Bezirk, in welchem zu Beginn noch nicht einmal eine Druckpresse existierte, war es ihr möglich, eine erfolgreiche und eindrucksvolle Karriere als Redakteurin zu beginnen. Mit ihrer Arbeit rekrutierte sie und eine kleine Gruppe gleichgesinnter Unterstützer praktisch mehr Frauen für entomologische Gesellschaften als alle anderen europäischen und amerikanischen Institutionen im 19. Jahrhundert zusammen. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahrzehnten unternahm sie einen starrköpfigen, konsequenten und effektiven Kreuzzug, um Frauen davon zu überzeugen, Imkerinnen zu werden.
3D-overview of Des Moines (ANDREAS 1875), briefl y after the time when ELLEN S. TUPPER relocated to the city and established the "Italian Bee Company" together with ANNIE N. SAVERY. The legend at the bottom of the map identifi es by embedded numbers several landmarks of old Des Moines. The noted "Savery House", however, is not the "Savery House" but the old "Savery Hotel". The private home of ANNIE N. SAVERY, where the company originally kept its bees, is not shown on the map, because it had been destroyed by a fi re. It was located along one of the bluffs of the Racoon River (river in the front), at the feet of the small hill on the left side of the engraving. ELLEN S. TUPPER's Des Moines home and famous bee farm in the Cottage Grove was located behind that hill. The map in general illustrates Des Moines as a rapidly growing city with for its time modern features such as multiple railways, a telegraphic line, several steam-powered factories and a horse driven streetcar. Particularly the railways lines were important for the "Italian Bee Company", which tried to upscale the Italian queen bee shipping business. (Image source: Library of Congress, Geography and Map Division; house locations were reconstructed from ANONYMOUS 1874y; NOUN 1969; NOUN & BOHLMANN 2002 and information that can be found in the "National Bee Journal"). Abb. 8: 3D-Übersicht von Des Moines (ANDREAS 1875) kurz nach der Zeit, als ELLEN S. TUPPER in die Stadt zog und zusammen mit ANNIE N. SAVERY die "Italian Bee Company" gründete. Die Legende am unteren Bildrand identifi ziert mit Hilfe von im Bild eingebetteten Nummern verschiedene Wahrzeichen des alten Des Moines. Das markierte "Savery House" ist allerdings das "Savery Hotel". Das private Heim von ANNIE N. SAVERY, wo die "Italian Bee Company" ihre Bienen hielt, ist nicht mehr auf der Karte dargestellt, da es bereits von einem Feuer zerstört worden war. Das "Savery House" stand nahe einer der Uferböschungen des Racoon River (Fluss im Vordergrund), am Fuße des kleinen Hügels, der auf der Karte am linken Rand zu sehen ist. Das Haus von ELLEN S. TUPPER befand sich hinter diesem Hügel im sogenannten Cottage Grove. Die Karte im Gesamten zeigt Des Moines als eine damals rapide wachsende Stadt mit vielen für die damalige Zeit modernen Errungenschaften, wie beispielsweise das Vorhandensein mehrerer Eisenbahnlinien, einer Telegraphenstation, dampfbetriebener Fabriken und einer von Pferden gezogenen Straßenbahn. Insbesondere die Eisenbahnanbindung war für die "Italian Bee Company" von großer Wichtigkeit, um das Versandgeschäft von italienischen Bienenköniginnen auszudehnen. Bildquelle: Library of Congress, Geography and Map Division; die rekonstruierten Ortsangaben in der Bildunterschrift basieren auf ANONYMOUS 1874y; NOUN 1969; NOUN & BOHLMANN 2002 sowie Informationen aus dem "National Bee Journal".
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“Hammel successfully illuminates how the production and circulation of Barber’s work was deeply affected by contemporary attitudes towards gender and race within the colonial context of the nineteenth-century Cape. This fascinating book is destined to become a landmark in the history of science in South Africa.” —Nigel Penn, University of Cape Town, South Africa “This book is an original study of the contributions of a woman scientist. It is the most detailed study of its kind...The book will make a significant addition to the global literature that examines the colonial and gendered dimensions of the history of science.” —William Beinart, University of Oxford, UK “Moving seamlessly between biographical, local and international frames, this book provides a fresh look at the global knowledge transformations of the nineteenth century.” —Kirsten McKenzie, University of Sydney, Australia This book explores the life and work of Mary Elizabeth Barber, a British-born settler scientist who lived in the Cape during the nineteenth century. It provides a lens into a range of subjects within the history of knowledge and science, gender and social history, postcolonial, critical heritage and archival studies. The book examines the international importance of a marginalized scientist, the instrumentalisation of science to settlers' political concerns and reveals the pivotal but largely silenced contribution of indigenous African experts. Including a variety of material, visual and textual sources, this study explores how these artefacts are archived in museums and critically analyses their content and silences. The book traces Barber’s legacy across three continents, offering insights into the politics of memory and history-making.
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Zusammenfassung Folgt man der traditionellen Auffassung zur Bedeutung von Mendels Experimenten, so wurden seine Arbeiten zunächst verkannt und gerieten für Jahrzehnte in Vergessenheit, bevor sie " wiederentdeckt " und erstmals erneut abgedruckt wurden. Tatsächlich sind bislang nur eine Handvoll Verweise auf Mendels Hybridexperimente an Erb-sen aus der Literatur des 19. Jahrhunderts bekannt. Eine detaillierte Literaturrecherche zeigt jedoch, dass Mendels Arbeiten vor 1900 eine deutlich breitere und positivere Anerkennung erfuhren, als dies bislang angenommen wurde. Bisher war beispielsweise völlig unbekannt, dass bereits 1867 erstmals ein (wenn auch gekürzter) Nachdruck seiner Arbeiten zu Pflanzenhybriden erschienen ist. Dieser Nachdruck erfolgte als Serie in einer monatlichen Beilage zur Wochenschrift des Gewerbevereins in Bamberg, welches sich zu dieser Zeit zu einem Zentrum der Samenproduktion entwickelt hatte. Unglücklicherweise sind vom unbekannten Redakteur dieses Nachdrucks nahezu alle statistischen und analytischen Details aus der Originalarbeit entfernt worden. Den durchaus zahlreichen Lesern mag hierdurch die Bedeutung der Entdeckungen von Mendels Experimenten entgangen sein. Auch zeigt sich, dass Mendels Artikel weitaus früher in gedruckten internationalen Bibliographien aufgeführt wurden, als dies bislang angenommen wurde. Bereits während seiner mündlichen Vorträge wurde die Möglichkeit zur Erstellung numerischer Gesetze der Vererbungslehre diskutiert. Zudem wurden seine Hybridarbeiten auch in einem weiterreichenden Zusammenhang rezipiert und schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt nicht nur in einem Darwinistischen und Anti-Darwinistischen Kontext, sondern auch in Bezug auf materialistische Weltanschauungen besprochen. Abstract According to the traditional interpretation of the importance of Mendel experiments, his works were initially misjudged and forgotten for decades, before they were 'rediscovered' and reprinted. Indeed, so far only a handful of mentions of Mendel's hybrid experiments on peas have been identified in the literature of the 19 th century. However, a detailed literature recherché shows that Mendel's works received before 1900 a wider and more positive recognition by his contemporaries, than previously assumed. For example, it was until now unknown, that already in 1867 a (even though shortened) reprint of his article on plant hybrids was published. This reprint was released as an article series in a monthly enclosure on Natural Sciences, which was released as part of the Wochenschrift des Gewerbevereins in Bamberg. That city was then a major centre of seed production. Unfortunately, the unknown editor of this reprint removed nearly all statistical and analytical details from the seminal original. The likely numerous readers might therefore have missed the significance of the discoveries in Mendel's experiments. We also found that Mendel's article was earlier listed in printed international bibliographies and that his work was also discussed in a wider context than argued previously. Numerical laws on heredity were already discussed during his initial oral lectures, and Mendel's experiments were early on discussed publically not only in a Darwinian and anti-Darwinian context but also in respect to the rising Materialist movement. Michael Mielewczik et al.
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Between 1854 and 1861, the struggle between pro-and anti-slavery factions over Kansas Territory captivated Americans nationwide and contributed directly to the Civil War. Combining political, social, and military history, Bleeding Kansas contextualizes and analyzes prewar and wartime clashes in Kansas and Missouri and traces how these conflicts have been remembered ever since. Michael E. Woods’s compelling narrative of the Kansas-Missouri border struggle embraces the diverse perspectives of white northerners and southerners, women, Native Americans, and African Americans. This wide-ranging and engaging text is ideal for undergraduate courses on the Civil War era, westward expansion, Kansas and/or Missouri history, nineteenth-century US history, and other related subjects. Supported by primary source documents and a robust companion website, this text allows readers to engage with and draw their own conclusions about this contentious era in American History.
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Modern international relations are established on the acceptance of international law as the rules of conduct. But how does this legal order, which originated from European jurisprudence, acquire its universality? How did this legal order in the time of European colonial expansion interact with other systems of law, which formed the socio-political foundation of non-Western powers, such as China? These are the two main problems addressed by this study, which focuses on the translation of Western writings, particularly those by American jurist Henry Wheaton, and legal documents on international law in China from the late 19th century. This article, which takes a legal comparative perspective, argues that the clashes between China and European colonial powers by nature were disputes between the jurisdictions. The clashes reflect the realpolitik struggles between two powers as well as the limitation of 19th-century international law based on the acceptance of a Eurocentric universalism. © 2017. Oxford University Press on behalf of EJIL Ltd. All rights reserved.