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Privat Venture Capital als Finanzierungsalternative

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Abstract

Worauf es beim Investor Pitching ankommt. [...] Aus diesem Grund beginnt der Schritt in die Selbständigkeit zumeist mit der Suche nach alternativen Geldquellen. Von Crowdfunding über spezialisierte Seed- oder Venture-Capital Gesellschaften bis zu privaten Investoren stehen viele Möglichkeiten offen, doch auch hier gibt es für alle Gründer wieder eine Gemeinsamkeit, sie müssen die potenziellen Geldgeber zuerst überzeugen. Quellenangabe: Pauling, Kai. (2020). Privat Venture Capital als Finanzierungsalternative. In: Fitness Tribune, Nr. 184, S. 52 - 54, ISSN: 1424-1609. Link: https://www.sporting-expert.com/pdf/Pauling-Private-Venture-Capital-als-Finanzierungsalternative.pdf
52 FITNESS TRIBUNE Nr. 184 | www.fitnesstribune.com
Fachartikel Finanzierungsalternativen
Private Venture Capital als Finanzierungsalternative
Worauf es beim Investor Pitching
ankommt
Jeden Monat wollen tausende Men-
schen in Deutschland, Österreich und
der Schweiz in die Selbstständigkeit
starten. Manche folgen der Familien-
tradition und sollen den elterlichen
Betrieb übernehmen, andere werden
als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit
zu Franchisenehmern und versu-
chen fremde Konzepte zu expandie-
ren und ein grosser Teil möchte aus
einer eigenen Vorstellung heraus ein
Business entwickeln. So unterschied-
lich die Motivationen und Konzepte
auch sind, nahezu allen Gründern ist
jedoch gemein, dass sie am Anfang
nicht ohne fremde Hilfe auskommen.
Beratung für Existenzgründer gibt es
mittlerweile an jeder Ecke und diese
nicht selten sogar unentgeltlich. Was
es dagegen für die meisten Entre-
preneurs nicht frei Haus gibt, ist das
Geld welches für den Auf-, Umbau
oder Erhalt einer unternehmerischen
Selbstständigkeit benötigt wird. Bei
den klassischen Banken bzw. Finanz-
instituten bekommen jedoch insbeson-
dere KMU aus der Sport-, Fitness- und
Gesundheitsbranche oft kaum die not-
wendigen Kredite. Aus diesem Grund
beginnt der Schritt in die Selbstän-
digkeit zumeist mit der Suche nach
alternativen Geldquellen. Von Crowd-
funding über spezialisierte Seed- oder
Venture-Capital Gesellschaften bis zu
privaten Investoren stehen viele Mög-
lichkeiten offen, doch auch hier gibt es
für alle Gründer wieder eine Gemein-
samkeit, sie müssen die potenziellen
Geldgeber zuerst überzeugen. Doch
bei der Frage wovon und wie sie zu
überzeugen sind, da scheiden sich
die Geister, was sich an der Vielzahl
unterschiedlichster Ratgeber erken-
nen lässt, die über eine Internetsuche
zum perfekten Investoren Pitch ange-
zeigt werden. Während etwa in der
Deutschen TV-Show «Die Höhle der
Löwen» meiner Meinung nach, durch
den Bild- und Tonschnitt der Produk-
tionsfirma, die Zuschauer das Bauch-
gefühl der Investoren als eine domi-
nante Rolle in der Entscheidungsfin-
dung wahrnehmen können, geht es im
amerikanischen Äquivalent der Show,
schon dem Namen «Shark Tank» nach,
viel härter und deutlicher zur Sache,
z. B. bei den Fragen und Bewertungen
von Kevin O'Leary (alias Mr. Wonder-
ful). Dies ist auch wichtig, denn ein
verklärter – mit einer kleinen Idee
zum Millionär – Traum sollt so früh
wie möglich durch die Realität der
finanzmathematischen Business Cor-
rectness ersetzt werden. Schliesslich
sind es am Ende keine guten Feen, mal
abgesehen von den vielen netten Omis
die leider zu leichtsinnig ihr mühsam
erspartes Geld in ihre Enkelkinder
investieren, sondern es sind andere
Menschen die ihr Geld geben, damit
sie am Ende einen Gewinn erzielen. Es
muss daher jedem Entrepreneur zual-
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lererst klar sein, dass investieren das
Gegenteil von spenden oder verschen-
ken ist und ein Wirtschaftsunterneh-
men ohne Ertrag ein garantiertes Plei-
teunternehmen sein wird. Wer dieses
sogenannte unternehmerische Denken
nicht mitbringt, der sollte am besten
die Finger von einer Selbstständig-
keit lassen und Arbeitnehmer bleiben,
wobei jedoch auch viele Firmen heute
von den Mitarbeitern zumindest ein
Grundverständnis für ein wirtschaftli-
ches Handeln erwarten, d. h. u. a. mit
den gegeben Ressourcen oder Budgets
sorgsam umzugehen, was wiederum
eine Form des unternehmerischen
Denkens erfordert.
Wer selbst und ständig Entrepre-
neur sein möchte, der muss möglichst
wie ein Finanzinvestor denken und
sein Bauchgefühl feuern (vgl. Herz &
Tuma, 2019). Was im Umkehrschluss
jedoch nicht bedeutet, dass einzig
allein nackte Zahlen oder gar Compu-
ter über Investments z. B. in Startups
entscheiden sollen, denn «auch Inves-
titionsentscheidungen, die scheinbar
so stark von mathematischen Über-
legungen geleitet sind, entpuppen
sich also bei näherem Hinsehen in der
Praxis als eine Mischung von genauer
Berechnung mit Hilfe professioneller
Instrumente einerseits und Intuition,
„Bauchgefühl“ und Erfahrung ande-
rerseits.» (Paul, 2015, S. 428-429)
Für diejenigen in denen ein Unterneh-
merherz schlägt und die den Schritt in
die Selbstständigkeit wagen wollen,
folgen nun die aus meiner persönli-
chen Sicht wichtigsten fünf Aspek te
des wovon und wie sie einen Fitness-
investor überzeugen können, damit
dieser es in Erwägung zieht sein pri-
vates Geld in Sie zu investieren.
1. USP
Die Eröffnungsfrage ist bereits die
erste Killerfrage. Schaffen Sie es nicht
in einem sehr basalen Statement, d.h.
möglichst in einem kurzen Haupt-
satz bzw. einer maximal 30 Sekun-
den langen Aussage, die Unique Sel-
ling Proposition Ihrer Unternehmung,
d. h. Ihr Alleinstellungsmerkmal wel-
ches Menschen dazu bewegen soll zu
Ihren Kunden zu werden, zu verdeut-
lichen, dann ist der Pitch bereits am
Ende noch bevor er richtig begonnen
hat. Der USP soll zudem herausstel-
len, wie Sie erstens entweder ein
weit verbreitetes Problem (besser)
lösen, zweitens einen bisher unerfüll-
ten Wunsch einer möglichst enormen
Kundengruppe bedienen oder drittens
einen notwendigen Bedarf in einem
noch unterversorgten Markt effizien-
ter und nachhaltiger decken können.
Darüber hinaus ist das Optimum
erreicht, wenn der USP auf Ihrem
geistigen Eigentum beruht.
2. Warum Entrepreneur
Auf die Frage nach dem Grund weshalb
Sie Unternehmer sind bzw. werden
wollen, sollten Sie vor allem ehrlich,
authentisch und kongruent antwor-
ten können. Allgemeine Phrasen oder
leere Worthülsen führen bei dieser
Frage garantiert nicht nur zu einem
schlechten Bauchgefühl sondern mit
Sicherheit zum Nein aus Herzens- und
Verstandessicht. Einige Investoren
wollen hier neben der Motivation vor
allem das Herzblut, die Opfer- bzw.
den Willen zur Leidensbereitschaft
und das Durchsetzungsvermögen
bzw. den Kampfgeist erkunden. Mein
Augenmerk liegt jedoch auf der intrin-
sischen Motivation, der (Wieder-)
Standhaftigkeit und besonders auf der
Ehrbarkeit.
3. Plan C
Wenn Sie in einen Pitch vor Investoren
gehen, setzt jeder voraus, dass Sie
absolut vorbereitet sind, wozu selbst-
verständlich die lückenlose Kenntnis
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Ihres Businessplans, u. a. inklusive
Markt-, Standortanalyse, Investitions-
plan und Finanzanalyse für die nächs-
ten 3–5 Jahre, sowie der Vertriebs-
und Marketingplanung und sämtliche
weitere betriebswirtschaftlichen Key
Performance Indicators (KPI) gehö-
ren. Dies ist Ihr Plan A, d. h. so sieht
Ihre hoffentlich realistische Planung
aus. Die meisten Gründer, insbeson-
dere die, welche von Unternehmens-
beratern betreut wurden, haben dann
zusätzlich einen alternativen Plan B
vorbereitet, der oft auf nicht ganz
realistischen und hypothetischen
Marktereignissen beruht die als Her-
ausforderungen selbstverständlich
gemeistert werden könnten. Mit der
Frage nach einem Plan C soll geprüft
werden, ob der Gründer wirklich nicht
nur seinen Markt, seine Kunden, Ver-
triebswege, Mitbewerber usw. bis ins
kleinste Detail kennt, sondern sich
ebenso intensiv in einer Risikoanalyse
mit den potenziellen und im allgemei-
nen häufig auftretenden Unterneh-
menskrisen beschäftigt und eine Not-
fallplan vorbereitet hat.
4. Personal & Partner
Der nachhaltige wirtschaftliche
Erfolg eines Unternehmens basiert
im Wesentlichen auf die Unterstüt-
zung seiner Mitarbeiter und Part-
ner. Eine sehr detaillierte Antwort
auf die Frage nach der Rekrutierung
von Fachkräften und einem Perso-
nalentwicklungsplan ist daher eben-
falls eine essenzielle Killerfrage. Es
nützt nichts das genialste Produkt
zu haben, wenn es keine Fachkräfte
gibt, die dieses produzieren und ver-
treiben können. Bei der Frage nach
Partnern möchte ein Investor zudem
erkennen können, dass es ein mög-
lichst solides Backup durch strategi-
sche und operative Partner oder im
besten Fall Support durch ein ganzes
Netzwerk gibt.
5. Worst Breakdown Scenario
Diese Frage ist meist sehr unange-
nehm, doch gilt es hierauf eine den
Investor beruhigende Antwort geben
zu können. Sie sollten also darauf
vorbereit sein, dem Investor glaub-
haft machen zu können, wie Sie ihm
sein Geld selbst im schlimmsten mög-
lichen Fall zurückzahlen werden. Hier
geht es neben der blossen Frage um
eine Kreditsicherheit vor allem um
die Ehrbarkeit des Gründers, d h.
fühlt er sich selbst und einzig verant-
wortlich das der Investor sein Geld
nicht verlieren wird.
Langer Weg zum Geld
Natürlich gibt es im Rahmen einer
Due-Diligence-Prüfung (DD) (vgl.
Michels, 2007, S. 25) eine ganze Reihe
von weiteren sehr intensiven Prüf-
ungen. Dabei geht es nicht nur um
die Analyse bzw. der Überprüfung im
Rahmen des betriebswirtschaftlichen
Accountings, sondern es gibt auch eine
Prüfung der rechtliche Aspekte als
sogenannte Legal Due Diligence (vgl.
Ahrnes, 2016, S. 277)
Doch die obigen fünf Stufen sind
notwendige Hürden, die erst einmal
überwunden werden müssen. Dabei
ist der erste Punkt USP die grösste
Herausforderung. Alle weiteren
Punkte könnten bei sehr grossem
Interesse eines Investors kompen-
siert werden. Zu den Punkten zwei
bis vier könnte der Investor die Idee
oder die Unternehmung z. B. kom-
plett durch eigenes Führungspersonal
und sein Netzwerk entwickeln lassen.
Und sollte der USP so durchschlagend
sein und einen enormen ROI (Return
on Investment) erwarten lassen, kann
dies das Risiko rechtfertigen einen
Totalverlust der Investition in Kauf zu
nehmen und damit Punkt 5 kompen-
sieren.
Fazit
Eine fantastische Idee oder ein gross-
artiges Produkt bilden zwar den
Kern einer Existenzgründung, doch
ohne klaren USP sind selbst diese
aus wirtschaftlicher Sicht nur für
ein privates Hobby und nicht für eine
Selbstständigkeit geeignet. Wenn Sie
jedoch einen USP haben, der selbst
Ihren schärfsten Kritiker zum Kunden
machen würde, dann stehe die Chan-
cen gut, dass Sie einen Investor
finden, der Ihnen eine Chance geben
könnte. Doch Sie sollten dabei unbe-
dingt beachten, dass das wertvollste
Asset eines Investors nicht sein Geld
oder sein Netzwerk ist, sondern es ist
seine persönliche Zeit, sein Wissen
und seine Erfahrung. Daher sollten Sie
die Chance eines Pitch nicht dadurch
verderben, dass Sie nicht ausreichend
vorbereitet sind oder nur an Ihre
Interessen statt an die des Investors
denken. Selbst wenn Sie, Ihre Part-
ner, Berater, Familie, Freunde oder
Testkunden noch so überzeugt sind,
nur wenn sie der kritischen Prüfung
eines erfahrenen Investors standhal-
ten, können Sie wirklich mit grosser
Wahrscheinlichkeit in einer erfolgrei-
chen Selbstständigkeit durchstarten.
Quellen:
Ahrens S. (2016) Arbeitnehmer und
Geistiges Eigentum. In: Geistiges
Eigentum und Wettbewerbsrecht.
FOM-Edition (FOM Hochschule
für Oekonomie & Management).
Springer Gabler, Wiesbaden. DOI
10.1007/978-3-658-14313-8
Herz C. & Tuma T. (2019) Marcel
Maschmeyer im Interview „Das
Bauchgefühl haben wir gefeu-
ert“. In: Handelblatt. https://
ww w.handelsblatt.com/finan-
zen/anlagestrategie/fonds-etf/
marcel-maschmeyer-im-inter-
view-das-bauchgefuehl-ha-
ben-wir-gefeuert/24336124.htm-
l?ticket=ST-49377904-aTNeSGh-
P9WULWGXYijKG-ap4 (abgerufen
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Michels S. (2007) Sanierungsmög-
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In: Arlinghaus O. (eds) Praxishand-
buch Turnaround Management.
Gabler. DOI 10.1007/978-3-8349-
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xis. In: Praxisorientierte Einfüh-
rung in die Allgemeine Betriebs-
wirtschaftslehre. Springer Gabler,
Wiesbaden. DOI 10.1007/978-3-
658-07106-6_3
Dr. Kai Pauling ist Dozent und
unabhängiger Experte für Sport
Management und Business
Administration, insbesondere
eFitness/eSport, Gesundheits-
management, Change-/Turn-
aroundmanagement und Unter-
nehmensführung/Personalent-
wicklung. Als privater Fitnessin-
vestor und persönlicher Business
Angel unterstützt er Entrepre-
neurs bei der Realisierung ihrer
Geschäftsidee. Gründer*innen im
Personal Training, eFitness/
eSports, mit Mikrostudio/
Boutique-Konzepten, beim Fran-
chiseaufbau sowie aus allen
anderen Bereichen des Sport-,
Fitness- und Gesundheitsmark-
tes können ihn gerne persönlich
kontaktieren:
kai.pauling@sporting-expert.com
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Die kommende Wirtschaftskrise wird die gesamte deutsche Fitnessbranche sehr hart treffen. Die Spirale zum Sterben der klassischen inhabergeführten Studios, wie bereits 2016 beschrieben (vgl. Pauling, 2016, #3), wird sich erheblich schneller drehen. Auch viele große Ketten werden versuchen, zu überleben und im Preiskampf womöglich sich selbst und andere in den Strudel zur Zahlungsunfähigkeit ziehen. Alle Studioinhaber sollten sich daher dringend einen Überblick verschaffen, damit sie noch agieren können, bevor es zu spät ist und sie nicht einmal mehr reagieren können. Quellenangabe: Pauling, Kai. (2020). Wertvoll oder wertlos? Unternehmensbewertung in der Krise. In: bodyLIFE, Nr. 6, S. 60 - 62, ISSN: 1437-286X. Link: https://www.sporting-expert.com/pdf/Pauling-Unternehmensbewertung.pdf.
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Beim Begriff „eFitness“ denken viele möglicherweise zuerst an Fitnessangebote, die online übers Internet angeboten werden, oder an konsolengestützte Bewegungsspiele. Doch weder das eine noch das andere trifft den Kern. Was ist eFitness, was ist der Unterschied zum eSport, wo liegen die enormen ökonomischen Potenziale und wie ist der Stand der Entwicklung hin zur eigenen eFitness-Industrie? Quellenangabe: Pauling, Kai. (2020). eFitness-Boom - Die vierte Revolution der Fitnessindustrie. In: bodyLIFE, Nr. 5, S. 46 - 48, ISSN: 1437-286X. Link: https://www.sporting-expert.com/pdf/Pauling-eFitness-Boom.pdf.
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Springer Gabler, Wiesbaden. DOI 10.1007/978-3-658-14313-8