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Gesundheitliche Belastung von Armutsbetroffenen durch Beschämung und Abwertung vermeiden – Avoiding Health Burdens of Poor People Caused by Shaming and Devaluation

Authors:
  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt / Celovec

Abstract

The Austrian anti-povery network develops strategies against shame and being ashamed of people experiencing poverty within the project “Health promotion between appreciation and shaming – Avoiding health burdens of poor people from personal devaluation and withhold recognition”. The first part of this project was to scrutinised different shameful situations and interactions, which the targeted group experienced more or less frequently. At the same time, the current state of research on the topics of shame, stigma, discrimination, and their implications on health were analysed. The second part of the project focuses on the participatory creation of counter-strategies aiming to solve or at least minimize the negative impact of shaming on health at different levels. Beside various activities within the project, poverty experienced people will be trained to become “peers”, who can multiply their acquired knowledge on shaming, health and effective counter-strategies in regional workshops or social and public institutions. Im Rahmen des Projektes „Gesundheitsförderung zwischen Wertschätzung und Beschämung – Gesundheitliche Belastungen von Armutsbetroffenen durch Abwertung und vorenthaltene Anerkennung vermeiden“ entwickelt die österreichische Armutskonferenz Strategien gegen Scham und Beschämung. Dazu wurden Beschämungserfahrungen erhoben sowie der Stand der Forschung zu Scham, Stigma, Diskriminierung und den gesundheitlichen Folgen in einem Bericht zusammengefasst. Der zweite Teil des Projekts, der zusammen mit der Betroffenenorganisation 'Plattform Sichtbar Werden' durchgeführt wird, besteht in der partizipativen Erarbeitung von Gegenstrategien. Neben anderen Aktivitäten werden Armutsbetroffene in einem kurzen Training zu Multiplikatoren („Peers“) ausgebildet, die ihr Wissen zu Beschämung und Gegenstrategien in regionalen Workshops und den sozialen Einrichtungen, in denen sie wohnen oder die sie regelmäßig besuchen, an Betroffene weitergeben.
FORSCHUNGSNOTIZ
https://doi.org/10.1007/s12592-020-00337-2
Soz Passagen
Gesundheitliche Belastung von Armutsbetroffenen
durch Beschämung und Abwertung vermeiden
Alban Knecht · Sebastian Obermair
© Der/die Autor(en) 2020
Zusammenfassung Im Rahmen des Projektes „Gesundheitsförderung zwischen
Wertschätzung und Beschämung – Gesundheitliche Belastungen von Armutsbetrof-
fenen durch Abwertung und vorenthaltene Anerkennung vermeiden“ (Das Projekt
wird vom Fond Gesundes Österreich der Gesundheit Österreich GmbH gefördert und
läuft seit Mai 2019) entwickelt die österreichische Armutskonferenz Strategien gegen
Scham und Beschämung. Dazu wurden Beschämungserfahrungen erhoben sowie der
Stand der Forschung zu Scham, Stigma, Diskriminierung und den gesundheitlichen
Folgen in einem Bericht zusammengefasst (Weinberger 2018). Der zweite Teil des
Projekts, der zusammen mit der Betroffenenorganisation Plattform Sichtbar Werden
durchgeführt wird, besteht in der partizipativen Erarbeitung von Gegenstrategien.
Neben anderen Aktivitäten werden Armutsbetroffene in einem kurzen Training zu
Multiplikatoren („Peers“) ausgebildet, die ihr Wissen zu Beschämung und Gegen-
strategien in regionalen Workshops und den sozialen Einrichtungen, in denen sie
wohnen oder die sie regelmäßig besuchen, an Betroffene weitergeben.
Schlüsselwörter Armut · Scham · Beschämung · Gesundheit · Gegenstrategien
Dr. A. Knecht ()
Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, Arbeitsbereich für Sozialpädagogik und
Inklusionsforschung, Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Universitätsstraße 65–67, 9020 Klagenfurt,
Österreich
E-Mail: alban.knecht@aau.at
S. Obermair
Altenbergerstraße 35, 4040 Linz, Österreich
E-Mail: sebastian_obermair@hotmail.com
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A. Knecht, S. Obermair
Avoiding Health Burdens of Poor People Caused by Shaming and
Devaluation
Abstract The Austrian anti-povery network develops strategies against shame and
being ashamed of people experiencing poverty within the project “Health promotion
between appreciation and shaming – Avoiding health burdens of poor people from
personal devaluation and withhold recognition”. The first part of this project was to
scrutinised different shameful situations and interactions, which the targeted group
experienced more or less frequently. At the same time, the current state of research
on the topics of shame, stigma, discrimination, and their implications on health
were analysed (Weinberger 2018). The second part of the project focuses on the
participatory creation of counter-strategies aiming to solve or at least minimize the
negative impact of shaming on health at different levels. Beside various activities
within the project, poverty experienced people will be trained to become “peers”,
who can multiply their acquired knowledge on shaming, health and effective counter-
strategies in regional workshops or social and public institutions.
Keywords Poverty · Shame · Shaming · Health · Counter-Strategies
1 Beschämungserfahrungen von Armutsbetroffenen
Obwohl Armut oft nicht sichtbar ist, ist das Ausmaß der potentiellen Situationen, in
denen sie als Beschämung erfahren wird, groß. Erving Goffman (1975) unterschei-
det das sichtbare Stigma, das zu Beschämungssituationen führen kann, von dem
permanenten Gefühl einer möglichen Diskreditierbarkeit. Armut tritt beispielswei-
se auf Ämtern, in Arztpraxen oder Krankenhäusern aus der Unsichtbarkeit hervor,
wenn z.B. durch die Verwendung besonderer Formulare der Empfang von Sozial-
transfers sichtbar wird. Beschämende Situationen können ihren Ausgangspunkt aber
auch an leichter sichtbaren Stigmata nehmen, die mit Armut in Verbindung stehen
oder gebracht werden, wie z.B. eine körperliche Beeinträchtigung. Dabei ist es das
Versagen der Erfüllung einer gesellschaftlichen Norm, das die Scham bedingt (vgl.
Neckel 2000).
Im Rahmen eines Kick-Off-Workshops „Tu was gegen Beschämung!“ und ei-
nes Treffens der Betroffenenorganisation Plattform Sichtbar Werden1wurden einzel-
ne Betroffene zu Beschämungserfahrungen befragt und Gruppengespräche geführt
(Knecht 2019). Dabei wurde in Brainstormings nach typischen Orten der Beschä-
mung und Reaktionen auf erlittene Beschämungen gefragt (vgl. Knecht 2019). Die
Vielzahl der genannten Orte zeigt auf, dass die Bedrohung, stigmatisiert und be-
schämt zu werden, allgegenwärtig und nicht auf einzelne Institutionen oder Räume
beschränkt ist (zu Beschämung in sozialen Einrichtungen und sozialpädagogischen
Kontexten siehe z.B. Knecht 2020;Lorenzetal.2018; Blumenthal 2018; Matt-
1Diese Plattform ist ein Zusammenschluss von Menschen und Initiativen mit Armuts-, Ausgrenzungs-
und Diskriminierungserfahrungen aus ganz Österreich und zugleich Teil der Armutskonferenz. Durch ihre
Einbeziehung wurde der partizipative Charakter des Projekts ermöglicht.
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Gesundheitliche Belastung von Armutsbetroffenen durch Beschämung und Abwertung...
ke 2016; Bohn 2015; Prengel und Zschipke 2014; Schoneville 2013; Magyar-Haas
2011). Die medialen Missbrauchsdiskurse, die zuletzt auch in Österreich ein grö-
ßeres Gewicht bekommen haben, geben einen Hinweis darauf, mit welchen dis-
kriminierenden Bildern die heterogene Gruppe der Armutsbetroffenen permanent
konfrontiert werden (siehe z. B. Knecht 2018). Die stereotypen Bilder, in denen
Armutsbetroffene als unwillig, unfähig und hinterhältig dargestellt werden, stellen
eine Schablone der Identitätsstiftung dar, von der sich abzugrenzen eine stetige Her-
ausforderung der Betroffenen für sich selbst und gegenüber anderen darstellt (vgl.
Becker und Gulyas 2016). Der Umgang mit diesen homogenisierenden Bilder kostet
die Betroffenen gerade deshalb so viel Kraft, weil die Fremddarstellung der eigenen
Person wesentlich bedeutsamer für die Konzeption der eignen Identität ist, als die
Eigendarstellung (vgl. Koole und Morf 2014; Glassl 2008).
Die in den Befragungen von den Betroffenen genannten Reaktionen auf erlebte
Beschämung können grob unterteilt werden in nach innen gerichtete Reaktionen
(z.B. Starre, Sprachlosigkeit, Rückzug), nach außen gerichtete Reaktionen (z. B.
Wut, Ärger, Konfrontation) und stärker politisch orientierte Reaktionen, z. B. in
Form von Forderungen nach politischer Veränderungen (Knecht 2019). In den ge-
führten Befragungen berichteten die Armutserfahrenen auch von gesundheitlichen
Belastungen und Krankheiten, sowohl in physischer als auch psychischer Dimensi-
on, wobei Depressionen besonders häufig erwähnt wurden (vgl. Weinberger 2018,
S. 17). Wie auch in anderen Untersuchungen zeigt sich, wie die Kombination von
schwierigen Lebenssituationen, ihren Ursachen und der Konfrontation mit beschä-
menden Fremdbildern das Selbstbild und den Selbstwert angreifen. Eine häufige
Folge ist sozialer Rückzug. Diese Ergebnisse decken sich auch mit anderen Studien
(z.B. Globisch 2017; Gurr und Jungbauer-Gans 2017).
2 Beschämung und Gesundheit
Während Jens Becker und Jennifer Gulyas (2016) aufzeigen, welche Belastungen
mit Armut einhergehen, stellt die quantitative Studie von Kurt Salentin (2002)dar,
in welch hohem Ausmaß Armut mit Stress einhergeht. Dabei kann Armut „direkt“
auf die Gesundheit wirken (z.B. aufgrund Ernährung, geringerer Möglichkeiten zu
sportlicher Betätigung oder schlechteren Wohnbedingungen (Mielck 2005)). Die
durch Armut geprägten, prekären Lebensbedingungen können auch durch den ver-
ursachten Stress negative gesundheitlichen Folgen mit sich bringen. Dieser Stress
kann auch durch die Erfahrung von Diskriminierung und Beschämung ausgelöst
werden. In Abb. 1sind darüber hinaus Rückwirkungen dargestellt (gestrichelte Li-
nien), die entstehen, wenn die Erfahrung von Diskriminierung, Beschämung oder
gesundheitliche Beeinträchtigung Armut weiter verschärfen. Der Zusammenhang
von Beschämungserfahrungen und Gesundheit, von denen die im Projekt beteiligen
Armutserfahrenen berichten, ist komplex eingebettet; in der empirischen Forschung
sind daher potentielle Konfundierung der zentralen Variablen vorprogrammiert.
Gut erforscht sind die gesundheitlichen Auswirkungen der verschiedensten Dis-
kriminierungsformen (vgl. Anzenberger et al. 2015; Ziegler und Beelmann 2009;
Paradies 2006). Mit Diskriminierung gehen u. a. depressive Erkrankungen, Angst-
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A. Knecht, S. Obermair
Armut Erfahrung von Diskrimi-
nierung / Beschämung Stress Gesundheit
Abb. 1 Auswirkungen von Armut auf Gesundheit. Quelle: Eigene Darstellung
störungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, aber auch Frühgeburten und ein niedriges
Geburtsgewicht bei Säuglingen einher. Eine Studie von David R. Williams und
Ruth Williams-Morris (2000) identifiziert drei Mechanismen: Institutionelle Dis-
kriminierung behindert sozioökonomische Mobilität, was zu „racial difference“ im
sozioökonomischen Status und nachteiligen Lebensbedingungen führt. Zweitens hat
Stress durch Diskriminierungserfahrungen gesundheitliche Auswirkungen. Drittens
kann, auf individueller Ebene, die Internalisierung des Stigmas der Minderwertigkeit
das „psychological functioning“, d.h. die psychische Gesundheit, beeinträchtigen.
Unabhängig von der Diskriminierung sind natürlich Armut und soziale Ungleich-
heit selbst Auslöser von Stress (Pickett und Wilkinson 2016) und – vermittelt durch
die Lebensbedingungen – eine Ursache von gesundheitlicher Beeinträchtigung bzw.
Ungleichheit (siehe z.B. Habl et al. 2014; Richter und Hurrelmann 2009).
3 Wie gegen Beschämung vorgegangen werden kann
Um tiefgreifende Veränderung anzustoßen und über einen längerfristigen Zeitraum
zu sichern, ist es notwendig, auf den drei Ebenen Mikro (Empowerment von In-
dividuen), Meso (gruppen-/gemeinschaftsbezogene Aktivitäten) und Makro (z.B.
Beeinflussung des gesellschaftlichen Diskurses) anzusetzen und Gegenstrategien zu
formulieren (Knecht 2019). Im Projekt wurden partizipativ (in Kooperation mit der
Plattform Sichtbar Werden) zwei Leitfäden erstellt, einer richtet sich an Betroffe-
ne und Multiplikator*innen und enthält neben individuellen Bewältigungsstrategien
und rechtlichen Tipps auch praktische Tipps wie mit beschämenden Situationen
umgegangen werden kann und Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene erreicht
werden können (Armutskonferenz 2019). Ein zweiter Leitfaden richtet sich an Ver-
waltungen, Ärzt*innen, Ämter etc. und gibt Hinweise, wie mit Armutsbetroffenen
respektvoll umgegangen und wie Interaktionen gestaltet werden können, um beschä-
mende Situationen zu vermeiden.
Gerade in Zeiten, in denen die Ausgrenzung von Minderheiten und die Verbrei-
tung diskriminierender Missbrauchsdiskurse politisch gewollt ist und als Strategie
von Herrschafts- und Machtausübung (vgl. Frevert 2017) eingesetzt wird, ist die
Bedeutung der Auseinandersetzung mit den konkreten Folgen für die Betroffenen
in Form von Scham, Stress und gesundheitlichen Folgen kaum zu überschätzen.
Funding Open access funding provided by University of Klagenfurt.
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Article
Ressourcenorientierung ist in den Denk- und Handlungsansätzen der Sozialen Arbeit ein grundlegendes Element. Jedoch fehlt eine Ressourcentheorie, die konzeptionell den transdisziplinären Ansatz dieser Disziplin aufnimmt und gestaltet. Basale Fragen über das konzeptionelle Verständnis von Ressourcen und welche Bedeutung sie im sozialpolitischen oder sozialarbeiterischen Denken und Handeln haben bzw. haben sollten, werden eher selten gestellt. Einzelne disziplinäre Stränge der Sozialen Arbeit widmen sich zwar grundlegenden Fragen von Ressourcen, sind jedoch untereinander kaum verbunden. Der Beitrag greift relevante Aspekte aus bestehenden soziologischen, philosophischen, psychologischen, und sozialarbeiterischen Ressourcenkonzepten auf, stellt konzeptionelle Bezüge her und entwickelt eine transdisziplinäre Ressourcenkonzeption, die vor allem im Theorie- und Handlungsspektrum der Sozialen Arbeit, aber nicht nur dort, grundlegend sein kann.
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Armutsbetroffene sind in besonderem Maße beschämenden Situationen ausgesetzt. Unter anderem auf Ämtern, in Einrichtungen des Gesundheitssystems wie auch in den Medien werden sie damit konfrontiert, dass sie Normvorstellungen angeblich nicht genügen und defizitär seien. Die Armutskonferenz – österreichisches Netzwerk gegen Armut und Ausgrenzung – verfolgt mit einem Projekt das Ziel, gegen Beschämungserfahrungen und ihre Folgen vorzugehen. Der Beitrag verdeutlicht Beschämungserfahrungen von Armutsbetroffenen und diskutiert mögliche Gegenstrategien. People experiencing poverty are patricularly exposed to embarrassing situations. In public administrations, healthcare facilities, the media and other contexts they encounter attitudes to the effect that they do not conform to societal norms and that they are deficient in certain ways. The Austrian Network against Poverty and Social Exclusion is engaged in a project aiming to take action against embarassing experiences and their consequences. This article describes such embarassing experiences of people experiencing poverty and discusses counter-strategies.
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Zusammenfassung Trotz zuletzt positiver Entwicklungen am Arbeitsmarkt findet sich – recht beharrlich – eine Gruppe von Langzeitarbeitslosen, deren Arbeitsmarktintegration ungebrochen schwer zu fallen scheint. Diese Gruppe sieht sich vielfach stark abwertenden, moralisch aufgeladenen Zuschreibungen ausgesetzt. Dieser Beitrag widmet sich der Perspektive dieser Personengruppe und geht der Frage nach, welche spezifischen Vorstellungen diese Personen über diese Zuschreibungspraxis haben, wie sie ihren Status deuten und was sie von Erfahrungen damit berichten. Zentrale theoretische Referenz für die Analysen ist das Stigmakonzept Goffmans. Nachdem einzelne Bestandteile des Konzepts herausgearbeitet und hinsichtlich der Art und der Intensität des Stigmas der Arbeitslosigkeit diskutiert werden, sollen einige der Ideen Goffmans auf empirisches Material angewendet werden. Zu diesem Zweck wurden 12 Interviews mit Langzeitarbeitslosen und weitere qualitative Sekundäranalysen mit vorliegenden Interviews durchgeführt. Die Resultate der Untersuchung verdeutlichen zum einen, dass eine theoretisch reflektierte Verwendung des Stigmabegriffs Goffmans brauchbar und angezeigt ist, weil sie einer Untersuchung wie dieser den Weg weisen kann. Ferner zeigt sich, dass die von Arbeitslosigkeit Betroffenen in vielen Fällen durchaus leidvolle Erfahrungen mit Stigmatisierungen gemacht haben. Sie berichten umfänglich von antizipierten oder erlebten negativen Zuschreibungen in Bezug auf ihren Status und den Folgen.
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Soziale Ungleichheit und gesundheitliche Chancengerechtigkeit ist in Österreich, dem internationalen Trend folgend, wieder ein wichtiges Thema der Gesundheitspolitik geworden. Prominente Beispiele dafür sind Schwerpunktsetzungen bei der Definition von Rahmengesundheitszielen und in der Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie oder auch der Einschluss von Sozialhilfeempfänger/innen in das System der sozialen Krankenversicherung. Der Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über die Situation in Österreich und liefert Daten und Fakten
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Noch immer gilt: Wer arm, wenig gebildet und beruflich schlecht gestellt ist, wird häufiger krank und muss früher sterben. Wie aber kann dieser Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit erklärt werden? Welche Mechanismen und Prozesse liegen dem sozialen Gradienten in der Gesundheit zugrunde? Der Band bietet einen umfassenden Überblick über Theorien, Forschungsergebnisse und Implikationen für Politik und Praxis. Er führt in die aktuelle Diskussion soziologischer und gesundheitswissenschaftlicher Erklärungen gesundheitlicher Ungleichheit ein, stellt innovative empirische Ergebnisse vor, diskutiert methodische Herausforderungen und zeigt Möglichkeiten auf, den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit zu verringern. Mit Beiträgen führender Sozial- und Gesundheitswissenschaftler aus dem Forschungsfeld stellt dieses Buch umfangreiche Informationen zum Verständnis und zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheiten zur Verfügung.
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Die Ursachen individueller Scham liegen in der gesellschaftlichen Ordnung und den dort vorherrschenden Normen. Schamgefühle sind kein rein individualpsychologischer Prozess, sondern in den Kontext sozialer Ungleichheit eingebettet. Es wird im Kähmen einer explorativen Studie davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang zwischen Armut und Scham gibt. Zum einen wird die Politik des Soffalstaats dargestellt, die verschiedene Beschämungsfaktoren für Leistungsempfänger und Niedriglohnverdiener enthält. Zum anderen wird die subjektive Perspektive der Betroffenen betrachtet. Was ist aus ihrer Sicht beschämend, und wie wirkt sich die Scham bei ihnen aus?
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Tagtäglich kommen Beschämungen von Kindern und Jugendlichen durch professionelle Pädagoginnen und Pädagogen vor. Fast jeder hat solche Beschämungen schon erlebt oder beobachtet; auch Untersuchungen belegen, dass und wie oft sie vorkommen. Zwar werden sprachliche Interaktionen im Gegensatz zu körperlichen Auseinandersetzungen als weniger gewalttätig angesehen, Studien zur verbalen Gewalt aber zeigen, dass Menschen einander mit Sprache heftige Verletzungen zufügen können, die in vielen Fällen als gewalttätig anzusehen sind und zu heftigen Reaktionen bei den Betroffenen führen. In allen pädagogischen Arbeitsfeldern werden Maßnahmen zur Verbesserung von pädagogischen Beziehungen dringend benötigt.
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In den letzten Jahren hat sich in Deutschland eine lebhafte Diskussion zum Thema gesundheitliche Ungleichheit entwickelt. Die internationale Perspektive wird dabei jedoch weitgehend vernachlässigt. Wichtig sind hier vor allem 2 Fragen: Ist die gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland so groß wie in den anderen westeuropäischen Staaten? Welche Themen und Initiativen stehen im Vordergrund bei einer über die westeuropäischen Staaten hinausgehenden, weltweiten Betrachtung von Problemen der gesundheitlichen Ungleichheit? Es liegen bereits empirische Studien vor, die eine Beantwortung der ersten Frage ermöglichen. Diese Information ist jedoch relativ weit verstreut und bisher noch nicht systematisch zusammengefasst worden. Der hier vorliegende Überblick macht deutlich, dass die gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland ungefähr das gleiche Ausmaß aufweist wie in den anderen westeuropäischen Staaten. Die globale Betrachtung zeigt auf, wie aus wissenschaftlicher Sicht versucht wird, die großen Unterschiede zwischen den reichen und armen Staaten stärker als bisher zu thematisieren.