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Abstract and Figures

In den letzten zwei bis drei Jahren kam es immer häufiger zu medialen Berichterstattungen über sogenannte „Clans“ und deren Aktivitäten. Zumeist sind hiermit arabische Großfamilien gemeint, welche sich unter anderem in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet, Bremen, Niedersachsen und Berlin immer weiter ausbreiten und die Polizei an ihre Belastungsgrenze bringen würden. Die Diskussion rund um das „Problemfeld Clans“ scheint erst in den letzten Jahren an medialer und politischer Relevanz gewonnen zu haben, obwohl es sich bei genauerer Betrachtung gar nicht um ein neues Phänomen handelt. Gerade dieser Umstand der Intensivierung des, insbesondere durch die Massenmedien getragenen, öffentlichen Diskurses um ein bereits seit Jahrzehnten bestehendes Phänomen führte zur Konstruktion eines neuen gesellschaftlichen Problems, das geeignet ist, moralische Panik auszulösen (vgl. Cohen 2011[1972]): xxvii). Dabei ist den Massenmedien nicht die Rolle als aktiver Konstrukteur moralischer Panik zuzuschreiben. Sie reproduzieren lediglich dominierende oder wachsende Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft (ebd. 2011[1972]): 11). So werden ganze Familien mit kriminellen Gruppierungen gleich gesetzt: „Der Name Miri steht in der Hansestadt für organisierte Kriminalität vom Feinsten“ (Herrnkind & Mathes 2014: o.S.), als Problem für das gesellschaftliche Zusammenleben beschrieben: „Der Fall Osman zeigt, was die Clan-Welt für diejenigen bedeutet, die das Pech haben, in unmittelbarer Nachbarschaft zu leben“ (Fleischhauer 2019: o.S.) oder als Gefahr für den Staat und seine Einrichtungen dargestellt: „Clans unterwandern zunehmend Ämter und Jobcenter“ (o.V. 2019: o.S.). Dieser mediale Diskurs begünstigt die Konstruktion türkisch-arabischer Familienclans als sogenannten Folk Devil. Der Begriff bezeichnet nach Cohen (2011[1972]): 1) eine Person oder Gruppe, die von einer Mehrheitsgesellschaft, kommuniziert durch Massenmedien, als deviant oder Verursacher sozialer Probleme, beziehungsweise als Gefahr für gesellschaftliche Werte und Interessen angesehen wird. Dem gesellschaftlichen und Wertewandel unterworfen handelt es sich bei Folk Devils um eine vom jeweiligen Zeitgeist und der politischen Stimmung abhängige, sehr heterogene und dynamische Gruppe, der unter anderem schon Rocker, Sinti/Roma und Juden im dritten Reich zugeordnet werden konnten (vgl. Cohen 2011[1972]): 3, 56). Zum Effekt sozialer Ausgrenzung, der zugleich die gesellschaftliche Integration erschwert, kommen potentiell Labelingeffekte hinzu (vgl. Becker 1963, u.a.), die die fortgesetzte, kollektive Begehung von Straftaten begünstigen können. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang die öffentliche Diskussion über das Phänomen, die Ursachen und die Bekämpfungsmöglichkeiten, die sich stets zwischen den Polen der gesicherten und ungesicherten Erkenntnisse bewegt und in welcher zumeist schnelle und harte, vermehrt repressive Reaktionen des Staates gefordert werden (z. B. Welt 2018; CDU/CSU 2019; siehe auch Regierungskommission „Mehr Sicherheit für Nordrhein-Westfalen“ 2019). Ebenfalls interessant ist die Reaktion der staatlichen Institutionen, die zunächst überwiegend auf „altbewährte“ Handlungsmuster zurückzugreifen versuchen, in der Hoffnung diesem Phänomen Herr werden zu können. Hier kann insbesondere im Bereich Polizei der Rückgriff auf Zero-Tolerance-Strategien und Präsenzkonzepte mit stark erhöhtem Personalansatz angeführt werden, wie sie in der heutigen Zeit häufig zu beobachten sind, zuletzt als Reaktion auf die sogenannte Rocker-Problematik (z. B. Spiegel Online 2012; Gewerkschaft der Polizei 2013). Die Art der angesprochenen öffentlichen ¬– und auch wissenschaftlichen – Debatte und die daraus quasi automatisch resultierenden, tradierten Maßnahmen der Polizei verwundern umso mehr, wenn man die spürbare gesamtgesellschaftliche Entwicklung betrachtet, die häufig mit den Schlagworten Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit beschrieben wird. Dieser Beitrag wirft einen Blick auf den Zusammenhang von öffentlich-wissenschaftlicher Debatte und polizeilichen Reaktionen im Spannungsfeld zwischen gesicherten und ungesicherten Erkenntnissen am Beispiel des Phänomenbereichs „Clankriminalität“.
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1
Seidensticker, Kai/Werner, Alexander
Clankriminalität als neu entdeckte Herausforderung in einer dynamischen Gesellschaft
Erscheint in: R. Berthel (Hrsg.) (2020): Kriminalistik und Kriminologie in der VUCA-Welt
Herausforderungen, Entwicklungen und Perspektiven“, Rothenburger Beiträge.
Einleitung
In den letzten zwei bis drei Jahren kam es immer häufiger zu medialen Berichterstattungen über
sogenannte „Clans“ und deren Aktivitäten. Zumeist sind hiermit arabische Großfamilien
gemeint, welche sich unter anderem in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet, Bremen,
Niedersachsen und Berlin immer weiter ausbreiten und die Polizei an ihre Belastungsgrenze
bringen würden. Die Diskussion rund um das „Problemfeld Clans“ scheint erst in den letzten
Jahren an medialer und politischer Relevanz gewonnen zu haben, obwohl es sich bei genauerer
Betrachtung gar nicht um ein neues Phänomen handelt.
Gerade dieser Umstand der Intensivierung des, insbesondere durch die Massenmedien
getragenen, öffentlichen Diskurses um ein bereits seit Jahrzehnten bestehendes Phänomen
führte zur Konstruktion eines neuen gesellschaftlichen Problems, das geeignet ist, moralische
Panik auszulösen (vgl. Cohen 2011[1972]): xxvii). Dabei ist den Massenmedien nicht die Rolle
als aktiver Konstrukteur moralischer Panik zuzuschreiben. Sie reproduzieren lediglich
dominierende oder wachsende Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft (ebd. 2011[1972]): 11).
So werden ganze Familien mit kriminellen Gruppierungen gleich gesetzt: „Der Name Miri steht
in der Hansestadt für organisierte Kriminalität vom Feinsten“ (Herrnkind & Mathes 2014: o.S.),
als Problem für das gesellschaftliche Zusammenleben beschrieben: „Der Fall Osman zeigt, was
die Clan-Welt für diejenigen bedeutet, die das Pech haben, in unmittelbarer Nachbarschaft zu
leben“ (Fleischhauer 2019: o.S.) oder als Gefahr für den Staat und seine Einrichtungen
dargestellt: „Clans unterwandern zunehmend Ämter und Jobcenter“ (o.V. 2019: o.S.).
Dieser mediale Diskurs begünstigt die Konstruktion türkisch-arabischer Familienclans als
sogenannten Folk Devil. Der Begriff bezeichnet nach Cohen (2011[1972]): 1) eine Person oder
Gruppe, die von einer Mehrheitsgesellschaft, kommuniziert durch Massenmedien, als deviant
oder Verursacher sozialer Probleme, beziehungsweise als Gefahr für gesellschaftliche Werte
und Interessen angesehen wird. Dem gesellschaftlichen und Wertewandel unterworfen handelt
es sich bei Folk Devils um eine vom jeweiligen Zeitgeist und der politischen Stimmung
abhängige, sehr heterogene und dynamische Gruppe, der unter anderem schon Rocker,
2
Sinti/Roma und Juden im dritten Reich zugeordnet werden konnten (vgl. Cohen 2011[1972]):
3, 56).
Zum Effekt sozialer Ausgrenzung, der zugleich die gesellschaftliche Integration erschwert,
kommen potentiell Labelingeffekte hinzu (vgl. Becker 1963, u.a.), die die fortgesetzte,
kollektive Begehung von Straftaten begünstigen können.
Interessant erscheint in diesem Zusammenhang die öffentliche Diskussion über das Phänomen,
die Ursachen und die Bekämpfungsmöglichkeiten, die sich stets zwischen den Polen der
gesicherten und ungesicherten Erkenntnisse bewegt und in welcher zumeist schnelle und harte,
vermehrt repressive Reaktionen des Staates gefordert werden (z. B. Welt 2018; CDU/CSU
2019; siehe auch Regierungskommission „Mehr Sicherheit für Nordrhein-Westfalen“ 2019).
Ebenfalls interessant ist die Reaktion der staatlichen Institutionen, die zunächst überwiegend
auf „altbewährte“ Handlungsmuster zurückzugreifen versuchen, in der Hoffnung diesem
Phänomen Herr werden zu können. Hier kann insbesondere im Bereich Polizei der Rückgriff
auf Zero-Tolerance-Strategien und Präsenzkonzepte mit stark erhöhtem Personalansatz
angeführt werden, wie sie in der heutigen Zeit häufig zu beobachten sind, zuletzt als Reaktion
auf die sogenannte Rocker-Problematik (z. B. Spiegel Online 2012; Gewerkschaft der Polizei
2013). Die Art der angesprochenen öffentlichen und auch wissenschaftlichen Debatte und
die daraus quasi automatisch resultierenden, tradierten Maßnahmen der Polizei verwundern
umso mehr, wenn man die spürbare gesamtgesellschaftliche Entwicklung betrachtet, die häufig
mit den Schlagworten Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit beschrieben
wird. Dieser Beitrag wirft einen Blick auf den Zusammenhang von öffentlich-
wissenschaftlicher Debatte und polizeilichen Reaktionen im Spannungsfeld zwischen
gesicherten und ungesicherten Erkenntnissen am Beispiel des Phänomenbereichs
„Clankriminalität“.
3
Neue alte Herausforderungen in einer dynamischen Gesellschaft
„Wir leben in einer komplexen, vernetzten, fragilen, ständigen Veränderungen und Neuerungen
ausgesetzten Welt, die keinen hergebrachten Mustern mehr zu folgen scheint und
Unsicherheiten und Risiken, statt Sicherheit hervorbringt“ (Berthel 2019: 2). Dieses Zitat
vermittelt einen guten Eindruck von den Bedingungen, denen sich die Gesellschaft und ihre
Institutionen ausgesetzt sehen. Dynamische Entwicklungen scheinen keinen hergebrachten
Mustern zu folgen und erzeugen, schneller als jemals zuvor, Unsicherheiten. Diese
Unsicherheiten, besonders spürbar als Verunsicherung der Bevölkerung, wurden an vielen
Punkten der jüngeren Vergangenheit sichtbar, denkt man nur an die Flüchtlingskrise, die
Bedrohung durch Terrorismus, Umweltkatastrophen oder Kriminalität, um nur einige wenige
zu nennen. Die Welt rückt scheinbar näher zusammen und Probleme und Krisen, die bisher in
der Ferne nur am Rande wahrgenommen wurden, erreichen die Menschen nun in ihrer direkten
Umgebung. Auch die Polizei ist stärker mit Konflikten konfrontiert, die einen globalen Kontext
aufweisen, als noch in der Vergangenheit. Lokale Versammlungslagen, die ursächlich auf
globale Entwicklungen zurückzuführen sind, kulturelle Diversität im täglichen
Einsatzgeschehen, neue Kriminalitätsphänomene, gerade im Bereich der Cyber- und der
politisch motivierten Kriminalität, und stetig wechselnde und wachsende Anforderungen an
professionelle Polizeiarbeit und die Organisation selbst sind zu beobachten.
Die Mehrdeutigkeit und Komplexität gesellschaftlicher Prozesse wurde insbesondere in der
Diskussion um objektive und subjektive Sicherheit deutlich und zeigt sich allgemein auch im
Umgang mit Statistiken wie der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Letztere wird dabei
wiederkehrend herangezogen, um die These einer erhöhten Kriminalitätsbelastung von
Menschen mit Migrationshintergrund vermeintlich zu bestätigen und die gesellschaftliche
Angst vor dem „Fremden“ zu perpetuieren (vgl. Lamers/Seidensticker 2017). Dass die Ängste
der Bevölkerung ernst genommen werden müssen und vor allem im Kontext der VUCA-Welt
schneller, stärker und unkontrollierter zum Vorschein kommen, wird anhand des Erstarkens
rechtspopulistischer und rechtsextremer Tendenzen nicht nur in Deutschland mehr als deutlich.
Der Phänomenbereich der Clankriminalität lässt sich gut in dieses Spannungsverhältnis
einordnen, stellt den Zusammenhang zwischen bürgerlichen Ängsten, medialer
Berichterstattung und (kriminal)politischen Entscheidungen prägnant heraus und macht die
Notwendigkeit kriminologischer Erkenntnisgewinnung in einem komplexen Phänomenbereich
deutlich, ohne die zielführende Strategien nicht erarbeitet und evidenzbasierte Maßnahmen
nicht ergriffen werden können. Anderenfalls verfallen Politik und Polizei zunehmend in den
4
Automatismus einer Angsterzeugung und -steigerung durch unwirksame Interventionen und
die damit verkörperte Machtlosigkeit des Rechtsstaates. Die Frage, die sich Polizei und Politik
aktuell stellen müssen lautet: Was wissen wir eigentlich wirklich über das Phänomen der
(Familien-)Clans und woher haben wir unsere Erkenntnisse?
Was wissen wir eigentlich über das Phänomen der (Familien-)Clans?
Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist nicht ganz einfach. Grundsätzlich wird behauptet,
dass eine ganze Menge an Erkenntnissen an unterschiedlichen Stellen vorliege und diese
Erkenntnisse nur besser zusammengeführt werden müssen. So berichtet die Polizei Nordrhein-
Westfalen etwa anhand ihres Lagebildes Clankriminalität über die Kriminalitätsbelastung von
Clanangehörigen (Landeskriminalamt NRW 2019). Vielfach wird auch auf den Zoll, die
Bundespolizei, die Kommune, das Jugendamt oder das Finanzamt verwiesen, wo ebenfalls eine
Fülle an Erkenntnissen vorliegen würde. Diese Antwort ist teilweise richtig. Richtig ist, dass
Erkenntnisse existieren. Ob diese aber als gesicherte Erkenntnisse bezeichnet werden können
und das Phänomen in ausreichender Form abbilden, darf bezweifelt werden. Auch über die
Qualität der an unterschiedlichen Stellen vorliegenden Daten lässt sich in diesem Kontext
trefflich streiten
1
. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass zwar auf nationaler Ebene in Teilen
eine polizeiliche Schwerpunktsetzung im Bereich Clankriminalität zu verzeichnen ist,
allerdings trotz vorhandener Erkenntnisse zur Thematik bisher seitens der Bundes- und
Länderpolizeien nur wenige Einsatz- und Bekämpfungskonzepte dieses Phänomens existieren.
Existente Konzepte verfolgen meist einen ausschließlich repressiv ausgerichteten Zero-
Tolerance-Ansatz
2
und müssen in Bezug auf ihre Wirksamkeit kritisch betrachtet werden. Die
Landesregierung Nordrhein-Westfalen (2017) erklärte zum Regierungswechsel im Jahr 2017
in ihrem Koalitionsvertrag: „Der Ausbreitung von Organisierter Kriminalität – insbesondere in
Form von Banden, Rockern und Familienclans werden wir durch eine Null-Toleranz-
Strategie und maximalen Kontroll- und Verfolgungsdruck wirksam begegnen […]“. Diese
politisch forcierte Anwendung tradierter polizeilicher Einsatzkonzepte macht deutlich, dass
keine spezifische Ausrichtung auf das Phänomen und dessen Ursachen stattfindet. Es hat den
Anschein als würden Politik und Polizei auf wechselnde Kriminalitätsphänomene stets mit den
gleichen Strategien und Maßnahmen reagieren, wodurch die Komplexität und Mehrdeutigkeit
1
So zum Beispiel Landeskriminalamt 2019: 8; im Kontext von Personenstammdaten von „Clanangehörigen“
2
Diese Null-Toleranz-Strategie wird schlicht (und aufgrund zweifelhafter Wirksamkeitsbeschwörungen) auf das
Phänomen der Clankriminalität übertragen.
5
gesellschaftlicher (Problem-)Entwicklungen negiert oder zumindest ignoriert wird: die Antwort
ist zumeist ein Präsenzkonzept mit erhöhtem Personaleinsatz zur Durchsetzung einer Zero-
Tolerance-Strategie.
Das Verständnis von Clans
Was also glauben wir zu wissen? Wir glauben zu wissen, was ein Clan ist. Laut Duden ist ein
Clan eine Gruppe eines Stammes, die sich von gleichen Vorfahren herleitet. Daher kann ein
Clan beschrieben werden als eine Gruppe, die eine gemeinsame Kultur, Sprache, ein
gemeinsames Siedlungsgebiet und weitere zum Beispiel wirtschaftliche Gemeinsamkeiten teilt,
sowie vorgibt gleiche Vorfahren zu haben. Dabei können diese gemeinsamen Vorfahren realer
oder mythischer Natur sein und müssen nicht auf eine Blutlinie zurückgeführt werden
(Haverkamp 2018: 117). Diese Zusammengehörigkeit kann aus soziologischer Sicht
beschrieben werden als die Anerkennung gemeinsam geteilter Verpflichtungen wie
gegenseitige Unterstützung, Vergeltung oder die Verpflichtung, nicht untereinander zu
heiraten, die auch einer Familie zugesprochen werden (Durkheim 1947: 102). Der Ausdruck
Familienclan hingegen fokussiert schlicht auf das Merkmal der verwandtschaftlichen
Beziehungen; andere Eigenschaften sind hier von nur nachrangiger Bedeutung. Das
Landeskriminalamt NRW (LKA NRW) hat diesbezüglich innerhalb der Projektgruppe KEEAS
(Kriminalitäts- und Einsatzschwerpunkte geprägt durch ethnisch abgeschottete Subkulturen)
eine erste Definition erarbeitet. Hierbei wurde aufgrund der aktuellen polizeilichen
Erkenntnisse eine Definition für Clans entwickelt, deren Ursprung auf die ethnische Subkultur
der Mhallamiye zurückzuführen ist. Die Definition beinhaltet folgende Elemente:
Zugehörigkeit zum Clan ausschließlich über das Kriterium der Verwandtschaft
Segmentäre, hierarchisch (meist patriarchalische) geprägte Struktur, die nach dem Prinzip
der gemeinsamen Abstammung organisiert ist.
Ablehnung der deutschen Rechtsordnung sowie der Zusammenarbeit mit staatlichen
Behörden und Institutionen sowie deren aktive Behinderung und Einschüchterung
Ideologische Legitimation des kriminellen Handelns als Zeichen von Stärke
Aufbau einer Paralleljustiz zur internen Konfliktlösung durch nach innen gerichtete
Sanktionsmechanismen und Repression (insbesondere durch den Einsatz von
Friedensrichtern)
6
Zwangscharakter der Eheschließung innerhalb der eigenen Familie oder eigenen Ethnie zur
gemeinsamen Machtsteigerung
Nach außen dokumentiertes Macht- und Gewinnstreben, auch durch die Besetzung
öffentlicher Räume (Landeskriminalamt NRW 2018: 7).
Diese Definition soll dabei helfen zu bestimmen, ob es sich bei einer Gruppe von Menschen
um einen Clan handelt. Deutlich wird, dass die Diskussion um Clans dabei zumeist auf
Grundlage eines gemeinsamen, mehrheitsgesellschaftlichen Verständnisses geführt wird, die
einen Clan stets im Nexus einer libanesisch-/türkisch-/arabischstämmigen beziehungsweise
arabischsprachigen Großfamilie versteht (z. B. Landeskriminalamt NRW 2019: 6). Aber ist es
förderlich die Nationalität als konstitutives Merkmal eines Clans zu benennen? An dieser Stelle
wird bereits deutlich, dass die Zugehörigkeit nicht durch das Merkmal Nationalität trennscharf
bestimmt werden kann, insbesondere wenn man die Migrationsgeschichte der in Rede
stehenden Gruppierungen
3
betrachtet (vgl. z. B. Ghadban 2018). Darüber hinaus zeigen sich
bereits weitere Strukturen, die ebenfalls nicht mit der angesprochenen Sammlung
unterschiedlicher Nationalitäten in Einklang gebracht werden können (z. B. albanisch, serbisch
oder mazedonisch dominierte Strukturen; siehe Bundeskriminalamt 2019: 29). Obwohl sich
dieses Merkmal offensichtlich nicht zur Abgrenzung von Strukturen eignet, konnte es dennoch
im Diskurs etabliert werden, was auch auf die Wirkmacht der Zuschreibung von
Kriminalitätsaffinität an Nationalitäten hindeutet. Diese Problematik sieht auch das
Landeskriminalamt NRW (2018: 10) und erklärt: „Die Identifizierung türkisch-
arabischstämmiger Personen, die als Clanangehörige der Bevölkerung der Mhallamiye
zugehören oder libanesischstämmig sind, führt zur vielschichtigen Erhebungs- und
Abgrenzungsproblemen und ist nur unter Inkaufnahme von Unschärfen möglich. […] Es
besteht keinesfalls die Absicht, […] den […] Angehörigen von Clanfamilien generell ein
kriminelles Stigma zuschreiben zu wollen.“ Wäre es nicht konsequent und dem Diskurs mehr
als zuträglich, wenn das Merkmal der Nationalität als konstituierendes und exklusives Merkmal
im Kontext von Familienclans aufgegeben würde?
Nicht deutlich wird bei der genannten Definition, ob es sich um notwendige oder hinreichende
Bedingungen handelt, um in der polizeilichen Lebenswelt das Label „Clan“ zu bekommen.
3
Insbesondere ist die Zuordnung der landläufig als „Clanangehörige“ bezeichneten Personen zur Volksgruppe
der Mhallamiye in vielen Fällen nicht haltbar, da aufgrund der komplexen Migrationsgeschichte von Individuen
und Gruppen die Herkunft und Bezeichnung der Ethnie bisher nicht abschließend geklärt ist (vgl. auch Rohe &
Jaraba 2015: 54).
7
Darüber hinaus wird nicht deutlich, ob diese Definition auch von der Mehrheitsgesellschaft
geteilt wird, oder ob andere Gruppierungen bei der Bevölkerung ebenfalls Ängste im
Clanzusammenhang auslösen, die polizeilich jedoch nicht in diesem Spektrum erfasst werden.
Ob die adressierte Gruppe der Clanmitglieder tatsächlich über das exklusive Kriterium der
Verwandtschaft verfügt kann, vor dem Hintergrund existenter affektiver und instrumenteller
Beziehungen, also Beziehungen von Familienmitgliedern zu Personen außerhalb des Kern-
Familienverbandes, bezweifelt werden. Damit stellt sich die Frage, ob eine solche
Unterscheidung in Kernfamilie und erweitertem, außenstehendem Kreis anhand der
Verwandtschaft getroffen werden kann, oder ob nicht auch Verbindungen zu Nicht-Verwandten
existieren können, die stärker in den Strukturen verankert sind als die Verbindungen zu
Verwandten. Ist also die Einengung der Perspektive auf ausschließlich durch
Familienzugehörigkeit abgegrenzte Strukturen (vgl. Landeskriminalamt NRW 2019: 7) dem
vertieften Verständnis von Clanstrukturen zuträglich?
Ein Aspekt der vorgestellten Definition ist die segmentäre, hierarchische und meist
patriarchalisch geprägte Struktur eines Clans. Wissen wir, dass „der Clan“ in dieser Weise
strukturiert ist oder glauben wir dies zu wissen? Kennen wir die Bedeutung von
Familienstrukturen für einen Clan? Bisher lässt sich sagen, dass es an empirisch fundierten
Erkenntnissen über den Aufbau und die internen Prozesse der hier adressierten
arabischstämmigen beziehungsweise arabischsprachigen Clans sowie zu ihren
kriminologischen Alleinstellungsmerkmalen fehlt oder diese nur in sehr eingeschränkter Form
vorliegen. Das Problem liegt hier, neben der erst in jüngerer Vergangenheit gewonnenen
Aufmerksamkeit für das Thema, im Zugang zu insbesondere kriminellen Clanangehörigen,
welcher sich aufgrund der vorzufindenden hohen Abschottungstendenzen als besonders
schwierig erweist (Rohe & Jaraba 2015; vgl. auch Ghadban 2018: 81 ff.).
Trotz des Fehlens grundlegender Erkenntnisse und Bestimmungsmomente wird bisweilen auf
strukturelle Ähnlichkeiten der Kriminalität von Clans zu anderen Phänomenen oder ethnisch
geschlossenen Gruppierungen der Banden- beziehungsweise Organisierten Kriminalität
verwiesen. Demnach sollen sich strukturelle Überschneidungen arabischsprachiger
Großfamilien mit Gruppierungen der organisierten Kriminalität, wie (Organized Motorcycle
Gangs (z. B. bei Krafft-Schöning 2013: 22) oder der italienischen Mafia finden lassen. Allen
dreien seien assoziative Strukturen gemein, die eine starke Bindung nach innen betreiben und
die Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und Sicherung nach außen gewährleisten,
ohne auf unternehmerische Strukturen angewiesen zu sein. Haverkamp (2018: 121 ff.)
8
beispielsweise sieht vergleichbare Muster im Kontext von organisierter Kriminalität
hinsichtlich der Bedeutung von Vertrauen, sozialer Zugangskontrolle und der Unterordnung
persönlicher Sympathie zwischen Individuen unter die Verpflichtung gegenüber dem Kollektiv,
die sich sowohl bei türkisch-arabischen, wie auch bei Roma-, italienischen Mafia- oder
albanischen Clans wiederfinden würden. Gleichzeitig stellt sie Unterschiede in Bezug auf ihre
hierarchischen Strukturen heraus. Werden die angesprochenen Gruppierungen genauer
betrachtet, so lassen sich hier bereits spezifischere Gemeinsamkeiten und Unterschiede
feststellen. So beruht die kalabrische ‘Ndrangheta im Wesentlichen auf den Werten „Ehre und
Blut“, was eine Gemeinsamkeit zum Ehrbegriff und dem verwandtschaftlichen Zusammenhalt
arabischsprachiger Großfamilien darstellt. Andererseits jedoch gilt die ‘Ndrangheta als
hierarchisch deutlich formeller strukturiert und von einer Fülle weiterer Regelkonformitäten
geprägt. Überschneidungen zur Cosa Nostra finden sich in ihrem Verhältnis zu staatlicher
Hoheit, da sich beide historisch bedingt nicht auf den Staat und dessen Schutzmechanismen,
sondern auf den eigenen Familienzusammenhalt verlassen. Rohe und Jaraba (2015) betonen
allerdings einen wesentlichen Unterschied arabischsprachiger Großfamilien zu anderen OK-
Gruppierungen, der in ihrer gesteigerten Abschottung gegenüber anderen Gruppen liege.
Endogamie
Ein weiteres Merkmal eines Clans ist gemäß Definition der „Zwangscharakter der
Eheschließung innerhalb der eigenen Familie oder eigenen Ethnie zur gemeinsamen
Machtsteigerung“. Ghadban (2018: 41) spricht in diesem Kontext von dem Phänomen der
Endogamie, welches ein wichtiger Faktor für die Entstehung eines „hermetisch
abgeschlossenen“ Familiengefüges sei. In den meisten Fällen soll es dabei zu einer Hochzeit
mit der Cousine väterlicherseits kommen, sodass das Familiengefüge immer weiter ineinander
verstrickt wird und es nur zu einer familieninternen Gesellschaft kommen kann. Eine
Vermischung mit anderen Familien soll dadurch ausgeschlossen werden, da damit die
Befürchtungen einhergingen, dass ein nicht kontrollierbares Familiengefüge entsteht (ebd.).
Das Phänomen der Endogamie lasse sich in Deutschland beispielsweise bei großen
„Clanhochzeiten“ innerhalb der Community der Mhallamiye erkennen (Kindler, Heise &
Meyer-Heuer 2019).
Fakt ist, dass die Strukturen arabischsprachiger Großfamilien für Außenstehende aufgrund des
hohen Grades sozialer Abschottung nur schwer durchdringbar sind. Das Misstrauen, welches
Personen entgegen gebracht wird, die außerhalb der eigenen Familie stehen, behindert die
Erkenntnisgewinnung in hohem Maße. Da jedoch genau die vorherrschenden Strukturen nicht
9
bekannt sind und zudem der Einblick in einen Clan bisher nur in Ansätzen möglich war, lässt
sich auch die These der ausschließlich endogamen Eheschließung und der hermetischen
Geschlossenheit nicht verifizieren. Es ist demnach zwar nicht auszuschließen, dass
Zwangsheirat als Mittel zur Verfestigung interner Strukturen und der Abgrenzung von externen
Einflüssen genutzt wird, allerdings kann nicht pauschal von einer vollständig endogamen Praxis
ausgegangen werden
4
.
Patriarchat
Die These der Endogamie arabischsprachiger Familienclans geht eng einher mit der These einer
patriarchalen Prägung der Clanmitglieder. Der Vater oder der älteste Sohn sind in diesem Sinne
der Vorstand einer jeden Familie. Dem Familienoberhaupt und den Söhnen obliegt es nach
außen Selbstbewusstsein, Stärke und Mut zu demonstrieren und die Familienehre zu
verteidigen (Kizilhan 2002: 2). Die Subordination der Frau stellt dabei ein Kernelement der
Machtstruktur eines Familienclans dar (vgl. Ghadban 2018). Das oberste Ziel der Erziehung ist
die Reproduktion und Verfestigung dieser patriarchalen Machtstrukturen. Wie
selbstverständlich wird in der Diskussion um arabischsprachige Familien davon ausgegangen,
dass das Patriarchat in allen Lebensbereichen handlungsleitend ist und Frauen ausschließlich
die passive Rolle der Unterdrückten zuteilwird. Dass diese These keine pauschale Gültigkeit
beanspruchen kann sollte klar sein. Klar ist jedoch nicht, inwieweit diese Strukturen tatsächlich
das Familiengefüge eines jeden Clans bestimmen oder ob diverse Ausformungen oder
Abweichungen hiervon existieren beziehungsweise ob eine Entwicklung erkennbar ist. An
dieser Stelle scheint es lohnenswert das Verständnis patriarchalischer Herrschaft zu
beleuchten und hierunter nicht ausschließlich die Herrschaft von Männern über Frauen zu
subsumieren. Vielmehr bietet sich ein Verständnis im Sinne von Max Weber (1980: 580 ff.) an,
unter dieser die Herrschaft des Hausherrn über die Hausgemeinschaft versteht, zu der neben
Frauen auch andere Männer gehören können. Herrschaft konstruiert sich hier durch Traditionen
und einen Autoritätsglauben, der sich aus der Vorstellung des Lebens in einer
Schicksalsgemeinschaft ergibt. Legitimiert wird sie durch die persönliche Unterwerfung unter
den Herrn (vgl. Weinhauer 2003: 25). Neben den Frauen als potenzielle und vermeintlich
4
So konnte im Rahmen des Lagebildes Clankriminalität in NRW im Zeitraum 2016-2018 lediglich ein Fall von
Zwangsheirat polizeilich registriert werden. Besondere Beachtung muss an dieser Stelle allerdings dem
grundsätzlich hohen Dunkelfeld dieses Phänomenbereiches zuteilwerden, was sich einschränkend auf die
Aussagekraft auswirkt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2011). Darüber hinaus wird
im Rahmen einer ethnologisch angelegten Bachelorthesis an der Hochschule für Polizei und öffentliche
Verwaltung in Nordrhein-Westfalen von einer Gerichtsverhandlung berichtet, welche eine nicht-endogame Ehe
(und gleichzeitig Zwangsheirat) zum Gegenstand hatte (Meißner 2020: S. 35).
10
offensichtliche Opfer des Patriarchats wurden insbesondere die Auswirkungen patriarchaler
Rollenbilder auf die Männer und Kinder in solchen Strukturen bislang nur unzureichend
thematisiert. Bisher wird pauschal angenommen, dass die Männer sich stets in das vorgegebene
Rollenbild einfügen (wollen) und dies auch vollständig für sich annehmen und akzeptieren. Das
Patriarchat bedeutet zugleich einen enormen Druck, dadurch dass spezifische Anforderungen
mit diesem einhergehen: Männer müssen wirtschaftliche Stabilität für ihre Familien erlangen,
diese Ernähren und als Vater dieses Rollenbild vorleben und weitervermitteln. Weichen die
Söhne von dieser Konstruktion ab, kann dies auch die patriarchale Rolle des Vaters schädigen,
zumindest gefährden. Gleichzeitig werden insbesondere arabischstämmige Männer aufgrund
ihrer Herkunft stets gesellschaftlich mit patriarchalen Rollenerwartungen konfrontiert und
gelabelt (vgl. El Feki 2013). Der Aspekt der individuellen und strukturellen Verwobenheit des
Patriarchats zeigt auch hier, dass es nicht einfach zu überwinden ist. Eine kulturelle Prägung,
die Aspekte der Familie und der Sexualität zur strikten Privatsache deklarieren und (semi-
)öffentliche Debatten aus Scham verhindern, kann zusätzlich die Weiterentwicklung dieser
Strukturen erschweren. Geht man also wie zum Beispiel Rohe & Jaraba (2015: 21) davon aus,
dass Familienclans noch immer von patriarchalen Strukturen geprägt sind und diese Prägung
zur Ablehnung des Staates und dessen Rolle als Schutzinstrument der Schwachen führt, muss
diesem Aspekt größere Aufmerksamkeit zuteilwerden. Fraglich ist, ob Präventionsangebote an
dieser Stelle erfolgreich sein können, wenn die Machtstrukturen wie bisher angenommen in
den Persönlichkeiten aller Familienmitglieder fest verwurzelt sind. Auch hier gilt es zunächst
zu erkennen, welche Strukturen in welcher Ausprägung vorherrschen, bevor diese zu verändern
versucht werden können.
Das Rechtsverständnis
Weitere „konsekutive“ Merkmale eines Clans sind die Ablehnung der deutschen
Rechtsordnung sowie der Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und Institutionen, die
ideologische Legitimation kriminellen Handelns sowie der Aufbau einer Paralleljustiz. Im
Folgenden wird versucht, diese Aspekte anhand der Vorstellungen über das vorherrschende
Rechtsverständnis zu thematisieren.
Es wird vermutet, dass bei einem Teil der Mhallamiye ein „kulturell geprägter formaler
Ehrbegriff“ (Steinberg 2018: 17) existent ist. Hierbei kann es zu einem Konfliktbereich
zwischen dem Staat und den Familienclans kommen, wenn dieser Ehrbegriff durch staatliche
Institutionen tangiert wird. Menschen, die diese Form des Ehrbegriffs für sich annehmen
11
interpretieren die öffentliche Einmischung in private Angelegenheiten als Ehrverlust und
versuchen diese zu unterbinden (Rohe & Jaraba 2015: 18). Die Etablierung einer Paralleljustiz
kann hier als Versuch gesehen werden, diese öffentliche Einmischung zu verhindern und sich
der Beobachtung der Behörden zu entziehen. Diese Form der Konfliktregulierung findet vor
allem bei Sachverhalten in der Kernfamilie oder im Clan selbst statt. Das Phänomen der
Paralleljustiz zeigt außerdem, dass die Anerkennung eines Täter-Opfer-Ausgleichs oder des
Sühneverfahrens als legitimes Mittel der Konfliktregulierung schwierig realisierbar sind, da
deutsche Behörden den kulturell geprägten, familiären Ehrbegriff nicht in ihren
Entscheidungsprozessen berücksichtigen.
Hinzu kommt die Tatsache, dass es innerhalb des arabischen Raumes zu einer Legitimierung
des Gewohnheitsrechtes (arabisch: ´Urf) gekommen ist. Das Gewohnheitsrecht „beschreibt
bestimmte soziale Verhaltensweisen […], welche sich so weit verfestigen, dass sie als
verbindliche Rechtsnormen gelten […]“ (Rohe & Jaraba 2015: 73). Dieses Phänomen hat
prägende Wirkung auf die Mitglieder der Familienclans. „Und je jünger sie sind, desto
schwieriger wird es für sie daraus auszubrechen, denn sie kennen nichts anderes (ebd.). In
Verbindung mit dem sozialen und kulturellen Rückzug stellt dies eine stetige Spirale der
Abschottung dar, welche ohne äußere Einwirkung schwierig zu durchbrechen ist.
Ein weiterer gesellschaftlicher Aspekt für das differentielle Rechtsverständnis könnte die
Bildung und damit einhergehend das Verständnis von Demokratie beziehungsweise dem
Prinzip des Staates sein. Da die Mhallamiye in der Vergangenheit sowohl in Deutschland, der
Türkei, als auch im Libanon von der Gesellschaft und vom Staat diskriminiert wurden, könnte
hierbei eine negative Konnotation gegenüber dem Staatenmodell innerhalb der Lerngeschichte
der Individuen entstanden sein, welche an die nächste Generation weitergegeben wird (ebd. 54
f.). Ghadban folgert hieraus eine Rückbesinnung auf den Clan als essentielles
Überlebensmodell. Rohe und Jaraba (2015: 61) sind der Meinung, dass diese Ansichten nur
überwunden werden könnten, wenn „das Prinzip Staat und die Bedeutung „bürgerliche[s]
Recht“ [verstanden wird]“.
Es zeigt sich, dass das arabische und deutsche Rechtsverständnis sich in gewissen Aspekten
deutlich voneinander unterscheiden. Hierbei sind vor allem die fehlende Säkularisierung und
die Beachtung des Ehrbegriffes ein entscheidender Faktor im arabischen Recht. Verglichen mit
dem heutigen Rechtsverständnis der arabischsprachigen Clans in Deutschland werden die
fehlende Akzeptanz und damit Ablehnung einer Inanspruchnahme des deutschen
Rechtsprinzips deutlich. Ein gewisser Argwohn und eine Schamkultur in Verbindung mit
12
familiärem Druck erschweren den Clanmitgliedern ein anderes Rechtsverständnis als das
bereits etablierte zu entwickeln. Mittels Schlichtung, zum Beispiel durch Friedensrichter, lässt
sich eine für die Familie effektive und schnelle Lösung für eine Straftat oder
Auseinandersetzung finden. Die Aufrechterhaltung dieser Verhaltensweisen lässt sich teilweise
mithilfe des familiären Ehrbegriffes begründen. Die Familienehre ist ein wichtiger Bestandteil
der Identität. Daher ist bei einer Straftat, sowie bei einer Schlichtung, die ganze Familie
involviert
5
. Diese Erkenntnis legt die Vermutung nahe, dass unabhängig von einer fehlenden
Akzeptanz und Ablehnung der deutschen Rechtsordnung das gegenseitige fehlende
Verständnis zwischen dem Staat und den Clans hohes Konfliktpotenzial birgt. Beobachtet
werden kann dieses fehlende Verständnis beispielsweise bei Gerichtsverhandlungen und auch
bei Tumultlagen.
Was wissen wir über die Kriminalität der Clans?
Das LKA NRW definiert Clankriminalität als „die vom Gewinn- und Machterstreben
bestimmte Begehung von Straftaten unter Beteiligung mehrerer, wobei
in die Tatbegehung bewusst die gemeinsame familiäre oder ethnische Herkunft als
verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde
Komponente einbezogen wird,
die Tatbegehung von einer fehlenden Akzeptanz oder deutschen Rechts- oder
Werteordnung geprägt ist, und
die Straftaten einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind“
(Landeskriminalamt NRW 2018: 7 f.).
Es lassen sich aktuell wenige empirische Studien zum Thema Clankriminalität finden, da bis
zum Jahr 2019 keine genaue Differenzierung dieser Problematik von anderen
Kriminalitätsfeldern erfolgte (vgl. Schwerdtfeger 2019). Fundierte Literatur zum Thema
Clankriminalität ist in Deutschland noch nicht lange vorhanden und viele wissenschaftliche
Projekte befinden sich derzeit in der Entwicklung. Google Trends zeigt das erste marginale
Aufkommen eines Suchinteresses im Jahr 2014 und den ersten starken Anstieg des Suchbegriffs
„Clankriminalität“ ab Mitte 2018. Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bilden
hierbei die Schwerpunktregionen ab.
6
Mediale Aufmerksamkeit erfährt die Kriminalität der
5
Meißner (2020: 25) konnte jedoch exemplarisch zeigen, dass Aussagen über die Verhaltensstrategie der inter-
nen Konfliktregulierung keine generelle Gültigkeit beanspruchen können und Beteiligte sehr wohl einem förmli-
chen (und öffentlichen) Gerichtsverfahren zustimmen können.
6
https://trends.google.de/trends/explore?date=all&geo=DE&q=Clankriminalit%C3%A4t
13
Clanangehörigen hauptsächlich im Bereich der Herbeiführung großer Tumultlagen oder der
Begehung von Straftaten im Bereich der organisierten Kriminalität (Storch & Sieben 2019).
Fraglich ist allerdings, ob diese Sachverhalte auch geeignet sind, um das deviante Verhalten
eines ganzen Familienclans umfassend zu beschreiben, oder ob es sich hier nur um einige
wenige Ereignisse handelt, die aufgrund ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit stärker im medialen
Fokus stehen. Aufgrund der zumeist starken sozialen und kulturellen Rückzugstendenzen und
der unbekannten Clanstrukturen lassen sich bisher keine fundierten Aussagen über die
Kriminalität der Familienclans treffen. Zwar lässt sich ein hohes Kriminalitätspotenzial im
Dunkelfeld vermuten, allerdings ist die Aufhellung bisher nicht in hinreichender Form
gelungen (Ghadban 2018: 81 ff.). Aufgrund der starken Verhaftung des Phänomens im
Dunkelfeld führt beispielsweise das LKA NRW neben bekannt gewordenen Straftaten
zusätzlich aggressive Verhaltensweisen und Ordnungsstörungen an, wenn von den
schädigenden Auswirkungen von Clankriminalität die Rede ist, und engt die Betrachtung
zusätzlich auf Strukturen ein, deren „typischer Handlungsrahmen sich in der offensiven und
öffentlichkeitswirksamen Beanspruchung regionaler oder krimineller Aktionsräume
dokumentiert“ (Landeskriminalamt NRW 2019: 6 f.)
7
. Anhand des Datenbestandes der Polizei
NRW ergeben sich für den Berichtszeitraum 2016 bis 2018 insgesamt 6.449 Tatverdächtige
8
und 14.225 Straftaten (Abbildung 1), die in der Definition des Lagebildes der Clankriminalität
zugeordnet werden können.
Abbildung 1: Straftaten und Tatverdächtige 2016-2018
Quelle: Landeskriminalamt NRW 2019: 9.
7
Weiterhin wird durch das LKA NRW angegeben, dass diese Einengung aufgrund polizeilicher Erfahrungen dazu
führt, „zunächst in erster Linie […] türkisch-arabischstämmige Großfamilien“ (Landeskriminalamt NRW 2019: 7)
zu adressieren. Wie belastbar die an dieser Stelle vorgebrachten polizeilichen Erfahrungen sind wird allerdings
nicht weiter thematisiert.
8
Die Tatverdächtigen werden in der vorliegenden Abbildung 1 für jedes Jahr einmalig erfasst.
14
Phänomenologisch zeigt sich eine Häufung bei Rohheitsdelikten, gefolgt von Eigentums- und
Betäubungsmitteldelikten (Abbildung 2). Im Bereich der Rohheitsdelikte dominieren sonstige
Gewaltdelikte (z. B. Nötigung und Bedrohung), gefolgt von schweren Gewaltdelikten,
insbesondere gefährliche Körperverletzungen und Raub (Landeskriminalamt NRW 2019: 10
f.).
Abbildung 2: Verteilung Straftaten auf Kriminalitätsbereiche
Quelle: Landeskriminalamt NRW 2019: 10.
Fraglich ist, ob sich durch die hier dargestellte Kriminalität tatsächlich das Phänomen
Clankriminalität beschreiben lässt beziehungsweise ob es sich hierbei um clanspezifische
Kriminalität handelt. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass die (Mehrfach-)Tatverdächtigen
bei Tatbegehung meist männlich und zwischen 14 und 26 Jahre alt sind, sich also zumeist aus
dem Bereich der Jugendlichen und Heranwachsenden rekrutieren. Die hier dargestellten
Deliktbereiche werden darüber hinaus unabhängig von einem Clanbezug häufig von
Jugendlichen und Heranwachsenden begangen. Schwierig dürfte zudem der Nachweis sein,
dass hierbei immer eine „von Gewinn und Machtstreben bestimmte Begehung von Straftaten“
(Landeskriminalamt NRW 2018: 7 f.) vorliegt. Hieran schließt erneut die Frage an, was
überhaupt der Gegenstand von Clankriminalität ist beziehungsweise sein soll. Handelt es sich
um Kriminalität von Clans, für Clans oder im Kontext von Clans? Umfasst diese Art der
Kriminalität auch das abweichende Verhalten von Angehörigen sogenannter Clanfamilien,
welches nicht für den Clan begangen wird? Ist die Familienzugehörigkeit des Tatverdächtigen
entscheidend oder die Absicht und Zielrichtung der Tat?
15
Somit könnte es sich bei der im Rahmen von KEEAS aufgeführten „Clankriminalität“ auch um
die Feststellung jugendtypischer Delinquenz (z. B. Moffitt 1993) handeln und nicht um
clanspezifische Kriminalität. Der Kontext könnte dabei aber dennoch von besonderer
Bedeutung sein: In der Theorie verhalten sich Jugendliche, hauptsächlich als Ausdruck von
Statuspassagen in ihrer Entwicklung, temporär delinquent. Diese Delinquenz hat für sie eine
positive Funktion, wie zum Beispiel die Bestätigung des Selbstwertes, und findet zumeist durch
den Anschluss an Peergruppen statt, die temporär selbst deviantes Verhalten zeigen oder
zumindest tolerieren. In der weiteren Entwicklung verliert dieses Verhalten aber für die meisten
Jugendlichen an Reiz, da sich vermehrt konforme Verhaltensweisen für die Bekräftigung des
eigenen Selbst und die Erreichung der persönlichen Ziele ergeben (z. B. Berufstätigkeit).
Ergeben sich diese konformen Möglichkeiten jedoch nicht, etwa weil der Jugendlich innerhalb
der delinquenten Gruppe verbleibt und nicht in gesellschaftliche Teilhabeprozesse eingebunden
ist, findet diese Loslösung von delinquenten Verhaltensweisen jedoch nicht statt. Hier könnten
sich die Bedeutung des Familienclans zeigen und dessen Abgrenzungsmechanismen von der
Mehrheitsgesellschaft ihre Wirkung entfalten. Durch die feste Bindung an das (deviante)
Clanmilieu kann der Jugendliche in den delinquenten Strukturen verbleiben und eine Loslösung
erschwert werden. Die sozialen Bezüge der Jugendlichen würden auch hier die Ausprägung
sogenannter „krimineller Karrieren“ begünstigen (vgl. Sampson & Laub 1993; vgl. auch
Albrecht 1990, Walter 2001). An dieser Stelle wären eine valide Datenbasis und eine vertiefte
Auswertung notwendig, um belastbare Aussagen treffen zu können.
Im Kontext von Clankriminalität werden wiederkehrend auch legale und illegale
Geschäftsfelder genannt, wie der Betäubungsmittelhandel, Shisha-Bars, Wettbüros, die
Rapper-, Rocker- und Kampfsport-Szene, Security-Dienstleistungen, Immobiliengeschäfte,
Autohandel und -verleih, Schlüsseldienste, Sozialleistungsbetrug, Hawala-Banking und das
sogenannte Call-ID-Spoofing (vgl. Landeskriminalamt NRW 2019: 16 ff.). Ob diese
Geschäftsfelder tatsächlich einen hohen Stellenwert in den kriminellen Machenschaften von
Clanfamilien einnehmen beziehungsweise in welcher Intensität welche Geschäftsfelder für
legale und illegale Geschäfte genutzt werden, kann jedoch nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Klar scheint jedoch zu sein, dass es in der Vergangenheit in den meisten Geschäftsfeldern
bereits zu strafrechtlich relevanten Verstößen gekommen ist.
Fraglich ist zudem, ob die zur Bekämpfung der Clankriminalität eingesetzten Maßnahmen, wie
beispielsweise die medienwirksam angelegten Großrazzien, sich für die Aufhellung des
Dunkelfeldes und zur Gewinnung von Strukturerkenntnissen eignen. Jedenfalls wird deutlich,
16
dass weitere Ansatzpunkte für behördliche Maßnahmen bisher nicht in ausreichender Form
vorliegen.
Fazit: Was muss passieren?
Es fehlt an empirisch fundierten Erkenntnissen über den Aufbau und interne Prozesse
krimineller arabischsprachiger Großfamilien sowie zu ihren kriminologischen
Alleinstellungsmerkmalen. Nach erster Literatursichtung existieren weder (abgeschlossene)
Studien noch Evaluationen mit der Zielrichtung der vorbeugenden Bekämpfung der
Kriminalität arabischsprachiger Großfamilien. In der jüngeren Literatur sind bisher nur
vereinzelte Erkenntnisse gewonnen worden, die für die Konzeption präventiver Interventionen
von Bedeutung sein könnten. Rohe und Jaraba (2015: 178 f.) beispielsweise verweisen in
diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, Mittelspersonen aus dem Milieu zu gewinnen,
um die Grenzen der Abschottung zu überwinden. Auch der Diskurs um die vermeintlich
präventive Wirkung einer Herausnahme der Kinder krimineller Eltern aus arabischsprachigen
Großfamilien findet mittlerweile Einzug in die Forschungsliteratur
9
. Dennoch muss die aktuelle
Forschungslage im Kontext der Prävention von Clankriminalität als defizitär bezeichnet werden
(siehe auch Landeskriminalamt NRW 2019: 22). Ohne eine belastbare Erkenntnislage kann
jedoch die Diskussion um den Umgang mit und die Prävention von Clankriminalität nur in
Ansätzen zielführend sein. Zwar hat die Zahl der Veröffentlichungen zum Thema Clans und
deren Kriminalität in jüngster Vergangenheit stark zugenommen, allerdings werden hier
zumeist nur die wenigen verfügbaren Erkenntnisse gebetsmühlenartig wiederholt und keine
neuen Erkenntnisse produziert. Diese Repetition birgt die Gefahr, dass die Distanz und kritische
Würdigung scheinbarer Fakten verloren geht und sich Spekulationen als gesicherte
Erkenntnisse manifestieren.
Es kann gesagt werden, dass die Entwicklung des Phänomens in Deutschland verschlafen
wurde. Allerdings dürfen nun die Reaktionen nicht überstürzt erfolgen. Gerade in der heutigen,
durch Mehrdeutigkeit und Komplexität zu charakterisierenden Welt, in der Menschen mehr als
bisher nach einfachen Erklärungsansätzen und Lösungen streben, liegt gleichsam die Gefahr,
dass (Wirk-)Zusammenhänge nicht vollständig erfasst und sogar zunehmend verdeckt werden.
Insbesondere schnelle Lösungen, wie das Adaptieren phänomenfremder Präventionskonzepte
ist in diesem Kontext äußerst kritisch zu betrachten, wenn dies ohne wissenschaftliche
9
Vgl. Logvinov, M. (2019). Kindeswohlgefährdung im Kontext fundamentalistischer Pädagogik. In forum kriminal-
prävention, 2/2019, 37-40. Kaminski, A. (2011). Islamische Paralleljustiz? Interkultureller Interessenausgleich?
Patriarchalischer Druck? In: Betrifft JUSTIZ 108,171.
17
Begleitung und Aufarbeitung geschieht und Evaluationen unterbleiben. Daher wird es nun
zunehmend wichtiger, sich mit tatsächlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen, die
vermeintlich „gesicherten“ Erkenntnisse der bisherigen Debatte kritisch zu hinterfragen und
vor allem neue, empirisch belastbare Erkenntnisse zu generieren, bevor große
Maßnahmenkonzepte aus dem Boden gestampft werden.
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Chapter
Full-text available
Zusammenfassung Der Beitrag geht der Frage nach, welche Felder und Handlungslogiken der zwei wesentlichen Bereiche der Polizei – der Schutz- und Kriminalpolizei – mit rassistischen Handlungspraktiken assoziiert sein können. Es wird deutlich, dass die schutzpolizeiliche Handlungsgrundlage der Gefahrenabwehr mit stereotypen Konstruktionen von Tatverdächtigen zusammenhängen, die rassifizierende Zuschreibungen enthalten können. Insgesamt basieren Tatverdächtigenkonstruktionen im Rahmen der Gefahrenabwehr im Wesentlichen auf äußere Erscheinungen. Diese spielen in der kriminalpolizeilichen Praxis eine geringere Rolle, vielmehr besitzen hier Zuordnungsprozesse von Informationen zu konstruierten bzw. ermittelten Tatverdächtigengruppen eine Bedeutung, die ebenfalls rassifizierende Zuschreibungen widerspiegeln können.
Conference Paper
Full-text available
To be effective in preventing organised crime, we need to focus on addressing root causes. In doing so, we should acknowledge that OC is often caused by government policies that do not work, are not in place, or are ineffective. This paper provides several examples of OC prevention: denying energy know-how to cannabis growers; countering criminal abuse of farming real estate; the prohibition of hidden compartments in vehicles; the Fabricius project in the run-down harbor district of IJmuiden, near Amsterdam; the BIBOB administrative approach to refuse or withdraw permits, licenses, grants and subsidies when there is a serious threat of abuse by criminals; the take-over of the Hansa dark web market, where the police surreptitiously took over control and continued to operate it as usual, quietly logging visitors’ user names, passwords, and activities.
Article
Der vorliegende Beitrag greift die bekannte Debatte der unterschiedlichen Kriminalitätsbelastungen von Bevölkerungsgruppen, insbesondere im Kontext der Migrationsbewegungen auf und weist auf das Spannungsfeld zwischen der faktischen Kriminalitätslage und der gefühlten Wirklichkeit hin. In diesem Zusammenhang wird auf die Möglichkeiten und vor allem Grenzen der Polizeilichen Kriminalstatistik hingewiesen, welche gern für die Darstellung von „Ausländerkriminalität“ beziehungsweise deren Vergleich zur Kriminalitätsbelastung von Deutschen herangezogen wird. Die aufgeführten Grenzen der PKS machen deutlich, dass ein solcher Vergleich anhand der Kriminalstatistik grundsätzlich vermieden werden sollte. Abschließend werden mögliche Alternativen zur Darstellung der Kriminalitätslage diskutiert.
Article
Mods and Rockers, skinheads, video nasties, designer drugs, bogus asylum seeks and hoodies. Every era has its own moral panics. It was Stanley Cohen’s classic account, first published in the early 1970s and regularly revised, that brought the term ‘moral panic’ into widespread discussion. It is an outstanding investigation of the way in which the media and often those in a position of political power define a condition, or group, as a threat to societal values and interests. Fanned by screaming media headlines, Cohen brilliantly demonstrates how this leads to such groups being marginalised and vilified in the popular imagination, inhibiting rational debate about solutions to the social problems such groups represent. Furthermore, he argues that moral panics go even further by identifying the very fault lines of power in society.
Article
A dual taxonomy is presented to reconcile 2 incongruous facts about antisocial behavior: (a) It shows impressive continuity over age, but (b) its prevalence changes dramatically over age, increasing almost 10-fold temporarily during adolescence. This article suggests that delinquency conceals 2 distinct categories of individuals, each with a unique natural history and etiology: A small group engages in antisocial behavior of 1 sort or another at every life stage, whereas a larger group is antisocial only during adolescence. According to the theory of life-course-persistent antisocial behavior, children's neuropsychological problems interact cumulatively with their criminogenic environments across development, culminating in a pathological personality. According to the theory of adolescence-limited antisocial behavior, a contemporary maturity gap encourages teens to mimic antisocial behavior in ways that are normative and adjustive.
Die Zukunft der Polizeiarbeit -die Polizeiarbeit der Zukunft, Rothenburger Beiträge Band 100/101, Teil II
  • R Berthel
Berthel, R. (2019): Aktuelle Herausforderungen an die Kriminalistik. In E. Kühne (Hrsg.), Die Zukunft der Polizeiarbeit -die Polizeiarbeit der Zukunft, Rothenburger Beiträge Band 100/101, Teil II, S. 1-47.
Sex and the Citadel. Intimate Life in a Changing Arab World
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El Feki, S. (2013): Sex and the Citadel. Intimate Life in a Changing Arab World. New York: Anchor.
Arabische Clans. Die unterschätze Gefahr
  • R Ghadban
Ghadban, R. (2018): Arabische Clans. Die unterschätze Gefahr. Berlin: Econ.