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Abstract

Report zum Workshop "Erst zum Arzt oder gleich die App?!" auf der 64. GMDS-Jahrestagung, Dortmund 2019.
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
– Workshop Report –
Erst zum Arzt oder gleich die App?!
Ein Workshop der GMDS-AG Consumer Health Informatics zur
Wirkung digitaler Lebenswelten auf das Arzt-Patienten-Verhältnis
AutorInnen in alphabetischer Reihenfolge
Benjamin Kinast
Institut für Medizinische Informatik und
Statistik, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein und
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
benjamin.kinast@uksh.de
Monika Pobiruchin
GECKO Institut für Medizin, Informatik und
Ökonomie, Hochschule Heilbronn
monika.pobiruchin@hs-heilbronn.de
Björn Schreiweis
Institut für Medizinische Informatik und
Statistik, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein und
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
bjoern.schreiweis@uksh.de
Veronika Strotbaum
ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin
GmbH, Bochum
v.strotbaum@ztg-nrw.de
Martin Wiesner
Medizinische Informatik, Fakultät für
Informatik, Hochschule Heilbronn
martin.wiesner@hs-heilbronn.de
1. HINTERGRUND
Die Verbreitung digitaler Angebote ver¨
andert das individu-
elle Gesundheitsverhalten und die Gesundheitsversorgung [1].
B¨
urgerInnen vermessen sich selbst, tracken ihr Bewegungs-
oder Schlafverhalten; die Angewohnheit, bei Beschwerden
und Symptomen erst einmal Dr. Google“ zu Rate zu ziehen,
ist heutzutage weit verbreitet. Die Nutzung von digitalen
Anwendungen, wie Apps oder Wearables, ist in den letzten
Jahren deutlich angestiegen [2, 3] und mit ihr die Art und
Weise, wie B¨
urgerInnen digitale Gesundheitstechnologien
nutzen oder sogar mitentwickeln.
Vor diesem Hintergrund organisierte die AG Consumer
Health Informatics (CHI) auf der 64. Jahrestagung der Deut-
schen Gesellschaft f¨
ur Medizinische Informatik, Biometrie
und Epidemiologie (GMDS e. V.) den Workshop Erst zum
Arzt oder gleich die App?!“, um die m¨
oglichen Auswirkungen
eines zunehmend digitalen Gesundheitswesens zu diskutieren.
Insbesondere war es Ziel der Veranstaltung zu er¨
ortern, ob
und wie sich ver¨
anderte Lebenswelten der PatientInnen auf
das Arzt-Patienten-Verh¨
altnis auswirken.
F¨
ur den Einstieg bot der Workshop durch Impulsvortr¨
age
Einblicke in jene Felder der Gesundheitsversorgung, die schon
heute Auswirkungen der Digitalisierung erleben und in denen
B¨
urgerInnen bzw. PatientInnen mitunter selbst aktiv werden.
Die ReferentInnen stammten aus der:
1. Patientenvertretung bzw. Selbsthilfe,
2.
einer Forschungseinrichtung, die den Einfluss digitaler
Technologien im l¨
andlichen Raum untersucht und
3.
einer Forschungseinrichtung, welche die Perspektiven
von Menschen mit Diabetes aus der Do-It-Yourself-
Artifical Pancreas Systems“ Community erforscht
In einer anschließenden Diskussionsphase nahmen die Teil-
nehmenden verschiedene Perspektiven – wie bspw. der Pa-
tientInnen/B¨
urgerInnen, MedizinerInnen oder Forschenden
– ein und tauschten sich zu unterschiedlichen, technischen
oder ethischen Fragenstellungen aus.
2. WORKSHOP
Der Workshop fand am 10. September 2019 in der Zeit von
10:00 bis 12:30 Uhr in Dortmund statt. Die AG CHI hatte
den Workshop im Vorfeld ¨
uber den GMDS-Verteiler sowie
¨
uber Tweets des AG-Twitteraccounts
@gmdsCHI
aktiv bewor-
ben. Hiermit sollten sowohl TagungsbesucherInnen als auch
externe Interessierte angesprochen werden, um eine m¨
oglichst
interdisziplin¨
are Zuh¨
orerschaft und damit eine vielschichtige
und zugleich kontroverse Diskussion zu erreichen.
Insgesamt nahmen ¨
uber 35 Personen w¨
ahrend der Impuls-
referate teil. In der anschließenden interaktiven Gruppenpha-
se beteiligten sich 21 Personen. Die Teilnehmenden kamen
dabei von verschiedenen Hochschuleinrichtungen, aus der
Selbsthilfe oder der Industrie. Die Teilnehmenden hatten die
M¨
oglichkeit, sich in eine Unterschriftenliste einzutragen, um
bei Wunsch im Nachgang des Workshops weitere Informatio-
nen zur AG sowie diesen Workshop Report zu erhalten.
2.1 Impulsreferate
Nach kurzer Begr¨
ußung und Einf¨
uhrung zum Themenkon-
text durch die AG-Leitung schlossen sich die drei Impulsre-
fererate an. Deren Kernaussagen sind in den nachfolgenden
Abschnitten zusammen gefasst.
2.1.1 Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG)
Birgit Dembski von der BAG berichte in ihrem Vortrag
App oder Arzt? Die Perspektive einer Patientenvertreterin
zum Arztverh¨
altnis in digitalen Zeiten“, wie PatientInnen
die Digitalisierungsprozesse erleben und welche Aspekte bei
der zuk¨
unftigen Gestaltung eines digitalen Gesundheitswe-
sens Relevanz besitzen. Sie betonte hierbei, dass es gerade
f¨
ur Menschen mit chronischen und/oder seltenen Erkran-
kungen besonders wichtig sei, ein zuverl¨
assiges und breites
Beratungs- und Helfernetz nutzen zu k¨
onnen. Sie machte
deutlich, dass digitale Anwendungen vor allem die Option
b¨
oten, die Kommunikation und den Datenaustausch zwi-
1
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
schen den Behandelnden, etwa ¨
uber eine elektronische Pa-
tientenakte, zu f¨
orden bzw. zu erweitern. Zudem k¨
onnten
nutzenstiftende digitale Anwendungen dazu beitragen, das
Selbstmanagement und die Patientenedukation zu st¨
arken.
Als Beispiel f¨
uhrte Frau Dembski in diesem Zusammenhang
Apps zur F¨
orderung einer sicheren Medikation oder zum
Medikamentenmanagement an (vgl. Abbildung 1).
Abbildung 1: Erwartungen der PatientInnen an ei-
ne innovative und digitalisierte Gesundheitsversor-
gung.
Gleichzeitig m¨
ussten digitale Anwendungen jedoch immer
einen konkreten Mehrwert gegen¨
uber konventionellen Versor-
gungsformen aufweisen; Technik sei kein Selbstzweck.
Zentral sei aus Sicht der Selbsthilfe weiterhin, dass (a)
Datenschutz und Datensicherheit gew¨
ahrleistet seien, (b)
die Nutzung digitaler Technologien freiwillig sei und diese
nicht als Arzt- oder Therapeutenersatz missbraucht w¨
ur-
den, (c) digitale Anwendungen m¨
oglichst barrierefrei (also
auch f¨
ur Menschen mit Behinderungen oder funktionalen Ein-
schr¨
ankungen nutzbar) gestaltet werden m¨
ussten, sowie (d)
m¨
oglichst transparent und patientenfreundlich ¨
uber die Qua-
lit¨
at solcher Anwendungen berichtet werde. Frau Dembski
schloss mit dem Fazit: App und Arzt!
2.1.2 Universität Osnabrück
Pascal Meier von der Universit¨
at Osnabr¨
uck fokussierte in
seinem Vortrag mit dem Titel Digitale Applikationen zur
personalisierten Gesundheitsversorgung – Eine Chance f¨
ur
den l¨
andlichen Raum?“ insbesondere das Projekt Dorfge-
meinschaft 2.0“ und berichtete von den Chancen und Rah-
menbedingungen digitaler Anwendungen im l¨
andlichen Raum.
Vor dem Hintergrund besonderer Herausforderungen auf dem
Land solle in diesem Projekt modellhaft ein gesundheitsbe-
zogenes Versorgungskonzept entwickelt und beispielhaft in
der Region Grafschaft Bentheim/S¨
udliches Emsland imple-
mentiert werden. Herr Meier berichtete, dass das Pro jekt
auf die Bereiche (a)
Virtueller Dorfmarktplatz“ zur Nah-
versorgung, (b) IKT-gest¨
utzte Mobilit¨
atskonzepte, (c) die
Digitalisierte Pflege“, sowie die (d) Rollende Praxis“ zur
Etablierung einer aufsuchenden, telemedizinisch gest¨
utzten
Gesundheitsversorgung setze.
Er stellte unterschiedliche technische Ans¨
atze vor, wie die
Selbstst¨
andigkeit bis ins hohe Alter erhalten werden und die
ambulante Versorgung gest¨
arkt werden k¨
onnen. Ein Schwer-
punkt des Projektes sei dabei der virtuelle Dorfmarktplatz:
Dieser erm¨
ogliche es, dass Bewohner der Gemeinden jederzeit
Neuigkeiten abrufen und mit anderen B¨
urgerInnen in Kon-
takt treten k¨
onnten. Weiterhin enthalte die Anwendung eine
Chatfunktion sowie die App MeinZuhause. Diese erm¨
oglicht
es mittels Sensoren, die Aktivit¨
aten eines Bewohners im Haus
zu monitoren und m¨
ogliche Abweichungen aufzudecken, so
dass bspw. Angeh¨
orige ggf. informiert werden k¨
onnten. Die
App hierf¨
ur sei auf allen Endger¨
aten nutzbar und stelle ins-
besondere ein niedrigschwelliges Angebot dar, um die ¨
altere
Bev¨
olkerung vor Ort besser einzubinden.
Pascal Meier betonte, dass f¨
ur ein gelungenes ¨
Alterwerden
in der Kommune neben einem aktiven pers¨
onlichen Netzwerk,
vor allem technikzentrierte Anwendungen dazu beitragen
k¨
onnen, die Lebensqualit¨
at und Selbstst¨
andigkeit bis ins
hohe Alter zu bewahren.
2.1.3 Institut für Technikfolgenabschätzung und Sys-
temanalyse (ITAS), KIT Karlsruhe
Im abschließenden Impulsvortrag mit dem Titel DIY Ar-
tificial Pancreas Systems - Selbst entwickelte Technologien
f¨
ur mehr Sicherheit und Gesundheit?“ richtete Silvia Woll
ihren Blick auf die sog. Loopenden
1
, eine Do-It-Yourself-
Community, die ihren Typ-1 Diabetes mittels Technologie
eigenst¨
andig managen m¨
ochte. Diese Community betrachte
digitale Technologien vor allem auch als ein Hilfsmittel, um
die Lebensqualit¨
at zu erh¨
ohen. Frau Woll stellte in ihrem Vor-
trag das Konzept einer k¨
unstlichen Bauchspeicheldr¨
use (Ar-
tificial Pancreas (AP) System) [4] f¨
ur Typ-1-Diabetiker vor,
die auf ein kontinuierliches Monitoring ihrer Blutzuckerwerte
angewiesen sind. Die Besonderheit l¨
age nach ihrer Einsch¨
at-
zung darin, dass Diabetiker mittels OpenSource-Software [5]
bzw. Baupl¨
anen“ die k¨
unstliche Bauchspeicheldr¨
use indivi-
duell und eigenst¨
andig konfigurieren k¨
onnten, da es bisher
noch keine offiziell als Medizinprodukt zertifizierten Systeme
auf dem Markt g¨
abe.
Anschließend fokussierte sie in ihrem Vortrag vor allem auf
die Perspektive der Betroffenen und der behandelnden ¨
Arz-
tInnen und berichtete von ihren Interviews mit NutzerInnen
des AP-Systems. Sie stellte heraus, dass nach Aussagen eini-
ger AnwenderInnen vor allem die Spontanit¨
at und die eigene
Sicherheit durch das System erh¨
oht w¨
urden; manche berich-
teten sogar, dass sie ihren Diabetes erstmals nach langer Zeit
nicht mehr als große Sache“ oder Einschr¨
ankung erleben
w¨
urden. Vor allem die Unterst¨
utzung durch die Community
d.h. durch andere Betroffene sei wertvoll.
Zugleich ¨
außerten jedoch einige DiabetikerInnen auch ¨
Angs-
te. Selbige vertr¨
aten die Meinung, dass ein solches System
eher f¨
ur erfahrene und technikaffine Menschen mit Diabetes
geeignet sei. ¨
ArztInnen st¨
unden dem Einsatz solcher Sys-
teme durchaus sehr unterschiedlich gegen¨
uber: von großen
Unterst¨
utzerInnen bis hin zu großen SkeptikerInnen sei alles
vertreten. Silvia Woll schloss ihren Vortrag mit den Wor-
ten eines Anwenders: Diese M¨
oglichkeit, die ja eine rein
technische und f¨
ur jeden anwendbare ist, ja, den Menschen
vorzuenthalten, das ist eigentlich unethisch.
1
Entlehnt aus dem Englischen: Close the loop“, d.h. au-
tomatisierte Insulinabgabe auf Basis einer kontinuierlichen
Blutzuckermessung (CGM, Continuous Glucose Monitoring).
2
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
2.2 Diskussion in Gruppen
Nach den Impulsvortr¨
agen schloss sich eine Diskussion im
Stile eines World Caf´e [6] an. Die Teilnehmenden nahmen
dabei verschiedene Perspektiven ein; nach einer kurzen Fin-
dungsphase formierten sich f¨
unf Gruppen Hinweis: Anzahl
Mitglieder in Klammern:
1. ¨
Arztinnen und ¨
Arzte (6),
2. Politik (3),
3. Forschende (3),
4. PatientInnen & B¨
urgerInnen (5),
5. Industrie & Startups (4).
Die Gruppen diskutierten f¨
ur rund 45 Minuten ihre (selbst)
gew¨
ahlte Fragestellung; ein Wechsel der Gruppen und der
damit einhergehenden Perspektive fand auf Grund angeregter
Diskussionen innerhalb der Gruppen kaum statt.
3. ERGEBNISSE
Nachfolgend werden die Diskussionsergebnisse der Grup-
pen kurz zusammengefasst und anschließend im Kontext
nationaler Entwicklungen bzw. aktueller Gesetzgebungsver-
fahren eingeordnet.
3.1 Ärztinnen und Ärzte
Die Gruppe der ¨
Arztinnen und ¨
Arzte diskutierte vorwie-
gend ¨
uber die Rolle des Arztes und das Arztbild in einem
zunehmend digitalisierten Gesundheitssystem (vgl. Abbil-
dung 2).
Abbildung 2: Ergebnisse der Gruppe ¨
Arztinnen
und ¨
Arzte“.
Zum einen st¨
unde die Bef¨
urchtung einer Entpersonali-
sierung durch die fortschreitende Digitalisierung im Raum.
Zum anderen k¨
onnten telemedizinische Versorgungsans¨
atze
durchaus sinnvoll implementiert werden und f¨
ur den l¨
and-
lichen Raum eine Chance darstellen, wenngleich sie dann
aber kein Hindernis des herk¨
ommlichen Praxisablaufs sein
d¨
urften. Digitale Anwendungen m¨
ussten sich daher auch f¨
ur
die ¨
Arztinnen und ¨
Arzte rentieren“, so eine der wesentlichen
Forderungen der Gruppe.
Mit Blick auf die ¨
Arzteschaft wurde in der Gruppe insbe-
sondere der Faktor Zeit“ diskutiert. Im Rahmen der digitalen
Umgestaltung von Versorgung m¨
usse unbedingt vermieden
werden, dass auf diese Berufsgruppe Mehrarbeit, bspw. auf-
grund aufw¨
andigerer Prozesse, oder wachsende Dokumentati-
onspflichten zukommen w¨
urden. Eine mit dem Einsatz neuer,
digitaler Versorgungsformen verbundene Verg¨
utung k¨
onne
ein wichtiges Mittel zur Steuerung dieser Transformation
darstellen.
Die ¨
arztliche Rolle wird zunehmend als Lotse“ im Da-
tendschungel“ verstanden. Dennoch fungieren ¨
Arzte auch
weiterhin als Vertrauenspersonen f¨
ur PatientInnen. Dabei
helfe er/sie bei der Einordnung von erhobenen Daten. Die
Gruppenteilnehmer waren sich jedoch ebenfalls einig, dass
eine Datenflut“ auf die Behandelnden zukommen werde und
es schwierig werden d¨
urfte, dieser Flut zu begegnen. Eben-
falls wurde die oft schwer beurteilbare Validit¨
at jener Daten
als kritisch angesehen.
3.2 Politik
Ausgehend von der Frage, ob Politik als Dirigent“ der Ge-
sundheitsversorgung t¨
atig werden soll oder muss, diskutierte
die Gruppe, welche Chancen und Erwartungen B¨
urgerInnen
an ein modernes Gesundheitssystem stellen. Hierbei wurde
schnell ein Spannungsfeld zwischen den vielen Pilotprojekten
und einer bei B¨
urgerInnen wahrgenommenen Unterversor-
gung in der Fl¨
ache festgestellt (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Ergebnisse der Gruppe Politik“.
Stattdessen m¨
usse Politik Vernetzung zwischen den ver-
schiedenen Akteuren erm¨
oglichen und zielgerichtet f¨
ordern.
Hiermit verkn¨
upft waren Fragen rund um Verg¨
utung und
Finanzierung von denjenigen Projekte, welche sich f¨
ur ei-
ne nachhaltige Einbindung in die Regelversorgung eignen
w¨
urden. In diesem Zusammenhang wurden auch die Anstren-
gungen und Bereitschaft zur Ver¨
anderung im Rahmen des
Innovationsfonds2diskutiert.
Als eine wesentliche Herausforderung diskutierten die Grup-
penteilnehmerInnen, dass zunehmend internationale Markt-
teilnehmer mit Innovationen in immer schnellerer Abfolge in
das deutsche Gesundheitssystem dr¨
angten, bspw. Anbieter
wie Amazon und Apple. Vorbehalte seitens der B¨
urgerInnen
gg¨
u. vorwiegend US-amerikanischen Konzernen sollten in
der Diskussion unbedingt ber¨
ucksichtigt werden. Aspekte
des Datenschutzes und informationeller Selbstbestimmung
spielten zudem im Kontext der aktuellen Debatte um elektro-
nische Patientenakten eine herausgehobene Rolle. Die Politik
sei hier gefordert, digitale Angebote zu erm¨
oglichen, dabei
¨
Angste zu nehmen und gleichzeitig Barrieren zu reduzieren.
2Online: https://innovationsfonds.g-ba.de/
3
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
Dies betr¨
afe jedoch nicht nur das nationale Gesundheits-
system, sondern wirke auch ¨
uber nationale Grenzen hinaus:
Der Austausch von Daten und die kooperative Erbringung
von Gesundheitsdienstleistungen wurden unter europ¨
aischen
Gesichtspunkten ebenfalls als wesentliche Herausforderungen
f¨
ur die Politik benannt. In diesem Zusammenhang wurden
eingeschr¨
ankte Offenheit und Kooperationsbereitschaft sei-
tens nationaler Akteure thematisiert. Im Zuge einer sich
ver¨
andernden Erwartungshaltung seitens der Versorgten, wel-
che mit vielseitigen App-Angeboten in der Praxis“ auftr¨
aten,
sei die Politik hier besonders gefordert. Ein m¨
oglicher Weg
wurde darin gesehen, nutzen- und nutzerorientierte Angebote
zu zertifizieren und jene besser sichtbar zu machen.
3.3 Forschung
Die Pr¨
amisse f¨
ur die Diskussionen in der Gruppe war es,
Forschungsthemen in Bezug auf die Nutzung von Apps zu
betrachten
3
Ein wichtiger Punkt um den sich die weitere
Diskussion drehte, war die Technologieakzeptanz durch Nut-
zerInnen (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Ergebnisse der Gruppe Forschung“.
Hierbei wurden u.a. die (a) Konstrukte der Technologieak-
zaptenz, bspw. messbar ¨
uber UTAUT
4
[7], die (b) N¨
utzlich-
keit von Apps, sowie die (c) Technologieskepsis der Nutze-
rInnen als Determinanten identifiziert.
Gleichzeitig k¨
onnen aber auch die emotional-psycho-
logische Wirkungen einer Erkrankung und die Bindung an
eine App eine unterschiedliche Nutzungsintensit¨
at verursa-
chen. Wie genau sich dieser Einfluss auswirke und wie die
Einstellungen der NutzerInnen beeinflusst werden k¨
onnen,
bleibe zu erforschen. Inwieweit Apps die Autonomie von
NutzerInnnen unterst¨
utzen und dies die Nutzung der App
pr¨
agen k¨
onnten, wurde als ein weiterer relevanter Faktor
3
Die durch die Nutzung von Apps generierten Daten waren in
diesem Workshop ausdr¨
ucklich nicht Inhalt der Diskussionen.
4Unified theory of acceptance and use of technology
in der Diskussion er¨
ortert. Zudem ist die Schwere einer Er-
krankung ein weiterer zu untersuchender Einflussfaktor. So
k¨
onne vermutet werden, dass eine bestimmte Schwere einer
Erkrankung zu einer gr¨
oßeren Emotionalit¨
at in der Nutzung
einer App f¨
uhren k¨
onnte. Die Gruppenteilnehmer stimmten
¨
uberein, dass hier weitere Potentiale f¨
ur interdisziplin¨
are
Forschung best¨
unden.
3.4 PatientInnen & BürgerInnen
Die TeilnehmerInnen waren bereits zu Beginn der Dis-
kussionsrunde dar¨
uber einig, dass die Akzeptanz digitaler
Angebote gegenw¨
artig insbesondere durch unzureichende In-
formationsm¨
oglichkeiten behindert wird. Daher begegnet eine
Mehrheit der B¨
urgerInnen selbst vermeintlich niedrigschwel-
ligen digitalen Angeboten mit einer grundlegenden Skepsis
(vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5: Ergebnisse der Gruppe PatientInnen
& B¨
urgerInnen“.
Die Gruppe leitete daraus das ¨
ubergeordnete Ziel ab, Ur-
sachen f¨
ur fehlendes Vertrauen bzw. Misstrauen zu identifi-
zieren und hieraus L¨
osungsans¨
atze abzuleiten.
W¨
ahrend in der herk¨
ommlichen medizinischen Versorgung
hinreichende analoge sowie digitale Informationsangebote
vorgehalten w¨
urden
5
, seien B¨
urgerInnen und PatientInnen
bei digitalen Versorgungsangeboten oft auf sich allein ge-
stellt. Entschieden sich motivierte PatientInnen dennoch
dazu, sich digitale Unterst¨
utzung f¨
ur das jeweilige k¨
orperli-
che oder psychische Leiden zu suchen, w¨
urden sie ohnehin
mit oftmals schwer nachvollziehbaren oder beunruhigenden,
medizinischen Sachverhalten konfrontiert. Zudem w¨
urden sie
an einem ¨
Uberangebot von verheißungsvollen Apps scheitern.
Ersuchten die PatientInnen ihre behandelnden ¨
ArztInnen
um Hilfe, s¨
ahen sich diese schnell mit ¨
ahnlichen Problemen
konfrontiert – es mangele an vertrauensw¨
urdigen Informati-
onsangeboten, so ein Fazit der Gruppe.
F¨
ur die Gruppe erschien daher die Implementierung ei-
ner transparenten medizinisch-technischen Instanz f¨
ur die
Pr¨
ufung von Qualit¨
at und Nutzen von digitalen Applika-
tionen, vergleichbar mit dem T ¨
UV, als unabdingbar. Diese
im Verlauf des Workshops unter dem Begriff Appotheke“
5
bspw. durch die Haus- oder Fach¨
arztInnen, die lokalen Apo-
thekerInnen oder ¨
offentliche Beratungsangebote
4
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
diskutierte Plattform w¨
are mit der Aufgabe betraut, digitale
Angebote auf ihre technische und medizinische Wirkungs-
weise, im Kontext einer Erkrankung, (a) zu ¨
uberpr¨
ufen, (b)
Zertifikate auszustellen und (c) Empfehlungen f¨
ur ¨
ArztInnen
und PatientInnen auszusprechen.
Anwendungen, die den Anforderungen evidenzbasierter
Medizin gen¨
ugen w¨
urden, ließen sich hier¨
uber in einem weite-
ren Schritt in Behandlungsleitlinien integrieren. Dies k¨
onnte
das Vertrauen seitens der behandelnden ¨
ArztInnen sowie der
PatientInnen st¨
arken. Dar¨
uber hinaus w¨
are es notwendig,
behandelnde ¨
ArztInnen zu bef¨
ahigen, sich eigenst¨
andig ¨
uber
Empfehlungen der Appotheke“ hinaus kritisch mit einem
digitalen Angebot auseinander zu setzen, um sich eine ei-
gene Meinung bilden zu k¨
onnen. Die notwendige Expertise
ließe sich im Rahmen zertifizierter Weiterbildungsangebote
f¨
ur Digitale Medizin vermitteln. So k¨
onnten PatientInnen
zuk¨
unftig gezielt ¨
ArztInnen aufsuchen, welche ¨
uber das not-
wendige Know-how verf¨
ugen, um sowohl bei Fragen zum
medizinischen Nutzen, zur technologischen Funktionsweise
wie auch aus zu datenschutzrechtlichen Aspekten von Ge-
sundheitsapplikationen Auskunft geben zu k¨
onnen.
In einem abschließenden Austausch kamen die Gruppen-
mitglieder zum Schluss, dass trotz des Potentials digitaler
Versorgungsangebote nicht jene Patientengruppen abgeh¨
angt
werden d¨
urfen, die aus gesundheitlichen oder pers¨
onlichen
Gr¨
unden weiterhin ausschließlich ihren behandelnden ¨
Arz-
tInnen vertrauen m¨
ochten. Denn der pers¨
onliche Kontakt
sei auch im digitalen Zeitalter nicht zu ersetzen, sondern
gewinne eher an Bedeutung.
3.5 Industrie & Startups
Die Diskussion der Gruppe stand unter drei Pr¨
amissen
(vgl. Abbildung 6, links oben):
1.
Das Gesch¨
aftsmodell von Unternehmen d¨
urfe nicht auf
dem Verkauf von (gesundheitsbezogenen) Daten fußen.
Es m¨
usse alternative Gesch¨
aftsmodelle und F¨
orderun-
gen geben.
2.
Technologie, d.h. Gadgets oder Software d¨
urfe nicht als
Selbstzweck angesehen werden.
3.
Das Vertrauen der AnwenderInnen in einen Dienst bzw.
die dahinterstehende Institution m¨
usse gest¨
arkt werden.
Abbildung 6: Ergebnisse der Gruppe Industrie &
Startups“.
Auf Basis dieser Pr¨
amissen ¨
uberlegten sich die Gruppen-
mitglieder ein F¨
ordermodell“, das ¨
ahnlich wie der bereits
bestehende Innovationsfonds (des G-BA) innovative Entwick-
lungsprojekte f¨
ordern k¨
onnte. Zwingend vorgesehen sei dabei
jedoch die Einbeziehung von Betroffenen oder Selbsthilfeor-
ganisationen. Zum einen w¨
urden diese Gruppen selbst den
unmet need am besten kennen; zum anderen f¨
ande sich dort
auch oftmals eine gewisse, intrinsische Bereitschaft, an einem
Projekt mitzuarbeiten, bspw. um einer Community etwas
zur¨
uckzugeben“.
Des Weiteren sollte eine F¨
orderung u.a. daran gekoppelt
sein, dass (a) technische Mindeststandards eingehalten wer-
den, (b) ein Ethikvotum vorliegt und (c) in einer Evaluations-
phase auch der Nutzen einer Anwendung bzw. eines neuen
Dienstes belegt seien.
4. FAZIT UND AUSBLICK
Eine anschließende Diskussion unter Einbeziehung aller
Arbeitsgruppen synthetisierte die Workshopergebnisse f¨
ur
alle Beteiligten wie folgt:
B¨
urgerInnen k¨
onnen von den Vorteilen digitaler Ge-
sundheitsangebote profitieren, zeigen sich zunehmend
selbstbewusster im Umgang mit modernen Technologi-
en, sowie in ihrem Gesundheitsverhalten [8].
Nichtsdestrotrotz m¨
ussen etwaige Gefahren – etwa hin-
sichtlich des Datenschutzes oder des Einsatzes nicht
¨
uberpr¨
ufter Gesundheitstechnologien – beachtet wer-
den. Ein intensiver, kritischer und interdisziplin¨
arer
Austausch mit B¨
urgerInnen und PatientInnen ist daher
von großer Bedeutung und f¨
ordert eine Entwicklung,
in der B¨
urgerinnen und B¨
urger eine aktiv(er)e Rolle
zugesprochen bekommen.
F¨
ur etablierte“ und neuen Akteure im Gesundheitswe-
sen bedeutet dies mitunter, dass sich auch in Hinblick
auf ihre eigene digitale Gesundheitskompetenz fort-
bilden m¨
ussen. Das Thema einer transparenten Dar-
stellung der Qualit¨
at und Vertrauensw¨
urdigkeit von
digitalen Gesundheitsanwendungen wird dabei immer
wichtiger werden und sollte interdisziplin¨
ar er¨
ortert
werden. Dar¨
uber hinaus sollten begleitende Prozesse so
weit wie m¨
oglich standardisiert werden. Dies gilt insbe-
sondere mit Blick auf die aktuellen gesundheitspoliti-
schen Entwicklungen
6
, welche einen leichteren Zugang
von digitalen Gesundheitsanwendungen f¨
ur ¨
ArztInnen
und PatientInnen erm¨
oglichen sollen.
Digitale Gesundheitsanwendungen k¨
onnen bald auf Re-
zept verordnet werden. ¨
Arzte und PatientInnen m¨
ussen
jedoch wissen, wo sie die notwendigen Informationen
¨
uber empfehlenswerte Anwendungen erhalten. Zudem
m¨
ussen sie sich dar¨
uber bewusst sein, dass ein digitales
Gesundheitswesen nicht nur in Hinblick auf Effizienz-
steigerungen, sondern auch unter sozialen, rechtlichen
und ethischen Gesichtspunkten diskutiert und begleitet
werden muss - eine allgemeing¨
ultige und f¨
ur alle Sze-
narien passgenaue L¨
osung existiert nicht. Die digitale
Transformation ist stets als dynamischer Prozess zu
sehen und als solcher zu begleiten.
Die Ergebnisse des Workshops zeigen deutlich, dass die AG
CHI mit dem Thema ein Feld besetzt hat, welches aktuell
sehr rege in Wissenschaft, Politik und Praxis diskutiert wird
und auch in naher Zukunft sehr vielschichtig bleiben wird.
6Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), [9]
5
Workshop Report 64. GMDS-Jahrestagung 2019, Dortmund
Vor diesem Hintergrund m¨
ochte die AG CHI auch in Zukunft
den Dialog mit unterschiedlichen Akteuren fortsetzen, um
Impulse in der Diskussion rund um digitale Gesundheits-
technologien zu geben, die Entwicklungen im deutschen und
europ¨
aischen Gesundheitswesen zu begleiten und Interessier-
ten und Entscheidungstr¨
agern weiterf¨
uhrende Informationen
aus verschiedenen Perspektiven zur Verf¨
ugung stellen zu
k¨
onnen.
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[9]
Bundesministerium f¨
ur Gesundheit (Hrsg.). ¨
Arzte sollen
Apps verschreiben k¨
onnen: Gesetz f¨
ur eine bessere
Versorgung durch Digitalisierung und Innovation
(Digitale-Versorgung-Gesetz - DVG), 2019. Online:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/
digitale-versorgung-gesetz.html; Zugriff am
09.01.2020.
KONTAKT
Mehr zur T¨
atigkeit der AG CHI finden Sie auf der GMDS-
Website
7
, sowie ¨
uber den Twitter-Account der Arbeitsgruppe:
https://twitter.com/gmdsCHI.
MITWIRKUNG
Falls Sie sich einbringen m¨
ochten, kontaktieren Sie uns gerne
unter
B
ag.chi@gmds.de. Die AG freut sich stets ¨
uber An-
regungen, neue Mitglieder und f¨
ordert eine interdisziplin¨
are
Zusammenarbeit.
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AG Arbeitsgruppe.
AP Artificial Pancreas.
APS Artificial Pancreas System.
BAG Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.
CGM Continuous Glucose Monitoring.
CHI Consumer Health Informatics.
DIY Do-It-Yourself.
DVG Digitale-Versorgung-Gesetz.
G-BA Gemeinsamer Bundesausschuss.
GECKO
Institut f¨
ur Medizin, Informatik und ¨
Okonomie.
GMDS
Deutsche Gesellschaft f¨
ur Medizinische Informa-
tik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
IKT Informations- und Kommunikationstechnik.
ITAS
Institut f¨
ur Technikfolgenabsch¨
atzung und Sys-
temanalyse.
KIT Karlsruher Institut f¨
ur Technologie.
T¨
UV Technischer ¨
Uberwachungsverein.
UTAUT
Unified theory of acceptance and use of techno-
logy.
ZTG
Zentrum f¨
ur Telematik und Telemedizin GmbH.
VERSION
1 – Fassung vom 9. Januar 2020 (Final)
COPYRIGHT
c
Copyright 2020 – Alle Inhalte, insbesondere Texte, Foto-
grafien und Grafiken sind urheberrechtlich gesch¨
utzt. Alle
Rechte, einschließlich der Vervielf¨
altigung, Ver¨
offentlichung,
Bearbeitung und ¨
Ubersetzung, bleiben vorbehalten.
Die Autoren und Autorinnen
7https://gmds
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de/aktivitaeten/medizinische-
informatik/arbeitsgruppenseiten/consumer-health-
informatics-chi/
6
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Article
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Digital health is uniquely positioned to transform health care. This viewpoint explores the enormous benefits for health consumers when digital-first health care is embraced. Also, it explores what risks exist if surveillance capitalism takes over health care. Further, some solutions to prepare digital health citizens for the road ahead are also discussed.
Article
Full-text available
Several thousand mobile phone apps are available to download to mobile phones for health and fitness. Mobile phones may provide a unique means of administering health interventions to populations. The purpose of this systematic review was to systematically search and describe the literature on mobile apps used in health behavior interventions, describe the behavioral features and focus of health apps, and to evaluate the potential of apps to disseminate health behavior interventions. We conducted a review of the literature in September 2014 using key search terms in several relevant scientific journal databases. Only English articles pertaining to health interventions using mobile phone apps were included in the final sample. The 24 studies identified for this review were primarily feasibility and pilot studies of mobile apps with small sample sizes. All studies were informed by behavioral theories or strategies, with self-monitoring as the most common construct. Acceptability of mobile phone apps was high among mobile phone users. The lack of large sample studies using mobile phone apps may signal a need for additional studies on the potential use of mobile apps to assist individuals in changing their health behaviors. Of these studies, there is early evidence that apps are well received by users. Based on available research, mobile apps may be considered a feasible and acceptable means of administering health interventions, but a greater number of studies and more rigorous research and evaluations are needed to determine efficacy and establish evidence for best practices.
Article
Full-text available
Information technology (IT) acceptance research has yielded many competing models, each with different sets of acceptance determinants. In this paper, we (1) review user acceptance literature and discuss eight prominent models, (2) empiri- cally compare the eight models and their exten- sions, (3) formulate a unified model that integrates elements across the eight models, and (4) empiri- cally validate the unified model. The eight models reviewed are the theory of reasoned action, the technology acceptance model, the motivational model, the theory of planned behavior, a model combining the technology acceptance model and the theory of planned behavior, the model of PC utilization, the innovation diffusion theory, and the social cognitive theory. Using data from four organizations over a six-month period with three points of measurement, the eight models ex- plained between 17 percent and 53 percent of the variance in user intentions to use information technology. Next, a unified model, called the Unified Theory of Acceptance and Use of Tech- nology (UTAUT), was formulated, with four core determinants of intention and usage, and up to four moderators of key relationships. UTAUT was then tested using the original data and found to outperform the eight individual models (adjusted
Beyond wellness for the healthy: Digital health consumer adoption
  • S Day
  • Zweig
S Day and M Zweig. Beyond wellness for the healthy: Digital health consumer adoption 2018, 2018. [Online: https://rockhealth.com/reports/beyond-wellnessfor-the-healthy-digital-health-consumeradoption-2018; Zugriff am 22.11.2019].
The world café: Shaping our futures through conversations that matter
  • Juanita Brown
Juanita Brown. The world café: Shaping our futures through conversations that matter. ReadHowYouWant. com, 2010.
Ärzte sollen Apps verschreiben können: Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale-Versorgung-Gesetz -DVG)
  • Gesundheit Bundesministerium Für
Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.).Ärzte sollen Apps verschreiben können: Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale-Versorgung-Gesetz -DVG), 2019. Online: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ digitale-versorgung-gesetz.html; Zugriff am 09.01.2020.