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Dokumentation der Interaktiven Kunst

Authors:
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Leuphana Universität Lüneburg Sommersemester 2018
Seminar: Klang, Raum, Bewegung.
Konzeption und Gestaltung von Klanginstallationen und gestischen Interfaces
Dr. phil, apl. Prof. Rolf Großmann
Dokumentation
der Interaktiven Kunst
“o.T.”
Elizabeth Iskandar Kulturwissenschaften (M.A.)
Gärtnerstr. 35 Matrikel Nr: 3029430
20253 Hamburg 4. Fachsemester
Tel: 0176-821-219-89
elizabeth.A.iskandar@stud.leuphana.de
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Globalisierung und transnationale Sozialräume
Dass die Welt immer in Bewegung ist, passiert eigentlich schon seit
Jahrhunderten. Der Mensch wandert aus verschiedenen Gründen von einem
Ort zu einem anderen. Seit Anfang der 1970-er Jahre hat diese Bewegung in
der politischen Diskussion einen Namen bekommen.1 “Globalisierung” ist für
uns kein Fremdwort mehr und ohne sie kann die Weltwirtschaft heutzutage
gar nicht mehr funktionieren. Steffen Angenendt schreibt in seinem Text über
“Wanderungsbewegungen und Globalisierung”, dass der Begriff ein Ausdruck
für die zunehmende internationale wirtschaftliche, politische und kulturelle
Verflechtung ist.2 Franz Nuscheler hat das qualitativ Neue der Globalisierung
aus soziologischer Sicht in der Lockerung der Kongruenz von Flächen- und
Sozialraum von Ludger Pries zitiert, “Auch die global operierenden Konzerne,
die neuen Kommunikationstechnologien des Hyperspace, der
weltumspannende Konsum massenmedialer Kulturproduktionen und der
Ferntourismus spinnen am Geflecht der globalisierten Transaktion von
Informationen, Gütern und Menschen (). Aber die internationalen
Wanderungsbewegungen haben die wohl umfangreichsten und nachhaltigen
neuen sozialen Verknüpfungen zur Folge ().”3
Diese sozialen Verknüpfungen nennt Nuscheler “transnationale soziale
Räume” und es ist “mehr als das zusammengewürfelte Nebeneinander von
Menschen verschiedener Herkunft und setzt Verknüpfungen voraus, die
ethnische Segmentierungen im “Flächenraum” überwinden. Andernfalls ist der
Sozialraum der Einwanderungsgruppen nicht wirklich transnational, sondern
bildet doch eher eine “ethnische Kolonie”, die häufig zu den Herkunftsländern
engere Beziehungsgeflechte aufrechterhält, als sie zum “Flächenraum”, in
dem man lebt und arbeitet, zu gewinnen vermag. Die raumtheoretische
Interpretation internationaler Migrationsprozesse kann daher nicht ganz
überzeugen, obwohl sie die schleichende Erosion der “Weltkultur der
Nationalstaaten” veranschaulicht.”4
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1 Vgl. Angenendt 2006, S. 37
2 ebd.
3 Zit. von Nuscheler 2006, S. 35
4 Nuscheler 2006, S. 25f.
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Diese “transnationalen sozialen Räume” haben nicht immer eine positive
Wirkung, sowie Nuscheler bereits in der Erklärung genannt hat, sondern auch
negative Auswirkungen. Angenendt hat ein Beispiel im politischen
soziologischen Diskurs gegeben, “so wird beispielweise in der politischen
Soziologie vor allem über die als ‘Erosion der Moderne’ bezeichnete
Transformation von Gesellschaften und Staaten, über die Auflösung von
Sozialsystemen und die Deregulierung staatlicher Aufgaben sowie über
Identitätsverluste und transnationales Regieren diskutiert”. 5 Mit anderen
Worten ist eine zunehmende Zuwanderung und dadurch entstehende
Parallelgesellschaften, eine Auswirkung der Globalisierung, die nicht nur
positive Effekte auf eine Gesellschaft haben können. Der Horizont unserer
Weltanschauung kann sich dadurch erweitern, aber dies ist leider nicht bei
jedem Mensch passiert. Dieser entstehende Konflikt bildet ein Paradigma in
der Gesellschaft, das ich in dieser Installation thematisiere. Nämlich Vorurteile
gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund.
Interaktive Kunst - “o.T.”
Man sieht drei Leute auf dem Monitor, die das gleiche Lied singen. Ein Mann
aus der Türkei, der in einem Dönerladen arbeitet; ein geflüchteter Mann aus
Eritrea und eine Frau mit Kopftuch aus Syrien.6 Diese Videoinstallation wird
nicht nur in einem Raum passiv ausgestellt, sondern sie soll mit ihrem
Betrachter interagieren. Steht man zwei Meter von dem Monitor entfernt, hört
man die Nationalhymnen ihrer Herkunftsländer. Wenn man sich dem Monitor
nähert, wechselt der Ton in den Originalton der singenden Menschen. Das
eigentliche Lied, das sie singen, ist die deutsche Nationalhymne.
Diese Menschen werden beispielsweise in Deutschland als Klischee von
Immigranten wahrgenommen. Als Mensch sind wir daran gewöhnt, uns
positive und negative Vorurteile einzubilden. So sehen wir Menschen an, die
anders aussehen als wir. Wir bilden davon Kategorien in unserem Kopf und
stecken dieses Bild der Menschen als “Stereotypen” in eine unserer
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5 Vgl. Angenendt 2006, S. 37
6 Da bis heutigen Zeitpunkt noch keine Aufnahme entstanden ist, schreibe ich hier die
Urplanung mit diesen Leuten auf.!!
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Schubladen. “Zahlreiche Faktoren wie Interessen, Erfahrungen, Bedürfnisse
und Motive bestimmen mit, was und wie wir etwas (selektiv) wahrnehmen. Die
kognitive Psychologie hat eine Reihe von psychischen Effekten entdeckt, die
die Bildung von Stereotypen (festen Vorstellungsklischees), die Veränderung
von Gedächtnisinhalten entsprechend unserem Vorwissen und die
Einschätzung von Differenzen und Ähnlichkeiten zwischen Objekten
beeinflussen.”7
Diese Faktoren sind heutzutage natürlich auch durch Massenmedien stark
beeinflusst, die man von verschiedenen Quellen konsumiert. Aber ich werde
in dieser Installation nicht explizit die Massenmedien kommentieren, weil es
noch eine tiefere Auseinandersetzung der Medientheorien benötigt. Sondern
ich interessiere mich hier mehr für die Funktion der Medienkunst bzw. der
interaktiven Videoinstallation in der Gesellschaft. Söke Dinkla hat in ihrem
Text “Pioniere Interaktiver Kunst von 1970 bis heute” geschrieben, “Jedes
Kunstwerk ist interaktiv im Sinne einer Offenheit für die Interpretationen und
die Wahrnehmung des jeweiligen Betrachters. Die Rezeption ist variabel; sie
ist abhängig von persönlichen Erfahrungen, Bildungsvoraussetzungen,
historischen und gesellschaftspolitischen Bedingungen. Allerdings variiert die
Bedeutung, die dem Betrachter in verschiedenen historischen Zeiträumen
zugeschrieben wird. Sie ist auch abhängig von den verwendeten
Bildtechniken und künstlerischen Verfahren. Daher ist es notwendig, über das
von den Rezeptionsästhetik vorgeschlagene Verfahren hinauszugehen, um
nicht nur Rezeptionsangebote, sondern auch deren Realisierung beschreiben
zu können. [] Ein interaktives Werk müsste, wenn der Begriff im strengen
Wortsinn verwendet wird, aus einem Regelsystem bestehen, das nur das
Gerüst für die Handlungen des Akteurs und keine Inhalte a priori festlegt. Die
Inhalte würden erst durch den Benutzer entstehen. Das Werk an sich wäre
also semantisch leer. Um ein solches Werk beschreibbar zu machen, muss
seine Realisierung bzw. seine Anwendung rekonstruiert werden. Eine weitere
methodische Grundlage bilden daher kunstwissenschaftliche Untersuchungen
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7 Bergmann 2006, https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all
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zur Performancekunst, wobei vor allem die Happenings, also die
partizipativen Formen, für die Interaktive Kunst wichtig sind.”8
Um diese Anwendung in einem interaktiven Kunstwerk zu rekonstruieren,
habe ich das Video als Hauptmedium in dieser Installation ausgesucht. Nicht
nur weil es mir persönlich, dass am meisten vertraute Medium ist, sondern
Video kann sehr gut geeignet sein, um den Prozess “der (selektiven)
Wahrnehmung” darzustellen, was oben bereits von Bergmann über Verlauf
des Vorurteils zitiert wurde. Die Augen nehmen zuerst an dieser selektiven
Wahrnehmung teil, wenn man in eine Video-Installation eintritt. Die Vorurteile
des Betrachters werden deshalb als erstes von der visuellen Wahrnehmung
stimuliert. Später wird der Betrachter durch den Sensor in einen anderen
Inhalt des Kunstwerks weitergeführt. Ich werde in dem nächsten Kapitel noch
mehr darauf eingehen.
Es ist schwierig Vorurteile wegzudenken, weil Menschen nach Bergmanns
Aussage zur Vorurteilstheorie eine Wahrnehmungsform besitzen, “die bei
normalem Funktionieren eine gewisse Tendenz zur Stereotypie und
Vorteilsbildung aufweisen.”9 Dies ist nur eine Dimension der Vorurteile neben
der emotionalen Dimension (Antipathie), die er in seinem Text weiter aufklärt.
“Die Tatsache, dass Vorurteile so schwer aufzugeben sind, deutet darauf hin,
dass sie wichtige psychische Funktionen für die Lösung emotionaler Konflikte
besitzen. Die genannten Theorien nehmen an, dass Vorurteile gegenüber
Fremdgruppen auf innere oder äußere Konflikte einer Person zurückgehen
(dies können innere Triebkonflikte sein, Konkurrenzerfahrungen,
Frustrationen aller Art), mit denen sie nicht fertig wird.”10
In dem Buch von Elisabeth Young-Bruehl, “The Anatomy of Prejudices”,
wurde dieses Thema in unserer modernen Zeit analysiert. Dass es in all den
regionalen Auseinandersetzungen in den Ära der Staatswirtschaft,
Globalisierung und des Weltkrieges einen größeren Kontext der
Einflussnahme gibt. Es ist eine Ära, in dem “us versus them” beides
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8 Dinkla 1997, S. 10f.
9 Bergmann 2006, https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all
10ebd.
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ausgeprägt aufgeführt, rationalisiert und als Ideologie verstanden wurde.11 Sie
schreibt weiter, “Moreover, since the end of World War II, as individuals and
agencies of many sorts have tried to foster equality and eliminate prejudices,
the specific qualities of the ideological prejudices have become clearer-
unfortunately-because they have proven so peculiarly resistant, so
recalcitrant, and even because they have proven so difficult to understand.”12
Sie kategorisiert dieses Verhalten der Vorurteile in einem Oberbegriff
“Ideologies of Desire”, zu dem Antisemitismus, Rassismus, Sexismus (und
Homophobie)13 gehören.14 “Ideologies of desire are, generally, backlashes
against movements of equality; they are regressive prejudices that reinstate
inequalitis and distinctions when the force of movements for equality has been
registered and (often unconsciously) rejected.”15
Interaktive Kunst ist ein neues Denksystem, das aus verschiedenen
Kunstformen aufgebaut wurde,16 formuliert Söke Dinkler in ihrem Buch. Sie
sind Expanded Cinema, Performances, Klangkunst, elektronischer Musik, und
Film- und Videokunst.17 In meiner Videoinstallation werden all diese Bereiche
der Kunst benutzt. Das Video wird nicht erzählerisch dargestellt, sondern ist
erst mal dafür da, um das Unterbewusstsein der Rezipienten von ihrer
eigenen emotionalen Dimension (Antipathie) aufzuwecken. Es wird besonders
durch den Klang der Nationalhymnen verstärkt und herausgefordert. Anders
gesagt, der Betrachter wird sich in einem Gedankenraum seiner eigenen
Vorurteile gegenüber diesen Stereotypen befinden. Dies ist der Raum der
Wahrnehmungs und Handlungsoptionen in der zeitgenössischen
Medienkunst 18 , über den Rolf Großmann in seinem Text über
Medienklangräume geschrieben hat. Er beschreibt weiter, “Die Gestaltung
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11 Young-Bruehl 1998, S. 30f.
12 ebd.
13 Weil sie schreibte, dass Homophobie mit Sexismus eigentlich zusammenhängt. „Many of
the psychological and social elements that combine in sexism similarly merge in
homophobia.“ Ebd., S. 36
14 ebd., S. 31f.
15 ebd., S.30
16 Dinkla 1997, S.12
17 ebd.
18 Großmann 2010, S. 146
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der genannten Räume scheint zunächst einmal die Domäne der Bildenden
Kunst zu sein und Ort, wo sie klingt, einer klingenden Kunst. Die am stärksten
etablierte grenzgängerische Sparte einer solchen Klangkunst ist die
Klanginstallation. Sie gehört längst zu den Standardphänomenen der
Grenzüberschreitung zwischen Bildender Kunst und Musik und ist in
unzähliger Ausstellungen und wissenschaftlichen Beiträgen thematisiert. []
Naturgemäß sieht die Bildende Kunst durch das Zeitphänomen >Klang< eher
eine >Verzeitlichung des Raums<, also eine Erweiterung im Realen um die
für sie normalerweise ins Imaginäre verbannte Dynamik von Bewegung,
Entwicklung etc.”19
Interaktives Environment
Dinkla hat die Form der Interaktiven Kunst in einem anderen ‘Raum’
weitergebracht, indem sie interaktive Installationen von interaktiven
Environment unterscheidet. Und sie hält interaktives Environment für stärker
als Installationen. Interaktive Environments beziehen den umgebenden
Raum stärker ein als interaktive Installationen. Während in letzteren der
Zugang zum audiovisuellen Geschehen über Instrumente wie Joystick, Maus,
berührungsempfindliche Monitore u.ä. erfolgt, werden die Rezipienten in den
Environments meist versteckt über Videokameras oder Sensoren involviert.”20
Die Installation wird mit einem versteckten Ultraschallsensor verbunden, der
ab einer bestimmten Entfernung des Betrachters in den Originalton
umschaltet. Der Sensor gilt in diesem Zusammenhang als Mittel der
Kommunikation bzw. in Dinklas Text als ‘soziale Konfliktlösung’21 zwischen
dem Betrachter und dem Computersystem, um das Ziel dieser Installation
verstehen zu können. Das ist die rekonstruierte Anwendung; der
partizipatorische Teil des Betrachters, um den Inhalt des Kunstwerkes zu
geben. Hierzu hat Söke Dinkla von Huhtamo zitiert, “Der weitaus größte Teil
der Interaktiven Kunst zielt darauf, die Beziehung zwischen Rezipienten und
Computersystemen zu sozialisieren. Die Schnittstellen zwischen Benutzer
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19 Großmann 2010, S. 147
20 Dinkla 1997, S. 10
21 ebd., S. 8!
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und System werden gewohnten Verhaltensweisen angepasst und in vielen
Arbeiten entmechanisiert und desautomatisiert. Entscheidend für eine
kritische Beurteilung der Interaktiven Kunst sind zwei Aspekte:
1. die Rolle der Rezipienten im Umgang mit den Systemen: Welche
Freiheitsgrade/Kontrollmöglichkeiten im Rahmen des vorhandenen
Regelsystems werden ihnen eingeräumt, bzw. inwieweit wird das
Regelsystem minimiert?
2. Die Haltung der Künstler gegenüber der verwendeten Technologie:
Inwieweit verstehen die Künstler die Computertechnologie als Mittel
sozialer Konfliktlösung, als das sie heute in der medienpolitischen
Diskussion oft dargestellt wird?”22
Die Schnittstellen sind in dem weiteren Paragraph auch als Interfaces zu
verstehen. >>Interface<< meint in diesem Zusammenhang nicht nur >>the
point of contact and interaction between a machine and the >information
environment<, most often the physical environment itself<<, sondern vor
allem die künstlerische Strategie, den Besucher zu adressieren und in eine
dialogartige Situation zu involvieren.”23
Als künstlerische Strategie für diese Installation habe ich ein Interface mit
Distanzfunktion ausgewählt. Ein Ultraschalsensor misst die Distanz mit der
Schallwelle bzw. Frequenz zwischen Objekten. In diesem Fall habe ich die
maximale Distanz des Interfaces von ca. zwei Metern ausgewählt. Wenn der
Rezipient auf ca. einen halben Meter an den Monitor herankommt, schaltet
der Ton um (Abb. 1.). In dem Text von Werner Bergmann hat er den Begriff
Vorurteil im Alltagsverständnis erläutert: Im Alltagsverständnis gebrauchen
wir den Begriff Vorurteil, um ausgeprägte positive und negative Urteile oder
Einstellungen eines Mitmenschen über ein Vorurteilobjekt zu bezeichnen,
wenn wir diese für nicht realitätsgerecht halten und der Betreffende trotz
Gegenargumenten nicht von seiner Meinung abrückt. Da wir in unseren
Urteilen zumeist nur unsere Sichtweise wiedergeben und Urteile fast immer
gewisse Verallgemeinerungen enthalten, sind in jedem Urteil Momente des
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22 Dinkla 1997, S. 8
23 ebd.
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Vorurteilshaften zu finden.”24 Diese Aussage trifft, was in diesem Text bereits
erklärt wurde. Wenn der Prozess der audiovisuellen Wahrnehmung bereits
passiert ist, um ein Vorurteilsobjekt zu bilden, dann wird die Veränderung des
Tons als Gegenargument dienen und gegebenenfalls für nicht realitätsgerecht
wahrgenommen. Und wie Bergmann hier schreibt, trotz Gegenargumente und
Urteile, befinden wir uns mit jedem Urteil in Momenten des Vorurteilshaften.
Durch die zu überwindende Distanz des Betrachters zum Vorurteilsobjekt
meiner Installation soll der Betrachter in seiner Urteilsbildung mit Momenten
des Vorurteilshaften“ konfrontiert sein.
Abb.1.
Schlußwort
In dem Unterkapitel über Erlernen von Vorurteilen hat Bergmann erklärt, dass
er hier die sozialpsychologische Diskursanalyse verfolgt, die sich auf die
gesellschaftlichen Kommunikation (Diskurse) Fakten, Objekten und Realität
konzentriert, die insgesamt sozial organisiert und strukturiert werden. 25
Solche Leute benutzen quasi die Medien - Interviews, Geschichtsbüchern,
politischen Reden oder Zeitungsartikel, um sich ein Verständnis von Rasse,
Nation, Flüchtling oder Ausländer zu bilden und das als ihr Argument der
Vorurteile gegenüber Menschen mit anderer ethnischen Hintergrund zu
begründen,26 ohne direkte Berührungspunkte zu diesen Menschengruppen zu
haben.
Diesen Berührungspunkt möchte ich in dieser installativen Kunst durch
Verwendung der Sensoren herstellen, um eine Kommunikation in dem
Diskurs über Rassismus in unserer Gesellschaft anzustoßen. Was heißt es
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24 Bergmann 2006, https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all
25 ebd.
26 Vgl. ebd.
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eine Deutsche zu sein? Wie unterscheiden wir uns von den anderen? Wie
funktioniert unser Gehirn, wenn wir Menschen treffen, die anders sind als wir?
Literaturverzeichnis
Angenendt, Steffen 2006: Wanderungsbewegungen und Globalisierung
Zusammenhänge – Probleme - Handlungsmöglichkeiten, in: Butterwegge,
Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.), 2006: Zuwanderung im Zeichen der
Globalisierung, 3. Auf, Wiesbaden, S. 37-53.
Bergmann, Werner 2006: Bundeszentrale für politische Bildung, Was sind
Vorurteile? (Ausgabe vom 13.01.2006) , https://www.bpb.de/izpb/9680/was-
sind-vorurteile?p=all (Stand 13.09.2018).
Dinkla, Söke (Hg.) 1997: Pioniere Interaktiver Kunst von 1970 bis heute,
Karlsruhe, Cantz Verlag.
Großmann, Rolf 2010: Medienklangräume. Medienästhetische Settings der
Klanginstallation, in: Kiefer, Peter (Hg.), 2010: Klangräume der Kunst,
Heidelberg, S.145-158.
Nuscheler, Franz 2006: Globalisierung und ihre Folgen: Gerät die Welt in
Bewegung?, in: Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.), 2006:
Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, 3. Auf, Wiesbaden, S. 23-35.
Young-Bruehl, Elisabeth 1998: The Anatomy of Prejudices, 2.Auf, Cambridge,
Harvar University Press.
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