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MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion

Authors:

Abstract

Die Förderung von Individuen angesichts struktureller Benachteiligungen ist ein zentrales Anliegen der Mädchenförderung in MINT. Naturwissenschaftliche und technische Fachbereiche gelten als „Männerdomänen“ und ein geringer Frauenanteil wird wahlweise als Symptom oder als Ursache für die Ausrichtung von Arbeitsprozessen und technischen Artefakten an männlich konnotierten Lebenswelten gedeutet. Daher scheint die Formel „Mehr Frauen = weniger Ungleichheit“ als probate Lösung des Problems und Mentoringprogramme als ein geeignetes Instrument. Doch ist es wirklich so einfach? Welche Mädchen fördern wir (nicht) und wie wirkt sich das auf Ungleichheitsstrukturen aus? Mit welchen Konzepten von Geschlecht und MINT arbeiten wir dabei? Wie kann Mehrfachdiskrimierung begegnet werden und welche Rolle spielen dabei die eigenen Privilegien? Im Workshop sind wir diesen Fragen nachgegangen und haben auf der Grundlage von Erkenntnissen und Perspektiven der Geschlechterforschung, konkrete und individuelle Handlungsoptionen erarbeitet, um Mentoring für Mädchen* als ein nachhaltiges und stereotypenreflexives Instrument der Veränderung von Fachkulturen in MINT zu gestalten.
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von
Empowerment und Stereotypenreproduktion
Diana Drechsel, Wissenschaftliche Mitarbeit
Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung
(ZIFG)
Fix -IT. Fixing IT for Women !
Technische Universität Berlin
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
- überarbeitete Präsentation inkl. Flipcharts der Workshopdiskussionen -
Ablaufplan
Faktencheck Mädchenförderung und Digitalisierung
im Spannungsfeld von Empowerment und
Stereotypenreproduktion - und was die
Geschlechterforschung dazu sagt.
Do it yourself Übungen zur Anregung von Reflexion
und Ausprobieren neuer Perspektiven.
Mal was anders machen Erkenntnistransfer in die
individuelle Arbeitspraxis.
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Akteur*innen und Strukturen
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Akteur*innen und Strukturen
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Dilemma im Mentoring
Im Bildungssystem manifestieren sich Barrieren anhand interdependenter
Kategorisierungen, wie Gender, Race, Class, Sexualität, körperliche und
geistige Befähigung uvm. (z. B. die gläserne Decke, Einkommensunter-
schiede, Prekarisierung, Whitewashing* oder Care Gap …).
Mentoring soll diese Faktoren ausgleichen.
*Infos zu Whitewashing in der Wissenschaft: https://www.progress-online.at/artikel/zeitreisende-ethno-waschmaschinen
ABER:
Mentoringprogramme sind keine Instrumente der Strukturveränderung.*
*Haghanipour, Bahar (2013): Mentoring als gendergerechte Personalentwicklung: Wirksamkeit und Grenzen eines Programms
in den Ingenieurwissenschaften. Springer VS-Verlag, Wiesbaden, S. 140.
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Strukturveränderung durch Mentoring?!
Inspirationen aus dem Fix-IT-Projekt:
1.) dekonstruktivistischer Genderbegriff statt Alltagswissen
über Geschlecht
2.) Selbstreflexion/Positionierung der eigenen Perspektive
statt des Redens über andere
3.) Fokus auf die Inhalte statt auf die Individuen
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Gender statt Alltagswissen
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Alltagswissen über Geschlecht:
ist eine Mischung aus Erlebtem, Gehörtem und
Gelesenem;
ist geprägt von Machtstrukturen, wie zum Beispiel
Heteronormativität und Eurozentrismus;
basiert auf biologischem Essentialismus.
Faktencheck Gender statt Alltagswissen
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Geschlechterforschung versteht Geschlecht als:
historisch, kulturell und geographisch variabel statt
biologisch konstant
durch Normierungsakte in sozialer Interaktion und
Sprache konstruiert
interdependent (Kategorisierungen wie Race, Class,
soziale und kulturelle Herkunft, Begehren usw. bringen
sich gegenseitig hervor, nichts existiert für sich allein)
Faktencheck Selbstreflexion statt Reden über andere
Individuen verfügen über individuelle Ressourcen (Resilienz,
Selbstbewusstsein, Rückhalt …) und strukturelle Kapitale
(Soziales, kulturelles, ökonomische und symbolisches
Kapital), was die Wahrnehmung der Welt beeinflusst. Die
Bewusstwerdung dessen ist Ausgangspunkt der Reflexion:
Wie kategorisiere ich mich und wie werde ich kategorisiert?
Über welche Privilegien (Kapitale) verfüge ich?
Wie wirkt sich meine Perspektive auf meine Arbeit aus?
Was kann ich tun, um meine Perspektive zu erweitern?
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Inhalte statt Individuen
Anerkennung, Förderung, fachliche Inhalte, Arbeits-
und Kommunikationsstrukturen uvm. sind
gegendert, das heißt, bestimmte Varianten von
Ressourcen und Kapitalen werden bevorzugt
(bewusst und unbewusst)
Interdisziplinarität bei den Inhalten führt zu einer
Diversifizierung von Perspektiven, die wiederum
eine Diversifizierung der Akteur*innen braucht
(Beispiel: Digitalisierung)
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Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Digitalisierung als Chance?!
Digitalisierung als sozio-technischer Prozess, der das
Zusammenleben in einer Gesellschaft determiniert.
Die Abwesenheit von Frauen in der Digitalisierung wird oft
als ein Problem angesehen - allerdings ist es ein
Symptom fehlender fachlicher Multiperspektivität in der
Informatik.
Wer gestaltet digitale Artefakte (Software, Hardware,
Prozesse) für Wen und für Wen nicht und wie formt das
Gesellschaft?
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Faktencheck Genderkompetenz als Fachkompetenz
Wir arbeiten auf der Grundlage forschungsbasierter
Genderkompetenz als Fachkompetenz:
„Das Gender" gibt es nicht.
Wissensbestände sind von Geschlechter-Wissen geprägt
und ko-konstituieren sich damit (Women in Science,
Gender and Science, Science of Gender).
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Übungen zur Reflexion
Übung 1 // Stereotype-Übung
Übung 2 // Walk a Mile in my Shoes
Übung 3 // Gepäckübung
Übung 4 // Wissensskala
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Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Stereotype-Übung
Übung // Teil 1:
Stellen Sie sich vor, Sie werden gebeten, für
weibliche Mentees Mentor*innen zu finden.
Verfassen Sie eine kurze Begründung Ihrer
Auswahlkriterien und Vorgehensweise.
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Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Stereotype-Übung
Übung // Teil 2:
Stellen Sie sich vor, Sie werden gebeten, für
weibliche Mentees Mentor*innen zu finden.
Verfassen Sie eine kurze Begründung Ihrer
Auswahlkriterien und Vorgehensweise.
Bedingung: Verzichten Sie bei der Formulierung
auf Verallgemeinerungen und Stereotype.
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Stereotype-Übung
Auswertung der Übung:
Welcher Teil fiel mir leichter?
Was könnten für wen die Vorteile von Stereotypen sein?
Was könnten für wen die Nachteile von Stereotypen sein?
Wie kann produktiv mit Stereotypen umgegangen werden?
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Walk a Mile in my Shoes
Nimm dir 10 Minuten Zeit und erinnere dich an den Beginn deines
Bildungsweges, der dich dort hingeführt hat, wo du heute bist. Notiere
dir die (aus deiner Sicht) wichtigsten Stationen und Situationen,
jeweils eine auf eine Karte. Dann nimm dir die Karten einzeln vor und
erzähle, was du in dieser Situation beigetragen hast und auf welche
Kapitale und Ressourcen du zurückgreifen konntest.
Skizziere dadurch ein Bild von dir in Bezug auf deine Kapitale,
Ressourcen und Handlungen.
Ziel der Übung ist es, die eigene Perspektive so genau wie möglich zu
verorten, um sie zum Ausgangspunkt von Veränderungen der eigenen
Arbeitspraxis machen zu können.
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Gepäckübung
Erinnere dich an eine konkrete Situation, in der du eine Kategorisierung
(Gender, Race, Class, sexuelle Präferenz, sexuelle Identität, körperliche
Bedingungen …) bewusst adressiert bzw. nicht adressiert hast. Beschreibe
diese Situation in knappen Sätzen und beantworte dann folgende Fragen:
1. Was war deine Intention dabei?
2. Auf welche Strukturen der Ungleichheit hast du Bezug genommen?
3. Was waren die stereotypen-reproduzierenden bzw. stereotypen-
dekonstruierenden Momente dabei?
4. Was war der Outcome dieser Situation?
5. Wie würdest du es beim nächsten Mal machen und warum?
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Do it yourself Wissensskala
Schreibe alles, was du über Geschlecht (oder
Mentoring oder MINT … ) weißt, auf Karten (ein
Wissen pro Karte) und ordne sie an auf folgender
Skala:
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Mal was anders machen Lösungsorientierung
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Ratschläge sind auch Schläge.
Weniger von dem, was nicht hilft und mehr
von dem, was hilft.
Wahrheit 1. und 2. Ordnung (Stereotype,
Alltagswissen über Geschlecht, Privilegien)
Ziel: kritisches Hinterfragen der Zuordnungen
Mal was anders machen Lösungsorientierung
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Was ist mein Antrieb? Warum tue ich das, was ich tue?
Was ist mein innerer Auftrag? (z. B. welche Kapitalsorten
möchte ich bei den Mentees aufstocken?)
Was ist mein äußerer Auftrag? (z. B. von der
Universitätsleitung oder von Kolleg*innen?)
Was soll durch das Mentoring anders sein? (genderreflexive
Zielformulierung)
Diskussionen aus dem Workshop
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Wie müsste die Analyse von Dropoutquoten in der IT-Branche aussehen,
damit sie angesichts eines interdisziplinären Arbeitsfeldes aussagekräftige
Ergebnisse für die Untersuchung von IT-Fachkulturen liefern? Also wer
„dropt“ von wo nach wo und ab wann ist man „out“? Das stößt eine
grundsätzliche Diskussion darüber an, was „die IT“ ist bzw. welche
Arbeitsbereiche als solches angesehen werden.
Wir diskutierten über das Phänomen, dass „anders“ meist als potentiell
schlecht von und für diejenigen angesehen wird, die sich selbst nicht zu den
„anderen“ zählen. Das ist eine Herausforderung für Frauenförderungs-
programme, denn sie erhalten den Status der „Andersartigkeit“ von
Personen, die als cis-weiblich markiert sind. Wir sprachen darüber, wie
dieser Kreislauf aus Reifizierung von Zweigeschlechtlichkeit als einer Basis
der Schaffung von „Andersartigkeit“ durchbrochen werden kann, ohne
Gender als gesellschaftsstrukturierende Kategorisierung aus dem Blick zu
lassen. Dazu hatte eine Teilnehmerin* einen Literaturtipp: Schaef, Anne
Wilson. Women's Reality: An Emerging Female System in the White Male
Society. Minneapolis: Winston Press, 1981.
Wir diskutierten darüber, dass bei Frauenförderung bei den Individuen
ansetzt und so die Verantwortung bei den Geförderten verbleibt, ob sie in
der Struktur bestehen oder nicht. Slogans, wie: „Wir müssen Mädchen
begeistern“ suggerieren, dass, brechen sie ihr Studium ab oder fangen
garnicht erst an zu studieren, dann waren sie wohl nicht begeistert genug.
Echte Chancengleichheit ist aber, wenn die strukturellen Voraussetzungen
(zum Beispiel die Fachkultur) überhaupt gleiche Chancen bieten, sich in
den Strukturen erfolgreich zu bewegen. Es kann nicht den Individuen
überlassen werden, sich in ungleichheits-produzierenden Strukturen
„zurecht zu finden“ und lediglich dieses „Zurechtfinden“ zu unterstützen
statt die Strukturen zu ändern.
Diskussionen aus dem Workshop
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Wir diskutierten über das Dilemma der Sichtbarmachung von Frauen in den
Naturwissenschaften im Rahmen des Role Model-Konzeptes, frei nach dem Motto:
„See one, become one“ und der gleichzeitigen Dramatisierung von Geschlecht. Am
Beispiel des Einsatzes von Role Models bei der berufsorientierenden Arbeit mit Eltern
von Schüler*innen diskutierten wir die Interpretationsmöglichkeiten der Effekte von
Role Models anhand der Frage: Was passiert durch Role Models in Bezug auf die
(Macht-)Strukturen im Wissenschaftsbetrieb? Eine Teilnehmerin* erzähle von folgender
Situation: Auf einer Informationsveranstaltung für Eltern von Schülerinnen* im
Fachbereich Physik wurden mehrere Tutorinnen* vorgestellt, um zu zeigen: „Schaut
her, wir haben Frauen hier, ihr könnt als eure Töchter auch zu einem Physikstudium
raten, denn sie werden hier nicht alleine sein.“
Aus meiner Sicht ist dabei folgendes passiert: Den Eltern, die Zweifel daran hatten, ob
es für ihr als cis-weiblich markiertes Kind passend ist, ein männlich* kontiertes Fach zu
studieren und trotzdem gelingend (heterosexuelle) Weiblichkeit performen zu können,
wurden Varianten von Weiblichkeitsperformances gezeigt, die im Rahmen des
Physikstudiums an dieser Universität möglich sind bzw. als möglich erachtet werden.
Nun ist aber die reine Anwesenheit von einigen Frauen* ein trügerisches Merkmal
echter Chancengleichheit, denn das sagt nichts aus über die vertikale Segregation im
Feld (Wieviele der Tutorinnen* werden mal Professorinnen*?) oder über die Hürden,
die die Tutorinnen* auf Grund vielfältiger Diskriminierungsstrukturen (siehe Folie 5
dieser Präsentation) zu überwinden haben.
Role Models haben aus struktureller Sicht limitierte Wirkung, können aber auf
persönlicher Ebene große Wirkungen erzielen. Ein bewusster Einsatz dieses
Instruments mit dem kritischen Wissen um das Potential der Reifizierung von
Geschlecht bzw. Zweigeschlechtlichkeit sollte daher stets danach fragen: Was ist
meine genaue Intention, wer ist meine Zielgruppe und welche Effekte kann der Einsatz
von Role Models haben in Bezug auf das System der Zweigeschlechtigkeit und der
gegenderten Fachkultur, in der ich mich bewege (siehe Folie 18 „Gepäckübung).
Diskussionen aus dem Workshop
MINT-Mentoring für Mädchen im Spannungsfeld von Empowerment und Stereotypenreproduktion
Workshop auf dem Lise-Mentoring-Netzwerktreen // 29.10.2019 // Humboldt-Universität zu Berlin
Ein weiteres Problem bei Frauenfördermaßnahmen ist die ungenaue
Zielgruppendefinition, denn „Frauen“ oder „Mädchen“ sind keine
Zielgruppe! (siehe Folien 14-16 dieser Präsentation) Angesichts inter-
sektionaler bzw. interdependenter Hervorbringung von Ungleichheits-
kategorisierungen (siehe Folie 6) innerhalb des Wissenschaftsbetriebs
lohnt sich ein genauer Blick auf die Zielgruppen von MINT-Fördermaß-
nahmen jenseits einer Geschlechterbinarität. Jungen* sind nicht von Natur
aus MINT-affin und Mädchen* sind nicht nicht von Natur aus technik-fern.
Daher stellt sich doch eher die Frage, wie der Fokus auf die Gestaltungs-
spielräume von Schüler*innen gelegt werden kann. Strukturelle Möglich-
keiten schaffen ohne dabei Geschlecht stereotyp zu dramatisieren - das
sollte das Ziel von Mädchen*förderung sein. Als ein Beispiel dafür wurde
die Umsetzung der „Roberta-Kurse“ am Standort Adlershof genannt.
Eltern und außerschulische geschlechtsspezifische Sozialisation wurde von
den Workshop-Teilnehmenden als eine weitere Herausforderung benannt.
Daher versuchen bereits einige Mentoring-Programme die Eltern aktiv mit
einzubeziehen. Wie genau das aussehen kann, hängt von den einzelnen
Programmen ab.
Ein wichtiger Diskussionspunkt war, ob und wie Mentoringprogramme
nachhaltig soziale und kulturelle Kapitale transferieren können (siehe Folie
9). Als einen wesentlichen Faktor für einen gelingenden Kapitaltransfer
machten die Workshop-Teilnehmenden die Diversität und Interdisziplin-
arität des Netzwerkes aus, innerhalb dessen der Transfer passiert. Denn je
diverser das Netzwerk, umso höher die Chance, dass die Mentees dort
Anknüpfungspunkte finden, die sie als für sich passend empfinden.
spielräume
@FixITforWomen
@fixitforwomen
www.fix-it.tu-berlin.de
d.drechsel@tu-berlin.de
DANKE
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