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Jenaer Erklärung - Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung: Anthropologie

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Abstract

Anlässlich der 112. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Jena hat das Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich‐Schiller‐Universität Jena eine öffentliche Abendveranstaltung zum Thema „Jena, Haeckel und die Frage nach den Menschenrassen: wie Rassismus Rassen macht“ ausgerichtet. Die folgende, gemeinsame Erklärung soll darüber informieren. Der Vorstand der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und der Präsident der Friedrich‐Schiller‐Universität Jena unterstützen die Autoren in dem Bestreben mit dieser Erklärung gegen scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigungen für Rassismus vorzugehen.
© 2019 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim www.biuz.de 6/2019 (49) Biol. Unserer Zeit 399
TREFFPUNKT FORSCHUNG
ANTHROPOLOGIE
Jenaer Erklärung – Das Konzept der
Rasse ist das Ergebnis von Rassismus
und nicht dessen Voraussetzung
Anlässlich der 112. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesell-
schaft in Jena hat das Institut für Zoologie und Evolutionsforschung
der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine öffentliche Abendveranstal-
tung zum Thema „Jena, Haeckel und die Frage nach den Menschen-
rassen: wie Rassismus Rassen macht“ ausgerichtet. Die folgende,
gemeinsame Erklärung soll darüber informieren. Der Vorstand der
Deutschen Zoologischen Gesellschaft und der Präsident der Friedrich-
Schiller-Universität Jena unterstützen die Autoren in dem Bestreben
mit dieser Erklärung gegen scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigun-
gen für Rassismus vorzugehen.
Die Idee der Existenz von Menschen-
rassen war von Anfang an mit einer
Bewertung dieser vermeintlichen
Rassen verknüpft, ja die Vorstellung
der unterschiedlichen Wertigkeit
von Menschengruppen ging der
vermeintlich wissenschaftlichen
Beschäftigung voraus. Die vorrangig
biologische Begründung von Men-
schengruppen als Rassen – etwa
aufgrund der Hautfarbe, Augen- oder
Schädelform – hat zur Verfolgung,
Versklavung und Ermordung von
Abermillionen von Menschen ge-
führt. Auch heute noch wird der
Begriff Rasse im Zusammenhang mit
menschlichen Gruppen vielfach
verwendet. Es gibt hierfür aber
keine biologische Begründung und
tatsächlich hat es diese auch nie
gegeben. Das Konzept der Rasse ist
das Ergebnis von Rassismus und
nicht dessen Voraussetzung.
Am 9. August 2019 jährte sich
der 100. Todestag des Jenaer Profes-
sors Ernst Haeckel, des „deutschen
Darwins“, wohl des bekanntesten
deutschen Zoologen und Evolutions-
biologen. Ernst Haeckel, der Be-
gründer der Stammesgeschichtsfor-
schung hat durch seine vermeintlich
wissenschaftliche Anordnung von
Menschen„rassen“ in einem „Stamm-
baum” in fataler Weise zu einem
angeblich wissenschaftlich begrün-
deten Rassismus beigetragen. Die
Stellung der einzelnen Gruppen
basierte auf willkürlich herausgegrif-
fenen Merkmalen wie Hautfarbe
oder Haarstruktur und deren Umset-
zung in eine stammesgeschichtliche
Sichtweise. Daraus wurde eine sozi-
ale Leserichtung mit angeblich bio-
logisch höher und tiefer stehenden
Menschengruppen.
Karl Astel, einer der führenden
nationalsozialistischen Rassenfor-
scher, ab 1933 Präsident des Thürin-
gischen Landesamtes für Rassewe-
sen in Weimar, Universitätsprofessor
und ab 1939 Kriegsrektor der Fried-
rich-Schiller-Universität Jena, war
überzeugt, „daß seit dem Weggang
von Ernst Haeckel die Zoologie und
damit die Biologie in Jena nicht
mehr in der Richtung und in der
Intensität an der Universität vertre-
ten wurde, die Haeckel begründete
und die für den Nationalsozialismus
von größter Bedeutung“ war. Die
Universität Jena sollte während der
Zeit des Nationalsozialismus „zu
einer rassisch einheitlich ausgerich-
teten SS-Universität“ ausgebaut wer-
den. Die von Astel immer wieder
hervorgehobene „rassische Aufbau-
arbeit“ und Berufungspolitik hatten
eine in dieser Form wohl einmalige
akademische und wissenschaftspoli-
tische Konstellation mit sukzessive
vier Professuren zur Rassenkunde
bewirkt. Das von Ernst Haeckel 1907
gegründete Phyletische Museum
sollte zudem unter Berufung auf ihn
zum „Thüringischen Landes- und
Volksmuseum für Lebenskunde,
Rassewesen und Stammesgeschichte“
werden. Auch aus diesen Gründen
trägt die Friedrich-Schiller-Universi-
tät eine besondere Verantwortung,
sich mit der Frage von Menschen-
rassen auseinanderzusetzen.
Trotz oder gerade wegen der
engen Verknüpfung zwischen Ras-
sismus und vermeintlich existieren-
den Rassen ist es Aufgabe der Wis-
senschaft und damit auch einer wis-
senschaftlichen Fachgesellschaft wie
der Deutschen Zoologischen Gesell-
schaft, nach einer möglichen Reali-
tät von Menschenrassen zu fragen.
Dabei geht es um die Frage, ob Ras-
sen im Generellen und Menschen-
rassen im Besonderen, eine biolo-
gische Realität sind, oder aber ob
es sich um reine Konstrukte des
menschlichen Geistes handelt. Für
den einflussreichen biologischen
Systematiker Ernst Mayr war die
Existenz von Menschenrassen ein
„biological fact“, zumindest vor der
Eroberung der Welt durch die Euro-
päer [1]. Die Begründung entspricht
der heute noch gängigsten Ansicht
über die Existenz von Rassen. Men-
schenrassen entsprechen in so vie-
len Kriterien den „geographischen
Rassen“ anderer Arten, dass eine
Alternative ihm nicht möglich er-
schien, wobei Mayr sich deutlich
gegen jeglichen Rassismus ausge-
sprochen hat.
Für geographische Rassen (oder
Unterarten) betont Mayr die in der
Biologie allgemein notwendige
„taxonomische Unterschiedlichkeit“
zwischen geographisch getrennten
Populationen einer Art. Der Begriff
Rasse ist damit irgendwo zwischen
dem Begriff der Population (die auf-
grund der real existierenden Fort-
pflanzungsgemeinschaft tatsächlich
einem Individuum der Wissen-
schaftsphilosophie entspricht) und
der Art angesiedelt. Heute wird diese
taxonomische Unterschiedlichkeit
überwiegend aus einer genetischen
Distanz bestimmt. Festzulegen, wel-
che taxonomische Unterschiedlich-
keit bzw. genetische Differenzierung
ausreichend wäre, um Rassen bzw.
Unterarten zu unterscheiden, ist
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TREFFPUNKT FORSCHUNG
aber rein willkürlich und macht
damit auch das Konzept von Ras-
sen/Unterarten in der Biologie zu
einem reinen Konstrukt des mensch-
lichen Geistes. Das heißt nicht, dass
es keine genetische Differenzierung
entlang eines geographischen Gradi-
enten geben kann, doch ist die taxo-
nomische Bewertung dieser Diffe-
renzierung (als Rasse oder Unterart
oder eben nicht) willkürlich. Umso
mehr trifft dies für den Menschen
zu, bei dem die größten genetischen
Unterschiede innerhalb einer Popu-
lation zu finden sind und nicht zwi-
schen den Populationen.
Dass es sich bei den Rassen von
Haustieren um etwas ganz Anderes
handelt, erkennt man schon an der
fehlenden geographischen Gliede-
rung. Haustierrassen sind ausschließ-
lich das Ergebnis menschlicher
Züchtung und nicht das Ergebnis
eines natürlichen, biologischen Pro-
zesses. Nur im Fall von Haustieren
ist tatsächlich die genetische Ähn-
lichkeit (Homogenität) innerhalb
einer Rasse größer als zwischen
Rassen. Das Englische verzichtet
hier auf den Begriff „race“ und
spricht von „breeds”, was dem Sach-
verhalt viel näherkommt, der Begriff
Züchtung wäre auch im Deutschen
eher angebracht.
Denkschemata des biologisch
begründeten Rassismus wie beispiels-
weise die Analogie zu Haustierrassen
haben dazu verführt anzunehmen,
mit gleichem Recht von Menschen-
rassen („human races“) sprechen zu
können. Das war oft verbunden mit
der Annahme, dass die Ähnlichkeit
innerhalb einer vermeintlichen Men-
schenrasse wesentlich höher sei als
zwischen diesen, weshalb eine Ab-
grenzung möglich sei – im Fall des
Menschen ein bitterer Trugschluss.
Die Einteilung der Menschen in
Rassen war und ist zuerst eine ge-
sellschaftliche und politische Typen-
bildung, gefolgt und unterstützt
durch eine anthropologische Kon-
struktion auf der Grundlage will-
kürlich gewählter Eigenschaften wie
Haar- und Hautfarbe. Diese Kon-
struktion diente und dient eben
dazu, offenen und latenten Rassis-
mus mit angeblichen natürlichen
Gegebenheiten zu begründen und
damit eine moralische Rechtferti-
gung zu schaffen.
Erst durch die wissenschaftliche
Erforschung der genetischen Vielfalt
der Menschen wurden die Rassen-
konzepte endgültig als typologische
Konstrukte entlarvt. Beim Menschen
besteht der mit Abstand größte Teil
der genetischen Unterschiede nicht
zwischen geographischen Popula-
tionen, sondern innerhalb solcher
Gruppen. Die höchste genetische
Vielfalt findet sich auch heute noch
bei Menschen auf dem afrikanischen
Kontinent. Dort liegen die Wurzeln
und die meisten Verzweigungen im
menschlichen Stammbaum. Auf einem
dieser Äste fallen die Menschen
Ostafrikas und alle Nicht-Afrikaner
ABB. 1 Zusammenfassung von genetischen Unterschieden von mehr als 1300 Europäern mit Hilfe einer Hauptkom-
ponenten-Analyse [2]. Das Herkunftsland aller vier Grosseltern des jeweiligen Individuums ist farbig hervorgehoben.
Man erkennt, dass die genetischen Unterschiede zwischen Europäern der Geographie des Kontinents entsprechen.
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zusammen. Menschen außerhalb
Afrikas sind somit näher verwandt
mit Menschen aus Ostafrika, wie
den Dinka aus dem Sudan, als diese
mit Menschen aus Südafrika, z. B.
mit den Khoisan. Aus stammesge-
schichtlicher Sicht sind somit alle
Menschen Afrikaner. Es ist deshalb
geradezu paradox von „dem Afrika-
ner“ zu sprechen oder aus welchem
Grund auch immer von „Schwarz-
afrikanern”. Hier handelt es sich um
ein Relikt kolonialer Sprache und
Denkens und es gilt wieder: Rassis-
mus macht Rassen. Die Hautfarbe
eines Khoisan aus Südafrika ist weni-
ger pigmentiert als die von Men-
schen, die in Südostasien oder in
Südamerika entlang des Äquators
leben. Hautfarbe spiegelt hauptsäch-
lich eine biologische Anpassung an
den Grad der Sonneneinstrahlung
wider und variiert dementsprechend
kontinuierlich mit der Strahlung s-
intensität auf der Erde.
Die vermeintlichen menschli-
chen Rassen gehen auch nicht auf
getrennte Evolutionslinien zurück
(einer anderen Vorstellung der Reali-
tät von Rassen, den sogenannten
kladistischen Rassen folgend). Der
anatomisch moderne Mensch ent-
stand vor über 250.000 Jahren in
Afrika, von dort verbreitete er sich
in kleinen Gruppen von Menschen
über die restliche Welt. Die Nicht-
Afrikaner zweigten sich vor ca.
60.000 Jahren von den Menschen
aus dem östlichen Afrika ab und
besiedelten einen Großteil der Welt.
Nicht-Afrikaner unterscheiden
sich von Menschen, die südlich der
Sahara wohnen vor allem in geneti-
schen Spuren, welche die Verbin-
dungen mit Neandertalern und Deni-
sovanern hinterlassen haben. Inter-
essanterweise wurde nun gerade
dieser genetische Beitrag unserer
nächsten ausgestorbenen Verwand-
ten, die vor nicht allzu langer Zeit
und unzutreffend als tumbe, Keulen
schwingende Vettern charakterisiert
wurden, von den „White Suprem-
acists“ in den USA verwendet, um
abgrenzend eine überlegene weiße
Rasse zu definieren. Allerdings ist
der Anteil an Genen von Neander-
talern und Denisovanern bei Ostasia-
ten und Gruppen in Ozeanien und
Australien messbar höher als bei
Europäern und eignet sich somit
denkbar schlecht, eine, dank Nean-
dertaler-Genen, „überlegene weiße
Rasse“ zu definieren. Die zahlrei-
chen und stets wiederkehrenden
Migrationen haben zudem schon
immer und lange vor den großen
Entdeckungs- und Eroberungsreisen
der Europäer zu Verbindungen
zwischen geographisch entfernten
Populationen geführt.
Anstelle von definierbaren Gren-
zen verlaufen zwischen menschli-
chen Gruppen genetische Gradien-
ten. Es gibt im menschlichen Genom
unter den 3,2 Milliarden Basenpaa-
ren keinen einzigen fixierten Unter-
schied, der zum Beispiel Afrikaner
von Nicht-Afrikanern trennt. Es
gibt – um es explizit zu sagen –
somit nicht nur kein einziges Gen,
welches „rassische“ Unterschiede
begründet, sondern noch nicht mal
ein einziges Basenpaar.
Äußere Merkmale wie die Haut-
farbe, die für die typologische Klas-
sifikation oder im alltäglichen Rassis-
mus verwendet werden, sind eine
höchst oberflächliche und leicht
wandelbare biologische Anpassung
an die jeweiligen örtlichen Gegeben-
heiten. Allein die Hautfarbe hat sich
im Lauf der Migrationen des Men-
schen immer wieder verändert und
ist dunkler und heller geworden je
nach lokaler Sonneneinstrahlung
oder Ernährungsweise. So waren die
Menschen Mitteleuropas bis vor
8000 Jahren noch stark pigmentiert
und erst mit Beginn der Landwirt-
schaft wanderten Menschen mit
hellerer Hautfarbe aus Anatolien ein.
Die stark pflanzenbasierte Kost der
frühen Ackerbauern bevorzugte
Individuen mit hellerer Haut, um im
dunklen Winter Europas genügend
Vitamin D in der Haut zu produzie-
ren. Die helle Hautfarbe der Men-
schen im nördlichen Europa ist jün-
ger als 5000 Jahre.
Die Verknüpfung von Merkma-
len wie der Hautfarbe mit Eigen-
schaften oder gar angeblich gene-
tisch fixierten Persönlichkeitsmerk-
malen und Verhaltensweisen, wie
sie in der Blütezeit des anthropolo-
gischen Rassismus verwendet wur-
den, ist inzwischen eindeutig wider-
legt. Diese Argumentation heute
noch als angeblich wissenschaftlich
zu verwenden, ist falsch und nieder-
trächtig. Es gibt auch keinen wissen-
schaftlich nachgewiesenen Zusam-
menhang zwischen Intelligenz und
geographischer Herkunft, aber einen
deutlichen mit sozialer Herkunft.
Auch hier schafft Rassismus in Form
von Ausgrenzung und Diskriminie-
rung die vermeintlichen Rassen.
Der Rassismus unter den Men-
schen besteht jedoch weiter. Ras-
senforschung, Rassenkunde und
Rassenhygiene bzw. Eugenik im
20. Jahrhundert als scheinbar wis-
senschaftliche Disziplinen waren
dabei nur einige Auswüchse rassis-
tischen Denkens und Handelns.
Eine bloße Streichung des Wor-
tes „Rasse“ aus unserem Sprachge-
brauch wird Intoleranz und Rassis-
mus nicht verhindern. Ein Kenn-
zeichen heutiger Formen des
Rassismus ist bereits die Vermei-
dung des Begriffes „Rasse“ gerade
in rechtsradikalen und fremden-
feindlichen Milieus. Rassistisches
Denken wird mit Begriffen wie
Selektion, Reinhaltung oder Ethno-
pluralismus aufrechterhalten. Bei
dem Begriff des Ethnopluralismus
handelt es sich aber um nichts wei-
ter als um eine Neuformulierung
der Ideen der Apartheid. Auch die
Kennzeichnung „des Afrikaners“ als
vermeintliche Bedrohung Europas
und die Zuordnung bestimmter,
biologischer Eigenschaften stehen
in direkter Tradition des übelsten
Rassismus vergangener Zeiten. Sor-
gen wir also dafür, dass nie wieder
mit scheinbar biologischen Begrün-
dungen Menschen diskriminiert
werden und erinnern wir uns und
andere daran, dass es der Rassismus
ist, der Rassen geschaffen hat und
die Zoologie/Anthropologie sich
unrühmlich an vermeintlich biolo-
gischen Begründungen beteiligt hat.
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Die Autoren
Prof. Dr. Dr. h. c. Martin S. Fischer, Institut für
Zoologie und Evolutionsforschung, Friedrich-
Schiller-Universität Jena
apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, Institut für Zoologie
und Evolutionsforschung, AG Biologiedidaktik,
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Prof. Dr. Johannes Krause, Direktor am
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte,
Jena / Friedrich-Schiller-Universität Jena
Prof. Dr. Stefan Richter, Allgemeine und
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Der Nichtgebrauch des Begriffes
Rasse sollte heute und zukünftig zur
wissenschaftlichen Redlichkeit ge-
hören.
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ÖKOLOGIE
Das Jahr des Distelfalters
Nach zehn Jahren erlebte Europa 2019 wieder einen Masseneinflug
des Distelfalters (Vanessa cardui). Anfang Juni überfluteten die Wander-
falter Mitteleuropa geradezu. Für Verwunderung sorgte zunächst
die Zugrichtung der Schmetterlinge, da sie vorwiegend in Ost-West-
Richtung flogen. Bei dem letzten vergleichbaren Ereignis im Jahr 2009
fand der Einflug hingegen von Südwesten her statt. Aufschluss über
den Verlauf und die Herkunftsregion der diesjährigen Wanderung
geben zahlreiche internationale Medienberichte.
The Times of Israel formulierte am
21. März 2019 die Schlagzeile: „Israel
blanketed bei millions of butter-
flies“. Über 10 Millionen Distelfalter,
so wurde geschätzt, durchquerten
Israel und prägten den Anblick in
Parks und Naturschutzgebieten. Die
Zeitung zitierte den Ökologen Dotan
Rotem, dass die Quelle der Massen-
wanderung in Kuwait und Saudi-
Arabien liege, wo ein außergewöhn-
lich regenreicher Winter für eine
sehr gute Nahrungsgrundlage der
Distelfalter-Raupen gesorgt habe [1].
Schon einen Tag später titulierte
Israel Today: „A billion butterflies
visit Israel“. Darin wurde auf Schät-
zungen der Association of Butterfly
Lovers in Israel verwiesen, dass
700 Millionen bis über eine Milliarde
Distelfalter durch Israel zögen – die
größte je in Israel beobachtete Dis-
telfalter-Wanderung. Laut dem
Lepidop terologen Dubi Benyamini
habe die Wüste auf der arabischen
Halbinsel nach starken Regenfällen
im Winter geblüht. Als nächste
Etappenziele der Distelfalter wur-
den Zypern und die Türkei angege-
ben [2].
Tatsächlich setzte das Internet-
Portal in-cyprus.com bereits am
22. März ebenfalls die Schlagzeile:
„Painted Lady butterflies in massi-
ve migration over Cyprus“ [3].
Jesmond Harding veröffentlichte
einen Reisebericht von März/April
in der Kap-Greco-Region im Osten
Zyperns auf der Internet-Seite der
Butterfly Conservation Ireland: Ab
dem 17. März waren täglich Distel-
falter in geringer Zahl zu sehen, wie
es den Erwartungen normaler Jahre
entspricht. Am 21. März fand dann
die Invasion statt – während des
gesamten Tages erreichten die Dis-
... B esonders von zoologischer Seite wird der von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und anderen Fachgesellschaften propagierten Ablehnung, beim Menschen "Rassen" zu unterscheiden [1][2][3][4], zuweilen Unverständnis und Widerstand entgegengebracht. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte die Orientierung an dem vor allem in der Zoologie gültigen Konzept der allopatrischen Speziation sein. ...
... Im Unterschied dazu lassen sich keine klaren, allgemein verbindlichen Kriterien für die Unterscheidung von Unterarten ("Rassen") nennen. (1) Eine Sorte von Klinen tritt tatsächlich im Kontaktbereich zwischen verschieden differenzierten, als Unterarten klassifizierbaren Populationen auf. Verursacht durch die Mischung der Unterarten in den Übergangszonen (Bastardierungszonen) variieren die Merkmale (bzw. ...
... Darüber hinaus ist sie irreführend: Sie gaukelt gravierende Unterschiede zwischen den Populationen der Kontinente vor, die es nicht gibt [17,30,[37][38][39]. (Vgl. hierzu auch die Jenaer Erklärung und Ergänzungen dazu [1,41,42].) Mit der klinalen Variation über die ganze Erde stimmt das Vorkommen der genetischen Varianten von DNA-Sequenzen (Haplotypen) in den Populationen verschiedener Kontinente überein [37-39, 43] (Abb. 4). ...
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Mit der "Jenaer Erklärung" meldeten sich im September 2019 erstmals Vertreter der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) zur Frage der Realität von Menschenrassen zu Wort. Vorangegangen waren entsprechende Stellungnahmen der Gesellschaft der Humangenetiker und der Anthropologen. Die drei Gesellschaften plädierten einhellig, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten, für die Abschaffung des Konzepts der Menschenrassen. Die Stellungnahmen sind vor dem Hintergrund der Geschichte der drei Disziplinen besonders wichtig. Von zoologischer Seite wurde jüngst der Jenaer Erklärung jedoch widersprochen. Aktuelle Lehrbücher halten ebenfalls an der Einteilung in Menschenrassen fest. Dies ist Anlass für den vorliegenden Beitrag, der die Frage nach der Existenz von Menschenrassen präzisiert. Sie lautet: Ist die Unterteilung von Arten in "Rassen" oder Unterarten (Subspezies) im Fall der Art Homo sapiens geeignet, deren genetische Vielfalt adäquat zu erfassen? Dazu werden einschlägige Argumente und Aussagen einiger Zoologen zur Unterteilung von Arten in "Rassen" analysiert, insbesondere die Annahme, dass es gleichermaßen bei Tierarten und beim Menschen "Rassen" gebe. Die Diskussion um die Jenaer Erklärung zeigt, dass deren Aussagen nicht alle Zoologen teilen, vielleicht nicht einmal mehrheitlich. Wegen des gesellschaftlichen Interesses an zuverlässiger biologischer Information sollen die fachlichen Ungenauigkeiten, Fehler sowie unangemessenen Folgerungen in zoologischen Werken aufgedeckt und korrigiert werden.
... Les races humaines sont de « pures constructions de l'esprit humain », ont constaté, en dernier lieu, dans la Déclaration d'Iéna en septembre 2019, quatre zoologues et scientifiques en Allemagne sur l'évolution, pour faire comprendre qu'il n'existe « aucune justification biologique » au « concept de races et de sous-espèces » (Fischer et al. 2019). De tels propos semblent s'imposer pour contrer l'utilisation du concept de race à des fins de catégorisation des êtres humains et les justifications biologiques du racisme que l'on voit surgir de nouveau en plus grand nombre, portées par les « milieux d'extrême droite radicaux et xénophobes ». ...
... De tels propos semblent s'imposer pour contrer l'utilisation du concept de race à des fins de catégorisation des êtres humains et les justifications biologiques du racisme que l'on voit surgir de nouveau en plus grand nombre, portées par les « milieux d'extrême droite radicaux et xénophobes ». Les auteurs visent à faire donc en sorte que des personnes ne soient plus jamais discriminées sur la base de motifs apparemment biologiques (Fischer et al. 2019). C'est précisément en tant qu'il intervient dans les débats sociaux que ce type de positionnement déterminé des scientifiques est très important, car on leur prête une véracité particulière. ...
Chapter
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« Les ‹races› n’existent pas!» Cette phrase, tous ceux qui travaillent sur le racisme l’ont sans doute entendue une fois, sous cette forme ou sous une autre, et beaucoup l’ont sans doute aussi prononcée eux-mêmes afin de se démarquer d’une conception biologique de la répartition des humains selon leur origine et leur couleur de peau. On a souvent recours, en l’espèce, à l’autorité de l’expertise en sciences naturelles – par exemple lorsqu’on affirme qu’il « n’existe pas de ‹races›» (Arndt 2011 : 660), que les «races» ne sont « pas des faits biologiques», qu’il n’existe « pas de base scientifique à la répartition de l’humanité en races» (Degele 2008 : 96) ou encore que les «‹races› n’ont […] pas de réalité biologique» (El-Tayeb 2005 : 7). De tels propos sont importants si l’on veut contrer les tentatives de justifier l’inégalité sociale, l’exploitation et le racisme par des différenciations biologiques. Dans ce type de déclarations, la «race» apparaît cependant majoritairement comme une fiction anachronique et comme le produit d’aberrations pseudoscientifiques auxquelles il faut opposer, à la manière des Lumières – c’est ce que l’on espère –, la factualité des découvertes scientifiques les plus récentes. Mais la répétition fréquente de ces propos n’a à ce jour ni aboli les racisations biologiques, ni mis un terme au racisme. De plus, on néglige le plus souvent qu’en procédant ainsi, on met à l’écart de l’observation critique la biologie et en particulier les conditions et les pratiques de la production de savoir biologique, ce qui fait échapper au regard des aspects importants du problème de la race.
... In September of 2019 at the Annual Meeting of the German Zoological Society in Jena, zoologists and human geneticists declared in a statement that the concept of human races ("Menschenrassen") is not biologically meaningful, that it is a result of racism and that "the largest genetic differences are found within populations and not between them" (Fischer et al., 2019). Here, the authors reiterate criticisms of biological concepts of race that have been articulated since the beginning of the 20th century. ...
... Grundlage dieser Unterscheidung sind biologische Merkmale, die als wesentliche Voraussetzung für soziale und kulturelle Leistungsfähigkeit sowie für gesellschaftlichen Fortschritt gedacht werden." Dass es keine biologischen Menschenrassen gibt, ist wissenschaftlicher Konsens (Fischer et al., 2019). Zwar wird Rassismus vielerorts als "unrecht" markiert und wortreich abgelehnt, jedoch zumeist nicht diskutiert, obwohl er tief in der Gesellschaft verwurzelt ist (Auma, 2018, S. 10). ...
... What we consider striking in the development of EDNA methods is a renewed explicitness in the use of racial(ising) categories as well as a current reinforcement of biological boundary-drawing to differentiate humans into groups based on typological concepts. This resilience of the biological and now molecularised race concept counteracts the broad scientific consensus that biological race concepts are invalid (Livingstone, 1962;Lewontin, 1972;Marks, 1995;AAPA, 2019;Fischer et al., 2019) and that race needs to be understood as a sociocultural category of othering and selfidentification. ...
Article
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Over the last two decades, the analysis of DNA traces found at a crime scene have expanded the already established forensic DNA analysis for identification to include new techniques intended to predict a criminal suspect's externally visible characteristics, such as eye, hair and skin colour ('forensic DNA phenotyping'), or his or her ethnic, continental or regional origin ('biogeographical ancestry'). In this paper, we conduct a dispositive analysis to investigate how extended DNA analysis in forensics catalyses inherent processes of racialization at three different levels: 1) in the categorizations that are integral to this technology, 2) in the images of the 'dangerous other' combined with inflated expectations regarding these technologies' effectiveness that have framed discourses regarding the legalization of this technology, and 3) in the biases and stereotypes which often guide investigative practices using these technologies. We demonstrate that this is an example par excellence of how the interaction between different practice dimensions can exacerbate unintended discriminating, racialising and racist effects.
... Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, ist aus unserer Sicht ein gutes Beispiel dafür, Inhalte (und auch die Positionierung der beteiligten Biolog*innen) nicht losgelöst von ihrer Historizität zu diskutieren. "Das Konzept der Rasse", so arbeiten die Autor*innen (Fischer et al. 2019) heraus, "ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung." In ihrer Argumentation verschränken sich aktuelle Befunde der Biologie mit einem genealogischen Zugang -und gerade so zwingen sich die Autor*innen zu einer Perspektive, die nicht bei einem selektiven Herausgreifen von Erkenntnissen stehen bleibt. ...
Chapter
Die Neue Rechte versteht sich selbst als Teil eines Hegemonieprojekts. Anlass unserer Analyse sind Bemühungen der Neuen Rechten, sich dem Wissenschafts- und Bildungsbereich als zentrale Felder das Kampfes um Hegemonie anzunähern. An einem Fall analysieren wir neurechte Bemühungen um Wissenschaftlichkeit und Bildungsarbeit. Dabei unterscheiden wir analytisch zwischen einer institutionellen, inhaltlichen und epistemischen Dimension ihres boundary-work zum Bildungs- und Wissenschaftsbereich. Während sich starke Kontinuitäten in der institutionellen sowie inhaltlichen Dimension zeigen, gibt es zum epistemsichen Bildungs- und Wissenschaftsverständnis einen Bruch. Die Ergebnisse der Fallanalyse sind für uns Anlass einer (Selbst)Kritik, in der boundary-work nicht mehr alleine Gegenstand unserer Forschung, sondern unsere reflexive Praxis ist.
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Human intelligence represents one of the most investigated and validated constructs in psychological research. The validity of intelligence tests is, however, regularly questioned, especially when it comes to cross-cultural research. Although various alternatives and further developments of intelligence assessments have been proposed (e.g., culture-fair tests), there are still many fundamental measurement issues in cross-cultural research in need for a solution. The present article addresses this topic from the perspective of cognitive psychology and neuroscience to propose a process-oriented and biologically-inspired approach of intelligence assessment as a potential solution. We demonstrate the importance of elementary cognitive processes (e.g., working memory capacity, attention, information processing speed) underlying individual differences in intelligence and emphasize that the distinction between contents and processes plays a central role in the assessment of intelligence. From a cognitive and neuropsychological perspective, it can be assumed that especially processes lend themselves to cross-cultural comparison research, whereas contents should be understood as being rather culturally specific. We discuss three different approaches to improve the comparability of intelligence assessments across different cultures and argue that future intelligence research should combine knowledge from different scientific disciplines to identify such intelligence-relevant cognitive processes. Finally, we evaluate the potential of a process-oriented and biologically inspired intelligence assessment against the background of its current possibilities and its challenges.
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Der Band stellt sich der Herausforderung, Erkenntnisse zu Rechtsextremismus und -populismus über einen Zugang zu zivilgesellschaftlichen Räumen, Dynamiken und Akteur*innen zu erweitern und zu systematisieren. Dabei bietet der Band eine Einführung grundlegender Verständigungen zu den Themenkomplexen Zivilgesellschaft, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus, um sich daran anschließend den Analysen von Dynamiken in einzelnen (zivil-)gesellschaftlichen Räumen, über diese hinweg und in Bezug auf Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit zuzuwenden. Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven (Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit, Soziologie, Sprachwissenschaften und Theologie) werden rechte Dynamiken, Narrative und Diskursverschiebungen analysiert und Gegenstrategien diskutiert. Die Herausgeber*innen Julian Sehmer lehrt im Rahmen einer Verwaltungsprofessur für Soziale Arbeit an der HAWK Holzminden und ist Sprecher des Instituts für Theorie und Empirie des Sozialen (ITES). Stephanie Simon ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Soziale Arbeit und außerschulische Bildung an der Universität Kassel. Jennifer Ten Elsen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Politisches System der Bundesrepublik Deutschland – Staatlichkeit im Wandel an der Universität Kassel. Felix Thiele ist Politikwissenschaftler und Lehrbeauftragter für Politische Theorie am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel.
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This article examines so-called colonial discourses in Belgium on the former Sub-Saharan colony owned by the Belgian King, Leopold II., which today is known as the Democratic Republic of Congo (DR Congo) or the Congo-Kinshasa. After having introduced the colonial history of the DR Congo from the 15th century until 1910, an empirical analysis of the colonial discourses in Belgium from the 1890s until today will be illustrated in conjunction with Belgium’s linguistic-cultural division and the age-related divergence. Belgian colonial discourse is characterized by a historical misrepresentation by the political authorities while especially social forces have pled for a critical examination of their own colonial history in Belgium since the year 2000.
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Abstract In 1956, evolutionary biologist J.B.S. Haldane posed a question to anthropologists: “Are the biological differences between human groups comparable with those between groups of domestic animals such as greyhounds and bulldogs…?” It reads as if it were posted on social media today. The analogy comparing human races to dog breeds is not only widespread in history and pop culture, but also sounds like scientific justification for eschewing the social construction of race, or for holding racist beliefs about human nature. Here we answer Haldane’s question in an effort to improve the public understanding of human biological variation and “race”—two phenomena that are not synonymous. Speaking to everyone without expert levels of familiarity with this material, we investigate whether the dog breed analogy for human race stands up to biology. It does not. Groups of humans that are culturally labeled as “races” differ in population structure, genotype–phenotype relationships, and phenotypic diversity from breeds of dogs in unsurprising ways, given how artificial selection has shaped the evolution of dogs, not humans. Our demonstration complements the vast body of existing knowledge about how human “races” differ in fundamental sociocultural, historical, and political ways from categories of nonhuman animals. By the end of this paper, readers will understand how the assumption that human races are the same as dog breeds is a racist strategy for justifying social, political, and economic inequality.
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Opportunities for people to interact with nature have declined over the past century, as many now live in urban areas and spend much of their time indoors. Conservation attitudes and behaviors largely depend on experiences with nature, and this "extinction of experience" (EOE) is a threat to biodiversity conservation. In this paper, we propose that citizen science, an increasingly popular way to integrate public outreach with data collection, can potentially mitigate EOE. Our review of the literature on volunteers' motivations and/or outcomes indicates that nature-based citizen science (NBCS) fosters cognitive and emotional aspects of experiences in nature. Although these experiences can change participants' behaviors and attitudes toward the natural world, this field remains largely unstudied. As such, even though NBCS can complement efforts to increase opportunities for people to interact with nature, further research on the mechanisms that drive this relationship is needed to strengthen our understanding of various outcomes of citizen science.
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Ancient DNA makes it possible to observe natural selection directly by analysing samples from populations before, during and after adaptation events. Here we report a genome-wide scan for selection using ancient DNA, capitalizing on the largest ancient DNA data set yet assembled: 230 West Eurasians who lived between 6500 and 300 bc, including 163 with newly reported data. The new samples include, to our knowledge, the first genome-wide ancient DNA from Anatolian Neolithic farmers, whose genetic material we obtained by extracting from petrous bones, and who we show were members of the population that was the source of Europe's first farmers. We also report a transect of the steppe region in Samara between 5600 and 300 bc, which allows us to identify admixture into the steppe from at least two external sources. We detect selection at loci associated with diet, pigmentation and immunity, and two independent episodes of selection on height.
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The origins of the First Americans remain contentious. Although Native Americans seem to be genetically most closely related to east Asians, there is no consensus with regard to which specific Old World populations they are closest to. Here we sequence the draft genome of an approximately 24,000-year-old individual (MA-1), from Mal'ta in south-central Siberia, to an average depth of 1×. To our knowledge this is the oldest anatomically modern human genome reported to date. The MA-1 mitochondrial genome belongs to haplogroup U, which has also been found at high frequency among Upper Palaeolithic and Mesolithic European hunter-gatherers, and the Y chromosome of MA-1 is basal to modern-day western Eurasians and near the root of most Native American lineages. Similarly, we find autosomal evidence that MA-1 is basal to modern-day western Eurasians and genetically closely related to modern-day Native Americans, with no close affinity to east Asians. This suggests that populations related to contemporary western Eurasians had a more north-easterly distribution 24,000 years ago than commonly thought. Furthermore, we estimate that 14 to 38% of Native American ancestry may originate through gene flow from this ancient population. This is likely to have occurred after the divergence of Native American ancestors from east Asian ancestors, but before the diversification of Native American populations in the New World. Gene flow from the MA-1 lineage into Native American ancestors could explain why several crania from the First Americans have been reported as bearing morphological characteristics that do not resemble those of east Asians. Sequencing of another south-central Siberian, Afontova Gora-2 dating to approximately 17,000 years ago, revealed similar autosomal genetic signatures as MA-1, suggesting that the region was continuously occupied by humans throughout the Last Glacial Maximum. Our findings reveal that western Eurasian genetic signatures in modern-day Native Americans derive not only from post-Columbian admixture, as commonly thought, but also from a mixed ancestry of the First Americans.
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In this article, I discuss and critique how metaphysicians of race have conceived of and defended racial realism according to how biologists use “race”. I start by defining “racial realism” in the broadest accepted way in the metaphysics of race. Next, I summarize a representative sample of recent attempts from metaphysicians of race and biologists to defend racial realism and the main criticisms against each attempt. I discuss how metaphysicians of race have defended racial realism according to how ordinary people use “race” in Part II.
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This article is Part II in a pair of articles on racial realism. In Part I, I defined “racial realism” and discussed the major attempts in the past twenty years among metaphysicians of race and biologists to defend racial realism from the viewpoint of what biologists mean by “race.” In this article, I continue discussing and critiquing how metaphysicians of race have conceived of and defended racial realism, but with a focus on how ordinary people use “race.” I focus on two broad groups of racial realisms in this article: biological racial realism and social racial realism. After defining each one, I summarize a representative sample of recent attempts from metaphysicians of race to defend both types of racial realism. I also discuss major criticisms against each attempt. I end by sketching a new, radical pluralist way of being a racial realist, and I provide some empirical motivation for why it's promising.
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Understanding the genetic structure of human populations is of fundamental interest to medical, forensic and anthropological sciences. Advances in high-throughput genotyping technology have markedly improved our understanding of global patterns of human genetic variation and suggest the potential to use large samples to uncover variation among closely spaced populations. Here we characterize genetic variation in a sample of 3,000 European individuals genotyped at over half a million variable DNA sites in the human genome. Despite low average levels of genetic differentiation among Europeans, we find a close correspondence between genetic and geographic distances; indeed, a geographical map of Europe arises naturally as an efficient two-dimensional summary of genetic variation in Europeans. The results emphasize that when mapping the genetic basis of a disease phenotype, spurious associations can arise if genetic structure is not properly accounted for. In addition, the results are relevant to the prospects of genetic ancestry testing; an individual’s DNA can be used to infer their geographic origin with surprising accuracy—often to within a few hundred kilometres.