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Die Salamanderpest breitet sich aus – auch ein Thema für den Bergmolch

Authors:
  • Biologische Station Westliches Ruhrgebiet
  • Düren Biological Institue of Nature Conservation

Abstract

Seit 2008 wurde in den südöstlichen Niederlanden ein dramatischer Einbruch der Feuersalamanderpopulation beobachtet. 2013 wurde mit der Beschreibung des Krankheitserregers die Ursache erkannt. Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, ist ein Amphibien-Hautpilz, der vor allem für Feuersalamander, aber auch für Molche, eine große Gefahr darstellt. Retrospektiv lässt sich die Krankheit in der Eifel bis 2004 zurückverfolgen. Inzwischen wurde Bsal auch in anderen Teilen der Niederlande, in Belgien, seit 2015 auch in der deutschen Eifel und seit 2017 im Ruhrgebiet nachgewiesen – zunächst in Essen. Speziell im Ruhrgebiet wurden mehrere Massensterben von Feuersalamandern (Essen, Hattingen, Witten) und eine offenbar dramatische Ausbreitung der Krankheit beobachtet. Bereits Laboruntersuchungen hatten gezeigt, dass auch die heimischen Molche von der Krankheit betroffen sind. Im Freiland wurde der Erreger bislang in drei Kammmolch-, fünf Teichmolch-, vier Fadenmolch- und mehr als zehn Bergmolch-Populationen nachgewiesen. Beim Feuersalamander kommt es zu gewaltigen Individuenverlusten, welche u.a. schon zu Populationszusammenbrüchen im Ruhrgebiet geführt haben. Auf Basis dieser Beobachtungen lässt sich das Verschwinden der Salamander in kurzer Zeit in ganzen Landstrichen befürchten. Bsal stellt eine reale Gefahr für das Überleben der Art dar. Bei den Molchen hatten dagegen bereits Laborversuche gezeigt, dass nicht alle Tiere befallen werden oder bei Befall zwangsläufig sterben. Die beiden Lissotriton-Arten zeigen geringe Prävalenz- und Infektionsraten, beim Kammmolch deuten sich dagegen hohe Infektionsraten an, beim Bergmolch ist die Prävalenzrate weitgehend niedrig, die Infektionsrate niedrig bis hoch. Tatsächlich konnten Populationen mit erkrankten Tieren festgestellt werden, die offenbar trotz des Erregers überdauern, so eine kleine Gartenteich-Population des Bergmolches in Essen. Für den deutlich stärker betroffenen Feuersalamander ist das aber keine beruhigende Erkenntnis, da Molche den Erreger in der Landschaft flächig verbreiten und als Reservoir erhalten, so dass eine Wiederbesiedlung durch den Salamander unwahrscheinlich wird.
Schlüpmann,M.*;Dalbeck,L.;Düssel‐Siebert,H.;Feldmeier,S.;Lötters,S.;Guschal,M.;
Kirst,K.;Ohlhoff,D.;Preißler,K.;Sabino‐Pinto,J.;Schulz,V.;Steinfartz,S.;Vences,M.;
Wagner,N.;Wegge,J.;Veith,M.
*MartinSchlüpmann,BiologischeStationWestlichesRuhrgebiete.V.,Ripshorster
Straße306,46117Oberhausen;martin.schluepmann@bswr.de
DieSalamanderpestbreitetsichaus–
aucheinThemafürdenBergmolch
Fundedby
Bundesamt fürNaturschutz,DeutscheBundesstiftung Umwelt,DGHT,
EuropeanCommission,Landesamt fürUmwelt‐ undVerbraucherschutz NRW,
Stadt Bochum,NikolausKochStiftung,StiftungArtenschutz /VdZ,ZooLandau
Entdeckung
2008:ErsterNachweisvontotenTieren
2013wurdederErregerwissenschaftlichbeschrieben:
Batrachochytridium salamandrivorans,kurzBsal
verwandtmitBatrachochytridium dendrobatitis Bd
Süd‐Limburg(Niederlande)
2008 2013
bis2013Populationnahezuerloschen
2017
Symptome
https://bsalinfoeurope.wixsite.com/eubsalmitigation2017/current-state-of-bsal-in-europe
Foto: Frank Pasmans/Science
3
Hautdefekte,Ulzerationen:„Salamanderfresser“
https://blogs.tu-braunschweig.de/presseinformationen/wp-
content/uploads/sites/5/2015/10/156_2015_Amphibienkeim_Feuersalamander_Bild1_web.jpg
Foto: Frank Pasmans/Science
aus Martel et al. (2013)
TieresitzenfreiundungeschütztamBoden,wirkenlethargisch
Herkunft
BsalwurdebeiinTerrariengehaltenenTiereninDeutschland,
GroßbritannienundinderSchweiznachgewiesen.
mitlebendenTieren(Feuerbauchmolchen)ausAsien
eingeschleppt
http://www.salamanderfungus.org
/resources/maps/
Feuersalamander JapanischerFeuerbauchmolch
Salamandrasalamandra Cynops pyrrhogaster
TagenachInfektion TagenachInfektion
Marteletal.2014,Science
VerlaufderBsal‐Chytridiomykose
InfektionslastLog(10)GE
InfektionslastLog(10)GE
GE =genomicequivalents
Temperaturbedingungender
Chytridiomykose
optimaleTemperaturbereiche:
BatrachochytriumdendrobatidisBd:17‐25°C
B.salamandrivoransBsal:10‐15°C
Bsal:inGefangenschaft isteineHeilungderTiere
durchHaltungbei25°Cmöglich
6
Belgien
seit2013
Nordrhein‐
Westfalen
Rheinland‐
Pfalz
Nieder‐
rheinische
Bucht
Niederlande
Deutschland
Südlimburg
seit2008
Spanien:
seit2019
67Bsal
Standorte:
54inDeutschland
13weitereinden
Niederlandenund
Belgien
Bsal‐Standorte
Nordeifel
seit2015/04
Südeifel
seit2017
Ruhrgebiet
seit2017
100km
MinimumConvex Polygon:
26.860km²
Outbreak known by today Feuersalamander
Feuersalamander+Molche
Molche
OffeneSymbole=
unbestätigt
Eifel Nordeifelseit2004/15:20Standorte
Südeifelseit2017:7Standorte
Nieder‐
lande
Deutschland
Belgien
Nordeifel
Südeifel
Nordrhein‐
Westfalen
Rheinland‐
Pfalz
Niederrheinische
Bucht
Outbreak known by today
Feuersalamander Feuersalamander
+Bergmolche
RuhrgebietundnäheresUmfeld
Essen
seit2017
Bochum
2018
Mülheim
ander
Ruhr
2018
Witten
2019
Bsal imRuhrgebietseit2017
Stand10/2019
Velbert
2018
Hattingen
2018
39Standortebislanguntersucht
20StandorteBsal‐negativ
19StandorteBsal‐positiv
Nordrhein‐Westfalen
Kammmolch 3Fundpunkte
hoheInfektionslast
Fadenmolch 4Fundpunkte
niedrigeInfektionslast
Teichmolch 5Fundpunkte
niedrigeInfektionslast
Bergmolch>10Fundpunkte
niedrigebishoheInfektionslast
Feuersalamander>20Fundpunkte
niedrigebishoheInfektionslast
WelcheArtensindbetroffen?
ProbenahmenStandOktober2019
Art untersucht untersuchtin
Befallsgebieten
Bsal‐
positiv Prävalenz Infektionsstärke
GE(max.)
Feuersalamander 1739 966 154 15,9% 22999
Bergmolch 1394 790 56 7,1% 852
Fadenmolch 1396 870 18 2,1% 20
Teichmolch 265 87 11 12,6% 731
Kammmolch 64 42 29 69,1% 54500
Geburtshelferkröte 1 0 0 ‐
Gelbbauchunke 111 75 0 0,0%
Erdkröte 117 86 0 0,0%
Grasfrosch 123 41 0 0,0%
Wasserfrosch 1 1 0 0,0%
GE =genomicequivalents
Bergmolch‐Population
ineinemkleinen
GartenteichinEssen‐
Stadtwald
April2018vieletoteTiere
beobachtet:
11.4.ersteProbenahme
Bsalwurdebestätigt
ImHerbst2018konnten2Larven
und2Adultegefangenwerden
ImFrühjahr2019wurden50
Bergmolchegekeschert.
BefallenerBergmolch
11.04.2018
Befallener
Bergmolch
29.05.2019
Befallener
Bergmolch
29.05.2019
DauersporenimBoden
Bsal‐Verbreitungsmöglichkeiten
https://www.researchgate.net/profile/Soren_Nielsen/publicat
ion/324840024/figure/fig4/AS:622475540979715@15254211
42532/Description‐of‐the‐possible‐means‐for‐Bsal‐
environmental‐persistence‐and‐spread‐in‐the.png
Reservoir
Vektor
Vektor
verkapselte
Pilzsporen
aquatischePilz‐
Zoosporen
Desinfektion
1%VirkonS
WirsteheninderVerantwortung,
daheristHygienenotwendig!
Reinigen
z.B.derStiefel
mitBürsten Ethanol70%
VielenDank
MartinSchlüpmann,BiologischeStationWestlichesRuhrgebiete. V.,Ripshorster
Straße306,46117Oberhausen;martin.schluepmann@bswr.de
HerzlichenDankan
Prof.Dr.S.Lötters(Univ.Trier)und
VanessaSchulz(TUBraunschweig/UniversitätLeipzig)
EinherzlichesDankeschönanalleehrenamtlichenHelfer
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