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Bedeutung und Akzeptanz der Jugendhilfeinspektion als Instrument der Fachaufsicht in der öffentlichen Hamburger Kinder- und Jugendhilfe

Authors:
  • University of Applied Sciences and Arts Northwestern, Muttenz, Switzerland

Abstract

Kay Biesel und Heinz Messmer skizzieren Auftrag, Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der Jugendhilfeinspektion als Instrument der Fachaufsicht in Hamburg. Daran anschließend werden die zentralen Befunde dargestellt und abschließend vor dem Hintergrund der vorliegenden Ergebnisse u.a. die Frage nach einer für die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe angemessenen und adressat(inn)engerechten Form von Fachaufsicht weiterverfolgt.
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Messmer/Biesel
Kay Biesel/Heinz Messmer
Bedeutung und Akzeptanz der Jugendhilfeins-
pektion als Instrument der Fachaufsicht in der
öffentlichen Hamburger Kinder- und Jugendhilfe
1 Fachaufsicht in der Kinder- und Jugendhilfe
Fachaufsicht im herkömmlichen Sinn bezeichnet die Aufsicht durch eine vorgesetzte
über eine nachgeordnete Behörde. Mitunter wird darunter auch die Aufsicht einer
Leitungsperson über Angestellte als »Teil der umfassenderen Dienstaufsicht« ge-
fasst (Horcher, 2013: 330). Während die Dienstaufsicht der Leitungskraft stärker
personenbezogen disziplinarrechtliche Entscheidungen impliziert, konzentriert
sich die Fachaufsicht mehr auf die fachliche und zweckmäßige Aufgabenerledigung
in Organisationen. Anders als die klassische Eingriffsverwaltung stützt sich eine
zeitgemäße Fachaufsicht jedoch nicht allein auf die Überprüfung der Einhaltung
einer rechtsstaatlichen Ordnung; vielmehr handelt es sich dabei um
Eine zeitgemäße Fachaufsicht ist demnach immer zweigleisig aufgestellt: Neben
der Überprüfung der Einhaltung rechtlicher, dokumentarischer und fachlicher
Standards richtet sich ihre Aufmerksamkeit zudem auf die Frage, ob das untersuchte
Handeln nicht nur sachlich und normativ richtig, sondern auch erforderlich, ange-
messen und zielführend ist. An die Stelle einer Überprüfung der ordnungsgemäßen
Erledigung gesetzlicher Vorgaben tritt eine Beratungs- oder Vertrauensaufsicht,
die stärker proaktiv Stellung bezieht und zu überzeugen versucht, »wie es besser
gemacht werden kann« (Göke/Thörmer, 2011, zit. in Jock, 2011: 50, Fn. 14). Statt
lediglich auf Soll/Ist-Abweichungen zu reagieren, nimmt sie darüber hinaus auch
die Ursachen und Rahmenbedingungen des Ist-Zustands mit in den Blick. Ein
zeitgemäßes Verständnis von Fachaufsicht repräsentiert mithin Aspekte eines
sich systemisch selbstregulierenden Risiko- und Fehlermanagements, das dazu
tendiert, Risiken und potentielle Fehlerquellen möglichst frühzeitig zu erkennen
und die strukturellen sowie organisatorischen Voraussetzungen professionellen
Handelns so zu gestalten, dass es zweckmäßig, effektiv und sozial akzeptiert aus-
geführt werden kann.
In der Kinder- und Jugendhilfe ist weithin ungeklärt, ob und inwieweit ein solches
zeitgemäßes Verständnis von Fachaufsicht in den verschiedenen Arbeitsfeldern der
Kinder- und Jugendhilfe als Instrument zur Sicherstellung professionellen Handelns
sinnvoll und notwendig ist und was sie gegenüber Ansätzen der Rechts- und Dienst-
aufsicht resp. Qualitätsentwicklung und Beschwerdemanagement leisten kann
(Biesel/Messmer, 2015; Merchel, 2015; Schrapper, 2015; Wiesner, 2015). Überdies
ein der Schaffung von Transparenz dienendes
und demokratische Legitimation vermittelndes,
auf Beobachtungen, Bewertungen und Erfah-
rungen basierendes, risiko- und zielorientiertes,
qualitätsgesteuertes Beeinflussen des Handelns
einer Stelle der öffentlichen Verwaltung unter
den Gesichtspunkten der Recht- und Zweckmä-
ßigkeit durch eine andere, hierzu befugte und
verpflichtete Stelle der gleichen staatlichen
Kompetenzebene (Jock, 2011: 310)
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ist offen, ob mit Fachaufsicht die Wahrnehmung des Schutzauftrags bei Kindes-
wohlgefährdung nach § 8a SGB VIII verbessert werden kann oder ob Ansätze des
Risiko- und Fehlermanagements für diesen Zweck nicht vielversprechender wären
(Biesel, 2012; Biesel, 2011). Zwar spielen Fragen der Qualitätsentwicklung und
der Wirksamkeit Sozialer Arbeit im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe
schon seit geraumer Zeit eine Rolle. Jedoch wurden sie nicht mit dem Thema der
Fachaufsicht verbunden. Dieses ist erst mit der Skandalisierung von problemati-
schen Kinderschutzfällen und Missbrauchsskandalen in privaten und öffentlichen
Einrichtungen verstärkt in den Fokus der öffentlichen und medialen Aufmerksam-
keit getreten (BMJ/BMFSFJ/BMBF, 2011; Fegert et al., 2013; Fegert/Ziegenhain/
Fangerau, 2010). Insbesondere durch die Einrichtung der Jugendhilfeinspektion
(JI) in Hamburg im Jahr 2012 ist Fachaufsicht zu einem bedeutenden und zugleich
umstrittenen Thema geworden (Biesel/Messmer/Schär, 2014; Stucke, 2014).
Die JI ist eine Organisationseinheit, welche in der Behörde für Arbeit, Soziales,
Familie und Integration (BASFI) angesiedelt ist und gegenüber den Hamburger
Allgemeinen Sozialen Diensten (ASD) Aufgaben der Fachaufsicht wahrnimmt. Ihre
Gründung war Bestandteil eines Maßnahmenpakets, das in Reaktion eines in der
Kinder- und Jugendhilfe verstorbenen Kindes im Jahr 2012 verabschiedet wurde
(Fall Chantal). Ziel ihrer Etablierung war es, die individuelle Handlungssicherheit
von Fachkräften in den ASD im Umgang mit Kindeswohlgefährdung wie auch im
Kontext der Anbahnung und Erbringung von Hilfen zur Erziehung (HzE) zu erhö-
hen und die Qualität ihrer Arbeitsergebnisse sicherzustellen. Ihre Etablierung war
in der öffentlichen Hamburger Kinder- und Jugendhilfe umstritten. Nicht wenige
Fachkräfte fühlten sich durch die Etablierung der JI vor den Kopf gestoßen und
in ihrem Bemühen, trotz teilweiser schwieriger Rahmenbedingungen gute Arbeit
zu leisten, ungenügend anerkannt und gewürdigt (Universität Koblenz-Landau
2012). Angesichts dieser Tatsache war die Arbeitsweise und Wirksamkeit der JI
Gegenstand einer langjährigen wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation (siehe
ausführlich: Biesel/Messmer 2018a)1 und auch ein Thema der Enquete-Kommission
»Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken«, die im Jahr 2016 eingesetzt
wurde, um den Kinderschutz in Hamburg nachhaltig voranzutreiben (Bericht der
Enquete-Kommission: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2018).
Nachfolgend werden Auftrag, Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der
wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation skizziert. Daran anschließend werden
die zentralen Befunde der multiperspektivischen Prozess- und Ergebnisevaluation
dargestellt, die vor allem auf die Komplexität und Kontextabhängigkeit der Um-
setzungs- und Wirkvoraussetzungen der JI aufmerksam machen. In den beiden
abschließenden Kapiteln des vorliegenden Beitrags wird vor dem Hintergrund der
1 Um zu gewährleisten, dass die JI von den Mitarbeitenden der Hamburger ASD als nützliches Inst-
rument zur Kontrolle und Weiterentwicklung guter Fachpraxis angenommen wird und Gefühle des
Misstrauens im Hinblick auf die Aberkennung fachlicher Expertise und professioneller Ermessen-
spielräume einen wirksamen Kinderschutz nicht gefährden, lancierte die BASFI im Jahr 2013 eine
öffentliche Ausschreibung für die Konzeptentwicklung, wissenschaftliche Begleitung und Evaluation
der JI (ÖA 003/2013/Z23). An der Ausschreibung beteiligte sich das Institut Kinder- und Jugendhilfe
(IKJ) der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz mit einem Angebot und
erhielt hierfür schließlich auch den Zuschlag. Eine ausführliche Version des Untersuchungsberichts
der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation ist über das Onlineportal researchgate öffentlich
zugänglich.
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vorliegenden Ergebnisse u.a. die Frage nach einer für die öffentliche Kinder- und
Jugendhilfe angemessenen und adressat(inn)engerechten Form von Fachaufsicht
weiterverfolgt.
2 Auftrag und Zielsetzung der wissenschaftlichen
Begleitung und Evaluation der Jugendhilfeinspektion in
Hamburg
Auftrag und Zielsetzung der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation war
es, die Wahrnehmung von Fachaufsichtsaufgaben der JI weiter konzeptuell zu
fundieren und die Mitglieder der JI bei der Umsetzung ihrer Arbeit zu unterstüt-
zen. Darüber hinaus sollte evaluiert werden, in welchem Umfang es der JI gelingt,
ihren Aufgaben und Funktionszuschreibungen zu entsprechen. Handlungsleitend
war die Idee, dass die JI nicht nur Aufgaben der Fachaufsicht, sondern auch der
Qualitätsentwicklung wahrnehmen sollte (Merchel, 2015). Sie sollte nicht nur
rechtliche, dokumentarische und fachliche Standards im Hinblick auf ihre Einhal-
tung und Praktikabilität in den ASD überprüfen, sondern auch dafür sorgen, dass
diese umgesetzt und wenn nötig angepasst und weiterentwickelt werden (Biesel/
Messmer, 2015). Zwischen BASFI und Auftragnehmer bestand Einigkeit darüber,
dass die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der JI mehr umfassen sollte
als die bloße Untersuchung von Wirkungen im Vorgehen der JI. Das bestehende
Rahmenkonzept der JI sollte entsprechend angepasst und erweitert, die Mitglie-
der in seiner Umsetzung geschult und die Schwachstellen im Konzept bzw. in der
Konzeptumsetzung frühzeitig ausgemerzt werden.
Handlungsleitend für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation waren
Überlegungen aus der Interventionsforschung (Patton, 2011), wonach Menschen
und Organisationen in ihrer Eigenständigkeit und Selbstorganisationsfähigkeit
unterstützt werden sollen. Entsprechend wurde das Rahmenkonzept vor Ort
gemeinsam mit den Mitgliedern der JI und den von ihren Tätigkeiten betroffenen
Mitarbeitenden und Leitungen in den ASD kooperativ erarbeitet und weiterent-
wickelt. Ausgehend von der Idee, dass Lernen und Entwicklung nicht von außen
bestimmt, sondern im Kontext einer gleichberechtigten Forschungspartnerschaft
generiert werden soll, entstand ein vierstufiges Entwicklungs- und Evaluationsde-
sign mit folgenden Komponenten:
Entwicklung und Konkretisierung ‚Rahmen-
konzept der Jugendhilfeinspektion‘ (insbes.
Prüfverfahren/Prozessabläufe; Prüfgen-
stände, Prüfkriterien und Instrumente der
Überprüfung) gemeinsam mit ausgewählten
Vertreter(inne)n aus den zu untersuchen-
den ASD-Abteilungen und Organisations-
einheiten mit äquivalenten Aufgaben im
Kindesschutz sowie mit den Mitgliedern der
JI. Zusammen bilden sie die Konzeptentwick-
lungsgruppe.
Qualifizierung Leitung und Mitarbeitende
Jugendhilfeinspektion (Verwendung der
Prüfinstrumente und Wissenstransfer).
Begleitung Pilotinspektion zur Identifikation
von Schwachstellen des Rahmenkonzepts
und zur Erfassung bislang noch nicht abge-
deckter Qualifizierungsbedarfe.
Evaluation Jugendhilfeinspektion (Arbeitswei-
se und Konsequenzen für die geprüften Orga-
nisationseinheiten) im Prozess (nachfolgend:
Prozessevaluation) und nach Abschluss
von vier bis fünf vollständig durchgeführten
regelhaften Untersuchungen (nachfolgend:
Ergebnisevaluation).
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Überdies wurden die während der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation
gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse im Kontext zweier Expert(inn)enhea-
rings diskutiert und sichergestellt. Das erste Expert(inn)enhearing2 hatte zum Ziel,
das gemeinsam weiterentwickelte Rahmenkonzept aus Sicht unterschiedlicher Ex-
pertisen zu validieren; das zweite Expert(inn)enhearing hatte dagegen die Funktion,
die erzielten Evaluationsergebnisse mit Blick auf die handlungspraktischen Konse-
quenzen aus dem Vorgehen der JI zu vertiefen. Dazu wurden ausgewiesene Sozi-
al- und Organisationswissenschaftler(innen) mit Expertise in der Sozialen Arbeit
und/oder dem Kinderschutz einbezogen, außerdem ausgewählte Vertreter(innen)
aus den untersuchten Organisationseinheiten sowie die Mitglieder(innen) der JI.
3 Konzeptentwicklung, Qualifizierung und Begleitung
Pilotinspektion
Eine aus Mitgliedern der JI sowie aus ausgewählten Fach- und Leitungspersonen
aus verschiedenen Abteilungen und Fachbehörden der öffentlichen Kinder- und
Jugendhilfe in Hamburg zusammengestellte Konzeptentwicklungsgruppe hatte
zum Ziel, gemeinsam mit der wissenschaftlichen Begleitgruppe die Aufgaben,
Verfahren, Prüfgegenstände, Prüfinstrumente und Prüfkriterien der JI weiter-
zuentwickeln und zu präzisieren. Es wurden Dimensionen von Qualität als heu-
ristische Ausgangspunkte für das Vorgehen der JI bestimmt und mit Hinweisen
unterlegt, wie sich diese auf eine gute Fachpraxis auswirken können (Biesel et al.,
2014: 299). Bestimmend war ein relationales Qualitätsverständnis (Merchel, 2013:
39 ff.), wonach diesbezügliche Einschätzungen ein Produkt von sich veränderten
gesellschaftlichen Erwartungen und Konjunkturen sind, andererseits aber auch von
Dritten – insbesondere von den davon betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren
Sorge- und Erziehungsberechtigten – unter Beiziehung juristischer (Anspruchs-)
Normen nachvollzogen werden können. Das so entstandene Rahmenkonzept für
die Durchführung von regelhaften, d. h. routinemäßigen Untersuchungen der JI
wurde der Behördenleitung (BASFI), der AG der Personalräte sowie dem Ham-
burger Datenschutzbeauftragten abschließend zur Diskussion gestellt. Allerdings
wurde auch festgelegt, dass die JI zur Aufarbeitung von problematisch verlaufenen
Kinderschutzfällen (nachfolgend: anlassbezogenen Untersuchungen) ggfs. vorrangig
beauftragt werden kann, obgleich hierfür kein spezielles Untersuchungskonzept
im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der JI ausgearbeitet
wurde. Die nachfolgende Abbildung vermittelt einen Überblick über die im Rah-
menkonzept näher beschriebenen Dimensionen und Einflussfaktoren von Qualität:
2 Das erste Expert(inn)enhearing war zudem Anlass für die Koordinierung eines Schwerpunktheftes
Das Jugendamt 7-8/2015.
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Abb. 1: Dimensionen und Einflussfaktoren für die Qualität fachlichen Handelns
Qualitäts-
dimensionen Einflussfaktoren
Struktur-
qualität
Personalausstattung, Arbeitsbelastung, Krankheitsstand
sächliche Bedingungen
sozialräumliche Gegebenheiten
Organisations-
qualität
Programme (Leitbilder, Konzepte, Instrumente, Methoden, Verfahren,
Richtlinien)
Leitungs-, Vernetzungs- und Entscheidungsstrukturen
Führungsverhalten
Wahrnehmung von Fehlern und Erfolgen, Umgang mit Krisen
Aktenführung /Falldokumentation
(Vollständigkeit, Plausibilität, Nachvollziehbarkeit von Schlüsselprozessen wie
z.B.: Falleingangsmanagement, Gefährdungseinschätzung, sozialpädagogische
Diagnostik, Hilfeplanung, Fallübergabe/Zuständigkeitswechsel, Fallbeendi-
gung)
Informations- und Wissensmanagement (Sicherstellung von und Zugänglichkeit
zu Informationen und Wissen)
Teamqualität
Abtlg./Teamzusammensetzung (Qualifikation, Berufserfahrung, Organisations-
zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Ethnie)
Abtlg./Teamklima (Kommunikation, Kooperation, Kollegialität)
Professions-
qualität
Rollen- und Aufgabenwahrnehmung
Hilfesystem-
qualität
Kooperationspartner (Angebotsvielfalt / Passung von Angebot und Nachfrage)
Kooperationskultur (fallbezogen / fallübergreifend)
Ergebnis-
qualität
Perspektive der KlientInnen: Zufriedenheit und Beschwerdemanagement
Perspektive der Fachkräfte: Zielerreichung
Perspektive der Fachkräfte: Autonomie der KlientInnen, Hilfe zur Selbsthilfe
Perspektive Kooperationspartner/politisch Verantwortliche/Öffentlichkeit und
Medien: Öffentliche Wahrnehmung
(Quelle: Biesel/Messmer/Schär, 2014: 299)
Ausgehend von diesem Qualitätsrahmen wurden die für das regelhafte Vorgehen
der JI maßgeblichen Fragen im Rahmenkonzept wie folgt formuliert:
Zur Beantwortung dieser Fragen sollte die JI statistische Daten und Dokumente
zu den strukturellen und organisationalen Rahmenbedingungen professionellen
Handelns erheben, mithilfe von Papierakten und Dokumenten aus der JUS-
Auf welche Weise und mit welcher Qualität
dokumentieren die Mitarbeitenden der ASD
und äquivalenter Organisationseinheiten mit
Kinderschutzaufgaben Anliegen und Fälle von
Kindeswohlgefährdung und erzieherischer
Hilfen? Inwieweit lassen sich daraus Hinwei-
se über die Qualität fachlichen Handelns
ableiten?
Welche Faktoren fördern oder hemmen eine
qualitativ gute Fachpraxis in den Bereichen
Hilfen zur Erziehung und Kinderschutz?
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IT-Fallsoftware3 die Einhaltung rechtlicher, dokumentarischer und fachlicher
Standards prüfen und auf dem Wege der Durchführung von Einzel- und Grup-
pengesprächen mit ASD-Fach- und Leitungskräften sowie mittels teilnehmenden
Beobachtungen von kollegialen Fallberatungen, Dienstbesprechungen u.ä.m. die
Qualität fachlichen Handelns abzuschätzen und auf dieser Grundlage Verbesse-
rungsvorschläge zu unterbreiten versuchen.4
Parallel zur Konzeptweiterentwicklung nahmen die Mitglieder der JI an einer drei-
tägigen Basis-Qualifizierung teil, welche von der wissenschaftlichen Begleitgruppe
konzipiert und in Räumlichkeiten der BASFI durchgeführt wurde. Die Basis-
Qualifizierung diente einerseits der Vermittlung von Methoden qualitativer Eva-
luationsforschung, insbes. der Durchführung und Auswertung von teilnehmenden
Beobachtungen sowie qualitativen Einzel- und Gruppeninterviews. Andererseits
sollten Möglichkeiten und Grenzen von Dokumenten- und Aktenanalysen erörtert
und für die Erledigung der Aufgabenstellung der JI angemessenere Instrumente
der Datenerhebung erprobt und weiterentwickelt werden.
Auf die Erhebung einer Pilotinspektion wurde entgegen der ursprünglichen
Planung verzichtet. Ausschlaggebend dafür war, dass die JI nach Erstellung und
Verabschiedung des Rahmenkonzepts für regelhafte Untersuchungen außer-
planmäßig mit der anlassbezogenen Untersuchung zum Fall Yagmur5 beauftragt
wurde. Dieser Umstand führte zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan und zog
vielfältige Kritik am Vorgehen der JI nach sich (Stucke, 2014). Darüber hinaus war
unklar, wieviel Zeit es in Anspruch nehmen würde, bis die Bedenken der Personal-
vertretungen bezüglich Daten- und Mitarbeitendenschutz im Zuge des Vorgehens
der JI, aber auch der wissenschaftlichen Evaluation ausgeräumt werden konnten.
Die erste regelhafte Untersuchung der JI begann deshalb ohne Evaluation einer
Pilotinspektion und abweichend vom ursprünglichen Zeitplan erst im Mai 2014.
Weitere regelhafte Untersuchungen erfolgten zeitverzögert, wurden aber durch
weitere problematische Kinderschutzfälle erneut unterbrochen.
4 Methodisches Vorgehen der wissenschaftlichen
Evaluation
Grundpfeiler der wissenschaftlichen Evaluation waren zum einen die Prozesseva-
luation in Form einer qualitativen Untersuchung von vier bis fünf Untersuchungs-
durchläufe der JI, um einschätzen zu können, wie und mit welcher Qualität die JI
3 Die Software JUS-IT hat in der öffentlichen Hamburger Kinder- und Jugendhilfe die Sozialhilfesoft-
ware »PROSA« abgelöst und wurde 2012 eingeführt. Die Software unterstützt u.a. das Eingangs- und
Fallmanagement in den ASD, ist aber nicht komplikationsfrei zu bedienen und nur unzureichend an
fachliche und rechtliche Logiken guter Fallarbeit im Kinderschutz orientiert (siehe hierzu: Bericht
der Enquete-Kommission: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2018: 74).
4 Das Rahmenkonzept für regelhafte Untersuchungen der JI erscheint im Rückblick sowohl hinsichtlich
der Vielzahl der zu erhebenden Qualitätsindikatoren wie auch bezüglich ihrer Zusammenführung
in Form eines resümierenden Untersuchungsberichts überkomplex. Es war nur bedingt für die
Mitglieder der JI geeignet, welche als ehemalige Verwaltungsangestellte oder ASD-Fachkräfte im
begrenzten Umfang über die für die Anwendung des Rahmenkonzepts erforderliche analytische
Expertise verfügten. Die Basis-Qualifikation konnte diesen Umstand nur teilweise abmildern.
5 Der Fall Yagmur führte u. a. zur Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses,
dem die JI die Ergebnisse der anlassbezogenen Untersuchung vorgestellt hat (Bürgerschaft der
Freien und Hansestadt Hamburg, 2015).
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ihr Vorgehen gemäß Rahmenkonzept für regelhafte Untersuchungen realisiert.
Zum anderen wurde eine Ergebnisevaluation in Form einer quantitativen Online-
Befragung in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg durchgeführt,
um auch die Einschätzungen von Leitungen und Fachpersonen, die von einer
Untersuchung der JI nicht betroffen waren, zum Vorgehen und zu den Wirkungen
der JI zu erfassen.
Um das Vorgehen der wissenschaftlichen Evaluation und ihrer Befunde besser
nachzuvollziehen und einordnen zu können, muss man wissen, dass die oben er-
wähnte außerplanmäßige anlassbezogene Untersuchung zum Fall Yagmur nicht nur
den Zeitplan der wissenschaftlichen Evaluation durcheinandergebracht, sondern
auch dem ohnehin zwiespältigen Ansehen der JI in der öffentlichen Kinder- und
Jugendhilfe in Hamburg nachhaltig Schaden zugefügt hat. Der zum Teil stark per-
sonalisierende und mit Schuldzuschreibungen durchsetzte Untersuchungsbericht
der JI hat aus Sicht von Mitarbeitenden und teilweise auch der Leitungen der
Befürchtung Nahrung gegeben, dass auch die regelhaften Untersuchungen der JI
mehr politischen als fachlichen Zwecksetzungen dienen. Demnach repräsentiere die
JI primär ein von der Behörde instrumentalisiertes und top-down implementiertes
Werkzeug organisationaler Kontrolle und individueller Fehlerzuschreibung, weni-
ger hingegen ein Instrument zur Förderung fachlicher Qualität. Wie noch näher zu
sehen sein wird, waren diese Befürchtungen nicht nur für die Wahrnehmung der
anlassbezogenen, sondern auch für die der regelhaften Untersuchungen prägend.
Von einer Evaluation des anlassbezogenen Vorgehens der JI im Fall Yagmur wurde
aus verschiedenen Gründen Abstand genommen. Zum einen waren anlassbezogene
Untersuchungen nicht Bestandteil des Rahmenkonzepts, das den Maßstab für die
Prüftätigkeiten im Vorgehen der JI wie auch der wissenschaftlichen Evaluation
definiert. Zudem konnte die Anonymität der Datenerhebung nicht gewährleistet
werden, solange die Staatsanwaltschaft und der parlamentarische Untersuchungs-
ausschuss ermittelnd tätig waren. Im Unterschied dazu war die Situation in Bezug
auf spätere anlassbezogene Untersuchungen weniger drastisch. Hier war nicht nur
der politisch-mediale, sondern auch der zeitliche Druck bezüglich der Fallaufarbei-
tung deutlich geringer, so dass sich das Vorgehen der JI näher am Rahmenkonzept
für regelhafte Untersuchungen ausrichten konnte. Von den drei anlassbezogenen
Untersuchungen, die in den Zeitraum der wissenschaftlichen Evaluation fielen,
wurden daher die beiden Letzten dem Sample für die Prozessevaluation zugefügt,
die Erhebungsinstrumente dieser Falltypik entsprechend modifiziert.
Vor diesem Hintergrund war es Auftrag der wissenschaftlichen Evaluation zu
analysieren, wie die JI bei ihren regelhaften und anlassbezogenen Untersuchun-
gen konkret vorgeht, vor welchen Herausforderungen sie steht und wie sie diese
bewältigt. Eruiert werden sollte ferner, wie der Nutzen des Vorgehens der JI von
Mitarbeitenden und Leitungen der untersuchten und noch nicht untersuchten ASD
in Hamburg eingeschätzt wird.
4.1 Vorgehen bei der Prozessevaluation
Die Prozessevaluation hatte zum Ziel, aus Perspektive der maßgeblichen Akteure,
hier also aus Sicht der Mitglieder der JI sowie aus der von Inspektionen betroffe-
nen Mitarbeitenden und Leitungen der ASD zu eruieren, wie das Vorgehen und
der Nutzen der JI erlebt und beurteilt wird. Hierfür wurden drei regelhafte und
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zwei anlassbezogene Untersuchungen der JI einbezogen, darunter die regelhaften
Untersuchungen des Familieninterventionsteams (FIT)6, des ASD Hamburg-
Bergedorf (alle Abteilungen) und des ASD Hamburg-Nord (eine Abteilung)
sowie die anlassbezogenen Untersuchungen im Fall T. und im Fall D. Im Kontext
regelhafter Untersuchungen wurde gemäß Rahmenkonzept danach gefragt, wie das
Vorgehen der JI vonstattenging und wie dieses von den Beteiligten erlebt und die
Qualität der Arbeit der JI eingeschätzt wird. Die Evaluation der anlassbezogenen
Untersuchungen hingegen zielte mehr darauf ab, herauszufinden, welche Ziele das
Vorgehen der JI in diesem Kontext verfolgte, wie und mit welcher Qualität pro-
blematische Kinderschutzfälle von der JI untersucht wurden und wie der Nutzen
anlassbezogener Untersuchungen von den Beteiligten eingeschätzt wird.
Jeweils nach Ablauf einer regelhaften oder anlassbezogenen Inspektionen (d.h.
meist nach Erstellung des vorläufigen Untersuchungsberichts) wurden die Mit-
glieder der JI sowie die von Untersuchungen betroffenen Mitarbeitenden und
Leitungen interviewt, vorzugsweise in Form von Gruppeninterviews, und wenn
nicht anders machbar, auch in Form eines Einzelinterviews. In einem Fall wurden
Telefoninterviews zum Zwecke der Nacherhebung geführt, in einem anderen Fall
zusätzlich Einzelinterviews mit Leitungen des am Fall beteiligten Leistungsträgers.
Im Rahmen der anlassbezogenen Untersuchung (Fall D.) wurden zudem bezirk-
liche Vertreter(inne)n interviewt, die die JI in ihrem Vorgehen begleiteten und
unterstützten. Auf diesem Wege kamen insgesamt n=21 qualitative (Einzel- und
Gruppen-) Interviews zustande. Diese wurden mit Zustimmung aller Beteiligten
audiogestützt aufgezeichnet, anonymisiert und verschriftlicht. Gegenstand der
Evaluation waren außerdem Dokumente, welche die JI im Rahmen ihrer Unter-
suchungen ausgearbeitet hat (Datensheets, vorläufige und endgültige Untersu-
chungsberichte u. ä. m.). Die Befunde der Prozessevaluation wurden nach jeder
Durchführung der JI zu einem eigenständigen Bericht zusammengefasst und im
Sinne eines Ergebnisfeedbacks gemeinsam mit der JI im Rahmen von Feedback-
Workshops reflektiert.
4.2 Vorgehen bei der Ergebnisevaluation
Die Ergebnisevaluation zielte primär auf die Erfassung von Wirkungen und Kon-
sequenzen, die die JI nach Einschätzung aller Leitungen und Mitarbeitenden sowie
weiteren Entscheidungsträgern nach Ablauf der insgesamt fünf Untersuchungen
hervorgebracht hat, unabhängig davon, ob diese selbst von Untersuchungen der JI
betroffen waren. Gemäß Evaluationsauftrag wurde hierzu ein Online-Fragebogen
entwickelt. Dieser enthielt einen allgemeinen Teil mit Einschätzungsfragen zum
Vorgehen der JI, zu den Maßnahmen zur Stärkung des Kindesschutzes in Hamburg,
zum institutionellen Nutzen der JI und zur Angemessenheit verschiedener Formen
von Fachaufsicht in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe. Weitere Fragen be-
zogen sich darüber hinaus auf die zukünftige Entwicklung der JI in Hamburg und
dem Nutzen von Fachaufsicht allgemein.
6 Das Familieninterventionsteam (FIT) wurde 2003 vom als übergeordnete Einrichtung geschaffen,
um in Zusammenarbeit mit der Polizei und den ASD effektiv auf kriminelles Verhalten Minderjäh-
riger in Hamburg reagieren zu können. Es ist in der BASFI angesiedelt und wird tätig aufgrund von
Polizeimeldungen oder auf Anfrage der ASD.
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Die Daten im Kontext der Online-Befragung wurden zwischen Februar und
Mai 2017 erhoben. Von insgesamt n=656 adressierten Personen haben n=184
geantwortet. Das entspricht einer Rücklaufquote von 28 Prozent. Gemessen an
der Grundgesamtheit waren Personen mit Leitungsfunktion zu 50 Prozent gegen-
über Mitarbeitenden mit 25 Prozent überproportional stark vertreten. Personen
weiblichen Geschlechts waren gegenüber männlichen Antwortenden etwa dop-
pelt so stark in der Befragung präsent. Gemessen an der Grundgesamtheit war
der Rücklauf nach Bezirken jedoch proportional in etwa gleichverteilt. Über die
Gründe des geringen Datenrücklaufs lässt sich trotz hinreichender Transparenz
über Zweck und Ziel der Online-Befragung sowie niedrigen Zugangsschwellen und
Zusicherung von Anonymität und Datenschutz allenfalls spekulieren, insbesondere,
ob und inwieweit die geringe Beteiligung primär Desinteresse oder Ablehnung
gegenüber der JI indiziert.
Neben der Online-Befragung wurden im Rahmen der Ergebnisevaluation auf
Wunsch der BASFI darüber hinaus auch ein Gruppeninterview mit der Steuerungs-
gruppe Jugendhilfe (Behördenleitung BASFI und Bezirksamtsleitungen) sowie
Einzelinterviews mit Abgeordneten des Ausschusses Familie, Kinder und Jugend der
Hamburgischen Bürgerschaft durchgeführt (nachfolgend: qualitative Expert(inn)
eninterviews). Der zeitliche Rahmen mit der Steuerungsgruppe Jugendhilfe war
mit rund einer Stunde Dauer angesichts einer größeren Runde an Teilnehmenden
eng bemessen. Die Antworten wurden meist reihum in Form von ‚Statements‘
geäußert, seltener inhaltlich aufgegriffen und vertieft. Mit den Abgeordneten des
Ausschusses Familie, Kinder und Jugend der Hamburgischen Bürgerschaft wurden
insgesamt sechs halbstündige Einzelinterviews durchgeführt. Trotz der auch hier
vergleichsweise knapp bemessenen Zeit erschienen die Abgeordneten gut vor-
bereitet zu den vereinbarten Terminen, antworteten knapp und dezidiert, so dass
meist genügend Zeit zum Nachfragen blieb.
5 Befunde aus der Prozessevaluation
Die nachfolgende Ergebnisdarstellung orientiert sich an den Perspektiven der
Beteiligten der Untersuchungen der JI. Dargestellt werden lediglich Befunde mit
fallübergreifender Relevanz, ungeachtet dessen, dass Anlass, Kontext und Heraus-
forderungen der einzelnen Untersuchungen der JI ebenso wie deren Vorgehen sich
mit fortschreitender Entwicklung zum Teil erheblich voneinander unterschieden.
5.1 Zwischen den Stühlen: Die Perspektive der JI
Nachdem die JI im Anschluss an die anlassbezogene Untersuchung zum Fall Yagmur
ihre Tätigkeit gemäß Rahmenkonzept im Jahr 2014 erstmalig aufnimmt, wird ihren
Mitgliedern rasch klar, dass sich die JI in einem schwierigen Umfeld bewegt: Die
anlassbezogene Untersuchung zum Fall Yagmur überschattet alle Versuche, das
Image der JI aufzubessern und für die Anliegen ihrer Untersuchungen hinreichend
Vertrauen zu schaffen. Neben problematischen Kontextbedingungen, Bedenken
der Personalräte und holprigen Feldzugängen stößt die JI ihrem eigenem Erleben
zufolge auf wenig begeisterte, eher misstrauische und nur zur minimalen Mitwirkung
bereite Mitarbeitende. Im Wissen um ihre Zugehörigkeit bzw. Einbindung in die
BASFI, wird sie primär als Bedrohung (»inquisitorische Abteilung«) erfahren, ihr
Nutzen größtenteils geringgeschätzt.
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Daneben bereitet auch die Umsetzung des Rahmenkonzepts den Mitgliedern der
JI erhebliche Mühe. Schwierigkeiten bereite vor allem die Bewertung der Qualität
fachlichen Handelns, für die die einschlägigen Anhaltspunkte im Rahmenkonzept
oft keine ausreichend klaren Orientierungen böten: Was ist eine gute und sach-
gemäße Praxis? Was zeichnet sie aus? Wann sind Abweichungen von geltenden
Standards sinnvoll, gerechtfertigt und erlaubt? Wie lassen sich Einzeleindrücke
und -befunde methodisch zu validen Ergebnisberichten verdichten? Trotz zuneh-
mender Sicherheit im Umgang mit dem Rahmenkonzept bleibt die Erstellung der
Untersuchungsberichte durchgehend mit erheblichen Diskussionen verbunden
unter zum Teil bewusster Ausklammerung strittiger und heikler Themen.
Im Kontext anlassbezogener Untersuchungen bestand die Herausforderung
für die JI hauptsächlich darin, dass hierfür kein gültiges und erprobtes Konzept
existiert. Der Fokus anlassbezogener Untersuchungen konzentrierte sich daher
vor allem auf die Überprüfung der Einhaltung geltender Standards zulasten von
Fallverstehen und der Herausarbeitung geeigneter Indikatoren für eine offene und
konstruktive Fehlerkultur. Im Kontext von Untersuchungen problematisch verlau-
fender Kinderschutzfälle stellte sich daher die Frage nach realistischen, nachvoll-
ziehbaren und begründeten Indikatoren der Fallbearbeitung ungleich schärfer, so
z.B., wenn fallrelevante Absprachen mit unterschiedlichen und häufig wechselnden
Zuständigkeiten erfolgen, die nicht immer vollumfänglich zur Kenntnis genommen,
bearbeitet, dokumentiert und weitergeleitet werden, wobei sich die Einschätzun-
gen unterschiedlicher Akteure aus Sicht der JI zudem teilweise widersprächen.
Die Unterstützung der JI durch bezirkliche Vertreter(inne)n habe bei der zuletzt
evaluierten anlassbezogenen Untersuchung jedoch zu einer strukturierteren und
sichereren Haltung geführt, auf welche Indikatoren sie ihre Einschätzungen stützt.
Auch formuliert die JI in diesem Untersuchungsbericht erstmals grundsätzliche
Empfehlungen zur Weiterentwicklung der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe
in Hamburg in Fragen des Kinderschutzes.
Zusammenfassend war die Haltung der Mitglieder der JI hinsichtlich ihres Vor-
gehens und dem damit verbundenen Nutzen mehrheitlich von Unsicherheit und
Zweifeln geprägt. Die Außenwahrnehmung ihrer Arbeit in den von ihr untersuch-
ten Abteilungen (FIT/ASD) empfanden sie trotz aller Bemühungen meist wenig
unterstützend, nicht zuletzt beeinflusst durch die Personalunion regelhafter und
anlassbezogener Untersuchungen als Ausdruck des grundlegenden Spannungsfelds
von Kontrolle versus Verbesserung der Qualität fachlichen Handelns. Die Etab-
lierung und Konzeptionierung der JI als ein Instrument der Fachaufsicht gestaltet
sich aus Binnensicht als ein konstanter Such-, Entwicklungs- und Lernprozess, der
ebenso zahlreiche wie vielschichtige Herausforderungen impliziert, die nicht alle
geleichzeitig bearbeitet und aufgelöst werden können.
5.2 Offen, aber skeptisch: Die Perspektive der Leitungen
Die Leitungen der untersuchten ASD und des FIT weisen ebenfalls darauf hin,
dass mit der anlassbezogenen Untersuchung im Fall Yagmur das Vertrauen in der
öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe nachhaltig Schaden genommen hat. Auf Ebe-
ne der Mitarbeitenden beständen seitdem massive Vorbehalte und Widerstände
gegenüber der JI. Sie selbst sind gegenüber der Idee von Fachaufsicht und der JI
gegenüber grundsätzlich offener eingestellt, empfänden es allerdings als proble-
443
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5/2019
Messmer/Biesel
matisch, dass regelhafte und anlassbezogene Untersuchungen so früh miteinander
vermengt wurden. Vor diesem Hintergrund empfinden sie das aus ihrer Sicht
teilweise intransparente und unsensible Vorgehen der JI dem Vertrauensaufbau
in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe eher abträglich. Auch der Begriff der
›Inspektion‹ wirke eher abschreckend. Die Mitarbeitenden beschränkten sich
entsprechend auf minimale Beteiligungsformen.
Aus Sicht der Leitungen werden teilweise Zweifel an den sozialen, analytischen
und wissenschaftlichen Kompetenzen der JI artikuliert. Ihr Vorgehen entspräche
keineswegs immer den Vorgaben des Rahmenkonzepts. Das Auftreten der JI wirke
zuweilen steif, zeige Spuren von Unsicherheit und sei wenig einnehmend. Ferner
legen die interviewten Leitungen dar, dass durch die regelhaften Untersuchungen
der JI strukturelle Probleme der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe zwar benannt
und sichtbar gemacht würden, konkrete Verbesserungsvorschläge und Anregungen
für die Praxis jedoch ausblieben bzw. aus ihrer Sicht nicht immer stichhaltig seien.
Überdies sei ihre Umsetzung und Kontrolle zwischen den Bezirksämtern und der
BASFI nicht hinreichend klar geregelt.
Bezüglich der anlassbezogenen Untersuchungen bestand aus Sicht der Leitungen
anfänglich Offenheit, wenngleich vermischt mit Vorbehalten gegenüber dem kon-
kreten Vorgehen der JI. Aus Leitungssicht war das Ergebnis im Zuge der ersten
anlassbezogenen Untersuchung (Fall T.) aber enttäuschend: Der Untersuchungsbe-
richt war überwiegend defizitorientiert, die Gesamtumstände der Fallbearbeitung
wurden dabei nur unzureichend reflektiert. Anstatt eine bessere Praxis anzuregen,
hätte der Bericht eher eine abwehrende Haltung hervorgebracht. Zwar sei der
Untersuchungsbericht der JI bei der zweiten anlassbezogenen Untersuchung zum
Fall D. besser gelungen als im Fall Yagmur und im Fall T.; generell würden aber
sensiblere Formen der Aufarbeitung und Unterstützung im Rahmen problematisch
verlaufender Kinderschutzfälle bevorzugt.
Zusammenfassend wissen Leitungen den Nutzen der JI im Kontext regelhafter
Untersuchungen durchaus zu schätzen, insbesondere dann, wenn damit Probleme
organisationsöffentlich werden, die ansonsten eher im Graubereich bleiben. Aus
Sicht der Leitungen mangelt es gleichwohl an handlungspraktischen Hinweisen
und Rückmeldungen in Bezug auf Verbesserungsmöglichkeiten für die Praxis und
ihre organisatorische oder konzeptionelle Umsetzung. Anlassbezogene Untersu-
chungen der JI hätten primär eine politisch legitimierende, weniger hingegen eine
fachliche Funktion. In der vorliegenden Form seien sie daher für die Entwicklung
einer offenen und konstruktiven Fehlerkultur in der öffentlichen Kinder- und
Jugendhilfe wenig geeignet. Anlassbezogene und regelhafte Untersuchungen in
Personalunion werfen aus Sicht der Leitungen zahlreiche Folgeprobleme auf, wes-
halb es ratsam sei, nach anderen Modellen der Aufarbeitung von problematischen
Kinderschutzfällen Ausschau zu halten.
5.3 Verfestigtes Misstrauen: Die Perspektive der Mitarbeitenden
Die Mitarbeitenden der regelhaft untersuchten ASD-Abteilungen7 und des FIT
stehen der JI als Institution und ihrem Vorgehen grundsätzlich kritisch gegenüber.
Sie nehmen die JI vornehmlich als eine Kontrollinstanz wahr, ausgelöst durch die
7 Die Mitarbeitenden der anlassbezogen untersuchten ASD standen der Evaluation nach Rückspra-
che mit ihren Leitungen nicht zur Verfügung. Auf die ausführliche Darstellung der Perspektive der
Freien Träger und bezirklichen Vertreter(inne)n wird an dieser Stelle aus Platzgründen verzichtet.
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5/2019 Messmer/Biesel
personalisierende und schuldzuschreibende Untersuchung des Falls Yagmur. Sie
hegen zudem Zweifel an der Qualität, Professionalität und Wissenschaftlichkeit im
Vorgehen der JI. Entsprechend fühlen sie sich nur unzureichend gesehen und die
Rahmenbedingungen ihrer Arbeit von den Mitgliedern der JI zu wenig gewürdigt.
Der Rollenwechsel zwischen regelhaften und anlassbezogenen Untersuchungen
erscheint ihnen unglaubwürdig. Auch wurden sie aus ihrer Sicht über Vorgehen und
Arbeitsweise der JI zu wenig informiert. Jenseits von Einzelgesprächen waren die
Mitglieder der JI in ihrem konkreten Vorgehen für die Fachkräfte wenig greifbar.
Anders als bei anlassbezogenen Untersuchungen richtet das Vorgehen der JI bei
den regelhaften Untersuchungen aus ihrer Sicht zwar kaum Schaden an, allerdings
generiere es aber auch wenig Nutzen. Die Untersuchungsberichte der JI wären eher
verallgemeinernd und oberflächlich. Sie enthielten zu viele unangebrachte Kritiken
und fehlerhafte Aussagen und nur wenige brauchbare Hinweise zur Verbesserung
ihrer Praxis. Bezeichnung, Vorgehen und personelle Zusammensetzung der JI seien
zudem stark überarbeitungswürdig.
Zusammenfassend sind die Mitarbeitenden auf Ausführungsebene aufgrund (1)
der top-down Implementation der JI in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe
in Hamburg, (2) deren organisatorische Nähe bzw. Einbindung in die BASFI, (3)
ihrer Etikettierung (Inspektion) sowie (4) den Erfahrungen mit der anlassbezoge-
nen Untersuchung im Fall Yagmur gegenüber der JI meist negativ voreingestellt.
Ihre grundlegenden Vorbehalte zielen auf die Struktur, Transparenz und Nutzen
im Vorgehen der JI. Den Berichten der JI mangle es an begründeten und nach-
vollziehbaren Kriterien zur Einschätzung der Qualität fachlichen Handelns wie
auch an analytischer Unvoreingenommenheit und Kompetenzen. Das Auftreten
der Mitglieder der JI sei zudem wenig einnehmend, was durch ihr Bemühen um
dialogisches Vorgehen und kommunikatives Ergebnisfeedback auf Augenhöhe nur
zum Teil kompensiert werden könne.
Was sich auf Seiten der Mitarbeitenden also als Misstrauen und Skepsis artikuliert,
äußert sich aus Sicht der JI als eine Form des voreingenommenen Widerstands. Er
führt dazu, dass die JI insbesondere dem konstruktiven Teil ihrer Aufgabenstellung
nicht gerecht werden kann, namentlich der Konkretisierung von Hinweisen zur
Verbesserung der Qualität fachlichen Handelns, die über die bloße Überprüfung
der Aktenführung im Hinblick auf die Einhaltung von Standards hinausführt. In
diesem Zusammenhang scheinen sich die Erwartungen beider Seiten wechselseitig
zu neutralisieren: Während die JI jenseits der reinen Überprüfung von Handlungs-
routinen auf die Zusammenarbeit der Mitarbeitenden angewiesen ist, wird ihnen
diese deshalb verweigert, weil diese den potentiellen Nutzen ihres Vorgehens
nicht hinreichend plausibel und glaubhaft vermitteln kann, nachdem sie mit der
anlassbezogenen Untersuchung zum Fall Yagmur aus deren Sicht eher gegen die
Mitarbeitenden als mit ihnen zusammengearbeitet hat.
6 Befunde aus der Ergebnisevaluation
6.1 Befunde aus den qualitativen Expert(inn)eninterviews
Wie die inhaltsanalytischen Auswertungen der qualitativen Interviews von Mit-
gliedern der Steuerungsgruppe Jugendhilfe und politischen Ausschussmitgliedern
zu Wirkungen und Nutzen der Arbeit der JI zeigen, wird die Arbeit der JI von der
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Messmer/Biesel
Behördenspitze und politischen Funktionsträgern durchweg geschätzt, ihr Nutzen
gleichwohl verschieden bewertet. Während die Ausschussmitglieder zwischen dem
politischen Nutzen, den sie aus den primär anlassbezogenen Untersuchungsberich-
ten der JI für ihre parlamentarischen Kontrollaufgaben ziehen, und den fachlich
zum Teil fragwürdigen Konsequenzen für die einzelnen ASD-Abteilungen und
die Fallbearbeitung differenzieren, sehen die Mitglieder der Steuerungsgruppe in
Letzterem mehr eine Herausforderung und insofern ein fachlich zu überwindendes
Entwicklungsproblem. Die Behörden- und Bezirksleitungen (Steuerungsgruppe
Jugendhilfe) bewerten die Arbeit der JI insofern im Kontext einer lernenden,
noch nicht hinreichend ausdifferenzierten Praxis, deren Stoßrichtung gleichwohl
in die richtige Richtung zielt. Woran es dem ›Projekt Jugendhilfeinspektion‹ aus
ihrer Sicht hauptsächlich mangelt, sei die noch suboptimale Professionalität bei
der Eingrenzung substantieller Probleme der Fallbearbeitung wie auch bei der
Unterstützung von Mitarbeitenden und Leitungen der ASD im Hinblick auf die
fachliche Weiterentwicklung einer wirksameren Kinderschutzpraxis. Aus Sicht
der Steuerungsgruppe bedürfe es zudem einer intensiveren Zusammenarbeit.
Ein vielsprechender Ansatzpunkt stellen Formen einer ›themenfokussierten Un-
tersuchung‹ dar, bei der Leitungen und Mitarbeitende gemeinsam aktuelle und
handlungspraktische Problemstellungen an die JI adressieren, so dass sich deren
analytisches Vorgehen stärker am Nutzen der jeweiligen Organisationseinheit
ausrichten kann.
In eine ähnliche Richtung gehen auch Anregungen der Ausschussmitglieder. Die
JI müsse mehr Gewicht auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den ASD
legen und diese im Bemühen um Qualität bei der Fallarbeit und bei der Bearbei-
tung von Gefährdungen des Kindeswohls tatkräftiger unterstützen. Bezüglich
der Anerkennung ihrer Expertise und Glaubwürdigkeit wäre darüber hinaus die
Unabhängigkeit ihrer organisatorischen Einbettung vorteilhaft. Auch eine außen-
wirksame Selbstdarstellung der JI in Form von leicht zugänglichen Ergebnis- und
Jahresberichten wäre ihrer Anerkennung förderlich.
6.2 Befunde aus der Online-Befragung
Die Einschätzungen und Wertungen von Leitungen und Mitarbeitenden der unter-
suchten und noch zu untersuchenden ASD in Hamburg zeichnen im Rahmen der
Onlinebefragung dagegen ein grundsätzlich anderes Bild: Auftrag, Zielsetzung und
Vorgehen der JI fokussieren demnach primär auf die Überprüfung und Einhaltung
vorgegebener Standards der Fallbearbeitung, die als solche jedoch weitestgehend
unhinterfragt blieben ebenso wie die faktischen Bedingungen ihrer Umsetzung.
Dieser Befund spiegelt zwar weniger die Ergebnisdarstellung der JI wider, die in
ihren Untersuchungsberichten die widersprüchlichen Bedingungen professionel-
len Handelns durchaus zu würdigen und einzuschätzen weiß8; ungeachtet dessen
8 Im Nachgang wurde zwischen November 2017 und Januar 2018 im Auftrag der Enquete-Kommission
»Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken: Überprüfung, Weiterentwicklung, Umsetzung und
Einhaltung gesetzlicher Grundlagen, fachlicher Standards und Regeln in der Kinder- und Jugendhilfe
– Verbesserung der Interaktion der verschiedenen Systeme und Akteurinnen und Akteure« eine
Metaanalyse aller vorliegenden Untersuchungsberichte durchgeführt (eingeschlossen früherer
Bestandsaufnahmen der JI sowie ihr Untersuchungsbericht zum Fall Yagmur, Biesel/Messmer,
2018b).
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nehmen Leitungen und Mitarbeitende der ASD die JI aber hauptsächlich als eine
Kontrollinstanz wahr, welche vorzugsweise auf Abweichungen von Standards
professionellen Handelns fokussiere.
Diese – vorwiegend kritischen – Einschätzungen zum Vorgehen und den Wir-
kungen der JI sind neben den unmittelbaren Erfahrungen im Zuge einer JI-
Untersuchung (eigene Betroffenheit) vor allem dem Vorgehen der JI im Kontext
der Überprüfung problematisch verlaufener Kinderschutzfälle und der sich daran
anschließenden negativen medialen Berichterstattung geschuldet. Anders als die
Untersuchungsberichte aus den regelhaften Durchführungen sind die anlassbe-
zogenen Untersuchungsberichte der Mehrheit der Befragten bestens bekannt.
Gleiches gilt auch für die Arbeits- und Vorgehensweise der JI bei der Durchführung
anlassbezogener im Unterschied zu regelhaften Untersuchungen. Entsprechend
wird die JI mehrheitlich im Kontext anlassbezogener Untersuchungen identifiziert.
Aus Sicht der von Untersuchungen betroffenen Leitungen und Mitarbeitenden
wird das Vorgehen der JI bei anlassbezogenen Untersuchungen mehrheitlich als
unverhältnismäßig, intransparent und wenig fair evaluiert. Zwar könne die JI
Auftrag und Zielsetzung ihres Vorgehens durchaus nachvollziehbar vermitteln, sie
scheitere jedoch an deren konkreten Umsetzung, vorwiegend aufgrund mangelnder
analytischer und sozialer Kompetenzen. Grundsätzlich wird das Vorgehen der JI
bei regelhaften Untersuchungen besser bewertet als wenn sie anlassbezogen tätig
ist. Dass die Arbeit der JI jedoch zu Veränderungen oder Verbesserungen der Ar-
beitsbedingungen in den untersuchten ASD führt, wird mehrheitlich gleichwohl
bezweifelt.
Von allen in der öffentlichen Hamburger Kinder- und Jugendhilfe ergriffenen
Maßnahmen zur Stärkung des Kinderschutzes (Fachanweisungen, Fort- und Wei-
terbildungen, Schaffung sozialräumlicher Angebote etc.) wird der Nutzen der JI aus
Sicht der Befragten am tiefsten bewertet. Nach vorliegenden Hinweisen achten die
Professionellen zwar vermehrt auf die Einhaltung rechtlicher, dokumentarischer
und fachlicher Standards, was jedoch mehr der individuellen Absicherung dient,
während strukturelle, auf den Kontext bezogene Veränderungen professionellen
Handelns davon weitgehend unberührt blieben. Auch würden fördernde und
hemmende Einflussfaktoren auf die Qualität professionelles Handeln durch das
Vorgehen der JI z.T. besser greifbar, was aber in Bezug auf veränderte Praxis-
strukturen (bspw. verbesserte Arbeitsbedingungen, Formen der Zusammenarbeit)
weitgehend folgenlos bleibt. Vor allem die Erwartungen im Hinblick auf erhöhte
Handlungs- und Verfahrenssicherheit im Umgang mit Kindeswohlgefährdungen
haben sich nach vorliegenden Angaben nicht erfüllt.
Weiterführende Einschätzungen zum Vorgehen und Wirkung der JI ergeben
sich aus den Kommentarfeldern der Onlinebefragung. Positiv gewürdigt wird das
Vorgehen der JI vor allem im Hinblick auf die Herstellung einer organisationalen
Öffentlichkeit, sofern aufgrund ihrer Berichte kritische Aspekte der Fallarbeit
benannt, dokumentiert und insofern auch besser reflektiert werden können.
Ungeachtet diverser Anmerkungen in den Untersuchungsberichten der JI setzen
hier zugleich aber auch die Kritikpunkte an. Nach vorliegenden Hinweisen sei die
Arbeit der JI zu sehr auf die Ebene individuellen Handelns bzw. auf einzelne ASD-
Abteilungen konzentriert, während organisationale Probleme der Überregulierung
und mangelnder Unterstützung durch die Rahmenstrukturen der Fallbearbeitung
unterbelichtet blieben. Vom Vorgehen der JI profitiere in erster Linie die behördli-
447
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Messmer/Biesel
che und politische Steuerungsebene, weniger dagegen Mitarbeitende und Leitungen
der ASD in den Bezirken. Entsprechende Änderungswünsche zielen vor allem auf
verbesserte Ressourcenausstattung, Deregulierung und Kooperation.
Ungeachtet aller Vorbehalte zum Vorgehen und Nutzen der JI machen die Hin-
weise aus der Ergebnisevaluation gleichwohl deutlich, dass Mitarbeitende und
Leitungen verschiedene Formen von Fachaufsicht (themenfokussiert, regelhaft,
anlassbezogen) durchaus begrüßen, sofern sie der konkreten Fallarbeit nützlich
sind. Unter den klassischen und neueren Instrumenten von Fachaufsicht werden
insbesondere Fachgespräche, Evaluationen, Risiko- und Fehleranalysen als nütz-
lich eingestuft. Nach vorliegenden Hinweisen sind Mitarbeitende und Leitungen
gegenüber formalen Prüftätigkeiten zur Einhaltung rechtlicher, dokumentarischer
und fachlicher Standards keineswegs abgeneigt, sofern sie die Rahmenbedingungen
für eine gute fachliche Praxis auf Dauer sicherstellen und unterstützen. Entspre-
chend hoch müssten ihrer Meinung nach dann aber auch die Anforderungen an das
personelle Kompetenzprofil von Institutionen der Fachaufsicht in der Kinder- und
Jugendhilfe sein, damit diese ihre Versprechungen auch einlösen kann.
7 Diskussion
Wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation insgesamt
zeigen, bewegt sich die JI als ein Instrument der Fachaufsicht der öffentlichen
Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg in einem fachlichen komplexen und von
Anfang an politisch aufgeladenen Spannungsfeld. Entsprechend widersprüchlich
und vielschichtig sind die Einschätzungen seiner Nützlichkeit: Je nachdem, welche
Personengruppe man befragt, wird die JI entweder als ein potenziell wirksames
Instrument der Fachaufsicht betrachtet oder als organisationale Fehlentwicklung
charakterisiert. Dabei fällt auf, dass Personen, welche in der Hierarchie der Orga-
nisation oben angesiedelt oder in politischer Funktion tätig sind, die Arbeitsweise
der JI positiver bewerten als die von der Tätigkeit der JI unmittelbar Betroffe-
nen. Dieser Befund ist kaum überraschend, weist er doch darauf hin, in welchen
strukturellen Spannungsfeldern die Arbeit der JI operativ umgesetzt und realisiert
werden muss: Auf der einen Seite bündeln sich die Interessen und Erwartungen
von politisch Verantwortlichen und Spitzen der bezirklichen Verwaltungen, auf
der anderen Seite hingegen die der Leitungen und Fachkräfte der ASD, welche
die festgestellten Unzulänglichkeiten ihrer Arbeit fachlich verantworten müssen.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist für sie zwar nachvollziehbar,
weshalb die JI eingesetzt wird, jedoch fühlen sich von der JI zu wenig unterstützt
und zweifeln an ihrem Nutzen.
Die Mitglieder der JI wiederum sind sich der Zwiespältigkeit ihrer Aufgabe
durchaus bewusst. Sie sehen sich einem schwierigen Umfeld gegenüber, in dem
sie insbesondere auf Ebene der Mitarbeitenden auf Widerstand stoßen. Aufgrund
ihrer organisationalen Einbindung als Teil der BASFI werden sie mehrheitlich als
deren verlängerter Arm aufgefasst, weniger als ein Instrument zur Sicherstellung
und Stärkung fachlicher Qualität. Schließlich hat auch der Rollenkonflikt im
Kontext anlassbezogener und regelhafter Untersuchungen dazu geführt, dass das
Vorgehen der JI unter den Mitarbeitenden der ASD vorwiegend auf Misstrauen
und Ablehnung stößt.
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Andererseits bereitet die Umsetzung des gemeinschaftlich entwickelten Rah-
menkonzepts für regelhafte Untersuchungen der JI einige Mühe. Ursprünglich
dafür gedacht, den genuinen Prüfanspruch der JI (etwa mittels Überprüfung der
Einhaltung von Standards bei der Fallbearbeitung aufgrund von Stichprobenzie-
hungen von Akten und anderer Dokumente) durch Instrumente der Förderung von
Qualität der Fallbearbeitung zu konterkarieren, hat die Erhebung, Relationierung
und Abwägung vielfältiger Daten und Eindrücke die JI mit der Schwierigkeit
konfrontiert, aus den zahlreichen Datenquellen und Einzeleindrücken ein plausi-
bles und stimmiges Bild vom Ist-Zustand der untersuchten ASD-Abteilungen zu
generieren. Umgekehrt hat die konzeptlose Fallaufarbeitung im Kontext anlassbe-
zogener Untersuchungen dazu geführt, dass sich die JI auf unklare Aufgaben- und
Erwartungszuschreibungen von verschiedenen Seiten einließ, denen sie nicht allen
gerecht werden kann.
Die vorliegenden Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung und Evalu-
ation zeigen aber auch, dass Mitarbeitende und andere Akteure der öffentlichen
Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg sich bei aller Kritik gegenüber einer the-
menfokussierten, anlassbezogenen und regelhaften Fachaufsicht grundsätzlich
aufgeschlossen erweisen – nicht zuletzt im Bewusstsein darüber, dass eine qualitativ
hochwertige Praxis Formen der Überprüfung und ›Draufsicht‹ benötigt, die sowohl
Normdurchsetzung gewährleisten wie auch gangbare Entwicklungsmöglichkeiten
aufzeigen können muss. Indem die JI die Rahmenbedingungen der Fallbearbeitung
und die diesbezüglichen Praxen in den betreffenden ASD-Abteilungen entlang
geltender Standards untersucht und kritisch würdigt, macht sie nicht zuletzt auf
strukturelle Probleme der Fallbearbeitung aufmerksam und diese insofern greifbar.
U.a. hat die JI in ihren Berichten mehrfach darauf hingewiesen, dass die Rahmen-
bedingungen in den Hamburger ASD verbesserungswürdig sind und die Qualität
der Fallführung nicht zuletzt davon abhängt, wie es den Leitungen gelingt, die Fach-
kräfte in der Fallführung zu unterstützen. Es bleibt in den Untersuchungsberichten
zwar offen, was Ursache und was Folgen struktureller Probleme in der öffentlichen
Hamburger Kinder- und Jugendhilfe sind. Anhand der immer wiederkehrenden
Themen kann aber festgestellt werden, dass die Qualität der Fallführung aus Sicht
der JI vor allem durch folgende Aspekte verbessert werden kann, die hier lediglich
summarisch aufgeführt werden:
8 Ausblick
Die vorliegenden Befunde machen auf den Sachverhalt aufmerksam, dass die JI
als ein Instrument der Fachaufsicht in den Hamburger ASD nur dann effektiv sein
kann, wenn der Kontext, in dem sie operiert, dies auch zulässt und unterstützt. Die
Abbau von Arbeitsüberlastungen und Vermin-
derung von Personalfluktuationen;
anwenderfreundlichere Gestaltung von JUS-IT
analog des Aufbaus und der Beschriftung von
Papierakten;
verbindlichere Anwendung von Instrumenten
der Kinderschutzdiagnostik und der sozial-
pädagogischen Diagnostik;
Verbesserung der Wahrnehmung von Dienst-
und Fachaufsicht durch Leitungen;
Verbesserung der Wahrnehmung und
Ausgestaltung des Wächteramts durch die
Fachkräfte;
verstärkte Beteiligung von, und Kontakten zu
Kindern, Jugendlichen und Eltern bei Prozes-
sen der Gefährdungseinschätzung und der
Hilfeplanung (siehe weiterführend: Biesel/
Messmer, 2018b).
449
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Messmer/Biesel
reine Überprüfung zur Einhaltung von Standards (etwa im Kontext der Überprü-
fung Aktenprüfung und Falldokumentation) bleibt weitgehend ausgenommen,
sofern sich diese auf dem Wege der Verfügung auch gegen die Einsicht der Betrof-
fenen durchsetzen lässt. Anders dagegen verhält es sich hinsichtlich der Einschät-
zung von Qualität sowie der Aufdeckung von Fehlern und Irrtümern im Kontext
der konkreten Fallbearbeitung. Hier spielen neben dem eigenen Aufgaben- und
Rollenverständnis auch Fragen der Kommunikation, Kooperation und Kollegialität
eine tragende Rolle, die nur zum Teil standardisiert und verbindlich gemacht werden
können. Naheliegend ist vielmehr die Vermutung, dass jede Organisationseinheit
in Bezug auf die Herausforderungen der Fallarbeit ihre je eigenen Rationalitäten
und Standards entwickelt, die sich handlungspraktisch möglicherweise bewähren,
mit den offiziellen Vorgaben jedoch nicht immer deckungsgleich sind. In den von
der JI untersuchten ASD wurden bspw. mehrfach die mangelnde Berücksichtigung
diagnostischer Instrumente zur Einschätzung von Gefährdungen des Kindeswohls
und zur Bestimmung von Hilfebedarfen wie auch der Einbezug relevanter Akteure
in das Hilfeplangespräch moniert, was sich aus Sicht der fallzuständigen Fachkräfte
aus logisch nachvollziehbaren Gründen oder aufgrund besonderer Falleigentüm-
lichkeiten zuweilen durchaus rechtfertigen lässt. Die Einschätzung, ob sich die
Qualität der Fallarbeit mehr an der Einhaltung von Standards oder mehr am Er-
messen begründeter Ausnahmen misst, lässt sich ohne Fallbezug oder dialogische
Auseinandersetzung mit den fallzuständigen Fachkräften indes kaum angemessen
beurteilen. Die Überprüfung nur partiell zu standardisierenden Praxen ist vielmehr
auf ein auf Offenheit und Kommunikation aufgestütztes Vorgehen verwiesen, das
bei den Untersuchungen der JI so nicht bestand.
Unter sonst gleichen Umständen müsste daher vermehrt über Formen der
Fachaufsicht nachgedacht werden, bei denen die Interessen und Erwartungen der
Mitarbeitenden konzeptionell stärker eingebunden und berücksichtigt werden.
Das praktische Vorgehen müsste sich zudem konzeptionell stärker als bei der JI
gegenüber Abweichungen von formell definierten Standards der Fallarbeit öffnen,
um die informellen und fallbezogenen Rationalitäten professionellen Handelns
besser verstehen und nachvollziehen zu können. Ein dahingehend angepasstes
Rahmenkonzept sollte um themenfokussierte Untersuchungen weiterentwickelt
werden und zwischen den einzelnen Durchführungsformen klar unterscheiden,
um eine Rollendiffusion zu vermeiden. Selbstverständnis und Grundhaltung von
Fachaufsicht sollten zudem in einem Leitbild verankert und nach außen transparent
sichtbar werden, so dass klar ist, wofür das Instrument eigentlich steht, was bei
welchen Anlässen beabsichtigt ist und welche Werte und Prinzipien die jeweiligen
Aktivitäten leiten9.
Aus Sicht der wissenschaftlichen Evaluation ist die JI als ein Instrument der
Fachaufsicht in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg ein bislang
noch unabgeschlossenes Entwicklungsprojekt. Vieles wird in Zukunft davon ab-
hängen, wie es ihr in Zusammenarbeit mit den untersuchten ASD-Abteilungen
und der politischen Steuerungsebene gelingt, ihren Auftrag so umzusetzen, dass
9 Die Enquete-Kommission »Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken« ist diesen Handlungs-
empfehlungen im Wesentlichen gefolgt. Sie regt aber an, die organisationale Einbindung und die
Bezeichnung der JI zu überdenken, um nach außen hin deutlicher zu machen, dass sie fachlich
unabhängig und weisungsfrei agiert und Aufgaben sowohl der Fachaufsicht als auch der Qualitäts-
entwicklung wahrnimmt (Bericht der Enquete-Kommission: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt
Hamburg, 2018: 77).
450
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er von den mittelbar und unmittelbar Betroffenen gleichermaßen als unterstüt-
zend und nützlich erlebt werden kann. Die wesentliche Stärke der JI ist es, dass
sie empirische begründete Einsichten generiert, die Aufschluss darüber geben, wie
sich das Verhältnis zwischen Ist/Soll-Zuständen in den von ihr untersuchten ASD-
Abteilungen präsentiert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Ihr Vor-
gehen vereint insofern Funktionen der Dienst- und Fachaufsicht gleichermaßen.
Indem sie einerseits untersucht, inwieweit die geltenden Standards guter Praxis
eingehalten und umgesetzt werden, nimmt sie Aufgaben der Dienstaufsicht wahr,
die hinsichtlich Umfang, Tiefe und Detaillierungsgrad von den Leitungspersonen
in den ASD möglicherweise nicht in derselben Weise ausgeführt werden können.
Sofern sie andererseits die geltenden Standards nicht als sakrosankt definiert,
sondern diese bei vorliegenden Hinweisen hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit auch
kritisch hinterfragen und Lösungswege aufzeigen kann, dient sie der Organisation
als Instrument der Fachaufsicht mithin als Impulsgeber für die Weiterentwicklung
professioneller Praxis. Insofern tangiert das ›Projekt Jugendhilfeinspektion‹ letzten
Endes die Frage, ob Formen der professionellen Selbstkontrolle ausreichend sind,
um die Qualität und Wirksamkeit der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe zu
gewährleisten und zu verbessern. Angesichts einer Profession, die vorzugsweise
›unsichtbar‹ operiert10, stellt sich die Frage, inwieweit es legitim und erforderlich ist,
mehr rechtsstaatliche Kontrollen zuzulassen, um auch die nicht-standardisierbaren
Handlungsanteile der Profession damit sichtbar und nachvollziehbar werden zu
lassen. Hierfür bedarf es jedoch Akteure, die Fachaufsicht selbstbewusst und von
innen heraus gestalten und praktizieren (Schrapper, 2015: 358).11 Fachaufsicht kann
überdies nur wirksam sein, wenn sie über Mittel der Unterstützung und Sanktionie-
rung verfügt, mit denen sie fachliche Impulse sowohl auf der Durchführungs- als
auch auf Steuerungsebene setzen kann, um auf Standardverletzungen angemessen
reagieren und für die Verbesserung von Rahmenbedingungen professionellen
Handelns eintreten zu können.
In Deutschland stehen die Jugendämter bislang nicht unter staatlicher Aufsicht,
Einrichtungen von freien Trägern, in denen Kinder fremdplatziert sind, hingegen
schon (Wiesner, 2015). Dieser Umstand ist möglicherweise nicht mehr zeitgemäß,
da »Kinder- und Jugendhilfe in der heutigen gesetzlichen Ausgestaltung und in ihrer
Bedeutung für die Wahrnehmung von Eltern- und Kinderrechten nicht mehr dem
Profil kommunaler Selbstverwaltung entspricht, also ihrer Substanz nach bereits als
staatliche Aufgabe zu deuten ist« (ebd.: 355). Ob und wann allerdings die Aufgaben
des örtlichen Trägers der Jugendhilfe (Landkreise und Städte) in Staatsaufgaben
umgewandelt und damit die Voraussetzungen für eine flächendeckende staatli-
10 So etwa die vielbeachtete These von Pithouse (1998: 4 f.): »Social work is invisible in three
particular ways: First, social workers who visit people in the privacy of their own homes or see
them in the office usually do so free from observation and interference by their colleagues, who
likewise pursue a similar form of intervention. Secondly, social work is invisible to the extent, that
the outcomes of intervention are uncertain and ambiguous (…). Thirdly, social work is invisible
in so far as practitioners do not typically retrieve and analyse the occupational processes that
surround their endeavors.«
11 Merchel (2015) dagegen plädiert für differenzierte Funktionszuschreibungen: Fachaufsicht im Sinne
der Überprüfung von regelkonformen Verhalten sollte vorzugsweise von außen wahrgenommen
werden, während Qualitätsentwicklung dafür zuständig sei, der Organisation Lern- und Entwick-
lungsimpulse zu geben, die wesentlich aus ihr selbst heraus ergriffen und ausgeübt werden
müssten.
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Messmer/Biesel
che Kontrolle geschaffen werden, ist eine heikle (fach-)politische Frage, ebenso,
inwieweit mit ihrer Verstaatlichung die Qualität professionellen Handelns in den
Jugendämtern sichergestellt oder gar gesteigert werden kann, solange ausschließlich
klassische Formen von Fachaufsicht Anwendung finden (ebd.).
Im schulischen Kontext sind Inspektionen in vielen Bundesländern wie auch im
europäischen Ausland bereits gang und gäbe (Arbeitsgruppe Schulinspektion,
2016). International spielen regulatorische Inspektions- und Auditierungsansätze
zur Gewährleistung guter Kinder- und Jugendhilfepraxen ebenfalls eine gewichtige
Rolle (Biesel et al., i.E.). Diese kritisch zu reflektieren und für die Weiterentwick-
lung einer adressat(inn)engerechten Fachaufsichtspraxis heranzuziehen, wäre
durchaus wünschenswert. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und
Evaluation der Jugendhilfeinspektion in Hamburg könnten hierfür einen ersten
Anstoß geben.
Literatur
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inspektion als Steuerungsimpuls. Ergebnisse aus
Forschungsprojekten. Wiesbaden
Biesel, K., 2011: Wenn Jugendämter scheitern. Zum Um-
gang mit Fehlern im Kinderschutz. Gesellschaft der
Unterschiede. Bd. 4. Bielefeld
Biesel, K., 2012: »Das neue Bundeskinderschutzgesetz
– Aufbruch zum Risiko- und Fehlermanagement im
Kinderschutz unter Federführung der Jugendämter?!«,
Jugendhilfe 3: 131-138
Biesel, K./Masson, J./Parton, N./Pösö, T. (eds.), i. E.:
Errors and mistakes in child protection: International
discourses, approaches, and strategies. Bristol
Biesel, K./Messmer, H., 2015: »Fachaufsicht in der Kinder-
und Jugendhilfe – Fragen, Probleme und Vorausset-
zungen«, Das Jugendamt. Zeitschrift für Jugendhilfe
und Familienrecht 7-8: 346-349
Biesel, K./Messmer, H., 2018a: Schlussbericht. Konzept-
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ation der Jugendhilfeinspektion in Hamburg. Basel.
Biesel, K./Messmer, H., 2018b: Metaanalyse. Berichte
der Jugendhilfeinspektion. Basel
Biesel, K./Messmer, H./Schär, C., 2014: »Jugendhilfeins-
pektion in Hamburg: fachliche Innovation oder Aus-
druck von Misstrauen?«, Das Jugendamt. Zeitschrift
für Jugendhilfe und Familienrecht 6: 297-299
BMJ/BMFSFJ/BMBF, (Hrsg.) 2011: Abschlussbericht
Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Ab-
hängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten
und öffentlichen Einrichtungen und im familiären
Bereich. Berlin
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg (Hrsg.),
2015: Bericht des Parlamentarischen Untersuchungs-
ausschusses. Aufklärung der Vernachlässigung der
Kindeswohlsicherung im Fall Yagmur durch staat-
liche Stellen und Erarbeitung von Empfehlungen
zur Verbesserung des Kinderschutzes in Hamburg.
Drucksache 20/14100. Hamburg
Fegert, J. M./Rassenhofer, M./Schneider, T./Seitz, A./
Spröber, N., 2013: Sexueller Kindesmissbrauch
– Zeugnisse, Botschaften, Konsequenzen. Ergeb-
nisse der Begleitforschung für die Anlaufstelle der
Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung
zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs,
Frau Dr. Christine Bergmann. Weinheim und Basel
Fegert, J. M./Ziegenhain, U./Fangerau, H., 2010: Prob-
lematische Kinderschutzverläufe. Mediale Skanda-
lisierung, fachliche Fehleranalyse und Strategien
zur Verbesserung des Kinderschutzes. Weinheim
und München
Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit,
Soziales, Familie und Integration (BASFI), 2014: Rah-
menkonzeption der Jugendhilfeinspektion Hamburg.
Stand 24.04.2014. Hamburg
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg (Hrsg.),
2018: Bericht der Enquete-Kommission »Kinder-
schutz und Kinderrechte weiter stärken: Überprüfung,
Weiterentwicklung, Umsetzung und Einhaltung
gesetzlicher Grundlagen, fachlicher Standards und
Regeln in der Kinder- und Jugendhilfe – Verbesse-
rung der Interaktion der verschiedenen Systeme und
Akteurinnen und Akteure«. Drucksache 21/16000
Merchel, J., 2013: Qualitätsmanagement in der Sozialen
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und Basel
Merchel, J., 2015: »Fachaufsicht und Qualitätsmanage-
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np
5/2019 Messmer/Biesel
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Verf.:
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Full-text available
Book
This comprehensive international study provides a cross-national analysis of different understandings of errors and mistakes and lessons to avoid and handle them in child protection practice, using research and knowledge from eleven countries in Europe and North America. Divided into country-specific chapters, each examines the pathways that lead to mistakes happening, the scale of their impact, how responsibilities and responses are decided and how practice and policy subsequently change. Considering the complexities of evolving practice contexts, this authoritative, future-oriented study is an invaluable text for practitioners, researchers and policy makers wishing to understand why child protection fails – and offers a springboard for fresh thinking about strategies to reduce future risk.
  • K Biesel
  • H Messmer
Biesel, K./Messmer, H., 2018b: Metaanalyse. Berichte der Jugendhilfeinspektion. Basel Biesel, K./Messmer, H./Schär, C., 2014: »Jugendhilfeinspektion in Hamburg: fachliche Innovation oder Ausdruck von Misstrauen?«, Das Jugendamt. Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht 6: 297-299
Eine Einführung. 4., aktual. Aufl. Weinheim und Basel Merchel
  • J Merchel
Merchel, J., 2013: Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. 4., aktual. Aufl. Weinheim und Basel Merchel, J., 2015: »Fachaufsicht und Qualitätsmanagement in der Kinder-und Jugendhilfe: zwei divergente, doch zueinander in Bezug stehende Steuerungsmo-
Anmerkungen zum ›Anlassbezoge-nen Prüfbericht der Jugendhilfeinspektion zum Tod eines in der Jugendhilfe betreuten Mädchens‹«, Das Jugendamt
  • C Stucke
Stucke, C., 2014: »Anmerkungen zum ›Anlassbezoge-nen Prüfbericht der Jugendhilfeinspektion zum Tod eines in der Jugendhilfe betreuten Mädchens‹«, Das Jugendamt. Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht 6: 300-301