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Die Fachlichkeit des Schulfaches. Überlegungen zum Deutschunterricht und seiner Geschichte zwischen Disziplinen und allgemeinen Bildungsansprüchen

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... u. a. Langer & Richter, 2015), ist auffällig, dass weiterhin vorrangig Praktiken der Disziplinierung, Erziehung und Prüfung und deutlich seltener Praktiken der (angeleiteten) Sachbegegnung zum Gegenstand machttheoretischer Schul-und Unterrichtsforschung werden. In diesem Forschungszugriff wird also die transformative Wirkung von Schule vorrangig in der (leistungsbezogenen) Normierung und Normalisierung verortet, während die Formation und Transformation des Subjekts im Medium der unterrichtlichen Sache -bis auf wenige Ausnahmen (Reh, 2017;Reh & Pieper, 2018) -tendenziell abgeblendet werden (vgl. Ricken, 2019, S. 108). ...
... im Vollzug (schulmathematischer) Wissenspraktiken in bestimmter, empirisch zu analysierender Weise hervor. 5 Diesem Interesse an "subjektivierende[n] Wissenspraktiken" geht auch Sabine Reh (2017) mit Kolleg*innen (Reh & Caruso, 2020;Reh & Pieper, 2018) nach. In ähnlicher Stoßrichtung wie auch Popkewitz und Diaz argumentiert Reh (2017, S. 153), dass "Schulfächer Subjektformen bereitstellen, die diskursiv verfügbare, historisch-kulturell spezifische Vorstellungen darüber sind, was ein Subjekt ist und kann bzw. ...
... Wenn sich die Fachdidaktiken in die Rolle einer Moderation der Fachlichkeitskonstruk tionen begeben, können sie Inhalte und Strategien aus Schule und Universität miteinander vernetzen. Dabei muss stets neu entschieden werden, wie damit umzugehen ist, dass Schulfächer und Bezugswissenschaft en Wissen zum Fach unterschiedlich generieren und zum Teil auch unterschiedlich darstellen -Schulfachlogiken und Logiken der Bezugswissenschaft en also immer wieder die Tendenz haben, auseinanderzudrift en (Reh & Pieper, 2018). ...
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Der vorliegende Band stellt eine erste Sammlung und Systematisierung von Bezugstheorien und Erkenntniswegen im Kontext Schul- und Berufspraktischer Studien dar. Intendiert sind eine theoretische Fundierung sowie eine methodologische und methodische Profilierung des Gegenstandsbereichs. Damit wird auch der Versuch unternommen, ein akademisches Niveau der Auseinandersetzung zu markieren, das in zukünftigen Diskursen zum Gegenstands- und Studienbereich aus fachgesellschaftlicher Perspektive Standards setzt. Ohne den Anspruch zu formulieren, eine eigenständige Disziplin zu begründen, stellt sich die Frage nach den für den Gegenstandsbereich genuinen Bezugstheorien bzw. danach, ob es einen alle Bereiche umspannenden Theorierahmen gibt. Aus unserer Perspektive bieten Professions und Professionalisierungstheorien eine solche Rahmung an, da alle die Lehrerinnen und Lehrerbildung umfassenden Fächer und Disziplinen zumindest mit impliziten Erwartungen und Vorstellungen hinsichtlich einer guten Lehrerinnen- und Lehrerbildung sowie im Ergebnis einer professionellen Lehrperson darauf zugreifen (könnten). Würde man diese das eigene hochschulische Tun begleitenden, inhärenten Erwartungen und Vorstellungen explizieren, würden sich vermutlich nicht nur in Bezug auf Ziele und Wirksamkeitsunterstellungen Unterschiede zwischen den Akteurinnen und Akteuren zeigen, sondern es würde auch deutlich werden, dass in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung nicht alle „an einem Strang ziehen“
... Wenn sich die Fachdidaktiken in die Rolle einer Moderation der Fachlichkeitskonstruk tionen begeben, können sie Inhalte und Strategien aus Schule und Universität miteinander vernetzen. Dabei muss stets neu entschieden werden, wie damit umzugehen ist, dass Schulfächer und Bezugswissenschaft en Wissen zum Fach unterschiedlich generieren und zum Teil auch unterschiedlich darstellen -Schulfachlogiken und Logiken der Bezugswissenschaft en also immer wieder die Tendenz haben, auseinanderzudrift en (Reh & Pieper, 2018). ...
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Bei der fachdidaktischen Forschung mit der dokumentarischen Unterrichtsforschung, also mit einer soziologischen Methode pädagogischer Prägung, sind wir auf mehrere miteinander verbundene Herausforderungen gestoßen: Während Debatten um pädagogische Normativität bei der Forschung mit soziologischen Methoden recht elaboriert sind, beginnen analoge Debatten zumindest in der Fremdsprachendidaktik erst; und auch bei den Kriterien für die Fallauswahl in der videografischen dokumentarischen Unterrichtsforschung sind fachdidaktische Themen nur von nachrangiger Bedeutung. Diesen Herausforderungen begegnen wir, indem wir Ausschärfungen in der Praxeologischen Wissenssoziologie zum Normbegriff aufgreifen und indem wir systemtheoretische Überlegungen einbeziehen, die einen stärkeren Verweis auf fachdidaktische Fragestellungen zulassen. Die aus diesen Überlegungen entstehenden Konsequenzen diskutieren wir an einem empirischen Beispiel. In the process of doing subject matter research with the documentary method of classroom research, a sociological method with a pedagogical bend, we encountered several challenges that are related to each other: while there is a lively debate on pedagogical normativity when doing research with a sociological method in German educational sciences, this debate is just taking place in subject-matter disciplines such as foreign language education. This also concerns criteria for case selection as research questions in sociological and subject-matter research aim at different goals. We take up refinements in the praxeological sociology of knowledge concerning norms and system-theoretical reflections to account for the demands of subject-matter research questions. We discuss this on an empirical example.
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Der Band unternimmt den Versuch, Beiträge aus unterschiedlichen Fachdidaktiken zusammenzutragen, die sich der Verhältnisbestimmung von Theorie und Praxis widmen und der Frage nachgehen, wie eine Verknüpfung von Theorie und Praxis am Lernort Hochschule konzipiert, angeleitet und erfolgreich gestaltet werden kann. Die Beiträge aus unterschiedlichen Domänen skizzieren, wie das im Zusammenhang mit Praktika obligatorische Lehren, Lernen und Forschen als Lerngelegenheit gestaltet werden kann, sodass angehende Lehrpersonen Theorie und Praxis miteinander in Beziehung setzen, relationieren und systematisieren und somit die Professionalisierung durch Praktika einen nachhaltigen Lerngewinn erzielt. Die Herausgeber*innen Dr. Carina Caruso ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Paderborn. Dr. Christian Harteis ist Professor an der Universität Paderborn. Dr. Alexander Gröschner ist Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
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Das Wechselgefüge von Individueller Förderung und Inklusion stellt Lehrpersonen, aber auch die Lehrerbildung vor deutliche Herausforderungen. Der Umgang mit Vielfalt wird neu gerahmt. Durch den systemverändernden Anspruch von Inklusion werden Grundfeste infrage gestellt, wodurch das Wechselgefüge nicht selten als provozierende Herausforderung wahrgenommen wird. Deutlich wird dies gerade, wenn eine theoretische Basis auf Anforderungen aus dem Schulalltag trifft – nicht zuletzt aus fachdidaktischer Warte.
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Seit der Einführung des Faches Naturwissenschaften stehen den drei wissenschaftlichen Disziplinen Biologie, Chemie und Physik vier Schulfächer, die Einzelfächer und das Fach Naturwissenschaften, gegenüber. Der Prozess der Herausbildung dieses neuen Schulfaches geht mit der Sorge vor einer „Entfachlichung“ einher, da sich Fachlichkeit bisher als die Fachlichkeit einzelner Disziplinen oder Schulfächer bestimmt. Im Beitrag wird die Einführung des Faches Naturwissenschaften ausgehend von gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Entscheidungen in theoretische Perspektiven sowie empirische Befunde eingeordnet. Während das Angebot naturwissenschaftlicher Bildung in Form einzelner Fächer bislang unverrückbar scheint, haben sich die Inhalte und Vorstellungen zur Umsetzung mit Blick auf die Lernenden und globale Herausforderungen verändert. Ausgehend davon werden im Beitrag zukünftige Perspektiven naturwissenschaftlicher Bildung, auch unter Einbezug von Anteilen aus Mathematik sowie Informatik und Geographie diskutiert.
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Ausgehend von der Forderung, Lehrkräfte verstärkt als Fachlehrkräfte zu untersuchen, sichtet der Beitrag die Art und Weise, wie in der bisherigen Lehrerforschung Fachbezüge hergestellt werden. Dabei zeigt sich, dass diese Modi der Fachbezüglichkeit noch nicht hinreichend geeignet sind, Fachspezifika der beruflichen Praxis von Lehrkräften zu erforschen. Es bedürfte vielmehr fachvergleichender Studien auf der Basis fachübergreifender tertia comparationis. Abschließend wird die mögliche Anlage einer solchen Studie am Beispiel einer praxeologisch-wissenssoziologischen Forschung zur fachspezifischen Prägung von Lehrerhabitus konkretisiert.
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