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Befindlichkeiten des Demos Zur politischen Funktion von Affekten im Zeichen des Rechtspopulismus und einer ‚Krise‘ der Demokratie

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Befindlichkeiten des Demos
Zur politischen Funktion von Affekten im Zeichen des
Rechtspopulismus und einer Krise der Demokratie
Julia Leser, Rebecca Pates und Florian Spissinger
Beitrag zur Veranstaltung »Populismus und die ‚Krise‘ der Demokratie« der Sektion Politische
Soziologie
Eine Exploration nationaler Gefühle
„Rechtspopulismus”, so argumentiert Ruth Wodak (2016, S.5), macht „erfolgreich Angst […] vor ver-
schiedenen realen oder fantasierten Gefahren“. Das Schüren bestimmter Affekte sei nicht nur ein
wesentliches Merkmal von Politik, sondern verweise auch auf die Funktionalität von Affekten in demo-
kratischen Prozessen. Affekte, so hat es unter anderem Arlie Russell Hochschild (2016) gezeigt, spielen
eine zentrale Rolle in Verhandlungsprozessen von (nationaler) Zugehörigkeit und kollektiven Identitä-
ten. Aus demokratietheoretischer Perspektive wird dabei auf ein Paradox verwiesen: Deliberative De-
mokratietheorien beruhen auf der Annahme, dass Bürger/-innen ihre Repräsentant/-innen interessen-
geleitet wählen und dass die politische Öffentlichkeit ein Bereich der rationalen Debatte sei (Mouffe
2002; Weber 2007). Und doch wird eine Legitimationskrise liberaler Demokratien beobachtet, wobei
das damit verknüpfte Erstarken populistischer Parteien auf die „instrumentelle Mobilisierung von Ge-
fühlen für politische Identitätsbildung und zur Etablierung von Angstregimen“ zurückgeführt wird
(Penz, Sauer 2016, S.117). In dem Forschungsprojekt Fremde im eigenen Land? nähern wir uns ethno-
grafisch der affektiven Dimension nationaler Selbstverständnisse und deren politischen Niederschlä-
gen.
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Wir untersuchen die Vorstellungen kollektiver Identitäten und politischer Teilhabe, um herauszu-
finden, mit welchen Ängsten und Hoffnungen die Bürger/-innen den Dynamiken einer pluralistischen
Gesellschaft begegnen, insbesondere vor der Folie einer ‚Flüchtlingskrise’ und dem Erstarken populis-
1
Es handelt sich um ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt mit dem Ti-
tel Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien
(PoliLab), eingeworben am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Leipzig durch Rebecca Pates, Anne
Dölemeyer und Julia Leser (Laufzeit: 20182021). Titelgeber für das Forschungsprojekt ist die Studie Strangers in
Their Own Land (2016) von Arie Russell Hochschild, in der sie sich ethnographisch mit den Einstellungen und Gefüh-
len von Tea-Party-Anhänger/-innen auseinandersetzt. In Deutschland wird die Phrase, sich fremd im eigenen Land
zu fühlen, seit 2015 vorrangig von Sympathisant/-innen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen verwendet,
um Entfremdungserfahrungen im Kontext von Migration nach Deutschland zum Ausdruck zu bringen.
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tischer Parteien. Wir dokumentieren die Vorstellungen in der autochtonen, vielfältig zusammengesetz-
ten Bevölkerung darüber, wer ‚wir‘ sind und was ‚uns‘ ausmacht.
In diesem Beitrag stellen wir erste Ergebnisse aus unseren Erhebungen im Forschungsprojekt
Fremde im eigenen Land? vor, die auf die Funktionalität von Affekten in der Artikulation nationaler Nar-
rative hinweisen. Zum Beispiel korrelieren Artikulationen von Angst oder Wut in Bezug auf den Zuzug
neuer Deutscher seit dem Jahr 2015 mit bestimmten nationalen Schließungswünschen insbesonde-
re, wenn die Nation als „regelrechtes (und regelkonformes) Dichotomisierungsinstrument“ verstanden
wird (Pates, Futh 2018, S.187). In unseren ethnografischen Beobachtungen und leitfadengestützten
Interviews sehen wir, wie Affektpraktiken als Inklusions- bzw. Exklusionsmechanismen fungieren, das
‚Wir‘ von den ‚Anderen‘ unterscheiden und soziale Ordnungen herstellen bzw. stabilisieren. Im vorlie-
genden Beitrag konzentrieren wir uns dabei auf Akteure rechtspopulistischer Gruppen und auf die
Artikulationen von Personen mit migrationsskeptischen Einstellungen, um die exkludierende und ord-
nende Funktion von Affekten in Diskursen um die Nation zu extrapolieren im Zeichen einer ‚Krise
der Demokratie.
Befindlichkeiten des Demos: Ein Blick in die Forschung
Der politische Erfolg von Donald Trump und von rechtspopulistischen Parteien bzw. Bewegungen in
Europa gilt gegenwärtig als zentrale Herausforderung für liberale Demokratien (Appadurai 2017, S.17).
Nancy Fraser (2017) verortet den ‚reaktionären Populismus‘ im Kontext eines ‚progressiven Neolibera-
lismus‘, womit sie betont, dass Rechtspopulist/-innen nicht nur auf die globale Finanzmarktökonomie,
sondern auch auf die daran geknüpften kosmopolitischen Ideale reagieren. Vor diesem Hintergrund
treten rechtspopulistische Sympathisant/-innen als ‚besorgte Bürger‘ auf (Feustel et al. 2016), die
Ängste und Unsicherheiten im Migrationskontext artikulieren (Bröckling 2016) oder betonen, dass sie
im Zuge von Identitätspolitik benachteiligt (Gest 2016) bzw. zurückgelassen worden seien (Hochschild
2016). Aktuelle Arbeiten zeigen, wie Rechtspopulist/-innen Ängste und Sorgen politisieren, Zorn und
Wut mobilisieren (Wodak 2015; Jensen 2017) und ‚die Anderen‘ als Hassobjekte hervorbringen (Ahmed
2004; Emcke 2016, S.59f.).
Gegenwärtige akademische Diskurse verknüpfen politische Affekte primär und untrennbar mit
Rechtspopulismus,
2
wodurch die Annahme unterstützt wird, dass die Emotionalisierung von Politik per
se demokratiegefährdend sei. Bei der Fokussierung auf die Bedrohlichkeit von Affekten gerät leicht
aus dem Blick, welche grundlegende Funktion sie bei der Konstitution des Demos erfüllen, denn die
Zugehörigkeit zum ‚Volk‘ wird maßgeblich mithilfe von Affekten bzw. Emotionen artikuliert und ver-
handelt.
3
Demonstrationen und Tumulte wie im Spätsommer 2018 in Chemnitz, Köthen und Berlin
verweisen anschaulich auf die Bedeutung von affektiven Praktiken im politischen Streit um Zugehörig-
keit und Ausschluss. Auf medial zirkulierenden Bildern zeigten rechte Gruppierungen in Chemnitz
2
Dementgegen argumentiert Chantal Mouffe (2018) für die Affektmobilisierung mit einem linken Populismus. Jen-
seits der Verengung auf Populismus verweist beispielsweise Audre Lorde (2007) auf die Produktivität von Wut im
Kontext antirassistisch-feministischer Politik.
3
Der Beitrag folgt einem machtsensiblen Affektbegriff, der die Materialität von Affekten hervorhebt, ohne sie aus
sozialen, politischen, kulturellen und historischen Ordnungen herauszulösen (Penz, Sauer 2016, S.48ff.). Anstelle
Emotion und Affekt voneinander zu trennen, folgen wir der Begriffsverwendung von Affekt als Überbegriff für Ge-
fühlsphänomene (Penz, Sauer 2016, S.49; Slaby 2017, S.138). Wir verwenden die Begriffe Affekt und Emotion syno-
nym, insbesondere dort, wo wir entsprechende Autor/-innen zitieren.
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öffentlich Trauer und äußerten ihre Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland. Das Auftreten
als trauernde und in sich gekehrte Sorge-Gemeinschaft als ‚besorgte Bürger‘ unterstützte die Ak-
zeptanz für die Anliegen der Beteiligten. Der gleichzeitig performierte Hass auf Migrant/-innen stellte
diese Darbietung wiederum in Frage. Auf diese widersprüchlichen Affektpraktiken nationaler Schlie-
ßung reagierten die Kritiker/-innen mit zwei Strategien:
4
Auf den Plakaten der Gegendemonstrationen
war zum Beispiel ‚Herz statt Hetze‘ oder ‚Hass ist krass Liebe ist krasser‘ zu lesen, während andere
Plakate wiederum mehr Sachpolitik implizierten (‚Hier kommt der rationale Widerstand‘).
Bereits diese Skizze der Affektartikulationen in Chemnitz zeigt exemplarisch, dass nationale Identi-
tät und Zugehörigkeit zum ‚demokratischen Wir‘ mittels politischer Affekte verhandelt werden. Den-
noch klammert das Politik- und Demokratieverständnis prominenter politischer Theorien Affekte aus
oder wertet sie ab. Einflussreich findet sich die moderne Konzeption einer affektbefreiten Öffentlich-
keit etwa bei Autor/-innen wie Jürgen Habermas (1998), John Rawls (1996), Richard Sennett (2013) oder
Hannah Arendt (2016, S.47ff.). Emotionen, darin scheint Einigkeit, gelten als apolitisch, störend, demo-
kratiegefährdend und populistisch (Weber 2007), weil sie für ‚das Andere‘ rationaler Politik stehen.
Aktuelle Kritiken rechtspopulistischer Affektpolitik folgen dieser Spur, wenn sie Populist/-innen als die
‚Antidemokraten‘ (Salzborn 2017) oder die ‚Unvernünftigen‘ (Brennan 2017) verstehen, die nicht an
Politik und Regierung teilhaben sollten. Die Markierung von Affektivität als grundsätzlich demokratie-
gefährdend und apolitisch (siehe dagegen Mouffe 2002; Hardt, Negri 2004, S.351ff.; Nussbaum 2014)
impliziert eine Versachlichung und Entemotionalisierung von Politik. Dabei läuft die Abwertung politi-
scher Affekte stets Gefahr, die Ausschlussfiguren des historischen, liberalen Gefühlsdispositivs zu re-
produzieren.
5
Affekte sind demnach untrennbar mit Machtbeziehungen verbunden.
In Anbetracht der affektbezogenen Verhandlungen von politischer Zugehörigkeit liegt das Problem
einer affektbefreiten Betrachtung politischer Phänomene nicht nur darin, dass sie möglicherweise das
eigentlich Politische verpasst (dazu Mouffe 2002). Vielmehr beeinträchtigt der normative Ausschluss
politischer Affekte die Untersuchung von Konstitutionsmechanismen der Nation. Die affektive Regula-
tion politischer Ordnung macht eine affektanalytische Herangehensweise notwendig. Mit dem For-
schungsprojekt Fremde im eigenen Land? schließen wir uns daher Positionen an, die politischen Affek-
ten Bedeutung beimessen und affektive Praktiken in ihrer Rationalität bzw. Funktionalität ernst neh-
men (zum Beispiel Ahmed 2014; Penz, Sauer 2016). Aufgrund der Umkämpftheit politischer Affektivität
bestimmen wir Affekt nicht ontologisch zum Beispiel als per se demokratisch oder antidemokratisch.
Vielmehr gehen wir von deren politischer Ambivalenz aus (dazu Bargetz 2015). Der Beitrag begreift
Affekte als Überbegriff für Gefühlsphänomene, die in Machtbeziehungen und damit in sozialen, politi-
schen, kulturellen und historischen Kontexten am Werk sind. In dieser Hinsicht können Affekte als
soziale Praktiken nicht nur etablierte Unterscheidungen infrage stellen, sondern Ordnungen und
Grenzziehungen ebenso (re-)produzieren (Ahmed 2014; Penz, Sauer 2016) und damit die Zugehörig-
keit zum ‚Volk‘ regulieren.
4
Die zwei Positionierungen gegenüber rechtspopulistischer Affektpolitik wurden bei teilnehmenden Beobachtungen
durch Florian Spissinger auf Demonstrationen am 1. und 3. September in Chemnitz dokumentiert. Nicht nur auf
Plakaten, sondern auch in informellen Gesprächen und in Reden wurde die Bedeutung einer affektiven Positionie-
rung für das Selbstverständnis der Gegendemonstrant/-innen deutlich.
5
Brigitte Bargetz und Birgit Sauer (2015, S.95f.) bezeichnen diese zugleich vergeschlechtlichte, heteronormative, ras-
sifizierte und klassenbezogene westlich-moderne Ordnungsvorstellung als bürgerlich-liberales Gefühlsdispositiv.
„Die Trennung von Politik und Gefühlen ist damit […] ein politischer Herrschaftsmechanismus, der politische Hand-
lungsräume begrenzt und es ermöglicht, spezifische Gruppen und deren Interessen und Bedürfnisse aus dem
Raum des Politischen zu exkludieren“ (Bargetz, Sauer 2015, S.96).
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Methodisch fokussieren wir in diskursanalytischer Hinsicht auf die Affektartikulationen unserer Ge-
sprächspartner/-innen und auf die damit verbundenen Implikationen.
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Anstelle einer sozialwissen-
schaftlichen Orientierung an psychologischer oder neurowissenschaftlicher Affektforschung verfolgen
wir die Verknüpfung von Affektivität und Machtbeziehungen (Scheer 2016, S.35f.; Penz, Sauer 2016;
Ahmed 2014). Wir schlagen vor, Affektartikulationen daraufhin zu befragen, welche Funktion die Äuße-
rung spezifischer Affekte im Gespräch erfüllt: Welche affektiven Rationalitäten und Effekte werden
sichtbar, wenn wir die Artikulation von politischer Affektivität nicht normativ als irrationale Störung der
Demokratie, sondern als soziale Praxis der Regulation politischer Ordnung konzipieren?
Hier sehen wir eine Forschungslücke, die empirisch gefüllt werden kann. Wir zeigen an zwei Bei-
spielen, wie Affekte in Gesprächen über die Nation in Deutschland artikuliert werden. Ausgewählte
Sequenzen aus leitfadengestützten Interviews dienen dabei als Grundlage für erste Überlegungen zur
politischen Funktion vom Sprechen über Affekte. Unser Blick auf die Befindlichkeiten des Demos fo-
kussiert auf die Erwartung von Demut und Dankbarkeit sowie auf die Artikulation von Angst.
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Die Erwartung von Demut und Dankbarkeit
In einem Gespräch mit Parteimitgliedern der AfD im Bürgerbüro in einer sächsischen Mittelstadt frag-
ten wir danach, inwiefern nach Deutschland migrierte Menschen eigentlich deutsch werden können.
Das Parteimitglied Rainer Peters
8
erklärte daraufhin, dass es nachweislich „Migranten, Flüchtlinge […],
wie auch immer“ gebe, die dort um Leib und Leben verfolgt sind. Aber das sind nicht die, die hier
auffällig werden. Das sind die, die dankbar sind, dass sie hier Schutz haben.“ Er führte weiter aus:
„Ich sage mir immer, wenn jemand wirklich bedroht ist, der hat dann auch ein Stück
Dankbarkeit für den Schutz. Dankbarkeit sieht bei jedem Menschen anders aus als
das, was die präsentieren. Eine Dankbarkeit wird, meiner Ansicht nach, von einer Reli-
gion nicht negiert, nicht aufgehoben. Jemand, der sein Leben gerettet hat, dem muss
in dem Moment die Religion völlig scheiß egal sein, weil das Leben ist ein Urinstinkt
und er ist dankbar für die Rettung. Meiner Ansicht nach kann ich auf eine ganz simple
Art und Weise sehen, wer wirklich den Schutz braucht und wer unsere Sozialkasse
möchte, nämlich an dem Part Dankbarkeit. Bin ich dankbar, dass ich hier bin, bin ich
bescheiden, nehme ich das gütig an, nehme ich das demütig an, was mir gegeben
wird, oder spiele ich da noch den dicken Max und versuche noch mehr rauszuholen
und zu erklären: ‚Meine Gesetze gelten jetzt hier‘“ (Interview AfD-Parteimitglieder,
Sachsen, 2018).
9
6
Der Beitrag folgt „einem analytischen Diskursbegriff, der in deskriptiver Weise verschiedene Formen der Bedeu-
tungsproduktion in ihrer Funktion und ihrer Wirkung zu erfassen sucht“ (Nonhoff 2011, S.76). Die subjektiven
Gründe, die ursprünglichen oder eigentlichen Intentionen der Gesprächspartner/-innen sind daher nicht diskurs-
analytischer Gegenstand (Sarasin 2003, S.27ff.).
7
So wichtig es ist, bei Diskursen über die Nation auch dem Hass auf Geflüchtete (Emcke 2016) oder dem zunehmen-
den Zorn (Mishra 2017) nachzugehen, so läuft eine Verengung auf gewaltaffine Emotionen Gefahr, die vorherr-
schende Abwertung politischer Affekte zu reproduzieren und Affektpraktiken normativ zu disqualifizieren.
8
Bei den angegebenen Namen der Gesprächspartner/-innen in diesem Beitrag handelt es sich um Pseudonyme, um
ihre Anonymität zu gewährleisten.
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Es handelt sich um ein wiederkehrendes Motiv in unseren Erhebungen, das in verschiedenen Kontexten iteriert
wird. Ähnliche Erwartungen artikulierten auch andere Gesprächspartner/-innen, beispielsweise ein Mitglied eines
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5
Dieser Argumentation zufolge müssten geflüchtete Menschen demütig und bescheiden das Gefühl der
Dankbarkeit performieren, um als ‚echte Flüchtlinge‘ erkennbar und anerkennbar zu sein. Wer sich
nicht dankbar verhält, sei nicht um „Leib und Leben“ bedroht und folglich nicht auf die Rettung und
den Schutz Deutschlands angewiesen. Der Charakter des ‚unechten Flüchtlings‘ wird im Gespräch mit
den AfD-Parteimitgliedern als kriminell („auffällig“) und betrügerisch konzipiert – als eine Figur, die nur
„unsere Sozialkasse möchte“ und dafür die deutsche Hilfsbereitschaft ausnutze. Demgegenüber ließen
sich ‚echte Flüchtlinge‘ daran erkennen, dass sie keine Ansprüche haben und sich dankbar, demütig
und bescheiden gegenüber ihren ‚deutschen Rettern‘ zeigen.
Rainer Peters affektbezogenes Narrativ hat den Effekt, Wissensordnungen und Machtbeziehungen
zu stabilisieren. Die Erwartung von Demut und Dankbarkeit reproduziert die Unterscheidung in ‚echte‘
und ‚unechte Flüchtlinge‘, in Bedrohte und Betrüger, wodurch die Figur des Wirtschaftsflüchtlings af-
fektiv befestigt wird. Dabei fungieren Dankbarkeit, Demut und Bescheidenheit als Marker für echte
Flüchtlinge‘.
10
Eine demütige Performanz verweist in diesem Narrativ auf die eigentliche Identität.
Affektivität ist nichts, womit das Gegenüber getäuscht werden kann, sondern etwas, das den Flüchtling
unwillkürlich verrät. Diese Vorstellung von Dankbarkeit als unmittelbarer Zugang zur ‚Wahrheit des
Anderen‘ verortet und fixiert den von Rainer Peters iterierten Diskurs in sichtbaren Eigenschaften bzw.
Handlungen von Migrant/-innen.
11
Dabei wird unsichtbar gemacht, dass es sich bei der Unterschei-
dung zwischen ‚Wirtschaftsmigranten‘ und ‚echten Flüchtlingen‘ um eine machtvolle Grenzziehung
handelt.
Vor diesem Hintergrund wird eine hierarchische Differenz zwischen ‚den Deutschen‘ und ‚den
Flüchtlingen‘ hergestellt und stabilisiert. Wer sich demütig zeigt, ordnet sich unter. Wem Dankbarkeit
gebührt, sieht sich in einer moralisch überlegenen Position. Diese moralische Anordnung wird gar als
natürliche Ordnung behauptet, wenn Rainer Peters vom „Urinstinkt“ des Überlebens eine zwangsläu-
fige Reaktion der Dankbarkeit ableitet. Dankbarkeit ist in diesem Narrativ eine natürliche Reaktion von
‚echten Flüchtlingen‘ auf die Rettung durch ‚die Deutschen‘. Die Unterscheidung zwischen Deutschen
und Flüchtlingen wird damit zum Ausdruck einer natürlichen Hierarchie. Die Bezugnahme auf Demut
und Dankbarkeit ermöglicht es, eine hierarchisierende Ordnung zu (re-)produzieren, ohne dabei als
gewaltsam gelesen zu werden. Während die Unterordnung ‚der Anderen‘ beispielsweise mit Hass
kaum gesellschaftliche Akzeptanz findet (Bröckling 2016, S.23), weil Hass als illegitime, gewaltsame
Emotion gilt, verweist die artikulierte Erwartung von Demut und Dankbarkeit auf eine zivilisierte, aner-
kannte Praxis, bei der vor allem die deutsche Hilfsbereitschaft betont wird. Auf diese Weise wird nicht
nur die Andersheit der Migrierenden, sondern auch die moralisch überlegene Positionalität der Deut-
schen erzeugt. Deutsch-Sein zeichnet sich in diesem Narrativ durch Humanität aus.
12
Der Ausschluss
Sportvereins im ländlichen Raum Thüringens. Nachdem der Gesprächspartner sich bereits zu Beginn des Ge-
sprächs mit anderen Vereinsmitgliedern über die Anspruchshaltung von Flüchtlingen geärgert hatte, führte er aus:
„Die kommen hier her und stellen Ansprüche und wollen alles und haben für dieses Sozialsystem noch nicht einen
Finger krumm gemacht. Und das ist das, was uns Deutsche so aufregt […] Das muss man den Leuten irgendwie
vermitteln, dass man da auch ein bisschen Demut, ein bisschen Bescheidenheit an den Tag legt“ (Interview Sport-
verein, Thüringen, 2018).
10
Die Funktionalität der geäußerten Erwartung von Dankbarkeitsgesten und demütigen Praktiken wird in der Populis-
musforschung bisher kaum beachtet. Eine historische Betrachtung von öffentlichen Praktiken der Beschämung
und Demütigung liefert hingegen Ute Frevert (2017).
11
Sara Ahmed (2004, S.32f.) zeigt einen ähnlichen Effekt für die Zirkulation von Hass: Dieser wird an bestimmten
Gruppierungen fixiert, wobei diese als Hassobjekte hervorgebracht werden und als Ursache für den Hass erschei-
nen.
12
Wie Fatima El-Tayeb (2016, S.14f.) argumentiert, reproduzieren auch diejenigen eine solche moralische Ordnung,
die „Sympathiekundgebungen für Flüchtende“ äußern, weil sie diese als per se hilfebedürftig und abhängig von ei-
ner deutschen Hilfsbereitschaft konstruieren: „Flüchtende sind bedürftig, brauchen Hilfe, die großzügig von Mehr-
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von ‚falschen Flüchtlingen‘ scheint diese Anordnung nicht zu irritieren. Die Beschreibung als amorali-
sche (kriminelle, betrügerische) Andere macht deren Nichtzugehörigkeit zur Selbstverständlichkeit.
Die Funktionalität der Angstartikulation: Wer fürchtet sich vor wem?
Im Gegensatz zu der Annahme, dass Emotionen irrational seien, kann in der Analyse spezifischer und
situativer Artikulationen von Affektivität gezeigt werden, welche Funktionen diese erfüllen. Dies betrifft
nicht nur die Erwartungshaltung an das affektive Verhalten Anderer (siehe oben), sondern auch die
Beschreibung eigener emotionaler Zustände. Laut dem Philosophen Aaron Ben Ze’ev (2009, S.147ff.)
übernehmen Emotionen indikative, mobilisierende und kommunikative Funktionen. Ein diffuses affek-
tives Erleben kann erklärt und rationalisiert werden, wenn die fühlende Person artikuliert, aus wel-
chem Grund sie sich fühlt wie sie fühlt. Angst kann beispielsweise auf ein bestimmtes Objekt gerichtet
werden, um die Diffusität des emotionalen Zustandes zu bändigen, die gefühlte Angst zu rationalisie-
ren und dadurch Realitäten gefühlsmäßig anzuordnen.
In Bezug auf Angst sind für Ahmed (2014, S.62) zwei Fragen zentral: „What makes us frightened?
Who gets afraid of whom?“ Sie erklärt, dass die Gerichtetheit der geäußerten Angst auf das Andere
hierarchische Beziehungen zwischen Subjekt und Objekt herstellt und stabilisiert, Denkmuster und
Erwartungen etabliert und Bedrohungen intensiviert. In unseren Gesprächen ist Angst ein Topos, der
häufig im Kontext von Nation, Zugehörigkeit und Migration zum Ausdruck gebracht wird. Auffallend
ist, dass unterschiedliche Gesprächspartner/-innen, mit denen wir in verschiedenen Orten gesprochen
haben, die Bestimmung des Angstobjektes im Allgemeinen teilen. Die Artikulation von Sorgen und
Ängsten gegenüber ‚den Flüchtlingen‘ erfüllt dabei eine wesentliche Funktion für die Befragten, wie
beispielweise in der folgenden Aussage von Anne Körner deutlich wird:
„[…] ich als Frau bin da immer, auch angesichts der negativen Medien, die immer
überall verbreitet werden, ein bisschen in Sorge, wenn da halt auch Gruppierungen
von Männern, also ausschließlich Männer, die sind ja immer zu fünft und mehr, kaum
einzeln und ja da kriege ich schon ein bisschen, ich weiß nicht, Angst ((unsiche-
re/fragende Tonlage)). Ich weiß nicht, ob es Angst ist auf jeden Fall ein mulmiges Ge-
fühl. Ich habe es auch selbst schon erlebt, dass sich mir Flüchtlinge in den Weg gestellt
haben. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen, aber ich bin da auch der Mensch, ich las-
se mich nicht von irgendjemandem irgendwo hindrängen. Ich bin dann… ich guck die
nicht an und laufe dann einfach weiter. Dann nehme ich halt einen anderen Weg, ist
mir dann auch egal. Und das am helllichten Tage. Und da frage ich mich wieso? Muss
das sein? Das waren da halt auch keine Einzelpersonen. Die kamen dann zu dritt. Und
das ist nun mal ein Bürgersteig, wenn man da zu dritt nebeneinander läuft, dann ist
der voll und die gehen nicht aus dem Weg; das machen die nicht, aber ich auch nicht,
weil ich habe genauso das Recht auf diesem Bürgersteig zu laufen. Da bin ich radikal,
das ist mir dann egal ((lacht)). Aber da denke ich mir, wenn die am helllichten Tag so-
was machen, was würden die machen, wenn ich nachts an denen vorbeilaufe. Das
sind dann eben so, weiß ich nicht, Spinnereien. Ob es Spinnereien sind, weiß ich nicht,
aber ja…“ (Interview Feuerwehrverein, Thüringen, 2018).
heitsdeutschen geleistet wird (und die als Gegenleistung verständlicherweise Dankbarkeit erwarten) es ist klar,
wer zuhause, wer ‚Gast‘ ist, es gibt notwendigerweise keine Gleichwertigkeit“ (El-Tayeb 2016, S.14).
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Die Gesprächspartnerin äußerte ihr „mulmiges Gefühl“ in Bezug auf ihr entgegenkommende Flücht-
linge, die den Gehweg einnehmen und sie dadurch zwingen würden, diesen Gehweg zu verlassen oder
sich anrempeln zu lassen, das heißt die eine ihnen nicht gebührende Raumeinnahme praktizierten.
Ein weiteres Mitglied desselben Vereins, Michael Frieder, ergänzte die Aussage Körners: „[…] als Mann
lässt man dann auch seine Frau nicht mehr gerne alleine, weil man eben schon befürchtet, dass sowas
passieren könnte […]“ (Interview Feuerwehrverein, Thüringen, 2018). Dabei, das stellte die Sprecherin
wiederholt klar, war nichts passiert: Weder ließ sie sich vom Gehweg drängen noch wurde sie ange-
rempelt. Sie stellte dies als Errungenschaft ihrer Resolutheit dar nicht, wie ihr Vereinskollege insinu-
iert, als Ergebnis der Intervention ‚ihres‘ Mannes.
Beide Gesprächspartner/-innen artikulieren eine auf Flüchtlinge gerichtete Angst als ungebührlich
raumgreifend (Körner) oder als sexualisiert (Frieder). Bei diesen als bedrohlich artikulierten Figuren
handelt es sich um Männer bzw. Gruppen von Männern, die zunächst als ‚Flüchtlinge‘ gelesen werden
und die in den Augen der Gesprächspartner/-innen eine spezifische Bedrohung für deutsche Frauen
darstellen. Diese Angstartikulation ist vergeschlechtlicht und medial kanonisiert (zum Beispiel Diehl
2018; Dietze 2016; Hark, Villa 2017). Obwohl ebenso die Gefahr besteht, von einem einheimischen
Mann vom Bürgersteig gedrängt oder gar angegriffen zu werden, wird die Angst vor An- und Übergrif-
fen in unseren Interviews vornehmlich mit Männern in Verbindung gebracht, die ‚Flüchtlinge‘ seien.
Gabriele Dietze zufolge richte sich die artikulierte Angst insbesondere auf „ethnisch markierte Men-
schen aufgrund ihrer angeblich besonderen, problematischen oder ‚rückständigen‘ Sexualität oder
Sexualordnung(2016, S.4).
Diese Artikulation greift also nicht nur eine medial geschürte Angst auf und reproduziert diese. In
ihrer Gerichtetheit auf einen spezifischen ‚Angstkörper‘ und in ihren Auslassungen (also das, was nicht
gesagt wird; das, wovor keine Angst besteht) reproduziert diese Artikulation ebenfalls eine soziale
Ordnung. Es wird impliziert, dass die ‚Anderen‘ die Flüchtlinge uns durch ihre Raumergreifung kon-
trollieren wollen oder gar sich selbst nicht unter Kontrolle haben würden. Dabei ist Raumergreifung
von Männern gegenüber Frauen im öffentlichen Raum durchaus üblich problematisch und als be-
drohlich gelesen wird sie jedoch vorwiegend, wenn dieses Verhalten ethnisiert werden kann
(Loukaitou-Sideris, Ehrenfeucht 2009). Dabei gehe es vor allem darum, „aus der Perspektive einer auf-
geklärten, fortgeschrittenen sprich überlegenen Zivilisationsperspektive angebliche Defizite von
rückständigen ‚Kulturen‘ zu beurteilen“ (Dietze 2016, S.4). Auch mit dieser Artikulation wird eine soziale
Ordnung hergestellt und zementiert, wobei sie äußerst machtvoll dazu beiträgt, Menschen einen ge-
wissen Zivilisierungsgrad abzusprechen (klassisch dazu Said 1978) und eine zivilisatorische Hierarchie
zwischen ‚uns‘ und ‚denen‘ zu etablieren.
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Der argumentative Prozess funktioniert als Herabsetzung,
wobei affektive Artikulationen genutzt werden, um sich der eigenen überlegenen Position zu versi-
chern und Wahrheiten über ‚die Anderen‘ in Form von Erwartungshaltungen zu produzieren.
13
In diesem Zusammenhang lohnt es sich ebenfalls, zu fragen, welche Ängste legitimerweise artikuliert werden kön-
nen und welche nicht, das heißt welche Sagbarkeiten hinsichtlich der Artikulation von Angst im Kontext von Migra-
tion und Zugehörigkeit bestehen: Ist das Sprechen über Ängste und Sorgen universell anerkennungswürdig oder
bleiben die Äußerungen von Angehörigen bestimmter Gruppen, zum Beispiel Migrant/-innen, ungehört?
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Hin zu einem Verständnis der Funktionen und Rationalitäten von
Affekten
Wir konnten zeigen, wie Artikulationen von Affekten verwendet werden, um Asymmetrien zwischen
Deutschen und Nichtdeutschen‘, ‚Undeutschen‘ (El-Tayeb 2016), ‚Auch-Deutschen‘ (Kermani 2016)
oder ‚neuen Deutschen‘ (Münkler, Münkler 2016) zu stabilisieren und soziale Ordnungen herzustellen.
In rechtspopulistischen Diskursen fungieren politische Affekte als scheinbar natürlicher Ausdruck ei-
nes gesellschaftlichen Wandels zu ‚unseren‘ Ungunsten: Mithilfe affektiver Artikulationen wird mitun-
ter sorgenvoll behauptet, dass die Hierarchie zwischen Deutschen und neuen Deutschen ins Wanken
gerate. Die affektiv gezogenen Grenzen und die artikulierten Erwartungshaltungen sowohl in Bezug
auf demütige, dankbare als auch auf unkontrolliert bedrohliche Flüchtlinge stabilisieren die gedachten
und gewohnten Hierarchisierungen, vor allem deshalb, weil Affekte natürlich, unvermittelt und au-
thentisch erscheinen. Wir schließen uns für die Analyse affektbezogener Naturalisierungsprozesse
Positionen an, die Affekte als soziale Praktiken und damit in ihrer Produziertheit betrachten (Ahmed
2014; Scheer 2016; Reckwitz 2016). Affekte sind in dem Sinne funktional, als dass ihre Artikulationen
Grenzen ziehen und stabilisieren, Ordnungen untermauern oder unterminieren. Affekte, so haben wir
gezeigt, werden dazu verwendet, um zu ordnen und um letztendlich das zu definieren, was ‚wir‘ sind
und was die ‚Anderen‘. In ihrer Funktionalität werden Affekte als wirksames politisches Instrument
erkennbar. Uffa Jensen (2017) argumentiert, dass in Zeiten, in denen die Objektivität von Fakten zu-
nehmend angezweifelt wird, Emotionen zur Legitimationsquelle werden. Die „Legitimationskrise der
Politik“ entpuppe sich daher als „Krise der politischen Gefühle“ (2017, S.25). Wenn Jensen mit seiner
Diagnose richtig liegt, dann scheint für rechtspopulistische Affektpolitik genau darin die ‚Chance der
politischen Gefühle‘ zu liegen – wie unser Beitrag zeigt, bieten Affektartikulationen das Potential,
Grenzziehungen vorzunehmen und als authentische Wahrheiten erscheinen zu lassen.
Fragen der Zugehörigkeit, der nationalen Identität und des Umgangs mit ‚Anderen‘, die bei und mit
‚uns‘ leben möchten, entfalten ihre Bedeutung vor allem durch affektiv gefärbte Vorstellungen und
Erwartungshaltungen. Im Forschungsprojekt Fremde im eigenen Land? geht es deshalb auch darum,
danach zu fragen, wie ‚wir‘ ‚uns‘ gegenüber den ‚Anderen‘ fühlen. Letztendlich gibt diese Frage Auf-
schluss über die eigene Verortung und Positionierung als ‚Deutsche‘. Wie wir gezeigt haben, kann das
Sprechen über gefühlte Realitäten dazu beitragen, diese Verortung auf asymmetrische und hierarchi-
sche Art und Weise vorzunehmen und dabei soziale Ordnungen zu (re-)produzieren. Wenn ‚wir‘ von
Flüchtlingen ein demütiges und dankbares Verhalten erwarten, wird gleichzeitig eine moralische Über-
legenheit der generösen Deutschen produziert. Wenn ‚wir‘ Angst vor bedrohlichen Flüchtlingen äu-
ßern, wird ihnen gleichzeitig der Zivilisationsgrad abgesprochen, den ‚wir‘ bereits erreicht haben. In
diesen affektiv aufgeladenen Narrativen werden andere Realitäten verdeckt und ausgeblendet, wohin-
gegen die eigenen rechtspopulistischen bzw. migrationsskeptischen Diskurse als selbstverständlich,
natürlich oder gar als ‚die Wahrheit‘ erscheinen.
Literatur
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... On the malleability of national narratives using Political Laboratories (PoliLab) . This project aims to study how the nation is done in narratives and practices and focuses on the logics of national exclusion (Pates and Futh, 2018) and the role of affective articulations of national identity (Leser et al, 2019). The study is based on 150 narrative interviews with various groups in Germany. ...
... Generosity and gratitude, as they are expressed in this situation, form an affective or rather symbolic, fictitious and imagined relation between one social group ('us') and another ('them') by assigning meaning to these groups via affects. Referring to oneself as a generous person and expecting others to act humbly to demonstrate appreciation for 'our' generosity is a decidedly elegant and civilised manner of performing a moral superiority that, on closer inspection, accompanies 'our' national identity (Leser et al, 2019). In articulating the logics of national exclusion in an affective frame of moral emotions, the AfD member who was interviewed produced a hierarchical relation of power between 'us' and 'them' that was embedded in a narrative of a civilised nation that generously protects those who it deems deserving while simultaneously eschewing rather disagreeable affective articulations. ...
Article
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Open Access: https://www.ingentaconnect.com/content/bup/gd/2020/00000010/00000002/art00016;jsessionid=engymwkshrp.x-ic-live-03 Abstract: By focusing on negative affects, such as anger, fear and hate, a normative critique of affective politics tends to overlook the ambiguity and situated nature of affective politics. This paper suggests embracing the ambivalences that characterise the emotional dynamics in political arenas; therefore, it emphasises the functionality of affects. The study adopts a post-dualistic understanding of political affects based on the conceptual devices of Sara Ahmed and Kathleen Stewart to analyse the affective practices and performances of the German political party Alternative für Deutschland (AfD). An ethnographic lens and analytical focus on the affective politics of far-right agents beyond negativity can permit more subtle nuances and highlight potentially overlooked facets of enactment and performance that have contributed to the successes of far-right political organisations in Europe and the US. The paper ultimately argues that the use of ‘ordinary’ affects produces legitimacy, renders far-right politics appealing and contributes to the normalisation of far-right discourse.
Article
Zusammenfassung Um die Dynamik des Rechtspopulismus zu verstehen, ist es wichtig sich damit auseinanderzusetzen, wie das Konzept von Nationalität und die Bedeutung von Zugehörigkeit in der Gesellschaft verhandelt werden. Der vorliegende Beitrag geht von der Annahme aus, dass der Status von nationaler Zugehörigkeit für zeitgenössische Gesellschaften uneindeutig und der Bezug einzelner Bürger*innen zu ihrer Nationalität in der Folge spannungsgeladen ist. Der vorliegende Beitrag widmet sich diesen Spannungsfeldern, indem er zunächst eine Differenzierung aus kritisch sozialpsychologischer Forschung vornimmt und dann am Beispiel eines qualitativen Forschungsprojekts die Bedeutung dieser Spannungsfelder untersucht. Dabei geht es um die Auseinandersetzung deutscher Staatsbürger*innen mit dem Titelgewinn der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2014. Im Fazit wird argumentiert, dass ambivalenter nationaler Identität und damit verbundener subjektiver Mehrstimmigkeit sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive mehr Aufmerksamkeit gebührt und damit gleichzeitig ein noch unzureichend genutztes Potenzial für einen fruchtbaren Dialog innerhalb von Gesellschaften verbunden ist.
Article
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Sammelrezension der folgenden Bücher: BRIAN MASSUMI: Politics of Affect, Cambridge 2015. Polity Press. JUDITH MOHRMANN: Affekt und Revolution, Frankfurt/M. 2015. Campus. MARTHA NUSSBAUM: Politische Emotionen, Berlin 2014. Suhrkamp. JOHN PROTEVI: Political Affect, Minneapolis 2009. University of Minnesota Press.
Article
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This article discusses the debate on sexism that flared up again as a consequence of the moral panic after the sexual assaults by young migrants and refugees during the New Year's Eve celebrations 2015/2016. I introduce the concept of ethnosexism in order to approach an existing yet currently aggravated conceptualization of migration as a 'sexual problem'. This adds an intersectional dimension to the concept of sexism. I then consider the 'sexually dangerous muslim refugee' as a figure of defense against migration and analyze its function in feminist and liberal attitudes for narratives of western superiority. Short Version is published in the print version of the Journal 2:1, 2016
Chapter
Andreas Reckwitz ist einer der wichtigsten deutschen Sozial- und Kulturtheoretiker der Gegenwart. Seine Bücher, darunter »Die Transformation der Kulturtheorien« (2000) und »Die Erfindung der Kreativität« (2012), werden über die Grenzen der Soziologie hinweg breit rezipiert. Dieser Band versammelt aktuelle Aufsätze von Andreas Reckwitz, die sich mit zwei Problemstellungen befassen: In welcher Weise wird die Spätmoderne von einem Kreativitätsimperativ beherrscht, der eine entsprechende gesellschaftliche Struktur von Ästhetisierung, Innovation und Sichtbarkeit forciert? Und welche Form soll eine »Theorie sozialer Praktiken« annehmen, die eine solche Gesellschaftsanalyse anleiten kann?
Book
Freiheit, Gleichheit, Solidarität – die Grundwerte der Aufklärung und Europas sind ihnen verhasst. Gegen die Freiheit des Subjekts stellen sie den Zwang des Kollektivs. Pluralismus ist ihnen ein Graus, sie sehnen sich nach Homogenität und Identität. Der Angriff der Antidemokraten, den wir seit einigen Jahren erleben, erschüttert die Demokratie – oft, weil sie demokratische Mittel einsetzen, um die Demokratie von innen heraus zu zerstören. Was wollen die neurechten Feinde der Demokratie aber genau? Was sind ihre Ziele, ihre Methoden, ihre Verbündeten, ihre Kronzeugen bei ihrer völkischen Rebellion? Samuel Salzborn gibt Antworten auf diese Fragen, analysiert die Strategien der gegenwärtigen Bewegungen und Parteien, und deckt die historischen Kontinuitäten seit der Konservativen Revolution der Weimarer Republik auf – und formuliert Vorschläge, wie wir den Angriff der Antidemokraten abwehren können.
Book
Nach Jahrzehnten scheinbarer Stabilität stolpert Europa in jüngster Zeit von Krise zu Krise. Hier zeigen sich die Folgen einer einseitigen Geschichtsaufarbeitung, die nach dem Mauerfall postfaschistische und postsozialistische Narrative zu einer westlich-kapitalistischen Erfolgsgeschichte verband, während die koloniale Vergangenheit unbeachtet blieb. Fatima El-Tayeb zeigt die Auswirkungen dieses Prozesses anhand des Beispiels deutscher Identität: Immer wieder werden rassifizierte Gruppen - insbesondere Schwarze, Roma und Muslime - als »undeutsch« produziert, als Gruppen, die nicht nur nicht zur nationalen Gemeinschaft gehören, sondern diese durch ihre Anwesenheit gefährden. Ein postmigrantisches Deutschland braucht daher nicht nur neue Zukunftsvisionen, sondern auch neue Vergangenheitsnarrative.
Chapter
Was macht radikale Weltbilder so attraktiv? Und wie lässt sich die Renaissance des Extremismus kultur- und sozialwissenschaftlich erklären? Sprach man bis vor Kurzem noch davon, dass Großerzählungen auf dem Schrottplatz der Geschichte liegen, finden sie neuerdings mit der Wiederkehr des Fundamentalismus den Weg zurück in den Diskurs. Die Beiträge des Bandes stellen verschiedene Großerzählungen des Extremen vor und diskutieren, wie sie sich in Denkfiguren, Rhetoriken, Symboliken und Handlungsweisen niederschlagen. Mit Beiträgen u.a. von Claus Leggewie und Susanne Schröter.
Book
Jürgen Habermas: \"Faktizität und Geltung\". Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992. 667 S., kt., 48,-, geb., 92,- DM