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MINT-Berufsorientierungs-Akademie in Heidelberg

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Abstract

Die Gestaltung zukünftiger Lebenswelten in Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und Industrie 4.0 erfordert eine Verbindung von MINT-Kompetenzen mit sozialem Engagement. Durch eine Kombination aus Berufsorientierung und gezielten Mentoring- und Vernetzungsangeboten soll die helpING-Akademie das Bewusstsein und die Begeisterung junger Frauen für MINT-Fächer steigern. Die Akademie findet in den drei Zukunftsregionen Heidelberg, Halle und auf der Nordseeinsel Pellworm mit den regionsspezifischen Schwerpunkten IT, Technik, sowie Energie- und Umwelttechnologie statt. Im Beitrag wird die BMBF-geförderte einwöchige Akademie in Heidelberg vorgestellt, in der MINT-interessierte Schülerinnen konkrete Arbeitsfelder der IT-Branche kennen lernen, Kontakte mit zukunftsorientierten Unternehmen knüpfen und erfahren, wie Digitalisierung zur Lösung konkreter sozialer Fragestellungen genutzt werden kann. Im Rahmen eines IT/Robotik-Kurses sammeln sie erste eigene Erfahrung in der Steuerung von Mikrocontrollern.
Sarah Edte1
Alexandra Abramova2
Ilka Bickmann3
Ralf Wehrspohn1
Jens-Peter Knemeyer2
Nicole Marmé2
1Universität Halle-Wittenberg
2Pädagogische Hochschule Heidelberg
3Science2public e.V.
MINT-Berufsorientierungs-Akademie in Heidelberg
Einleitung
Die Gestaltung zukünftiger Lebenswelten in Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und
Industrie 4.0 schafft einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in den MINT-
Bereichen, der schon heute nicht mehr ausreichend gedeckt werden kann. Traditionell
verzeichnen MINT-Berufe ein Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung bei dem
Frauen deutlich unterrepräsentiert sind. So lagen im Jahr 2014 der Anteil der
Studienanfängerinnen in MINT-Fächern bei lediglich 38,5 % (MINT Nachwuchsbarometer
2017, S.18) und der Frauenanteil bei neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträgen im
dualen System bei 10 % (MINT-Nachwuchsbarometer 2017, S.34). Oft entscheiden sich
junge Frauen trotz fachlicher Begabung nicht für einen entsprechenden MINT-Beruf,
sondern für eine Tätigkeit, die vermeintlich stärker von sozialen Aspekten geprägt ist. Hier
setzt das vom BMBF geförderte Projekt „helpING - mit MINT Kompetenz und sozialem
Engagement gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen begegnen an. Durch die
Verbindung von technischen und informationstechnischen Inhalten mit sozialen und
gesellschaftlichen Fragestellungen, soll gezeigt werden, dass gerade MINT-Berufe sehr gute
Möglichkeiten bieten soziale und gesellschaftliche Themen zu bearbeiten und hier einen
positiven Beitrag leisten.
Kernstück des Projektes sind die helpING-Akademien, die durch eine Kombination aus
Berufsorientierung und gezielten Mentoring- und Vernetzungsangeboten den jungen Frauen
die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten von MINT und sozialem Engagement aufzeigen
sollen, um so die Einstiegsbarrieren in entsprechende Ausbildungen und Studiengänge zu
verringern.
Die helpING-Akademien werden über drei Jahre in drei verschiedenen Modellregionen
(Heidelberg, Halle an der Saale und Pellworm) mit unterschiedlichen Herausforderungen
und Themenschwerpunkten durchgeführt. Teilnehmen können Schülerinnen der
gymnasialen Oberstufe mit Interesse im MINT-Bereich. Die Bewerbung zur Akademie ist
bundesweit möglich und die Teilnahme ist kostenfrei.
Umsetzung der helpING-Akademie in Heidelberg
Die erste einwöchige helpING-Akademie fand vom 20.-26. Mai 2018 in Heidelberg mit dem
Themenschwerpunkt IT meets Social Innovation“ statt und wurde von 22 Schülerinnen
besucht. Ein wichtiges Element der Akademien ist ein umfassendes, abwechslungsreiches
und anwendungsbezogenes Berufs- und Ausbildungsinformationsangebot. Dazu zählen
Besuche bei regionalen Firmen, sowie von Universitäten und Hochschulen. Ein zweites
Element der Akademien ist ein Mentoring- und Vernetzungsprogramm, das interessierten
dchen den Einstieg in einen IT-Beruf erleichtern soll. Dazu werden im Rahmen eines
Speed-Dating persönliche Kontakte zwischen den Akademieteilnehmerinnen und
Mentorinnen aus allen besuchten Unternehmen und Einrichtungen geknüpft und
Praktikumsplätze geschaffen.
Die Dritte Säule der Akademien besteht in Bearbeitung einer problembasierten Aufgabe, die
die Schülerinnen selbstgesteuert in Gruppen bearbeiten. Diese war in der diesjährigen
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Akademie als Auftrag des fiktiven aber realitätsnahen Formates Innovation Tank
(www.it.lucycity.de) formuliert und lautet:
Liebe Innovatorinnen,
Innovation Tank ist ein neues Format, um kreative Menschen auf dem Weg von der guten
Idee zur echten Innovation zu unterstützen und Investitionen zu ermöglichen. Im Innovation
Tank haben Sie die Möglichkeit Ihre Gründungsidee zahlreichen Investoren und
hochkarätigen Experten in einem kurzen, drei bis fünf-minütigen Pitch vorzustellen, um eine
Investition in Ihre Idee und ggf. für Ihre zukünftige Unternehmensgründung zu erhalten.
Der erste Innovation Tank findet in Heidelberg im Deutsch-Amerikanischen-Institut am
26.5.2018, um 13 Uhr statt und zielt thematisch auf soziale Innovationen, die sich mittels
moderner Informationstechnologie/Robotik/Technik realisieren lassen und im Kontext von
Zukunftsentwicklungen der Stadt Heidelberg stehen. Nutzen Sie die Gelegenheit, die
Experten zu überzeugen in Ihre Idee zu investieren.
Wir freuen uns auf Ihren Pitch.
Mit freundlichen Grüßen
Innovation Tank ist Teil der virtuellen Lernstadt Lucycity (Marmé, Knemeyer, 2011), die
den Hintergrund für viele weitere problembasierte Projekte bildet. Zur Problemlösung steht
zusätzlich ein Koffer mit Materialien, bestehend aus Notebooks und Arduino-
Mikrocontrollern mit Zubehör und Sensoren, zu Verfügung.
Evaluationsergebnisse der Akademie
Nach jedem einzelnen Modul (Besuch von Firmen und Einrichtungen, Makerspace,
Mentorinnen-Speed-Dating usw.) wurde von den Schülerinnen eine kurzer Feedbackbogen
ausgefüllt, in dem neben Modul-spezifischen Fragen auch eine Benotung des Moduls
(Schulnote von 1-6) erfolgte. Die Schülerinnen nutzen das Notenspektrum weitestgehend
aus. Von 267 gegebenen Noten entfielen 89 auf „sehr gut“, 141 auf „gut“, 28 auf
„befriedigend, 5 auf „ausreichend“ und 4 auf „mangelhaft“. Daraus ergibt sich ein
Durchschnitt von 1,85, wobei die einzelnen Module Durchschnittsnoten von 1,4 bis 2,7
erhielten. Die detaillierte Auswertung der Einzelmodule wird in diesem Beitrag nicht
vorgestellt (eine entsprechende Publikation befindet sich in Vorbereitung).
Neben den einzelnen Modulen haben 20 Schülerinnen abschließend einen Feedbackbogen
zur gesamten Akademie ausgefüllt. Hierbei war von besonderem Interesse, wie die
Schülerinnen das Zusammenspiel der einzelnen Module einstufen. Die entsprechenden
Ergebnisse sind in Abbildung 1 zusammengefasst. Die Mehrheit der Schülerinnen (60%)
empfand die Dauer der sechstägigen Akademie als „genau richtig“, 15% als etwas zu lang
und 25% als etwas zu kurz. Die gesamte Akademie wurde durchschnittlich mit 1,5 bewertet,
wobei keine Note schlechter als „gut“ gegeben wurde. Obwohl einige Schülerinnen
vereinzelte Module schlechter bewertet haben, schätzten sie die Akademie als Ganzes
mindestens gut ein. Auch ist der Notenschnitt der Gesamtakademie besser als der
Durchschnitt aller Einzelmodule, was darauf schließen lässt, dass durch das
Zusammenwirken aller Module ein Mehrwert erreicht wird. Ein weiterer Schwerpunkt des
Abschluss-Feedbacks lag auf der Gewichtung zwischen Firmen-, Hochschulbesuchen und
freiem Arbeiten am Auftrag. Hier zeigt sich ein eher heterogenes Bild. Während einige
Schülerinnen sich viel mehr Hochschulbesuche wünschten, wollten andere viel weniger
Hochschulbesuche, wobei es eine schwache Tendenz zu weniger Hochschulbesuchen gibt.
Im Falle der Firmenbesuche ist diese Tendenz noch etwas stärker. 40 % empfanden den
Anteil der Firmenbesuche als genau richtig, oder wollten noch mehr Besuche, während 60 %
weniger oder viel weniger Besuche wünschten. Entsprechend gaben 65 % der
Teilnehmerinnen an, gerne länger oder viel länger am Auftrag gearbeitet zu haben.
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Abbildung1: Post-Befragung zur Akademie, N=20
Ein erste Analyse der Einzelmodule zeigt allerdings, dass der naheliegende Schluss „weniger
Besuche von Firmen/Bildungseinrichtungen, mehr Zeit für den Auftrag“ zu kurz gegriffen
scheint, da es sich um sehr unterschiedliche Firmen und Bildungseinrichtungen handelt und
jede Teilnehmerin sehr unterschiedliche Präferenzen zeigt und folglich andere Besuche zu
Gunsten des Auftrags streichen würde. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die
qualifizierten Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und der Projektpartner an einigen
Stellen noch etwas Verbesserungspotenzial aufzeigen, die Akademie als Ganzes und das
Zusammenspiel der unterschiedlichen Module sehr gut von den Teilnehmerinnen
angenommen wurde. Folglich würden alle Teilnehmerinnen die Akademie weiterempfehlen.
Auch die Projektpartner spiegeln sehr positive Erfahrungen mit der helpING!-Akademie
wieder.
Danksagung
Wir danken allen lokalen Projektpartnern (DAI Heidelberg, HITS gGmbH, Hopp
Foundation for Computer Literacy & Informatics, NEC Laboratories Europe GmbH, SAP
SE, sovanta AG, SRH Hochschule Heidelberg, Stadt Heidelberg, Universität Heidelberg) für
die vielfältige Unterstützung und dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung für
die Finanzierung des Vorhabens "helpING - mit MINT Kompetenz und sozialem
Engagement gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen begegnen"
(Förderkennzeichen 01FP1627).
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Literatur
Marmé, Nicole; Knemeyer, Jens-Peter (2011): Lucycity - eine virtuelle Lernstadt in Höttecke, Dietmar (Hg.):
Naturwissenschaftliche Bildung als Beitrag zur Gestaltung partizipativer Demokratie, LIT-Verlag,
Münster, 300-302.
MINT Nachwuchsbarometer (2017): https://www.koerber-stiftung.de/fileadmin/user_upload/koerber-
stiftung/redaktion/mint_nachwuchsbarometer/pdf/2017/MINT-Nachwuchsbarometer-Langfassung.pdf:
Letzter Zugriff: 15.10.2018
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