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ARBEITSWELTEN VON MORGEN AUS DER SICHT DER JUGEND VON HEUTE – FORESIGHT4YOUTH // HANDLUNGSKATALOG // GESTALTUNG VON WORKSHOP-ANGEBOTEN FÜR JUGENDLICHE AUS PREKÄREN VERHÄLTNISSEN ZUR VISUALISIERUNG VON ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN

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ARBEITSWELTEN VON MORGEN AUS DER SICHT DER JUGEND VON HEUTE – FORESIGHT4YOUTH // HANDLUNGSKATALOG // GESTALTUNG VON WORKSHOP-ANGEBOTEN FÜR JUGENDLICHE AUS PREKÄREN VERHÄLTNISSEN ZUR VISUALISIERUNG VON ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN

Abstract

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ befasst sich das Projekt Foresight4Youth mit den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen, insbesondere aus prekären Verhältnissen. Hierzu nahmen über 100 Jugendliche aus den Qualifizierungsmaßnahmen der Dobeq und der Caritas Dortmund an elf verschiedenen Workshops teil, in denen über künstlerische Ansätze die Zukunftsvorstellungen visualisiert wurden. Die TeilnehmerInnen wurden vor und nach den Workshops befragt. In diesem Artikel werden zunächst die Einstellungen und einige Verhaltensweisen (bspw. bezüglich Nachrichtenkonsum) beschrieben und mit einer Kontrollgruppe aus GymnasialschülerInnen verglichen. Anschließend wird eine Übersicht über die allgemeinen Rahmenbedingungen und die einzelnen Workshops gegeben, sowie die Evaluation der Workshops vorgestellt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Workshops gut von den Jugendlichen angenommen wurden und ihnen die Gelegenheit gaben, sich mit ihre persönlichen und der allgemeinen Zukunft der Arbeit auseinanderzusetzen. Allerdings konnten keine signifikanten Änderungen bei entsprechenden Einstellungen oder ein signifikanter Wissenszuwachs festgestellt werden. Abschließend wird ein Handlungskatalog vorgestellt, der basierend auf den Evaluationsdaten und der Beobachtungen entwickelt wurde. Hierin sind konkrete Handlungsempfehlungen bezüglich der Workshopinhalte, -organisation, der Gruppenarbeit, der Arbeitszeiten und der Abschlussveranstaltung enthalten, die eine Übertragung des Projektes auf andere Regionen oder die Entwicklung neuer Angebote erleichtern sollen.
J.P. Knemeyer, I. Bickmann, N. Marmé: Foresight4Youth // Handlungskatalog
1
AR B EI TS W EL TE N VO N MO R G E N A U S D E R SIC HT D E R
JU G EN D VO N HE U T E FO R E S I G H T 4YO U T H
HANDLUNGSKATALOG
GESTA L TUNG VON WORKSH OP-AN GEBO TEN F ÜR JU GEND L ICHE AUS P REKÄR E N
VERHÄL TNIS SEN Z U R VI SUAL ISIER U NG V O N ZU K UNFT S VORST ELLUN GEN
Jens-Peter Knemeyer1, Ilka Bickmann2 und Nicole Marmé1
1Pädagogische Hochschule Heidelberg, INF 561, 69118 Heidelberg, marme@didaktik-aktuell.de
2science2public e.V., Mansfelder Straße 56, 06108 Halle (Saale), bickmann@science2public.com
didaktik-aktuell, Heidelberg 2019
Zusammenfassung
Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ befasst sich das Projekt
Foresight4Youth mit den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen, insbesondere aus prekären
Verhältnissen. Hierzu nahmen über 100 Jugendliche aus den Qualifizierungsmaßnahmen der Dobeq
und der Caritas Dortmund an elf verschiedenen Workshops teil, in denen über künstlerische Ansätze
die Zukunftsvorstellungen visualisiert wurden. Die TeilnehmerInnen wurden vor und nach den
Workshops befragt. In diesem Artikel werden zunächst die Einstellungen und einige Verhaltensweisen
(bspw. bezüglich Nachrichtenkonsum) beschrieben und mit einer Kontrollgruppe aus
GymnasialschülerInnen verglichen. Anschließend wird eine Übersicht über die allgemeinen
Rahmenbedingungen und die einzelnen Workshops gegeben, sowie die Evaluation der Workshops
vorgestellt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Workshops gut von den Jugendlichen
angenommen wurden und ihnen die Gelegenheit gaben, sich mit ihre persönlichen und der
allgemeinen Zukunft der Arbeit auseinanderzusetzen. Allerdings konnten keine signifikanten
Änderungen bei entsprechenden Einstellungen oder ein signifikanter Wissenszuwachs festgestellt
werden. Abschließend wird ein Handlungskatalog vorgestellt, der basierend auf den Evaluationsdaten
und der Beobachtungen entwickelt wurde. Hierin sind konkrete Handlungsempfehlungen bezüglich
der Workshopinhalte, -organisation, der Gruppenarbeit, der Arbeitszeiten und der
Abschlussveranstaltung enthalten, die eine Übertragung des Projektes auf andere Regionen oder die
Entwicklung neuer Angebote erleichtern sollen.
J.P. Knemeyer, I. Bickmann, N. Marmé: Foresight4Youth // Handlungskatalog
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Einleitung
Zunehmende Digitalisierung und Globalisierung führen zu rasanten Veränderungen unserer
Gesellschaft. Dies gilt für alle Bereiche, von der Medizin bis hin zur Freizeitgestaltung. Insbesondere
sind die zukünftigen Arbeitswelten und somit die Anforderung an die Berufsvorbereitung - sei es in der
Schule, im Studium oder in der Ausbildung - betroffen. Von führenden Arbeitsmarktexperten werden
nicht mehr Fleiß, Pünktlichkeit, fehlerfreies Arbeiten, sondern Problemlösefähigkeit, kritisches
Denken, Kreativität, soziale Kompetenzen und IT-Kompetenzen als wichtigste Arbeitnehmer-
Fähigkeiten genannt [HR Future-Trends, 2016].
1
Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2018
„Arbeitswelten der Zukunft“ befasste sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) geförderte Projekt Foresight4Youth
2
mit den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen,
insbesondere bezüglich der Arbeitswelten von morgen. Das Projekt wurde in Kooperation von
science2public mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der :DASA Dortmund, sowie
Partnern und Medienakteuren rund um Dortmund durchgeführt. Die Zielgruppe des Projektes waren
Jugendliche, die nach Sinusstudie als „Prekäre“ eingestuft werden.
3
Im Rahmen des Projektes sollte versucht werden, diese Jugendlichen für ein gemeinsames
Zukunftsdenken, Zukunftsvisualisieren, Zukunftsgestalten der Arbeitswelten von morgen zu gewinnen.
Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit Kunst-, Theater- und MedienpädagogInnen u.a. aus der Region
verschiedene Workshops entwickelt, die es den Jugendlichen unter anderem mit dem Einsatz (neuer)
Medien und digitaler Technologien erlauben sollen, Konzepte, Bilder und Visionen ihrer Arbeitswelt
von morgen zu entwickeln daraus audiovisuelle Produktionen, digitale Anwendungen und
künstlerische Interpretationen zu erstellen, um sich so mit diesem Thema auseinander zu setzen.
Insgesamt wurden mit über 100 Jugendlichen der Caritas in Dortmund und der Dobeq (Dortmunder
Bildungs-, Entwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft) Workshops mit unterschiedlicher kreativer
Ausrichtung durchgeführt. In den Maßnahmen dieser Einrichtung finden sich Menschen, die nicht die
nötigen Voraussetzungen mitbringen, um vom Arbeitsamt mit realistischen Aussichten vermittelt
werden zu können. Die Gründe reichen von fehlendem Schulabschluss, schwerwiegenden
Fluchterfahrungen, wirtschaftlicher Not bis hin zu Drogenmissbrauch und psychischen Problemen.
Es fanden zwei Runden von mehrtägigen Workshops statt, im Sommer 2018 (ca. 70 TeilnehmerInnen)
und im Herbst (ca. 50 TeilnehmerInnen). Die entstandenen Produkte, Werke und Exponate wurden
dann auf einer öffentlichen Abschlussveranstaltung am 31. Oktober 2018 in der DASA Arbeitswelt
Ausstellung einem breiten Publikum präsentiert. Aus den Ergebnissen einer parallel durchgeführten
Begleitevaluation wurde der hier vorgestellte Handlungskatalog erstellt. Dieser soll eine
Übertragbarkeit auf andere Regionen ermöglichen oder als Hilfe bei der Konzeption neuer Workshops
dienen.
1
HR Future-Trends, 2016: https://futability.wordpress.com/2018/05/09/die-digitalisierung-der-deutschen-
tugenden/, Zuletzt aufgerufen 15.10.2018
2
Förderkennzeichen 01WJ1819B. Informationen zum Projekt unter www.foresight4youth.com
3
Calmbach, M., Borgstedt, S., Borchard, I., Thomas, P.M., Flaig, B.B. (2017). Wie ticken Jugendliche 2016? (S.33
ff). Berlin: Springer-Verlag.
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Rahmenbedingungen
Vor Beginn der Workshops wurden verschiedene Einstellungen und Vorwissen, sowie
sozioökomomische Daten der jugendlichen TeilnehmerInnen mittels Fragebogen erhoben und mit
einer Kontrollgruppe, bestehend aus SchülerInnen einer gymnasialen Oberstufe, verglichen. Eine
entsprechende Publikation der detaillierten Ergebnisse befindet sich in Vorbereitung und kann
angefordert werden. Insgesamt zeigen sich einige Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche
Unterschiede. Zusammengefasst lässt sich folgendes feststellen:
Sozioökonomischer Status
Es konnte gezeigt werden, dass die Workshop-TeilnehmerInnen der Sommerwerkstatt ausnahmslos
zur Gruppe der Prekären gehören (nach Sinus-Studie).
Zusammensetzung der Workshop-TeilnehmerInnen
Bei den über 100 Befragten waren beide Geschlechter ähnlich stark vertreten. Ungefähr ein Viertel der
TeilnehmerInnen sind ausländischer Herkunft, ca. 15% haben teilweise erhebliche Schwierigkeiten mit
der deutschen Sprache. 70% der TeilnehmerInnen waren jünger als 21 Jahre.
Mediennutzung
Alle Jugendlichen, unabhängig von den sozialen Verhältnissen, benutzen täglich das Smartphone. Es
ist das Hauptmedium in allen digitalen Bereichen (Kommunikation, Nachrichtenkonsum,
Informationsbeschaffung usw.).
Nachrichtenkonsum
Die Jugendlichen aus prekären Verhältnissen (Workshop-TeilnehmerInnen) interessieren sich deutlich
weniger für Nachrichten als die Vergleichsgruppe. 30% schauen selten oder gar keine Nachrichten und
nur jeder Vierte beschäftigt sich täglich mit Nachrichten. In der Vergleichsgruppe betragen diese Werte
12%, bzw. 50%. In beiden Gruppen ist das Smartphone das primär genutzte Medium, um Nachrichten
zu erhalten. Im Gegensatz zur Vergleichsgruppe spielen Printmedien, wie Tageszeitungen bei den
Workshop-TeilnehmerInnen kaum eine Rolle.
Internetnutzung
In der Nutzung des Internets sind nur kleine Unterschiede zwischen den jugendlichen Workshop-
TeilnehmerInnen und der Vergleichsgruppe festzustellen, wobei die Jugendlichen aus prekären
Verhältnissen das Internet etwas länger nutzen (etwas mehr zur Kommunikation und Unterhaltung
und weniger zum Lernen und Recherchieren).
Insgesamt nutzen über 90% der Jugendlichen das Internet täglich länger als zwei Stunden, 70% der
Workshop-TeilnehmerInnen sogar länger als vier Stunden. Auch bei der Nutzung von
Kommunikationsdiensten gibt es kaum Unterschiede. Während WhatsApp, Youtube und Instagram
von über 80% der Jugendlichen genutzt werden, spielen E-Mails, Twitter und SMS nur eine
untergeordnete Rolle.
Zukunftstechnologien und zukünftige Arbeitswelten
Bei der Befragung nach Begrifflichkeiten, die sich auf Zukunftstechnologien und die Arbeitswelten von
morgen beziehen, zeigen die meisten Jugendlichen deutliche Unkenntnis. Während die
Vergleichsgruppe zumindest die medial präsenten Begriffe wie Digitalisierung oder Künstliche
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Intelligenz kennt, ist die Lage bei den Workshop-TeilnehmerInnen deutlich schlechter. Zusammen mit
den geführten Interviews zeigt sich, dass die Workshop-TeilnehmerInnen so gut wie keine Vorstellung
von zukünftigen Entwicklungen der Arbeitswelten haben. Dies spiegelt sich auch in der Befragung nach
den vermeintlich wichtigen Kompetenzen, die für die zukünftigen Arbeitswelten benötigt werden,
wider. Alle Befragten, auch die Vergleichsgruppe, schätzten die Wichtigkeit der Kompetenzen ganz
anders als führenden Personalplaner ein. Besonders alarmierend ist, dass Computer- und
Programmierkenntnisse als unwichtig angesehen werden.
Workshop-Angebot „Arbeitswelten der Zukunft“
Eine zentrale Frage des Projektes war, ob Workshops mit einem künstlerischen Ansatz ein geeigneter
Zugang ist, mit den Jugendlichen zu einem Thema wie „zukünftige Arbeitswelten“ zu arbeiten. Bevor
die Ergebnisse, die sich auf eine weitere Befragung nach der Teilnahme an den Workshops, sowie
Interviews und Beobachtungen stützen, vorgestellt werden, sollen daher zunächst die einzelnen
Workshops kurz dargestellt werden. Sie wurden im Rahmen der Sommer- bzw. Herbstwerksatt vom
23.-26. Juli 2018 bzw. 15.-17. Oktober 2018 durchgeführt.
Handyfilm-Workshop (Animationsfilme)
Der eigenen Kreativität der TeilnehmerIinnen waren im Workshop des Medienpädagogen Gunther
Schuhmann keine Grenzen gesetzt. Egal ob Actionfilm, Untergangsszenario oder Happy End, die
Jugendlichen konnten ihre eigene Filmidee zum Thema Arbeitswelt der Zukunft anhand eines Stop
Motion- und Legetrickfilms umsetzen und Gestalt geben. Angefangen mit dem Skripten einer Handlung
über die detailreiche Ausgestaltung der Kulisse, bis hin zum finalen Dreh mithilfe von Handykameras,
entstanden hier mehrere Kurzfilme. Die TeilnehmerInnen verfilmten zum Teil ihre privaten Erlebnisse
oder entwickelten Kurzgeschichten mit Statements bezüglich ihrer Erwartungen an die Arbeitswelt von
Morgen.
Mehr Informationen zum Workshop „Animationsfilme“ und die entstandenen Filme
finden sich unter: https://foresight4youth.com/animationsfilme/
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Handyfilm-Workshop (Reportage und Interview)
Von der eigenen Idee, über das Drehbuch, die selbstständige Kameraarbeit, bis hin zum Schnitt
entstand eine Reportage, bei der die TeilnehmerInnen Interviewer, Kameramann oder Kamerafrau und
Interviewte zugleich waren. Ausgestattet mit den eigenen Smartphones und Mikrophonen befragten
sich die Jugendlichen gegenseitig zu ihren Wünschen, Sorgen und Hoffnungen für die eigene
Arbeitswelt der Zukunft. Begleitet und eingelernt wurden die Jugendlichen von Filmemacher,
Regisseur und Kameramann Hans-Peter Dürhager, der in Köln und Umgebung auch als Medientrainer
für Produktionsfirmen, ÖR und private Sender freiberuflich arbeitet.
Mehr Informationen zum Workshop „Reportage und Interview“ und die entstandenen
Interviews finden sich unter: https://foresight4youth.com/reportage-und-interviews/
Musik-Workshop (Hip-Hop)
Gemeinsam mit den Workshop-Leitern Stefan Teubner, Roman Kurth sowie David Longu schrieben
und vertonten Jugendliche ihre Meinung zur Arbeitswelten von morgen in einem Rap-Song.
Gemeinsam wurde ein Brainstorming durchgeführt, Begriffe und Ideen gesammelt sowie Erfahrungen
rund um das Thema Arbeit geteilt. In Gruppen arbeiteten die TeilnehmerInnen an den Texten,
formulierten aus und steckten viel Herzblut in ihre Arbeit. Die Workshop-Leiter gaben eine Einführung
in die Technik der Tonaufnahme und begleiteten die Jugendlichen mit hilfreichen Tipps. So konnte
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professionell im Tonstudio der dobeq aufgenommen werden. Mit viel Spaß, zuvor unentdecktem
Gesangstalent und Engagement entstanden am Ende zwei gemeinsame Musikstücke von rund 15
Jugendlichen verschiedener Nationalitäten mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen, die durch ihre
Internationalität und Texte bestechen.
Mehr Informationen zum Workshop Hip-Hop, die entstandenen Songs und Songtexte
finden sich unter: https://foresight4youth.com/hip-hop-werkstatt/
Siebdruck-Workshop
Die Malerwerkstatt der dobeq verwandelte sich beim Siebdruckworkshop der Sommerwerkstatt in
eine Druckerei. Die Jugendlichen entwarfen ihre Vorstellungen von der Arbeitswelten von morgen auf
großen Pappkartons und wurden zu KünstlerInnen. Von Danuta Dwrecki lernten die TeilnehmerInnen
die Technik des Siebdrucks. Mit Hilfe von Schrift und Bild wurde den Gedanken, Wünschen und Sorgen
über die Zukunft der Arbeit Ausdruck verliehen. Die Schwierigkeit lag darin, sich auf ein
aussagekräftiges Symbol oder Schriftzug zu beschränken. In stundenlanger Kleinstarbeit fertigten die
Jugendlichen ihre Schablone an, die später auf den Pappkarton aufgedruckt wurde. Es entstanden
zahlreiche Kunstwerke, die Ausdruck von teilweise sehr persönlichen Wünschen und Hoffnungen wie
Gleichberechtigung, Fairness oder Zusammenhalt sind.
Mehr Informationen zum Workshop „Siebdruck und die entstandenen Werke finden sich
unter: https://foresight4youth.com/siebdruck/
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Objektkunst-Workshop (Multimediale Objektinstallation)
Im Objektkunst-Workshop durften sich die TeilnehmerInnen handwerklich und kreativ austoben. Aus
alten Kommunikationsmedien wie Computern, Leinwänden, Aufnahmegeräten und Schreibmaschinen
stellten die Jugendlichen neue, interaktive Skulpturen her. Die TeilnehmerInnen wurden zu
ArchitektInnen, DesignerInnen und HandwerkerInnen. Angeleitet wurde der Workshop von Künstler
Oliver Mark, der bekannt ist für Fassadengestaltung im öffentlichen Raum, klassisches Grafikdesign
und diverse Installationen drinnen und draußen. Er unterstützte und motivierte die Jugendlichen durch
kreative Denkanstöße bei der Umsetzung ihrer Ideen. Entstanden ist ein Gesamtkunstwerk, mit
eingesprochenen und geschriebenen Inhalten, welches Raum für Interpretation lässt.
Mehr Informationen zum Workshop Objektinstallation finden sich unter:
https://foresight4youth.com/objektinstallationen/
Raummodell-Workshop (Miniaturwelten)
Im Miniaturworkshop von Jessica Grömminger und Lena Hoppe entwarfen die Jugendlichen mit Holz,
Papier, Knete und Kleber ihre Wunschvorstellungen von den Arbeitsplätzen der Zukunft im
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Kleinformat. Was willst du werden? Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Wirst du mit deinen Händen
arbeiten oder wird ein Roboter deine Arbeit übernehmen? Wirst du an einen Ort gebunden sein? Diese
Fragen beantworteten die TeilnehmerInnen in einer kleinen Holz-Box ganz für sich und nach ihren
Vorstellungen. Dabei war der Fantasie keine Grenze gesetzt. Entstanden sind teils düstere, abstrakte,
kritische oder idealistische und verträumte Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen und dem
Betrachter nahe gehen.
Mehr Informationen zum Workshop Miniaturwelten und die entstandenen Arbeiten
finden sich unter: https://foresight4youth.com/miniaturarbeitswelten-3/
Film-Workshop (Filmstatements)
Jan Krämer und Christoph Krüger leiteten den Medienworkshop „Filmstatements“, welcher als Teil
einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme in dem Hilfswerk Caritas e.V. von ca. 20 Jugendlichen
besucht wurde. Das allgemeine Ziel der Maßnahmen bestand darin, Jugendlichen mit schwierigem
Sozial- und Bildungshintergrund den Start in das Berufsleben zu erleichtern. In dem Workshop legten
die beiden Dokumentarfilmer Wert darauf, dass die Jugendlichen ihre persönlichen Wünsche und
Sorgen in Bezug auf die Zukunft (der Arbeitswelt) aufschreiben und anschließend als Statement mit
der Kamera aufnehmen. Um den Jugendlichen die dafür nötigen Kenntnisse zu vermitteln, wurden
Grundfähigkeiten zur Nutzung von Kameras, Ton und Beleuchtung vermittelt. Die verschiedenen
Statement-Videos der TeilnehmerInnen wurden abschließend zu einem Gesamt-Video
zusammengeschnitten, welches repräsentativ bei der Ergebnispräsentation in der DASA Arbeitswelt
Ausstellung gezeigt wurde.
Mehr Informationen zum Film-Workshop und die entstandenen Statements finden sich
unter: https://foresight4youth.com/filmstatements/
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Ausstellungsbau-Workshop
Unter der Anleitung von Architekt Maik Ronz und der Gestalterin Maike Fraas bauten zehn Jugendliche
Regale, welche zur Präsentation der Ergebnisse der anderen Workshops am Tag der Ausstellung
genutzt wurden. Die TeilnehmerInnen lernten verschiedene Werkzeuge zur Bearbeitung von Holz zu
benutzen, sowie grundlegende Techniken zur Herstellung von Möbeln. Hierzu teilte sich die Gruppe in
die verschiedenen Arbeitsschritte auf und konnten so eine Produktionslinie entwickeln, was eine
schnelle Fertigung der Regale bedeutete. Auf diese Weise konnten die Jugendlichen auf der einen Seite
einen kleinen Einblick in die Arbeitswelt eines Schreinerberufes erlangen. Auf der anderen Seite
konnten die TeilnehmerInnen durch den Bau der Regale die Ausstellung mitgestalten. Dabei stellte der
Workshopleiter verschiedene Design-Aspekte der Gruppe vor, und ließ die TeilnehmerInnen
entscheiden, welche Design-Elemente verwendet werden sollten.
Mehr Informationen zum Workshop Ausstellungsbau finden sich unter:
https://foresight4youth.com/ausstellungsbau-2/
T-Shirt-Druck-Workshop
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Workshopleiterin Anette Funke erstellte mit ihren 14 TeilnehmerInnen im Workshop T-Shirt-Druck
Vorlagen aus Linoleum, um verschiedene, selbst kreierte Motive und Sprüche zuerst auf Plakate und
später auf T-Shirts drucken zu können. Auch hier orientierten sich die TeilnehmerInnen am Thema der
Zukunft der Arbeitswelten und ließen ihre Ideen, Vorstellungen und Wünsche in das Design ihrer
Druckvorlagen einfließen. Die Ergebnisse des Workshops umfassen die Gefühle der TeilnehmerInnen,
Ängste, Frustration aber auch Botschaften, die zum Durchhalten und Weitermachen motivieren. Die
fertigen Endprodukte, die T-Shirts, ließen sich durchaus sehen und waren bei der Ausstellung ein
echter Hingucker, so dass bei vielen Betrachtern der Kaufwunsch aufkam.
Mehr Informationen zum Workshop T-Shirt-Druck und die entstandenen Werke finden
sich unter: https://foresight4youth.com/t-shirt-druck/
Theater-Workshop
Eindrucksvoll präsentierten die neun TeilnehmerInnen des Theater- und Performance-Workshops
anhand eines mit Musik untermalten zehnminütigen Theaterstückes, inwiefern sie von
Zukunftsängsten, dem Funktionieren auf der Arbeit, Ausgrenzung und Verständigungsschwierigkeiten
aufgrund von Sprache betroffen sind. Dazu ließ die Theaterpädagogin und Schauspielerin Judith Jäger
die TeilnehmerInnen drei Tage lang verschiedene Sprech- und Schauspielübungen absolvieren, sowie
ein eigens mit den TeilnehmernInnen zusammen konzipiertes Theaterstück einproben. Manche
TeilnehmerInnen hatten bereits im Rahmen der Möglichkeiten der dobeq Theater-Erfahrung, andere
standen zum ersten Mal auf einer Bühne, waren deshalb aber nicht weniger gut mit dabei.
Mehr Informationen zum Theater-Workshop und ein Video des Theaterstücks finden sich
unter: https://foresight4youth.com/theater
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Fotografie-Workshop
Der Fotografie-Workshop beinhaltete zum einen die Erstellung von Collagen, bestehend aus Bildern,
Titeln und Schriftsätzen aus Magazinen und Ähnlichem. Das Thema der Collagen bestand hierbei in
den individuellen Erwartungen der Jugendlichen an die Arbeitswelt. Nach Fertigstellung der Collagen
wurden diese von der Workshopleiterin und Fotografin Iris Janke abfotografiert, um auf die, jeweils
zur Collage zugehörigen, TeilnehmerInnen projiziert zu werden. So entstanden einzigartige
Kunstwerke in Form von Porträts, mit einer individuellen Note anhand ihrer persönlichen
Vorstellungen zur Zukunft der Arbeitswelten. Des Weiteren lernten sie Basiskenntnisse zur Nutzung
einer professionellen Spiegelreflexkamera im Bereich Porträt-Fotografie kennen. Hierzu fotografierten
die TeilnehmerInnen sich untereinander an verschiedenen Orten auf dem Gelände der „dobeq“.
Mehr Informationen zum Fotografie-Workshop und die entstandenen Werke finden sich
unter: https://foresight4youth.com/fotografie/
Ergebnisse der Workshop-Evaluation
Die Abschluss-Fragebögen zeigen, dass alle Workshops von den Jugendlichen prinzipiell gut
angenommen wurden, was sich in der durchschnittlichen Gesamtnote 2,08 (Schulnote von 1 bis 6)
widerspiegelt. Im Einzelnen reichen die Durchschnittsnoten von 1,4 (Handy-Film) bis 3,1 (Siebdruck),
wobei mit Ausnahme des Siebdrucks alle Workshops mit besser als 2,5 gewertet wurden. Die relativ
schlechte Bewertung des Siebdrucks kann bei genauerer Analyse der Daten und Rückmeldungen
größtenteils auf die dort getroffenen Pausenregelungen zurückgeführt werden und ist nicht in den
Workshop-Inhalten begründet. Insgesamt werden die einzelnen Workshops auch in den Einzelpunkten
relativ ähnlich bewertet, so dass für die folgende Darstellung die Datensätze aller Workshops
zusammengefasst wurden.
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Abbildung: Beurteilung der Workshops (alle Datensätze zusammengefasst, N = 71)
Die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen zeigen, dass sie interessiert und gerne in dem jeweiligen
Workshop gearbeitet haben, was sich mit den Beobachtungen und Rückmeldungen der
KursleiterInnen deckt. Auch die interviewten TeilnehmerInnen bestätigten diese Einschätzung.
Die TeilnehmerInnen hätten mehrheitlich gerne noch an dem Thema weitergearbeitet, wobei eine
Verlängerung der Workshops in den Nachmittag deutlich abgelehnt wurde. Die TeilnehmerInnen
gaben auch an, dass sie gerne und effektiv in der Gruppe gearbeitet haben und dies der Einzelarbeit
vorziehen. Dies muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es nach Aussagen von
KursleiterInnen bei den Jugendlichen in Gruppenarbeiten oft ein hohes Konfliktpotenzial gibt. Des
Weiteren kann festgestellt werden, dass die Jugendlichen einen Workshop vor Ort (in den jeweiligen
Einrichtungen) bevorzugen und nur ungerne woanders hingefahren wären.
Obwohl die TeilnehmerInnen mehrheitlich angeben, dass ihnen der Workshop geholfen habe, über die
Zukunft nachzudenken, können bei einer Prä-Post-Befragung keine signifikanten Unterschiede in
Einstellungen bezüglich der zukünftigen Arbeitswelten festgestellt werden. In dieser Befragung
wurden die Jugendlichen vor und nach Teilnahme an den Workshops beispielsweise zu folgenden
Aussagen befragt (4er Likert-Skala):
„Ich mache mir viele Gedanken über meine persönliche/berufliche Zukunft“; „In meinem zukünftigen
Beruf sind Computerkenntnisse/Programmierkenntnisse wichtig“; „Mein Beruf könnte von Robotern
übernommen werden“; „Kommunikationsfähigkeit/Fähigkeit Probleme zu lösen/Pünktlichkeit
/Genauigkeit/Fleiß/Teamfähigkeit ist für mein zukünftiges Arbeitsleben wichtig“.
In keinem der Punkte konnten signifikante Unterschiede zwischen der Prä- und Post-Befragung
gefunden werden. Interessant ist allerdings, dass die Jugendlichen Fleiß, Genauigkeit, Pünktlichkeit als
deutlich wichtiger erachten als Computer- oder Programmierkenntnisse. Auch haben sie kaum Sorge,
dass ihr Beruf durch Roboter ersetzt werden könnte.
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Auch die geführten Interviews bestätigen, dass sich die Workshop-TeilnehmerInnen prinzipiell
Gedanken über die eigene berufliche Zukunft und allgemeine Zukunftsentwicklungen machen,
allerdings haben diese meist wenig mit der zu erwartenden Realität gemeinsam, wie folgende Beispiele
exemplarisch zeigen:
Timo: „Ich möchte später Maler werden. Ich könnte mir vorstellen, dass mein Arbeitsplatz später
durch Roboter ersetzt werden könnte. Computerkenntnisse werde ich nicht so sehr brauchen, ich
brauch eher Mathekenntnisse.“
Immanuel: „Ich würde gerne als Dolmetscher arbeiten. Ich denke nicht, dass der Beruf durch
Spracherkennung mit Computern oder Roboter ersetzt werden kann, man wird immer Dolmetscher
brauchen.“
Mohammed: (Auf die Frage: Wie wird sich die Zukunft der Arbeitswelt verändern, wird es noch
Industriemechaniker geben?) „Ich glaube schon, dass viele Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden,
aber ich mache mir deswegen noch keine Sorgen, weil ich denke, dass das erst in 20-50 Jahren
passieren. Und da ich spätestens in 20 Jahren selbstständig sein will mach ich mir darüber keine
Gedanken.“
Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse führen zu folgenden konkreten Handlungsempfehlungen:
Workshopinhalte/ Organisation
Das vielfältige Kreativangebot hat sich bewährt. Es empfiehlt sich, zu einem übergeordneten Thema
mehrere möglichst unterschiedliche Workshops anzubieten, so dass jede/r Jugendliche einen
Workshop findet, der zu ihr/ihm passt. Es erwies sich auch als vorteilhaft, wenn die Jugendlichen schon
einige Tage vor den Workshops eine Inhaltsangabe am besten als Video (z.B. Vorstellung durch den
Kursleiter) bekommen, da es ihnen schwerfällt, sich spontan für einen Workshop zu entscheiden.
Wenn es die Strukturen zulassen, ist es auch vorteilhaft, wenn die TeilnehmerInnen sich schon vor
Workshopbeginn anmelden, so dass man bei stark heterogener Verteilung ggf. gegensteuern kann,
wobei unterschiedliche Workshopgrößen (solange es vom Workshopleiter vertretbar ist) gegenüber
einer nicht ersten Wahl durch die Jugendlichen vorzuziehen ist. Spätere Wechsel zwischen den
Workshops sollten nach Möglichkeit vermieden werden und auf absolute Notfälle beschränkt werden,
da es sonst vorkommen kann, dass spontan viele Jugendliche aus den unterschiedlichsten Gründen
wechseln wollen, was nicht nur organisatorische Schwierigkeiten verursacht, sondern auch für die
Arbeit der Jugendlichen nicht förderlich ist.
Der künstlerische Ansatz hat sich gut bewährt. Allgemein sollte darauf geachtet werden, dass die
Arbeitsweisen und ggf. Inhalte der Workshops sich deutlich vom Alltag der Jugendlichen
unterscheiden, um Interesse zu wecken und die Motivation zu steigern. Außerdem sollte ein Format
„To go“ gewählt werden, bei dem die Jugendlichen etwas produzieren, was sie selbst mitnehmen oder
zeigen können, damit sie die Ergebnisse ihrer Arbeit konkret erleben können.
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Ein weiteres wichtiges Element ist der Austausch zwischen den verschiedenen Workshops, was
ebenfalls durch die Herstellung eines Produktes erleichtert wird. Die Jugendlichen sollen einerseits
lernen ihre Arbeiten zu präsentieren, andererseits auch davon lernen, was in den anderen Workshops
erarbeitet wird. Eine gute Klammer war dabei in der zweiten Workshoprunde die gemeinsame
Erarbeitung eines Ausstellungskonzeptes und dessen praktische Umsetzung.
Abschlussveranstaltung
Eine Abschussveranstaltung fördert das zielgerichtete ergebnisorientierte Arbeiten in den Workshops
und den Austausch, die Teamarbeit zwischen den Jugendlichen verschiedener Workshops und sollte
deshalb fester Bestanteil der Workshop-Planung sein. Diese Veranstaltung kann (muss aber nicht)
öffentlich sein. Eine öffentliche Veranstaltung macht in erster Linie dann Sinn, wenn ein Projekt
öffentliche Aufmerksamkeit benötigt. Die Exponate der Jugendlichen können durchaus einen Standard
erreichen, mit dem öffentliche Veranstaltungen, z.B. eine Ausstellung möglich sind. Hierbei sollte auf
eine gute Vorbereitung geachtet werden und die in den Workshops erstellten Arbeiten sollten für sich
sprechen können, da es den Jugendlichen oft schwerfällt, ihre Arbeiten öffentlich zu präsentieren.
Aus Sicht der Jugendlichen ist eine öffentliche Präsentation nicht besonders wichtig, aber auch nicht
nachteilig. Einige Jugendliche zeigen sich motiviert und freuen sich auf solche Präsentation, andere
verspüren einen eher unangenehmen Druck und fühlen sich unwohl. Falls es zur öffentlichen
Präsentation kommt, sollte darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen Chancen zur persönlichen
Weiterentwicklung nutzen können. Jugendliche sollten aber auf jeden Fall vor einer Blamage geschützt
werden und nicht zur Öffentlichkeit gezwungen werden.
Gruppenarbeit
In der Regel benötigen die Jugendlichen eine deutliche Unterstützung und Leitung bei der Arbeit, so
dass Gruppenarbeit heißt, dass ein Betreuer die Gruppenleitung übernehmen muss. Die einzelnen
Workshops wurden in Gruppen mit 4-20 Lernenden durchgeführt, wobei sich gezeigt hat, dass 8-12
Jugendliche eine geeignete Größe sind. Innerhalb der Workshops können von den TeilnehmerInnen
oft unterschiedliche Aufgaben wahrgenommen werden, was das Setting vom klassischen Kursangebot
unterscheidet (z.B. nehmen die TeilnehmerInnen beim Filmworkshop die Rolle von Technikern,
Reportern, usw. ein). So ist eine Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen nötig und es kommt zur
Einübung wichtiger Schlüsselkompetenzen wie beispielsweise Teamarbeit, Planung, Kommunikation.
Hierbei ist oft die steuernde Hand des Workshopleiters nötig. Kleinere Aufgaben können aber auch
selbständig in Zweier- oder Dreierteams bewältigt werden. (z.B. Führen von Interviews, Schreiben
eines RAP-Textes usw.) Fazit: Es sollte darauf geachtet werden, dass der Workshopleiter Kontrolle über
die Gruppe hat, die Jugendlichen aber bspw. über unterschiedliche Aufgabenbereiche zur
Zusammenarbeit gezwungen werden. Außerdem sollten kleinere Elemente in eigenständige
Bearbeitung in Kleingruppen (2-3 TeilnehmerInnen) gegeben werden, um Eigenständigkeit und
selbstgesteuertes Arbeiten zu fördern. Hierbei sind klare Arbeitsaufträge und Bearbeitungszeiten zur
Abgabe / Präsentation der Ergebnisse nötig
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Arbeitszeit und Pausen
Die Erfahrungen der Workshops haben gezeigt, dass es den Jugendlichen schwerfällt, sich über einen
längeren Zeitraum auf eine Aufgabe zu konzentrieren, so dass regelmäßige Pausen eingeplant werden
müssen. Es ist zwar vernünftig, eine grobe Struktur zu planen und vorzugeben (z.B. alle 90 Min. eine
20-minütige Pause), allerdings ist es sehr wichtig, eine gewisse Flexibilität zu behalten. Zum einen sollte
der normale Arbeitsrhythmus der Jugendlichen berücksichtigt werden (welche Pausenregelungen
existieren hier?), zum anderen sollten individuelle Bedürfnisse, beispielsweise Raucherpausen und der
Ermüdungszustand berücksichtigt werden, da es bei den Jugendlichen sehr leicht zu
Stimmungsumschwüngen kommen kann, die die gesamte Gruppenarbeit deutlich erschweren können.
Auch die Gesamtarbeitszeit sollte sich zunächst an die sonstige Arbeitszeit der Jugendlichen anpassen
und alles darüber hinaus sollte freiwillig sein. Sobald die Jugendlichen das Gefühl haben, dass sie mehr
arbeiten müssen als normal, kann es trotz interessanter Projekte (die den Jugendlichen auch Spaß
machen) schnell zu einer grundlegend ablehnenden Haltung kommen.
Danksagung
Den Mitarbeitern der Dobeq und der Caritas Dortmund wird für die gute Zusammenarbeit und
vielfältige Unterstützung gedankt. Ein Dank gilt auf der :DASA Dortmund für die Bereitstellung der
Räumlichkeiten für die öffentliche Abschlussveranstaltung. Für die finanzielle Förderung gilt der Dank
dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01WJ1819A / 01WJ1819B).
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