ArticlePDF Available

Abstract and Figures

Making ist en vogue – medienpädagogische Projekte mit dem Fokus auf die kreative digitale Arbeit erhalten aktuell große Aufmerksamkeit. Doch was passiert eigentlich in einem Makerspace? Welche Werkzeuge kommen zum Einsatz? Was kann man sich unter Maker Education vorstellen? In diesem Beitrag werden zunächst Besonderheiten des Making genannt und Meilensteine der Maker-Bewegung skizziert. Darauf aufbauend werden Merkmale der Maker Education und deren Potenzial beschrieben.
Content may be subject to copyright.
Einreichung für die merz 2019 in überarbeiteter Version erschienen als: Sandra Schön und
Martin Ebner (2019). Making – eine Bewegung mit Potenzial. In: merz medien + erziehung.
Zeitschrift für Medienpädagogik, 63 Jg., Nr. 4, August 2019, S. 9-16. https://www.merz-
zeitschrift.de/
„Making eine Bewegung mit Potenzial“
Von Sandra Schön und Martin Ebner
1. Einleitung
Der Begriff des “Making” bzw. “Maker Movement” oder die “Maker Education” in all ihren
Varianten - zum Beispiel auch den “Makerspaces” oder den “Maker Faires” ist derzeit Thema
oder Bestandteil zahlreicher Modellprojekte und Untersuchungen - von der Schule bis zu den
Hochschulen, von den Unternehmen bis zur allgemeinen Erwachsenenbildung bzw.
bürgerschaftlichen Engagements. Dass es sich bei den englischen Begrifflichkeiten rund um das
“to make” um das (selber) machen dreht ist offensichtlich. Dass es dabei auch um digitale
Technologien gehen könnte, liegt nahe. So werden im deutschsprachigen ja häufig
englischsprachige Wörter im digitalen Kontext verwendet; so ist das “notebook” im
deutschsprachigen die übliche Bezeichnung für einen tragbaren Computer und eine “mail” eine
digitale Nachricht. “Selbermachen mit Hilfe digitaler Technologien” taugt tatsächlich als gute
Kurzbeschreibung für “making”: Anderson (2012) beschreibt es auf Englisch als “digital DIY” (DIY
steht dabei für “do it yourself”). Allerdings erklärt das noch nicht, was an diesem Selbermachen
besonders ist, welche (weiteren) Werthaltungen die soziale Bewegung der Maker eint und auch,
welche Differenzierungen vorzunehmen sind.
In diesem Beitrag wird einführend beschrieben, was Making und die Maker-Bewegung
kennzeichnet, und was insbesondere die Maker Education bzw. das Lernen in Makerspaces
ausmacht und skizziert darüber hinaus, welches Potenzial darin liegt.
2. Verständnis des Making und der Maker-Bewegung
2.1 Werkzeuge und Orte des Making
Zwar kommen beim Making auch traditionelle Werkzeuge, beispielsweise für die Holz- oder
Metallbearbeitung oder auch Elektronik zum Einsatz. Insbesondere neuere digitale Werkzeuge,
die zunehmend günstiger werden, gelten jedoch als Momentum der Maker-Bewegung. Zu diesen
Werkzeugen zählen zum Beispiel der 3D-Drucker und der Laser Cutter (siehe auch Abbildung 1,
folgende Beschreibung nach Schön/Ebner/Grandl 2019):
3D-Drucker: Ein 3D-Drucker produziert dreidimensionale Werke, wobei unterschiedliche
Verfahren zum Einsatz kommen können. Es werden so Schicht für Schicht Kunststoffe
aufgetragen, bis das Werk vollständig ist. Die Werke werden dabei am Computer als 3D-
Modelle erstellt oftmals unter Verwendung umfassender vorhandener Bibliotheken mit
bestehenden Objekten.
Laser Cutter (Laserschneidegerät): Mit dem Laserschneidegerät werden Formen und
Motive aus Werkstoffen „herausgebrannt“ zum Beispiel werden so dünnere
Schichtholzplatten geschnitten oder Acrylglasscheiben beschrieben.
Schneideplotter: Mit dem Schneideplotter werden Motive aus Klebefolien oder Papier
ausgeschnitten. Dabei werden mit üblichen Zeichenprogrammen die Bilder erstellt oder
bereits bestehende Bilder verwendet, die dann beispielsweise Bügelbilder für das T-Shirt,
Autobeschriftungen oder schmucke Geschenkkarten ergeben.
Computer und Internet: Modellieren, programmieren, recherchieren - der Einsatz von
Computern und Internet in Makerspaces ist vielfältig.
Für die und von den Selbermacher/innen wurden in den letzten Jahren auch zahlreiche
Hardware-Komponenten und Einplatinen-Computer entwickelt. So wurde im Jahr 2012 der
Raspberry Pi auf den Markt gebracht, ursprünglich um Kindern und Jugendlichen den Umgang
mit Computern und Programmierung kostengünstig und praxisnah zu ermöglichen. Seit Anfang
2018 zählt der Einplatinen-Computer zu den drei weltweit am häufigsten verkauften Computer
(T3N, 2017).
Abbildung 1: Werkzeuge in Makerspaces (Auswahl)
Diese Werkzeuge werden auch zunehmend in Büros oder Privathaushalten genutzt. In
Abhängigkeit von der Budgetlage und Zusammenarbeit der Makerspaces mit den Herstellern,
werden dort häufig auch aktuelle Modelle und Verfahren angeboten.
Zwar werden die Begriffe für Werkstätten mit digitalen Technologien nicht einheitlich verwendet,
die folgende Übersicht klärt über die (mögliche) Bedeutung unterschiedlicher Räume auf
(Schön/Ebner 2017b):
Makerspace ist die allgemeine Bezeichnung für Werkstätten einer Generation von
Selbermacher/innen, die auch, aber nicht nur, mit digitalen Technologien, Werkzeugen
und Produktionsweisen Produkte entwickeln und produzieren. „Makerspace“ hieß
ursprünglich auch die erste kommerziell betriebene Werkstatt bei der 3D-Drucker gemietet
und genutzt werden konnten (Hatch, 2013), der Begriff wird jedoch heute unserer
Erfahrung nach unabhängig vom Geschäftsmodell der Betreiber/innen genutzt.
Fablab ist die Abkürzung von „Fabrication Laboratory“ (auf deutsch „Fabrikationslabor“,
Gershenfeld, 2005). Nur Werkstätten, die den Prinzipien der Fab Charter folgen, werden
auf der Fablab-Liste aufgenommen. Zu den Prinzipien gehört z. B. dass die Öffentlichkeit
mindestens einmal wöchentlich freien Zugang zu den Werkzeugen und Räumlichkeiten
bekommt und dass es eben nicht nur darum geht einen 3D-Drucker zu besitzen, sondern
dass auch der freie, weltweite Austausch von Ideen unterstützt wird.
Hackerspace ist die Bezeichnung für Treffpunkte und Werkstätten für alle, die Open-
Source-Software entwickeln wollen, das heißt besonders gerne programmieren aber
das physische Gestalten, also das Arbeiten mit Hardware oder digitalen Werkzeugen
findet ebenso Raum. Der erste Hackerspace entstand in Berlin.
Offene Werkstatt ist die Bezeichnung für Räume, in denen die Öffentlichkeit Zugang zu
allerlei Werkzeugen und Materialien hat um diese für gemeinnützige, gemeinschaftliche
oder auch individuelle Projekte zu nutzen. Durch die einfachere bzw. günstigere
Verfügbarkeit von digitalen Technologien finden sich hier auch verstärkt digitale
Werkzeuge, beispielsweise 3D-Drucker, sind aber nicht Voraussetzung für eine offene
Werkstatt.
All diesen Formen von Makerspaces ist gemein (siehe Schön/Ebner/Grandl 2019), dass sie
digitale (und herkömmliche) Werkzeuge zur Verfügung stellen, dass die Arbeit am Produkt oder
Prototyp im Vordergrund steht, und dass die Einrichtung (zumindest in Teilen) offene Strukturen
pflegt, beispielsweise als Basis in Bezug auf Kooperation, Zielsetzung, Organisation, Austausch,
Teilnehmer/innen und Hierarchie. Hinsichtlich der Träger, der Finanzierung und der Zielsetzung
gibt es jedoch große Unterschiede.
Da sich etliche Makerspaces auf mehreren Listen - beispielsweise als eingetragenes Fablab oder
auch als offene Werkstatt - befinden, ist es schwierig, die aktuelle Zahl von Makerspaces zu
schätzen. Rosa et al. (2017) zählte Ende 2016 die Websites und Social-Media-Präsenzen von
Makerspaces und kommt so auf insgesamt 826 Makerspaces (397 FabLabs, 327 Hackerspaces
und 102 andere). Das EU-Projekt DOIT schätzt Ende 2018, dass es in der EU etwa 1.800
Makerspaces gibt, also öffentlich zugängliche Werkstätten, bei denen digitale Technologien zur
Verfügung stehen (Geser et al. 2018).
2.2 Die Maker-Bewegung als soziale Bewegung und ihr Manifesto
Making wird aus unternehmerisch-ökonomischer Perspektive als eine Revolution der industriellen
Fertigung gesehen (Anderson 2012), bei der neuartige Regeln gelten (Gershenfeld 2005; Hatch
2013). Andere wiederum sehen Making eher im Kontext der Chancen für das Lernen: In
Trendreports wird Making seit mehreren Jahren als wichtiger Trend für das Bildungswesen
aufgeführt (Johnson et al. 2015; Watters 2012).
Gerade auf den Treffen der Maker-Bewegung, den Maker Faires, zeigt sich die Vielfalt des
Making, das als soziale Bewegung bewertet wird (Walter-Hermann, 2013). Wie für andere soziale
Bewegungen bedeutet dies jedoch nicht, dass sich alle als Teil einer einheitlichen Bewegung
sehen oder es keine, auch größeren, Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Interessen
und Bewegungen gibt: Das Spektrum von gemeinwesenorientierten Repair-Cafés über den
künstlerischen Co-Working-Space, den Hackerspaces bis zur Start-Up-orientierten
Nachwuchsschmiede ist dabei nämlich breit und variantenreich.
Vermutlich stimmt auch nicht jede/r der Aktiven vollständig mit dem sog. “Maker Manifesto”
überein, wie es Hatch (2013) formuliert hat. Die von ihm formulierten Prinzipien beschreiben aber
aus unserer Sicht dennoch gut, was den Kern und Gemeinsamkeiten der Bewegung ausmacht,
wir nennen hier nur die Überschriften: „make, share, give, learn, tool up, play, participate, support“
und „change“. Betont werden im Manifesto also das konkrete Tun, das Teilen, der offene
Austausch und das Lernen, der spielerische Zugang, Unterstützung und der Wille, etwas und sich
selbst zu ändern - die Prinzipien für Maker.
2.3 Ursprünge und Meilensteine der Maker-Bewegung
Wo die Ursprünge der Maker-Bewegung liegen, ist nicht eindeutig feststellbar. Das liegt auch
daran, dass es sich beim Selbermachen um einen globalen Trend handelt, der weltweit
vorzufinden ist.
Wenn wir nun im Folgenden, unter anderem basierend auf Bergner (2018, siehe Abbildung 2),
US-amerikanische Meilensteine nennen, sind diese v. a. im Hinblick der Namensgebung
“Make/Making” von Interesse. Neil Gershenfeld, Professor am Massachusetts Institute of
Technology hat im Jahr 1998 zum ersten Mal den Kurs “How to make (nearly) everything”
angeboten und im Jahr 2002 das erste FabLab eröffnet, in dem digitale Werkzeuge für die
Studierenden und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurden. 2006 wurde die erste Messe
der neuen Generation der Selbermacher/innen in den USA durchgeführt: die “Maker Faire”. Im
gleichen Jahr wurde der erste TechShop gegründet, das heißt ein privatwirtschaftlich-
gewinnorientierter Makerspace. 2014 erreicht die Maker-Bewegung einen vorläufigen Höhepunkt
mit der ersten Durchführung einer Maker Faire im Weißen Haus - während der Präsidentschaft
von Barack Obama.
Deutlich wird im Vergleich mit Meilensteinen (Abbildung 2) der Maker-Bewegung im
deutschsprachigen Raum, dass hier durchaus ähnliche Entwicklungen - auch zeitlich früher -
vorzufinden sind (siehe Bergner 2018): Schon 1987 wird in München das “Haus der Eigenarbeit”
gegründet, das konzeptionell - wenn auch nicht nur auf digitale Technologien bezogen - die Idee
der offenen Werkstatt beispielhaft umgesetzt hat. 1995 gründet sich in Berlin einer, wenn nicht
der erste Hackerspace überhaupt. 2008 wird vermutlich mit dem Happylab in Wien der erste
Makerspace im deutschsprachigen Europa eröffnet, welcher 3D-Drucker und Laser Cutter auf
Basis bzw. mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen und Nutzungsgebühren der Öffentlichkeit zugänglich
machen will. Im Jahr 2013 werden dann die ersten Messen im deutschsprachigen Europa
durchgeführt: In Hannover eine “Maker Faire”, in Bayern die “Make Munich”.
Abbildung 2: Meilensteine der Maker-Bewegung in den USA und im deutschsprachigen Europa.
Quelle: Nach Angaben u.a. aus Bergner 2018, S. 16f, eigene Ergänzungen und Darstellung.
Da wir hier ausschließlich auf USA und das deutschsprachige Europa eingegangen sind, muss
noch einmal betont werden: Bei der Maker-Bewegung und der Idee der Makerspaces und offenen
Werkstätten handelt es sich um eine globale Entwicklung. So unterstützt auch der russische
Präsident Putin den Aufbau von Makerspaces, in China gab es im Jahr 2015 schon rund 100
Makerspaces (siehe Bergner 2018, S. 17, verweist auf Kingsley & Saunders 2016).
3. Maker Education
Maker Education oder auch “Fab Learning” sind Bezeichnungen für die Didaktik und Methodik
des Lernens in Makerspaces, insbesondere bei der Arbeit von Kindern und Jugendlichen und ihre
Ausbildung zu (zukünftigen) Selbermacher/innen.
3.1 Lerntheoretische und reformpädagogische Bezüge
In der Regel wird bei der Frage nach den lerntheoretischen Bezügen der Maker Education auf
den sog. „Konstruktionismus“ des 2016 verstorbenen Seymour Papert verwiesen. Paperts Ansatz
beruht dabei auf dem Konstruktivismus, demzufolge Wissen und Handeln sich selbstorganisiert
entwickelt (Paperts Doktorvater war der Schweizer Kognitionspsychologe Jean Piaget). Papert
betont im „Konstruktionismus“ das „Lernen durch Machen“. Er sieht so das konkrete, kreative
Konstruieren von Produkten mit (digitalen) Werkzeugen als bedeutsam für das Lernen von
Kindern, die dem Kindergartenalter entwachsen sind (Papert/Harel 1991).
Das Paperts Konstruktionismus häufig im Kontext der Maker Education referiert wird, ist auch
seiner maßgeblichen und wichtigen Rolle für zahlreiche Maker-Education-Tools geschuldet:
Papert hat unter anderem die Programmiersprache Logo und Lego Mindstorms initiiert und wohl
als Senior am Massachusetts Institute of Technology Media Lab auch die Entwicklungen der
Programmierumgebung Scratch oder des MaKey-MaKey-Kit (zur einfachen Erstellung von
neuartigen Benutzerschnittstellen) angestoßen.
Vorläufer seines Ansatzes lassen sich insbesondere in der Reformpädagogik finden (vgl.
Schelhowe, 2013, die folgenden Angaben lassen sich u. a. In Wikipedia-Einträgen nachlesen).
Beispielsweise betont der amerikanische Pädagoge John Dewey (1859-1952), die
Bedeutsamkeit des Erfahrungslernen, des “learning by doing” zum Beispiel bei der Pflege eines
Schulgartens. Schon 150 Jahre früher betonte der Schweizer Johann Heinrich Pestalozzi (1746
-1827) mit seinem Leitspruch „Herz, Hirn und Hand“ ebenso die Bedeutung des Lernens durch
manuelle bzw. ganzheitliche Tätigkeit. Beim Ansatz von Maria Montessori (1870-1952) spielen
auf den ersten Blick vor allem vorgefertigte Produkte, die “Entwicklungsmaterialien” eine Rolle
und dienen dem (doppeldeutig zu verstehendem) „Begreifen“ (Montessori, 1912). Das von ihr
propagierte Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun“ sowie der individuelle Zugang mit wenig Unterricht
im Klassenverband unterstützt gleichzeitig die Projektarbeit der Schüler/innen in Montessori-
Schulen. So überrascht es nicht, dass insbesondere Schulen, die nach den reformpädagogischen
Konzept nach Montessori arbeiten, auffallend aktiv im Bereich der Maker Education sind. Der
erste Makerspace an einer deutschen Schule wurde so in 2016/2017 an der Montessori-
orientierten Freien Schule in Wülfrath gebaut (Wunderlich, 2016).
3.2 Pädagogisch-didaktische Besonderheiten der Maker Education
Doch was sind die Kennzeichen, die pädagogisch-didaktischen Besonderheiten der Maker
Education? Hier spiegeln und wiederholen sich Aspekte, die schon als Grundverständnis des
Maker-Bewegung genannt wurden und ergänzen sich durch daraus abgeleitete Besonderheiten
im Vergleich zum schulischen Lernen (siehe Abbildung 3). Beim Making wie der Maker Education
werden (digitale) Werkzeuge genutzt und liegt der Fokus auf einem konkreten (auch digitalem)
Produkt (oder auch Prototyp), die Teilnehmer/innen sind die Handelnden. Maker Education ist
dabei interdisziplinär, das heißt die kreative Arbeit an konkreten Problemen und Projekten macht
es häufig notwendig, Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen zu kombinieren. Gerade im
europäischen Raum spielen Nachhaltigkeit und soziale Teilhabe nicht nur im Making, sondern
auch in der Maker Education eine Rolle, auch wenn es nicht für jedes Vorhaben zentral ist.
Pädagogisch-didaktisch lässt sich aus dem Makerspace als Lernsetting für Kinder und
Jugendliche ableiten, dass die Arbeit und das Lernen offen gestaltet ist, das heißt, dass die Kinder
Freiräume haben: unter anderem bei der Zielsetzung, bei der Wahl ihrer Werkzeuge, der
Arbeitsorganisation, den Arbeitsweisen und der Umsetzung. Selten wird hierbei im schulischen
Kontext reine Freiarbeit ermöglicht, dennoch gibt es in der Maker Education vergleichsweise
große Spielräume für kreatives Arbeiten und offenes Lernen. Wenn es diese Freiräume gar nicht
gibt - zum Beispiel weil alle Kinder und Jugendliche das gleiche “basteln”, auch unter
Zuhilfenahme von digitalen Werkzeugen - kann das nicht als Maker Education bezeichnet
werden. Dennoch können solche Episoden auch im Rahmen eines größeren Maker-Education-
Angebots enthalten sein, beispielsweise wenn anhand einer einfachen LED-Taschenlampe
Prinzipien des Schaltkreises erörtert werden, weil dies für die weitere (Frei-) Arbeit hilfreich sein
könnte.
Gerade im schulischen Kontext - in der außerschulischen Arbeit ist man mit dem Arbeiten auf
Augenhöhe eher vertraut - ist die Rolle der Erwachsenen bei der Maker Education häufig
herausfordernd: Erwachsene sollen als Ko-Designer/innen und Tutor/innen agieren, und nicht als
traditionelle Lehrende, das heißt Wissensvermittelnde. Auch für Kinder, die mit der Arbeit in einem
offenen Setting nicht vertraut sind, stellt die Offenheit der Strukturen und die veränderte Rolle der
Erwachsenen eine Herausforderung dar.
Abbildung 3: Merkmale der Maker Education. Quelle: Abbildung aus Schön et al. (2019, im Druck)
nach Schön, Boy et al., 2016 S. 9.
Methodisch-didaktisch kommen in den Makerspaces bei der Arbeit mit Kindern unterschiedliche
Verfahren zum Einsatz, die auch von den involvierten Fachdisziplinen beeinflusst sind. Vielfach
werden so aktuell neben schuldidaktischen Methoden auch andere Methoden eingesetzt,
beispielsweise Design-Thinking-Methoden oder auch Ansätze aus der Entrepreneurship
Education oder der sozialen Innovation adaptiert (Schön/Jagrikova/Voigt 2018) oder vielleich
auch Methoden aus der Open-Source-Entwicklung (Hackathons für Jugendliche, siehe
Reimer/Seitz/Glaser 2016).
Dass Maker Education auch stark mit der jeweiligen Kultur verbunden ist, und die Aktivitäten in
den USA nicht zwangsläufig und in jedem Detail übertragbar sind, zeigt folgendes Beispiel: In der
US-amerikanischen Veröffentlichung “Making Makers. Kids, Tools, and the Future of Innovation”
auch die Jagd, das Töten und Zubereiten eines Tieres zum Making bzw. zur Erziehung einer/s
jungen Makerin/s gezählt und exemplarisch ein (soweit man das im Schwarz-Weiß-Druck so
interpretieren kann) blutverschmiertes Mädchen, etwa 6 Jahre alt, mit einer erschossenen Ente
gezeigt (S. 42).
Aus unserer Sicht erscheint es wahrscheinlich, dass die Maker Education in Europa
unterschiedliche Settings - beispielsweise beeinflusst durch Schulsysteme,
Nachmittagsbetreuung, spezifische Bräuche, Bedürfnisse und Werthaltungen - durch
unterschiedliche regionale Facetten und Besonderheiten bergen kann.
4. Erwartungen an und Potenziale der Maker Education
Unterschiedliche Perspektiven und Disziplinen beschäftigen sich und fördern Maker Education.
Dabei haben sie unterschiedliche Erwartungen an das Lernergebnis bei den Kindern und
Jugendlichen und finden auch unterschiedliche Eigenheiten attraktiv. Tabelle 1 zeigt
exemplarisch auf, wie die lerntheoretische Perspektive (Konstruktionismus), die
handlungsorientierte Medienpädagogik, die informatische Bildung, die Erziehung zum
zivilgesellschaftlichen und unternehmerischen Engagement sowie der Werkunterricht Maker
Education betrachten.
Tabelle 1: Erwartungen an und attraktive Merkmale des Making mit Kindern aus ausgewählten
Perspektiven. Quelle: Zusammenfassung der Ausführungen in Schön et al. 2019.
Perspektive
Erwartung an Lernergebnis
Besonders attraktive Merkmale
Konstruktionismus
Lernerfolg durch “Learning by
doing/making”
Das manuelle bzw. konkrete kreative
Arbeiten und Konstruieren ohne
Lösungsschema
Handlungsorientierte
Medienpädagogik
Medienkompetenz
Handlungsperformanz und kritische
Reflexion
Explorativer Zugang an Technologien
und Methoden, zum Beispiel Open
Data, Künstliche Intelligenz.
Informatische
Bildung
Weckung des Interesses an
informatischen Aufgaben,
Vermittlung von Grundlagen der
Programmierung und technischer
Zusammenhänge
Praktische Anwendung und
Erprobung informatischen Wissens.
Mit Making können u. a. Mädchen
erreicht werden, die sonst häufig
unterrepräsentiert sind.
Erziehung zum
zivilgesellschaftlichen
und
unternehmerischen
Engagement
Stärkung der Identifikation und
Problemlösung sozialer
Herausforderungen und Probleme,
frühes unternehmerisches Denken
und Handeln
Stärkung bürgerschaftlichen
Engagements und Mitgestaltung in
konkreten Problemlagen in
praktischen Projekten, zum Beispiel
Upcycling-Workshops.
Werkunterricht
Umgang mit (neuen) Werkzeugen
und Technologien
Einbindung aktueller Werkzeuge, das
heißt neuer Technologien,
beispielsweise dem Laser Cutter.
Diese Liste ließe sich auch durch die Perspektive weiterer Gesellschaftsgruppen erweitern: So
wünschen sich Arbeitgeber/innen und Betriebe zunehmend MINT-Fachpersonal, Nachwuchs mit
kreativen und IT-Kompetenzen. Die Strategien der europäischen Union zielen verstärkt auf
unternehmerisch denkenden Nachwuchs ab. Medienpädagogische Fachleute betonen, dass
Medienkompetenz auch den kritischen Umgang mit neuen digitalen Technologien umfassen
muss (vgl. Schön/Ebner/Kumar 2013, Zorn et al. 2013, Schön/Boy et al. 2016). Es ist schon fast
ein wenig unheimlich, in welcher Geschwindigkeit Making und die Maker Education in den letzten
Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Es ist daher sicher sinnvoll darauf zu achten, ob das
was unter der Bezeichnung Maker Education angeboten wird, tatsächlich auch die beschriebenen
Grundsätze verfolgt.
Aus unserer Sicht liegt aber an diesem großen Interesse an Making auch große Chancen und
Potential:
Mit der Euphorie und Aufmerksamkeit an der Maker Education verbinden wir insbesondere die
Hoffnung, dass sie an den Schulen eine Öffnung, auch im Sinne von Open Innovation, ermöglicht
- um offenes Lernen, die Nutzung aktueller digitaler Technologien erreichbar zu machen und auch
um Lernkooperationen mit schulexternen Akteuren der Zivilgesellschaft zu fördern.
Gesellschaftlich erleben wir das Making als Potential zur Selbstermächtigung von Vielen, denen
sonst Ressourcen und Räume fehlen - und letztlich den Raum für neue Initiativen, Bewegungen,
Service- und Produktinnovation. Die Einführung von Makerspaces und Maker Education an
Schulen und anderen Einrichtungen - auch in der Erwachsenenbildung oder im
Unternehmenskontext - ist auch ein mögliches Einfallstor für soziale Innovationen.
Als Unterstützer/innen der Bewegung zu freiem Bildungszugang und offenen Bildungsressourcen
sind aus unserer Sicht auch der offene Austausch, selbstorganisierte und kollaborative Nutzung
des Internets und der zahlreichen Open-Source- und Open-Content-Angebote eine wichtige
Basis. Das Maker Movement lebt hier vor, was wir uns für den gesamten Bildungsbereich
wünschen.
Schließlich birgt die Maker-Bewegung als kompetenz-, das heißt auch wertorientierte Bewegung,
die sich selbstbewusst und kritisch der neuesten Technologien ermächtigt und versucht, diese
der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und nutzbar zu machen, nicht zuletzt in unzähligen
Angeboten für den Bildungsbereich, auch das Potential, die notwendigen Zielsetzungen unserer
Erziehungs- und Bildungsbemühungen für die nächste Generation tatsächlich zu erreichen. Denn
hier gilt weiterhin mit John Dewey (in einem Radiointerview im Jahr 1940, siehe Flanagan, 1994):
“The world is moving at a tremendous rate. No one knows where. We must prepare our children
not for the world of the past, not for our world, but for their world the world of the future.”
Literatur
Anderson, Chris (2012). Makers: The New Industrial Revolution. Crown Business, 2012.
Bergner, Anne (2018). Make – Design Innovate. Das Potential des Maker-Movements für
Innovation, Kreativwirtschaft und Unternehmen. Coburg: Hochschule Coburg.
Flanagan, Frank M. (1994). John Dewey. The great educators’ first series. [Radio Broadcast]
URL: http://www.youtube.com/watch?v=opXKmwg8VQM
Gershenfeld, Neil (2005). Fab, The Coming Revolution on Your Desktop From Personal
Computers to Personal Fabrication. Basic Books, 2005.
Hatch, Mark (2013). The Maker Movement Manifesto: Rules for Innovation in the New World of
Crafters, Hackers, and Tinkerers. Mcgraw-Hill 2013.
Johnson, Larry/ Becker, Samantha/ Estrada, S./ Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report:
2015 Higher Education Edition. Deutsche Ausgabe. Übersetzung: H. Bechmann, Multimedia
Kontor Hamburg. Austin, Texas: The New Media Consortium, 2015, URL:
https://www.mmkh.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/2015-nmc-horizon-report-HE-
DE.pdf
Kingsley, Jeremy/ Saunders, Tom (2016). Made in China. Makerspaces and the search for
mass innovation. NESTA. https://www.nesta.org.uk/report/made-in-china-makerspaces-and-
the-search-for-mass-innovation/
Montessori/Maria (1912). The Montessori method. New York: Frederick Stokes.
Papert, Seymour/Harel, Idit (1991). Preface, Situating Constructionism, In: Harel, Idit/ Papert,
Seymour (Eds.). Constructionism, Research reports and essays, 1985-1990 (p. 1). Ablex:
Norwood NJ 1991.
Reimer, Maria/ Seitz, Daniel/Glaser, Paula (2016). Handbuch Jugend-Hackathons. Open
Knowledge Foundation und Mediale Pfade e.V. 2016, URL:
https://jugendhackt.github.io/Handbuch-Jugend-
Hackathons/appendix/00%20Hanbuch_Jugend-Hackathons.pdf
Rosa, Paulo/ Ferretti, Federico/ Guimarães Pereira, Angela/ Panella, Francesco/ Wanner,
Maximilian (2017). Overview of the Maker Movement in the European Union. European Joint
Research Centre, November 2017. Luxembourg: Publications Office of the European Union.
URL: http://dx.doi.org/10.2760/227356
Geser, Guntram/ Hornung-Prähauser, Veronika/ Jasiunskaite, Gintare/ Simulyte, Simona (2018).
Dissemination and Exploitation Report, deliverable (7.3) of the Horizon 2020 project DOIT,
EC grant agreement no 770063, Salzburg, Austria: Salzburg Research.
Schelhowe, Heidi (2013). Digital Realities, Physical Action and Deep Learning. In: Walter-
Herrmann, J. & Büching, C. (Hrsg.), FabLab. Of machines, makers and inventors. Bielefeld:
transcript 2013, S. 93-103.
Schön, Sandra/Boy, Henrike/ Brombach, Guido/ Ebner, Martin/ Kleeberger, Julia, Narr, Kristin/
Rösch, Eike/ Schreiber, Björn/ Zorn, Isabel (2016, Hrsg.). Making-Aktivitäten mit Kindern und
Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten. Gedruckt: ISBN 978-373-923-65-
82, Norderstedt: Book on Demand, Online: via http://bit.do/handbuch, S. 8-24.
Schön, Sandra/ Ebner, Martin (2017a): Maker-Bewegung macht Schule: Hintergründe, Beispiele
sowie erste Erfahrungen. In: Handbuch Kompetenzentwicklung im Netz. Erpenbeck, J.,
Sauter, W. (Hrsg.). Schäffer-Poeschel Verlag. Stuttgart, 2017, S. 257-270.
Schön, Sandra/ Ebner, Martin (2017b). Von Makerspaces und FabLabs – Das kreative digitale
Selbermachen und Gestalten mit 3D-Druck & Co. In K. Wilbers & A. Hohenstein (Hrsg.),
Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis Strategien,
Instrumente, Fallstudien. 70. Erg. Lieferung (August 2017). 4.60. S. 1-18.
Schön, Sandra/Ebner, Martin/Grandl, Maria (2019). Makerspaces als Kreativ- und Lernräume.
Werkstätten mit digitalen Werkzeugen aus Perspektive der Erwachsenenbildung. In: Magazin
erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. Ausgabe
35/36, 2019. Wien. URL: http://www.erwachsenenbildung.at/magazin/19-35u36/meb19-
35u36.pdf, Druck-Version: Books on Demand GmbH: Norderstedt.
Schön, Sandra/ Ebner, Martin/ Narr, Kristin (2016, Hrsg.). Making-Aktivitäten mit Kindern und
Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten. Norderstedt: Book on Demand,
URL: http://bit.do/handbuch
Schön, Sandra/ Ebner, Martin/ Kumar, Swapna (2014). The Maker Movement. Implications of
new digital gadgets, fabrication tools and spaces for creative learning and teaching, in:
eLearning Papers, 39, July 2014, pp.14−25., URL:
http://www.openeducationeuropa.eu/en/article/Learning-in-cyber-physical-worlds_In-
depth_39_2?paper=145315 //
https://www.researchgate.net/publication/263655746_The_Maker_Movement_Implications_
of_new_digital_gadgets_fabrication_tools_and_spaces_for_creative_learning_and_teaching
Schön, Sandra/ Ebner, Martin/ Reip, Ingrid (2016). Kreative digitale Arbeit mit Kindern in einer
viertägigen offenen Werkstatt. Medienimpulse, 2016(1), URL:
http://www.medienimpulse.at/articles/view/829 (2016-04-15)
Schön/Sandra, Jagrikova/Radovana, Voigt/Christian (2018). Social innovations within
makerspace settings for early entrepreneurial education – The DOIT project. In T. Bastiaens,
J. Van Braak, M. Brown, L. Cantoni, M. Castro, R. Christensen, G. Davidson-Shivers, K.
DePryck, M. Ebner, M. Fominykh, C. Fulford, S. Hatzipanagos, G. Knezek, K. Kreijns, G.
Marks, E. Sointu, E. Korsgaard Sorensen, J. Viteli, J. Voogt, P. Weber, E. Weippl & O.
Zawacki-Richter (Eds.), Proceedings of EdMedia: World Conference on Educational Media
and Technology (pp. 1716-1725), retrieval date, from
https://www.learntechlib.org/primary/p/184401/. Preliminary version: https://www.doit-
europe.net/wp-content/uploads/DOIT-EdMedia-DOIT-project-preliminary-version.pdf
Schön, Sandra/ Hornung-Prähauser, Veronika/ Schedifka, Patricia/ Alsleben, Markus (2017).
Innovation durch Exploration. Innovationsanstöße zum Internet der Dinge (Internet of Things,
IoT) durch offenes Explorieren und Experimentieren in Technologielaboren, Kreativ- und
Innovationsräumen. Band 6 der Reihe „InnovationLab Arbeitsberichte“, herausgegeben vom
Forschungsbereich InnovationLab der Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH,
Salzburg, ISBN 9783744894029. URL:
https://www.researchgate.net/publication/320880156_Innovation_durch_Exploration_Innova
tionsanstosse_zum_Internet_der_Dinge_Internet_of_Things_IoT_durch_offenes_Exploriere
n_und_Experimentieren_in_Technologielaboren_Kreativ-und_Innovationsraumen
Schön, Sandra/ Narr, Kristin/ Grandl, Maria/ Ebner, Martin (2019, i.D.). Making mit Kindern
und Jugendlichen Einführung und ausgewählte Perspektiven. In: Ingold, Selina/ Maurer,
Björn/ Trüby, Daniel (Hrsg.): Chance MakerSpace - Making trifft Schule. München: kopaed
2019.
T3N (2017). Ranking der meistverkauften Computer: Raspberry Pi überholt C64. Beitrag von
Jörn Brien vom 20.3.2017, https://t3n.de/news/computer-raspberry-pi-c64-806761/
Thomas/Ann Marie (2014). Making Makers. Kids, Tools, and the Future of Innovation.
O’Reilly.
Walter-Hermann, Julia.: Fablabs – A global social movement? In: Walter-Herrmann, Julia/
Büching, Corinna (Hrsg.), Fablab of machines, makers and inventors, transcript: 2013, S. 34-
43.
Watters, Audrey (2012). Top Ed-Tech Trends of 2012: The Maker Movement. Post at
Hackeducation.com, 2012. URL: hackeducation.com/2012/11/21/top-ed-tech-trends-of-2012-
maker-movement
Wunderlich, Mathias (2016). Ein Makerspace an einer Schule. In: Sandra Schön, Martin Ebner &
Kristin Narr (Hrsg.), Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum
kreativen digitalen Gestalten. Norderstedt: Book on Demand 2016, URL:
http://bit.do/handbuch, S. 47-53.
Zorn, Isabel/ Trappe, Christoph/ Stöckelmayr, Kerstin/ Kohn, Tanja / Derndorfer, Christoph (2013)
Interessen und Kompetenzen fördern. Programmieren und kreatives Konstruieren. In M.
Ebner & S. Schön (Hrsg.), Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T) 2013,
URL: https://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/142
Book
Full-text available
Was passiert, wenn Jugendliche, die eine städtische Haupt- bzw. Mittelschule besuchen, im Zuge eines mehrwöchigen kultur- und medienpädagogischen Workshops mit avantgardistischen künstlerischen Ausdrucksformen konfrontiert werden? Wie an der hier präsentierten empirischen Studie ersichtlich, kann die Bandbreite ihrer Reaktionen von absoluter Ablehnung bis hin zur faszinierten Mitwirkung an einem solchen Projekt reichen. Letzteres zeigt einerseits, dass es möglich ist, im Verlauf derartiger Vorhaben ‚kreative Kollisionen‘ auszulösen, aus denen – gerade in Folge der Begegnung mit dem Fremden – lustvolle (Differenz-)Erfahrungen resultieren. Andererseits lässt das einige Axiome, die sowohl die praktische Arbeit im Feld der Kulturellen Medienbildung als auch ihre theoretischen Fundierungen derzeit prägen, kritisch hinterfragen – und hier nicht zuletzt die Orientierung an den ‚intrinsischen‘ Interessen von Jugendlichen, die sozioökonomischen Diskriminierungen ausgesetzt sind, zum Zwecke ihres (vermeintlichen) Empowerments. Im vorliegenden ERSTEN BAND werden zunächst die theoretischen Hintergründe der Untersuchung beleuchtet. Im Zuge dessen erfolgt eine Schwerpunktsetzung auf Diskurse zu soziologischen, pädagogischen sowie ästhetischen Aspekten, die an den Schnittstellen von Kultureller Bildung und Medienpädagogik von herausragender Bedeutung sind. Danach findet die Präsentation der methodologischen Verortung und der Forschungszugänge der Studie statt, wobei der Fokus auf Ansätzen der Praxisforschung und des Design-Based Research liegt. Sowohl im Hinblick auf die Theorie als auch die Methoden dient der Pragmatismus als eine Klammer, die die vielfältigen behandelten Inhalte aneinander bindet.
Book
Full-text available
In diesem Beitrag beschreiben wir zunächst einführend die Hintergründe und didaktischen Prinzipien der Maker Education und ausgewählte Werkzeuge. Im weiteren Text geben wir einen Überblick auf methodisch-didaktische Varianten in Bezug auf die Berücksichtigung der individuellen Interessen, der Umsetzung des Lernens von und mit anderen sowie Varianten in der Aufgabenstellung. Der Beitrag schließt mit Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von Maker Education in der Schule.
Chapter
Full-text available
Erschienen und frei zugänglich unter: Sandra Schön und Ebner, Martin (2020). Ziele von Makerspaces. Didaktische Perspektiven. In: Viktoria Heinzel, Tobias Seidl & Richard Stang (Hrsg.), Lernwelt Makerspace, Grundlagen, Konzepte und Perspektiven, Berlin: DeGruyter. S. 33-47. Open-Access Version URL: https://www.degruyter.com/view/book/9783110665994/10.1515/9783110665994-004.xml
Chapter
Full-text available
Das kreative digitale Gestalten mit Kindern sowie die Maker-Education sind im deutschsprachigen Europa angekommen. Inzwischen gibt es immer häufiger MakerSpaces, die auch Kinder sowie Lehrer*innen und außerschulische Pädagog*innen, die für und mit Kindern Making-Aktivitäten ausführen, zu ihrer Zielgruppe rechnen. In diesem Beitrag werden Kennzeichen und Prinzipien der Maker-Education aufgezeigt, und es wird dargelegt, wie Making-Aktivitäten aus unterschiedlichen ausgewählten Perspektiven Anklang finden. Abschließend wirft der Beitrag einen kurzen Blick auf aktuelle Entwicklungen.
Technical Report
Full-text available
Over the last decade, we witnessed an unprecedented booming of communities engaged in do-it-yourself (DIY) activities worldwide. FabLabs, Hackerspaces and Makerspaces can be seen as the physical representations of the maker movement. These unique spaces seek to provide communities, businesses and entrepreneurs the infrastructures and manufacturing equipment indispensable to turn their ideas and concepts into reality. The objective of this study is to assess and quantify the range of the maker movement across Europe, investigating the distribution and activity of FabLabs, Hackerspaces and Makerspaces as the physical spaces where the phenomenon takes place. Also, we explore tools and techniques employed within the spaces as well as community strategies with an aim to uncover the socio-technical and socio-economic impact of the initiatives.
Book
Full-text available
Innovationsentwicklung und -management haben in den letzten Jahren mit den Innovations- und Kreativräumen viele neue Impulse bekommen. Solche Räume erlauben kreativ über mögliche Innovationen nachzudenken und konkret daran zu arbeiten. Auch das Internet der Dinge (engl. Internet of Things, kurz IoT) mit seinen neuen Technologien, z. B. Sensoren, Beacons, Smartphone-Applikationen, birgt zahlreiche Innovationen und Innovationschancen. Da lohnt es sich genauer hinzusehen, wie Innovationsräume und die dort eingesetzten Formate und Werkzeuge dazu beitragen, IoT-Innovationen zu entwickeln. In diesem sechsten Band der Reihe „InnovationLab Arbeitsberichte“ der Salzburg Research Forschungsgesellschaft werden die Ergebnisse von Recherchen über, Besuchen bei und Interviews mit Verantwortlichen über IoT-Labore und Kreativräume, Fablabs, Makerspaces und Hackathons zusammengetragen. Exploration, also das konkrete Erkunden und Ausprobieren der IoT-Technologie erscheint dabei als wesentliche Prinzip aller Aktivitäten: Die Kernidee liegt darin, das Internet der Dinge und seine Werkzeuge selbst in Hand zu nehmen, um neuartige Ideen und Lösungen zu entwickeln. Der Band beruht auf zwei Projekten der Salzburg ResearchForschungsgesellschaft m.b.H. „EgoLab“, das Vorgehensweisen und Werkzeuge zur Entwicklung von IoT-Ideen und Lösungen in Kreativräumen recherchierte. Zudem wurden Ergebnisse aus Interviews und Vor-Ort-Besuche aus dem Interreg-Projekt „Labs.4.SME“, Förderkennzeichen ITAT 1008; Programm: Interreg Italia-Österreich, gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020.
Article
Full-text available
Die Maker-Bewegung der Selbermacher/innen die (auch) mit digitalen Werkzeugen arbeiten, hat in den letzten Jahren zunehmend die Aufmerksamkeit von Bildungsverantwortlichen aus allen Bildungssektoren gewonnen. Die kreative Arbeit mit 3D-Drucker, Schneideplotter oder elektronischen Bauteilen findet in sog. Makerspaces oder FabLabs (kurz für "Fabrication Laboratories") oder auch in offenen Werkstätten statt, die ihre traditionellen Werkzeuge erweitert haben. Maker-Werkstätten und-Aktivitäten gibt es nun auch in vielen Schulen und Freizeiteinrichtungen, sie werden häufig als "Maker Education" bezeichnet. Auch in anderen Bildungssektoren gibt es Making-Aktivitäten und Makerspaces mit Lern-oder Bildungsabsicht: So haben einige Hochschulen FabLabs und Makerspaces gegründet. Makerspaces werden auch von gemeinnützigen Vereinen, Unternehmen, Volkshochschulen und Bibliotheken betrieben.
Chapter
Full-text available
Während offene Werkstätten eine lange Tradition in der Kinder- und Erwachsenenpädagogik haben, hat sich mit der Verbreitung von digitalen Technologien wie dem Laser Cutter, dem 3D-Drucker oder auch Schneideplotter eine neue Variante dazugesellt: Selbermacher/innen, die diese Geräte günstig mieten bzw. auch kostenlos in Anspruch nehmen wollen, nutzen die sog. Makerspaces und Fablabs. -Dies sind zwei der Bezeichnungen für Treffpunkte einer Generation von Selbermacher/innen, die auch, aber nicht nur, mit digitalen Technologien, Werkzeugen und Produktionsweisen Produkte entwickeln und produzieren. Auch in den Schulen sowie der Kinder- und Jugendarbeit findet die sog. “Maker-Bewegung” ihren Niederschlag. Mit Kindern werden Spiele und andere Apps programmiert, Modelle für den 3D-Drucker modelliert, Roboter gelötet oder am Schneidplotter beflockte Folien für T-Shirt-Applikationen ausgeschnitten.
Chapter
Full-text available
http://l3t.eu/homepage/das-buch/ebook-2013/kapitel/lesen/o/id/142 Der Beitrag bietet einen einführenden Überblick über Methoden, die technologisches Grundwissen vermitteln helfen, wie z.B. Robotik für Kinder. Diese Tätigkeiten bieten insbesondere für das projektorientierte kreative Lernen und die Heranführung an naturwissenschaftlich-technische Denkweisen großes Potenzial. Lernangebote werden für unterschiedliche Einsatzszenarien beschrieben, wie z.B. in der Schule, in der Freizeit, in der Sozialarbeit und in Ferienworkshops. Der Beitrag vermittelt einen groben Überblick über die Möglichkeiten der Entwicklung von Technologiekenntissen und beleuchtet die Relevanz des Lernens über (digitale) Technologien. Wer in die Planung ähnlicher Projekte einsteigen möchte, findet Ansprechpartner/innen und Unterstützungsstellen. Der Beitrag wird abgerundet mit Verweisen auf frei erhältliche Anleitungen, Hinweisen für die Gestaltung von Lerneinheiten und einer beispielhaften Auflistung benötigter Materialien und Kosten.
Article
Full-text available
This paper introduces several diverse terms (from FabLabs to Hackerspaces) and gives insights into background, practice and existing experiences from Maker Movement in educational settings amongst all age groups. As a conclusion, the authors present reasons why practitioners and researcher should consider its educational potential. Besides its creative and technological impacts, learning by making is an important component of problem-solving and relating educational content to the real world. Besides this, digital tools for making are not expensive, for example apps for mobile devices or rents for 3D printer (compared with desktops in 1:1 settings). The Maker Movement is seen as an inspiring and creative way to deal with our world, it is aware of ecological challenges and of course, and it is able to develop technological interest and competences casually. Finally, the authors give recommendation for reading for all who got interested in making.
Make -Design -Innovate. Das Potential des Maker-Movements für Innovation
  • Chris Anderson
Anderson, Chris (2012). Makers: The New Industrial Revolution. Crown Business, 2012. Bergner, Anne (2018). Make -Design -Innovate. Das Potential des Maker-Movements für Innovation, Kreativwirtschaft und Unternehmen. Coburg: Hochschule Coburg.