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Abstract

Die Diskussionen der letzten zwei Jahre und das Aufeinandertreffen von Postwachstum und Stadt-/Raumplanung fassen wir in sechs Thesen zusammen. Die Thesen von Christian Lamker und Viola Schulze Dieckhoff wurden in der vorliegenden Form am 29. Juni 2019 auf dem ARL-Kongress „Postwachstum und Transformation: Planen – Steuern – Wirtschaften“ mit einem Sonderpreis des Förderkreises für Raum- und Umweltforschung e. V. (FRU) und der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) ausgezeichnet. | The discussion of more than two years to bring post-growth research and spatial organisation and planning together is condensed into six propositions, awarded with a special award for spatial and environmental research in 2019.
Christian Lamker, Viola Schulze Dieckhoff / 2019
Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 1
Vorwort
Dieser Beitrag wurde in der vorliegenden Form
am 29. Juni 2019 auf dem ARL-Kongress „Post-
wachstums und Transformation: Planen
Steuern Wirtschaften“ mit einem Sonderpreis
des Förderkreises für Raum- und Umweltfor-
schung e. V. (FRU) und der Akademie für
Raumforschung und Landesplanung (ARL) aus-
gezeichnet.
Aus dem Statement der Jury des FRU im Juni
2019: „
es [handelt] sich um den ersten ernsthaf-
ten Versuch, die jüngere Postwachs-
tumsdebatte und ihre Bedeutung für die räumli-
che Planung in griffige Thesen zu überführen.
Ziel des Papiers ist es, eine Diskussion zu einer
Postwachstumsplanung‘ zu eröffnen. Das Pa-
pier hebt sich originell von üblichen
Handreichungen und Positionspapieren ab, da
es experimentelles und künstlerisches Handeln
einbezieht, und Scheitern (und das Lernen dar-
aus) explizit vorsieht. In dieser Hinsicht ist es
von außerordentlicher Bedeutung für die plane-
rische Debatte
“.
Ein herzlicher Dank geht an alle, die dazu bei-
getragen haben!
Dr. Christian Lamker
TU Dortmund / University of Groningen, NL
christian.lamker@tu-dortmund.de
www.christian.lamker.de
Twitter/Instagram: @raumplaner
Viola Schulze Dieckhoff
TU Dortmund / die urbanisten e. V.
viola.schulzedieckhoff@tu-dortmund.de
Instagram: @violaschulzedieckhoff
kontakt@postwachstumsplanung.de
www.postwachstumsplanung.de
Dr. Christian Lamker,
Viola Schulze Dieckhoff
Sechs Thesen einer Postwachs-
tumsplanung
Heute ist ein guter Zeitpunkt, Postwachs-
tum und Planung eng zusammenzubrin-
gen. Einerseits klammern sich viele politi-
sche und öffentliche Diskussionen an ein
tiefes Verlangen nach Wachstum und an
die Schaffung wachstumsfördernder räum-
licher Bedingungen. Stichworte wie
Wohnungskrise, Entfesselung von Wohnen
und Bauen, neue deutsche Industriepolitik
und globaler Handelswettbewerb werden
oft mit einem Ruf nach ‚Mehr‘ an Fläche o-
der monetärer Wirtschaftsleistung be-
antwortet. Andererseits durchziehen zu-
nehmend tiefere Gräben die Gesellschaft
und auch den Raum und führen zu einer
Polarisierung der Raumentwicklung an-
hand eigentlich überkommen geglaubter
Typologien wie Stadt und Land oder Ost
und West.
In entleerten, entdemokratisierten oder ab-
gehängten Räumen fehlt den hier lebenden
Menschen kein Wachstum. Die gesamt-
räumliche Integration hängt vielmehr an
ihrer subjektiven Lebensqualität, öffentli-
cher Daseinsvorsorge und ihren Bildungs-
und Lebenschancen. Auch in sogenannten
Wachstumsräumen und boomenden Groß-
städten verstärken sich Verdrängung,
soziale Gegensätze und räumliche Abgren-
zung. Bei vielen Menschen entsteht das
Gefühl, nicht gefragt zu sein, nicht gefragt
zu werden und nicht dazuzugehören.
Gleichwertige Lebensverhältnisse und Da-
seinsvorsorge sind (wieder) ein Kernpunkt
einer politischen Agenda, die einen neuen
Christian Lamker, Viola Schulze Dieckhoff / 2019
Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 2
Ausgleich zwischen sozial-ökologischen
Interessen, demokratischer Repräsentation
und ökonomischer Leistung sucht.
Die Stadt- und Raumplanung kann als
Grundlage für eine kritische Suche nach an-
gepassten Reaktionen zu diesen Trends
auf grundlegende Kritik an bestehenden
Gesellschafts- und Wirtschaftsmodellen
aus benachbarten Disziplinen zurückgrei-
fen. Die
Ökonomie
bietet neue
Verständnisgrundlagen für die Entwicklung
und Bedeutung von Wachstum an (Piketty
2016), die bereits in den politischen Debat-
ten auf europäischer Ebene und im Vorfeld
des kommenden US-amerikanischen Wahl-
kampfs ihren Niederschlag finden.
Wachstum ist demnach keine Normalität,
sondern ein historischer Ausnahmezu-
stand in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts, der heute extreme natio-
nale und globale Ungleichheiten her-
vorgebracht hat.
Neben analytischen Ansätzen stehen viele
alternative ökonomische Modelle wie die
Postwachstumsökonomie (Paech 2012;
Jackson 2017), die Donut-Ökonomie (Ra-
worth 2018), die Gemeinwohlökonomie
(Felber 2018) oder die Degrowth-Bewegung
(Latouche 2010; Konzeptwerk Neue Ökono-
mie e.V. (KNÖ)/DFG-Kolleg
Postwachstumsgesellschaften (DFG-PWG)
2017; Kallis 2018). Sie fordern aufgrund
endlicher Ressourcen bzw. planetarer
Grenzen unmittelbar eine Veränderung un-
serer Wirtschaftsweise und unseres
Lebensstils ein. Sie begründen veränderte
Wirtschaftsformen und Praktiken oft mit ei-
ner engen Orientierung am Gemeinwohl
(beispielsweise mit ökonomischem Fokus
bei Felber 2018). An ökonomische Gedan-
ken knüpft sich auch politischer Aktivismus
für eine andere Gesellschaft, die 2018 bis
zur europäischen Post-Growth-Konferenz
in Brüssel geführt hat. Die politische Dis-
kussion in Deutschland zeigt mit der
Enquête-Kommission „Wachstum, Wohl-
stand, Lebensqualität“, die 2013 ihren
Abschlussbericht vorgelegt hat, ebenfalls
eine Suche nach Alternativen auf, die sich
bisher aber nicht in grundlegenden Verän-
derungen politischer Zielsetzungen nie-
dergeschlagen hat (Deutscher Bundestag
2013).
Aus der
Soziologie
haben wir kritische An-
sätze zur Verfügung, die den ‚rasenden
Stillstand‘ einer Gesellschaft beschreiben,
die sich in ständiger Beschleunigung befin-
det, aber das gute Leben dennoch nicht
erreicht (Rosa 2016; Rosa/Henning 2018).
Wachstum bietet in einer Welt dynamischer
Stabilisierung wenige Perspektiven für ge-
sellschaftlichen Zusammenhalt und
Gemeinschaft an. Moderne Gesellschaften
und ihre Institutionen stabilisieren sich nur
durch Wachstum in der Regel ökonomi-
sches Wachstum ohne dass der Status
Quo nicht erhalten werden kann (Ro-
sa/Henning 2018: 2). In der Soziologie
finden sich aber auch hoffnungsfrohe Bot-
schaften, die Handlungsmöglichkeiten
jedes Einzelnen in den Fokus setzen (E-
kardt 2017). Ein großer Wandel ist durch
vermeintlich kleine Anpassungen in unse-
ren eigenen Handlungen möglich.
In dieser Richtung vielversprechend ist die
Psychologie
, die tief in die kognitiven Struk-
turen jedes Einzelnen von uns schaut und
Erklärungen anbietet, warum der Drang
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Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 3
nach Wachstum so tief in unseren Denk-
mustern verankert ist (Fromm 2009; Welzer
2011; Hunecke 2013). Erich Fromm (2009:
274) kritisiert diese „Trias von unbegrenz-
ter Produktion, absoluter Freiheit und
uneingeschränktem Glück“ als Kern einer
Fortschrittsreligion, in der sich Menschen
in der Existenzweise des Habens statt des
Seins bewegen. Das materielle Haben hat
keine Grenze nach oben und führt trotz
kurzfristiger Glücksmomente nie zu einem
Zustand der dauerhaften Zufriedenheit.
Hierzu ergänzt die Hirnforschung aktuelle
Erkenntnisse oder Interpretationen, die indi-
viduelle Veränderungs-, Lern- und Ent-
faltungsmöglichkeiten bis an das Lebens-
ende feststellen und damit Mut für Einzelne
wie für Städte und Regionen machen
(Hüther 2013, 2018).
An der Schnittstelle etabliert sich zuneh-
mend die
Transformationsforschung
mit
Akteuren wie dem Wuppertal Institut oder
DRIFT in Rotterdam (Dutch Research Insti-
tute For Transitions). Hier werden grund-
legende Fragestellungen in transformative
und transdisziplinäre Ansätze zusammen-
geführt, die unmittelbar verändernd auf
Raum und Gesellschaft in Prozessen einer
(Großen) Transformation wirken (Schnei-
dewind 2018). Motivierende Aktivitäten
zugunsten dieser Veränderungen, bei-
spielsweise durch ‚Change Agents‘, ver-
schiebt zugleich die Debatte um die Ver-
besserung kommunikativer und parti-
zipativer Planungsprozesse hin zu aktivem
Handeln im Raum und mit dem Raum (so
beispielsweise Kristof 2017: 174 ff.).
In der
Stadt- und Raumplanung
haben die
zurückliegenden Jahre zu ersten Beiträgen
geführt, die sich kritisch gegenüber einer
tief liegenden (ökonomischen) Wachstum-
sorientierung positionieren (Janssen-
Jansen/Lloyd/Peel et al. 2012; Rydin 2013;
Hahne 2017; Schulz 2018; Savini 2019). Ein
Teil dieser Logik ist so tief in Planungsin-
strumenten, Institutionen und Normen
verankert, dass der kritische Blick aus einer
Postwachstumsperspektive bereichern
kann. Auch in Deutschland sieht die Akade-
mie für Raumforschung und Landespla-
nung (ARL) ein Potenzial von Postwachs-
tum, sich zu einem „Paradigma in
Wirtschaft, Gesellschaft und Planung“ zu
entwickeln (Akademie für Raumforschung
und Landesplanung (ARL) 2017: 4). Auf der
Ebene von Nachbarschaften, Stadtteilen
und teilweise Städten gibt es Beispiele für
alternative Praktiken, die potenziell zu
neuen Denk- und Lebensweisen führen kön-
nen. Auf der regionalen Ebene, der Landes-
und Bundesebene sowie mit globalem
Maßstab sind die Debatten bisher noch
weitgehend ein Nischenthema ohne prakti-
sche Verwendung (mit Bezug auf
Dänemark sehr prägnant Galland 2012).
Vor diesem umfassenden Hintergrund ste-
hen hier die eigene Verantwortung und die
eigenen Handlungsmöglichkeiten von
räumlich Planenden im Vordergrund. Der
Planungsbegriff ist dabei bewusst weit ge-
fasst und schließt auch private und zi-
vilgesellschaftliche Akteure sowie alle Bür-
gerinnen und Bürger mit ein, die ihre
Nachbarschaften, Städte und Regionen ak-
tiv mitgestalten (werden). Die folgenden
sechs Thesen greifen auf explorative Dis-
kussionsrunden und Vorarbeiten zurück,
die sich zwischen 2017 und 2019 damit be-
schäftigt haben, Postwachstum und
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Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 4
Planung zusammenzudenken (u. a. Lam-
ker/Mägdefrau/Schulze Dieckhoff 2017;
Lamker/Schulze Dieckhoff et al. 2019).
Erste Grundlage waren drei Workshops zu
Räumen, Akteuren und Prozessen einer
Postwachstumsplanung aus dem Jungen
Forum NRW der ARL. Fortgeführt wurde die
Diskussion an einem World Café-Tisch in-
nerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft
NRW der ARL (Lamker/Schulze Dieckhoff
2017b), mit einer Fishbowl-Diskussion auf
der Dortmunder Konferenz zur Raum- und
Planungsforschung 2018 (Lamker/Schulze
Dieckhoff et al. 2019) sowie auf weiteren
Konferenzen in der Stadt- und Raumpla-
nung. Im Januar 2019 waren die Möglich-
keiten, mit einem alternativen Leitbild der
Postwachstumsplanung zu arbeiten, Teil
einer Übung zur Planungstheorie an der
TU Dortmund (Studiengang B.Sc. Raumpla-
nung, ca. 45 Studierende) sowie einer
öffentlichen Diskussion anlässlich der Prä-
sentation der Ausstellung „Endlich
Wachstum!“ im Leihladen Bochum (ca. 35
Teilnehmende).
Thesen
Der Prozess, Postwachstum und Planung
zusammenzubringen und auf produktive
Potenziale zu untersuchen, war und ist von
Beginn an konfliktreich. Die Abgrenzung zu
noch grundlegenderen Fragen (Gesell-
schafts- und Wirtschaftsformen, Demokra-
tie, Eigentum) und die Suche nach eigenen
Mitwirkungs- und Einflussmöglichkeiten ist
herausfordernd. Statt eines Versuchs, in
wenigen Sätzen die komplexe Diskussion
abzuschließen, soll sie hier erst eröffnet
werden: sechs Thesen konturieren das
Feld, in dem sich Postwachstumsplanung
bewegt. Sie ist inhaltlich breit aufgestellt
und setzt das Planen und Handeln selbst in
den Vordergrund und fordert Verantwor-
tung von Planenden ein. Sie fordert nach
einer klaren Auseinandersetzung mit den
Handlungsgrundlagen von Planung und
den Kriterien, nach denen Erfolg gemessen
wird.
1. Postwachstumsplanung braucht neue
Erfolgskriterien als
Handlungsgrundlage!
Erfolg von Planungen ist schwer messbar
und vielschichtig und kann nicht durch
ein einfaches Kriterium bestimmt werden.
Postwachstumsplanung kann durchaus
etablierte ökonomische Indikatoren wie
das Bruttoinlandsprodukt aufnehmen. An-
gesichts der Unklarheit der Zusammen-
hänge zu Lebensqualität und Umweltquali-
tät ist es aber nicht gerechtfertigt, Erfolg
allein an dieser Zahl festzumachen. In der
internationalen Debatte vollziehen sich be-
reits Diskussionen zu Glücksindizes oder
vielschichtigen Bewertungen von Lebens-
qualität und Zufriedenheit. Die Messung
von Erfolgen bei der Bereitstellung von
technischen und sozialen Infrastrukturen,
Gewerbe-/Bauland und zusätzlichem
Wohnraum ist ebenso vielschichtig.
Fläche und Erfolg müssen angesichts öko-
logischer Belastungen und den Ansprüchen
von Menschen an ihre Lebensumgebung
stärker als bisher beispielsweise durch
das politische 30 ha-Ziel als Teil der Deut-
schen Nachhaltigkeitsstrategie seit 2002
und der nationalen Umsetzung der
Sustainable Development Goals seit 2016
entkoppelt werden (vgl. Bundesregierung
2016). Der Zuwachs an individueller Wohn-
fläche pro Person beträgt bspw. alleine
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Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 5
zwischen 1999 bis 2017 in Deutschland
19,2 % auf 46,5 (Statisches Bundesamt
2019). Gleichzeitig führen Großstädte wie
Berlin oder Hamburg Diskussionen über die
Zweckentfremdung von Wohnraum als Fe-
rienwohnungen oder eine wachsende Zahl
von Zweitwohnungen führen. Ein ‚Mehr‘ an
Wohnraum ist damit nicht gleichzusetzen
mit besserem Zugang zu Mietwohnungen
oder Eigentum, einer Chancengerechtigkeit
für jeden Menschen oder Teilhabe an der
Gesellschaft da bereits diese Entwicklun-
gen enorme Baubedarfe begründen.
Einfach mehr Bauen ist also keine Lösung.
Die Handlungsgrundlage für räumliche
Festlegungen sollte individuelle Bedürfnis-
se von Menschen und das soziale Zu-
sammenleben auch über einzelne Projekte
oder Quartiere hinaus in den Blick nehmen.
Zugleich ist die Suche nach anderen Er-
folgskriterien der Gefahr unterlegen, das
Soziale in einer Weise zu quantifizieren, die
im Ergebnis wieder unter Druck setzt (z. B.
in der planerischen Abwägung) und eine
Maschine des individuellen Messens und
Gemessen-Werdens in Bewegung setzt
(prägnant beispielsweise Mau 2017). Post-
wachstumsplanung braucht hier Mut für
eine situationsbezogene Entwicklung von
Erfolgskriterien und Wegen zu deren Ermitt-
lung, die sozialen Zusammenhalt und
Teilhabe nicht beeinträchtigen.
2. Postwachstumsplanung bedeutet
gerechte und demokratische
Entscheidungen!
Der Prozess einer Postwachstumsplanung
muss demokratisch sein, aber darüber hin-
aus auch den Ansprüchen an inklusive
Entscheidungsfindung gerecht werden. Die
Kritik der Postwachstumsdiskussion stellt
vielfach darauf ab, dass Wachstum nur we-
nigen dient, negative externe Kosten (z. B.
Umweltschäden) verdeckt oder zu einer un-
gerechten räumlichen Entwicklung führt.
Die ökonomische Entwicklung der vergan-
genen Jahrzehnte hat laut Piketty (2016)
eine Ungleichheit hervorgebracht, wie sie
zuletzt im 19. Jahrhundert vorherrschend
war. Die Folgen wachsender Unterschiede
zeigen sich in Deutschland bereits in aktu-
ellen Diskussionen über die Spaltung
zwischen Ost und West oder Stadt und
Land und in Problemen demokratischer
Teilhabe (beispielsweise Hagelüken 2017;
Heinrich-Böll-Stiftung 2017). Die Gefahr
droht, dass Lebenswirklichkeiten oder Le-
bensvorstellungen so weit aus-
einanderdriften, dass die gemeinsame Ver-
ständnisgrundlage gefährdet wird. Wenn
dazu noch Möglichkeiten fehlen, aus eige-
ner Kraft etwas in der Gesellschaft
erreichen zu können, droht eine Verfesti-
gung sozialer Schichten.
Die Definition von Erfolgskriterien einer
Postwachstumsplanung (vgl. These 1) be-
nötigt dementsprechend auch eine ak-
tualisierte Diskussion über unser Verständ-
nis von Demokratie und Gerechtigkeit, das
derzeit global herausgefordert wird. Die
räumlichen und sozialen Grundlagen beein-
flussen die Möglichkeiten zur Teilhabe und
gerechter demokratischer Entscheidungs-
findung. Das betrifft auch kleinräumige
Planungen. Ein Verweis auf politische Gre-
mien reicht nicht, unhinterfragte
Beteiligungsverfahren und ‚chaotische‘
Selbstorganisation sind aber ebenso nicht
intendiert. Es braucht eine Verbindung zwi-
schen dem Individuellen zum
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Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 6
Gemeinsamen und vice versa in jeder Ent-
scheidung.
3. Postwachstumsplanung stößt große
Transformationen durch kleinteilige
Veränderungen an!
Viele große Transformationen sind das Re-
sultat kleinteiliger Veränderungen. Ein
fundamentaler Kurswechsel ist manchmal
zunächst nur eine kleine Veränderung an ei-
nem Steuerrad. Postwachstumsplanung
ermutigt dazu, auch kleine Schritte zu ge-
hen und damit den Anstoß für große Ver-
änderungen zu geben. Sie stellt hierbei die
Möglichkeiten und die Verantwortung in
den Vordergrund, die jeder Einzelne in jeder
raumbezogenen Entscheidungssituation
wahrnehmen sollte. Dazu gehört aus insti-
tutioneller Perspektive die Förderung
alternativer kleinteiliger Praktiken (Savini
2019) und aus individueller philosophisch-
psychoanalytischer Perspektive das Be-
ständige Hinterfragen und Nicht-
Vermeiden kritischer Diskussionen (Gun-
der/Hillier 2007).
Im Gedankenexperiment mit Studierenden
in Raumplanung hat sich gezeigt, dass die
große Mehrheit in kleinteiligen inkrementel-
len Veränderungen denken und handeln
möchte. Die Vorstellung einer anderen Zu-
kunft bleibt einfacher, als die Entwicklung
eines Wegs, mit dem diese auch erreicht
werden kann. Es sind alternative Mikro-
Praktiken, in denen die eigenen oder unmit-
telbaren Handlungsmöglichkeiten gesehen
werden. Für Postwachstumsplanung heißt
das, hier anzuknüpfen und viele kleine
Schnitte zusammenzuführen. Schon in der
Ausbildung müssen Wege verankert wer-
den, die Studierenden über ihren Be-
rufseinstieg hinaus ermöglichen, sich
selbst immer wieder zu reflektieren. Die
Lehre grundlegender Optionen und Hand-
lungsalternativenbeispielsweise aus der
theoretischen Reflexion von Planungsprak-
tiken anhand von Rollenverständnissen
ist eine Möglichkeit, dies zu fördern (Olesen
2018). In einer Führungsrolle müssen Pla-
nerinnen und Planer sicherstellen, dass
jeder Schritt eine Richtung bekommt und
die Orientierung gefunden und erhalten
wird, obwohl in jedem Handeln viele Unsi-
cherheiten bleiben.
4. Postwachstumsplanung braucht
experimentelles und künstlerisches
Handeln!
In der Transformationsdebatte und im me-
thodischen Fokus auf Reallabore, Real-
experimente und transdisziplinäre Wissen-
schaft zeigt sich: in einer komplexen und
vernetzten Welt rückt das Handeln in den
Vordergrund (vgl. auch Lamker/Levin-Kei-
tel 2019: 112). Raumbezogenes Handeln
wird zunehmend experimentell und Raum
zu einem hierarchiefreien und pfadunab-
hängigen Labor. Solche Momente der Non-
Identität (Loepfe/Wezemael 2014: 94) sind
Möglichkeitsräume für ungewöhnliche
Partnerschaften und Ideen zur politischen
Neukonfiguration des Bestehenden. Als
solche stellen diese zunächst kleinteilige,
aber hoffnungsvolle, Keimzellen einer Gro-
ßen Transformation dar. In dieser hat jede
Planung grundsätzlich einen offenen Aus-
gang und knüpft an ein Verständnis an, in
dem lineare und adaptive Strategien in ei-
nem engen Wechselspiel stehen und in
dem in einer eigenen Rhythmik neue Werte
ermöglicht werden.
Christian Lamker, Viola Schulze Dieckhoff / 2019
Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 7
Gestaltung und Planung in solchen komple-
xen gesellschaftlichen Transforma-
tionsprozessen kann als Zukunftskunst ge-
fasst werden (Schneidewind 2018). Zu-
gleich besitzt künstlerisches Handeln gro-
ße Potenziale in der Aktivierung
unterschiedlichster Menschen und im Um-
gang mit bestehenden Situationen. Unter
den Begriff Kunst fallen zudem Möglichkei-
ten, wie auch das selbstmotivierte oder
(aus-)genutzte Engagement von Künstlerin-
nen und Künstlern in der Stadtentwicklung
(beispielsweise für Detroit prägnant bei
Küttel 2018). Die Schnittstellen zwischen
Stadt, räumlicher Planung und Kunst sind in
einer sich transformierenden Welt beson-
ders vielversprechend (aus der Kunst sehr
umfassend in Holub/Hohenbüchler 2014).
5. Postwachstumsplanung muss aus
Scheitern lernen!
Die Vielschichtigkeit von Erfolgskriterien
(vgl. These 1) bedeutet automatisch: Post-
wachstumsplanung kann nicht immer nach
etablierten Kriterien erfolgreich sein. Expe-
rimente können scheitern und dürfen das
auch, um so ihre Bedeutung als Auslöser
für kreative Lernprozesse gerecht werden.
Postwachstumsplanung kann hier die etab-
lierten Diskussionen zu sozialem oder
kommunikativem Lernen aus der strategi-
schen Planung, der Governance-Debatte
und vieler projektorientierter Ansätze fort-
hren und erweitern. Schon John
Friedmann hat 1976 die Wachstumsorien-
tierung von Planung kritisiert und seine
Vorstellung des sozialen Lernens als ein in-
novatives und flexibles Modell daneben
gesetzt (Friedmann 1976: 2 ff.). Lernpro-
zesse müssen dazu stärker mit
einbeziehen, dass wesentliche raum- und
planungsrelevante Lernprozesse zwischen
vielfältigen Akteuren und mitunter ohne öf-
fentliche Planung stattfinden.
Ein frühzeitiges Auseinandersetzen mit
Scheitern ist die Grundlage dafür, aus Feh-
lern produktive Kräfte und Lernprozesse
freizusetzen. Jedes Experiment braucht ei-
nen klaren Rahmen, in dem es durchge-
führt, beobachtet und evaluiert wird. Und es
braucht jemanden, der dieses Experiment
anführt in dem Sinne, dass alle zum ge-
meinsamen Handeln und Lernen motiviert
werden und einen Bezugspunkt haben, der
kontinuierlich unterstützt und inspiriert. Im-
provisation und räumliche Planung stehen
bisher oft im Widerspruch, können aber an-
gesichts der Ausweitung des Spektrums an
Akteuren und der heutigen Unsicherheiten
erneut auf produktive Verknüpfungen ge-
prüft werden (Grundlagen beispielsweise in
Dell 2011). Für die Umsetzung dieser These
sind spielerische Ansätze vielverspre-
chend, die macht- und hierarchiearm
anhand konkreter Handlungsoptionen ar-
beiten können (Hüther/Quarch 2016;
Lamker/Schulze Dieckhoff 2017a). Ein Fo-
kus auf experimentelles Handeln (vgl.
These 4) entbindet damit nicht von der Ver-
antwortung für das eigene Handeln,
sondern ermutigt dazu, selbst aktiv zu wer-
den und Handlungen beständig zu
hinterfragen und weiterzuentwickeln.
6. Postwachstumsplaner*innen sind wir
alle!
Zuletzt kann es in Folge der ersten fünf The-
sen keine Postwachstumsplanung geben,
die an eine Behörde oder eine statische Or-
ganisation gebunden ist oder an eine
Christian Lamker, Viola Schulze Dieckhoff / 2019
Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 8
solche abgegeben wird. Postwachstums-
planerinnen und -planer sind immer wir alle
mit unterschiedlichen Möglichkeiten,
Grenzen und Aufgaben, aber mit gemeinsa-
men Zielen und Rollen. Postwachstum und
Planung gemeinsam zu denken bedeutet,
zugleich offen für grundlegende alternative
Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle zu
sein, aber zugleich beständig das eigene
Handeln zu reflektieren und Verantwortung
für Veränderungen zu übernehmen. Einge-
schlossen sind unser unmittelbares
räumliches und soziales Umfeld, aber auch
unsere globale Verantwortung aufgrund
der tiefen Einbettung in globale Interakti-
ons- und Stoffströme.
Die Postwachstumsdebatte setzt die Ver-
antwortung von Planenden zur Umsetzung
rechtlicher, fachlicher oder sozialer Nor-
men in Beziehung zu einer sorgenden Ver-
antwortung für das Wohlbefinde von Men-
schen in manchen Arbeiten auch der
belebten und unbelebten Natur. Aus der ge-
meinsamen Verantwortung aller planenden
Menschen muss eine motivierende Ver-
knüpfung zu den eigenen Hand-
lungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Transformative Praktiken haben dann das
Potenzial, gesellschaftliche Normen zu ver-
ändern (Savini 2019). Trotz persistenter
Unsicherheit über große Zusammenhänge,
globale und intergenerationale Auswirkun-
gen braucht nachhaltige räumliche Verän-
derung planungsvollen Mut, aktiver und ge-
staltender Teil in Transformationspro-
zessen zu sein.
Ausblick
Diese sechs Thesen zu integrieren im Hin-
blick auf tatsächliche Entscheidungen und
nicht vermehrbaren Boden ist eine viel-
leicht die zentrale Herausforderung für
die aktive Prozessführung durch Stadt- und
Raumplanung in den kommenden Jahren.
Die kontinuierliche Reflexion und die Verän-
derung von Planung selbst sollten
unmittelbar neben die Veränderung raum-
bezogener Entscheidungen gestellt
werden. Die Rolle von Planerinnen und Pla-
nern bedarf dazu einer Neuorientierung.
Aus einfachen Rollenbeschreibungen span-
nen sich vielfältige Rollen und Orga-
nisationsformen des Raums auf. Eine ein-
fache Dualität zwischen ‚den Planenden‘
und ‚den Planadressaten‘ ist angesichts
komplexer Transformationsprozesse nicht
mehr zielführend. Vielmehr sollte der Ver-
such im Mittelpunkt stehen, eine gemein-
same Sprache aller Menschen zur Gestal-
tung unseres Raums zu finden und dabei
unmittelbar die individuellen Handlungs-
möglichkeiten und Ressourcen mit
einzubeziehen.
Alle Menschen werden damit als (potenzi-
elle) Prosumenten des Raums anerkannt.
Durch eine Überlagerung und Verknüpfung
von analogen und digitalen Prozessen kann
Postwachstumsplanung situationsspezifi-
sche Anforderungen besser koordinieren.
Die Auswirkungen raumbezogener Hand-
lungen werden jedoch in komplexen und
sich beschleunigenden Zusammenhängen
trotz oder gerade wegen des technischen
Fortschritts zunehmend unsicher empfun-
den. Postwachstumsplanung muss offen
gegenüber Möglichkeiten der Digitalisie-
rung von Leben, Arbeiten und Gesellschaft
sein und Wege nutzen, die Menschen und
ihre Lebensqualität stärken. Auf der einen
Seite stehen digitale Räumen für kritischen
Christian Lamker, Viola Schulze Dieckhoff / 2019
Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung | #postwachstumsplanung 9
demokratischen Austausch, neue Informa-
tionsmöglichkeiten und journalistische
Formate. Auf der anderen Seite entwickeln
sich negative Auswirkungen vereinfachen-
der oder populistischer Diskussionen und
raumrelevante Gefahren eines Plattform-
Kapitalismus (Srnicek 2018), die derzeit
anhand multinationaler Konzerne wie Air-
bnb auch Stadtentwicklung beeinflussen.
Digitalisierung umspannt als großer Trend
damit die sechs aufgestellten Thesen und
sollte verantwortungsvoll gefördert wer-
den, um allen Menschen mehr aktive
Mitgestaltung zu ermöglichen und gemein-
sames Handeln zu organisieren. Ein solch
ganzheitliches Vorgehen denkt digitale
Räume mit unseren realen Lebensumwel-
ten zusammen. Es nutzt die Synergien im
Hinblick auf Reaktions- und Organisations-
fähigkeit, demokratische Legitimierung,
Vertrauen, Innovation und Gemeinschaft.
In der internationalen Nachhaltigkeitspoli-
tik hat sich bereits seit den 1980er-Jahren
die Auffassung einer gemeinsamen aber
unterschiedlichen Verantwortung etabliert
(Stone 2004). Postwachstumsplanung und
damit eine wachstumsunabhängige Stadt-
und Regionalentwicklung können nur als
gemeinsame Verantwortung aller Men-
schen erfolgreich sein. Zugleich muss die
Individualität aller Menschen in jeder Situa-
tion gewahrt bleiben und kein Mensch darf
in seiner Würde gedemütigt werden. Es gilt
also, das Zusammenspiel aus Gemeinsam-
keit und Individualität inklusive den
eigenen Handlungsmöglichkeiten und Res-
sourcen so auszugestalten, dass
räumliche und gesellschaftliche Transfor-
mationen gestaltet werden können.
Planungsprozesse sollten auf unterschied-
lichen räumlichen Ebenen und diskursiven
Arenen dazu führen, dass ein geeignetes
Zusammenspiel von passiver Beobachtung
und aktiver Gestaltung innerhalb und ggf.
jenseits der jeweils verfügbaren Institutio-
nen, Normen und Ressourcen gefördert
wird. Die Möglichkeit zur demokratischen
Transformation unserer eigenen Prozesse
muss dabei im eigenen Selbstverständnis
verankert sein.
Im Mittelpunkt aller Thesen steht ein positi-
ver Impetus zum eigenen Handeln und eine
Handlungsorientierung, die sich auch ver-
stärkt in aktuellen planungswissen-
schaftlichen Debatten zeigt. Postwachs-
tumsplanung bewegt sich damit im
Spannungsfeld zwischen grundlegenden
Fragen der Umgestaltung des Gesell-
schafts- und Wirtschaftssystems und den
unmittelbaren Potenzialen innerhalb des ei-
genen Systems der Planung. Auch Planung
selbst kann sich mitunter radikal verändern
und sollte Motivation aus eigenen Utopien
schöpfen – in Kenntnis der fortlaufenden
Transformation, der Unvollständigkeit des
eigenen Bilds und des beständigen Stre-
bens nach einer besseren räumlichen
Umgebung (Friedmann 2000). Die Wand-
lungsfähigkeit der Vergangenheit bietet
Hoffnung für die Zukunft, die verantwor-
tungsvoll genutzt werden sollte.
Literatur
Akademie für Raumforschung und Landesplanung
(ARL) (2017): Forschungskonzept 2017-2022.
Hannover.
Bundesregierung (2016): Deutsche
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Article
This paper proposes a case-based degrowth critique of sustainable urban development strategies. Copenhagen, European Green Capital in 2014, is considered a role model of planning for sustainability. Does this hold in a degrowth perspective? Sustainable development assumes that environmental impacts can decline while the economy grows. Degrowth maintains that such a process of absolute decoupling is infeasible. Analyzing Copenhagen’s planning documents in this perspective, I find three factors that make the city’s sustainability strategy ineffective for ecological sustainability. First, Copenhagen’s strategy for climate neutrality is based on externalization: only emissions produced locally are counted. Meanwhile, emissions produced outside of the city for products and services consumed locally remain high. Secondly, policies focus on the efficiency of activities rather than their overall impact: efficiency gains are considered reductions of impact, but really mean slower growth of impact. Finally, sustainability measures are proposed as a ‘green fix’, to increase competitiveness and promote economic growth, leading to increased consumption and impact. Analyzing the critical case of Copenhagen in a degrowth perspective, sheds doubts on sustainable urban development, but does not imply the rejection of all its typical planning measures. This induces reflections on how these results can contribute to a degrowth-oriented urban planning.
Article
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Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der RaumPlanung, Informationskreis für Raumplanung e.V. (IfR) | Postwachstum und Planung wurden lange nur punktuell zusammen gedacht. In den letzten Jahren finden sich zunehmende Verknüpfungen aus Ökonomie, Soziologie und Politikwissenschaft in die räumliche Planung. Begrenzte Ressourcen, nicht vermehrbarer Boden, Nachhaltigkeitsziele und ein neuer „Druck auf die Fläche“ fordern kritisches Nachdenken heraus. Im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion suchen Planungswissenschaftlerinnen und Planungswissenschaftler nach konstruktiven Potenzialen für eine Postwachstumsplanung.
Article
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To address the social, spatial and environmental problems of cities, planners often promote and engage with spatial practices that are intended to be experimental, innovative or transformative of existent processes. Yet, the actual nature of the novelty of these practices is often not explicit nor problematised by their proponents. This article develops an institutionalist framework to better appreciate the variegated nature of change in planning practices. It understands planning as embedded in, and simultaneously impacting on, three types of institutionalised norms: operational norms that define and allocate responsibilities among actors, collective norms that (re)produce planning polities and constitute the spatial-temporal context of their actions and constitutional norms that substantiate the idea of value defining the eligible stakeholders of a particular process. The article mobilises this framework and argues that contemporary planning practices convey a (a) shifting of responsibility towards individuals and households, (b) disaggregation of city regions through polycentric localism and (c) the reproduction of the process of accumulative valorisation of land. The article concludes reflecting on the complexity institutional change.
Article
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Planning theory is often portrayed as a subject that urban planning students find too abstract and fail to see the relevance of. This paper advocates the perspective that planning theory can be made more student-friendly. This requires, firstly, that academic discussions about the relevance of planning theory for urban planning practice are integrated into the course module. If students are to appreciate planning theory, it requires that they understand how planning theory can inspire planning practice. Secondly, it requires careful considerations to the pedagogy of planning theory. The paper suggests that teaching planning theory as a variety of planner roles offers a helpful pedagogical approach for helping students construct their identities as urban planners. The paper builds on the author’s own experiences of teaching planning theory in a master’s urban planning programme, and has been written as part of the author’s completion of a pedagogical course for university lecturers (The pedagogical course for university lecturers is a 10 ECTS course for assistant professors, which provides the participants with the pedagogical and didactic foundations for a university career).
Article
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Spatial planners are often told that they must be responsible to ensure equitable and democratic planning processes, or to ensure the sustainability of our communities and wider planet. The words ‘responsible’ and ‘responsibility’ are readily assumed to be an unambiguous ethical stance that all spatial planners understand and undertake. Does this mean that when our planning outcomes are neither equitable nor sustainable (as in many cases), that we have failed in our responsibility? More fundamentally, what does responsibility actually mean and imply for our practices?In this monograph we problematise the concept of responsibility as a social construct from diverse theoretical perspectives. These perspectives draw on a tradition of duty, responsibility as delineation of the good, responsibility to the other regardless of proximity, and responsibility as the ability to act and accept liability for the consequences in ambiguous situations while allowing the potential for future radical betterment. We take empirical examples from the planning literature to demonstrate the implications of the various interpretations of responsibility and question each position through a lens of ideological analysis and critique prior to evaluating each perspective for its appropriateness in planning ethics and practice.We suggest that our questions are often undecidable and that ‘responsibility is like a string that we can only see the middle of. Both ends are out of sight’ [(McFee, 1916). Casuals of the sea: The voyage of a soul. New York: Doubleday]. We conclude by proposing a contemporary response to the conceptualisation of responsibility in spatial planning. This is a response predicated on the avoidance of avoidance in a globalising world.
Book
For the past half-century, the planning system has operated on the basis of a growth-dependence paradigm. It has been based on market-led urban development and has sought to provide community benefits from a share of development profits. However, we do not live in a world where growth can be taken for granted and we are more aware than previously of the implications for well-being and sustainability. This timely book provides a fresh analysis of the limitations of the growth-dependence planning paradigm. It considers alternative urban development models, ways of protecting and enhancing existing low value land uses and means of managing community assets within the built environment. In each case it spells out the role that a reformed planning system could play in establishing a new agenda for planning. The book will be of relevance to planning students, planning professionals and planning academics, as well as urban policy specialists more generally.
Article
The concept of “common but differentiated responsibilities” (CDR) is receiving increasing recognition in international law. “Common” suggests that certain risks affect and are affected by every nation on earth. These include not only the climate and the ozone shield, but all risk-related global public goods, including peace, public health, and terrorism. In reducing the mutual risks, all nations should “cooperate in a spirit of global partnership.” Responsibilities are said to be “differentiated,” however, in that not all countries should contribute equally. CDR charges some nations, ordinarily the Rich, with carrying a greater share of the burden than others, ordinarily the Poor.
Article
How is regional planning transformed in increasingly changing socioeconomic and political contexts? How are regional planning policies and practices ultimately shaped and why? With this paper, the author proposes and applies an analytical model based on notions of state theory, state spatial selectivity, new planning spaces, and policy discourses to examine how regional planning has evolved in the course of the past four or so decades. On the basis of an analysis concerned with the history and evolution of Danish regional planning, he argues that regional planning has shifted away from being a sociospatial and welfarist state project towards being a domain characterised by growth-oriented strategies that stand for neoliberal political agendas. In examining this process the author suggests that hierarchical forms of governance and the statutory mechanisms embedded within them have been largely substituted by emerging soft spaces of governance and flexible policies intended to destabilise formal planning arenas. Finally, he discusses the fact that the ‘classical–modernist’ steering role of regional planning that once sought to tackle socioeconomic disparities has been replaced by a facilitating role that promotes competitiveness through growth-oriented policy instruments. Keywords: regional planning, planning reorientations, structural reform, spatial planning, planning roles, governance structures, soft governance spaces