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Entwicklung eines technischen und wirtschaftlichen Konzepts für den Betrieb eines Dorfladens mit personalfreien Öffnungszeiten im Harz

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Abstract

Nicht selten scheitern Dorfläden, mit denen engagierte Bürgerinnen und Bürger die Versorgungslücken in ländlichen Regionen schließen wollen, schlicht an ihrer Wirtschaftlichkeit: Bei einem eng begrenzten Kundenklientel lassen sich oft weder ein attraktives Warenangebot noch akzeptable Öffnungszeiten aufrechterhalten. Der weitgehend personalfreie Betrieb von Märkten, in denen die Kundinnen und Kunden die Ware eigenständig abrechnen, ist eine vieldiskutierte, in der Praxis bis dato jedoch kaum umgesetzte Alternative zum klassischen Dorfladen. Im Rahmen des LEADER-finanzierten Projekts „DigiShop“ will der TECLA e.V. am Beispiel von Ortschaften im Bereich der LEADER-Aktionsgruppe Harz ermitteln, unter welchen technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und warenlogistischen Bedingungen ein „Dorfladen 2.0“ in einer Region wie dem Harz erfolgreich betrieben werden könnte. Das technische Konzept entsteht dabei am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz.
Entwicklung eines technischen und wirtschaftlichen Kon-
zepts für den Betrieb eines Dorfladens mit personalfreien
Öffnungszeiten im Harz
Peter Kußmann1, Kathleen Vogel2, Christian Reinboth3, Thomas Schatz3
1Hochschule Harz, Fachbereich Automatisierung und Informatik
2Vogel Consulting Quedlinburg
3TECLA e.V. Wernigerode
1. Ausgangssituation
Nicht selten verlieren weniger mobile Seniorinnen und Senioren mit der Schließung der letzten
lokalen Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs nicht nur eine wichtige Einkaufsmög-
lichkeit, sondern auch einen Ort der Begegnung, der wesentlich zur sozialen Kohäsion einer
Dorfgemeinschaft beiträgt
1
. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zwischen ländlichen
und urbanen/suburbanen Wohngegenden ist obwohl vornehmliches Ziel der Raumordnung
unter diesen Bedingungen nicht mehr gegeben
2
. In strukturarmen Regionen bieten sich durch
die Digitalisierung aber auch Chancen zur Schaffung generationengerechter Versorgungsinfra-
strukturen. Nicht selten scheitern allerdings Dorfläden, mit denen engagierte Bürgerinnen und
Bürger die Versorgungslücken schließen wollen, schlicht an ihrer Wirtschaftlichkeit: Bei einem
eng begrenzten Kundenklientel lassen sich oft weder ein attraktives Warenangebot noch ak-
zeptable Öffnungszeiten aufrechterhalten. Der weitgehend personalfreie Betrieb von Märkten,
in denen die Kundinnen und Kunden die Ware eigenständig abrechnen, ist eine vieldiskutierte,
in der Praxis bis dato jedoch kaum umgesetzte Alternative zum klassischen Dorfladen.
2. Projektziele
Im Rahmen des LEADER-finanzierten Projekts „DigiShopwill der TECLA e.V. am Beispiel von
Ortschaften im Bereich der LEADER-Aktionsgruppe Harz ermitteln, unter welchen technischen,
wirtschaftlichen, rechtlichen und warenlogistischen Bedingungen ein „Dorfladen 2.0“ in einer
Region wie dem Harz erfolgreich betrieben werden nnte. Das technische Konzept entsteht
dabei am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz.
1
vgl. Quiring (2014), S. 15
2
vgl. Meessen et al. (2012), S. 177
Entwicklung eines technischen und wirtschaftlichen Konzepts für den Betrieb eines Dorfladens
mit personalfreien Öffnungszeiten im Harz
2
3. Fragestellungen
Wesentliche, durch die Hochschule zu bearbeitende Fragestellungen sind:
- Wie können der Zugang zum Gebäude sowie die Kundenidentifikation sichergestellt werden?
(z.B. Chipkarten-System, eID).
- Wie kann die Diebstahlsicherung auf angemessene und datenschutzkonforme Art und Weise
realisiert werden? (z.B. Zugangsbeschränkung, Videoüberwachung, elektronische Diebstahlsi-
cherung, soziale Kontrolle, Verzicht auf kritische Warengruppen)
- Welcher Aufwand wäre mit einem eigens für das Projekt zu entwickelnden Bezahlsystem
(z.B. Genossenschafts-ID in Kombination mit einer Geldkarte) verbunden? Gibt es marktver-
fügbare Kartensysteme, auf die aufgebaut werden könnte?
- Wird bereits eine ausreichende Anzahl von Waren mit in der Verpackung integriertem RFID-
Chip zu tragbaren Konditionen angeboten, so dass ein RFID-basiertes Kassen- und Abrech-
nungssystem nutzbar wäre?
4. Ausblick
Das technische Konzept wird bis Juni 2019 vorliegen, die Machbarkeitsstudie einschließlich
Standortanalyse sowie Betrachtung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen
wird bis Oktober 2019 abgeschlossen und Open Access veröffentlicht. Parallel zur Konzept-
entwicklung finden bereits Gespräche mit interessierten Dorfladenbetreibern in der Region
statt, um als vielversprechend identifizierte Lösungsansätze im Rahmen eines Nachfolgepro-
jekts testen zu können.
Das Projekt „DigiShop Harz“ wird unter der ZD-Nummer 158853700039 im Rahmen des Ent-
wicklungsprogramms für den ländlichen Raum des Landes Sachsen-Anhalt 2014 2020 ge-
mäß der Maßnahme „Unterstützung für die lokale Entwicklung LEADER“ und im Schwerpunkt-
bereich „Förderung der lokalen Entwicklung in ländlichen Gebieten“ aus Mitteln des Europäi-
schen Landwirtschaftsfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.
5. Literaturangaben
Meessen, Stefan; Trienes, Marco; Jenniches, Simon (2012): „Convenience“ auf dem Dorf? In:
Standort 36 (4), S. 177186.
Quiring, Lisa (2014): Machbarkeitsstudie zu einem Dorfladen im Ortsteil Welschensteinach der
Gemeinde Steinach im Kinzigtal, Bachelorarbeit, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
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